Spannendes Interview mit dem Journalisten und Schriftsteller Rainer Kahni zu allen Fragen der Zeit

Die Ukraine-Krise und die ihr vorausgehenden, zunächst berechtigten Maidan-Proteste, welche aber dann von rechten Kräften übernommen und letztlich dazu benutzt wurden, um in Kiew die rechtmäßige Regierung wegzuputschen und durch eine rechtslastige zu ersetzen, hatte zur Folge: Bei kritischen Mediennutzern ist ein wachsendes Unbehagen betreffs der Ukraine Berichterstattung in den sogenannten Qualitätsmedien und auch der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten aufgekommen. Das bricht sich u. a. Bahn in sich häufenden Programmbeschwerden und kritischen Nutzerkommentaren.

Die Vierte Gewalt versagt

Doch aufmerksame Beobachter von Politik, Gesellschaft und Medien – wie etwa die NachDenkSeiten – machen bereits des Längeren Defizite beim deutschen Journalismus aus. Dieser ist immer weniger kritisch – Ausnahmen bestätigen die Regel – und versagt in der ihr von der Demokratie zugewiesenen Rolle neben Exekutive, Legislative und Judikative als „Vierte Gewalt“ zunehmend. Die Medienkritiker beklagen „Meinungsmache“ (Albrecht Müller)  und Kampagnen-Journalismus.

Dies und viel mehr treibt seit Jahrzehnten ebenfalls Rainer Kahni um. Besser bekannt ist der Autor von Romanen, Polit- und Justizthrillern als Monsieur Rainer. Von ihm finden auch eine Reihe von Sachbüchern und Kolumnen eine breite Leserschaft in vielen Ländern. Als Journalist und Mitglied von Reporters sans frontières hat er viele Reportagen publiziert.

Für krosta.tv sprach Peter Jüriens in Biot mit Rainer Kahni

Schon lange als Franzose in Biot (nahe Cannes) in Südfrankreich lebend äußert sich Rainer Kahni immer wieder auch zur Politik und Ereignissen in seinem Geburtsland Deutschland. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund. Ganz anders als seine gut dotierten Kollegen in den Redaktionsstuben der sogenannten Qualitätsmedien.

Peter Jüriens hat Rainer Kahni jüngst an dessen Wohnort besucht und für krosta.tv ein Gespräch mit dem Journalisten und Schriftsteller geführt. Wir können Jüriens nicht genug dafür danken! Zurückgekommen aus Biot sind Michael Krosta und Peter Jüriens mit einem packenden Interview in Länge von 2 Stunden und 16 Minuten, das am 16. März 2015 in Südfrankreich am Wohnort von Rainer Kahni aufgezeichnet wurde. Ich versichere: Nach diesen hochinteressanten zwei Stunden ist man enttäuscht, dass es schon zu Ende ist. Schließlich – dessen bin ich mir gewiss – hätte Kahni, salopp ausgedrückt, noch viel mehr Interessantes und Wissenswertes auf der Pfanne.

Die einzelnen Themenbereiche dieses Interviews:

Medien, Macht und Meinung
Die Lage Europas
Die Unterschiede (in den politischen Verfahren) zwischen Frankreich und Deutschland
Protestkultur
Die Rolle Deutschlands innerhalb Europas
Der 2 + 4 Vertrag
Reichsdeutsche und andere Trolls
Deutschland und Frankreich geopolitische Partner
Identifikation und Verständnis
Grundgesetz und Verfassungsentwurf
Der Winkeladvokat, eine Abrechnung mit der deutschen Justiz
Geopolitische Ebene und Handelsabkommen
Koloniale Hinterhöfe und Sicherung von Ressourcen
Die Bundeswehr
Wie und wo informiert sich Rainer Kahni
Konzerne und Macht
Das deutsch-russische Verhältnis
Der deutsche Bundespräsident Gauck
Ein undemokratisches Schwarzes Loch
Islamisten, Terror in Paris und Charlie Hebdo
Empört Euch! Von Stéphane Hessel
„Der Reporter“ von Rainer Kahni

krosta.tv Gespäch mit Rainer Kahni (Monsieur Rainer)
Idee: Peter Jüriens, Rainer Kahni und Michael Krosta
Realisation, Kameras und Ton: Michael Krosta
Redaktion: Merle Lindemann
Gesprächspartner von Rainer Kahni: Peter Jüriens

Anschauen für einen kleinen Obulus lohnt sich

Ich habe mir dieses spannende und aufschlussreiche Interview (anbei die ersten 18 Minuten von Teil 1 des Gespräches von Peter Jüriens mit Rainer Kahni)  in einem angehört. Und ich wünschte, es täten mir möglichst Viele, welche an den darin angesprochenen Punkte Interesse haben, gleich! Einen Wermutstropfen gibt es für manchen dann vielleicht doch. Welchen ich jedoch als solchen nicht bezeichnen würde: Das anschauen des hier wärmstens empfohlenen Videos auf „Vimeo“ kostet Geld. Verständlich, denn die Produktion hat ja auch Aufwendungen nötig gemacht. Wer nun neugierig geworden ist: Das Ausleihen des Videos kostet bescheidene drei, das Kaufen nicht mehr als acht Euro. Zu diesem Behufe muss man sich beim Portal Vimeo anmelden. Bezahlen kann man via Paypal bzw. Kreditkarte. Ein Kinderspiel. Versprochen: Das Anschauen lohnt sich! Was uns Rainer Kahni zu sagen hat, sollte uns alle zu Handelnden werden lassen. Zum Erhalt der Demokratie und zur Stärkung einer darin unverzichtbaren Vierten Gewalt. Rainer Kahni spricht Tacheles.

