Stiftung Corona-Ausschuss Pressekonferenz

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte haben die Stiftung Corona-Ausschuss ins Leben gerufen. Sie wird untersuchen, warum Bundes- und Landesregierungen beispiellose Beschränkungen verhängt haben und welche Folgen diese für die Menschen haben. Die Stiftung fördert zudem wissenschaftliche Studien auf diesem Gebiet. Der Ausschuss wird unverzüglich seine Arbeit in Berlin aufnehmen. Der Ausschuss wird geleitet von den Rechtsanwältinnen Antonia Fischer und Viviane Fischer sowie den Rechtsanwälten Dr. Reiner Füllmich und Dr. Justus Hoffmann.

Begleitende Experten aus Wissenschaft und Praxis sind u.a. der Forensiker Prof. Pasquale Mario Bacco, der Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Hans-Joachim Maaz, die Pflegeexpertin Adelheid von Stösser, der experimentelle Immunologe Prof. emeritus Peter Capel, der klinische Psychologe Prof. Dr. Harald Walach. Der durch seine Arbeit im Schweinegrippe-Untersuchungsausschuss bekannte Dr. Wolfgang Wodarg (ehemaliger Amtsarzt, MdB, Pneumologe und Gesundheitswissenschaftler) wird die Arbeit des Ausschusses unterstützen. Auf der Pressekonferenz werden die Stiftung, die handelnden Personen sowie der Themen- und Zeitplan des Ausschusses vorgestellt und Fragen beantwortet. Erfharen Sie mehr über den Ausschuss: https://corona-ausschuss.de/ Verfolgen Sie den Livestream auf unserer Plattform: https://live.oval.media/ The live stream will be held in German. Sie können unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen. Spendenbescheinigungen können wir derzeit leider noch nicht ausstellen. Die Bankverbindung ist: Rechtsanwaltsanderkonto/Treuhandkonto: Rechtsanwalt Dr. Reiner Füllmich Verwendungszweck “Stiftung Corona-Ausschuss” IBAN: DE09250601801001362605 BIC: HALLDE2HXXX

Quelle: Ovalmedia/You Tube

„Silberjunge“ Thorsten Schulte über sein Buch „Fremdbestimmt“ auf der #Nichtohneuns – Demo in Dortmund. Wird er eine Partei gründen?

Jeden Sonnabendnachmittag treffen sich Kritiker der Corona-Einschränkungen in Dortmund hinter der Reinoldikirche im Zentrum der Stadt. Kürzlich hatten sie, wie es im „blick nach rechts“ geheißen hatte, „für ihre Versammlung am 4. Juli den AfD-nahen, verschwörungsideologischen Publizisten Thorsten Schulte“ angekündigt. Und in der Tat: am 4. Juli war er da und sprach vor laut Polizeiangaben 150 Menschen. Meines Erachtens waren es aber mehr – vielleicht um die 250 bis 300 Kundgebungsteilnehmer. Sei es drum. Veranstalter waren die Ortsgruppen von „Nicht ohne uns“ sowie „Querdenken 231“. Die lehnen nach eigenen Angaben „extremistische Links- und Rechtsradikalität […] kategorisch“ ab.

Journalist Andy Franke begrüßt die Kundgebungsteilnehmer.

An einer Lautsprecherbox oberhalb der Kirchentreppen angebracht, wehte ein kleines Deutschlandfähnchen. Daneben steckte eine Sonnenblume. Journalist Andy Franke (FREIES MEDIENPORTAL) begrüßte, wie er sagte, aus der Rolle des Journalisten heraustretend – „als einer von euch“ (hier das Video), die Kundgebungsteilnehmer. Er brachte noch einmal die Punkte und speziellen Bedenken zum Ausdruck, die den Kritikern der Corona-Einschränkungen auf den Nägeln brennen.

Thorsten Schulte vor der Reinoldikiche in Dortmund. Fotos: C. Stille

Dann war es soweit: „Silberjunge“ Thorsten Schulte, blaues Sakko, weißes Oberhemd. Jeans, aus dem Dortmund benachbarten Hamm betrat die Szene. Schon zuvor war er lautstark begrüßt worden. Einer hatte gerufen: „Ich will ein Kind von dir!“ und Schulte gab lachend zurück: „Lieber nicht!“

Zunächst sprach der Spiegel-Bestsellerautor über sich. Früher war der einstige Banker und Experte für Edelmetalle im öffentlichen Fernsehen präsent und ging nach eigenem Bekunden in der Berliner CDU-Zentrale ein und aus. Inzwischen ist er quasi ein Geächteter. Das hat mit seinem Buch „Kontrollverlust“ zu tun.

„Warum dieser Boykott? Was hat der Autor verbrochen?“, fragte Georg Meck in der F.A.Z. „Steht sein Buch etwa auf einem Index? Nein, nichts dergleichen. Der Verfassungsschutz wird nichts juristisch Verwertbares auf den 288 Seiten finden. Das Buch ist nicht verboten, allenfalls politisch provokant (das glauben die Fans) oder inhaltlich missraten, das sagt der Rest. Dem Handel genügt der Verdacht, Schulte sei irgendwie rechts, sein Verlag dubios, um das Buch zu sabotieren.

Tatsächlich schreibt er, was AfD-Anhänger gerne lesen, aber auch was CDU/CSU-Leute so schon formuliert haben. In Flüchtlings- wie Euro-Krise sei geltendes Recht gebrochen worden, lautet Schultes These. Der Maastricht-Vertrag sieht vor, dass kein Pleiteland von anderen Staaten rausgepaukt wird. Dublin steht dafür, dass Flüchtlinge in demjenigen EU-Staat aufgenommen werden, wo sie europäischen Boden betreten. Beide Male wurde gegen die Paragraphen verstoßen, sagt Schulte. „Staatsversagen“ ist der Kampfbegriff aller Merkel-Gegner in- und außerhalb der Union, Schulte spricht von Organversagen: „Und das Organ heißt Angela Merkel.““

Sein neuestes Buch trägt den Titel „Fremdbestimmt: 120 Jahre Lügen und Täuschung“. Hier das eingeSchenkt.tv-Interview mit Schulte zum Buch.

Er musste für das Buch eigens den „Verlag für Frieden, Freiheit & Wahrheit“ gründen. Ein anderer Verlag war im letzten Moment eingeknickt und hatte es nicht herausbringen wollen. Es konnte im Anschluss an die Rede Schultes käuflich erworben werden. Es bildete sich sofort eine Schlange.

Der Gastredner sprach über sich und seinen Werdegang über eine Stunde lang. Immer wieder von zustimmenden Applaus unterbrochen. Bereits mit 16 war er der Jungen Union beigetreten. Was mag da in seinem Kopf vor sich gegangen sein? Wenn ich von so einem frühen Eintritt in die JU etwas höre, da passiert immer etwas in meinem Kopf. Nun ja.

Womöglich hätte er eine tolle Karriere hinlegen können. Der einstige CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, dessen Mitarbeiter und Wahlkampfmanager er war, förderte ihn. Und nun sozusagen ein Outlaw!

Zu seinem Buch liest man:

„Dieses Buch ist ein Warnruf an alle Europäer!
Kurt Tucholsky schrieb 1931: „Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig.“
Immer mehr Menschen fühlen, dass die Zukunft Deutschlands und Europas in Gefahr ist, verstehen jedoch noch nicht die Ursachen. Deshalb muss das ganze Ausmaß von Täuschung und Fremdbestimmung offengelegt werden. Nur so können wir erkennen, was uns heute bedroht, warum gegen den Mehrheitswillen offenkundig regiert wird und was wir dagegen tun können. Thorsten Schulte demaskiert in diesem Buch die Geschichtsschreibung der Sieger, deckt Unwahrheiten, Halbwahrheiten und das Weglassen wichtiger Fakten in unseren Medien auf. Er entlarvt das verzerrte Geschichtsbild, das immer noch zu einem Schuldkomplex der Deutschen mit verheerenden Folgen führt. Erst dadurch wird seine Gefahrenanalyse in diesem Buch für das heutige Deutschland verständlich.“

Zum Buch selbst kann ich hier nichts schreiben. Ich habe es nicht gelesen. Vor einiger Zeit hatte ich mich an jemanden gewendet, welcher das Buch zu vertreiben half, um ein Rezensionsexemplar zu bekommen. Aber erhalten hab ich keines. Wer mag, kann sich ja selbst ein Bild über „Fremdbestimmt“ machen. Oder sich übers Internet – etwa bei Thorsten Schulte selbst – informieren.

