„Ohne freie Presse gibt es keine Demokratie“, stellt Bundesjustizministerin Lambrecht richtig fest. Wie frei aber ist die „junge Welt“, wenn sie vom Verfassungsschutz überwacht wird?

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) lobte anlässlich des Tags der Internationalen Pressefreiheit am 3. Mai die Arbeit unabhängiger Journalisten und sicherte ihnen mehr Schutz zu, denn:

„Ohne freie Presse gibt es keine Demokratie.“

Gut und zutreffend gebrüllt, Frau Bundesjustizministerin! Zahlreiche führende Politiker nahmen diesen Tag zum Anlass, u.a. Russland, China und Kuba für vermeintliche oder tatsächliche Angriffe auf die Pressefreiheit in diesen Ländern hart zu kritisieren.

Da ist die BRD stets besonders engagiert. Was auch in Ordnung ist, wenn dies zu Recht geschieht.

Wie aber ist es um die Pressefreiheit in unserem Lande bestellt? Wir müssen seit einiger Zeit erleben, wie kritische Journalisten diffamiert oder wenn ihre Videos, so diese nicht dem gängigen Narrativ bzw. dem Mainstream entsprechen, auf You Tube gesperrt und sogar gelöscht werden. Bei uns gilt: Die klassische Vorzensur – im Sinn einer Behörde, die Publikationen vorab kontrolliert und je nach Maßgabe erlaubt, ablehnt oder aber Nachbesserungen einfordert – ist durch das Grundgesetz zwar abgeschafft (Artikel 5 Abs. 1: „Eine Zensur findet nicht statt.“) Mag ja sein – aber es gibt eben auch andere diffiziler wirkenden Mittel Journalismus zu behindern oder Journalisten gar mundtot zu machen.

Das ist schlimm und fragwürdig genug. Obwohl ja dann vonseiten der Regierung gesagt wird: Wir üben keine Zensur aus. Aber möglicherweise freut man sich, wenn andere die Drecksarbeit verrichten.

Das sind ja eben (wie bei You Tube) halt private Firmen, die das tun. Darüber wäre noch zu sprechen, ob die so einfach Zensur ausüben dürfen.

Die Hutschnur aller Demokrat*innen und erst recht aller Journalist*innen sollte aber spätestens dann platzen, wenn journalistische Publikationen vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Da müssen doch alle rote Warnlampen aufleuchten!

Ein solcher Fall liegt jetzt vor: die linke Tageszeitung junge Welt soll nun vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Das ist skandalös! Müssten da nicht die Journalistenverbände aufheulen und sich solidarisch mit der unter Beobachtung gestellten Zeitung zeigen? Ebenso andere Zeitungen und Medien und die dort tätigen Journalistenkolleg*innen – egal, ob sie nun die in der jungen Welt veröffentlichten Inhalte für gut oder nicht gut halten!

Verlag, Redaktion und Genossenschaft der Tageszeitung junge Welt wenden sich in Sorgen um die Pressefreiheit an die deutsche und internationale Öffentlichkeit

In großer Sorge um die Pressefreiheit in diesem Land wenden sich Verlag, Redaktion und Genossenschaft der in Berlin erscheinenden Tageszeitung junge Welt an die deutsche und internationale Öffentlichkeit. Als einzige Tageszeitung in der Bundesrepublik steht die junge Welt unter Dauerbeobachtung durch den Inlandsgeheimdienst. Seit dem Jahr 2004 wird sie regelmäßig im Verfassungsschutzbericht des Bundes im Kapitel »Linksextremismus« aufgeführt und dort als »Gruppierung« eingestuft, die angeblich »verfassungsfeindliche Ziele« verfolgt. Nun handelt es sich bei der jungen Welt nicht um eine politische Organisation, sondern um ein journalistisches Produkt. Wir sehen einen handfesten politischen Skandal darin, dass eine staatliche Behörde sich anmaßt, eine unabhängige Zeitung in dieser Weise an den Pranger zu stellen, weil ihr bestimmte Inhalte nicht gefallen.

In einem offenen Brief an alle Bundestagsfraktionen hatten Redaktion, Verlag und Genossenschaft Mitte März 2021 diesen drastischen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit beklagt. Sie wiesen zudem auf »erhebliche Nachteile im Wettbewerb« hin, die der jungen Welt aus der Nennung im VS-Bericht erwachsen. So verweigern die Deutsche Bahn und verschiedene Kommunen und Radiosender unter Verweis auf den Verfassungsschutz-Eintrag das Anmieten von Werbeplätzen, Bibliotheken sperren den Onlinezugang zur Zeitung, und eine Druckerei weigerte sich, eine andere Druckschrift mit einer Anzeige der jungen Welt herzustellen. In Reaktion auf unser Schreiben wandte sich die Bundestagsfraktion der Partei Die Linke mit einer Kleinen Anfrage (BT-Drucksache 19/28956) an die Bundesregierung, um sich im Detail nach den Gründen für die geheimdienstliche Beobachtung der jungen Welt und deren Nennung im VS-Bericht zu erkundigen.

Die Antwort der von Union und SPD geführten Regierung vom 5. Mai 2021 muss beunruhigen, liefert sie doch Argumente für eine sehr weitgehende Einschränkung bürgerlicher Freiheitsrechte, die alle fortschrittlichen Kräfte in diesem Land betreffen. Die Bundesregierung rechtfertigt ihre Eingriffe mit der »verfassungsfeindlichen« weltanschaulichen Orientierung der jungen Welt: »Themenauswahl und Intensität der Berichterstattung zielen auf Darstellung ›linker‹ und linksextremistischer Politikvorstellungen und orientieren sich am Selbstverständnis der jW als marxistische Tageszeitung.« Weiter heißt es, »die Aufteilung einer Gesellschaft nach dem Merkmal der produktionsorientierten Klassenzugehörigkeit (widerspreche) der Garantie der Menschenwürde«. In klaren Worten führt die Bundesregierung aus, dass es ihr darum geht, Relevanz und »Wirkmächtigkeit« der jungen Welt einzuschränken. Das Stigma der Nennung in den VS-Berichten diene auch dem Zweck, »verfassungsfeindlichen Bestrebungen (…) den weiteren Nährboden entziehen zu können«. Um die Reichweite der Zeitung einzuschränken, werden ihre ökonomischen Grundlagen also bewusst angegriffen. Die Bundesregierung kriminalisiert eine Weltanschauung in einer Weise, die an Gesinnungsterror und damit an finsterste Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Während sie vermeintliche oder tatsächliche Einschränkungen bürgerlicher Freiheitsrechte in Staaten wie Russland, China oder Kuba wortreich beklagt, werden hierzulande unverschleiert vordemokratische Standards etabliert.

Wir appellieren an die kritische Öffentlichkeit, sich dieser von obrigkeitsstaatlichem Denken geleiteten Einschränkung demokratischer Grundrechte zu widersetzen. Wir bitten Sie: Studieren Sie gründlich die Antwort der Bundesregierung! Fordern Sie Ihre demokratisch gewählten Bundestagsabgeordneten auf, dazu Stellung zu nehmen! Zeigen Sie sich solidarisch mit der Tageszeitung junge Welt – auch im eigenen Interesse! Verlag, Redaktion und Genossenschaft werden sich nicht einschüchtern lassen und auch weiterhin alles dafür tun, dass eine relevante linke Tageszeitung auf dem Markt verfügbar bleibt.

Berlin, 7. Mai 2021

Die komplette Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke (BT-Drucksache 19/28956) lässt sich hier einsehen: https://www.jungewelt.de/downloads/antwort_br_anfrage_linke.pdf

1000 Abos jetzt!

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

junge Welt Abo

Offener Brief und Beitragsfoto: via junge Welt

Auf den offenen Brief reagierten laut Darstellung der jungen Welt lediglich die Grünen und Linken. Die beiden Fraktionsvorsitzenden der Linken, Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch, schrieben:

„Die Pressefreiheit ist nicht nur ein verbrieftes Recht, sondern sie muss auch in der Praxis gelten, was ebenso für alle anderen Zeitungen gilt.“

Solidarität erhält die junge Welt dabei von der Partei Die Linke. In einer Bundestagsdebatte formulierte die Linken-Abgeordnete Gesine Lötzsch:

„Ich sage ganz deutlich: Ich bin der Auffassung, die Beobachtung einer Tageszeitung durch den Verfassungsschutz ist nicht hinnehmbar. Wir als Linke können das nicht akzeptieren. Ich hoffe, dass das andere Fraktionen in diesem Bundestag auch nicht akzeptieren können.“

Mit RT DE

Gendern ist gut gedacht, jedoch gar nicht immer gut getan

Gendergerechtigkeit klingt gut. Es tönt nach mehr Gleichberechtigung der Geschlechter. Doch wird das Gendern geradezu zur Manie kann es auch kräftig hinten losgehen. Dann droht man das Kind mit dem Bade auszuschütten. Dann nämlich, wenn alles und jedes dem Gendern unterworfen wird und man gar eine Art Sprachpolizei aufmarschieren lässt, die Verstöße beim oder das Unterlassen von Gendern hart ahnden möchte. Dass dürfte sich, sollte Annalena Baerbock Bundeskanzlerin werden, wohl eher noch verschlimmern, fürchte ich. Ich erinnere daran, dass der weltberühmte Designer Luigi Colani bereits 2013 warnte: Dieses Land wird veridotisiert. Der Verein für Deutsche Sprach e.V. mit Sitz in Dortmund hat sich im aktuellen Veröffentlichung einmal mehr rund ums Thema Gendern umgetan.

Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hat die Nutzung der genderneutralen Schriftsprache an Schulen und in seinem Ministerium per Erlass verboten.

Zu kompliziert und ausgrenzend – Frankreichs Schulminister Jean-Michel Blanquer will das Gendern an den Schulen verbieten, hatte die Bild-Zeitung gemeldet. Inzwischen ist es per Erlass verboten, meldete die FAZ. Der Minister hat Sorge, dass vor allem Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche leiden. Über Gendersprache sagte er dem Journal du Dimanche: „Sie ist nicht inklusiv, sondern sie grenzt aus.“ Französisch habe bereits eine komplizierte Grammatik, an der viele Schüler scheitern, heißt es, da müsse man die Sprache nicht noch mehr „kneten und zerfleddern“. In Frankreich nutzen Gender-Befürworter den Medianpunkt (•). Er ergibt ein zusätzliches Problem, er ist auf der französischen Tastatur nicht hinterlegt und nur über komplizierte Tastenkombinationen oder die Menüpunkte des Schreibprogramms zu erreichen – wie auf deutschen Tastaturen übrigens auch. Zur Begründung hieß es in dem ab sofort geltenden Erlass, die „inklusive“ Schrift stimme nicht mit den in den Lehrplänen vereinbarten Regeln überein. Gleichzeitig aber sollen Berufe und andere Funktionen, wenn sie von Frauen ausgeübt werden, künftig in der weiblichen Form genannt werden.

Zusätzlich liest man in anderen Presseveröffentlichungen: Vor dem Bildungsausschuss der Nationalversammlung verteidigte Blanquer die Maßnahme. Die Pünktchenwörter zur Umsetzung der geschlechtergerechten Sprache seien zu komplex und behinderten damit das Lesen sowie das Erlernen der französischen Sprache, sagte er. Zuvor hatte der Minister bereits darauf hingewiesen, wie schwierig die Vermittlung von Französisch sei, wenn in der Mitte von Wörtern Punkte gesetzt würden.

Ziel der genderneutralen Sprache ist es, alle Geschlechter in gesprochener und geschriebener Sprache gleichzustellen. Während im Deutschen dafür oftmals ein Sternchen genutzt wird, wie etwa in „Politiker*innen“, verwenden die Franzosen mit Pünktchen versehene Begriffe wie „député.e.s“ (Parlamentarier*innen) oder „électeur.rice.s“ (Wähler*innen). Das Thema spaltet Gesellschaft und Politik. Die französische Bildungsgewerkschaft SUD warf Blanquer vor, der „pädagogischen Gemeinschaft seine eigene Rückständigkeit aufzuzwingen“.

Bereits im November 2017 hatte der damalige Premierminister Edouard Philippe die französischen Ministerien angewiesen, keine genderneutralen Konstruktionen zu verwenden, nachdem ein Schulbuch mit solchen Ausdrücken für heftige Debatten gesorgt hatte. Auch die Académie française als oberste Hüterin des Französischen hatte sich damals gegen die „inklusive Sprache“ ausgesprochen. Damals hieß es ebenfalls, es gehe um die „Verständlichkeit und Klarheit“ der Sprache.


Klage gegen Gendern bei Audi

Weiter informiert der VDS: Der Genderstreit bei Audi geht in die nächste Runde. Ein VW-Mitarbeiter – er hat bei seiner Arbeit starke Überschneidungen mit dem Tochterkonzern Audi – wehrt sich gegen den Gender-Leitfaden des Autoherstellers. Audi hatte um Verlängerung der Unterlassungsverfügung gebeten, diese aber nicht unterschrieben. Nun legen die Anwälte des Mannes jetzt Klage beim Landgericht Ingolstadt ein. „Wir wollen ein Grundsatzurteil erstreiten, um diesem opportunistisch-heuchlerischem Gender-Wahn einen Riegel vorzuschieben“, sagen die Anwälte Burkhard Benecken (Marl) und Dirk Giesen (Düsseldorf).

Der VDS unterstützt den Kläger dabei – er übernimmt die Kosten des Rechtsstreits. „Es ist unglaublich, mit welcher Arroganz Audi hier agiert und die Bedenken der Menschen, die wichtige Arbeit für sie leisten, nicht ernst nimmt. Das Aufzwingen einer Sprache, die keine rechtliche Grundlage hat, erinnert doch stark an Unrechtssysteme wie das der DDR oder an Dystopien wie ‚1984’ von Orwell“, sagt der VDS-Vorsitzende Prof. Walter Krämer.

Die Grünen in Bayern stärken dem Autobauer Audi indes den Rücken. Dem Donaukurier liegt ein Schreiben an die Geschäftsführung vor. In diesem begrüßen die Grünen den Genderleitfaden und sehen in ihm einen wichtigen Schritt zur Gleichberechtigung der Geschlechter. Die Entscheidung zu gendern strahle „weit über die Werkstore hinaus“, heißt es in dem Schreiben. Dass im Ausland über die Genderdebatte eher müde gelächelt wird, ignorieren die Grünen gekonnt. Immerhin hat die Grünen-Landeschefin Eva Lettenbauer dem Donaukurier auf Anfrage einen sehr klugen Satz gesagt: „Unsere Sprache muss zur Wirklichkeit passen.“ Der VDS empfiehlt Frau Lettenbauer dringend den Blick auf mehrere Umfragen zum Gendern, die es in den vergangenen Jahren voneinander unabhängig gegeben hat. Denn die Wirklichkeit in Sachen Sprachgendern ist: Die Sprachgemeinschaft lehnt es ab – je nach Fragestellung in der Umfrage liegt die Ablehnung bei 60 bis 80 Prozent. (bild.de, donaukurier.de)

Weitere Prozesse sind seien in Vorbereitung, teilt der VDS mit. Und: Wer sich an den Kosten beteiligen will, ist dazu herzlich eingeladen: vds-ev.de.

CDU-Politiker Friedrich Merz möchte die öffentlich-rechtlichen Sender per Gesetz dazu anhalten, auf die vermeintlich gendergerechte Sprache zu verzichten

Der CDU-Politiker Merz hat sich kürzlich dafür ausgesprochen, die öffentlich-rechtlichen Sender per Gesetz dazu anzuhalten, auf die vermeintlich gendergerechte Sprache zu verzichten. Es sei traurig, dass man diese Anstalten per Gesetz dazu bringen muss, sich an die Regel der deutschen Rechtschreibung zu halten, sagt der Vorsitzende des VDS, Prof. Walter Krämer, in einem Gastbeitrag in der Tagespost. Eine weitere, aktuelle Umfrage habe erneut ergeben, dass 60 Prozent das Gendern ablehnen und den Merz-Vorschlag befürworten. Eine kleine „Clique entschlossener Genderideologen“ habe „inzwischen eine ganze Kulturnation zum Affen gemacht“, so Krämer. Daher sei es begrüßenswert, dass sich endlich ein hochrangiger Politiker gegen die grassierende politische Korrektheit stellt und deutliche Worte für die totalitären Eingriffe in den Sprachgebrauch findet, sagt Krämer. (die-tagespost.de, nordkurier.de)

Mit und via VDS-Infobrief

Beitragsbild (Screenshot C. Stille): Kabarettist Uwe Steimle spitzt das Thema sächsisch-satirisch zu.

„Vorausschauend durchs Leben“ von Christian Scholl – Rezension

Dieser Tage trug mir die Post ein Büchlein mit „Tipps und Rezepten zu Gesundheit & Glück, sorgenfreier Lebensfreude und finanzieller Freiheit im Alter“ zwecks Rezension ins Haus. Zugegeben: ich war skeptisch. Ratgeberliteratur unterschiedlichster Couleur gibt es ja nun wahrlich zuhauf – geradezu wie Sand am Meer! Vieles davon ist esoterisch angehaucht, anderes wiederum allzu spezifisch, nämlich der Natur, als dass die Lebenstipps für jeden eben nicht ohne weiteres umzusetzen wäre. Manches tönt zunächst irgendwie gut, es hapert aber bezüglich der präsentierten Ratschläge. Denn Ratschläge können auch wie Schläge wirken. Zumal dann, wenn der Rezipient der Schrift sie als Tadel oder Bevormundung seiner selbst empfindet.

Der Titel des 84 Seiten umfassenden – also sozusagen in einem Rutsch rasch durchgelesenen Buches von Christian Scholl, der es auch selbst herausgegeben hat, lautet: „Vorausschauend durchs Leben“. Gleich musste ich dabei an den Straßenverkehr denken und, dass man da ja immer vorausschauend fahren soll. Oder an den Politikersprech: Wir fahren derzeit auf Sicht.

Kein Ratgeber zum glücklich und reich werden

Aber schon in der Einleitung zu diesem Buch stellt sich Erleichterung ein: „Noch ein Ratgeber zum glücklich und reich werden“ soll es demnach nicht sein. Christian Scholl: „Keine Sorge. Reich sein hat, wie Sie vielleicht wissen, selten mit viel Geld zu tun und Glück ist oft eine Sache vieler kleiner Momente.“

Gegliedert ist das Buch in drei Teile

Das Buch umfasst drei Teile. Im ersten Teil geht es um den Menschen und dessen biologischer Geschichte in jungen Jahren. Im folgenden Teil wird der Mensch im zweiten Drittel des Lebens beschrieben. Und schließlich der letzte Teil handelt von den Jahren im Alter sowie der Biologie des Altwerdens (ab S.42). Darin eingewoben sind Empfehlungen zu gesunder Ernährung. Sogar ein Rezept zur Zubereitung von „Bier“ aus Löwenzahn und Brennesseln findet sich. Ebenso Hinweise zu gesunden Naturstoffe, die auch Krebserkrankungen vorbeugen können. Hierbei verweist Scholl auf das Buch „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ von Prof. Dr. Beliveau und Dr. Gingras. Enstprechende Quellen mit Fußnoten finden sich auf der jeweiligen Buchseite.