Hier der Teaser zum Interview.

Links zu Rainer Kahni:

Vimeo Gespräch mit Rainer Kahni

Rainer Kahni auf Freitag.de

Monsieur Rainer

„Günther Jauch“ – Stinkefinger hoch (Kommentar)

Foto: Claus-Dieter Stille

Foto: Claus-Dieter Stille

Die Quasselsendung am Sonntagabend, „Günther Jauch“ kostet die ARD um die 4000 Euro pro Minute. Gestern war es mal wieder soweit. Und es versprach sogar interessant zu werden: denn der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis war aus Athen zugeschaltet. Doch wer „seinen“ Jauch kennt, hatte sofort auch Bedenken. Würde man sich als Zuseher wieder einmal fremdschämen müssen? Für „unser“ Fernsehen. Für Jauch. Für Deutschland. Und schon kurz nach Beginn der Sendung erwies sich: sie waren berechtigt, diese im Bauch grummelnden Befürchtungen. Günther Jauch schnitt dem zugeschalteten Varoufakis das Wort ab. Freilich muss man die technisch bedingten leichten Verzögerungen mit berücksichtigen. Dennoch: Es ist unhöflich, sich vom aus Athen zugeschalteten Gesprächspartner abzuwenden, während der noch spricht.

Was zu beweisen war

Manche deutsche Medien werden dem griechischen Finanzminister hernach vorhalten, er habe zu viel „monologisiert“. Sei es drum. Yanis Varoufakis hatte nur versucht, die Position der neuen, gerade einmal sechs Wochen im Amt befindlichen neuen Athener Regierung darzustellen. Ja, das mit der erst kurzen Amtszeit wollte der unerklärlicherweise als bayrischer Finanzminister firmierende Markus Söder dem Athener Minister immerhin mit „Respekt“ zugestehen. Doch Respekt erwies Söder weder Griechenland noch dem Minister aus Athen. Musste der Franke aus Bayern da bei Jauch sitzen? Die Redaktion wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Schließlich musste Griechenland als das herüberkommen, als was es  in deutscher Politik und der nachschreibenden Presse immer irgendwie dargestellt wird: Als schuldigen  Schuldner. Im Grunde als Angeklagten. Was zu beweisen war! Und auch der griechische Gast musste wohl ein bisschen als respektloser Rotzlöffel gezeichnet werden. Wenn nicht gar als der zweite böse Bube neben den anderen respektlosen Rowdy  Alexis Tsipras – wie es nicht selten in Deutschland dargestellt wird. Nämlich als, wie es im Sendetitel lautet als „Euroschreck“.

Mit seinen unqualifizierten Äußerungen zu „den Griechen“ und Griechenland passte Söder, der sich auch schon mal als Journalist versuchte, doch eigentlich viel besser in die Bildzeitungsredaktion des Herr Diekmann. Aber „Bild“ war durch deren Kolumnist Ernst Elitz bei Jauch vertreten. Der frühere Intendant des Deutschlandfunks übrigens hatte auch nichts Wesentliches zur Quasselshow beizutragen.

Deutlich wurden Desinformation, Unkenntnis und Arroganz

Äußerungen von Jauch, Söder, Elitz und auch von Teilen des Publikums durch Klatschen an bestimmte Stellen kund getane Zustimmung dafür, bzw. vom Moderator verlesene, zuvor an die Redaktion eingegangene Fragen an Finanzminister Varoufakis, machten vor allem eines auf peinlich berührende Weise deutlich: Sie zeugen von erheblich vorhandener Desinformation hierzulande. Sowie von Voreingenommenheit, purer Unkenntnis und erheblicher Arroganz gegenüber den griechischen Problemen. Zu verantworten haben das die deutsche Regierungspolitik und die ins selbe Horn tutende Mainstreampresse.

Taz-Autorin Ulrike Herrmann sprach als Einzige in voller Kenntnis der Problematik

Wohltuend, dass Ulrike Herrmann von der TAZ in der Runde saß! Neben einem offenbar gegenüber der Realität blinden, und streckenweise arrogantem Günther Jauch, einem kaum Substantielles äußerndem Ernst Elitz oder dem wie immer bretzdämlich daher schwätzenden CSU-Bubi („Die Griechen müssen ihre Hausaufgaben machen“) Söder, war sie es, die sachlich und in voller Kenntnis der Problematik sprach.

