Nigerianer*innen begeben sich am Internationalen Tag der Menschenrechte nach Berlin. Sie mobilisieren für ein „neues Nigeria“

Das Thema Nigeria ist brandaktuell und außenpolitisch von enormer Bedeutung.

Am 10.12.2020 (Internationaler Tag der Menschenrechte) kommen

Nigerianer*innen aus ganz Deutschland unter der Schirmherrschaft eines

breiten Bündnisses progressiver nigerianischer MSOs

March To Berlin

(MigrantInnen-Selbstorganisationen) in Berlin zusammen, um gegen

Polizeigewalt, außergerichtliche Hinrichtungen, grobe

Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Bad-Governance in Nigeria

sowie gegen Koloniale Kontinuitäten in Afrika zu protestieren.

Der Marsch soll auch die deutsche Öffentlichkeit über die politische

Dekadenz des nigerianischen Staates aufklären, mit dem Ziel,

politische Lobby bzw. Unterstützung für unsere Initiative für ein

„New-Nigeria“ (neues Nigeria) zu mobilisieren.

Ebenso soll gegen die korrupten und kriminellen Machenschaften

nigerianischer Botschaftsangehörige in Berlin und Frankfurt am Main

demonstriert werden, wie der jüngste Sex-Für-Pass-Skandal, der die

nigerianische Botschaft derzeit erschüttert.

Berlin als Hauptstadt Deutschlands wurde als Standort des Marsches

bewusst gewählt, nicht nur wegen ihrer kolonialgeschichtlichen

Verantwortung, sondern auch wegen ihrer Verwicklung in die aktuellen

Miseren Afrikas.

#AfrikaIsBleeding: Burkina Faso, Kamerun, Kongo, Elfenbeinküste,

Eritrea, Äthiopien, Guinea, Libyen, Mali, Namibia, Nigeria, Somalia,

Südafrika, Sudan, Tunesien, Uganda, Simbabwe, um nur einige zu nennen.

Der Marsch, der bereits angemeldet ist, beginnt um 10 Uhr mit einer

Kundgebung vor der Botschaft Nigerias. Dann geht es mit einer

Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt weiter (14 – 18 Uhr).

Titel des Vorhabens ist: Nigeria – The March To Berlin. Der Marsch

wird auch von anderen Afrikaner*innen, Schwarzen sowie Freund*innen

Afrikas unterstützt.

ABLAUF

Kundgebung vor der nigerianischen Botschaft

Uhrzeit: 10:00 – 12:00 Uhr

Ort: Nigerianische Botschaft, Neue Jakobstraße 4, 10179 Berlin

Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt

Uhrzeit: 14:00 – 18:00 Uhr

Ort: Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin

Alle Corona-bedingten Schutz- und Hygienevorschriften werden eingehalten!

BETEILIGTE ORGANISATIONEN

Pay Day Africa International, Cologne

Bündnis14 Afrika, Cologne

The Concerned Nigerians, Kassel

Nigerian Community Germany, National

Nigeria Association Rhein/Main Area (NARA), Frankfurt

Network Refugees4Refugees, Stuttgart

The Concerned Panafricanists, Frankfurt

Nigerian Family in Dortmund (NfiD), Dortmund

Nigerian Scholars in Germany (NiSIG), National

Nigerian Scholars in Germany (NiSIG) Munich, Regional

The Voice, Bremen

Ihee Ndi Igbo Progressive Union, Bremen

Nigerian Community Bayern, Munich

Council of African Pastors, Hamburg

Yes Afrika, Hamm

TakeItBack Movement, Berlin

African Black Community, Berlin

Edo United, Munich

African Peoples Convention, Kassel

Impact Initiative, Munich

Lower Niger Congress, Kassel

AfroRoots, Dortmund

Hintergrund

NIGERIA: MARCH TO BERLIN 2020 – EndSARS Protest and the Urgent Need to Resolve the National Question

Warum „March To Berlin“?

Berlin, die Hauptstadt Deutschlands mit ihrer berüchtigten Geschichte als Stätte der willkürlichen Teilung Afrikas im Jahr 1884/55 wurde als Standort des Marsches bewusst gewählt, nicht nur wegen ihrer kolonialgeschichtlichen Verantwortung, sondern auch wegen ihrer Verwicklung in die aktuellen Miseren Afrikas, sprich: Koloniale Kontinuitäten.

Am Internationalen Tag der Menschenrechte wird Berlin Schauplatz der #EndSARS-Bewegung. Es begann Anfang Oktober 2020 auf den Straßen von Lagos und verbreitete sich sehr schnell im ganzen Land: Tausende Nigerianer*innen, überwiegend Jugendliche, protestierten landesweit gegen die Brutalität der nigerianischen Polizei. Die spontane Protestwelle wurde schnell zu einer Bewegung, die mittlerweile weltweit als #EndSARS-Bewegung bekannt ist.

Die Protestierenden forderten die sofortige Auflösung der notorisch brutalen und korrupten nationalen Polizeieinheit „Special Anti-Robbery Squad“ (SARS), die auch für außergerichtliche Tötungen, Erpressung und andere grobe Menschenrechtsverletzungen bekannt ist.

Diese ursprüngliche Forderung der Protestierenden nach der Auflösung dieser Polizeieinheit war zugleich ein Blitzableiter für all die aufgestauten Frustrationen, Emotionen, Bestrebungen, Hoffnungen und Träume der leidenden Menschen in Nigeria, vor allem der jungen Menschen im Lande und wurde zur Forderung eines vollständigen Umbaus des gescheiterten nigerianischen Staates.

Die harte und exzessive Unterdrückung dieser friedlichen nationalen Massenproteste (derzeit weltweit bekannt als #EndSARS-Proteste) erreichte am 20. Oktober 2020 einen traurigen Höhepunkt, als Soldaten das Feuer auf Jugendliche eröffneten, die friedlich am Lekki Toll Gate, einer Mautstelle in Lagos, Nigerias Hauptstadt und Handelszentrum, protestierten. Dabei wurden Dutzende getötet und viele verletzt. Diese unverzeihliche Niederschlagung friedlicher Demonstrationen löste nicht nur eine Welle von Empörung, Proteste und Petitionen im ganzen Land aus, sondern auch in der Diaspora auf der ganzen Welt.

Was als Proteste gegen Polizeibrutalität begann, entwickelte sich bald zu Debatten und Forderungen nach einer Lösung der ewigen nationalen Einheitsfrage: „Die Einheitsverfassung von 1999 ist ein Schnellkochtopf für die Ungerechtigkeit“, UN-Sonderberichterstatter (2019). Nach den Morden am Lekki Toll Gate haben Nigerianer*innen der Diaspora in vielen Städten auf der ganzen Welt demonstriert, um Solidarität mit den nigerianischen Jugendlichen und ihren Forderungen auszudrücken. Auch sie fordern den Umbau des „Gescheiterten Staates“ als wegweisende Lösung für die vielfältigen Krisen, die die Existenz der kolonialen Erfindung namens Nigeria bedrohen.

Wir, eine Koalition progressiver nigerianischer Organisationen in Deutschland, stellvertretend für die hier lebenden nigerianische Staatsbürger*innen, haben in verschiedenen deutschen Städten Deutschlands mehrere #EndSARS- / #RestructureNigeriaNow-Proteste bereits durchgeführt und dabei gute Ergebnisse erzielt.

Auf Initiative von Peter Emorinken-Donatus und des Vereins Pay Day Africa International haben wir uns nun entschlossen, mit unseren Protesten nach Berlin zu marschieren, um ein Zeichen der Solidarität mit den nigerianischen Jugendlichen zu setzen, die nicht nur während friedlicher Proteste massakriert, sondern auch unter dem Vorwand der nationalen Einheit entrechtet wurden. Wir marschieren mit unserer Forderung eines grundlegenden Wandels in Nigeria nach Berlin, der deutschen Hauptstadt, um Gehör zu finden. Berlin ist Sitz der nigerianischen Botschaft. Sie ist Treffpunkt der Regierungen Nigerias und Deutschlands.

Peter Emorinken-Donatus. Foto: C. Stille

Außerdem ist Berlin Schauplatz des Kampfes um Afrika 1884/85, Ursprung vieler Probleme des modernen Afrikas. Auch Nigeria ist ein Nebenprodukt dieses Gerangels um Afrika. Nigerias Probleme sind nicht nur politischer Natur, sondern, wie auch in anderen Ländern Afrikas, kolonialer Natur.

#AfrikaIsBleeding: Burkina Faso, Kamerun, Kongo, Elfenbeinküste, Eritrea, Äthiopien, Guinea, Libyen, Mali, Namibia, Nigeria, Somalia, Südafrika, Sudan, Tunesien, Uganda, Simbabwe, um nur einige zu nennen.

Ziele

Wir demonstrieren in Berlin, um:

unseren Protest direkt an die nigerianische Regierung über ihre Botschaft in Berlin zu richten und die Dekadenz des nigerianischen Staates aufzudecken,

politische und logistische Unterstützung für eine grundlegende Verfassungsänderung in Nigeria bzw. die Restrukturierung des gesamten Staates zu mobilisieren,

kolonialer Kontinuitäten und die Komplizenschaften Deutschlands und Europas anzuklagen; Kontinuitäten, die darauf abzielen, die Strukturen von Korruption, „Bad-Governance“ und die Förderung von „Schwacher Staaten“ aufrechtzuerhalten,

Deutschland und Europa an ihre historischen Rollen und Verantwortlichkeiten zu erinnern und Deutschland und Europa daher aufzufordern, den nigerianischen Staat wegen grober Menschenrechtsverletzung, Korruption und „Bad-Governance“ zu verurteilen,

ein Netzwerk politisch-progressiver nigerianischer Diaspora-Organisationen und Aktivisten zu schaffen, um langfristige Strategien, Positionen und Lösungen für den nigerianischen Kurs festzulegen.

Forderungen

✔ Wir fordern die nigerianische Regierung auf, alle inhaftierten friedlichen EndSARS-Demonstrant*innen unverzüglich und bedingungslos freizulassen und das rechtswidrige Einfrieren von Konten sowie die Belästigung von EndSARS-Aktivist*innen und ihren Anhänger*innen zu beenden.

✔ Wir fordern die nigerianische Regierung auf, eine unabhängige Kommission mit internationalen Beobachtern zu beauftragen, das Massaker an der Lekki-Mautstelle zu untersuchen und alle Täter innerhalb der Befehlsketten der nigerianischen Polizei und des Militärs vor Gericht zu stellen.

✔ Wir fordern die nigerianische Regierung auf, SARS, SWAT und andere Sicherheitseinheiten, die unschuldige Bürger in Nigeria terrorisieren, unverzüglich zu aufzulösen.

✔ Wir fordern die nigerianische Regierung auf, die Familien derjenigen zu entschädigen, die während der Proteste getötet wurden, aber auch die Verletzten.

✔ Wir fordern die nigerianische Regierung auf, jungen Nigerianer*innen in Nigeria Stipendien und Studiendarlehen zu gewähren.

✔ Wir fordern die nigerianische Regierung auf, den „Gescheiterten Staat“ umzustrukturieren.

✔ Wir fordern alle Nigerianer*innen auf, sich zusammenzuschließen, um die Einheitsverfassung von 1999 zu stürzen, weil all unser derzeitiges Elend aus dieser hervorgeht. Wir fordern auch alle Nigerianer*innen auf, ihre Teilnahme an zukünftigen nationalen Wahlen kritisch zu hinterfragen, da die Gewählten auf diese Verfassung schwören werden und dadurch die Grundlage für Sklaverei, Unterdrückung und Ausbeutung aufrechterhalten.

✔ Wir fordern Deutschland, Europa und die internationale Gemeinschaft auf, Chaos in Nigeria – mit seinen über 200 Millionen Einwohner*innen Afrikas bevölkerungsreichste Region – zu vermeiden, was ansonsten zu einem starken Zustrom von Geflüchteten hauptsächlich nach Europa führen könnte. Wir rufen dazu die internationale Gemeinschaft auf, insbesondere die Vereinten Nationen, die USA die EU:

• nigerianischen Politiker*innen, die Verbrechen in Nigeria begehen, ein Einreiseverbot aufzuerlegen,

• den Medizintourismus für nigerianische Politiker*innen und ihre Familien zu verbieten,

• Kinder korrupter nigerianischer Politiker*innen von internationalen Schulen zu verweisen,

• alle gestohlene Gelder an den nigerianischen Staat zurückzuüberweisen,

• Vermögen und Auslandskonten korrupter Nigerianer*innen zu beschlagnahmen bzw. zu sperren,

• Unterstützung für Korruption, Staatsplünderung, „Bad Governance“ und Ausbeutung der Völker Nigerias zu stoppen,

• den Ruf der nigerianischen Bevölkerung nach einer grundlegenden Verfassungsänderung und nach der Restrukturierung des Landes zu unterstützen.

✔ Wir fordern multinationale Unternehmen auf, in Nigeria Ölverschmutzungen, Gasfackeln, illegalen Rohstoffabbau und Entwaldungen zu beenden, das Niger-Delta zu sanieren und allen Opfern des Ökozids in diesen Regionen zu entschädigen – Ökozid ist ein Verbrechen gegen den Frieden!

Historischer Hintergrund

Der Teil Afrikas, der später zu Nigeria wurde, wurde von den indigenen Ethnien Hausa, Kanuri, Birom, Tiv und Gwari im Norden und im Süden hauptsächlich von Yoruba, Igbo, Edo, Ezon und Anak, u. a., bewohnt. Bis zum späten 19. Jahrhundert hatten die Fulanis, angeführt von Uthman Dan Fodio, in einem Dschihad-Krieg den von Hausa bewohnten Norden größtenteils erobert und marschierten nach Süden.

Der Brite George Tubman Goldie eroberte und kontrollierte durch einen Raubzug bereits die meisten Küstenprovinzen im Süden und war wiederum auf dem Weg Richtung Norden. Die Bestialitäten von Goldie im Kampf gegen die Völker des unteren Flusses Niger, veranlassten die britische Regierung, die von Goldie eroberten südlichen Provinzen für einen Wert von 865.000 Pfund von der Royal Niger Company zu kaufen, die in Besitz von Goldie war. Dies wurde anschließend von den britischen Kolonialisten als „Southern Nigerian Protectorate“ (Protektorat Südnigeria) benannt. A

Als die britischen Kolonialisten nach Norden und die Dschihadisten nach Süden marschierten, trafen sie sich in der Mitte und schlossen eine Vereinbarung. Die Frau von Lord Lugard hatte ihren Respekt für die Fulanis nicht verbergen können, die sie als kultivierte Herren mit dünnen Lippen und für Briten üblichen spitzen Nasen bezeichnete. So wurden gemeinsame Geschäfte gemacht und der Norden wurde dann zur „Northern Nigerian Protectorate“ (Protektorat Nordnigeria).

Im Zuge der Verwaltung der Kolonie erwies sich das nördliche Protektorat jedoch als kostspielig. 1914 wurde das nördliche Protektorat mit dem südlichen Protectorat (sog. „Southern Lady“) zusammengefügt, aus der Not heraus nämlich, wie Lord Harcourt später zugab – die Hafenstadt Port Harcourt im Niger-Delta wurde übrigens nach ihm benannt.

1953 stellte Chief Anthony Enahoro den Antrag auf Unabhängigkeit. Die Delegierten des Nordens lehnten den Antrag mit der Begründung ab, sie seien nicht zur Selbstverwaltung bereit. Trotz des Rückschlags schritten die Vorbereitungen für die Unabhängigkeit voran. Chief Michael Imoudu führte die nigerianischen Arbeiter*innen-Bewegung und unter den damaligen politischen Eliten waren auch Chief Nnamdi Azikiwe, Chief Obafemi Awolowo, Aminu Kano und Fumilayo Kuti.

Nach einer Reihe von Verhandlungen mit dem Norden und dem Süden Nigerias in Lancaster in 1959, wurde die Bundesrepublik Nigeria aufgerufen. Nigeria wurde am 1. Oktober 1960 mit drei föderalen Regionen unabhängig: dem Norden, dem Westen und dem Osten . An dieser Stelle ist es wichtig, das Memoir von Sir Ahmadu Bello zu erwähnen, der Premierminister und Anführer des Nordens war.

Er sagte: „Die neue Nation namens Nigeria könnte ein Nachlass unseres Urgroßvaters Uthman Dan Fodio sein. Wir müssen einen Machtwechsel unbedingt verhindern. Wir nutzen die Minderheiten im Norden als Werkzeug und den Süden als erobertes Gebiet aus. Somit erlauben wir ihnen niemals, die Kontrolle über ihre Zukunft zu haben. “ Außerdem muss die Volkszählung von 1959 erwähnt werden, die die britischen Kolonialisten zugunsten des Nordens manipulierten.

Harold Schmidt, der damals Beamter in der Kolonialverwaltung war, bestätigte kürzlich, dass die Briten die Volkszählungsdaten manipulierten, indem sie der Bevölkerung des Nordens 20 Millionen Menschen hinzufügten. Der mittlere Westen (Mid-West) wurde nach einer Volksabstimmung im Jahr 1963 die vierte Region des Landes. Diese Regionen waren mit eigener Verfassung, eigenen Sicherheitsapparaten und der Kontrolle über ihre Ressourcen weitgehend autonom, zahlten jedoch 15% der Einnahmen an die Zentralregierung.

Schließlich wurde die Regierung durch Unruhen in 1966 und 1967 gestürzt. Bemühungen, zu der Vereinbarung vor der Unabhängigkeit einschließlich des sog. Aburi-Abkommens zurückzukehren, scheiterten. Der Osten spaltete sich ab, was zu einem dreijährigen Krieg führte, der 3,5 Millionen Menschen das Leben kostete. Im Mai 1967 verkündete Gowon das Dekret 14, wonach Nigeria 12 Bundesländer aus den 4 Regionen geschaffen wurden.

Seit 1967 gibt es eine Einheitsverfassung, die das Staatsvermögen und die Souveränität der Völker vollständig für sich reklamiert. Nach Jahren der Militärdiktatur, riefen Murtala Mohammed und später Olusegun Obasanjo eine verfassungsgebende Versammlung ins Leben, um die Macht an eine demokratisch gewählte Regierung zurückzugeben. 1978 verabschiedete Obasanjo den Verfassungsentwurf im Alleingang, mit 17 Zusatzartikeln und führte ein Präsidialsystem ein, entgegen der Empfehlung der verfassungsgebenden Versammlung, nämlich das parlamentarische Regierungssystem.