Aus seinen Verlusten zu profitieren verstehen!

Gleich auf S.9 zitiert der Autor William Bolitho:

„Es ist nicht die wichtigste Sache auf der Welt immer mehr Gewinn zu machen. Das kann jeder Dummkopf. Wirklich wichtig ist nur, aus seinen Verlusten zu profitieren. Das erfordert Intelligenz. Und dies ist der Unterschied zwischen einem vernünftigen Menschen und einen Dummkopf.“ Eigentlich kann sich das jeder Mensch fürs Leben hinter die Ohren schreiben.

Nicht alle Menschen können allen Tipps folgen

Sicher ist das Unterkapitel wie „Unnötige Ausgaben vermeiden“ (S.21) wichtig, wo es u.a. ebenfalls darum geht, Geld zu sparen. Aufhängen tut das der Autor an Nasenspray, dass man selbst herstellen kann. Sowie am Thema Mode. Tipp: nicht immer dem neuesten Modetrend folgen und besser hochwertige Kleidung kaufen – die dann länger hält. Soweit richtig.

Doch laut Paritätischen Wohlfahrtsverband (2020) leben fast 16 Prozent der Bevölkerung (13,2 Millionen Menschen!) hierzulande unter der Armutsgrenze. Diese Menschen haben wohl andere Sorgen. Darauf hätte der Autor eingehen können.

Vorbei an diese armen Menschen gehen freilich auch solche Tipps im Unterkapitel „Geld“ auf S.34 wie: „Kaufen Sie deshalb keine Dinge, die sie nicht brauchen, um Menschen zu beeindrucken, die Sie nicht leiden können.“

Allerdings nimmt der Autor dankenswerterweise kritisch die fragwürdige Gebäudedämmung und den Verein „Qualitätsgedämmt e.V. ins Visier, der zu reinen Absatzzwecken gegründet worden sei und seinerzeit das Thema enorm pushte mit Ulrich Wickert („Mister Tagensthemen“) als Werbepartner.

Wo der Ratgeber wirklich gut ist

Wirklich gut ist der Ratgeber von Christian Scholl da, wo er vernünftige und durchaus in die Tat umzusetzende Hinweise gibt, wie das eigene Leben so umgestaltet werden kann, dass man gesünder, besser und von Zwängen befreit oder zumindest befreiter leben kann. Und wie es unten auf S.34 heißt: (…) „es mit Ihren Pflichten nicht zu ernst zu nehmen und öfters mal das zu tun, was Ihnen Spaß macht“.

Und all diese Hinweise und Empfehlungen sind in angenehmer Kürze und dabei doch prägnant und einleuchtend auf den Punkt gebracht sowie den Leser*innen freundlich empfohlen ans Herz gelegt.

In besondere Weise trifft das auf Beschäftigung mit dem Alter (ab S.42) zu. In einer Lebensphase, in welcher sich der Körper umstellt und sich bestimmte Einschränkungen einstellen. Der Autor gibt gute Tipps dafür, wie auch in diesem Lebensabschnitt gut und gesund, bei mehr Gelassenheit, gelebt werden kann. Und vielleicht dadurch sogar das Leben in annehmbarer Weise eine Verlängerung erfahren kann.

Kein Beweis, dass Menschen im Laufe ihrer Evolution intelligenter wurden

Die Ausführung des Autors (S.45) ließ mich sogar etwas schmunzeln: „Es ist allerdings nicht bewiesen, dass Menschen im Laufe ihrer Evolution immer intelligenter wurden. Wir wissen heute sogar, dass das menschliche Gehirn im Durchschnitt seit Beginn der landwirtschaftlichen Revolution geschrumpft ist.“

Für mich scheint sich das auch in der Corona-Krise (die ja so vieles an Negativen in unserer Gesellschaft kenntlich macht) zu zeigen, wenn ich mal so frech sein darf, das anzumerken. Erlebten wir sonst in dieser Zeit so viel Irres, was eigentlich dem gesunden Menschen- oder Hausverstand (wie die Österreicher sagen) völlig zuwider läuft?

Impfung hilft!“ Und das immer?

„Apropos Corona-Pandemie!“, lesen wir auf S.53

Eben! Christian Scholl, der sich auf Jim Manzi, Uncontrolled (Basic Books 2012) bezieht: „Inmitten einer Pandemie oder einer Epidemie wie etwa Pocken oder Ebola entscheidet man sich ganz klar für das Impfen, selbst wenn im Verlaufe der nächste Jahrzehnte dadurch eventuell Komplikationen auftreten könnten.

Impfungen seien die eine der größten Errungenschaften des 20. und 21. Jahrhundert. Was stimmt.

Scholl entschuldigt sich für seine „negative Wortwahl“: „Aber wie kann denn überhaupt irgendjemand so blöd sein, zu glauben, dass Impfungen Menschen generell schaden könnten? Die Statistiken sprechen eindeutig dafür, dass die Impfungen, die im Verlaufe des 20. Jahrhunderts durchgeführt wurden, Millionen Menschen das Leben gerettet.“

Stimmt! Aber ist es nicht etwas fahrlässig das auf die noch recht jungen Impfstoffe, welche nur ein teleskopiertes (verkürztes) Testverfahren durchlaufen haben und welche bislang lediglich Notfallzulassungen erhalten haben, herunterbrechen? Und ist Covid-19 mit der Gefährlichkeit von Ebola zu vergleichen? Der österreichische Biologe und Autor Clemens G. Arvey hat über die neuen Impfstoffe u.a. in seinem Buch „Corona Impfstoffe. Rettung oder Risiko“ (hier wird daraus gelesen) ausführlich und kenntnisreich geschrieben. Das sei kritisch am Rande vermerkt. Freilich muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden, ob er sich gegen Covid-19 impfen lassen möchte oder nicht. Allerdings sind die Ausführungen des Autors zum Impfen insofern verständlich, zumal er selbst einmal nach einer Gelbfieberimpfung schwere gesundheitliche Probleme bekam.

Dennoch gibt er sich heute sicher (S.54): „Impfung hilft Und das immer! Impfen tötet nicht!“

Gelassenheit ist ein Gewinn

Das Buch schließt auf S.73 mit einem wahrscheinlich von Theresa von Avila stammendem, schon über 400 Jahre altem, an Gott gerichtetem Gedicht. Ich zitiere den darauffolgenden Satz, der sich darauf bezieht, weil er mir sehr gefällt. Denn auch ich bin auf dem Weg des Älterwerdens am Fortschreiten:

Gelassenheit ist ein Gewinn, insbesondere beim Älterwerden, wenn das Leben schwieriger und ärmer wird. Gelassenheit zu gewinnen, ist vielleicht überhaupt im Laufe des Älterwerdens möglich: Es fällt leichter, gelassen zu werden, wenn nicht mehr alles im Leben auf dem Spiel steht und die Hormone sich etwas beruhigt haben. Der Erfahrungsschatz wird größer, der Blick weiter, die Einschätzung von Menschen und Dingen treffsicherer geworden ist.“ (nach „Gelassenheit: Was wir gewinnen, wenn wir älter werden“ von W. Schmid)

Fazit: ein gut lesbares Buch mit vielen nützlichen Empfehlungen

Alles in allem ist das vorliegende Buch eine Bereicherung. Es enthält sehr gute Empfehlungen, wie wir in jeder Lebensphase ein erfülltes und letztlich glückliches Leben führen können. Wir alle können, da das Buch drei Lebensphasen samt deren Besonderheiten betrachtet, viel aus dem Buch für uns und unser ganz persönliches Leben entnehmen. Mit dessen Hilfe wir uns erkennen und uns besser verstehen lernen können. Und, da kurz und bündig und auch gut lesbar und verständlich geschrieben ist, sollte es in unserem Bücherregal an eine jederzeit auffindbare Stelle eingeordnet werden, um bei Bedarf darin ab und an nachzuschlagen.

Vorausschauend durchs Leben: Tipps und Rezepte zu Gesundheit & Glück, sorgenfreier Lebensfreude und finanzieller Unabhängigkeit im Alter (Deutsch) Taschenbuch 

Wer sein Körpergewicht senkt, fährt sein Immunsystem hoch.

Zudem lebt man im Schnitt länger, wenn man schon in jungen Jahren immer etwas weniger isst, wie man meint zu benötigen und diese „Diät“ während des ganzen Lebens beibehält.

Warum sind wir Menschen so wie wir sind? Und was hat die Evolution damit zu tun?

Warum hat Reich sein selten mit viel Geld zu tun und warum ist Glück oft eine Sache eines Momentes?

Gerade wenn man jung ist, denkt man oft, dass man nur glücklich werden kann, wenn man möglichst viel Geld haben wird. Das dies eine relative und auch vom Alter abhängige Sichtweise ist, wird in diesem Buch erläutert.

Das Buch ermutigt den Leser, sich wichtige Fragen, wie

„Warum bin ich hier?“ oder „Führe ich ein erfülltes Leben?“

selbst zu stellen und Antworten darauf zu finden.

Dazu enthält es sehr viele praktische, alltagstaugliche Tipps und Hinweise, z.B. über gesunde Ernährung sowie die Mythen darüber.

