„Tamtam und Tabu. Meinungsmanipulation von der Wendezeit bis zur Zeitenwende“ – Von Daniela Dahn und Rainer Mausfeld. Rezension

Dreißig Jahre Wiedervereinigung beging – feierte? – man im Jahre 2020. Im September 2020, rechtzeitig vor dem 3. Oktober dieses Jahres, brachte der Westend Verlag das Buch der beiden hervorragenden Autoren Daniela Dahn und Rainer Mausfeld mit dem Titel „Tamtam und Tabu. Die Einheit: Drei Jahrzehnte ohne Bewährung“ heraus. Hier finden Sie meine Besprechung.

„Niedervereingung“ oder Konterrevolution?

Wiedervereinigung des in Folge des Zweiten Weltkriegs in zwei Länder gespaltenen Deutschlands? Na ja: Die DDR trat dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland bei. Nicht alle Deutschen schrieen damals Hurra. Der Journalist Ralph T. Niemeyer (im Moment firmiert er in Russland als Vertreter einer „Exilregierung“ Deutschlands), spricht von einer „Niedervereingung“. Welcher, wie wiederum andere sagen, in der DDR eine Konterrevolution vorausging. An welcher im Grunde schon ab Gründung der DDR im Jahre 1949 gearbeitet wurde. Wie auch immer: Der DDR und ihren Bürgerinnen und Bürgern wurde 1990 das BRD-System mit allen Konsequenzen daraus übergestülpt. Es kam zwar die von vielen DDR-Bürgern begrüßte D-Mark und die stets herbeigesehnte Reisefreiheit plus einer lockenden Warenwelt – aber eben nicht nur der Kapitalismus mit allen Vorteilen, sondern auch mit seinen sämtlichen Übeln. Der Kapitalismus, der von der DDR hinter sich gelassen worden war, um einen Sozialismus aufzubauen. Der freilich keiner war. Letztlich erfolgte 1990 ein Rollback. Also doch eine Niedervereingung?

Daniela Dahn: Das Wahlergebnis von 1990 entsprach nicht der Erwartung aller DDR-Bürger

Daniela Dahn gab aber schon im vorigen Buch zu bedenken: „Die Mär, wonach im März 1990 so gut wie alle DDR-Bürger so schnell wie möglich mit Westgeld im blühenden Westgarten leben wollten, stimmte schon vor der Wahl (Anmerkung C.S. 1990) nicht, das Wahlergebnis entsprach ihr nicht und die Folgen der Wahl erfüllten solche Hoffnungen nicht. Und dennoch hat sie sich bis heute gehalten.

Der eigentliche Wunsch bestand bis zuletzt darin, Eigenes in die Einheit einzubringen. Der Meinungsumschwung war einem Diktat aus Desinformation, Zermürbung und Erpressung geschuldet. Der Kampf um Mehrheiten hat der Mehrheit geschadet. Sie war einer Pseudo-Entscheidung zwischen zahlungsunfähiger Wirtschaft und dem Heilsversprechen der D-Mark ausgesetzt worden. Die Leute glaubten, um ihren Besitzstand zu wahren, sei es erst einmal das Beste, die Kräfte des Geldes zu wählen. Sie lieferten sich den Finanzstarken aus, in der Hoffnung, dadurch selbst stark zu werden. Sie wollten das Kapital und wählten die Kapitulation.“

In Kürze steht das Datum 3. Oktober einmal mehr an. Und der Westend Verlag wartet mit einer neuen, erweiterteten und überarbeiteten Taschenbuchausgabe von „Tamtam und Tabu. Meinungsmanipulation von der Wendezeit bis zur Zeitenwende“ – wieder mit aktualisierten Texten von Daniela Dahn und Rainer Mausfeld auf und schreibt dazu:

„1990 gilt als das wichtigste Jahr der Nachkriegsgeschichte. Alles scheint gesagt – doch die Tabus überdauern. Dahn und Mausfeld nehmen sie ins Visier. Das Buch untersucht, wie die öffentliche Meinung in kurzer Zeit in eine Richtung gewendet wurde, die einzig den Interessen des Westens entsprach. Es ist an der Zeit, dieses Narrativ über die Wende zu erschüttern.“

Verspielte Chancen

In ihrer Einstimmung zum Buch erinnert die Autoren noch einmal an die sich im Jahr 1990 geboten habenden Chancen „sowohl für eine internationale Friedensordnung wie auch für eine erneuerte Demokratie, die dann diesen Namen verdiente.“

„Heute“, merken Dahn und Mausfeld an, „wissen wir, dass diese Chanchen aus geopolitischen Interessen und denen der Kapitaleigner gezielt blockiert und somit verspielt haben.“ Und stellen die berechtigte Frage: „Warum war dies, entgegen den großen Hoffnungen der Bevölkerung so leicht?“ Und hinterdrein liefern sie auch gleich die Antwort: „Die Leichtigkeit, mit der eine kleine Minderheit von Besitzenden Macht über eine große Mehrheit von Nichtbesitzenden ausüben kann, gleiche einem >>Wunderwerk<<, bemerkte zur Zeit der Aufklärung der große schottische Philosoph David Hume.“

Hume habe erkannt, dass das Augenmerk nicht nur auf die rein physische Macht, die es auf den Körper abgesehen hat, zu legen sein, „sondern auf die Formen der Macht, die auf die Psyche zielen“

Weiter: „Wer über Mittel verfügt, mit denen sich auf der Klaviatur des menschlichen Geistes spielen lässt, dass Meinung und Affekte in geeigneter Weise gesteuert werden können, verfügt über einen Einfluss, der kaum noch als Macht erkennbar ist und gerade darum eine besondere Wirksamkeit entfalten kann.“

Apropos Formen der Macht, die auf die Psyche zielen, schiesst mir sogleich in den Kopf: Sind vielleicht nicht ähnliche Mittel in Zeiten der Corona-Krise, anlässlich der Covid-19-Pandemie ge- und benutzt worden? Wobei hier hauptsächlich mit der Angst vor einem Virus, das es sicher gibt, aber eben unsichtbar ist, gearbeitet wurde.

Schon im vorangegangenen Buch der beiden Autoren wurde uns Lesern ja auseinandergesetzt, wie es im Verlauf der Ereignisse von 1989/90 gelungen war, „die Stimmung eines Großteils der DDR-Bevölkerung in wenigen Wochen in die vom Westen gewünsche Richtung zu lenken“. Schon Walter Lippmann habe sich (wie bei ihm nachzulesen ist) mit Machttechniken befasst, durch die sich die >>verwirrte Herde auf Kurst halten lässt<<. Lippmann hatte eine sogenannte >>Elitendemokratie<< angestrebt.

Dahn/Mausfeld: „Heute ist die Elitendemokratie das Standartmodell kapitalistischer Demokratien.“

Wir, möchte ich einwerfen, erleben es gerade heute wieder wie zuvor schon in der Corona-Krise nun abermals betreffs des Ukraine-Kriegs, wie „emanzipatorische Alternativen, die die Stabilität der herrschenden Machtordnung zu gefährten drohten, aus dem öffentlichen Denkraum verbannen konnte“.

Wir werden heute überdies Zeuge, wie die Wände der Meinungskorridore immer weiter zusammengeschoben werden und Denkverbote manifestiert werden.

Ukraine-Krieg und Zeitenwende

Die Beiträge Daniela Dahns zusammengebracht zu haben verdanken wir dem Westend Verlag. Erfreulich auch dessen Anregung, die Taschenbuchausgabe mit einem Gespräch der Autoren über den Ukraine-Krieg zu beginnen.

Die andere Gespräche – nun auch in der Taschenbuchausgabe abgedruckt – liegen zwei Jahre zurück.

Rainer Mausfeld stellt eingangs fest: „Die Geschehnisse in der Ukraine und der durch die militärischen Angriffe Russlands ausgelöste Krieg haben zu einem zivilisisatorischen Regress geführt, denn Dimensionen wohl erst in den kommenden Jahren sichtbar werden..“

Die EU, so Mausfeld, habe bei der Bewältigung der Ukraine-Krise „in einem historischen Ausmaß versagt“. Sie werde zu den großen Verlierern dieser Krise zählen.

Europäische Stabilität und Friedensordnung sowie den Wohlstand der Bürger habe sie den imperialen geopolitischen Zielen der USA untergeordnet.

De facto seien damit die Staaten der EU zu Satellitenstaaten der USA und deren Befehlsempfängern geworden.

Da stellt sich freilich die Frage, ob das nicht schon zuvor so gewesen ist. Mindestens was Deutschland anbetrifft, das wieder einmal als Vasall agiert. Selbiges trifft für die deutsche, transatlantisch vasallenhaft auffallend gleichtönende Mainstream-Presse zu, wie ich finde.

Daniela Dahn beklagt: „Für das Versagen der Politik werden jetzt weltweit Bürger sanktioniert. Das Versprechen von Freiheit und Demokratie soll uns genügen, den Gürtel enger zu schnallen, weniger mobil zu sein, zu frieren, bescheidener zu essen, in den armen Ländern noch mehr zu hungern – ja, zu verhungern.“

Und weiter: Diese nie für möglich gehaltene Erfahrung ist nach den verpassten historischen Chancen für einen gemeinsamen demokratischen Aufbruch Anfang der 90erJahr besonders bitter.“

Dahn hält die für einstige Wendezeit angewandte Betrachtungsmethode von Tamtam und Tabu für weiter tauglich: „Was wird auch jetzt aufgebauscht, was verschwiegen? Deutschland nutzt die Gelegenheit und befreit sich von seinen einstigen Befreiern. Der Wille, alle Bedenken fallen zu lassen, ist atemberaubend.“

Rainer Mausfeld skandalisiert, dass Bundeskanzler Scholz die „Situation einen massiven Zivilisationbruches euphemistisch als >>Zeitenwende<< bezeichnet.

Mausfeld schreibt, wir befänden uns in einem „ökonomischen Weltkrieg“ sowie in einem „militärischen Stellvertreterkrieg in welchen USA und NATO längst Kriegsteilnehmer seien.

Daniela Dahn sieht durchaus die Vorgeschichte dieses Krieges. Die vielen Provokationen gegenüber Russlands, verurteilt aber den Angriffskrieg als völkerrechtswidrig, welcher jedoch keinesfalls alternativlos anzusehen sei.

Auch Mausfeld geht auf die Vorgeschichte des Krieges ein. Wirft jedoch die Frage auf, warum über „Putins Vorschlag für einen Vertrag zwischen der russischen Föderation und den USA zu reden, der seit Dezember 2021 auf der Seite des russischen Außenministeriums für alle einsehbar war“, nicht eingegangen worden sei. „Neutralität der Ukraine, Autonomie für den Donbass, das Krim-Referendum bleibt gültig und die NATO zieht ihre Atomwaffen aus den einstigen Atomwaffen aus den einstigen Sowjetrepubliken zurück.“ Und findet: „Damit hätte die Welt leben können, selbst die Ukraine.“

Beide Autoren sind in ihren Meinungen nicht immer hunderprozentig denkungsgleich, aber wiederum auch nicht sehr weit auseinder.

Dahn meint , dass der Keim für den jetzigen Krieg von den USA lange vor der Präsidentschaft von Putin gelegt worden sei. Sie verweist dazu auf 2004 getätigte Äußerungen von Zbigniew Brzezinski im Wall Street Journal Putin sei >>Moskaus Mussolini<<. 2008 dann habe er ihn mit Hitler vergleichen, „weshalb Russland ökonomische zu schwächen und zu einem Pariataat zu machen sei“.

Alles in allem interessante Gespräche und Analysen der beiden Autoren. Uns wird vor Augen geführt, wie wieder einmal die großen Medien dazu beigetragen haben, „tiefere historischen Ursachen dieser Krise aus dem öffentlichen Bewusstsein zu tilgen“ (Rainer Mausfeld).

Es wird von einer „Generalmobilmachung aller großer Medien“ gesprochen. Was „einer Entzivilisierung der politischen Debatte“ und einer weitgehenden Zerstörung des demokratischen Diskurses gleichkäme. Dies sei eine selbst zu den Hochzeiten des Kalten Krieges nicht gekannte Verengung des Debattenraumes und eine aggressive Ächtung von Dissens.

Daniela Dahn hält dringend geboten über ein friedliches Miteinander nachzudenken.“Unsere einzige Möglichkeit aus der Defensive zu kommen“, so schreibt sie, „bleibt die faktenbasierte Analyse, vor allem der eigenen Seite. Diese schwere Waffe wird nicht geliefert, man muss sie sich selbst zugänglich machen. Zweifel, Korrektur und Sorgfalt erhöhen die Treffsicherheit.“

Diesem, der Aktualität geschuldeter, deshalb wichtiger, Einstieg in das Buch rund um die sogenannte „Zeitenwende“ folgt noch einmal ein Rückgriff auf die Zeit, in welcher während der Wende bis hin zur deutschen Einheit mit allen publizistischen Mittel daran gearbeitet wurde, die DDR-Bürger sozusagen aufzugleisen. Sie entsprechend zu manipulieren.

Historisches

Wie Manipulation im Einzelnen geschah, das hat Daniela Dahn im Kapitel „Volkslektüre. Eine Presseschau“ (S.39) aufgeschrieben. Da wurde die alte DDR-Führung mehr oder weniger geschickt diffamiert. Da wurde dann auch schon einmal nach Strich und Faden gelogen. Nur ein Beispiel aus dem Spiegel Das (inzwischen) ehemalige Nachrichtenmagazin „gibt vor zu wissen, Honecker sei ‚Eigner von vierzehn Luxuskarossen‘ gewesen. In Wahrheit“, so rückt Daniela Dahn es gerade, „besaß der SED-Chef und Staatsratsvorsitzende privat nicht ein Auto. Da hätte auch gar keinen Sinn ergeben, waren doch die sich selbst ghettosierenden Spitzenfunktionäre aus Sicherheitsgründen nur im Dienstwagen mit Fahrer unterwegs. Ob Honecker in seinem Jagdrevier auf mal in Margots Wartburg durch den Wald preschen durfte, ist nicht überliefert.“

So wurde die DDR Dreck beworfen, dass es nur so spritzte. Immerhin, so erinnert uns Daniela Dahn, ermahnt der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker „als Erster die westdeutsche Publizistik, sie solle die Vorgänge in der DDR ’nicht für hiesige Zwecke instrumentalisieren‘.“

„Die hiesigen Zwecke sind für die Konservativen der Erhalt und die Festigung des Status quo in der BRD.“

Vergebliche Ermahnungen: man tat freilich weiter so. Kohl nutzte seine ihm in den Schoss gefallene Chance koste es was es wolle. „Die Birne“, wie er seinerzeit genannt wurde, wäre nämlich ohne den Fall der DDR weg vom Fenster gewesen. Riesige Summen ließ er einsetzen, damit die Menschen in der DDR so wählten, wie es ihm passte. Propaganda- und Fahnenmaterial wurde in die strauchelnde DDR gekarrt. Den Slogan „Wir sind das Volk“ wurde in „Wir sind ein Volk“ umgeschrieben. Heute würde man das Ganze wohl Nudging nennen – die DDR-Menschen wurden dahin geschubst, wohin man sie haben wollte.

Auch das macht Daniela Dahn klar: Es gab durchaus auch kritische Medien in der Noch-DDR. Doch wurden diese kaum noch gelesen. Alles wurde von Westpresse überschwemmt, DDR-Verlage wurden von Westverlagen aufgekauft und so weiter.