Seien wir „Miteuropäer“

Yanis Varoufakis appellierte mehrmals an diesem Abend, nicht zu pauschalieren. Es gebe weder „die Griechen“ noch „die Deutschen“. Vielmehr regte er wie weiland Michael Gorbatschow ein europäisches Haus an. In welchem auch Griechen und Deutsche friedlich und freundschaftlich verbunden leben könnten. Varoufakis musste sich abwechselnd wie ein Schuljunge belehren lassen, mal wurde als Angeklagter über ihn zu Gericht gesessen.

Yanis Varoufakis sprach gestern  als überzeugter Europäer zu uns. Seien wir also doch allesamt „Miteuropäer“.  Sonst ist die EU bald am Ende, fürchte ich. Mehrfach erinnerte Varoufakis daran, dass Vorgängerregierungen die Schuld an der griechischen Misere trügen. Warum stimmt da ein Söder nicht zu? Warum regte er nicht früher dazu an, die reichen griechischen Oligarchen in die Pflicht zu nehmen? Ja, er hätte auch gegenüber Vorgängerregierungen Kritik geübt. Klar, an „den Griechen“, so erinnere ich es.

Ein Stinkefinger aus dem Jahre 2013

Ach ja: Dann ging es noch um einen angeblich von Varoufakis‘ gezeigten Stinkefinger. Angeblich bewiesen durch ein Video. Aus dem Jahre 2013! Varoufakis bezog sich in seinem Vortrag auf das Jahr 2010. Der Finger (wessen auch immer) röche  aber inzwischen schon gewaltig! 2013  war Varoufakis noch gar nicht Finanzminister. Aber den Zweck der Diffamierung erfüllt das Bild aus dem Video. Yanis Varoufakis bestritt diesen Stinkefinger gezeigt zu haben und sprach von einer Fälschung. Jauch versprach Überprüfung.

Wie auch immer: Was soll das?! Nebenbei bemerkt: Gründe für Griechenland hätte es genug, den Stinkefinger oder gar die Faust gegen deutsche Zumutungen und Arroganz zu erheben. Schlimm jedoch war, dass in der gestrigen Sendung zunächst der Eindruck entstehe konnte, als sei dieser Stinkefinger erst im Zusammenhang der jüngsten deutsch-griechischen Verstimmungen in Richtung Deutschland ausgefahren worden.

Zwei Stinkefinger recke ich gen Himmel

Mit Abscheu und Brechreiz im Magen schaue ich auf das morastige Tiefstniveau, in welches seit langem deutsche Regierungspolitik und mit ihr die Mainstreammedien („Qualitätsmedien!“) abgesunken sind und dort trotzig-arrogant verharren, fahre ich zwei stramme Stinkefinger gen Himmel aus! Stellvertretend gelten sie hier den Herren Jauch und Söder. Das muss sich dringend was ändern in Deutschland! Wie? Dies ist hier die Frage. Immerhin erhebt sich immer öfters Protest versus der unsäglichen, stramm – auf Gedeih und Verderb – auf dem neoliberalen Holzweg weiter der näher kommenden Wand entgegen marschierenden Berliner Politik. Und auch an die Adresse der deutschen, auf Niedrigstniveau dahin dümpelnden Meinungsmache (Albrecht Müller) betreibende Medien. Doch kommt das auch Stammtisch an, löst dort ein Brainstorming aus? Wohl kaum. Höchstens ein antigriechischen Sturm Bierglas! Was Jahrzehntelang eingetrichtert wurde ist schwer wieder aus gründlich desinformierten Köppen deutscher Michel und Schlafschafe herauszukriegen.

Ukraine: Lassen wir uns in ein europäisches Schlachtfeld hinein schlafwandeln? (Kommentar)

Willy Wimmer: "Es wird gezündelt, dass es nur so kracht.", Foto: birgitH via Pixelio.de

Willy Wimmer: „Es wird gezündelt, dass es nur so kracht.“, Foto: birgitH via Pixelio.de

„Trotz der diplomatischen Krise wegen des Krieges in der Ostukraine verlegen die USA 3000 Soldaten für ein Manöver ins Baltikum. Fast 750 Fahrzeuge sowie militärische Ausrüstung sind nach Angaben des Pentagon bereits per Schiff in der lettischen Hauptstadt Riga eingetroffen.

Der Kreml wird es wohl als Provokation werten“, schätzt n-tv ein. Als was sonst, frage ich?