Daran anschließend folgt eine kritische Bearbeitung des Themas Nahrungsergänzungsmittel. Der Autor erläutert, wie Großkonzerne es schaffen, uns glauben zu machen, dass wir viele unnütze Dinge benötigen. Einige notwendige Dinge aber kann man auf einfache und günstige Art selbst herstellen und damit Geld sparen. Dieses Buch zeigt Ihnen wie.

Eine kleine Vorschau von dem, was dieses Buch Ihnen bietet:

  • Spezialwissen zu den Themen Biologie und Evolution
  • Das Leben in jungen und späteren Jahren
  • Geld und Sparen
  • Gesunde Ernährung
  • Ernährungsmythen
  • Nahrungsergänzung
  • Kleine und große körperliche Beschwerden
  • Null-Emission der Treibhausgase und der politische Wille dazu
  • Was kann der Einzelne tun?
  • Was ist wirklich wichtig?
  • Herausgeber : Independently published (13. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 84 Seiten
  • ISBN-13 : 979-8717317962
  • Abmessungen : 15.24 x 0.48 x 22.86 cm

 Preis: 5,55 Euro

Über den Autor:

Christian Scholl: Foto via Christian Scholl

Christian Scholl, Jahrgang 1974, ist Spezialist für Arbeitspsychologie, Arbeitssicherheit und umweltgefährliche Stoffe. Nach verschiedenen Stationen im Consulting, im öffentlichen Dienst und in der Automobilindustrie arbeitet er heute als Sicherheitsberater und Umweltmanager in der pharmazeutischen Industrie.

Zum Tag der Befreiung

Heute, am 8. Mai, jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 76. Mal. Es ist ein Tag der Befreiung und ein Tag der Niederlage des deutschen Faschismus.

„Uns alle mahnt der 8. Mai dazu“ , schreibt Alexander Neu (MdB DIE LINKE) auf Facebook, „wachsam zu bleiben und uns jeden Tag aufs Neue für Frieden und gegen Ausgrenzung, rechte Ideologien, Faschismus und Gewalt einzusetzen.

Auch darum muss der 8. Mai bundesweit zum Feiertag erklärt werden.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“

In unseren Tagen nun fordert die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano seit 2020 unermüdlich:

„Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschla­gung des NS-Regimes. Wie viele andere aus den Konzentrationslagern wurde auch ich auf den Todesmarsch getrieben. Erst Anfang Mai wurden wir von amerikanischen und russischen Soldaten befreit. Am 8. Mai wäre dann Gelegenheit, über die großen Hoffnungen der Menschheit nachzudenken: Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit.

Und dann können wir, dann kann ein Bundespräsident vielleicht irgendwann sagen: Wir haben aus der Geschichte gelernt. Die Deutschen haben die entscheidende Lektion gelernt.“ (Hier dazu mein Beitrag mit dem Wortlaut des Offenen Briefs Bejaranos an Bundespräsident und Bundeskanzlerin)

Falls man dem Menschen die Möglichkeit geben will, aus der Geschichte zu lernen, wäre die erste Voraussetzung, dass er sich dieser Geschichte erinnert. Aber leider vergisst er so leicht, und oft vergisst er gerade die entscheidenden Lektionen.

(Lukas Bärfuss, Büchner-Preis-Rede 2019)

10. MAI 2021 — Esther Bejarano erinnert an ihren „zweiten Geburtstag“ und bekräftigt ihre Forderung den 8.Mai 2022 endlich zum Feiertag zu machen

„Am 3. Mai vor 76 Jahren bin ich in dem kleinen mecklenburgischen Städtchen Lübz befreit worden, befreit von den amerikanischen und den sowjetischen Truppen. Auf dem Marktplatz haben die Soldaten ein Hitlerbild verbrannt. Alle haben gefeiert, lagen sich in den Armen und ich habe dazu Akkordeon gespielt.“ – Holocaust-Überlebende Esther Bejarano erinnert sich an ihren „zweiten Geburtstag“ 

Am 3. Mai hat Esther Bejerano (*1924) anlässlich ihrer Befreiung auf dem Todesmarsch von Ravensbrück im kleinen mecklenburgischen Städtchen Lübz durch sowjetische und amerikanische Soldat:innen, ihre Forderung bekräftigt, den 8. Mai ab 2022 endlich zum Feiertag machen! 

Seitdem haben in den letzten Tagen mehr als 20.000 neue Unterstützer:innen die Petition unterschrieben.

Auch der nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Thomas Kutschaty fordert jetzt, den 8. Mai bundesweit zum gesetzlichen Feiertag zu machen

SPD-Fraktionschef im NRW-Landtag, Vorsitzender der NRW-SPD Thomas Kutschaty.

 „Wir müssen den 8. Mai zu einem Tag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung in jeglicher Form machen“, sagte Kutschaty am Freitag, dem 7.Mai 2021 in Düsseldorf. (Westfälische Rundschau)

Anbei gegeben sei hier noch ein Beitrag über eine Veranstaltung der Kölner DGB-Jugend, an der Esther Bejarano vor einigen Jahren teilnahm.

In der BRD war vom „Tag der Befreiung“ zu sprechen bis zu einer historischen Rede von Richard von Weizsäcker verpönt

In der DDR war der 8. Mai von 1950 bis 1967 und einmalig im Jahre 1985 als „Tag der Befreiung“ gesetzlicher Feiertag.

In der BRD hingegen war vom Tag der Befreiung zu sprechen lange verpönt bis unerwünscht. Weshalb es nahezu wie ein Paukenschlag durch Westdeutschland hallte, als im Mai 1985 der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte: „Es war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ (hier via Heinz Hammer/You Tube ein Ausschnitt der Rede) Richard von Weizsäcker benutzte im Mai 1985 eine klare Sprache, eine befreiende Sprache für das, was 40 Jahre zuvor geschehen war.

Befremdlich: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble lehnt Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion ab

Via Sevim Dagdelen

Heute, im Jahr 2021 muss es vor diesem Hintergrund und eingedenk der Tatsache, dass Zeitzeugen, Überlebende des blutigen Terrors des Hitlerfaschismus allmählich kaum noch zur Verfügung stehen werden, um darüber zu sprechen, schon einigermaßen befremdlich anmuten, dass – wie Sevim Dagdelen (MdB DIE LINKE) berichtet und kritisiert:

„Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble lehnt die Initiative der Fraktion DIE LINKE für eine gemeinsame Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni ab. Ich finde das zutiefst beschämend und respektlos angesichts der 27 Millionen Kriegstoten in der UdSSR. Die Journalistin Christine Dankbar kommentiert in der Berliner Zeitung dazu richtig: „Die Sowjetunion hat wie kein anderes Land in diesem Weltkrieg Leid und Tod erfahren. Das darf nicht vergessen oder auf private Initiativen abgeschoben werden – ganz egal, welche politischen Probleme die Bundesrepublik aktuell mit Russland haben mag.“

Dagdelen informiert:

„DIE LINKE im Bundestag wird jetzt am 21. Juni selbst in würdiger Weise an die grausamen Verbrechen des faschistischen Raub- und Vernichtungskriegs und die daraus resultierende Verantwortung Deutschlands für eine Verstetigung der Versöhnung mit Russland heute erinnern. Im Deutschen Bundestag. Ich freue mich, die Veranstaltung im Auftrag meiner Fraktion gemeinsam mit meiner Kollegin Gesine Lötzsch federführend vorzubereiten.“

Der 8. Mai hat für das sowjetische Volk und die Völker des heutigen Russland eine große Bedeutung

Der Stellvertretende russische Generalkonsul verneigt sich am Ehrenmal.

Welche Bedeutung der 8. Mai u.a.für das sowjetische Volk hat brachte der Stellvertretende Generalkonsul der Russischen Föderation Wladimir Kuzmin während einer Gedenkveranstaltung im vergangenen Jahr auf dem Internationalen Friedhof in Dortmund am sowjetischen Ehrenmal zum Ausdruck. In einer kurzen Ansprache nannte Kuzmin den 8. Mai einen besonderen Tag für das sowjetische Volk und die europäischen Völker. Er bedankte sich herzlich bei den am sowjetischen Ehrenmal erschienen Menschen für deren Gedenken und dafür, dass sie die Erinnerung an das im Zweiten Weltkrieg Geschehene weitertragen. (Hier mein Beitrag dazu)

Eine bewegende Rede des Schauspielers und Gewerkschafters Rolf Becker am sowjetischen Obelisken in Stukenbrock

Schauspieler Rolf Becker während seiner engagierten Rede.

Vor zwei Jahren hielt der Schauspieler und engagierte Gewerkschafter Rolf Becker eine bewegende und mahnende Rede am sowjetischen Obelisken, der an im Stalag 326 Senne (Stammlager für sowjetische Kriegsgefangene der Nazis) in Stukenbrock die ich in meinem Bericht über das Gedenken hier widergebe. Hier ein Ausschnitt:

„Dank Ihnen und Euch, Dank allen im Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“ für die jahrzehntelange Arbeit zur Entwicklung und zum Erhalt dieser Gedenkstätte, Dank, dass ich hier bei Euch und mit Euch sein darf – in gemeinsamer Teilnahme und Sorge.

Sorge, weil – wie bereits angesprochen – ein weiterer Krieg droht, der die Unermesslichkeit des in den zwei Weltkriegen Erlittenen noch zu übersteigen droht – Folge auch der Tatsache, dass sich die deutschen Nachkriegsregierungen einer konsequenten Aufarbeitung des vermeintlich Vergangenen verweigert haben und bis heute verweigern.“

Christa Wolf:

Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd.“ (…)

Eugen Drewermann: „das nie mehr wiederkommen darf und soll, verbunden mit dem Wunsch, dass das, was wir hier tun, bundesweit zu einer Pflicht wird“





Eugen Drewermann.