Es ist den Leserinnen und Lesern wirklich zu empfehlen, das akribisch zusammengetragene und von Daniela Dahn für das Buch aufbereitete Material mit den dazu gehörigen Stimmen und Quellen sehr gründlich zu studieren und zu verinnerlichen. Auch das Kapitel „Die Währungsunion war organisierte Verantwortungslosigkeit“ (S.115) ist unverzichtbar und für ganze weiter erfolgte Entwicklung exorbitant wichtig. Langsam, Buchseite für Buchseite lupft Daniela Dahn die über die ganzen wenig rühmlichen, in den Zeiten von Wende und DDR-Anschluss begangenen Missetaten gekippte süße, schleimige Friede-Freude-Eierkuchen-Einheitssoßen-Schicht an. Und manch übler Dunst steigt da aus dem auf die DDR abgekipptem Kladderadatsch auf.

Auch das Treiben der Treuhand, die betreffs ihres Tuns dieser Bezeichung hohnsprach, wird von Daniela Dahn beackert und bis in die dunklen Seiten hinein beleuchtet.

Wir sollten uns erinnern, möchte ich hier zu diesem Thema einwerfen: Der Schriftsteller Rolf Hochhuth, der das Stück „Wessis in Weimar“ geschrieben hatte, schrieb rückblickend von einer „brutalen Enteignung der Ostdeutschen“ und einem „Gewaltakt namens Wiedervereinigung“. Es dürfte die größte Enteígnung gewesen sein, die die Welt je gesehen hat.

Wie die Willensbildung der DDR-Bürger beeinflusst wurde, zu erklären – um nicht zu sagen: darzulegen, wie sie sozusagen hinter die Fichte geführt wurden -, ist die ureigenste Aufgabe des Wahrnehmungs- und Kognitionsforschers Prof. Dr. Rainer Mausfeld im vorliegenden Buch. Im Kapitel „Wende wohin? Die Realität hinter der Rhetorik“ ab Seite 126 beschönigt er freilich nichts. Dennoch postuliert er: „Das Schweigen der Lämmer ist kein unabwendbares Schicksal.“ Aber müssen wir ehrlichkeitshalber hinzusetzen: Aber nicht mit einem Federwisch zu machen.

Mausfeld: „1989 hat das Volk sich selbst zum Sprechen ermächtigt und seine Stimme gegen die Zentren der Macht politisch wirksam werden lassen. Es hat den alten Hirten die Gefolgschaft aufgekündigt und sich neue gesucht, die seine Vertreibung ins Paradies, so das treffende Bild von Daniela Dahn, organisierten.“

Rainer Mausfeld spricht Wichtiges bis ins Heute an, wo doch eine Krise nach der anderen allmählich zu explodieren droht: „Die Frage, die wir uns stellen müssen ist also: Warum sind wir so blind für die zerstörerischen Folgen der kapitalistischen Weltgewaltordnung? Das Erfolgsrezept des Kapitalismus ist seit jeher, dass er uns zu einem Teufelspakt verführen will, er verspricht uns immerwährenden Fortschritt und eine kontinuierliche Verbesserung unserer Lebensstandards und sorgt zugleich dafür, dass wir unfähig sind, den dafür zu entrichtenden Preis überhaupt erkennen zu können.“

Daniela Dahn wiederum fragt im Kapitel „Ein Luxus anderer Art. Was bedeutet die Forderung nach einem Systemwechsel? (S.147). Und sie erkennt: „Frei (und demnach revolutionär) ist, wer das als falsch Erkannte umzukehren vermag.“ Aber muss auch einsehen: „Recht und Staat sind praktischerweise so konstruiert, dass sie die herrschende, angeblich nicht verfehlte, sondern fortschrittliche Funktionslogik in Gang halt.“ Dahn führt Kurt Tucholsky ins Feld: Politik ist die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen mit Hilfe der Gesetzgebung.“

Dahn schließt das Kapitel so: „Den eigentlich verbotenen politischen Streik hat ‚Fridays for Future‘ schon erprobt. Die Gemeinnützigkeit wird sich die globalisierungskritische Attac-Bewegung nicht nehmen lassen. Ist so etwas wie Generalstreiks wieder zeitgemäß? Wie schützt man soziale Revolutionen vor finanzierten und manipulierten Putschen und Umstürzen?

Die Verheißungen eines Systemwechsel, aber auch die Widerstände dagegen bewusster zu machen, hat letztlich einen Zweck: uns die Erfahrungen eines weiteren, folgenreichen Scheiterns zu ersparen. Denn dann wird die Erde sinken und verbrennen.“

Das keinen Moment langweilig werdende Buch geht aus mit hochinteressanten Fünf Gesprächen in Form einer fortgesetzten Telefonkonferenz als Anmerkungen und weiterführende Betrachtungen zu den verhergehenden Texten der beiden Autoren Daniela Dahn und Rainer Mausfeld (ab S.162).

Rainer Mausfeld sagt unter der Überschrift „Wie sich die verwirrte Herde auf Kurs halten lässt.“ (S.165)

„… was sich dazu sagen lässt, ist leider weniger erbaulich. Der Westen verfügt über eine einzigartiges Arsenal höchst raffinierter psychologischer Manipulationsmethoden. Das wird seit mehr als hundert Jahren mit großen Forschungsanstrengungen und verfeinert. In diesen psychologischen Techniken einer Bevölkerungskontrolle hat der Westen gegenüber dem Osten einen kaum vorstellbaren Forschungsvorsprung: (…) Kapitalistische Demokratien sind, wie man schon früh erkannte, wegen der freien Wahlen darauf angewiesen, bei den Wählern den Eindruck völliger Freiheit aufrechtzuerhalten und zugleich sicherzustellen, dass diese so wählen, wie sie wählen sollen. Das ist machtechnologisch nur mit höchstem Aufwand zu bewältigen.“

Ab S.175 ein weiteres wichtiges Thema im Gespräch: „Wendevorgänge und manipulierte Geschichtsschreibung über die DDR“! Wie funktionierte das? Daniela Dahn: „Wer die Gegenwart Gegenwart kontrolliert, kontrolliert auch die Vergangenheit.“ (S.177)

Rainer Mausfeld (199): „Der empörendste Befund ist eigentlich die siegestrunkene Hemmungslosigkeit, mit der eine frei Meinungsbildung der DDR-Bevölkerung behindert und blockiert wurde. Ganz ungeniert und offen wurde hier von außen massive Wahlbeeinflussung betrieben. Es lohnt sich das Ausmaß dieser Wahlbeeinflussung in Relation zu jüngeren tatsächlichen oder vorgeblichen Versuchen einer von außen kommenden Beeinflussung demokratischer Wahlen zu setzen, die im Westen größte Empörungen ausgelöst haben. Größer kann Heuchelei wohl nicht sein.“

Das fünfte Gespräch (S.211) geht „Über die Hoffnung auf eine Wende, die den Namen verdient“. Rainer Mausfeld spricht über den „Systemwechsel als Umkehrung des Ausgangspunktes“ (S.213), ein Zitat von Ernst-Wolfgang Bockenförde, welches Daniela Dahn betreffs der berechtigen Frage der Notwendigkeit eines Systemwechsels angeführt hat.

Und Daniela Dahn erkennt, dass für die Notwendigkeit dieses Wechsels inzwischen viele gut begründete Wortmeldungen gebe. Selbst von Konservativen, „die sich in faschistoide Verhältnisse befürchten.“

Im Abschnitt „Hat das Virus die Demokratie befallen?“ (S.219) sagen die Autoren: „Wenn es in diesem Buch um das Tamtam massenhafter Beeinflussung von Meinungen ging und um das Tabuisierten unerwünschten Widerspruchs, dann kommen wir am Ende an einem aktuellen Bezug nicht vorbei – die Corona-Krise.“

Daniela Dahn: „Ich unterstelle zunächst keinerlei Absichten. Das Virus war da, die Wirkung blieb nicht aus. Nun ist es interessant, wie die einzelnen Akteure mit der Situation umgegehen. (…) Ich mische mich nicht in die innen Angelegenheit der Medizin ein. Aber als Publizistin können mir grobe Nachlässigkeiten, Widersprüche und Unterlassungen in der Argumentation nicht entgehen.“

Und Rainer Mausfeld hat richtig ausgemacht (S.220): „Die Corona-Krise ist ja tatsächlich eine Multi-Krise. In ihr kreuzen und verbinden sich sehr unterschiedliche Krisen, die bereits länger erwartet wurden. Dazu gehört auch eine Systemkrise des globalisierten Finanzkapitalismus, die sich auch eine Systemkrise des globalisierten Finanzkapitalismus, die sich auf diese Weise fast unsichtbar gemacht hat und damit ihre Kosten wieder kurzerhand auf die Gemeinschaft umlegen kann. Covid-19 bringt lediglich wie eine Katalysator sehr grundlegende Probleme der gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zum Vorschein.“

Zu Bedenken gibt Mausfeld indem er auf Thomas Pynchons Worte (S.233) „Wenn sie es schaffen, dass du die falschen Fragen stellst, brauchen sie sich über die Antworten keine Sorgen zu machen.“ anspricht, dem er Recht gibt: „Unangemessene Vergleiche und unbegründete Spekulationen führten schon früh in der Corona-Krise zu falschen Fragen.“

Die Fragen jedoch, beklagt Rainer Mausfeld (S.234), die an die eigentlichen Wurzeln der Missstände gingen, seien im Lärm des medialen Tamtam kaum zu hören.

Stattdessen verzehrten sich die Energien berechtigter gesellschaftlicher Veränderungsbedürfnisse in Kämpfen einer gespaltenen Gesellschaft.

Mausfeld liegt damit richtig: „Damit ist jede Solidarität in der Spaltung verschwunden.“ Und resümiert: „Genau so funktioniert effiziente Stabilisierung von Macht.“

Und Daniela Dahn gibt zu bedenken: „Wenn die Menschheit nach den Erfahrungen mit dieser Pandemie nicht umdenkt, müsste man ihr diese Fähigkeit wohl absprechen. Ein Schluss – wert widerlegt zu werden.“

Fazit

Getroffen haben beide Autoren ins Schwarze. Es wird historisch Geschehen rund um die Wende (welche der Kabarettist Uwe Steimle vielleicht treffender „Kehre“ nennt) analysiert und Bedenkenwertes den Leserinnen und Lesern offeriert. Und nun haben wir die Scholzsche „Zeitenwende“, welche die Autoren auch kritisch Maß genommen haben. Wo sind wir nur hingekommen? Die Chancen, welche sich 1990 geboten hatten, haben wir vertan. Und jetzt stehen wir mit einem Bein im Krieg?

Liebe Leserinnen und Leser führen sie sich unbedingt auch die Faksimiles (ab S.236) zu Gemüte von Zeitungsseiten und Texten aus der beschriebenen Wendezeit zu Gemüte. Damals gingen sie wohl an vielen Menschen vorbei. Und es wurde hingenommen. Heute können wir noch einmal genau hinschauen. Was glaubten wir damals selbst, als wir dergleichen lasen? Kommt vielleicht heute – mit dem Abstand zu damals und dem Wissen aus diesen wichtigen Buch von heute – dann doch etwas Scham auf?

Und, greife ich damit zu hoch? Egal: Ich wünsche mir nach wie vor, das Buch würde Schulstoff!

„Das Jahr 1990 kann als einer der wichtigsten Momente der Nachkriegsgeschichte angesehen werden, da es einzigartige Chancen bot – sowohl für eine internationale Friedensordnung wie auch für eine erneuerte Demokratie, die dann diesen Namen verdiente“, postulieren Daniela Dahn und Rainer Mausfeld in der Einleitung zu ihrem kürzlich erschienen Buch.

Alles scheint gesagt. „Die Tabus überdauern. Die renommierte Essayistin und Mitbegründerin des „Demokratischen Aufbruchs“ in der DDR Daniela Dahn und der Kognitionsforscher Rainer Mausfeld nehmen sie ins Visier mit einem Blick auf bislang unterschätzte Zusammenhänge.
Daniela Dahn untersucht, wie in atemberaubend kurzer Zeit die öffentliche Meinung mit großem Tamtam in eine Richtung gewendet wurde, die den Interessen des Westens entsprach. Mit ihrer stringenten Zusammenschau Presseschau wird das offizielle Narrativ über die Wende erschüttert. Rainer Mausfelds Analyse zeigt die Realität hinter der Rhetorik in einer kapitalistischen Demokratie. Die gemeinschaftlichen Analysen werden in einem grundlegenden Gespräch vertieft und liefern einen schonungslosen Befund des gegenwärtigen Zustands der Demokratie.“ (Westend Verlag)

Rainer Mausfeld, Daniela Dahn

Tamtam und Tabu

Die Einheit: Drei Jahrzehnte ohne Bewährung

Erscheinungstermin: 19.09.2022
Seitenzahl: 240
Ausstattung: Taschenbuch
Artikelnummer: 9783864899157

Westend Verlag

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Daniela Dahn, war zunächst DDR-Fernsehjournalistin, 1981 kündigte sie und ist seither Schriftstellerin und Publizistin. Sie hat die Wiedervereinigung in Büchern kritisch begleitet. Gastdozenturen führten sie in die USA und nach Großbritannien, ihre Themen sind auch die globale Bedrohung der Demokratie und des Friedens. Sie ist Trägerin u.a. des Fontane-Preises, des Kurt-Tucholsky-Preises für literarische Publizistik und des Ludwig-Börne-Preises.

Rainer Mausfeld ist Professor an der Universität Kiel und hatte bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung inne. Mit seinen Vorträgen (u.a. „Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert?“ und „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“) erreicht er Hunderttausende von Zuhörern. Sein Bestseller Warum schweigen die Lämmer? erschien 2018 im Westend Verlag.

„Unter der Asche die Glut“ von Wolfgang Bittner – Rezension

Lyrik wird nicht selten als fünftes Rad am Wagen betrachtet und stiefmütterlich behandelt. Wer liest schon Gedichte? So heißt es oft. In der Schule – ja. Da kommen wir nicht daran vorbei. Aber dann? Und die Jugend: Schreibt sie eigentlich noch Gedichte? Es mag vorkommen. Aber das meiste läuft wohl heute übers Smartphone. Über SMS oder eher Whatsapp. Gesendet vielleicht an die Freundin, den Freund. So wird mit Abbkürzungen, welche uns Ältere wohl kaum verständlich sind.

Aber nun Butter bei die Fische: Wann zuletzt habe ich eigentlich das letzte Mal Gedichte gelesen? Manchmal kommt einen ja eines unter. Hier oder da. Dann überfliegt man es. Wo doch ein Gedicht auch Zu- und Hinwendung gedarf. Und dann …

Im Juni erreichte mich ein kleines Lyrik-Büchlein. Jetzt haben wir September! Jetzt schreibe ich erst darüber. Behandelte ich es wie es da sprichwörtliche fünfte Rad am „Wagen“? Nun ja: Der Schreibtisch war voll mit dicken anderen Büchern, die gelesen und besprochen werden sollten und wollten. Aber Wolfgang Bittners Gedichtband „Unter der Asche die Glut“ hatte ich so gelegt, dass ich es immer vor Augen hatte und sich somit ein schlechtes Gewissen verstetigte. Denn ich schätze Wolfgang Bitter als Autor politischer Schriften aber auch als Romanschriftstellen und Erzähler (Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen, Der neue West-Ost-Konflikt, Deutschland verraten und verkauft, der Erzählband Am Yukos).