Willy Wimmer (CDU): Es „wird gezündelt, dass es nur so kracht“

Folgender Text erreichte die KenFM-Redaktion vor ein paar Tagen: „Die USA werden Waffen liefern und wissen, dass sie damit Krieg auslösen.“ Absender dieser privaten Kurznachricht an Ken Jebsen war Willy Wimmer (CDU), Abgeordneter des Deutschen Bundestages von 1976 bis 2009 und ehemaliger Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter Helmut Kohl. Darüber hinaus war Wimmer in der Zeit des Jugoslawienkriegs als Vizepräsident der OSZE tätig. Nun also wissen wir: Nicht nur Waffen und militärische Ausrüstung wurden geliefert, sondern auch 3000 Soldaten ins Baltikum. Eine Entwicklung, die einen Vorlauf hat und im Rahmen geostrategischer Interessen voranschreitet. Es „wird gezündelt, dass es nur so kracht“, so Willy Wimmer dazu. Siebzig Jahre nach Ende des Zeiten Weltkrieges herrsche offenbar „Kriegsbereitschaft“ auf Seiten der USA und Großbritanniens, gegenüber dem einstigen Alliierten im Kampf gegen Hitlerdeutschland, dem aus der Sowjetunion hervorgegangenem Russland. Das Zündeln jener westlichen Mächte richte sich diametral gegen „unsere Interessen“, so Wimmer. Er spricht auch die Sanktionen gegen Russland an und bemerkt, dass Handel und Wandel mit Russland und zu uns kommende russische Skifahrer entgegen dem Frieden dienen. Zweifellos schaden die gegen Russland verhängten Sanktionen und die das bewusste Abreißenlassen von immer mehr Gesprächsfäden zu Moskau in erster Linie Europa, nicht Washington. Willy Wimmer: „Europa fliegt uns um die Ohren.“ Jahrelang habe man eine gute Erfahrung mit demselben Putin gehabt, der jetzt vor allem seitens der „Nato-Presse“ (O-Ton Wimmer) tagtäglich dämonisiert und als Monster dargestellt wird.

Als Möglichkeit die Lage zu entspannen sieht Wimmer betrachtet die Fortsetzung der Minsk-II-Bemühungen. Man müsse den Rest europäischen Gedankenguts bewahren. Im Telefongespräch mit Willy Wimmer spricht Ken Jebsen an, was uns wirklich bestürzen muss: nämlich die nicht genug zu beklagenden Tatsache, dass binnen weniger Monate die Früchte jahrelanger hoch engagierter Ostpolitik der Regierung Willy Brandts vernichtet werden.

TTIP ein „transatlantisches Freibeuterabkommen“

Besorgt äußert sich Wimmer im Verlaufe des Telefonats auch betreffs des Falls, dass das „transatlantische Freibeuterabkommen“ zustande käme. Gemeint ist TTIP. Dem sogenannten „Freihandelsabkommen“ dass ein qua Parteibuch unter „Sozialdemokrat“ firmierender Sigmar Gabriel seinen Genossinnen und Genossen und nicht zuletzt uns Bürgern schön zu lügen versucht. (dazu Jens Berger „Will Sigmar Gabriel uns für dumm verkaufen?“; Quelle: NachDenkSeiten). Was auf immer mehr Kritik stößt. Unlängst verpasste man dem SPD-Wirtschaftsminister einen Namenszusatz: Sigmar „TTIP“ Gabriel. Zu befürchten stehe, dass wir von der „parlamentarischen Demokratie abgekoppelt werden“, um zu einer „Anwaltsherrschaft“ umgemodelt würden. Es ginge darum, „dass wir nicht zu einem europäischen Schlachtfeld“ und auch keinem „Kolonialgebiet“ würden.

Ein „deutsches Verhängnis“

Wimmers Kritik richtet sich gegen gewisse Reden und das Handeln des Bundespräsidenten Joachim Gauck und der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Tenor: Gerade Personen, die aus DDR kämen und persönlich am meisten von der Wiedervereinigung profitierten, verantworteten nun eine Politik, die gewiss nicht nur Wimmer nicht für unverantwortlich halten.

Darf in diesem Zusammenhang die Frage gestellt werden: Haben bestimmte Organe in Washington etwa belastende Akten aus DDR-Zeiten, respektive des Ministeriums für Staatssicherheit, mit deren Hilfe Merkel oder Gauck bei der transatlantischen Stange gehalten werden können? Ich erinnere mich an Leute wie Joschka Fischer, der einst vollmundig kritisch zum Antrittsbesuch nach Washington reiste und „entschärft“ wieder nach Berlin zurückkehrte. Oder Rudolf Scharping. Den ließ das Pentacon samt Wagen hart auflaufen. Man wird ja noch fragen dürfen.

Wobei man ja im Falle Merkels differenzieren muss: Sie sucht ja immerhin eine gewissen Verständigung mit Moskau. Doch, dass die derzeitige Bundesregierung so gefährlich von der auf Entspannung mit dem Osten orientierten Politik von Brandt, Schmidt und Kohl abgewichen sind, nannte Willy Wimmer „ein deutsches Verhängnis“.

Wir müssen uns einmischen

Wie also dem neuen Kalten Krieg als einem Vorläufer eines möglichen heißen, gar Atomkrieges, begegnen. Wimmer rät : Die Deutschen sollen sich Gedanken machen, was in den letzten hundert Jahren in Deutschland und Mitteleuropa an Verhängnis passiert ist. Und uns fragen: Was veranlasst uns nach 25 Jahren einer Politik des gegenseitigen Auskommens uns so gegen die Russen in Stellung bringen zu lassen? Des Weiteren regt der Christdemokrat an, die vielen Möglichkeiten des Internets zu nutzen. Warum also nur auf die „Nato-Presse“ setzen?

