Die kubanische Ballett-Legende Alicia Alonso starb mit 98 Jahren in Havanna

Gestern erst erreichte mich die traurige Nachricht via Facebook: „Die Prima Ballerina Assoluta Alicia Alonso ist verstorben“ – eine Meldung der deutschen Ausgabe der kubanischen Zeitung „Granma“. Ich habe den Beitrag hier verlinkt. Bei mir allerdings funktioniert der Link nicht. Möglicherweise wird diese Adresse seitens der USA blockiert? Sollte es LeserInnen dieses Beitrags gelingen, die Seite zu erreichen, bitte ich um eine kurze Nachricht, auf welche Weise dies gelang. Immerhin funktioniert ein Link zum Nationalballett Kuba.

Alicia Alonso im Jahre 1955. Foto: Wikipedia

Alicia Alonso wurde 98 Jahre alt. Sie starb am 17. Oktober 2019 in einem Krankenhaus in Havanna.

Im Nachruf der Compagnie heißt es (Auszug; via Google Übersetzung aus dem Spanischen):

Alicia Alonso. Foto via Nationalballett Kuba.

„Heute, am 17. Oktober 2019, hat Alicia Alonso uns verlassen. Ihr Vermächtnis ist riesig, ebenso wie ihre Kunst. Alicia ist eine jener Künstlerinnen, die im Herzen der Menschen stehen. Dr. Miguel Cabrera, Historiker des Nationalen Balletts von Kuba, hinterlässt diese aufgeregten Worte.

 Im CIMEIQ-Krankenhaus in Havanna starb am Donnerstag, den 17. Oktober, um 11 Uhr morgens die große Kunst, das Ansehen seiner Heimat auf den höchsten Platz in den vier Winkeln der Welt zu setzen. (…)

(…)Aber die Größe der Alonso, für uns seine Landsleute, besteht nicht nur darin, uns in 65 Ländern triumphierend vertreten zu haben und die meisten donnernden Ovationen zu empfangen, die unmöglich zu erklären sind, von Helsinki nach Buenos Aires, von New York nach Tokio oder Melbourne, sondern zu setzen Im Dienst seines Landes erhielten alle Ehrungen, darunter die 266 internationalen Preise und Auszeichnungen, 225 mit nationalem Charakter und die 69 von ihm verfassten choreografischen Kreationen – romantisch, klassisch und zeitgenössisch (…)“

Ein Deutsche-Welle-Text vom 17. Oktober 2019 ist folgendermaßen überschrieben:

Über Jahrzehnte begeisterte Alicia Alonso als Tänzerin, Ballettdirektorin und Choreografin weltweit als eine der besten ihres Fachs. Auch ihre Sehbehinderung stand ihrem Erfolg nicht im Weg. Nun starb sie mit 98 Jahren“

Und weiter heißt es bei der Deutschen Welle:

„Die „Primaballerina Assoluta“ hinterlasse eine gewaltige Lücke, aber auch ein unübertreffbares Vermächtnis, twitterte der Staatschef des sozialistischen Karibikstaates, Miguel Diáz-Canel, zum Tod von Alicia Alonso. Sie ist die einzige lateinamerikanische Tänzerin, die mit dem dem Titel „allerbeste Balletttänzerin ihrer Zeit“ geehrt wurde – eine Auszeichnung, die nur sehr wenigen Tänzern vorbehalten ist.

Dabei war Alonso schon sehr früh in ihrer Karriere stark sehbehindert: Nach einer doppelten Netzhausablösung konnte sie nur noch Schatten unterscheiden. Seitdem orientierte sie sich auf der Bühne mit Hilfe von Lichtmarkierungen. Außerdem unterstützte sie ihre Vorstellungskraft. „Ich tanze in meinem Kopf“, sagte sie immer wieder.

Mit ihrer enormen Disziplin gelang es Alicia Alonso auch danach, das Publikum mit ihren eleganten und gleichzeitig temperamentvollen Sprüngen zu verführen. Mit 40 Jahren schaffte sie immer noch die 32 raschen Drehungen des schwarzen Schwans in Schwanensee.

Kuba stets verbunden

Nach dem Sieg der Revolution auf Kuba wurde Alonsos eigene Kompanie zum Nationalballett Kubas. Mit ihrer Schule schuf sie einen unverkennbaren Tanzstil. Als Gast tanzte sie weiter an den besten Häusern der Welt, darunter an der Pariser Oper und dem Moskauer Bolschoi Theater. Erst mit 74 Jahren hörte sie auf zu tanzen. Als Choreografin aber machte sie auch dann noch weiter.

An Kuba hing Alonso bis zum Schluss. Allen finanziell verlockenden Angeboten und ihrem hohen Ansehen im Ausland zum Trotz blieb sie ihrer Heimat treu, wo sie tief verehrt wird.

Dem von ihr gegründeten kubanischen Nationalballett zufolge starb Alonso im Alter von 98 Jahren in einem Krankenhaus in der kubanischen Hauptstadt. Die Todesursache blieb zunächst unklar.

ust/ml (afp, dpa, ap, rtr)“

Meine persönliche Begegnung mit Alicia Alonso in Halle

Ich hatte im Oktober 1979 die Ehre Prima Ballerina Assoluta Alicia Alonso anlässlich eines Gastspiels des kubanische Nationalballett am Landestheater Halle im „Theater des Friedens“ zu treffen und als Volkskorrespondent der „Freiheit“ interviewen zu dürfen. Von dem Interview erschien dann letztlich nur ein kleiner Bericht (siehe Repro). Der Bericht erschien ausgerechnet am 17. Oktober 1979 – vierzig Jahre vor dem Tod von Alicia Alonso.

Bericht nach meinem Interview mit Alicia Alonso in der „Freiheit“. Repro: Claus Stille

Ich war unglaublich aufgeregt. Wir saßen uns im Theatercafé gegenüber. Sie trug eine große Brille mit dunklen Gläsern. Die Alonso nahm mir rasch die Aufregung. Wir plauderten – übersetzt von einer Dolmetschererin – über Kuba, die Revolution, Fidel Castro und das Ballett, ihre langjährige Arbeit und die durch die Revolution veränderte Rolle der Frau in der kubanischen Gesellschaft. Ab und zu wurden wir von Tänzerinnen und Tänzern der Compagnie unterbrochen, die die Alonso etwas fragten und dann wieder zur Probe auf die Bühne verschwanden.

Die Auftritt des kubanischen Nationalballetts am Abend war dann ein großartiges Ereignis. Ebenso wie die Begegnung mit Ballettlegende Alicia Alonso hinter und auf der Bühne.

Damals schon fast 60 Jahre alt, tanzte sie noch den Schwarzen Schwan. Einfach genial, in diesem Alter! Am Orchestergraben waren Beleuchtungsrampen ausgelegt worden, an denen sich die stark sehbehinderte Tanzlegende orientierte.

Ich denke gerne an diese Begegnung und das wunderbare Nationalballett zurück.

Möge Alicia Alonso in Frieden ruhen. Im Balletthimmel wird sie gewiss einen Ehrenplatz einnehmen.

Pressemitteilung: Smart Hero Award für Ohrenkuss und TOUCHDOWN 21

Am 25. September 2019 wurde in Berlin zum sechsten Mal der Smart Hero Award verliehen, ein Preis für erfolgreich in und mit Social Media umgesetztes soziales Engagement – ein Preis für Helden und Heldinnen im Internet. 2019 hat der Preis das Schwerpunkt-Thema „Eine demokratische Gesellschaft“.

Den Smart Hero Award 2019 gibt es in drei Kategorien: Vielfalt und Chancen-Gleichheit, Umwelt und Gesundheit, Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Zusätzlich zur Vergabe in den drei Kategorien gab es einen Publikums- und einen Jury-Preis.
TOUCHDOWN 21 und Ohrenkuss erhalten einen zusätzlichen Preis in der Kategorie Spezial. Der Preis wurde geteilt und an zwei Projekte und eine Einzelperson vergeben:

Ausgezeichnet wurde unsere „exzellente Zusammenarbeit im Netz“, die Menschen mit Down-Syndrom, ihre Vielfalt und ihre Stimmen im Netz sichtbar und erlebbar macht. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten beziehen sie deutlich Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen, geben Einblicke in ihren Alltag und nutzen dafür die ganze Bandbreite der sozialen Medien.

Ohrenkuss gibt es seit 20 Jahren. Für das Magazin schreiben ausschließlich erwachsene Menschen mit Down-Syndrom. Seit 2011 ist das Projekt auch erfolgreich in den sozialen Medien unterwegs. Die Arbeit der Ohrenkuss-Redaktion hat das öffentliche Bild von Menschen mit Down-Syndrom geprägt und verändert.

TOUCHDOWN 21 ist ein partizipatives Forschungs-Institut mit Sitz in Bonn. Menschen mit und ohne Down-Syndrom forschen, vermitteln und informieren zu allen Themen, die mit dem Down-Syndrom zusammenhängen und räumen auf mit Vorurteilen und Fehlinformation.

Natalie Dedreux gehört zu einer jungen Generation von Aktivistinnen und Aktivisten mit Down-Syndrom, die sich erstmals lautstark zu Wort melden. Sie setzt sich ein gegen pränatale Diagnostik und Spätabtreibungen von Menschen mit Down-Syndrom. Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses, dass der pränatale Bluttest künftig in vielen Fällen als Kassenleistung angeboten wird, kommentiert sie mit: „Ich halte es für falsch, was Ihr da macht. Es ist nicht inklusiv. Ich bin damit nicht einverstanden.“

not just down besteht aus dem Geschwister-Paar Tabea und Marian Mewes. Sie geben in zeitgemäßer Form Einblick in ihr Leben und ihren Alltag. Sie wollen dem defizitorientierten Bild von Menschen mit Down-Syndrom in der medialen Öffentlichkeit etwas entgegensetzen, das zeigt: Das Leben mit einem Familienmitglied mit Down-Syndrom macht Spaß. Das Projekt wünscht sich: „Durch das Produzieren und Teilen von Inhalten im Web und in Sozialen Netzwerken, sollen Menschen mit Down-Syndrom dort an Präsenz gewinnen.“

Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert, die sich zu gleichen Teilen zwischen den drei Projekten verteilen.

Der Preis wird vergeben von Facebook und der Stiftung Digitale Chancen.

Quelle: Katja de Branganca/Ohrenkuss/Touchdown 21

Filmprojekt „Perspektivwechsel“ zum Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“ hatte erfolgreiche Premiere in Dortmund

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Alle Beteiligten am Filmprojekt. Fotos: C. Stille

SchülerInnen des Paul-Ehrlich-Berufskollegs Dortmund haben in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern des Filmprojektes „Perspektivwechsel“ das Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“ aufgegriffen. Die Ergebnisse in Form eines Kurzfilms sowie einer
dokumentarischen Begleitung der Umsetzung (Making-of) wurden am vergangenen Dienstag in den Räumen der Polizeiausstellung 110 im Polizeipräsidium Dortmund in

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Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange.

Anwesenheit der Beteiligten und Kooperationspartner der Öffentlichkeit präsentiert. Polizeipräsident Gregor Lange bezeichnete den entstandenen Film als sehr realitätsnah, mit einem professionell umgesetzten Thema,der Verständnis weckend wirke und zu Entkrampfungen beitragen könne. Die am Film Beteiligten wurden mit Urkunden ausgezeichnet.

Dokumentation beleuchtet die „Gewalt im Umfeld des Fußballs“

Die Dokumentation beleuchtet zunächst die Diskussion um das Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“. Die TeilnehmerInnen ergründeten die Ursachen für die Eskalationen bei Fußballspielen.

Der Film vermittelt Einblicke in unterschiedliche Perspektiven der zwei ProtagonistInnen

Anschließend entstand ein 20-minütiger Kurzfilm, in dem es um die
Verbundenheit zum Fußballverein und die Freundschaft zweier junger Frauen geht. Beide kennen sich seit Jugendzeiten. Eine von ihnen ist Polizistin geworden. Später treffen sie sich wieder. Und sie stehen sich schließlich als Fan und Polizistin vor dem Stadium gegenüber. Dem Zuschauer bietet sich so eine Gelegenheit, Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven zu erlangen.

Thomas Schneider (Deutsche Fußball Liga) war von der Qualität des Films „geflasht“

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Thomas Schneider (DFL).

