Der Kölner Karlspreis 2020 ging an Julian Assange und Sabiene Jahn

Der Vater von Julian Assange, John Shipton, hat am gestrigen Freitag vor dem Kölner Dom den „Kölner Karlspreis 2020 für engagierte Literatur und Journalismus“ entgegengenommen, den die NRhZ-Online Medien seinem Sohn Julian verliehen haben. Shipton überreichte den Preis unter dem Jubel der Menschen ehrenvoll an die zweite Preisträgerin Sabiene Jahn („Koblenz im Dialog“). Hier die Veranstaltung vor dem Kölner Dom, leider momentan nur via Facebook zu sehen.

Zweite von links Sabiene Jahn, zweiter von rechts John Shipton. Foto: via Owe Schattauer/Facebook

„Julian hat nun 26 Preise für Journalismus erhalten und zwar deshalb, weil die Informationen, die er gibt, die WikiLeaks gibt, für die Menschen, die sie hören, lebenswichtig sind. Das sind wir, Sie und ich, und alle hier, und unsere Mütter und Väter und Kinder. Die Informationen, die Chelsea Manning, Julian Assange und WikiLeaks uns bringen, sind lebenswichtig für unsere Existenz und unsere Freiheit“, sagte Shipton. John Shiptons Rede vor dem Kölner Dom via Facebook.

Die lebensgroße Wanderskulptur „Anything to say?“ des italienischen Bildhauers Davide Dormino war auch vor dem Kölner Dom als Teil der weltweiten Tournee zur Ehrung von Assange sowie der Informanten Edward Snowden und Chelsea Manning zu sehen.

John Shiptons kurze Rede. Via Owe Schattauer/You Tube

Stellungnahme von Sabiene Jahn

Köln. Ich freue mich sehr über den Karlspreis der „Neuen Rheinischen Zeitung“ (NRhZ) in Köln und möchte sagen, dass es ein Preis für uns alle ist, die sich in welcher Form auch immer für Frieden, Gerechtigkeit und respektvolles Miteinander engagieren. Niemand kann die Dinge allein wandeln, es bedarf einer größeren  Gemeinschaft. Und sie wächst, wie wir alle gerade feststellen. Schon viele Jahre leben Aktivisten wie wir mit Verunglimpfung und Pein, werden diffamiert oder gedemütigt. Wir wissen, es ist eine Strategie, Menschen mundtot zu machen und jene zu irritieren, die beginnen zu hinterfragen, ob etwas weiter Bestand haben muss, wenn es nicht funktioniert.  Wir alle haben nur dieses eine Leben, wir alle haben das Recht auf ein würdevolles Leben. Kinder, Großmütter, Lebenspartner und Familien wollen wir schützen und wünschen ihnen Zufriedenheit. Jeder hat konservative und progressive Wertevorstellungen und es ist deshalb sinnvoll, zusammen die Lösungen zu finden.  Ich habe an der Seite von John Shipton, dem Vater von Journalist und Wikileaks-Gründer Julian Assange am Freitag gespürt, wie kraftvoll sich Hoffnung anfühlt. Rasch verblassen kleinere eigene Sorgen im Wissen darum, dass sein Sohn in unserem Europa gefoltert wird. Johns Sohn wird seit über einem Jahr  – genau 555 Tag am 17.10. –  in Belmarsh, einem Hochsicherheitsgefängnis bei London, schlimmer als ein Tier behandelt. Die Folterung bestätigte ein UN-Sonderberichterstatter, Nils Melzer, vor einigen Monaten. Was war das Vergehen von Julian?  Sein „Verbrechen“ war die Wahrheit! Der mutige Journalist Assange entlarvte kriminelle,  korrupte  Regierungsmitglieder aus aller Welt und veröffentlichte Beweismittel für Journalisten auf der ganzen Welt. 10 Mio Leaks in zehn Jahren.  Er zeigte uns auch die Aufzeichnung  „Colateral Murder“. Das Material enthüllt US-Soldaten, die Männer und Kinder mit sarkastischem Unterton abballern. Dass das Töten von Menschen nicht rechtens ist, wissen wir selbstverständlich. Das Fatale an dieser Geschichte ist, Julian Assange kam dafür ins Gefängnis. Der Mann also, der Unrecht entlarvt hatte und nicht jene Verbrecher, die Unrecht begangen hatten.  Recht zu bekommen, stellt die freiheitliche Gesellschaft dieser Tage auf besonders harte Prüfungen. Dann nämlich, wenn Medien, Politik und Geheimdienste ihre Netzwerke nutzen und auf Gesetze spucken. Sollen wir dabei zusehen? Nein. Deshalb werden wir weiter für die Freilassung von Julian Assange kämpfen. Ich bitte alle, schließt Euch an. Auch in Koblenz haben wir seit einigen Jahren einen ähnlich perfiden Kreis an Extremisten, die Menschen nicht gestatten,  sich freigeistig über gesellschaftspolitische Zusammenhänge auszutauschen. Sie pfeifen auf  Demokratie und gewogenen Austausch. Sie hetzen, lügen und verstecken sich oft im Schutz der Anonymität. Sie nennen sich oft „links“ und haben mit ihren neoliberalen  Glaubensgrundsätzen Parteien und Organisationen wie die Grünen, DIE LINKE und die SPD unterwandert. Einige besetzen sogar Spitzenpositionen.  In Koblenz ist es mir gelungen, einen Mann aus seiner Deckung zu ziehen und ich  habe nach langer  Recherche einen Gerichts-Prozess am 30.Sept 2020 gewonnen. Der Stadtrat der Grünen in Koblenz,  Sebastian Beuth, wird ab sofort bis zu 250.000 Euro Strafe oder alternativ bis zu sechs Monate Haft erhalten, wenn er wiederholt oder wiederholen lässt, was er mir bislang in krankhafter Weise unterstellte.  Ich bin froh, dass mir mit allen Partnern gelungen ist, ihn zu überführen. Ich sage daher Dankeschön an Jeden!  Warum ein Kölner Karlspreis?  Karl Marx war einer der Autoren und Herausgeber der Neuen Rheinischen Zeitung in Köln.  Die NRhZ ist eine wöchentlich aktualisierte Online-Zeitung aus Köln mit redaktioneller Verantwortung. Redakteur und Herausgeber war ursprünglich Peter Kleinert. Nach dessen Tod im Jahr 2016 übernahmen Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann die Herausgeberschaft.  Mit der Wahl des Titels „Neue Rheinische Zeitung“ sollte an die von 1848 bis 1849 durch Karl Marx in Köln redigierte kommunistisch-sozialistische Zeitung angeknüpft werden. Der Verleger sah sich bei seiner  Gründung 2005 als Alternative zu den Mainstream-Medien, denen er vorwarf, ein Meinungsmonopol zu bilden, und war bestrebt, eine unabhängige, engagierte und kritische Berichterstattung entgegenzusetzen. Aber Achtung: In der Wikipedia wird die Zeitung falsch beschrieben, ähnliche Unterstellungen, wie sie auch mir angedichtet wurden, schrieben feindselige Schmierfinken.  Richtig ist, die „Neue Rheinische Zeitung“ ist eine kapitalismuskritische Zeitung, die enge internationale Netzwerke der Friedensbewegung pflegt, so auch in die USA. Sie kritisiert scharf Rassismus und unterstützt in ihren Kampagnen die Gleichbehandlung von Menschen, u.a. auch alle Arabischstämmigen. Ein besonderes Gewicht wird auf die Abschaffung der NATO gelegt, die sich nicht als Verteidigungsbündnis bewies, sondern als Kriegsbündnis für Interventionen und Unterjochung von Freiheit und Demokratie gesehen wird.  Ich freue mich deshalb besonders, den Kölner Karlspreis von der „Neuen Rheinischen Zeitung“ für meine parteifreie Veranstaltungsreihe „Koblenz: Im Dialog“ erhalten zu haben und rufe alle Menschen auf, zeigt Mut und Courage im Kampf gegen Ungerechtigkeit. „Wenn wir uns zusammenschließen, werden wir gewinnen“, sagte John Shipton in Köln. Es passiert gerade.

Foto: Pixelbrotfotografie, Busker Bred.

Von der Querdenken231-Demo in Dortmund. Absoluter Höhepunkt: Kriminalhauptkommissar verteidigt das Grundgesetz

Von Claus Stille

Am Sonntag war es nun soweit: Die Demo für „Frieden & Freiheit“ ging in Dortmund über die Bühne.

Ich war vor Ort, um darüber zu berichten. Allerdings nur bis ca. 19:45 Uhr. Die Teilnehmerzahl soll 3.000 betragen haben.

Einige Medien stimmten ihre Rezipienten auf die übliche Weise ein. Und berichteten dementsprechend auch im Nachhinein

Im Vorfeld kündigten einige Medien die Veranstaltung auf dem Hansaplatz in Dortmund dementsprechend – in diffamierender Weise an, damit die Leser*innen gleich wussten, was sie über die Demo zu denken hatten. Im Wesentlichen war davon die Rede, dass sich in Dortmund „Coronaleugner“ treffen wollten. Wie dann die Nachberichterstattung ausfallen würde, konnte man sich auch ausmalen. Und so kam es. Es ist inzwischen auch u.a. hier zu lesen. Auch der hetzerisch tönende Bericht der WDR-Lokalzeit Dortmund von Cristof Voigt folgt dieser Ideologie. Und da beschwert sich der WDR-Mann in seinem Stück darüber, dass die Menschen auf dem Platz so ablehnend gegenüber dem Reporter auftraten? Ich muss schon sehr bitten! Den Vogel schoss mal wieder der Blogger Robert Rutkowski (Korallenherz) ab. Er wirft den Demonstranten in dieser WDR-Lokalzeit vor, einen Umsturz im Sinne zu haben, wovon doch nur rechte Kräfte profitieren würden. Wer nur einen Hammer hat, sieht eben überall nur Nägel.

Anmerkung: DDR 2.0? Die DDR-Medien diffamierten Menschen, die Kritik am Staat übten, in nicht viel anderer Weise. Diese Gefühl vermittelt sich einen. Jedenfalls, wenn man aus der DDR in dieses Land gekommen ist, wie ich. Und das ging auch dem Journalisten Boris Reitschuster („Reitschuster.de) so. Milena Preradovic („Punkt.PRERADOVIC) hat mit ihm darüber gesprochen. Reitschuster spricht im Interview auch über Georg Restle, ein alter Kollege von Reitschuster aus Moskauer Zeiten, der beim ihm am Küchentisch gesessen habe und sich betreffs gewisser Umstände „ausgeheult“ habe. Dann aber kurze Zeit in einem Podiumsgespräch quasi entgegengesetzt seiner Kritik getönt habe. Auch das kenne ich aus DDR-Zeiten. Oft traf ich nach Premierenfeiern am Theater meiner Heimatstadt einen hervorragenden Kulturjournalisten (er arbeitete bei einer Bezirkszeitung der SED), der sich dort regelmäßig (und auch anderswo) mit reichlich Alkohol regelrecht „zulötete“. Er konnte halt auch nicht so schreiben wie er gern gewollt hätte. Und bei ihm kam noch hinzu, dass man ihm wohl aus politischen Gründen zuvor seinen ursprünglichen Berufswunsch Schauspieler zerstört hatte.