Da liegt der Mann richtig, meine ich! Wir können heute nicht nur Empfänger, sondern auch Sender sein. Uns einmischen. Selbst recherchieren. Eigene Artikel verfassen. Mir fällt da spontan auch Tommy Hansens bereits gestartetes Projekt, das Magazin free21 ein. Aber es gibt unterdessen viele alternative Medien. Diese zu finden und zu nutzen ist gewiss eine gewisser zeitlichen Aufwand nötig und setzt den unbedingten Antrieb voraus, die Veröffentlichungen der Mainstream- und „Nato-Presse“ gründlich zu hinterfragen. Nicht zuletzt bedarf es dazu eines gesunden Menschenverstandes wie des Zweifels am Wahrheitsgehalt alles Gedruckten und Versendeten. Auch um von Fall zu Fall zum Differenzieren in der Lage zu sein. Willy Wimmer beklagt, dass es bei der Berichterstattung der Mainstreammedien, respektive in der „Nato-Presse“ eine große Linie gebe. Die Rezipienten müssten sich doch fragen, warum das so ist. Wimmer: „Auch den Zweifel zulassen“, müsse man. (Hören Sie das Telefongespräch von Ken Jebsen mit Willy Wimmer unbedingt auf Youtube nach!)

Dazu: „Es ist Talent nötig zum Zweifeln, aber es ist schlechterdings kein Talent nötig zum Verzweifeln.“, Søren Aabye Kierkegaard. Oder: „Der Zweifel ist wichtiger als die Überzeugung.“ (Sir Peter Ustinov)

Für Verständigung oder zum Schlachtfeld werden

Für mich stellt sich schlicht die Frage: „Wollen wir uns für uns für Verständigung, Frieden und Handel und Wandel auch im Falle Russland, eines unverzichtbaren Partners für Deutschland (übrigens seit 150 Jahren und selbst in Sowjetzeit verlässlichen Partner) einsetzen, oder hier in Europa wirklich wieder einmal zum Schlachtfeld werden?

Dazu hören Sie sich bitte auch Holger Strohm „Wollt ihr den totalen Krieg?“ via Youtube an.

Es geht hier nicht darum einen Alarmismus das Wort zu reden. Machen wir uns nichts vor: Die Lage ist sehr ernst. Dass die USA nun 3000 Soldaten für ein Manöver und militärisches Material ins Baltikum schickt ist nun wahrlich kein Schritt, der die Lage entspannt. Rundheraus: Das nichts anderes als eine US-amerikanische Provokation erster Güte. Möge Russland besonnen bleiben.

Was reitet uns, den Westen – erst recht Deutschland! – eigentlich diese verhängnisvolle Politik der Konfrontation mitzutragen? Verhängnisvoll ist zudem und wirkliches nur als einzigesTrauerspiel zu bezeichnen, dass uns momentan in Europa Politiker vom Schlage eines Olof Palme, Bruno Kreisky, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher und nicht zuletzt auch Helmut Kohls schmerzlich abgehen. Ihnen folgte u.a. ein Joseph Fischer, der einen Krieg mit deutscher Beteiligung wieder ermöglichte. Der derzeitige europäische Regierungspersonal lässt jedenfalls bei mir große Befürchtungen derart aufkommen, wir könnten uns wieder einmal in einen europäischen Krieg hinein schlafwandeln lassen. Hineinziehen lassen vielmehr, von unserem „Partner“ USA und deren Pudel in London.

Sind wir wirklich so blöd, dass uns die Schweine beißen?

Vor einem Jahr stellte Dirk Müller fest „Wir sind so blöd daß uns die Schweine beissen.“ (Quelle: Youtube) Wirklich?

Wie weit will es der Westen, vieler seiner ständig lauthals postulierter hehren Werte längst entkleidet, denn eigentlich noch treiben? Und wer wird dem Treiben ein Ende setzen?

Nicht zuletzt Washington will letztlich Putin Kopf. Und dann weiter gegen Peking? In der deutschen Presse kommen wenige Stimmen der Vernunft zu Worte. Das wurde mal wieder am Sonntag bei Günther Jauch deutlich. Matthias Platzek einmal ausgenommen. Sich das mit dem Sturz Putins aus dem Kopf zu Schlagen rät Ulrich Jörges vom Stern und spricht Klartext: „Holt Putin zurück!“. Denn wer weiß schon, was nach ihm kommt.

Obsiegt bald die Vernunft? Es sieht nicht danach aus. Es rollen US-Panzer. Es marschieren Soldaten. Vorerst ins Baltikum …

Macht in Sachen Ukraine: Steinbrück för nix zu fies

Ach, man möchte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Der Mann ist gescheiterter Kanzlerkandidat der SPD. Schon das u.a. warf Fragen wie diese auf: Der ist Sozialdemokrat? Ja ja, beruhigte man sich: Die SPD selbst ist ja auch nicht mehr das, was sie mal war …

Hätte, hätte Fahrradkette

Kurzum: Peer „Wer?“ Steinbrück hätte sich’s gemütlich machen können. Verdient – oder besser Kohle gescheffelt? – hat der ja wohl ausreichend. Steinbrück hielt ja bekanntlich quer durch Deutschland bestellte Reden. Und wurde fürstlich honoriert dafür. Hätte er darüber hinaus mehr nötig? „Hätte, hätte Fahrradekette“ (via Youtube) – wir wissen, ja!  Ne, denkste! Neuerdings macht Genosse Steinbrück – noch immer Bundestagsabgeordnete – in Sachen Ukraine!