Diese Ergänzungen wurden zur Verfassung von 1979, die jedoch nicht Gegenstand eines Referendums war. Zwischen 1983 und 1999 begannen diversen Ethnien hauptsächlich aus dem Süden, die sich ausgegrenzt und ausgebeutet fühlen, sich für die Kontrolle ihrer Ressourcen einzusetzen. Die gewaltige Umweltverschmutzung, insbesondere im Nigerdelta, wo das meiste Öl herkommt, führte zu Unruhen und der Forderung nach Umweltsanierung oder die Ölförderung einzustellen. Ölverschmutzungen in den Küstengebieten, die zu einer Umweltkatastrophe wurden, veranlassten Ken Saro Wiwa und seine Landsleute, den Kampf für eine bessere Umwelt zu internationalisieren, da sich multinationale Ölkonzerne wie Shell und die Zentralregierung in Abuja wenig für den Verlust von Lebensgrundlagen aufgrund von Ölverschmutzungen interessierten.

Die „Bewegung für das Überleben der Ogoni“ (MOSOP) wurde zur führenden Organisation, die die Umweltprobleme anzuprangern. Am 10. November 1995 wurden MOSOPFührer Ken Saro-Wiwa und acht weitere Ogoni vom Militärregime von General Sani Abacha gehängt. 1999 verabschiedete die Militärjunta von Abubakar Abdulsalami mit dem Dekret 24 die Verfassung von 1999, eine Reinkarnation der Verfassung von 1979. Nur die Anzahl der Bundesländer (36) war anders.

Obwohl es kein Referendum dafür gab, behauptet diese Einheitsverfassung fälschlicherweise: „Wir, das nigerianische Volk, haben fest und feierlich zugestimmt, in Einheit und Harmonie als eine unteilbare und unauflösliche Nation zu leben […] erklären hiermit die folgende Verfassung für uns selbst.“

Dies macht die Verfassung von 1999 zu einer Fälschung und ein gefälschtes Dokument kann nicht reformiert werden. Es bleibt immer eine Fälschung, weil die verschiedenen Ethnien in Nigeria weder Einfluss auf die Ausarbeitung dieser Einheitsverfassung hatten, noch sich bereit erklärten, ihre Ressourcen und Souveränität der Zentralregierung in Abuja zu abzugeben.

Es gibt 68 Punkte auf der Exklusivliste in der Verfassung, was bedeutet, welche NUR die Zentralregierung in Abuja beispielsweise autorisiert:

 Autobahnen, Bundesstraßen und Brücken zu bauen

 Strom zu produzieren und an die Bevölkerung zu verteilen

 für die Verteidigung und Sicherheit von Leben und Eigentum zu sorgen, beispielsweise durch die überzentralisierte, größtenteils ineffektive und rücksichtslose Polizeiarbeit, die die Jugend wiederum dazu veranlasste, ein Ende von SARS zu fordern.

Die als Hirten getarnten Fulani-Dschihadisten haben unzählige Frauen und Kinder im ganzen Land ermordet, verstümmelt und vergewaltigt, aber die Einheitsverfassung verbietet den Nigerianer*innen, sich gegen die mit AK-47-Gewehren bewaffnete Feinde zu verteidigen.

Die Situation in Süd-Kaduna ist zum Beispiel äußerst prekär.

Auch die enormen Gehälter der gewählten / auserwählten Senatoren / Abgeordneten, die mangelnde Transparenz, die unangemessene Immunität, die Korruption und das Verteidigungsetat, das als Mittel zum Staatspünderung dient, all diese sind in dieser Einheitsverfassung verankert. In Anerkennung der Notwendigkeit einer föderalen Volksverfassung haben Vertreter*innen verschiedener Ethnien unter der Schirmherrschaft der PRONACO und mit den USA, der Vereinten Nationen und der EU als Beobachter zwischen 2005 und 2007 einen Verfassungsentwurf ausgearbeitet. Die Regierung von Obasanjo lehnte dieses Dokument jedoch ab.

Es sei daran erinnert, dass Präsident Muhamadu Buhari damals ein Delegierter war, der die Ethnie der Fulani in Nigeria vertrat. Die Proteste gegen die Einheitsverfassung nahmen während Jonathans Regierung zu, so dass er 2014 sogar eine nationale Konferenz initiierte.

Die nachfolgende Regierung von Buhari hat die Verfassung nach der Machtübernahme im Jahr 2015 jedoch nicht einmal zur Prüfung angefasst.

Der UN-Sonderberichterstatter, der 2019 Nigeria besuchte, sagte:

„Die Verfassung von 1999 ist ein Schnellkochtopf für die Ungerechtigkeit.“

Quelle: Pressemitteilung Pay Day Africa International

Zur Kongo-Konferenz (auch „Berliner Konferenz“ genannt): hier

Dazu empfohlene, zum Thema passende Beiträge: hier, hier, hier und hier.

Update 1 vom 12. Dezember 2020: Video vom Protest in Berlin am 10. Dezember 2020

Update 2 vom 13. Dezember 2020 – Resolutionen an Bundeskanzlerin Merkel, den Präsidenten der Bundesrepublik Nigeria sowie den Botschafter der Bundesrepublik Nigeria in der BRD

An: Dr. Angela Merkel

Die Deutsche Bundeskanzlerin

Willy-Brandt-Straße 1

10557 Berlin


Frau Bundeskanzlerin,


Seit Anfang Oktober 2020 haben sich Nigerianerinnen, hauptsächlich Jugendliche, zu Tausenden versammelt und marschieren bei den inzwischen international bekannten EndSARS-Protesten gegen nigerianische Polizeibrutalität, außergerichtliche Tötungen und andere grobe Menschenrechtsverletzungen, gegen Korruption und Vetternwirtschaft, schlechte Regierungsführung und für die Umstrukturierung des gescheiterten nigerianischen Staates. Diese Proteste stießen jedoch im Laufe der Zeit auf noch mehr Brutalität seitens der Regierung, am deutlichsten zu sehen an dem berüchtigten Lekki-Massaker vom 20. Oktober 2020, als nigerianische Soldaten das Feuer auf friedliche nigerianische Demonstrantinnen, hauptsächlich Jugendliche, eröffneten und dabei viele Menschen kaltblütig töteten und andere verletzten.


Das Lekki-Massaker und andere Versuche der Regierung, die nigerianische Volksrevolution zu kompromittieren, zu brechen und zu unterdrücken, veranlassten die Nigerianerinnen in der Diaspora dazu, den Marsch fortzusetzen, der auf den Straßen von Lagos begann. Die Bewegung für einen Wandel hin zu einem reformierten und umstrukturierten Nigeria hat einen Nerv der progressiven nigerianischen Psyche getroffen und wird nicht länger zum Stillstand kommen. Nigerianerinnen auf der ganzen Welt setzen ihren Marsch in Solidarität mit ihren Landsleuten zu Hause fort, konfrontieren die nigerianische Regierung in all ihren diplomatischen Vertretungen weltweit und werfen der internationalen Gemeinschaft vor, mitschuldig zu sein an der kolonialen Kontinuität und dem wirtschaftlichen Neoimperialismus, die die Systeme der Korruption und Straflosigkeit in Afrika festigen.


1884/5 war Berlin Gastgeber der inzwischen berüchtigten und zu Recht geschmähten Afrikakonferenz, auf der die Europäer unter den wachsamen Augen ihrer nordamerikanischen Amtskollegen willkürlich die Schaffung der geopolitischen Grundeinheiten des modernen Afrika erzwangen. Dieses historische Ereignis macht Berlin zu einem perfekten Ort für alle Afrikanerinnen, an dem sie ihre Klagen über die Folgen der Beschlüsse der Konferenz zur Sprache bringen können, die sich heute vor dem Hintergrund der Rolle Deutschlands in der kolonialen Kontinuität und den kolonialen Hinterlassenschaften in volatilen, schwachen und instabilen afrikanischen Staaten manifestieren.

Wir, die Organisatoren des March-To-Berlin am Donnerstag, den 10. Dezember 2020, erklären, beschliessen und fordern hiermit Folgendes: Deutschland und Europa machen sich mitschuldig an der kolonialen Kontinuität, die darauf abzielt, die Strukturen von Ausbeutung, Korruption, Bad Governance und der Förderung schwacher Staaten aufrechtzuerhalten. Deutschland und Europa haben historische Rollen und Verantwortlichkeiten in der gegenwärtigen Situation in Nigeria und auf dem afrikanischen Kontinent insgesamt. Deutschland sollte seinen Einfluss und seine Ressourcen nutzen, um zu fordern, dass die nigerianische Führungselite für die groben Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Bad Governance zur Rechenschaft gezogen wird. Rufen wir Deutschland, Europa und die internationale Gemeinschaft auf, mitzuhelfen, eine weitere Anarchie in Nigeria, dem mit über 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas, zu verhindern. Zu diesem Zweck: Rufen wir Deutschland, Europa und die internationale Gemeinschaft auf, mitzuhelfen, eine weitere Anarchie in Nigeria, dem mit über 200 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Land Afrikas, zu verhindern, die zu einem starken Zustrom von Flüchtlingen über Afrika hinaus und vor allem nach Europa führen könnte. Rufen wir die internationale Gemeinschaft, insbesondere die UN, die EU, die Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland dazu auf: eine Einreiseverbot für nigerianische Politikerinnen zu verhängen, die in Nigeria Gräueltaten begehen, den Medizintourismus für nigerianische Politikerinnen und ihre Familien zu verbieten, die Kinder korrupter Politiker aus den Schulen ihrer jeweiligen Länder im Ausland zu verbannen, das Auslandsvermögen und -Konten nigerianischer Politiker zu beschlagnahmen und bzw. einzufrieren. die Beihilfe zu Korruption, Diebstahl, schlechter Regierungsführung und Ausbeutung der Völker Nigerias beenden, den Aufruf der Massen zu einer Verfassungsänderung und Umstrukturierung in Nigeria zu unterstützen, rufen wir multinationale Unternehmen, die in Nigeria tätig sind auf, die Ölverschmutzung und das Abfackeln von Gas sowie illegale Bergbau und Entwaldung zu stoppen, die Sanierung des Niger-Deltas und die Zahlung von Entschädigungen an alle Opfer von Ökozid in diesen Regionen zu konsequent zu beginnen. – Ökozid ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Frieden! Appellieren wir an Deutschland, die beispielhafte Bemühungen politisch fortschrittlicher nigerianischer Diaspora-Organisationen und Aktivistinnen zu unterstützen, um langfristige Strategien, Positionen und Lösungen für den nigerianischen Kurs festzulegen.


Fordern wir Deutschland auf, die Abschiebung von Geflüchteten nach Nigeria zu stoppen. Dies vor dem Hintergrund, dass es sich bei den meisten nigerianischen Flüchtlingen, die nach Deutschland und Europa kommen, um dieselben Jugendlichen handelt, die wirtschaftlich entrechtet und auch Opfer der oben erwähnten kolonialen Kontinuitäten und des wirtschaftlichen Neoimperialismus sind.
Unterzeichnet durch: Koalition besorgter progressiver nigerianischer Organisationen und Einzelpersonen in Deutschland

  1. Pay Day Africa International, Cologne 2. Bündnis14 Afrika, Cologne 3. The Concerned Nigerians, Kassel 4. Nigerian Community Germany, National 5. Nigeria Association Rhein/Main Area (NARA), Frankfurt 6. Network Refugees4Refugees, Stuttgart 7. Concerned Panafricanists, Frankfurt 8. Nigerian Family in Dortmund (NfiD), Dortmund 9. Nigerian Scholars in Germany (NiSIG), National 10.Nigerian Scholars in Germany (NiSIG) Munich, Regional 11.The Voice, Bremen 12.Ihee Ndi Igbo Progressive Union, Bremen 13.Nigerian Community Bayern, Munich 14.Council of African Pastors, Hamburg 15.Yes Afrika, Hamm 16.TakeItBack Movement, Berlin 17.African Black Community, Berlin 18.Edo United, Munich 19.African Peoples Convention, Kassel 20.Impact Initiative, Munich 21.Lower Niger Congress, Kassel 22.AfroRoots,Dortmund

An:

Seine Exzellenz Muhammadu Buhari Präsident der Bundesrepublik Nigeria c/o

Seine Exzellenz Botschafter Yusuf Maitama Tuggar Nigerianischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland


Herr Präsident, Wir, die Organisatoren des Marsches nach Berlin am Donnerstag, den 10. Dezember 2020, erklären und beschließen hiermit:

March To Berlin: Initiator und Vorsitzender von Pay Day Africa International, Peter Emorinken-Donatus, übergibt die Resolution einer Koalition von fortschrittlichen nigerianischen Organisationen in Deutschland der nigerianischen Botschaft in Berlin.


Am 10. Dezember 2020 – dem INTERNATIONALEN TAG DER MENSCHENRECHTE versammeln sich Nigerianerinnen aus ganz Deutschland in Berlin, um ihren Protest gegen die menschenverachtenden Menschenrechtsverletzungen in Nigeria im Lichte dieses historischen und international symbolträchtigen Tages zum Ausdruck zu bringen. Wir sind hier, um diesen Protest bei der nigerianischen Regierung über ihre Botschaft in Berlin vorzutragen und die Dekadenz des nigerianischen Staates zu entlarven.

Wir sind hier, um unsere Klagen über den schlechten Service, das jahrzehntelange unprofessionelle Verhalten sowie die korrupten Praktiken der nigerianischen Missionen in Berlin und Frankfurt anzubringen, wie der Sex-für-Passport-Skandal, der derzeit die nigerianische Botschaft erschüttert, zeigt.

Wir verurteilen auf das Schärfste die mutwillige Zerstörung von Leben und Sachbeschädigungen durch das staatliche Militär, die Polizei und andere Sicherheitsapparate in Nigeria, wie das sinnlose Massaker an unschuldigen Nigerianerinnen bei einer friedlichen Demonstration am Lekki Tollgate, Lagos, belegt.
Wir verurteilen auch aufs Schärfste die Bedrohung durch Boko Haram, Fulani-Hirten usw., die unschuldige Nigerianerinnen im ganzen Land dauernd abschlachten.

Eine unabhängige Kommission mit internationalen Beobachtern einzusetzen, die das Massaker von Lekki Tollgate untersuchen und alle Täter unter der Befehlskette der nigerianischen Polizei und des nigerianischen Militärs vor Gericht bringen soll. Die Familien der während der Proteste Getöteten und der Verstümmelten unverzüglich zu entschädigen. SARS, SWAT und andere staatliche Sicherheitsapparate, die unschuldige Bürgerinnen in Nigeria terrorisieren, unverzüglich abzuschaffen.


Die nigerianische Polizeiarbeit dringend zu dezentralisieren, um sie wirksamer zu machen und die Gehälter und und sonstige Leistungen aller Sicherheitsbehörden in Nigeria zu überprüfen.
Die Gehälter und sonstige Leistungen aller nigerianischen Amtsinhaberinnen auf allen Ebenen (Bund, Bundesländer und Kommune) dringend und drastisch zu kürzen, da diese eine erhebliche Belastung für den Haushalt darstellt. Die Mechanismen für eine Souveräne Nationale Konferenz dringend in Gang zu setzen, mit dem Ziel, die Einheitsverfassung von 1999, die all unser gegenwärtiges Elend legitimiert, abzuschaffen und unseren derzeitigen gescheiterten nigerianischen Staat umzustrukturieren. Mit der Auszahlung von Stipendien und der Gewährung von Darlehen an Studentinnen zu beginnen.


Über den Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland den Sex-für-PassportSkandal, in dem ein Mitarbeiter der nigerianischen Botschaft in Berlin verwickelt war, sowie jahrzehntelange Fälle von Bestechung, Erpressung, Amtsmissbrauch, Schikanen und systematischer Unterdrückung und andere Missstände in den nigerianischen Missionen in Berlin und Frankfurt dringend und gewissenhaft zu untersuchen.


Über den Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland jeden Botschaftsangehörigen und/oder jede Person, die sich als Botschaftsangehörige ausgibt, die an solchen oben genannten illegalen Handlungen beteiligt sind, zu bestrafen und transparente funktionale Strukturen in den nigerianischen Missionen in Deutschland zu schaffen, die darauf abzielen, die allgemeine Versorgung der in Deutschland lebenden Nigerianer*innen zu verbessern.


Unterzeichnet durch:
Koalition besorgter progressiver nigerianischer Organisationen und Einzelpersonen in Deutschland

Die Fortsetzung der Tolerierung und der stillschweigenden Hinnahme seitens der Buhari-Regierung deutet auf die Akzeptanz dieser ungemilderten Gewalt hin. Wir unterstützen die EndSARS-Proteste in Nigeria und ihre Forderungen uneingeschränkt und von ganzem Herzen. Wir werden politische, logistische und internationale Unterstützung für die notwendige Verfassungsänderung mobilisieren, die Nigeria umstrukturieren soll. Zu diesem Zweck rufen wir die nigerianische Regierung auf: Alle inhaftierten friedlichen EndSARS-Demonstranten unverzüglich und bedingungslos freizulassen, das unrechtmäßige Einfrieren von Bankkonten, die Beschlagnahme von Pässen und die Schikanierung von EndSARS-Aktivistinnen und ihren Anhängerinnen zu beenden. 1

  1. Pay Day Africa International, Cologne 2. Bündnis14 Afrika, Cologne 3. The Concerned Nigerians, Kassel 4. Nigerian Community Germany, National
  2. Nigeria Association Rhein/Main Area (NARA), Frankfurt 6. Network Refugees4Refugees, Stuttgart 7. Concerned Panafricanists, Frankfurt 8. Nigerian Family in Dortmund (NfiD), Dortmund 9. Nigerian Scholars in Germany (NiSIG), National 10.Nigerian Scholars in Germany (NiSIG) Munich, Regional 11.The Voice, Bremen 12.Ihee Ndi Igbo Progressive Union, Bremen 13.Nigerian Community Bayern, Munich 14.Council of African Pastors, Hamburg 15.Yes Afrika, Hamm 16.TakeItBack Movement, Berlin 17.African Black Community, Berlin 18.Edo United, Munich 19.African Peoples Convention, Kassel 20.Impact Initiative, Munich 21.Lower Niger Congress, Kassel 22.AfroRoots,Dortmund

Zum 25. Jahrestag der Ermordung des Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa und seiner Mitstreiter

Anlässlich des 25.Jahrestages der Ermordung des nigerianischen Schriftstellers, Umweltaktivisten, Trägers des Alternativen Nobelpreises und bekennenden Shell-Kritikers, Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter, veranstaltete der Verein PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL in Kooperation mit folgenden Organisationen

Moderation: Rhian Schütte und Halima Kamar. Video

•Seebrücke Köln •BIPoC Referat der Uni Köln •Fridays For Future Köln •Die Linke •Die linke SDS – Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband •Gesellschaft bedrohter Völker •Bündnis 14 Afrika •Die Urbane. Eine Hip Hop Partei

u.a. gestern eine Gedenkveranstaltung vor der Kölner Shell-Tankstelle auf der Venloer-Strasse 166.