Nun also Gedichte.

Schon beim ersten Kapitel bin ich vom Gedicht „Kompromiss“ (S.9) tief beeindruckt und berührt. Gibt er doch Kunde vom Leben in der bleiernen Zeit der Pademie. Nur ausschnittweise: „Es ist, als habe die Welt/ihren Charme verloren (…) Noch immer Sonne und Mond/auf den Wegen, aber kein freundlicher Gruß,/ kein freundliches Umarmen (…)

Gedichte, die hinterfragen, von Beängstigungen erzählen, hinter denen leise Hoffnungen eher verborgen sind als dass sie sich getrauen hervorzutreten.

Den Ablauf der Natur im Blick. Das Leben im global wütenden Kapitalismus. Die Frage nach dem Sinn unseres Lebens, wo doch so viel Sinnlosigkeit uns das Leben schwer macht. Wie all dem Standhalten? Standhalten!

Egon Bahr mahnte einst: Wir leben in Vorkriegszeiten. Wolfgang Bittner sieht Kampfflugzeuge in der Luft und überschreibt das kurze Gedicht mit „Böses Omen“ (S.17). Und ist es nicht so: „Wieder werden wir zugemüllt/mit Vorkriegspropaganda/Nach dem Krieg ist immer noch: vor dem Krieg.“

Wolfgang Bittners Gedichte atmen lange Lebenserfahrung sowie einen fest in ihm verwurzelten Humanismus. Er nimmt die Zumutungen und Zurichtungen unserer Zeit sozusagen aus der Adlerperspektive in den Blick. Hinunter auf die Ameisen-Welt (S.94), wo es sich anscheinend Leben lässt. Bis etwas Einschneidendes geschieht: „Bis zum bitteren Ende“. Er deutet und analysiert sie bis ins Detail. Das mag hier und dort auch Melancholie verströmen und in den Lesern wecken. Doch da ist immer auch ein Fünkchen Hoffnung – eine Glut eben unter der Asche. Wie u.a. in Alles fließt (S.26), das Gedicht, welches so anhebt: „Heute Blumen, morgen Kot,/

panta rhei – und schon sind die Blumen, die beglückenden, verblüht.“ (…)

Und so endet: „Und wachsen Blumen,/strahlen und duften,/uns zu erfreuen,/uns zu trösten.“

Es erweist sich in nahezu jeder Zeile welch genauer Beobachter der Dichter ist. Er betrachtet und beschreibt die Natur, die Pflanzen und Tiere liebevoll. Genauso liebevoll ist Bittners Blick auf die Menschen, wie er auch bei Notwendigkeit kritisch sein kann – ja aus seinem Inneren sein muss.

Und wie treffend und die Seele berührend wie Bittner den beginnenden Tag im Lockdown (S.44) in wenigen Worten nachzeichnet!

(…) Notstand ist angesagt,/verboten die Straße, der Park,/die Wohnung zu verlassen./Virologen erklären die Welt und Viren herschen/im Küchenradio, (…)

Und dann doch wieder ein Aufbäumen (Glut unter der Asche!): „Ich beschließe, mich zu waschen/und ein Gedicht zu schreiben, ist doch schönes Wetter.“

In Kapitel IV Aus der Zeit in Kann mich dunkel erinnern (S.47) ein Besuch in Bittners alten oberschlesische Heimat bedenkend. Ein wehmütiger Blick zurück in die eigene Kindheit. Aber auch die Erinnung (…) „an Feuer und Rauch/und die Schreie der Geschundenen.“ (…)

Wolfgang Bittner beschließt das an Vergangenes erinnernde und über Ist-Zustand des Heutigen berichtende Gedicht so: „Damals, in einem anderen Leben, und jetzt.“

Doch der Autor beschönigt nichts. Etwa in Die Botschaft (S.60). Nichts ist unmöglich. Wen beschleichen in unseren Tagen nicht düstere Ahnungen, die wir dann rasch wieder wegwischen. Auch ein Atomschlag könnte uns ereilen: (…) plötzlich wird es stürmen,/Asche regnen und mitten im Sommer/wird es schneien./ (…)

Und Seiten weiter lesen wir in Feindbild u.a.: (…) Wir bleiben zu Haus,/ lesen von Manövern/und dass begrenzte/taktische Atomschläge/möglich seien. Gegen einen Feind.“

Warnende Stimmen gab es mehr als wir denken. Auch neben Egon Bahr: Wir leben in Vorkriegszeiten. Warnten die Stimmen vergeblich? Bittner greift das im Gedicht Trümmer auf. Das Gedicht schließt: „Es ist nur das Übliche.“

Lernen wir Menschen nichts aus der Vergangenheit? Kaum. Nichts?

Nicht wenige Gedichte Bittners in diesem Band schreiben sich gleich einem Menetekel an die unsichtbare Mauer, an welche wir wohl von sich frech „Eliten“ dünkendem Personal gefahren werden. Irrungen und Wirrungen beschreibt Bittner. „Bomben-Stimmung“ (S.68) heißt ein Gedicht. Worin es um „humanitäre Einsätze“ und „Demokratisierung“ geht. Dabei – wir sollten das kennen – heißt es (…) „In Wahrheit: Profite, Rendite, Strategie und Größenwahn.“ (…)

Werden wir je begreifen? Wer will schon Krieg?

Sensibel ist all das geschrieben. Sowie von hoher Kenntnis und großer Lebensweisheit gespeist, sind die Gedichte geprägt. Sie sagen was war. Was ist. Was sein könnte. Und sie umfassen so viele Themen- und Lebensbereiche, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Das tut so mancher Roman mit 400 Seiten nicht.

Und weil es so schmerzend aktuell ist, sei ein kleines Gedicht (S.97) ganz zitiert:

Meinung

Bei uns herrscht

Meinungsfreiheit.

Wer anderer Meinung ist,

darf sich nicht beschweren.

Der Gedichtband ist ein Aufrüttler, ein Mutmacher. Er ermuntert auch zu einem Blick in und auf die Geschichte, auch wenn man sie wegen später Geburt nicht selbst erlebt hat bzw. nicht hat erleben müssen. Die Liebe zur Natur und den Menschen wohnt so vielen Zeilen inne. Niemals kommt da etwas belehrend herüber. Sondern ein gesunder humanistischer Anspruch entströmt diesen Gedichten. Freilich scheinen aber nicht nur gute, sondern es klingen ebenfalls schmerzliche Erinnerungen aus ihnen. So ist nun einmal das Leben. Die Gedichte zeichnen nicht zuletzt ein Bild von einer kaputten, kaputt gemachten Gesellschaft, welche von unverantwortlichen Kräften einer immer weiter fortschreitenden Zerstörung preisgegeben wird, statt dem endlich entgegenzusteuern.

Was wäre noch zu sagen, lieber Leserinnen und Lesen? Machen Sie Gebrauch von diesem empfehlenswerten Gedichtband! Entdecken auch Sie die Glut unter der Asche. Sie lässt sich bei einem bisschen guten Willen finden.

Danke, dass mir das Büchlein in die Hände kam! Ab jetzt werde ich mich öfters der Lyrik zuwenden. Versprochen.

Unter der Asche die Glut

Gedichte

von Bittner, Wolfgang

12,90 €

inkl. 7 % MwSt. zzgl. Versandkosten

Unter der Asche die Glut

ISBN 978-3-96233-348-5 Kategorien: Lyrik, Lyrikedition 2000 Schlagwörter: Bittner, Gedichte, Lyrik, Lyrikedition 2000, Poesie Seiten: 148 Ausstattung: Paperback

Vom 24. bis 28.10.2022 in Berlin: Lange Gedenkfeier (Walk of Death) für afrikanische Kolonialssoldaten, die dazu beitrugen, Europa vom Faschismus zu befreien

Unsere 3. jährliche Gedenkveranstaltung wird an fünf Tagen an den folgenden fünf Orten stattfinden: Südafrikanische, britische, französische und italienische Botschaften sowie dem Deutschen Bundestag.

Ich bin die Träne meiner Vorväter, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gekämpft haben, aber ihre großen Taten wurden aus den Geschichtsbüchern der Welt ausradiert. Ich habe ihre verwurzelte Wahrheit geerbt, die eine lange Heilung braucht.“

– Matilda TheeGreat

Pressemitteilung

BERLIN, STADTMITTE, DEUTSCHLAND, September 14, 2022 /EINPresswire.com/ —

In diesem Jahr wird die Gedenkveranstaltung (Walk of Death) an fünf Tagen an fünf (5) verschiedenen Orten stattfinden: Südafrikanische Botschaft, Großbritannien Botschaft, Botschaft Frankreich, Botschaft Italien und der Deutsche Bundestag Platz der Republik 1.

Es ist eine verborgene Geschichte, die lange und dauerhafte Gedenkstätten verdient. Der Todesmarsch gehört zu den Schrecken der Weltkriege und Verbrechen des Kolonialismus, die weiße Historiker in den letzten 79 Jahren nie in die Geschichtsbücher der Welt geschrieben haben. Es geschah am 28. Oktober 1943, als afrakanische Kolonialsoldaten am 21. Juni 1942 in Tobruk in Libyen von den deutschen Truppen als Kriegsgefangene gefangen genommen wurden. Benjamin Satiba Makgate/BMT4379/N4379 wurde am 01.01.1906 in Boomplaas, Lydenburg, geboren, das in der Provinz Mpumalanga in Süd-Afraka liegt. Er gehörte zur 2. Division der südafrikanischen schwarzen/frakanischen Soldaten, die für die alliierten Streitkräfte eingezogen wurden. In seinem Tagebuch hielt er akribisch fest, welche Torturen der Krieg mit sich brachte und wie die afrakanischen Kolonialsoldaten den Holocaust als Kriegsgefangene in den Fronstalags/Konzentrationslagern Nr. 133, 153, 171 und 221 in Europa (Deutschland, Frankreich und Italien) überlebten, wo er nach seiner Gefangennahme bis zum Ende des Krieges blieb.

Matilda TheeGreat, die Autorin von „Foreign me“, ist die Enkelin von Benjamin Satiba Makgate, die nach Europa kam, um die in seinem Tagebuch niedergeschriebene Wahrheit wiederzuentdecken. Sie dringt in die Tage ihres Großvaters ein. Stattdessen stellte sie fest, dass die Existenz der Division ihres Großvaters in der Geschichte absichtlich ausgelöscht wurde. Daher hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, das Gedenken an ihren Großvater und seiner Kameraden einzufordern, das sie verdienen.

Im Jahr 2020 organisierte Matilda einen Spaziergang zu ihrem Gedenken vom Alexanderplatz zum britischen Soldatenfriedhof in Berlin.

Poesie, Rap, Musik und afrakanische Rituale vermittelten die Botschaft, dass dieses Leid nicht in Vergessenheit geraten ist.

Im Jahr 2021 wurde ein stiller Protest mit Stühlen abgehalten, die sowohl die weißen als auch die afrakanischen Soldaten repräsentierten (mit unterschiedlichen Farben, die die vergessenen, ausgelöschten Afrakaner darstellten, von denen die meisten keine Gräber hatten und deren Rot an das Blut der unschuldigen Männer erinnerte: Schwarz, Weiß und Rot), die vor dem Regierungsgebäude aufgestellt wurden, um auf ihren gemeinsamen Kampf, aber ihr ungleiches Gedenken hinzuweisen.

Dieses Jahr ist unsere dritte jährliche Gedenkveranstaltung, bei der wir sie geistig vereinen, indem wir ihre Seelen zur Ruhestätte in Afraka bringen. Dies wird auf friedliche Weise geschehen und ihre Forderung nach einem heiligen Denkmal in Europa zum Ausdruck bringen.

Die Afraker haben Europa vom Faschismus befreit und die Welt sollte ihre großen Taten anerkennen #seetsa.

Weitere Informationen, einschließlich Fotos vom letzten Jahr, finden Sie unter http://www.walk-of-death.com oder kontaktieren Sie die Organisatoren: Matilda TheeGreat unter mywings_matilda@aol.de

Matilda TheeGreat

Spaziergang des Todes #20

Einen Bericht über einen früheren Marsch finden Sie hier. Er enthält auch einen Hinweis auf das Buch „Foreign me!“ von Matilda TheeGreat. Leider nur in englischer Sprache (hier) erhältlich. Es wäre schön, würde es auch bald einmal auf Deutsch erscheinen.

Originalpressetext: https://www.einnews.com/pr_news/590542595/a-lengthy-memorial-walk-of-death-ll-take-place-over-five-days-at-different-locations-esp-embassies-in-berlin

Auf Deutsch übersetzt mit Deepl

Essen: Alternative Friedenstagung im Vorfeld der Konferenz zur Weltkriegsvorbereitung

Über die militärische Rivalität der drei Großmächte[1] beraten ab 11. Oktober über 300 Führungskräfte der NATO mit politischen Spitzenkräften und Vertretern der Rüstungsindustrie sowie Militärstrategen in der Messe in Essen. Bereits das martialische Ankündigungsvideo macht deutlich, welcher Geist hier einlädt: Es geht um das, was in Anlehnung an ein Zitat des ehemaligen Militärministers Theodor zu Guttenberg ‚umgangssprachlich Krieg‘[2] heißt. Bei den staatlichen Großmächten USA mit ihren NATO-Vasallen versus China und Russland geht es um die Vorbereitung einer Eskalation zwischen den Weltmächten, die über 90 Prozent der nuklearen Arsenale bereit halten – damit geht es um die Gefahr eines Weltuntergangs.

Weiterlesen des Artikels von Bernhard Trautvetter auf den NachDenkSeiten.

Alternative Friedenstagung im Vorfeld der Konferenz zur Weltkriegsvorbereitung

Der wachsenden Weltkriegsgefahr stellt sich die Friedensbewegung mit einigen Aktionen entgegen, so mit einer Friedenstagung zur Aufklärung über die in der Messe Essen anstehende NATO-Konferenz[7]. Im Aufruf zur Friedenstagung am 10.9.2022 in Essen heißt es:

Die militärischen und ökologischen Zukunftsgefährdungen können nur mit einer friedens-ökologischen Politik abgewendet werden, die Kriege beendet und verhindert und die Konflikte möglichst mit gewaltfreien – diplomatischen – Mitteln löst. Eine Politik militärischer Rivalität und Überlegenheit ist gegen die Überlebensinteressen der Menschheit gerichtet. Stattdessen bedarf es einer umfassenden Kooperation aller Staaten und einer globalen Rüstungskontrolle und Abrüstung in einer Friedensordnung gemeinsamer Sicherheit.“[8]

Die Friedensbewegung engagiert sich seit Jahren gegen die atomare Bedrohung.
In den 1950er Jahren ging es erfolgreich gegen den CDU/CSU-Plan der atomaren Bewaffnung der Bundeswehr, in den 1980er Jahren ging es erfolgreich gegen US-Atomraketen in Deutschland, die die Nuklearschwelle absenkten und den Atomkrieg wahrscheinlicher machten.
Die Aufgabe, über die Gefahr aufzuklären und den Widerstand gegen die atomare Bedrohung zu organisieren, besteht fort.
Heute kommen in Verbindung damit neue Bedrohungen hinzu, wie die Fernsteuerung des Krieges mit Drohnen, die Automatisierung und schließlich Autonomisierung mit Destruktionsprogrammen und dem Cyber-Krieg mit Schadprogrammen im Netz, die ganze Zentren und Regionen ausschalten können.