Vieles was Schulte in seinem Vortrag kritisierte ist in der Tat kritikwürdig. In unserer Gesellschaft läuft vieles seit Jahrzehnten falsch. Und wahr: Bürger*innen werden auch belogen und über den Tisch gezogen. Thorsten Schulte brachte das berühmte Zitat von Jean-Claude Juncker, wo der einstige Präsident der Europäischen Kommission einfach mal offen die Wahrheit sprach:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Das die Gesellschaft – erst recht in Corona-Zeiten – so gespalten ist haben m.E. die etablierten Parteien zu verantworten. Dazu gehört auch die Entstehung und Erstarkung der AfD. Dass Menschen der Zustand unserer Gesellschaft, unserer Demokratie, bitter aufstößt und zunehmend empört veranlasst auf die Straße zu gehen, darf uns nicht verwundern. Wohin es diese empörten und verunsicherten Menschen treibt, kann und muss uns nicht in jedem Falle gefallen. Aber es ist nun einmal ihr gutes Recht. Jedoch vor solchen Demos – speziell sogenannten „Hygienedemos“ generell zu warnen, wie es das Kampagne-Netzwerk Campact kürzlich tat, ist völlig neben der Kapp. Da macht man es sich zu einfach. Gefährlich einfach. Unsere Gesellschaft ist eh schon arg gespalten und wird mit jedem Tag mehr gespalten. Das kann zu nichts Gutem führen. Zu Campact mein Beitrag.

Inwiefern nun Thorsten Schulte zu einer Einung unserer von Spaltung erfasster Gesellschaft führen könnte, ist mir dagegen noch nicht klar geworden. Wenn ich ihn richtig verstehe, erwägt er womöglich eine Partei zu gründen – wenn sich genügend Mitstreiter*innen finden. Brauchen wir die? Ich denke nicht. So etwas kann man nicht aus dem Boden stampfen. Das war auch bei der Bewegung „Aufstehen“ zu beobachten, die großen Zuspruch hatte, aber hauptsächlich an sich selbst scheiterte. Oskar Lafontaine möchte nun Aufstehen wieder beleben.

Warnung sollten Schulte auch die Querelen um die von Dr. Bodo Schiffmann gegründete Partei “Widerstand 2020“ sein, die schon wieder am Ende ist und Schiffmann inzwischen ein neues Projekt im Auge hat.

Hinter so einem Projekt (fraglos muss etwas in diesem Land passieren, wenn wir die Demokratie wieder in die Puschen bringen wollen) muss ordentlich Dampf stehen und charismatische Leute werden auch gebraucht. Parteien, so sie wirklich Veränderung bewirken wollen und den wirklich Mächtigen gefährlich zu werden versprechen, werden im Laufe der Zeit vom System „rundgelutscht“ – die Grünen sind das beste Beispiel dafür. Und DIE LINKE braucht nicht schadenfroh zu schmunzeln: sie sind die Nächsten. Das Rundlutschen und noch viel schlimmer,weil vermeidbar: das Rundlutschenlassen ist bereits im Gange. Auch – habe ich den Eindruck werden Parteien gerne von bestimmten Kräften unterwandert und schließlich von innen heraus zerstört.

Wohin eine mögliche Schulte-Partei steuern würde, kann man nur mutmaßen. Ob das unserer Gesellschaft innenpolitisch wie außenpolitisch im Positiven zu Gute käme, möchte ich indes bezweifeln. Zwar tönte Schulte von Gerechtigkeit und Wahrheit und, dass er auch mit Linken, sogar der Antifa spreche.

Einige Punkte in dessen Dortmunder Rede stießen mir dann doch etwas bedenklich auf. Unter anderem das China- und Kommunisten-Bashing bezüglich der neuen Sicherheitsgesetze Hongkong betreffend. Da wie dort ist Thorsten Schulte offenbar noch in der alten CDU-Ideologie und dem Kalten Krieg verhaftet. Aber, liebe Leser*innen, machen Sie sich doch ein eigenes Bild: Hören Sie sich die Ansprache von Thorsten Schulte (Video via Vani Hobby TV; oben) gern an.

Fakt ist: Wir leben in Krisenzeiten, die einen letztlich unvermeidlichenUmbruch zumindest andeuten. Im Herbst dürfte eine Pleitewelle das Land erfassen mit den damit verbundenen Verwerfungen im Rahmen einer schweren Weltwirtschaftskrise wir werden lernen müssen umzugehen. Wohin wird dieser Umbruch ausschlagen? Zum Positiven oder zum Negativen? Wir haben keine Glaskugel und können es demzufolge nicht vorhersagen. Wir könnten uns, schlage ich vor, präparieren und zu diesem Behufe „Die Lehre vom Kollaps“ von Dmitriy Orlov lesen.

Friedlich wie sie begonnen hatte, endete die Kundgebung.

Wie es *innen aussieht, geht niemand was an. Milena Preradovic fragt Doro Wilke vom Verein Deutsche Sprache: „Wie falsch ist die gerechte Sprache?“

Kurz nachdem ich 1989 aus der DDR in die BRD gekommen, war und mich wieder (nebenberuflich) journalistisch betätigte, bekam ich es erstmals mit gendergerechter Sprache bzw. gendergerechter Schreibweise zu tun. Es wurde dann immer die männliche und die weibliche Berufsbezeichnung gesprochen bzw. geschrieben: Beispielsweise Politikerinnen und Politiker. Damit hatte ich kein Problem. Wenngleich dadurch auch Texte länger wurden. Mit Gleichberechtigung hatte ich sowieso kein Problem. Die wurde in der DDR gelebt.

Später wurde es dann üblich, dass man das sogenannte Binnen-I verwendete. Zum Beispiel schrieb man dann: LehrerInnen, PolizistInnen. Auch daran gewöhnte ich mich. Obwohl es geschrieben im Schriftbild natürlich auch etwas merkwürdig anmutete. Nun ja.

Ich glaube letztes Jahr führte das Blog Nordstadtblogger.de, für das ich tätig bin, das sogenannte Gendersternchen ein. Beispiel: Schauspieler*innen, Sexarbeiter*innen. Nun ja. Auch das übernahm ich mit *innerem Murren.

Doch ich stutzte – es war bei den Fridays-For-Future-Demos. Da hörte man eine Aktivistin, oder Aktivisten plötzlich sagen: Liebe Schüler innen… sagen. Es wurde also das Gendersternchen in der Sprache benutzt. Ich war verdattert. Verstand aber dann. Na ja.

In diesem Jahr nun stutze ich wieder: bei Anne Will etwa und bei anderen Fernsehmenschen in ARD und ZDF oder 3sat. Politiker*innen wurde da gesagt oder Mitarbeiter*innen und Künstler*innen. Es war jeweils anfangs noch zu hören, wie sich die das Aussprechenden noch etwas dabei gewissermaßen stolpernd schwer damit taten.

Seitdem sich das quasi eingebürgert hat (wer eigentlich ordnet so etwas an?), macht mein Herz jedes Mal einen Stolperer. Ich fremdele damit. Und denke: wie es *innen aussieht, geht niemand etwas an. Manchmal denke ich auch schmunzelnd dabei daran, wie es wohl in den Politikerinnen und besonders in den Journalistinnen innen aussieht. Zuweilen tun sich da mir in meiner Phantasie Abgründe auf.

Und immer befällt mich die Befürchtung, eines Tages könnte diese Schreibweise auch in die Literatur Einzug halten. Wie soll man dann noch Freude am Lesen eines Romans haben?

