Benefizprojekt des Soroptimist International Clubs Dortmund hat Erfolg für die „Bunte Schule“. Großes Bild der „Bunten Schule“ hilft bei der Ausstattung des „Lernzimmers“

Die „Bunte Schule“ in der Dortmunder Nordstadt fördert seit Jahren mit Waldorfpädagogik viele Kinder mit Migrationshintergrund

und unterstützt dabei Integration und Verantwortungsgefühl der Kinder.

Unter Anleitung von ausgebildeten Pädagogen und Therapeuten treffen sich Kinder aus der Nachbarschaft, dem Dortmunder Norden,

nach ihrem Regelunterricht in den Räumen der „Bunten Schule“, um dort Hilfe bei den Hausaufgaben zu bekommen, zu spielen, zu musizieren,

Abgebildete Personen auf dem Foto: von links: Barbara Baier (SI), Jutta Siener (Bunte Schule), Beata Kulicki (SI), Veronika Nigge (Bunte Schule),
Sami Kbaier (Bunte Schule), Bettina Brökelschen (SI), Christian Fipper (Deutsche Bank), vorn Kinder der Bunten Schule. Fotos: Soroptimist International Club Dortmund

zu basteln, zu malen, etc.

Jedes Kind wird in seinen besonderen Fähigkeiten bestärkt, ermutigt und bei Schwächen gestützt.

Auch die Eltern werden mit einbezogen und beratend unterstützt.

Im Zusammenwirken mit dem Soroptimist International Club Dortmund und der Deutschen Bank hängt ein von den Kindern gemeinsam

gemaltes großes Bild im Foyer der Deutschen Bank an der Betenstrasse.

Die „Bunte Schule“ freut sich über jede Spende!

Diesmal kamen 4100,-Euro von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Deutschen Bank für die bessere Ausstattung des „Lernzimmers“.

Der Soroptimist International Club Dortmund unterstützt schon seit Jahren die Arbeit der „Bunten Schule“.

Mehr dazu finden Sie auch auf der Homepage: http://www.bunte-schule-dortmund.de

Beitragsbild: Ein von den Kindern gemeinsam gemaltes großes Bild

Petition: Schutz von Kunst und Kultur als Grundrecht im Grundgesetz verankern

Ohne Kunst und Kultur sähe unsere Gesellschaft anders aus. Nichtsdestotrotz mag es viele Menschen hierzulande geben, den Kunst und Kultur am Allerwertesten vorbeigehen. Womöglich meinen sie sogar Kunst und Kultur wären ganz und gar überflüssig. Dass sie dabei schwer irren, ahnen sie nicht. Sogar Politiker*innen entpuppen sich zuweilen als Kunstbanausen. Zumindest wenn sie ohne Sinn und Verstand mit dem Rotstift regieren. Allenfalls geben sich die selben Kunstbanausen als große Kunst- und Kulturfreund*innen, wenn sie sich im Abglanz großer Kulturveranstaltungen im Abendkleid und Smoking vor den auf sie gerichteten Kameras sonnen können.

Vor etlichen Jahren warnte der Schauspieler Armin Rohde auf einer Protestveranstaltung, die sich gegen eine von der Stadt geplante Theaterschließung (Rohde selbst war einst an dieser Bühne engagiert gewesen) richtete: Gehe der Kahlschlag gegen Kunst und Kultur so weiter und die Schließung von anderen gesellschaftsrelevanten Einrichtungen, würden die Menschen wohl alsbald mit Knüppeln wütend durch die Straßen rennen und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen (dazu etwas in meinem Beitrag). Was Rohde meinte: Kultur und Kunst sind für eine zivilisierte Form der Gesellschaft unabdingbar. Im weitesten Sinne auch dazu passend ist dieser Beitrag von mir.

Schauspieler Armin Rohde bei einem Protest gegen eine Theaterschließung in Wuppertal. Foto: Claus Stille

In einem Artikel der NachDenkSeiten von heute schreibt Frank Blenz:

„Brotlose Kunst. Dieser Begriff ist immer schon – auch vor Zeiten der Pandemie – als ironisch, sarkastisch gemeintes Mittel der Geringschätzung gegenüber Kultur- und Kunstschaffenden verwendet worden. In der Pandemie wird der Freud’sche Versprecher täglich schmerzhaft spürbar, denn als systemrelevant gelten Menschen der Muse eher nicht. Doch die Künstler sind wichtig, sagen sie, sie begehren auf und machen auf sich aufmerksam – wie zum Beispiel der Sänger Dirk Zöllner“

Hingewiesen wird auf die Petition „Kultur ins Grundgesetz“. Sie steht noch weniger als 15 Tage im Raum, es bedarf weiterer Stimmen, damit dieser Antrag überhaupt in der Politik thematisiert wird, findet der Künstler Dirk Zöllner (Sänger, Musiker, Komponist, Buchautor).

Zöllner auf seiner Internetseite:

„Ich bitte Euch darum, das Anliegen als meine Freunde und kulturvolle Menschen zu unterstützen und zu verbreiten.“

Die NachDenkSeiten weiter:

„Der Berliner Künstler Dirk Zöllner schreibt das auf seinen Internetseiten und wirbt um Unterschriften, damit die Kunst nicht als brotlos für alle Zeit belächelt werden kann. Er tut es nicht allein, viele seiner Kollegen sind im Boot. Dirk Zöllner ist Sänger, Musiker, Komponist, Buchautor, ein Lebensfreudiger, Hungriger, Zweifelnder, der in diesen Monaten (es wird nebenbei im Februar ein Jahr mit Corona und der Katastrophe drumherum) kraftvoll und öffentlich seinen Fans die Hoch und Tiefs seines Seelenzustandes offenbart. Gerade kämpfen Zöllner und viele seine Kollegen trotz allem noch mehr als sonst. Allein – ihr Engagement, ihre Wortmeldungen finden wenig Platz im Mainstream.“

DIRK ZÖLLNER | Ein Aufruf an die Entscheidungsträger

Dirk Zöllner über die aktuelle Situation der Soloselbständigen in der Kultur- und Veranstaltungsbranche.

„Der deutsche Otto-Normal-Musiker lebt ausschließlich von den engen schwitzenden Konzertbegegnungen. Leider geht die Heimat mit ihren freien Künstlern stiefmütterlich um. Eine Reflexion in den öffentlich-rechtlichen Sendern würde schon genügen, den alternativen Künsten ein subventionsfreies Überleben in Krisenzeiten zu ermöglichen.“

Aus der Petition

Die Freiheit der Kunst wird unter Artikel 5 Abs. 3 des Grundgesetzes geschützt und stellt damit ein Grundrecht dar. Doch Kunst und Kultur können nur frei sein und ihre gesellschaftliche Aufgabe erfüllen, wenn ihnen die dafür notwendige Achtung und Akzeptanz auf bundespolitischer Ebene entgegengebracht wird. Bislang wird die Kulturförderung in weiten Teilen als freiwillige Aufgabe der Länder und Kommunen betrachtet. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass der Stellenwert von Kunst und Kultur als ein kollektives gesellschaftliches Interesse grundrechtlich geschützt werden muss. Dies beinhaltet nicht nur den Schutz unseres kulturellen Erbes, sondern auch die Förderung der kulturellen Landschaft in ihrer ganzen Vielfalt.