Ein Jahr später sprach Eugen Drewermann an gleicher Stelle beim Gedenken „Blumen für Stukenbrock“. Man erinnere mit diesem Gedenken an ein Ereignis, so hob Drewermann an, „das nie mehr wiederkommen darf und soll, verbunden mit dem Wunsch, dass das, was wir hier tun, bundesweit zu einer Pflicht wird.“

Eugen Drewermann mahnte, das wir Deutsche 27 Millionen zu Tode gekommene Sowjetbürger zwischen 1941 und 1945 zu verantworten haben:

„Für keinen einzigen hat die Bundesrepublik bis heute irgendetwas an Wiedergutmachung oder Bedauern gegeben oder geäußert.“

Die BRD sei 1949 als Aufmarschgebiet im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion gegründet worden. „Es war kein Ort des Friedens. Wir waren vereinnahmt als Befreite – im Grunde den Krieg zu Ende zu führen, damit Stalin gestürzt würde.“ (Hier mein Bericht über die Veranstaltung)

Kriegsveteran David Dushman: „Krieg macht aus Menschen wilde Tiere

David Dushman referiert vor Dortmunder Gymnasiasten; Fotos: C.-D. Stille

David Dushman, der im Zweiten Weltkrieg einen T-34-Panzer lenkte undeiner der Befreier des KZ Auschwitz war, feierte im April dieses Jahres seinen 98. Geburtstag. „Der Kriegsveteran aus der ehemaligen Sowjetunion, der seit einem Vierteljahrhundert in München eine neue Heimat gefunden hat“, berichtete die Jüdische Allgemeine, „wurde zum Ehrenmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ernannt.“ Nur eine von vielen Ehrungen, welche dem Kriegsveteran zuteil wurden. Über seine Zeit im Krieg sagte er vor einigen Jahren in Dortmund (mein Bericht):

„Eine schreckliche Zeit. Ich hoffe, dass werden Sie nie mehr sehen“, sprach Dushman zu den Schülerinnen und Schülern. Und schob nach: „Viel besser, wenn wir zusammen Bier trinken. Krieg macht aus Menschen wilde Tiere“

Peter Donatus erinnerte an „Die vergessenen Befreier“

Peter Emorinken-Donatus. Foto: C. Stille

Ein Jahr zuvor schrieb an dieser Stelle mein Kollege und Freund Peter Donatus einen Gastbeitrag über „Die vergessenen Befreier“. Auch daran sei an dieser Stelle noch einmal erinnert. Denn viele Menschen wissen darüber nichts:

Die heutigen Erkenntnisse zeigen, dass die Befreiung Europas und der Welt von der faschistischen Troika (Deutschland, Italien und Japan) ohne den Beitrag Afrikas nicht möglich gewesen wäre. De Gaulles Befreiungsarmee des Freien Frankreichs bestand beispielsweise bis zu 65 Prozent aus Afrikanern.“

Heute finden bundesweit Veranstaltungen – im Rahmen der Corona-Bedingungen – zum Tag der Befreiung statt. Und: Fragen wir uns an diesem Tag der Befreiung, der nun endlich einer gesetzlicher Feiertag werden sollte, haben wir wirklich etwas aus der Geschichte gelernt? Jede/r von uns sollte sich das heute und darüber hinaus immer wieder fragen und für sich beantworten.

Gerben van Straaten, Gründer des Stadtentwicklungsbüros „World of Walas“, mit 59 Jahren viel zu früh verstorben

Die traurige Nachricht verkündeten die Nordstadtblogger (Dortmund): „In der vergangenen Woche ist der Gründer von „World of Walas“, Gerben van Straaten, der Millionenpläne für die alten Industrieanlagen auf Phoenix-West geschmiedet hatte, völlig unerwartet im Alter von 59 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. „Er hat unsere Welt zu früh verlassen und wird von seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen auf der ganzen Welt schmerzlich vermisst werden“, heißt es seitens des Unternehmens, das fest entschlossen ist, die Umsetzung der Visionen van Straatens in seinem Sinne weiter fortzuführen.“

Nachruf von World of Walas: „Gerben van Straaten, internationaler Experte für nachhaltige Stadtentwicklung, Visionär und Gründer von World of Walas, ist am Mittwoch, 28. April, plötzlich eines natürlichen Todes gestorben. Er hat unsere Welt zu früh verlassen und wird von seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen auf der ganzen Welt schmerzlich vermisst werden.“

Ich hatte das Vergnügen, Gerben van Straaten im vergangenen Jahr auf einer Rundfahrt für Journalisten zu Dortmunder Zukunftsprojekten zu begegnen. Auf den ersten Blick wurde klar: der Mann ist geerdet und ein wahrer Macher und Inspirator. Auf dem Areal des einstigen PHOENIX-West-Stahlwerks sprach Von Straaten über die Pläne. Die alten, gebliebenen Gebäude, sagte er, seien ihm wichtig. Und als er auf den stehengelassenen Hochofen zeigte, wagte er zu prophezeien: Der „Hochofen wird der Dortmunder Eiffelturm sein.“ Van Staaten sprach war der Hoffnung, dass auf der andere Seite des Hochofens das erste Weltinnovationszentrum geschaffen wird. Allerdings arbeiteten auch andere Städte daran und seien an einer Zusammenarbeit interessiert. Man habe schon mit Vancouver, Chicago, Xi’an und Bangalore darüber gesprochen. Die Basis soll aber Dortmund werden, somit Original sein und viele Chancen bieten, war er sicher.

Gerben van Straaten spricht über die Pläne. Fotos (2): C. Stille

Der damalige Oberbürgermeister Ullrich Sierau hielt es für realistisch, dass auf PHOENIX West später einmal 15.000 Menschen arbeiten werden.

Sierau erzählte, van Straaten sei auf der weltweiten Suche nach möglichen Standorten für Technologiezentren in Dortmunds Partnerstadt Xi’an auf Dortmund aufmerksam gemacht worden.

Man arbeite an einem agrarischen Innovationszentrum. Es wird darum gehen, Nahrungsmittel für Städter (Restaurants, Läden) in der Stadt zu produzieren. Über nachhaltige Systeme (Wasser, Energie, Abfallwirtschaft) denke man nach. Ein urbanes Gebiet solle entstehen. Er denke man werde im Sommer 2021 mit 30 bis 40 Innovationspartnern aus ganz Europa im „Schalthaus“ anfangen.

René Papier, Operations Manager für alle Walas-Projekte in Deutschland und Udo Greif, Architekt für Walas Concepts-Projekte, vermittelten einen Einblick in einzelne Vorhaben.

Beispielsweise ist an hochwachsende Gemüsepflanzen (in Singapur etwa gebe es so etwas längst) gedacht, wo auch durch nicht im Erdreich versickerndes Wasser Einsparungen möglich seien. Und das produzierte Gemüse könne im Umfeld von Hörde verkauft und privat oder in der Gastronomie verwertet werden. Auch sei daran gedacht weiter dem Strukturwandel Rechnung zu tragen. Auch, indem man Menschen mit Migrationshintergrund auf vielfältige Weise mit einbeziehe. (mein damaliger Bericht)

Nordstadtblogger schließen ihren Beitrag so: „Gerben van Straatens Arbeit im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung machte ihn zu einem gefragten Experten, der auf internationalen Konferenzen sprach und sich regelmäßig mit Regierungen, Organisationen und Expertennetzwerken für das gemeinsame Ziel einsetzte, eine gerechtere, friedlichere und nachhaltigere Welt zu schaffen. Er unterstützte zahlreiche Initiativen durch Vorstandsarbeit, Sponsoring und Mäzenatentum und förderte auch im Stillen Initiativen in den Bereichen Bildung, Umwelt- und Tierschutz sowie Jugend.“

Demokratie in schwerer Krise. Kann sie durch die Partei „dieBasis“ nachhaltig wieder befeuert werden?

Schon vor Corona sah, aber nun erst recht, sehe ich unsere Parteiendemokratie als in einer schweren Krise befindlich. Wenn nicht gar als gescheitert an. Das tönt gefährlich – gewiss. Ich sehe die Demokratie in der Tat auch für stark gefährdet. Die Demokratie brauchte dringend eine Erneuerung. Einen Neustart. Prof. Max Otte sagte neulich in der Talkshow „Ruderboot“, er sieht die Demokratie noch etwa zu 70 Prozent – eher mehr – als beschädigt an. Müsste das nicht alarmieren? Ullrich Mies hat einen Sammelband unter dem Titel „Mega-Manipulation. Ideologische Konditionierung in der Fassadendemokratie“ herausgegeben. Die Autoren schreiben über bedenkliche Entwicklungen und Zustände.

All das hat viele Ursachen. Eine nicht geringe Schuld am porösen Zustand der Demokratie und deren zunehmenden Verachtung haben die Parteien zu verantworten. Bereits 1992 (!) kritisierte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Parteien heftig. Haben die Parteien die Kritik verstanden und Weizsäckers demokratiepolitische Lektion, die er ihnen erteilt hatte, gelernt und entsprechende Konsequenzen daraus gezogen? Im Gegenteil, muss man heute sagen: es ist alles noch viel schlimmer geworden.