Die Journalistin Milena Preradovic hat in ihrer Sendung Punkt.Preradovic (eine Sendereihe, die ich nur empfehlen kann) die Problematik Gendersprache aufgegriffen:

„Gendersprache vs. Grammatik. An Unis, in Kommunen, bei ARD und ZDF, die Gendersprache breitet sich momentan rasant aus. Aber viele der neuen, gerechten Wörter sind schlicht falsch. Zumindest nach der geltenden Grammatik. Das sagt Doro Wilke vom Verein Deutsche Sprache. Außerdem führe Gendersprache nicht zu Gleichbehandlung, sondern diskriminiere andere Minderheiten.“

Der Verein Deutsche Sprache mit Sitz in Dortmund fordert mit der Unterschriftenaktion „Schluss mit dem Gender-Unfug!“

Die Genderei hat zweifelsohne mit der sogenannten Political Correctness / Politische Korrektheit zu tun. Und ist gewiss gut gemeint. Doch – wie wir wissen – ist gut meint nicht immer gut getan. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) heißt es etwa:

„Immer wieder werden neue Sprachreglementierungen gefordert und begründet. Doch nicht selten führt die vermeintlich „politische Korrektheit“ der Sprache zu Unklarheit, Widersprüchen und neuen Verständigungsproblemen.“

Beitragsbild: Andrea Damm via Pixelio.de

„I can’t breathe“, sagt Journalist Ralph T. Niemeyer und fragt: Quo vadis Deutschland? Er findet: Es ist Zeit für den Maskenfall

„Der Weltuntergang ging mal wieder schief, scheint es“, schreibt der Journalist Ralph T. Niemeyer zu seinem aktuellen Video auf You Tube. Und weiter: „Nach einem geplatztem Weltuntergang muss man völlig umdenken. Politik und Wirtschaft zögen an einem Strang, heißt es immer, aber die Frage ist, wer am anderen Ende ‚dranhängt?! Ein Plädoyer für ein neues, soziales, nachhaltiges und friedliches Wirtschaftssystem!“

Ralph T. Niemeyer blickt auf eine langjährige Arbeit als Journalist zurück. Aus seinen Erfahrungen und Begegnungen mit Politikerin speist sich das, was er hier zu sagen hat.

„I can’t breathe“, sagt er und: „Es Zeit, Zeit für den Maskenfall.“ Interessante Gedanken und Vorschläge betreffs einer neuen Gesellschaft bekommen wir hier zu hören und zu bedenken. Viele von uns dürften wissen, dass es mit dem die Gesellschaft zerstörenden Neoliberalismus so nicht weitergehen kann.

Ist die Corona-Krise eine Chance, endlich einen Wandel ins Werk zu setzen? Nötig jedenfalls ist dieser dringend.

Bücherverbrennung – Auch in Dortmund verbrannten die Nazis Bücher: Das Beste, Klügste, Humanste, das deutsche Dichter*innen und Wissenschaftler*innen geschaffen hatten, ging 1933 in Flammen auf

Gedenkplatte auf dem Dortmunder Hansaplatz. Fotos (12): C. Stille

In vielen deutschen Universitätsstädten verbrannten die Nazis im Mai 1933 tausende Bücher aus öffentlichen und privaten Bibliotheken auf öffentlichen Plätzen. Dabei Werke bekannter Autoren wie Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky oder Heinrich Mann, darunter viele jüdische Schriftsteller. Am 30. Mai 1933 fand auch in Dortmund eine Bücherverbrennung auf Drängen von Dortmunder Lehrern und dem Lehrerverband mit Unterstützung des Polizeipräsidenten auf dem Hansaplatz statt. „Undeutscher Geist ging in Flammen auf!“ titelte der Dortmunder Generalanzeiger. 50.000 Dortmunder*innen sollen begeistert zugeschaut haben. Eine Veranstaltung mit Lesung an der Gedenkplatte zur Bücherverbrennung, an der

Wißstr./Hansaplatz erinnerte am Donnerstag an diese Nazibarbarei.

Das Beste, Klügste, Humanste, das deutsche Dichter*innen und Wissenschaftler*innen geschaffen hatten, ging 1933 in Flammen auf

Das Beste, Klügste, Humanste, das deutsche und und internationale Kunst und Wissenschaft hervorgebracht hat, ging unter dem Gejohle einer aufgepeitschten Menge in Flammen auf. Zumeist unter diesem Ausruf: „Ich übergebe dem Feuer ….“

Nicht nur Ihre Werke verbrannten, auch Dichter*innen und Wissenschaftler*innen selbst wurden auf vielfältige Art bald Opfer der Hitlerbarbarei.

Heinrich Heine hatte bereits in seiner 1823 veröffentlichten Tragödie „Almansor“ geschrieben: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Dieses Zitat liest man auch, wenn man von der Wißstraße kommend den Hansaplatz betritt, auf einer im Boden eingelassenen Bronzeplatte. Unmittelbar vor den dort gepflanzten kleinen Bäumen die dort sozusagen Spalier stehen. Da versammelten sich am späten Donnerstagnachmittag zirka hundert Menschen zu einer Gedenkveranstaltung.

Ein zusammen mit Dortmunder Schüler*innen in einem Workshop erstelltes „Brandbanner“ wurde zwischen den Bäumen ausgerollt. Die Schüler*innen gestalteten mit es mit den Brandecken. Auf dem Banner haben die Schüler*innen jeweils in ihrer eigenen Schrift Namen von Autoren und Wissenschaftlern aufgebracht, die sie kannten und deren Werke von den Nazis 1933 dem Feuer übergeben worden waren.

Ula Richter: „2020 ist ein alles Leben vernichtender großer Krieg so nah wie nie.“

Schauspielerin Tirzah Haase

Schauspielerin Tirzah Haase las das Gedicht „Das letzte Kapitel“, geschrieben von Erich Kästner im Jahre 1930 (!) Welche Weitsicht! Hier ein Ausschnitt:

„Am zwölften Juli des Jahres 2003
lief folgender Funkspruch rund um die Erde:
daß ein Bombengeschwader der Luftpolizei
die gesamte Menschheit ausrotten werde.

Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest,
daß der Plan, endgültig Frieden zu stiften,
sich gar nicht anders verwirklichen läßt,
als alle Beteiligten zu vergiften. (…)“

Ula Richter (BdgR (Bündnis Dortmund gegen Rechts) gab dazu zu bedenken: „Das Jahr 2003, das Jahr der Vernichtung, das Kästner beschreibt, haben

Ula Richter (BdgR (Bündnis Dortmund gegen Rechts).

wir zwar überlebt. Aber 2020 ist ein alles Leben vernichtender großer Krieg so nah wie nie.“ Und Ula Richter weiter mit Bertold Brecht („Gedächtnis der Menschheit“): „Wenn wir den Kriegstreibern nicht die Hände zerschlagen werden.“

Ula Richter: „Wir gemeinsam – nie wieder Faschismus. Nein zum Krieg!“

Richter erinnerte daran, dass sich viele deren Werke damals auf dem Hansaplatz verbrannt wurden auch selbst das Leben nahmen, „weil deren Situation so dramatisch so hoffnungslos war, dass viele daran zerbrachen“.

Ula Richter: „Wenig später brannten die Krematorien, Millionen Menschen fielen dem Völkermord und dem Vernichtungskrieg der Hitlerfaschisten zum Opfer.“

Mit der Veranstaltung wolle man „gleichzeitig die Kultur hochhalten, gegen Tendenzen der Vorrohung des wieder erstarkenden Rassismus, Antisemitismus, Antikommunismus und der Gegenaufklärung“. Richter: „Wir gemeinsam – nie wieder Faschismus. Nein zum Krieg!“

Erinnerung an von den Nazis verfolgte Dortmunder Künstler*innen

Zu Beginn der Lesung wurde stellvertretend für viele andere an einige von Nazis verfolgte, fortschrittliche Dortmunder Künstler*innen erinnert: Hans Tombrock, Maler und Vagabund, Paul Polte, Arbeiterdichter. Bernd Temming, Grafiker sowie Charlotte Temming, Schriftstellerin.

Werke in der Nazizeit verfolgter deutscher Schriftsteller wurden zu Gehör gebracht

Erinnert wurde an den Schriftsteller Ernst Toller, der sich im Exil das Leben nahm. Der Schauspieler Weißert las aus Tollers „Das Schwalbenbuch“.

Ebenso an die Autorin Else Lasker-Schüler. Sie wurde gelesen von Tirzah Haase.

Was Bert Brecht über Oskar Maria Graf, der an die Nazis gerichtet, geschrieben hatte „Verbrennt mich!“ schuf, trug Andreas Weißert vor.

„Und ob sie mich erschlügen. Sich fügen heißt lügen“, bekannte der Erich Mühsam, Dramatiker, Pazifist und Anarchist. Sein Lied vom „Revoluzzer“ wurde vorgetragen von Tirzah Haase.

Andreas Weißert wiederum trug „Aussage eine Nationalsozialisten vor Gericht“ (1930) vor.

Ebenso kam zum Vortrag Gertrud Kolmars („Nachruf“).