Kunst und Kultur existieren nicht um ihrer selbst willen, sondern brauchen und suchen den Dialog mit der Bevölkerung, dem Publikum. Jeder Mensch – ungeachtet seiner Lebenssituation oder seiner finanziellen Bedingungen – hat einen Anspruch auf kulturelle Teilhabe. Und obwohl dieses Menschenrecht in der UN-Charta verbrieft ist – zu deren Unterzeichnern die Bundesrepublik Deutschland gehört – sind wir von der Schaffung der dafür notwendigen Chancengleichheit noch sehr weit entfernt.
 

Wir fordern:

  • Den Schutz von Kunst und Kultur als Grundrecht im Grundgesetz zu verankern.
  • Das Recht auf unbeschränkte Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger am kulturellen Leben und an kultureller Bildung als Grundrecht im Grundgesetz zu verankern.
  • Langfristige stabile Sicherungsinstrumente für Kunst- und Kulturschaffende zu etablieren sowie ein auf sie zugeschnittenes gesetzliches Regelwerk zu schaffen, das sie vor unverschuldeten Verdienstausfällen schützt.

Alle drei Forderungen sind aus unserer Sicht Obliegenheiten des Staates sowie der gesellschaftlichen Kräfte

Von der darstellenden Kunst über Musik, Literatur, bildende und performative Kunst, Film- und Medienkunst bis hin zur Soziokultur produzieren ALLE Kunstformen mehr als bloßes Vergnügen. Kultur leistet seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte in all ihren Ausprägungen einen elementaren Beitrag zur gesellschaftspolitischen Bildung. Sie vermag Gemeinsinn zu stiften und einen Zusammenhalt zu erzeugen. Sie verbindet Menschen, unabhängig ihres Alters, Geschlechts oder ethnischer und sozialer Herkunft und trägt damit wesentlich zum Erhalt sowie der Entwicklung unserer pluralistischen und friedlichen Gesellschaft bei. Sie liefert vielfältige Impulse und Denkanstöße zur Willens- und Persönlichkeitsbildung, sie transportiert Wissen und sie fungiert gleichermaßen als Bewahrerin ideeller Güter wie auch als visionäre Gestalterin.

All dies leistet Kultur mit einem Verständnis, das aus ihr selbst erwächst. Ihr Wert lässt sich durch nichts ersetzen und sie ist zweifellos ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft.

Sie verdient daher einen langfristigen und nachhaltigen Schutz. Gleiches gilt für den uneingeschränkten Zugang der Bevölkerung zu Kunst und Kultur.

Zur Petition.

Empfehlung: Bitte, liebe Leser*innen, unterstützen sie diese Petition.

Beitragsbild: via Theater Dortmund/Oper; Twitter

„Jüdisches Leben in New York“. Ausdrucksstarke Bilder von Bettina Brökelschen in der „Alten Schmiede“ in Dortmund

Erfreulich viele Besucher*innen kamen am vergangenen Sonntag zur Eröffnung der Ausstellung „Jüdisches Leben in New York“ der bekannten Dortmunder Künstlerin Bettina Brökelschen ins Kulturzentrum „Alte Schmiede“ in Huckarde. In einer Videobotschaft nannte Oberbürgermeister Ullrich Sierau die Bilder der Künstlerin „farbenprächtig, kraftvoll“ und eine „fantastische Arbeit“. Sie greife „in besonderer Weise Themen auf, die man früher nicht beachtet hat“ und sei „eine Brückenbauerin zwischen dem Leben und uns durch ihre Bilder“. Brökelschen habe mit ihren Arbeiten ihren Respekt vor dem jüdischen Leben nicht nur in New York sondern auch dem Dortmund zum Ausdruck gebrach. Während eines Rundganges durch die Exposition wurde an jeden einzelnen Bild Halt gemacht und die jeweils dazu im Ausstellungskatalog geschriebenen Texte zu Gehör gebracht. Die ausdrucksstarken Bilder werden einen Monat gezeigt. Die Künstlerin hat sie der Jüdischen Gemeinde Dortmund geschenkt. Wolfgang Polak Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde Dortmund lobte die Hingezogenheit der Künstlerin zum Judentum und versprach, die Bilder würden in der Jüdischen Gemeinde an exponierter Stelle dauerhaft gehängt werden.

Die Künsterlin Bettina Bröckelschen. Foto: Claus Stille
Von links: Tirzah Haase, Matthias Rothenberg, Wolfgang Polak, Bettina Brökelschen, Gerhard Hendler und Jörg Stüdemann. Fotos: Claus Stille

Gerhard Hendler, Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Huckarder Vereine und die Künstlerin Bettina Brökelschen begrüßten die zahlreich erschienen Gäste im Kulturzentrum „Alte Schmiede“, einer ehemaligen Werkstatt der Zeche Hansa, in Huckarde mit einem „Herzlichen Gück auf!“. Bettina Brökelschen bedankte sich bei denen, „die geholfen haben den Katalog zu etwas ganze Besonderen zu machen, indem sie eine Interpretation, eine Geschichte oder ein Gedicht“ zu einzelnen Bildern geschrieben haben. Musikalisch wurde die Ausstelleröffnung bestens von Matthias Rothenberg (Gittare/Gesang) begleitet. Den Musiker hatte Bettina Brökelschen zufällig kennegelernt.

Matthias Rothenberg.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann: Die Arbeiten von Bettina Brökelschen sind warmherzig und voller Empathie gemalt

Kulturdezernent und Stadtdirektor Jörg Stüdemann bezeichnete Bettina Brökelschen als eine „feste Instanz im Dortmunder Kulturleben“ schon über viele Jahre lang. Die Künstlerin zeichne „eine spezifische Art zu malen“ aus. Manchmal, so Stüdemann, habe er gedacht, der Stil müsste aus der afrikanischen Kunstszene, der „art populaire“, herrühren. Ein großes Bild in diesem Stil könne man sich in der Innenstadt von Brüssel anschauen. Diese Malkunst erinnere ihn an Arbeiten von Brökelschen. Deren Kunst sei überwiegend eine gegenständliche Kunst, die die Malerin unverwechselbar mache. Es sei ein „erzählender Stil“ – man lerne und erfahre etwas und werde angeregt sich mit einem Thema auseinanderzusetzen; „Die Bilder sind bunt, sie sind vital, sie haben oft eine zeichnerische Kontur und ein sehr sehr starkes Kolorit.“

Besonders zeichne die Arbeiten von Bettina Brökelschen aus, dass sie sehr warmherzig seien und voller Empathie gemalt würden, unterstrich der Kulturdezernent.

Brökelschen verstehe Kunst nicht als einfache Illustration, nicht „nur Dekoration und Lebensbegleitung in der ein oder anderen charmanten Form“, sondern ihr gehe es um etwas. In diesem Sinne habe sie sich in viele soziale Projekte eingebracht. Stüdemann nannte einige: „bei der Mitternachtsmission, Projekten von Frauen gegen Genitalverstümmelung, für Kinder, für unser bunte Stadt oder für die AIDS-Hilfe.“ Kunst sei für die Künstlerin für sie auch in mehrerer Hinsicht eine Art von Therapie, natürlich auch für einen selbst. Was in ihrem Fall ganz besonders stimme, da sie therapeutisch – künstlerisch tätig sei. Die große Vision von Bettina Brökelschen sei die Idee, dass man die Gesellschaft, die Stadt humanisieren könne mithilfe und über die Kunst. Ihre Kunst werde stets in einem sozialen Zusammenhang und in einen Auftrag gestellt, was als „ein sehr ethisches Anliegen“ bezeichnet werden könne.

Jörg Stüdemann sprach davon, dass ihn bei seinen Besuchen in New York, speziell in Brooklyn, das große Spektrum jüdischen Leben sehr beeindruckt habe. Immerhin lebten in New York über zwei Millionen Menschen jüdischer Herkunft, jüdischer Kultur und jüdischer Religion in einer großen Vielgestaltigkeit. Außergewöhnlich sei erst recht das Leben in Brooklyn und dem Stadtteil Williamsburg mit einer ganz anderen Facette jüdischen Lebens. All das habe die Künstlerin in Ausschnitten sehr treffend abgebildet. Stüdemann zeigt hoch erfreut darüber, dass Bettina Brökelschens Bilder künftig in der jüdischen Gemeinde eine Heimat fänden. Spätestens könnten sie dort ausgestellt werden, wenn die jüdische Grundschule in der Nähe der Berswordt-Schule und der Franziskus-Schule gebaut sei, was er für 2022/2023 in Aussicht stellte. Die Bilder würden gewiss, meinte der Stadtdirektor, auch dazu anregen, mit jüdischen Menschen in der Stadt ins Gespräch zu kommen.

Die Schauspielerin Tirzah Haase über ihre Freundschaft zu Bettina Brökelschen unter der Rubrik „K & K, wie Kunst und Krankheit“

Die Schauspielerin Tirzah Haase stellte sich als Freundin von Bettina Brökelschen vor. Sie rubrifizierte diese unter „K & K, wie Kunst und Krankheit“. Dass das auch eine Verbindung schaffen kann, eine Freundschaft entstehen lassen könne, erzählte die engagierte Schauspielerin. Drei explizite Daten gab sie, verpackt in drei Akten, dazu, wo und wie sich die beiden Frauen kennengelernt hatten. Bei der Aktion „Weibsbilder“ im Jahre 2000 etwa im Rathaus. Später sah man sich bei anderer Gelegenheit abermals. Bettina Brökelschen schenkte der Schauspielerin ein Bild, das sie aussuchen sollte und sich dann eines mit dem Titel „Das Kind im Manne“ auswählte. Tirzah Haase besuchte die Künstlerin zuhause. Die Künstlerin erzählte ihr dann von einer Brustkrebserkrankung, die sie von 2005 auf 2006 gehabt hatte. 2008 hatte ein freundschaftliches Verhältnis zum Johannes-Hospital und zu Chefarzt Dr. Kunz. Haase schlug seinerzeit eine Benefiz-Veranstaltung der Palliativstation im Krankenhaus zu machen. Tirzah Haase gab ein Konzert. Bettina Brökelschen stellte Bilder aus. Zwei Monate später, erzählte Tirzah Haase – kurzzeitig abermals von den Gefühlen von damals tief ergriffen – sei bei ihr Brustkrebs diagnostiziert worden. Bei einem weiteren Gespräch im Hause Brökelschen habe die Künstlerin ihr aus ihrem Leben erzählt. Da habe die Schauspielerin Bettina Brökelschen als wirkliches Weibsbild erlebt. Und nochmals seien sie dann 2009 zusammengetroffen. Ein vierte Akt also noch. Kurz vor der OP von Tirzah Haase. Bettina Brökelschen machte wieder eine Ausstellung und hatte sie mit Ehemann eingeladen. Das habe Tirzah Haase Mut gemacht. Und soweit sei auch alles schließlich in Ordnung gekommen. Seitdem hätten beide Frauen viele Veranstaltungen zusammen gemacht.

Tirzah Haase schenkt ihrer Freundin Bettina Brökelschen ein Buch.

Interessante Exkursion durch die Ausstellung mit jeweils einem ganz besonderen Blick auf jedes einzelne Bild mit textlicher Ergänzung

Für alle Besucher*innen schloss sich dem offiziellen Teil eine interessante Exkursion mit ganz besonderen Augenblicke an. Vor jedem Bild der Künstlerin wurde in Gruppen Station gemacht. Und diejenigen, welche zu den jeweiligen Bildern Texte oder Gedichte verfasst hatten – sie sind neben denen im Katalog abgedruckt – lasen diese vor. Waren einzelne Autoren nicht da, übernahm Tirzah Haase diese Aufgabe. So stellte sich zu den einzelnen Bildern noch einmal eine ganz besondere Verbindung her bzw. wurden Besucher*innen der Ausstellung interessante zu Gedanken angeregt. Der Kommunalpolitikers Friedrich Fuß, der einen Text zu Bettina Brökelschens Porträt von Benno Elkan (geb. am 2.12.1877 in Dortmund, gest. am 10.1.1960 in London) geschrieben hatte, las seinen Text persönlich. Fuß, erzählte übrigens, dass er ein Kunstwerk von Benno Elkan besitze. Es könne auf Anfrage bei ihm zuhause besichtigt werden. Elkan ist Mitbegründer des ersten Fußballvereins Dortmund (1995) sowie des Fußballvereins Bayern München. Nach ihm ist die Benno-Elkan-Allee in der Stadtmitte am Dortmunder U benannt. Ein Kunstwerk von Elkan kann man virtuell via Smartphone oder Tablet dort im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte betrachten. Friedrich Fuß äußerte die an die Stadt Dortmund gerichtete Hoffnung, dass das Kunstwerk in naher Zukunft einmal in Bronze gegossen werde, um dann ausgestellt zu werden. Von Elkan stammt übrigens die große Menora vor der Knesset (dem israelischen Parlament) in Jerusalem.

Philosoph und Theologe Prof. Dr. Franco Rest spricht über das Bild, für welches er seinen Text schrieb.
Tirza Haase am Hochzeitsbild.
Lehrerin Beate Marschke schrieb den Text zu diesem Bild.
Friedrichh Fuß am Porträt von Benno Elkan (Bild links).

Das neue Projekt „Jüdisches Leben in New York“ ist durch eine Freundin von Bettina Bröckelschen entstanden, die sie in Brooklyn im jüdisch-orthodoxen Viertel besuchen durfte. Die Vielfalt und Andersartigkeit der dortigen Bewohner weckten in Bettina Brökelschen den Wunsch, darüber mehr zu erfahren und zu malen.

Die Ausstellung wird ab dem 18. Oktober 2020 für einen Monat gezeigt und kann
freitags von 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr und nach telefonischer Absprache (Mobil: 01731933459) besichtigt werden.

Dazu dieser Film:

Dortmunder Malerin Bettina Brökelschen mit Ausstellung „Jüdisches Leben in New York“ im Kulturzentrum „Alte Schmiede“

Die Ausstellung „Jüdisches Leben in New York“ mit Werken der Dortmunder Malerin Bettina Brökelschen wird am Sonntag, 18.10.2020 um 15 Uhr, im Kulturzentrum Alte Schmiede in Dortmund-Huckarde eröffnet.
Kulturdezernent Jörg Stüdemann spricht die einführenden Worte. Ein Grußwort des Oberbürgermeisters Ullrich Sierau wird digital vor Ort zur Verfügung gestellt.
Die Schauspielerin Tirzah Haase wird etwas über das erste Kennenlernen mit der Künstlerin berichten.

Die Ausstellung wird ab dem 18.10.2020 für einen Monat gezeigt und kann
freitags von 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr und nach telefonischer Absprache unter
Mobil: 01731933459  besichtigt werden.


Kulturzentrum Alte Schmiede (im Gewerbepark “Hansa”) – Hülshof 32, 44369 Dortmund

Bettina Brökelschen zur Ausstellung


„Diese Ausstellung habe ich 2 Jahre lang erarbeitet, um zu lernen und mich darüber mit anderen Menschen auszutauschen. Das Thema “Jüdisches Leben” begleitet mich schon seit meiner Schulzeit und wie viele andere habe ich auch jüdische Freund*innen und Bekannte. Dennoch habe ich mich meines Erachtens bisher viel zu wenig mit dem Thema auseinander-gesetzt. Das möchte ich nun ändern. Gemeinsam mit einer Freundin aus Brooklyn habe ich die Idee zu dieser Ausstellung entwickelt. Wir glauben, der beste Weg zu einem friedlichen Miteinander ist der, sich gegenseitig kennen zu lernen und so einander immer besser zu verstehen. Ich wünsche mir, dass die Bilder nicht auseinandergerissen werden, sondern später an einem Ort dauerhaft zu sehen sind. Deshalb habe ich sie der Jüdischen Gemeinde in Dortmund geschenkt.“

Jutta Geißler-Hehlke, Vorsitzende des Fördervereins der Dortmunder Mitternachtsmission e.V., zur Person der Künstlerin und ihrem Projekt:

Endlich wieder eine wichtige Ausstellung von Bettina Brökelschen, der weit über Dortmund bekannten und von vielen unterschiedlichen Menschen geliebten und bewunderten Künstlerin.

Ihre Beliebtheit kommt durch ihre Empathie, ihre Zuwendung zu den Menschen und ihre Kunst, mit Pinsel und Farbe, Kohle, Buntstiften und vielen anderen Materialien ihre und die Gefühle anderer auszudrücken. So können jeder und jede sich mit unterschiedlichen Kunstwerken identifizieren und sich dort zu Hause fühlen oder infrage stellen.

Sie hat sich besonders stark und ohne Honorar mit ihren Werken für Randgruppen eingesetzt. In den neunziger Jahren z.B. mit einem Malprojekt mit Kindern aus der Nordstadt, in Kunstaktionen für die Obdachlosenhilfe. In „DO-bunt“, der Name war Programm, hat sie Künstler aufgerufen, Bilder zu malen von Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen, Religionen und Hautfarben,- respektvoll und ohne Ausgrenzungen.

Aus diesen Überzeugungen beteiligte sie sich auch für den Förderverein der Dortmunder Mitternachtsmission e.V. an den Versteigerungen „MissionArt“ 1 +2 und stellte in der Stadtkirche St. Petri „Menschen in der Linienstraße“ aus, um die Besucher für die Gefühle und Situation von Prostituierten zu sensibilisieren.

Sie kuratierte eine Ausstellung mit 61 Künstlern für die AIDS-Hilfe, der Erlös diente dazu, die Einrichtung des „Café Plus“ zu unterstützen und sie entwarf ehrenamtlich Grußkarten und Tassen für unterschiedliche Einrichtungen.“

Fotos/Gemälde: Bettina Brökelschen, Ausstellungskatalog

PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL offiziell als Verein gegründet. Anliegen: Sensibilisierung für Sklaverei und Kolonialismus. Forderung: Reparationen und Rückführung von Raubkunst

Journalist Peter Donatus. Foto: C. Stille

Ein historischer Tag war dieser 25. September 2020 im Bürgerzentrum Köln-Ehrenfeld. Der Verein PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL wurde offiziell gegründet. Das Bündnis ist bereits seit Juli dieses Jahre aktiv. Es hat schon mehrere interessante und bemerkenswerte Events veranstaltet (ich berichtete hier und hier) und gewiss auch schon etwas bewirkt. Mindestens haben diese Veranstaltungen schon einmal für ein Mehr an Information sowie ein Aufrütteln betreffs der Anliegen von PAY DAY AFRICA INERNATIONAL gesorgt.

Peter Donatus nennt diese Anliegen:

Pay Day Africa – diese neue internationale Bewegung ist in Köln entstanden und setzt sich vordringlich ein für die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Sklaverei, Kolonialismus, koloniale Kontinuität und systemischer Rassismus aber auch für Reparationen und Rückführung aller gestohlenen Kunstgegenstände aus Afrika wie zum Beispiel die 97 geraubten Kunstgegenstände des Königreiches Benin (Nigeria) die im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum gebunkert sind. Die wollen wir zurückhaben.“

Die Gründungsversammlung des neuen Vereins wählte einen 9-köpfigen Arbeitsvorstand:

1.Peter Emorinken-Donatus [Vorstandsvorsitzender]

2. Yvonne Müller [Stellvertretende Vorsitzende]

3. Ama Opoku-Rosenkranz [Generalsekretärin]

4. Viatonou Gbènato Rodrique [Stellvertretender Generalsekretär]

5. Lucky Aghedo [Projekt-Direktor]

6. Mirta Junco Wambrug [Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit]

7. Olabisi Olajide [Direktorin für Kinder, Jugend und Kulturvermittlung]

8. Delali Adjano-Wegmann [Direktorin für Genderspezifische Themen]

9. Martina Thomas [Schatzmeisterin]

Wir danken Euch allen für die bisherige Zusammenarbeit bzw. Unterstützung und freuen uns sehr auf zukünftige Kooperationen.

WE SHALL OVERCOME!

PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL – Bilder-Eindrücke der Gründungsversammlung [Köln, 25. Sept. 2020]

#ReparationsNow

#BringBackOurTreasures

#WoIstVorne

#DieHeilungDerWunden

Pay Day Africa fordert Rückgabe von kolonialer Raubkunst. Mahnwache in Köln trägt offenbar Früchte: Museumsdirektorin Nanette Snoep sprach von einem „historischen Tag“ und will einen Dialog ermöglichen

Das zweitägige, von Pay Day Africa 2020 initierte Event anlässlich des Welttags gegen Sklaverei am 22. & 23.August 2020 (hier mein Bericht vom ersten Tag) in Köln war ein Erfolg. Weshalb es die neue internationale Bewegung PAY DAY AFRICA zu weiteren Aktionen inspirierte. Im Rahmen des diesjährigen Akwaaba-Festivals 2020 veranstaltete Pay Day Africa am vergangenen Samstag zunächst eine Mahnwache vor dem Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum, um für die bedingungslose Rückführung kolonialer Raubkunst aus dem Museum zu protestieren.
In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden – wie es Serge Palasie (Eine Welt Netz NRW) letzten Samstag vor dem Rautenstrauch-Joest-

Museum in Köln tat -, dass das Deutsche Reich den ersten großen Völkermord in seiner afrikanischen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) an den Herero und den Nama zu verantworten hat. Die Angehörigen von deutschem Militär ermordeter Menschen waren gezwungen worden, die Schädel der Toten auszukochen. Sie wurden dann nach Deutschland verbracht und pseudowissenschaftlichen Tests unterzogen. Diese sollte beweisen, dass Afrikaner Europäern in jeder Hinsicht unterlegen seien.
Noch heute lagern in bundesdeutschen Museen Gebeine afrikanischer Ahnen der heute dort lebenden Menschen
Derzeit bis zu 97 Raubkunstobjekte aus dem Königreich Benin im Kölner Rautenstrauch-Joest Museum?
Aktuell sollen bis zu 97 Raubkunstobjekte aus dem uralten Königreich Benin im heutigen Nigeria im Besitz des Kölner Museums lagern. Auf der Homepage des 2012 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichneten Rautenstrauch-Joest-Museums ist u. a. zu lesen:

Wichtige Teile der frühen Afrika-Sammlung stellen wertvolle Metall- und Elfenbeinobjekte aus dem Königtum Benin im heutigen Nigeria dar. Sie wurden von der Familie Rautenstrauch in London erworben, nachdem eine englische Strafexpedition 1897 Benin geplündert hatte und man durch den Verkauf der erbeuteten Metall- und Elfenbeinobjekte die Kosten der Militäraktion abdecken wollte.“ (hier mehr)

Tatsächlich hatten die Briten 1897 das historische Königreich Benin überfallen, geplündert und in Brand gesetzt. Bei dieser Invasion der Briten wurde der König, Oba Ovonramwen, festgenommen, entmachtet, entwürdigt und nach Calabar (auch im Niger-Delta Nigerias) abgeschoben. Er starb dort im Exil.
Eli Abeke Batemona Bündnis Africa 14

Hehlerei ist strafbar!
Bis zu 6.500 Kunstschätze der Benins, auch religiöse Objekte, wurden gestohlen und befinden sich immer noch in zahlreichen Museen in Groß-Britannien, Deutschland, den USA und anderen Teilen der Welt, unter anderen auch im Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln. Nach §259 des deutschen Strafgesetzbuchs ist Hehlerei – selbst der Versuch – strafbar:

Wer eine Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat, ankauft oder sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder absetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Köln ist multikulturell, weltoffen und antirassistisch – „kein Veedel für Rassismus!“ Die noch andauernde Beschlagnahmung unrechtmäßig erworbener fremder Eigentürmer im Rautenstrauch-Joest-Museum widerspricht ganz klar diesem Image der modernen weltoffenen Domstadt.
Peter Donatus „Menschen werden abgeschoben, aber die Kunst wollt ihr behalten?“

Peter Donatus vom Bündnis Pay Day Africa machte in seiner emotionalen Rede darauf aufmerksam, dass die Weißen, die afrikanische Reiche unterwarfen zu dieser Zeit selbst noch in der Barbarei lebten. Und sich in Afrika über zivilisatorische Fortschritte – über die sie seinerzeit selbst nicht verfügten – erstaunt zeigten.
Das Bündnis Pay Day Africa fordert:
Die bedingungslose Rückführung der Raubkunstobjekte aus Benin (Nigeria) sowie die Rückführung aller anderer kolonialen Raubbeute aus Afrika.
Die Errichtung moderner Museen mit Einbruchdiebstahlschutz in Benin City und anderen Orten Afrikas – dies ist nicht als sogenannte „Entwicklungshilfe!“, sondern als Ansprüche auf RESTITUTION anzusehen.
Einen Runden Tisch zur Aufarbeitung des kolonialen Erbe Kölns.
Des Weiteren startet Pay Day Africa demnächst diesbezüglich eine Online-Petition sowie eine Petition beim Kölner Stadtrat.
Nanette Snoep, Direktorin des Museums nannte diesen Tag historisch!

Offenbar tut sich etwas Vielversprechendes in Köln. Die Museumsdirektorin Nanette Snoep zeigte Verständnis für die Anliegen der Teilnehmer der Mahnwache. Sie versprach am Samstag in einen Dialog mit Pay Day Africa auf Augenhöhe einzutreten. Anscheinend rückt die Einrichtung eines Runden Tischs nach der erfreulichen Erklärung der Museumsdirektorin nun näher.
Olabisi Olusoga „When black lives matter?“ (Englisch)

Bündnis Pay Day Africa fordert: Die bedingungslose Rückführung der Raubkunstobjekte aus Benin (Nigeria) sowie die Rückführung (#BringBackOurTreasures) aller anderer kolonialen Raubbeute aus Afrika. Aktion vorm Rautenstrauch-Joest-Museum am kommenden Samstag in Köln
Hinweis 1: Pay Day Africa ist in Social Media vertreten: Facebook, Instagram, Twitter, YouTube

Hinweis 2: Da ich am Samstag nicht selbst in Köln sein konnte, entstand dieser Beitrag nach Informationen und Videos von Pay Day Africa. Danke dafür!

Update am 24.9.2020: Video-Botschaft von Dr. Karamba Diaby (MdB, SPD) aus Halle

Pay Day Africa fordert: Die bedingungslose Rückführung der Raubkunstobjekte aus Benin (Nigeria) sowie die Rückführung aller anderer kolonialen Raubbeute aus Afrika. Aktion vorm Rautenstrauch-Joest-Museum am kommenden Samstag in Köln

Das Bündnis Pay Day Africa meldet: „Es geht weiter!“

Nach dem gelungenen zweitägigen Event anlässlich des Welttags gegen Sklaverei am 22. & 23.August 2020 (hier mein Bericht vom ersten Tag) geht die neue internationale Bewegung PAY DAY AFRICA in die nächsten Phasen. Im Rahmen des diesjährigen Akwaaba-Festivals 2020 veranstaltet Pay Day Africa eine Mahnwache vor dem Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum, um für die bedingungslose Rückführung kolonialer Raubkunst aus dem Museum zu protestieren.

Das Akwaaba-Festival 2020

Das Akwaaba-Festival 2020 selbst wird durch ein Kooperationsbündnis veranstaltet:

Bündnis14 Afrika, Pamoja Afrika e.V., Awernes, Volkshochschule Köln, Rautenstrauch-Joest-Museum Köln und DTVK e.V.

Aktuell sollen bis zu 97 Raubkunstobjekte aus dem uralten Königreich Benin im heutigen Nigeria im Besitz des Kölner Museums sein. Auf der Homepage des 2012 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichneten Rautenstrauch-Joest-Museums ist u. a. zu lesen:

Wichtige Teile der frühen Afrika-Sammlung stellen wertvolle Metall- und Elfenbeinobjekte aus dem Königtum Benin im heutigen Nigeria dar. Sie wurden von der Familie Rautenstrauch in London erworben, nachdem eine englische Strafexpedition 1897 Benin geplündert hatte und man durch den Verkauf der erbeuteten Metall- und Elfenbeinobjekte die Kosten der Militäraktion abdecken wollte.“ (hier mehr)

Tatsächlich hatten die Briten 1897 das historische Königreich Benin überfallen, geplündert und in Brand gesetzt. Bei dieser Invasion der Briten wurde der König, Oba Ovonramwen, festgenommen, entmachtet, entwürdigt und nach Calabar (auch im Niger-Delta Nigerias) abgeschoben. Er starb dort im Exil.

Bis zu 6.500 Kunstschätze der Benins, auch religiöse Objekte, wurden gestohlen und befinden sich immer noch in zahlreichen Museen in Groß-Britannien, Deutschland, den USA und anderen Teilen der Welt, unter anderen auch im Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln. Nach §259 des deutschen Strafgesetzbuchs ist Hehlerei – selbst der Versuch – strafbar:

Wer eine Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat, ankauft oder sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder absetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Köln ist multikulturell, weltoffen und antirassistisch – „kein Veedel für Rassismus!“ Die noch andauernde Beschlagnahmung unrechtmäßig erworbener fremder Eigentürmer im Rautenstrauch-Joest-Museum widerspricht ganz klar diesem Image der modernen weltoffenen Domstadt.

Daher fordert Bündnis Pay Day Africa:

Die bedingungslose Rückführung der Raubkunstobjekte aus Benin (Nigeria) sowie die Rückführung aller anderer kolonialen Raubbeute aus Afrika.

Die Errichtung moderner Museen mit Einbruchdiebstahlschutz in Benin City und anderen Orten Afrikas – dies ist nicht als sogenannte „Entwicklungshilfe!“, sondern als Ansprüche auf RESTITUTION anzusehen.

Einen Runden Tisch zur Aufarbeitung des kolonialen Erbe Kölns.

Des Weiteren startet Pay Day Africa demnächst diesbezüglich eine Online-Petition sowie eine Petition beim Kölner Stadtrat.

Information: Pay Day Africa ist in Social Media vertreten: Facebook, Instagram, Twitter, YouTube

Mahnwache zur Rückführung kolonialer Raubkunst vor dem Rautenstrauch-Joest-Museum

Datum: 12. September, 2020

Uhrzeit: 10:00 – 12:00 Uhr

Ort: Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcillienstrasse 29-33, 50676 Köln

Quelle: Pressemitteilung Bündnis Pay Day Africa Köln

Pay Day Africa zu Besuch bei „Köln stellt sich quer“: “ I have a Dream“ Kundgebung am Neumarkt. Die Veranstaltung war am 28.08.20 und es ging um Rassismus. Es spricht Peter Donatus

 

Zu Gast bei Keuninghaus to go: Die neue Intendantin des Schauspiels Dortmund, Julia Wissert

Für Stammgäste vom „Talk im DKH“ wie mich – einer im Laufe der Zeit immer beliebter gewordenen Veranstaltungsreihe des Dortmunder Dietrich-

Autor Aladin El-Mafaalani im Gespräch mit Julia Wissert. Archivbild: Claus Stille

Keuning-Hauses, ist es schmerzlich, dass der Talk aufgrund der Corona-Krise derzeit mit Publikum nicht durchführbar ist. Aber immerhin hatten die Veranstalter die Idee „Keuninghaus to go“ online anzubieten.

Diesmal zu Gast die Regisseurin und neue Intendantin des Dortmunder Schauspielhauses, Julia Wissert. Sie ist die Nachfolgerin von Kay Voges, der

Moderatorin Julia Wissert beim Talk im DKH. Archivbild: Claus Stille

zum Direktor des Volkstheaters Wien berufen wurde und kürzlich verabschiedet worden war.

Wirklich eines der interessantesten Gespräch bisher. Moderator Aladin El Mafaalani sprach mit Julia Wissert über die Erfahrungen einer PoC (Person of Colour) und eines Arbeiterkindes auf dem Weg zur Intendantin, über ihr erstes Mal in der „Gelben Wand“ bei BVB, über Rassismus und Möglichkeiten, ihn im Theater zu thematisieren.

Wissert erzählt, dass sie eigentlich nur zum Theater gekommen sei, weil man sie in der Straßenbahn angesprochen und gefragt hatte, ob sie eine Regie-Hospitanz am Theater machen wolle …

Ein interessantes Gespräch, wie bereits angemerkt. Meinen Leser*innen unbedingt empfohlen!

Quelle: Keuninghaus to go/You Tube/Kamera & Postproduktion: Dennis Treu Sascha Bisley

In memoriam Christo – Gestern starb der Verpackungskünstler 84-jährig in New York City. Unvergessen: das Weltkunstwerk „Wrapped Reichstag“

Viele wichtige Persönlichkeiten verstarben in letzter Zeit. Heute am Frühstückstisch die nächste traurige Nachricht: Der Verpackungskünstler Christo (Christo Wladimirow Jawaschew) verstarb gestern, am 31. Mai 2020, in New York City, wo er 56 Jahre gelebt hatte. Das hatte sein Büro via Presseerklärung mitgeteilt. Christo, der die bulgarische sowie die US-Staatsbürgerschaft besaß, wurde 84 Jahre alt. Er verstarb kurz vor seinem 85. Geburtstag. Seine Frau Jeanne-Claude hatte uns schon im Jahre 2009 verlassen.

Der von Christo verhüllte Reichstag. Fotos (7): Claus Stille

Noch während der Todesmeldung kam mir das vergrößerte Foto des von Christo verhüllten Reichstags in den Sinn, das bei uns im Flur hängt. Es zeigt den verhüllten Reichstag (siehe Beitragsbild) kurz vor einem aufziehenden Gewitter. Ich erinnere mich noch genau: Rasch stellte ich mich mit anderen Leuten am Brandenburger Tor unter, um das Ende des Unwetters abzuwarten. Dicht gepresst stand ich an einer der Säulen – ein kleiner Hund schmiegte sich verängstigt an mein Bein.

Unheimlich – ja fast unwirklich – sah der verhüllte Reichstag vor und während des Gewitters aus. Das zur Verhüllung verwendete Material wirkte nahezu zu jeder Tages- und Nachtzeit frappierend anders. Je nachdem und von wo welches Licht darauf fiel. Beziehungsweise von welcher Stelle der Betrachter auf ihn schaute. Das vollständige Gebäude war mit aluminiumbedampftem Polypropylengewebe verhüllt worden.

Ein mir unvergessliches Erlebnis. Dazu das bunte Treiben um den Reichstag! Händler, die Uniformmützen der Roten Armee und der NVA feilboten, dazu Mauerstücke. Nebendran die unterschiedlichsten Performances. Ungezwungen kam man mit Menschen ins Gespräch – interessant! Es wurde diskutiert. Und gestaunt.

Wochenlang – vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1995 – zog der „Wrapped Reichstag“, das gemeinsame Kunstprojekt von Christo und Jeanne-Claude fünf Millionen Menschen aus aller Welt an. Ein wahres Weltkunstwerk war der verhüllte Reichstag damals. Das vergisst nie, wer das mit eigenen Augen gesehen hat. Übrigens: Uns Steuerzahlern kostete die Verhüllung nichts. Christo bezahlte (wie übrigens alle anderen Kunstaktionen ebenfalls) alles aus eigener Tasche. Später werden die Kunstaktion dann jeweils auf vielfältig Art und Weise vermarktet. Ich finde: Wir Steuerzahler haben durch diese Kunstaktion sogar einiges gewonnen.

Ich selbst war erst auf den letzten Drücker nach Berlin gereist. Weil ich selbst zunächst wohl nicht so recht einen Sinn in dieser Aktion hatte sehen können. Diese ganzen Diskussionen und derbe Kontroversen über das Für und Wider, bevor die Kunstaktion starten konnte! Typ hysterisch teilweise, jedenfalls typisch deutsch, wie finde. Insgesamt 23 Jahre lang kämpfte Christo um die Verwirklichung seiner Kunstaktion. Als staatliches Symbol der Deutschen solle der Reichstag – hieß es u.a. – das Volk einen und nicht durch eine umstrittene künstlerische Aktion polarisieren, meinten viele Anhänger und Mitglieder der CDU. Die damalige Bundespräsidentin Rita Süßmuth fand, dass gerade die Verhüllung die ambivalente Geschichte dieses Gebäudes erst sichtbar machen würde. Und so war es auch!

Ich bereue nicht dabeigewesen zu sein. Ein einzigartiges Erlebnis war das. Der verhüllte Reichstag geht mir bis heute nicht aus dem Sinn. Auch nicht die Gedanken, die mir während der Betrachtung des Kunstwerks gekommen waren.

Christo selbst sagte 2014 über seine Arbeiten: „Es ist total irrational und sinnlos.“

Jeanne-Claude mit Christo winken vom Balkon.

Ich aber sage: Der Sinn seiner Arbeiten ergibt sich erst durch die Betrachtung dieser „Verpackungen“ und die Gedanken, die einen dabei kommen. Dafür danke, Christo und auch Jeanne-Claude.

Übrigens konnte ich selbst und viele andere Menschen ebenfalls sogar einen Blick auf das Paar erhaschen. Plötzlich war nämlich Beifall neben mir aufgebrandet. Und alle Blicke richteten sich nach oben, wo alle hinschauten. Und da sah man das rote Haar von Jeanne-Claude im Sonnenlicht leuchten! Sie stand  dort oben auf einem Balkon und schaute zusammen mit Mitarbeitern und Christo auf die Menschenmenge. Beide erwiderten den Applaus mit freundlichem Winken.

Bücherverbrennung – Auch in Dortmund verbrannten die Nazis Bücher: Das Beste, Klügste, Humanste, das deutsche Dichter*innen und Wissenschaftler*innen geschaffen hatten, ging 1933 in Flammen auf

Gedenkplatte auf dem Dortmunder Hansaplatz. Fotos (12): C. Stille

In vielen deutschen Universitätsstädten verbrannten die Nazis im Mai 1933 tausende Bücher aus öffentlichen und privaten Bibliotheken auf öffentlichen Plätzen. Dabei Werke bekannter Autoren wie Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky oder Heinrich Mann, darunter viele jüdische Schriftsteller. Am 30. Mai 1933 fand auch in Dortmund eine Bücherverbrennung auf Drängen von Dortmunder Lehrern und dem Lehrerverband mit Unterstützung des Polizeipräsidenten auf dem Hansaplatz statt. „Undeutscher Geist ging in Flammen auf!“ titelte der Dortmunder Generalanzeiger. 50.000 Dortmunder*innen sollen begeistert zugeschaut haben. Eine Veranstaltung mit Lesung an der Gedenkplatte zur Bücherverbrennung, an der

Wißstr./Hansaplatz erinnerte am Donnerstag an diese Nazibarbarei.

Das Beste, Klügste, Humanste, das deutsche Dichter*innen und Wissenschaftler*innen geschaffen hatten, ging 1933 in Flammen auf

Das Beste, Klügste, Humanste, das deutsche und und internationale Kunst und Wissenschaft hervorgebracht hat, ging unter dem Gejohle einer aufgepeitschten Menge in Flammen auf. Zumeist unter diesem Ausruf: „Ich übergebe dem Feuer ….“

Nicht nur Ihre Werke verbrannten, auch Dichter*innen und Wissenschaftler*innen selbst wurden auf vielfältige Art bald Opfer der Hitlerbarbarei.

Heinrich Heine hatte bereits in seiner 1823 veröffentlichten Tragödie „Almansor“ geschrieben: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Dieses Zitat liest man auch, wenn man von der Wißstraße kommend den Hansaplatz betritt, auf einer im Boden eingelassenen Bronzeplatte. Unmittelbar vor den dort gepflanzten kleinen Bäumen die dort sozusagen Spalier stehen. Da versammelten sich am späten Donnerstagnachmittag zirka hundert Menschen zu einer Gedenkveranstaltung.

Ein zusammen mit Dortmunder Schüler*innen in einem Workshop erstelltes „Brandbanner“ wurde zwischen den Bäumen ausgerollt. Die Schüler*innen gestalteten mit es mit den Brandecken. Auf dem Banner haben die Schüler*innen jeweils in ihrer eigenen Schrift Namen von Autoren und Wissenschaftlern aufgebracht, die sie kannten und deren Werke von den Nazis 1933 dem Feuer übergeben worden waren.

Ula Richter: „2020 ist ein alles Leben vernichtender großer Krieg so nah wie nie.“

Schauspielerin Tirzah Haase

Schauspielerin Tirzah Haase las das Gedicht „Das letzte Kapitel“, geschrieben von Erich Kästner im Jahre 1930 (!) Welche Weitsicht! Hier ein Ausschnitt:

„Am zwölften Juli des Jahres 2003
lief folgender Funkspruch rund um die Erde:
daß ein Bombengeschwader der Luftpolizei
die gesamte Menschheit ausrotten werde.

Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest,
daß der Plan, endgültig Frieden zu stiften,
sich gar nicht anders verwirklichen läßt,
als alle Beteiligten zu vergiften. (…)“

Ula Richter (BdgR (Bündnis Dortmund gegen Rechts) gab dazu zu bedenken: „Das Jahr 2003, das Jahr der Vernichtung, das Kästner beschreibt, haben

Ula Richter (BdgR (Bündnis Dortmund gegen Rechts).

wir zwar überlebt. Aber 2020 ist ein alles Leben vernichtender großer Krieg so nah wie nie.“ Und Ula Richter weiter mit Bertold Brecht („Gedächtnis der Menschheit“): „Wenn wir den Kriegstreibern nicht die Hände zerschlagen werden.“

Ula Richter: „Wir gemeinsam – nie wieder Faschismus. Nein zum Krieg!“

Richter erinnerte daran, dass sich viele deren Werke damals auf dem Hansaplatz verbrannt wurden auch selbst das Leben nahmen, „weil deren Situation so dramatisch so hoffnungslos war, dass viele daran zerbrachen“.

Ula Richter: „Wenig später brannten die Krematorien, Millionen Menschen fielen dem Völkermord und dem Vernichtungskrieg der Hitlerfaschisten zum Opfer.“

Mit der Veranstaltung wolle man „gleichzeitig die Kultur hochhalten, gegen Tendenzen der Vorrohung des wieder erstarkenden Rassismus, Antisemitismus, Antikommunismus und der Gegenaufklärung“. Richter: „Wir gemeinsam – nie wieder Faschismus. Nein zum Krieg!“

Erinnerung an von den Nazis verfolgte Dortmunder Künstler*innen

Zu Beginn der Lesung wurde stellvertretend für viele andere an einige von Nazis verfolgte, fortschrittliche Dortmunder Künstler*innen erinnert: Hans Tombrock, Maler und Vagabund, Paul Polte, Arbeiterdichter. Bernd Temming, Grafiker sowie Charlotte Temming, Schriftstellerin.

Werke in der Nazizeit verfolgter deutscher Schriftsteller wurden zu Gehör gebracht

Erinnert wurde an den Schriftsteller Ernst Toller, der sich im Exil das Leben nahm. Der Schauspieler Weißert las aus Tollers „Das Schwalbenbuch“.

Ebenso an die Autorin Else Lasker-Schüler. Sie wurde gelesen von Tirzah Haase.

Was Bert Brecht über Oskar Maria Graf, der an die Nazis gerichtet, geschrieben hatte „Verbrennt mich!“ schuf, trug Andreas Weißert vor.

„Und ob sie mich erschlügen. Sich fügen heißt lügen“, bekannte der Erich Mühsam, Dramatiker, Pazifist und Anarchist. Sein Lied vom „Revoluzzer“ wurde vorgetragen von Tirzah Haase.

Andreas Weißert wiederum trug „Aussage eine Nationalsozialisten vor Gericht“ (1930) vor.

Ebenso kam zum Vortrag Gertrud Kolmars („Nachruf“).

Tief berührender Vortrag „Walter Mehring in memoriam Silvester 40/41 von Andreas Weißert: „Der beste Jahrgang deutscher Reben ließ vor der Ernte so sein Leben“

Schauspieler Andreas Weißert.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war gleichzeitig deren nachdenklich stimmender, tief traurig stimmender Abschluss: Andreas Weißerts Interpretation „Walter Mehring in memoriam Silvester 40/41“ (darin denkt Walter Mehring an seine toten Freunde). Im Text des Schriftstellers und Satirikers Franz Mehring heißt es: „Der beste Jahrgang deutscher Reben ließ vor der Ernte so sein Leben“, heißt es da.

Ein wohl alle Anwesenden tief berührender, äußerst markant und eindrücklich von Andreas Weißert vorgelesener Text, welcher kurz hörbar auch an dem gestandenen Schauspieler selber nicht spurlos vorbeiging. Ein längerer Beifall folgte.

Ula Richter: „Da haben wir heute Kultur auf die Straße getragen. Kultur, die so wichtig ist, besonders in unserer Zeit, wo vieles hochkommt, wovon wir nicht gedacht hätten, dass es wieder einmal sein Kopf erhebt“

Resümierend brachte Ula Richter auf den Punkt. „Da haben wir heute Kultur auf die Straße getragen. Kultur, die so wichtig ist, besonders in unserer Zeit, wo vieles hochkommt, wovon wir nicht gedacht hätten, dass es wieder einmal sein Kopf erhebt. Kultur an einem Ort, wo vor 86 Jahren diese Schandtat

Bernd Rosenberg (Akkordeon) und David Oriewsky (Geige).

 

passierte. Kultur, die wir lebendig halten wollen.“

Die dem Thema angemessenen musikalischen Parts zwischen den gelesenen Beitragen waren großartig von den einfühlsamen Musikern David Oriewsky (Geige) und Bernd Rosenberg (Akkordeon) ausgeführt worden. Sie waren dankenswerterweise kurzfristig für den verhinderten Peter Sturm eingesprungen. Die Biografien wurden von Doris Borowski gesprochen.

Getragen wurde die Veranstaltung von BDgR, VVN/BdA Dortmund, DKP Dortmund sowie dem Dortmunder Friedensforum.

 

 

Weitere Bilder von der Veranstaltung in Dortmund und ein Video zur Bücherverbrennung in Berlin

David Oriewsky.

Bernd Rosenberg.