Blinde Berichterstattung – Sind alle Kritiker Covidioten? Punkt.PRERADOVIC mit Boris Reitschuster

Bei Querdenken231 waren Menschen aus vielen Spektren – sozusagen querbeet durch die Bevölkerung anzutreffen

Mein Eindruck von der Kundgebung auf dem Hansaplatz: Dort waren Leute aus vielen Teilen der Bevölkerung anzutreffen. Die, das war auch in kurzen Gesprächen mit ihnen zu erfahren, meist beunruhigt waren über die in der Corona-Pandemie ergriffenen Maßnahmen der Bundesregierung und der Landesregierung. Auch über das Durcheinander, das Hüh und Hott, das dabei geherrscht hat und heute teilweise noch herrscht.

Mit Sicherheit waren dort auch Leute anzutreffen, die Existenz des Corona-Virus leugnen oder zumindest kritisch infrage stellen. Einzelne Personen, Frauen, Männer und selbst Familien mit Kindern waren zu sehen. Auch ein paar Menschen mit eher rechter Gesinnung erkannte man. Aber, das war eine Minderheit. Auch Esoteriker. Ich würde sagen: die meisten Menschen waren solche, denen man tagtäglich im Supermarkt begegnen kann oder mit denen man im Berufsleben zu tun hat. Klar, man wird sie nicht immer alle mögen oder gar lieben. Das muss man auch nicht. So ist das Leben. Aber sie einschlägig als rechts und Verschwörungstheoretiker zu verdammen, dass ist überheblich und unredlich. So spaltet man die Gesellschaft immer mehr.

Menschen könnten sich deswegen immer mehr abkapseln und der Gesellschaft möglicherweise für immer verlustig gehen. Könne wir das wollen? Was sind das für Politiker, was sind das für Medien, denen Menschen, die arg verunsichert und auch empört sind über die Verhältnisse und Zustände (auch bereits vor Corona) in diesem Land, offenbar nur völlig wurscht sind? Oder warum diffamieren sie diese Menschen? Was wird wohl erst im Herbst sein, wenn es Pleiten regnet und Massenarbeitslosigkeit droht – wenn es also gehörig wummst? Und wohlbemerkt: Ganz und gar nicht so, wie das ein Finanzminister Olaf Scholz, der nun zu allem Überfluss auch noch zum Kanzlerkandidat einer Partei bestimmt wurde, die einst sozialdemokratisch war, mal gemeint hat. Diese sich auf der richtigen Seite wähnenden Politiker und Medien könnten sich in einer ruhigen Minuten einmal Gedanken darüber machen, warum die DDR zu Bruch gegangen ist.

Und nach den Ursachen, warum die Menschen so denken, zu fragen wird einfach nicht gefragt.

Auch viele Slogans auf unterschiedlichen mitgeführten Plakaten würde ich nie und nimmer teilen. Aber die Menschen sollen doch ihre Meinung mitteilen.

Und, frage ich einmal ketzerisch: Tragen nicht gerade diejenigen Menschen die Schuld, dass manche Menschen eben so denken – sozusagen aus dem Ruder laufen gelaufen sind -, die sie nun als „Covidioten“ oder sonst irgendetwas beschimpfen: nämlich bestimmte Politiker und die ihnen nach dem Munde plappernden Medien?! Apropos „Covidioten“: Einer von vier auf der Veranstaltung am Sonntag aufgetretenen Rechtsanwälte hat eine Musteranzeige auf seine Website gestellt, die man herunterladen kann und Anzeige etwa gegen die SPD-Vorsitzende Saskia Esken stellen kann, die sich nicht entblödet hatte, die Demonstranten in Berlin pauschal als „Covidioten“ zu beleidigen. Über 1000 Menschen sollen bereits davon Gebrauch gemacht haben.

Auch dies zur Kenntnis:

„Nach Einschätzung des Bundesverfassungsschutzes haben an der Corona-Demonstration am vergangenen Samstag in Berlin nur „einzelne Angehörige“ aus dem rechtsextremen Spektrum teilgenommen. Vor der Veranstaltung sei durch verschiedene Personen und Organisationen aus diesem Spektrum mobilisiert worden. Aber: „Ein prägender Einfluss auf den Demonstrationszug oder die Gesamtkundgebung ging von diesen nicht aus“, teilte das Bundesamt für Verfassungsschutz der F.A.S. mit.

Quelle: F.A.S.

Eine Erklärung dafür, warum es diese Proteste hat Wolfgang Engler in der Berliner Zeitung

Sie tragen keine Maske und ignorieren den Abstand. Die Teilnehmer von Corona-Hygiene-Demos bringen so den Unmut über die geltenden Schutzmaßnahmen zum Ausdruck. Dabei protestieren nicht nur Esoteriker gemeinsam mit Verschwörungstheoretikern, sondern auch Menschen mit wirtschaftlichen Ängsten, wie der Soziologe und Ost-Experte Wolfgang Engler sagt. Im Interview erklärt er, warum sich so viele verschiedene Gruppen auf den umstrittenen Demos zusammentun, wieso die Wut vieler Menschen in Ost und West so groß ist und zieht Parallelen zu Pegida.

Sie sagen, die Demonstranten wollen den Staat vorführen. Woher kommt diese Wut auf den Staat?

Natürlich sind das Minderheiten. Aber diese Minderheiten werden in den letzten Jahren zunehmend politisch relevant, wie man auch anhand der letzten Bundestagswahl und bei Landtagswahlen – nicht nur im Osten Deutschlands – gesehen hat. Die Unzufriedenheit hat viele Gründe. Zusätzlich zu denen, die sich sozial ausgeschlossen oder an den Rand gedrängt fühlen, die die schlechteren oder keine Jobs haben oder in abgehängten Regionen leben, sind da offensichtlich auch Leute unterwegs, die von anderen Motiven getragen sind. Davon etwa, dass sie den Eindruck haben, da wird etwas von oben beschlossen und sie baden das dann aus, nach dem Motto „Wir schaffen das“ aus der Flüchtlingskrise. Man fühlt sich nicht gefragt, nicht ernst genommen.

Glauben Sie, dass auch Medien Verantwortung an der aufgeheizten Stimmung tragen?

Insofern sie zu Pauschalformeln greifen, wie das auch jetzt wieder der Fall war. Das verärgert die Leute ungemein. Ich würde sehr dazu raten, davon Abstand zu nehmen und zu differenzieren.

Und so gelingt es, Menschen wieder zurückzugewinnen?

Das vermag ich nicht zu sagen.

Es wäre schon viel erreicht, wenn man Menschen, die am „System“ zweifeln, nicht so vor den Kopf stößt, dass aus Zweiflern Gegner der offenen Gesellschaft werden.

Wolfgang Engler

Das ganze Interview in der Berliner Zeitung lesen Sie bitte hier.

Verspäteter Beginn der Demo

Für 15 Uhr war der Beginn der Kundgebung geplant. Indes dieser verspäte sich erheblich – fast um eine Stunde. Immer wieder war die Polizei mit den Abständen zwischen den Menschen nicht einverstanden. Die Veranstalter appellierten etlichen Male an die Menschen, sich doch bitte besser zu verteilen. An allen Zugängen zum Platz standen Polizeiwagen. Dort wurden die Taschen der Heranströmenden kontrolliert. Eine Videoleinwand, die unweit des Rathauses auf einem Pkw mit Hänger stand, wurde aus unerfindlichen Gründen nicht an die Bühne gelassen.

Absoluter Höhepunkt der Demo in Dortmund: Kriminalhauptkommissar Michael Fritsch mit bewegender Rede verteidigte das Grundgesetz und den Rechtsstaat

Schließlich konnte die Kundgebung mit gut einer Stunde Verspätung anfangen.

Um gleich zu einem, d e m Höhepunkt der Demo in Dortmund zu kommen: Der Kriminalhauptkommissar Michael Fritsch (57), ein Familienvater aus Niedersachsen äußerte sich kritisch zu den in der Corona-Krise ergriffenen Maßnahmen. Das Publikum zollte dem Mann hohen Respekt. In der Tat: ein mutiger Mann! Kürzlich schon hatte sich bereits ein Polizist auf einer Querdenken-Demo in Augsburg als Kritiker der Corona-Maßnahmen geoutet. Fritsch erklärter in seiner Ansprache, betreffs dieser er „sich jeden Wort reiflich überlegt“ hab: „Ich bin ein Patriot und kein Idiot.“

Kriminalhauptkommissar Fritschs wohl auslösender Moment, sich zu äußern, war dessen erste Teilnahme an der Demo „Für Freiheit und Frieden“ als Zivilist, vergangene Woche in Berlin. Michael Fritschs Einschätzung dieser Berliner Demo: „Die friedlichste, die ich je erlebt habe.“

Seiner Meinung nach gibt es in Deutschland schon lange keine Gewaltenteilung mehr.

Er selbst hatte vor Ort in Berlin erlebt, wie viele friedliche Menschen dort auf der Kundgebung waren. Über die Manipulation der Teilnehmerzahlen haben wir wohl alle schon etwas gehört. Den Medien, die sich daran beteiligt haben hielt er entgegen:

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht. Ihr habt euch quasi euer eigenes Grab geschaufelt.“

Fritsch gab zu Bedenken: „Ohne gesetzliche Grundlagen ist jede Beschränkung oder Aufhebung von Grundrechten nicht rechtmäßig. Ja, sie ist sogar verfassungswidrig. Illegale Anordnungen oder Befehlen dürfen wir als Polizisten nicht ausführen. Wir haben an dieser Stelle nicht nur das Recht sondern die Pflicht zur Remonstration.“ (Erkärung des Begriffs Remonstration)

Der Kriminalhauptkommissar an seine Kollegen:

„Fordert eure Vorgesetzten auf, ihre Befehle schriftlich zu formulieren und mit Vor- und Zunamen zu unterschreiben! Ansonsten trägt jeder Einzelne die rechtlich Verantwortung.“ Er zitierte dazu ein Sprichwort: „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.“

KHK Michael Fritsch wurde am Montag dieser Woche von seinem Dienstherrn in Hannover suspendiert

KHK Fritsch hatte damit gerechnet: Einen Tag nach der Demo und seinen mutigen Worten, suspendierte ihn sein Dienstherr in Hannover. Er benötigt jetzt Unterstützung und Solidarität. Juristische dürfte er wohl von einem der Rechtsanwälte erhalten, die auf der Veranstaltung beteiligt werden oder von MUTMACHER.org (e.V. i. Gr.

Kriminalhauptkommissar Michael Fritsch: „Ich bin Patriot und kein Idiot“

Querdenken Corona Demo Dortmund, 9.8.20 – Auch eine pensionierte Polizeikriminalhauptkommissarin sprach auf der Demo

Video-Bericht von Margarita Bityutski (RT Deutsch)

Hier das Langzeitvideo von der Querdenken231-Demo via PatriotonTour/You Tube

Andy Franke interviewt Michael Ballweg

Es spricht Rechtsanwalt Ralf Ludwig und Dr. Kirsten König, Anwältin für Kreative

Fachanwältin Yvette Kaminski kritisiert die Berichterstattung der Mainstream Medien via TTV/You Tube

Vorgetragen in mehreren Sprachen, wurde für die nächste Demo, die am 29. August in Berlin geplant ist, mobilisiert. Immer wieder wurde skandiert: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“

Um nicht wieder mit von Polizei und Medien manipulativ geschrumpften Teilnehmerzahlen zu tun zu bekommen, will jetzt sogar jemand einen Helikopter anmieten, um eignen Luftausnahmen zu machen. Sogar von der Möglichkeit einen Zeppelin über den Demo-Ort fliegen zu lassen, ist die Rede. Was man allerdings davon halten soll, dass die Organisatoren ausgerechnet US-Präsident Donald Trump zu dieser Demo eingeladen haben, muss jeder für sich entscheiden. Auch ziehe man in Erwägung den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Wladimirowitsch Putin nach Berlin einzuladen. Der aber dürfte genug vom Völkerrecht verstehen, um diese Einladung dankend abzulehnen. Denn mit Sicherheit würde das hierzuland als Einmischung innere Angelegenheiten angesehen werden. Wobei ihrerseits die deutsche Bundesregierung damals Kiew weniger Zurückhaltung übte und nichts dabei fand, dass Bundesaußenminister Westerwelle über den Maidan spazierte.