Bellizist Bernard-Henry Levy stieß Modernisierungsagentur für die Ukraine an

In Wien tanzte der Kongress…  Äh, auf einem Kongress im Wiener Palais Ferstel, war unter dem Motto „Ukraine Tomorrow“ über einen Modernisierungsplan für die bürgerkriegsgebeutelte, längst pleite, Ukraine zu beraten worden. Einer der Hauptinitiatoren der ins Auge gefassten Modernisierungsagentur für die von Bürgerkrieg gebeutelte Ukraine ist der Philosoph Bernard-Henry Levy. Einem wie im Falle Libyen, als Bellizist aufgetretene, stets in der Maske eines Schöngeistes erscheinender Franzose. Mit im Boot der ehemalige deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen und der frühere französische Außenminister Bernard Kouchner. (Dazu auch ein Beitrag in Format.at)

Oligarch Firtasch als Initiator und österreichischer Ex-Vizebundeskanzler Spindelegger als Direktor dabei

Der durchaus im Zwielicht stehende ukrainische Oligarch Dmitry Firtasch, der nicht ganz freiwillig in Österreich weilt, soll auch der Hauptfinanzier der Modernisierungskiste sein.

Auch der frühere Vizekanzler, Finanzminister und gewesene ÖVP-Chef Michael Spindelegger hat hat sich der Agentur verschrieben. Spindelegger wird sogar Direktor der „Agentur zur Modernisierung der Ukraine“. Was in Österreich Wellen schlug und dem einstigen Vizekanzler auch gewaltig Kritik eintrug. Sehen Sie dazu auch einen Beitrag in der österreichischen Nachrichtensendung Zeit im Bild 2.

Peer Steinbrück als „Finanzminister“ mit entsprechendem Knowhow am Mann

Sozusagen „Finanzminister“ in dieser „Schattenregierung“, wie Jens Berger auf den NachDenkSeiten schreibt, wird Peer „Hätte, hätte Fahrradkette“ Steinbrück! Über ausreichend Kontakte zu einflussreichen Vertretern der „Diktatur des Finanzkapitalismus“ (Stéphane Hessel in „Empört euch!“) dürfte der frühere deutsche Finanzminister ja nach wie vor verfügen und damit das nötige Knowhow am Mann zu haben, um die Ukraine dementsprechend entsprechend einzunorden.

Entlohnt in Hrivna?

Bleibt nur noch zu fragen: Wie wird Steinbrück für seine Modernisierungsarbeit entlohnt? In der ukrainischen Landeswährung Hrivna?

Ich weiß nicht, wie es andern geht. Aber für mich hat das Ganze – erst recht die Teilnahme Steinbrücks! – ein ziemliches Geschmäckle. Aber wie sagen die Kölnerinnen und Kölner: Manche sind sich halt för nix ze fies. Was soll’s: Mit Peer hat man eh nie etwas wie Sozialdemokratie in Zusammenhang. Und wer mimt den „Außenminister“? Hatte eigentlich Joschka keine Zeit? – Es geht also alles wieder einmal seinen kapitalistischen Gang. Zum Wohle der Ukraine, versteht sich!

Offener Brief von Alexis Tsipras an Deutschland: „Was Ihnen bisher nie über Griechenland gesagt wurde“

Die griechische Flagge; Foto: Manfred Nuding via Pixelio.de

Die griechische Flagge; Foto: Manfred Nuding via Pixelio.de

Heute berät die Eurogruppe  über neue Hilfen für Griechenland. Deutschlands Finanzminister Wolfgang „Schwarze Null“  Schäuble heuchelt mit Blick auf die neue griechische Regierung zuvor:  „Mir tun die Griechen leid.“ Schäuble, hieß es auf tagesschau.de, dämpfte die Erwartungen Griechenlands.
Er sei „sehr skeptisch“, ob es in Brüssel eine Einigung geben werde, sagte er dem Deutschlandfunk. Die Griechen hätten eine Regierung gewählt, „die sich im Augenblick ziemlich verantwortungslos verhält“. Meint wohl: Sie spurt nicht, wie vor allem Deutschland es nach neoliberaler Strategie bisher innerhalb der EU tonangebend diktierte.  Nach welcher dem arg gebeutelten Griechenland  immer weitere Rezepte verordnet werden. Darauf notiert, bittere Medizin wie Privatisierung und Austerität.