Wir sind ein breites Bündnis von religiös motivierten Friedensfreun*innen bis hin zu Sozialist*innen und Kommunist*innen. Wir haben die Orientierung als gemeinsamen Nenner, dass der einzige Weg, der zum Frieden führen kann, der des Friedens selbst ist. Denn Kriege enden nicht im Frieden. Unser Nein zum Krieg entspringt einem Ja zum Leben, zur Zukunft des Lebensraumes Erde und seiner ökologischen, sozialen und kulturellen Vitalität.

 

10.9.22 um 11.00 – 18.30Uhr (Einlass ab 10.30)
Friedenstagung im Vielrespektzentrum Rottstr. 24-26, Essen – Frieden fördern, statt Krieg und Zerstörung planen

Bernhard Trautvetter (Essener Friedensforum, VVN-BdA):
Einführung: Die Jahrestagung 2022 des JAPCC zur Großmächte-Rivalität

Dr. Uwe Behrens, zur globalen Großmächte-Rivalität

Dr. med. Angelika Claußen (Vorsitzende IPPNW, der ‘Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs)
Friedensengagement als Notwendigkeit angesichts der nuklearen Gefahr

Christoph v. Lieven (Greenpeace)
Friedensökologie für die Zukunft

Podium zur Verantwortung der Kräfte für das Überleben angesichts der Zukunftsgefährdungen

Um Anmeldung an kontakt@essener-friedensforum.de wird aus organisatorischen Gründen gebeten.

Einladung

Quelle: Essener Friedensforum

Beitragsbild: „Hiroshima mahnt“ via Pixelio.de

Baerbock, der Schicksalsschlag unserer Nation – und die Tagesschau als Regierungssprecher

Die personifizierte Unfähigkeit fährt alles in die Grütze, wofür das bessere Nachkriegs-Deutschland einmal stand

 Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Frauenpower, erinnern Sie sich noch? Angela Merkel fand nichts dabei, Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank, im Kanzleramt eine Saus-und-Braus-Fete zum 60. Geburtstag auszurichten.[1] Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen fand, dass sie bei 300 Millionen Euro für Beraterverträge auch einen ihrer Söhne bedenken könne.[2] Die Olivgrüne Annalena Baerbock fand, ein Sonder-Honorar aus der Parteikasse brauche nicht in ihrer Einkommensteuererklärung aufzutauchen, und Nebeneinnahmen zu melden könne jeder mal vergessen.[3] Patricia Schlesinger fand, Promis aus Wirtschaft und Politik zu opulenten Fressabenden einzuladen und den Rundfunkbeitragszahler dafür blechen zu lassen, stehe einer RBB-Intendantin zu.[4] Der Tagesschau ist der Aspekt „korrupte Politik von Frauen“ bisher allerdings nicht aufgefallen. Die schnallt aber sowieso nie, was Sache ist.

Mag sein, man meint bei ARD-aktuell, Frauen seien per se vertrauenswürdiger, da brauche man nicht so genau hinzuschauen. Aber Frauen haben in der Weltgeschichte schon immer ihren Mann gestanden: Sie korrumpieren sich und ihre Ämter ebenso effektiv, der hochgeschätzten Alice Schwarzer sei’s geklagt. Kalenderblatt-Weisheit: In der repräsentativen Demokratie ist Korruption systemisch bedingt, die Weiße Weste gehört nicht zum Geschäftsanzug, auch wenn Frauen ihn tragen.

Merkel ist inzwischen politische Vergangenheit und soll uns hier nicht weiter beschäftigen. Von der Leyen ebenfalls nicht, denn im Unterschied zu Baerbock hat sie einen Doktortitel (sie promovierte mit einer Plagiats-verdächtigen Dissertation von dünnen 65-Seiten [5] ) und spricht etwas besser Englisch. Baerbock hingegen

… we are thinking in old boxes[6]

(das peinliche Gestammel mag sich im O-Ton anhören, wer mit seiner Zeit nichts anzufangen weiß)

hat nur ein Master-Studium an der London-School of Economics (für Kinder begüterter Eltern) absolviert und macht den Eindruck, ihr Diplom aus einem Münz-Automaten auf dem Flughafen Heathrow gezogen zu haben. Ihr „… ich komm‘ eher aus‘m Völkerrecht“-Niveau [7] könnte uns egal sein, wäre sie nicht grade Deutschlands katastrophale Außenministerin, die alle ihre Vorgänger intellektuell weit unterbietet.

Aus dem Nähkästchen NDR

Gucken wir aber zunächst kurz ins eigene Nähkästchen, den NDR. Aus dem können wir plaudern, schließlich haben wir beide dort Jahrzehnte unseres Berufslebens verbracht. Wir kennen Patricia Schlesinger schon, seit sie eine karrieregeile Jungredakteurin der Fernseh-Programmdirektion in Hamburg-Lokstedt war und einen angetragenen Gewerkschaftsbeitritt brüsk abwies. Dass sich diese Kollegin im Dunstkreis des NDR mit dem Korruptionsvirus infiziert haben könnte, wunderte uns nicht. Der Sender war längst bekannt für Eigennutz und Machtmissbrauch einiger seiner Führungskräfte und Mitglieder der Aufsichtsgremien.

Wir erinnern uns, dass ein ehemaliger stellvertretender Intendant seiner Ehefrau einen hoch dotierten Schein-Arbeitsvertrag bei der NDR-Werbe-Tochter verschaffte, ohne dass sie dafür irgendetwas zu tun hatte.[8], [9] Die Nummer bewirkte erhebliche Unruhe im Betrieb und führte schließlich zum nicht ganz freiwilligen Abgang des Mannes. Allerdings kam er beruflich gut versorgt bei seinen Parteifreunden unter: in der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Ein weiterer NDR-Intendant ließ sich zu seinem 60. Geburtstag mit pompösem Aufwand in der eigens dafür angemieteten Hamburger Musikhalle feiern und die Kosten des delikaten Events – mehr als 100 000 Euro – dem Gebührenzahler aufs Auge drücken, mit Einwilligung der Verwaltungsrats-Vorsitzenden.[10], [11] Er schied ein halbes Jahr vor Vertragsablauf aus, bezog aber bis zum formellen Ende weiter sein volles Gehalt.[12] Derlei Schamlosigkeit hat Tradition im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und die zur Kontrolle bestellten Gremienmitglieder stecken dabei nur allzu oft mit dem zu beaufsichtigenden Spitzenpersonal unter einer Decke.

Viel ist seit dem schmählichen Abgang der RBB-Intendantin Schlesinger nun von „Reformen“ die Rede, von „Schadensbegrenzung“, von „mehr Transparenz“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber wir werden es erleben: Schon zum Jahresende geht alles bei den Gebührensendern wieder im gewohnten Trott.

Der Treppenwitz: Übergangsweise hat WDR-Intendant Tom Buhrow von Schlesinger den ARD-Vorsitz übernommen und gibt jetzt den Saubermann. Ausgerechnet Buhrow, der sich vom Verwaltungsrat fürstliche 413 000 Euro Jahresgehalt anweisen lässt [13] – von Aufwandsentschädigungen, Spesenkonto und amtsbedingten Nebeneinnahmen gar nicht erst zu reden. Er weiß, wie man zwecks Erhalt der Freundschaft mit wichtigen Volksvertretern umgeht: Man schafft das nach Seriosität duftende Institut eines „Parlamentarischen Abends“ [14], [15], [16] , auf dem sich Landtagsabgeordnete, Rundfunkräte und ihre Entourage auf Kosten des Rundfunkbeitragszahlers gütlich tun. Danach werden den WDR betreffende Gesetze ganz bestimmt so formuliert, dass sie Buhrow und den Herrschenden ein Wohlgefallen sind.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist gegen jede revolutionäre Veränderung hin zum „Kontrollorgan des Volkes“ gefeit. Er muss bleiben, was er immer war: Herrschaftsinstrument der Regierenden, das die sich keinesfalls mehr aus der Hand nehmen lassen werden. Ob Männer oder Frauen am Ruder sind, bleibt sich dabei selbstverständlich gleich.

Ignoranz, die Wurzel allen politischen Übels

Doch zurück zur sogenannten „feministischen Politik“ (die ja nur eine feministische Personalpolitik ist nach dem Prinzip Quote statt Qualität): Annalena Baerbock! Sie bringt insofern Neues auf die Bühne, als sie vollkommen hemmungslos ihren Kenntnismangel, Blickverengung, Geschwätzigkeit, Geltungssucht und kriegslüsterne Aggressivität auslebt:

„Für mich ist klar: Die Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit, unsere Friedensordnung und wir unterstützen sie finanziell und militärisch – und zwar so lange es nötig ist. Punkt.“ [17]

Auf einem Treffen der Nicht-Regierungsorganisation „Forum 2000“ am 31. August in Prag erklärte sie, sie stehe zur Ukraine:

„… egal, was meine deutschen Wähler denken … “ [18]

Dabei bleibe sie selbst dann,

„wenn die Menschen in großer Zahl wegen der hohen Energiekosten auf die Straße gehen.“ [19]

Kontext: Ist mir doch scheißegal, wie schlecht es den deutschen Bürgern geht. Das hätten die allerdings vor der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag wissen sollen / können.

Es wäre Baerbocks Amtes, auf Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland über einen Friedensschluss zu drängen sowie auf direkte eigene Gespräche mit der russischen Regierung hinzuarbeiten. Stattdessen setzt sie unverhohlen auf Waffenlieferungen an Kiew, auf Deutschlands Rolle als Kriegspartei gegen Russland und auf Verlängerung des Entsetzens in der Ukraine:

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass dieser Krieg noch Jahre dauern könnte.“ [20]

Zu solch bösartiger Perspektivenwahl und sprachlicher Schwäche passt das typische Nachplappern einer Grünen Göre: „Die Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit, unsere Friedensordnung“. Baerbock quasselt garantiert kenntnisfrei und ohne zu bedenken, über was: Über das mit Abstand korrupteste Staatsgebilde Europas, die Ukraine. Geführt von einer ersichtlich koksenden US-Marionette, einem schamlosen Neonazi-Förderer und Steuerhinterzieher mit millionenschweren Auslandskonten.[21] Die olivgrüne Camouflage dieses hemmungslosen Antidemokraten erspart uns die Tagesschau seit Monaten an kaum einem Tag. Die Ukraine ist ein „failed state“ am Tropf des Westens. Dem Selenskyj verboten Großbritannien und die USA im Mai weitere Friedensverhandlungen in der Türkei, um Russland in einem langwierigen Krieg „schwächen“ zu können. In beispielloser Verantwortungslosigkeit ließ sich die Marionette Selenskyj von den USA und der EU als machtgieriger Kriegsherr aufbauen, der seine Landsleute zu Zigtausenden als Kanonenfutter opfert. Im geostrategischen Interesse der USA. Sein Motto: Ihr liefert die Waffen, wir die Leichen.

Den US-Amis zu Diensten

„Feministische Außenpolitik“? Baerbocks Kriegskurs[22] ist nicht feministisch, schon gar nicht feminin (im Sinne von fraulich-mütterlich). Nicht ein einziges bewegendes Wort des Gedenkens und der Trauer hat Baerbock den ukrainischen und den russischen Kriegstoten gewidmet. Die Tagesschau verschweigt eh gewohnheitsmäßig, was sich auf dem „Schlachtfeld“ ereignet: Jeden Tag meldet das russische Verteidigungsministerium zwischen 200 und 500 „vernichtete“ ukrainische Soldaten.[23] Hunderte Tote, Tag um Tag, in einem Krieg, der zugunsten von Freiheit und Demokratie von jetzt auf gleich beendet sein könnte – wenn Washington, London und Berlin es nur wollten.

Seit Kriegsbeginn haben mehr als 50 000 Ukrainer ihr Leben verloren. Zehn Millionen Menschen sind geflohen. Sich darüber halbwegs gesichert und aus unterschiedlichen Quellen zu informieren, ist dem deutschen Zeitgenossen normalerweise verwehrt: Alle „Feindmedien“ unterliegen hierzulande der Zensur[24], die laut Grundgesetz aber gar nicht stattfindet und die es demnach auch nicht ausnahmsweise geben darf.[25] Doch Rechtsnihilismus ist neuerdings deutsche Staatsräson.

Dem bundesdeutschen Erzählerjournalismus andererseits geht es um Verdummung der Bürger, um das Einlullen der Sofabesatzung: Sie soll nicht merken, dass sie für die Fortsetzung eines längst verlorenen Krieges gemolken wird. Deshalb auch meint Baerbock, zum wiederholten Male vor „Kriegsmüdigkeit“ warnen zu müssen, vor dem Schreckgespenst des Friedens.[26]

Regierungs-Sprachrohr

Die Tagesschau widmet sich hingebungsvoll der Aufgabe, den Widerstand des Westens gegen Friedensverhandlungen und die fortgesetzten massenhaften Waffenlieferungen an Kiew als Politik zur Kriegsverkürzung auszugeben. Damit verlädt die Hauptabteilung ARD-aktuell ihr Publikum vollends:

„Waffenlieferungen jeder Art sind die wahrscheinlich beste Möglichkeit, den Krieg zu verkürzen, um die Balance klar in eine Richtung zu drehen.“ [27]

Das hat schon Baerbock‘sches Format.

Ach, was waren das noch dumm-glückliche Zeiten, als die TAZ (Hermann Gremliza: „Kinder-FAZ“) sich kaum einkriegen konnte vor Freude über die erste Frau im deutschen Außenamt:

„Wichtiger noch als eine Frau ist aber eine feministisch denkende Person. Dass wir das nun in einem haben – eine feministische, kompetente Person und dann auch noch eine Frau – das ist schon ein Glücksfall.“ [28]

Zu diesem Zeitpunkt wussten kompetente und überzeugende Feministinnen längst, was von einer Annalena Baerbock zu erwarten war. Alice Schwarzer im Frühjahr 2021:

„Aber setzt diese Frau überhaupt auf die Frauenkarte? Ist sie sich eigentlich dessen bewusst, dass sie zwar jetzt eine Frau an der Spitze ist, aber doch in einer weiterhin männerbeherrschten Welt? … Doch die F-Frage schien sie nicht zu verstehen oder nicht verstehen zu wollen. Sie plauderte kurz und munter über ihre eigene Familie und dass die immer wisse, wo sie, die Mutter, ‚hingehöre‘. Aber weiß Annalena Baerbock auch, wo sie politisch hingehört?“ [29]

Im Januar 2022 ließ Ministerin Annalena Baerbock die Leitlinien ihrer zukünftigen Arbeit skizzieren: im Kern eine menschenrechtsorientierte Klimapolitik und eine „feministische Außenpolitik“. Expertendefinition: Unter feministischer Außenpolitik sei die Militarisierung von Sicherheitsstrukturen aufzugeben und gegen die Überzeugung aufzutreten, dass „mehr Waffen gleich mehr Sicherheit bedeuten …“ [30]

Schon zwei Monate später galt das nicht mehr. Baerbock machte die Volte rückwärts und bewies mit überschäumendem Engagement für Waffenlieferungen an die Ukraine, dass ihr jegliche Grundsatztreue fehlt. Sie lebt seither mannhaft ihre Machtbefugnis aus. Dass sie sich noch zu Jahresbeginn gegen Waffenlieferungen in Krisengebiete ausgesprochen hatte, war vergessen.[31]

Im Zivilleben nennt man solche Leute auf Rheinisch „‘ne fiese Möpp“. Auf Alltagsdeutsch charakterlos.