Ein Musikbeitrag von Wojna („die bandbreite“) „Impft sie nicht“ sehe ich äußerst kritisch. Zumals Wojna wohl Impfungen an Kindern im Allgemeinen meinte. So etwas ist m.E. grob fahrlässig. Und nicht etwa – wie man zunächst denken konnte – gegen einen in Entwicklung befindlichen Impfstoff gegen Covid19, dem man in der Tat ablehnend gegenüberstehen sollte, zumal er Gen verändernd wirken soll. Und den es noch nie gegeben hat. Auf der gleichen Veranstaltung sprach ein kritischer Arzt, der jedoch deutlich dafür eintrat, Impfungen gegen Kinderkrankheiten, Wundstarrkrampf etc. durchzuführen.

Während der Veranstaltung wurde eine Gedenkminute eingelegt für alle Opfer der US-Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und alle Opfer von Kriegen weltweit.

Teilnehmende Rechtsanwält*innen waren:

Ivett Kaminski, Dr. Kirsten König, Markus Haintz, Ralph Ludwig und Wilfried Schmitz.

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Was auch zu bedenken ist: Ein Zwischenruf der Journalistin Susan Bonath via Facebook (am 12. August 2020)

Die Linke lässt seit Jahren die „kleinen Leute“ mit ihren Problemen alleine. Menschen, die Angst haben vor Sozialabbau (Anti-Hartz-Proteste 2004).Menschen, die Angst haben vor der Diktatur des Kapitals (Occupy 2011). Menschen, die Angst haben vor Krieg in Europa (Mahnwachen 2014). Menschen, die Angst haben vor dem Einstampfen ihrer wenigen #Grundrechte mittels einer wissenschaftlich fragwürdigen #Gesundheitsdikatur im Zeichen von #Corona (Grundrechte-Demos 2020). Menschen, die sich dagegen wehren, dass ihre #Kinder den ganzen Tag mit Maske im Unterricht sitzen müssen (Proteste in #NRW gegen #Maskenpflicht im #Unterricht).
Man weiß aus Erfahrung, dass sich #Rechtsextreme alles auf die Fahnen schreiben, wirklich alles, wenn es darum geht, Mitläufer zu gewinnen. Man weiß aber auch und sieht es aktuell etwa im Bundestag, dass dies alles Schaumschlägerei ist, mehr noch: bewusste Irreführung der Menschen auf der #Straße. Und sie sind dabei, massiv Schaum zu schlagen, sich angeblich auf die Seite der Grundrechtedemonstranten und der Eltern gegen die Maskenpflicht im Unterricht zu stellen.
Und die Faschisten werden wohl hier und da punkten. Und wer trägt dazu massiv bei? Eine verbürgerlichte Linke, die sich moralinsauer wie bildungsfern (hier passt das wirklich mal) auf die Seite des rechten kapitalistischen Repressionsstaats stellt – des territorialen Machtinstruments der herrschenden Klasse.
Es stehen sich gerade zwei Lager gegenüber: Kapitalistische #Faschisten, die den Staat mit Hilfe ihrer und im Auftrag ihrer stinkreichen Förderer im Hintergrund übernehmen wollen. Und die kapitalistische Einheitsfront der politischen Vertretung der gegenwärtigen dominierenden Kapitalfraktionen, in die sich die Linke brav mit einreiht – was sie zu Rechten macht. Denn ein kapitalistischer Staat ist per se rechts, weil er Unterdrückung von Menschen durch Menschen managt.
Nochmal: Indem die Linke auf protestierende Proletarier (und ja, auch den einen oder anderen Kleinbürger darunter) scheißt, die demütigt mit stumpfsinnigen Moralkeulen, trägt sie seit Jahren dazu bei, dass die Rechtsextremen immer stärker werden. Sie ist Teil des Problems, nicht der Lösung.

Schließen möchte ich hier mit den Worten von Noam Chomsky:

„Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht, was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, dass sie es nicht versteht!“

Redaktioneller Hinweis: Der Bericht erhebt keinen Anspruch auf vollständigkeit, was die Demo anbelangt. Wenn nötig erfolgen Ergänzungen.

Update vom 19. August 2020

Querdenken wohin, woher? Widerstand wogegen? Von Albrecht Müller

„Dass sich so viele Menschen bei Demonstrationen engagieren, ist schon alleine ein positives Zeichen. Noch vor kurzem haben wir die schlechten Wahlbeteiligungen und das dürftige politische Interesse beklagt. Wer etwas von Demokratie hält, sollte froh sein, dass jetzt so viele Menschen politisches Interesse entwickeln und auf die Straße gehen. Diese Menschen in die antidemokratische oder in die rechte Ecke zu schieben, ist alleine wegen ihrer Bereitschaft zur Demonstration nicht angebracht. Bei prinzipiell positiver Bewertung der neuen Bewegungen bleibt trotzdem die Frage, wohin sich jene, die sich Querdenker oder Demokratischer Widerstand oder sonst etwas nennen, bewegen wollen. Welche inhaltlichen, programmatischen Vorstellungen werden verfolgt? Welche Werte sollen die andere, die neue Gesellschaft prägen?“ Quelle: NachDenkSeiten/Albrecht Müller

Ein neues Grundgesetz von Unten

Verfassungsfragen sind Machtfragen. Von Uli Gellermann

„Da rührt sich was: In Zeiten des Umbruchs wird die alte Ordnung immer infrage gestellt. Dass wir einen Umbruch erleben, steht außer Frage: Die da oben pflügen gerade die alte Ordnung mit einer Serie von Kontroll-Maßnahmen um, und nicht wenige da unten wehren sich. Der Kampf geht im Kern um das Grundgesetz, auch wenn die Merkel-Spahn-Gruppierung behauptet, es ginge um die Gesundheit der Bevölkerung. Wenn die Regierung selbst die Verfassung infrage stellt, fragt sich so mancher weiter unten, ob denn das ohnehin zerschlissene Grundgesetz keine Alternative zulässt.“ Quelle: Rationalgalerie/Uli Gellermann

 

 

Hier noch einige Bilder vom Sonntag:

Andy Franke (rechts) interviewt Michael Ballweg. Fotos: C. Stille

KHK Michael Fritsch.

Von links: Michael Ballweg, RA Ralph Ludwig und Interviewer Andy Franke.

RA Wilfried Schmitz.

Muslima lädt ihre muslimischen Brüder und Schwestern zum Mittun ein.

Die Rechtsanwält*innen mit KHK Fritsche.

Daniel.

Wojna von die bandbreite.

 

Gäste, Mitstreiter aus den Niederlanden.

Eine thailändische Frau lädt zur Demo am 29. August in Berlin ein.

Gastbeitrag von Dr. Urbain N’Dakon: Schwarz-weiße Überlegungen

Urbain N‘ Dakon beim LickLike-Festival in Dortmund 2019 mit seinem Musikerkollegen aus Togo. Foto: Hans Lantzsch

Was hat ein weißer Rassist für ein Problem mit der schwarzen Hautfarbe? Warum hasst der weiße Rassist den schwarzen Mitmenschen? Warum ist für ihn die Farbe der Haut so wichtig, dass er bereit ist, für dieses biologische Merkmal zu kämpfen, womöglich zu töten? Wer Rassismus nicht versteht, liegt in seinen Bemühungen ständig daneben.

Die Geschichtswissenschaft lehrt uns, dass die ersten Bewohner*innen Europas Schwarzafrikaner*innen waren, deren Organismus sich der extremen Kälte, insbesondere der letzten Eiszeit anpassen musste, so dass bei ihnen das nicht mehr benötigte Melanin verlorenging und damit auch die ursprüngliche Farbe der Haut. Veränderungen an den Augen und Haaren sind nach dieser Erkenntnis auch eine Auswirkung dieses langen Anpassungsprozesses. Die derart veränderten Afrikaner*innen hatten dann Kinder mit „noch schwarzen“ Afrikaner*innen, diese hatten wiederum Kinder mit Weißen und die Kinder welche mit „nicht ganz weißen“ usw… So entstanden nach der Lesart, die uns die Geschichtswissenschaft erlaubt, die vielfältigen Variationen in der Hautfarbe, wie wir sie heute kennen. Die logische Konsequenz ist dann festzustellen, dass alle bisher bekannten Hautfarben, die Töchter, Enkelinnen und Urenkelinnen der schwarzen sind. Ein Weißer ist deshalb nichts Anderes als ein weißer Afrikaner, der seit Jahrtausenden nicht mehr in Afrika lebt, also einer, der mit den heutigen Afrikanern wie mit allen anderen Menschen dasselbe genetische Material teilt.

Wie ist dann der Hass zu erklären?

Wie ist dann dieser Hass des weißen Rassisten gegen die schwarze Hautfarbe zu erklären, wenn er selbst der späte Nachfahr von Schwarzafrikanern ist?

Eine Erklärung: Der weiße Rassist ist ein Mensch, der eine Wut in sich trägt, die ursprüngliche Hautfarbe verloren zu haben. Doch statt gegen die Natur richtet sich seine Wut gegen diejenigen, die diese Hautfarbe offensichtlich noch tragen. Der Hass gegen die Träger der schwarzen Hautfarbe ist also ein Selbsthass vor dem Hintergrund eines erlittenen Verlustes, der sich heute wie eine Art Urschmerz darstellt. Die akribisch von Pseudowissenschaftler*innen zusammengebastellte Ideologie einer vermeintlich nachgewiesenen Überlegenheit der weißen „Rasse“ hat die Funktion, die als Verlust empfundene Veränderung zu kompensieren und erträglicher zu machen. Deshalb wird seit Jahrhunderten immer noch nicht aufgehört, wissenschaftliche Nachweise für die „Unterlegenheit schwarzer Menschen“ zu sammeln. Dieser systematische Selbstbetrug ist zur Basis der Kultur geworden und wird tradiert an weitere Generationen weitergegeben. So sehr, dass es für einen weißen Rassisten das Selbstverständlichste der Welt ist, diese Ideologie zu übernehmen und Menschen mit schwarzer Hautfarbe zu hassen.

Das aufwendige Aufrechterhalten der rassistischen Ideologie

Es ist nicht leicht, diese trügerische und inzwischen zum Monstrum emporgereifte Ideologie der weißen Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Es ist für jeden normalen Menschen offenkundig, dass sie auf wackeligen Füßen steht. Der Rassist muss sie also ausdrücklich, absichtlich und aufwendig pflegen, um sie aufrecht zu erhalten, weil er sich für ein Kulturgut hält. Der große Aufwand, den er betreibt, beeindruckt und täuscht darüber hinweg, dass der Rassist eigentlich nicht 100% von seiner Ideologie überzeugt ist. Tief in seiner Psyche ist immer noch die Stimme der Vernunft, die ihm zuflüstert, dass er sich etwas vormacht. Tritt ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe in sein Blickfeld, fällt das ideologische Gebäude wie ein Kartenhaus komplett in sich zusammen. Die Wunde reisst wieder auf. Und der Rassist wird noch wütender, noch aggressiver. Aus gutem Grunde, denn der aus seiner Sicht so lebensnotwendige Selbstbetrug wird unmöglich, wenn er seine ursprüngliche Hautfarbe immer wieder vor den Augen hat. Der Verlust wird noch präsenter und schmerzhafter, der schuldige Schwarze muss entfernt werden. Mit dem Rassismus haben wir es also mit einer hoch pathologischen Erscheinung zu tun.