In Vorbereitung auf die Mahnwache, fand bereits am 08.11.2020 um 19 Uhr ein Online-Vortrag von Peter Donatus statt, in welchem der freie Journalist und Umweltaktivist explizit über die Thematik informierte und anschließend Fragen dem Chat beanwortete.

Protest an Kölner Shell-Tankstelle. Fotos: via Rodrigue Rod/Facebook

Dazu hier die hoch emotionale Rede von Peter Donatus, welche er an der Tankstelle gehalten hat: https://www.instagram.com/p/CHbE4ltKhO8/?igshid=ewwvzwt0shdchier)

Am 10. November 1995 ließ das nigerianische Militär, unter der Führung des inzwischen verstorbenen blutrünstigen Diktators General Sani Abacha, den Schriftsteller, Umweltaktivisten und alternativen Nobelpreisträger Kenule Beeson Saro-Wiwa, sowie acht seiner Ogoni-Mitstreiter erhängen. Bei den acht ermordeten Ogoni-Mitstreitern handelt es sich um:

HINTERGRUND

Barinem Kiobel, Saturday Dobee, Paul Levura, Nordu Eawo, Felix Nuate, Daniel Gbokoo, John Kpuinen und Buribor Bera.

Trotz massiver Appelle, weltweiter Proteste und Sanktionsandrohungen der internationalen Staatengemeinschaft, konnte man das Regime nicht daran hindern, die Aktivisten hinzurichten. Eine Machtdemonstration ohne Nebenwirkung.

Unter der Führung von Saro-Wiwa kämpfte das Ogoni-Volk im Niger-Delta (Nigeria) Anfang der 90er Jahre friedlich und gewaltfrei gegen den Shell-Konzern und die massiven Umweltverschmutzungen dort. Er gründete die Organisation „Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes (MOSOP)“ und schaffte es mit Erfolg, das Anliegen seines Volkes auf die internationale Bühne zu bringen.

Die friedlichen Proteste der Ogonis richteten sich vor allem gegen den Ölmulti Shell, der die seit 1958 andauernde Zerstörung der Umwelt und der Lebensgrundlagen im ganzen Niger-Delta hauptsächlich zu verantworten hat. Bei diesen Protesten ging es auch um den friedlichen Kampf gegen politische und soziale Marginalisierung und um die Teilhabe am Reichtum des eigenen Volkes.

Um die aufflammenden Proteste zu unterdrücken, bat Shell das Militärregime um den Einsatz des gefürchteten Sondereinsatzkommandos, das sog. „Kill and Go – Kommando“. Dieses richtete schreckliche Massaker im Ogoniland an, auch mit Hilfe deutscher Waffen, die Shell an nigerianische Sicherheitskräfte lieferte. Es entstanden Horrorszenarien im Ogoniland. Bei den o. g. Auseinandersetzungen wurden vier hohe Ogoni-Volksvertreter (Chiefs) ermordet, die sich mit Shell verbündet hatten und sich somit gegen ihr eigenes Volk stellten.

Das Militärregime nutzte die Gunst der Stunde und machte Saro-Wiwa und seine Mitstreiter für diese Morde verantwortlich und ließ diese im Mai 1994 inhaftieren. Nach einer monatelangen Incommunicado-Haft ohne Anklageerhebung, verurteilte ein Militärgericht die Aktivisten am 31. Oktober 1995 in einem inszenierten Schauprozess, wegen angeblicher Anstiftung zum Mord, zum Tode. Die Internationale Staatengemeinschaft bescheinigte den Prozess als unfair und als politisch motiviert, da u. a. Beweise manipuliert, Zeugen bestochen und rechtsstaatliche Prinzipien von Grund auf missachtet wurden.

Am frühen Morgen des 10. November 1995 wurden Saro-Wiwa (54) und die acht anderen Verurteilten, trotz internationaler Proteste und Sanktionsandrohungen, gehängt. Die Hinrichtung von Saro-Wiwa konnte erst nach dem fünften Versuch erfolgreich durchgeführt werden. Medienberichten zufolge hatte er die Henker immer wieder unterbrochen gefragt:

„Warum behandeln Sie mich so. Was ist das für ein Staat.“

Die letzten Worte bevor er starb, waren:

„Mein Herr, nimm meine Seele zu Dir, aber der Kampf geht weiter.“

Die Hinrichtungen lösten seinerzeit weltweite Proteste und eine Welle der Empörung aus. Die internationale Staatengemeinschaft verhängte daraufhin zwar einige kosmetische Sanktionen gegen Nigeria, wie die Suspendierung aus dem Commonwealth, das eingeschränkte Waffenembargo und Einreiseverbot für Angehörigen des Regimes, jedoch wurden diese Sanktionen nicht ernsthaft verfolgt. Die Förderung der nigerianischen demokratischen Opposition nach dem Ölembargo konnte nicht durchgesetzt werden, wegen der Blockade der USA und einiger europäischer Staaten, darunter auch Deutschland – offensichtlich aus eigenen Wirtschaftsinteressen. So konnte das nigerianische Militär, samt Gefolgsleuten, seine mörderischen Repressalien noch vier weitere Jahre ungehindert fortsetzen. Bis heute wurde keiner der Akteure des damaligen Henkerregimes für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen.

Der Ölmulti Shell trägt eindeutig eine große Mitschuld an der Hinrichtung der Aktivisten, u. a. weil er sich weigerte, seinen sonst so großen Einfluss in Nigeria zu nutzen, um somit das Leben der zum Tode Verurteilten zu retten.

Hierzulande setzen die nigerianische Opposition und diverse Umwelt- und Menschenrechts-verbände bzw. Initiativen den Ölmulti Shell durch Boykottaufrufe unter massiven Druck. Doch der Konzern weiß sich zu helfen und versuchte stets die deutsche Öffentlichkeit mittels massivem Asbach-Journalismus medial zu manipulieren und zu verunsichern und die Kritiker durch systematischen Rufmord und durch rechtliche Schritte zum Verstummen zu bringen.

Der Konzern musste seine Fehler unfreiwillig einräumen. Zum Beispiel: Um einer Verurteilung durch ein US Gericht wegen Menschenrechtsverletzung und somit eine riesige Blamage zu entgehen, einigte sich der Konzern mit den Angehörigen der Hingerichteten außergerichtlich auf eine Entschädigungszahlung in Höhe von 15 Millionen US Dollar. Für die Angehörigen der Hingerichteten, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten und Shell-Kritiker ein unverkennbares Zeichen der Schuld.

In einer bahnbrechenden Entscheidung verurteilte ein niederländisches Gericht den Ölmulti Shell am 30.01.2013 zu Entschädigungszahlungen in einem Fall, da Shell seine Pipelines nicht ausreichend gegen Sabotageakte schützt, so das Gericht. Dies war das erste Mal, dass Shell für seine Machenschaften in Nigeria gerichtlich zur Verantwortung gezogen wurde.

Wie sieht die Lage im Ogoniland und im gesamten Niger-Delta aus, 25 Jahren nach der Hinrichtung der Umweltaktivisten?

Wenngleich das Land momentan von einer demokratisch gewählten Regierung regiert wird, hat sich die Lage nicht verbessert. Die Verseuchung des Niger-Deltas ist katastrophaler als je zuvor. Die Ölförderung im hinterlässt weiterhin dort verseuchten Ackerland, Flüsse und Meer. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen braucht man mehrere Jahrzehnte, um die bereits entstandenen Umweltschäden zu beseitigen. Doch jährlich verseuchen rund 13 Millionen Barrel Erdöl das Delta vom Niger weiterhin, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Mit rund 208 Mio. Einwohnern ist Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Nigeria ist auch der größte Erdölförderer Afrikas und der achtgrößte Erdölexporteur der Welt. Mehr als 80 % der Staatseinnahmen stammen aus Erdöl und Erdgas. Trotz seines Reichtums leben fast zwei Drittel der Bevölkerung in absoluter Armut, während wenige korrupte Eliten, also Staatsräuber, die Staatskassen plündern, nach dem

Motto: „Wer am Zoll sitzt, ohne reich zu werden, ist ein Dummkopf.“

Umweltexperten schätzen die Zahl der Ölunfälle seit 1958 auf mehrere Zehntausende, mit mehreren Milliarden Litern ausgelaufenem Rohöl – das einstige Naturparadies Nigerias wurde in eine Hölle auf Erden verwandelt. Das Grundwasser ist so massiv verseucht, dass die konventionelle Wasserversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann. Im Jahr 2011 stellte die WHO eine extrem hohe Konzentration von C0​2 und Benzol im Grundwasser fest, mehr als 900 Mal höher als die international erlaubten Grenzwerte, und 1.000 Mal mehr als die vom Staat selbst festgelegten Grenzwerte. Mehrere ​Millionen Tonnen CO​2 werden jährlich durch das offene Abfackeln von Gas in die Atmosphäre freigesetzt, während die globale Erderwärmung den Menschen weltweit existentielle Sorgen bereitet. Luftverschmutzung ist nicht nur lästig, sie ist auch gesundheitlich höchst gefährlich, wie ein Bericht der WHO darlegt. Demnach ist die Luftverschmutzung eine der Hauptursachen für Krebserkrankungen bzw. Krebstodesfälle weltweit.

Protest an der Kölner Shell-Tankstelle auf der Venloer Str. 166 Fotos: via Rodrigue Rod/Facebook

WIR KLAGEN AN! Wir fordern ein sofortiges Ende der ausbeuterischen Aktivitäten von Shell, den sofortigen Beginn von Wiederherstellungsarbeiten und dass der von Shell begangene Ökozid klar und deutlich als Straftat deklariert und entsprechend verfolgt wird!

Payday Africa International möchte über die Geschehnisse auf dem afrikanischen Kontinent aufklären und das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit für panafrikanische Ausbeutung schärfen.

Anlass war der 25. Jahrestag der Hinrichtung des nigerianischen Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter.

Hinweis: Da Peter Donatus während des Vortrags am 8. November etwas unter Zeitdruck stand, hat er diesen etwas gerafft. Ich empfehle daher ergänzend eine Aufzeichnung (WeltnetzTV) eines früheren Referats von Peter Donatus, welches er vor einiger Zeit in der Auslandsgesellschaft in Dortmund zum gleichen Thema – „Ökozid im Niger-Delta – gehalten hat. Dazu dieser Beitrag hier auf meinem Blog.

Quelle/Informationen: u.a. Pay Day Africa

Köln: Vortrag und Mahnwache anlässlich des 25. Jahrestags der Hinrichtung des nigerianischen Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter

Anlässlich des 25.Jahrestages der Ermordung des nigerianischen Schriftstellers, Umweltaktivisten, Trägers des Alternativen Nobelpreises und bekennenden Shell-Kritikers, Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter, veranstaltet der Verein PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL in Kooperation mit folgenden Organisationen:

Video via CGTN Africa/You Tube

•Seebrücke Köln •BIPoC Referat der Uni Köln •Fridays For Future Köln •Die Linke •Die linke SDS – Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband •Gesellschaft bedrohter Völker •Bündnis 14 Afrika •Die Urbane. Eine Hip Hop Partei

nun, eine Gedenkveranstaltung vor der Geschäftsstelle Shell an der Venloer Straße.

Die Vorbereitung der morgigen Mahnwache (16 Uhr) vor der Kölner Shell-Tankstelle auf der Venloer-Strasse (166) ist in vollem Gange
.
Wir sind bereit!

In Vorbereitung auf die Mahnwache, findet bereits am 08.11.2020 um 19 Uhr, ein Online-Vortrag von Peter Donatus in der explizit über die Thematik informiert wird.

Mit diesem Link gelangen Sie zu unserer Online-Veranstaltung.

HINTERGRUND

Am 10. November 1995 ließ das nigerianische Militär, unter der Führung des inzwischen verstorbenen blutrünstigen Diktators General Sani Abacha, den Schriftsteller, Umweltaktivisten und alternativen Nobelpreisträger Kenule Beeson Saro-Wiwa, sowie acht seiner Ogoni-Mitstreiter erhängen. Bei den acht ermordeten Ogoni-Mitstreitern handelt es sich um:

Barinem Kiobel, Saturday Dobee, Paul Levura, Nordu Eawo, Felix Nuate, Daniel Gbokoo, John Kpuinen und Buribor Bera.

Trotz massiver Appelle, weltweiter Proteste und Sanktionsandrohungen der internationalen Staatengemeinschaft, konnte man das Regime nicht daran hindern, die Aktivisten hinzurichten. Eine Machtdemonstration ohne Nebenwirkung.

Unter der Führung von Saro-Wiwa kämpfte das Ogoni-Volk im Niger-Delta (Nigeria) Anfang der 90er Jahre friedlich und gewaltfrei gegen den Shell-Konzern und die massiven Umweltverschmutzungen dort. Er gründete die Organisation „Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes (MOSOP)“ und schaffte es mit Erfolg, das Anliegen seines Volkes auf die internationale Bühne zu bringen. Die friedlichen Proteste der Ogonis richteten sich vor allem gegen den Ölmulti Shell, der die seit 1958 andauernde Zerstörung der Umwelt und der Lebensgrundlagen im ganzen Niger-Delta hauptsächlich zu verantworten hat. Bei diesen Protesten ging es auch um den friedlichen Kampf gegen politische und soziale Marginalisierung und um die Teilhabe am Reichtum des eigenen Volkes.

Um die aufflammenden Proteste zu unterdrücken, bat Shell das Militärregime um den Einsatz des gefürchteten Sondereinsatzkommandos, das sog. „Kill and Go – Kommando“. Dieses richtete schreckliche Massaker im Ogoniland an, auch mit Hilfe deutscher Waffen, die Shell an nigerianische Sicherheitskräfte lieferte. Es entstanden Horrorszenarien im Ogoniland. Bei den o. g. Auseinandersetzungen wurden vier hohe Ogoni-Volksvertreter (Chiefs) ermordet, die sich mit Shell verbündet hatten und sich somit gegen ihr eigenes Volk stellten.

Das Militärregime nutzte die Gunst der Stunde und machte Saro-Wiwa und seine Mitstreiter für diese Morde verantwortlich und ließ diese im Mai 1994 inhaftieren. Nach einer monatelangen Incommunicado-Haft ohne Anklageerhebung, verurteilte ein Militärgericht die Aktivisten am 31. Oktober 1995 in einem inszenierten Schauprozess, wegen angeblicher Anstiftung zum Mord, zum Tode. Die Internationale Staatengemeinschaft bescheinigte den Prozess als unfair und als politisch motiviert, da u. a. Beweise manipuliert, Zeugen bestochen und rechtsstaatliche Prinzipien von Grund auf missachtet wurden.

Am frühen Morgen des 10. November 1995 wurden Saro-Wiwa (54) und die acht anderen Verurteilten, trotz internationaler Proteste und Sanktionsandrohungen, gehängt. Die Hinrichtung von Saro-Wiwa konnte erst nach dem fünften Versuch erfolgreich durchgeführt werden. Medienberichten zufolge hatte er die Henker immer wieder unterbrochen gefragt:

„Warum behandeln Sie mich so. Was ist das für ein Staat.“

Die letzten Worte bevor er starb, waren:

„Mein Herr, nimm meine Seele zu Dir, aber der Kampf geht weiter.“

Die Hinrichtungen lösten weltweite Proteste und eine Welle der Empörung aus. Die internationale Staatengemeinschaft verhängte daraufhin zwar einige kosmetische Sanktionen gegen Nigeria, wie die Suspendierung aus dem Commonwealth, das eingeschränkte Waffenembargo und Einreiseverbot für Angehörigen des Regimes, jedoch wurden diese Sanktionen nicht ernsthaft verfolgt. Die Förderung der nigerianischen demokratischen Opposition nach dem Ölembargo konnte nicht durchgesetzt werden, wegen der Blockade der USA und einiger europäischer Staaten, darunter auch Deutschland – offensichtlich aus eigenen Wirtschaftsinteressen. So konnte das nigerianische Militär, samt Gefolgsleuten, seine mörderischen Repressalien noch vier weitere Jahre ungehindert fortsetzen. Bis heute wurde keiner der Akteure des damaligen Henkerregimes für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen.

Der Ölmulti Shell trägt eindeutig eine große Mitschuld an der Hinrichtung der Aktivisten, u. a. weil er sich weigerte, seinen sonst so großen Einfluss in Nigeria zu nutzen, um somit das Leben der zum Tode Verurteilten zu retten.

Hierzulande setzen die nigerianische Opposition und diverse Umwelt- und Menschenrechts-verbände bzw. Initiativen den Ölmulti Shell durch Boykottaufrufe unter massiven Druck. Doch der Konzern weiß sich zu helfen und versuchte stets die deutsche Öffentlichkeit mittels massivem Asbach-Journalismus medial zu manipulieren und zu verunsichern und die Kritiker durch systematischen Rufmord und durch rechtliche Schritte zum Verstummen zu bringen.

Der Konzern musste seine Fehler unfreiwillig einräumen. Zum Beispiel: Um einer Verurteilung durch ein US Gericht wegen Menschenrechtsverletzung und somit eine riesige Blamage zu entgehen, einigte sich der Konzern mit den Angehörigen der Hingerichteten außergerichtlich auf eine Entschädigungszahlung in Höhe von 15 Millionen US Dollar. Für die Angehörigen der Hingerichteten, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten und Shell-Kritiker ein unverkennbares Zeichen der Schuld.