Der damalige Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse schrieb 2012 (!) in der Zeitschrift für Politik und Wissenschaft Jahrgang 22 (2012) unter der Überschrift: „Zur Aktualität Richard von Weizsäckers Parteienkritik: „

Die demokratiepolitische Lektion, die Richard von Weizsäcker dem politischen Personal der Bundesrepublik in seinem ZEIT-Gespräch (1992) erteilte, löste eine kontroverse Debatte aus. Wenige Jahre nach der Friedlichen Revolution in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung beklagte das deutsche Staatsoberhaupt einen beunruhigenden Ansehensverlust der Parlamente, ja der Politik insgesamt, und warnte vor Auswüchsen der Parteienherrschaft. Diese Kritik war alles andere als wohlfeil. Sie verriet die Sorge des Bundespräsidenten um die Zukunft und Funktionsfähigkeit unserer Demokratie. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen, doch vonWeizsäckers Mahnungen haben sich nicht erledigt.

Unsere Demokratie wird „angefressen“, infrage gestellt von ganz verschiedenen Seiten und durch sehr verschiedene Entwicklungen. Dazu zählen die Unzufriedenheit, die Ungeduld, der Verdruss vieler Bürgerinnen und Bürger. Dazu zählt das individuelle Fehlverhalten von Politikern, die die politische Klasse und die Institutionen der Demokratie immer mal wieder in einem trüben Licht erscheinen lassen.Dazu zählen aber auch – ganz vorsichtig ausgedrückt – leichtfertige Medien, die das Verständnis für und das Vertrauen in die Mühseligkeit demokratischer Prozesse und Entscheidungen nicht gerade befördern. Auf diese und viele weitere Phänomene hatte Richard von Weizsäcker 1992 hingewiesen. Sie belegen den Vertrauensverlust der repräsentativen Demokratie.Aus meiner Wahrnehmung ist eine tiefer liegende Entwicklung wesentlich: Unsere Demokratie wird vor allem bedrängt durch die Dominanz ökonomischer Prozesse und Entscheidungen, die den Primat demokratischer Politik in Frage stellen.Das scheint mir der eigentlich alarmierende Vorgang. Man bedenke das Tempo und die Reichweite ökonomischer Prozesse einerseits und andererseits die Langsamkeit und Begrenztheit demokratischer, politischer Prozesse und Entscheidungen. Die Wahrnehmung der Diskrepanz zwischen beiden erzeugt – befördert durch eilige Medien – Ungeduld und Unzufriedenheit mit diesem demokratischen Prozess.“(…)

Und weiter:

(…) „Auf die Frage nach der „Machtversessenheit“ und „Machtvergessenheit“ der Parteien hatte Richard von Weizsäcker selbst die beste Antwort gegeben: „In einer Demokratie kommt es auf die Gesellschaft im Ganzen an, auf ihren Willen, ihre Moral, ihre Einsicht, ihren Geist, dagegen nicht allein auf Parteien.“ Richtig! Die Demokratie bliebe leer, abstrakt, formal, wenn sie nicht durch die Bürgerinnen und Bürger in Anspruch genommen und mit Leben erfüllt würde, durch Bürgerinnen und Bürger, die ihre legitimen Interessen und begründeten Meinungen vertreten und die über ihren verständlichen Egoismus hinaus auch Vorstellungen vom Gemeinwohl entwickeln. Wenn aber Bürger vielfach das Gefühl haben, dass sie dies nicht mehr oder nicht ausreichend im Rahmen des demokratischen Regelwerks und des vorhandenen Institutionengefüges tun können, dann nimmt ihr Engagement die Form des Protestes an. Bürger, die aus unterschiedlichsten Gründen enttäuscht sind von der Parteiendemokratie, deren Vertrauen in die repräsentative Demokratie geschwunden ist, gehen auf die Straße, geben ihren Zorn in Umfragen kund, wählen eine inhaltlich noch gänzlich unbestimmte Partei. Oder sie gehen gar nicht erst zur Wahl. Wahlverzicht ist ein besonders fataler Ausdruck des Misstrauens. Hier fehlt das Grundvertrauen in die eigenen Möglichkeiten, etwas verändern und etwas gestalten zu können. Dieses Misstrauen trifft nicht nur eine Partei, sondern unser Gemeinwesen insgesamt, es schädigt unsere Demokratie. Auf Dauer erweist es sich als Einfallstor für Populisten und Demagogen, für all jene, die einfache Antworten und schnelle Lösungen versprechen. Die Parteien, wir Politiker sollten lernen, alle unsere Entscheidungen so transparent wie überhaupt nur möglich vorzubereiten und zu fällen, damit die interessierten Bürger erkennen können, ob und wann und wie sie sich rechtzeitig und folgenreich einmischen können, wenn sie es denn wollen. Die Parteien sind schließlich auch wichtiger Teil der Zivilgesellschaft und nicht einfach Teil des Staatsapparates! Mehr Möglichkeiten zu direkter Bürgerbeteiligung nützen unserer Demokratie,davon bin ich überzeugt. Auch zwischen den Wahlen als Staatsbürger sich melden zu können und aktiv eigene Anliegen nicht bloß passiv und unverbindlich, wie bei Meinungsumfragen, vertreten zu können, das befruchtet die Arbeit der politischen Parteien, macht aber die Parteien wahrlich nicht überflüssig. Ich bin für die Instrumente der Volksgesetzgebung auch auf Bundesebene – also für Volksinitiative,Volksbegehren, Volksentscheid nach klar definierten Regeln. Diese Instrumente können Vertrauen stärken, sie ermöglichen, dass die Zivilgesellschaft vielleicht einen ähnlichen Einfluss auf Politik haben könnte, wie es gegenwärtig Lobbyisten haben.“

So weit. So richtig. So gut. Aber unterdessen schreiben wir das Jahr 2021. Und das Kind scheint in den Brunnen gefallen zu sein – bzw. sitzt (noch) wackelig auf dem arg rutschigen Brunnenrand.

Große Gefahr: Wenn neue Parteien systemgerecht „rundgelutscht“ werden

Wir müssen konstatieren, dass neue Parteien – zuvörderst die so hoffnungsvoll gestarteten Grünen – mit zunehmender Macht (nach dem berühmten Marsch durch die Institutionen) stets Gefahr laufen, vom System – wie es auf einer Medienkonferenz einmal ein Journalistik-Professor deutlich auf den Punkt brachte: „rundgelutscht“ würden und ihre hehren Grundziele „vergäßen“. Dazu kommt, dass Parteien auch von Diensten unterwandert werden können und so beeinflusst oder gar kaputtgemacht werden, so sie nicht im Sinne des Systems spuren.

Nun also gibt es wieder einmal eine neue Partei, die auf den Plan getreten ist und sich auch an der kommenden Bundestagswahl beteiligt. Die Rede ist von der Partei „dieBasis“. Die Eigenauskunft der Partei über angestrebte politische Handlungsweise lautet so:

dieBasis macht transparente Politik und entwickelt direkte Demokratie für alle. Wir brennen für eine gerechtere, freiere Welt, in der der Mensch wieder Mensch sein kann, in der alle selbstermächtigt und empathisch ihre wahre Natur leben können.

Wir vertrauen in das Wissen und die Erfahrung der Menschen. Gemeinsame Entscheidungen sind bessere Entscheidungen. Aus diesem Grund wollen wir die Basisdemokratie als das politische Modell von morgen etablieren. Basisdemokratie ist Machtbegrenzung.

Wir begrenzen die Macht Einzelner und die von Organisationen. Wir setzen auf die Gewaltenteilung zwischen Parlament, Regierung, Justiz und Medien. Denn nur so kann Freiheit geschaffen und bewahrt und eine Welt in Würde möglich werde.“

Nun ja, das tönt zunächst einmal nicht schlecht. Aber wie heißt es so schöne: An ihren Taten wollen wir sie erkennen. Mein Text hier soll keine Wahlwerbung sein. Ich bitte meine verehrten Leserinnen und Leser nur einmal, sich mit dieser neuen Partei zu beschäftigen und sie zu beurteilen. Trotzdem ich die Parteiendemokratie als fast gescheitert ansehe, möchte ich bitten, dieser Partei eine Chance zu geben. Selbst weiß ich tatsächlich nicht, welche Partei ich zur Bundestagswahl wählen werde, beziehungsweise, ob ich überhaupt den Schritt an die Urne machen werde. Aber das ginge auch niemanden etwas an. Zur Partei „dieBasis“ möchte ich noch anmerken, dass mir aufgefallen ist, dass dort inzwischen sehr kompetente und sympathische Menschen versammelt und engagiert sind. Das macht Hoffnung. Vielleicht auch den schon hoffnungslos gewordenen Demokraten unter uns. Alle Parteien haben in meinen Augen versagt. Allerdings habe ich auch keine Idee, wie zukünftige demokratische Vertretungen aussehen sollen. Aber es sollte schon mehr direkte Demokratie und auch regionaler Ebene Bürgerversammlung bzw. Räte geben.

Zur Kenntnis und zwecks Information gebe ich hier eine Pressemitteilung der Partei „dieBasis.nrw“ wider:

Pressemitteilung dieBasis NRW

dieBasis NRW wählte ihre Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl am 2. Mai 2021 in Düsseldorf

 Am ersten Mai-Wochenende hat der Landesverband NRW der Partei dieBasis in Hagen eine Aufstellungsversammlung zur Wahl der Kandidaten der Landesliste für den Bundestagswahlkampf im Herbst durchgeführt. Den ersten Listenplatz belegte der Rechtsanwalt Dirk Sattelmaier, der bereits als Direktkandidat des Wahlkreises 101 (Leverkusen–Köln IV) dort gegen Karl Lauterbach (SPD) antreten wird. Die folgenden drei Listenplätze wurden von Professoren aus Medizin, Biologie und Jura besetzt.