Krankhafte Realitätsverweigerung

Statt grundgesetzkonform friedensbemühter Außenpolitik liefert Baerbock kriegerische und völkerrechtswidrige Sanktionsbeschlüsse vom Band, ganz im Sinne ihrer Washingtoner Vorturner:

„Wir treffen das System Putin dort, wo es getroffen werden muss, eben nicht nur wirtschaftlich und finanziell, sondern in seinem Machtkern“,

schwadronierte Baerbock und ließ ihrem Publikum damit die Wahl, ob es über soviel Unverstand lachen oder weinen sollte. Putin und Lawrow seien, behauptete Baerbock, verantwortlich dafür,

„dass das internationale System mit Füßen getreten wird. Und das nehmen wir als Europäerinnen und Europäer nicht hin.“ [32]

Mit diesem Dummgeschwätz aber nicht genug. Baerbock-Schnellsprech, ohne Punkt und Komma, am Rande des NATO-Sommergipfels in Madrid:

„ … wir wollten weiter mit Russland äh leben, es war nie Ziel der NATO in Konfrontation mit Russland zu gehen ganz im Gegenteil man hat ja im Rahmen der NATO gemeinsam mit Russland vor einiger Zeit, vor längerer Zeit, die NATO-Russland-Grundakte auch beschlossen das war genau das Instrument wie man in Frieden, in Vertrauen miteinander lebt aber dieses Vertrauen hat Russland im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft gesprengt und jetzt gilt es gerade, diese Länder zu unterstützen, die in direkter Nachbarschaft an der Grenze zu Russland, äh, liegen, weil die sich fürchten, äh, wenn sie angegriffen werden wir machen hier deutlich wir stehen in voller Solidarität mit den baltischen Staaten, mit Finnland und Schweden und werden jeden Winkel unseres gemeinsamen Bündnisgebietes verteidigen wenn es denn so sein sollte aber wir tun alles, dass es dazu nicht kommt …“ [33]

An dieser Stelle des Interviews haben wir kapituliert. In Anlehnung an Karl Kraus gestehen wir der Baerbock zu: Man muss nicht nur keine Ahnung haben, wovon man eigentlich spricht, man muss es auch noch schlecht ausdrücken können. Dann kann man deutsche Außenministerin.

Endsieg-Besoffenheit

Hochmut kommt vor dem Fall, weiß der Volksmund. Die Sanktionen der USA und der EU in Verbindung mit deutscher Endsieg-Besoffenheit und dem Berliner Wohlwollen für Ukronazis treffen bekanntlich nicht die Russen, sondern schlagen auf die sanktionierenden Staaten zurück: Unerträgliche Preiserhöhungen, Konkurse, zunehmende Schwäche und Kostenexplosion bei der Energieversorgung, Reallohn- und Arbeitsplatzverluste. Schwächelnder Dollar und Euro, zerlegender Rubel. All das begleitet von machttrunkenen Normierungsappellen (Heizung abdrehen, Pullover anziehen, Waschlappen statt Dusche … Fehlt nur noch: Klopapier sparen, die Zeitung dafür vierteln – oder gleich Gras nehmen, wie früher der Soldat im Felde).

Das ist die Darbietung Grüner Dilettanten, deren Russenhass sie längst auch persönlich disqualifiziert: Baerbock (und gleich nach ihr Habeck) sind Versager, denen man zumindest Untreue, Amtsmissbrauch und letztlich Friedens- und Landesverrat vorwerfen kann. Und die trotzdem nicht im Traum daran denken, sich endlich vom Acker zu machen. Hinter Baerbocks öffentlicher Warnung vor Volksaufständen [34] steckt keine Spur von Bewusstsein ihrer Inkompetenz.

Es ficht sie nicht an, dass viele ihrer Mitbürger in objektiv begründeten Existenzängsten leben und sich an den schon leeren Tafeln immer noch lange Warteschlangen bilden. Ihr und ihren Grünen Ministerkollegen geht es ja prächtig, sie sind dicke versorgt, ihr Alltag bleibt von den Folgen ihrer Politik weitestgehend unberührt. Der Elitenforscher Michael Hartmann bündig:

„Die Eliten sind in ihrer großen Mehrheit inzwischen so weit von der breiten Bevölkerung entfernt, dass sie zunehmend Schwierigkeiten haben, deren Probleme zu erkennen und die Folgen ihrer Entscheidungen für die Bevölkerung zu verstehen.“ [35]

Das Einst und das Jetzt

Otto Graf Bismarck reiste 1859 als preußischer Gesandter nach St. Petersburg, lernte in kürzester Zeit Russisch und bezeichnete den Außenminister Fürst Gortschakow als seinen Lehrmeister in Diplomatie. Er warnte vor jedem Gedanken an Krieg gegen Russland:

„Selbst der günstigste Ausgang … würde niemals die Zersetzung der Hauptmacht Russlands zur Folge haben … (und Russland würde) nach einer Niederlage unser geborener und revanchebedürftiger Gegner bleiben.“ [36]

Noch auf seinem Sterbebett warnte Bismarck: „Niemals gegen Russland!“ Außenministerin Baerbock („… ich komm‘ ja mehr aus‘m Völkerrecht“) weiß aber auch von Bismarck wahrscheinlich nicht viel mehr, als dass er mit Nachnamen Hering hieß und von ihm der Rollmops kommt. So ist das eben, wenn eine Außenministerin aus unserer Geschichte nichts gelernt und von Diplomatie sowieso keinen Schimmer hat.

Borniertheit gedeiht auf grünem Nährboden bestens. Da verspricht sie reiche Ernte: Faschistoides Denken und Verhalten – deutsche Blockwartmentalität! – werden folglich bei uns abermals zur Normalität. Sie zeigen sich deutlich im neuerlichen Diskurs über Deutschlands Mitwirkung am Krieg gegen Russland. Oskar Lafontaine:

„Die Äußerung von Annalena Baerbock, wir sollten ‚Russland ruinieren‘, muss man schon faschistoid nennen.“ [37]

Stimmt.

Quellen und Anmerkungen:

[1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/party-im-kanzleramt-ackermann-feierte-auf-staatskosten-a-644659.html

[2] https://www.zaronews.world/zaronews-presseberichte/profitiert-ursula-von-der-leyens-sohn-von-zugeschusterten-beratervertraegen-der-mutter/

[3] https://de.quora.com/Ist-die-Aussage-von-Annalena-Baebock-die-nicht-fristgemäße-Anzeige-von-Nebeneinkünften-beim-Bundestag-sei-lediglich-ein-blödes-Versäumnis-gewesen-glaubhaft?share=1

[4] https://www.businessinsider.de/wirtschaft/abendessen-auf-rbb-kosten-staatsanwaltschaft-interessiert-sich-fuer-belastende-aussagen-der-gaeste-von-patricia-schlesinger/

[5] https://www.welt.de/politik/deutschland/article153127144/Von-der-Leyen-darf-ihren-Doktor-behalten.html

[6] https://twitter.com/libra08101/status/1542265122332282880

[7] https://www.youtube.com/watch?v=nOMW8Kn4OLw

[8] https://www.focus.de/kultur/medien/plogs-problem-norddeutscher-rundfunk_id_1848591.html

[9] https://www.spiegel.de/kultur/stehlings-schwarze-stunde-a-5a6a188e-0002-0001-0000-000009199998

[10] https://www.welt.de/wams_print/article1522352/Fast-ein-Staatsakt-Ein-Sendefuerst-nimmt-Abschied.html

[11] https://www.ossietzky.net/laden/krieg-und-frieden-in-den-medien-ialana-hrsg/ (s.S. 231 ff)

[12] https://www.digitalfernsehen.de/news/medien-news/maerkte/ndr-intendant-jobst-plog-bekommt-nach-ausscheiden-weiter-gehalt-375398/

[13] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/785812/umfrage/jahresgehaelter-der-ard-intendanten-derlandesrundfunkanstalten/

[14] https://www.youtube.com/watch?v=HjfrnpfJhQE

[15] https://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/unternehmen/parlamentarischer_abend-102.html

[16] https://www.wz.de/kultur/wdr-bewirtet-nrw-abgeordnete-vor-lesung-des-wdr-gesetzes_aid-26016769

[17] https://www.berliner-zeitung.de/news/annalena-baerbock-unterstuetzen-die-ukraine-so-lange-es-noetig-ist-li.261034

[18] https://www.infowars.com/posts/german-foreign-minister-says-support-for-ukraine-will-continue-no-matter-what-voters-think/

[19] https://ussanews.com/2022/09/01/german-foreign-minister-says-support-for-ukraine-will-continue-no-matter-what-voters-think/

[20] https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-52933.html

[21] https://www.welt.de/kultur/plus240130237/Selenskyj-Offshore-Konten-und-Wagnergate-geheime-Geschaefte-des-Praesidenten.html

[22] https://lostineu.eu/baerbock-wuenscht-russland-ein-strategisches-scheitern/

[23] https://eng.mil.ru/en/news_page/country.htm

[24] https://www.wsws.org/de/articles/2022/03/04/cens-m04.html

[25] https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html

[26] https://www.rnd.de/politik/akw-saporischschja-lage-angespannt-berichte-ueber-folter-des-akw-personals-baerbock-warnt-vor-VYRGGJCMPGN3LQJGYCD5KP537U.html

[27] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-russland-sechs-monate-krieg-101.html

[28] https://taz.de/Feministische-Aussenpolitik/!5822730/

[29] https://www.emma.de/artikel/die-kandidatin-und-der-feminismus-338553

[30]  https://www.boell.de/en/2019/01/30/feminist-foreign-policy-imperative-more-secure-and-just-world

[31]  https://www.n-tv.de/politik/Baerbock-verweigert-Waffen-fuer-die-Ukraine-article23064810.html

[32] https://www.rnd.de/politik/ukraine-krieg-baerbock-ueber-sanktionen-das-wird-russland-ruinieren-RZDYS2DEPRK5OST7ZGGRZ6UN4I.html

[33] https://www.welt.de/politik/ausland/video239630381/Nato-Gipfel-Aussenministerin-Baerbock-erklaert-wie-die-Nato-der-Ukraine-hilft.html

[34] https://www.nachdenkseiten.de/?p=86150

[35] https://hpd.de/artikel/abgehobenheit-eliten-soziologischer-sicht-15899

[36] https://de.rbth.com/kultur/2015/04/03/otto_von_bismarcks_russische_spuren_33309

[37] https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/oskar-lafontaine-deutschland-handelt-im-ukraine-krieg-als-vasall-der-usa-li.261471

Anmerkung der Autoren:

Volker Bräutigam (links) und Friedrich Klinkhammer. Foto: C. Stille

Unsere Beiträge stehen zur freien Verfügung, nichtkommerzielle Zwecke der Veröffentlichung vorausgesetzt. Wir schreiben nicht für Honorar, sondern gegen die „mediale Massenverblödung“ (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden vom Verein „Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtlicher Medien e.V.“ dokumentiert: https://publikumskonferenz.de/blog

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.

„Kommuni:corona. Kommunikation in Zeiten von Corona“ Von Dirk Hüther – Rezension

Über zwei Jahre Corona-Krise haben unsere Gesellschaft, bereits durch eine zur Verarmung führende neoliberale Politik gespalten – noch mehr entzweit. Und zwar durch die zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie ergriffenen Maßnahmen. Welche zu Anfang – wo man mangels fehlender Kenntnisse über das Virus und die dadurch ausgelöste Krankheit zu wenig wusste – vielleicht noch verständlich erschienen. Doch dann schossen die von der Regierung und einem in unserem Staatswesen überhaupt nicht vorgesehenem Gremium – nämlich der Ministerpräsidentenkonferenz – beschlossenen Maßnahmen und Verordnungen übers Ziel hinaus. Sogar unser Grundgesetz erfuhr Einschränkungen. Zudem waren diese Maßnahmen oft widersprüchlich und unlogisch. Außerdem schädlich für Gewerbetreibende, Künstler etc. und nicht zu vergessen: für Kinder. All das hat etwas mit uns gemacht.

Verdacht: Massenpsychose

Wir bemerken: Viele Menschen hat die Corona-Krise ängstlich werden lassen. Und die Regierung und die ihr auffallend gleich nachtönenden Medien haben diese Angst rund um die Uhr nahezu zwei Jahre lang noch verstärkt. Um nicht zu sagen: geschürt. Diese Angst war den Menschen auch leicht zu machen gewesen. Schließlich können wir das Virus weder sehen, noch schmecken, noch riechen. Selbst wenn wir gar nicht bestreiten, dass es dieses Virus gibt, könnte man auf die Idee kommen, dass die Herrschenden dessen Existenz nutzen könnten, um Menschen zu konditionieren. Oder etwas damit gleich einem aufgebauten Paravant dahinter verbergen wollen. Etwa einen möglicherweise bevorstehenden Zusammenbruch des Finanzssystems? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Verschwörungstheorien? Klar!

Dennoch: wir haben es möglicherweise mit einer Massenpsychose zutun.

Dirk Hüther, dessen Buch mit dem Titel „Kommuni:corona. Kommunikation in Zeiten von Corona“ diesem Text zugrunde liegt, hat sich u.a. auch damit befasst.

„Massenformationen sind tiefer und weitreichender und sie bewirken, dass eine gesamte Bevölkerung im blinden Gehorsam einer Elite hinterherläuft, die sie todsicher ins Verderben führt. Zu diesem Thema hat der belgische Psychologieprofessor Matthias Desmet von der Universität Gent geforscht und seine Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Corona-Situation dem Publikum präsentiert. Da ich die Zusammenhänge der Massenpsychose bereits erklärt habe, reicht es aus meiner Sicht aus, wenn ich hier lediglich noch die Besonderheiten der Massenformation hervorhebe“, schreibt Dirk Hüther. Und wenn man als Leser die Bücher „Propaganda“ von Jaques Ellul, „Die Öffentliche Meinung“ von Walter Lippmann und „Die Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon gelesen hat, können entsprechende Nach-Denkprozesse in einem ausgelöst werden. Es wird einen dann durchaus auch vorstellbar, dass Psychologen an der Erarbeitung von Corona-Maßnahmen mitgewirkt haben. Besonders perfide stieß nicht nur mir ein geleaktes Dokument aus dem Bundesinnenministerium auf, worin etwa Kindern, die ihre Großeltern in der Corona-Zeit besuchen, Angst gemacht wurde, sie könnten Oma und Opa töten.

Viele Menschen sind in einem psychischen Ausnahmezustand

Der Autor schreibt (S.64): „Du kannst die Existenz des Corona-Virus (SarsCov2) anzweifeln, Du kannst sogar Viren allgemein anzweifeln, aber was es meines Erachtens tatsächlich gibt, das sind die Viren des Geistes – und die sind im Moment massenhaft verbreitet und wahnsinnig wirkungsvoll. Viele Menschen sind daher in einem psychischen Ausnahmezustand, in dem das Hirn einfach nicht mehr so zu funktionieren scheint, wie wir es gewohnt sind. Menschen, die in diesem Sinne eine psychische Erkrankung haben, schaffen es, die absurdesten Dinge von sich zu geben, ohne die Absurdität zu bemerken – und selbst wenn Du sie darauf hinweist, wollen sie es nicht wahrhaben.“

Exakt! Das ging mir nicht nur einmal selbst durch den Kopf.

Der Autor arbeitet als Coach – Was eigentlich ist Coaching?