Tief berührender Vortrag „Walter Mehring in memoriam Silvester 40/41 von Andreas Weißert: „Der beste Jahrgang deutscher Reben ließ vor der Ernte so sein Leben“

Schauspieler Andreas Weißert.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war gleichzeitig deren nachdenklich stimmender, tief traurig stimmender Abschluss: Andreas Weißerts Interpretation „Walter Mehring in memoriam Silvester 40/41“ (darin denkt Walter Mehring an seine toten Freunde). Im Text des Schriftstellers und Satirikers Franz Mehring heißt es: „Der beste Jahrgang deutscher Reben ließ vor der Ernte so sein Leben“, heißt es da.

Ein wohl alle Anwesenden tief berührender, äußerst markant und eindrücklich von Andreas Weißert vorgelesener Text, welcher kurz hörbar auch an dem gestandenen Schauspieler selber nicht spurlos vorbeiging. Ein längerer Beifall folgte.

Ula Richter: „Da haben wir heute Kultur auf die Straße getragen. Kultur, die so wichtig ist, besonders in unserer Zeit, wo vieles hochkommt, wovon wir nicht gedacht hätten, dass es wieder einmal sein Kopf erhebt“

Resümierend brachte Ula Richter auf den Punkt. „Da haben wir heute Kultur auf die Straße getragen. Kultur, die so wichtig ist, besonders in unserer Zeit, wo vieles hochkommt, wovon wir nicht gedacht hätten, dass es wieder einmal sein Kopf erhebt. Kultur an einem Ort, wo vor 86 Jahren diese Schandtat

Bernd Rosenberg (Akkordeon) und David Oriewsky (Geige).

 

passierte. Kultur, die wir lebendig halten wollen.“

Die dem Thema angemessenen musikalischen Parts zwischen den gelesenen Beitragen waren großartig von den einfühlsamen Musikern David Oriewsky (Geige) und Bernd Rosenberg (Akkordeon) ausgeführt worden. Sie waren dankenswerterweise kurzfristig für den verhinderten Peter Sturm eingesprungen. Die Biografien wurden von Doris Borowski gesprochen.

Getragen wurde die Veranstaltung von BDgR, VVN/BdA Dortmund, DKP Dortmund sowie dem Dortmunder Friedensforum.

 

 

Weitere Bilder von der Veranstaltung in Dortmund und ein Video zur Bücherverbrennung in Berlin

David Oriewsky.

Bernd Rosenberg.

Shanghai Angel (in Germany) – Ein Roman von Rolf Geffken

Zwischen deutscher Kultur und chinesischer Kultur liegen Welten. Und Luftlinie zwischen der BRD und der Volksrepublik China beträgt die Entfernung ca. 7.224 km. China gehört zu den ältesten Zivilisationen und Hochkulturen der Menschheit. Schriftliche Aufzeichnungen über die chinesische Kultur reichen über 3500 Jahre zurück.

Wenn Menschen beider Kulturen aufeinander treffen – es liegt nahe – kann es schon zu einem Zusammenprall kommen. Mindestens aber zu Missverständnissen und Irritationen. Rolf Geffken (ich habe erst kürzlich an dieser Stelle seinen Roman „Verdammt in alle Kindheit“ besprochen) hat diese Möglichkeit auf zwei Personen heruntergebrochen und sehr gut und fesselnd beschrieben. Erzählt wird die Liebe zwischen dem deutschen Strafrechtsprofessor, Gerhard Prosch, und seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin, Sunling Xing aus Shanghai. Prosch Ende der Fünfzig. Die gut gebildete und attraktive Sunling Xing Mitte der Zwanzig, aus einer durchaus privilegierten chinesischen Familie stammend.

Während Sunling erstmalig nach Europa und Deutschland kommt, ist dem Professor durch seine Verbindungen zu chinesischen Universitäten und der Zusammenarbeit in deutsch-chinesischen Projekten das ferne, riesige – auf einen gewaltigen Sprung nach vorne auf vielen Feldern befindliche Land (ich empfehle nebenbei das ebenfalls kürzlich von mir besprochene Sachbuch „Das chinesische Jahrhundert“ von Wolfram Elsner) durchaus kein Terra incognita.

Dennoch funkt und bruzzelt es zwischen beiden gehörig. Zunächst ist das keine gewöhnliche Liebesgeschichte. Angezogen voneinander sind sind jedoch beide Protagonisten von Anfang an. Der alternde Professor vielleicht noch mehr als Sunling.

Sunling verfügt offenbar über nahezu außergewöhnliche Fähigkeiten. Vieles in der gemeinsamen Arbeit an Proschs Institut gelingen dadurch, Kompliziertes lässt sich durch Sunling Dasein ins Werk setzen. Sunling ist Prosch eine große Hilfe. Prosch weiß die Hilfe sehr zu schätzen. Er ist schwer beeindruckt von ihr.

Ist er bald schon in Sunling verliebt? Wohl schon. Doch er will es noch nicht so recht wahrhaben, was ihn bewegt. Und Sunling hat die ihr von zuhause mitgegebenen „rules“ – ihre Regeln. Sie gehen nicht zuletzt auf den strengen Vater, Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas und pensionierter Militär, zurück. Sunling hat hohen Respekt vor Prosch. Sie bewundert ihn sehr.

Und schon bald bekommt Prosch von Sunling zu hören: „I warn you…“ Er solle sich bloß nicht in sie verlieben. Prosch respektiert das. Dennoch braut sich da längst etwas zusammen – von beiden Seiten her-, nimmt seinen Lauf. Es gibt Irritationen. Aber Dinge kommen nicht zur Sprache, wie es notwendig gewesen wäre.

Und die (Beziehungs-)Kiste entwickelt eine Eigendynamik neben der vielen Arbeit her, die im Institut zu tun ist. Einmal ist ihm Sunling auch vor Gericht eine große Hilfe, erreicht mit ihrer geschickten Übersetzung so gar einen guten Ausgang für den vor Gericht stehenden chinesischen Landsmann, welchen Prosch für den Kollegen und Freund Rolf in einem Asylverfahren vertritt.

Ein andermal unterstützt Sunling ihn auch, als der Professor sich für die neue linke Partei (man kann sich denken, welche gemeint ist) engagiert und für einen Abgeordnetenmandat kandidiert. Geffken zeichnet uns Lesern auch fein sikzziert ein Bild von dem, auf was sich Menschen einstellen müssen, die sich in einer politischen Partei zu engagieren. Ein Unterfangen, dass eine gute körperlich-geistige Konstitution und eine riesige Portion Selbsbewusstsein erfordert, verbunden mit einem dicken Fell. Noch dazu in einer linken, wo mancher Träumer womöglich meint, dort herrschten Solidaridät oder gar Freundschaft unter den Mitgliedern. Man muss beim Lesen unweigerlich an die Konrad Adenauer zugeschriebene Steigerung „Freund – Feind – Parteifreund“ denken. Ja, sie ist ohne weiteres auch auf den Umgang von Mitgliedern einer linken Partei anwendbar. Da soll sich niemand etwas vormachen. Vor allem wenn es um Ämter und lockende Macht geht und gut gefüllte Futtertröge winken. Zu einer Kundgebung kommt der führende Politiker dieser neuen linken Partei, Gregorius Grips (!) aus Berlin.

„Grips kannte jeder. Er war der Liebling der Medien. Von Beruf Anwalt. Klein von Statur. Charmant in der Aussprache. Reaktionsschnell und debattierfreundig.(S.126)“  Wir Leser haben sofort das Bild im Kopf, wissen von wem die Rede ist.

Neben geistigen Annäherungen und Disputen, auch spaßiger Natur zwischen beiden, wobei Sunling viel hinzu lernt, deutet sich auch eine mögliche Annäherung auf anderer Ebene an. Doch zum Äußersten – wie man schön zu sagen pflegt – kommt es letztlich nicht, sieht man einmal von „der Nacht der linken Hand“ ab, die in Gerhard Prosch etwas ganz besonderes und einmaliges auslöst.

Prosch macht sie mit Goethe vertraut, den sie nicht besonders gut kennt. Sunling ist für Prosch – wie dieser spürt – zu einem, seinem „Eckermann“ – vielmehr zu seiner „Eckerfrau“ – geworden. Zu einer wichtigen Vertrauten, wie Johann Peter Eckermann, ein deutscher Dichter, Schriftsteller, seinerzeit „seinem“ Goethe enger Vertrauter gewesen war. Sie ist ihm als des Professors wissenschaftlicher Mitarbeiterin und eigentlich darüber hinaus mit aller, von Liebe getriebener Kraft ein Engel. Der „Shanghai Angel“ eben.