Thomas Schneider (Deutsche Fußball Liga GmbH Spielbetrieb/Koordinator Fanangelegenheiten) bekannte, schon als er vor wenigen Wochen den Trailer zu „Perspektivwechsel“ gesehen habe, gedacht zu haben: „Boah, das ist ja Spielfilm! Die Qualität hat mich echt geflasht.“

Schneider, der früher in einen Jugendzentrum gearbeitet hat, sagte, das,s was betreffs des Films mit „Perspektivwechechsel“ überschrieben ist, haben wir früher unter Antivorurteilspädagogik verstanden. Dass das klappen kann, hat Schneider früher erlebt, als er mit tödlich verfeindeten Hooligans von Bremen und Hamburg 1990 gemeinsam zur Fußballweltmeisterschaft im Rahmen eines Bildungsprojektes nach Italien gefahren. „Alles ging gut. Diejenigen, die mitgekommen waren, haben sich nie wieder miteinander geschlägert“, so Thomas Schneider. Als PFiFF (Pool
zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur) vor etwa fünf Jahren erfunden worden sei, habe man dank der Innenministerkonferenz eine halbe Million Euro bekommen. Damit hätten Impulse ausgesendet werden und Kreativität belohnt werden können. Man habe sich mit dem kritischen Verhältnis zwischen Fans und Polizei beschäftigt.

„Schalke-Kids auf Streife war das allererste Projekt“, erinnerte sich Schneider. Die ProtagonistInnen des Films, seien ihm wie Berufsschauspieler vorgekommen: „Das hatte nichts mit Schülertheater zu tun.“

Das Filmprojekt „Perspektivwechsel“ wirkt im Sinne einer alten indianischen Weisheit, ist sich sich der Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs, Friedrich Kuß, sicher

Der Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs Friedrich Kuß bemühte hinsichtlich des

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Friedrich Kuß (Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs).

Filmthemas die alte indianische Weisheit, wonach man nicht über jemand anderes urteilen sollte, ehe man nicht eine Meile in dessen Mokassins gegangen ist. Kuß: „Unsere Mokassins sind ja im übertragenen Sinne das Filmprojekt.“

Ein Leitsatz von insgesamt sieben des Paul-Ehrlich-Berufskollegs laute „Wir fördern soziales Lernen“ und ein anderer: „Wir achten einander“. Das Filmprojekt sah Kuß als etwas an, dass diesem Leitsatz nahekomme. Der Schulleiter lobte die Regisseurin von „Perspektivwechsel“, Ayşe Kalmaz, als „versierte Filmemacherin“ und den engagierten Einsatz der SchülerInnen am Projekt zu dessen Behufe zunächst eine Film AG gegründet worden war. Sie lernten darin, wie man einen Film produziert. Intensiv informierten sich die SchülerInnen beim Besuch eines Fußballspiels in Dortmund auch über die Arbeit der Polizei. Kuß erinnerte sich begeistert an die Proben im Schulgebäude, wo SchülerInnen in voller Polizeimontur die Treppen hoch und runter rannten und dabei gefilmt worden waren. Ein anderer Teil der SchülerInnen stellte als Komparsen Fußballfans dar.

Ein professioneller, von einer Maskenbildnerin geleiteter Workshop, informierte Friedrich Kuß, habe SchülerInnen, die staatlich anerkannte Kosmetikerinnen werden wollen, darin im Schminken der Filmakteure angeleitet worden.

Blumendank zum Dank für mitarbeitete PolizeibeamtInnen

Einen kleinen Dank in Form von Blumensträußen für ihre Mitarbeit am Filmprojekt erhielten die PolizeibeamtInnen Jennifer Peters und Ercan Erdoğan.

Der Film kann zur schrittweisen Verbesserung des Dialogs zwischen Fans und Polizei beitragen, denkt Thilo Danielsmeyer vom Fanprojekt Dortmund

Thilo Danielsmeyer (Leiter des Fanprojekts Dortmund) betonte, das Thema

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Thilo Danielsmeyer (Fanprojekt Dortmund)

Perspektivwechsel sei für sie seit dreißig Jahren das zentrale Thema. Weshalb man sofort zugesagt habe, beim Filmprojekt „Perspektivwechsel“ mitzutun.

Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass bestimmte Fans „Grenzen des Erlaubten“ überschreiten. Andererseits werfe die Fanszene der Polizei zunehmende Repression im Bereich des Fußballs und Unverständnis vor. Darüber werde diskutiert. Einen Kontakt zwischen beiden Kontrahenten herzustellen, wie auch schon Polizeipräsident Gregor Lange zuvor gesagt hatte, habe bislang nicht gefruchtet, so Danielsmeyer. Der nun vorliegende Film „Perspektivwechsel“ könne möglicherweise als wichtiges Projekt dazu beitragen, den Dialog in kleinen Schritten in Gang zu setzen.

Viel Applaus zur Filmpremiere für alle Beteiligten

Nach der Vorführung des Making-of zum Film, der u.a. auch Heiterkeit und Bewunderung bei den anwesenden ProtagonistInnen und Gästen auslöste, erlebte der Film „Perspektivwechsel seine Premiere. Der Film und alle daran Beteiligten erhielten starken Beifall. Die Premierenzuschauer fanden, dass er äußert gelungen ist. Der Streifen ist in der Tat sehr professionell gemacht. Das betrifft die Kameraführung, den Schnitt und die wirklich verblüffenden schauspielerischen Leistungen aller Mitwirkenden. Nicht zuletzt beklatscht wurde die feinfühlige Regie, die in den Händen von Filmregisseurin Ayşe Kalmaz lag, die u.a. auch schon mit Prof. Adolf Winkelmann gearbeitet hat.

Regisseurin Kalmaz fragte die SchülerInnen nach deren Motivation sich am Filmprojekt zu beteiligen

Ayşe Kalmaz befragte im Anschluss einige der am Film beteiligten SchülerInnen, die

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Regisseurin Ayşe Kalmaz (Bildmitte) befragt die Jugendlichen nach ihrer Motivation am Filmprojekt teilzunehmen.

auch am Drehbuch beteiligte gewesen sind, zu deren Motivation, am Filmprojekt mitzuwirken. Für eine Schülerin war der filmische Teil des Projektes spannend. Allerdings sei sie auch durch ihre Familie mit Fußball konfrontiert und gehe auch selbst ins Stadion. Celina hatte sich auch für das Thema Gewalt im Fußball interessiert. Sie habe ergründen wollen, was die Fans so denken. Aber auch wissen wollen, wie es den Polizisten bei Fußballspielen so gehe.

Antonia fand, dass sich alle am Projekt beteiligten Unterstützer sehr viel Mühe gegeben hätten, „uns durch das Thema zu begleiten“.

Regisseurin Ayşe Kalmaz ergänzte, sie hätten durch das Fanprojekt viel über Fans – von diesen selbst jedoch direkt leider aber wenig – erfahren können.

Jasmin sagte, sie habe erstmals ganz viel über die Polizei erfahren und beim Blick sozusagen hinter die Kulissen eines Fußballspiels viele interessante Eindrücke gewonnen.

Ayşe Kalmaz wollte wissen, wie die SchülerInnen darauf gekommen sind, zwei Frauen als ProtagonistInnen ins Auge zu fassen.

Joyce, erklärte, sie hätten einfach Rollen nehmen wollen, in die sie sich hineinversetzen können. Und da sie eben Frauen seien, „haben wir die Rollen auch weiblich gemacht“. Auch stelle man sich immer eher ein Mann als Polizist vor. Joyce: „Wir wollten eben auch ein bisschen Frauenpower.“

Die Mädchen bekannten über das Projekt viel über Gewaltbereitschaft und die Motivation dazu erfahren zu haben.

Am meisten Spaß gemacht habe den jungen Frauen das Drehbuch zu entwickeln. Aber auch „das Schauspielern“. Und nicht zuletzt das Zusammenarbeiten im Team.

Urkunden aus der Hand des Polizeipräsidenten

Alle Beteiligten am Filmprojekt „Perspektiven“ erhielten aus den Händen von Polizeipräsident Gregor Lange Urkunden als Auszeichung. Interessiert beigewohnt hatte der Filmpremiere u.a. auch Bernd Heinen, Inspekteur der Polizei NRW.

Nächste Vorführung von „Perspektiven“ am 11. Oktober im Signal-Iduna-Park

Das Projektteam wies darauf hin, dass am 11. Oktober 2019 im Signal Iduna Park in der Zeit von 15-17 Uhr eine weitere Vorführung des im Rahmen des Filmprojekts „Perspektivwechsel“ – Berufsschüler greifen „Gewalt im Umfeld des Fußballs auf“ im BVB-Lernzentrum stattfindet.

Es ist angedacht, den Film zu gegebener Zeit auch über das Internet zugänglich zu machen.

Dortmund: Auslandsgesellschaft feierte 70. Geburtstag

Die 70-Jahrfeier der Auslandsgesellschaft fand im Depot Kulturort, einem einstigen Dortmunder Tramdepot, statt. Foto: Leopold Achilles

Die Auslandsgesellschaft in Dortmund entstand nach dem zweiten Weltkrieg aus einer Bürgerinitiative für Völkerverständigung. Stefan Albring , Französisch-Lehrer an einem Dortmunder Gymnasium, und Wilhelm Hansmann, von den Nationalsozialisten verfolgt und nach Frankreich entkommen, 1946 Oberstadtdirektor von Dortmund, sind Väter der Bürgerinitiative. „Erste Notwendigkeit: Wir müssen mithelfen, das Grundübel, die deutsch-französische ‚Erbfeindschaft’ zu liquidieren“, sagte Albring seinerzeit. Die französische Regierung half dabei in Dortmund – mit Zustimmung der britischen Besatzungsmacht – durch Bücherspenden, Begegnungen und Gestellung von Räumen. Aus dem im Dezember 1948 gegründeten Deutsch-Französischen Institut entstand mit Zustimmung der britischen Besatzungsmacht und dem tätigen Interesse von Niederländern, Schweden und anderen, das am 28. März 1949 gegründete Internationale Auslandsinstitut, das heute 28 Länderkreise umfasst. Am vergangenen Donnerstag beging die Auslandsgesellschaft feierlich ihr 70-jähriges Bestehen. Die Festveranstaltung mit prominenten Gästen fand im Depot Kulturort in der Immermannstraße statt.

Präsident Klaus Wegener begrüßte die prominenten Gäste und nannte die Werte der Auslandsgesellschaft : Humanität, Toleranz, Völkerverständigung unverzichtbar

Foto: Leopold Achilles

Dem Präsidenten der Auslandsgesellschaft, Klaus Wegener, oblag es die prominenten Gäste zu begrüßen. Die da waren: Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, Ex-NRW-Staatsminister Wolfram Kuschke, Vorsitzender des Kuratoriums der Auslandsgesellschaft, der Generalhonorarkonsul der Republik Ghana, Manfred Oswald Schröder (dessen Nachfolger in Bälde Klaus Wegener sein wird), Horst Schiffmann (94), ein ehemaliger Präsident der Auslandsgesellschaft, Oberbürgermeister Ullrich Sierau, sowie Abgeordnete des NRW-Landtags und des Deutschen Bundestags, sowie die MitarbeiterInnen der Auslandsgesellschaft.

Klaus Wegener zitierte in Anwesenheit dessen Sohnes einen Ausspruch von Stefan Albring: „Die letzte Chance für Europa ist die Sammlung aller seiner geistigen Kräfte.“

Wegener merkte angesichts der Gegenwart kritisch an: „Und ich frage mich, meine Damen und Herren, manches Mal, wo sind heute diese geistigen Kräfte?“ Angesichts der „unverzichtbaren Werte“ für die die Auslandsgesellschaft stehe: Humanität, Toleranz, Völkerverständigung – müsse man sich fragen, so der Präsident: „Wo finden wir das heute noch?“. Aber in diesen Zeiten populistischer Schreihälse dürfe man sich darauf nicht ausruhen.

Aus der Geschichte der Auslandsgesellschaft

Rheinisch-Westfälische Auslandsgesellschaft (RWAG)“ lautete seit 1957, dem Beginn der prägenden Amtsführung von Dr. Harald Koch, der Name der von Stefan Albring weiterhin inspirierten Vereinigung, die mit ihrer Arbeit in Länderkreisen, Sprachkursen, Tagungen und Studienreisen auf das ganze Bundesland NRW ausstrahlt. Als nichtstaatliche Organisation bereitete die RWAG politische Schritte in der Ostpolitik vor, sie artikulierte sich entschieden gegen Menschenrechtsverletzungen. 1993 erfolgte die Umbenennung der RWAG in Auslandsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. Im Rahmen der Fusion mit der Auslandsgesellschaft Deutschland e.V. wurde der Verein 2018 in Auslandsgesellschaft.de e.v. umfirmiert. Nun begeht die Auslandsgesellschaft 70 Jahre Förderung der Völkerverständigung.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau: Die Auslandsgesellschaft ist ein wichtiger Bestandteil der Stadtgesellschaft

Oberbürgermeister Ullrich Sierau war die Geburtstagsfeier zum 70-jährigen Bestehen der Auslandsgesellschaft so wichtig, dass er sich entschlossen hatte eine Reise zum Stadtfest der russischen Partnerstadt Rostow am Don erst einen Tag später anzutreten.

Die Auslandsgesellschaft, sagte Sierau, sei ein wichtiger Bestandteil der Stadtgesellschaft. Hatte Klaus Wegener noch gesagt, die Auslandsgesellschaft

Der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Foto: Leopold Achilles

sei keine Macht, war der Oberbürgermeister ganz anderer Meinung. Was die Auslandsgesellschaft leiste habe eine politische Bedeutung, sie sei durchaus eine Macht.

Minister Dr. Stephan Holthoff-Pförtner: Die Auslandsgesellschaft hat den interkulturellen Dialog verändert und ist „eine moralische Macht“

NRW-Europaminister Dr. Stephan Holthoff-Pförtner wünschte später sogar, dass sie eine ist. Die Auslandsgesellschaft sei „eine moralische Macht“. Die sei ihr nicht verliehen, sondern aus dem was sie tue. Die Auslandsgesellschaft habe den interkulturellen Dialog verändert. Die Begegnung zwischen Menschen – egal wo sie herkommen, egal welche Sprache sie sprechen – stehe bei der Arbeit des Vereins im Vordergrund. Die Arbeit der Auslandsgesellschaft, lobte der Minister, flösse in die Arbeit der Landesregierung ein und bereichere das gesellschaftliche Leben ungemein.

Auslandsgesellschaft trägt zu einem guten Bild Dortmunds in der Welt bei

Die Auslandsgesellschaft habe das Potential viele Dinge zu begleiten, so OB Sierau weiter. Durch sie werde „Dortmund als internationale Stadt auf sehr gute Weise“ dargestellt und auch international als beispielhaft wahrgenommen.

Die Auslandsgesellschaft komme aus der Vergangenheit von 70 Jahren in eine Aktualität, „wo wir immer wieder mit neuen Fragen und Herausforderungen konfrontiert werde“, merkte Sierau an. Der OB erinnerte u.a. auch an 2015, wo Dortmund Drehscheibenstadt für ankommende Geflüchtete geworden war und sich nicht wie andere Kommunen weggeduckt habe. In der Auslandsgesellschaft erlernen heute viele Geflüchtete die deutsche Sprache und machen Integrationskurse.

Oberbürgermeister Sierau schloss seine Ansprache mit einem Zitat von Willy Brandt aus der ersten Regierungserklärung als Bundeskanzler vom 28. Oktober 1969:

„Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden, im Innern und nach außen.“

Ein moralisches Koordinatenkreuz hält Dr. Holthoff-Pförtner für wichtig

Europaminister Holthoff-Pförtner befand es für wichtig „ein moralisches Koordinatenkreuz zu haben“. Die Auslandsgesellschaft habe es. Er beschied

NRW-Europaminister Dr. Stephan Holthoff-Pförtner. Foto: Leopold Achilles

dem ehemaligen italienischen Innenminister Salvini: „Flüchtlinge in Seenot abzuweisen ist verantwortungslos und zutiefst unchristlich. Und sich dabei auf die Mutter Gottes zu berufen ist einfach ekelhaft.“ Sorgen mache er sich über europafeindliche Parteien und sogenannte „illiberale Demokratien“, die keine Demokratien seien. Wir hätten ein deutsches Problem, wir belehrten zu oft anstatt zuzuhören: „Wir nerven damit.“ Auch hätten wir das Gefühl, dass Europa Westeuropa ist. Der Fokus gelte mehr auch auf Südosteuropa zu legen. Auch in dieser Hinsicht leiste die Auslandsgesellschaft gute Arbeit.

Theaterprojekt „Art Ensemble“ mit Lied und Gedicht

Susanne Hocke und Jürgen Larys vom Theaterprojekt „Art Ensemble“ bestritten den kulturellen Teil. Larys trug ein Lied in mehreren Sprachen vor: „Ich bin ein Baum“ (… mit zwei Stämmen und nur einer Wurzel). Und Susanne Hocke rezitierte ein Gedicht, dass die Gefühle von Geflüchteten ausdrückt, wenn sie an ihre Heimat zurückdenken. Es entstand aus der Zusammenarbeit je zur Hälfte mit Geflüchteten und „Biodeutschen“.

Talkshow im Eilzugtempo

Martina Plum (Auslandsgesellschaft) moderierte die Veranstaltung. Im Eilzugtempo (die Veranstaltung war zeitlich etwas aus dem Ruder gelaufen)

Talkshow mit (v.l.) Klaus Wegener, Gerald Baars (Moderator), Wolfram Kuschke, Qussai Suliman, Milica Kostić und Martina Plum (Moderatorin)Foto: Leopold Achilles

Ex-WDR-Mann Gerald Baars eine kurze Talkshow. Darin sprach der Syrer Quassai Suliman (Lotsenprojekt der Auslandsgesellschaft) über seine Fluchtgründe und die Flucht nach Deutschland selbst.

Die Serbin Milica Kostić (Europäische Freiwillige 2018-2019) gab Auskunft über das einstige Jugoslawien, sprach über ihr abgeschlossenes Studium der Politikwissenschaft und das bevorstehende der Sozialwissenschaft sowie die Arbeit an der Auslandsgesellschaft.

Wolfram Kuschke erinnerte an die Fluchtbewegungen nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg sowie an die heutigen. Betreffs des zuvor von Dr. Holthoff-Pförtner gesagten gab Kuschke zu bedenken: In Italien gebe es nicht nur einen Herrn Salvini, sondern auch einen Bürgermeister von Palermo. Und dieser Leoluca Orlando sage: „Schiffbrüchige aus Seenot zu retten, heißt unsere Mitmenschlichkeit retten.“

Gerald Baars schätze ein: Die Auslandsgesellschaft sei heute wichtig wie nie zuvor.

Klaus Wegener nannte die Zukunftsaufgaben der Auslandsgesellschaft: Integration. Die Auslandsgesellschaft habe jeden Tag 400 MigrantInnen im Hause, die Integrationskurse bekämen. Auch später würden sie weiter begleitet. Natürlich sei weiter Europa wichtig: „Wir sind ja auch Brückenbauer innerhalb Europas. Zum Beispiel im Bereich der Städtepartnerschaften.“ Überall wo es bröckele und krisele sei die Auslandsgesellschaft doch „aufgerufen auf einer kommunalen zwischenmenschlichen Ebene, dass die Kommunikation, das Miteinander, das Reden und Treffen miteinander – dass das aufrechterhalten bleibt“.

Das Musikalische wurden vom Musikprojekt Orpheus 21 bestritten – Suppe aus der Gulaschkanone

Musikalisch eingeleitet war die Festveranstaltung zum 70-jährigen Geburtstag der Auslandsgesellschaft vom Musikprojekt Orpheus 21 worden. Und Orpheus 21 war auch für den Ausklang der Veranstaltung verantwortlich. So wurden die Festgäste musikalisch zum Imbiss mit Erbsen- und Gulaschsuppe aus der Gulaschkanone und diversen Getränken geleitet. OB Ullrich Sierau hat angeregt die nächste Feier zum 75.

Von links: Wolfram Kuschke, Milica Kostić, Klaus Wagner, Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, Erich G. Fritz (Ex-MdB) Marc Frese und Quassai Suliman. Foto: Leopold Achilles

Geburtstag der Auslandsgesellschaft zu begehen.

Instrumentalisten Musikprojekt Orpheus 21. Foto: Leopold Achilles

Musikprojekt Orpheus 21. Foto: Leopold Achilles

Blick von der Bühne ins Publikum. Foto: Leopold Achilles

Foto: Leopold Achilles

Foto: Leopold Achilles

Alle Gäste wurden am Eingang zum Depot herzlich begrüßt. Foto: Leopold Achilles

Klaus Wegener, Wolfram Kuschke und Gerald Baars. Foto: Leopold Achilles

Jürgen Larys trägt ein Lied vor. Foto: Leopold Achilles

Susanne Hocke rezitiert. Foto: Leopold Achilles

Foto: Leopold Achilles

Dortmunder Jazzclub „domicil“ bekommt Ausstellung im MKK zum 50. Geburtstag

Von links Günter Maiß (domicil e.V.), MKK-Direktor Dr. Jens Stöcker, domicil-Geschäftsführer Waldo Riedl, Prof. Oliver Langbein (FH Dortmund), Ausstellungsmacher Cornelius Uerlichs und Udo Wagener (Vorstand domicil e.V.) vor der Kassettenwand. (Fotos: C. Stille)

Der Dortmunder Jazzclub domicil ist heute die erste Adresse für Jazz in der Region. Dessen Ursprünge liegen in einem Keller-Club. In diesem Jahr feiert das domicil in der Hansastraße seinen 50. Geburtstag. Das Museum- für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) widmet dem benachbarten Jazz-Club zum Jubiläum eigens eine Ausstellung. Das MKK präsentiert diese Exposition vom 5. September bis 27. Oktober 2019. Damit wird die Arbeit des international renommierten und von Musikern aus aller Welt geschätzten Jazzclubs. Der Eintritt ist frei.

Aus einem Keller wurde ein Jazzclub und für viele aus einem Traum Realität

Im Mittelpunkt steht der Jazzclub selbst: Ende 1968 wurde das domicil als gemeinnütziger Verein von Jazzmusikern und Enthusiasten dieses Genres gegründet und Anfang 1969 ins Vereinsregister eingetragen. Bereits am 14. März 1969 fand im Keller der Kindertagesstätte in der Leopoldstraße das erste Konzert statt. In bemerkenswert kurzer Zeit war es einer Handvoll ehrenamtlicher Aktiver mit wenig Geld, dafür aber mit unbändigen Willen und großen Anstrengungen gelungen aus einem Keller einen Jazzclub zu machen: das domicil. Damit bekam Dortmund erstmals eine feste Spielstätte für Jazzmusik. Für viele Jazzliebhaber war aus einem Traum Realität geworden.

Geschichte des Jazz in Dortmund

Bereits in den sogenannten Goldenen Zwanzigern (gemeint war etwa der Zeitabschnitt von 1924 bis 1929) war Dortmund nicht nur die Stadt der Montanindustrie, sondern auch eine Metropole des Jazz. In zahlreichen Lokalitäten vor allem des heutigen Brückstraßenviertels gehörte Jazz zum festen Bestandteil des Musikprogramms. Auch im Vergnügungspark Fredenbaum waren regelmäßig Jazzkonzerte – zu denen die Gäste auch tanzten – angesagt.

Die Nazis verboten den Jazz offiziell. Mit der Begründung Jazzmusik sei „entartet“. Jazzliebhaber fanden jedoch immer wieder Gelegenheit, ihre Musik trotz des Verbots zu hören.

Nur wenige Jahre brauchte es nach dem Ende des 2. Weltkrieges und Jazz wurde wieder salonfähig. Es war vor allem der 1949 gegründete Hot-Club Dortmund, der das Jazz-Leben der Stadt prägte. Er lockte viele nationale und internationale Stars nach Dortmund.

Dessen Schließung im Mai 1962 bedeutete eine Zäsur für den Jazz in Dortmund, keineswegs aber sein Ende. Doch der Wunsch nach einer festen Spielstätte wurde immer lauter.

Der domicil-Verein wurde 1968 gegründet und sein erster Vorsitzender Glen Buschmann

Es waren hauptsächlich der Journalist Werner Panke und der Lehrer Albert Schimanski, die die Interessen der Jazzmusiker und der Fans dieser Musikrichtung kanalisierten. Diese Bemühungen führten 1968 zur Gründung des domicil-Vereins. Erster Vorsitzender war Glen Buschmann, damals Dozent und später Leiter der Musikschule Dortmund.

Großformatiger Zeitstrahl visualisiert in der Ausstellung Anfänge und Entwicklung des domicil

In der am 5. September öffnenden Ausstellung im MKK wird ein großformatiger Zeitstrahl die Anfänge des domicils vom Kellerclub und dessen Entwicklung zu einer Spielstätte visualisieren, die heute über die Jazzmusik hinausgeht und in den vergangenen Jahren stets zu den Top-100-Jazzclubs weltweit gekürt wurde.

Dabei wird die Entwicklung des domicil mit lokalen, nationalen und internationalen Ereignissen verbunden.

Vom Pressegesprächs zur Ausstellung im MKK

Während eines Pressegesprächs am vergangenen Dienstag informierten die Organisatoren über die Ausstellung, die sich zu der Zeit im Studio des MKK noch im Aufbau befand, aber schon einmal in Augenschein genommen werden durfte. Der Kurator der Ausstellung, Prof. Oliver Langbein, gab sich erfreut, dass sie zustande gekommen ist. Ohnehin seien das domicil und das MKK Anlieger der selben Straße und fast unmittelbare Nachbarn, „die eigentlich schon immer freundschaftlich umeinander rumgeschlichen sind“.

Sehr praktisch hat Langbein die Zusammenarbeit mit den Studenten an diesem Projekt empfunden. Denn hier sei nicht nur einfach etwas entworfen worden: „Man kann viel entwerfen, wenn man das dann aber selber machen muss, hat das einen Lerneffekt.“ Hier wird eben auch angewendet. Und man sehe, ob funktioniere, was man sich ausgedacht habe. Hinzugenommen zum Projekt hat Prof. Langbein mit Bedacht Cornelius Uerlichs, seinen ehemaligen Studenten und Mitarbeiter, der ein guter Designer und der Musik verbunden sei.

Im Mittelpunkt der Ausstellung befindet sich eine kleine Bühne

Das große Schlagzeug und andere Instrumenten werden auf der Bühne platziert. Auf der Bühne kann auch etwas stattfinden. Um sie herum sind alle

Registrierkasse: Zu den Ausstellungsobjekten gehört die ehemalige Registrierkasse des domicils, die anfangs während der Konzerte lautstark klingelte. Von rechts: MKK-Direktor Dr. Jens Stöcker, Prof. Oliver Langbein (FH Dortmund), domicil-Geschäftsführer Waldo Riedl, Udo Wagener, Michael Kalthoff-Mahnke und Günter Maiß (domicil e.V.) und Ausstellungsmacher Cornelius Uerlichs.

für eine Show nötigen Dinge verteilt. Geöffnete die Cases stehen herum. In denen sich Technikequipment befunden haben können. Damit man sieht, was passiert hinter der Bühne, was passiert nebenher und vorher; ein paar Meter weiter im Ausstellungsraum: wie das Booking gehandhabt wurde, wie überhaupt Musiker engagiert wurden. Der ganze Kosmos dieses Musikgeschäftes, die Atmosphäre soll für die Museumsbesucher erfahrbar gemacht werden. Übrigens, war zu erfahren, dass das domicil bei vielen KünstlerInnen sehr beliebt ist. So kam es durchaus schon vor, dass KünstlerInnen dem domicil betreffs der Gage entgegenkamen, weil ihnen der Club so sympathisch ist. Bemerkenswert auch die Kassettenwand in der Ausstellung. Da sieht man Musikkassetten mit Demobändern, welche MusikerInnen ans domicil geschickt haben und womit sie sich um einen Auftritt dort bewarben. Nicht weniger interessant eine aus Flightcases gebaute Bar davor.

Denn eigentlich, gab domicil-Geschäftsführer Udo Wagener zu bedenken, ist ja das eigentliche Konzert letztlich der kleinste Teil ist. Musik auswählen, der Soundcheck, der Auf- und Abbau – all das dauere ja oft länger als das ganze Konzert. Wobei freilich das Konzert der eigentliche Höhepunkt ist. All das andere bekommen ja das Publikum zur Show gar nicht mit.

In 50 Jahren domicil haben sich 6700 Dokumente angesammelt

Als das domicil gegründet wurde, erzählte Vereinsvorsitzender Udo Wagener sei zwar nicht dabei, aber bereits in dem Alter gewesen, wo er sich für Musik interessiert habe.

Für die Ausstellung infrage kommende Dokumente habe man zuhauf in einem Archiv in der Güntherstraße finden können. Die mussten gesichtet und teilweise digitalisiert werden. 6700 Dokumente haben sich in 50 Jahren domicil angesammelt.

In mühevoller Kleinarbeit hätten viele Vereinsmitglieder die Materialien durchgesehen. Alles wurde geordnet und der Fachhochschule zur Verfügung gestellt, um aus den vorliegenden Materialien ein Konzept zu entwickeln, wie all das in der Ausstellung am Besten zu Präsentieren sei.

Das Ehrenamt hat eine hohe Bedeutung für das domicil

Günter Maiß (domicil e.V.) hob hervor, welch hohe Bedeutung das Ehrenamt für das domicil habe. In der Ausstellung würden die Locations des Jazzclubs und auch die vielen Flyer und die Designs ein Thema sein. Und Stühle aus drei Generationen werden auch zu sehen sein. Der hier schon erwähnte große Zeitstrahl soll auch einen Bezug zur Musikgeschichte herstellen. Mit Verweisen auf das neue FZW und das Konzerthaus. Damit werde verdeutlicht, „nicht nur das domicil hat sich verändert, sondern auch Musikstadt Dortmund hat andere Formen angenommen“, sagte Günter Maiß. Maiß erinnerte daran, dass der kleine Kellerclub Anfang der 1970er Jahre – „mit vielen Stunden von Ehrenamtlichen geschmissen wurde“- mit unglaublich vielen Veranstaltungen, „was heute wohl gar nicht mehr gestemmt werden könnte“. Im Jahre 1975 sei der Kellerclub quasi eingebrochen. „Die Power war zu Ende. Der Verein war fast bankrott.“ Mittlerweile habe sich das Musikgeschäft des domicil ziemlich professionalisiert. Ehrenamtliche arbeiteten zu. Der in der Ausstellung gezeigte Schreibtisch sei der, wo früher in Zeiten ohne Google das Booking stattgefunden habe mit Karteikästen, die die Kontaktdaten von Künstlern enthielten.

Eintauchen in die Welt des domicil

Einschneidende Ereignisse in der Geschichte des domicils waren die Aufnahme des Clubs in die institutionelle Förderung der Stadt Dortmund 1998 und der Umzug 2005 in ein ehemaliges Kino mitten in der City. Die finanzielle Unterstützung durch die Stadt bot erstmals eine wirtschaftliche Planungsgröße. Mit dem Umzug beendete das domicil sein „Kellerdasein“ und verschaffte sich neue räumliche und technische Möglichkeiten. Eindrucksvoll ist die zur zeitlichen Entwicklung laufende Aufzählung hunderter Musikerinnen und Musiker, die sich im domicil das Mikro in die Hand gaben. In Bildern und teils bislang unveröffentlichten Tondokumenten (Konzertmitschnitten, Interviews) erleben die Ausstellungsbesucher ein Stück Club- und Jazzgeschichte: Zu hören sind Chet Baker, Archie Shepp, Jimmy Giuffre, Arturo Sandoval, Joe Pass, Albert Mangelsdorff, Enrico Rava, Django Edwards, Elvin Jones, Bill Frisell, Joe Zawinul, David Murray, Robert Glasper, Kamasi Washington, Rolf & Joachim Kühn, Lizz Wright, Betty Carter, Pharoah Sanders, Vienna Art Orchestra, Hermeto Pasocal, Bill Evans, Airto, Udo Lindenberg, Allan Holdsworth, Götz Alzmann, Heinz Sauer und viele andere.

Die Ausstellung verdeutlicht, was auf der Bühne unsichtbar bleibt: Das domicil war und ist ein Verein, der getragen wird vom bürgerschaftlichen Engagement seiner ehrenamtlich tätigen Mitglieder. Zwar wurde für den Veranstaltungsbetrieb und den gastronomischen Bereich eine gemeinnützige GmbH geschaffen, das Ehrenamt bleibt aber eine tragende Säule des Clubs und prägt das bunte Vereinsleben der „domicil-Familie“. Ob der Umbau

Presseartikel aus den vergangenen 50 Jahren.

des Kellers an der Leopoldstraße, der Umzug in die City oder der Alltagsbetrieb im Club: Ohne Tausende Ehrenamtsstunden, ohne den Willen und die Tatkraft seiner Mitglieder wäre das domicil in seiner bekannten Form undenkbar. Dieser Aspekt wird durch Interviews mit Ehrenamtlichen gewürdigt.

Die Ausstellungsgestaltung nimmt Bezug auf das Kerngeschäft des domicils: die Konzerte und Veranstaltungen. So dienen eine Bühne sowie Flightcases (Transportkisten für Musikerequipment) als Gestaltungselemente. Abgerundet wird die Ausstellung durch einige Hör- und Videostationen mit Musikerportraits und Konzertmitschnitten. Ehrenamtler geben Auskunft über ihre Motivation und ihren Bezug zu dieser in NRW einmaligen Kulturinstitution.

Zwei Jahre Vorbereitung

Im Oktober 2017 trafen sich Vereinsmitglieder, um über Aktivitäten im Geburtstagsjahr 2019 zu beraten. Ein illustratives Buch zur Geschichte des domicils ist bereits im März dieses Jahres erschienen (bei Klartext, Preis 24,90 EUR). Seit Frühsommer tourt ein zur mobilen Jazzbühne umgebauter Sprinter der Fachhochschule Dortmund durch Dortmunder Stadtteile und Quartiere. Die Ausstellung ist ein weiterer Höhepunkt. Das Jubiläumsjahr

Günter Maiß am Schreibtisch für das Booking.

findet seinen krönenden Abschluss am 2. Weihnachtstag mit der traditionellen Jazzmatinee im Dortmunder Opernhaus.

Für die Ausstellung kooperieren die ehrenamtlichen Mitglieder des domicil e.V. mit Masterstudierenden im Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund unter der kuratorischen Leitung von Prof. Oliver Langbein und Cornelius Uerlichs. Die Texte in der Ausstellung stammen von Michael Kalthoff-Mahnke, Günter Maiß, Waldo Riedl. Die Fotos stammen von Kurt Rade, Oskar Neubauer, Mark Wohlrab, Werner Panke, Günter Maiß u.a.

Die Ausstellung „domicil – ein halbes Jahrhundert Forum Jazz und Creative Music in Dortmund“ wird am 5. September um 19 Uhr im Museum für Kunst und Kultur erröffnet

Die Ausstellung mit dem Titel „domicil – ein halbes Jahrhundert Forum Jazz und Creative Music in Dortmund“ wurde in Zusammenarbeit von Studierenden der Fachhochschule Dortmund/Fachbereich Design unter Leitung von Prof. Oliver Langbein und ehrenamtlichen Mitgliedern des domicil-Vereins entwickelt und realisiert. Die Ausstellung wird am 5. September 2019 um 19 Uhr im Museum für Kunst und Kultur Dortmund (MKK), Hansastraße 3, 44137 Dortmund, eröffnet.

Birgit Jörder, Bürgermeisterin der Stadt Dortmund, Udo Wagener, 1. Vorsitzender des domicil e. V., und Professor Oliver Langbein, FH Dortmund, werden die Gäste begrüßen. Im Anschluss daran können Sie sich bei einem Ausstellungsrundgang in die szenische Umsetzung des 50. domicil-Geburtstages eintauchen.

Die Ausstellung wird sorgfältig vorbereitet.

Dortmund: Ausstellung zum Thema Gemeinwohl. BesucherInnen sind eingeladen sich in die Gestaltung des Kunstwerks „Gemeinwohl“ einzubringen

Wieder einmal hat sich die bekannte Dortmunder Künstlerin Bettina Brökelschen auf ein Experiment eingelassen, welches diesmal im Rahmen ihrer vom 16. bis 22. Juli 2019 dauernden Ausstellung „Gemeinwohl“ stattfinden wird. Zusammen mit den BesucherInnen ihrer Ausstellung will sie während dieser Zeit für den Bundesverband Gemeinwohldemokratie ein Symbol/Bild anfertigen, in welchem sich der Begriff „Gemeinwohl“ widerspiegelt.

Gemeinsam ein Kunstwerk zum Thema „Gemeinwohl“ erschaffen

Die BesucherInnen sind dabei herzlich eingeladen, sich in die Gestaltung dieses Werkes mit Anregungen einzubringen, um für den Begriff „Gemeinwohl“ein vielschichtiges und damit möglichst realistisches Symbol/Bild entstehen zu lassen._

Zur Vernissage der Kunstausstellung von Bettina Brökelschen im Torfhaus im Westfalenpark Dortmund am 16. Juli 2019 um 18 Uhr sind alle interessierten Menschen herzlich eingeladen. Die Gäste werden mit einführenden Worten von Günther Ziethoff begrüßt.

Am Sonntag, dem 21. Juli 2019, ab 15 Uhr sind dann alle Interessierten eingeladen an einer offenen Diskussionsrunde teilzunehmen, die sich mit den Begriffen „Gemeinwohl“ und „Gemeinwohldemokratie“ auseinandersetzt.

Ausstellungsdauer: 16. – 22. Juli .2019
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr

Max Czollek („Desintegriert Euch!“) zu Gast beim „Talk im DKH“ in Dortmund

Max Czollek (li) und AladinEl-Mafalaani (re). Fotos: C. Stille

Am vergangenen Freitag gab es in der Reihe „Talk im DKH“ ein Novum. Erstmals fand die Veranstaltung nämlich als Freiluftveranstaltung auf einem Platz hinter dem Dietrich-Keuning-Haus statt. Gast war Dr. Max Czollek. Gastgeber und Moderator Aladin El-Mafaalani, der diesmal ohne seine Ko-Moderatorin Özge Çakirbey auskommen musste – sie war erkrankt -, stellte Czollek als „den schlauesten Dreißigjährigen den ich kenne“ vor. Die weiteren von El-Mafalaani aufgeführten Kennmarken zum Gast aus Berlin: „Jüdisch, ostdeutsch, in der DDR geboren, Künstler, promovierter Politikwissenschaftler. Desintegration ist für Max Czollek der Versuch der radikalen Vielfalt, welche die deutsche Gesellschaft heute schon ausmacht, gerecht zu werden. Bünde untereinander werde man aber hier und da schon schließen müssen.

Aladin El-Mafalaani: Den Aufruf „Desintegriert Euch!“ meint Czollek durchaus ernst. Bei Lehrern an einem Dortmunder Gymnasium löste er Beunruhigung aus

Czollek, erinnerte sich der Moderator, habe den „wunderschönen Satz“ gesagt: Dass die größte Integrationsleistung, die Deutschland bisher jemals vollbracht hat, die Integration der Nationalsozialisten nach 1945 gewesen sei.

Czollek stünde dem gesamten Integrationsprozess – wie er heute begriffen werde – sehr skeptisch gegenüber, erklärte El-Mafalaani. Was ihm auch der Antrieb dafür war, dass er das Buch „Desintegriert Euch!“ geschrieben habe. Mafalaani, der Czollek schon länger kennt, versicherte, der Buchautor meine diesen Aufruf zu einem Großteil durchaus ernst.

Verständlicherweise, erstattete El-Mafalaani Bericht, habe dieser Titel beim Besuch an einem Dortmunder Gymnasium an diesem Freitag bei den Lehrkräften Beunruhigung ausgelöst. Setzten die doch alles daran, dass sich die jungen Leute integrierten.

Zwei Bücher – zwei konträre Ansichten

Mit Max Czollek wollte Moderator Aladin El-Mafalaani darüber sprechen, wie er seine Polemik „Desintegriert Euch!“ meint und inwieweit seine Thesen mit dem Integrationsparadox zusammenpassen. Von El-Mafalaani stammt nämlich das Buch „Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt“. Eine Ansicht des Autoren daraus: „Deutschland war noch nie fairer als jetzt.“ Beide Autoren werden nicht selten mit ihren beiden konträren Büchern zusammen zu Veranstaltungen eingeladen. Dr. Max Czollek (geb. 1987) ist Lyriker, Essayist und Bestseller-Autor aus Berlin

Max Czollek: Der Begriff „Migration“ lässt sich deutschen Talkshow ohne den Begriff „Integration“ gar nicht thematisieren

Integration, hob Max Czollek in seinem Impulsreferat an, sei ein zentraler Begriff, gekoppelt an das Thema Migration. Migration ließe sich ohne Integration in deutschen Talkshows eigentlich gar nicht thematisieren. Damit einher gehe die Zuschreibung einer bestimmten Rolle, die von der migrantischen Seite bestimmte (positive) Informationen (Antworten) erwarte in Sachen Demokratiefähigkeit, zum Thema Frauenverachtung, sowie zum Thema Terror und Islam.

Czollek sei zu diesem Nachdenken darüber eigentlich über ein sehr jüdisches Nachdenken über die Rollen und Funktionen, die die jüdische Position in Deutschland nach 1945 spielte, gekommen. Es gebe ein Modell des Soziologen Michal Bodemann namens „Gedächtnistheater“. Er beschreibe darin die (symbolischen) „Jüdinnen“ und „Juden“, welche eine ideologische Arbeit leisten – eine bestimmte Funktion dabei erfüllen –, dass sich eine Position nach 1945 wieder positiv entwerfen kann.

Die plötzliche Bezugnahme auf Schwarz-Rot-Gold als „positiver deutschen Nationalismus“

Diesbezüglich kam Czollek über einige Stationen der bundesdeutschen Geschichte im Jahre 2006 an. Wo es bei der Fußballweltmeisterschaft plötzlich eine exzessiven Bezugnahme auf Schwarz-Rot-Gold als „positiver deutschen Nationalismus“ bis weit hinein in einen linksliberalen Mainstream gegeben habe. Man habe 2006 behauptet bis dato sei das eigentlichen Begehren, das Stolz-sein auf Deutschland unterdrückt – gar verboten – gewesen. Dabei gab es solche Verbote überhaupt nicht. Czollek selbst habe das nie unterdrückt (es habe ihm auch nicht gefehlt) und sich gefragt: Woher kommt das eigentlich? Was macht das möglich?

Quasi spätestens ab den 1980er Jahren mit der „zunehmenden Fokussierung auf Erinnerung an den Holocaust“ – es sei ein „Erinnerungstheater“ inszeniert worden – bei dem die JüdInnen eine ganz bestimmte Rolle gehabt hätten: Die der Überlebenden, die über Antisemitismus, Schoa und Israel reden. Czollek kam wieder auf Bodemanns „Gedächtnistheater“ zu sprechen Auf dem Skript stünde: Die guten Deutschen oder die „Wiedergutwerdung“ der Deutschen. Man inszeniert sich sozusagen als „Erinnerungsweltmeister“, um so etwas wie einen positiven Bezug auf Deutschland wieder möglich zu machen.

Weshalb JüdInnen nie gefragt werden, ob sie gut integriert seien

Dabei bestehe die überwiegende Zahl der JüdInnen gar nicht mehr aus Überlebenden des Holocaust. Sondern zu 90 Prozent aus JüdInnen, welche aus der Sowjetunion einwanderten. Das entspreche gar nicht mehr der realen Vielfalt, welche JüdInnen eigentlich hätten. Damit überschneide sich jüdische Perspektive mit der Perspektive einer Postmigrationsgesellschaft. Da finde Czollek eine Situation vor in der nur bestimmte Menschen mit einem Migrationshintergrund über Integration sprechen. Er habe nie erlebt, das JüdInnen gefragt werden, ob sie gute integriert seien. Was damit zu tun habe, dass diesen hinzugekommenen JüdInnen die symbolische Rolle zugewiesen wurde, die alten jüdischen Gemeinschaften zu ersetzen.

Dr. Max Czollek: „Ich glaube, dass das Integrationsmodell als Paradigma an sein Ende gelangt. Die deutsche Gesellschaft ist heute schon eine radikal vielfältige Gesellschaft“

Der Integrationsbegriff suggeriere, dass es ein gesellschaftliches Zentrum gibt, in das etwas hineinbewegt werde und, dass es eine Hegemonie gibt, die entscheidet, wer gut oder wer nicht integriert sei. Und der Integrationsbegriff sei begleitet von einer Phantasie von Harmonie.

Integration tendiere im politischen deutschen Denken schon zu Assimilation, so Czollek und behauptete: Dieses Konzept entspricht nicht mehr der politischen, gesellschaftlichen Realität in Deutschland: „Ich glaube, dass das Integrationsmodell als Paradigma eigentlich an sein Ende gelangt. Die deutsche Gesellschaft ist heute schon eine radikal vielfältige Gesellschaft.“ Ein Viertel der Gesellschaft habe, dass, was im Beamtendeutsch als Migrationshintergrund nenne. Spräche man ihnen Integration ab, würde man sie unter einen systematischen Verdacht stellen. „Weil sie erst mal beweisen müssten, dass sie demokratisch sind.“

Die Zustimmung zum Grundgesetz setzt Czollek allerdings schon als selbstverständlich für alle hier lebenden BürgerInnen voraus.

Dr. Max Czollek zu diesem systematischen Verdacht: „Das kann sich eine Gesellschaft die auf eine Weise unter Druck steht von Rechts, wie noch nie seit 1945, nicht erlauben.“

Den deutschen Nazis sage man unverständlicherweise nie, sie gehörten nicht zu Deutschland.

Wie ist eigentlich unser eigenes Denken beschaffen, dass so etwas wie die AfD innerhalb von wenigen Jahren möglich wurde?

Czollek wirft die Frage auf, wie eigentlich unser eigenes Denken beschaffen sei, dass so etwas wie die AfD innerhalb von wenigen Jahren möglich geworden sei. Czollek sieht in der AfD „eine Wiedergängerin des völkischen Denkens“

Er vermute, dass etwas in unserem eigenen Denken so eingerichtet war, dass man affin zu diesen Konzepten geblieben ist – eine Tendenz hatte, die reaktivierbar gewesen sei.

Dass das deutsche Selbstbild, dass man die Vergangenheit hervorragend bewältigt habe und jetzt wieder stolz auf Deutschland sein könne, nicht angemessen sei, um zu verstehen, was jetzt gerade passiere. Die angenommene Läuterung Deutschlands betrachtet Czollek als Irrtum. „Man hat es sich zu leicht vorgestellt.“ Czollek zitierte den Journalisten Heribert Prantl: Deutschland sei wie ein trockener Alkoholiker. Czollek: „Seit der WM 2006 hängen wir wieder an einer Flasche Korn am Tag.“ Ein Herr aus dem Publikum fragte später: „Hat das nicht auch mit der Frage zu tun: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?“ Er beklagte im Allgemeinen „eine sprachliche Enthemmung.“

Die Gesellschaft muss eine andere werden, damit radikale Vielfalt möglich werde, findet Max Czollek

Desintegration bezeichne einen Versuch der radikalen Vielfalt, welche die deutsche Gesellschaft heute schon ausmacht, gerecht zu werden. Es versuche Gesellschaft nicht zu denken als ein Ort mit einem Zentrum, sondern als einen Ort mit vielen Zentren und ein Ort, der auf vielfältigen Ebenen Identifikation ermöglicht.

Desintegration probiere eine Gesellschaft zu denken, als einen Ort der radikalen Vielfalt. Radikale Vielfalt sei da ein „Kippbegriff“. Ein Begriff, der eine „konkret utopische Qualität“ habe, der einen Umbau der Gesellschaft und ihre Institutionen anpeilt. Heiße: Die Gesellschaft müsse eine andere werden, damit radikale Vielfalt möglich werde. „Das Versprechen der pluralen Demokratie muss vorangetrieben werden. Und zwar gerade jetzt. Das Viertel der Gesellschaft (Menschen mit Migrationshintergrund), dass über das Integrationsdenken systematisch ausgeschlossen wird, muss anders animiert und aktiviert werden. “ Andernfalls werde die Gesellschaft keine plurale Demokratie mehr sein.

Desintegriert euch!“ ist ein Schlachtruf der neuen jüdischen Szene und zugleich eine Attacke gegen die Vision einer alleinseligmachenden Leitkultur

Max Czollek ist dreißig, jüdisch und wütend. Und begegnet Vielem mit Ironie. Was auch an diesem Talk im DKH auffiel. Denn hierzulande herrschen seltsame Regeln, findet Czollek: Ein guter Migrant ist, wer aufgeklärt über Frauenunterdrückung, Islamismus und Demokratiefähigkeit spricht. Ein guter Jude, wer stets zu Antisemitismus, Holocaust und Israel Auskunft gibt. Dieses Integrationstheater stabilisiert das Bild einer geläuterten Gesellschaft – während eine völkische Partei Erfolge feiert. Max Czolleks Streitschrift entwirft eine Strategie, das Theater zu beenden: Desintegration. „Desintegriert euch!“ ist ein Schlachtruf der neuen jüdischen Szene und zugleich eine Attacke gegen die Vision einer alleinseligmachenden Leitkultur. Wobei ja allein schon der Begriff andeute, dass es daneben halt noch andere Kulturen gibt.

Czollek bringt eine jüdische Perspektive in den Integrationsdiskurs ein, den er auch als „Integrationstheater“ bezeichnet.

Dass Czollek einer „schlauesten Dreißigjährigen ist“ mochten die Zuschauer an diesem Freitag im Freien hinterm Dietrich-Keuning-Haus Aladin El-Mafalaani (der dies eingangs geäußert hatte) sicher im Großen und Ganzen abgekauft haben. Sie werden Dr. Max Czollek darüber hinaus aus eigenem Erleben gewiss ebenfalls als einen sehr klugen und in der Sache glasklar und deutlich argumentierenden Mann erlebt haben. Ein Gelehrter auch, der mit Ironie gehörig zu spielen weiß. Aber es steht zu vermuten, dass die Talk-Besucher am Ende des Abends mit vollgepackten, heißen Köpfen nach Haus gegangen sind. Das von Max Czollek Vorgetragene dürfte Wort für Wort gut verstanden worden sein. Der tiefere Sinn dürfen sich dem Publikum aber vielleicht erst erschließen, wenn es das Ganze ein wenig sacken lässt. Vielleicht kann man sich erst dann auch zur Akzeptanz dieser Polemik „Desintegriert Euch!“ erschließen. Weil man unter Umständen spüren könnte: anders geht es gar nicht.

Die nächsten Gäste beim „Talk im DKH“

Der nächste Gast beim „Talk im DKH“ ist Armin Nasehi. Er kommt am 30. August nach Dortmund. Ihm folgt im September während des Roma-Kultur-Festivals „Djelem Djelem“ Simonida Selimović, eine serbische Roma-Aktivistin. Für den November hat der deutsch-türkische Welt-Journalist Deniz Yücel zugesagt.

Link:

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezension-sachbuch-erinnern-heisst-vergessen-11321183.html

LickLike-Festival 2019 Dortmund gelang es Kultur, Bildende Kunst und Leben mit Liedern für Herz und Seele in Einklang zu bringen

Moderator und Organisator des LickLike-Festivals Ulf Schrader begrüßt die Gäste in der Pauluskirche. Foto: Hans Lantzsch

Am 7. Juli fand im Rahmen der Internationalen Woche Dortmund in und um die Pauluskirche ein Musikfestival mit Kultur- und Kunstmarkt stattfinden. Mit dem LickLike-Sommerfestival trat erstmals der kürzlich gegründete Verein KULTUR UND LEBEN e.V. öffentlich in Erscheinung.

Das LickLike-Festival fand bereits im vergangenen Jahr statt. LICKLIKE ist eine eigene Wortkreation die sich zusammensetzt aus dem
Wort Lick = ein sich wiederholendes Thema in der Musik und Like = Mögen.

Beim diesjährigen LickLick-Festival gelang es prächtig Kultur und Leben zusammenbringen

Das Festival präsentierte eine Mischung aus unterschiedlichen Kulturwelten. Es traten mehrere SängerInnen/Songwriter in Verbindung mit Bildender Kunst, Bildung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf. Ganz Sinne des oben genannten Vereins war es prächtig gelungen, Kultur und Leben in interessante Zusammenhänge zu bringen. Das spiegelte auch ein Kulturmarkt wider. Tolle KünstlerInnen mit sehr unterschiedlichen. ausgefallenen Projekten hatten sich im Kirchhof eingefunden. Grafiken und Malerei waren ausgestellt und konnten käuflich erworben werden. Persönliche Begegnungen untereinander waren erwünscht und wurden auch genutzt, um in einen Dialog einzutreten.

Das Programm fand abwechselnd in der Pauluskirche und wenn dort umgebaut wurde übergangslos weiter im Kirchgarten statt.

Künstlerin Anna Hauke begegnete mit ihr Kunst Tabuisierungen

Anna Hauke hat sich interdisziplinärer Kunst – zwischen Performance, Aktionskunst und Zeichnungen – verschrieben. Die Künstlerin stellte sich auf dem Festival mit Plastiken in Form von Seifen vor. Eine pfiffige Idee: Sie sind als Abdrücke weiblicher Geschlechtsteile, Vulven, von verschiedenen Frauen entstanden. Anna Hauke hat sie silikoniert, eine Form gefertigt und daraus handgesiedete Seifen gemacht. Als Seife wären die Objekte benutzbar. Der Künstlerin ging es bei diesem Projekt darum Tabuisierung und Schamgefühlen etwas entgegenzusetzen. Der Hintergrund: Anna

Anna Hauke (links) bereitet die Kärtchen für die Vulva-Seifen vor. Foto: C. Stille

Hauke ist im streng katholischen Polen aufgewachsen, wo alles was mit Geschlecht und Körper in Zusammenhang steht tabuisiert ist. Hauke fand das eine tolle Möglichkeit sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen: „Noch dazu sieht es gut aus.“ Und sie duften wunderbar. Es gibt die Plastiken mit Kräuterduft und der Geruchsrichtungen Rose/Geranie, Lavendel, Jasmin und Patschuli.

Stephan Schwabs Fotografie und die Spaßagentur „Bureau Hütchen“ war im Kirchgarten stellte im Kirchgarten aus

Mit dabei am 7. Juli war auch Stephan Schwab (Fotografie – Stilleben) mit einer Serie von Kunstwerken, die er sowie zusammen mit dem Illustrator Boris Bromberg unter der Marke „Bureau Hütchen“ (Spaßagentur) unters Volk bringt.

Nic Koray sorgt trotz einer schweren Verletzung mit ihrer Band für musikalische Höhepunkte. Im Kirchgarten brachte ihr Stand Menschen Achtsamkeit mit der Natur nahe

NIc Koray mit ihrem Handicap Sie kann schon wieder lachen. Foto: Hans Lantzsch

Auch Nic Koray hatte den Veranstaltern des Festivals am Samstag einen gehörigen Schrecken eingejagt. Eine schwere Verletzung an der linken Hand drohte zu einer Absage ihres Auftritts zu führen. Glück im Unglück: Nach dem Ende des Heilprozesses wird die Hand wohl wieder voll funktionstüchtig sein. Schließlich einigte man sich, nachdem klar war, dass sie körperlich auf dem Damm war, darauf, dass sie nicht mit ihrem Duo sondern nur zusammen mit ihrer Band, jedoch ohne ihre Gitarre, die sie ja unfallbedingt nicht spielen konnte, auftritt. Das machte einige kurzfristige Änderungen von Arrangements unter den Musikern nötig. Und auch Nic Koray musste sich gehörig umstellen. Aber es wurde letztlich ein großartiger und erfolgreicher Auftritt. Während des Spielens verständigten sich Musiker professionell und überwanden etwaige Irritationen sozusagen spielend. Und wer die gespielten Stücke nicht kannte, dürfte da nichts aufgefallen sein. Nic Korays einzigartige Stimme tönte wieder sensationell. Der Applaus fiel dementsprechend enthusiastisch aus.

Die Deutsch-Türkin Nic Koray kommt aus Herdecke vom Hof HerzBerg Herdecke, wo sie Tiergestützte Intervention und Umweltpädagogik anbietet.

Musikalische Eröffnung seitens der sympathischen und begabten LILOU (Indie – Pop -Folk)

Die Werke von Viola Welker. Foto: C. Stille

Aus den aufgeführten Gründen konnte Nic Koray verständlicherweise auch nicht die musikalische Eröffnung des LickLike-Festivals bestreiten.

Dies fiel nun LILOU zu, die der Kollegin gute Besserung wünschte und diesen Part glänzend zu erfüllen imstande war. LILOU erzählte berührende Geschichten zur Gitarre mit

Lilou. Foto: Hans Lantzsch

stimmungsvoll tönenden Melodien. Ihr melancholischer Gesang kam angenehm klar, herüber
während ihre Musik insgesamt befreiend wirkte. Schlechte Erinnerungen an Stuttgart – wo sie mal in einer Bande spielte – sang sie sich in einem ihrer begeisternden Songs quasi von der Seele.

Grafiken, Malereien, Illustrationen und Skulpturen von Viola Welker, Yeye Weller, Murat Kayi, Holga Rosen und Musik im Kirchgarten von

Gwendolyn & Ich. Foto: C. Stille

Gwendolyn&Ich

Die Dortmunder bildende Künstlerin Viola Welker zeigte auf dem Festival am vergangenen Sonntag Malereien, Illustrationen und Skulpturen.

Des Weiteren waren mit ihren Künsten vertreten: Yeye Weller, Illustrator neu gestalteter Produkte, Plakate und Kampagnen; Murat Kayi mit seiner ersten Ausstellung, Malerei, Zeichnung und Holga Rosen mit seinen satirischen Cartoons. Für Musik im Kirchgarten sorgte mit Gwendolyn&Ich (Offene Bühne)

Unvergessliche Höhepunkte mit Urbain N’Dakon

Ein weitere unvergesslicher Höhepunkt des Tages war zweifellos Urbain N’ Dakon. Der aus der Elfenbeinküste, vom afrikanischen Kontinent, der bekanntlich die Wiege der   Menschheit ist, stammt.

Urbain N‘ Dakon mit seinem Musikerkollegen Ablam Benjamin Akoutou aus Togo. Foto: Hans Lantzsch

Urbain N’ Dakon bestach mit seinem einfühlsamen Gesang, dabei perfekt mit unterschiedlichen Tonhöhe arbeitend, mit den Klängen seiner Akustikgitarre und seinen zwischendurch erzählten Geschichten über Afrika und sein Heimatland – die Elfenbeinküste.

Fesselnd und aus dem Leben gegriffen, die Geschichte von Ekèndèba, der Spinne mit dem dicken Bauch und der komischen Stimme, die von allem nicht genug bekommen kann. Ein Wesen, das kein Mitleid kennt und nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Eine bekannte Geschichte in Westafrika, wie Urbain N’Dakon erklärte. Sie wollte etwa die Weisheit der Welt sammeln. Und sie auf einen hohen Baum in einem Tonkrug nur für sich aufbewahren. Ekèndèba band sich den Tonkrug vor den Bauch und versuchte den Baum hinaufzusteigen. Doch der Krug war dick und Ekèndèbas Bauch ebenfalls. Es gelang nicht. Eine vorbeikommende Schildkröte schlägt ihm vor, den Krug doch auf den Rücken zu binden. Ekèndèba setzt den Vorschlag um und klettert den Baum hoch. Doch der Krug zieht ihn so sehr nach hinten, dass er abstürzt. Der Krug zerbricht. Die Weisheiten fallen heraus und fliegen in alle Himmelsrichtungen. Auch nach Deutschland, auch nach Dortmund, scherzte Urbain N’Dakon. Die Weisheit der Menschen in Dortmund, so der Sänger, habe er sofort gespürt. Und er gab den ZuhörerInnen einen Tipp: „Wählen Sie nie einen Ekèndèba zum Bürgermeister …“ Charaktere wie Ekèndèba, erinnerte der Künstler mit der sympathischen Austrahlung, scheiterten irgendwann immer. Doch tauchten sie stets auch wieder auf in unseren Gesellschaften.

Urbain N’Dakon, Jahrgang 64, hat in der Elfenbeinküste Germanistik studiert und war dort einige Jahre als Gymnasiallehrer für Deutsch und als Berufsberater tätig. Der Sohn einer Hobbysängerin und eines Sportlehrers hatte die Musik immer als Hobby gepflegt, ehe er 1993 nach Deutschland kam. Im Hauptberuf arbeitet Dr. Urbain N’Dakon, dieser außergewöhnliche, kluge Zeitgenosse, als Referent für Qualitätsentwicklung in der Jugendhilfe beim Caritasverband Fulda. Ein Glücksgriff, dass Urbain `N Dakon, den aus Togo stammendem Musiker Ablam Benjamin Akoutou, getroffen hat, welcher ihn einfühlsam auf unterschiedlichen Trommeln begleitete. Beide Musiker gaben noch einige Zugaben im Kirchgarten.

Eine Runde Sache, dieses LickLike-Festival 2019. Hut ab vor dem rührigen Organisator Ulf Schrader und allen anderen MitstreiterInnen im Hintergrund. Und Nic Koray sei von dieser Stelle aus zugerufen: Gute Besserung!

Kirchenfenster der Pauluskirche. Foto: C. Stille

Im Kirchgarten. Foto: C. Stille

Stephan Schwabe und seine Kunst. Foto: C. Stille

Der Stand von HerzBerg Herdecke. Foto: C. Stille

Dortmund: „LickLike-Festival“ am kommenden Sonntag gleich nach dem 1. Klimadialog am Samstag in der Pauluskirche

KünstlerInnen und VeranstalterInnen des LickLike-Festivals: Johannes, Stephan Schwab, Viola Welker, Anna Hauke und Nic Koray (oben v.l.) und unten: Hans Lantzsch,Friedrich Laker und Sabine Laker. Foto: C. Stille

Im Rahmen der Internationalen Woche in Dortmund (29. Juni bis 07. Juli 2019) wird am 7. Juli in und um die Pauluskirche ein Musikfestival mit Kultur- und Kunstmarkt stattfinden. Pfarrer Friedrich Laker wies während eines Pressegespräch daraufhin, dass mit dem LICKLIKE-Sommerfestival erstmals der kürzlich gegründete Verein KULTUR UND LEBEN e.V. öffentlich in Erscheinung tritt.

Das „LickLike-Festival“ hat bereits im vergangenen Jahr stattgefunden, wie Organisator Ulf Schrader erwähnte. LICKLIKE ist eine eigene Wortkreation die sich zusammensetzt aus dem
Wort Lick = ein sich wiederholendes Thema in der Musik und Like = Mögen.

Das Festival möchte Kultur und Leben zusammenbringen. Hochkarätige Musiker und Künstler sind avisiert

Das Festival präsentiert eine Mischung aus Welten, Singer und Songwriter in Verbindung mit Bildender Kunst, Bildung, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Antifaschismus. Im Sinne des eben gegründeten Vereins solle Kultur und Leben zusammengebracht werden. Was sich auch einem Kulturmarkt widerspiegeln wird. Neben kreativen Angeboten ist im Kirchgarten der Pauluskirche auch für Speis‘ und Trank‘ gesorgt. Tolle KünstlerInnen mit sehr unterschiedlichen ausgefallenen Projekten hätten sich angemeldet, fand Ulf Schrader. Zu sehen werden seien Grafiken, Malerei und Aktionskunst wird zu erleben sein. Durchaus auch provokativer Art. Sabine und Friedrich Laker sind als Leiter der Kulturkirche engagiert. Leute, die sich auf dem Markt vorstellen tun das auf eigene Kosten. Auch die Künstler. Die Stadt hat dem Festival

Die Kirchturmspitze der Pauluskirche vom Kirchgarten aus gesehen.

dieses Jahr gerade einmal 4000 Euro zugeschossen. Der Integrationsrat der Stadt Dortmund unterstützt das Festival. Man mache also, sagte Ulf Schrader, Benefiz. Spenden an den Verein KULTUR UND LEBEN sind deshalb erwünscht. In erster Linie gehe es bei diesem Festival freilich um Begegnung und Dialog. Und dabei vorrangig um gesellschaftliche Fragen. KULTUR UND LEBEN als unabhängiger neutraler Verein – auch von der Kirche unabhängig – könne nicht nur beim „LickLike-Festival“ unterstützend tätig werden, da er in der Lage sein wird Förderanträge zu stellen.

Ulf Schrader freue sich auf „hochkarätige Musiker und Künstler“.

Vorgesehen ist, dass das Programm abwechselnd in der Pauluskirche und im Kirchgarten stattfindet.

Anna Hauke will mit ihrer Kunst gegen Tabuisierungen und Schamgefühl angehen

Beim Pressegespräch anwesend war die Künstlerin Anna Hauke, die sich interdisziplinärer Kunst – zwischen Performance, Aktionskunst und Zeichnungen – verschrieben hat. Die Künstlerin hat beispielsweise Plastiken gemacht – eigentlich Seifen, die jedoch aufgrund der Kosmetikverordnung nicht als Seifen gelten dürfen. Sie sind als Abdrücke weiblicher Geschlechtsteile, Vulven, von verschiedenen Frauen entstanden. Anna Hauke hat sie silikoniert, eine Form gefertigt und daraus handgesiedete Seifen gemacht. Die Objekte werden auf dem „LickLike-Festival“ zu erwerben sein. Als Seife wären sie benutzbar. Der Künstlerin ging es bei diesem Projekt darum etwas Tabuisierung und Schamgefühlen etwas entgegenzusetzen. Der

Hintergrund: Anna Hauke ist im streng katholischen Polen aufgewachsen, wo alles was mit Geschlecht und Körper zu tun hat sozusagen ein No-Go ist. Hauke fand das eine tolle Möglichkeit sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen: „Noch dazu sieht es gut aus.“ Und sie duften wunderbar. Es gibt die Plastiken mit Kräuterduft und der Geruchsrichtung Lavendel, Jasmin und Patschuli.

Stephan Schwabs Fotografie und die Spaßagentur „Bureau Hütchen“

Mit dabei am 7. Juli wird auch Stephan Schwab (Fotografie) mit einer Serie von Blumenbuketts sowie zusammen mit einem Kumpel Boris Bromberg, der Illustrator ist, als „Bureau Hütchen“ (Spaßagentur) vertreten sein.

Rentner um Unruhestand Hans Lantzsch wird die Höhepunkte des Festivals im Bild festhalten

Der Rentner im Unruhestand, Hans Lantzsch, früher Prokurist, kam schon während seiner Berufstätigkeit über Prof. Mandel zur Fotografie, die für ihn mehr als ein Hobby geworden ist. Auch Lantsch wird auf dem Festival vertreten sein und es dessen Höhepunkte im Bild festhalten.

Nic Coray sorgt im Duo und mit Band für musikalische Höhepunkte und bringt Menschen im Kirchgarten Achtsamkeit mit der Natur nahe

Auch Nic Coray stellte sich während des Pressegesprächs vor. Sie kommt aus Herdecke vom Hof HerzbergHerdecke, wo sie Tiergestützte Intervention und Umweltpädagogik anbietet. Auf dem „LickLike-Festival wird sie als Nic Coray (Duo) das Festival musikalisch eröffnen. Am Ende der Veranstaltung wird sie zusammen mit der fünfköpfigen NIC KORAY Band das reichhaltige Programm an diesem Sonntag musikalisch ausklingen lassen. Zwischendurch ist Nic Coray im Kirchgarten mit ihrem Stand vertreten. Dort wird sie den Menschen Umweltpädagogik, Achtsamkeit mit der Natur nahebringen und darlegen, was es heißt Nutztiere auf Augenhöhe zu begegnen.

Grafiken, Malereien, Illustrationen und Skulpturen stellt Künstlerin Viola Welker aus

Die Dortmunder bildende Künstlerin Viola Welker, die nebenbei anmerkte – als Anspielung auf Anna Haukes Seifen-Vulven – auch Bilder mit Phallussymbolen (als Fruchtbarkeitsbäume) vorweisen zu können, wird wahrscheinlich mit Grafiken, Malereien, Illustrationen und Skulpturen auf dem Festival am kommenden Sonntag vertreten sein.

Verein KULTUR UND LEBEN möchte die bereits bestehende Vernetzung zwischen Künstlern und Kooperationspartner in Dortmund in breiter Form fortsetzen

Friedrich Laker hob hervor, dass der nichtkirchliche Verein weit in die Zukunft ausgerichtete KULTUR UND LEBEN die schon bestehende gute Vernetzung zwischen Künstlern ganz unterschiedlicher Sparten sowie Kooperationspartnern in der Stadt fördern und damit in „einer breiten Form“ fortsetzen wolle. Dazu gehöre auch Ausstellungen in der Kirche zu präsentieren. Natürlich werde man auch den Erhalt der Pauluskirche als Gebäude (nur ein Förderungsziel des Vereins) im Auge haben. Um dieses als „wichtigen kulturellen und gesellschaftlichen Ort über religiöse Zwecke hinaus“ zu erhalten. Was nicht zuletzt eine Überlebensfrage als Gemeinde sei. Der Verein wolle sich aber auf ganz Dortmund beziehen. Insofern könnten sich

In der Dortmunder Pauluskirche. Foto: C. Stille

KünstlerInnen, die Unterstützung benötigen, an den Verein wenden.

Einen Tag vor dem LickLike-Sommerfestival dazu gut passend: der „1. Klimadialog“ in Dortmund

Dass nun zufällig der „1. Klimadialog“ unter dem Motto „Zukunft ist für alle!“ am 6. Juli – einen Tag vor dem „LickLike-Festival“ – stattfinde, passe sehr gut zu dessen Sinn und Zweck, meinte Pfarrer Friedrich Laker.

Das „LickLike-Festival“ beschließt erstes Halbjahr. Mit dem Musikfestival HALLELUYEH 2019 geht es dann ins zweite Halbjahr 2019

Beim LickLike-Sommerfestival solle auch kräftig gefeiert werden, so wünscht es sich Ulf Schrader. Gleichzeitig wird dieser Termin das Ende des ersten Halbjahres in Sachen Pauluskirche und Kultur quasi einläuten.

Nach den Sommerferien dann geht es in der Pauluskirche wiederum mit einem Musikfestival namens HALLELUYEH 2019 im Rahmen des Hafenspaziergang mit acht Bands hinein ins zweite Halbjahr.

LICKLIKE – Sommerfestival im Rahmen der Internationalen Woche

Singer/Songwriter International

12.00 Uhr: Eröffnung im Kirchgarten
Der kleine Kulturmarkt bietet, neben Speis‘ und Trank‘, interessante
kreative Angebote.
Wechselndes Programm (Pauluskirche/Kirchgarten)

13.00 Uhr: Musikalische Eröffnung mit NIC KORAY (Duo). Die Singer/
Songwriterin ist unterwegs mit Ihrer Gitarre und einem Koffer voller
Songs.

13.30 Uhr: LILOU Indie-Pop. LILOU erzählt berührende Geschichten mit
stimmungsvollen Melodien. Ihr melancholischer Gesang ist angenehm klar,
während ihre Musik insgesamt befreiend wirkt.

14.30 Uhr: URBAIN N’DAKON ist Liedermacher aus Afrika. Gesang,
Klänge der Akustikgitarre und Geschichten von der Elfenbeinküste
laden zum Erholen und Nachdenken ein.

16.00 Uhr: Die NIC KORAY Band erfüllt die Pauluskirche mit kontrastreichen
Stimmungsbildern. Die musikalische Leichtigkeit der 5 Musiker
verbindet sich zuweilen zu orchestral anmutenden Klangerlebnissen.
Das Programm im Kirchgarten wird ebenfalls musikalisch untermalt.

Mit LICKLIKE 2019 präsentiert sich erstmals auch der neu an der Pauluskirche gegründete Förder- und Kulturverein KULTUR UND LEBEN e.V.

Der Eintritt ist frei. Spenden für KULTUR UND LEBEN e.V. sind sehr erwünscht.

Alle Infos auch auf: LickLike 

Facebook & Instagram: „LickLikeLive“

LICKLIKE ist eine eigene Wortkreation die sich zusammensetzt aus dem Wort Lick = ein sich wiederholendes Thema in der Musik und Like = Mögen.

Veranstalter

Pauluskirche und Kultur  in Kooperation mit Kultur & Leben e.V.
Unterstützung von: Integrationsrat der Stadt Dortmund

 

Sonntag, 7.7.2019

PAULUSKIRCHE | Schützenstr. 35

Einlass: 12:00 Uhr | Beginn Programm: 13:00 Uhr

Eintritt: FREI

 

 

10. Afrika Ruhr Festival in Dortmund bot viele Höhepunkte und war Begegnungsplattform für viele unterschiedliche Menschen

Kolumbianerinnen vor der Friedenssäule in Dortmund auf dem Friedensplatz. Fotos: C. Stille

Zwanzig Jahre gibt es den Verein Africa Positive e.V. Dortmund. Die umtriebige Vereinsvorsitzende Veye Tatah hat dieses Jahr einmal mehr mit vielen ehrenamtlichen HelferInnen das nun bereits 10. Afro Ruhr Festival organisiert. Es ist das im Ruhrgebiet wohl größte interkulturelle Festival. Vom 28. bis 30 Juni standen im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) Tanz, viel Life-Musik – bestritten u.a. von Instrumentalisten und Sängern aus Kolumbien und Jamaika, die verschiedene traditionelle Musikstile präsentierten – auf dem Programm. Des Weiteren zogen ein Jugendprogramm, Vorträge mit einer Podiumsdiskussion, Fachforen und ein Afrika-Markt die BesucherInnen an. Menschen unterschiedlichster Herkunft – bei weitem nicht nur mit afrikanischen Wurzeln, sondern auch aus Kolumbien, Chile, Vietnam und vielen anderen Gegenden unserer Welt viele davon zuhause in der Nordstadt – begegneten sich in vielfältiger Form, tauschten sich aus und hatten Spaß zusammen. Bei brütender Hitze boten draußen vor dem Dietrich-Keuning-Haus mehrere Stände kulinarische Speisen und Getränke an. Das Fazit von DKH-Chef Levent Arslan: „Es war

Kinder von einem tamilischen Verein. Hinten Mitte: DKH-Leiter Levent Arslan.

in der Tat in diesem Jahr eine ganz besondere Stimmung. Mittlerweile hat sich das Festival zu einem Ereignis über unsere Stadt- und Ruhrgebietsgrenzen hinaus entwickelt. Das freut uns natürlich sehr.“ Arslan sprach davon, dass zirka mehr als 4000 Gäste das Afro Ruhr Festival 2019 besucht hätten.

Parade der Vielfalt“ vom Friedensplatz mit Höhepunkten unterwegs in die Gefilde der Nordstadt

Die „Parade der Vielfalt“ bringt Lebensfreude in die Dortunder City.

Zu einem Höhepunkt auch des diesjährigen Festivals gestaltete sich die „Parade der Vielfalt“. Sie eröffnete das dreitägige Festival am vergangenen Freitag. DortmunderInnen mit oder ohne Migrationshintergrund, sowie Gäste der Stadt, fanden sich als bunte Truppe, darunter auch Kinder, bekleidet mit phantasievollen und traditionellen Kostümen und Gewändern am Freitagnachmittag auf dem Friedensplatz vor dem Rathaus ein und präsentierten sich zu Trommelklängen auf dessen Treppe mit Blick auf die Friedenssäule. Bürgermeisterin Birgit Jörder war zum Empfang der Parade erschienen. Dann starteten die Menschen zur „Parade der Vielfalt“, angeführt von der Formation Schwarz-Rot Atemgold 09 sowie anderen Musikern, ihren Marsch durch die Stadt. Es ging hinunter in die Stadt über den Westenhellweg zur Kampstraße. Unmittelbar an der Fußgängerzone wurde ein Kreis gebildet. Bei Blasmusik und zu leidenschaftlichen Trommelklängen und zu heißen Rhythmen tanzten kolumbianische Frauen leidenschaftlich und verkörperten, natürliche ungebremste Lebensfreude. Tamilische Kinder in ihren schönen Trachten und dem Schmuck im Gesicht eroberten die Herzen Menschen.

Ein Feuerspucker in der Dortmunder Innenstadt.

Ein Feuerspucker war das absolute absolute Highlight bei diesem Stopp der Parade. Dann ging es weiter über die Kampstraße und die Katharinentreppe hinab. Auf dem Platz davor gab es abermals ein Halt mit Tanz- und Musikdarbietungen, welche die Passanten neugierig machten. Dann zog die „Parade der Vielfalt“ unter wolkenlosem Himmel und bei brütender Hitze – die Menschen im Pulk schon von weitem als knallbunte Tupfer sichtbar – in die Gefilde der Nordstadt ein, um schließlich den Festivalort, das DKH, zu erreichen.

Das dreitägige Programm eröffnete nach Begrüßungsworten von Veye Tatah und Levent Arslan eine Kindergruppe eines tamilischen Vereins

Dort eröffneten Veye Tatah und Levent Arslan – sie hatten ebenfalls an der Parade teilgenommen – gemeinsam feierlich das 10. Afrika Ruhr Festival, das eine einzigartige Begegnungsplattform für möglichst viele unterschiedliche Menschen, sein will. Eine Kindergruppe eines tamilischen Vereins eröffnete das Programm. Musik und Tanzgruppen aus Europa, Afrika, Lateinamerika sowie Asien

Levent Arslan und Veye Tatah eröffnen im Dietrich-Keuning-Haus das Afro Ruhr Festival 2019.

trafen aufeinander und feierten drei Tage gemeinsam. Ein Glanzlicht des ersten Festivaltages dürfte Aicha Kouyate aus Oberguinea gewesen sein, die vor allem in Westafrika eine bekannte Griot-Sängerin ist.

Life-Musik unterschiedlicher Stile, Tänze mit Trommelbegleitung, ein Kinder- und Jugendprogramm – pickepacke voll das Programm am Samstag

Pickepackevoll auch das Programm des zweiten Tages des Afro Ruhr Festivals, der Samstag. Trotz kleiner Verzögerungen im Programmablauf war in der Agora des DKH fast ständig etwas los. Trommelaktionen und Tanz, ein Kinderprogramm und Programm von Jugendlichen mit Poetry Slam, Chorgesang und Tanz auf der offenen Bühne u.a. mit Voice of Tomorrow, Sing 4 you und der Gruppe Dance 4 you – als Aktion der Koordinierungsstelle des Jugendamtes Dortmund, Bereich Kinder- und Jugendförderung aus dem afrikanischen Kulturbereich.

Roughhouse.

Begeistert waren das Publikum vom traditionellen Tanz der Gruppe Mecuda NRW und nicht weniger von Auftritt von Roughhouse, der mit seiner Band und einer

Die Gruppe Mecuda NRW.

harmonisch-fließenden musikalischen Mischung aus Roots-Reggae und Dancehall zu gefallen wusste. Der für den Abend angekündigte Act es Kameruners „Mr. Leo“ musste entfallen: Der Künstler hatte kein Visum für Deutschland bekommen.

Weiter zu erleben waren Tänze aus dem Senegal mit Trommelbegleitung mit Dame Diop und Joe Camara & friends.

Alexandra Wiemer von Radio 91,2 interviewte Veye Tatah zum Thema „10 Jahre Afro Ruhr Festival – Rückblick und Ausblick“. Die Zuschauer erfuhren viel über

Als Miss und Mister Afro Ruhr 2019 gekürt: Geraldine und Khaled.

die nicht immer einfachen Anfänge des Festivals. Alexandra Wiemer überreichte Veye Tatah sozusagen als süßen Dank für das jahrelange Engagement nicht nur für das Afro Ruhr Festival eine Schale selbst gepflückter Kirschen.

Geraldine und Khaled wurden zu Miss und Mister Afro Ruhr 2019 gekürt

Nicht einfach gestaltete sich zunächst die Wahl Miss und Mister Afro Ruhr 2019 – zu viele aussichtsreiche KandidatInnen machten sie zu einer Qual der Wahl. Dann

Gruß- und Dankesworte vom Dortmunder Stadtdirektor und Kulturdezernenten Jörg Stüdemann.

aber eroberten Geraldine und Khaled die Herzen des Publikums. Ihr Preis: jeweils ein 100-Euro-Gutschein für jeweils zwei unterschiedliche Afro-Shops.

Gruß- und Dankesworte von Kulturdezernent Jörg Stüdemann

Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann überbrachte Grüße der Stadt Dortmund und beglückwünschte alle am Gelingen des nunmehr schon 10. Afro Ruhr Festivals zu ihrer wertvollen Arbeit und sprach ihnen seinen Dank aus.

Catalina Valencia und Baterimba Band vermittelten lateinamerikanisches Feeling

Auf eine rhythmische Reise zwischen Jazz, Funk, und lateinamerikanische Musik nahmen Catalina Valencia und Baterimba Band aus ihrem Projekt „Marices“ das Publikum mit. Ihre Songs erzählten vom Alltäglichen, der Liebe, bunten Charakteren und der Sehnsucht. Sie

Catalina Valencia and Baterimba Band.

vermittelten lateinamerikanischen Feeling. Große Emotionen! Kolumbischstämmige Frauen und auch ein paar Mutige aus dem Publikum tanzten, dass der Schweiß in Strömen floss.

Hochinteressant am Samstagnachmittag die Vorträge und eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Bald 60 Jahre Unabhängigkeit und immer noch in den Fängen des Kolonialismus?“. Unter anderen getragen Attac. Die brillant und kenntnisreich argumentierenden Experten die referierten, waren Dr. Boniface Mabanza Bambu (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika KASA), der Wirtschaftswissenschaftler Martial Ze Belinga und Dr. Dereje Alemayehu (Executive Coordinator der Global Alliance for Tax Justice). Eine Erkenntnis daraus: Nach der Entlassung blieben bis heute viele afrikanische Staaten in Abhängigkeit der einstigen Kolonialherren. Ein negative Rolle dabei spielt der CFA-Franc, erfuhren die interessierten ZuhörerInnen im voll besetzen Raum 204 des DKH. 14 ehemalige französische Kolonien benutzen seit 1945 eine Währung, die in der Kolonialzeit von französischen Kolonialherren eingeführt wurde. Kritiker sprechen von einen System „freiwilliger Knechtschaft“ und verurteilen den CFA-Franc als „imperiales Machtinstrument“. Wirtschaftswissenschaftler Martial Ze Belinga erklärte wie der CFA-Franc afrikanische Länder, einstige Kolonien, in Abhängigkeit gefangen hält.

Moderator, Dr. Bonface Mabanza Bambu, Martial Ze Belinga und Dr. Dereje Alemayyehu (v.l.)

Auch mit einem immer wiederkehrenden Argument, wonach die afrikanischen Länder allein an ihrer Korruption krankten, wurde aufgeräumt. Freilich sei die nicht kleinzureden. Aber seien auch Ressourcenabflüsse aus Afrika durch die Ausbeutung seitens der westlichen Wirtschaft mit zu bedenken, die den afrikanischen Ländern für deren Entwicklung fehlen. Ein UN-Panel, so referierte Dr. Dereje Alemayehu habe 2013 herausgefunden, dass zu sechzig Prozent Ressourcenabflüsse aus Afrika Handels- und Wirtschaftsaktivitäten von meistens westlichen Unternehmen stammten. Vierzig Prozent aus Korruption und aus Kriminalität. Der OECD-Generalsekretär habe in einem Bericht einmal gesagt, für jeden Dollar der an Entwicklungshilfe in die Entwicklungsländer kommt, gingen drei Dollar als illegale Ressourcenabflüsse.

Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.

Erzähl mal, wie du es geschafft hast! – zu Gast die künftige Intendantin des Schauspiels Dortmund

In der Afrika Positive-Reihe „Erzähl mal, wie du es geschafft hast! – Jugendliche sprechen mit einem Vorbild“ war Julia Wissert zu Gast, die ab der Spielzeit 2020/2021 Intendantin des Schauspiels Dortmund sein wird.

Familiensonntag zum Abschluss des Afrika Ruhr Festivals

Afrika Markt.

Der letzte Tag des Festivals ist traditionell ein Familiensonntag. Dargeboten wurde ein buntes Programm für alle Generationen. Sowohl im Außenbereich als auch im Haus fanden Aktionen und Workshops für Kinder- und Jugendliche statt. Das Bühnenprogramm war ebenfalls auf die ganze Familie und ausgerichtet und wurde mit Freude aufgenommen.

Weitere Impressionen im Bild