Dirk Hüther arbeitet als Coach. Was eigentlich ist Coaching? Auf emotion.de lesen wir: „Coaching bedeutet, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben, durch gezielte Fragen den Kunden selbst auf für ihn passende Lösungen zu bringen. Durch diesen Ansatz ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Kunde den eigenen Weg auch geht. Der Kunde fühlt, es ist die eigene Idee, seine Intuition, passend zu seiner Person. Es wird ihm nichts aufdiktiert. Das Ergebnis einer Coachingsitzung sind nicht immer neue Wege, es kann auch die Bestätigung sein, dass der bisherige Weg der richtige Weg ist. (…)

Coach ist eine ungeschützte Berufsbezeichnung. Das sagt erst einmal nichts. Nebenbei: Journalist ist ebenfalls eine ungeschützte Berufsbezeichnung.

Aufgaben eines Coaches

„Das Wort Coach hat seinen Ursprung im Ungarischen und bedeutet „Kutsche“ (ungarisch: kocsi; C.S.). Nun, die Kutsche ist ein Beförderungsmittel. Von einem Ort zum anderen. Wer sich in eine Kutsche hineinsetzt, hat ein Ziel vor Augen. Die Kutsche ist dabei Mittel zum Zweck. Damit es schneller geht, damit man auf dem Weg bleibt, zielgerichtet. Denn, wenn der Reisende dem Kutscher sein Ziel genannt hat, so verlässt er sich darauf, dass der Kutscher die richtige Begleitung auf seinem Weg ist. Er bringt ihn seinem Ziel näher, Schritt für Schritt. Grundsätzlich ist das auch die Aufgabe eines Coachs: Die Begleitung des Kunden auf dem Weg zu seinem Ziel. Dies kann erfolgen durch Tipps, Ratschläge oder auch Impulse.“ Quelle: emotion.de

Übung macht den Meister“

Mit Dirk Hüther als Coach liegen wir goldrichtig. Allerdings sollte niemand glauben, es reiche aus, dieses Buch zu lesen und hernach zu meinen, gleich alles richtig zu machen. Dirk Hüther merkt an: „Es geht darum, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die eigenen unbewussten Programme zu verstehen und zu verändern. Es geht darum zu lernen, selbst die Veränderung zu sein, die wir uns von der Welt wünschen – wie es Gandhi so schön ausgedrückt hat – und nicht, es von anderen zu fordern.“

Eine wohlgemeinte Empfehlung des Autors: „Übung macht den Meister.“ (…) „Du entscheidest, ob Du das Angebot annimmst, oder Du lässt es eben sein. Allerdings erschließt sich Dir das, was ich geschrieben habe, am besten durch ein „sich emotional darauf Einlassen“ und vor allem durch aktives Tun. Denn die beschriebenen Strategien erfordern Training. Das wäre so ähnlich, wie wenn Du nach Deiner ersten Klavierstunde nach Hause gehst und zu Dir sagst: „Üben? Wofür?“

Ja, wie Sie bemerkt haben werden, duzt uns der Autor. Dass schafft sofort eine gewisse, angenehme Nähe und Vertrautheit zwischen Lesern und Autor.

Wozu dieses Buch?“

Der Autor erklärt: „Seit 20 Jahren bin ich unterwegs als Coach, Trainer und Berater und dabei ist Kommunikation eines meiner Kernthemen – und seit mehr als zwei Jahren beobachte ich über das unmittelbare Geschehen der Corona-Situation hinaus vor allem die Aspekte, die dabei die Kommunikation betreffen. Schon im Mai 2020 habe ich geschrieben, dass ich es für sinnvoll halte, Menschen, die die Maßnahmen begrüßen und mittragen, mit ihrer Haltung und ihrem Verhalten zu konfrontieren, ihnen den Spiegel vor die Nase zu halten und sie zu ihrer Menschlichkeit zurückzubringen. Dann im Dezember 2021 sind die Geschehnisse in unserer Gesellschaft auf eine Art und Weise eskaliert, wie ich es noch kurz zuvor nicht für möglich gehalten hätte – und auch ich habe etliche Erfahrungen im Umgang mit anderen gemacht, auf die ich lieber verzichtet hätte. Mit diesem Buch will ich Euch, liebe Leser, an meinen Erfahrungen und den daraus resultierenden Schlussfolgerungen teilhaben lassen.“

Ein Riss geht durch Familien und Arbeitskollektive

In diesen Corona-Krisenjahren und nun noch obendrein der Ukraine-Krieg sind viele Menschen zerstritten. Ein Riss geht durch Familien und Arbeitskollektive. Man schreit sich bisweilen an. Oder geht sich aus dem Wege, weil der oder die andere nicht geimpft ist! Das Thema Corona wird bisweilen bei Familienfeiern mit einem Tabu belegt, um einen Eklat zu vermeiden. Sicher haben Sie, liebe Leser, Ähnliches erlebt. Ich selbst wurde einmal an der Stelle einer Fußgängerzone, wo die Maskenpflicht nicht galt, von zwei Männern mit wutverzerrten Gesichtern angeschrieen: „Maske auf!“ Als ich intervenierte, brüllte einer der beiden: „Maske auf! Sonst mache ich dich Kiefernabteilung!“

So voll Angst mussten diese beiden Männer sein, dass sie offenbar um ihre Gesundheit, wenn gar nicht um ihr Leben fürchteten, weil ich – obwohl mindestens 15 Meter entfernt – keine Maske trug. Hält sich das Virus nur auf bestimmten Straßenabschnitten auf?

Wie antworten, wie reagieren auf derlei aggressive Anwürfe?

Ähnliche Beispiele – aus Supermarkt oder an anderen Orten – führt Dirk Hüther in seinem Buch an. Wie sollte man reagieren, antworten auf dergleichen Anwürfe?

Das ist interessant und Hüther schreibt das durchaus humorvoll, sodaß ich während der Lektüre einige Male laut auflachen musste. Hüther, auf „unserer Seite“ stehend, erklärt durchaus auch die „andere Seite“ und warum die wiederum so reagiert, wie sie jetzt reagiert. Dahinter ist schon viel Psychologiewissen beim Autor zu vermuten. Oft habe ich im Buch gedacht: Ja, so etwas habe ich doch auch da oder dort im Leben, im Beruf, in der „Kommunikation“ mit einem Chef erlebt. Ihnen, liebe Leser, dürfte es ebenso gehen.

Dirk Hüther stellt fest: „Seit mehr als zwei Jahren reden Menschen aufeinander ein, schreien sich an, werden in Unterhaltungen wütend, aggressiv oder hysterisch und haben dabei viele weitere ungünstige Geisteszustände, durch die ein Dialog mit anderen schlicht unmöglich ist. Die verheerende Unfähigkeit, miteinander zu reden, führt nicht nur zu kaputten Unternehmen, sondern eben auch zu einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft – auf allen Seiten unfähig, noch miteinander zu reden.“

Das Anliegen des Autors

„Ich bin ein Kommunikationsheini und mein Beitrag dient dazu, die Kommunikation auf „unserer Seite“ erfolgreicher zu machen. Unsere Seite, das sind für mich Millionen von Menschen hierzulande, die zwar als Gruppe sehr heterogen sind, sich aber dennoch unter einem Dach zusammengefunden haben. Sie wollen unser Grundgesetz in seiner vollen Gültigkeit wieder in Kraft setzen und zurück zu einem Leben in Würde und gegenseitiger Achtung kommen, aber auch die Machtübernahme durch eine Clique von Superreichen und entsprechende totalitäre Strukturen verhindern. Wenn wir aber diese Wirkung erzielen wollen, müssen wir damit aufhören, bei den eigenen Leuten offene Türen einzurennen oder noch blöder: sich mit den eigenen Leuten wegen nebensächlicher Themen in die Wolle kriegen. Wir müssen auch endlich aufhören mit diesen völlig nutzlosen, sinnbefreiten Argumentationsmonologen, die wir getrost einer Parkuhr erzählen könnten. Ich bin davon überzeugt, dass ich stattdessen einige Ansätze parat habe, die tatsächlich dazu geeignet sind, die Spaltung zu überwinden. Das ist aber nicht leicht und mitunter auch für uns verbunden mit Schmerzen.“

Im Teil I des Buches geht es um wichtige Grundlagen zur Kommunikation

Wir Leser erlangen so ein Grundverständnis der Zusammenhänge die beim Miteinanderreden wirksam sind. Gesellschaftliche und psychologische Erkenntnisse werden uns an die Hand gegeben. „Ich arbeite dazu gerne intuitiv und nicht empirisch, das heißt, mir geht es dabei um Wirkung und nicht um wissenschaftliche Exaktheit. Ich werde an einigen Stellen natürlich auf Wissenschaftler hinweisen, aber ich lade Dich ein, Dich jeweils auch selber mit dem Original zu beschäftigen“, schreibt Dirk Hüther.

Im Teil II des Buches werden notwendigen Voraussetzungen des erfolgreichen Miteinander-Redens und die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) erörtert.

Der Autor hält viel von einer „inneren Haltung“: Ich bin mal so vermessen und sage: Kommunikation ist zu 80% eine Sache der Haltung und nur zu 20% eine Sache des „Was und Wie ich rede“ – und von diesen 20% ist dann auch nur ein geringer Teil eine Frage der genauen Wahl der Worte. Vieles von dem, was ich Dir in diesem Buch vorschlage, kann nur „funktionieren“, wenn es auf einer solchen Haltung basiert. Dazu gehört für mich insbesondere die Haltung, die auch in der Gewaltfreien Kommunikation zugrunde gelegt wird.“

Im dritten Teil schließlich werden wir über die Strategien des Miteinander-Redens auf Augenhöhe und gleichberechtigt ins Bild gesetzt. Es geht um die Vermittlung konkreter Strategien der Kommunikation, die ein erfolgreiches Miteinanderreden ermöglichen sollen – oder zum Teil auch reine Selbstverteidigung darstellen. Wir sollten also einen Strauß von Strategien zur Verfüngung haben. „Denn“, so der Autor, „bisher benehmen sich die meisten Menschen wie in dem Abraham Maslow zugesagten Satz: „Wenn Dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, dann sieht für Dich jedes Problem aus wie ein Nagel“.

Lesen Sie, liebe Leser, das Buch und empfehlen sie es gern weiter. Wie versprochen, haben wir mit diesem Buch wirklich einen Leitfaden mit praktischen Beispielen von Kommunikation an der Hand. Wir sollten – reichlich Übung vorausgesetzt – versuchen danach zu handeln. Versuch macht klug!

Dirk Hüther

Dirk Hüther, Coach

Über dieses Buch

Es gab schon immer viele gute Gründe, sich intensiv mit Kommunikation zu beschäftigen, seit Corona wird diese Beschäftigung jedoch zwingend notwendig.

Was den Leser erwartet

Dieses Buch bietet fundierte und praxisorientierte Anleitungen, eine echte Verbindung zum Gegenüber zu finden und Brücken zu Menschen mit einer vollkommen anderen Sicht zu bauen. Es hilft dabei, zu verstehen, warum ein Argumentieren bei grundsätzlich unterschiedlichen Meinungen völlig nutzlos ist und macht vor allem möglich, innerhalb von Gruppen und Initiativen verbindender und mitfühlender zu agieren und damit Konflikte zu reduzieren. Dabei ist dieses Buch aber keine theoretische Abhandlung, sondern gibt vielmehr ein in zahllosen Seminaren erprobtes Werkzeug an die Hand. In Beispieldialogen wird unmittelbar erlebbar, wie Dialoge auch verlaufen könnten, so dass die Erkenntnisse und das Handwerkszeug aus dem Buch direkt angewendet werden können.

Miteinander reden

Dieses Buch soll dabei helfen, mit anderen Menschen in konstruktive Gespräche zu kommen und ist für den Autor nicht nur ein professionelles Anliegen, sondern auch ein ganz persönliches Ding: “Es geht ja auch um meine Freiheit und mein Leben in dieser Gesellschaft. Wenn ich Menschen dabei unterstützen kann, mit mehr Wirkung zu agieren, ist das ein Gewinn für alle – denn jeder erfolgreich kommunizierende Mitstreiter dient auch meiner Freiheit.”

Der Autor

Dirk Hüther, Jahrgang 1964, studierte Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Marketing. Seit 2001 ist er selbstständig als Berater, Trainer und Coach tätig und hat vielfältige Aufträge zum Thema Kommunikation, Zusammenarbeit, Führung und Persönlichkeit für diverse Bildungsträger und mittelständische Unternehmen realisiert.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint auch im „Stichpunkt Magazin“.

Dirk Hüther

Kommuni:corona. Kommunikation in Zeiten von Corona

Ein Leitfaden mit praktischen Beispielen

Preis: 19,90 Euro zzgl. Porto und Versand

ISBN: 978-3-9505234-2-3

Umfang: ca. 250 Seiten

Format: 130 mm x 190 mm (Taschenbuch)

Erscheinungstermin: 1.8.2022

Verlag ars vobiscum

Umfang: ca. 250 Seiten

Format: 130 mm x 190 mm (Taschenbuch)

Erscheinungstermin: 1.8.2022

Verlag ars vobiscumarv_logo-pfade_kreis_sw_200x

Das „Stichpunkt Magazin“ geht an den Start: Für eine Gesellschaft mit Kultur

Zeitungen und Magazine gibt es nahezu wie Sand am mehr. Neue kommen, andere gehen. Letzteres trifft schmerzlich für Leser und Macher auf das Magazin „Melodie & Rhythmus“ zu. Andere – wie nun das „Stichpunkt Magazin“ haben den Mut und gehen voller Zuversicht an den Start.

Was will das „Stichpunkt Magazin“?

„Mit dem »Stichpunkt Magazin« gibt es nun ein Medium“ schreibt Herausgeber Thomas Stimmel, „welches den gesamtgesellschaftlichen Dialog fördern und bewusst Lösungsräume anbieten möchte, sowie gesellschaftliche und politische Themen mit künstlerischen und kulturellen Inhalten verbindet. Das Mitmenschliche in den Vordergrund stellt und die, sich im Laufe der Zeit gebildeten gesellschaftlichen Blasen öffnen, oder zumindest »anstechen« will.

Wir möchten unsere Leser dazu anstiften neugierig zu sein und neue Inhalte für sich zu entdecken. Sich von besonderen Menschen inspirieren zu lassen. Zusammengefasst: Wir wollen dazu animieren, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. Die Kunst ist hierbei eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen Menschen unterschiedlichster Standpunkte. Kunst kann vermitteln, Ängste nehmen und Brücken über tiefe Gräben ziehen.“

Das Magazin

für eine Gesellschaft mit Kultur

Gemeinsam geht es besser

Die Erstausgabe des Magazins finanziert sich ausschließlich aus direkten Verkäufen. Um die Inhalte und die kommenden Ausgaben weiter ausbauen zu können, möchten wir bewusst mittelständische Unternehmen ermuntern, die Publikation durch Anzeigen zu unterstützen. Besonders in diesen Zeiten ist es notwendig, kleinere und mittelständische Unternehmen zu fördern, da diese das Rückgrat unserer Gesellschaft darstellen.

Das Stichpunkt Magazin bietet hierfür kostengünstige Möglichkeiten, sowohl in der ditialen, als auch in der gedruckten Ausgabe zu erscheinen. Es können diverse mediale Inhalte transportiert werden.

Anfragen bitte an: anzeigen@stichpunkt-magazin.com

Coverfoto: Thomas Stimmel

In aller Bescheidenheit möchte anmerken, dass ich mich glücklich schätze, an dieser neuen Publikation mitarbeiten zu dürfen.