Doch beide Protagonisten sind auch Gefangene ihrer Biografien und Sunling ihrer Regeln, die sie nicht unbedingt befolgen will. Verletzungen entstehen und bleiben bestehen, weil sie nicht sofort geheilt werden. Obwohl das durchaus möglich gewesen wäre. Es bleibt zwischen beiden halt zu oft etwas im Raume stehen. Es wird geschwiegen, wo besser geredet worden wäre. Wir alle kennen solche Momente, wenn wir ehrlich sind. Man spürt es zuweilen im Augenblick und tut doch nicht, was getan werden müsste. Und dann ist der Moment, der etwas Schönes möglich gemacht hätte, verflogen wie ein scheuer Vogel. Ein Fenster, das sich geöffnet hatte, ist wieder geschlossen. Die Gelegenheit perdu. Vergossene Milch. Der Zug abgefahren. Der Frust hinterher groß. Die Traurigkeit auch. Hätte ich doch!

Der Engel verliert an Kraft. Grenzen stellen sich auf. Hoffnungen zerplatzen wie Seifenblasen.

Wir erfahren im Fortgang des Romans, welcher einen bis zum Schluss nicht loslassen will, viel über Politik, internationale Beziehungen und auch Recht (der Autor ist Fachanwalt) Wirtschaft sowie über Konventionen und die Gesellschaft hierzulande wie auch in China. Das ist nie dröge und eintönig, sondern interessant.

Eine unmögliche Liebe? Ein Liebe die möglich gewesen wäre – wenn! Beim Zusammenprall dieses ganz besonderen Paars kommt es zu Abstoßungen. Ein Drama all das. Tragisch nach hinten raus. Alles andere eben als Kitsch. Ein vor uns ausgebreitetes  Leben mit Ecken, Kanten und mit Hochs und Tiefs! Hoffnungen und Enttäuschungen. Eine letztlich tragische Liebe. Die nicht hatte sein sollen. Die Liebenden konnten (richtig) zueinander nicht kommen. Ein Scheitern beider intelligenten Protagonisten. Rolf Geffken hat das gut beschrieben, so dass wir förmlich an dieser Liebe mitleiden. Ja, eigentlich am liebsten als eine Art Deus ex machina in Geschichte eingreifen möchten.

Zum Buch lesen wir:

„Vor der Kulisse von internationaler Politik, Wirtschaft und Recht, zwischen Hamburg, Berlin, Beijing und Shanghai entfaltet sich die Geschichte einer Liebe, die nicht sein darf und die nicht sein kann.“ (…)Es ist die Geschichte einer Liebe, die weit mehr ist als ein Beziehungsabenteuer. Sie wird den Beteiligten zum Gleichnis ihres eigenen Lebens und scheitert schließlich an der Vielfalt und Schwere ihrer Aufgaben. (…)Es ist aber auch die Geschichte eines Engels, der all seine ihm verliehene Kraft in diese Liebe steckt, um am Ende kein Engel mehr zu sein. Und es ist die Geschichte eines modernen Fausts, der am Ende einem Werther gleich zugrunde geht.“

Und doppelt unterstrichen gehört diese Aussage:

Rolf Geffken gelingt es, mit diesem Roman die Erfahrung einer alles verändernden bedeutsamen Liebe vor dem real existierenden Hintergrund der aufkommenden chinesischen Turbogeneration zu formulieren.“

Das Buch ist bereits 2010 erschienen. Was der Lektüre keinen Abbruch tut. Prädikat Lesenswert! Am Schluss möchte ich nochmals auf Geffkens Roman „Verdammt in alle Kindheit – Verloren in den Wäldern des Mannesalters – Ein norddeutscher Entwicklungsroman“ verweisen. Auch der ist – immerhin zehn Jahre „abgelegen“ – sehr lesenswert. Und wer ihn aufmerksam liest, wird in „Shanghai Angel“ betreffs einer Familienenbeschreibung betreffs des Protagonisten eine Art „Link“ zu „Verdammt in alle Kindheit“ entdecken. Man darf autobiographische Hintergründe vermuten. Was auch für diesen nun besprochenen Roman gilt.

Wir kommen in diesem Roman auch Bild davon gezeichnet, wie das neue China tickt und was seine Menschen antreibt.

Und uns Leser*innen kann auch hier abermals deutlich in den Sinn kommen – sozusagen ein Licht aufgehen – wie viel eigentlich unser späteres Leben als Erwachsener von dem in früher Kindheit erlebten und erlittenen – im Guten wie im Schlechten – geprägt ist.

Biografie

Dr. Rolf Geffken. Foto: via Weltnetz.TV

Dr. Rolf Geffken, promovierte 1978 an der Universität Bremen über „Seeleutestreik und Hafenarbeiterboykott“ (s.u. Marburg 1979), Anwalt & Autor, Fachanwalt für Arbeitsrecht, publizistische Schwerpunkte: Arbeitsrecht, China, Schifffahrtsgeschichte, Gewerkschaftsbewegung. Referent für Arbeitsrecht, Fachautor und Autor belletristischer Bücher. Organisator der 1. Deutsch-Chinesischen Konferenz zum Arbeitsrecht an der Zhongshan-University in Kanton, der 1. Deutsch-Chinesischen Anwaltskonferenz in Tianjin 2008 und der 1. Deutsch-Chinesischen Gewerkschaftskonferenz an der Universität Oldenburg 2010. Erstes Buch: Klassenjustiz, Frankfurt 1972 (wegen dieses Titels erhielt der Autor das erste Berufsverbot für einen Juristen in der damaligen Bundesrepublik), später folgten u.a.: Über den Umgang mit dem Arbeitsrecht, VSA-Verlag 1980; Seeleutestreik und Hafenarbeiterboykott – Rechtsprobleme des Arbeitskampfes an Land und auf See, Marburg 1979 (Diss. Bremen 1978); Bundespersonalvertretungsgesetz – Kommentar, Frankfurt 1980; Shanghai Angel in Germany – Ein Roman, Schardt-Verlag 2011, Seeleute vor Gericht – Authentische Erinnerungen eines Anwalts aus den 1980er Jahren, NW-Verlag, jetzt: Schünemann-Verlag, 2. Auflage 2012; Streik auch in China ? VAR-Verlag 2011; Das Neue Chinesische Arbeitsvertragsgesetz VAR-Verlag 4. Auflage 2014; Die Große Arbeit – Rilke und Worpswede, Edition Falkenberg 2014, Arbeit & Arbeitskampf im Hafen, Edition Falkenberg 2015; Streikrecht – Tarifeinheit – Gewerkschaften, VAR-Verlag Cadenberge 2015; Das Chinesische Arbeitsvertragsgesetz – 5. Auflage, VAR-Verlag 2016; Kampf ums Recht – Beiträge zum komplizierten Verhältnis von Politik, Arbeit und Justiz, VSA-Verlag Hamburg 2016; Seeleute und Häfen ins Museum ? – Alternativen zu Seefahrt, Häfen und maritimer Erinnerungskultur, VAR-Verlag Cadenberge 2017; Legende & Wirklichkeit – Die IG Metall in der Automobilindustrie. Streiflichter aus der Werkstatt eines Arbeitsrechtsanwalts. Mit einem Anhang zum Thema „Gewerkschaftsfreiheit oder Monopolgewerkschaft ?“, VAR-Verlag Cadenberge 2018; Umgang mit dem Arbeitsrecht – Ein Handbuch für Beschäftigte, vollständig überarbeitete 2.und 3. Auflage VAR-Verlag Cadenberge 2019; Verdammt in alle Kindheit – Verloren in den Wäldern des Mannesalters – Ein norddeutscher Entwicklungsroman, Verlag Isensee Oldenburg 2020.

Der Autor liest eine Passage aus seinem Roman

Rolf Geffken

Shanghai Angel

in Germany

Taschenbuch: 229 Seiten

Preis: 14,80 €

  • Verlag: Schardt; Auflage: 1. (28. August 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3898415384
  • ISBN-13: 978-3898415385

Deutsch-Russisches Forum mit Initiative für deutsch-russische Städtepartnerschaften und zum Gedenken des Kriegsendes vor 75 Jahren

Gesehen 2015 in Dortmund. Foto: Claus-Dieter Stille

Lieber Leser*innen, ich gebe hier eine Presseerklärung des Deutsch-Russischen Forum e.V. zu einer Initiative für deutsch-russische Städtepartnerschaften und zum Gedenken des Kriegsendes vor 75 Jahren wider.