In einer bahnbrechenden Entscheidung verurteilte ein niederländisches Gericht den Ölmulti Shell am 30.01.2013 zu Entschädigungszahlungen in einem Fall, da Shell seine Pipelines nicht ausreichend gegen Sabotageakte schützt, so das Gericht. Dies war das erste Mal, dass Shell für seine Machenschaften in Nigeria gerichtlich zur Verantwortung gezogen wurde.

Wie sieht die Lage im Ogoniland und im gesamten Niger-Delta aus, 25 Jahren nach der Hinrichtung der Umweltaktivisten?

Wenngleich das Land momentan von einer demokratisch gewählten Regierung regiert wird, hat sich die Lage nicht verbessert. Die Verseuchung des Niger-Deltas ist katastrophaler als je zuvor. Die Ölförderung im hinterlässt weiterhin dort verseuchten Ackerland, Flüsse und Meer. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen braucht man mehrere Jahrzehnte, um die bereits entstandenen Umweltschäden zu beseitigen. Doch jährlich verseuchen rund 13 Millionen Barrel Erdöl das Delta vom Niger weiterhin, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Mit rund 208 Mio. Einwohnern ist Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Nigeria ist auch der größte Erdölförderer Afrikas und der achtgrößte Erdölexporteur der Welt. Mehr als 80 % der Staatseinnahmen stammen aus Erdöl und Erdgas. Trotz seines Reichtums leben fast zwei Drittel der Bevölkerung in absoluter Armut, während wenige korrupte Eliten, also Staatsräuber, die Staatskassen plündern, nach dem

Motto: „Wer am Zoll sitzt, ohne reich zu werden, ist ein Dummkopf.“

Umweltexperten schätzen die Zahl der Ölunfälle der letzten 1958 auf mehrere Zehntausende, mit mehreren Milliarden Litern ausgelaufenes Rohöl – das einstige Naturparadies Nigerias wurde in eine Hölle auf Erden verwandelt. Das Grundwasser ist so massiv verseucht, dass die konventionelle Wasserversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann. Im Jahr 2011 stellte die WHO eine extrem hohe Konzentration von C0​2 und Benzol im Grundwasser fest, mehr als 900 Mal höher als die international erlaubten Grenzwerte, und 1.000 Mal mehr als die vom Staat selbst festgelegten Grenzwerte. Mehrere ​Millionen Tonnen CO​2 werden jährlich durch das offene Abfackeln von Gas in die Atmosphäre freigesetzt, während die globale Erderwärmung den Menschen weltweit existentielle Sorgen bereitet. Luftverschmutzung ist nicht nur lästig, sie ist auch gesundheitlich höchst gefährlich, wie ein Bericht der WHO darlegt. Demnach ist die Luftverschmutzung eine der Hauptursachen für Krebserkrankungen bzw. Krebstodesfälle weltweit.

WIR KLAGEN AN! Wir fordern ein sofortiges Ende der ausbeuterischen Aktivitäten von Shell, den sofortigen Beginn von Wiederherstellungsarbeiten und dass der von Shell begangene Ökozid klar und deutlich als Straftat deklariert und entsprechend verfolgt wird!

Payday Africa International möchte über die Geschehnisse auf dem afrikanischen Kontinent aufklären und das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit für panafrikanische Ausbeutung schärfen.

Anlässlich des 25. Jahrestags der Hinrichtung des nigerianischen Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter

Online Vortrag​: Datum: 08.10.2020

Uhrzeit: 19 Uhr

Unter folgendem Link:

http://www.rebrand.ly/kensarowiwavortrag

Anbei ein älterer Beitrag von mir zur Thematik mit einem Interview mit Umweltaktivist und Journalist Peter Donatus plus Vortrag „Ökozid im Nigerdeltavia WeltnetzTV

PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL offiziell als Verein gegründet. Anliegen: Sensibilisierung für Sklaverei und Kolonialismus. Forderung: Reparationen und Rückführung von Raubkunst

Journalist Peter Donatus. Foto: C. Stille

Ein historischer Tag war dieser 25. September 2020 im Bürgerzentrum Köln-Ehrenfeld. Der Verein PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL wurde offiziell gegründet. Das Bündnis ist bereits seit Juli dieses Jahre aktiv. Es hat schon mehrere interessante und bemerkenswerte Events veranstaltet (ich berichtete hier und hier) und gewiss auch schon etwas bewirkt. Mindestens haben diese Veranstaltungen schon einmal für ein Mehr an Information sowie ein Aufrütteln betreffs der Anliegen von PAY DAY AFRICA INERNATIONAL gesorgt.

Peter Donatus nennt diese Anliegen:

Pay Day Africa – diese neue internationale Bewegung ist in Köln entstanden und setzt sich vordringlich ein für die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Sklaverei, Kolonialismus, koloniale Kontinuität und systemischer Rassismus aber auch für Reparationen und Rückführung aller gestohlenen Kunstgegenstände aus Afrika wie zum Beispiel die 97 geraubten Kunstgegenstände des Königreiches Benin (Nigeria) die im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum gebunkert sind. Die wollen wir zurückhaben.“

Die Gründungsversammlung des neuen Vereins wählte einen 9-köpfigen Arbeitsvorstand:

1.Peter Emorinken-Donatus [Vorstandsvorsitzender]

2. Yvonne Müller [Stellvertretende Vorsitzende]

3. Ama Opoku-Rosenkranz [Generalsekretärin]

4. Viatonou Gbènato Rodrique [Stellvertretender Generalsekretär]

5. Lucky Aghedo [Projekt-Direktor]

6. Mirta Junco Wambrug [Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit]

7. Olabisi Olajide [Direktorin für Kinder, Jugend und Kulturvermittlung]

8. Delali Adjano-Wegmann [Direktorin für Genderspezifische Themen]

9. Martina Thomas [Schatzmeisterin]

Wir danken Euch allen für die bisherige Zusammenarbeit bzw. Unterstützung und freuen uns sehr auf zukünftige Kooperationen.

WE SHALL OVERCOME!

PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL – Bilder-Eindrücke der Gründungsversammlung [Köln, 25. Sept. 2020]

#ReparationsNow

#BringBackOurTreasures

#WoIstVorne

#DieHeilungDerWunden

Pay Day Africa fordert Rückgabe von kolonialer Raubkunst. Mahnwache in Köln trägt offenbar Früchte: Museumsdirektorin Nanette Snoep sprach von einem „historischen Tag“ und will einen Dialog ermöglichen

Das zweitägige, von Pay Day Africa 2020 initierte Event anlässlich des Welttags gegen Sklaverei am 22. & 23.August 2020 (hier mein Bericht vom ersten Tag) in Köln war ein Erfolg. Weshalb es die neue internationale Bewegung PAY DAY AFRICA zu weiteren Aktionen inspirierte. Im Rahmen des diesjährigen Akwaaba-Festivals 2020 veranstaltete Pay Day Africa am vergangenen Samstag zunächst eine Mahnwache vor dem Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum, um für die bedingungslose Rückführung kolonialer Raubkunst aus dem Museum zu protestieren.
In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden – wie es Serge Palasie (Eine Welt Netz NRW) letzten Samstag vor dem Rautenstrauch-Joest-

Museum in Köln tat -, dass das Deutsche Reich den ersten großen Völkermord in seiner afrikanischen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) an den Herero und den Nama zu verantworten hat. Die Angehörigen von deutschem Militär ermordeter Menschen waren gezwungen worden, die Schädel der Toten auszukochen. Sie wurden dann nach Deutschland verbracht und pseudowissenschaftlichen Tests unterzogen. Diese sollte beweisen, dass Afrikaner Europäern in jeder Hinsicht unterlegen seien.
Noch heute lagern in bundesdeutschen Museen Gebeine afrikanischer Ahnen der heute dort lebenden Menschen
Derzeit bis zu 97 Raubkunstobjekte aus dem Königreich Benin im Kölner Rautenstrauch-Joest Museum?
Aktuell sollen bis zu 97 Raubkunstobjekte aus dem uralten Königreich Benin im heutigen Nigeria im Besitz des Kölner Museums lagern. Auf der Homepage des 2012 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichneten Rautenstrauch-Joest-Museums ist u. a. zu lesen:

Wichtige Teile der frühen Afrika-Sammlung stellen wertvolle Metall- und Elfenbeinobjekte aus dem Königtum Benin im heutigen Nigeria dar. Sie wurden von der Familie Rautenstrauch in London erworben, nachdem eine englische Strafexpedition 1897 Benin geplündert hatte und man durch den Verkauf der erbeuteten Metall- und Elfenbeinobjekte die Kosten der Militäraktion abdecken wollte.“ (hier mehr)

Tatsächlich hatten die Briten 1897 das historische Königreich Benin überfallen, geplündert und in Brand gesetzt. Bei dieser Invasion der Briten wurde der König, Oba Ovonramwen, festgenommen, entmachtet, entwürdigt und nach Calabar (auch im Niger-Delta Nigerias) abgeschoben. Er starb dort im Exil.
Eli Abeke Batemona Bündnis Africa 14

Hehlerei ist strafbar!
Bis zu 6.500 Kunstschätze der Benins, auch religiöse Objekte, wurden gestohlen und befinden sich immer noch in zahlreichen Museen in Groß-Britannien, Deutschland, den USA und anderen Teilen der Welt, unter anderen auch im Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln. Nach §259 des deutschen Strafgesetzbuchs ist Hehlerei – selbst der Versuch – strafbar:

Wer eine Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat, ankauft oder sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder absetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Köln ist multikulturell, weltoffen und antirassistisch – „kein Veedel für Rassismus!“ Die noch andauernde Beschlagnahmung unrechtmäßig erworbener fremder Eigentürmer im Rautenstrauch-Joest-Museum widerspricht ganz klar diesem Image der modernen weltoffenen Domstadt.
Peter Donatus „Menschen werden abgeschoben, aber die Kunst wollt ihr behalten?“

Peter Donatus vom Bündnis Pay Day Africa machte in seiner emotionalen Rede darauf aufmerksam, dass die Weißen, die afrikanische Reiche unterwarfen zu dieser Zeit selbst noch in der Barbarei lebten. Und sich in Afrika über zivilisatorische Fortschritte – über die sie seinerzeit selbst nicht verfügten – erstaunt zeigten.
Das Bündnis Pay Day Africa fordert:
Die bedingungslose Rückführung der Raubkunstobjekte aus Benin (Nigeria) sowie die Rückführung aller anderer kolonialen Raubbeute aus Afrika.
Die Errichtung moderner Museen mit Einbruchdiebstahlschutz in Benin City und anderen Orten Afrikas – dies ist nicht als sogenannte „Entwicklungshilfe!“, sondern als Ansprüche auf RESTITUTION anzusehen.
Einen Runden Tisch zur Aufarbeitung des kolonialen Erbe Kölns.
Des Weiteren startet Pay Day Africa demnächst diesbezüglich eine Online-Petition sowie eine Petition beim Kölner Stadtrat.
Nanette Snoep, Direktorin des Museums nannte diesen Tag historisch!

Offenbar tut sich etwas Vielversprechendes in Köln. Die Museumsdirektorin Nanette Snoep zeigte Verständnis für die Anliegen der Teilnehmer der Mahnwache. Sie versprach am Samstag in einen Dialog mit Pay Day Africa auf Augenhöhe einzutreten. Anscheinend rückt die Einrichtung eines Runden Tischs nach der erfreulichen Erklärung der Museumsdirektorin nun näher.
Olabisi Olusoga „When black lives matter?“ (Englisch)

Bündnis Pay Day Africa fordert: Die bedingungslose Rückführung der Raubkunstobjekte aus Benin (Nigeria) sowie die Rückführung (#BringBackOurTreasures) aller anderer kolonialen Raubbeute aus Afrika. Aktion vorm Rautenstrauch-Joest-Museum am kommenden Samstag in Köln
Hinweis 1: Pay Day Africa ist in Social Media vertreten: Facebook, Instagram, Twitter, YouTube

Hinweis 2: Da ich am Samstag nicht selbst in Köln sein konnte, entstand dieser Beitrag nach Informationen und Videos von Pay Day Africa. Danke dafür!

Update am 24.9.2020: Video-Botschaft von Dr. Karamba Diaby (MdB, SPD) aus Halle

PAY DAY AFRICA 2020 in Köln setzte am Wochenende in Köln Akzente. Am Sonntag: Stille Mahnwache in Gedenken an alle versklavten Menschen auf dem Neumarkt

Von Claus Stille

Es war der Aufstand gegen die europäische Sklavenwirtschaft durch afrikanische Sklaven in Saint-Domingue (heute Haiti) in der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791, der den Weg für die Abschaffung des Transatlantischen Sklavenhandels ebnete. Dem zufolge erklärte die UNESCO 1997 den 23. August eines jeden Jahres zum INTERNATIONALEN TAG DER ERINNERUNG AN SKLAVENHANDEL UND DESSEN ABSCHAFFUNG – auch WELTTAG GEGEN SKLAVENHANDEL genannt.

Zur Geschichte

Wie der Aufstand in Saint Domingue seinerzeit organisiert werden konnte, obwohl die Sklaven im Land und auf den dazugehörigen Inseln weit verstreut waren, erzählte gestern auf der Eröffnungsveranstaltung des Events PAY AFRICA DAY 2020 in Köln Mukhtar Bakakary Kamara, Vorsitzender des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland e.V. (ZAGD e.V. ):

Die Sklaven baten ihre Besitzer um eine Möglichkeit sich zu vernetzten. Sie hätten vor, sich einmal im Jahr bei ihren Herren für deren „gute Behandlung und Fürsorge“ alle gemeinsam mit Tänzen zu bedanken. Mittels dieser List konnte der Aufstand seinen Lauf nehmen. Moctar Kamara sprach davon, dass es da heraus zur „Haititianischen Revolution“ gekommen sei. Die erste Republik Lateinamerikas wurde dann 1804 gegründet.

Moctar Kamara. Foto: C. Stille

Kamara erinnerte daran, dass der biblische Kanaan als Vorfahre der Schwarzen interpretiert worden sei. Demnach könne man diese Menschen mit niedrigem Status auch versklaven: „Eine religiöse Ideologie.“ Die Sklavenhalter hätten auf die Bibel zurückgegriffen, um die Haltung schwarzer Sklaven zu rechtfertigten.

Unter dem Titel „Die Heilige Schrift als Legitimation Rassismus“ schrieb Margarita Schubert 2010 in Die Presse:

„In Teilen der afrikanischen Communitys wird vor allem ein Thema immer noch diskutiert: der Ham-Mythos. Im Alten Testament (Heilige Schrift der Christen) wie auch in der jüdischen Thora verflucht Noah seinen Sohn Ham wegen einer Respektlosigkeit. Von nun an sollen er und seine Nachkommen seinen Brüdern dienen. Noah, so erklärt der Historiker Amadou Lamine Sarr, gilt in beiden Religionen als Stammvater. Und Hams Sohn Kanaan wurde später als Vorfahre der Schwarzen interpretiert. Die Konsequenz: Mit Verweis auf diesen Bibelvers rechtfertigten sich etwa amerikanische Sklavenhalter. In ihrer Argumentation war die Haltung schwarzer Sklaven dadurch legitimiert.“

Das Übrige hätten auch die Philosophen – auf der religiösen Ideologie aufsetzend – dazu beigetragen. Kamara nannte beispielsweise die von uns bis heute mit nach ihnen benannten Straßen geehrten Philosophen Kant, Hegel, Rousseau sowie Voltaire – die Philosophen der „so genannten Aufklärung“. Sie hätten die ideologische Begründung für die Versklavung von schwarzen Menschen geliefert. Denn diese stünden ja – religiös wie ideologisch begründet – so die Philosophen, als Menschen auf der untersten Stufe, seien im Grunde ja gar keine Menschen.

Am Sonntag, den 23.08. findet der PAY DAY AFRICA 2020 eine Fortsetzung auf dem Kölner Neumarkt. Von 14:00 bis 18:00 Uhr soll dort eine stille Mahnwache in Gedenken an alle versklavte Menschen stattfinden.

Hintergrund

Bevor die Europäer*innen kamen, waren die Araber (fast alle männlich!) längst da: der Trans-Sahara-Sklavenhandel. Schätzungsweise wurden bereits bis zu 17 Millionen Afrikaner*innen in die arabische Sklaverei verkauft. Dann kamen die Europäer*innen, übernahmen die Sklavenhandelsstrukturen der Araber in Afrika und bauten diese aus. Ungefähr so könnte man die Entstehung des Transatlantischen Sklavenhandels der Europäer*innen mit wenigen Worten erklären. Also, vor dem Transatlantischen Sklavenhandel, gab es den Trans-Sahara-Sklavenhandel, der heute in verschiedenen Formen ungehindert fortgesetzt wird.

Vor 576 Jahren (1444) fand in Lagos, Portugal, die erste öffentliche Ausstellung und der Verkauf afrikanischer Sklaven statt. 1518 begann die erste direkte Verschiffung afrikanischer Sklaven nach Amerika. Die Sklavenhandel-Überseereise des Briten, John Hawkins, im Jahre 1562 markierten den Beginn des Transatlantischen Sklavenhandels in Großbritannien. Portugal und Großbritannien kontrollierten nicht weniger als 70 % der afrikanischen Sklaven, die nach Amerika verschifft wurden. Zwischen 1640 und 1807 wurde Großbritannien jedoch zum größten und mächtigsten Sklavenhändler der Welt.

1833 verabschiedete das britische Parlament den historischen ‚Slavery Abolition Act‘ (Gesetz über das Verbot des Sklavenhandels), das die Sklaverei in den meisten Kolonien des Britischen Empires abschaffte. Das Gesetz trat am 1. August 1834 in Kraft. Durch dieses Verbot regte sich bei Sklaven- und Plantagenbesitzern zunächst massiver Widerstand. So wurde eine Vereinbarung getroffen, um die Sklavenbesitzer zu entschädigen, die an dem Jahrhunderte praktiziertes kollektives Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu Profit Zwecken der Menschheit beteiligt waren: der Transatlantische Sklavenhandel.

Um das Entschädigungspaket für Sklavenhändler und Sklavenhalter in Höhe von 20 Millionen Pfund zu finanzieren, erhielt Großbritannien einen Kredit in Höhe von 15 Millionen Pfund von zwei der damals berühmtesten Banker Europas, Nathan Mayer Rothschild und Moses Montefiore: 5 Million Pfund stammte aus Eigenmitteln der britischen Regierung. Es ist wichtig, zu erwähnen, dass dieser Kredit einer der größten Kredite ist, die Großbritannien je aufgenommen hat; erst 2015 zahlte Großbritannien endlich diesen Kredit ab.