Von oben nach unten rechts: Dirk Sattelmeier, Karin Reiß, Sucharit Bhakdi, Martin Schwab. Foto: via dieBasis NRW

Der Kölner Rechtsanwalt Dirk Sattelmaier tritt sowohl als Direktkandidat gegen Karl Lauterbach wie auch als Spitzenkandidat der Landesliste dieBasis NRW für den Bundestagswahlkampf an. Sattelmaier ist mit seiner Kanzlei seit 18 Jahren vornehmlich im Bereich des Strafrechts tätig. Zudem steht er als erster Vorsitzender dem Verein „Anwälte für Aufklärung“ vor, der sich der Wahrung der verfassungsmäßig garantierten Grundrechte verpflichtet hat.

Sattelmaier wurde am Samstag in einer Stichwahl mit 76 zu 73 Stimmen vor Prof. Dr. rer. nat. Karina Reiß zum Erstplazierten der Landesliste gewählt. Die an der Universität Kiel forschende Zellbiologin und Biochemikerin Reiß wurde anschließend auf den zweiten Listenplatz gewählt. Ihr Ehemann, der Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi, der bis zu seiner Emeritierung 2012 das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Mainz leitete, kam auf den dritten Platz der Landesliste. Beide Wissenschaftler sind für das Sachbuch „Corona Fehlalarm?“ bekannt, das 2020 wochenlang den ersten Rang der Spiegel-Bestsellerliste belegte. Auf Platz vier der NRW Landesliste wurde schließlich ein weiterer Wissenschaftler, Prof. Dr. Martin Schwab von der Universität Bielefeld gewählt. Schwab hat dort den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Verfahrens- und Unternehmensrecht inne.

Der erstplatzierte Sattelmaier war im Januar 2021 in die Partei dieBasis eingetreten. Zu den Gründen für seine Kandidatur für die Landesliste sagt er:

Ich bin neu in der Politik. Aber ich kandidiere nun, weil ich sehe, wie die Corona-Krise die Schwächen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gnadenlos offenlegt, ja, sie in ihren Grundfesten gefährdet. Als Jurist und Demokrat stehe ich jedoch aus voller Überzeugung für diese Grundordnung ein und fühle mich verpflichtet sie zu verteidigen.“

Zu den Zielen, die er als Spitzenkandidat der Landesliste NRW vertreten will, äußert er:

Mein Ziel ist es, mit allen Kräften die Stimmen der Basis in den Bundestag zu tragen und ihnen Gehör zu verschaffen. Gerade auch die Stimmen jener Menschen, deren Ängste und Nöte in der Corona-Krise im politischen Berlin bisher kaum gehört wurden. Ich setze mich für mehr Menschlichkeit in der Politik ein, etwas, was in dieser Zeit abhandengekommen zu sein scheint.“

Auf die Frage, was Basisdemokratie für ihn bedeute, antwortet Sattelmaier:

Basisdemokratie bedeutet zunächst, dass eben nicht einige Wenige in Hinterzimmern die Politik vorgeben. Bei uns stehen Transparenz und ‚der Schwarm‘, das heißt die Basis, im Mittelpunkt. Die Mitglieder unserer Partei sind wirklich auch die Basis unserer Politik und wir gehen diesen Weg zusammen. Als Jurist und als Mensch möchte ich Artikel 1 des Grundgesetzes, ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ ernst nehmen, ja ihm die absolute Vorrangstellung einräumen, die diesem Artikel gebührt.“

Die Basisdemokratische Partei Deutschland (dieBasis) zählt derzeit etwa 15.000 Mitglieder und verzeichnet einen stetigen Zuwachs. Sie beteiligt sich an der Bundestagswahl 2021 mit der Aufstellung von Direktkandidaten und Listenkandidaten aus allen 16 Landes-, sowie den Kreis- und Stadtverbänden.

Quelle: Pressemitteilung dieBasis NRW

„Gegen Entfremdung“ Moshe Zuckermann, Susann Witt-Stahl: Gespräche über Erich Fried – Rezension

Die Schar der Lyrik-Begeisterten dürfte sich im Vergleich mit anderen literarischen Genres in Grenzen halten. Was nichts Neues ist. Das ist schade zu nennen. Und richtig Geld verdienen damit ist Verfassern von Lyrik auch kaum gegeben. Gedichte zu lesen, ist halt offenbar nicht für jeden Menschen spannend. Liegt das an der Schulzeit,wo man sie auswendig lernen oder interpretieren musste? Auch ich muss zugeben, dass ich immer erst ein gewissen Schubser brauche, um Lyrik zu lesen. Aber, wenn ich es dann mal tue, stellen sich bei mir durchaus positive Effekte und öfter als gedacht auch Begeisterung ein.

Erst recht wird die Anhängerschaft von politischer Lyrik überschaubar sein. Dass der Österreicher Erich Fried (* 6. Mai 1921 in Wien; † 22. November 1988 in Baden-Baden)

eine Ikone der politischen Lyrik der Bundesrepublik ab den Sechzigerjahren bis zu seinem Tod 1988 gewesen ist, werden sicher ebenfalls nicht allzu Viele wissen.

Obwohl Fried seinerzeit mit der DDR auch seine Probleme hatte oder es die DDR mit ihm (weil Fried sich „moralisch meist gerechtfertigter Kritik der Sowjetunion, der DDR und am Realsozialismus“ nicht enthielt; S.150)) vielleicht ebenfalls nicht leicht hatte, hielt er auch dort Lesungen ab. Es ist nun schon sehr lange her – es dürfte in den 1980er Jahren gewesen sein -, da er auch in meiner Heimatstadt Halle an der Saale zu einer Lesung im Volkspark gekommen war. Ich finde leider keinen Hinweis mehr darauf. Ich meine heute, das sei so gewesen (wenn ich mich irre, verzeihe man es mir bitte). Ich sehe ihn noch genau dort mit seiner schwarzen Brille auf der Nase vor dem Buch sitzen. Jedenfalls kaufte ich mir in dieser Zeit ein Buch, dass auch Gedichte von Fried enthielt. Und war von ihnen tief beeindruckt.

Moshe Zuckermann und Susann Witt-Stahl beleuchten Erich Frieds dichterisches Werk und dessen Wirken als Marxist, Friedenskämpfer und Antifaschist

Zu seinem 100. Geburtstag beleuchten Moshe Zuckermann und Susann Witt-Stahl das dichterische Werk des herausragenden Literaten und sein engagiertes Wirken als Marxist, Friedenskämpfer und Antifaschist. Das ist höchst interessant und mit Gewinn zu lesen. Wir erfahren viel über Erich Fried und die jeweiligen Zeiten, in denen er wirkte. Moshe Zuckermann (MZ) und Susann Witt-Stahl begannen von Mitte Oktober 2020 einen Gedankenaustausch, zu dessen Behufe sie ein Reihe von Gesprächen über den bedeutenden Lyriker und Intellektuellen führten, welchen sie Anfang Februar 2021 abschlossen. Der Gedankenaustausch umfasst Analysen und Ansichten zu Frieds dichterischen Werk, seinem Wirken als marxistischer Denker und Aktivist sowie zur zeitgenössischen und gegenwärtigen Rezeption des ebenso hochbewunderten wie auch oftmals verhassten und verleumdeten Schriftstellers.

SWS schreibt (S.139) etwa über bestimmte, sich als Linke sehende (wohl Antideutsche), die den Antifaschismus pervertierten, in dem sie „mit dem Finger auf jüdische Linke, lebende wie tote“, zeigen „und krakeelen ‚Nie wieder Auschwitz’“. Und: „Was da an Verdrängtem wieder hochkommt, wenn der in Wien ansässige ‚unabhängige Nahost-Thinktank‘ Mena Watch, an dem viele linke Autoren mitwirken, über Erich Fried Schmähungen wie ‚Kentucky Fried Chicken“ Wider den antizionistischen Gesinnungskitsch. Fried war Antisemit“ verbreitet (…)

Dass die Erträge des durchgeistigten Dialogs von Zuckermann und Witt-Stahl nun uns Leser*innen vorliegen, ist dem Westend Verlag zu danken. Der Band, in welchen sie versammelt sind, trägt den Titel „Gegen Entfremdung“.

Womöglich bleibt dieser Band die gehaltvollste Veröffentlichung dieses Jahres zum 100. Geburtstag von Erich Fried

Durchaus möglich, dass dieser anlässlich des 100. Geburtstags von Erich Fried die gehaltvollste Veröffentlichung dieses Jahres bleiben wird. SWS weist darauf hin: „Dass zum Auftakt dieses Geburtstagsjubiläumsjahres ein Buch erschienen ist, das ausgerechnet Erich Frieds Beziehung zu dem Neonazi Michael Kühnen – die nur aus insgesamt sechzehn Briefen, einer Begegnung und einem Gedicht bestand – zu einem großen Thema macht, lässt jedenfalls nichts Gutes ahnen: Abgesehen davon, dass der Autor den Begriff der Entfremdung, der für Frieds Schaffen zentral ist, seines marxistischen Ursprungs entschlagen, somit ideologisiert und den den Dichter fürs ZDF-Morgenmagazin konsumierbar gemacht hat: Im Untertitel ist sogar von einer ‚deutschen Freundschaft‘ zwischen Fried und Kühnen die Rede.“ Allerdings, schreibt SWS, sei eine „Freundschaft“ nicht belegt. Der Autor des Buches konnte das jedenfalls nicht belegen. Und SWS fragt darüber hinaus, was daran „deutsch“ gewesen sei sollte. „Und zwar weniger, weil Fried Österreicher war, der bis zu seinem Tod im britischen Exil lebte, sondern vor allem weil Fried nationale Gefühle, erst recht Nationalismus, allemal deutschen, der sich zum massenmörderischen Faschismus radikalisiert hatte, zutiefst verabscheut und kaum eine Gelegenheit versäumt hat, das laut zu sagen.“