Der Neuanfang: »Stichpunkt Magazin«

Thomas Stimmel im Vorstellungsvideo

 

Ein großer Krieger? Groß machen Kriege niemanden! Eine Rede von Jan Veil vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs

Ich möchte meinen Leserinnen und Lesern hier eine auf dem Oster – Schilder – Marsch in Frankfurt am Main gehaltene Rede zur Kenntnis geben. Der Inhalt ist nach wie vor aktuell.
Gehalten wurde sie von Jan Veil.

Beitragsbild: Claus Stille. Friedenssäule – ein Kunstobjekt des Dortmunder Künstlers Leo Lebendig

Handwerker für den Frieden in Dessau – ein Zeichen für die Republik? Engagierte, motivierende Rede von Reiner Braun (IPB)

Laut der Tageszeitung junge Welt haben am vergangenen Sonntag insgesamt etwa 2.000 Menschen auf dem Marktplatz im sachsen-anhaltischen Dessau-Roßlau an einer Friedenskundgebung teilgenommen, zu der die Kreishandwerkerschaft Anhalt aufgerufen hatte. Dies bestätigte Karl Krökel, Obermeister der Metallinnung in Dessau-Roßlau, im Gespräch mit junge Welt. Die Veranstaltung sei auf große Resonanz in der Bevölkerung gestoßen. Man habe die »richtigen Themen setzen« können. Die Handwerker fordern »Friedenspolitik statt Krieg, keine Waffenlieferungen an die Ukraine sowie den Stopp von Sanktionen«, wie sie zuvor mitgeteilt hatten. Den Protest gegen die Politik der Bundesregierung und drastisch steigende Lebenshaltungskosten werde man lokal fortsetzen, so Krökel, und sich an der Großdemonstration der Friedensbewegung am 1. Oktober in Berlin beteiligen. (jW)

So lautete der Aufruf der Kreishandwerkerschaft Anhalt Dessau-Roßlau zur Demo:

AUFRUF !!!

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

wir laden Sie recht herzlich zur Kundgebung der Kreishandwerkerschaft Anhalt Dessau-Roßlau auf dem Dessauer Marktplatz (Am Handwerkerbrunnen) ein.

Wann?  Sonntag, 28.08.2022  –  11 Uhr – Marktplatz/Friedensglocke Dessau

Teilnehmen und ein deutliches Zeichen setzen:

  • um Krieg als Mittel der Politik abzulehnen, Friedenspolitik statt Krieg!

  • keine Waffenlieferungen an die Ukraine!

  • Stopp von Sanktionen!

Redner:    Karl Krökel –         Kreishandwerksmeister Anhalt Dessau-Roßlau                  Reiner Braun –      Geschäftsführer International Peace Bureau                  Michael Müller – ehem. Staatssekretär im Bundesumweltministerium, MdB 1983 bis 2009, Bundesvorsitzender der Naturfreunde

Statements

Seit Februar 2022 hat die EU mehrere Sanktionspakete gegen Russland verhängt.

Was haben diese zahlreichen Sanktionen bewirkt? Der Aspekt, das derartige Strafmaßnahmen konfliktverschärfend wirken, ist völlig vernachlässigt worden. Es wurde nicht verstanden, dass Russland auf eine eskalierende Sanktionspolitik zum Teil mit einer militärischen Eskalation antwortet, die auch für uns gefährlich werden kann. Weiterhin wurde völlig ignoriert, dass die verhängten Sanktionen mehr uns als Russland schaden könnten.

Wir haben Sorge:

  • um eine massive Schädigung unserer Wirtschaft, einhergehend mit Massenarbeitslosigkeit und

  • dass die Bürger ihre Gas- und Stromrechnungen und ihren Lebensunterhalt nicht mehr bezahlen können.

Die Bundesregierung hat die Bürger auf eine „Mangellage“ vorbereitet.

Gemeint sind damit Gasrationierung, Notfallplan, Stilllegungen- obwohl es das alles ohne Sanktionen und Nord Stream II nicht braucht!

Was wir erleben ist ein energiepolitisches Desaster!

Und für dieses Desaster trägt allein die Regierung die Verantwortung!

Wir erwarten von der Politik, dass:

  • unsere ernsthaften Sorgen respektiert werden und

  • nicht ständig durch neue Maßnahmen die Lage zum Schaden von uns allen weiter verschärft wird.

Die Menschen brauchen Zukunftssicherheit und bezahlbare Heiz-, Strom- sowie Lebenshaltungskosten!

Wie kann zugelassen werden, dass ältere Bürger in Heimen oder zu Hause darauf vorbereitet werden, im kommenden Winter zu frieren?

Hohe Materialpreise und Lieferengpässe belasten auch die Elektro-, Sanitär-Heizung-Klimafirmen, sowie das Metallhandwerk. Die Kunden haben für höhere Preise kein Verständnis,-aber nach Herstellern und Händlern sind unsere Handwerksbetriebe das letzte Glied in der Kette vor dem Endkunden. 2-3 Preissteigerungen für ein und dasselbe Produkt in immer kürzeren Abständen sind keine Seltenheit. Zudem führt die außer Kontrolle geratene Preisspirale zu einem wachsenden Vertrauensverlust der Endkunden.

Auch das Malerhandwerk spricht von einer beispiellosen Welle von Preiserhöhungen. Die Folge: Die Preise für Malerarbeiten steigen. Unsere Malerbetriebe können das nicht abpuffern. Auch hier droht Stillstand auf Baustellen und eine Pleitewelle.

Den Luxus Nichts zu tun, können wir uns einfach nicht mehr leisten, weil die Lebensgrundlagen ganzer Generationen in Gefahr sind!

 

Kundgebung auf dem Dessauer Marktplatz. Redner: Karl Krökel – Kreishandwerksmeister Anhalt Dessau-Roßlau Reiner Braun – Executive Direktor International Peace Bureau, Michael Müller – ehem. Staatssekretär im Bundesumweltministerium, MdB 1983 bis 2009, Bundesvorsitzender der Naturfreunde. 

Engagierte, motivierende Rede von Reiner Braun (International Peace Bureau)

Der Geschäftsführer des Internationalen Friedensbüros, Reiner Braun, des weltältesten, 1891 gegründeten und weltgrößten Friedensnetzwerks, erinnerte am Anfang seiner Rede an John Lennons Song „Give Peace A Chance“. Heute heiße das für uns: „Wir wollen Frieden!“ so Braun. „Frieden in der Ukraine. Und Frieden weltweit.“

Man wisse, dass diejenigen, welche sich für den Frieden einsetzten und einsetzen immer und immer beschimpft und verunglimpft wurden und würden. Man habe weder die Verunglimpfungen von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sowie die Verunglimpfung von Petra Kelly und anderen in den 1980er Jahren, vergessen, versprach Reiner Braun. „Wer sich für den Frieden engagiert braucht Courage.“

Die Menschen, die sich in Dessau versammelt haben, seien ein Zeichen dafür, dass in diesem Lande im Endeffekt Millionen stärker sind als die, die uns zu regieren und und dabei glaubten, uns in den Krieg führen zu können. Braun: „Das ist die Botschaft von Dessau heute.“

Reiner Braun kritisierte den russischen Angriff auf die Ukraine klar als völkerrechtswidrig. Allerdings habe man auch die zahlreichen völkerrechtswidrigen Kriege der USA mit Millionen Toten – auch den Krieg der Nato gegen die Bundesrepublik Jugoslawien – nicht vergessen.

Reiner Braun bei einer früheren Veranstaltung in Dortmund; Foto: C.-D. Stille.

Und weiter: „Was ist das für ein Irrsinn, in dem wir leben? Wir führen einen Wirtschaftkrieg. Und ich finde, wir sollten das verharmlosende Wort Sanktionen aus unserem Wortschatz streichen.“

Es sei ein Wirtschaftkrieg gegen Russland, der uns mehr schade als Russland.

Man wolle weder einen Schaden für die Wirtschaft, für die Menschen in Russland mit denen uns historisch und aktuell so viel verbinde. Noch wir dürften wir hier in Deutschland darunter leiden. Dieser Wirtschaftskrieg, der Bevölkerungen aller Länder treffe, müsse beendet werden.

Verhandeln statt schießen, laute die Botschaft.

Braun kritisierte hart die 100 Milliarden Euro Sondervermögen für unser Militär. Seien das Kriegskredite? Wer zahle die? Doch wir! An allen Ecken unseres Landes werde das Geld dringender gebraucht.

Die Außenpolitik unseres Landes habe sich Moral auf die Fahnen geschrieben. „Moral mit den Schlächtern von Saudi Arabien, Moral mit den Völkerrechtsbrüchen von Marokko, Moral mit den Ausbeutern und Unterdrückern von Katar? Was ist das für eine elende Doppelmoral, die unsere Regierung als Politik verkauft? Dazu könne man nur nein sagen. Reiner Braun erinnerte an Willy Brandt, den deutschen Friedensobelpreisträger, den man auch beschimpft und diffamiert hatte – der stets für Verhandlungen gewesen war. Und wenn man scheitere, so dessen Credo, müsse es eine weitere Verhandlungsrunde geben. Braun appellierte: „Wir müssen zurückkommen zur Politik von Willy Brandt.“

Es brauche eine Politik der gemeinsamen Sicherheit. „Deutschland ist nur sicher, wenn auch Russland sicher ist“, befand Braun.

Man dürfe nie vergessen, dass 27 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Sowjetunion ihr Leben haben lassen müssen, dafür, dass unser Land vom Faschismus befreit werden konnte.

Wir haben nicht vergessen, dass Freundschaft mit Russland Frieden in Europa bedeutet, so Braun.

Gegen eine kriegsbesoffene Regierung und eine Außenministerin, die eine Schande für unser Land ist, gibt es nur eines: einen Aufstand der Anständigen. Vielleicht, hoffte Reiner Braun, sei die Versammlung in Dessau ein Signal für mehr Protest in diesem Herbst, für mehr Engagement auf jedem Marktplatz in jeder Stadt. Das verlange von uns allen mehr Aktivitäten. Man müsse mit den Nachbarn, den Kollegen und Freunden darüber sprechen. Wir brauchen das große Gespräch, den großen Dialog in der Bevölkerung, um die Bewegung auf die Beine zu kriegen, die diese kriegsverherrlichende Politik stoppen kann. Die Frage Frieden oder Barbarei stehe. Wir wollen den Frieden!

Hier finden Sie die Rede auf Facebook.

Video mit Reiner Braun und anderen Rednern auf der Veranstaltung

 

„Darf ich Genosse sagen?“ Von Kurt Gossweiler. Der Briefwechsel mit Peter Hacks. – Rezension

Der Eulenspiegel Verlag wartet mit der Veröffentlichung einer hochinteressanten Korrespondenz von Kurt Gossweiler und Peter Hacks auf.

Der Begriff Sozialismus war ja um 1989 herum und zeitgleich mit der Wende in den einst sozialistisch genannten Staaten sowie schließlich erst recht mit dem Zerfall der Sowjetunion zum Unwort geworden. Er war für lange Zeit diffamiert. Kaum jemand traute sich diesen Begriff noch in den Mund zu nehmen oder gar diese Gesellschaftsordnung irgendeiner Weise in Schutz zu nehmen oder zu verteidigen – der war sofort des Teufels. Für mich persönlich hat es einen wirklichen Sozialismus allerdings noch nie gegeben. Schon gar nicht einen (in jeder Hinsicht) demokratischen. Doch das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Im Westen Deutschlands dürften 1989/90 die Sektkorken geknallt haben

Die sich einst als Sozialisten verstanden habenden Menschen in der DDR hatten andere Probleme als darüber zu räsonieren. Sie leckten ihre Wunden, denn sie wurden aus Ämtern, Funktionen gejagt und sogar aus den Universitäten geworfen, nachdem sie „evaluiert“ worden waren. Der Kapitalismus hatte seines Erachtens gesiegt und danach benahmen sich dessen Vertreter auch. Betreffs der DDR und anderswo hatte man im Westen mindestens seit 1949 darauf gewartet und alles dafür getan, dass dieser Tag kam. Und war nun zweifelsohne im Westen Deutschlands 1989/90 voll der Freude, dass er endlich hatte herbeigeführt werden können. Sektkorken dürften geknallt haben …

Doch bezüglich dieses Wende oder gar Revolution (m.E. trifft dieser Begriff am allerwenigsten zu) genannten Ereignisses wurde kaum erforscht, welchen Anteil und welche Verantwortung wichtigen Vertretern des Sozialismus selbst für das Scheitern des Sozialismus zuzuschreiben ist . In der Beschreibung des hier zu besprechenden Buch lesen wir:

„Erst nach der Konterrevolution von 1989 begegnen sich zwei Kommunisten aus der DDR über den gleichen, gleich grundsätzlichen Fragen.“

Meine Wenigkeit kann der Einordnung „Konterrevolution“ noch am ehesten zustimmen. Der Kapitalismus, die Kapitalisten holten sich 1989/90 zurück, was ihnen einst nach dem Zweiten Weltkrieg genommen worden war. Und niemand dürfte es eigentlich wundernehmen, dass ab diesem Zeitpunkt peu á peu ein Sozialabbau in der BRD eingeleitet wurde. Westdeutsche Gewerkschaftsfunktionäre sagten: Die DDR saß im Grunde bei Tarifverhandlungen immer unsichtbar mit am Verhandlungstisch. Mag sein, dass sie die DDR damals verklärten. Aber es gab dort nun einmal soziale Errrungenschaften auf die West-Gewerkschafter verweisen konnten. Nach der „Konterrevolution“ fiel das weg. Darauf brauchten die Kapitalisten von nun also keine Rücksicht mehr zu nehmen. Und den Gewerkschaften war dieses Ass aus dem Ärmel genommen.

Weiter heißt es in der Beschreibung:

„Im Briefwechsel lernen sie einander kennen und schätzen, ermutigen und prüfen – mit Respekt, Scharfsinn, Vertrauen …“

Die beiden im Briefwechsel stehenden Herren sind Kurt Gossweiler (1917-2017), Historiker mit den Schwerpunkten Faschismusforschung, Revisionismusanalyse, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, und Peter Hacks (1928-2003), Dramatiker, Lyriker, Essayist.

Der Kracher

Der – soll ich schreiben: Kracher? – ist für mich bei der Lektüre dieses Buches gewesen, dass sich währen des Briefwechsels herauskristallisiert, dass darin Chruschtschow (vom Westen als Nachfolger Stalins eigentlich mehr oder weniger posititv gesehen) als jemand angesehen wird, der den Zerfall des Sozialismus in der Sowjetunion und in der DDR eingeleitet hat. Und Gorbatschow (vom Westen hochgelobt) als jemand angesehen wird, der den Zerfall des Sozialismus (und zusätzlich der Sowjetunion selbst) schließlich vollendet hat. Da muss man zunächst erst mal schlucken. Obwohl da nach genauerem Be- und Nachdenken da doch durchaus etwas dran sein könnte.

Exkurs

Außerhalb des Buches, auf der seite kurt-gossweiler.de, fand ich etwas Auführlicheres dazu: „Oktober 1959: Von seiner USA-Reise zurückgekehrt, wirbt Chruschtschow auf einer Großkundgebung um Vertrauen für den USA-Präsidenten Eisenhower (eben jenen Präsidenten, der Ethel und Julius Rosenberg auf den Elektrischen Stuhl schickte), indem er ausführte: “Von dieser Tribüne aus muss ich vor den Moskauern, vor meinem ganzen Volk, vor der Regierung und vor der Partei sagen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Dwight Eisenhower, der Mann, der das absolute Vertrauen seines ganzen Volkes genießt (gehörten für Chruschtschow die amerikanischen Kommunisten nicht zum Volk?) staatsmännische Klugheit bewiesen hat.”