Und wie steht der Rassist zu Afrika?

Kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Überlegung zurück, fällt uns wieder ein, dass die Geschichtswissenschaft den afrikanischen Kontinent als „die Wiege der Menschheit“ bezeichnet. Um es einfach zu halten spreche ich von dem Elternhaus aller Menschen. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Umstand nicht mehr ändern wird. Wie können wir dann die Tatsache deuten, dass ein Mensch, der das Elternhaus verlassen hat und nun ganz woanders wohnt, seine Zeit und Energie darin investiert, Strategien und Pläne zu schmieden, um die Ressourcen aus seinem Elternhaus auszuplündern und in sein neues Wohnhaus zu tragen? Schlimmer noch: den tödlichen Müll aus seiner industriellen Aktivität in das Elternhaus zurückzutragen und damit seine noch im Elternhaus lebenden Brüder und Schwestern, zu vergiften und systematisch umzubringen? Der weisse Rassist hat sich darin spezialisiert, eine unerschöpfliche Bandbreite tödlicher Produkte für sein ursprüngliches Elternhaus herzustellen und zu vertreiben (giftige Industrieprodukte, giftige Zigaretten, giftige Medikamente, giftige Treibstoffe, Waffen, Kriege und Rebellionen usw…). Wir merken: Auch zu seinem ursprünglichen Elternhaus pflegt der weiße Rassist ein gestörtes, hoch pathologisches Verhältnis. Traditionelle Kulturen würden hier von einem verlorenen, einem unwürdigen oder gar von einem der Verdammnis geweihten Sohn sprechen. Wie schafft es denn der weiße Rassist, kein schlechtes Gewissen zu haben? Durch die kontinuierliche Pflege seines ideologischen Gebäudes, zu dem er vor etwa 60 Jahren eine neue Strategie hinzufügte: Eine offizielle Politik der „Entwicklungshilfe“ an seine im Vaterhaus gebliebenen Brüder und Schwestern.

Ein Ausweg?

Urbain N’Dakon (rechts) im Kirchgarten der Dortmunder Pauluskirche. Foto: C. Stille

Die große Frage: Kann der weiße Rassist von seinem gestörten Verhältnis zur schwarzen Hautfarbe und zum schwarzen Kontinent befreit werden? Genauso wie ein kranker Mensch nur geheilt werden kann, wenn er sich als einen solchen wahrnimmt und sich ehrlich einer Behandlung unterzieht, müsste der weiße Rassist bereit sein, der Wahrheit ins Auge zu sehen und seine krankmachende Ideologie aufzugeben. Dass es aber keine leichte Aufgabe ist, merken wir, wenn wir daran denken: Er ist dermaßen mit seiner Ideologie identifiziert, dass er das Gefühl hat, er müsste sterben, wenn er sie aufgeben würde. Ein Patient, der davon überzeugt ist, durch eine Behandlung sein Leben zu verlieren, akzeptiert natürlich keine Behandlung. Die Befreiung vom Rassismus entpuppt sich hier deshalb als Herkules-Aufgabe, die nur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe lösbar wäre. Ziel müsste sein, den Rassisten zu lehren, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben statt andere zu hassen, sich mit seinem früheren Erscheinungsbild zu versöhnen, die bestehende Mannigfaltigkeit der Hautfarben als Sieg der Überlebensfähigkeit des Menschen zu feiern und nicht als Bedrohung zu sehen.

Quelle: Dr. Urbain N’Dakon via Facebook mit freundlicher Genehmigung des Autors

Zum Autor, dem Wissenschaftler und Künstler, Dr. Urbain N’Dakon lesen Sie bitte hier etwas.

Im folgenden Streaming-Video lernen Sie, liebe Leser*innen den Gastautor – zusammen mit musikalischen Mitstreitern – als Musiker und Sänger kennen

#BlackLivesMatter – Mouctar Bah: „Hört auf uns zu töten, weil wir eine andere Hautfarbe haben!“ Freund Oury Jalloh verbrannte 2005 in einer Dessauer Polizeizelle

Oury Jalloh – Das war Mord!

Mit über 180.000 Menschen forderst Du Gerechtigkeit für meinen Freund Oury Jalloh. Am 7. Januar 2015 wurde er in einer Polizeizelle in Dessau verbrannt. Seine durch mehrere Gutachten und Recherchen belegte Ermordung wird durch staatliche Stellen bis heute abgestritten und vertuscht!

Seit fast 15 Jahren kämpfen wir für Gerechtigkeit. Bitte unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende: JETZT SPENDEN

Die brutale Ermordung George Floyds durch die Polizei löst unendlichen Schmerz in mir aus. Doch schnell wird relativiert: „Das ist ein US-Amerikanisches Problem“, „Hierzulande ist es nicht so schlimm wie in den USA.“

Solche gedankenlosen Sprüche machen mich fassungslos.

Wer sagt, der tödliche Rassismus sei ein US-amerikanisches Problem, hat nie den Schmerz gespürt, den ich an dem Tag spürte, als mein Freund Oury Jalloh hier in Deutschland ermordet wurde. Dieser Schmerz wird mit jedem Tag stärker, an dem sein Tod von Polizei, Justiz und Politik unter den Teppich gekehrt wird.

Bitte teile meinen Videoaufruf auf Facebook und Twitter 

Rassismus tötet, auch in Deutschland. Die Liste rassistischer Morde und Gewalttaten wird immer länger. Und es schmerzt mich, wenn diese Taten vergessen, relativiert oder gar vertuscht werden.

Seit fast 15 Jahren kämpfe ich für Aufklärung. Bitte unterstütze unsere Arbeit durch eine Spende.

Mouctar Bah:

Ich gebe nicht auf.
Oury war mein Freund.

„Hört auf uns zu töten, weil wir eine andere Hautfarbe haben!“ Oury Jalloh verbrannte 2005 in einer Polizeizelle. An Händen und Füßen gefesselt. Für Freund Mouctar Bah ist klar: „Das war Mord!“

Quelle: Mouctar Bah via change.org

https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/ 

Mit Mord bedrohter Anwalt erhält nach 3 [sic!] Jahren „Ermittlung“ gegen einen rechtsradikalen Straftäter eine empörende Mitteilung: Morddrohung sei keine „erhebliche Staftat“

Da wird im Jahre 2017 jemand wegen seiner Äußerungen in einem Video unverblümt mit dem Tode bedroht – was vom Betroffenen angezeigt wurde – und nach drei Jahren „Ermittlung“ kommt ein ernüchterndes Schreiben von der Staatsanwaltschaft. Empörend!

Der Betroffene ist Rechtsanwalt Dr. Rolf Geffken. Auf Facebook schreibt er am 27. April 2020 dazu:

„Die Hamburger Staatsanwaltschaft „ermittelt“ 3 (!!!) Jahre ohne Ergebnis gegen einen rechtsradikalen Straftäter wegen einer MORDDROHUNG, obwohl das Foto des Täters bekannt ist. Morddrohung sei aber keine „erhebliche Straftat“. Deshalb sei keine öffentliche Fahndung erfolgt. Im übrigen hat die zuständige Dezernentin die Verfahrenseinstellung dem Opfer „offenbar versehentlich“ nicht mitgeteilt. WOHLGEMERKT: Das ist nicht die #politische #Weimarer #Justiz die s o arbeitet. Das ist die JUSTIZ DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG unter einem rot-grünen Senat die s o mit rechtsradikaler Hasskriminalität „umgeht“. Eine Schande ! Was tut der Justizsenator ?

Wenn ich nach 3 Jahren „Geduld“ nicht nachgefragt hätte würden sie in 10 Jahren noch „ermitteln“ obs was gibt….“

Migration, Flucht & Asylrecht – Dr. Rolf Geffken zu den besorgten Bürgern

Geffkens Videostatement das den Nazi so aufgeregt hat:

Um diese Sache ging es:

„Wegen des bei weltnetz.tv erschienenen und bei youtube veröffentlichten Videos „Migration, Flucht & Asylrecht – Zu besorgten Bürgern“ erhielt der seit vielen Jahren nicht nur im Arbeitsrecht sondern auch im Ausländerrecht tätige Anwalt Dr. Rolf Geffken jetzt massive und kaum verhüllte Morddrohungen offensichtlich rechtsradikaler Internetnutzer. Strafanzeige wurde erstattet. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ist mit der Angelegenheit befaßt.

Screenshot der Kommentare.

Unter dem Pseudonym „Mokarasss1“ droht der Täter „Jeder, der sich gegen sein Eigen ausspricht verdient den Strick. Nicht mehr und nicht weniger. Und ja ich spreche vom Tode!“ Und schließlich: „So etwas wie du wird aufgehängt. Schuldig der Beihilfe zum Völkermord!“

Der Anwalt hatte sich in dem Video vor allem an jene „besorgten Bürger“ gewandt, vor deren eigener Tür es gar keine Ausländer gäbe, die aber trotzdem „vor den vielen Ausländern“ Angst hätten. Dieser vor allem für Ostdeutschland kennzeichnende Tatbestand sei historisch und international einmalig und Grund genug, einmal über die Ursachen bloß „gefühlter“ statt  r e a l e r  Flüchtlingsströme nachzudenken. Doch war dies für die rechtsradikalen Nutzer des Mediums offenbar zu viel.

Der Anwalt erhält vor allem wegen seiner bei youtube und weltnetz.tv veröffentlichten Beiträge und Ratschläge zum Arbeitsrecht viel Zuspruch von Internetnutzern. Es ist das erste Mal, dass er sich in einem Video nun grundsätzlich zum Thema Ausländerfeindlichkeit geäußert hat.“

„Ich werde mich von der Ausübung meiner Grundrechte weder durch Beleidigungen noch Drohungen noch Mordankündigungen abhalten lassen. Im Gegenteil: Diese Art der Drohungen zeigt wes Geistes Kind  d i e s e  Art angeblich besorgter Bürger ist.“

Dr. Rolf Geffken
19.10.2017

Quelle: Weltnetz.TV

Möge sich jede/r seine eigenen Gedanken zu diesem Fall machen.