Diese Initiative sollten viele von uns aus voller Überzeugung unterstützen können. Schließlich ist Frieden in ganz Europa – in Europa einschließlich Russlands von großer Wichtigkeit. An Frieden zwischen Russland und den osteuropäischen Staaten sollten wir alle Interesse haben. Auf kommunaler Ebene kann die Freundschaft mit anderen Völkern gefestigt werden. Etwa durch die Pflege von bestehenden Städtepartnerschaften oder durch neu zu begründeten. Wichtig sind freilich auch individuelle Begegnungen zwischen Menschen allen Alters beider Länder. Dazu sollte auch der Schüler- und Studentenaustausch gefördert werden.

Presseerklärung Deutsch-Russisches-Forum

Berlin, 30. April 2020. Das Deutsch-Russische-Forum e.V. hat sich mit einem Initiativschreiben an die deutschen Vertreter von Städten, Gemeinden und Landkreisen sowie Aktive in den Initiativen und Vereinen gewandt. Das Schreiben soll angesichts der Herausforderungen durch die weltweit grassierende Corona-Epidemie ein Zeichen der Solidarität an die russischen Partnerkommunen und ihre Bürgerinnen und Bürger senden. Bereits über 100 Unterzeichnende haben sich der Initiative angeschlossen.

Im Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren wird daran erinnert, dass von städtepartnerschaftlicher Arbeit eine aktive Botschaft des Friedens ausgeht. Die mehr als 100 offiziellen kommunalen Partnerschaften zwischen Russland und Deutschland stünden in dieser Tradition für Versöhnung und Freundschaft in Europa. Das Schreiben ruft dazu auf, im Angesicht des gemeinsamen Kampfes gegen die Pandemie den Weg aus der Krise Seite an Seite zu gehen, etwa in der medizinischen Forschung, in der humanitären Hilfe oder in Wirtschaft und Politik.

In den vergangenen Jahren hat sich die kommunale Zusammenarbeit zunehmend als eine tragende Säule der deutsch-russischen Beziehungen gezeigt. Ungeachtet der bestehenden politischen Spannungen betonen die Außenministerien Deutschlands und Russlands die verbindende Wirkung des Bürgerengagements für die Gesellschaften beider Länder. Das Deutsch-Russische Forum e.V. fördert mit seinen Konferenzen, Seminaren und durch das Internetportal „russlandpartner.de“ die regionalen Netzwerke und macht auf die Arbeit aufmerksam, die in den Partnerschaften auf allen Ebenen der gesellschaftlichen Kooperation geleistet wird.

Zur Internetseite mit weiteren Informationen rund um die kommunale Arbeit im deutsch-russischen Forum gelangen Sie über diesen Link.

Die Pressemitteilung und das Solidaritätsschreiben finden Sie anbei als pdf-Dateien.

Projektkontakt:

Anna Kaiser
Deutsch-Russisches Forum e.V.
Tel.: +49 30 263 907 27
kaiser@deutsch-russisches-forum.de
deutsch-russisches-forum.de 

Pressekontakt:

Julia Hofmann
Deutsch-Russisches Forum e.V.
Tel.: +49 30 263 907 25
jhofmann@deutsch-russisches-forum.de
deutsch-russisches-forum.de

Das Solidaritätsschreiben in vollem Wortlaut

An die russischen Städte, Gemeinden und Regionen der deutsch-russischen Partnerschaftsarbeit.

Liebe Freunde und Partner,die Corona-Pandemie führt uns heute wieder vor Augen, wie sehr wir alle in einer Welt miteinander verbunden sind. Uns Deutsche ruft die Krise 30 Jahre nach der Einheit unserer Nation und 75 Jahre nach dem Kriegsendei n Erinnerung, wie sehr wir in Europa zur Solidarität verpflichtet sind. Wir, Vertreter von deutschen Städten, Kommunen und Landkreisen, von Initiativen, Gesellschaften und Vereinen,die mit Ihnen in Partnerschaft verbunden sind, möchten Ihnen in dieser Zeit der Herausforderungen unsere Solidarität erklären.

In diesen Tagen begehen unsere Länder das Ende des Zweiten Weltkrieges. Das Datum bedeutet uns allen sehr viel. Der 9. Mai ist in Russland und den Nachfolgestaaten der UdSSR der Tag des Sieges über Hitler-Deutschland. Der 8. Mai ist in Deutschland der „Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“,wie ihn Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges bezeichnet hat. Mit diesem Krieg haben Deutsche unsägliches Leid besonders auch über die Völker der Sowjetunion gebracht.

Städtepartnerschaften und kommunale Kooperationen sind deshalb für uns von besonderer Bedeutung: Sie sind Botschafter des Friedens. Die mehr als 100 offiziellen Partnerschaften und die zahllosen weiteren regionalen Verbindungen zwischen Russland und Deutschlandstehen für Versöhnung und für Freundschaft in Europa. Für uns sind sie Geschenk und Verpflichtung zugleich: Sie bilden das Fundament für das friedliche Miteinander unserer Länder –heute und in Zukunft.

Sie, verehrte russische Freunde und Partner, sind bereit, mit uns auch in schwierigen Zeiten Brücken zwischen Ost und West zu bauen.Wir möchten Ihnen versichern, wie sehr uns daran gelegen ist, heute und in Zukunft Krisen mit Ihnen gemeinsam und solidarisch zu meistern. Im Kampf gegen das Corona-Virus dürfen die Nationen nicht gegeneinander stehen. Das Virus kennt keine Grenzen. Gehen wir den Weg aus der Krise Seite an Seite – in der medizinischen Forschung, in der humanitären Hilfe und in Wirtschaft und Politik.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und allen Bürgerinnen und Bürgern in den Partnerkommunen für die krisenhaften Zeiten Zuversicht, Kraft und vor allem Gesundheit!

Das Solidaritätsschreiben in russischer Sprache

Российским городам, муниципальным образованиям и регионам участникам германо-российской партнерской работы Дорогие друзья и партнеры!Пандемия коронавируса нам вновь демонстрирует, как тесно все мы связаны друг с другом в сегодняшнем мире. Нам, немцам, этот кризис-30 лет после воссоединения нашей нации и 75 лет после окончания войны -напоминает о том, насколько мы в Европе обязаны проявлять солидарность. Мы, представители германских городов, муниципальных образований и административно-территориальных районов, а также общественных организаций,связанные с Вами партнерскими отношениями, хотим заверить Вас в нашей солидарности в это время вызовов.Наши страны отмечают окончание Второй мировой войны. Для всех нас эта дата означает очень многое. В России и государствах, образовавшихся на территории бывшего СССР, 9-е мая -этодень Победы над гитлеровской Германией. В Германии 8-е мая является «днем освобождения от национал-социалистической диктатуры», как это сказал Рихард фон Вайцзеккер, федеральный президент нашей страны, по случаю 40-й годовщины конца войны. Этой войной немцы принесли многим народам, в том числе народам Советского союза, страшные страдания.

По этой причине городские партнерства и муниципальное сотрудничество имеют для нас особое значение -они являются посланниками мира. Более 100 официальных партнерств и многочисленные региональные связи между Россией и Германией олицетворяют собой примирение и дружбу в Европе. Для нас они являются одновременно и подарком, и обязательством: они образуют фундамент для мирного сосуществования наших стран, как сегодня, так и в будущем.

Вы, глубокоуважаемые российские друзья и партнеры, готовы и в сложное время строить вместе с нами мосты между Востоком и Западом. Заверяем Вас, что мы чрезвычайно заинтересованы в том, чтобы актуально и впредь побеждать кризисы сообща с Вами и на солидарной основе. В борьбе против коронавируса нациям нельзя противостоять. Необходимо противодействовать кризису плечом к плечу в медицинских исследованиях, гуманитарной помощи, в бизнесе и политике.

В этом смысле желаем Вам и всем гражданам в партнерских муниципальных образованиях в это кризисное время оптимизма, силы и, прежде всего, здоровья!

Quelle: Deutsch-Russisches Forum e.V.