Das Gesamtvolumen des o. g. Entschädigungspakets machte etwa 40 % der gesamten Staatseinnahmen und 5 % des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus, etwa 145 bis 300 Milliarden Pfund, gemessen an heutigem Geldwert.
Kein einziger Pfennig wurde als Entschädigung an die Versklavten, an ihre Nachkommen oder/ und an Afrika ausgezahlt. Um der offenen Wunde noch Salz drauf zu streuen, halfen die Versklavten und ihre Nachkommen, die im Vereinigten Königreich und in anderen Ländern des gesamten Commonwealths lebten, direkt oder indirekt mit, den Kredit zurückzuzahlen. Dies geschah in Form von direkten Steuerzahlungen im Vereinigten Königreich, Kolonialsteuern sowie kolonialen Beuten von menschlichen und natürlichen Ressourcen und Schätzen. Aufgrund der oben dargelegten Hintergründe bzw. Umstände, hat das BÜNDNIS PAY DAY AFRICA beschlossen, diese historisch wichtige Veranstaltung in der Domstadt durchzuführen.

Auftaktveranstaltung am Samstag mit einer Mischung aus anspruchsvollen Musikbeiträgen und einer spannenden Podiumsdiskussion

Die samstägliche Auftaktveranstaltung des Zahltag Afrika 2020, die ich besuchte, bot eine interessante Mischung aus Redebeiträgen, Lesungen, Poetry und Live-Musik mit über 17 coolen und talentierten Acts. Am Rande waren Infopoints aufgebaut. Diverse Radiosender streamten die Veranstaltung live. Auch via Facebook und You Tube konnte das Event verfolgt werden. Ebenfalls übertragen wurde die zweistündige, interessante – nicht nur zurückblickende, sondern visionär in die Zukunft ausgerichtete Podiumsdiskussion. (Bitte schauen Sie das Video.)

Begonnen wurde Auftaktveranstaltung mit einer Zeremonie, wie sie in Afrika üblich ist. Bei der Zeremonie geht es darum der afrikanischen Ahnen und der Widerstandskämpfer und aller, die durch den Sklavenhandel und als Sklaven verstorben sind, zu gedenken Und aller zu gedenken, die durch den Kolonialismus gestorben sind. Wasser wurde auf den Bühnenboden gegossen, um die Verstorbenen teilhaben zu lasssen. Jeder auf der auf der Bühne versammelte Mensch sprach einen Namen dieser Widerstandskämpfer aus. Ihnen zu Ehren wurde eine Schweigeminute eingelegt.

Journalist Peter Donatus. Foto: C. Stille

Der Journalist Peter Donatus, einer der Organisatoren des PAY DAY AFRICA, machte zu Anfang der Veranstaltung klar, dass es angesichts des steigenden Rassismus und Antisemitismus im Lande kein aktuelleres Thema gebe. Donatus zum Rassismus: „Wir erleben das jeden Tag. Wir demonstrieren zu wenig. Es müsste eigentlich jeden Tag demonstriert werden.“

Aber eigentlich sei die Stimmung in der Gesellschaft doch so, stellte Donatus fest:

„Wir sollen die Geschichte der Sklaverei vergessen. Das sei doch schon über 400 Jahre her. Wir sollen nach vorne gucken. Aber wo ist Vorne?“

Die Zukunft werde doch blockiert durch die Gegenwart. Durch die Ausbeutung von Afrika. Durch Ausbeutung von Mensch und Natur in Afrika. Auch zu Finanzierung des Wohlstands hier in Deutschland und in Europa fuße darauf. Deutschland sei zwar Exportweltmeister. Aber der Wohlstand kommt nicht allein aus Deutschland heraus. Donatus gab zu Bedenken:

„Ohne Rohstoffe keine Arbeit. Ohne Rohstoffe keine Maschinen.“

Peter Donatus:

„Es kann nicht sein, dass 600 Jahre nach der brutalen Geschichte, dass wir immer noch darüber reden und darauf warten müssen, dass Deutschland und Europa zumindest sagt: I’am sorry. Was ist denn so schlimm daran?! Das hat man doch auch bei den jüdischen Schwestern und Brüdern gesagt“.

Serge Palasie. Foto: Stille

Serge Palasie (Eine Welt Netz NRW) antwortete Donatus, warum die Entschuldigung so schwer über die Lippen gehe: „Weil die Geld kosten könnte.“ (Für den ganzen Wortbeitrag schauen Sie bitte das Video.)

„Oury Jalloh, Oury Jalloh, Oury Jalloh – das war Mord!“

Foto: Peter Donatus

Bewegend auch der Auftritt von Mouctar Bah von der Oury Jalloh Initiative (zum Fall Oury Jalloh hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier mehr). Mouctar Bah war ein Freund von Oury Jalloh, der 2005 in Dessau in Polizeigewahrsam zu Tode gekommen war. Offenbar ermordet wurde. Denn wie sonst hätte Jalloh, gefesselt an Händen und Füssen, mit einem Feuerzeug seine Matratze angezündet haben können?

Zuvor empörte sich Peter Donatus: Es könne doch nicht sein, dass schwarze Menschen, wenn sie von der Polizei festgenommen würden, in deren Gewahrsam zu Tode kämen. Es wurde zusammen mit dem Publikum skandiert: „Oury Jalloh, Oury Jalloh, Oury Jalloh – das war Mord!“

Mukhtar Kamara skandalisierte, dass die Bundesregierung die von Deutschen im heutigen Namibia verübten Massaker an den Herero (80 Prozent von ihnen wurden brutal ausgerottet) und Nama zwar als Völkermord einstufe, sie jedoch daraus kein Anspruch auf Reparationen hergeleitet habe.

Erst vor Kurzem wurde gemeldet (hier in der Tagesschau), dass Namibias Regierung die inzwischen zehn Millionen als Wiedergutmachung gedachten Euro seitens Deutschlands für Verbrechen in der Kolonialzeit als „inakzeptabel“ ablehne. Grund ist dabei freilich nicht allein die Summe des angebotenen Geldes allein. Kamara machte deutlich, dass ein solches Verbrechen ohnehin – mit keinem Geld der Welt – wiedergutgemacht werden könne. Weshalb das Geld für Herero und Nama zunächst einmal zweitrangig sei. Mit ihnen sei ohnehin empörender Weise überhaupt nicht direkt verhandelt worden, sondern nur mit der namibischen Regierung. Was für die Herero und Nama freilich ein Affront darstellen musste. Die bundesdeutsche Regierung müsste zunächst einmal klipp und klar anerkennen, so forderte Kamara vehement, dass es sich bei der Vernichtung der Völker der Herero und Nama schlicht nicht – wie bislang behauptet – um „Kriegsfolgen“, sondern um ein Genozid gehandelt habe.

Interessante Podiumsdiskussion blickte nicht nur zurück auf die Vergangenheit, sondern es wurden auch visionäre Ideen aufgeworfen

Fraglos der Höhepunkt der Veranstaltung am Samstag war die gut zweistündige Podiumsdiskussion. Die Diskutanten blickten nämlich bei weitem nicht nur in die Vergangenheit zurück – was zwar wichtig ist, um die Gegenwart zu

Die Diskussionsrunde. Von llinks: Peter Donatus, Sista Oloruntoyin, Isabel Haase, Mirta Junco Wambrug, Mukhtar Kamara, Serge Palasie und Matilda theeGreat.    Foto; Stille

verstehen – sondern wagten auch visionäre Blicke in die Zukunft. Etwa brachte Mukhtar Kamara brachte etwa seine Gedanken zu Vereinigten Staaten von Afrika, die Idee des Panafrikanismus, in die Diskussion ein. Was heute zwar noch sehr utopisch klingt, könne allerdings in Zukunft verhindern, dass einzelne afrikanische Staaten etwa von der EU untereinander ausgespielt werden. Es könne doch nicht sein, dass die EU mittels so genannter Freihandels- bzw. Partnerschaftsabkommen (EPA) durchsetze, dass sie ihre Produkte in die afrikanische Staaten liefern dürfe, diese aber in vielfacher Hinsicht daran gehindert werden, selbiges betreffs der EU zu tun. Auch der Abhängigkeit über den CFA-Franc (hier ein Beitrag der Deutsche Welle dazu) der einstigen aus französischen Kolonien hervorgegangenen afrikanischen Staaten von Frankreich müsse endlich ein Ende gemacht werden. Hierzu noch ein älterer Beitrag von mir.,

Gesprochen wurde auch darüber, was getan werden könnte, um etwas gegen Zwangsprostitution zu tun. Nicht wenige junge Afrikanerinnen werden nämlich in die EU und auch noch Deutschland gelockt, um hier – dazu gepresst – in der Prostitution zu arbeiten. Dazu leistete kompetent auch die Juristin Sista Oloruntoyin aus Hamburg einen Diskussionsbeitrag.

Schauen Sie, lieber Leser*innen das über siebenstündige Video, welches auch die Podiumsdiskussion enthält.

Die gut organisierte Veranstaltung setzte Akzente und gab sicherlich Impulse. Versöhnung wurde großgeschrieben, aber auch über Reparationen gesprochen.

Alle Künstler*innen und viele Mitwirkenden haben auf ihre berechtigten Gagen und Honorare verzichtet.

Den Beitrag mit meiner Vorberichterstattung zu PAY DAY AFRICA 2020 finden Sie hier.

Hier eine kleine Fotostrecke zum PAY DAY AFRICA 2020 am Köln-Deutzer Rheinufer

Zeremonie für die afrikanischen Ahnen.

Stets zum Kampf für die Rechte fest entschlossen. Foto: C. Stille

Die Ladys verfolgen die Veranstaltung.

Bei mitreißender Musik. Foto: Stille

„Was wäre Deutschland ohne uns? Nichts!“

Foto: Klaus Brönies

Foto: Klaus Brönies

Foto: Klaus Brönies

Foto: Klaus Brönies

Foto Klaus Brönies

Matilda thee Great, kosmopolitische Südafrikanerin mit Sitz in Berlin. Künstlerin, Dichterin und Aktivistin. Gedichtband: „THE FOREIGN ME!“

PAY DAY AFRICA 2020 am Wochenende in Köln: Zentrale Anliegen dieses Events: die Ehrung aller Opfer des Transatlantischen Sklavenhandels und die Schaffung des allgemeinen Bewusstseins für die Sklaverei

Eine wichtige Veranstaltung, der PAY DAY AFRICA 2020, wird am kommenden Wochenende, am 22. und 23. August 2020 in Köln stattfinden.

Pressemitteilung der Organisatoren vom Bündnis Pay Day Africa

Nun ist es endlich so weit! Das Event findet statt, trotz Corona!

Anlässlich des INTERNATIONALEN TAGES DER ERINNERUNG AN SKLAVENHANDEL UND DESSEN ABSCHAFFUNG – auch WELTTAG GEGEN SKLAVENHANDEL genannt, organisiert das Bündnis ‚Pay Day Africa‘ ein historisch wichtiges, gesellschaftspolitisches Non-Profit-Event in Köln vom Samstag, 22. bis Sonntag, 23. August, 2020.

Titel des Events: PAY DAY AFRICA 2020 (zu Deutsch: ZAHLTAG AFRIKA 2020)

Der Veranstalter ist das BÜNDNIS PAY DAY AFRICA, ein Bündnis diverser afrikanischer und nichtafrikanischer Vereine, Initiativen, Aktivist*innen und Künstler*innen quer durch die Republik: Africa Committee Cologne (ein Bündnis Kölner Aktivist*innen und Künstler*innen aus Afrika), die Urbane. Eine HipHop Partei, Mutualité Bosangani e.V., United Africa Germany, African/Black Community Berlin, Jàppoo NRW e.V., Oury Jalloh Initiative, und vielen mehr.

Ehrung aller Opfer des Transatlantischen Sklavenhandels und die Schaffung des allgemeinen Bewusstseins für die Sklaverei

Zentrale Anliegen dieses Events sind: die Ehrung aller Opfer des Transatlantischen Sklavenhandels und die Schaffung des allgemeinen Bewusstseins für die Sklaverei – die bekanntlich als das abscheulichste Verbrechen gegen die Menschlichkeit gilt. Doch noch wichtiger ist, auch Gerechtigkeit in Form der längst überfälligen Reparationen zu fordern.

Das zweitägige Event bietet ein buntes Programm von Aktivitäten, die von feierlicher Mahnwache, multimedialer Podiumsdiskussion, Poetry Slam, Lesungen, Live-Musik, Info-Points, Getränken bis hin zu Live-Graffiti-Acts usw. reichen.

PROGRAMM (Kurzfassung)**

** Details zu den einzelnen Aktivitäten werden hier und über anderen Medien publikgemacht und regelmässig aktualisiert

SAMSTAG, 22. AUGUST, 2020

Uhrzeit: 13 bis 21 Uhr
Einlass: 12 Uhr / Beginn:

Location: Köln, Deutzer Werft am Rheinufer

Aktivitäten

Redebeiträge / Lesungen / Poetry / Infopoints
Live-Musik (über 17 coole und talentierte Acts) / Dance

Podiumsdiskussion [17 bis 19 Uhr]:
Die zweistündige multimediale Podiumsdiskussion wird auch live über diverse Radiosender bundesweit und via YouTube und Facebook gestreamt.

** Künstlerinfos, sowie Informationen über Redner*innen, Dichter*innen, Erzähler*innen, Podiumsteilnehmer*innen und über unsere Medienpartner können unseren täglichen NEWSLETTER entnommen werden

Alle Künstler*innen und viele Mitwirkenden haben auf ihre berechtigten Gagen und Honorare verzichtet.

SONNTAG, 23. AUGUST, 2020

Uhrzeit: 14 bis 18 Uhr

Location: Köln, Neumarkt

Aktivitäten

Stille Mahnwache + Graffiti-Acts

CORONA-HINWEISE (bitte beachten!):

Aufgrund der sich ändernden und unsicheren Lage der Coronavirus-Pandemie, behalten sich die Organisator*innen das Recht vor, die

Teilnehmer*innen-Zahl der jeweiligen Aktivitäten zu beschränken und bestimmte Hygienemaßnahmen zu ergreifen, wie es in Gesetzen, Vorschriften und nach gesundem Menschenverstand vorgesehen ist.

In diesem Zusammenhang arbeiten wir sowohl mit den Ordnungs- und Gesundheitsämtern als auch mit der Polizei, den Rettungsdiensten und privaten Ordner*innen zusammen.

Folgende Hygienemassnahmen sind geplant, wie es in Gesetzen, Vorschriften vorgesehen ist, aber auch gemäß gesunden Menschenverstands:

 Corona-bedingt behalten wir uns das Recht vor, die Teilnehmer*innen-Zahl der jeweiligen Aktivitäten zu beschränken,
 Alle Aktivitäten im Zusammenhang mit dem o. g. Event finden in einem durch Absperrgitter umzäunten Bereichen statt,
 Die Kundgebung ist zwar für alle eintrittsfrei zugänglich, es wird jedoch Einlasskontrollen geben, um die Einhaltung der Corona-Vorschriften festzustellen bzw. zu forcieren.
 Nur Teilnehmende mit Mund-Nasen-Schutzmasken werden reingelassen. Pay Day Africa-Masken sind gegen Zahlung eines kleinen solidarischen Beitrags (kein Kommerz!) direkt vor Ort erhältlich,
 Alle Teilnehmenden werden beim Einlass registriert (Name, Adresse, Telefonnummer, Email-Adresse, Zeit des Betretens und des Verlassens). Zweck dieser behördlichen Vorschrift ist die Nachverfolgung möglicher Infektionsketten
 1,5m-Corona-Abstand ist auf jeden Fall einzuhalten
 Desinfektionsmittel werden in den Ein- und Ausgangsbereichen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.
 Leider wird es kein Essensstand geben, dafür aber einen Getränke-Stand der Crew von Nachtigall (Köln-Ehrenfeld), selbst Teil des Bündnisses Pay Day Africa

HINTERGRUND

Das Bündnis Pay Day Africa 2020 hat sich kurzfristig entschieden, dieses Event doch an diesen historisch wichtigen Tagen durchzuführen, trotz der Corona-Pandemie. Denn: wir hatten bereits Anfang des Jahres die Entscheidung getroffen, die Veranstaltung an den genannten Tagen durchzuführen. Dann kam Corona! Aufgrund der gelockerten Corona-Beschränkungen, sind wir nun in der Lage, eine solche Veranstaltung zu stemmen, selbstverständlich unter Berücksichtigung der geltenden Corona-Regelungen.

Die geplante Veranstaltung wird zugegebenermaßen insbesondere durch den Mord an dem Schwarzen US-Amerikaner, George Floyd, angeheizt, aber auch durch die daraus resultierte massive Debatten über Sklaverei, Kolonialismus, Koloniale Kontinuität und systemischen Rassismus und Intersektionaliät.

Der Mord an dem Schwarz-Amerikaner George Floyd am 25. Mai 2020 durch vier weiße Polizisten in Minneapolis (USA) hat nicht nur massive Debatten über systemischen Rassismus in den USA und Europa angeheizt, sondern auch die offenen Wunden der Sklaverei und die grausame und ausbeuterische koloniale Vergangenheit und ihre Kontinuität wieder ans Licht gebracht – ausgerechnet am 25. Mai, am Africa-Befreiungstag (African Liberation Day)

Es war der Aufstand gegen die europäische Sklavenwirtschaft durch afrikanische Sklaven in Saint-Domingue (heute Haiti) in der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791, der den Weg für die Abschaffung des Transatlantischen Sklavenhandels ebnete. Dem zufolge erklärte die UNESCO 1997 den 23. August eines jeden Jahres zum INTERNATIONALEN TAG DER ERINNERUNG AN SKLAVENHANDEL UND DESSEN ABSCHAFFUNG – auch WELTTAG GEGEN SKLAVENHANDEL genannt.

Bevor die Europäer*innen kamen, waren die Araber (fast alle männlich!) längst da: der Trans-Sahara-Sklavenhandel. Schätzungsweise wurden bereits bis zu 17 Millionen Afrikaner*innen in die arabische Sklaverei verkauft. Dann kamen die Europäer*innen, übernahmen die Sklavenhandelsstrukturen der Araber in Afrika und bauten diese aus. Ungefähr so könnte man die Entstehung des Transatlantischen Sklavenhandels der Europäer*innen mit wenigen Worten erklären. Also, vor dem Transatlantischen Sklavenhandel, gab es den Trans-Sahara-Sklavenhandel, der heute in verschiedenen Formen ungehindert fortgesetzt wird.

Vor 576 Jahren (1444) fand in Lagos, Portugal, die erste öffentliche Ausstellung und der Verkauf afrikanischer Sklaven statt. 1518 begann die erste direkte Verschiffung afrikanischer Sklaven nach Amerika. Die Sklavenhandel-Überseereise des Briten, John Hawkins, im Jahre 1562 markierten den Beginn des Transatlantischen Sklavenhandels in Großbritannien. Portugal und Großbritannien kontrollierten nicht weniger als 70 % der afrikanischen Sklaven, die nach Amerika verschifft wurden. Zwischen 1640 und 1807 wurde Großbritannien jedoch zum größten und mächtigsten Sklavenhändler der Welt.

1833 verabschiedete das britische Parlament den historischen ‚Slavery Abolition Act‘ (Gesetz über das Verbot des Sklavenhandels), das die Sklaverei in den meisten Kolonien des Britischen Empires abschaffte. Das Gesetz trat am 1. August 1834 in Kraft. Durch dieses Verbot regte sich bei Sklaven- und Plantagenbesitzern zunächst massiver Widerstand. So wurde eine Vereinbarung getroffen, um die Sklavenbesitzer zu entschädigen, die an dem Jahrhunderte praktiziertes kollektives Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu Profit Zwecken der Menschheit beteiligt waren: der Transatlantische Sklavenhandel.

Um das Entschädigungspaket für Sklavenhändler und Sklavenhalter in Höhe von 20 Millionen Pfund zu finanzieren, erhielt Großbritannien einen Kredit in Höhe von 15 Millionen Pfund von zwei der damals berühmtesten Banker Europas, Nathan Mayer Rothschild und Moses Montefiore: 5 Million Pfund stammte aus Eigenmitteln der britischen Regierung. Es ist wichtig, zu erwähnen, dass dieser Kredit einer der größten Kredite ist, die Großbritannien je aufgenommen hat; erst 2015 zahlte Großbritannien endlich diesen Kredit ab.

Das Gesamtvolumen des o. g. Entschädigungspakets machte etwa 40 % der gesamten Staatseinnahmen und 5 % des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus, etwa 145 bis 300 Milliarden Pfund, gemessen an heutigem Geldwert.
Kein einziger Pfennig wurde als Entschädigung an die Versklavten, an ihre Nachkommen oder/ und an Afrika ausgezahlt. Um der offenen Wunde noch Salz drauf zu streuen, halfen die Versklavten und ihre Nachkommen, die im Vereinigten Königreich und in anderen Ländern des gesamten Commonwealths lebten, direkt oder indirekt mit, den Kredit zurückzuzahlen. Dies geschah in Form von direkten Steuerzahlungen im Vereinigten Königreich, Kolonialsteuern sowie kolonialen Beuten von menschlichen und natürlichen Ressourcen und Schätzen.

Aufgrund der oben dargelegten Hintergründe bzw. Umstände, hat das BÜNDNIS PAY DAY AFRICA beschlossen, diese historisch wichtige Veranstaltung in der Domstadt durchzuführen.

Der Eintritt ist frei.

DIE #DEUTSCHEN #KOLONIALFRAUEN

Fakten, die in den gängigen Geschichts-Unterrichtsbüchern sehr schwer zu finden sind, wenn überhaupt ….?

Extrakt aus der Publikation:

DIE DEUTSCHE FRAU IM #KOLONIALISMUS“ [Gudrun Eickelberg / DerElefant! e.V. Bremen 2012]

Im April 1888 wurde der erste koloniale Verein für Frauen in Deutschland gegründet, der „Deutsche Frauenverein für Krankenpflege in den Kolonien.“ Bei den zu pflegenden Kranken handelte es sich um deutsche Militärangehörige und deutsche Siedler in den Kolonien. Der 1908 von Adda von Liliencron gegründete Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft hatte sich als Ziel, die Festigung der Bande zwischen Kolonien und Heimat und der Verbreitung des kolonialen Gedankens gesetzt. Beide Vereine verbreiteten ihre Ansichten und Informationen in der Zeitschrift„Kolonie und Heimat“. Dort wurde auch über die Möglichkeit des Besuchs einer Kolonialen Frauenschule berichtet.

Solche Schulen gab es in Witzenhausen, Carthaus und Bad Weilbach. Sie dienten der Ausbildung zur Vorbereitung auf ein Leben in den Kolonien, ebenso wie die Lehrfarm von Frau von Falkenhausen in Brakwater, Südwestafrika. Die in den kolonialen Frauenvereinen engagierten Frauen stammten überwiegend aus dem gebildeten Bürgertum, aus Soldaten-, Unternehmer- und Beamtenfamilien. So auch Frieda von Bülow, die einer angesehenen Soldatenfamilie angehörte. Sie ging nach Ostafrika um dort die ersten Pflegestationen zu gründen und schrieb für die Zeitung „Die Frau“ eine Artikelserie über das Leben deutscher Hausfrauen in Ostafrika.

Aus einer Unternehmerfamilie stammte Hedwig Heyl. Obwohl sie sich sehr für die Bildung und die Rechte von Frauen einsetzte, war sie eine überzeugte Nationalsozialistin und Rassistin. Anna Gräfin von Zech begleitete ihren Ehemann, einen Unternehmer, in mehrere Kolonien und leitete nach dem Tod ihres Mannes die Deutsche Kolonialfrauenschule in Witzenhausen. Auch Ada Adeline Schnee, Ehefrau des Gouverneurs der Kolonie Ostafrika, machte von sich reden. Sie schrieb ein Buch über ihre Erlebnisse in Ostafrika und erhielt für „ihr hervorragendes Wirken auf dem Gebiete des Kolonial- und Auslandsdeutschtums“ den Luisenorden.

Der Grundgedanke, dem die Gründung der Kolonialfrauenschulen unterlag, war, die Kolonien auch innerlich deutsch werden zu lassen. Es kam in den deutschen Kolonien Anfang des 20. Jahrhunderts nur eine Frau auf 6 bis 9 Männer. Im Deutschen Reich hingegen herrschte „Frauenüberschuss“. Was lag da näher als einen Ausgleich zu schaffen. In den Kolonialfrauenschulen sollte geeignete junge Frauen auf ihre Aufgaben in den Kolonien vorbereitet werden. Dabei spielten auch durchaus emanzipatorische Aspekte eine Rolle, jedoch eben auch rassistische, koloniale und nationalistische. Es wurden Verbindungen zwischen der bürgerlichen Frauenbewegung und der Kolonialbewegung geknüpft.

Die Kolonialfrauenschulen rekrutierten ihre Schülerinnen überwiegend aus dem gebildeten Bürgertum und dem Adel. Die Frauen sollten darauf vorbereitet werden, in den Kolonien entweder als Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen oder Krankenpflegerinnen zu arbeiten oder eine Farm zu bewirtschaften. In erster Linie sollten sie aber deutsche Männer heiraten und so für geordnete Verhältnisse in den Kolonien sorgen. Deutsche Frauen sollten die Männer davor bewahren, auf eine den Eingeborenen nahe Stufe herabzusinken. Dafür schienen Mädchen aus „besseren“ Kreisen mit ihrer bürgerlichen Überlegenheit und ihrer weiblichen Selbstlosigkeit am besten geeignet zu sein.

„Die Frau in den Kolonien muss sein der treue Kamerad, die verständnisvolle Gehilfin des Mannes, die Schulter an Schulter mit ihm wirkt und schafft und die, wenn die Umstände es erfordern, ihn auch vertreten kann in der Leitung oder Überwachung eines großen Farmbetriebes.“ So Anna Gräfin von Zech, Schulleiterin in Witzenhausen.

Eine wahrhaft partnerschaftliche Rolle, die den Frauen in Deutschland meist nicht beschieden war. Eine weitere Aufgabe, die den künftigen Kolonialistinnen zufiel, war die der Trägerin deutscher Kultur. Sie sollten den deutschen Siedlern ein „deutsches Heim“ schaffen mit all den deutschen Tugenden wie Ordnung, Disziplin und Sauberkeit. Nicht zuletzt aber sollte sie weißen Nachwuchs gebären.

Was in Deutschland als großes Problem der Kolonien betrachtet wurde, war das Anwachsen der „Mischlings!“-Bevölkerung. Die aus Ehen zwischen deutschen Männern und Frauen der Kolonialbevölkerung hervorgegangenen Kinder und ihre Mütter waren automatisch deutsche Staatsbürger mit allen damit verbundenen Rechten und Möglichkeiten. Sie hatten Erbansprüche und Zugang zu Erziehungsgeld. Diese Rechte wurden im Deutschen Reich durchaus anerkannt, aber die Verwaltung in den Kolonien boykottierte entsprechende Direktiven aus Berlin.

Aber auch die Siedler brauchten „klare Grenzen zwischen den Rassen als Grundlage des politischen Machtanspruchs und des kulturellen Überlegenheitsgefühls.Für den Präses der Rheinischen Missionsgesellschaft im Namaland, Carl Wandres, waren „Mischehen geradezu unmoralisch, für das Deutschtum ein Schlag ins Gesicht“ und „die Erzeugung der ‚Mischlinge!‘ (…) eine Gefahr für unser Land“. So sahen es auch zahlreiche prominente Siedlerfrauen in der Kolonie, welche die Legitimierung von „Mischehen!“ als Gleichstellung mit lokalen Frauen und damit als „Herabwürdigung der weißen Frau“ begriffen.

Ein Versuch das Problem zu beheben, waren das Mischehenverbot. Dabei kamen Mischehen nur in Südwestafrika und Samoa in signifikanter Zahl vor (in Deutsch-Südwestafrika wurden bis 1903 42 bikontinentale Eheschließungen verzeichnet) und auch nur zwischen deutschen Männern und einheimischen Frauen. „Der umgekehrte Fall, dass eine weiße Frau einen Farbigen geheiratet hätte, ist wohl in Deutschland, in den Schutzgebieten selbst aber nicht vorgekommen.

Mit dem Mischehenverbot war zwar die politische Gefahr gebannt, aber nicht das rassistische Problem der ‚Mischlings!‘-Kinder. 99 % aller ‚Mischlinge!‘ in den Kolonien entstammten nämlich einer illegitimen Verbindung.

Die Anzahl dieser Kinder stieg von 1112 im Jahre 1908 auf 1746 im Jahre 1913. Diese Zahlen bestätigen lediglich, was zum Alltagswissen der Siedlergesellschaft gehörte, nämlich das sexuelle Beziehungen, ob in „wilden Ehen“ bzw. in Konkubinaten, ob in Form einer Liaison oder auch in Form – zunehmend häufiger werdender – Vergewaltigungen, an der Tagesordnung waren. Der Hintergrund für die große Zahl an „Mischlings!“-Kindern mit deutschen Vätern war in den Augen der Deutschen jedoch das unzureichende „Angebot“ an weißen Frauen in den Kolonien. Das war insbesondere in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika der Fall.

Wegen des Krieges ab 1904 kamen auch immer mehr Soldaten in die Kolonie. Diese lebten häufig mit einheimischen Frauen in „wilder Ehe“. Dazu der Ansiedlerkommissar Paul Rohrbach: „Wie alle unverheirateten Aussiedler hat (…) sein Hereroweib als Tisch- und Bettgenossin. Das ist hier so selbstverständlich wie Essen und Trinken, die weißen Wanderhändler machen es ebenso, die Soldaten auf den großen und kleinen Stationen nicht minder. (…) Hier liegt die Wurzel tiefer Schäden für die Zukunft.“

Die Verwaltung sah sich veranlasst, immer schärfer werdende diskriminierende Reglementierungen und Auflagen einzuführen. So wurden die weißen Männer, die in der Verwaltung arbeiteten und eine Mischehe führten entlassen, aus Vereinen ausgeschlossen und ihre Kinder der Schule verwiesen.

Nach dem niedergeschlagenen Befreiungskampf der Herero im Jahr 1908 wurde der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft gegründet, der sich die Förderung der Auswanderung deutscher Frauen in die deutschen Kolonien, besonders nach Deutsch-Südwestafrika, zur Aufgabe machte.

Bereits 1898 waren deutsche Frauen über das Fraueneinwanderungsprogramm nach Südwestafrika gereist. 1899 folgte eine weitere Schar an potentiellen Bräuten, im folgenden Jahr eine weitere. In Südwestafrika sprach man von „Weihnachtskisten“. Ledige deutsche Farmer lud man im Schutzgebiet regelmäßig zu Kaffee-Kränzchen in den Einrichtungen des Frauenbundes ein, um dort „Brautschau“ zu inszenieren. Während strenge Moralmaßstäbe bei den eingereisten Mädchen angelegt wurden, die sittlich einwandfrei und wirtschaftlich tüchtig sein sollten, kümmerte sich niemand um das Niveau der raubeinigen Farmerfreier, die keineswegs den besten Ruf genossen und hier „leichte Beute“ vorfanden.

Der Heiratsmarkt wurde vielen ahnungslosen Geschöpfen zur trostlosen Falle in der Einöde, aus der es kein Entrinnen mehr gab. Anfang 1911 waren von den zwischen Oktober 1907 und Mai 1910 vermittelten 158 Frauen 54 verheiratet, drei nach Kapstadt verzogen und sieben nach Deutschland zurückgekehrt. Bei sechs Frauen war der Verbleib unbekannt, 88 befanden sich noch in Anstellung, meistens als Dienstmädchen. Als Dienstmädchen im Deutschen Reich führte man seinerzeit ein rechtsloses Leben, wurde ausgebeutet und diskriminiert. In den Kolonien war man allein aufgrund der Hautfarbe in einer sozial besseren Position. Die niedrigsten Arbeiten wurden außerdem von der einheimischen Bevölkerung verrichtet.

Dazu Clara Brockmann:

„Das Bewusstsein, in dem damals noch recht frauenarmen Lande mit Freude begrüßt zu werden, steigerte von vornherein das Gefühl der persönlichen Wertschätzung…“

Einigen gelang der Aufstieg in die Selbständigkeit als Schneiderin, Caféhausbesitzerin, Wäscherin oder Weißnäherin. Die meisten erlangten den sozialen Aufstieg allerdings durch Heirat. Der Großteil der weißen Frauen in Südwestafrika kam über die Deutsche Kolonialgesellschaft oder ihren Frauenbund ins Land. Rund 80 % der anderen waren evangelische Missionarinnen, Missionsangestellte oder katholische Nonnen. Die Arbeit der Frauen in den Missionen findet in den missionsgeschichtlichen Darstellungen nur wenig Berücksichtigung. Die Arbeit der Männer wurde stets als wichtiger wahrgenommen. „Das Hauptaugenmerk wurde auf die Arbeit des Mannes gerichtet, der Frauenarbeit eine Nebenrolle zugewiesen – wobei der Aspekt des Helfens in den Vordergrund gerückt wurde. Ihre Arbeit war als Zusatz, war marginal gedacht (…).“ Zudem hinterließen diese Frauen nur wenige schriftliche Zeugnisse ihrer Arbeit.

(…)

An der Spitze der Hierarchie unter den Frauen in den Kolonien standen die Frauen aus den höheren gesellschaftlichen Kreisen. Sie waren finanziell abgesichert, gebildet und auf Kolonial-Haushaltsschulen auf ihre Aufgaben vorbereitet worden. Dabei stand nicht das Können im Mittelpunkt, sondern das Sein.

„Nicht im freien, burschikosen Wesen soll ihre Tatkraft sich äußern, sondern in echter Weiblichkeit soll sie dem neuen Deutschland über dem Meere den Stempel ihrer Wesensart aufdrücken, nicht bloß streben und arbeiten soll sie draußen, sondern sie soll sein, beseelt vom Geiste echten Christentums, eine Hohepriesterin deutscher Zucht und Sitte, die Trägerin deutscher Kultur, ein Segen dem fernen Lande: Deutsche Frauen, deutsche Ehre, deutsche Treue über’m Meere.“

Die erste Aufgabe der deutschen Frauen in den Kolonien war damit klar festgelegt: das Verbreiten des Deutschtums unter Vernichtung einheimischer Kultur, Gebräuche und Sitten. Das Bild, das sich die kolonialen Siedler gerne gaben, war das des fleißigen und soliden deutschen Menschen. Doch gleichzeitig war der Alkoholkonsum hoch, vor allem der „Sektverzehr“. Denn auch die Frauen hatten ihren Spaß an den zahlreichen Festen.

„Es ging sehr lustig (…) zu; das Bier floß in Strömen und manche Gäste waren schon beim Essen sehr munter. Ein ‚N-Wort‘-Junge kam herein mit dem Nachtisch, einer schönen Torte mit Schlagsahne. Einer der wilden Farmer stand auf und stülpte ihm diese über den Kopf. Da war der Jubel groß, und auch ich lachte Tränen.“ So Lydia Höpker.

Die deutsch-nationale Gesinnung der kolonialen Frauen äußerte sich nicht nur in der Begeisterung für deutsche Ordnung und Sauberkeit. Auch sie rechtfertigten Vergewaltigung und Ausrottung der nach Freiheit strebenden Völker in den Kolonialkriegen ebenso wie Kasernierung, Gettoisierung und Versklavung der Überlebenden.

Ada Cramer aus Südwestafrika:

„Das Land ist über Erwarten schön und fruchtbar. (…) Davon, dass vor wenigen Jahren ein zahlreiches Volk das Land bewohnte, war nicht mehr das Geringste zu spüren.“

(…)

Hinweis: Mehrere freie Radios werden über die Veranstaltung berichten bzw. live streamen

Halle (Saale) Schaltet Live Nach Köln.

Denn:

RADIO CORAX Halle (Saale) überträgt unsere Podiumsdiskussion am kommenden Samstag (22.08., Köln) live.

An allen Ecken und Enden, alle sollen wissen.

Die friedliche Kampagne heisst #PayDayAfrica, beginnend mit einem spannenden historischen Edutainment-Event in der Domstadt am Rhein.