Fundstück! Nachklapp zur gestrigen Hamburg-Wahl: „Die Demokratie ist zur Formalität reduziert worden“

Blaulicht im Warnschild.
Foto: Thorben Wengert via Pixelio.de

„Guten Morgen, meine Lieben!“

, schreibt mein Facebook-Freund Helmut Lotz heute, „So schön es gewesen wäre, wenn die AfD in Hamburg raus geflogen wäre, so unwesentlich wäre es gewesen. Der Aufstieg des Rechtsextremismus ist ein Phänomen in der gesamten westlichen Welt und ist ein Symptom. In keinem Parlament nehmen Regierungen und Opposition die Interessen ihrer Wähler wahr. Erkannte Probleme werden nicht mehr gelöst. Die Demokratie ist zur Formalität reduziert worden.
Statt den Interessen der Wähler geht es darum, die Kriege der Hegemonialmacht in Osteuropa und der dritten Welt zu finanzieren. Die soziale Marktwirtschaft wurde mit dem selbstzerstörerischen Finanzkapitalismus ersetzt. Die Kriege gehen verloren. Der Abstand zwischen reich und arm nimmt zu. Die Marktwirtschaft zerstört sich. Die Verfassungen werden zersetzt. Und wie gesagt, existenzielle Probleme, wie die Klimakatastrophe, werden nicht mehr gelöst. Die Europäische Union löst sich auf. Deshalb gedeihen Viktor Orban, Matteo Salvini, Donald Trump, die AfD und viele ähnliche Akteure und Parteien.
Das ist nicht überraschend. In den siebziger Jahren war es in der deutschen Gesellschaft Konsens, dass es so kommen müsse. Aristoteles, Thucydides und Plutarch schrieben bereits vor über zweitausend Jahren darüber. Der AfD kommen wir nur bei, wenn die anderen Parteien wieder die Demokratie mit Leben erfüllen und in den Parlamenten die Interessen ihrer Wähler wahrnehmen.“

Mein Kommentar dazu: Wenige, aber auf den Punkt treffende Worte, abseits unsäglichen Gefasels allenthalben, die die momentane Misere, die Ursachen für den schlimmen Zustand, in welchem sich die Demokratie befindet, messerscharf analysieren. Stellen Sie, lieber Leser*innen, diesen Worten nur einmal den ideologischen, rückwärtsgewandten Quatsch entgegen, welchen gestern Norbert Röttgen (CDU) bei Anne Will von sich gegeben hat. Und ihr werdet verstehen. Eigentlich hätte ein Text, wie der von Helmut Lotz, von der Presse, der Vierten Gewalt, ausgehen müssen. Und zwar längst. Sie müssten sagen, was ist …

Quelle: Facebook/Helmut Lotz

Beitragsbild: Foto: Stefan Erdmann via Pixelio.de

Ein neues Bein für Zlatan. Ein Hilfeersuchen

Mich erreichte dieser Tage ein Hilfeersuchen. Zlatan Kovacevic ist selbst vielfach humanitär engagiert. Nun benötigt er selbst Hilfe: Er braucht eine neue Beinprothese. Dirk Planert aus Dortmund hat eine Spendenaktion gestartet. Vielleicht haben Sie, liebe LeserInnen die Möglichkeit im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu helfen? Ich habe es bereits getan.

Zlatan Kovacevic mit der alten Prothese. Foto (3): Dirk Planert.

Dirk Planert schreibt auf Facebook:

Wir gehen auf Weihnachten zu – einer humpelt mit Schmerzen.
Ein neues Bein für Zlatan Kovacevic:
Wir haben jetzt die neuen Zahlen (nach Verhandlungen) vom super engagierten Sanitätshaus Tingelhoff in Dortmund: 25.000 kostet die Prothese mit elektronischem Knie, 11.000 die mit mechanischem und 16.000 eine weitere, noch etwas besser, mit mechanischem Knie. In drei Wochen muss Zlatan die Testprothesen wieder abgeben. Bis dahin habe ich Zeit, mindestens die 11.000 zusammen zu bekommen. Andernfalls müsste er wieder mit der alten Prothese gehen. Er fällt dauernd hin und hat Schmerzen damit. Das geht nicht mehr so. Hier die Kontonummer für dieses Projekt:

DE62 5001 0517 5408 4403 98
Bic: INGDDEFFXXX.
Kontoinhaber: Dirk Planert
(Stichwort: Prothese)

Zlatan ist humanitär engagiert. Er hat beim Hochwasser damals in der sog. Republika Srpska viel geholfen, hat drei Häuser für Waisenkinder gebaut und vieles mehr. In diesem Sommer hat er mit mir zusammen für die Flüchtlinge in Vucjak und bedürftige Bürger in Bihac gearbeitet. Auch heute ist er unser wichtigster Mann für unsere aktuelle Arbeit in Bihac, der Hilfe für die Flüchtlinge im Camp Vucjak. Jetzt ist es Zeit, das ihm geholfen wird. Anbei (via Facebook) ein Film aus dem Sanitätshaus beim Testgehen mit einer mechanischen Prothese. Spannend so eine Prothesenanpassung mit Knie. 4 volle Tage haben sich die Mitarbeiter des Sanitätshauses Tingelhoff bemüht, das Richtige für Zlatan zu finden. Jetzt müssen wir nur noch das Geld zusammen bekommen. Es wäre toll, wenn Ihr teilt, darüber mit anderen spricht und diese Sache unterstützt. 27 Jahre hat er nun dieses Problem. Es ist Zeit das zu ändern.

Mit Testprothese.

Nachtrag: Wie ich soeben erfuhr, ist Dirk Planert seit heute Nacht wieder zum Einsatz in Bihac eingetroffen. Auch Zlatan Kovacevic ist mit zwei Testprothesen dort. Es geht darum, den Geflüchteten zu helfen, den Winter gut zu überstehen.

Bosnische Diaspora! Liebe Leute – wer auch immer!

If light is needed – shine!
Kad je svijetlo potrebno, svijetli!

Wir brauchen Eure Solidarität und haben nur drei Wochen Zeit.
Wir, das sind Zlatan Kovacevic aus Bihac und ich. Mein Name ist Dirk Planert. Ich war von 1992 bis 1996 für humanitäre Hilfe in Bosnien und habe die damals eingekesselte Stadt Bihac mit humanitärer Hilfe beliefert. Meine Entscheidung, das zu tun, habe ich am 12.6.1992 getroffen. Am selben Tag, wir kannten uns noch nicht, ist mein Freund Zlatan erstes Opfer des Krieges in Bihac geworden. Er hat durch eine Granate sein Bein verloren. Zlatan war damals 15.
25 Jahre nach der schlimmsten Zeit in Bihac (Februaroffensive 1994) bin ich in diesem Jahr erstmals zurückgekehrt nach Bihac. Damals hatte ich Zlatans Vater fotografiert und habe diesen Mann dann im Februar dieses Jahres gesucht. Unter einem Facebookposting mit dem Foto stand dann plötzlich: „Das ist mein Vater“. So haben Zlatan und ich uns kennen gelernt.
Zlatan ist 42, hat drei Kinder und ist verheiratet. Er leitet einen Sportclub in Bihac, ist sehr aktiv und ein wunderbarer Mensch. Seine Prothese hat die Technik von 1950. Er fällt regelmäßig hin, weil der Fuß der Prothese steif ist, sich nicht dem Untergrund anpasst. Zurzeit hat er deshalb eine Rippenprellung. Durch die alte und kaputte Prothese kann er sich nur sehr stark humpelnd bewegen, was wiederum die Hüfte schädigt. Er kann weitere Wege nur mit großen Schmerzen gehen.
Kurz: Das geht so nicht.
Ich habe Zlatan zweimal nach Deutschland geholt. Letze Woche war er für fünf Tage in Dortmund. Hier ist mit ihm im Sanitätshaus Tingelhoff intensiv gearbeitet worden. Das Team dort ist super. Jetzt wissen wir, welche Prothese und welcher Fuß Zlatan `s Problem lösen würde.
Es gibt zwei Optionen:
1 – Ein elektronisches Knie und ein „Gelenkfuß“. Kosten: 27.000 Euro
2 – Ein mechanisches Knie mit dem selben „Gelenkfuß“. Kosten: 16.000 Euro
Das elektronische Knie (Treppen steigen) ist optimal. Das mechanische wäre auch eine erhebliche Verbesserung für Zlatan, ist also Option 2 falls wir für Option 1 nicht genug Geld zusammen bekommen.
Wir haben bereits verhandelt und bekommen die Teile für Zlatans neue Prothese günstiger als üblich.
Zlatan hat jetzt zwei Testprothesen nach Bihac mitgenommen, damit er schmerzfrei gehen kann. In drei Wochen müssen wir sie wieder abgeben. Dann müsste Zlatan wieder mit der alten Prothese humpeln. Um das zu vermeiden versuche ich 27.000 Euro zusammen zu bekommen und hoffe dabei auf Eure Unterstützung.
Ich habe einen ganz einfachen Gedanken: Wir brauchen 2700 Menschen, die bereit sind jeweils 10 Euro zu spenden. Problem gelöst – besseres Leben für einen wunderbaren Menschen.
Ich hoffe auf Eure Solidarität mit einem von Euch!

Es funktioniert.

Quelle: Dirk Planert via Facebook

Beitragsbild: Hofschlaeger via Pixelio.de

Sagt, was ist: Marcus B. Klöckner in „Sabotierte Wirklichkeit. Oder: Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird“

„Sagen, was ist.“ – Dieser Leitspruch des Gründers des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, Rudolf Augstein stammt noch aus Zeiten, da für diese Publikation noch die Bezeichnung „Sturmgeschütz der Demokratie“ passend war. Tempi passati! Böse Zungen bezeichnen den „Spiegel“ heute inzwischen verächtlich als Bildzeitung für Intellektuelle. Doch das Augstein-Motto „erinnert“ (noch heute), so SPIEGEL ONLINE am 4. November 2012 auf Facebook, den 89. Geburtstag Rudolf Augsteins, „uns jeden Tag beim Betreten des Hauses an die eigentlich einzige und wichtigste Aufgabe von Journalisten.“ Ist das so? Einen gewissen Claas Relotius hinderte es nicht daran, Lügengeschichten zu schreiben.

Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird

Der Westend Verlag fragt betreffs des Buches auf dessen Rückseite: „Sabotierte Wirklichkeit. Oder: Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird“ Marcus B. Klöckner: „Sagen Medien wirklich, „was ist“?“ und liefert die Antwort gleich hinterdrein: „Eindeutig nein! In den tonangebenden Medien ist ein kanonisierter Meinungskorridor entstanden, in dem unliebsame Fakten viel zu oft keinen Platz finden. Das Versagen der Qualitätskontrolle des Spiegel im Fall Relotius, die fehlgeleitete Berichterstattung zur Skripal-Affäre und die NATO-Reklame großer Nachrichtensendungen sind nur die prominentesten Beispiele einer grundlegenden Fehlentwicklung im Journalismus, die bereits bei der Rekrutierungs- und Ausbildungspraxis der großen Medienkonzerne beginnt. Anhand vieler konkreter Fälle zeigt Marcus B. Klöckner, wie Medien eine verzerrte Wirklichkeit schaffen, die ähnlich der viel gescholtenen Filterblasen der „sozialen“ Medien mit der Realität oft nur noch wenig zu tun hat. Die Konsequenzen sind weitreichend – für unsere Demokratie, für uns alle.“

Mein Eindruck vor Jahren: Vieles stimmte da nicht. War zumindest schräg

Für mich persönlich begannen bestimmte „Produkte“ des Journalismus besonders im Zuge der Berichterstattung zu den Ereignissen in der Ukraine an zu riechen – oder ganz wie man will: ein Geschmäckle zu entwickeln.

Da stimmte vieles nicht. War zumindest schräg. Da wurde einseitig und antirussisch berichtet. Und es wurde seither nicht besser.

Wachhund sein im Sinne der Vierten Macht – Fehlanzeige!

Aber es begann schon vor der Ukraine-Krise. Immer weniger wurde Journalismus dem gerecht, was mit „Vierter Gewalt“ gemeint ist. Heißt, den Wachhund machen, den Politikern gehörig auf die Finger schauen und eben: Sagen, was ist.