Der Hintergrund zu dieser Erwähnung ist das bereits im Januar erschienene Buch „Der Dichter und der Neonazi: Erich Fried und Michael Kühnen – eine deutsche Freundschaft“ von Thomas Wagner. Warum dieser Autor gerade den Tenor auf diese Begegnung legte, steht infrage. Zum Buch lesen wir auf Amazon:

„21. Januar 1983: Eine unwahrscheinliche Begegnung bahnt sich an. Michael Kühnen – Wortführer der Neonazi-Szene – und Erich Fried – jüdischer Dichter und glühender Antifaschist – sollten sich in einer Fernsehtalkshow begegnen. Doch kurzfristig wurde Kühnen ausgeladen. Die Überraschung war groß, als gerade Fried erklärte, dies sei ein Fehler gewesen.“ (…)

Schauspieler Rolf Becker hat zum Buch ein hervorragendes Vorwort verfasst

Ein hervorragendes Vorwort zum Buch hat der Schauspieler und Gewerkschafter Rolf Becker verfasst. Eingangs schreibt Becker: „Erich Fried würde sich freuen, könnte er das nachstehende Gespräch lesen. Er würde vermutlich wie zu seinem Lebzeiten kritische und selbstkritische Anmerkungen einbringen – vor allem zu der für ihn kaum voraussehbaren, allenfalls zu erahnenden Entwicklung, die mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus ein Jahr nach seinem Tod begann und sich seitdem in Unheilvolles steigert. Was vor 1989 als Systemauseinandersetzung wahrgenommen wurde, enttarnt sich mit fortschreitender Krise als Versuch imperialistischer Staaten, sich schrittweise die Welt gefügig, wenn nicht untertan zu machen:“ Becker fügt an dieser Stelle Frieds Gedicht „Dann wieder“ an:

Was keiner/geglaubt haben wird/was keiner gewusst haben konnte/ was keiner geahnt haben durfte/das wird dann wieder/das gewesen sein/was keiner gewollt haben wollte/

Rolf Becker schreibt auch über persönliche Begegnungen mit Erich Fried in Bremen und einmal während eines gemeinsamen Fluges.

Der Band ist für Jung und Alt von Wert

Der Band ist m.E. für Ältere wie für Jüngere von Wert. Erstere erfahren aus den sozusagen im Pingpong aufeinander sich abwechselnden Textbeiträge des Autors und der Autorin des Buches im Rückblick, welcher auch Geschichte und geschichtlich markante Ereignisse – etwa die Vorgeschichte und das Entstehen sowie das terroristische Wirken der RAF, aber auch andere Geschehnisse – aufscheinen lassen. Was freilich auch für die Jüngeren einen (Er-)Kenntnisstand eröffnen kann.

Ebenfalls kann im besten Fall der Lyrik ein wenig zu mehr Aufmerksamkeit verholfen werden. Nicht nur der Erich Frieds, nebenbei bemerkt. Fried hat nicht nur bemerkenswerte politische Lyrik verfasst, sondern auch Liebesgedichte, in denen durchaus auch ein erotischer Hauch wabert und Funken sprüht.

Moshe Zuckermann findet, dass Susann Witt-Stahls letzter Textabschnitt (S.154, in welchem sie Fried als einen der „bedeutendsten Ideologiekritiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die deutsche (Literatur-)Geschichte eingehen“ sieht, „ein schönes Schlusswort“ sei, dass sie da formuliert habe. Witt-Stahl schließt: „Und nun gilt es, sein Schaffen lebendig zu halten, gegen seine Feinde und auch so manche ‚Freunde‘ zu verteidigen, zu aktualisieren und gegen die Verwerfungen des 21. Jahrhunderts scharf zu machen.“

Möge es so geschehen!

Zuckermann wiederum notiert (S.155) nach dem Zitat eines Gedichts, welches „Erich Fried 1983 anlässlich hundertsten Todestags von Karl Marx als sein eigenes Bekenntnis zum Marxismus beziehungsweise zur Emanzipation des Menschen im Marx’schen Sinne geschrieben hat und das so beginnt: Wenn ich zweifle/an dem/der gesagt hat/sein Lieblingsspruch sei/“Man muss an allem zweifeln“/dann folge ich: Es ist diese feste Gesinnung, die sich bei allem möglicherweise aufkommenden Zweifel angesichts des immerfort schlecht Bestehenden nicht abschrecken lässt und der historischen Mission des Ringens zum die Emanzipation unerbittlich die Treue wahrt. Sie lässt zwar Erich Fried als unzeitgemäß erscheinen. Aber dieser vermeintliche Anachronismus erweist ihn eben auch als unermüdlichen Träger der Wahrheit dessen, was redlichen Linken in der Geschichte immer schon als Auftrag galt: der Kampf gegen Entfremdung, der Kampf um die Freiheit des Menschen.“

Was noch bleibt? Kaufen! Lesen! Weitersagen!

Moshe Zuckermann, Susann Witt-Stahl

Gegen Entfremdung

Lyriker der Emanzipation und streitbarer Intellektueller. Gespräche über Erich Fried

Erscheinungstermin:12.04.2021
Seitenzahl:160
Ausstattung:Hardcover mit Schutzumschlag
Artikelnummer:9783864893216

Über Moshe Zuckermann

Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert. Im Westend Verlag erschien „Der allgegenwärtige Antisemit“ (2018) und „Wagner. Ein ewig deutsches Ärgernis“ (2020).

Moshe Zuckermann. Foto: C. Stille

Über Susann Witt-Stahl

Die Autorin lebt und arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Hamburg. Seit 2014 ist sie Chefredakteurin des Magazins für Gegenkultur Meldodie & Rhythmus. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Ideologiekritik des Neoliberalismus, der modernen Kriege, der Kulturindustrie sowie regressiver Tendenzen in der Linken. Dazu hat sich Bücher und Essays veröffentlicht.

Susann Witt-Stahl. Foto: C. Stille

#TagDerArbeit – steht auf für die Revolution, für das #Ökozidgesetz

#TagDerArbeit
Arbeiter:innen steht auf

Auf in den Kampf

Für die Revolution

Für das #Ökozid|gesetz

Für #Klima, für #Umweltgerechtigkeit

Für soziale Gerechtigkeit, global

Für internationale Solidarität


A luta continua!


PETER EMORINKEN-DONATUS, einer der „prägenden Stimmen“ der antikolonialen #Klimadebatte aus dem Süden und in der #Diaspora in Europa“ (#KlimaDeSol), kämpft seit mehr als 3 Jahrzehnten gegen den Ökozid durch #Shell im #NigerDelta, einem der übelsten Ökozid-Hotspots der Welt.

Peter Emorinken-Donatus. Foto: C. Stille

Die 75. Ruhrfestspiele Recklinghausen finden vom 1. Mai bis zum 20. Juni statt

Heute starten die nunmehr 75. Ruhrfestspiele Recklinghausen. Ein Jubiläum! Glanz, Glamour und festliche Atmosphäre wäre da zu erwarten. Wie einst alles begann:

„Kohle für Kunst – Kunst für Kohle“

Hier die Erinnerung an die Geschichte der Entstehung der Ruhrfestspiele unter dem Motto „Kohle für Kunst – Kunst für Kohle“. Im bitterkalten Winter 1946/47 halfen Kohlekumpel der Zechen König Ludwig Hamburger Theaterschaffenden solidarisch mit Kohle zur Beheizung ihrer Musentempel – an den Besatzungsmächten vorbei – aus. Dafür revanchierten sich Hamburger Theaterleute mit einem Gastspiel in Recklinghausen. Ohne diese Aktion existierten die Ruhrfestspiele nicht.

Im Vorjahr fielen die Ruhrfestspiele aus

Im vergangenen Jahr fielen die Ruhrfestspiele erstmalig in ihrer 74-jährigen Geschichte aus. Mussten ausfallen, wegen Corona, respektive den dagegen ergriffenen Maßnahmen. Intendant Olaf Kröck erklärte sich dazu und stellte das Veranstalten eines Herbstfestivals in Aussicht. Doch auch daraus wurde nichts. Das größte Theaterfestival Europas sollten 2020 also nicht stattfinden. Während die Salzburger Festspiele im Nachbarland Österreich mit Sicherheitskonzept stattfinden durften. Das verstehe wer will. Aber: Tempi passati …

Eröffnung digital

Nun, immerhin im 75. Jahr dürfen die Ruhrfestspiele stattfinden. Sie beginnen heute, am 1. Mai und gehen bis zum 20. Juni 2021. Traditionell beginnen sie mit dem Eintreffen des 1.Mai-Demo-Zuges auf dem Grünen Hügel am Festspielhaus. Dort werden die Eröffnungsreden gehalten. Danach findet ein großes Volksfest rund um das beeindruckende Festspielhaus statt. Mit Speis und Trank sowie mit musikalischen und künsterlischen Darbietungen für Jung und Alt – für die ganze Familie. Jedes Mal ein freudige Ereignis und eine perfekt Einstimmung auf das kommende Festival. Leider in diesem Jahr nur digital zu erleben.

Das Programm (leider sind schon einige Punkte entfallen) finden Sie, liebe Leserinnen und Leser hier.

Lesen Sie – so Sie mögen – hier einige meine ältere Berichte von und über die Ruhrfestspiele.

Beitragsbild (Archiv C. Stille): Ruhrfestpielhaus mit Henry-Moore-Skulptur