Die Entscheidung ist getroffen: Auch Campus Radio (Uni zu Köln) wird unsere Podiumsdiskussion am kommenden Samstag (22.08.2020) live übertragen.

Radio Unerhört Marburg überträgt unsere Podiumsdiskussion am kommenden Samstag (22.08.2020) live.

Hinsichtlich technischer Realisierung der Live-Übertragung, unterstützt Radio Unerhört Marburg uns sowohl technisch als auch personell.

Wir danken dem Marburger Radioteam, insbesondere Oleander und Heike.

*****************************

Technische Einzelheiten für alle Radiomachende, die sich schon entschieden haben, unsere Podiumsdiskussion live zu übertragen, aber auch für die, die noch nicht entschieden haben.

BEGINN DER ÜBERTRAGUNG AN EURE STUDIOS: Samstag, 22.08.2020 um 16:00 Uhr

BEGINN DER PODIUMSDISKUSSION: Samstag, 22.08.2020 um 17:00 Uhr

ENDE DER PODIUMSDISKUSSION UND DER ÜBERTRAGUNG: Samstag, 22.08.2020 um 19:00 Uhr

Zur Übernahme sehen wir derzeit zwei Übertragungswege vor:

a)

Standard HTTP Streaming (Icecast 2, nicht HLS)

b)

SIP / EBU Audio Contribution over IP (ACIP, Tech 3326 + 3368)

In beiden Fällen ist der Opus Codec konfiguriert mit zwei Kanälen (Stereo), einer Sampling-Rate von 48 kHz und einer

durchschnittlichen Bandbreite von 96 kbit/s vorgesehen.

Solltet Ihr Euch für a) Standard HTTP Streaming entscheiden, dann ruf bitte nach Beginn der Übertragung folgende URL in Eurem Codec / Eurer Ausspielsoftware auf:

http://pda.radiomarimba.de:8000/pda.ogg

Wünscht Ihr eine Übernahme mittels b) SIP / EBU Audio Contribution over IP, teilt Ihr uns bitte bis 20.08.2020, 00:00 Uhr die SIP URI / Adresse Eures Studios mit. Wir werden Euch dann mit Beginn der Übertragung

anrufen.

Wir akzeptieren nur die Signalisierung eines einzelnen Media-Streams sodass Euer Codec / User-Agent keine Recovery auf eine Stream-Replication unterstützen muss, sollte es zu Verbindungsproblemen am Veranstaltungsort kommen. Stattdessen rufen wir Euer Studio von einem Ort mit stabiler Leitung aus an.

Sollte keiner der vorgesehenen Übertragungswege für Euch in Frage

kommen und Ihr eine andere Technologie benötigt, teilt Ihr uns dies

bitte zeitnah mit.

Friedensfabrik Wanfried schlägt Einrichtung von Wahrheits- und Versöhnungskommissionen für die afrikanisch-europäischen Beziehungen vor. Workshops am kommenden Samstag in Wanfried

Die Wurzeln des Rassismus wurden im Sklavenhandel und der Kolonialzeit gepflanzt. ​Wir schlagen die Einrichtung von Wahrheits- und Versöhnungskommissionen für die afrikanisch-europäischen Beziehungen vor, gemeinsam getragen von Afrikaner*innen und Deutschen und Europäer*innen.

 

Afrika kann nicht mehr atmen – Was tun?

​​Die Wurzeln des Rassismus wurden im Sklavenhandel und der Kolonialzeit gepflanzt.
Mit dieser Seite wollen wir die Menschen zusammenrufen, die für gerechte, friedliche und solidarische Beziehungen zwischen Afrika und Europa eintreten und helfen wollen, Rassismus zu überwinden. Wir werfen mit unseren Videos einige Schlaglichter auf die afrikanisch-europäischen und v.a. afrikanisch-deutschen Beziehungen in der Vergangenheit und heute. Damit wollen wir die Aufarbeitung anregen. Wir sind dankbar für Komment
  Von der„Initiative Black&White“ und der „FriedensFabrik Wanfried“ schlagen wir angesichts des Todes von George Floyd und dem Ringen um die Überwindung von Rassismus die Einrichtung  von Wahrheits- und Versöhnungskommissionen zu den afrikanisch-europäischen Beziehungen vor. Die Stärkung des Wissen über die Zeit des europäischen Sklavenhandels und der gewaltsamen Unterwerfung Afrikas halten wir für nötig: Dort liegen die Wurzeln für den “weißen“ Rassismus gegenüber dunkelhäutigen Menschen. Rassismus wurde von europäischen Interessengruppen geschürt, die an den Reichtümern Afrikas interessiert waren und davon profitieren wollten. Er diente zur Rechtfertigung der Versklavung von Afrikanern und der Eroberung Afrikas. Mit der Verbreitung von Rassismus mobilisierten die Interessengruppen die Bereitschaft der Bevölkerungen in Europa, die wirtschaftlichen und Macht-Interessen von Unternehmen und Monarchen in Afrika durchzusetzen. Es war auch ein Betrug an den europäischen Bevölkerungen, die mangels eigenen Wissens über die Kulturen Afrikas das Verbreiten von „Fake News“ über die angeblich weniger zivilisierten Menschen in Afrika nicht durchschauen konnten; genauswenig, wie die Interessen der Leute, die sie verbreiteten.
Zu der Aufarbeitung der Geschichte gehört das Erforschen vieler Dokumente, aber vor allem auch die Berichte der Menschen, die selbst oder deren Verwandte versklavt worden sind oder deren Länder erobert und ausgebeutet worden sind. Und es gehören Die Sichtweisen derer dazu, die heute noch unter den Vorurteilen gegen dunkelhäutige Menschen leiden
Die Idee, Wahrheits- und Versöhnungskommissionen einzurichten, stammt nicht von uns. Der „Africareport“ hat sie jetzt eingebracht; wir greifen sie auf und wollen dazu beitragen, dass sie umgesetzt wird.

 

​​Diskussion:

 

​​​Diskutiert werden sollte vor diesem Wissen über die Geschehnisse in den vergangenen Jahrhunderten vor allem auch, ob es bereits wirklich zu einer grundlegenden Veränderung des Charakters der Beziehungen zwischen Europa und Afrika gekommen ist; ob sie der 1945 beschlossenen UNO-Charta entsprechen: Sie fordert gleiche Sicherheit und Selbstbestimmung für alle Staaten. Sie fordert Gewalt und Krieg von der Welt zu verbannen und alle Konflikte friedlich zu lösen. Sie fordert, freundschaftliche Beziehungen zwischen den Menschen aller Länder zu fördern. Sie fordert die Zusammenarbeit aller Staaten, damit weltweit alle Menschen soziale Sicherheit und Arbeit haben. Oder sind die Beziehungen nicht immer noch von Gewalt (Libyenkrieg) und Ausbeutung (Rohstoffe, Steuervermeidung, Kinderarbeit) und Ungerechtigkeit (Klimawandel, Landwirtschaftssubventionen,

Freihandelszwang) bestimmt? Von der rücksichtslosen Durchsetzung der Interesse der wirtschaftlich und militärisch Stärkeren?

Ziel der afrikanisch-europäischen Diskussion sollte es sein, Wege zu finden zu neuen Beziehungen, zu gleichberechtigten, friedlichen und solidarischen Beziehungen; zu Beziehungen, die den Geist der UNO-Charta, der Menschenrechtserklärung (und des Grundgesetzes) atmen und jedem Menschen unabhängig von seiner Hautfarbe das Menschenrecht auf ein menschenwürdiges Leben sichern helfen.
Wir schlagen den europäischen und afrikanischen Staaten vor, diese Kommissionen einzurichten und auf EU und AU-Ebene zu vernetzen. In ihnen sollen Sozialwissenschaftler, Historiker, Nicht-Regierungs-Organisationen, Aktivisten, Prominente und Politiker von beiden Kontinenten mitwirken, denen die Gestaltung gerechter Beziehungen zwischen Afrika und Europa ein Herzensanliegen ist. Mit solchen Kommissionen, die globale Rechtsstaatlichkeit einfordern und praktizieren, könnten Europa und Afrika in den chaotischen und immer noch vom „Recht des Stärkeren“ dominierten globalen Auseinandersetzungen, ein Zeichen setzten: welche Welt wir wollen und diese Welt damit auch schon ein Stück schaffen. Wir brauchen aber nicht auf die Staaten zu warten. Wir können in unseren Gesellschaften bereits die Beziehungen zwischen Afrika und Europa zum Thema machen, mehr persönliche Beziehungen zwischen Menschen aus Afrika und Europa aufbauen und Kräfte schaffen, die gemeinsam von den Staaten die Einrichtung der Kommissionen fordern.

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Prof. Dr. Dieter Senghaas. Foto: via Friedensfabrik Wanfried.

Beste Wünsche von Prof. Dr. Dieter Senghaas für die Wanfrieder Pfade zum Frieden

„Die Friedensfabrik Wanfried ist zunächst ein lokaler Ort auf der Suche nach konstruktiven Pfaden für den Frieden – ganz im Sinne von Leitperspektiven, die  jüngst im Auftrag der Vereinten Nationen und auch der Weltbank auf internationaler Ebene erkundet wurden. Eine solche Brücke – von lokal nach international – gilt es auszubauen, was natürlich jeweils nur in Teilbereichen möglich ist, so auch in dem Black&White Vorhaben: von Wanfried nach Sunyani und von Sunyani nach Wanfried -ein neuer Pfad für den Frieden. Von diesen sollte es in der Zukunft viele geben, natürlich auch im jeweils unmittelbaren Umfeld der Friedensstätten. Meine guten Wünsche begleiten die Wanfrieder Projektvohaben.“

Die FriedensFabrik Wanfried orientiert sich bei Ihrer Arbeit an dem von Dieter Senghaas entwickelten „Zivilisatorischen Hexagon“. Mit ihm leitet er aus der Geschichte die Bedingungen für die Friedensfähigkeit einer Gesellschaft ab: Die Entprivatisierung der Gewalt durch Aufbau eines durch Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Partizipation eingehegten Gewaltmonopols des Staates. Soziale Gerechtigkeit, die Entwicklung  eines gegenseitig Aufeinanderangewiesenseins und  eine Kultur gewaltloser Konfliktlösungen sind andere Bedingungen.

Mit der Analyse, dass es heute vor allem weltweiter Konflikte in den Kulturen gibt, stellte er sich der Behauptung entgegen, dass der Konflikt v.a. zwischen den Kulturen verlaufe.

Die Workshops beginnen am 25. Juli 2020 um 10 Uhr. Um 17.30 Uhr gibt es eine Kundgebung mit der Gruppe Black&White gegen rassistische Gewalt und für friedliche, faire und solidarische Bedingungen zwischen Europa und Afrika. Geplant sich auch eine gegenseitige Live-Schaltung zur parallel stattfindenden Parallelveranstaltung in Sunyani in Ghana. Gemeinsam regen die Initiativen die Einrichtung von afrikanisch-europäischen (deutschen) Kommissionen zur Untersuchung der afrikanisch-europäischen Beziehungen in Gegenwart und Vergangenheit an als Grundlage für eine Versöhnung der Menschen beider Kontinente. Auf der ersten Seite der neuen Homepage der FriedensFabrik Wanfried stellt die Initiative ihre Friedenskonzeption vor. Weitere Videos sind zu den afrikanisch-europäischen Beziehungen (Sklavenhandel, Kolonialzeit) dort eingestellt und zur Wichtigkeit von Friedensengagement, dargestellt an einer Sichtweise persönlicher Betroffenheit: https://friedensfabrik-wanfried.com/die-einrichtung-von-wahrheits-und-versoehnungskommissionen/

Schlafplätze (und Zelte) sind vorhanden. Information und Anmeldung: kontakt@friedensfabrik-wanfried.com, 05655-924981, 0176-43773328

Quelle/Beitragsbild: Friedensfabrik Wanfried

Gastbeitrag von Dr. Urbain N’Dakon: Schwarz-weiße Überlegungen

Urbain N‘ Dakon beim LickLike-Festival in Dortmund 2019 mit seinem Musikerkollegen aus Togo. Foto: Hans Lantzsch

Was hat ein weißer Rassist für ein Problem mit der schwarzen Hautfarbe? Warum hasst der weiße Rassist den schwarzen Mitmenschen? Warum ist für ihn die Farbe der Haut so wichtig, dass er bereit ist, für dieses biologische Merkmal zu kämpfen, womöglich zu töten? Wer Rassismus nicht versteht, liegt in seinen Bemühungen ständig daneben.

Die Geschichtswissenschaft lehrt uns, dass die ersten Bewohner*innen Europas Schwarzafrikaner*innen waren, deren Organismus sich der extremen Kälte, insbesondere der letzten Eiszeit anpassen musste, so dass bei ihnen das nicht mehr benötigte Melanin verlorenging und damit auch die ursprüngliche Farbe der Haut. Veränderungen an den Augen und Haaren sind nach dieser Erkenntnis auch eine Auswirkung dieses langen Anpassungsprozesses. Die derart veränderten Afrikaner*innen hatten dann Kinder mit „noch schwarzen“ Afrikaner*innen, diese hatten wiederum Kinder mit Weißen und die Kinder welche mit „nicht ganz weißen“ usw… So entstanden nach der Lesart, die uns die Geschichtswissenschaft erlaubt, die vielfältigen Variationen in der Hautfarbe, wie wir sie heute kennen. Die logische Konsequenz ist dann festzustellen, dass alle bisher bekannten Hautfarben, die Töchter, Enkelinnen und Urenkelinnen der schwarzen sind. Ein Weißer ist deshalb nichts Anderes als ein weißer Afrikaner, der seit Jahrtausenden nicht mehr in Afrika lebt, also einer, der mit den heutigen Afrikanern wie mit allen anderen Menschen dasselbe genetische Material teilt.

Wie ist dann der Hass zu erklären?

Wie ist dann dieser Hass des weißen Rassisten gegen die schwarze Hautfarbe zu erklären, wenn er selbst der späte Nachfahr von Schwarzafrikanern ist?

Eine Erklärung: Der weiße Rassist ist ein Mensch, der eine Wut in sich trägt, die ursprüngliche Hautfarbe verloren zu haben. Doch statt gegen die Natur richtet sich seine Wut gegen diejenigen, die diese Hautfarbe offensichtlich noch tragen. Der Hass gegen die Träger der schwarzen Hautfarbe ist also ein Selbsthass vor dem Hintergrund eines erlittenen Verlustes, der sich heute wie eine Art Urschmerz darstellt. Die akribisch von Pseudowissenschaftler*innen zusammengebastellte Ideologie einer vermeintlich nachgewiesenen Überlegenheit der weißen „Rasse“ hat die Funktion, die als Verlust empfundene Veränderung zu kompensieren und erträglicher zu machen. Deshalb wird seit Jahrhunderten immer noch nicht aufgehört, wissenschaftliche Nachweise für die „Unterlegenheit schwarzer Menschen“ zu sammeln. Dieser systematische Selbstbetrug ist zur Basis der Kultur geworden und wird tradiert an weitere Generationen weitergegeben. So sehr, dass es für einen weißen Rassisten das Selbstverständlichste der Welt ist, diese Ideologie zu übernehmen und Menschen mit schwarzer Hautfarbe zu hassen.

Das aufwendige Aufrechterhalten der rassistischen Ideologie

Es ist nicht leicht, diese trügerische und inzwischen zum Monstrum emporgereifte Ideologie der weißen Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Es ist für jeden normalen Menschen offenkundig, dass sie auf wackeligen Füßen steht. Der Rassist muss sie also ausdrücklich, absichtlich und aufwendig pflegen, um sie aufrecht zu erhalten, weil er sich für ein Kulturgut hält. Der große Aufwand, den er betreibt, beeindruckt und täuscht darüber hinweg, dass der Rassist eigentlich nicht 100% von seiner Ideologie überzeugt ist. Tief in seiner Psyche ist immer noch die Stimme der Vernunft, die ihm zuflüstert, dass er sich etwas vormacht. Tritt ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe in sein Blickfeld, fällt das ideologische Gebäude wie ein Kartenhaus komplett in sich zusammen. Die Wunde reisst wieder auf. Und der Rassist wird noch wütender, noch aggressiver. Aus gutem Grunde, denn der aus seiner Sicht so lebensnotwendige Selbstbetrug wird unmöglich, wenn er seine ursprüngliche Hautfarbe immer wieder vor den Augen hat. Der Verlust wird noch präsenter und schmerzhafter, der schuldige Schwarze muss entfernt werden. Mit dem Rassismus haben wir es also mit einer hoch pathologischen Erscheinung zu tun.

Und wie steht der Rassist zu Afrika?

Kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Überlegung zurück, fällt uns wieder ein, dass die Geschichtswissenschaft den afrikanischen Kontinent als „die Wiege der Menschheit“ bezeichnet. Um es einfach zu halten spreche ich von dem Elternhaus aller Menschen. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Umstand nicht mehr ändern wird. Wie können wir dann die Tatsache deuten, dass ein Mensch, der das Elternhaus verlassen hat und nun ganz woanders wohnt, seine Zeit und Energie darin investiert, Strategien und Pläne zu schmieden, um die Ressourcen aus seinem Elternhaus auszuplündern und in sein neues Wohnhaus zu tragen? Schlimmer noch: den tödlichen Müll aus seiner industriellen Aktivität in das Elternhaus zurückzutragen und damit seine noch im Elternhaus lebenden Brüder und Schwestern, zu vergiften und systematisch umzubringen? Der weisse Rassist hat sich darin spezialisiert, eine unerschöpfliche Bandbreite tödlicher Produkte für sein ursprüngliches Elternhaus herzustellen und zu vertreiben (giftige Industrieprodukte, giftige Zigaretten, giftige Medikamente, giftige Treibstoffe, Waffen, Kriege und Rebellionen usw…). Wir merken: Auch zu seinem ursprünglichen Elternhaus pflegt der weiße Rassist ein gestörtes, hoch pathologisches Verhältnis. Traditionelle Kulturen würden hier von einem verlorenen, einem unwürdigen oder gar von einem der Verdammnis geweihten Sohn sprechen. Wie schafft es denn der weiße Rassist, kein schlechtes Gewissen zu haben? Durch die kontinuierliche Pflege seines ideologischen Gebäudes, zu dem er vor etwa 60 Jahren eine neue Strategie hinzufügte: Eine offizielle Politik der „Entwicklungshilfe“ an seine im Vaterhaus gebliebenen Brüder und Schwestern.