Schon in der Einleitung zu seinem Buch schreibt Klöckner: „Ein Weltbildjournalismus bestimmt in weiten Teilen der Mainstreammedien die Berichterstattung. Zwischen Journalisten und Politikern herrscht weitestgehend ein Nichtangriffspakt – Konflikte, die über eine Scharmützel hinausgehen, finden sich allenfalls auf Nebenschauplätzen. Medien loben wahlweise Merkels ‚Augenringe des Vertrauens‘ oder stimmen (gemeinsam mit einem Teil der Politiker) in den Chor des ‚Uns-geht-es-doch-gut-Liedes‘ ein (S./10)“. Kritik von Rezipienten an einzelnen Beiträgen wird abgebügelt und offenbar als Bedrohung empfunden, Kommentarfunktionen zuweilen ausgeschaltet.

Zensur?

Gleich im ersten Kapitel geht es ab S.17 um „Zensur“. Medienvertreter reagierten auf einen solchen Vorwurf „gereizt“, heißt es dort. „Schnell wird beteuert, dass einzelne Journalisten, aber auch komplette Redaktionen frei in ihren Entscheidungen seien. Weder rufe Merkel persönlich an und diktiere, welche Informationen in den Medien auftauchen dürfen, noch gäbe es sonst eine ‚mächtige Gruppe‘, die ihnen vorschreibe, wie ihre Berichterstattung auszusehen habe. Ist das nicht interessant? Auf der einen Seite stehen Medienvertreter, die durchaus glaubhaft versichern“, schreibt Klöckner, „dass sie keiner Zensur unterworfen sind, während sich auf der anderen Seite ein Publikum bemerkbar macht, das ebenso fest vom Gegenteil überzeugt ist.“

Uns doch, meint Buchautor Klöckner: Zensur ist in unserem Mediensystem nicht die Ausnahme, sondern die Regel

Freilich ist klar: Zensur als solche wird nicht ausgeübt. Dennoch: Marcus B. Klöckner führt uns LeserInnen dahin, „(…) zu erkennen, dass Zensur in unserem Mediensystem nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. (S.12)“ Er führt weiter aus: „Wir werden eine spezielle Form der Zensur kennenlernen“, verspricht er, „die sich zwar in manchem von einer staatlichen, einer von oben verordneten Zensur unterscheidet, aber in ihrer Auswirkung kaum nachsteht. Es handelt sich dabei um eine Zensur, die tief in unser Mediensystem eingeschrieben ist. In den Medien ist das zu erkennen, was wir als eine sozialstrukturell ausgeformte Zensur sprachlich erfassen wollen.“

Medienwirklichkeit, Schieflagen in der Berichterstattung und „Wirklichkeitsentgleisungen“

Ein weiteres Kapitel befasst sich mit der Medienwirklichkeit. Und zwar anhand von zahlreichen Beispielen, die veranschaulichen, „dass Schieflagen in der Berichterstattung nicht einfach nur durch Fehler bei der journalistischen Arbeit entstehen (die menschlich sind und jedem passieren können) und dürfen), sondern auf Wirklichkeitsentgleisungen mit Ansage zurückzuführen sind.“

Foto: Christian Evertsbusch, via Pixelio.de

Die LeserInnen würden sehen, so Klöckner, „wie schwer und folgenreich die Wirklichkeitsbrüche in der Berichterstattung sind, und verstehen, dass wir gut daran tun, uns eine alte Erkenntnis des deutschen Soziologen Niklas Luhmann in Erinnerung zu rufen“. „In seiner berühmt gewordenen Auseinandersetzung zur Realität der Massenmedien sagt Luhmann gleich zu Anfang: ‚Andererseits wissen wir so viel über die Massenmedien, dass wir diesen Quellen nicht trauen können.’“

Journalisten und Politiker

In weiteren Kapiteln des Buches betrachtet Klöckner die Beziehungen zwischen Journalisten und Politikern und betrachtet, „was es bedeutet, wenn Journalisten über Macht verfügen, Rederecht abzusprechen oder anzuerkennen.“

Die Oberfläche der Medienkritik durchdringen

Dem Autor geht es hauptsächlich darum, „die Oberfläche der Medienkritik zu durchdringen, um die mehr oder weniger verschleierten sozialen Wirkprinzipien offenzulegen, die für eine Berichterstattung mitverantwortlich sind, die dazu führen, dass viele Mediennutzer glauben, die Medien müssten von irgendeiner verborgenen Macht gesteuert werden.“

Faktoren, die auf den Journalismus auch eine Wirkung haben

Andere Faktoren, die auf den Journalismus freilich auch eine Wirkung haben, wie Besitzverhältnisse in den Medien, Pressekonzentration, hochproblematische Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung von Journalisten, Zeitdruck, fehlende Möglichkeit und Finanzierung von investigativen Recherchen und Auswirkungen, die sich aus den Gesamtproduktionsbedingungen und Herrschaftseinflüsse (S.14) sind bewusst außen vor gelassen worden, so Klöckner – will sie aber keineswegs kleinreden.

Die Medien einer genaueren Betrachtung zu unterziehen ist gelungen

Mit dem vorliegenden Buch ist gut gelungen, die Medien einer genaueren Betrachtung zu unterziehen und „ihr Sein und einige ihrer Funktionsweisen vor allem aus einem kritisch soziologischen Blickwinkel“ heraus zu „betrachten“.

Die beschriebenen Vorgänge dürften dem Laien verständlich werden

Stellenweise ist das Buch zwar durchaus komplex. Es habe Nachteile und Vorteile, wie der Autor selbst schreibt. Die Nachteile haben damit zu tun, dass ein breiter Leserkreis erreicht und zu diesem Behufe nicht zu tief in sozialwissenschaftlich Theorien hinein getaucht werden sollte. Denn das Buch ist immer so verfasst, dass darin beschriebene Vorgänge auch dem Laien – der überwiegenden Mehrheit also der Medienrezipienten – immer verständlich werden.

Jedenfalls ist es m.E. gelungen, wenigstens einige Gründe, „die für die schweren Verwerfungen im journalistischen Feld verantwortlich sind“, wie Klöckner noch in der Einleitung dargelegt hat, „anschaulich“ zu machen. Vorteil ist, dass den LeserInnen dennoch Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, sich auch in etwas bezüglich komplexeren wissenschaftlichen Theorien kundig zu machen und sie zu verstehen, ohne zu tief in deren Breite und Vielschichtigkeit einzudringen.

Und ich stimme unbedingt dem letzten Satz in der Einleitung zu: „Die Schäden an unserem demokratischen System, die durch die Medien verursacht werden, die weitestgehend ihrer Wächterfunktion nicht mehr nachkommen, sind bereits gewaltig.“

Journalisten mit Stallgeruch und Überzeugungstäter

Nebenbei bemerkt: Es sind vielmehr andere Faktoren, die Journalisten dazu bringen, so zu schreiben, dass manch Rezipient auf die Idee kommt, da wurde Zensur auf den Schreibenden ausgeübt. Das geht subtiler. Einerseits hat es mit der Herkunft von Journalisten zu tun: Viele kommen aus Akademikerhaushalten und haben einen bestimmten Stallgeruch verbunden mit einem vorgeprägten Denken, das mit einem bestimmten Weltbild zu tun hat. Dann gibt es auch eine Reihe von Überzeugungstätern, wie etwa Claus Kleber (ZDF-heute journal), der als Kuratoriumsmitglied der Atlantikbrücke überzeugt ist gewiss hundertprozentig von dem, was er von sich gibt. Der kann gar nicht anders und fühlte sich offenbar pudelwohl dabei, während vielen Zuschauern der Hut hochgeht, wenn sie hören müssen, was Kleber so von sich gibt und wie er mit bestimmten Interviewpartnern umspringt.

Autor Marcus B. Klöckner hat ein Kommentar zum Erscheinen seines Buches „Sabotierte Wirklichkeit“verfasst:

Zensur ist in unseren Medien keine Ausnahme, nichts worüber es erst einmal zu diskutieren gälte. Sie ist Realität. Journalismus ist zudem vor allem in den Zentren der diskursbestimmenden Medien zu einer Art Glaubenslehre geworden. Zuerst das eigene Weltbild bedienen, dann kommen die Fakten.“

Folgt man den Darstellungen und Einlassungen hochrangiger Akteure aus den Medien zu ihrer eigenen Zunft, dann lässt sich sehr oft folgender Eindruck gewinnen: Ja, individuelle Fehler passieren, ja, es gibt Fehlentwicklungen im Journalismus, aber im Großen und Ganzen liefern Medien eine ausgezeichnete Berichterstattung ab. Zensur? Ein ideologisch kontaminierter Journalismus? Eine Berichterstattung, die herrschaftsnah ist? Gerade auch in den Qualitätsmedien? Nichts davon gibt es, so der Tenor. Mit dieser skizzenhaften Zeichnung jener Grundhaltung, die verstärkt vor allem in den Zentren der diskursbestimmenden Medien zu finden ist, wird sichtbar, warum es Mediennutzer so schwer haben, mit ihrer Kritik im journalistischen Feld Gehör zu finden. Ein Problem zu beheben, setzt voraus, das Problem auch zu erkennen. Wenn aber Alphajournalisten mit Nachdruck selbst schwere und schwerste Verwerfungen und Schieflagen innerhalb ihrer Branche nicht einmal ansatzweise erkennen wollen oder erkennen können, dann wird sich im Journalismus und in den Medien nichts ändern.

Wer Medien über einen längeren Zeitraum beobachtet, wer sich genauer mit dem journalistischen Feld kritisch auseinandersetzt, kann nur zu einem sehr düsteren Befund kommen. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu wurde einmal im Hinblick auf die Medien in Frankreich gefragt, ob er das journalistische Milieu für reformierbar halte. Seine Antwort darauf: „Die Lage spricht sehr dagegen.“ Das war, wohlgemerkt, bereits im Jahr 1995. Bourdieu verstand die mehr oder weniger verschleierten sozialen Wirkmechanismen, aber genauso auch die Dimensionen von Macht und Herrschaft, die sich gerade auch in einem so wichtigen Feld wie dem journalistischen finden lassen, sehr genau. Viele seiner Einlassungen zu den Medien können wir, mit Abstrichen hier und da, auch auf die Medien in unserem Land und auch auf die Medien in vielen anderen demokratischen Ländern übertragen.
Wer mit Bourdieus Herrschafts- und Gesellschaftsanalysen Medien, Journalismus und das Verhalten von Journalisten näher betrachtet, kann erkennen, dass, um es salopp zu sagen: Hopfen und Malz verloren ist. Eine sozialisationsbedingte Blindheit aufseiten nicht unbeträchtlicher Teile der Journalisten gegenüber real vorhandenen Macht- und Unterdrückungsverhältnissen, die auch in demokratischen Regierungsformen existieren; ein mehr oder weniger naiver Glaube an die Lauterkeit von Institutionen und Mandatsträgern; real existierende Herrschaftseinflüsse auf die Medien; Konzentrationsprozesse genauso wie prekäre Arbeitsbedingungen für nicht wenige Journalisten. All das führt zur Untergrabung eines Journalismus, wie er eigentlich sein sollte und wie er für eine gesunde Demokratie lebensnotwendig ist.

Festzustellen ist: In unserem Mediensystem hat sich eine Zensur verfestigt, die ohne externen Zensor funktioniert und aus dem journalistischen Feld selbst kommt. Die soziale Zusammensetzung innerhalb der Medien, der Ausschluss nahezu ganzer Schichten und Milieus aus dem journalistischen Feld, die Dominanz bestimmter Weltanschauungen in der Berichterstattung, haben dazu geführt, dass bestimmte Perspektiven, Meinungen, Thesen und Ansichten mindestens innerhalb der diskursführenden Medien nahezu völlig atomisiert sind. Wir haben es in unserem Mediensystem mit einer sozialstrukturell ausgeformten Zensur zu tun, die tief in den Wahrnehmungs- und Denkschemata eines beträchtlichen Teils der Feldakteure verankert ist. Zensurhafte Einzelentscheidungen potenzieren sich, eine medienübergreifende, dauerhafte Zensur entsteht. Die Unterdrückung all jener Perspektiven, die für Irritationen bei der Fraktion der „Weltbildjournalisten“ sorgt, ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Je politischer ein Thema ist, umso stärker werden die  wertvollen journalistischen Kriterien der Auswahl und Gewichtung von Nachrichten und Informationen pervertiert – im Sinne der im journalistischen Feld vorherrschenden politischen Glaubensüberzeugungen.

Es ist davon auszugehen, dass viele Journalisten selbst nicht einmal erkennen, wie tief das Zensurhafte in ihren Entscheidungen mitschwingt. Unter anderem auch deshalb, weil ihnen die positiven Rückmeldungen aus dem Feld vermitteln, dass ihre Auswahl und Gewichtung von Informationen und Themen genau „richtig“ sind.

Der Journalismus unserer Zeit trägt Züge einer Glaubenslehre. Die reinsten aller Wahrheiten findet sich vorgeblich in den Wirklichkeitsdarstellungen der großen Medien. Nur wer diese Wahrheiten akzeptiert und  verinnerlicht, darf „sprechen“, sich zu Wort melden. Die Hinterfragung der Medienrealitäten, ja, gar die Fundamentalkritik an den in der Berichterstattung vorherrschenden Überzeugungen, kommt einem Akt der Ketzerei gleich.

Viele Bürger, viele Mediennutzer erkennen, dass mit unseren Medien etwas nicht stimmt. Sie beobachten Tag für Tag, dass Medien gerade dann, wenn es wirklich darauf ankommt, immer wieder nicht so funktionieren, wie sie es sollten.

Sie erkennen, dass die Ansichten und Meinungen von Journalisten zu oft mit denen der Eliten und Machteliten konform gehen.

Wer sich näher mit der Sozialisation von Journalisten auseinandersetzt, die soziale Zusammensetzung des journalistischen Feldes betrachtet und Gedanken über den Rekrutierungsmodus der Medien macht, kommt zu dem Ergebnis, dass das Medienfeld aufgrund der in ihm vorhandenen sozialen Realitäten gar nicht in der Lage ist, dauerhaft und durchgehend diesen von Bürgern so sehr geforderten herrschaftskritischen Journalismus abzuliefern.

Der nüchterne Befund lautet: Das journalistische Feld ist in seiner Breite nicht dazu ausgelegt, „die da oben“ so zu kritisieren, wie es angebracht wäre (man denke als positives Gegenbeispiel an den Auftritt https://www.youtube.com/watch?v=zxS4JJ17h1c des niederländischen Journalisten Rob Savelberg bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Koalitionsvertrages der neu gewählten Bundesregierung im Jahr 2009). Kritische Mediennutzer erkennen, dass es unsichtbare, implizit ausgehandelte rote Linien zwischen Journalisten und Politikern gibt, die als Grenzen festlegen, was als legitime Kritik erlaubt ist und was nicht. Anders gesagt: Das Versagen des Journalismus, wenn es darum geht, den Mächtigen richtig auf den Zahn zu fühlen, hat maßgeblich mit dazu beigetragen, dass politische Weichensteller über Jahrzehnte eine Politik betreiben konnten,  deren Auswüchse sich nun immer deutlicher abzeichnen. Armut und speziell auch Kinderarmut in Teilen unserer Gesellschaft, katastrophale Fehlentwicklungen im sozialen Wohnungsbau, die Ausbreitung neoliberaler Denkkategorien bis ins Innerste von Politik und Gesellschaft, und, nicht zuletzt: Ein Umgang mit unserer Umwelt, der für uns alle nun zu einer Bedrohung geworden ist.

Man muss es so deutlich sagen: Medien tragen an diesen Entwicklungen Mitschuld. All die unterlassenen kritischen Fragen, all die Beschönigungen, die wir unentwegt aus den Medien hören („uns geht es gut“), die offene oder mehr oder weniger verschleierte Unterstützung der Herrschenden von Journalisten, durch die selbst die größten Schweinereien noch flankiert werden (Kriege, Kriegsstimmung schüren, Stichwort: Russland): Der herrschaftsnahe Journalismus ist die täglich zu beobachtende Realität.“

Quelle: Westend Verlag

Nicht einmal Journalisten selbst wollen den Kern der Probleme in ihrer Branche verstehen

Das Erschreckende für mich: Spricht man mit Journalisten – wie ich das kürzlich während eines Treffs von Medienleuten tat – über den realen üblen Zustand des Journalismus in diesem unserem Lande, gestehen die zwar zu, dass da einiges im Argen ist. Mitnichten aber erkennen sie anscheinend die Grundprobleme. Wollen nicht mitbekommen haben, dass die Tagesschau kaum noch ihrer Aufgabe nachkommt, Nachrichten so zu überbringen, dass ich mir als Rezipient selbst eine Meinung bilden kann – sondern im Gegenteil mir quasi verklickert wird, was ich zu denken habe! Und nicht nur allein bei der Tagesschau ist das so. Da wird Meinung gemacht. Das wird immer öfters Papageien-Journalismus betrieben. Da wird nicht nur die Meinung der Bundesregierung oder der Nato herausgetrötet. „Papageien-Journalismus“ leitet sich wohl von einer Typisierung von „Verlautbarungsjournalismus“ (Definition: kritiklose Berichterstattung in den Medien zu mehr oder weniger vorgegebenen Themen in mehr oder weniger vorgegebener Darstellung) ab, wie sie bereits Kurt Tucholsky prägte, der von den „Papagei-Papageien“ gesprochen hatte, die einfach nur etwas nachplappern, was man ihnen vorsetzt – wie verwendet in einem Beitrag von Wolfgang Lieb, einem früheren Herausgeber der „NachDenkSeiten“.

Eine bedenkliche Entwicklung

Ja, im Journalismus ist einiges im Argen. Und immer mehr Menschen erkennen dies. Doch nicht genug. Es sollten mehr werden. Eine wirklich äußerst bedenkliche Entwicklung gerade in Zeiten, da unsere Demokratie bedroht und auch schon schwer angekratzt ist. Mich als gewesener DDR-Bürger, der nicht nur in diesem verflossenen Land oft mit Kopfschütteln und Magengrummeln Medien rezipiert, sondern als Volkskorrespondent selbst auch für sie ehrenamtlich schreibend tätig war, schmerzt dieser Zustand des Journalismus umso mehr. Für gewöhnlich bin ich nicht naiv. Doch in der Umschwung- und Wendezeit Ende 1989 schrieb ich aufgekratzt – zuvor über Ungarn in den Westen gedüst- an meine hauptamtlichen JournalistenkollegInnen in meiner zuständigen Redaktion in Halle an der Saale von der Festung Ehrenbreitstein über dem Deutschen Eck aus Koblenz auf einer Ansichtskarte optimistisch, sie könnten wohl nun endlich freien und kritischen Journalismus machen. Ein bisschen schäme ich mich heute dafür.

Wir brauchen ein neues Mediensystem“ obwohl mit Bordieu gesagt die Lage „sehr dagegen“ spricht

Ich zitiere nochmal Pierre Bourdieu (wie ihn der Autor Marcus B. Klöckner oft in seinem Buch zu Wort kommen lässt): Frage an Pierre Bourdieu: „Kann sich dieses Milieu

[das der Journalisten]

reformieren?“ Antwort Bourdieu (im Jahr 1995: „Die Lage spricht sehr dagegen.“ (S. 215)

Klöckner hebt in seinem Fazit so an: „Der erste Schritt hin zu einem fundamental herrschaftskritisch ausgerichteten Journalismus besteht darin, die journalistischen Produkte radikal zu hinterfragen.“

Das geschieht. Lösungsmöglichkeiten müssen dann folgen. „Wir brauchen ein neues Mediensystem“ hat Klöckner sein „Fazit“ überschrieben. Und wohl auch andere Personen an den Schlüsselpositionen in den Medien – Ketzer! Klöckner zitiert Rupert Lay (katholischer Theologe, Psychotherapeut und Unternehmensberater) bezüglich der Definition dieses Wortes: Ketzer seien Menschen, „die an der Peripherie, weitab vom ideologischen Zentrum stehend, neue Antworten auf alte Fragen geben; neue Fragen stellen, die Antworten einfordern, die unangenehm, die beängstigend sind und nicht konform gehen mit der allgemeinen Selbstverständlichkeit“.

Um zuzuspitzen, so Klöckner, könnte man nun rufen: „Ketzer in die Redaktionen!“ Was vielleicht zu einfach wäre.

Recht aber hat Klöckner: Wir brauchen ein neues (herrschaftskritisches) Mediensystem. Aber gleichermaßen auch damit: dass dann gerade in der Hochzeit des brutalen, gesellschaftszerstörenden Neoliberalismus auch mit harte Gegenwehr zu rechnen ist.

Und ebenfalls damit, dass wir uns gerade deshalb „darüber im Klaren sein“ müssen, „dass eine tatsächlich funktionierende Presse für unsere Gesellschaft von elementarer Bedeutung ist. Und gibt der Autor zu bedenken: „Je herrschaftsnaher Medien sind, je weniger Medien bereit sind, politische Weichenstellungen fundamental zu kritisieren, umso wahrscheinlicher wird es, dass Politik sich mehr und mehr an den Interessen der Eliten und Machteliten in unserer Gesellschaft ausrichtet.“

Verschwindet die Wächterfunktion journalistischer Medien, bricht eine zentrale Säule der Demokratie weg

Mit dem zunehmenden Wegbröckeln bzw. Verschwinden der Wächterfunktion journalistischer Medien, werde es so sein, „als wäre eine zentrale Säule der Demokratie weggesprengt worden.“ Viele Bürger würden erkennen, stellt Klöckner fest, „dass weder Politik liefere, was sie solle, noch Medien lieferten, was sie versprächen. Ergo würden sich auch immer mehr Bürger im Klaren darüber sein, „wie groß die Gefahren sind, die sich aus einem Journalismus ergeben, der zu einer fundamentaler Herrschaftskritik kaum noch in der Lage ist“.

Zu Recht stünden die Medien in der Kritik, resümiert Marcus B. Klöckner. Ich schließe mich seiner Hoffnung an, dass „noch mehr Bürger begreifen, wie groß die Gefahren, die sich aus einem dysfunktionalen Mediensystem ergeben, sind.“

„Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch“, heißt es in der ersten Strophe der 15strophigen Hymne „Patmos“ von Friedrich Hölderlin. Ist das so?

Ich halte es mit Klöckner: „Die Kritik an den Medien muss noch lauter werden.“

Das hier besprochene Buch wird zweifellos kompetent dazu beitragen. Es gesellt sich aus meiner Sicht verdienstvoll zu einer Reihe ebenfalls hervorragender im Westend Verlag erschienener medienkritischer Bücher hinzu. Es sagt, was ist!

Marcus B. Klöckner

Sabotierte Wirklichkeit

oder Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird

Erscheinungstermin: 14.10.2019
Seitenzahl: 240
Ausstattung: Klappenbroschur
Artikelnummer: 9783864892745

Die kubanische Ballett-Legende Alicia Alonso starb mit 98 Jahren in Havanna

Gestern erst erreichte mich die traurige Nachricht via Facebook: „Die Prima Ballerina Assoluta Alicia Alonso ist verstorben“ – eine Meldung der deutschen Ausgabe der kubanischen Zeitung „Granma“. Ich habe den Beitrag hier verlinkt. Bei mir allerdings funktioniert der Link nicht. Möglicherweise wird diese Adresse seitens der USA blockiert? Sollte es LeserInnen dieses Beitrags gelingen, die Seite zu erreichen, bitte ich um eine kurze Nachricht, auf welche Weise dies gelang. Immerhin funktioniert ein Link zum Nationalballett Kuba.

Alicia Alonso im Jahre 1955. Foto: Wikipedia

Alicia Alonso wurde 98 Jahre alt. Sie starb am 17. Oktober 2019 in einem Krankenhaus in Havanna.

Im Nachruf der Compagnie heißt es (Auszug; via Google Übersetzung aus dem Spanischen):

Alicia Alonso. Foto via Nationalballett Kuba.

„Heute, am 17. Oktober 2019, hat Alicia Alonso uns verlassen. Ihr Vermächtnis ist riesig, ebenso wie ihre Kunst. Alicia ist eine jener Künstlerinnen, die im Herzen der Menschen stehen. Dr. Miguel Cabrera, Historiker des Nationalen Balletts von Kuba, hinterlässt diese aufgeregten Worte.

 Im CIMEIQ-Krankenhaus in Havanna starb am Donnerstag, den 17. Oktober, um 11 Uhr morgens die große Kunst, das Ansehen seiner Heimat auf den höchsten Platz in den vier Winkeln der Welt zu setzen. (…)

(…)Aber die Größe der Alonso, für uns seine Landsleute, besteht nicht nur darin, uns in 65 Ländern triumphierend vertreten zu haben und die meisten donnernden Ovationen zu empfangen, die unmöglich zu erklären sind, von Helsinki nach Buenos Aires, von New York nach Tokio oder Melbourne, sondern zu setzen Im Dienst seines Landes erhielten alle Ehrungen, darunter die 266 internationalen Preise und Auszeichnungen, 225 mit nationalem Charakter und die 69 von ihm verfassten choreografischen Kreationen – romantisch, klassisch und zeitgenössisch (…)“

Ein Deutsche-Welle-Text vom 17. Oktober 2019 ist folgendermaßen überschrieben:

Über Jahrzehnte begeisterte Alicia Alonso als Tänzerin, Ballettdirektorin und Choreografin weltweit als eine der besten ihres Fachs. Auch ihre Sehbehinderung stand ihrem Erfolg nicht im Weg. Nun starb sie mit 98 Jahren“

Und weiter heißt es bei der Deutschen Welle:

„Die „Primaballerina Assoluta“ hinterlasse eine gewaltige Lücke, aber auch ein unübertreffbares Vermächtnis, twitterte der Staatschef des sozialistischen Karibikstaates, Miguel Diáz-Canel, zum Tod von Alicia Alonso. Sie ist die einzige lateinamerikanische Tänzerin, die mit dem dem Titel „allerbeste Balletttänzerin ihrer Zeit“ geehrt wurde – eine Auszeichnung, die nur sehr wenigen Tänzern vorbehalten ist.

Dabei war Alonso schon sehr früh in ihrer Karriere stark sehbehindert: Nach einer doppelten Netzhausablösung konnte sie nur noch Schatten unterscheiden. Seitdem orientierte sie sich auf der Bühne mit Hilfe von Lichtmarkierungen. Außerdem unterstützte sie ihre Vorstellungskraft. „Ich tanze in meinem Kopf“, sagte sie immer wieder.

Mit ihrer enormen Disziplin gelang es Alicia Alonso auch danach, das Publikum mit ihren eleganten und gleichzeitig temperamentvollen Sprüngen zu verführen. Mit 40 Jahren schaffte sie immer noch die 32 raschen Drehungen des schwarzen Schwans in Schwanensee.

Kuba stets verbunden

Nach dem Sieg der Revolution auf Kuba wurde Alonsos eigene Kompanie zum Nationalballett Kubas. Mit ihrer Schule schuf sie einen unverkennbaren Tanzstil. Als Gast tanzte sie weiter an den besten Häusern der Welt, darunter an der Pariser Oper und dem Moskauer Bolschoi Theater. Erst mit 74 Jahren hörte sie auf zu tanzen. Als Choreografin aber machte sie auch dann noch weiter.

An Kuba hing Alonso bis zum Schluss. Allen finanziell verlockenden Angeboten und ihrem hohen Ansehen im Ausland zum Trotz blieb sie ihrer Heimat treu, wo sie tief verehrt wird.

Dem von ihr gegründeten kubanischen Nationalballett zufolge starb Alonso im Alter von 98 Jahren in einem Krankenhaus in der kubanischen Hauptstadt. Die Todesursache blieb zunächst unklar.

ust/ml (afp, dpa, ap, rtr)“

Meine persönliche Begegnung mit Alicia Alonso in Halle

Ich hatte im Oktober 1979 die Ehre Prima Ballerina Assoluta Alicia Alonso anlässlich eines Gastspiels des kubanische Nationalballett am Landestheater Halle im „Theater des Friedens“ zu treffen und als Volkskorrespondent der „Freiheit“ interviewen zu dürfen. Von dem Interview erschien dann letztlich nur ein kleiner Bericht (siehe Repro). Der Bericht erschien ausgerechnet am 17. Oktober 1979 – vierzig Jahre vor dem Tod von Alicia Alonso.

Bericht nach meinem Interview mit Alicia Alonso in der „Freiheit“. Repro: Claus Stille

Ich war unglaublich aufgeregt. Wir saßen uns im Theatercafé gegenüber. Sie trug eine große Brille mit dunklen Gläsern. Die Alonso nahm mir rasch die Aufregung. Wir plauderten – übersetzt von einer Dolmetschererin – über Kuba, die Revolution, Fidel Castro und das Ballett, ihre langjährige Arbeit und die durch die Revolution veränderte Rolle der Frau in der kubanischen Gesellschaft. Ab und zu wurden wir von Tänzerinnen und Tänzern der Compagnie unterbrochen, die die Alonso etwas fragten und dann wieder zur Probe auf die Bühne verschwanden.

Die Auftritt des kubanischen Nationalballetts am Abend war dann ein großartiges Ereignis. Ebenso wie die Begegnung mit Ballettlegende Alicia Alonso hinter und auf der Bühne.

Damals schon fast 60 Jahre alt, tanzte sie noch den Schwarzen Schwan. Einfach genial, in diesem Alter! Am Orchestergraben waren Beleuchtungsrampen ausgelegt worden, an denen sich die stark sehbehinderte Tanzlegende orientierte.

Ich denke gerne an diese Begegnung und das wunderbare Nationalballett zurück.

Möge Alicia Alonso in Frieden ruhen. Im Balletthimmel wird sie gewiss einen Ehrenplatz einnehmen.

Fridays-for-Future Sommerkongress mit 1700 TeilnehmerInnen tagte fünf Tage in Dortmund. Erfahrungen wurden ausgetauscht und Vernetzungen untereinander ausgeweitet. Nächster wichtiger Termin: der Klimastreik am 20. September

Die Fridays-For-Future-Bewegung läuft und läuft. Wenn da Menschen dachten, sie werde sich totlaufen, so haben sie sich schwer getäuscht. Immerhin liefen die Klimastreiks bereits seit Dezember 2018 jeden Freitag weltweit für eine Zukunft auf einem lebenswerten Planeten.

Doch so sicher, dass man auf lange Sicht durchhalten würde, waren nicht einmal manche ihrer AktivistInnen. Und jetzt gab es sogar den ersten Fridays-For-Future-Sommerkongress im Dortmunder Revierpark Wischlingen!

Aktion vor dem Opernhaus Dortmund. Fotos: C. Stille

Vom 31. Juli bis zum 4. August 2019 fand er unter großer Beteiligung von KlimaaktivistInnen aus fast allen Fridays-for-Future-Ortsgruppen in Deutschland im Dortmunder Revierpark Wischlingen statt. Seit vergangenen Mittwoch tauschten sich KlimaaktivistInen auf diesem Sommerkongress aus. Insgesamt standen rund 200 Veranstaltungen – darunter Seminare, Podiumsgespräche und auch Auftritte von KünstlerInnen – auf dem Programm. Am Freitag strömten die Teilnehmer in die Dortmunder Innenstadt und demonstrierten dort an mehreren Orten sowie vor Unternehmen für besseren Klimaschutz. Die FFF-AktivistInnen legen Wert darauf unabhängig zu sein. Von Parteien wollen sie sich nicht für deren Zwecke instrumentalisieren lassen. Der Klimaschutz, sagen sie, ist für sie „unbedingt etwas, das überparteilich ist“. Auch gab es einen Schulstreik und ein Die-in. Nach Angaben der Veranstalter kamen insgesamt rund 1700 Menschen zu der Tagung.

Der Kongress wurde zu achtzig Prozent aus Spenden, Teilnehmerbeiträgen und durch Crowdfunding sowie zu zwanzig Prozent durch Stiftungen und NGOs finanziert worden. Hier die Website des FFF-Sommerkongresses. Sowie das Interview des Fernsehsenders phoenix mit Helena Marschall (Mitorganisatorin des FFF-Sommerkongresses).

Sinn und Zweck dieses FFF-Sommerkongresses war es, mit vielen Gleichgesinnten zusammenzukommen und sich auszutauschen damit die Bewegung noch größer, bunter und weltbewegender werden kann. Es ging freilich auch darum, sich gut zu vernetzen, Erlebnisse und Erfahrungen teilen, sowie in Workshops voneinander und bei Diskussionsrunden von WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen Neues lernen. Was die KlimaaktivistInnen empört: „Obwohl wir uns mitten in der Klimakrise befinden, erleben wir in der Politik nur Stillstand. Deswegen vernetzen wir uns, tauschen uns aus, lernen Neues, probieren uns aus und nehmen unsere Zukunft selbst in die Hand.“

Die Organisatoren am Ende des Sommerkongresses auf Twitter: „Diese Bewegung macht uns stolz! 5 Tage Sommerkongress sind seit heute Nachmittag vorbei. Danke an alle, die teilgenommen haben – #FridaysForFuture wird nach 7,5 Monaten nicht leiser, seid euch sicher!“

Der nächste große Termin für alle, die etwas fürs Klima tun wollen ist der bundesweite Klimastreik am 20. September. Ein junge Aktivistin, die ich auf der Terrasse des Opernhauses Dortmund während einer Aktion am vergangenen Freitag treffe, bittet mich freundlich, möglichst viele Menschen zu motivieren, an diesem Tag fürs Klima auf die Straße zu gehen. Wer arbeiten muss, sagt sie, könne ja die Mittagspause dafür nutzen. Alt und jung mögen bitte auf die Straße gehen und die FFF-AktivistInnen unterstützen.

Schauen Sie mein kurzes Video auf Facebook von der Aktion auf dem Platz der Alten Synagoge vor dem Opernhaus Dortmund am vergangenen Freitag.

Der 20. September als Termin für den Klimastreik ist bewusst gewählt: Am 20. September will das sogenannte „Klimakabinett“ der Bundesregierung ein Paket mit konkreten Klimaschutzmaßnahmen beschließen.

Sehen Sie, lieber LeserInnen, bitte auch das Interview (oben), welches mein Nordstadtblogger-Kollege Karsten Wickern auf dem Gelände des Revierpark Wischlingen mit einer Aktivistin geführt hat. (Quelle Video:

Nordstadtblogger/You Tube. Autor: Karsten Wickern Kamera: Marvin Finger). Auch seinen heute auf Nordstadtblogger.de erschienenen Abschlussbericht empfehle ich zu lesen.