Griechenland, so Schäuble weiter, sei unter der vorherigen Regierung Samaras auf gutem Wege gewesen. Ja, wenn man das so sehen will. Wenn ein guter Weg bedeutet, weiter Richtung Abgrund zu schreiten. Die Athen verordnete  Medizin hat mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Aber das kann oder will Schäuble, die Regierung Merkel, nicht einsehen. Wäre es anders, sähe Deutschland, dass es eine nicht unerhebliche Schuld an der Eurokrise trägt. Und begriffe somit, dass Griechenland auf dem ihm verordneten  Holzweg nicht weitergehen kann. Schäuble ist der Geisterfahrer, nicht Tsipras! Letzteren hatte DER SPIEGEL kürzlich auf dem Cover als einen solchen tituliert.

Zum besseren Verständnis der Lage und der Forderungen Griechenlands sei meinen Leserinnen und Lesern der „Offene  Brief von Alexis Tsipras an Deutschland“ zur Lektüre empfohlen:

„Was Ihnen bisher nie über Griechenland
gesagt wurde“

Epoch Times, Freitag, 30. Januar 2015 21:24
Dieser Offene Brief erschien bei „zerohedge.com“ auf Englisch. Er wurde so
autorisiert von Alexis Tsipras via Syriza.net. Er wurde ins Deutsche übersetzt.
Ursprünglich erschien er schon am 13. Januar2015  im „Handelsblatt“ Print – nicht online. (via NachDenkSeiten)

Die meisten von Ihnen, liebe deutsche Leser, werden sich schon eine vorgefasste Meinung
gebildet haben von dem, worum es in diesem Artikel geht, bevor Sie ihn wirklich gelesen
haben. Ich flehe Sie an, nicht solchen Vorurteilen zu erliegen.
Vorurteile sind nie ein guter
Ratgeber, vor allem in Zeiten wenn eine Wirtschaftskrise alle Stereotypen verstärkt und
Fanatismus erzeugt wie Nationalismus und sogar Gewalt.
Seit dem Jahr 2010 ist der griechische Staat nicht mehr in der Lage, seine Schulden zu
bedienen. Leider haben europäische Beamte entschieden, so zu tun, als könnte dieses Problem
mit Hilfe des größten Darlehens in der Geschichte unter den Bedingungen von staatlichen
Sparmaßnahmen überwunden werden, die mit mathematischer Präzision das
Nationaleinkommen schrumpfen lassen sollten, von dem beide, die neuen und die alten
Darlehensschulden zu zahlen wären.
Ein Insolvenz Problem wurde also mit einer Maßnahme behandelt, als wäre es ein Fall
von Zahlungsunfähigkeit.
Mit anderen Worten, hat
Europa die Taktik der am wenigsten seriösen Bankiers
übernommen, die sich weigern faule Kredite anzuerkennen. Sie gewähren lieber neue an
das insolvente Unternehmen, um so zu tun, als würde das ursprüngliche Darlehen
weiterlaufen, während der Konkurs in die Zukunft verschoben wird.
Nichts anderes als der gesunde Menschenverstand war erforderlich, um zu sehen, dass die
Anwendung der „erweitern und so tun als ob“-Taktik mein Land in einen tragischen Zustand
führen würde. Und dass statt der Stabilisierung Griechenlands, Europa die Voraussetzungen
für eine sich selbst verstärkende Krise schuf, welche die Grundlagen selbst für Europa
untergräbt.
Meine Partei, und ich persönlich, widersprachen heftig dem Darlehensvertrag vom Mai
2010 – nicht, weil Sie, die Bürger von Deutschland, uns nicht genug Geld gegeben
hätten, sondern weil Sie uns viel, viel mehr, als Sie sollten, gegeben haben.
Und unsere Regierung akzeptierte weit, weit mehr als sie ein Recht darauf hatte. Geld, das auch in keinem Fall den Menschen in
Griechenland
helfen würde, (denn es wurde in das schwarze Loch der schon untragbaren Schulden geworfen), noch kann es das Aufblähen der griechischen
Staatsverschuldung verhindern, trotz des großen Aufwands durch die griechischen und
deutschen Steuerzahler.

In der Tat, noch bevor ein Jahr vergangen war, von 2011 an, wurden unsere Vorhersagen
bestätigt. Durch die Kombination von riesigen neuen Darlehen und strengen Regierungs-
Ausgabenkürzungen, welche die Einkommen niederdrückten, wurde
nicht nur versäumt, die Schulden zu zügeln, sondern es wurden auch noch die Schwächsten der
Bürger bestraft.

Das Leben von Menschen, die bisher ein bescheidenes Leben gelebt
hatten, wendete sich
in ein Leben von Armen und Bettlern, und nahm ihnen vor allem
ihre Würde.
Der Zusammenbruch der Einkommen hat Tausende von Firmen in den Bankrott geschoben
und steigerte die Macht der im Konkurrenzkampf überlebenden Großunternehmen. So fielen
die Preise, aber langsamer als Löhne und Gehälter, die Gesamtnachfrage nach Gütern und
Dienstleistungen wurde nach unten gedrückt und die Nominaleinkommen zerkleinert,
während die Schulden ihren unaufhaltsamen Aufstieg fortsetzen.