Ein Ausweg?

Urbain N’Dakon (rechts) im Kirchgarten der Dortmunder Pauluskirche. Foto: C. Stille

Die große Frage: Kann der weiße Rassist von seinem gestörten Verhältnis zur schwarzen Hautfarbe und zum schwarzen Kontinent befreit werden? Genauso wie ein kranker Mensch nur geheilt werden kann, wenn er sich als einen solchen wahrnimmt und sich ehrlich einer Behandlung unterzieht, müsste der weiße Rassist bereit sein, der Wahrheit ins Auge zu sehen und seine krankmachende Ideologie aufzugeben. Dass es aber keine leichte Aufgabe ist, merken wir, wenn wir daran denken: Er ist dermaßen mit seiner Ideologie identifiziert, dass er das Gefühl hat, er müsste sterben, wenn er sie aufgeben würde. Ein Patient, der davon überzeugt ist, durch eine Behandlung sein Leben zu verlieren, akzeptiert natürlich keine Behandlung. Die Befreiung vom Rassismus entpuppt sich hier deshalb als Herkules-Aufgabe, die nur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe lösbar wäre. Ziel müsste sein, den Rassisten zu lehren, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben statt andere zu hassen, sich mit seinem früheren Erscheinungsbild zu versöhnen, die bestehende Mannigfaltigkeit der Hautfarben als Sieg der Überlebensfähigkeit des Menschen zu feiern und nicht als Bedrohung zu sehen.

Quelle: Dr. Urbain N’Dakon via Facebook mit freundlicher Genehmigung des Autors

Zum Autor, dem Wissenschaftler und Künstler, Dr. Urbain N’Dakon lesen Sie bitte hier etwas.

Im folgenden Streaming-Video lernen Sie, liebe Leser*innen den Gastautor – zusammen mit musikalischen Mitstreitern – als Musiker und Sänger kennen

Auf dem 10. Afro Ruhr Festival: „Bald 60 Jahre Unabhängigkeit. Immer noch in den Fängen des Kolonialismus? – Podiumsdiskussion mit Experten

Moderator, Dr. Boniface Mabanza Bambu, Martial Ze Belinga und Dr. Dereje Alemayyehu (v.l.). Fotos: C. Stille

Ein interessanter Programmpunkt neben vielen kulturellen Höhepunkten auf dem 10. Afrika Ruhr Festival (28.6 bis 30.6.2019) im Dietrich-Keuning-Haus in Dortmund waren Vorträge und eine sich anschließende Podiumsdiskussion unter dem Titel „Bald 60 Jahre Unabhängigkeit. Immer noch in den Fängen des Kolonialismus?“. Ins Visier genommen waren diesbezüglich afrikanische Staaten

Die brillant und kenntnisreich vortragenden und bis in kleinste Detail überzeugend argumentierenden Experten, die Impulsvorträge hielten, waren Dr. Boniface Mabanza Bambu (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika KASA), der Wirtschaftswissenschaftler Martial Ze Belinga und Dr. Dereje Alemayehu (Executive Coordinator der Global Alliance for Tax Justice).

60 Jahre Unabhängigkeit – Haben 17 afrikanische Ländern nächstes Jahr Grund zum feiern?

Im Jahre 2020 können 17 afrikanische Länder 60 Jahre Unabhängigkeit von ihren einstigen Kolonialstaaten feiern. Viele Afrikaner dürften allerdings der Meinung sein, dass diese Jubiläen weniger einen Anlass zum Feiern als vielmehr zum Nachdenken bieten. Wenn schon gefeiert wird, hätten gewiss einige afrikanische Staaten

Dr. Boniface Mabenza Bambu. Fotos: C. Stille

mehr als andere zu feiern, merkte eingangs der Moderator der Veranstaltung an.

Dr. Boniface Mabanza Bambu sprach davon, dass etwa Botswana ab der Unabhängigkeit einen Weg genommen habe, der möglicherweise Grund zum Feiern gibt. Der Umgang mit Ressourcen sei vonseiten der Eliten Botswanas von Anfang an klug geregelt worden. Sie schrieben fest, dass das Land an den Gewinnen etwa aus dem Abbau von Diamanten beteiligt wird und die multinationalen Konzerne besteuert werden.

Dagegen gebe es auf den afrikanischen Kontinent jedoch Länder die rohstoffreicher sind als Botswana, aber unterproportional wenig Nutzen für sich daraus ziehen könnten.

Was Kolonialismus bedeutete

Es sei aus seiner Sicht, so Dr. Mabanza, daran zu erinnern, was Kolonialismus bedeutete. Er zitierte zu diesem Behufe einen Staatsekretär des deutschen Reichskolonialamtes, der 1907 über Kolonialisierung gesagt habe:

Kolonisation heißt, die Nutzbarmachung des Bodens, seiner Schätze, der Flora, der Fauna und vor allem der Menschen zugunsten der Wirtschaft der kolonialisierenden Nation. Und diese ist dafür mit der Gegengabe ihrer höheren Kultur, ihrer sittlichen Begriffe und ihrer besseren Methoden verpflichtet.“

Dr. Mabanza: „Wir kommen aus dem Kontext einer deklarierten Überlegenheit. Und aus dieser Überlegenheit wird ein Recht abgeleitet, andere auszubeuten.“

Dieser „Logik“ hätten Dekolonialisierungsbewegungen versucht ein Ende zu setzen. Doch schon am Vorabend der Unabhängigkeit hätten die Kolonialmächte Mechanismen entwickelt, die ihnen ermöglichen sollten, den Zugriff sowohl auf die Ressourcen als auch auf Menschen aufrechtzuerhalten. So sei die Unabhängigkeit für die so viele gekämpft hatten, – u.a. Patrice Lumumba (im Gedenken an ihn trug Dr. Mabanza ein T-Shirt, dessen Aufdruck an ihn erinnerte) im Kongo – von vornherein auf formelle Verfahren reduziert worden. Boniface Mabanza:

Die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen ist die gleiche geblieben, nur die Formen haben sich geändert.“

Anstelle der Kolonialverwaltungen seien Konzerne getreten, die die Vorherrschaft übernahmen.

Betreffs des Handels seien die afrikanischen entkolonialisierten Staat stets benachteiligt gewesen. Das setze sich heute erst wieder mittels der seit 2020 verhandelten „Freihandelsabkommen“ der EU und den Ländern Afrikas (EPA). Alles diese Instrumente hätten eines gemeinsam, so Mabanza: Sie sollten den Zugriff auf die Rohstoffe dieser Länder sichern. Gleichzeitig wurde und wird eine Industrialisierung (um die Rohstoffe vor Ort zu verarbeiten) in den afrikanischen Staaten verhindert. Momentan hätten sich die Elfenbeiküste und Ghana mit einem Exportstopp für Kakao zu Wort gemeldet. Mabanza: „Was hätte passieren können, wenn diese Länder von Anfang an die Möglichkeit gehabt hätten diese Rohstoffe und andere Rohstoffen vor Ort zu verarbeiten?“ Das habe man aber verhindert durch tarifäre und nichttarifäre Maßnahmen.

Hausgemachte Probleme und die Verhinderung einer Industrialisierung afrikanischer Länder seitens der Länder des Westens

Freilich wären damit noch nicht alle Probleme der Länder Afrikas gelöst gewesen, weiß Mabanza. Auf dem afrikanischen Kontinent gebe es hausgemachte Probleme, aber eben auch welche, die mit den postkolonialen Entwicklung der jeweiligen Ländern zu tun hätten.

Auch sei die wirtschaftliche Entwicklung in manchen dieser Länder zu wenig diversifiziert, weil sie sich auf Druck ehemaliger Kolonialstaaten auf bestimmte Produkte spezialisiert hätten (Blumen, Kaffee, Tee usw.). Für alles was verarbeitet werden müsse, seien sie auf die Staaten angewiesen, an welche sie ihre Rohstoffe liefern. Die verarbeiteten Produkte kämen dann zum teureren Preis zurück auf den afrikanischen Kontinent. Die entsprechenden afrikanischen Länder seien zu Absatzmärkten der Länder des Westens reduziert worden. Man denke nur an von der EU subventionierte und beispielsweise nach Ghana exportierten Tomaten, an Schweinefleisch oder Hähnchenteile. Die afrikanischen Bauern können mit diese Preisen nicht mithalten und gingen pleite. Was wiederum Flüchtlinge produziere.

Grundlegende Reformierung der Bildungssysteme blieb aus

Hinzu käme, gab Dr. Mabanza zu bedenken, dass ein koloniales Bildungssystem in afrikanischen Ländern nach wie vor zum Blick nach außen erziehe. Eine generelle grundlegende Reformierung der Bildungssystem – wenngleich es auch löbliche Ausnahmen gebe – sei ausgeblieben.

Allerdings wäre eine solche Entwicklung auch nicht möglich gewesen durch, wenn nicht bestimmten afrikanische Eliten da mitgemacht hätten, sagte Mabanza.

Den Menschen in Afrika müsse endlich vermittelt werden, dass nicht alles was von außen, aus dem Westen gut und passend für sie ist. Genauso aber auch, dass nicht alles, was zu den Traditionen gehört, automatisch gut ist.

Kritiker sagen: Der CFA-Franc spielt eine negative Rolle. Er induzierte ein System „freiwilliger Knechtschaft“, ist ein „imperiales Machtinstrument“ und hält afrikanische Länder bis heute in Abhängigkeit

Der Ökonom und Soziologe Martial Ze Belinga hielt seinen Vortrag mit dem Titel „Der CFA-Franc, eine hyperkoloniale Währung“ auf Französisch. Ze

Martial Ze Belinga.

Belinga spricht zwar Deutsch. Aber, sagte er entschuldigend, er habe es sehr lange nicht mehr benutzt. Er stützte sein Referat auf die Veröffentlichung des Buches „Kako Nubukpo, Martial Ze Belinga, Bruno Tinel & Demba Mussa Dembele (Hg.): Sortir l‘Afrique de la servitude monétaire. À qui profi te le franc CFA?“ (leider nur auf Französisch erhältlich: hier).

Ein anwesender Herr von der Auslandsgesellschaft NRW e.V. Dortmund erklärte sich freundlicherweise bereit, den Vortrag auf Deutsch zu übersetzen. Zusätzlich wurden Ausdrucke auf Deutsch von wesentlichen Teilen des Vortrags zum Mitlesen ans Publikum ausgeteilt.

Nach der Entlassung in die Unabhängigkeit blieben bis heute viele afrikanische Staaten in Abhängigkeit der einstigen Kolonialherren. Ein negative Rolle dabei spielt der CFA-Franc, erfuhren die interessierten ZuhörerInnen im voll besetzen Raum 204 des DKH. 14 ehemalige französische Kolonien benutzen seit 1945 eine Währung, die in der Kolonialzeit von französischen Kolonialherren eingeführt worden war. Kritiker sprechen von einen System „freiwilliger Knechtschaft“ und verurteilen den CFA-Franc als „imperiales Machtinstrument“. Wirtschaftswissenschaftler Martial Ze Belinga erklärte, wie der CFA-Franc afrikanische Länder, einstige Kolonien, bis dato in Abhängigkeit gefangen hält.

Die entscheidende Frage in Afrika sei: Wer ist abhängig von wem? Andererseits sei auch die Welt von Afrika abhängiger geworden als man annehme. Weiterhin seien, Ze Belinga, im Westen weiterhin negative Diskurse über Afrika im Umlauf.

Der CFA-Franc bedinge es, dass von den afrikanischen Ländnern erwirtschaftete Devisen in Frankreich deponiert werden: Afrikanische Länder haben exportiert, Devisen kassiert – diese müssen aber dann nach Frankreich (als Sicherheit für den Wechselkurs) geschickt werden.

Martial Ze Belingas Fazit: „Alternativen zum CFA-Franc müssen kreativ bleiben und offen für Optionen auf gemeinsame Währungen, lokale Währungen und Steuerwährungen sein. Das wichtigste ist die industrielle, sozial nachhaltige und ökologische Transformation. Dies bedeutet eine Abkehr von den klassischen Kriterien der nicht-interventionistischen Makroökonomie, die Annahme einer Dosis wirtschaftlichen Schutzes.“ Und weiter: „Die Afrikaner müssen auch die Werte, die ihnen wichtig sind, wie Ubuntu*, in ihre Institutionen integrieren, denn Geld vermittelt Werte. So wie der CFA-Franc die Kolonialbeziehungen (Zwangsarbeit, Rohstoffe usw.) vermittelt hat, müssen sich die Post-CFA-Währungen auf die alten monetären Vorstellungen des Kontinents (Nzimbu, Shat usw. und auf andere Erfahrungen der Welt stützen, um an afrikanischen Werten und Projekten in der heutigen Welt angepasten Währungsinstitutionen aufzubauen.“

Über den CFA-Franc lesen Sie bitte hier und hier mehr.

*Über Ubuntu hier mehr

Dr. Dereje Alemayehu: Die Länder des globalen Südens leiden am stärksten unter der Gewinnverschiebung multinationaler Konzerne

Dr. Dereje Alemayehu ist derzeit Executive Coordinator der Global Alliance for Tax Justice, war ander Gründung des Steuergerechtigkeitsnetzwerks

Dr. Dereje Alemayehu.

Afrika beteiligt und Vorsitzender des Globalen Bündnisse für Steuergerechtigkeit.

Dereje Alemayehu spricht sehr gut Deutsch. Dennoch bat er das Publikum vor eventuellen Fehlern in seinem Vortrag im Vorhinein um Verständnis. Mit seinem Bonmot „Deutsche Grammatik war immer ausländerfeindlich“, sorgte Dr. Dereje Alemayehu für zustimmende allgemeine Heiterkeit im Raume.

In seinem Vortrag erinnerte Alemayehu an den 100. Jahrestag der Berlin-Konferenz (auch Kongo-Konferenz genannt) im Jahre 1985, auf welcher der afrikanische Kontinent an westliche Kolonialmächte verteilt wurde. Damals sei Willy Brandt (Vorsitzender der Nord-Südkommission) gewesen.

Während einer Podiumsdiskussion habe deren Moderator den Präsidenten von Tansania Julius Kambarage Nyerere, Vorsitzender der Süd-Kommission („Nyerere-Kommission“)

gefragt, für was alles dem Kolonialismus die Schuld gegeben werden könne. Dereje Alemayehu erinnert sich noch heute genau an die Antwort: Julius Kambarage Nyerere, der wie ein guter Onkel wirkte, habe sinngemäß Folgendes geantwortet: Von hundert Jahren habe der Kolonialismus 70 Jahre regiert und 30 Jahre das unabhängige Tansania. Die Verantwortung liege demnach bei 70 zu 30.

NGOs, so Alemayehu, hätten einmal gefragt, wer für Geldabflüsse, resp. Ressourcenabflüsse, aus Afrika verantwortlich sei. Ressourcenabflüsse Die Masse dürfte antworten: korrupte afrikanische Länder. Dass Korruption ein ernstzunehmendes Problem sei, wolle er nicht bestreiten, räumte der Referent ein. Da gebe es auch nichts daran zu verteidigen. Allerdings stünde Korruption bei weitem nicht an erster Stelle, der Geldabflüsse. 2013 sei die UN-Kommsission für Wirtschaft dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis: Zu 60 Prozent resultierten Ressourcenabflüsse aus Afrika aus Handelstätigkeiten und wirtschaftlichen Tätigkeiten. Vierzig Prozent gingen auf das Konto von Korruption und Kriminalität. OSZE-Generalsekretär habe einmal in einem Bericht zu bedenken gegeben, dass für jeden Dollar, der als Entwicklungshilfe in die Entwicklungsländer kommt, drei Dollar als illegale Ressourcenabflüsse die Länder verlassen.

Ein Beispiel, das wir auch in Europa betreffs der Steuerzahlungen großer Konzerne kennten, wurde genannt: Ein Kiosk in Accra zahle mehr Steuern als ein großer Brauereikonzern in Ghana.

Ein weiteres Beispiel, dass einen die Haare zu Berge stehen lasse, sei die Tatsache, dass die britische Kanalinsel Jersey als größter Bananen-Exporteur nach Europa gelte. Und das, obwohl dort keine einzige Bananenpalme gedeihe!

Und noch etwas, dass bezeichnend ist und dem Fass den Boden ausschlage: Im Steuerparadies Cayman Islands seien an einer Adresse 18 000 Firmen registriert.

Es müsse doch gefragt werden, warum es solche Strukturen gibt.

Ginge es nach Transperency International wäre die Schweiz eines der saubersten Länder der Welt. Indes, wir wüssten es besser, warf der Referent in den Raum.

Bestechung sei nur ein Teil von Korruption. Wenn ein Polizist in Afrika bestochen werde, sei das sichtbar. Unsichtbar dagegen seien die Praktiken der großen Bonzen weltweit.

Die Schweiz verdiene mehr Geld an Kupfer als der Kupferexporteur Sambia, obwohl im Land der Eidgenossen kein Kupfer vorkäme. Steuerflucht, Steuerhinterziehung und vielfältiger Betrug seien ein weltweites Problem. Dr. Dereje Alemayehu mit seiner schmunzelnd hervorgebrachten Feststellung:

„Korrupte afrikanische Eliten haben die Schweiz nicht gegründet.“

Afrikanische Staaten seien mehr von Steuern abhängig als reiche Länder. Afrika sei heute ein Gläubigerkontinent gegenüber Westen.

Dr. Dereje Alemayehus Fazit:

Korruption ist eine Krankheit, aber bei weitem nicht die einzige. Hinzu kämen Steuerflucht und Steuervermeidung. Das System werde global von reichen Ländern beibehalten. Ressourcen würden abgesaug, was die Reichen immer reicher mache und die Kluft zwischen Arm und Reich stetig besorgniserregend vergrößere. Die Länder des globalen Südens leiden am stärksten unter der Gewinnverschiebung multinationaler Konzerne – auch aus Deutschland – und illegitimen Finanzströmen in Richtung der internationalen Finanzmärkte. Geld, das dringend für Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung benötigt wird.

(Dazu passend ein Interview mit Dr. Dereje Alemayehu via africavenir2009/You Tube)