Mit Mord bedrohter Anwalt erhält nach 3 [sic!] Jahren „Ermittlung“ gegen einen rechtsradikalen Straftäter eine empörende Mitteilung: Morddrohung sei keine „erhebliche Staftat“

Da wird im Jahre 2017 jemand wegen seiner Äußerungen in einem Video unverblümt mit dem Tode bedroht – was vom Betroffenen angezeigt wurde – und nach drei Jahren „Ermittlung“ kommt ein ernüchterndes Schreiben von der Staatsanwaltschaft. Empörend!

Der Betroffene ist Rechtsanwalt Dr. Rolf Geffken. Auf Facebook schreibt er am 27. April 2020 dazu:

„Die Hamburger Staatsanwaltschaft „ermittelt“ 3 (!!!) Jahre ohne Ergebnis gegen einen rechtsradikalen Straftäter wegen einer MORDDROHUNG, obwohl das Foto des Täters bekannt ist. Morddrohung sei aber keine „erhebliche Straftat“. Deshalb sei keine öffentliche Fahndung erfolgt. Im übrigen hat die zuständige Dezernentin die Verfahrenseinstellung dem Opfer „offenbar versehentlich“ nicht mitgeteilt. WOHLGEMERKT: Das ist nicht die #politische #Weimarer #Justiz die s o arbeitet. Das ist die JUSTIZ DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG unter einem rot-grünen Senat die s o mit rechtsradikaler Hasskriminalität „umgeht“. Eine Schande ! Was tut der Justizsenator ?

Wenn ich nach 3 Jahren „Geduld“ nicht nachgefragt hätte würden sie in 10 Jahren noch „ermitteln“ obs was gibt….“

Migration, Flucht & Asylrecht – Dr. Rolf Geffken zu den besorgten Bürgern

Geffkens Videostatement das den Nazi so aufgeregt hat:

Um diese Sache ging es:

„Wegen des bei weltnetz.tv erschienenen und bei youtube veröffentlichten Videos „Migration, Flucht & Asylrecht – Zu besorgten Bürgern“ erhielt der seit vielen Jahren nicht nur im Arbeitsrecht sondern auch im Ausländerrecht tätige Anwalt Dr. Rolf Geffken jetzt massive und kaum verhüllte Morddrohungen offensichtlich rechtsradikaler Internetnutzer. Strafanzeige wurde erstattet. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ist mit der Angelegenheit befaßt.

Screenshot der Kommentare.

Unter dem Pseudonym „Mokarasss1“ droht der Täter „Jeder, der sich gegen sein Eigen ausspricht verdient den Strick. Nicht mehr und nicht weniger. Und ja ich spreche vom Tode!“ Und schließlich: „So etwas wie du wird aufgehängt. Schuldig der Beihilfe zum Völkermord!“

Der Anwalt hatte sich in dem Video vor allem an jene „besorgten Bürger“ gewandt, vor deren eigener Tür es gar keine Ausländer gäbe, die aber trotzdem „vor den vielen Ausländern“ Angst hätten. Dieser vor allem für Ostdeutschland kennzeichnende Tatbestand sei historisch und international einmalig und Grund genug, einmal über die Ursachen bloß „gefühlter“ statt  r e a l e r  Flüchtlingsströme nachzudenken. Doch war dies für die rechtsradikalen Nutzer des Mediums offenbar zu viel.

Der Anwalt erhält vor allem wegen seiner bei youtube und weltnetz.tv veröffentlichten Beiträge und Ratschläge zum Arbeitsrecht viel Zuspruch von Internetnutzern. Es ist das erste Mal, dass er sich in einem Video nun grundsätzlich zum Thema Ausländerfeindlichkeit geäußert hat.“

„Ich werde mich von der Ausübung meiner Grundrechte weder durch Beleidigungen noch Drohungen noch Mordankündigungen abhalten lassen. Im Gegenteil: Diese Art der Drohungen zeigt wes Geistes Kind  d i e s e  Art angeblich besorgter Bürger ist.“

Dr. Rolf Geffken
19.10.2017

Quelle: Weltnetz.TV

Möge sich jede/r seine eigenen Gedanken zu diesem Fall machen.

Rezension: „Verdammt in alle Kindheit: Verloren in den Wäldern der Mannesalters“ – Roman von Rolf Geffken

Wir Leser*innen haben gewiss schon erlebt, dass wir an einen Roman so recht nicht herankamen. Dann haben wir es vielleicht zur Seite gelegt. Und das Buch sozusagen verworfen. Zunächst. Von Georg Christoph Lichtenberg stammt folgendes Zitat:

„Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?“

Wie wir unter Umständen nicht selten Jahre später feststellten – wenn uns das Buch beim Aufräumen wieder in die Hände fiel – und ihr es wagten auf einmal frischen Mutes aufs Neue hinein zu tauchen. Und siehe da: Mit einem Male „liegt“ es uns – sagt uns der Autor mit seinem Buch etwas, das sich uns Jahre zuvor partout nicht erschließen wollte! Dabei hat sich das Buch doch nicht im geringsten verändert. Allenfalls tritt es uns nun verstaubt und die Seiten vergilbt entgegen. Aber wir haben uns offenbar verändert! Wir sind reifer und gebildeter geworden – haben an Lebenserfahrung gewonnen und unseren Horizont erweitert.

Umgekehrt kann ein Schriftsteller nach der Vollendung eines Buchmanuskriptes nach reiflicher Überlegung zu der Ansicht kommen, dass dies zur Veröffentlichung nicht taugt. Es gibt Schriftsteller, die ihre Werke sogar vernichtet haben oder verfügten ihre unveröffentlichten Arbeiten auch nach ihrem Tode keinesfalls zu publizieren.

Fast zehn Jahre ruhte Rolf Geffkens Romanmanuskript

Rolf Geffken hat ein Romanmanuskript im Jahre 2010 fertiggestellt. Es ruhte fast zehn Jahre. Geffken wird sicher nicht gedacht haben, dass es am Ablegeort reife wie ein Wein. Die Jahre vergehen. Der Gedanke an den Roman rückte gewiss einfach in den Hintergrund. Zumal, wenn man einem Brotberuf nachgeht, der anspruchsvoll und beanspruchend ist und darüber hinaus anderes im Leben Aufmerksamkeit von einen verlangt. In diesem Jahre nun hat Rolf Geffken das Manuskript – wie er im Vorwort seines Romans bekennt – unverändert in Druck gegeben. Seine Erklärung:

„Man kann die Wahrheit nicht ‚verbessern‘ oder ’schöner‘ machen. Irgendwann steht sie fest und dann ist es (fast) egal wann, wo und wie sie gedruckt wird. Sie sollte aber gelesen und nachvollzogen werden, damit sie einer anderen Generation erspart bleibt.“

Ein norddeutscher Entwicklungsroman“, welcher im Elbe-Weser-Dreieck spielt

Als Leser von Rolf Geffkens Roman „Verdammt in alle Kindheit: „Verloren in den Wäldern des Mannesalters“, erschienen im Isensee Verlag, bin ich nach der Lektüre des Buches dem Autoren dafür dankbar, dass er das Manuskript aus der Versenkung holte und es hat veröffentlichen lassen! Und Sie, meine verehrten Leser*innen, werden es – das verspreche ich – ebenso zu schätzen wissen.

Es ist „Ein norddeutscher Entwicklungsroman“,welcher im Elbe-Weser-Dreieck spielt.

Am Rande bemerkt kam mir beim Lesen von Geffkens Roman – von der beschriebenen Problematik her – Wolfgang Bittners Roman „Der Aufsteiger oder ein Versuch zu Leben“ wieder in den Sinn.

Eine „Warnung“, denn „Man kann die Wahrheit nicht ‚verbessern‘ oder ’schöner‘ machen…

Ein bisschen muss ich allerdings auch „warnen“. Eine Binsenwahrheit: Uns alle eint ja die Tatsache, eine Kindheit hinter uns gelassen zu haben. Wenngleich wir diese freilich alle unterschiedlich erlebt oder schlechtesten Falls auch durchlitten haben dürften. Wie auch immer. Gute Zeiten – schlechte Zeiten. Das eine bewahren wir nicht selten gern, das andere verdrängen wir. Ein Mechanismus unseres Hirns zum Schutze unsere Psyche. Dennoch ist das Verdrängte quasi stets da. In uns. Abgelegt im Unterbewusstsein. Was ich meine: Das uns vorliegende Buch könnte manches davon wachrufen und uns wieder ins Bewusstsein kommen. Dass das nicht immer angenehm sein wird, liegt auf der Hand. Mir ging das so. Da kam einiges hoch! Zumal ich ja fast zur gleichen Zeit wie der Protagonist des Romans, Robert S., aufwuchs (allerdings nicht wie dieser in der BRD, sondern in der DDR) – nur eben wenige Jahre später -, in welcher der Roman spielt. Doch keine Bange: Wer diesen Effekt nicht scheut und mutig damit umgeht, wird den Roman mit hohem Gewinn lesen und ohne Schaden aus dessen Lektüre scheiden. Wie schreibt Rolf Geffken so richtig im Vorwort seines Romans:

„Man kann die Wahrheit nicht ‚verbessern‘ oder ’schöner‘ machen (…).