1960/61: Bruch mit der Volksrepublik China und der KP Chinas. Zuspitzung des Konflikts seitens der Sowjetunion bis zu der Behauptung, die Hauptkriegsgefahr gehe nicht mehr von den imperialistischen USA, sondern von China aus.

Was ist allen diesen Aktionen und Stellungnahmen gemeinsam? Jede von ihnen kam überraschend und unerwartet. Keine war ausreichend stichhaltig begründet, bei einigen – darunter den /67/ wichtigsten – entsprach die zur Begründung angegebene Behauptung offenkundig nicht der Wahrheit, wie etwa bei der Totalrehabilitierung Titos, oder sie stellte eine schlimme Mischung von Wahrheit und Erdichtetem dar, wie in der Geheimrede auf dem XX. Parteitag. Jede stellte eine mehr oder minder schroffe Wendung dar und eine Absage an bisherige elementare marxistisch-leninistische Grundsätze. Jede war ein Angriff auf das bisherige kommunistische Wertesystem. Durch jede wurde bisher für richtig Gehaltenes als falsch bzw. feindlich abgestempelt, und umgekehrt, bisher als falsch und feindlich Betrachtetes für richtig bzw. vertrauenswürdig erklärt.

Was damit – großenteils unmerklich – bewirkt wurde, war seinem Wesen nach eine Vertauschung von Freund- und Feindbild: die eigene Vergangenheit wurde schließlich zum Gegenstand des Abscheus, dem gegenüber es nur noch “unversöhnliche Abrechnung” geben kann; der imperialistische Todfeind der eigenen Sache und der Menschheit dagegen avancierte zum vertrauenswürdigen Partner beim Kampf um eine gerechte Weltordnung und den Weltfrieden und imperialistische Spitzenpolitiker zu Duz-Freunden des Führers der führenden kommunistischen Partei.

Was also ist der gemeinsame Wesenskern all der erwähnten und nicht erwähnten überraschenden Wendungen?

Sie alle waren Teil eines lang währenden Prozesses, in dem die kommunistische Identität der kommunistischen Parteien und der sozialistischen Länder Stück für Stück bis zur Unkenntlichkeit abgebaut wurde, bis sie ihre Identität so weit verloren hatten, dass ihre Gegner sich ausrechnen konnten, sie durch eine Politik des “Wandels durch Annäherung” vollends aufweichen und vernichten zu können.

Dieser Prozeß war von der Chruschtschow-Mannschaft eingeleitet wurden. Er wurde nach Chruschtschow zwar gebremst, aber nicht gestoppt. Gorbatschow wurde als Produkt des ersten Schubs dieses Identitätswandels sein Fortführer und Beschleuniger bis zum folgerichtigen Abschluss: der Auflösung der Kommunistischen Partei und der Sowjetunion und seinem Bekenntnis in dem berühmt-berüchtigten Spiegel-Interview: “Meine politischen Sympathien gehören der Sozialdemokratie und der Idee von einem Sozialstaat nach der Art der Bundesrepublik Deutschland.” /68/“

Verzeihen Sie mir den ausführlichen Exkurs, liebe Leserinnen und Leser. Zum besseren Verständnis (und Ihnen zur Diskussion gestellt) fand ich ihn notwendig.

Der vorliegene Briefwechsel erschien erstmals 2005

Hinweis seitens der Verlags: „Der vorliegende Briefwechsel erschien erstmals 2005 in der von André Thiele und Johannes Oehme unter dem Titel <<Am Ende verstehen sie es. Politische Schriften 1988 bis 2003<< im Eulenspiegel Verlag herausgegebenen Sammlung von Hacks-Schriften. Diese war rasch vergriffen. In der zweiten Ausgabe, <<Marxistische Hinsichten. Politische Schriften 1955-2003<<, ist dieser Briefwechsel nicht enthalten.“

In einem Brief, sei hier noch erwähnt, von Hacks an Gossweiler (S.63) lesen wir zur Person Gorbatschow: „Erst bei Gorbatschow ist klar, dass er, spätenstens seit seiner Wahl zum Generalsekretär, den Imperialismus bewußt anstrebte. Alles Unheil, das in diesen Tagen über die Menschheit hereinbricht, ist die Folge dessen, wass 1985 oder 1989 geschah. Die toten Serben gehen auf Gorbatschows Konto, wie die toten Iraker und die toten Kaukasusvölker aus sein Konto gingen, und man wir ihn unter den großen Massenmörer dieses Jahrhunderts zu rechnen haben.“

Eine hochinteressantes Korrespondenz

Diese Korrespondenz ist hochinteressant. Sie offenbart sehr deutlich wie beide Briefpartner politisch denken, zeigt worin sie übereinstimmen oder Differenzen geltend machen. Da geht es auch hin und wieder um Alltags- und Gesundheitsprobleme. Detaillierte Fragen sozialistischer Theorie werden diskutiert. Geschichliche Ereignisse werden beleuchtet und intensiv besprochen. Vieles, was man aus diesem Briefwechsel erfährt hat man so noch nicht gehört oder gelesen. Auch darin vorkommende (zum Teil widersprüchlich agierende) politische Figuren oder betreffs ihres Tuns und Schreibens erwähnte Journalisten sozialistischer Blätter wie von Neues Deutschland oder junge Welt hat man so noch nicht betrachtet. Im Briefwechsel kommentierte Irrnisse und Wirrnisse in der DDR lassen gemachte Fehler erkennen. Nicht als gering zu bezeichnende Fehler, welche letztlich dazu beitrugen, das die DDR zugrunde ging. Ja, vielleicht: geradezu zugrunde gehen musste, werden den Lesern überdeutlich.

Hacks ein zweiter <<parteiloser Kommunist>>

Woher der Titel des Buches kommt? In einem Brief zu Hacks Geburtstag schreibt Kurt Gossweiler in der Anrede (S.73): „Lieber (darf ich: Genosse sagen?) Peter Hacks!“

Dazu muss man wissen, dass Hacks nicht Mitglieder der SED war. Gossweiler nennt Hacks in seinen Nachbetrachtungen (S.158) einen „zweiten <<parteilosen Kommunisten>> neben Bert Brecht in der Zunft der <<Stücke- und Gedichte-Schreiber“ (…)

In seinem Antwortschreiben schreibt Hacks (S.76): “ Lieber Genosse Gossweiler, vielleicht machen wir es so: In Geburtstagsbriefen nennen Sie mich immer Genosse, und dann fühle ich mich immer geschmeichelt.“

Die Briefe von Hacks und Gossweiler sind stets in respektvoller, höflicher Form und unter Verwendung von ausdrucksstarken, bestimmt ausgewählten Worten verfasst.

Manche einst gewonnene Einschätzungen müssen unter Umständen revidiert oder korrigiert werden

Leserinnen und Leser, die freilich nicht so tief in der Materie stecken und so tief wie Gossweiler und Hacks freilich keinesfalls stecken können, werden gewiss bei der Lektüre der Korrespondenz hin und wieder einst gewonnene, oder angelesene Einschätzungen von geschichtlichen Ereignissen beziehungsweise betreffs bestimmter Personen revidieren, korrigieren oder schmerzhaft anzweifeln wollen. Es wird beispielsweise auch in diesem Buch (wie in den Erinnerungen von Egon Krenz ebenfalls) die Person Walter Ulbrichts anders beurteilt als sie für gewöhnlich allgemein gezeichnet wird. Das betrifft u.a. die Tatsache, dass Ulbricht die Möglichkeit einer deutschen Einheit lange im Auge behielt und etwa deshalb auch dafür war, „Deutschland einig Vaterland“, in der DDR-Nationalhymne zu belassen.

Zum Verständnis meinerseits angemerkt: „Ulbricht war bestrebt, die Abhängigkeit von der Sowjetunion zu vermindern, was ihm letztendlich nicht gelang. Mit Nennung der vergleichsweise großen wirtschaftlichen Erfolge der DDR im RGW Raum propagierte Ulbricht Ende der 60er Jahre das „Modell DDR“ als Vorbild aller Sozialistischen Industriegesellschaften und geriet dadurch in Konflikte mit der KPdSU, der Partei der Sowjetunion. Ulbricht sah die DDR auf dem Weg in ein „entwickeltes gesellschaftliches System des Sozialismus“ und sah darin eine eigenständige Gesellschaftsform. Die Sowjetunion hingegen stand auf dem Standpunkt sie hätte bereits als erster den Sozialismus realisiert und wäre auf dem Sprung zum Kommunismus.

Ab 1967 verlor Ulbricht durch die Deklaration der DDR als Musterland des Sozialismus die Unterstützung von Leonid Breschnew, dem damaligen Führer der UDSSR. Es war auch Ulbricht, der eine Reformation der sozialistischen Planwirtschaft einleitete. Das sogenannte „Neue Ökonomische System der Planung und Leitung“ (NÖS oder NÖSPL) war ein staatliches Programm zur Reform der Planwirtschaft in der DDR. Es sah Elemente wie Leistungsboni für Arbeiter sowie eine stärkere Eigenständigkeit von Betrieben, eine Dezentralisierung, vor und war in der Tat effektiver als die bisherige Planwirtschaft. Das neue System war an die Ideen Lenins zur Neuen Ökonomischen Politik (NÖP) angelehnt. Ja, schon Lenin, der Urvater der Sozialisten, dachte an eine leistungsorientierte Wirtschaft. Dieses leistungsorientierte System war innerhalb der Parteiführung kontrovers umstritten, auch wenn es der Planwirtschaft überlegen war. Honecker schaffte das neue und effektivere System wieder ab und fiel in die Planwirtschaft zurück.“ (Quelle: DDR Geschichte: Die Walter Ulbricht Ära; aus DDR-Erinnerungen)

Egon Krenz kommt in einem Brief von Hacks an Gossweiler als tragische Figur vor (S.40/41): An Biermann, wenn Sie sich entsinnen wollen, haben Sie eine Erinnerung. Während der Konterrevolution, also noch unter Krenz, wurde Biermann eingeflogen, empfangen und instruiert von Dietma Keller, einem Leutnant des Kulturministers Hoffmann (…) Nach dieser Szene auf der Treppe des Kulturministeriums eilte Biermann nach Sachsen, gab ein Konzert und sang, dass Krenz zu den <<ruchlosen Greisen>> auch gehöre, und Krenz wurde sofort gefeuert und Modrow eingesetzt, so wie es die Russen von Anfang an beabsichtigt hatten.“

Peter Hacksens Hoffnung auf einen neuen revolutionären Aufschwung

In seinem Nachwort (im Mai 2005 zur Ausgabe 2005) zeigt sich Kurt Gossweiler davon überzeugt, dass „ein neuer revolutionärer Aufschwung, soll er zum Ziel, zum Sieg einer neuen sozialistischen Revolution führen, einer fest in den Massen verwurzelten kommunistischen Parte Marxistisch-Leninscher Prägug bedarf.“ (…) Und er schließt und schreibt das Buch betreffend: „Möge seine Verbreitung dazu beitragen, daß die Zahl derer – besonders unter der Jugend -, die die Erfüllung dieser Forderungen mitarbeiten, durch neue Aktivisten erweitert wird!“

Kaum zu glauben, aber wahr: die beiden Briefeschreiber sind sich nie persönlich begegnet. Und als sich endlich die Möglichkeit einer solche Begegnung anbot, war Peter Hacks bereits zu krank, um zu kommen.

Unbedingte Lese-Empfehlung! Dem Eulenspiegel Verlag sei gedankt für diese interessante Veröffentlichung.

Matthias Oehme (Hrsg.), Kurt Gossweiler, Peter Hacks

Darf ich Genosse sagen?

Der Briefwechsel mit Peter Hacks

224 Seiten, 16,5 x 22,2 cm, broschiert

sofort lieferbar

Buch 12,– €

ISBN 978-3-359-50099-5

Matthias Oehme

Matthias Oehme, geboren 1954, ist promovierter Germanist.


Kurt Gossweiler

Kurt Gossweiler (1917-2017), Historiker mit den Schwerpunkten Faschismusforschung, Revisionismusanalyse, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung


Peter Hacks

Peter Hacks, (1928–2003), Dramatiker, Lyriker, Essayist und Kinderbuchautor. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Nationalpreis der DDR I. Klasse, der Heinrich-Mann-Preis und der deutsche Jugendliteraturpreis.


»Darf ich Genosse sagen? Der Briefwechsel mit Peter Hacks« erscheint im Eulenspiegel Verlag, einem Imprint der Eulenspiegel Verlagsgruppe.

Kurt Gossweiler im Briefwechsel mit Peter Hacks (1996–2003)
Die 52 Briefe, die die Partner im Laufe von mehr als 6 Jahren wechseln, bezeugen eine außerordentliche Intensität auf beiden Seiten. Sie sind verbunden im gemeinsamen Nachdenken über den gleichen, gleich grundsätzlichen Fragen:
Welches sind die Klassen und die Klassenkämpfe in sozialistischen Gesellschaften? Welchen Anteil hatten Persönlichkeiten wie Nikita Chruschtschow am Zerfall des Sozialismus in der Sowjetunion und in der DDR? Wie wäre die Niederlage von 1989-90 zu vermeiden gewesen? Und welcher Organisationsformen, Bildungsformen, Kampfformen bedarf es für einen zukünftigen Sozialismus?
Sie lernen einander in diesem Briefwechsel kennen und schätzen, ermutigen und prüfen – mit Respekt, Scharfsinn, Vertrauen … so intensiv, dass der eine den andern schließlich fragt: „Darf ich Genosse sagen?“
Die neue, überarbeitete und erweiterte Ausgabe nach der gar zu rasch vergriffenen ersten Ausgabe von 2005 bietet auf 220 Seiten auch ausführlichere Anmerkungen mit weiterführenden Materialien und einigen bisher unveröffentlichten Dokumenten.

Eine Veranstaltungsempfehlung zum Schluss:

Dienstag, 27. September 2022

Kurt Gossweiler/Peter Hacks »Darf ich Genosse sagen«

Eine Niederlage, aber kein grundloser oder unerklärlicher Niedergang

FMP1
Münzenbergsaal
10243 Berlin

Uhrzeit: 10:00 Uhr

In ihrem intensiven Briefwechsel beschäftigen sich Peter Hacks und Kurt Gossweiler mit grundsätzlichen Fragen: Welches sind die Klassen und die Klassenkämpfe in sozialistischen Gesellschaften? Welchen Anteil hatten Persönlichkeiten wie Nikita Chruschtschow am Zerfall des Sozialismus in der Sowjetunion und in der DDR? Wie wäre die Niederlage von 1989-90 zu vermeiden gewesen? Und welcher Organisationsformen, Bildungsformen, Kampfformen bedarf es für einen zukünftigen Sozialismus?
In der Veranstaltung werden einige der Briefe zu Gehör gebracht.

Referent: Dr. Matthias Oehme, Verleger und Herausgeber von Kurt Gossweiler: Darf ich Genosse sagen? Der Briefwechsel mit Peter Hacks
Moderation: Dr. Inge Pardon

Kosten: 2,00 Euro

https://www.helle-panke.de/de/topic/3.termine.html?id=3381