„Der Kult“. Von Gunnar Kaiser. Rezension

Kürzlich traf ich einen alten Kollegen. Bereits etwas länger in Rente als ich in unserem Stadtbezirk auf unserer Einkaufs- und Gastromeile. Natürlich kam es nach einem Dialog über dies und jenes auch auf Corona. Die Impfung betreffend sagte der Kollege. „Ich hab die Dritte. Ich habe meine Pflicht getan.“ Pflicht? Schließlich gab es zu diesem Zeitpunkt keine Impflicht – nur für das Pflege- und Krankenhauspersonal – und einige Zeit fiel ein Gesetz zur allgemeinen Impflicht im Bundestag erfreulicherweise durch. Als der Kollege und ich sich Minuten später trennten, fiel mir ein, dass mir Monate vorher, als für ein Teilabschnitt der Einkaufstraße einige Zeit eine Maskenpflicht galt, jemand drohte (ich hatte die Maske abgesetzt, als ich am Ende des Teilabschnitts angekommen war) mir jemand, wenn ich die Maske nicht sofort wieder aufzöge, sorge er dafür, dass ich in der Kieferabteilung landete …

Zwei Jahre Corona-Krise – was hat das mit uns gemacht bzw. was machte man mit uns? Und viel wichtiger: Warum ließen sich die meisten von uns das alles größtenteils ohne Weiteres mit uns machen? Wir erlebten ein Abgleiten ins Autoritäre. Mit Aussicht auf Totalitarismus?

Setzte das ein Kult ins Werk – übel, propagandistisch und teils hetzerisch vom Journalismus begleite, der in dieser Zeit Sinn und Zweck arg verfehlte?

Darum und breitgefächert um vieles andere mehr geht es in Gunnar Kaisers äußerst empfehlenswertem Buch „Der Kult“.

Kaiser ist Philosoph, Schriftsteller und einstiger Lehrer (sein Ausscheiden aus dem Lehrerberuf steht auch mit der Corona-Krise in Zusammenhang) mit erfolgreichem You Tube – Kanal. Da muss es einen selbstverständlich nicht verwundern, dass es in seinem Buch auch sehr philosophisch zugeht, indem er nicht nur viele andere Philosophen und Autoren zitiert und durch seine eigenen philosophischen Gedanken – lohnend für den Leser – ergänzt.

Im Vorwort „Eine Impfung des Geistes“ schreibt Kaiser (in Anspielung auf Kafkas „Der Prozess“):

„Jemand musste Gunnar K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hatte, wurde er eines Morgens verhaftet. Doch bald schon erkannte er, dass er nicht der Einzige war. Unzählige hatte man eingesperrt und ihrer Freiheit beraubt. Und die Zeit ihrer Knechtschaft schien nicht enden zu wollen. Wer die Agenten der Festnahme waren, was ihre Anklage und was ihre Motive, zeigte sich denen, die es wissen wollten, nach und nach immer deutlicher. Doch eines konnte K. nicht begreifen: Warum rebelliert denn niemand? Warum lassen die Menschen all das mit sich machen? Mehr noch: Warum sind so viele geradezu verliebt in ihre schönen neuen Fesseln? Denn das Erstaunliche: Die Bande, in die die Menschen geschlagen sind, sind bloß eingebildet, es sind Ketten des Geistes. Gerade diese Tatsache aber verleiht ihnen ihre überwältigende Macht. Und doch liegt darin auch die Möglichkeit der Befreiung. Um zu verstehen, warum wir diese Möglichkeit nicht ergreifen, müssen wir also fragen, warum wir die Ketten unseres Geistes nicht ablegen wollen … selbst nachdem so erschreckend sichtbar geworden ist, dass unsere Gefangenschaft niemals gerechtfertigt war und ihre Folgen mörderisch sind.“

Es ist ein Kult!

Was ihm zum Schreiben dieses für uns so wichtigen Buches gekommen ist, dazu schreibt Gunnar Kaiser:

„Angesichts der horrenden Folgen, die in der Krise entstanden sind, können wir, ohne aus dem Haus zu gehen, die Entlarvung der Welt auf unserer Suche nach der geistigen Situation der Zeit nur bewerkstelligen, indem wir fragen: Warum sind so viele plötzlich so fügsam? Warum tun gute Menschen Böses? Wie gelingt es, die Menschen zu Mittätern zu machen? Wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben? Während der Großen Einschließung 2020/21 wurde mir bewusst: Antworten auf all die Fragen nach den Entstehungsbedingungen der menschlichen Destruktivität erhalten wir nur, wenn wir erkennen: Es ist ein Kult! Denn ein Virus geht um in der Welt – ein Virus des Geistes. Es verwandelt die Menschen, die es befällt, in Anhänger eines lebensfeindlichen Weltuntergangskults, der blind für seine eigenen Taten ist. Wie funktioniert dieser Kult? Wer ist sein Gott, wer seine Priester? Warum verlangt er seinen Anhängern so viel ab? Und wozu ist er künftig noch in der Lage? Das Virus ist der unheilige Geist des Kults, mit dem es ihm gelingt, sich unbemerkt in den Köpfen der Menschen festzusetzen und ihre Steuerung zu übernehmen. Nur wenn wir seine Wirkungsweise verstehen und uns philosophisch gegen die Viralität des Bösen wappnen, können wir ein Leben in der Gemeinschaft freier und selbstbestimmter Menschen bewahren, für das es sich zu leben lohnt.“(S.17)

Wehret den Anfängen“

Und Seiten weiter lesen wir: „Sicherlich: Wer hier nicht aufschreit und »Wehret den Anfängen« ruft, kann nicht länger für sich in Anspruch nehmen, er sei gegen die Aufopferung des Individuums für das Gemeinwohl. Gegen Anpassung, Autoritätshörigkeit und Konformismus. Gegen Autokratie und Kontrollstaat, gegen einen Polizeistaat, der bloß nach law and order vorgeht. Gegen Propaganda, Zensur und eine Verengung der Debatte. Gegen Diffamierung, Hetze, Diskriminierung und die Ausgrenzung Andersdenkender. Und doch scheint das Eis nicht zu brechen.“ (S.28)

Je weiter die Zeit voranschreitet müssen wir erkennen (und im Schneckentempo tun es sogar einige Mainstream-Medien), dass in der Pandemie-Bekämpfung einiges schief, gefährlich schief gelaufen ist und dem Zweck er kontraproduktiv entgegenstand. Warum ist man in Politik und Wissenschaft so zaghaft, Irrtümer zuzugeben? Dazu gibt Kaiser zu bedenken:

„Zum Verdrängen des Offensichtlichen gehören hierbei manchmal zwei. Zum einen der, dem der Mut fehlt, seiner Intuition zu folgen und das Offensichtliche auszusprechen. Zum anderen derjenige, der ein Klima erzeugt, in dem Kritik von Vornherein undenkbar ist, und selbst dann, wenn das Augenscheinliche unleugbar vor ihm steht, Realitätsverweigerung betreibt. Über die Natur dieses Klimas, die unsere Gesellschaft noch immer lähmt, soll im Folgenden nachgedacht werden. Um den anderen großen Dänen, Hans Christian Andersen, zu zitieren:

»›Aber er hat ja nichts an!‹ sagte endlich ein kleines Kind. ›Herr Gott, hört des Unschuldigen Stimme!‹ sagte der Vater; und der Eine zischelte dem Andern zu, was das Kind gesagt hatte. ›Aber er hat ja nichts an!‹ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn es schien ihm, sie hätten Recht; aber er dachte bei sich: ›Nun muß ich die Prozession aushalten.‹ Und die Kammerherren gingen noch straffer und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.« (S.28)

Haben wir es betreffs des Umgangs mit der Corona-Pandemie mit einer „Rhinozeritis“ zu tun?

„In seinem Theaterstück Die Nashörner aus dem Jahr 1957 beschreibt der französisch-rumänische Dramatiker Eugène Ionesco, wie sich Menschen nach und nach in Nashörner verwandeln. Die »Rhinozeritis« greift um sich. Es handelt sich um eine imaginäre Epidemie, die alle Bewohner einer Stadt in Furcht und Schrecken versetzt und zu Nashörnern werden lässt. Diejenigen, die sich verwandelt haben, schließen sich wie selbstverständlich der durch die Straßen preschenden Nashornherde an – sei es aufgrund einer Herdenmentalität, aus Opportunismus oder aber aus Angst. Warnungen einzelner Protagonisten vermögen den Verwandelten nicht Einhalt zu gebieten; sie verschlimmern vielmehr die Situation der Warner. Nur wenige sind es, die diese Verwandlung überhaupt wahrnehmen. Und nur ein Einziger widersteht letztlich der Massenpsychose. Während sich auch die Figur des Intellektuellen (genannt der »Logiker«) in ein Tier verwandelt, bleibt am Ende der Protagonist Behringer, der für seine untätige Träumerei zuvor verspottet wurde, der einzige Nicht-Verwandelte, der sagt: »Ein Mann, der zum Nashorn wird, ist zweifellos abnormal.« Zuerst beginnen sich die Menschen allmählich an das zu gewöhnen, was sie zuvor abgestoßen hat, dann, als die Bewegung gigantische Dimensionen annimmt, kommt es zu einer großen Wandlung der Gleichförmigkeit: Die »Masse« hat sich der Neuen Normalität der Nashornifizierung ergeben“.

Gunnar Kaiser hält den Gedanken, dass wir es gut zwei Jahre lang mit dem „ersten globalen Echtzeit-Milgram-Experiment des 21. Jahrhundert“ (S.62) zu tun haben könnten wohl nicht für ganz abwegig. (Zum Milgram-Experiment hier)

Tiefschürfend analysierend fragt Kaiser, wie dieser Kult überhaupt entstehen konnte und vermutet, dass einigen auch schon vor dem inneren Auge sichtbar wird, wohin er hinführen könnte. Und Kaiser fragt auch, warum wir augenscheinlich so wenig immunisiert gegen all das sind, dem man uns aussetzt: „Hatten wir nicht Romane wie Die Welle oder Heinrich Manns Der Untertan als Schullektüre, sind nicht Gustave Le Bons Psychologie der Massen und Elias Canettis Masse und Macht feste Bestandteile der geisteswissenschaftlichen Ausbildung? Warum ist es uns jetzt nicht möglich, uns aus diesem kulturellen Schatz zu bedienen, ihn anzuwenden, ihn fruchtbar zu machen?“ (S.92)

Und beim Lesen mögen wir uns dazu selbst intensiv befragen.

Schmerzlich wirft der Autor auch die Frage auf, wieso die Intellektuellen, welche sonst zu allem jedem einen Senf parat hatte, den sie meinten dazu gegen zu können und zu müssen. Warum versagten sie hier in erschreckender Weise? Gunnar Kaiser hat (S.105) dankenswerterweise auch über „Gründe und Motive der Kollaboration der Intellektuellen (bezüglich des Kultes; C.S.) schreibend nachgedacht.

Kaiser zitiert etwa Milosz Matuschek (S.176): »Aus dem Kreis der Intellektuellen vernimmt man gerade nichts, was wesentlich von der offiziellen Wahrheit des großen Pandemie-Orchesters abweicht. Wir erleben gerade eine Selbstverzwergung, eine Bankrotterklärung des Denkens. Eine grassierende intellektuelle Verwahrlosung.«

Und so setzt sich fort, was einmal in die Welt kam – und das Böse kann geschehen“

Interessanter Verweis auf den Philosophen Watzlawick: „Bereits der Philosoph Paul Watzlawick hat auf die jedes planmäßige Handeln rechtfertigende und sich gegen Einwände abschottende Methode hingewiesen, die Elefanten in einer Großstadt durch In-die-HändeKlatschen vertreiben zu wollen und das Ausbleiben der Elefanten als Wirkung ebendieses Handelns zu deuten. Es steht zu befürchten, dass die Kultlogik es auf Dauer verhindern wird, dass das Bewältigungsverhalten sich zugunsten einer Einsicht in den Wahnsinn, der der eigenen Methode innewohnt, abschwächen wird, und dass es vergebliche Liebesmüh ist, die Kultisten zu fragen, wo die Elefanten auch in Ländern, in denen die Menschen kaum geklatscht haben, geblieben sind … Und so setzt sich fort, was einmal in die Welt kam – und das Böse kann geschehen.“ Dazu: Ein Mann klatscht alle zehn Sekunden in die Hände. Nach dem Grund für dieses merkwürdige Verhalten befragt, erklärt er: „Um die Elefanten zu verscheuchen.“ „Elefanten? Aber es sind hier doch gar keine Elefanten!“ Darauf er: „Na, also! Sehen Sie?“

aus „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick

Eine philosophische Reise“ (Rubikon)

Grandios geschrieben, dieses Buch. Viel Philosophie. Aber immer lesbar und verständlich. Von der Sorte Bücher und zu diesem, uns seit zwei Jahren bewegendem Thema darf es ruhig mehr geben. Nicht nur von Gunnar Kaiser, dem für dieses mit hohem Gewinn zu lesenden Buch Dank auszusprechen ist.

Ein weiteres zum Denken Anlass gebendes Zitat, das der Buchautor verwendet hat:

»Diese Welt, wie sie jetzt ist, will sterben, sie will zugrunde gehen, und sie wird es.«

»Und was wird dabei aus uns?« fragte ich.

»Aus uns? Oh, vielleicht gehen wir mit zugrunde. Totschlagen kann man ja auch unsereinen. Nur daß wir damit nicht erledigt sind. Um das, was von uns bleibt, oder um die von uns, die es überleben, wird der Wille der Zukunft sich sammeln. Der Wille der Menschheit wird sich zeigen, den unser Europa eine Zeitlang mit seinem Jahrmarkt von Technik und Wissenschaft überschrien hat. Und dann wird sich zeigen, daß der Wille der Menschheit nie und nirgends gleich ist mit dem der heutigen Gemeinschaften, der Staaten und Völker, der Vereine und Kirchen. Sondern das, was die Natur mit dem Menschen will, steht in den einzelnen geschrieben, in dir und mir. Es stand in Jesus, es stand in Nietzsche. Für diese allein wichtigen Strömungen – die natürlich jeden Tag anders aussehen können, wird Raum sein, wenn die heutigen Gemeinschaften zusammenbrechen.«

Hermann Hesse, Demian

Gunnar Kaiser schreibt in diesem Buch

GEGEN DIE SPALTUNG

GEGEN DEN GEHORSAM

GEGEN DIE EINSAMKEIT

an.

Parallelstrukturen aufbauen nach einer Taktik von Václav Havel

Zuletzt ermuntert uns Kaiser eine von Václav Havel (späterer Präsident der Tschechoslowakei) zu Zeiten seiner Dissidenz empfohlene Taktik aufzugreifen: Nämlich den Aufbau von sogenannten „Parallelstrukturen“ ins Augen zu fassen und Stück für Stück umzusetzen.

Eine von Václav Havel, politischer Dissident unter der kommunistischen Sowjetherrschaft und später Präsident der Tschechoslowakei, empfohlene Taktik ist der Aufbau sogenannter »Parallelstrukturen«. Schließlich ist unsere Gesellschaft wohl zu sehr geschädigt, dass selbst eine Rückkehr zum alten Normal kaum denkbar ist, ohne schweres Bauchgrimmen hervorzurufen. Schließlich machte das alte Normal möglich, wessen wir in zwei Jahren erdulden mussten.

Kaiser: „Vor allem aber bedarf es des Handelns möglichst vieler Menschen, um ein vollständiges Abgleiten in den Wahnsinn des Totalitarismus zu verhindern.“

Tacheles: „Bis es so weit ist, müssen wir die Möglichkeit ergreifen, durch selbstständiges und eigenverantwortliches Handeln zu beweisen, dass wir in der Lage sind, die Freiheit zu gebrauchen, zu der wir verdammt sind, und uns mit anderen zusammenzuschließen, sodass wir in Refugien des Geistes dem Zugriff des Kults entkommen können und als hoffnungsvoll Handelnde darauf harren, dass der Wahn ein Ende hat.“

Also! Haben wir im Sinne von Kants Sapere Aude den Mut, uns unseres eigenen Verstands zu bedienen.

Der Rubikon Verlag zum Buch

Warum tun gute Menschen Böses? Weshalb werden so viele zu fügsamen Dienern des Unrechts? Und warum rebellieren sie nicht, wenn man ihnen die Freiheit nimmt? Antworten auf diese Fragen erhalten wir, wenn wir erkennen: Es geht tatsächlich ein Virus um — ein verheerendes Virus des Geistes. Ein Virus, das die Menschen zu Anhängern eines Weltuntergangskultes macht, das sie in ängstliche Sklaven verwandelt und ihre Werte ins Lebensfeindliche verkehrt. Wie funktioniert dieser Kult und woher kommt er? Wer ist sein Gott, wer sind seine Priester? Nur wenn wir die Wirkweise dieses Kultes verstehen und uns philosophisch gegen ihn immunisieren, können wir uns ein Leben bewahren, für das es sich zu leben lohnt. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage »Wie konnte all das bloß geschehen?« nimmt Gunnar Kaiser uns mit auf eine philosophische Reise ins Dickicht der Kultideologie, ins Innerste einer vergifteten Gesellschaft.

Der Kult

Über die Viralität des Bösen

Buch (Taschenbuch)

20,00 € inkl. gesetzl. MwSt.

Versandkostenfrei

ISBN 978-3-96789-029-7

1. Auflage 2022 © Rubikon-Betriebsgesellschaft mbH, München 2022

Lektorat: Susanne George

Konzept und Gestaltung: Buchgut, Berlin

„INSIDE CORONA“ von Thomas Röper. Rezension

Corona, resp. das Virus Covid-19 hat uns mittlerweile schon über zwei Jahre im Griff. Genau genommen ist es nicht das Virus selbst das uns in eine mehr oder weniger schwer Krise gestürzt hat, sondern der Umgang des Staates und seiner Behörden damit, die – vielleicht guten Willens – vorgeben, damit unsere Gesundheit zu schützen. Teils irrwitzige – sich von Bundesland zu Bundesland – oft unterschieden habenden Corona-Maßnahmen – haben das Leben der Menschen und sogar ihre Freiheit (Grundgesetzartikel wurden gar ausgesetzt ohne zunächst zu untersuchen ob angemessene Gründe dafür vorlagen!) eingeschränkt. Der Jurist und Journalist Heribert Prantl hat seine Bedenken dazu mehrfach geäußert. Zum Beispiel zum Corona-Urteil in der Berliner Zeitung: „Ich bin ungläubig, empört, zornig!“

Mittlerweile sind manche Einschränkungen wieder gefallen. Und sogar in manchen Medien gibt es Kritik und Berichte über Impfschäden. Die allgemeine Impflicht hat der Deutsche Bundestag abgelehnt. Sollte uns das hoffungsfroh stimmen? Vorsichtig hoffungsvoll, würde ich sagen. Wir sollten dennoch wachsam bleiben …

Unsichtbare Vorbereitungen ans Licht gebracht

Wer sich genauer mit der Pandemie befasst hat, wird festgestellt haben, dass sich Verhaltensmaßnahmen gegen Corona und Impfkampagnen nahezu weltweit frappierend gleichen. All das wirkt orchestriert. Auch die Angstmache. So etwas wird nicht von jetzt auf gleich ins Werk gesetzt. Wurde die Pandemie also möglicherweise von langer Hand vorbereitet? Wer so etwas auch nur leise denkt wird sogleich der Vorwurf „Verschwörungstheorie“ entgegengeschleudert und als „Schwurbler“ tituliert werden. Liest man allerdings das bei Westend erschienene Buch „Chronik einer angekündigten Krise. Wie ein Virus die Welt verändern konnte“  von Paul Schreyer, macht man sich schon seine Gedanken. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und seiner teils äußerst fragwürdigen Bekämpfung werden weltweit immer sichtbarer. Thomas Röper, der Autor des hier zu besprechenden Buches, hat diese weitgehend unsichtbar gebliebenen Vorbereitungen für die Pandemie ans Licht gebracht.

Thomas Röper hat umfangreich und akribisch recherchiert

Wer steckt also hinter möglichen Planungen und welche Netzwerke und Personen sind involviert?

Dazu hat Thomas Röper dankenswerterweise umfangreiche Recherchen angestellt. Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt seit 15 Jahren in Russland und betreibt die Seite www.anti-spiegel.ru. Diese Seite ist stets äußerst interessant und bildet m. E. ein wichtiges Korrektiv zur einseitigen propagandistischen und antirussischen Berichterstattung westlicher, vorwiegend deutscher Medien. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Kürzlich war Röper auch als Kriegsreporter mit der russischen Armee in Gebieten des Donbass in der Südukraine unterwegs. Deutschen Medien gilt Thomas Röper als putinfreundlicher Schreiber, ja quasi als dessen Puppe. Röper hat es längst aufgegeben, wie er letztens in einem Interview sagte, sich gegenüber den ihn diffamierenden deutschen Medien zu rechtfertigen. Seine Texte seien stets ordentlich recherchiert. Fehler solle man ihm nachweisen, dann sei er selbstverständlich bereit diese zu korrigieren.

Follow the Money

Für seine Recherche für das Buch „Inside Corona“ hat Röper ein enorm weitverzweigtes Netz von Stiftungen, Think Tanks, NGOs, Pharmaunternehmen, Regierungsmitarbeitern und -beratern und privaten Personen durchforstet. Und dabei herausgefunden, dass sich so manche Personen untereinander kennen bzw. zumindest schon einmal über den Weg gelaufen sind. Dass sie mal in großen Konzernen oder NGOs tätig waren und dann wieder auch in der Politik arbeiteten. Geldflüssen wurde akribisch nachgegangen. Wie heißt es doch so schön: „Follow the Money“. Röper weist nach, dass bestimmte Geldflüsse durchaus auf den Internetseiten der Firmen, Konzerne, NGOs und anderswo zu finden sind. Allerdings, so Röper, brächten diese Informationen einzeln nichts, sondern ergäben erst einen Sinn und sozusagen Aha-Effekte, wenn man diese Daten miteinander verknüpfe und so ein großes Bild entstehe, aus dem Schlüsse gezogen werden könnten.

Bill Gates (zu dem oft bestimmte Fäden hinführten) und andere sich als „Philanthropen“ begreifende Schwerreiche schöben nicht selten mit vergleichsweise geringen Summen bestimmte Projekte an und brächten dann Staaten dazu, den Hauptanteil dieser Programme zu finanzieren. Pfiffig dabei: die eingesetzten Mittel flössen schließlich wieder den von Gates dominierten NGOs zu, sowie bei wirtschaftlichen Umsetzungen wiederum an Unternehmen, an deren Gewinn Gates beteiligt ist.

Dank Mr. X konnte eine Recherche betrieben werden, die ohne dessen Programm womöglich Jahre in Anspruch genommen hätte

Händisch und allein all diese vorliegenden Informationen zusammenzutragen, sagte Röper, wäre vermutlich unmöglich gewesen oder hätten Jahre gebraucht. Da kam ihn jemand zu passe, welchen er als „Mr. X“ bezeichnet, weil der IT-Spezialist anonym bleiben will. „Mr. X“ hat ein Programm geschrieben, mit welchem das alles viel schneller geht.

Da wird es einen beim Lesen bisweilen schon einmal schwummerig. Diese ganzen Namen, Zahlen, Querverbindungen und Organisationen etc. Da muss man schon hier und da einmal schlucken. Manchmal eine Pause einlegen. Doch das Weiterlesen bringt Gewinn: Und unsereiner macht sich hier und da schon seine Gedanken. Das ist gut so. Manch Leserin, manch Leser, wird vielleicht auf den Trichter kommen, man werde in diesem System stetig hinter die Fichte geführt. Was wäre wohl los, wenn das allen Menschen offen vor Augen läge? In der Corona-Krise, dürfte es so manchen Leser schwanen, da geht es nicht vorrangig um Gesundheit, sondern um Kohle aus der noch mehr Kohle gemacht werden soll. Und vermutlich auch die Disziplinierung und Überwachung von Menschen weltweit. So menschenfreundlich ist dieses System und erst recht „Philanthropen“ wie Bill Gates eben keinesfalls. Wer das womöglich vor der Lektüre des Buches von Röper etwa glaubte, muss schlicht naiv genannt werden.

Diese Spinnennetz erschreckend groß und somit gefährlich. Was wohl allein für Steuergeld weltweit darin verschwindet? Und eine Frage sei erlaubt: Wer regiert uns? Unsere Regierungen allein?

Unbedingte Leseempfehlung! Sehen sich auch das beigegebene Interview an, welches Dirk Pohlmann mit Thomas Röper zu dessen Buch „INSIDE CORONA“ geführt hat. Oder das Interview, das Auf1 mit Röper geführt hat.

Der Verlag zum Buch

Die wahren Ziele hinter Covid-19

Im Frühjahr 2021 meldete sich ein IT-Spezialist, der anonym bleiben möchte und den wir daher nur „Mr. X“ nennen, bei dem Autor Thomas Röper, der schon viel über die Macht von Stiftungen und NGOs geforscht hat. Mr. X war auf ein gewaltiges Netzwerk gestoßen, das hinter Covid-19 steckt. Dazu hat Mr. X Programme genutzt, die auch von Behörden, wie der Polizei und Geheimdiensten zur Analyse großer Datenmengen benutzt werden.

Es gibt bereits viele gute Bücher darüber, dass die Pandemie möglicherweise von langer Hand vorbereitet wurde. Da deren Autoren jedoch nicht über den Datensatz von Mr. X verfügen, konnten sie nur Teilaspekte der Vorbereitung beleuchten. Dieses Buch zeigt das ganze Bild.

Aus den Daten geht hervor, dass die Pandemie in mehreren Phasen vorbereitet wurde, wobei die aktive Vorbereitungsphase etwa 2016/2017 begann. Von da an sind die Organisatoren, die sich mit der Vorbereitung auf eine (damals als „möglich“ bezeichnete) Pandemie befasst haben, aktiv geworden und haben viel Geld ausgegeben, um Konferenzen zu organisieren, ihre eigenen Leute als Berater an Schlüsselpositionen bei Regierungen zu platzieren und noch einiges mehr.

Und eben diese Organisatoren verdienen seit Beginn der Pandemie hunderte Milliarden Dollar an Impfstoffen, Testsystemen und anderen „Attributen“ der Pandemie. Kann das Zufall sein?

Darüber hinaus zeigen die Daten auch, welche übergeordneten Ziele diese Organisatoren verfolgen und wie die Pandemie ihnen den Weg zur Erreichung dieser Ziele ebnet.

Das klang auch für Röper verrückt, aber die Daten von Mr. X haben ihn eines Besseren belehrt. In diesem Buch hat Röper diese These mit fast 500 Originalquellen der Organisatoren der Pandemie belegt – überprüfen Sie es selbst!

Zu welchem Schluss kommen Sie nach der Lektüre dieses Buches?

Thomas Röper

INSIDE CORONA Die Pandemie, das Netzwerk & die Hintermänner

J.K. Fischer Verlag

21,99 EUR /E-Book: 18,99 EUR

Zum Autor

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt seit 15 Jahren in Russland und betreibt die Seite www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

„Hinter der Zukunft“ von Thomas Eisinger. Rezension

Das hier zu besprechende Buch kam sozusagen ohne mein Zutun zu mir. Es wurde mir lediglich empfohlen. Obwohl gerade in Anspruch genommen, beschäftigt, griff ich zu. Und „rief“ es zu mir. Zugeben, ich war zunächst etwas skeptisch. Den Autor kannte ich bis dato nicht. Und von dem Roman „Hinter der Zukunft“ hatte ich weder etwas gehört noch gelesen.

Ich las – verschlang es geradezu. Und habe es nicht bereut.

Als der Paketdienst das Buch lieferte war ich nicht zu Hause. Ich musste es also an einer Ausgabestelle abholen. Etwas entfernt von meiner Wohnung. Zwei U-Bahnstationen entfernt. Ein Problem! Früher war man einfach in Bus oder Bahn gestiegen – und zu seinem Ziel gefahren. Dass waren noch Zeiten! Nicht so jetzt. Die uns seit über zwei Jahren mehr oder weniger drangsalierenden Corona-Maßnahmen hatten uns in meiner Stadt Ende vergangenen Jahres nämlich beschert, dass man öffentliche Verkehrsmittel nur unter der Maßgabe der 3G-Regel benutzen durfte. Ich aber war ja weder geimpft, noch hatte ich vor, mich vor der Fahrt testen zu lassen. Doch dann stellte sich erfreulicherweise heraus, dass man zum Zeitpunkt der geplanten Abholung es Buches wieder „normal“ den ÖPNV benutzen durfte. Das momentane „neue Normal“ aber bestand weiter darauf, dass die Fahrgäste die Gesichtswindel tragen. Okay, immerhin!

Als ich das Buch – noch immer in der U-Bahn ein klammes Gefühl – als täte ich etwas Verbotenes – verspürend – abholte, war mir keineswegs klar, wie sehr das alles mit Thomas Eisingers Roman zu tun hatte!

Nach wenigen gelesenen Seiten im Buch war ich bereits von der Handlung gefesselt

Endlich packte ich den 552 Seiten schweren Roman aus. Und tauchte in ihn ein. Nur wenige Seiten genügten, um bereits von der Handlung gefesselt zu sein! Es viel mir tatsächlich nicht leicht, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Warum? Weil der Roman viel, erschreckend viel mit unser aller Situation zu tun hat, in welche man uns in Zeiten der Corona-Pandemie gebracht hat. Einer Pandemie, die nur als solche benannt werden konnte, weil 2009 die WHO die Definition dafür geändert hatte. Die Maßnahmen, welche uns Bürgerinnen und Bürgern zugemutet wurde, um das Virus Covid-19 zu bekämpfen, glichen sich frappierend nahezu weltweit. Die herrschende Politik, unterstützt durch die Medien, welche Journalismus mit Propaganda verwechselten und meist noch schärfere Maßnahmen forderten als die Regierung, tönte, das Virus wäre an allem Zumutungen schuld. Wir müssten es bekämpfen – ja: ausrotten. Wir wissen inzwischen, ein Virus kann im Grunde nicht ausgerottet werden – schließlich mutiert es und wird zumeist schließlich endemisch.

Lockdowns wurden verhängt, viele Menschen durften ihre Tätigkeiten nicht mehr ausüben. Innenstädte waren leer. Geschäfte, Kneipen und Restaurants gingen pleite und Künstler ward die Möglichkeit genommen, aufzutreten. Schuld sei das Virus. Heute müssen wird (nachdem wir wissen, das etwa Lockdowns eigentlich so gut wie gar nichts zur Bekämpfung des Virus beitragen) sagen: Dass Geschäfte in unseren Innenstädten starben und anderweitige Schäden auftraten und auftreten ist nicht dem Virus zuzuschreiben – sondern in Wirklichkeit den Corona-Maßnahmen.

Schriftsteller Thomas Eisinger war entsetzt darüber, dass einiges, was er in seinem im März 2019 angefangenen Buch für die Zukunft beschrieben hatte, direkt vor meine Augen Realität wurde

Der Buchautor Thomas Eisinger schreibt in seinem „Nachwort und Dank“ (S.547), er habe das Buch im März 2019 zu schreiben begonnen: „Die Idee entstand, nachdem ich ein Interview gehört hatte, in dem der Konflikt ‚jungen gegen alt‘ thematisiert wurde, der auf Grund der ‚Klimakrise‘ entstehen könnte. Nachdem etwa die Hälfte des Manuskriptes geschrieben war, wurde März/April 2020 der erste Lockdown verhängt. Fürs Schreiben an sich ein Glücksfall, aber: Ich war wie gelähmt. Entsetzt darüber, dass einiges, was ich für die Zukunft beschrieben hatte, direkt vor meine Augen Realität wurde: Überwachung nie gekannten Ausmaßes, extreme Spaltung der Gesellschaft, elektronische Ausweise, die Zugang ermöglichen, Armbänder, die Abstände kontrollieren.“

Und weiter: „Nach einer Schockstarre, die mehrere Wochen anhielt, realisierte ich, dass die Mechanismen hinter ‚Corona‘ und ‚Klima‘ fast identisch waren: Eine unsichtbare Gefahr (Virus bzw. CO 2) bedroht die ganze Welt, nur (wenige ausgewählte) ‚Experten‘ können Lösungen bieten, zentrale Steuerung und extreme Vereinheitlichung aller Informationen (ohne offene Diskussion oder angemessene Widerspruchsmöglichkeit), Verleumdung aller Nicht-Konformen als ‚Leugner‘ und so weiter. Diese Erkenntnis“, so Eisinger weiter, „machte es mir möglich, beide ‚Weltkrisen‘ einheitlich zu behandeln und in das große Ganze einzubetten: in die Regeln der Macht.“

Lesend gleiten wir Leser in eine bedrückende Dystopie ein

Und schon gleiten wir Leserinnen und Leser in eine bedrückende Dystopie hinein, in welcher die Menschen leben von denen dieser erstklassig geschriebene Roman erzählt, hinein. Und ich behaupte die Handlung wäre ohne die Kenntnis dessen, was uns in über zwei Jahren Pandemie widerfahren ist und angetan wurde, zwar auch spannend und lesenswert, aber würde uns nicht annähernd so erschreckend in die Glieder gefahren.

Beim Lesen überkommt uns eine Beunruhigung

Die Bilder unserer Jetzt-Zeit, der zumindest dystopisch anmutenden Corona-Krise, haben wir ja direkt vor Augen während wir in Eisingers Roman lesen. Da dürften Alarmglocken schrillen. Auch wenn vorerst gewisse Erleichterungen bezüglich der Corona-Regeln verfügt wurden.

Den Roman lesend, tauchen diese Bilder unwillkürlich vor unserem innen Auge auf. Und je mehr wir im Roman vorankommen, desto mehr befällt uns regelrecht eine Angst. Wenigstens aber eine Beunruhigung, dass das, was wir da lesen, durchaus auch uns geschehen – wahr werden – kann. Denn bedenken Sie: hatten wir, das uns in der Corona-Krise Zugemutete und Angetane in Zeiten des „alten Normal“ je für möglich gehalten? Aber es ist dennoch geschehen. Wir waren dabei! Wir haben es erlebt und erleben es weiter!

Und hat sich nicht manch einer erschrocken gewundert, wie obrigkeitshörig unkritisch brav viele unsere Mitbürger die Maßnahmen mitgetragen oder gar versucht waren, diese gegenüber anderen zu exekutieren. Längst überwunden geglaubtes Blockwart-Tum kam aus dem Verborgenen wieder hoch. Menschen wurden angeschmiert und angezeigt, wenn sie gegen Maßnahmen verstießen. Die Polizei jagte schlittenfahrende Kinder mit einem Helikopter! Mir selbst wurde von einem anderen Passanten ein Kiefernbruch angedroht, nachdem ich einmal am Ende einer Maskenpflicht-Zone meine Maske abgezogen habe!

Was hat diese Corona-Krise mit und aus Menschen gemacht? Und es ist im Grunde im Sinne der Mächtigen genial zu nennen: Ein unsichtbares Virus und die davor gemachte Angst reicht völlig aus, um Menschen zu disziplinieren und zu konditionieren! Unfassbar!

Das neue Deutschland unter harten Konditionen

Das Deutschland dieses Romans ist ziemlich deindustrialisiert, Verbrennungsmotoren sind verboten – um CO 2 zu vermeiden. Es gibt Elektrofahrzeuge. Auch im öffentlichen Nahverkehr. Allerdings fallen diese hin und wieder wegen leerer Akkumulatoren aus. Auch Straßenbahnen und Züge bleiben zuweilen stehen, weil nicht immer Strom zur Verfügung steht. Abends gibt es ein „Stromende“ Dann gehen die Lichter in den Wohnungen aus.Die Temperaturen in den Häusern dürfen nicht zu hoch sein – das müsste doch einen Joachim Gauck („Frieren für den Frieden“) in Enthusiasmus versetzen – sonst gibt es Abzug von Coints. Fleisch darf nicht zubereitet und gegessen werden. Nur einheimisches, gut haltbares Gemüse darf gegessen werden. Klimakontrolleure sind unterwegs, um zu prüfen, womöglich schon von der Straße aus „Fleischduft“ zu erschnüffeln. Es gibt harte Strafen. Das kann auch zum Abzug von Lebenszeit führen.

Auf den illegalen Erwerb von Fleisch oder Wurst drohten dem Käufer der Abzug von ein bis drei Jahren Lebensbudget. „Wer dabei ertappt wurde, bezahlte also für eine Salami den Gegenwert eines Lebensjahres in Coints.“ (S.40) Andere Verstöße führen auch zur Vorladung zum „Amt für Schuld und Scham“ (ASS).

Die Menschen müssen ständig ein unlösbares Armband tragen. Daran der sogenannte „Gute Helfer“. Angesichts solcher Begriffe ist man als Leser getriggert. Nicht von ungefähr kommt einen da rasch der Roman „1984“ von George Orwell in den Sinn. Der „Gute Helfer“ hilft den Mindestabstand zu halten, hat GPS, registriert Kontakte – unterscheidet dabei über erwünschte und unerwünschte – wer mit wem Kontakt aufgenommen hat.

Leseprobe 1

„Der sogenannte ›Gute Helfer‹ war nach CO2-Lifetime-Budget und De-Industrialisierung die dritte Säule zur Erreichung der Großen Transformation. Das unlösbare Armband beinhaltete eine Reihe wichtiger Funktionen, die Trägerin und Träger ein gutes und sicheres Leben in der neuen Gesellschaft ermöglichten…“

Das bedeutet ständige Überwachung. Die Menschen werden beruhigt: Aufrechte Bürger haben ja nichts zu verbergen. Dieser Spruch ist uns doch schon oft begegnet. Es wird optisch oder akustisch gewarnt. Auch schmerzhafte Stromstöße können dem gegen die Regeln verstoßenden Träger des „Guten Helfer“ verabreicht werden. „Ein warnendes Blinken trat zum Beispiel auf bei der Verwendung Dunkler Wörter, Faktenhetze, unautorisierter Annäherung an fremde Personen oder Erreichen einer Grenze. Dauerhaftes Warnleuchten machte den Träger kenntlich als Leugner, Hetzer oder Schädling.“ (S.24) Dann gibt es noch die Zukunftsvernichter, die ZuVis. Etwa ältere Menschen, die zuviel CO 2 verbrauchen. Es gibt Klimaretter und Planetenhelden. Ein Schuldbeweis bei manchen Menschen wurde als überflüssig erkannt. Von „Beweislastumkehr“ ist die Rede. Da ohnehin alle Menschen wüssten, dass sie prinzipiell bezüglich des Planeten schuldbeladen waren. Alles geschah ja schließlich im Sinne von Gesundheit und Klima.

Es galt: „Am sichersten ist man stets allein“ und „Freiheit ist Egoismus“. Und wer dächte beim Lesen des Folgenden nicht an eine der Seuchen unserer Zeit: die sogenannten Faktenchecker? Im Roman gibt es eine „Fakten Anstalt für konkrete Erkenntnisse“. Da schaudert es einen.

Ist das CO 2-Liftime-Budget abgelaufen, werden die Menschen „abgeholt“, wie es dann immer im Volksmund heißt(kommt uns das nicht von irgendwoher bekannt vor?) und in Lager verbracht.

Leseprobe 2

„Täglich lauschen die Menschen morgens um 8.00 und abends um 18.00 ihrer Klimakanzlerin, wenn sie zum Pray-for-the-Planet spricht. Alle Fahrzeuge bleiben stehen, alle Tätigkeiten ruhen, jede und jeder steht oder sitzt vor einem Bildschirm. Den Anfang macht stets die Hymne an den Planeten, eine Abwandlung von „Freude schöner Götterfunken“, die gemeinsam gesungen wird.

In diesem Ausschnitt beschäftigt sich Milena Grosse-Strümpel, die Kanzlerin, mit einer menschlichen Eigenschaft, die überraschenderweise sehr positiv sein kann…“

Dazu (S.3/4): „In diesem Moment startete die Übertragung. Der große Bildschirm an der Stirnseite des Raumes zeigte das Bild des Planeten, wie er erhaben im schwarzen All kreiste. Wie jeden Morgen erklang Beethovens 9. Sinfonie als Auftakt zur Ansprache der Kanzlerin. Die gesamte Klasse setzte mit der ersten Strophe ein, ein Text >Freude schöner Götterfunken< hatte vor sechs Jahren ein Update erhalten: Ende aller Lebensfunken/zukunftslos und leichenbleich,/Wir verspielten – egotrunken,/Oh Planet, dein Zukunftsreich. (…)

Es gibt ein „Amt für Gesundheitsverteidigung“ (sic!). Das wünschte sich sich klabauternder Lauterbach! All das eingeführt seit einer Pandemie. Dann kam die Klimarettung dazu.

Die Menschen haben sich mit der Begrüßungsfloskel „Keine Schuld“ zu begrüßen und mit „Gutes Gewissen“ zu verabschieden.

Erschreckend – aber auch gleichzeitig aufweckend und aufrüttelnd – ist dieser packend verfasste Thriller aus der Hand von Thomas Eisinger. Der wie die Faust aufs Auge in unsere Gegenwart passt. Warum nur hatte ich bislang nichts von diesem hervorragenden Buch erfahren?

Zum Buch heißt es: „In naher Zukunft: auf Grund der Maßnahmen zu Pandemien und Klimawandel hat sich das Leben vollkommen verändert. Ein Generationenkampf entbrennt in einer Welt, in der die Klimakanzlerin mit CO2-Konten, unlösbaren Armbändern und Kontaktbudgets unerbittlich regiert. Der Großteil der Menschen begrüßt all die Maßnahmen, mit denen sie sich von ihrer tief empfundenen Schuld befreien wollen.“

Ist das in der Realität denkbar? Wir haben es doch erlebt: Das walte Hugo!

Weiter: „In dieser explosiven Gemengelage kommt der junge Robin Hochwald“ – ein 18-jähriger Gamer – unerwartet an die Macht, nachdem der er dem Amt für Schuld und Scham entkommen ist. Nach irritierenden und schmerzhaften Erfahrungen erkennt er, dass er (als Bundeskanzler) eine Entscheidung treffen muss. Sein Beitrag zur Rettung der Welt ist vollkommen anders, als alle erwarten.“

Zitate aus dem Roman:

>>Sag mir, wer ist am mächtigsten?<<

>>Diejenigen, die bestimmen können, was Wahrheit ist.<<

«Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. In allen demokratischen Ländern ist das so. Wenn es aber kein Volk mehr gibt, weil der Planet uns Menschen nicht mehr erträgt, dann gibt es auch keine Demokratie mehr. Will man also die Demokratie retten, so muss man zuallererst die Menschheit vor ihrem Untergang retten. Und deshalb stehen alle Regelungen zum Schutz von Klima, Gesundheit und Planet über der Demokratie. Eben genau, um sie zu bewahren.»

Im Verlaufe der Handlung erfahren wir viel über Machtstrukturen und Machtmechanismen. Wie sie jahrhundertelang von unterschiedlichen Systemen immer wieder genutzt und angewendet wurden. Und weiter werden, weil wir Menschen schnell vergessen. Und neue Generationen diesen Machtmechanismen dann immer wieder zum Opfer fallen. Wie auch im richtigen Leben sind auch im Roman von Thomas Eisinger wieder einige gleicher als andere und nehmen sich Rechte heraus, die sie anderen – welche nicht zuletzt via der Medien und neuer „Errungenschaften“ wie beispielsweise den „Guten Helfer“ hinter die Fichte geführt werden – verweigern.

Wann werden wir je lernen? Wie sieht es „Hinter der Zukunft“ aus? Lesen Sie dieses hervorragende und spannende Buch – und empfehlen Sie es gerne weiter! Und lernen Sie etwas daraus. Es lohnt sich.

Thomas Eisinger

Hinter der Zukunft

Roman

als Hard Cover oder Taschenbuch, 552 Seiten, auch als E-Book erhältlich

16,90 € inkl. gesetzl. MwSt.

ISBN: 3969668611
EAN: 9783969668610

Erstauflage.

Herausgegeben von Thomas Eisinger
NOVA MD

Erschienen 2021

(Das Buch kann auch bei jedem Buchhändler vor Ort bezogen werden)

Beschreibung

Nachdem Religionen im Westen zunehmend ausgedient haben, füllt diese Lücke das Wohl von Klima und Planet. Die Macht haben diejenigen, die im von Materialismus und Narzissmus schwer geschädigten Westen das Bedürfnis nach Sinn, Moral und Spiritualität befriedigen können. Das Leben in naher Zukunft wird bestimmt vom Einsparen von CO2-Points, sogenannten Coints. Jeder Mensch erhält ein Lebensbudget an CO2, das er verbrauchen darf, Nachkauf ist nicht möglich. Die Landesgrenze ist geschlossen, um Klimaflucht zu verhindern. Täglich versammelt sich das ganze Land vor den Bildschirmen, um das Pray-for-the-Planet zu hören, das von der Klimakanzlerin verkündet wird. Ein Generationenkonflikt spaltet die gesamte Gesellschaft.Alle Einkäufe, Aktionen und vor allem Gespräche der Menschen werden überwacht und übermittelt von einem unlösbaren Armband, dem ‚Guten Helfer‘. Es bucht automatisch die Coints vom Lebensbudget ab, ist zugleich Einlasskontrolle, Impfnachweis, persönliche ID und achtet auf die Verwendung von Dunklen Wörtern. Der Protagonist, Robin Hochwaldt, kommt unvermittelt an eine zentrale Schaltstelle der Macht. Nach dramatischen Erlebnissen wird ihm klar, dass die Welt, wie sie ihm – ihnen allen – erzählt worden war, in Wirklichkeit gar nicht existiert. Am Ende wird er selbst – mit Unterstützung seiner WeggefährtInnen – zum Rebellen und führt die Menschen zurück in die Freiheit. Ein Lichtschein hinter der Zukunft wird erkennbar!

Portrait

Thomas Eisinger, Gründer einer der größten deutschen Internet Agenturen, Business Angel, Coach und seit einigen Jahren Schriftsteller. Autor mehrerer Kurzgeschichten. Wesentliche Impulse zu diesem Roman kamen vom aktuellen Zeitgeschehen, sowie von seinen Erfahrungen mit menschlichen Prägungen und Mustern aus seiner Tätigkeit als Coach.
Auf seiner Website finden sich weitere Kurzgeschichten und aktuelle Beiträge.

MWGFD e.V. präsentiert: Das Corona-Ausstiegskonzept – Rezension

Zwei Jahre nun schon haben wir es mit der Corona-Pandemie zu tun. Die – man muss zuweilen daran erinnern – nur als Pandemie gelten darf und als solche ausgerufen werden konnte, weil 2009 die Kriterien für eine Pandemie geändert worden waren.

Inzwischen fallen um dieses Datum herum einige der Corona-Maßnahmen in Deutschland. Doch noch immer droht eine allgemeine Impflicht. Obwohl viele Experten eine solche für unnötig halten und sogar als grundgesetzwidrig erachten. Denn sie schützt weder vor einer Infektion, noch vor der Weitergabe des Virus an andere. Allenfalls kann sie schwere Verläufe verhindern. Und im Gegensatz zu Masern haben wir es mit einem Virus zu tun, das sich ständig verändert. Inzwischen haben wir es mit Omikron zu tun, dass sich zwar schneller verbreitet aber – von Ausnahmen abgesehen – weniger gefährlich ist. Die derzeitigen Impfstoffe jedoch waren für eine ganz andere, frühere Variante entwickelt worden. Und, wir dürfen auch nicht vergessen: Die Impfstoffe verursachen teilweise erhebliche Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen. Auch hält deren Wirkung nur für relativ kurze Zeit an.

Inzwischen ist diese Erkenntnis offenbar auch in den öffentlich-rechtlichen Medien, wie etwa dem Mitteldeutschen Rundfunk (mdr) angekommen. Um die 400 Menschen schrieben als Reaktion auf eine entsprechende Sendung an den Sender und berichteten dort über ihr Leid nach Covid-19-Impfungen und ihre Hilflosigkeit, welche sie empfanden, da ihnen gegenüber Mediziner nicht selten bestritten, dass diese teils gravierenden Nebenwirkungen von der Impfung herrühren würden. Übrigens hat Viviane Fischer (Corona-Ausschuss) einen wichtigen Film („geimpft – Jetzt reden wir!“) gemacht, für welchen sie mit Menschen gesprochen hat, die nach der Impfung gesundheitliche Probleme hatten bzw. noch haben.

Das Corona-Ausstiegskonzept der MWGFD e.V.

Die Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD e.V.) haben gemeinsam „Das Corona-Ausstiegskonzept. Fakten – Argumente – Daten“ entwickelt. Dankenswerterweise ist dieses Papier nun vom pad-Verlag herausgebracht worden. Und zwar in der Schriftenreihe des Forum Gesellschaft und Politik e.V. (Redaktion Peter Rath-Sangkhakorn). Erschienen ist die vorliegende Veröffentlichung in Zusammenarbeit mit der Initiative für eine evidenzbasierte Corona-Information (ICI).

MWGFD e.V.: „Wir fordern einen Ausstieg aus der ‚Corona-Pandemie‘ und legen ein Konzept vor“

lila-fett-gedruckt-foto-gaming-youtube-miniaturansicht5-1110x624-1

Unter der Überschrift „Wir fordern einen Ausstieg aus der ‚Corona-Pandemie‘ und legen ein Konzept vor“ haben zwanzig Mediziner und Wissenschaftler einen „Offenen Brief“ zur Information der Bevölkerung verfasst. Hierin werden in zehn konkreten Forderungs-
punkten die erarbeiteten Lösungsvorschläge vorgestellt, die allesamt auf wissenschaftlicher Evidenz beruhen und zu einem sehr kurzfristigen und kostengünstigen Ausstieg aus der „Corona-Krise“ beitragen können.


Hauptforderungen sind die sofortige Einstellung der COVID-Impfungen, insbesondere der Impfpflicht und die sofortige Beendigung aller nicht evidenzbasierter nicht-pharmazeutischer Maßnahmen (NPI ́s), wie Lockdowns, Schulschließungen, Maskenpflicht im öffentlichen Raum, Isolation, Quarantäne, Kontaktverfolgung, Abstandsregeln, sowie RT-PCR- und Antigenschnelltests bei Menschen ohne Krankheitssymptomen und sofortige Öffnung der Sportstätten, Gaststätten, Kirchen und Kultureinrichtungen für alle ohne Zugangsbedingungen.


Die Autoren diese Konzeptes sind allesamt Mitglieder oder Freunde der Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, kurz MWGFD e.V. und stammen aus fünf verschiedenen deutschsprachigen Ländern, Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol und Liechtenstein.

Die Autoren:
Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi, Kiel, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, ehem. Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Johannes Gutenberg-Universität Mainz / Dr. med. Thomas Binder, CH-Wettingen, Kardiologe, Wettingen, Schweiz / Prof. Dr. med. Arne
Burkhardt, Reutlingen, Facharzt für Pathologie, Pathologisches Institut Reutlingen / Prof. Dr.-Ing. Aris Christidis, Gießen, ehem. Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik / Dr. med. univ. Dr. phil. Christian Fiala, Wien, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Arzt für Allgemeinmedizin, Tropenmedizin, Wien / Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Haditsch, Leonding, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie / Prof. Dr. Stefan Hockertz, CH-Stein im Aargau, Immuntoxikologe, tpi-consult GmbH / Dr. Renate Holzeisen, Bozen, Südtirol, Rechtsanwältin / Prof. Dr. rer. hum. biol. Ulrike Kämmerer, Würzburg, Humanbiologin, Universitätsklinikum Würzburg / Werner Möller, Stuttgart, Intensivpfleger und Atmungstherapeut, Gründer der Initiative „Pflege für Aufklärung“/ Prof. Dr. Werner Müller, Rüsselsheim, Rechnungswesen, Controlling, Steuern, Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz / Prof. Dr. rer. nat. Karina Reiß, Kiel, Mikrobiologie, Quincke-Forschungszentrum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel / Univ.-Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. M. Sc. Christian Schubert, Innsbruck, Department für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Medizinische Psychologie. Medizinische Universität Innsbruck / Prof. Dr. Martin Schwab, Bielefeld, Lehrstuhl
für Bürgerliches Recht, Verfahrens- und Unternehmensrecht, Universität Bielefeld / Univ.-Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen, Salzburg, ehem. Abteilung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Medizinische
Universität Wien / Priv. Doz. Dr. med. Josef Thoma, Berlin, HNO-Arzt / Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter, Mauren (Liechtenstein), Philosoph und Theologe / Prof. Dr. Harald Walach, klinischer Psychologe, Gesundheitswissenschaftler, Leiter des Change Health Science Instituts, Berlin“ / Dr. med. Ronald Weikl, Passau, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Praktischer Arzt, Naturheilverfahren / Dr. med.
Wolfgang Wodarg, Warder, Facharzt für Innere Medizin, Pulmonologie, Sozial- und Umweltmedizin, ehem. Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.

Zur Orientierung und Information der Leserinnen und Leser sei hier der Offene Brief wiedergeben:
Offener Brief an die Bevölkerung

logo-300x136-1


an alle politischen und administrativen Entscheidungsträger der Judikativen,
der Exekutiven und der Legislativen im Bund, in den Ländern und auf Kommunalebene
mit der Bitte um Weiterleitung dieser wichtigen Informationen auch an alle nachgeordneten Mitarbeiter.


Sehr geehrter Empfänger dieses Schreibens, sehr geehrte Damen und Herren,
seit fast zwei Jahren setzen wir uns als Mediziner und Wissenschaftler intensiv und kritisch
mit den verschiedenen Aspekten der „Corona-Pandemie“ auseinander. Wir sind zu der
festen Überzeugung gelangt, dass die derzeitigen politischen Präventiv- und
Immunisierungsstrategien mehr unerwünschte und schädliche Nebeneffekte als Nutzen
bringen, keineswegs alternativlos sind, dringend einen grundlegenden Paradigmenwechsel
und möglichst breitgefächerte, wissenschaftlich basierte Diskussionen brauchen.


Menschen sind von der Natur mit einer sehr wirksamen Abwehr gegen Infektionen durch
Bakterien oder Viren ausgestattet. Wir halten daher die bisherige Strategie, die
ausschließlich auf Kontaktvermeidung, auf Massentestungen und den Großversuch einer
Immunisierung setzt, für untauglich, unverhältnismäßig und für medizinisch sehr gefährlich.
Wir plädieren dafür, diese Politik in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs zu überdenken,
Alternativen zuzulassen und zu erproben. Was nicht evidenzbasiert ist, kann nicht
alternativlos sein. Maßnahmen, die Angst und Panik verbreiten, sind kontraindiziert und
verstärken den Schaden für Einzelne und die Gesamtbevölkerung. Bei unsicherer Faktenlage
sind sozialer Zusammenhalt und eine vernunftgesteuerte, umsichtige und wahrhaftige
Kommunikation die Basis für wirkungsvolle Maßnahmen.


Wir lehnen uns an die „Great-Barrington-Declaration“ https://gbdeclaration.org/ an. Sie
wurde von hochrangigen Wissenschaftlern und Ärzten ausgearbeitet und bisher bereits von
über 900.000 Menschen, davon über 15.000 Wissenschaftler und über 45.000 Ärzte,
unterzeichnet.


Unsere erarbeiteten Lösungsvorschläge beruhen allesamt auf wissenschaftlicher Evidenz und
können zu einem sehr kurzfristigen und kostengünstigen Ausstieg aus der „Corona-Krise“
beitragen. Um den Text besser lesbar zu machen, präsentieren wir eine Kurzfassung und
liefern in der Langfassung detaillierte Argumente, Daten und Begründungen.

  1. Forderung: Sofortige Einstellung der COVID-Impfungen und insbesondere
    der COVID-Impfpflicht


Die Datenlage erfordert den sofortigen Stopp der Anwendung dieser unnötigen und
gesundheitsschädigenden gentechnischen Immunisierungsversuche. Die experimentelle sog.
„Impfung“, insbesondere von Kindern, mit den beschriebenen bisher nur bedingt
zugelassenen vier COVID-„Impfstoffen“ ist durch nichts zu rechtfertigen, da völlig sinnlos und
riskant.

  1. Forderung: Beendigung sämtlicher nicht evidenzbasierter nicht-
    pharmazeutischer Maßnahmen (NPI ́s), wie Lockdowns, Schulschließungen,
    Maskenpflicht im öffentlichen Raum, Isolation, Quarantäne, Kontaktverfolgung,
    Abstandsregeln, sowie RT-PCR- und Antigenschnelltests bei Menschen ohne
    Krankheitssymptomen und sofortige Öffnung der Sportstätten, Gaststätten,
    Kirchen und Kultureinrichtungen für alle ohne Zugangsbedingungen


Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen: die nicht-pharmazeutischen Maßnahmen (NPIs)
tragen nicht zu einer Verhinderung von Todesfällen und schweren Erkrankungsfällen bei; der
„stringency index“, also die Summe aller Maßnahmen eines Staates über eine gewisse Zeit
hinweg, ist weder mit den Covid-19 Fällen noch mit den Todesfällen korreliert. Stattdessen
sollte ein Appell an Menschenverstand und Vernunft zur Einhaltung der bewährten
Hygieneregeln, wie Husten- und Nießetikette, das Zuhause-bleiben von Kranken ausreichen.
Eine proaktive öffentliche Gesundheitsversorgung, die es ermöglicht, kranke Menschen
zuhause zu versorgen, dürfte mehr bewirken als alle Impfkampagnen.


Kultur-, Gast- und Sportstätten und Kirchen sind wichtige soziale Treffpunkte. Sie erfüllen
grundlegende Bedürfnisse nach Geselligkeit und sozialer Teilhabe, die wiederum ein
zentrales Element im komplexen Gewebe menschlicher Resilienz und Immunität darstellen.
Das Schließen dieser Einrichtungen bzw. die Beschränkung des Zugangs auf bestimmte
gesellschaftliche Gruppen nach einem sehr dubiosen Standard (2G, 3G), der sachlich nicht zu
rechtfertigen ist, muss beendet werden.


3. Forderung: Pandemie-Management muss vernünftig gesteuert werden auf
Basis von Wissenschaftlichkeit und Evidenz, u.a. durch korrektes Testen
wirklich Kranker und korrekte Erfassung der epidemischen Lage. Da dies seit

zwei Jahren versäumt wurde, fordern wir den Rücktritt der bisherigen
beratenden Experten.


Eine Testung auf Atemwegsviren ist aus medizinischer Sicht nur bei therapeutischen
Konsequenzen, in der Regel nur bei schwer kranken hospitalisierten Patienten mit
spezifischem (antiviralem) Therapiebedarf, bei Erkrankten im Rahmen des
Überwachungssystems für Atemwegsinfekte und bei Angehörigen einer bis heute nicht
existierenden epidemiologischen Studienkohorte sinnvoll. Bei den Testungen sollten
differentialdiagnostisch immer auch Erkrankungen in Erwägung gezogen werden, die durch
andere Atemwegsviren hervorgerufen werden.
Es sollten keine RT-qPCR-Tests mit Ct-Werten über 25 als positiv ausgewiesen werden.
Außerdem sollten nur RT-qPCR-Tests auf mindestens drei Gene durchgeführt und die
Diagnose COVID-19 nur in ärztlicher Zusammenschau mit Anamnese, Symptomatik und
klinischen Befunden gestellt werden.
Es sollte hierbei stets eine Studienkohorte konstituiert werden, die für die Bevölkerung
repräsentativ ist. Damit sollte eine longitudinale Erfassung und Überwachung einer
allfälligen Epidemie von nationaler Tragweite von SARS-CoV-2 erfolgen, in der Inzidenz,
Prävalenz, Schweregrad der Erkrankung und Immunitätsstatus (Tests auf Antikörper und T-
Zell-Immunität) erfasst werden.
Da dies nach über zwei Jahren nicht geschehen ist, sollten die bisherigen Experten durch ein
interdisziplinäres beratendes Gremium aus unabhängigen Experten ersetzt werden.

  1. Forderung: Erstellen leicht anwendbarer Konzepte zur
    Prävention und Frühbehandlung von COVID-19 und auch für die stationäre und
    ggf. intensivmedizinische Behandlung schwerer Verläufe


Es gibt eine wirksame Prophylaxe gegen COVID-19 und andere Infektionskrankheiten,
beispielsweise gesunder Lebensstil, viele Sozialkontakte, und Vitamin D3. Aus
Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Traditioneller Medizin sind zahlreiche Pflanzen
und Maßnahmen bekannt, die sowohl in der Prävention als auch in der Frühbehandlung
erfolgreich eingesetzt werden können. Außerdem es gibt eine wirksame konventionelle
Therapie von COVID-19, beispielsweise entzündungshemmende Medikamente,
Antihistaminika, topische oder systemische Corticosteroide, Hydroxychloroquin, Ivermectin,
monoklonale Antikörper und Blutgerinnungshemmer. Es sollten nur gut verträgliche,
wirksame antivirale Medikamente eingesetzt werden. In unserem beiliegenden
Begründungsschreiben stellen wir bewährte Behandlungs-Protokolle vor.

  1. Forderung: Die Dominanz einer einzigen, nämlich der virologischen Logik,
    muss beendet werden. Andere Aspekte, etwa volkswirtschaftliche, soziale,
    psychologische, pädagogische und ganzheitlich medizinische Betrachtungen
    müssen einbezogen werden.


Die Dominanz einer einzigen Sichtweise im Umgang mit einem komplexen Problem ist
immer unzureichend. Während die Betrachtung einer Pandemie unter virologischen


Gesichtspunkten im Einzelfall nützlich ist, dürfen andere Aspekte nicht einfach ausgeblendet
werden.
Wir fordern den Einbezug von Ärzten in patientennahen Disziplinen (z.B. Pädiater,
Kinderpsychologen, Internisten, Lungenfachärzte) sowie Ärzten, die eine gesamt-
medizinische Sichtweise auf Krankheitsgeschehen haben und z.B. bei der Abklärung von
Nebenwirkungen der Impfung und Todesursachen-Ermittlungen unverzichtbar sind
(Pathologen, Rechtsmediziner).
Der immer größer werdende Einfluss von Pharmakonzernen hat zu Abhängigkeiten, u.a.
auch bei der Wahl der „Corona-Strategie“, und zu einer enormen Kostensteigerung im
Medizinsektor geführt, allerdings ohne eine gleichzeitige Verbesserung der gesundheitlichen
Versorgung zu erreichen. Es ist an der Zeit geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die sowohl
zur Befreiung von diesen Abhängigkeiten als auch zur wünschenswerten Verbesserung der
Volksgesundheit sowie zur Kostensenkung im Medizinsektor beitragen.
Zu einem funktionierenden sozialen Gefüge gehören auch wirtschaftliche, psychologische,
soziale, pädagogische und medizinische Belange anderer Art. Der derzeitige politische
Umgang mit der Corona-Krise ordnet all diese Aspekte der virologischen Logik unter. Dies
halten wir für unklug und politisch fatal.

  1. Forderung: Beruhigung der Bevölkerung hinsichtlich ausreichender
    medizinischer Versorgung für Alle


Die bisherige mediale Präsentation der Pandemie hat bei einem Großteil der Menschen eine
nicht zu unterschätzende Angst vor einem „Killervirus“ aufgebaut, und die Menschen haben
diese verinnerlicht. Wir wissen aus langjährigen interdisziplinären Forschungen zur innigen
Verbindung zwischen Psyche und Immunsystem, dass Angst, neben Stress ein Hauptfaktor
ist, der zur Schwächung des Immunsystems beiträgt. Das einzige natürliche Antidot zu dieser
Überaktivierung des Paniksystems auf einer gesellschaftlichen Ebene ist die Aktivierung des
physiologischen Gegenspielers, des Affiliationssystems. Dieses führt, zum Beispiel durch
soziale Nähe und Geborgenheit, zu Entspannung und zur Gegenregulierung sympathischer
autonomer Erregung. Mediale Panikmache ist in dieser Situation nicht hilfreich. Im Gegenteil
sollten Medienmacher ihrer Aufgabe nachkommen, indem sie nicht nur
Katastrophenmeldungen verbreiten, sondern vor allem auch auf die Aspekte blicken, die
Anlass zur Hoffnung geben. Beispielsweise ist schon lange bekannt, dass ein großer
Prozentsatz der Bevölkerung durch Kreuzimmunität gegen andere Coronaviren
höchstwahrscheinlich auch Immunität gegen dieses Virus aufweist. Unseres Wissens ist diese
entlastende Nachricht nie aufgegriffen worden. In diesem Sinne sollte eine Entlastung und
Entspannung der Bevölkerung eine wichtigere Rolle spielen als das Schüren von Angst und
Panik. Die Spaltung der Gesellschaft wird nur durch offenen und respektvollen Diskurs
überwunden, nicht durch mediale und politische Einschüchterung.

  1. Forderung: Die Medien sollten breitgefächerte umfassende Information
    bereitstellen, gemäß den im Pressekodex formulierten Ethikrichtlinien für
    Journalisten, ohne Angst- und Panikerzeugung


Neben einer ausgewogenen Berichterstattung, die auf Diffamierung abweichender
Meinungen und wohlbegründeter Kritik verzichtet, könnten Beiträge zu Themen wie
gesunder Lebensweise und Stärkung des Immunsystems hilfreich sein. Auf Angst- und Panik
abzielende Berichterstattung ist mit den im „Pressekodex“ formulierten Ethikrichtlinien nicht
vereinbar.

  1. Forderung: Bereitstellung von Programmen zur Behandlung der durch die
    Maßnahmen entstandenen physischen und psychischen Traumata,
    insbesondere für Kinder und Jugendliche


Die langen Lockdown-Maßnahmen und Maskenpflicht, sowie die mangelnde Möglichkeit
normaler sozialer Beziehungen haben bei vielen Kindern und Jugendlichen zu psychischen
Belastungen und manchmal Traumatisierungen geführt. Daher sollten Mittel bereitgestellt
werden, um auf gemeindenaher Ebene die Betroffenen therapeutisch und präventiv zu
erreichen. Ein erster Schritt wäre die Aufhebung unnötiger Belastungen durch Testungen
und Maskenpflicht. Des Weiteren sollten Lehrkräfte und Führungsfiguren in der Jugendarbeit
durch entsprechendes Informationsmaterial geschult und gebildet werden. Eine kurzfristige
Erhöhung des Angebots an therapeutischen Optionen für Kinder und Jugendliche wäre von
Bedeutung. Die impliziten Schuldzuschreibungen, die Kindern die Schuld an der Erkrankung
ihrer Angehörigen zuweisen, haben sofort zu unterbleiben. Sie waren von Anfang an sachlich
falsch und psychologisch gefährlich.

  1. Forderung: Beendigung des Pflegenotstandes durch geeignete Maßnahmen


Die Analysen der vermeintlichen Notlage im Intensivpflegesektor zeigen, dass diese Notlage
einem politischen Versagen geschuldet ist. Anstatt ausreichender Bezahlung, gute
Arbeitsbedingungen und Anerkennung für Pflegende versuchte man durch dubiose
Anreizsysteme für Covid-Gehorsam Ausgleich zu schaffen. Dies sollte sofort beendet werden
und das freiwerdende Geld von privaten Trägern auf die faire Bezahlung von Personal und
einen höheren Personalschlüssel umgeschichtet werden, damit Dienste besser planbar
werden, die Arbeitsdichte reduziert und Bürokratie abgebaut wird.
Die Pflege ist die größte Gruppe von Experten die am wenigsten anerkannt sind. Seit der
Einführung der DRG Krankenhausfinanzierung ist die Demontage durch rücksichtslose,
gewinnorientierte Personalpolitik weiter und weiter vorangeschritten. Der Pflegeberuf muss
in allen Bereichen attraktiver gemacht werden. Dies kann nur gelingen, wenn in
Führungspositionen erfahrene Kollegen sitzen, die nach wie vor den Kontakt zum Patienten
pflegen und wissen, was in der Praxis sinnvoll ist.

  1. Forderung: Gewaltenteilung, Recht und Freiheit


Wir fordern die Wiederherstellung der Gewaltenteilung, denn diese wurde in der
Coronakrise untergraben. Die Regierung ließ ihren Willen durch das Parlament zu Gesetzen

machen. Die Gerichte haben regierungskonform geurteilt, da die Justiz und die Staatsanwälte
der Regierung unterstehen und da der Staat die Richter bezahlt und die Gesetze schreibt. So
gab es nichts, was die Menschen vor dem Staat geschützt hätte. Als ein Richter ein
maßnahmenkritisches Urteil fällte, veranlasste die Staatsanwaltschaft Hausdurchsuchungen
bei dem Richter sowie bei den Wissenschaftlern, die auf Einladung des Gerichtes hin
Gutachten verfasst hatten.


Wir fordern, dass der Staat nicht die Möglichkeit haben darf, den Menschen alles Mögliche
vorzuschreiben, z. B. Masken zu tragen, voneinander Abstand zu halten, sich nicht zu
versammeln, ihr Geschäft zu schließen, nur Geimpfte anzustellen oder sich impfen zu lassen.
Der Staat darf nur das vorschreiben, was die Gerechtigkeit verlangt, z. B. nicht zu stehlen und
nicht zu morden.


Wir fordern, dass die Meinungsfreiheit wiederhergestellt wird. Alle vom Staat geförderten
Zensurmaßnahmen wie z. B. staatlich finanzierte „Faktenchecker“ und Maßnahmen gegen
„Fake News“ müssen eingestellt werden. Die Benachteiligung von oder Kündigung von
Staatsangestellten, die den Maßnahmen kritisch gegenüberstehen, muss aufhören.
Wir fordern die Wiederherstellung der Wissenschaftsfreiheit. In der Coronakrise hat der
Staat in den Prozess der wissenschaftlichen Wahrheitsfindung eingegriffen und die
Wissenschaft instrumentalisiert. Der Staat darf nicht eine wissenschaftliche These zur
Wahrheit erklären und alle Wissenschaftler, die andere Thesen vertreten, ignorieren oder
diskreditieren.


Im Namen aller besorgten Mitbürgerinnen und Mitbürger dieses Landes bitten
wir Sie inständig, Ihren politischen Einfluss in vollem Umfang geltend zu
machen und sich für die Umsetzung der hier genannten Vorschläge
einzusetzen!


Nur gemeinsam können wir das lang erhoffte Ende dieser sog. „Corona-
Pandemie“ und aller damit verbundenen, die Menschen schwer belastenden
Maßnahmen erreichen.

Wir bauen auf Ihre Mitarbeit und Solidarität!
Quelle: MWGFD e.V.
Das in nun auch vom pad-Verlag bereitgestellte und zu einem kleinen Preis zu erwerbende „Corona-Ausstiegskonzept“ sämtliche wichtige Aspekte rund um das Thema Corona und eine Vielzahl von Fakten, Argumente und Daten, die wissenswert sind.
Wir erfahren viel über die Funktion und Wirkungsweise unseres Immunsystems im inneren unserer Organe und deren Schutz, die Gefahren durch die neuen genbasierten „Impfstoffe“ (S.23), über Körperzellen, die das Spikeprotien produzieren (S.25) und erhalten Informationen zu den jetzt auf den Markt kommenden sogenannten „Totimpfstoffen“ (S.32). Aber stöbern Sie selbst in der Broschüre. Ich kann hier beileibe nicht alles aufführen.
Über eine Covid-19-Impflicht erfahren wir, dass diese verfassungsrechtlich nicht haltbar ist (S.35 ff)
Dazu heißt es u.a.:

Eine Eine Impflicht zum Eigenschutz des Verpflichteten ist bereits im Ansatz problematisch, weil das Individuum in erster Linie selbst für den Schutz seiner Gesundheit verantwortlich ist. Die Wahrnehmung dieser Verantwortung ist Teil des aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 des Deutschen Grundegesetzes (GG) resultierenden Rechts auf körperliche Unversehrtheit und darf daher vom Staat höchstens unter sehr engen Voraussetzungen (quasi treuhänderisch) für das Individuum wahrgenommen werden. Ganz abgesehen davon ist eine Impfpflicht zum Eigenschutz aber auch medizinisch nicht begründbar.“
Auch sei die Begründungsstruktur für eine Impfpflicht brüchig, lesen wir auf S.41:

Diese Situation ist entstanden, weil Öffentlichkeit und Politik, getrieben von medialer Aufbereitung das Narrativ eines Killervirus verbreitet haben, gegen das wir keine Immunität hätten, gegen das wir uns durch nichts schützn könnten und daher nur durch ein Impfprogramm geschützt würden. Jede dieser Voraussetzungen ist sachlich falsch und mittlerweile klar widerlegt.“
Interessant – weil von sogenannten Experten und den Medien vernachlässigte, bzw. verschwiegene Informationen aufzeigt – auch das Kapitel „Es gibt gute Behandlungs – und konventionelle Präventionsmglichkeiten“ (S.45).
Warum eigentlich „wurde bei uns und anderswo die Devise ausgegeben, man solle mit einer Behandlung warten, bis sich schwere Symptome zeigen, die eine Einweisung ins Krankenhaus nötig machen.“ Haben Sie sich das, lieber Leserinnen und Leser nicht auch schon gefragt? Angeblich gebe es keine Behandlungsmöglichkeiten. Wirklich? Das stimme so nicht, sagt uns das vorliegende Papier.
Zur ihre Information noch die Zusammenhfassung (S.75):

Wir haben gezeigt: Unser Immunsystem ist wesentlich kompetenter, als man denkt. Anstatt es durch eine neuartige, schlecht untersuchte und potenziell gefährliche Präventionsmaßnahme zu kompromittieren wäre es wesentlich klüger, es durch einfache, billige und nebenwirkungsfreie Maßnahmen zu stärken. Das würde reichen. Wenn wir schließlich unnötige Maßnahmen beendeten und vor allem die allgegenwärtige Angstkommunikation unterbänden, dann wären wir auf einem guten Weg in eine positive Normalität. Das ist es, was wir fordern. Wir haben gesagt warum. Und wir sind bereit zum Gespräch mit all denen, die uns nicht glauben.
Hinweis am Schluss: Dieses Begründungsschreiben ist auch auf der Webseite der „Gesellschaft der Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V. digital abrufbar. Dabei können die genannten Quellen mit einem Mausklick einfach aufgerufen werden. Wobei die Nummerierung dieser Druckfassung leicht von der Manuskriptfassung abweicht.
Mein Fazit
Viel Information, interessant, verständlich aufbereitet und lesbar präsentiert. Lesen!
Die Broschüre:
Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD e.V.)
Das Corona-Ausstiegskonzept, Fakten – Argumente – Daten
Bergkamen 2022, 77 Seiten, 6, – Euro
pad-verlag – Am Schlehdorn 6 – 59192 Bergkamen / Bezug: pad-Verlag@gmx.net

Beitragsbild und Logo via MWFGD e.V.

„Am Yukon. Kanada-Erzählungen“ von Wolfgang Bittner. Rezension

Es sind schlechte Zeiten momentan. Momentan? Seit zwei Jahren quält man uns mit den Zumutungen der Corona-Krise und den von der Politik ergriffenen vermeintlichen Gegenmaßnahmen. Und nun, da dieser Begriff nicht mehr rund um die Uhr in den Medien vorkommt, haben wir den Ukraine-Krieg. Keine guten Zeiten. Schon gar keine guten Zeiten für den Frieden. Wir haben einen Krieg. Womöglich bald den Dritten Weltkrieg? Wobei wir wissen: Es wäre der letzte …

Da muss man – so wie Medien mit ihrer Propaganda auf einen einhämmern etwas vorsichtig mit sich selbst umgehen. Sonst liefe man vielleicht Gefahr, irre zu werden oder depressiv.

Also: Ab und an mal raus in die Natur. Das tut für den Moment gut. Oder ein Gespräch hin und wieder mit einem guten Freund. Ebenfalls.

Oder: Ein Buch „zum Verschnaufen in finsteren Zeiten

In wieder nicht allzu guter Stimmung erreichte mich ein schmales Buch mit einem ansprechenden Cover: Ein Holzsteg, an dem ein Motorboot vertäut ist, führt auf einen See zu, in dessen ruhigem Gewässer sich eine interessante Wolkenkonstellation spiegelt. Vom Steg aus blickt das Auge auf eine leicht hügelige, bergige Landschaft, welcher ein begrüntes Ufer vorgelagert ist.

Was soll sich sagen? Das Buch erreichte mich gerade rechtzeitig, da meine Gedanken drohten, sich wieder einzutrüben, angesichts weiterer einlangenden unerfreulichen Nachrichten. Der Autor Wolfgang Bittner hat es mir höchstpersönlich geschickt. „… herzlich zum Verschnaufen in finsteren Zeiten“ hat er auf die erste Innenseite geschrieben, „von Wolfgang Bittner“.

Ich habe bereits mehrere Bücher von Wolfgang Bittner gelesen und diese schätzen gelernt. Unter ihnen hochinteressante politische Bücher, aber auch sensibel verfasste Romane.

Nun also „Am Yukon – Kanada-Erzählungen“

Neun spannende oder berührende Geschichten führen uns in das zweitgrößte Land der Erde, dass – wie der Autor in seinem Nachwort schreibt – ein Land, das „ungefähr 28-mal so groß wie Deutschland“ ist. Im kanadischen Norden leben nur wenige Menschen. Bittner informiert: „Ich war häufiger im Yukon-Gebiet, an der Grenze nach Alaska. Dort habe ich Freunde: Deutsche Auswanderer, Indianer, Lachsfischer, Minenarbeiter, Trapper, Lehrer, einen Arzt …“ (S.119)

Das Land habe, bekennt Wolfgang Bittner, ihn „seit jeher angezogen.“

„Deswegen habe ich eines Tages meinen Rucksack gepackt, bin nach Kanada geflogen und auf eigene Faust losgezogen.“

Um sein Reisegeld zu verdienen, wollte er seiner Zeit für ein deutsches Magazin eine Reportage über Aussteiger in der kanadischen Wildnis schreiben. Bittner: „Die Gruppe, die ich besuchte, war jedoch völlig zerstritten, sodass ich auf die Reportage verzichtete und stattdessen den Roman Die Fährte des Grauen Bären, seinen ersten Kanadas-Abenteurerroman, schrieb.

Im Lande war Bittner im Auto, mit dem Flugzeug, zu Fuß und mit dem Kanu unterwegs. Aufregende Zeiten – auch manchmal mit nicht ungefährlichen Erlebnissen.

Einen Sommer verbrachte er allein in der Wildnis in einem Blockhaus zugebracht. Das liest sich romantisch. Aber sich selbst zu versorgen, meilenweit von der Zivilisation entfernt, kein Arzt in der Nähe und ein Grizzlybär schleicht um die Hütte …

Übrigens heißt es in der Erzählung „Der Grizzly“ gegen Ende (S.26): „Ein Vierteljahr später schickte mir Corwin einen Zeitungsartikel. Darin stand. Dass die Ranger den Grizzly zur Strecke gebracht hatten. Seine Größe wurde mit 2,40 Meter Scheitelhöhe angegeben, sein Gewicht mit 650 Kilogramm. Als ich mir das vorstellte, überkam mich ein Frösteln.“

Eine Erzählung erzählt, wie man, wenn man allzu naiv und gutgläubig ist leicht zum Schmuggler werden kann. Das hätte leicht im Gefängnis enden können.

Eine Erkenntnis fürs Leben erlangte Wolfgang Bittner während seiner Aufenthalte im Yukon-Gebiet: „Unter anderem wurde mir damals bewusst, dass der Egoismus und die Begehrlichkeit, auf denen unsere Gesellschaft fußt, oftmals ein humanes Leben verhindern.“

Die Erzählungen sind alle bestens lesbar, fesselnd und interessant geschrieben. Schnell wird man in sie hineingezogen und fühlt sich darin wohl und fast tatsächlich als an den beschriebenen Orten selbst anwesend.

Die legendäre Goldgräberstadt Dawson City ist freilich längstens für Touristen hergerichtet, die dann auch einmal ein paar Goldkrümel selbst schürfen dürfen. Aber der Erzähler sorgt mit seinem anregenden Schreibstil dafür, dass wir Leserinnen und Leser wenigstens einen Hauch davon erahnen, was in längst vergangenen Jahrzehnten einst in Dawson-City abging. Den Goldrausch, die Typen, die sich ihm hingaben. Abenteuerfeeling in jeder der Erzählungen, die feine Zeichnungen von Charakteren.

Nicht zuletzt atmet das Buch von Wolfgang Bittner auch bisschen etwas Jack Londons Geist, der ja sozusagen auch einen Fußabdruck in Dawson City hinterließ. Wo es auch ein Jack-London-Museum gibt.

Was soll ich hinten raus sagen? Lesen! Zum „Verschnaufen in finsteren Zeiten“ diente das Buch mir für eine gewisse Zeit. Dank dem Autor dafür!

Aber da dräut uns schon das nächste Übel. Im Lande Absurdistan, so könnte man Deutschland die letzten zwei Jahre ja durchaus benennen, wollen nun bestimmte Politiker, die offenbar nicht die hellsten Kerzen auf der bundesdeutschen Torte sind und welche auch sonst von wenig Geist beseelt sind, das „Z“ verbieten. Warum? Weil es die russische Armee auf ihr Kriegsgerät gemalt hat!

Bald auch in der Literatur verboten? Möglich. Augenblicklich kann ich (noch) Entwarnung geben: Keine Angst, liebe Leserinnen und Leser: die „Zts“ in diesem Buch sind noch nicht getilgt und da wo sie hingehören. Kaufen Sie das Buch solange das noch so ist.

…um Teufel, wo sind wir bloß hingekommen! Das Buch ist gute Unterhaltung. Erfreuen Sie sich daran …

Das kanadische Yukon-Territorium: Eine faszinierende Landschaft mit ungewöhnlichen Menschen. The Land of Magic and Mystery, so sagt man. Dorthin führt Wolfgang Bittner seine Leserinnen und Leser in neun abenteuerlichen Geschichten, die es in sich haben. Der Autor hat selber Zeiten in der Gegend um die legendäre Goldgräberstadt Dawson City am Yukon-Strom verbracht. Er hat mit Indianern Lachse gefischt, Aussteiger und Selbsterfahrungsgruppen besucht, war mit dem Kanu auf den Flüssen unterwegs und hat interessehalber einen Sommer lang in einer Goldmine gearbeitet. Er kennt sich aus, und das merkt man in jeder Zeile.

AM YUKON – KANADA-ERZÄHLUNGEN

Wolfgang Bittner (Autor) Website: Wolfgang Bittner

Buch | Hardcover

132 Seiten

2022 | 2. Auflage
epubli (Verlag)
978-3-7549-4205-5 (ISBN)

16,99 € inkl. MwSt

Über Wolfgang Bittner

Wolfgang Bittner wurde am 29. Juli 1941 in Gleiwitz/Oberschlesien (jetzt Gliwice/Polen) geboren, wuchs in Ostfriesland auf und lebt als freier Schriftsteller in Göttingen. Nach dem Abitur (auf dem zweiten Bildungsweg 1966) studierte er Rechtswissenschaft, Soziologie und Philosophie in Göttingen und München. 1970 erstes juristisches Staatsexamen, 1972 Promotion über ein strafrechtliches Thema, 1973 zweites juristisches Staatsexamen. Bis 1974 ging er verschiedenen Berufs- und Erwerbstätigkeiten nach, u.a. als Fürsorgeangestellter, Verwaltungsbeamter und Rechtsanwalt. Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Vorderasien, Mexiko, Kanada und Neuseeland. Wolfgang Bittner schreibt für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und erhielt mehrere Literaturpreise. Mitarbeit bei Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen. 1996-1998 im WDR-Rundfunkrat; Lehrtätigkeit im In- und Ausland, 2004/05 und 2006 Gastprofessuren in Polen. Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (1997-2001 im Bundesvorstand) und im PEN.

DER ROMANKIOSK – der Imprint der Verlage Apex, CassiopeiaPress und Edition Bärenklau – hat sich ganz und gar der Unterhaltungs-Literatur in all ihren Facetten aus der Feder deutscher und internationaler Autoren/Autorinnen verschrieben: Entdecken Sie unser stetig wachsendes Programm aus E-Books, Paperbacks und Hardcovers und lassen Sie sich begeistern von der spannenden, gefühlvollen und mitreißenden Vielfalt unserer lieferbaren Titel!

Foto: via Wolfgang Bittner

„Vernichten“ von Michel Houellebecq. Rezension

Seit ich auf den französischen Schriftsteller Michel Houellebecq gestoßen bin, verfolge, lese – ja, verschlinge – ich seine Werke mit großer Lust. Oft erfühlt Houellebecq mit den darin erzählten Geschichten den Lauf der Dinge. Der kommenden Dinge und Zeiten, die sich ja aus dem Jetzt und dem Davor ergeben (könnten). Wären wir aufmerksamer und genauer in der Beobachtung unserer Zeit, dem Lauf der Dinge gegenüber, welcher ja Menschenwerk ist, woran wir mehr oder weniger beteiligt sind. Oder vielleicht dem Irrtum zu erliegen, zu denken, unsererseits daran nur anscheinend nahezu unbeteiligt zu sein. Beziehungsweise wie von einem Fluss mitgerissen werden. So werden wir in die Resultate fragwürdiger Politiken hineingelebt. Möglicherweise schwante uns selbst das Kommen-Könnende.

Houellebecq der Visionär. Ein Seismograf auf zwei Beinen mit äußerst klugem Kopf

Aber wir haben ja Houellebecq. Also lesen wir ihn. Gewissermaßen in seinem Denken ist uns ein Vorangehender in eine kommende Zeit. Zweifelsohne ein Visionär. Klug dedektiert Houellebecq mittels ihm ganz offenbar zur Verfügung stehenden seismografischen Fühlern das uns Bevorstehen-Könnende. Ein Seismograf auf zwei Beinen mit einem äußerst klugen Kopf.

Verstehen wir oder versuchen wir es zumindest. Und lernen daraus? Na ja, mal langsam! Die Geschichte zeigt uns – erst recht in diesen Tagen erneut: wir sind offenbar ziemlich unfähig etwas zu lernen aus dem Geschehenen, der Vergangenheit.

Was mir – am Rande bemerkt – neulich wieder deutlich wurde. Da wurde nämlich Paul Craig Roberts (u.a. einst stellvertretender Finanzminister unter US-Präsident Reagan) im privaten Corona-Ausschuss gefragt, warum denn Menschen sich über Jahrzehnte und länger zurück immer wieder von der Politik oder den Medien sozusagen hinter die Fichte führen ließen. Nichts daraus lernten. Schließlich seien doch diese üblen Machenschaften meist herausgekommen. Und auch nachlesbar. Roberts schmunzelte. Ja, das stimme, entgegnete er, doch die Menschen seien halt nun mal vergesslich. Auch würde dafür gesorgt, dass sie vergäßen. Und die Akteure, die Politiker, die Medienmacher wechselte ja doch. Generationen verschwänden, neue wüchsen heran. Und so geschähe es – so bitter dies auch sei – eben, dass neue politische Akteure und deren Hintermänner, abermals mit ähnlichen Manipulationen der Menschen durchkämen.

Nun also Houellebecqs achter Roman. Er trägt den Titel „Vernichten“. Um was geht es?

„Kurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2027 taucht im Netz ein Video auf, das die Hinrichtung des möglichen Kandidaten Bruno Juge zu zeigen scheint. Paul Raison ist Absolvent einer Elitehochschule und arbeitet als Spitzenbeamter im Wirtschaftsministerium. Als Mitarbeiter und Vertrautem Juges fällt ihm die Aufgabe zu, die Urheber des Videos ausfindig zu machen. Im Laufe seiner Nachforschungen kommt es zu einer Serie mysteriöser terroristischer Anschläge, zwischen denen kein Zusammenhang zu erkennen ist. Aber nicht nur die Arbeit, auch das Privatleben von Paul Raison ist alles andere als einfach. Er und seine Frau Prudence leben zwar noch zusammen, aber sie teilen nichts mehr miteinander. Selbst die Fächer im Kühlschrank sind getrennt. Während Juge um seine Kandidatur kämpft, kann Paul entscheidende Hinweise für die Aufklärung der Anschläge liefern. Doch letztlich verliert Juge gegen einen volksnahen ehemaligen Fernsehmoderator, und die Erkenntnisse aus Pauls Recherche sind nicht minder niederschmetternd für die Politik des Landes.
Als Paul von seiner Arbeit freigestellt wird, kommt es zu einer Annäherung zwischen ihm und seiner Frau und die beiden finden wieder zueinander. Ein unerwartetes, wenn auch fragiles Glück …

Die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Liebe, das komplexe Zusammenspiel von Gesellschaft und Politik und die weitreichende, oftmals kaum wahrnehmbare Verknüpfung von Politischem und Privatem – das sind die Themen des neuen Romans von Michel Houellebecq, dem großen Visionär der französischen Literatur.“ Quelle: Dumont Verlag

In Houellebecqs Romanen scheinen oft gesellschaftlichen Verwerfungen auf, die Anlass geben, sich bezüglich der Zukunft Sorgen zu machen. Das sind Auswüchse des Neoliberalismus. Oder in „Unterwerfung“ eine satirisch zugespitzte, angenommene Machtübernahme durch Muslime in Frankreich. Was wiederum ein Zeichen für das hier bereits erwähnte seismografische Talent, welches der Autor zweifelsohne besitzt.

Postdemokratische Auswüchse mit moralischem Verfall sogenannter Eliten

Auch in „Vernichten“ blitzen wieder gesellschaftliche Veränderungen auf – und seien es nur solche, die sich in architektonischen Grausamkeiten oder kulturellen, ver- und zerstörenden Veränderungen – wie etwa die durch die Globalisierung ausgelösten – , dem moralischen Verfall sogenannter Eliten äußern, welche Paul in Paris wahrnimmt. Nicht zuletzt hinsichtlich der bevorstehenden Präsidentschaftswahl. Mit all dem Tamtam, dem Schmierentheater der inzwischen üblichen Talkshows, dem von den USA entlehntem Klimbim und dem im Hintergrund werkelnden Politberatern, die die Kandidaten entsprechend briefen, zurechtschustern und aufhübschen, versuchen, sie systemgerecht zurecht zu lutschen, damit sie wählbar erscheinen. Politberater, denen letztendlich die Kandidaten mehr oder weniger herzlich wurscht sind. Für sie ist’s halt ein Job. Hauptsache die Kohle stimmt und ihr Kandidat macht das Rennen. Ein letztlich abstoßendes Bild von Demokratie. Demokratie? Ein Rummel. Postdemokratie nach Colin Crouch. Wie überall. Auch bei uns hierzulande.

Auch in diesem neuen Roman kommt die Rechte vor. Die Partei Rassemblement National (RN) – früher Front National (FN) – mit Marine Le Pen an der Spitze kommt wieder vor. Noch ist sie aber noch nicht so erfolgreich, dass sie die Präsidentschaft erlangt. Zumindest wird aber deren Wandlung kenntlich. Längst erscheint sie vom Personal und dem Erscheinungsbild her nicht mehr so offen radikal-rassistisch wie zuvor unter Marines stramm rechtsextremem Vater.

Paul Raison, Vertrauter seines Ministers. Seine Beziehung zu Prudence ist abgekühlt

Gleichzeitig ist Paul Raison mit seiner äußersten engagierten Tätigkeit für seinen Minister sehr zufrieden ist.

„Pauls wesentliche Rolle, das wurde ihm allmählich bewusst, bestand schlicht darin, Bruno im Bedarfsfall als Vertrauter zu dienen.“

Paul wohnt unweit des Ministeriums mit herrlichem Blick auf einen Park.

Mit der abgekühlten Beziehung zu seiner Ehefrau Prudence hat er offenbar seinen Frieden gemacht. In seiner Freizeit schaut er gern Tierfilme.

Gegen Anfang des Romans – als Paul mit seinem Minister auf Dienstreise in Afrika ist und mit ihnen in der Bar zwei Prostituierte sitzen, bekommt Paul Lust auf Sex. Geniert sich aber vor Bruno. Über Sex lässt Houellebecq Paul sinnieren, der gehörte zu den „natürlichen, aber nicht notwendigen Begierden, jedenfalls aus Sicht der Männer, bei Frauen war es vielleicht eher ein Erfordernis“.

Der Einschnitt: der Schlaganfall von Pauls Vater

Später erleidet sein Vater, der vor seiner Pensionierung für den Geheimdienst tätig gewesen war, einen Schlaganfall. Im Krankenhaus wird er in ein künstliches Koma versetzt. Ein harter Einschnitt im Leben von Paul.

In Pauls Heimatdorf im Beaujolais – dem krassen Gegensatz zu Paris – kommen nostalgisch Erinnerungen hoch

Er bringt ihn zurück in sein Heimatdorf im Beaujolais. Wo ihm Erinnerungen, besonders der an seine dort verbrachte Jugend, nostalgisch hochkommen. Und Paul gewissermaßen auflebt, Kraft tankt. Ein krasser Gegensatz zum Glamour und dem Morast von Paris.

„Das Beaujolais stellte den selten gewordenen Fall einer lebendigen ländlichen Umgebung dar, es gab kleine Geschäfte, Ärzte, Taxis, mobile Pflegedienste, so in etwa musste wohl die ‚Welt von früher‘ ausgesehen haben. Seit einigen Jahrzehnten hatte Frankreich sich in ein heikles Nebeneinander von Ballungszentren und menschenleeren ländlichen Regionen verwandelt.“

Wiederaufeinandertreffen der Familie mit und auch Leid

Es kommt zum Aufeinandertreffen der Familie auf dem Landsitz im Beaujolais. Eine Wiedervereinigung mit Tücken und auch Leid durch den tragischen Suizid eines Bruders aufgrund von schweren Schuldgefühlen.

Sie waren wieder vereint, dachte Paul, wie lange war es wohl her, dass Brüder und Schwester zuletzt so zusammengesessen hatten. (…) trotzdem überkam ihn wenige Minuten nach dem Zubettgehen eine quälende Angst, die Gewissheit, dass diese Wiedervereinigung eine Illusion war, dass sie zum letzten oder beinahe letzten Mal zusammen gewesen waren, dass bald alles wieder seinen gewohnten Lauf nehmen, alles wieder auseinanderfallen und sich auflösen würde.“

Altenheime als „scheußliche Sterbestationen“

Der gelähmte Vater macht kleine Fortschritte und wird in ein Pflegeheim verlegt. Wo es nicht nur übel riecht, sondern auch die Zustände im Allgemeinen ein Übel darstellen. Wenn Houellebecq die diesbezüglichen Szenen beschreibt, wird auch deutlich – wie bei uns in Deutschland nicht anders – welche Defizite das Pflegesystem aufweist. Es fehlt an Personal.

Die alten Leute werden recht und schlecht aufbewahrt dort. Houellebecq nimmt betreffs dieser Altenheime kein Blatt vor den Mund. Er nennt sie „scheußliche Sterbestationen“.

Die aus Afrika stammende Krankenpflegerin Maryse ist erschrocken darüber, wie mit den Alten in Europa umgegangen wird.

Wir lesen:

Diejenigen Bewohner, die nicht mehr zum Aufstehen in der Lage seien, hätten fast alle furchtbare Wundgeschwüre. Sie habe zehn Minuten, um sie zu waschen, was bei Weitem nicht ausreiche, und viele Bewohner könnten nicht mehr selbständig zur Toilette gehen, sie werde ständig auf dem Handy angerufen, ganz zu schweigen von den Patienten, die aus ihren Zimmern schrien, jemand solle kommen und sich um sie kümmern, manchmal, wenn sie dann ins Zimmer komme, habe der arme alte Mensch, weil er nicht länger einhalten konnte, sich selbst und den Boden vollgeschissen, sie müsse dann alles sauber machen, die Scheiße und die verschmutzten Laken seien schon unangenehm, aber das Schlimmste seien die flehenden Blicke, wenn sie zu ihr sagten: ‚Sie sind sehr freundlich, Mademoiselle.‘ Bei ihr zu Hause in Afrika hätte es so etwas nicht gegeben, wenn das der Fortschritt sei, dann tauge er nichts.“

Wiederannäherung an Prudence – auch sexuell

Auf dem Landsitz der Familie kommen sich Paul und Prudence auch wieder näher. Auch sexuell. Im schmalen Bett seiner Jugendzeit. Über Jahre hatten sie nicht mehr miteinander geschlafen.

„Sie legte zuerst eine Hand auf seine Taille und schob sie dann in Richtung seiner Brust. (…) Ihre Münder waren wenige Zentimeter voneinander entfernt. Ohne einen Augenblick zu zögern, presste Prudence ihren Mund auf seinen, schob ihre Zunge hinein und bewegte sie langsam, verflocht ihre Zunge mit seiner.“

Entführung“ von Vater Èdouard aus dem dem Altenheim

Im Altenheim möchte man den Vater nicht dahinvegetieren lassen. Eine Gruppe, die im rechten Spektrum verortet wird, welche auf Derartiges abonniert ist, wird beauftragt Pauls Vater Édouard aus dem staatlichen Altenheim zu entführen. Generalstabsmäßig geplant gelingt die Aktion.

Schreckliche Diagnose für Paul

Als die Entführung publik wird, muss Paul beurlaubt werden. Als der wegen Zahnschmerzen und üblen Mundgeruchs einen Zahnarzt aufsucht, schickt der ihn zu weiteren Untersuchungen. Die harte Diagnose: Mund-Krebs …

Der einzigartige Schreibstil Houellebecqs vermag wie immer zu fesseln

Bei der Lektüre dieses nunmehr achten Houellebecq-Romans mögen einen inhaltliche Unterschiede, andere vom Autor gesetzte Schwerpunkte zu den Vorgängerromanen auffallen – dennoch ist es wieder ein Houellebecq, wie man ihn als sein Fan liebt. Es ist der einzigartige Schreibstil, der immer auch humorvolle Elemente beinhaltet. Und, wie bereits erwähnt: es das Visionäre, das der Autor in seinen Romanen zum Ausdruck bringt. „Vernichten“ spielt 2027. Das ist gar nicht mehr soweit entfernt. Wir sollten das bedenken und auch beunruhigt sein. Der Autor selbst sieht das allerdings so: „Nicht das Böse, sondern die Versuchung des Guten“ wäre treibe ihn zum Schreiben an, sagte Houellebecq zur Veröffentlichung seines neuen Romans gegenüber der Presse.

Am Ende seines Romans dankt Michel Houellebecq den Experten Medizin und einem Notar, welche der für seinen Roman besucht hat. Er schreibt: „Zu den Ärzten, die ich regelmäßig konsultiere, gehört der HNO-Arzt Dr. Alain Correé, der sicherlich derjenige ist, der die größte Verantwortung zu tragen hatte; angesichts des Lebens, das ich geführt habe, wäre ich sicherlich dafür prädistiniert gewesen, an HNO-Krebs zu erkranken. Neben den wertvollen medizinischen Informationen verdanke ich ihm die Formulierung, dass Dr. Nakaches Ton ‚martialisch, ein bisschen nach Vietnamkrieg‘ klang; hierfür sei ihm gedankt.“ – Darf man annehmen, dass Michel Houellebeqc – der als starker Raucher galt – nun das Qualmen aufgegeben hat?

Sein letzter Roman? Das wäre schade

Houellebeqc endet so: „Grundsätzlich sollten französische Schriftsteller nicht davor zurückschrecken, mehr zu recherchieren; es gibt Menschen, die ihren Beruf lieben und den Laien gerne erklären, was sie tun. Ich bin glücklicherweise gerade zu einer positiven Erkenntnis gelangt; für mich ist es Zeit aufzuhören.“

Wirklich? Ich fände es sehr schade, wenn das letzte Roman von Michel Houellebeqc gewesen wäre …

Michel Houellebecq

Vernichten

Roman

624 Seiten

Erscheinungstag: 11.01.2022
ISBN 978-3-8321-8193-2

Übersetzung: Stephan Kleiner i , Bernd Wilczek i

Preis: Hardcover 28,00 Euro

„Wer schweigt, stimmt zu“ – Ein Essay von Ulrike Guérot. Rezension

Klopfe ich mein bisher gelebtes Leben ab, empfinde ich den Lebensabschnitt von 2020 bis jetzt als den schlimmsten. Eine Zeit permanenter Bedrohung und Unsicherheit. Nicht, dass vorher alles glänzend gewesen wäre – das nicht. Die alte Normalität war schon längst so normal nicht mehr.

Dennoch: zwei Jahre Corona-Pandemie haben uns, unseren Gesellschaften einen schweren Schlag versetzt. Uns davon zu erholen, wird es Zeit brauchen. Zumal im Nachbarland Österreich und hierzulande noch keine Entwarnung gegeben werden kann, bzw. von den Entscheidungsträgern partout noch nicht gegeben wird. Die nicht nötige allgemeine Impflicht gegen Covid19 schwebt beängstigend tief über unseren Köpfen.

Klar, es muss der Gesslerhut gegrüßt werden: Ja, das Virus kann für Menschen gefährlich sein – besonders vulnerable Menschen können schwer erkranken und auch daran sterben. Es muss allerdings auch das Ganze betrachtet werden. Nämlich, wie mit der Pandemie umgegangen worden ist. Dies ist eine Katastrophe, die es so nie zuvor in der ausufernden Form gegeben hat. Auch das forderte Opfer. Auch Tote. Das muss gesagt werden dürfen. Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot hat das getan. Und zwar schon früh in der Pandemie-Zeit. So wurde sie zu einer geschätzten Stimme bei Menschen, welche noch nicht hirngewaschen waren durch Politik und Medien. Weil sie sich erlaubten noch selbst zu denken. Guérots Text trägt nicht umsonst den Titel Wer schweigt, stimmt zu. Die Autorin ist alles andere als eine „Corona-Leugnerin“, wie gewiss manche denken könnten. Weil sie es wagt, alles so hinzunehmen wie Politik und Medien uns lange zwei Jahre nicht müde wurden uns einzuhämmern. Ulrike Guérot durchbrach schon früh das Schweigen. Warum, fragt man sich empört und darf fragen, schwiegen und schweigen so viele Intellektuelle bei uns? Die ansonsten immer zu so vielen Dingen etwas zu sagen hatten, in Funk, Fernsehen und Presse. Doch hier, in dieser mit aller Finesse (möglicherweise unter Mitwirkung von Psychologen) aufgebauten Corona-Angst-Kulisse schwiegen sie dröhnend.

Der Umgang mit der Pandemie. Und deren Profiteure

Und ja: es mussten Maßnahmen ergriffen werden, um die Verbreitung es Corona-Virus zu unterbinden und Menschen vor Ansteckung damit zu schützen.

Es muss freilich auch in Rechnung gestellt werden, dass anfangs wenig über das Virus gewusst wurde. Weshalb die Politik Fehler gemacht hat. Doch selbst, als das Wissen zunahm und auch darüber hinaus noch hätte mehr gewusst werden können (hätten man denn wissen wollen) hielt man an teilweise irrational anmutenden und sich widersprechenden Maßnahmen fest. Sie richteten wie das Virus ebenfalls Schaden an, verursachten Tod und beeinträchtigten die Volkswirtschaft und schädigten vielfach Menschen auch psychisch. In erster Linie unsere Kinder in vielerlei Hinsicht. Was ein Verbrechen an ihnen ist. Und gewiss nachhaltigen Auswirkungen zeitigen dürfte. Arbeitsplätze gingen verloren. In Ländern der dritten Welt nahm der Hunger zu. Derweil die Reichsten der Reichen und Konzerne wie Amazon immens mehr Geld scheffelten. „Gewinner sind vor allem Tech-Konzerne wie Facebook, Twitter sowie YouTube und Finanzriesen, schlussendlich digitale Überwachungssysteme installieren: de Körper als letzte Ware im Visier und leere Heilsversprechen im Gepäck“, lesen wir auf dem Rückdeckel des Buches.

Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet

Festzustellen ist, um eine Pandemie (die übrigens überhaupt erst zur Pandemie erklärt werden konnte, weil die WHO 2009 die Definition dafür änderte), zu bekämpfen, wurde m.E. sozusagen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Freiheitsrechte und in diesem Zuge sogar Grundrechte wurden eingeschränkt! Dass Letzteres zwar durchaus geschehen darf, wenn es denn wirklich verhältnismäßig ist, aber sofort wieder zurückzunehmen ist, wenn der Zustand, der dazu führte nicht mehr gegeben ist. Darauf hat nahezu als einsamer Rufer in der bundesrepublikanischen Wüste mehrmals der Journalist und Jurist Heribert Prantl hingewiesen. Seine Worte verhallten.

Die schon vor der Pandemie im Grunde genommen bereits zur Fassadendemokratie (dazu hier mehr) verkommene Demokratie musste im Rahmen der ergriffenen Anti-Corona-Maßnahmen noch weitere Schläge hinnehmen. Noch mehr Putz platzte auch von dieser Fassade ab.

Und das ist es: Diese die Gesellschaft noch weiter spaltenden und die Demokratie beschädigenden Tendenzen, die wir konstatieren, dürfen nicht dem Virus allein in die Schuhe geschoben werden. Das Problem ist der Umgang mit dem Virus.

Ulrike Guérot stieg nicht den Zug der CoronaMaßnahmen und ist heute von der Gesellschaft entfremdet

Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot merkte auf, wie sie in der Vorbemerkung zu ihrem neuen Buch schreibt, als sie in den „ersten Märztagen 2020, als man in Österreich eine Stunde joggen durfte, fand ich mich einmal am Donaukanal in Wien, weit und breit allein auf weiter Flur, auf einer Parkbank, den Kopf wie Diogenes gen Frühlingssonne gerichtet, als vier bewaffnete Polizisten mich baten, den öffentlichen Raum zu räumen“.

Weiter: „Der Vorfall war so bizarr, dass ich ab da der Überzeugung war, dass ein Großteil der Gesellschaft kollektiv in eine Übersprungshandlung getreten war. Viele trugen etwa noch im eigenen Autor Masken. Alle drängten unter Panik in einen Zug, der immer schneller Fahrt aufnahm. Es war der Zug der Coronamaßnahmen. Wer, wie ich nicht in diesen Zug eingestiegen ist, hat das Zeitgeschehen von einer anderen Warte beobachtet und ist heute von der Gesellschaft entfremdet. Zwei Jahre schon fährt dieser Zug unaufhaltsam einem Ziel entgegen, das niemand mehr kennt.“ Dabei geht es Guérot nicht um Verharmlosung. Sie selbst kennt rund 50 Personen, die Corona hatten.

Wer vom offiziellen Narrativ abwich, wurde diffamiert. Auch Ulrike Guérot geriet unter Feuer

Politisch und medial galt fortan ein bestimmtes Corona-Narrativ. Das durfte – wie sogar einmal der Chef des RKI Lothar Wieler, ein gelernter Tierarzt, auf der Bundespressekonferenz sagte, nicht (sic!) hinterfragt werden. Gestandene Experten – einige davon jahrzehntelang anerkannt und hoch geschätzt – wurden ausgegrenzt, weil sie vom offiziellen Narrativ abweichende Meinungen begründeten und aus Besorgnis öffentlich äußerten. Sie wurden diffamiert, ihre Videos auf YouTube gelöscht. Als Person bekamen sie den Stempel „Schwurbler“ aufgedrückt. Ulrike Guérot geriet selbst unter Feuer (S.11): „Ich persönlich musste im August 2021 eine Rufmordkampagne über mich ergehen lassen, weil ich – wie viele andere – auf Ungereimtheiten in der offiziellen Corona-Berichterstattung. Auf das Framing von Zahlen oder die rechtliche Problematik von 2G hingewiesen habe.“

Verkehrte Welt. Die Nase läuft, die Füße riechen“

Der Autorin ging es so, wie gewiss vielen von uns. Vor allem die politischen Rechte kritisierte die Maßnahmen als unverhältnismäßig. Die politische Mitte und sogar die Linke begrüßte sie und forderte gar noch Verschärfung. Mir fällt dazu ein Wort eines verstorbenen Kollegen ein: „Verkehrte Welt. Die Nase läuft, die Füße riechen.“

Guérot: „Auf einmal konnte man die eigenen Argumenten nur noch in Zeitungen oder auf Webseiten lesen, die man vorher nicht mal mit der Kneifzange angepackt hätte:“ (…)

„Und teilt man“, rückt sie gerade, „wenn man ein Argument mit einer politischen Gruppierung teilt, die man ansonsten als ziemlich unmöglich erachtet, konsequenterweise alle anderen Positionen dieser Gruppierung? Natürlich nicht! Vielmehr muss man diese Argumente schleunigst dieser Gruppierung abnehmen und wieder in die politische Mitte bringen!“

Ulrike Guérot gibt auch zu bedenken: „Die Gefahr des >>Beifalls von der falschen Seite<< ist nicht nur das falsche Argument, es ist das totalitäre Argument, wusste schon Hans Magnus Enzensberger. Sonst überlässt man anderen die Kontrolle darüber, was man selbst denken darf. Wenn der das sagt, darf ich das nicht denken, weil der andere eben pfui ist.“

Oder: Mit dem darf ich nicht reden. Schon mit jemanden – etwa einem „Schwurbler“ gesehen zu werden, kann einem heutzutage quasi den Hals brechen, die Reputation kosten. Man kennt das: Kontaktschuld. Doch das wurde auch schon vor Corona praktiziert, bevor es nun jetzt als Anwurf noch einmal heftiger zur Anwendung kommt. Um unliebsame Kritiker mundtot zu machen.

Debattenräume sind zu engen Meinungskorridoren betoniert worden

Die zwei Jahre Krisengeschehen haben vieles zum Nachteil verändert. Debattenräume wurden immer mehr verengt wurden zu Meinungskorridoren betoniert. Worin sich nur noch äußern darf oder sich zu äußern getraut, wer dem „richtigen“ Narrativ folgt.

Wissenschaft bestimmt den Weg. Die Politik behauptet ohne rot zu werden: Man folge der Wissenschaft. Welcher Wissenschaft? Einst einmal war klar: Die Wissenschaft gibt es nicht. Schon gar keine mit Erkenntnissen, die als endgültig und einzig richtige hingestellt werden können. Die Politik – vornweg ein Klaubautermann Lauterbach, dem die markante rote Fliege vorher weggeflogen war – verbreitet Angst und Panik. Ging es nach ihm, wären die meisten von uns schon tot. Und die Medien schürten tagtäglich zwei Jahre lang Angst, statt Journalismus zu praktizieren. Ein Journalismus, welcher in meinen Augen mindestens seit 2014 schon auf den Hund gekommen ist und längst nicht mehr für Vierte Macht steht, sendet und schreibt!

#WIEWOLLENWIRLEBEN?

Wollen wir so (weiter-)leben? Ulrike Guérot mochte sich nicht abfinden mit dem, was ist – mit dem, was angerichtet und eingestielt wurde. Gut so! Der Westend Verlag, wo ihr Buch erschienen ist:

„Ulrike Guérot hat ein wütendes Essay für all diejenigen geschrieben, die nicht so leben wollen wie in den letzten zwei Jahren; die einem Virus nicht noch ein demokratischen System hinterher schmeißen, und die ihre Freiheit nicht für eine vermeintliche Sicherheit verspielen wollen.“

Guérot erinnert nicht umsonst an die Worte Benjamin Franklins: „Wer die Freiheit aufgibt, verliert am Ende beides.“ (ihre Schlussbemerkung S.123 einleitend)

Mit Verweis darauf, dass wir es schon nach 9/11 mit Gesetzen zu tun haben, die vermeintlich befristet zur Terrorbekämpfung dienen sollten, aber inzwischen fester Bestandteil von Rechtsordnungen geworden sind.

Und, was heißt „demokratisches System“? Wir müssten präzisieren: Was davon noch übrig geblieben ist. Ich schrieb vorhin von „Fassadendemokratie“. Man könnte auch sagen, die das Anzeichen dafür ist, dass wir schon eine Weile in dem Etwas leben, dass Colin Crouch einst „Postdemokratie“ nannte und davor warnte.

Niemand ausgrenzen – „auch nicht die AfD! – , denn mit der Ausgrenzung beginnt die Erosion der Demokratie“, warnt Ulrike Guérot

Es stimmt doch: „Zwei Jahre Krisengeschehen haben das gesellschaftliche und politische Leben nicht nur in Deutschland substanziell verformt und zu einer schier unglaublichen Machtkonzentration der Exekutive geführt. Der Wert von Grundrechten muss dringend neu in unserem Bewusstsein verankert werden, fordert Ulrike Guérot.

„Der allererste Grundsatz dafür müsste sein, dass niemand, aber auch niemand, von der Teilnahme am Diskurs ausgegrenzt wird – auch nicht die AfD! -, denn mit der Ausgrenzung beginnt die Erosion der Demokratie.“

Paranthese meinerseits: Mit Verlaub: Welche meines Erachtens schon eingesetzt hat, die Erosion.

„Wer“, führt Guérot weiter aus, „aber soll diese Arbeit machen, in welchen Bildungsstätten soll sie vorbereitet werden?

Impflicht kurzfristig europaweit verhindern. Dann alle Maßnahmen mit sofortiger Wirkung beenden

„Nehmen wir seine Sekunde an, diese Fragen könnten gelöst werden, so wird die Bereinigung der gesellschaftlichen und politischen Flurschäden Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die Schritte, in denen das zu passieren hat, zeichnen sich gerade am Horizont ab. Kurzfristig muss die Impflicht – europaweit verhindert, dann müssen alle Maßnahmen mit sofortige Wirkung beendet und so das politische System vor seiner autoritären Schließung bewahrt werden. Gehen wir – die Hoffnung stirbt zuletzt – davon aus, dass dies in letzter Minute im März 2022 gelingen wird. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wäre wünschenswert, dürfte aber nicht zustande kommen – oder vielleicht erst in einigen Jahren. Aber die gesellschaftlichen Reparaturarbeiten müssen mit Hochdruck in Angriff genommen werden“, schreibt die Autorin.

Wir müssen unser Zusammenleben schlicht neu entwerfen“

Also retten, was noch zu retten ist? Wenn es nach Guérot geht: „Wir müssen unser Zusammenleben schlicht neu entwerfen: für eine postnationale, postkapitalistische und postpatriarchale Welt. Mit öffentlichen Räumen, zu denen alle Zugang haben und wo niemand durch einen Barcode ausgesperrt wird. Europa und Freiheit gehören untrennbar zusammen. Schweigen wir also nicht.“

Unbedingt: „Ein Buch gegen den transhumanistischen Zeitgeist, der mit einer als Lebensrettung maskierten Kontrollpolitik genau das verspielt, was das Mysterium des Lebens ausmacht.“

Und, heißt es zum Essay: „Zwischen Wahn und Hoffnung. Ein kämpferischer Text über den Zustand der Zeit. Und darüber, wie wir leben wollen. Wie wollen wir eigentlich leben? Nach zwei Jahren Pandemie, in zermürbten Gesellschaften, verformten Demokratien, polarisierten Debatten, erschöpften Volkswirtschaften und eingeschränkten Freiheitsrechten, liegt diese Frage mitten auf dem europäischen Tisch!“

Der Essay ist in drei Teile gegliedert.

Teil I Wo wir stehen ( S.21)

Teil II Was passiert ist (S.63)

Teil III Was wir jetzt machen (S.89)

Es folgt die Schlussbemerkung (S.123)

Noch einmal nimmt Guérot (S.131) auf den Titel ihres Textes  Wer schweigt, stimmt zu Bezug. Ihre Begründung: „Am Ende ist es wieder niemand gewesen, wenn die Dinge jetzt doch, langsam, aber merklich, kippen sollten.“

Sie gibt mahnend zu bedenken: „Wenn die Impflicht doch noch kommen sollte, wird sie ein Pyrrhussieg eines Systems, das sich selbst entlarvt hat.“

Aufzulösen wäre das mittelfristig nur, wenn einfach immer größere Teile der Bevölkerung sich weigern würden, mitzumachen, bei 2G, Impfen oder digitaler Kontrolle, allen voran das Gesundheitspersonal, die Lastwagenfahrer:innen oder die Polizist:innen, also all diejenigen, die vielen, die man – im Gegensatz zu den meritokratischen Funktionseliten – tatsächlich buchstäblich braucht, um den bundesrepublikanischen Laden auf Laufen zu halten.“

Dieser Essay gehört in jeden Haushalt

In ihrer Danksagung (S.135) schließt die Autor ihren hervorragenden und wichtigen Text in durchaus hoffnungsvoll und Mut machend: „Doch inzwischen fast unüberschaubare Fülle von kritischen Gruppen, egal ob Ärzt:innen oder Richter:innen, Anwält:innen oder Unternehmer:innen, Hotelgewerbe oder der Polizei, angesichts der der Fülle von alternativen Medien, angesichts der Vielzahl und Größe der Demonstrationen sowie des stillen, unsichtbaren Protests der Verweigerung, zeigt, dass die Zivilkräfte unserer Gesellschaft noch wach sind und funktionieren. Arbeiten wir also daran, dass sie den gesellschaftlichen Diskurs jetzt wieder in zivilisierte Bahnen und eine demokratischen Normalität lenken.“

Was bleibt zu sagen? Lesen! Dieser Essay gehört in jeden Haushalt. Weil wir alle betroffen sind.

Informationen

Ulrike Guérot studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Bonn, Münster und Paris. Sie ist Professorin, Autorin und Aktivistin in den Themenbereichen Europa und Demokratie, mit Stationen in Think Tanks und an Universitäten in Paris, Brüssel, London, Washington, Berlin und Wien. 2014 gründete sie das European Democracy Lab, e.V., eine Denkfabrik zum Neudenken von Europa. 2016 wurde ihr Buch „Warum Europa eine Republik werden muss. Eine politische Utopie“ europaweit ein Bestseller. Seit Herbst 2021 ist Ulrike Guérot Professorin für Europapolitik der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms Universität Bonn und Co-Direktorin des Centre Ernst Robert Curtius (CERC).

Ulrike Guérot. „Wer schweigt, stimmt zu. Über den Zustand unserer Zeit. Und darüber, wie wir leben wollen“, Westend, 7. März 2022, 144 S., 16 Euro.

Hier noch ein Gespräch, das Milena Preradovic mit Prof. Dr. Ulrike Guérot geführt hat: https://odysee.com/@Punkt.PRERADOVIC:f/Guerot2:1

„Recherchieren. Ein Werkzeugkasten zur Kritik der herrschenden Meinung“ von Patrik Baab – Rezension

Schaue ich mir den deutschen Journalismus an, so überkommt mich Trauer, Abscheu und bisweilen auch schon einmal kaum zu bändigende Wut. Ich bin schwer enttäuscht von der sogenannten „Vierten Macht“. Der Journalismus, der ja demnach die Mächtigen, die Regierenden kontrollieren und wo notwendig, entsprechend hart kritisieren soll. Die Journalisten, sollen ebenfalls nach der Definition von vierter Macht, Wachhunde, watchdogs, im Dienste der Demokratie sein. Sollen. Sollten! Aber sind sie es denn (noch)? Klar: die berühmten Ausnahmen bestätigen die Regel.

In meinen Augen ist der Journalismus – mit hartem Einschnitt festzumachen mindestens ab der „Ukraine-Krise“ mit Maidan-Putsch und daraus resultierender Sezession der Krim, welche eben keine Annexion war (nach Strafrechtler Reinhard Merkel; im hier zu besprechendem Buch „Recherche“ uch S.164) – zwar auf den Hund gekommen. Aber statt watchdogs zu sein, sind zu viele Journalisten zu bloßen Bettvorlegern auf dem Parkett der Herrschenden (und zwar sowohl der wirklich Herrschenden wie der unter ihnen Regierenden) mit eingekniffenem Schwänzen und Maulkörben (die sie sich nicht selten selbst angelegt haben, um in den Redaktionen nicht anzuecken) mutiert.

Doch schlimmer geht immer: In der Corona-Krise haben sich die Mainstream-Medien gar von selbst (noch) gleich(er) ausgerichtet und machen statt kritischen Journalismus Propaganda, sozusagen als Regierungssprecher. Unsäglich. Ja, ja, die Ausnahmen – ich weiß schon! Man muss sie mit dem Elektronenmikroskop suchen.

Vierte Macht“?

Apropos „Vierte Macht“! Im Interview der NachDenkSeiten zum hier zu besprechenden Buch „Recherchieren“ von Patrik Baab merkt dieser an: Wer die Chefebene erreicht hat, teilt häufig Umfeld und Lebenslage mit den Machteliten aus Politik und Wirtschaft. So bilden sich ähnliche Haltungen und Ansichten heraus. Im Ergebnis verengt sich der Diskurs tendenziell auf die Interessen der Machteliten und blendet die Interessen der abhängig Beschäftigten aus. So werden Journalisten zu affirmativen Intellektuellen, wie der italienische Philosoph Antonio Gramsci sagte, die den Interessen der Mächtigen folgen. Das Gerede von der „vierten Gewalt“ geht deshalb an der Sache vorbei. Journalisten sind Lohnschreiber, und leider manchmal Hofnarren unter Wegfall der Höfe. Das sage ich nicht von oben herab, sondern als ein Mensch, der seit 45 Jahren Teil des Geschehens ist.“

Die Gründe für den Niedergang des Journalismus indes sind vielfältig

Das Internet mit kostenlosen Inhalten ist nur einer dieser Gründe. Niemand will mehr so recht dafür zahlen. Man reagierte (spät) mit Paywalls. Die aber lehnen Viele ab, andere können oder wollen sie sich diese zu bezahlenden Inhalte nicht leisten. Das Annoncengeschäft bricht vielfach weg. Redaktionen werden aus Kostengründen ausgedünnt und, und und.

Tatsächlich, macht Patrik Baab klar, sind manche Probleme im Journalismus nicht neu. Darauf habe bereits Georg Lucács 1923 hingewiesen (S.216). So gelange mit der Ausbeutung in Redaktionen und der Verengung des Debattenraums im Wesentlichen jener Prozess der Verdinglichung auf eine Stufe. Die bestehe im Kern darin, dass auch Journalisten die Ergebnisse ihrer Recherche verkaufen müssen. Baab: „Was Lukács damit meint, dazu sagt der Volksmund schlicht: ‚Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!‘. Ein paar Jahre später beschrieb es der amerikanische Schriftsteller Upton Sinclair so: ‚Es ist schwierig, einen Mann dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht!’“

Dass beschreibe präzise das Problem, „dass ausgerechnet Journalisten, die sich in einem Anfall von Hybris gerne als ‚Vierte Gewalt‘ bezeichnen, äußerst beleidigt auf jede Art von Kritik reagieren. Weiter: „Entgegen dieser Selbstidealisierung üben sie meist keine wirksame Kontrolle der politischen und wirtschaftlichen Machtzentren aus. Vielmehr wirken sie durch ihre Nachrichtenselektion und -interpretation als Torwächter bei der Formulierung des öffentlichen Diskussionsraumes.“

Baab verweist auf Didier Eribon. Der „beschreibt diesen Verrat der Intellektuellen, an dem Journalisten entscheidenden Anteil hatten. Sie begannen, den Rückbau des Wohlfahrtsstaates zu legitimieren, schrieben sich das Projekt des Sozialabbaus auf die Fahnen, redeten Rentenkürzungen und der Agenda 2010 das Wort. Sie sprachen nicht mehr die Sprache der Regierten, sondern jene der herrschenden Machteliten.“ (S.218/217)

Was wir – möchte ich anmerken – nun auch (wieder) bereits zwei quälend lange Jahre in der Corona-Krise erleben.

Und die Journalisten im Speziellen? Das ist auch eine Geschichte für sich. Sie stammen oft aus Akademiker- oder sonst wie gut situierten Haushalten. Sie wohnen in Stadtvierteln, in welchen Menschen mit gleichem Hintergrund bevorzugt leben. Sie besuchen die gleichen Szenekneipen. Die rezipieren die gleichen Medien. Übrigens sagt dies der Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow aus Dortmund, selbst gelernter Journalist auch von den über die Jahre frisch in den Bundestag gewählten Abgeordneten: „Als Bülow in den Bundestag kam, waren selbst allein in der SPD-Fraktion fast alle Akademiker gewesen. Doch ihre Eltern und Umfeld waren es nicht. Heute sehe es anders aus. Man kenne Probleme von Kindern aus Nichtakademikerfamilien überhaupt nicht, komme ja mit ihnen nicht in Berührung.

Diese Bundestagsabgeordneten bekämen nichts von gravierenden sozialen Problemen mit. In Berlin lebe man unter der Reichstagskuppel und somit in einer Blase. Marco Bülow: „Die Journalisten mit denn man es zu tun hat, die Lobbyisten mit denen man zu tun hat und die Kollegen mit denen man zu tun hat, die haben alle ein sehr gutes Auskommen und ihr Umfeld auch.“ Weshalb deren Fokus weg von den sozialen Problemen sei.“ (Dazu hier.)

Patrik Baabs Buch schreibt in seinem Buch (S.204): „Die Ähnlichkeit im Habitus zwischen dem journalistischen Milieu und denn Eliten sorgen für Nähe und Sympathie. Wer exklusive Informationen bekommen will, vermeidet Nestbeschmutzung.“ Und Baab zitiert Uwe Krüger: „Die Eliten suchen sich ihre Journalisten aus.“

Wobei hier meinerseits anzumerken ist: Das Gros der Journalisten heute dürfte nicht zu denen von Bülow erwähnten gehören, die „ein sehr gutes Auskommen“ haben. Eher ist das Gegenteil der Fall. Nicht wenige gehören quasi zum Prekariat.

Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“ (Karl Marx)

Von Journalisten – vor allem wenn sie Anfänger im Beruf sind – ist wohl kaum zu erwarten, dass sie heiße Eisen anfassen. Erst recht nicht von denen, die bei ihrem Redaktionsleiter schon einmal eine „heiße Geschichte“ versucht haben unter und damit ins Blatt zu bringen. Und der Redakteur ihm geraten hat: „Das schreibst du besser nicht.“ Beim nächsten Mal dürfte der voller Tatendrang und hohem Engagement angetretene Journalist so ein Thema „freiwillig“ auslassen. Er will ja vielleicht auch einmal eine Familie gründen, oder ein Häuschen im Grünen bauen – oder er ist schon dabei es abzuzahlen. Dann lieber spuren …

So werden manche mit hehren Zielen im Kopf gestartete, weiter aufzustreben gedenkende Journalist*innen womöglich eines Tages früher oder später auch lernen, was olle Karl Marx bereits zu Papier gebracht hatte: „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“

Es dürfte zumindest nicht von Nachteil sein, wenn kommende Journalist*innen den selben Stallgeruch haben, wie die leitenden Redakteure. Anders bei Christian Baron („Ein Mann seiner Klasse“), dem dieser nämliche Stallgeruch fehlte und er sich infolgedessen als Journalist durchbeißen musste.

Recherchieren in Zeiten der Gegenaufklärung“

Im Kapitel „Recherchieren in Zeiten der Gegenaufklärung“ schreibt Baab (S.203) auf den Elitenforscher Michael Hartmann verweisend, dass dieser darauf aufmerksam macht, „dass im Journalismus die eigene Lebenswirklichkeit und die Herkunft eine entscheidende Rolle spielen. Die Spitzenvertreter der privaten Medienkonzerne stellen mit fast 77 Prozent Bürger- und Großbürgerkinder nach den Topmanagern der Wirtschaft die sozial zweitexlusivste aller Eliten. Daneben sorgen die drei großen Journalistenschulen in Hamburg, München und Köln – die zentrale Karriere-Maschinerie der Medien – für strikte soziale Selektion. Hartmann zitiert ein Studie, der zufolge sechzig Prozent ihrer Journalistenschüler aus den höchsten von vier Herkunftsgruppen (Akademiker in leitender Position) und keine Einziger aus der niedrigsten (Arbeiter sowie untere und mittlere Angestellte und Beamte) stammen. Zur Welt der Normalbevölkerung fehlt diesen Medienvertretern einfach der Draht:

>>Das entscheidende Problem in der Berichterstattung sind deshalb nicht eine bewusst verfälschte Darstellung oder böser Wille, sondern der durch die eigene Situation und Herkunft verengte Blickwinkel.<<“

So entsteht eine verdeckte privatisierte Tyrannei, die dafür sorgt, dass Abweichler ausgegrenzt, gemobbt, mit arbeitsrechtlichen Verfahren überzogen oder von ihren Arbeitgebern gefeuert werden – nicht, weil sie gegen Gesetze verstoßen, sondern weil sie kontroverse Überzeugungen geäußert haben.“

Der Autor schreibt (S.218): „Der Debattenraum wird so zum Exekutionsfeld politischer Säuberungen. Dies lässt in den Institutionen ein Klima der Angst und Selbstzensur wachen, welches keines direkten staatlichen Eingriffs mehr bedarf.“ Und man darf beim nächsten Satz durchaus auch an erschreckende Vorgänge in Corona-Zeiten (Beispiel You Tube: Löschungen kritischer Inhalt und sogar ganzer Kanäle!) denken: „So entsteht eine verdeckte privatisierte Tyrannei, die dafür sorgt, dass Abweichler ausgegrenzt, gemobbt, mit arbeitsrechtlichen Verfahren überzogen oder von ihren Arbeitgebern gefeuert werden – nicht, weil sie gegen Gesetze verstoßen, sondern weil sie kontroverse Überzeugungen geäußert haben.“

Die aufklärende Vernunft bilde sich zurück zur rein instrumentellen, so Baab.

„Das Ergebnis dieser Identitätspolitik ist das weit verbreitete Mittelmaß, das heute in der Medienlandschaft zu beobachten ist. Es deckt sich mit den politischen Vorstellungen einer vom sozialen Abstieg bedrohten Mittelklasse, die sich an ihre Identifikation mit der Oberschicht klammert. Allerdings sind es die Denkverbote und ideologischen Trümmer des Neoliberalismus, welche das geistige Klima prägen.“ (S.219)

Baab zitiert den Kieler Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher Rainer Mausfeld:

„Kurz: Wir leben in einer Phase der Gegenaufklärung, wie es sie in diesem räumlichen und zeitlichen Umfang, in dieser fast alle gesellschaftlichen Lebensbereiche tiefgehend umfassenden und in dieser unsere sozialen und ökologischen Lebensgrundlagen zerstörenden Weise seit den Zeiten der Aufklärung noch nicht gegeben hat – eine Phase der Gegenaufklärung, die es perfiderweise sogar geschafft hat, sich als Aufklärung zu tarnen.“ (Leseempfehlung Rainer Mausfeld hier im Blog)

Und Baab wiederum gibt zu bedenken: „Die Tendenz vieler Journalisten, ja der ganzen Branche, zur Selbstgleichrichtung hat fundamentale Bedeutung für den Fortbestand der Demokratie, lehrt doch die historische Erfahrung, dass die Presse als ‚Sturmgeschütz der Demokratie‘ meist wenig taugt.“ Das zielt auf das Versagen in der Weimarer Republik vorm Heraufziehen des Nationalsozialismus. Baab: „der – linksradikaler Tendenzen unverdächtige – Historiker Karl Dietrich Bracher attestiert dem Großteil der Intellektuellen bei der Zerschlagung der Weimarer Republik und der Machtübergabe an die Hitler-Diktatur jedenfalls nicht nur eine Art kampflose Kapitulation, sondern vielmehr tatkräftige Mitwirkung.“

Ein Werkzeugkasten zur Kritik der herrschenden Meinung

Der Status quo des Journalismus bietet kein Grund zum Jubeln. Im Gegenteil. Doch soll man resignieren, ihn noch weiter in den Abgrund abrutschen lassen? Aber nein doch! Zum Journalismus gehören gut ausgebildete Journalist*innen, welche ihr Handwerk verstehen. Von Patrik Baab ist soeben ein Buch im Westend-Verlag erschienen, das den Titel „Recherchieren“, Untertitel „Ein Werkzeugkasten zur Kritik der herrschenden Meinung“ trägt.

„Dieses Buch ist den Gedanken der journalistischen Aufklärung verpflichtet. Zu ihren Kernaufgaben zählen die Kritik und Kontrolle politischer Macht. In der Praxis jedoch wird die Presse häufig zum Apologeten der Mächtigen und zum publizistischen Verteidiger des Status quo. Statt Macht- und Gewaltverhältnisse aufzuklären, vernebelt sie oft die Interessen von Machteliten und wird so zum Helfer der Gegenaufklärung. Patrik Baab zeigt, wie Kritik und Kontrolle von Eliten wieder in den Mittelpunkt der Recherche rücken können. Baab bietet einen Werkzeugkasten mit Instrumenten der Aufklärung.“ Quelle: Westend-Verlag

Das Buch trägt heutigen Gegebenheiten Rechnung

Zu begrüßen ist, dass das Buch den heutigen Gegebenheiten Rechnung trägt. Es wendet sich eben nicht explizit nur an Journalisten. Schließlich verschwimmen inzwischen eh die Grenzen wer Journalist ist und wer nicht. Und Journalist ist keine geschützte Berufsbezeichnung. So richtet sich das Buch ausdrücklich auch an Blogger und Internet-Aktivisten, aber gleichermaßen an Studentinnen und Mitarbeiter von NGO’s oder Bürgerinitiativen und somit ebenso an alle, die Medien-Berichterstattung und Informationsgebung kritisch zu hinterfragen gedenken.

Das Buch bietet dazu eine Reihe von Werkzeugen mit einem Arsenal von Fragen, die dabei helfen, herauszufinden, wes Geistes Kind die Autoren von Texten sind und welche Fragen an Mächtige gerichtet werden sollten.

Recherchieren heißt aufklären“

„Recherchieren heißt aufklären“ ist das erste Kapitel (S.9) überschrieben. Nur wo in den Medien wird noch wirklich recherchiert? Recherche kostet Geld und bindet Ressourcen. Weshalb viele Journalisten von einander abschreiben. Oft muss eine Story aus Aktualitätsgründen auch schnell rausgehauen werden. Sie muss Klicks generieren. Man muss vor der Konkurrenz damit draußen sein.

kantwasistaufklaerungIn puncto Aufklärung verweist Baab verständlicherweise auf Immanuel Kants Gedanken dazu. Jedoch ihn ausführlicher zitierend als das für gewöhnlich in den meisten Publikationen geschieht.

Menschen, die sich ernsthaft und ehrlichen Herzens für berufen erachten, den Journalismus als ihr künftiges Arbeitsfeld zu wählen, kommen m.E. an diesem Buch nicht vorbei. Ohnehin sollte Baabs Buch „Recherche“ in keiner Journalistenschule fehlen. Akribisch – dabei von eigenen Erfahrungen profitierend und wohl überlegt hat Patrik Baab den journalistischen Werkzeugkasten (S.24) Fach für Fach mit Werkzeugen bestückt, die für die Ausübung des Berufes unentbehrlich sind.

Klappt man den Werkzeugkasten auf und besieht sich die zutage tretenden einzelnen Fächer mit seinen auf den Seiten 24 bis 178 gründlich beschriebenen Werkzeugen darin, für den Beruf des Journalisten gewappnet. Selbstredend ist dabei zu bedenken. Übung macht den Meister. Und die dabei erlangte Erfahrung sorgt mit der Zeit für Sicherheit und Verbesserung des Selbstbewusstseins bei der Ausführung der Tätigkeit. Ganz oben im Werkzeugkasten liegen die sieben wichtigsten Fragen, die Journalisten immer zu berücksichtigen haben (S.30): Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Woher die Meldung?

Es gibt Hilfestellungen, wie Themen zu finden sind, wie Quellen erschlossen und wie sie geprüft werden sollten (immer nach zwei voneinander unabhängigen Quellen suchen!) und die dann natürlich auch überprüft gehören. Und unerlässlich auch der Quellenschutz! Nicht zu vernachlässigen klug, auf Vorsicht bedachter Umgang etwa mit Whistleblowern und somit deren Schutz, von denen Material angeboten wird. Ein Journalist, der da gravierende Fehler macht, bekommt womöglich nie wieder dergleichen angeboten.

Ebenso gut zu bedenken ist dabei, was man zu Treffen mit Informanten mitnimmt und was nicht. Wir wissen: Smartphones können abgehört oder geortet werden!

Wie gehe ich mit Daten um? Wo speichere ich sie?

Ebenfalls, empfiehlt Baab, sollte man sich davor hüten betreffs eines Beitrags, lediglich mit Pressestellen – die ja nun einmal naturgemäß interessengeleitet sind – zu telefonieren. Oder lediglich vor dem Bildschirm sitzen, um zu Googeln. Der Autor weißt darauf hin, dass etwa Google unter Umständen mehr über uns erfährt, als wir von irgend etwas zu erfahren gedenken. Schließlich sind Daten das neue Gold.

Überhaupt gelte es immer und überall Augen und Ohren offenzuhalten und mit Leuten zu sprechen, persönliche Kontakte zu ihnen aufzubauen. Immer und überall Fragen stellen. Vor Ort sein! Vermeintlich fertige Beiträge seien immer nochmals zu überprüfen. Habe ich etwas vergessen? Oder könnte da und dort etwas noch verständlicher formuliert sein?

Des Weiteren wird auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit hingewiesen von Vorgängen Memos zu fertigen oder wie Recherchen zu dokumentieren sind. Dazu gehört freilich auch was zwecks Publikation von Recherchen zu wissen ist. Und es wird darauf hingewiesen, die Reaktionen auszuwerten.

Sehr genau wird auch das Thema Interview behandelt. Wie bereite ich mich vor? Welches Equipment (Kamera, Aufnahmegerät etc.) ist vonnöten? Nicht unwichtig: Welche Kleidung ist für dieses oder jenes Interview angemessen? Und was ist bei der Interviewführung zu beachten? Wie reagiert man auf unterschiedliche Charaktere der Interviewpartner und deren etwaigen Reaktionen während des Interviews?

Sehr praktisch: Zu allen Werkzeugen und Themen gibt es im Anschluss jeweils Kästen, in welchen noch einmal alles Wichtige stichpunktartig zusammengefasst ist. Sucht man etwas, kann immer rasch nachgeschlagen und das Wichtigste mit einem Blick erfasst werden.

Ein wichtiges Buch in trüben Zeiten

Ein wichtiges Buch in trüben Zeiten, welche die Demokratie auf schwere Proben stellt. Gerade aber da wäre ein funktionierender, wachsamer Journalismus dringender denn je gefragt. Patrik Baab (S.223): „Danach wäre es die Aufgabe von Recherche, die Falschheit der Welt zu erkennen und auszusprechen; die dafür Verantwortlichen zu nennen und ihre sozialen Strukturen zu destabilisieren, ihren Verschleierungscharakter offenzulegen. Damit hat Recherche die Aufgabe, in Alternativen zur bestehenden Ordnung zu denken, sie als Menschen gemacht, erkennbaren Interessen folgend und von Menschen veränderbar darzustellen.“

Recherche, so Baab, könne ihrem Wesen nach als ein oppositionelles Konzept gelten. Recherche bedeute den Debattenraum (wieder!) zu erweitern und sich nicht auf Themen festzulegen, die rechte und neoliberale Think-Tanks setzen wollen, sondern die Grenzen des Sagbaren zu transformieren.

Dick unterstrichen gehört: „Deshalb wäre es an der Zeit , mit einem Perspektivwechsel auch den eigenen Standpunkt zu verändern. Tendenziell bedroht von sozialem Abstieg und Prekarisierung, wäre der Platz des Rechercheurs eigentlich an der Seite jener, die ebenfalls Prekarisierung und sozialen Abstiegsängsten ausgesetzt sind. Nicht an der Seite der Machteliten, sondern an der Seite der abhängig Beschäftigten, vom Klimawandel bedrohten, von Deklassierung betroffenen. (S.224) Nicht an der Seite derjenigen, die journalistische Arbeit entwerten und enteignen, sondern an der Seite derer, die in den Risikokaskaden zulasten des Faktors Arbeit etwas entgegensetzen wollen.“

Ein hochwichtiges Buch, das aktueller und in aller notwendigen Deutlichkeit nicht sagen könnte, was ist. Und darüber hinaus: Was geschehen müsste. Nur, wie kann dieser sich daraus ergebende, unbedingt nötige große Ruck durch den Journalismus und freilich – Roman Herzog, Gott hab ihn selig, der dies einst postulierte: darüber hinaus ein Ruck durch Deutschland ins Werk gesetzt werden?

Diesbezüglich muss ich aber dann doch etwas Wasser in den Wein gießen – was sich aber wohlgemerkt nicht auf das hervorragende Buch bezieht: Unsere Gesellschaft ist längst auf dem Pfad der Refeudalisierung (der Begriff „Refeudalisierung“ wird auf Jürgen Habermas‘ Strukturwandel der Öffentlichkeit (Habermas [1962]1990) zurückgeführt) und im weiteren Verlauf auf dem Holzweg des Neoliberalismus, respektive Marktradikalismus gebracht worden. Die Regierenden – bitter: am Schlimmsten die Sozialdemokraten mit ihrem Komplizen den Grünen unter Bundeskanzler Schröder, haben mit dem Sozialabbau und der Agenda 2010 die verheerendsten gesellschaftlichen Einschläge zu verantworten. Der Journalismus hat die Politik des Sozialabbaus und der Privatisierungen im Grunde unkritisch mitgetragen und sogar noch forciert.

Können wir da – ohne absolut schwarzmalen zu wollen – an einen Wandel glauben? Immerhin könnte uns noch die Umsetzung der teils gruseligen Vorstellungen eines Klaus Schwab vom „Great Reset“, die längst vom World Economic Forum ausgekocht sein dürften, das der Journalist Paul Schreyer „Politbüro des Kapitalismus“ nennt, drohen. Überdies, wie der Finanzexperte und Autor Ernst Wolff seit langem befürchtet, stehe uns ein schlimmerer Finanzcrash als 2007/2008 bevor.

Fazit

Wie dem auch sei, das hier ausdrücklich empfohlene Buch von Patrik Baab sollten all jene zuallererst lesen, die Journalisten werden wollen.

Weshalb es m.E. unbedingt in die Regale der Bibliotheken von Journalistenschulen gehört. Vielleicht neben das ebenfalls sehr empfehlenswerte Buch „Medienanalyse. Ein kritisches Lehrbuch“ von Sabine Schiffer. Ebenfalls im Westend Verlag erschienen. Auch Bloggern und Aktivisten von NGO’s, denen es bei der Recherche dienlich sein kann, ist „Recherchieren“ von Patrik Baab empfohlen. Aber auch Bürger*innen, Medienkonsumenten, den nebenbei zu anzuraten ist, mehrere, unterschiedliche Medien zu rezipieren – sofern sie die Zeit dazu haben, um sich ein besseres Bild zu machen.

Aber auch bereits, vielleicht schon seit Jahren, als Journalist*innen tätige Menschen, sollten durchaus einmal dieses Buch bemühen. Nicht zuletzt, um einmal zu überprüfen, ob man noch seinen einstigen Vorstellungen vom Beruf verpflichtet ist, oder hier und da doch einmal vom Wege abgekommen ist.

Patrik Baab: Recherche – ein Werkzeugkasten zur Kritik der herrschenden Meinung . Westend Verlag. 31. Januar 2022. 20 Euro, 256 Seiten.

Zum Autor

Patrik Baab ist Politikwissenschaftler und Journalist und hat u.a. an den ARD-Filmen „Der Tod des Uwe Barschel – Skandal ohne Ende“ (2007), „Der Tod des Uwe Barschel – Die ganze Geschichte“ (2008) sowie „Uwe Barschel – Das Rätsel“ (2016) mitgewirkt. Er ist Lehrbeauftragter für praktischen Journalismus an der Christian-Albrechts-Universität Kiel und an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Berlin.

Patrik Baab. Foto via Westend Verlag

„Saruj. Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr“ – Rezension

Als mir der Titel des hier zu besprechenden Buches mehr von Bilbo Calves (hier und hier) unter die Augen kam, merkte ich auf: „Saruj. Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr“.

Sofort musste ich an Heidemarie Schwermer denken, welche in den 1990er Jahren öfters und auch danach in diversen Talkshows als „Die Frau, die ohne Geld lebt“ vorgestellt wurde.

Money Make The World Go Round“. In diesem Sinn sind wir Menschen konditioniert worden

Geld, Geld, Geld. Im Musical „Cabaret“ singt der Conferencier „Money Make The World Go Round“. Also ganz ohne Geld geht es offenbar nicht. Ginge es vielleicht schon. Nur können (oder vielmehr sollen) sich das zu Wenige auf der Welt vorstellen. Bis auf die oben bereits erwähnte Heidemarie Schwermer, welche ich Anfang der 1990er Jahre in Dortmund kennenlernte. Die Akademikerin gründete damals den Verein „Gib & Nimm“ in Dortmund, welchem ich beitrat. Ware gegen Ware oder Leistung gegen Leistung bedeutete das. Bargeldlos. Ein Tauschgeschäft. In jenen Jahren tauchten in mehreren Orten Deutschlands solche Tauschringe auf. Getauscht wurden Hilfeleistungen untereinander. Einige dieser Tauschringe nahmen Bezug auf die Theorien des deutsch-argentinischen Kaufmanns Silvio Gesell, andere bauten sie aus oder entwarfen neue Modelle. Gesell war Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre. Auf Vorschlag von Erich Mühsam und Gustav Landauer war er als Finanzminister in der Münchner Räterepublik tätig (siehe auch bei Wikipedia)

Tauschringe entstanden in 1990er Jahren in mehreren Gegenden Deutschlands. Ich selbst konnte mir damals nur bis zu einer gewissen Grenze vorstellen, wie das für eine ganze Gesellschaft funktioniere sollte. Kein Wunder: So sind wir Menschen konditioniert worden. Obgleich ich damals schon verstanden hatte, dass es mit unserer Gesellschaft, wo sich nahezu alles um Geld drehte – während soziale Probleme zunahmen und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderging – so nicht auf alle Ewigkeit weiter und schon gar nicht gut gehen konnte. Als Nischengeschichte ergaben Tauschgeschäfte dagegen damals schon Sinn.

Heidemarie Schwermer bewunderte ich seinerzeit sehr. Nicht nur, weil sie einmal ihre Idee, mutterseelenallein nächtens unter einem Baum im Sauerland zu verbringen, umsetzte. Auch weil sie später wirklich vermochte vermochte im Prinzip ohne Geld leben. Sogar ihre Krankenversicherung hatte sie gekündigt. Den Mut hätte ich nicht gehabt. Leider verstarb sie 2006 an einem Krebsleiden. Da war sie bereits in Rente und darüber inzwischen wieder krankenversichert.

Ohne Geld leben?

Bilbo Calvez, eine vielseitige Künstlerin – deren Schaffen mir u.a. über ihr Kunstprojekt „die Bärensuppe“ („Wie wäre dein Leben in einer Welt ohne Geld?“) bereits bekannt war – hat uns sozusagen nun einen Roman aus der Zukunft geschrieben. Er erschien im Dezember 2021. Aus einer Welt die geldfrei funktioniert. Das Thema „eine Welt ohne Geld“ beschäftigt Calvez also schon länger. Und ein weiteres Mal wurde ich getriggert!

Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist Norbert Häring schreibt seit einiger Zeit über Aktivitäten der Better Than Cash Alliance (Besser-als-Bargeld-Allianz), die zumindest auf die Abschaffung des Bargeldes hinarbeitet. Laut Ernst Wolff (Finanzexperte, Autor) steht zu befürchten, dass in Zukunft Papier- und Münzgeld gänzlich abgeschafft und dafür ein elektronisches Geld eingeführt wird. Dann droht freilich absolute Kontrolle über uns. Und Menschen, welche dem Staat unliebsam geworden sind, könnte plötzlich der Geldhahn zugedreht werden. Wolff sieht Anzeichen dafür, dass die Corona-Krise dafür genutzt werden könnte, ein elektronisches Geld und vielleicht sogar darüber hinaus ein Sozialkreditsystem einzuführen. Weil längst eine neue, noch viel härtere Finanzkrise drohe als 2008, die nicht wieder so zu stemmen (auf Kosten der Staaten) sei, wie damals. Beides verheißt nichts Gutes für uns Menschen.

Bilbo Calvez‘ Welt sieht im Vergleich dazu gänzlich anders aus.

Apropos Corona-Krise! Überhaupt wirkt ja die Corona-Krise seit zwei Jahren wie ein überdimensionales Brennglas, welches uns alle gesellschaftlichen, ökonomischen, ökologischen, finanzpolitischen und sonstigen Probleme stark vergrößert warnend glasklar vor Augen führt.

Zum Buch

„Im tiefsten Inneren haben sich die Menschen schon lange vor der Transition Frieden und eine Welt ohne Geld gewünscht. Nur galt dieser Traum als eine unerreichbare Utopie. Das Auflösen dieses Glaubenssatzes war die schwierigste Aufgabe der Transition.

Der Zukunftsroman ‘Saruj, Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr’, begleitet die Leser in einer Welt, wo es weder Geld, Regierungen, Rechtsapparat, Kriege noch Grenzen gibt. Dafür Raum für Vertrauen, Liebe und Heilung.“

Im Roman wird uns von der Begegnung eines Menschen, der eine Welt ohne Geld nicht kennt erzählt. Es ist diejenige des 18-jährigen Kevalam, was in Sanskrit allein, „der Einzige“ bedeutet, sowie der 29-Jährigen Saruj (Hauptprotagonistin; der Name steht im Sanskrit für Empathie), welche am Tag der Abschaffung des Geldes geboren wurde. Geld kennt sie nur aus Erzählungen. Eine interessante Konstellation also! Beide jungen Leute treffen im wahrsten Sinne des Wortes – durch einen Unfall – aufeinander. Sie gehen zusammen auf eine Wallfahrt von Mystikern durch die Germanofonie (meint Deutschland, die Deutschschweiz und Österreich). Die alten Ländernamen sind per du. Der Sinn der Wallfahrt: die von früheren Generationen verunreinigten Böden, die Wälder und die Gewässer zu reinigen. Was auch auf die Atmosphäre von Gebäuden zutrifft, deren Geist es zu klären gilt, welche früher Leid verursacht hatten (Schlachthöfe, Gefängnisse).

Im ersten Teil Buches (es soll fortgesetzt und eine Trilogie werden) bewegen sich Saruj und Kevalam durch das frühere Deutschland.

Mit Kevalam können wir Leserinnen und Leser uns identifizieren. Er, der aus der alten Welt ist, in welcher wir ja nach wie vor leben, erfragt und vor allem: hinterfragt alles, was er über die Welt ohne Geld erfährt. Deswegen nennen ihn die anderen auch „Reporter“. Sie als Leser werden es erleben: Es dürften ihnen während der Lektüre die gleichen Fragen kommen wie Kevalam sie stellt. Kann denn diese Welt ohne Geld, ohne Regierung, ohne Justiz ohne Strafanstalten, Kriege und Grenzen wirklich funktionieren? Was ist denn, fragt sich Kevalam, wenn jemand die eigene Freundin vergewaltigt und dann nicht vor Gericht und zur Bestrafung ins Gefängnis kommt?

Wie soll die Gemeinschaft, wie er selbst, mit so jemanden weiter zusammen in einer gemeinsamen Gesellschaft leben?

Auch diesbezüglich triggerte es mich wieder! Ich musste an Dr. Eugen Drewermanns Vortragsreihe „Richtet nicht!“ denken, die ich wöchentlich auf You Tube verfolge. Dort behandelt Drewermann das Thema Strafrecht & Christentum. Dazu ist ebenfalls ein Buch erschienen.

Und die Leute aus der neuen Gesellschaft beantworten Kevalams Fragen stets geduldig und verständnisvoll. Wir Leser staunen oder wundern uns über das Leben in der geldfreien Welt bisweilen schon. Und als Leser fragt man sich schon hier und da: Könnte ich mir das für mich selbst vorstellen, dieses Leben? Schon deswegen lohnt sich das Buch zu lesen. Es regt immer wieder zum Nachdenken und zum Reflektieren unserer derzeitigen Wirklichkeit oder des bisher vergangenen eigenen Lebens an.

Neben aller Brüderlich- bzw. Schwesterlichkeit der Menschen in der Welt ohne Geld und das Zusammenspiel mit Androiden und aller praktizierter Friedlichkeit im Umgang untereinander existiert ja auch immer noch Eifersucht zwischen Liebenden. Auch zwischen Saruj und Kevalam knistert nicht nur elektrisierende Liebe sondern es kommt auch schon mal Eifersucht auf. Aber Freiheit ist eines der höchste Güter in dieser neuen Gesellschaft. Saruj strebt eine geradezu hundertprozentige Freiheit an. Man kommt zwar immer wieder miteinander aus. Trotz kleiner Unstimmigkeiten oder Missverständnisse.

Dennoch ist längst nicht alles perfekt im Leben unter den Geldfreien. Und man liest deshalb schon mal, wie Saruj feststellt: „Es ist noch Luft nach oben.“ Immer wieder fühlt man sich da als Leser angestoßen, die Probleme selbst einmal aus eigener Sicht zu beurteilen. Und kommt womöglich zu verblüffenden Ergebnissen.

Gewiss kommen wir sogar darauf, uns zu fragen, wie viel Kontrolle wir letztlich bereit sind zuzulassen beziehungsweise hinzunehmen. Dass wir uns Freiheit bewahren, sie ausweiten und vor allem: verteidigen müssen. Da klingt leise auch das System der Corona-Maßnahmen hindurch. Derweil war an Corona noch gar nicht zu denken gewesen, als das Buch entstand.

Es geht eben beim Zusammenleben in der geldfreien Welt immer auch um gegenseitiges Vertrauen zueinander und Verantwortung füreinander. Wozu auch Achtsamkeit im Allgemeinen gehört sowie das Denken über die eigene Person hinaus eine Notwendigkeit ist.

Das sollte uns Heutigen viel sagen!

Ein origineller, aber umso einleuchtendere Einfall Bilbo Calvez‘: Sie hat eigens für den Zukunftsroman eine Grammatik der Zukunft (S.491) erschaffen. Keine Angst, mit Gendern hat das nichts zu tun. Es gibt sogar eine genderneutrale Grammatik.

Sie schreibt:

Die Sprache der Zukunft hat sich verändert. Es sind neue Wörter dazu gekommen, ein vierter Artikel und eine Weltsprache: das Globische. Der Fließtext nutzt diese neuen Worte. Auch das Weglassen des >s< im Genitiv für neue Worte wird im Fließtext berücksichtigt. Zwar sind noch weitere Veränderungen in der Sprache der Zukunft entstanden, jedoch werden, um den Leser nicht zu überfordern, nur einige neue Worte und die genderneutrale Grammatik verwendet.“

Als ich im Buch auf die ersten Neusprachsprengsel stieß, verzog ich kurz die Mundwinkel, murrte leicht und befürchtete das Schlimmste. Was indessen nicht eintrat. Erst ruckelte es etwa bezüglich des Leseflusses. Dann aber hatte mich erstaunlich schnell eingelesen und fand die mir die umgemodelten Worte fast normal.

Es schließt sich ein Glossar (S.501) an.

Fazit

Dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ hat sich das globalisierungskritische Netzwerk Attac verschrieben. Bilbo Calvez hat sich große Mühe gegeben, um uns diesen Zukunftsroman zu schreiben.

Dafür ist ihr Respekt zu zollen. Immerhin ist sie keine deutsche Muttersprachlerin. Eingangs schreibt sie:

„Herzlichen Dank an Henriette Kordasch, die Hebamme dieses Buches, die mich geduldig und liebevoll durch den Schreibprozess begleitet hat.“

In ihm wird eine andere Welt beschrieben. Das ist interessant und spannend. Ein gelungener Roman, weil er uns Leser sehr zum nachdenken bringt. Wir merken nämlich im Verlauf des Buches wie verkrustet unsere Gesellschaft ist. Alles hunderte von Jahren eingefahren. Obwohl sich im Verlaufe dessen auch viel geändert hat, ist selbst das längst wieder im Argen und bedroht. Der Roman lehrt uns, wie festgefahrene, eingeschliffene Muster unsere Freiheit beschneiden und unser Glück beeinträchtigen. Und wir erfahren wie sehr unsere Gesellschaft vom Geld geprägt ist. Viele Menschen wissen über das Geld, obwohl es schon so lange existiert, recht wenig. Alleine, wie es überhaupt entsteht, es geschaffen wird, wissen erschreckend wenig Menschen. Manche Unkenntnis betrifft sogar Banker!

Ein Blick in Bilbo Calvez‘ geldfreie Welt bringt uns, die wir in straff konditionierten Gesellschaften mit wachsenden, beängstigenden Problemen leben, in einer Welt, die angeblich – wie es in „Cabaret“ gesungen wird – durch Geld zum Drehen gebracht wird – aber doch nur immer mehr Geld den Jahr für Jahr immer reicher werdenden Reichen in die Hände scheffelt, auf hoffentlich konstruktive Gedanken.

Unbedingte Lese-Empfehlung!

Ich warte gespannt auf die Fortsetzungen!

Saruj. Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr

von Bilbo Calvez

Ein Roman aus der Zukunft / Neuerscheinung Dezember 2021

Im tiefsten Inneren haben sich die Menschen schon lange vor der Transition Frieden und eine Welt ohne Geld gewünscht. Nur galt dieser Traum als eine unerreichbare Utopie. Das Auflösen dieses Glaubenssatzes war die schwierigste Aufgabe der Transition.

Der Zukunftsroman ‘Saruj, Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr’, begleitet die Leser in einer Welt, wo es weder Geld, Regierungen, Rechtsapparat, Kriege noch Grenzen gibt. Dafür Raum für Vertrauen, Liebe und Heilung.

Verlag Meiga

€ 19,80

Hier bestellen.

—————————————————

Via selbstgewähltem Preis bei Freie Edition hier bestellen.

Beschreibung

›Saruj‹ ist eine Fiktion, ein Liebesroman in einer Zukunft, in der es weder Geld noch Tausch, Grenzen noch Regierungen, Polizeiapparat noch Kriege gibt. Eine Gesellschaft die nach vollkommener Freiheit strebt.
Saruj (Empathie in Sanskrit), 29, ist am Tag der Geldabschaffung geboren. Aufgewachsen ist sie in einer Lebensgemeinschaft in den Pyrenäen und mehr als ein Drittel ihres Lebens ist sie als Nomadin zu Fuss durch die Welt gereist. Sie ist eine Idealistin und steht in der Geschichte des Buches für die Freiheit.
Kevalam (Allein in Sanskrit) ist der letzte Sohn eines Ultrareichen, Saman. Der Patriarch war der Meinung, als das Geld an Bedeutung verlor, dass die geldfreie Gesellschaft nur von kurzer Dauer sein würde. Daher hat er für sich und seine Familie eine autarke Siedlung errichtet, die von der Welt komplett abgeschottet ist. Seinem Sohn wurde erzählt, dass in der Welt ›da draussen‹ nur Mord und Totschlag herrscht.
Die Handlung beginnt als Saman stirbt. Kevalam, gerade 18 Jahre alt, sieht die Außenwelt zum ersten mal. Mit dem Fahrzeug seines Vaters fliegt er aus der Siedlung heraus und verursacht bald einen Unfall. So trifft er auf Saruj.
Saruj war auf dem Weg zu einer Sannyasinii, die zusammen mit anderen Mystikern eine Wallfahrt durch den deutschsprachigen Raum organisiert, um die Böden, Seen und Gebäude energetisch zu reinigen. Einige diese Mystiker sind über 100 Jahre alt und sind somit noch Zeitzeugen der sogenannten ›Transition‹.
Kevalam entscheidet Saruj zu folgen und bei der Wallfahrt dabei zu sein. Ihm fällt es zunächst schwer zu akzeptieren, dass eine Welt ohne Geld friedlich funktionieren kann. Er fürchtet sich vor Sicherheit- und Gerechtigkeitsverlust. Beides kann seine Überzeugungen nach, nur mit Geld und Kontrolle gewährt werden. Mit der Unterstützung Sarujs und der geduldigen Sannyasins, lässt er sich nach und nach auf diese neue Gesellschaft ein und entdeckt ihre Schönheit.
Dieses Werk ist der Abschluss des Projektes  ›die Bärensuppe‹, ein Projekt das sich auch mit der Vision einer geldfreien Gesellschaft beschäftigt. ›Die Bärensuppe‹ ist eine interaktive Ausstellung, die den Besuchern ein Experimentierfeld bietet, wo Vertrauen und Entscheidungen im Konsens geübt wird. Die Gäste bringen die Zutaten, und eine Suppe wird ohne die Leitung eines Chefkochs gekocht. Das gemeinsame Ziel ist, dass die Suppe schmeckt. Irrelevant dabei ist wer wie viel – oder gar nichts – mitbringt. Seien es Zutaten, Hunger oder aktives Mitmachen. Die Übung ist gegenseitige Achtsamkeit zu erfahren, seine Wünsche auszudrücken, die Fülle zu erleben (es gab stets ›mehr als zu viel‹) und Widerstände abzubauen. Ein Vorgeschmack einer hierarchielosen Gemeinschaft wird gegeben. Bei diesem Projekt musste ich mich, Dank der Zweifel der Besucher sehr stark mit den Grenzen dieser Idee beschäftigen und selbst nach konkreten Lösungen suchen. Nach fünf Jahren, war ich bereit diese Fragen, samt praxisorientierter Antworten, in einen Roman einzubinden. Das Buch ist sowohl eine ›Bedienungsanleitung‹ als auch eine Inspiration, wie neue Wege eingeleitet werden können.

Ob eine geldfreie Gesellschaft tatsächlich schon in 40 Jahren entstehen kann ich nicht versprechen, aber mir war es in diesem Buch ein Anliegen, eine zeitnahe Zukunft zu beschreiben. Einerseits, damit einige Zeitzeugen der ›T ransition‹ in dem Buch zu Wort kommen können und andererseits, damit diese Vision für den Leser fassbarer wirkt und deshalb Lust zum jetzigen Handeln gibt. Als Künstlerin geht es mir um die Endvision, wo die Reise schließlich hingeht, weiß niemand. Dieses Buch soll inspirieren und Mut geben. Jeder Schritt in Richtung einer friedlicheren Gesellschaft zählt. 

 ›Saruj‹ ist eine Trilogie und  ›Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr‹, Band 1.

INfOS: https://www.bilbo.calvez.info/saruj

Die Autorin über sich

bilbo_calvez_1Aufgewachsen bin ich in einem Pariser Vorort. Mit 22 und einem Master in Genetik (Maitrise de Biologie des organismes et des populations) in der Tasche zog ich 1985 nach Berlin, weil ich von meinem Pantomimenpartner gehört hatte, dass man dort kein Geld zum überleben braucht und ich in Paris zwischen meinen Jobs als Briefträgerin, Mathelehrerin und Pantomime in Montmartre – plus Studium und ehrenamtlicher Arbeit in einem Radiosender – kaum noch Zeit zum Schlafen hatte. In Berlin brauchte ich tatsächlich wenig Geld, um zu überleben und schaffte es sogar, ohne einen Cent einen 16mm-Kurzfilm zu realisieren. Es folgten mehrere Filme, darunter ›Schön, dass wir nicht, wie die anderen sind‹ ein Kurzfilm, der beim Wettbewerb der Grünen ›und fremd bist du‹ den 4.Platz erhielt und ›Rhythm Control‹, der bei den Oberhausener Kurzfilmtagen den ersten Platz bekam. Dann hörte ich, dass RiasTV Mitarbeiter suchte und wurde dort als Cutterin eingestellt. Nach einem Jahr kündigte ich und arbeitete als freiberufliche Cutterin weiter.

Mehr als 25 Jahre lang fuhr ich dann mit 80 km/h auf der Autobahn des Lebens. Nur darauf achtend, dass ich rechtzeitig an Treibstoff kam, also ans Geld. Ich starrte gerade aus vor mich hin und sah keine Ausfahrt, suchte allerdings auch nicht danach. Es war nicht besonders aufregend, aber auch nicht besonders schrecklich und es hätte noch Jahre lang genauso weiter gehen können. Nun, 2012 geschah doch etwas. Ich wurde von einer Produktionsfirma so unverschämt behandelt, dass ich entschied, den Beruf der Filmschnittmeisterin an den Galgen zu hängen. Also die Autobahn zu verlassen. Ohne GPS und ohne Orientierungssinn. Scheiß aufs Geld, irgendwie werde ich schon überleben.

Nachdem ich zwei Kunstprojekte abgeschlossen hatte “Publik-Privat” über Gesichts -und Gehirnasymmetrie und “Faces of Love” über Langzeitsliebesbeziehungen, begann ich, mich immer mehr mit dem Thema Geld zu beschäftigen. Wie sehr Geld unsere Umwelt beeinflusst, das Leben aller Menschen und aller Lebewesen. Stress und Konkurrenz.

Bald kam mir die Überlegung “Wie wäre es, wenn es gar kein Geld gäbe?“ Ich meine damit nicht, dass wir alle zurück in den Wald gehen und nur vom Austausch leben sollen. Austausch wäre eigentlich auch Geld, nur wäre das unpraktischer und komplizierter. Gegen die natürliche Neugier des Menschen zu kämpfen, also gegen Entwicklung, Fortschritt und Technik, wäre meiner Meinung nach auch absurd und würde nicht von Dauer sein. Nun, als ich zu dieser Zeit diese Idee erläuterte, reagierten die meisten hochallergisch, um nicht zu sagen: panisch. Eine klare Vision fehlte. 2014 hielt ich deshalb als Zeitreisende eine Rede vor dem Brandenburger Tor in Berlin, in der ich eine Zukunft beschrieb, die in einer Gesellschaft ganz ohne Geld, Kriege, Grenzen und Regierungen funktioniert.

—————————————————————————————————————

Anbei gegeben ein Interview , das Michael Karjalainen-Dräger mit der Autorin führte

In ihrem Buch Saruj – Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr, das den ersten Band einer Trilogie darstellt, beschreibt die Künstlerin Bilbo Calvez eine völlig veränderte Gesellschaft der Zukunft, die geldfrei lebt. Im Gespräch mit Michael Karjalainen-Dräger werden auf Basis ihres Romans und des von ihr schon vor Jahren geschaffenen und für dieses Werk grundlegenden Projekts „Die Bärensuppe“ wesentliche Inhalte besprochen: Geld als Erfindung, um eine Antwort auf die Angst vor dem Tod zu finden, eine alternative Gemeinschaft des Schenkens und Empfangens, die Wichtigkeit von Achtsamkeit, die es ermöglicht mit wenigen Regeln zu leben und sogar auf Gefängnisse zu verzichten, weil sie Heilung für Täter und Opfer bringt; sowie die Notwendigkeit einer echten gendergerechten Sprache und einer Kombination von klassischer Medizin und spiritueller Heilkunst als Antwort auf Gesundheitskrisen, wie die aktuelle. Bilbos Buch ist als freie Edition mit auf 500 Exemplare beschränkter Stückzahl auf saruj.de zu einem selbstgewählten Preis erhältlich.

 

Und hier noch ein Gesepräch, welches Alex Quint von EingeschenktTV mit Bilbo Calvez geführt hat:

Mathias Richling: „Das Virus Demokratie? Eine Abschätzung“. Rezension

Seit gut zwei Jahren herrscht der Panikmodus und Angstmache im Land. In den Medien rauf und runter fast vierundzwanzig stundenlang werden nicht müde dergleichen zu verbreiten. So schlimm, dass ich Fernseher und Radio längst mehr ab- als einschalte.

Mit den gleichen fragwürdigen Mitteln gegen die Pandemie

Wissenschaft und Politik waren zunächst überfordert. Was jedoch unverständlich ist: nach inzwischen zwei Jahren verordnet die Politik den Menschen immer noch äußerst fragwürdige Maßnahmen. Leute verloren ihre Arbeit, Unternehmer, Laden- und Restaurantbetreiber, Künstler, Selbstständige ihre Existenzen.

Daran sei Corona schuld liest man in der Zeitung. In Wirklichkeit sind schwer nachvollziehbare staatlichen Maßnahmen dafür verantwortlich – nicht einfach das Virus. Und das durch Privatisierung und Krankenhausschließungen – schon vor Corona – geschwächt gewesene Gesundheitssystem ist nach gut zwei Jahren noch immer nicht vernünftig aufgerüstet. Die im Gesundheits- Pflegebereich arbeitenden Menschen sind weiterhin unterbezahlt und von der Anzahl her viel zu wenige.

Und die Gesellschaft ist gespalten. Was sie indes bereits lange vor Corona war. Dass der neue Bundeskanzler Olaf Scholz eine Spaltung der Gesellschaft in Abrede stellt, nimmt einen Wunder. Hat er nicht auch durch seine Mitarbeit an der Agenda 2010 einen erheblichen Anteil an der Spaltung?

Demokratie, Journalismus und Intellektuelle versagten. Kritische Zeitgenossen, Wissenschaftler und Ärzte wurden diffamiert

Die herrschende Politik verordnete fragwürdige Maßnahmen. Die Opposition versagte. Der deutsche Journalismus, die öffentlich-rechtlichen, sowie die Leit- und Konzernmedien tönten gleich und versagten ebenfalls. Die Bundesregierung verließ sich im Wesentlichen auf beratende Wissenschaftler, die zu ihrer Linie passten. Andere, seit Jahrzehnten angesehene Wissenschaftler und Ärzte, die davon abweichende Meinungen vertraten, wurden diffamiert. Auf kritische Einschätzungen Intellektueller, die sonst zu allem und jedem etwas in den Medien zu sagen hatten, wartete man vergebens. Stattdessen: dröhnendes Schweigen. Schauspielerinnen und Schauspieler wurden wegen ihrer Aktionen #allesdichtmachen sowie zusammen mit Wissenschaftlern in #allesaufdentisch ausgegrenzt und beschimpft. Im hier zu besprechenden Buch notierte Mathias Richling: „53 seriöse, ernst zu nehmende Schauspieler haben sich in Ein-Minuten-Takes ironisch und sarkastisch geäußert über die genauso dramatischen Nebenwirkungen des Dramas ‚Virus-Krise‘. Es ergossen sich Gülle-Kübel unvorstellbaren Ausmaßes über sie. Zumindest verbal wurden sie an jeder Straßenecke erschlagen.“

Blieben die Kabarettisten. Doch auch sie enttäuschten. Entweder hielten sie sich selbst mit der leisesten Kritik zurück oder umschifften das Thema. Anders die  altgediente Kabarettistin Lisa Fitz. Sie wagte den Mund weit aufzumachen. Dafür erntete sie Dresche: Sie wurde nach einem Aufritt im Fernsehen von den Medien diffamiert: Sie habe falsche Todeszahlen nach COVID-Impfungen (hierzu die NachDenkSeiten) verbreitet. Ja, ein gewisse Unregelmäßigkeit, wie sie später auch zugestand. Dennoch war ihr Beitrag (der später sogar aus dem Programm und nun auch aus der Mediathek getilgt wurde) ein wichtiger.

Mathias Richling nimmt in seinem Buch kein Blatt vor den Mund

In dieser aufgewühlten Zeit muss es dem Kabarettisten, Parodisten, Schauspieler Mathias Richling hoch angerechnet werden, dass er mit einem Buch herausgekommen ist, in welchem er sich satirisch-sarkastisch mit der Corona-Krise befasst. Er, der mittlerweile fünfzig Jahre auf der Bühne und vor den Fernsehkameras steht, zeichnet diese ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen nach.

Sein Buch trägt den Titel „Das Virus Demokratie? Eine Abschätzung“. Im Kapitel 2 (S.13) schaltet Richling „Grundlegende Fakten“ vor:

(…) „dass

alles Folgende gesagt und geschrieben ist

ausschließlich auf der Basis der Informationen,

die Robert Koch-Institut,

Weltgesundheitsorganisation

und deutsche Bundesregierung

bekannt gaben und auch seit Beginn der Pandemie-Politik

bis heute ständig wiederholen.

Nämlich:

Dass 85 Prozent der Infektiösen

keine Symptome hätten.

Dass die Letalität, also das Sterberisiko derer,

die infiziert sind, je nach Nation,

zwischen 0,01 Prozent und 1,8 Prozent liege.

Dass es also bei den restlichen 15 Prozent

leichte, mittlere und schwere Ausbrüche

der Krankheit gebe.

Und das es demgemäß dramatische Verläufe

bei circa 5 Prozent der Infizierten gibt.“ (Fettung im Buch)

Zu bedenken gibt Mathias Richling auf der nächsten Seite (14) aber auch: „Aber dramatische Verläufe gibt es bei AIDS, bei Malaria, bei TBC ebenso. Deswegen ergibt sich die Frage seither für jeden, der durch die Rundum-Sorgen-Pakete der Regierung in seiner Existenz bedroht oder schon vernichtet ist, wie hoch der Wert eines Menschenlebens ist? Oder wie viel von seinem Hab und Gut oder von seiner Lebensqualität oder von seinem Leben oder seiner Freiheit oder seiner Grundrechte schlechthin man hergeben muss, damit ein anderer überlebt.“

Also da fragt man sich dann als in die Coronakrise hineingeworfener Mensch dann doch: Ist diese ganze Corona-Panik denn im vollem Umfang gerechtfertigt?

Interviews, Imitiertes und eigene Anmerkungen von Mathias Richling

Das Buch enthält eine Reihe von Interviews die mehrere Medien mit Mathias Richling geführt haben. Diese sind sehr informativ. Sie offenbaren wie Richling über die Dinge denkt. Diese Interviews sind in blauer Schrift gedruckt.

Stoßen wir dagegen auf schwarze Schrift, so lesen wir Richlings persönliche Anmerkungen.

Und wenn uns stechend roter Text zu Augen kommt, so sagt das, dass der Autor hier Charaktere imitiert.

Los geht es gleich (S.19) mit dem Veterinär-Mediziner Lothar Wieler, dem Chef des Robert Koch-Instituts (RKI). „Und so erklärt sich auch“, pikst der Satiriker treffend zu, „dass er die Deutschen in dieser Zeit sichtbar behandelt wie eine Kuhherde. Respektive wie ein Volk von Rindviechern. Auch bei Maul- und Klauenseuchen wird nicht individuell nach jedem einzelnen Tier geschaut. Es wird der ganze Bauernhof dichtgemacht. Deutschland wie einen befallenen Bauernhof ganz dichtzumachen, war immer der große Traum von Lothar Wieler. Vor allem, weil immer mehr Bürger sich nicht gegen alle Maßnahmen, wohl aber gegen die irrationalen dieser Maßnahmen mit Maul und Klauen wehren.

Achtung!

Das hat“, stellt Mathias Richling klar (S.19), „Lothar Wieler Anfang April 2020 nie gesagt. Aber so klang es.“

Mit dem Wieler in den Mund geschriebenen Text werden dessen nicht selten wirr anmutenden Auslassungen wiederum so kenntlich, dass die Leserinnen und Leser womöglich begreifen, was vielleicht der Sinn von Wieler wirklichen Auslassungen ist. Nämlich, dass es die Menschen nicht verstehen sollen. Weshalb – wie Wieler tatsächlich einmal sagte – das Gesagte nie hinterfragt werden dürfe: „Und zwar gehe ich da davon aus, dass wir etwas wissen, was wir schon lange wissen. Aber das wissen wir nur insofern schon lange, als wir es als Wissen nicht wissentlich wahrgenommen haben. Wenn ich verstehe, was ich meine.“

Mehr davon: „Deswegen empfehlen wir vom RKI sogar, den Notstands-Staat zum Dauerzustand zu machen. Um auch Viren, die es noch gar nicht gibt, keine Chance zu geben, dass sie es gibt. Wichtig bleibt – Abstand halten.

Auch zur Demokratie.

In der Summe heißt das: Die Empfehlungen von uns Virologen sind existenziell vorrangig. Es ist jetzt entscheidend, dass Menschen leben. Auch wenn sie künftig nicht wissen, wovon.“

Apropos Demokratie!

Anspielend auf den Titel des Buches stößt Richling im Kapitel 5 „Gegner ungleich Leugner“ (S.25) mit dem Zeigefinger auf d i e klaffende Wunde hernieder, auf das es ordentlich wehtue:

So war man oft schon versucht, zu fragen, ob denn das eigentliche Virus die Demokratie sei?“

Und ob man in Wahrheit die Deutschen vor diesem Virus ‚Demokratie‘ schützen müsse, damit nicht zu viele von ihm infiziert werden und damit die Inzidenz minimal gehalten wird, damit das Gemeinwesen nicht überlastet werde, wenn sich an demokratischen Werten Erkrankte in die leerstehenden Innenstädte ergießen?“ (Fettung im Buch)

Und der Rechtsstaat?

Da ist auch der Rechtsstaat nicht weit. Ich erinnere nur daran, was sich erst kürzlich zutrug: Weil sie Corona-Regeln wie jüngst 2G im Einzelhandel kippten, hat Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery (ein „Radiologlein“, was wohl Freude am Totalitären gefunden zu haben scheint) die Richter für ihre Urteile scharf kritisiert. Er habe „große Probleme“ mit dem, was sich „kleine Richterlein“ hier „anmaßten“.

Mit der Corona-Politik seien durchaus auch Teile des Rechts förmlich auf den Kopf gestellt worden. Seit den Siebzigerjahren gilt in Deutschland ein Vermummungsverbot auf allen Demonstrationen, fällt Richling ein. In Corona-Zeiten werden Menschen jedoch bestraft, wenn sie sich nicht mit einem Mundnasenschutz vermummen. Ein verstorbener Kollege von mir würde dazu sagen: Verkehrte Welt! Die Nase läuft, die Füßen riechen.

Untertanengeist, Obrigkeitshörigkeit übereifrige Funktionsträger

Mathias Richling spießt auch den neuerdings wieder fröhliche Urständ feiernden Untertanengeist samt Obrigkeitshörigkeit des deutschen Michels auf.

Richling gelingt es glänzend die Absurditäten betreffs der Corona-Maßnahmenpolitik herauszuarbeiten. Er macht deutlich, wie politische Funktionsträger bis ins Lokale hinein immer noch etwas finden, dass noch irrer ist wie das eh schon in Berlin vereinbarte und die Menschen noch ein Stück weiter kujoniert. Da will man sich offenbar gegenseitig übertreffen. In all diesem Eifer merken diese Funktionsträger offenbar gar nicht, wie sie da, wo sie meinen, das gehe durch, über Grundgesetz und Rechtsstaat fahren. Sind für sie Demokratie und Rechtsstaat plötzlich störende Vehikel?!

Wer Richling von Funk und Fernsehen oder von Bühnenauftritten über Jahre hinweg kennt, wird dessen ganz speziellen Sprachduktus beim Lesen geradezu heraushören.

Leben retten, koste es was es wolle?

Leben, so empfinden wir es in der Düsternis der Corona-Krise, soll gerettet werden. Koste es was es wolle?, muss gefragt werden. Wer nimmt die Kollateralschäden in den Fokus? Richling: „Wenn die Welthungerhilfe wie ausgeführt, vor Millionen von Hunger-Toten warnte, muss noch einmal gefragt werden, ob die alle nichts wert sind?“ (S.230)

Mathias Richling schreibt schon zuuvor: „Bei wie viel Verhungernden, bei wie viel vernichteten Existenzen ist ein Lockdown wegen einer Krankheit nicht mehr zu akzeptieren.“ Und fragt sarkastisch: „Sind 65 Prozent Pleiten von Einzelhändlern in den Innenstädten noch zu wenig?“

„Wir haben Menschen verhungern lassen, wir haben Menschen später oder zu spät zugelassen zu Operationen oder Behandlungen, damit wir andere Menschen schützen! Und wenn es nach Kant heißt, dass kein Zweck es rechtfertige, den Tod eines Menschen in Kauf zu nehmen, so ist das die Philosophie. Jedoch hat Politik mit Philosophie schon lange nichts mehr zu tun.“

Und der Autor bleibt da nicht stehen (S.229): „Wollte man bei Corona zeigen, dass man den Wert des Lebens neu und höher berechnet hat?“ Und weiter: „Aber den Wert des Lebens welcher Menschen? Haben wir eine Drei- oder Vierklassengesellschaft geschaffen, wenn wir wirtschaftliche und soziale und psychische Kosten immer höherschrauben, um nur die überleben zu lassen, die an Corona erkrankten?“

Auch der in den vergangenen zwei Jahren in gefühlt tausend Talkshows als eine Art Klabautermann aufgetretene Karl Lauterbach darf freilich in Richlings Buch nicht fehlen. Auch ihn in seinem rheinischen Dialekt hört man beim Lesen in den ihn von Richling in den Mund gelegten Worten direkt heraus: „Die einzige Chance, das Virus ‚Demonstration» einzudämmen, ist, indem wir, wie bei Corona, die Sorge der Leute schüren. Und zwar die Sorge, als Nazi eingestuft zu werden vom Verfassungsschutz. Die Mehrheit ist nicht ‚rechts‘, das gebe ich zu. Aber wenn diese Mehrheit spürt, dass wir sie einstufen als ‚rechts‘ und als radikal, dann bleiben sie bei den Demonstrationen weg und nur die Radikalen bleiben übrig.“

Brillante Parodien der politischen und anderen Spieler unserer Zeit

Richling parodiert im Buch brillant neben dem bereits hier erwähnten Herren Lauterbach und Wieler, weitere politische Spieler, wie Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble oder Winfried Kretschmann, „Die Halb-Vorsitzende“ Saskia Esken und Friedrich Merz. Auch Rudi Cernes, Donald Trump, Elon Musk, Markus Söder, Armin Laschet, Der Wendler, Baerbock und Habeck kommen vor. Da bekommt man regelrecht Spaß in die Backen, wie man im Ruhrpott zu sagen pflegt

Unbedingt zur Lektüre empfohlen

Wenngleich ich Mathias Richling auch lieber in seiner Fernsehshow sehe – weswegen mich auch seine Show auf der Theaterbühne der Ruhrfestspiele Recklinghausen vor Jahren nicht so flashte – empfehle ich hier sein Buch ausdrücklich und unbedingt. Es ist humorvoll, spitzzüngig-scharf, mutig und von nötiger Kritik durchzogen. Und zugleich eine sachliche Beschreibung der Corona-Krise. Es dürfte in den Köpfen der Leserinnen und Leser einiges anrichten und ein Nachdenken befördern. Ja, die Gesellschaft ist stark gespalten. Ich empfehle es trotzdem allen Seiten. Ein wichtiges Buch, das in unsere traurige Krisenzeit passt und gewiss darüber hinaus auch noch Beachtung wird finden können.

Denn die Folgen dieser Zeit dürften bei vielen Bevölkerungsschichten noch lange und durchaus auch schmerzlich nachwirken.

Sooft wir beim Lesen dieses Buches vielleicht auch schallend lachen werden, erinnert es doch  daran, dass unser Grundgesetz und auch der Rechtsstaat durch den Panik- und Verordnungsstaat Schaden genommen haben. Was traurig und alarmierend ist. Wir werden viel reparieren müssen in Zukunft.

Mathias Richling

Das Virus Demokratie?

Eine Abschätzung

 

Erscheinungstermin:

11.10.2021

Seitenzahl:

256

Ausstattung:

Klappenbroschur mit zahlr. Farbfotos

Artikelnummer:

9783864893452

20,00 €

 

Über das Buch (via Westend Verlag)

Die Herden-Immunität gegen unsere Demokratie verhindern!

Die Corona-Pandemie bringt nicht nur Politiker auf absonderliche Gedanken, sondern auch Kabarettisten. Während erstere die Demokratie und das Grundgesetz mit Panik-Maßnahmen durchlöchern, versucht der Kabarettist Mathias Richling mit diesem Buch zu retten, was noch zu retten ist. Es gilt die Herden-Immunität gegen unsere Demokratie zu verhindern. So ist dieses Buch nicht nur eine scharfsinnige Bestandsaufnahme darüber, was das Covid19-Virus an psychischen und physischen Langzeitfolgen für unsere Gesellschaft anrichtet, sondern auch ein Appell an unsere Wachsamkeit gegenüber vorauseilendem Gehorsam sowohl an der Basis als auch in Wissenschaft und Politik.

Der Autor

Mathias Richling 1953 in Waiblingen geboren, ist Kabarettist, Parodist, Autor und Schauspieler. Erste bundesweite Bekanntheit erreichte er 1989 durch die Satiresendung „Jetzt schlägt’s Richling“. Es folgten Shows wie „Zwerch trifft Fell“, die sich heute „Die Mathias Richling Show“ nennt. Er gehörte fünf Jahre zur Stammbesetzung der Sendung Scheibenwischer und moderierte ein Jahr die Sendung Satire Gipfel. Er wurde mehrfach ausgezeichnet u.a. 2020 mit dem Ehrenpreis Krefelder Krähe.

Mathias Richling. Foto via Westend Verlag