Erst im Alter erscheint für Robert S. „die Chance, die ‚ewige‘ Kindheit abzuschließen“

Es geht um das Nachvollziehen des Lebensweges eines Menschen. Hier im Roman um die „Wahrheit“ des Protagonisten Robert S., der diese, seine, Wahrheit lange nicht erkennt. Obwohl als Erwachsener durchaus erfolgreich in der Juristerei. Sie offenbart sich ihm erst Stück für Stück mit Hilfe des Psychologen Professor Borck. Erst im Alter begreift Robert Zusammenhänge „und“, wie es im Verlagstext heißt, „erkennt – zu spät? – dass er niemals Grund hatte, seine Kindheit zu idealisieren.“ Und weiter: „Erst jetzt erscheint die Chance, die ‚ewige‘ Kindheit abzuschließen. Allerdings um die gnadenlose Abrechnung mit den ehemals geliebten Geschwistern.“

Die er liebte, trotzdem ihm vermittelt – ja geradezu immer wieder und wieder eingeimpft worden war, ein „Nichts“ zu sein. Beziehungen zu Menschen die ihm nahestanden, die er mochte, die ihn mochten, wie etwa Oma Wohlgemuth, eine Nachbarin, die er nur so nannte, wurden zerstört. Spätere Beziehungen zum weiblichen Geschlecht waren nicht von Dauer, missglückten.

Er war zu einem „Nichts“ gemacht worden. Wir kennen das bisweilen selbst: Wem so geschieht und sein Selbstbewusstsein nicht gestärkt bekommt, der versagt dann auch prompt, wenn es drauf ankommt. Am nötigen Selbstbewusstsein mangelt es dann Robert eben. Und schmerzlich ist letztlich der Verzicht auf Lebensglück. Immer ist er nur für andere da (gewesen). In Roberts Fall muss es einen da schon verwundern, dass er dennoch wer wurde. Aber zu welchem Preis!

Geffken bedient sich einer Sprache, welche jeweils mit angemessenem Werkzeug arbeitet

Rolf Geffken hat das sehr gut und einfühlsam herausgearbeitet. In einer Sprache, die, das zu erzählen, jeweils mit angemessenem Werkzeug arbeitet. So dass uns es als Leser*innen gut gelingt den Lebensprozess des Robert S. nachzuvollziehen. Und man, neugierig geworden, gefesselt weiterliest. Noch ehe Robert selbst verstanden hat, wissen wir Leser*innen. Erahnen wir den Schmerz (oder hoffen auf die Erleichterung, Befreiung?) des Protagonisten, sollte er (sich) erkennen.

Wir erleben im Grunde auch ein „Werde, der du bist“

Im Klappentext lesen wir: „Robert S. ist das fünfte Kind der Familie. An ihm vollziehen die älteren Geschwister – mit einer Ausnahme – das ‚Gesetz der Macht‘. Ein Leben lang bleibt dem immer nach Höherem (noch) Besserem Strebenden das Geheimnis des auf ihm von Anfang an lastenden Drucks, mehr zu sein als ein ‚Nichts‘ verborgen. Selbst da, wo er weit über die beschränkten Horizonte seiner spießigen und reaktionären Geschwister hinaus sein Leben vorantreibt. Allerdings wird Robert auf seine Weise sein Leben zum permanenten Prozess der Arbeit an sich selbst.“

Wir erleben im Grunde auch ein „Werde, der du bist“. Wie es Friedrich Nietzsche in „Ecce homo“ als Inspiration zur Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung beschrieb, sich selbst dabei zwischen den Jahren 1876 und 1888 an mehreren Stellen seines Werkes auf den berühmten Satz des griechischen Dichters Pindar beziehend: „Werde, der du bist“ (Quelle: Tabularasa).

Wie schwierig das ist, merkt unsereiner – wenn wir ehrlich sind – doch auch selbst. Und könn(t)en ebenfalls wissen: Viele von uns werden nie, nie, die sie sind. Es fehlt die Selbsterkenntnis bzw. die Hilfestellung, vermöge anderer, sich selbst erkennen zu lernen.

Robert hat nie – nicht vom Vater, Dr. S, General genannt, und nicht seitens seiner Geschwister physische Gewalt erfahren, jedoch spüren müssen, wie viel schlimmer, schmerzlicher und länger nachwirkend im Gegensatz dazu verbale Gewalt sein kann. Seine Geschwister, eine ihm gegenüber empathielose Schwester (quält Robert verbal seelisch) und drei Brüder (voran Feldwebel und Terrier), unterdrücken ihn mehr oder weniger. Sie machen ein „Nichts“ aus ihm. Robert aber liebt sie, hat sie immer geliebt.

Im Buch schwingt auch Nachkriegszeit mit, wo in der BRD alte Nazis wieder zu Ämtern und Würden gekommen waren. Auch der Vater des Romanprotagonisten, ein Pädagoge, ist nicht unbelastet, war in der SA.

Ebenfalls klingt im Buch „eine Erinnerung an die ganze Widersprüchlichkeit der Biografie der sogenannten deutschen ’68er Generation‘, in der trotz aller Abgrenzung das Erbe einer autoritären Vergangenheit wirksam wurde‘ an“ (Klappentext). Augenöffnend auch die Seiten, da Robert sich – vielleicht das erste Mal mutig durchsetzt – und allein auf die Suche nach dem in der DDR wohnenden Familienteil begibt. Zeitzeugnisse allenthalben. Auch die Zeit der Berufsverbote in der BRD – mit dem der Romanprotagonist – als Linker, als Marxist zu tun bekommt, scheint im Buch auf. Weshalb das Buch auch jungen Menschen zu empfehlen ist, die die ältere Geschichte von BRD und DDR wohl kaum noch so erklärt oder gelehrt bekommen, wie es nötig wäre, um sie zu verstehen.

„Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig“, heißt es im Klappentext. Dennoch dürfen wir als Leser*innen mutmaßen, dass Rolf Geffkens Roman – den ich meinen Leser*innen wärmstens ans Herz lege – zumindest autobiografische Züge trägt.

Der Roman:

Rolf Geffken

Verdammt in alle Kindheit: Verloren in den Wäldern des Mannesalters

  • Info: Großformatiges Paperback. Klappenbroschur
  • Einband: Kartoniert / Broschiert
  • Autoren: Geffken, Rolf
  • Seitenanzahl: 200
  • Schlagworte: Geschwister, Geschwisterbeziehung; Romane/Erzählungen, Kindheit; Romane/Erzählungen
  • Verlag: Isensee
  • EAN: 9783730816318
  • Preis: 12 €

Leseprobe: Rolf Geffken liest aus seinem Roman (Quelle: You Tube)

Lebenslauf von Dr. Rolf Geffken

Rechtsanwalt für Arbeitsrecht und Schifffahrtsrecht seit 1977. Promovierte 1978 zum Seeleutestreik und Hafenarbeiterboykott. War 1989 Gutachter beim Verkehrsausschuß des Bundestages zum Zweiten Schiffsssregister, „Seeleute vor Gericht“, Schünemann 2011, „Arbeit & Arbeitskampf im Hafen“, Bremen 2015

Quelle: Verlag / vlb

#Keuninghaus_to_Go: Der Dortmunder Stadtdirektor Jörg Stüdemann im Gespräch mit Aladin El-Mafaalani zur aktuellen Lage in der Coronakrise

Geschuldet der Coronakrise steht u.a. überall auch das Kulturleben still. So auch in Dortmund. Im neu geschaffenen Format Keuninghaus to Go sprach Aladin El-Mafaalani, der sonst den „Talk im DKH“ moderiert mit Stadtdirektor Jörg Stüdemann, der in Personalunion Kulturdirektor und Kämmerer der Stadt Dortmund, ist über die  über die aktuelle Lage in der Stadt Dortmund: