„Generation 9/11. Die verhinderte Aufklärung des 11. Septembers im Zeitalter der Desinformation“ von Ansgar Schneider und Klaus-Dieter Kolenda“ – Rezension

Morgen schreiben wir den elften September 2021. Zwanzig Jahre sind also bereits seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vergangen. Eben erst endete in Afghanistan der längste Krieg, welchen die Vereinigten Staaten von Amerika bislang führten. Und potzblitz: manche Politiker oder Journalismus wundern sich (oder tun so als wunderten sie sich), dass nun die Taliban wieder am Regierungsruder in Kabul stehen. Und noch dazu so rasend schnell nachdem die US-Army sich dünne machten!

Aber mal Butter bei die Fische: Wer sich darüber wundert, hat sich womöglich zwanzig Jahre hinter die Fichte führen lassen vom sogenannten Wertewesten. Oder er kennt seinen „Scholl-Latour“ nicht. Der Journalist und Autor hat früh gewarnt. Er kannte Afghanistan (und nebenbei bemerkt so ziemlich alle Länder dieser Welt) aus eigener Anschauung. Einige seiner Vorträge (auch zu Afghanistan) sind heute auf You Tube zu finden. Ich rate dringend, wer es früher verpasst hat: Aschauen! Wie bereits erwähnt: Peter Scholl-Latour war vor Ort. Selbstredend auch in Afghanistan. Noch im hohen Alter, strapazierte er Rücken und Glieder, indem er sich über Stock- und Stein über holprige Straßen und Pässe durchs Land chauffieren ließ, um für uns zu berichten. Ganz im Gegenteil zu manchen Funk- und Fernsehkorrespondenten, die ihre Meldungen betreffs Afghanistan aus zweiter, dritter und vielleicht auch vierter Hand zu beziehen pflegen. Und die beispielsweise im fernen Kairo mit Blick auf den Nil über Bombenexplosionen in Kabul oder Kandahar berichten. Neulich sagte jemand (ich weiß nicht mehr genau, wo und wer), diese Korrespondenten hätten doch ebenso gut aus Castrop-Rauxel über das viele Jahrzehnte vom Krieg gebeutelten Afghanistan berichten können. (Lesen Sie, so Sie mögen, meine Rezension zu „Der längste Krieg“ von Emran Feroz)

Zwanzig Jahre Lügen betreffs des Afghanistan-Kriegs

Zwanzig Jahre belog man uns in Sachen Afghanistan-Krieg, der nebenbei hierzulande lang nicht Krieg genannt werden durfte, nach Strich und Faden. Und gerade uns Deutschen, den Gut-Menschen schlechthin, erzählte man, wir bohrten dort Brunnen und bauten Mädchenschulen. Der inzwischen verstorbene Verteidigungsminister Struck schoss sogar den Vogel ab, indem er behauptete: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“. Zwar bohrten „wir“ auch Brunnen und bauten Mädchenschulen, aber wir waren doch in Wirklichkeit aus ganz anderen Gründen dort. Und die hingen mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York zusammen und damit, dass wir als braver Vasall der USA der US-Army in den Krieg nach Afghanistan folgten. Übrigens leistete die Sowjetunion nach ihrem Einmarsch in Afghanistan schon viel früher viel in Sachen Bildung und auch betreffs der Förderung der Gleichberechtigung der Afghaninnen. Indes genützt hat es Moskau nichts, wie wir wissen: die Sowjetarmee musste das Land schließlich schmählich und gedemütigt verlassen.

Jeder Krieg beginnt mit einer Lüge

Wir wissen: Jeder Krieg beginnt mit einer Lüge. Auch die Begründungen für den Krieg der USA in Afghanistan sind nicht ganz stubenrein. Um es gedämpft auszudrücken. Nun also wird es wieder spezielle Sendungen im Fernsehen und reihum Presseartikel geben, die sich mit den Terroranschlägen von 9/11 befassen. So wichtig und richtig dies auch ist, so gut wie keiner dieser Sendungen und Artikel wird vermutlich die offenen Fragen anrühren und Unstimmigkeiten ansprechen, die mit diesen Anschlägen in Verbindung stehen. Und vor allem vermeiden, sich kritisch mit den Untersuchungsergebnissen der offiziellen Regierungsuntersuchungen hinsichtlich des Hergangs des Terroranschlags sowie der Herleitung der Ursachen dafür, wieso die Zwillingstürme pulverisiert zu Boden stürzen konnten, zu befassen. Wie der Teufel das Weihwasser werden verantwortlichen Redakteure derlei meiden. Und sollten doch etwas auftauchen, werden sie es – wie die letzten Jahre auch – als Verschwörungstheorie abtun.

Die „offizielle Wahrheit“ über 9/11 ist nicht haltbar

In meiner Rezension von Mathias Bröckers` Buch „Mythos 9/11“ (erschienen im Westend Verlag) zitiere ich daraus: „Die Anschläge des 11.9.2001 dürften als das Jahrhundertverbrechen in die Geschichte eingehen. Wie aber kann es sein, dass auch nach zwanzig Jahren noch immer an der „offiziellen Wahrheit“ festgehalten wird, obwohl bis heute die objektiven Unstimmigkeiten an dieser Version erdrückend sind? Die Kommission zur Klärung der Ereignisse legte einen Abschlussbericht vor, der einer staatsanwaltlichen Prüfung nicht standhält und von dem sich selbst einige Kommissionsmitglieder distanziert haben.“

Ergänzend zum Buch von Mathias Bröckers, der quasi vom ersten Tag, dem 11. September 2001 an diesem Jahrhundertverbrechen dran ist und viel dazu veröffentlicht hat, möchte ich meinen Leserinnen und Lesern ergänzend bzw. dessen Buch flankierend das im fifty-fifty Verlag bereit Mitte Juni 2021 herausgekommene Buch „Generation 9/11“ von Ansgar Schneider und Klaus-Dieter Kolenda unbedingt empfehlen.

Vorwort und Überblick

„Liebe Leserin und lieber Leser, wir sind Zeuge, wie eine ganze Generation von Journalisten, Akademikern und Politikern einen intellektuellen Kampf gegen die Aufklärung der Terroranschläge des 11. September 2001 führt, diesen fördert oder ihn umkommentiert geschehen lässt. Wir sind damit ebenso Zeuge, wie eine neu heranwachsende Generation in einer medialen Landschaft aufwächst, in der die Lüge zur Wahrheit und die Wahrheit zur Lüge erklärt wird. Der 11. September, in amerikanischer Schreibweise 9/11 (»nine eleven«), ist so ein Symbol für eine ganze Generation gesellschaftlicher Leugnung geworden.


Die Terroranschläge des 11. Septembers mit ihren fast 3 000 Todesopfern dienen bis heute der Begründung des »Kriegs gegen den Terror« in Afghanistan, im Irak, in Pakistan und im Jemen. Dieser Krieg, an dem auch Deutschland direkt beteiligt ist, hat Millionen von Menschenleben gefordert und die dortigen Gesellschaften um Jahrzehnte in ihren Entwicklungen zurückgeworfen. In nunmehr zwanzig Jahren ist viel über die Anschläge und die weltweiten Entwicklungen hin zu Krieg und Überwachungsstaates geschrieben worden: viel Falsches und Propagandistisches, aber auch viel Erkenntnisbringendes und wissenschaftlich Begründetes.
Das vorliegende Buch befasst sich mit zwei unterschiedlichen Themenbereichen.

Das erste Thema ist die Zerstörung des World Trade Centers (WTC) am 11. September 2001 in New York City. Ziel des Buches ist es hier, wesentliche Fragen zur Zerstörung des WorldGeneration Trade Centers zu beantworten und einen kurzen Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Arbeiten zu geben.
Das zweite, darauf aufbauende Thema ist die gesellschaftliche Debatte über dieses erste Thema. Dies beinhaltet eine historische, erkenntnistheoretische und gesamtgesellschaftliche Einordnung dieser Debatte, von der wir in diesem Buch zeigen, dass sie vonseiten der großen Leitmedien mit diffamierenden und irreführenden Methoden, von Teilen der akademischen Welt mit pseudowissenschaftlichen Methoden, insgesamt also mit hochgradig manipulativen Methoden geführt wird.


Im politischen Kontext bezeichnet man Formen von organisierter und manipulativer Kommunikation, denen die Absicht zugrunde
liegt, menschliches Denken, Fühlen oder Handeln zu beeinflussen, als Propaganda. Dieses Buch ist also insbesondere auch ein Buch
über Propaganda der Gegenwart und darüber, wie sich pseudowissenschaftliches Gedankengut aus akademischen Kreisen propagandistisch verwerten lässt. Anhand der historischen Entwicklung der letzen 60 Jahren schildern wir, wie dieses Zusammenspiel in einer kontinuierlichen Linie propagandistischer Aktivitäten steht.


Dem Hauptteil des Buches sind vier persönliche Betrachtungen des
11. September vorangestellt. Dem ersten Beitrag des bekannten Filmemachers und Investigativ-Journalisten Dirk Pohlmann folgt
ein Beitrag von Jörg Schneider, einem der renommiertesten statisch-konstruktiv ausgerichteten Bauingenieure der Schweiz. Zwei persönliche Anmerkungen von uns, Klaus-Dieter Kolenda (KDK) und Ansgar Schneider (AS), bilden den dritten und vierten Beitrag.


Der Hauptteil des Buches besteht aus elf Kapiteln und gibt ein Gespräch über den 11. September und die genannten angrenzenden Themen zwischen KDK und AS wieder. Wir haben den Text in Form eines Dialoges gestaltet, weil es einerseits unseren gemeinsamen
Weg darstellt, aus dem dieses Buch hervorgegangen ist, und weil die Dialogform andererseits einen gewissen didaktischen Wert haben
mag. Denn wer Informationen als Ergebnis einer Reihe von Fragen und Antworten, von Rede und Gegenrede erhält, erkennt Sinnzusammenhänge vielleicht besser, als wenn die Informationen ohne solche Fragen und Einwände präsentiert werden.


Wir hoffen also, dass wir mit der Dialogform eine ansprechende, lebendige Erzählform gefunden haben, die Sie, liebe Leserin, lieber
Leser, zum Mit- und Nachdenken anregt. Ob uns das gelungen ist, müssen Sie beurteilen. Das hier sinngemäß wiedergegebene Gespräch ist einem Treffen nachempfunden, das mit den im Laufe des Textes angegebenen
Rahmendaten in Frankfurt am Main stattgefunden hat. Diesen Ort haben wir für ein Treffen gewählt, weil Frankfurt die einzige
Stadt Deutschlands mit einer stadtbildprägenden »Skyline«, einer Silhouette aus Hochhäusern und Wolkenkratzern, ist, die man
unweigerlich wahrnimmt, wenn man sich mit dem Zug dem Hauptbahnhof nähert.“

Quelle: Vorwort und inhaltlicher Überblick von Ansgar Schneider und Klaus-Dieter Kolenda zu „Generation 9/11

Als Leser fühlte ich mich mit der von den Autoren gewählten Dialogform wohl

Dass die Autoren die Dialogform für ihr äußerst interessantes Buch gewählt haben, hat mir als Leser sehr gefallen. Zumal, wenn man im Buch genannte Orte in Frankfurt am Main kennt. Fast fühlte ich mich beim Lesen mit den Autoren gehend am Mainufer, in einer Lokalität mit ihnen sitzend oder an ihrer Seite, da sie eine Brücke überqueren. Manchmal hätte ich mich gern in ihre Gespräche eingeschaltet, um vielleicht meine Meinung einzubringen oder eine Frage zu stellen. Dabei bleiben eigentlich keine Fragen offen. Bis auf die freilich, die diese Anschläge restlos und befriedigend aufklären zu vermöchten. Die Autoren liefern uns Lesern bestimmte Erkenntnisse, die bestimmte amtliche Behauptungen widerlegen. Sie erzählen ihren Lesern keinen vom Pferd. Schließlich sind sie keine „Verschwörungstheoretiker“.

Mit dem Stempel „Verschwörungstheoretiker“ werden kritische und vom Einheitsnarrativ abweichende Meinungen diffamiert

Fragwürdige Medienwächter und Blockwart-Journalisten verpassen Wissenschaftlern und Journalisten, die kritische Fragen stellen und damit vom Einheitsnarrativ abweichen, bekommen heutzutage den Stempel „Verschwörungstheorie“ (den übrigens erstmalig die CIA im Kennedy-Morde zum Einsatz brachte, um Leute mundtot zu machen, die seinerzeit die offizielle Ermittlungsergebnisse anzweifelten) verpasst und somit diffamiert. Was wir ja auch zur Genüge bezüglich der kritischen Betrachtung des Jahrhundertverbrechens 9/11 beobachten können. Journalisten, welche noch lange nicht vor der Rente stehen und womöglich auch noch ein Häuschen abzuzahlen und die Familie zu ernähren haben, werden es tunlichst und verständlicherweise vermeiden, allzu kritisch recherchieren. Und vermeiden vom als „richtig“ und alternativlos ausgegebenen Narrativ abzuweichen. Der Schweizer Historiker Daniele Ganser (auch von ihm ist die Rede im Buch) verlor deshalb seine Stelle an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, als er in Sachen 9/11 nachgrub. Es dauerte nicht lange und ein Vertreter der US-Botschaft intervenierte bei der Hochschule. So rennt das! Ganser ging, setzte aber seine Arbeit anderweitig – erfolgreich – zu unser aller Nutzen fort.

Enttäuschung: Der große Noam Chomsky zieht sich gekonnt mit gedrechselten Worten aus der Affäre

Einmal (S.64) fragt Klaus-Dieter Kolenda Ansgar Schneider: „Was sagt Chomsky denn konkret zum Thema des 11. September?

Ich muss gestehen, dass mich der Inhalt der Antwort Ansgar Schneiders einigermaßen schockiert hat: „Er tut die Sache mit schöner Rhetorik und Unwahrheiten ab, nicht so gehässig, wie es andere tun, aber offenbar mit gleichem Maß an kognitiver Dissonanz.“

Die Rede ist immerhin von Noam Chomsky, einer weltbekannten und hochgeschätzten intellektuellen Ikone der Linken, der sonst mit Kritik nicht hinterm Berge zu halten pflegt. So bezeichnete er die USA etwa als „Schurkenstaat“ oder als „schlimmsten Terroristen der Welt“! Chomsky wird zitiert, wie er einem jungen Mann namens Bob Tuskin auf einer Veranstaltung der Florida State University auf das WTC 7 angesprochen und auf die amerikanische Nichtregierungsorganisation Architects & Engineers for Truth (AE911) (die NGO umfasst 2000 Architekten) hingewiesen wird.

„Chomskys Erwiderung“, so Ansgar Schneider zu Klaus-Dieter Kolenda, „ist sehr lehrreich und geeignet, um zwei typische Mechanismen zur Dissonanzreduktion – nämlich Umdrehung und Abwertung von Tatsachen und Herabsetzung der Menschen, die die Tatsachen vorbringen – beispielhaft zu beschreiben.“ Schneider zitiert Chomsky: „Tatsächlich haben Sie recht: Es gibt einen Konsens innerhalb einer winzigen Gruppe von Architekten und Ingenieuren, eine winzige Anzahl, obschon einige davon absolut seriös sind. …“

Es sind noch mehrere Zitate von Chomskys Antworten auf Tuskins Fragen an ihn aufgeführt. Gekonnt gedrechselt, Mister Chomsky, möchte ich da sagen!

Der „ freie Fall“ des WTC 7

Das ist alles hochinteressant. Schon deshalb, weil die Autoren ihrerseits auch nicht unerwähnt lassen, dass neben den Zwillingstürmen des World Trade Centers auch der Wolkenkratzer WTC 7 eingestürzt war – vom dem manche Menschen bis heute keine Kenntnis haben – in welchen kein Flugzeug gesteuert worden war.

In der (…) „offiziellen Untersuchung der Regierungsbehörde NIST (National Institute of Standards and Technology) aus dem Jahr 2008, in der, ebenfalls auf Grundlage einer Computersimulation, erklärt worden war, der 186 Meter hohe Wolkenkratzer sei durch Bürobrände in sich zusammen gefallen, indem Stahlträger sich durch Feuer verformt hätten, wodurch die einzelnen Etagen nacheinander eingestürzt wären. ZDF und BBC hatten damals in einer aufwändig gemeinsam produzierten Dokumentation zu WTC 7 resümiert: „Offiziell ist das letzte große Rätsel des 11. September nun gelöst“, heißt es bereits in einem – Telepolis-Artikel des Journalisten Paul Schreyer vom 10. September 2019. Die Autoren Schneider und Kolenda befassen sich u.a. genau mit WTC 7.

Schreyer in der Einleitung zu seinem Artikel: In dem vergangene Woche veröffentlichten Abschlussbericht ihrer vier Jahre dauernden Untersuchung erklären die promovierten Bauingenieure Leroy Hulsey, Zhili Quan und Feng Xiao, der Einsturz von World Trade Center 7 am 11. September 2001 sei aufgrund eines „nahezu gleichzeitigen Versagens jeder Säule des Gebäudes“ erfolgt und „nicht durch Feuer“.

Sie stützen sich dabei auf eine neue Computersimulation, die die thermische Wirkung auf die Stahlkonstruktion im Detail nachbildet. Der 126-seitige Bericht wurde am 3. September an der Universität Alaska Fairbanks (UAF) öffentlich vorgestellt.“

Noch einmal sei Paul Schreyer zitiert: „Der neuen Studie zufolge weist die NIST-Untersuchung gravierende methodische Mängel auf. So hat NIST bestehende Bolzen und Verstärkungen der Stahlkonstruktion in seiner Simulation weggelassen (UAF-Studie S. 74-86). Erst durch diese Verfälschung der tatsächlichen Konstruktionsdaten habe die Behörde das letztliche Untersuchungsergebnis erzielen können. Zur Erinnerung: ZDF und BBC hatten zur NIST-Untersuchung damals behauptet: „Jedes Detail, buchstäblich jede Schraube des Gebäudes wurde erfasst.“ Das war, wie sich nun herausstellt, gelogen.“

Unter dem Kapitel 4 „Freier Fall“ (ab S.72), „Vorabendlicher Zwischenstopp mit Limonade: Oosten – Realwirtwschaft am Main, nahe EZB-Neubau, lesen Sie bitte zum WTC 7, das 186 Meter hoch war, plus noch das Penthouse auf dem Dach. Zum Vergleich: Der neue EZB-Bau, welchem die beiden Autoren gerade ansichtig sind, hat eine Höhe von 185 Metern …

Auf den Seiten 77,78,79,80 und 81 finden Sie Schaubilder und Fotos im Zusammenhang mit den Gebäuden des WTC 7 von Animationen von den Untersuchungen.

„Die offizielle Geschichte des 11. September 2001“ kann bei in „Generation 9/11“ im Anhang A auf Seite 187 gelesen werden.

Versagen der Presse und „Akademische Pyseudowissenschaft“

Dem Kapitel 5 „Propaganda in den Leitmedien“ ist ein interessantes Zitat des Deutschen Presserats vorangestellt. Wobei man als Leser – wenn man das Agieren der deutschen Leitmedien, des deutschen Journalismus in nahezu voller Breite, mindestens seit der Ukraine-Krise samt Maidan-Putsch ab 2014 aufmerksam verfolgt hat – nicht weiß, ob man darüber lachen oder bitterlich weinen soll: „Die Achtung vor der Wahrheit der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“

Im Gespräch der beiden Autoren geht auch um das Thema Verschwörungstheorien und wie diese im Allgemeinen definiert werden.

Dieses Kapitel sollten die Leserinnen und Leser akribisch durchackern. Da werden Sie einiges wiedererkennen.

Schließlich landen wir bei den Kapitel 7 „Akademische Pseudowissenschaft“ (S.102) bei Prof. Dr. Michael Butter, einem deutschen Amerikanisten. Seit 2014 ist er Professor für amerikanische Literatur und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Verschwörungstheorien, Film und Fernsehen sowie Kolonialzeit und die Frühe Republik (USA). Aha! Einer der – so möchte ich es mal ausdrücken: üblichen Verdächtigen. Daniele Ganser und manch anderem ist er aus gutem Grund bekannt!

Auf die Frage nach dessen Bedeutsamkeit antwortet im Buch Ansgar Schneider (S.102): „Michael Butter ist deswegen wert, kommentiert zu werden, weil er von den großen Medienhäusern, den Tageszeitungen, den Wochenzeitungen, im Radio und Fernsehen eine Bühne geboten bekommt wie sonst keine zweite Person, die von sich selbst sagt, sie würde über „Verschwörungstheorien“ „forschen“. Die Medien haben ihn ausgewählt, nicht ich.“

Wie kommt eigentlich ein Literaturwissenschaftler dazu, „Experte“ für Verschwörungstheorien zu sein, habe ich mich oft gefragt.

Ansgar Schneider beurteilt Butter hart: „Butters Argumentation fehlt in guten Teilen der Realitätsbezug, bezeugt einen erstaunlichen Informationsmangel und ist in seinen zentralen Punkten nichts weiter als pseudowissenschaftlich. Ich würde das nicht so drastisch formulieren, wenn es nicht notwendig wäre, um eine ehrliche Analyse der gesellschaftlichen Debatte zu erstellen.“

Klaus-Dieter Kolenda wird später (S.143) aufgrund von abgedruckten Gegenüberstellungen feststellen: „Diese Gegenüberstellungen erwecken den Eindruck, dass Butters argumentative Methoden – sagen wir – nicht unähnlich sind zu denen eines CIA-Propagandisten der 60er-Jahre.“

Schneider wiederum gibt zu bedenken: „Die menschliche Psychologie ist in unseren Zeiten nicht anders als zu Kennedys Zeiten oder zu Zeiten Ramses dem II. und es ist das Brot- und Buttergeschäft eines Geheimdienstes, die Methoden der massenpsychologischen Beeinflussung zu kennen, selbst zu perfektionieren und einzusetzen. Deswegen wäre es ein Fehler anzunehmen, diese Methoden wären veraltet oder würden weniger effektiv sein als damals.“

Unter „Beschreibung“ heißt es bei den „Buchkomplizen“:

„An welcher Stelle zwischen Demokratie und Faschismus befindet sich unsere Gesellschaft? Verbreiten die großen Medien Desinformationen und verhindern eine kritische gesellschaftliche Debatte? Welchen Beitrag leistet Pseudowissenschaft aus deutschen Universitäten zur Erschaffung von Trugbildern über unser politisches System und historische Ereignisse?
Der Physiker Ansgar Schneider und der Mediziner Klaus-Dieter Kolenda begegnen diesen Fragen in einem anregenden Gespräch über die Zerstörung des World Trade Centers, Wissenschaft und Pseudowissenschaft, den Tiefen Staat und „Verschwörungstheorien“, weltweite Propaganda und eine Generation gesellschaftlicher Leugnung.
Die Zeit der offenen Worte ist gekommen!“

Quelle: Buchkomplizen

Ansgar Schneider: Die nachfolgenden Kriege und das Wandeln der offenen Gesellschaften in einen zunehmend autoritären Staat mit real existierender digitaler Zensur und Überwachung sind und waren nur möglich, weil die großen Medien effektiv einen Schutzschirm über die politischen Akteure halten“

Abseits von 9/11 – dessen Tragik er überhaupt nicht zu schmälern gedenkt – stellt Ansgar Schneider gegen Ende des Buches (S.181) fest (…) „das Totalversagen der großen Medien und die daraus folgende Übernahme der Propaganda in breiten Bevölkerungsschichten mit der vollständigen Resistenz gegen wissenschaftliche Erkenntnis, gegen kritisches Nachfragen und die Ächtung und Entmenschlichung der Kritiker. Die nachfolgenden Kriege und das Wandeln der offenen Gesellschaften einen zunehmend autoritären Staat mit real existierender digitaler Zensur und Überwachung sind und waren nur möglich, weil die großen Medien effektiv einen Schutzschirm über die politischen Akteure halten.“

Ich denke, man kann hier die in der Corona-Krise weiter verschlimmerte gesellschaftliche Situation und das entsetzliche Agieren von weiten Teilen des Deutschen Journalismus hier ruhig dazu denken.

Klaus-Dieter Kolleda rekurriert auf Daniele Ganser, der Hoffnung in die UNO betreffs einer neuen und unabhängigen Untersuchung der Terroranschläge von 9/11 geäußert hätte. Zwar würde wohl der UNO-Sicherheitsrat eine derartige Untersuchung nicht einleiten, weil die USA gewiss ein Veto einlegen würden. Jedoch die UNO-Generalversammlung könne durchaus eine neue internationale Untersuchung der Terroranschläge von 9/11 beginnen und Zeugen befragen.

Ansgar Schneider ist skeptisch

Die UNO habe in diesem Kapitel eine unrühmliche Rolle gespielt. Schon einen (!) Tag nach den Anschlägen hätte die der Formulierung „wie alle internationalen terroristischen Handlungen“ impliziert, dass es sich bei den Anschlägen um ein „internationales“ Verbrechen gehandelt habe. Eine Tatsachenfeststellung ohne jegliche Untersuchung und ganz gar ohne Beweise vorgenommen zu haben sei „grotesk“. Und Russland und China hätten diese Resolution mitgetragen. Nun seien allerdings die Diplomaten, die da arbeiten weder naiv noch schlecht ausgebildet. Der ersten Resolution seien dann am 28. September und 12. November 2001 sogar noch zwei weitere gefolgt, die diese Tatsachenfeststellung wortgleich bekräftigten.

Wo keime da Hoffnungen, wenn bedeutsame Spieler wie Russland und China keine Anstalten machten Aufklärung verlangten? Dann könne ja da kaum von wirtschaftliche abhängigen kleineren Ländern erst recht nicht erwarten, dass sie die Frage nach Aufklärung in der UNO-Generalversammlung vorbrächten.

Daraufhin Klaus-Dieter Kolenda (S.183): „Herr Schneider, sind Sie Pessimist?“

Schneider gibt zurück: „Empirisch betrachtet kann man wohl kaum mehr als Pessimist sein.“

Kolenda: „So kann aber aus marketingtechnischen Gründen das Buch nicht enden!“

Die Frage ist: Können wir den Prozess der Aufklärung noch hinreichend beschleunigen, um realpolitischen Druck auszuüben; hinreichend schnell, bevor die Verantwortlichen und die Mitläufer in Medien, Politik und Universitäten ausgestorben sind?“

Ansgar Schneider auf Kolendas Hinweis: „Sie können auch optimistisch feststellen, dass die Anzahl der Menschen, die die Lügen über den 11. September 2001 durchschauen, immer größer wird. Die Aufklärungsbewegung wird größer. Das sollte auch ein abschließender Appell an die Leser sein: Sprechen Sie mit ihren Bekannten, politischen Freunden und Ihrem Bundestagsabgeordneten über den 11. September. Geben Sie dieses Buch weiter und verlangen Sie eine sachbezogene Stellungnahme. Die Frage ist: Können wir den Prozess der Aufklärung noch hinreichend beschleunigen, um realpolitischen Druck auszuüben; hinreichend schnell, bevor die Verantwortlichen und die Mitläufer in Medien, Politik und Universitäten ausgestorben sind?“

Da bleibt mir als Rezensent nichts walter ulbricht (sagten wir früher in der DDR öfters, wenn wir „nichts weiter übrig“ meinten. Zur Person Walter Ulbricht hier), als mich dem Appell von Ansgar Schneider (und der von Klaus-Dieter Kolenda daraufhin geäußerten diesbezüglichen Hoffnung) vollumfänglich zustimmend anzuschließen und gleichzeitig meinen sehr verehrten Leserinnen und Lesern zwecks Unterstützung ans Herz zu legen.

Bitte lesen und weiterempfehlen!

Selbiges gilt für dieses Buch der beiden Autoren. Also: Bitte lesen und weiterempfehlen! Mehr davon! Über das darin sozusagen auf einem Spaziergang mit Zwischenstopps auf dem Boden von „Mainhattan“ Erörterte dürften wir in den Tagen am 11. September 2021 und drumherum in den Leit- und Öffentlich-Rechtlichen Medien kaum etwas zu hören bekommen. Bloß keine schlafenden Hunde wecken, werden die zuständigen Redakteure denken (müssen)!

Fakt ist, dass 9/11 ein äußerst einschneidendes Ereignis war. Den fast 3 000 Todesopfern, welche die Terroranschläge auf das World Trade Center forderten und welche gleich kurz darauf dazu dienten den »Krieg gegen den
Terror« in Afghanistan, im Irak, in Pakistan und im Jemen zu begründen. Millionen Menschen forderte dieser Krieg. Ganze Länder erfuhren schwere Verwüstungen.

Wir alle müssen wieder zu einer Diskursfähigkeit finden

Im Laufe der Jahre nach 9/11 wurden der Überwachungsstaat immer weiter ausgebaut. Einmal eingeführte Maßnahmen sind im Grunde nicht wieder zurückgenommen. Ähnliches lassen im Rahmen der Corona-Pandemie erlassenen Verordnungen befürchten, die unsere Grundrechte eingeschränkt haben. 9/11 ist nicht glaubwürdig aufgeklärt, betreffs des Maidan-Putschs wurde seitens der Leitmedien gelogen und über den Afghanistan-Krieg sowieso. In der Corona-Krise erleben wir Auswüchse, die totalitäre Züge annehmen und zur Beschädigung der Demokratie geführt haben. Die Spaltung der Gesellschaft – zuvor schon gespalten – ist nun noch viel mehr gespalten. Nicht zuletzt durch die Diffamierung der Ungeimpften. Es weht ein Hauch von Apartheid. Das lässt nichts Gutes, sondern eher eine dystopische Entwicklung befürchten.

Das muss aber durchaus nicht so kommen. Weshalb auch ich nicht pessimistisch enden möchte. Bücher wie das hier vorliegende (und weitere, die ich ebenfalls rezensiert und die Rezensionen im Text verlinkt habe und andere mehr) erfüllen eine wichtige Informations- Aufklärungsaufgabe. Und sie können und sollten auch dazu dienen, uns aufzurütteln. Wir alle müssen wieder zu einer Diskursfähigkeit finden. Ein „Weiter so“ darf es für mein Dafürhalten nicht geben. Immer mehr Lügengebäude stürzen ein. Wir brauchen mehr kritische Aufklärung. Der Hut brennt!

Hinweis: Nebenbei möchte ich rund um das Thema 9/11 noch einen guten Thriller von Mathias Bröckers und Sven Böttcher empfehlen: „Das fünfte Flugzeug“.

Ansgar Schneider, Klaus-Dieter Kolenda

Generation 9/11

Die verhinderte Aufklärung des 11. Septembers im Zeitalter der Desinformation

  • fifty-fifty
  • Softcover
  • 224 Seiten
  • 1. Auflage
  • 21,5 cm x 13,5 cm
  • Erscheinungsdatum: 19.07.2021
  • Artikelnummer 978-3-946778-25-7
  • 18,00 Euro

„Begegnungen mit Peter Scholl-Latour“ – Ein persönliches Portrait von Ramon Schack

Erst vor Kurzem hatte ich hier am Beispiel der Dortmunder Malerin Bettina Brökelschen aufgezeigt, welch Einfluss die Begegnung mit einem interessanten Menschen auf das weitere Leben eines Menschen ausüben kann.

Ähnliches hat der Journalist und Politikwissenschaftler Ramon Schack erlebt. Wenn ich ehrlich bin, beneide ich ihn um dessen persönliche Begegnung mit einem ganz Großen: Nämlich Peter Scholl-Latour. Er hatte ihn vor vielen Jahren zufällig getroffen und war mit ihm ins Gespräch gekommen. Und dann hatten sich beide über die Jahre – bis nahezu zum Tode Scholl-Latours im Jahre 2014 – immer wieder getroffen. Aus der Begegnung erwuchs ein beruflicher Kontakt, eine gute Bekanntschaft und später sogar eine Freundschaft.

Der Journalist Peter Scholl-Latour war in seiner Branche früh eine Ausnahmeerscheinung und blieb bis zum Schluss

Der deutsch-französische Journalist Peter Scholl-Latour war schon früh eine Ausnahmeerscheinung in seiner Branche. Und er blieb es bis zum Schluss. Erst recht wäre er es heute! In Zeiten, da der deutsche Journalismus vor allem bezüglich seiner Funktion als Wachhund der Politik im Sinne der Vierten Gewalt, leider ziemlich auf den Hund gekommen ist. Weshalb nicht nur ich immer öfters feststelle: Der Mann fehlt.

„Den Medien“, schrieb Medrum.de am 18.8. 2014, „hält der Journalist und Kenner vieler Brennpunkte des Weltgeschehens vor, überall Desinformation aufzugreifen und falsche Bilder zu vermitteln, anstatt über das tatsächliche Geschehen und seine Hintergründe unvoreingenommen und qualifiziert zu berichten.“ Medrum.de verweist im selben Text auf Interview mit Scholl-Latour hin: „Im Interview mit BR Alpha merkt Scholl-Latour zu seiner kritischen Distanz gegenüber westlichen Denkschablonen an, er sei sehr eng mit den Menschen in anderen Erdteilen zusammenkommen und habe gemerkt, dass unsere Vorstellung, dort Demokratie und Parlamentarismus einzuführen, illusorisch sei, dass man den Ländern ihre eigene Natur und Kultur lassen müsse. Er sei nie ein Prediger gewesen, der versucht habe, die Welt zu verbessern. So wäre etwa ein Versuch, die Chinesen zur amerikanischen Form der Demokratie zu bekehren, purer Blödsinn. Außerdem werde dauernd gelogen.“

Scholl-Latour kritisierte die Berichterstattung: „Die Leute haben keine Geschichte gelernt“

Und weiter stellte Peter Scholl-Latour laut Medrum.de fest: „Scholl-Latour betont, er habe früher noch die Möglichkeit zur kritischen Berichterstattung gehabt und dabei auch den Schutz des Intendanten gehabt. Heute sei vieles anders. Inzwischen sei er so weit, wenn er Nachrichten sehen wolle, dass er ntv ansehe statt ARD und ZDF. Auf die Frage „Warum?“ antwortet Scholl-Latour: „Weil die nichts mehr bringen.“ Auf den Einwand, die Geschehnisse in der Ukraine seien Gegenstand intensiver Berichterstattung gewesen, entgegnet Scholl-Latour: „Aber falsch! Aber falsch!“ Das Grundproblem der Ukraine werde nicht verstanden.  An der Berichterstattung sehe man, so Scholl-Latour: „Die Leute haben keine Geschichte gelernt. Rußland ist in Kiew entstanden. Kiew ist der Ursprung Russlands.“ In diesem Zusammenhang kritisiert Scholl-Latour auch die Voreingenommenheit der Journalisten, die zum Beispiel bei der Berichterstattung vom Maidan deutlich zu erkennen gewesen sei.“

Hoher Respekt für einen Journalisten, der die Welt aus eigener Anschauung kannte

Manche Schlaumeier in Journalisten und Medienkreisen warfen Scholl-Latour direkt oder hinter vorgehaltener Hand vor, eine Unke zu sein. Nicht selten jedoch behielt der große alte Mann des Journalismus aber mit seinen Befürchtungen recht. Wir müssen nur heute einmal kritisch in die Welt hinausschauen. Der Mann zählte einfach nur eins und eins zusammen. Dabei war er freilich kein Wahrsager der sich einer Glaskugel bediente. Sondern ein gebildeter Mensch, der sich in der Welt und in der Geschichte auskannte. Deshalb schätzte ich den Mann, der die Welt aus eigener Anschauung kannte, und brachte ihm hohen Respekt entgegen.

Umso mehr merkte ich auf, als ich auf das bereits 2015 erschienene Buch „Begegnungen mit Peter Scholl-Latour“, mit dem Untertitel „Ein persönliches Portrait von Ramon Schack“ aufmerksam wurde. Ich kaufte es und, mich freuend auf die Lektüre, stürzte ich mich sogleich – sozusagen Hals über Kopf – hinein. Es fesselte mich bis zum Schluss. Und trieb mich dann sogleich dazu an, endlich zwei bereits angefangene Scholl-Latour-Bücher, die ich wegen anderen „Leseaufgaben“ zwecks Rezension, hatte schweren Herzens zunächst zurück auf die Halde noch zu lesender Bücher gelegt hatte, weiterzulesen.

Ich hatte schon früher in der DDR Scholl-Latours TV-Reportagen (hauptsächlich zur Zeit des schrecklichen Vietnam-Krieges) im Westfernsehen verfolgt. Und auch an seinen Lippen gehangen, wenn er später anderweitig und in anderen Kontexten zu sehen war. Etwa in Talkshows, wo er gegen Ideologisch bedingte Dummheit, Arroganz, Demagogie und Unwissenheit seitens der anderen Gäste ankämpfte und oft der einige war, wusste wovon er sprach. Denn er war nicht nur ein großartiger Journalist, sondern eben auch ein in Geschichte und Religionen äußerst belesener durch seine vielen Reisen klug und weise gewordener Mann. . Scholl-Latour hat alle (!) Länder der Welt bereist. Zuletzt noch im hohen Alter. Und wenn er aus und über die vielen Weltgegenden berichtete, wusste er wovon er sprach. Heute ist es ja oft leider so, dass Korrespondenten oft weit weg vom Ort des Geschehens berichten.

Vor allem kannte sich Scholl-Latour in der arabischen Welt und dessen Geschichte, der Weltgeschichte insgesamt ohnehin, perfekt aus. Weshalb oft er als d e r „Welterklärer“ galt. Viele große Staatenlenker hatte er persönlich getroffen. Als der greise, Ajatollah Ruollah Musawi Chomeini, politischer und religiöser Führer der Islamischen Revolution von 1979, von Paris aus nach Teheran flog, war Peter Scholl-Latour mit an Bord der Maschine. Doch damit nicht genug: Man hatte ihm die Verfassung der Islamischen Republik Iran vorsichtshalber anvertraut.

Gregor Gysi hat übrigens das Vorwort zu Ramon Schacks Buch geschrieben. Und ich schließe mich betreffs der Beurteilung von Scholl-Latour Gysis Worten an. Nämlich, dass Scholl-Latour für unsere Medienlandschaft sehr wichtig gewesen sei. Gysi weiter und ich kann dem Politiker auch hierin beipflichten: „Nicht, dass ich jedes politische Urteil und jede Kommentierung mit ihm geteilt hätte. Dazu hätte ich konservativer sein müssen.“

Scholl-Latour sei einer der wenigen gewesen, die kritisch auf den Krieg der NATO in Afghanistan, der „Koalition der Willigen“ im Irak und auf die Intervention in Libyen reagiert habe. Diese Skepsis fehle Gysi in diesem „so unkritisch gewordenen, affirmativen Zeitgeist“. Was auch ich dreimal unterstrichen haben möchte!

Ramon Schack bekennt, bei seinem Portrait handele es sich um „kein objektives Buch“: „Nein, es ist subjektiv bis ins Mark.“ Es handele sich um Schacks „persönliche Würdigung Peter Scholl-Latours, in Form eines Portaits, welches auch biografische Elemente beinhaltet“.

Ja, und es stimmt wohl , was dieses dem Buch voran gesetzte Zitat Leopold von Ranke zum Ausdruck bringt:

„Eine große Persönlichkeit bemerkt man nicht allein wenn sie gegenwärtig ist; man wird ihren Wert erst dann noch mehr inne, wenn die Stelle leer ist, die sie einnahm“

Quelle: Leseprobe aus dem im 3 Seiten Verlag erschienen Buch via Bücher.de

So erging es auch dem Autor Ramon Schack und sicher vielen anderen, die Arbeit Scholl-Latours schätzten.

Der 3 Seiten Verlag schrieb im Erscheinungsjahr 2015 zum Buch:

„Über ein Jahr ist seit dem Tod von Peter Scholl-Latour vergangen. Die Lücke, die sein Ableben hinterlassen hat, ist für viele Menschen noch schmerzhaft spürbar. So auch für Ramon Schack. In den vergangenen Monaten, nach dem Tod von Scholl-Latour, wurde Ramon Schack erst richtig bewusst, welchen Einfluss Peter Scholl-Latour auf sein Leben hatte.“

Und weiter: „In den Augen Schacks, unterschied sich Scholl-Latour vorteilhaft von jenen Kollegen, die ihr fest gefügtes Weltbild nicht durch eigene Recherche vor Ort durcheinanderbringen lassen. Aus diesem Grund hat er seine Begegnungen mit Peter Scholl-Latour literarisch aufgearbeitet.

„Begegnungen mit Peter Scholl-Latour“ – Es ist nicht zu viel versprochen: Schacks Buch „bietet frische und interessante Impressionen aus dem Leben sowie auf das Werk und den Menschen Peter Scholl-Latour, flankiert von den politischen Umbrüchen und historischen Umwälzungen, über die er über ein halbes Jahrhundert hinweg berichtete. Ferner werden dem geneigten Leser das Lebensgefühl und die Weltanschauung Peter Scholl-Latours vermittelt, basierend auf persönlichen Begegnungen und Gesprächen, flankiert von den Erinnerungen und Erfahrungen einiger seiner Freunde, Weggefährten und Zeitgenossen. „Begegnungen mit Peter Scholl-Latour“ ist ein persönliches Portrait von Ramon Schack und eine Hommage an eine der größten Persönlichkeiten unserer Zeit.

Ramon Schack hat ein mit Herzblut und hohem Respekt für den erfahrenen älteren Kollegen Peter Scholl-Latour Buch geschrieben. Eine Hommage!

Ich, liebe Leserinnen und Leser kann ihnen das mit viel Herzblut und hohem Respekt des Jüngeren für den erfahrenen älteren Kollegen, welcher ein bleibendes Vorbild für ersteren ist, geschriebene Buch – eine Hommage auf einen ganz Großen des Journalismus – von Ramon Schack nur wärmstens empfehlen. Und seien Sie gewiss: Nachdem Sie es mit Interesse gelesen haben, werden Sie „Appetit“ auf eines der von Peter Scholl-Latours eigener Hand geschriebenen Bücher verspüren und sie erwerben wollen. Der Mann fehlt! Was würde er wohl zu unserer heutigen Zeit zu sagen haben?

Des Weiteren möchte ich Ihnen, lieber Leserinnen und Leser auch empfehlen die journalistischen Beiträge von Ramon Schack zu verfolgen und zu rezipieren

Gewiss wird auch sein Gesprächsformat „Impulsiv TV“ bald wieder auf Sendung gehen. Wie ich erfuhr, ist der Umbau des Studio so gut wie abgeschlossen.

Zum Autoren Ramon Schack

Ramon Schack ist Diplom-Politologe, Journalist und Publizist. Er schreibt für die Neue Zürcher Zeitung, Deutschland Radio Kultur, Telepolis, Die Welt, die Berliner Zeitung, „das Handelsblatt“, „Das Parlament“, die Süddeutsche Zeitung und viele andere. Nach einem längeren Aufenthalt in London, lebt Ramon Schack seit 2003 in Berlin. Der Nahe Osten, Osteuropa, der Islam, Politischer Extremismus, die Offene Gesellschaft und ihre Feinde, sind die Schwerpunkte seiner journalistischen Arbeit. 2013 erschien sein Buch“Neukölln ist Nirgendwo“, welches schon im Vorfeld der Veröffentlichung medial stark diskutiert wurde. Ramon Schack – Jahrgang 1971 – veröffentlichte unter Anderem Reportagen und Reiseberichte aus China, der Mongolei, Russland, Armenien, Georgien und Aserbaidschan, sowie Äthiopien

Das Buch

Ramon Schack

Begegnungen mit Peter Scholl-Latour

Ein persönliches Portrait von Ramon Schack

Preis: 16,99 €

versandkostenfrei*

Erschienen im 3 Seiten Verlag

Jahrhundertmensch Georg Stefan Troller im Gespräch mit Denis Scheck bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen 2019

Schon zu DDR-Zeiten sah ich zu, dass ich keinen seiner Filme in der ARD verpasste: Georg Stefan Troller bestach mit seinem ganz besonderem Blick auf die Stadt Paris und deren Menschen. Ob es nun Clochards, Dichter, Arbeiter, Schriftsteller, Filmstars, Marktfrauen oder Intellektuellen waren, die er porträtierte. Mit der Porträtserie „Personenbeschreibungen“ (ZDF) revolutionierte er – gewiss ohne das damals selbst gewusst, noch in irgendeiner Weise geplant zu haben das deutsche Fernsehen. Das geschah wohl in erster Linie durch Trollers radikal subjektive Art des Fragens und Betrachtens. Die wohl berühmteste von ihm verantwortete Sendung trug den Titel „Pariser Journal“.

Jahrhundertmensch Georg Stefan Troller im Gespräch mit Literaturkritiker Denis Scheck

Am Dienstag dieser Woche nun ergab sich die sicherlich einmalig bleibende Gelegenheit Georg Stefan Troller einmal persönlich zu erleben: und zwar

Jahrhundertmensch Georg Stefan Troller. Foros: C. Stille

bei den derzeit laufenden Ruhrfestspielen Recklinghausen. Der Literaturkritiker Denis Scheck. Scheck ist von der Intendanz für die Reihe „… im Gespräch mit Denis Scheck“ verpflichtet worden. Neben Herta Müller und Louis Begley stand ganz vorne auf dessen Gästewunschliste der Radio- und Fernsehjournalist, Schriftsteller und Dokumentarist Georg Stefan Troller. Mit 97 Jahren ohne Zweifel ein Jahrhundertmensch!

Womöglich kennen viele junge Leute Troller gar nicht mehr – ein Manko!

Der Saal des Großen Hauses im Ruhrfestspielhaus auf dem Grünen Hügel der Stadt Recklinghausen im Stadtgarten hatte sich gut mit vielen von Trollers AnhängerInnen gefüllt. Viele auch schon jenseits der 50 oder 60 und älter. Man muss fürchten, dass die jungen Leute – obgleich auch von ihnen welche im Saal waren – Georg Stefan Troller heute womöglich gar nicht mehr kennen. Ein Manko, dass ihnen – kennten sie seine Arbeiten (man wird durchaus auf You Tube diesbezüglich fündig) sicherlich also solches benennen würden.

Denis Scheck sprach mit Troller im ruhigen Plauderton

Als Georg Stefan Troller die Bühne betrat brandete rauschender, begeisterter, warmer, herzlicher Applaus auf. Den genoss der 97-Jährige sichtlich. Mit Literaturkritiker und Moderator Denis Scheck. nahm Troller an einem Tisch in der Bühnenmitte Platz. Das Licht war dezent auf beide Personen konzentriert. Denis Scheck stellte im ruhrigen Plauderton seine Fragen, um den Jahrhundertmenschen Troller und dessen ereignisreiches Leben für die ZuschauerInnen vorzustellen.

Ein schmerzlicher Einschnitt in Trollers Leben: Der Anschluss Österreichs ans „Dritte Reich“

Sie erfahren: Georg Stefan Troller, geboren am 10. Dezember 1921 in Wien als Sohn eines jüdischen Pelzhändlers. Ein Weltbürger, Menschenforscher. Der Anschluss Österreichs an das „Dritte Reich“ zwang den Siebzehnjährigen zur Emigration. Es sei ihm, so erzählte Troller, noch heute unbegreiflich, wie so viele ÖsterreicherInnen auf diesen Hitler mit kleinen Bärtchen hereinfallen konnten. Eine Erklärung: es waren für viele Menschen schwere Zeiten und in Hitler setzten sie Hoffnungen, dass er ihr Leben würde verbessern können. Furchtbar für Troller: Für seine MitschülerInnen, „… die in der Schule von mir und ich von ihnen abgeschrieben hatten“, sei er sozusagen von heute auf morgen zu einer Unperson – Luft – geworden, mit der man weder weiter verkehrte noch sprach. Schmerzlich sei das gewesen. Was ihn damals verwunderte: quasi über Nacht tauchten an den Armen von Polizisten und anderen Typen Naziarmbinden auf. Die mussten doch schon lange vorher hergestellt worden sein und ins Land verbracht worden sein! Die österreichischen Juden hätten das Vorgehen der Nazis gegen sie überhaupt nicht verstanden: waren sie doch bestens integriert gewesen, hatten im Militär gedient und im Ersten Weltkrieg für Österreich gekämpft!

Flucht vor den Nazis, Rückkehr über die USA als Corporal der US-Army nach Europa

Auf Trollers Flucht vor den Nazis , erfuhr das Publikum durch Denis Schecks Fragen, erlebte er das vom Krieg gezeichnete Paris und erreichte schließlich die USA. Nach Europa zurück, auch nach Deutschland, kam er zuerst als amerikanischer Soldat im Range eines Corporals. Seine ursprünglich Einheit in der US-Army verließ er wurde in einer anderen Gefangenenvernehmer. Schon damals – wie später bei seinen späteren Interviews – setzte er darauf, zwischen den deutschen Soldaten in Gefangenschaft eine Vertrauensbasis zu schaffen, damit sie redeten, womöglich Informationen preisgaben, die für US-Army dringend vonnöten waren. Und alle – bis auf einen – hätten sie schon recht rasch geredet. Geradezu ein Bedürfnis zu reden hätten sie gehabt. Freilich wären fast alle „Nazigegner“ gewesen, schmunzelte Troller. Dies träfe auch auf seine Landsleute, die Österreicher nach dem Ende der Nazizeit zu. Sie hätten sich gerne als Opfer gesehen. Viel später als etwa in Deutschland habe in der Alpenrepublik eine Aufarbeitung der Nazizeit zaghaft begonnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte Troller Studien der Literatur- und Theaterwissenschaft in Kalifornien, New York und Paris.

Das bevorzugte Sujet für den Radio- und Fernsehjournalist ist Paris. Viele Prominente hat er in aller Welt porträtiert

Seit 1949 lebt und arbeitet Georg Stefan Troller als Radiokorrespondent, Fernsehjournalist und Schriftsteller in Paris. Sein bevorzugtes Sujet ist die große Stadt an der Seine. Seine Arbeit als Dokumentarfilmer führte ihn darüber hinaus in die ganze Welt. Ob Muhammad Ali, den „Playboy“-Chef Hugh Hefner, Ezra Pound (einem einstigen Anhänger der italienischen Faschisten, den Troller nach seinem Aufenthalt im Irrenhaus – wohin ihn die Amis expediert hatten – trifft, wo er kaum noch zu sprechen versteht) Peter Handke, Charles Bukowski, Edtith Piaf, Georges Simenon, Coco Chanel, Russ Meyer, Leonard Cohen, Arthur Rubinstein, Liv Ullmann, Thomas Brasch, Roman Polanski, Romy Schneider oder Alain Delon. Die Liste der von ihm Porträtierten ist unvorstellbar lang. Der 97-Jährige ist Zeitzeuge vieler Umbrüche des 20. Jahrhunderts.

Denis Scheck hat das von Troller erzählte Paris nie gefunden

Denis Scheck erzählte, inspiriert und begeistert von Georg Stefan Trollers Fernsehgeschichten aus und über Paris, sei er in jüngeren Jahren für ein paar Jahre in die Stadt an der Seine gezogen. Doch zu seiner Enttäuschung, habe er das von Georg Stefan Troller erzählte Paris nie so vorgefunden. Troller selbst, gestand, dass Paris ihm am Anfang sehr abweisend, beängstigend und irritierend gegenüber getreten sei. Auch heute werde Paris immer zu sehr an den touristischen Highlights gemessen. Und eben dieses Paris wollten die Leute beim Besuch der Stadt halt wiederfinden. Seine Filme hätten allerdings schon die Realität abgebildet. Doch beim Einsprechen des dazu gehörigen Textes habe ihn manchmal etwas gepackt, dass er habe einfach sagen müssen. Das habe womöglich den Charakter des jeweiligen Stücks etwas gewandelt, einen andere Drive entstehen lassen.

Spannend war es Trollers, oft mit einem „Nun ja …“ eingeleiteten Antworten zu lauschen.

Journalisten, Reporter – findet Troller – sind eigentlich Menschenfresser

Nachdem Denis Scheck seine interessanten Fragen gestellt hatte – sie hatten mehr als sieben Minuten in Anspruch genommen (Troller hatte einmal seine Interview-Gäste nach Minuten eingeteilt, die sie hergeben würden – Troller selbst schätzt sich als einen Sieben-Minuten-Mensch ein) – ließ er den großen Troller mit dem Publikum allein. Troller hatte noch etwas – wenn man es genau bedenkt – sehr Wahres gesagt: Reporter, Journalisten seien eigentlich Menschenfresser. Denn sie müssten ja den Interviewten geschickt so viel wie möglich an Informationen entlocken, entreißen, ja: rauben. Nicht zuletzt, um selbst von den Geschichten dieser Menschen zu profitieren. Er hoffe wenigstens, dass er den von ihm interviewten Menschen mit den aus ihnen herausgeholten Informationen und dem, was er selbst daraus gemacht habe, nicht geschadet habe.

Ein großartiger Abend mit einem interessanten Jahrhundertmenschen

Ein großartiger Abend gestern im Ruhrfestspielhaus mit dem großen Georg Stefan Troller, einem Jahrhundertmenschen bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen 2019 (das größte europäische Theaterfestival mit tollen Höhepunkten läuft noch bis zum 9. Juni).

Spannendes, Skurriles, Amüsantes und persönliche Niederlagen verlesen von Georg Stefan Troller

Nach dem Gespräch mit Denis Scheck las Troller noch aus seinen Büchern. Er drehte vorher eine bis dato hinter einer Pappe verborgene Glühlampe heller. Ein Auge bedeckte Troller mit einer Augenklappe: „Eine der Erscheinungen des Alters. Jeder ist sich sein eigener Moshe Dayan.“ Dann kam die Lesebrille darüber und die ZuhörerInnen lauschten den spannenden, skurrilen oder amüsanten ausgewählten Stellen aus zwei Büchern. Etwa aus dem  „Traum von Paris“ (das wiederaufgefunde Fotos enthält). Ein weiteres kündet auch von den großen Niederlagen des Georg Stefan Troller: etwa von den aus Versehen im Schredder eines Pariser Müllwagens gelandeten einst verliehenen, nun unwiederbringlichen Preisen. Oder den am Abend aufgehängten Filmschnippseln für einen Film, welche die Putzfrau entsorgt hatte – mit dem was übrig war, habe dann halt der Film zusammengeschustert werden müssen. Auch eine der Niederlagen: Er sollte einen Preis bekommen und vor der Überreichung stellte sich heraus, die Veranstalter hatten eigentlich Peter Scholl-Latour gemeint! Troller milde lächelnd: „Na, das klingt ja fast auch ähnlich …“

Zum Schluss las Troller dann noch aus einem noch unveröffentlichtem Manuskript. Das neue Buch („Liebe, Lust und Abenteuer“)  soll im September 2019 erscheinen. Trollers Lebensfazit: Dass das „Leben die Summe der intensiv gelebten Augenblicke sei“. Die schönste Zeit, sei jedoch die, in der Wünschen und Können übereinstimmten.

Zum Schluss: Donnernder, langanhaltender Applaus. Stehende Ovationen

Troller im Dialog mit einer Leserin.

Anschließend signierte der Jahrhundertzeuge Georg Stefan Troller auf der Großen Bühne des Ruhrfestspielhauses noch Bücher von ZuhörerInnen. Zu diesem Behufe durften wir ZuschauerInnen über ein Treppchen links der Vorbühne – ein einmaliges erhebendes Gefühl! – die große Bühne der berühmten Recklinghäuser Ruhrfestspiele betreten. Eine lange Schlange von auf die Bühne strebenden Menschen musste „abgearbeitet“ werden. Ein großartiger Abend mit einem einzigartigen Gast.

Für mich selbst schloss sich ein Kreis. Hatte ich früher stets versucht keine von Georg Stefan Trollers Filmen zu verpassen, hatte ich – dank den Ruhrfestspielen – nun Gelegenheit diesem verehrten Menschen unmittelbar zu begegnen …

„Tod per Knopfdruck“ – ein er- und aufklärendes, aufrüttelndes Buch von Emran Feroz über das wahre Ausmaß des US-Drohnen-Terrors

Es gibt keine humane Kriegswaffe. Kriegswaffen töten. Und mag man sie uns auch als noch so präzis wirkend verkaufen. Hinter und an den Waffen befinden sich stets Soldaten, die am Drücker sitzen, um sie abzufeuern oder im Falle von Bomben über feindlichem Gebiet auszuklinken. Schütze oder Bomberpilot sowie der in dessen Visier befindliche militärische Gegner befanden sich für gewöhnlich im oder über selben geografischen Gebiet. Der Soldat konnte sehen was seine Waffe anrichtet. Der Bomberpilot gewahrte die vom ihm ins Werk gesetzte Zerstörung am Boden. Der Eine wie der Andere konnte durch aber auch selbst durch feindliches Feuer ums Leben kommen.

Soldaten, die in Leichensäcken zurückkommen, verändern bekanntlich die gesellschaftliche Stimmung der Bevölkerung in der Heimat, die womöglich ursprünglich für den Krieg gewesen bzw. per Propaganda auf diesen eingestimmt worden war, enorm zum Negativen. Die US-Amerikaner mussten das bei ihrem Vietnam-Kriegsabenteuer erfahren.

Die bewaffnete Drohne, eine äußerst perfide Waffe

Aber der Mensch ist erfinderisch. Leider in guter wie in schlechter Hinsicht.

Mit der ferngesteuerten Drohne entstand mit der Zeit eine äußerst perfide Waffe. Zumindest zum Zeitpunkt, da man sie nicht mehr nur als Erkundungsmittel nutzte, sondern auch mit Raketen bestücken konnte. Wodurch sie zu Tod verbreitenden Waffen wurden.

Der Pilot des unbemannten Fluggeräts sitzt tausende von Kilometern vom Einsatzort der Drohne entfernt -an einem Joystick, mit welchem er die Drohne steuert. Die Kamera der Drohne macht Bilder und sendet sie zum Piloten. So kann der Feind bestens ausgemacht – band man uns auf – und auf Knopfdruck präzis erledigt werden.

Der Drohnenpilot könnte vorm Ausführen seines Tötungsbefehrs theoretisch sogar nochmal schmatzend von einem saftigen Burger abbeißen und einen Schluck von seiner zuckersüßen Cola schlürfen. Und dann – wenn`s passt – den Auslöser betätigen. Funktioniert perfekt wie das Videospiel zuhause! Und in keinem Moment muss der Mann am Joystick fürchten, selbst abgeschossen zu werden. Welch „Fortschritt“! Und Abends geht der Drohnenpilot nachhause und bringt, seine Kinder liebevoll herzend, ins Bettchen.

Noam Chomsky zum Drohnenkrieg: „Die mörderischste Terror-Kampagne der

Gegenwart“

Noam Chomsky, emeritierter Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology, nennt diese perverse Form der Kriegsführung „Die mörderischste Terror-Kampagne der

Gegenwart“ und sein Land, die USA, „ein Schurkenstaat“.

In einem Buch, welches am 2. Oktober erscheint, finden wir Chomsky im Klappentext folgendermaßen zitiert:

„Wir lesen triumphierende Berichte über Terrorverdächtige, die in raffinierten Drohnenangriffen erledigt wurden, vielleicht gleich zusammen mit weiteren ‚Aufständischen‘. Nichts lesen wir über das gesichtslose, junge afghanische Mädchen Aisha, dessen ganze Familie, größtenteils Frauen und Kinder, während eines solchen Machtbeweises jener Supermächte ausgelöscht wurde. Es sind jene fehlenden Erzählungen, denen Emran Feroz in den verwüsteten Gegenden, die dem regelmäßigen Terror aus dem Himmel ausgesetzt sind, nachgeht.“

Emran Feroz ist ein Blogger und Journalist aus Österreich, dessen Eltern einst vor dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan geflüchtet sind. Feroz ist auch Initiator des „Drone Memorial“, einer virtuellen Gedenkstätte für zivile Drohnenopfer.

Tod per Knopfdruck“ ist das Ergebnis akribischer Recherchen des Autors

„Tod per Knopfdruck“ ist ein auf akribischen Recherchen des Autors basierendes, freilich insgesamt bedrückendes, Seite für Seite auch immer wieder erneut wütend machendes und somit auch anklagendes, aber unbedingt äußerst wichtiges Buch. Diejenigen unter uns LeserInnen, welche schon viel über die fürchterlichen Drohnenmorde wissen, werde darin noch zusätzliche Informationen und Hintergründe betreffs dieser düsteren Materie finden, in die uns Emran Feroz Zeile für Zeile seines Buches mit eintauchen lässt.

Zeile für Zeile werden zu Mitwissern betreffs schlimmer Kriegsverbrechen

Wir werden so einmal mehr zu Mitwissern betreffs schlimmer Kriegsverbrechen, die tagtäglich geschehen. Sogar mit Duldung der deutschen Bundesregierung (die zwar bestreitet, was doch durch den ehemaligen US-Drohnenpilot Brandon Bryant längst öffentlich bestätigt ist), wenn wir bedenken – wie im Buch auch ausgeführt –, dass die Steuerungssignale für die von den USA aus per Joystick dirigierten Drohnen aus Gründen der Erdkrümmung über die US-Airbase Ramstein in Deutschland weitergeleitet werden (dazu ein älterer Beitrag von mir). Um dann ihre Ziele im Rahmen des sogenannten „War on Terror“ in Afghanistan, Irak, Pakistan, Somalia und vielen anderen Ländern zu erreichen. Emran Feroz nennt auf Seite 163 im Kapitel „Komplizen“ auch noch AFRIKOM, wo die „Koordination des Drohnenkrieges in Stuttgart“ stattfindet. Ganz tief drin im Drohnenkrieg steckt auch die CIA. Mittäter seien westliche Geheimdienste (S. 170) sowie bestimmte Medien (S. 175).

Drohnenmord verstößt gegen nationales und internationales Recht sowie gegen die UN-Charta

Sehr ans Herz gelegt sei Feroz‘ Buch insbesondere jenen Menschen, die da bisher womöglich glaubten, was uns Herrschende und bestimmte, ihnen nach dem Munde schreibenden und sendenden Medien da glauben machen wollten. Nämlich, dass durch die Drohnenangriffe ausschließlich Terroristen gejagt und eliminiert würden. Selbst wenn das stimmte, wäre es in jeder Hinsicht rechtswidrig. Es verstößt gegen nationales wie das Völkerrecht und gegen die Charta der Vereinten Nationen. Und erst recht ist dieses Drohnenmorden in keinster Weise mit den von uns gegenüber anderen Staaten immer wieder wie eine Monstranz vor uns her getragenen „westlichen Werten“ vereinbar. Was blieb davon noch übrig? Was davon wurde noch nicht zu Schanden geritten?

Ein Friedensnobelpreisträger als Drohnenmörder

Empört dürften sich die LeserInnen des vorliegenden Buches fragen, durch was ein US-amerikanischer Präsident – erst recht ein einst glänzender und glühend begeisterter Jurist wie es Barack Obama einer war – legitimiert, jeden Dienstag Menschen, die auf einer „Killing List“ stehen, die ihm vorlegt wird, als angebliche „Terroristen“ per Unterschrift zum Tode zu verurteilen. Ohne Kenntnis der jeweiligen Person, ohne ordentliche polizeiliche Ermittlungen, ohne ein rechtskräftiges Gerichtsurteil! Das ist extralegales Töten. Das ist Mord. Drohnenmord. Warum, werden sich die Leser fragen, darf der eloquente Barack Obama noch immer „Friedensnobelpreisträger“ bleiben und sitzt nach einem Gerichtsverfahren und einem ordentlichen Urteil nicht schon längst als „Drohnenmörder“ hinter Gittern? Mit Kriegsverbrechern wie Bush jr,. Rumsfeld und Tony Blair?

Auch der neue US-Präsident, der offenbar unberechenbare Donald Trump, setzt seine Unterschrift jeden Dienstag unter die ihm vorgelegte „Todesliste“. Die Tötungen, lesen wir, werden sogar noch gesteigert.

„Das US-Militär“, schreibt Feroz im Vorwort auf Seite 10, „bildet heute weitaus mehr Drohnenpiloten als konventionelle Kampfflieger aus, die meisten von ihnen sind Zivilisten, die das

Ex-Sensoroperator übers Drohnenmorden: „Es ist so, also ob man auf Ameisen tritt und danach nicht mehr daran denkt“

Schlachtfeld, etwa in den Bergen Afghanistans oder in den Wüsten Jemens, niemals betreten werden“.

Viele tausend Kilometer entfernt töten sie per Knopfdruck. Als säßen sie an einem Computerspiel. Feroz zitiert den ehemaligen Drohnenoperator Michael Haas, der folgendes später zu Protokoll gab: „Es ist so, also ob man auf Ameisen tritt und danach nicht mehr daran denkt.“

Doch nicht jeder steckt das so weg. Das wissen wir u.a. von Brandon Bryant, der unter Depressionen und einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet (S. 152). Der Ex-Sensoroperator und späterer Whistleblower bekam nach seiner gewünschten Entlassung bescheinigt, ein 13-facher Mörder und in 1626 Fällen des Mordes mitschuldig sein. Bryant hatte 2013 in der „Polit-Talkshow scharfe Kritik am Drohnenkrieg sowie der Rolle Deutschlands in diesem Geheimkrieg“ geübt (S. 153). Emran Feroz kritisiert, dass der Whistleblower an diesem Abend „für seine couragierte Haltung regelrecht bewundert“ wurde.

Hier möchte ich mit Verlaub einhaken: Für die Öffentlichkeit sind solche Whistleblower hochwichtig.

Allerdings ist Feroz‘ Kritik insofern verständlich, als Bryants sich freiwillig für das Drohnenprogramm rekrutieren ließ. Für die dessen Opfer, so der Autor, „die seit Jahren unter dem Drohnenkrieg der USA leiden, sind alle Personen, die daran mitwirken, ausnahmslos Mörder“.

Die Opfer dieses Krieges merkt er richtig an, würden „oftmals übertönt oder gar ignoriert werden“.

Es ist das besondere und nicht hoch genug gelobt werden könnende Verdienst dieses Buches, dass Emran Feroz den durch diesen perversen Krieg getöteten und verstümmelten Menschen und deren verzweifelten Hinterbliebenen eine Stimme gegeben zu haben. Mögen diese Stimmen vielfach gehört werden!

Emran Feroz hat Hinterbliebene unter Lebensgefahr in Afghanistan getroffen. Oft wären diese verwundert gewesen, dass sich überhaupt jemand für sie interessiert. Erst recht ein Journalist. Den meisten ist es ja viel zu gefährlich das Land, dass unser Noch-Innenminister De Maiziére für ein sicheres hält, zu besuchen.

Viele dieser Menschen bis hin zu den Kindern seien in Afghanistan, das seit Jahrzehnten nichts anderes kennt als Krieg, heute schwer traumatisiert. Hinterbliebene haben aus per Drohnenraketen in die Luft gejagten Autos die sterblichen Überreste ihrer Lieben herausklauben müssen. Gliedmaßen haben sie versucht zu sortieren. Um sie einzelnen Menschen zuzuordnen. Die Überreste werden begraben. Selten werde etwas registriert. Hilfe bekommen die Menschen keine. Denn die Toten, die sie begraben, dürfte es ja eigentlich gar nicht geben. Es werden offiziell ja nur Terroristen getötet. Allenfalls – wenn es gar nicht anders geht – ist dann zynisch von Kollateralschäden die Rede. Wie sollen auch die Drohnenpiloten im fernen Las Vegas die Terroristen erkennen? Tragen die Menschen in Afghanistan doch meist traditionelle Kleidung, „ein Bart, ein Turban oder ein Pakol – eine klassische afghanische Kopfbedeckung“ (S. 11) und haben schwarze Haare. Das reicht um als „Terrorist“ gejagt zu werden.

An dieser Stelle fragt sich der Emran Feroz mit spürbarem Unbehagen: „Wäre auch ich ins Fadenkreuz geraten und hätte in der Heimat meiner Vorfahren als ‚Terrorist‘ oder ‚feindlicher Kämpfe gegolten?“

Unter ständiger Bedrohung – ein Leben in Angst

Den Verantwortlichen des Imperiums USA schert es offenbar nicht die Bohne, wie die Menschen, besonders die Frauen (für deren Rechte man ja vorgeblich in Afghanistan so beherzt kämpfte) nach dem Tod ihres Ernährers überleben? Interessieren sie sich für die Ängste der Kinder in den von Drohnen heimgesuchten Ländern, die schon am Geräusch des Surrens dieser Tötungsmaschinen erkennen, was sich da nähert. Ein Surren, dass über Stunden andauern kann. Die bange Frage: Wird eines dieser „Todesengel“ zuschlagen? Zur „Normalität“ gewordener Schrecken. Wir dürften wissen, dass die Zielpersonen dieser Killerdrohnen über deren Smartphones geortet können. Uns fährt der Schrecken in die Glieder, wenn wir nun im Buch lesen, dass es nicht mal etwas nutzt, wenn man die SIM-Karten oder den Akku aus den Telefonen entfernt. Man stelle es sich einmal kurz vor, wir stünden unter solch ständiger Bedrohung!

Die perverse Namensgebung der US-Waffensysteme“

Emran Feroz schildert uns die Entwicklungsgeschichte der unbemannten Fluggeräte. Abstoßen muss jeden von uns „Die perverse Namensgebung der Waffensysteme“ (Kapitel auf S. 34). Da ist die Drohne mit Namen „Reaper“ (Sensenmann). Die Apache-Hubschrauber, die Tomahawk-Rakteten und die Hubschrauber des Typs Black Hawk. „All diese Namen sind mit den Indianern, den ursprünglichen Einwohnern des nordamerikanischem Kontinents verbunden“, schreibt Feroz auf S. 35 oben). „Die absolute Mehrzahl der indianischen Stämme wurde von weißhäutigen, europäischen Kolonialisten ausgelöscht.“ Während „ethnische Säuberungen, Massenmord und Genozid“ in den USA „bis heute nicht aufgearbeitet“ worden sind, sei „die einzige Art, in der an die Indianer erinnert wird“ ausgerechnet die Bezeichnung von „Waffen des US-Militärs, mit denen tagtäglich auf der ganzen Welt getötet wird“.

Das sei, so gibt Feroz zu mit Noam Chomskys Äußerung zu bedenken, als wenn die Luftwaffe

der Bundeswehr Waffen heute Namen, wie „Jude“ oder „Zigeuner“ geben würde.

Unsägliche Einzelschicksale nach Drohnenterror

Im Hauptkapitel „Wen Drohnen töten“ (ab S. 39) benennt Emran Feroz die Schauplätze und Tatorte, den Drohnenterror im einzelnen. Er beschreibt wie brutal und skrupellos „Die Schergen der CIA“ (S. 76) quasi als Staat im Staate in Khost schalten und walten.

Als LeserInnen erhalten wir im Buch neben dem außerordentlich schlimmen Schicksal der Familie al-Awlaki Kenntnis von vielen anderen fürchterlichen Einzelschicksalen. Auch Palästina, ein oft ignorierter Schauplatz des Drohnenkrieges (s. 115) wird von Feroz nicht vergessen.Wir lesen über das zynisch anmutende „Anklopfen“. Dabei werden kleine, angeblich nicht tödliche, Bomben auf Dächer von Häusern abgeworfen, die die israelische Armee angreifen wird, um die Menschen vor einem Angriff zu warnen. Aber auch dadurch sind schon Menschen gestorben. Oder die Rakete der Drohne schlug viel zu schnell ein. Hier wie überall wird klar: der Mehrheit der zu Tode gekommenen sind Zivilisten, nicht Terrorristen.

Eines ist jedoch hier wie anderswo klar: Jeder so getötete Zivilist gebiert neue Terroristen. Wie kann einen das Unterkapitel nicht traurig und wütend zurücklassen, in welchem beschreiben wird, wie die Familie Kilani (alle deutsche Staatsbürger) ausgelöscht wurde. (S. 119)! Von der Bundesregierung gab es seinerzeit keine Stellungnahme. Der Hinterbliebene Ramsis Kilani dazu: „Deutsche Tote ohne ‚Migrationshintergrund‘ haben anscheinend einen höheren Stellenwert“.

Der Drohnenkrieg der CIA und des US-Militärs tötete mehr Menschen als jeder Terror-Anschlag auf westlichen Boden

Auf Seite 201 stellt Emran Feroz fest: „Der ‚Krieg gegen den Terror‘ und der damit verbundene Drohnenkrieg der CIA und des US-Militärs hat mehr Menschen den Tod gebracht als jeder Terror-Anschlag, der in den letzten Jahrzehnten auf westlichen Boden verübt wurde. Bush, Blair, Obama und Trump haben bereits jetzt mehr Menschen auf dem Gewissen als der ‚Islamischen Staat‘ jemals haben wird.“

Feroz will damit nicht die Gräueltaten von Daesh relativieren, stellt jedoch fest, „dass nicht etwa ein religiös motivierter Terror, sondern die Kriegsmaschine westlicher Industrienationen die Hauptverantwortung für das Leid der Menschen in der Region tragen“. Und er bezieht sich dabei auch auf den britischen Politiker John Prescott, der schrieb: „Es ist auch unsere Schuld.“

Ein Blick in die Zukunft, der kein tröstlicher ist

Bei Feroz‘ „Blick in die Zukunft“ (S. 209), welcher kein tröstlicher ist, verdeutlicht er, dass alle bekannten Terrorgruppierungen der Welt weniger Menschen auf dem Gewissen als die USA haben: „Allein in Afghanistan hat der Friedensnobelpreisträger Barack Obama mit seinen Drohnen weitaus mehr Menschen getötet als die Attentäter des 11. Septembers 2001. Man kann hier durchaus von Staatsterror sprechen.“

Leider, davon zeugt eine Tabelle auf den Seiten 210/211, konstatiert Feroz, „die Kriegsführung der Amerikaner von einer steigenden Anzahl von Staaten imitiert.“

Der Widerstand gegen den Drohnenkrieg wächst – Trump will ihn noch steigern

Zwar kündet der Autor auch von Widerstand – selbst einen „Widerstand von innen“ (S. 231) (45 ehemalige US-Militärs haben 2015 Drohnenpiloten aufgerufen, tödliche Missionen zu verweigern, weil diese gegen US-amerikanisches wie internationales Recht verstoßen) gegen den perfiden Drohnenkrieg,. Dennoch ist es tatsächlich „Dystopie pur“ (S. 232), wenn wir lesen, dass das Pentagon schon mehrere Milliarden Dollar in die Entwicklung sogenannter „intelligenter Waffen“ investiert hat. Man mag sich gar nicht ausmalen, was uns da – wohl in nicht allzu ferner Zukunft an noch perfideren Roboter-Waffen erwartet!

Auch momentan schon sind die Aussichten alles andere als rosig: „die US-Regierung von Donald Trump erwägt, ihren Drohnenkrieg auszuweiten“. (S. 236 oben)

Der Glaube an einen vermeintlich risikofreien Krieg hält sich offenbar

Um ihre eigenen Soldaten zu schonen, skandalisiert Feroz, wurden durch „das Töten mit unbemannten Fluggeräten schon „jegliche moralische und ethische Grundsätze über Bord geworfen“. Offenbar wollten viele Staaten der westlich-demokratischen Gesellschaft weiter so fortfahren, in dem sie an einen vermeintlich risikofreien Krieg glaubten.

Schuld daran sei die sich weiter haltenden „Narrative der präzisen Drohne, die ausschließlich böse Terroristen tötet“.

Zum Ende des interessanten Buches verleiht Emran Feroz seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Verantwortlichen des Drohnenmordens bis hin zum „Friedensnobelpreisträger“ Obama, zur Verantwortung gezogen werden. Nüchtern schreibt er jedoch: „Dass diese Menschen irgendwann in Gefängniszellen landen – woanders gehören sie nicht hin -, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr als unwahrscheinlich.

Denen, „die unter ihren Drohnen gelitten“ hätten, sei diese Realität sehr wohl bewusst.

„Dennoch“ so schließt das äußerst empfehlenswerte Buch, „zeigen sie unnachgiebig, dass auch sie da sind und dass man die Deutungshoheit des US-amerikanischen Imperiums untergraben kann, indem man permanent dagegen ankämpft. Dies ist jetzt so – und dies wird auch weiterhin so bleiben.“

Emran Feroz ist sehr zu danken, dass er in diesem Sinne mit seinem wichtigen Buche gewirkt hat.

Wird er damit in eine der Polit-Talkshows eines Fernsehsenders eingeladen werden?

Der große Peter Scholl-Latour hätte sich gewiss über dieses Buch gefreut. Ein er- und aufklärendes Buch!

Emran Feroz arbeitet als freier Journalist mit Fokus auf Nahost und Zentralasien, unter anderem für Die ZEIT, taz. die tageszeitung, Al Jazeera und die New York Times. Er berichtet regelmäßig aus und über Afghanistan und den US-amerikanischen Drohnenkrieg. Feroz ist Initiator des „Drone Memorial“ (www.dronememorial.com), einer virtuellen Gedenkstätte für zivile Drohnen-Opfer. Foto u. Information via Westend Verlag.

Emran Feroz

Tod per Knopfdruck

Das wahre Ausmaß des US-Drohnen-Terrors oder Wie Mord zum Alltag werden konnte

116 zivile Drohnentote laut US-Administration.
1.427 zivile Drohnentote laut dem Bureau of Investigative Journalism.
6.000 und mehr Drohnentote, die laut ehemaligen US-Militärs „unrechtmäßig“ getötet wurden.

Erscheinungstermin: 02.10.2017
Seitenzahl: 256
Ausstattung: Klappenbroschur
Art.-Nr.: 9783864891809

ISBN 978-3-86489-180-9

Ladenpreis: 18,00 € (D), 18,50 (A) E-Book; 13,99 €