Bei dieser Einstellung wird
das Defizit der Hoffnung unkontrolliert beschleunigt, und ehe wir uns versahen, hatte die
„Schlange ihr Ei“ ausgebrütet – mit dem Ergebnis, dass Neonazis in unserer Nachbarschaft
patrouillieren, und ihre Botschaft des Hasses verbreiten.
Trotz des offensichtlichen Scheiterns der „erweitern und so tun als ob“-Taktik, wird das
noch bis zum heutigen Tag durchgeführt. Der zweite griechische „Bailout“, im Frühjahr
2012 in Kraft gesetzt, legte einen weiteren großen Kredit auf die geschwächten Schultern
der griechischen Steuerzahler, unterzieht unsere Sozialversicherung einem „Haircut“
und finanzierte eine rücksichtslose neue Kleptokratie.
Angesehene Kommentatoren haben berichtet von einer jüngst eingetretenen
Stabilisierung Griechenlands, auch von Zeichen des Wachstums. Leider ist die
„griechische-Entdeckung“ nichts als eine Fata Morgana, die wir so schnell wie möglich
auf sich beruhen lassen müssen.
Der jüngste moderate Anstieg des realen BIP, in Höhe von 0,7 Prozent, signalisiert nicht das
Ende der Rezession (wie sie ausgerufen wurde), sondern vielmehr deren Fortsetzung. Denken
Sie daran: Die gleichen offiziellen Quellen berichten für das gleiche Quartal von einer
Inflationsrate von -1,80 Prozent, das heißt Deflation. Was bedeutet, dass die 0,7 Prozent
Anstieg des realen BIP auf einer negativen Wachstumsrate des nominalen BIP beruhen!

Mit anderen Worten, die Preise sanken schneller als das nominale Nationaleinkommen. Nicht
gerade ein Grund zur Verkündigung des Endes von sechs Jahren Rezession!
Erlauben Sie mir, Ihnen zu erklären, dass dieser Versuch, durch eine neue Version von
„griechischen Statistiken“ die anhaltende Krise in Griechenland als vorüber zu erklären, eine
Beleidigung für alle Europäer ist, die zu guter Letzt verdienen, die Wahrheit über Griechenland und über Europa zu erfahren.
Also, lassen Sie mich ehrlich sein: Griechenlands Schulden sind derzeit nicht nachhaltig und
werden nie bedient werden, vor allem nicht während Griechenland einem kontinuierlichen
fiskalischen Waterboarding unterzogen wird.

Das Beharren auf dieser Sackgassen-Politik und
die Verweigerung der einfachen Arithmetik, kommt den deutschen Steuerzahler teuer zu
stehen, während auf einmal die stolze europäische Nation in die Lage einer permanenten
Demütigung gerät.

Was noch schlimmer ist: Auf diese Weise dauert es nicht lange, bis die
Deutschen sich gegen die Griechen wenden, die Griechen gegen die Deutschen und, nicht
überraschend, das europäische Ideal katastrophale Verluste erleidet.
Deutschland, und insbesondere die hart arbeitenden deutschen Arbeiter, haben nichts
von einem SYRIZA Sieg zu fürchten.
Das Gegenteil gilt. Unsere Aufgabe ist es nicht,
unsere Partner zu konfrontieren. Es geht nicht darum, größere Kredite oder das Recht zu
höheren Defiziten zu sichern.

Unser Ziel ist vielmehr die Stabilisierung des Landes, ausgeglichene Haushalte und natürlich ein Ende dieses großen Drucks auf den schwächeren

griechischen Steuerzahler im Rahmen einer Kreditvereinbarung, die einfach nicht
durchsetzbar ist.
Wir sind verpflichtet, die „erweitern und so tun als ob“-Taktik nicht nur gegenüber den
deutschen Bürgern zu beenden, sondern im Hinblick auf die gegenseitigen Vorteile für
alle Europäer.
Liebe Leser, ich verstehe, dass hinter Ihrer „Nachfrage“, ob unsere Regierung alle ihre
vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, „sich die Angst verbirgt“, dass, wenn Sie uns
Griechen eine Atempause verschaffen, wir wieder zu unseren schlechten, alten
Gewohnheiten zurückkehren werden.
Ich erkenne sie an, diese Angst.
Doch lassen Sie mich sagen, dass es nicht SYRIZA war, die die Kleptokratie eingerichtet hat,
die heute vorgibt, sich um die „Reformen“ zu bemühen, solange diese „Reformen“ nicht ihre
unrechtmäßig erworbenen Privilegien beeinflussen. Wir sind bereit und willens, große
Reformen umzusetzen, mit denen wir versuchen, nun den Auftrag aus den griechischen
Wahlen umzusetzen, natürlich in Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern.
Unsere Aufgabe ist die Schaffung eines europäischen New Deal, in dem unser Volk
atmen kann und in Würde leben.
Eine große Chance für Europa ist im Begriff, in Griechenland geboren zu werden. Diese
Gelegenheit zu verpassen, kann sich Europa kaum leisten.

 

 

Wem Deutschland gehört. Ein spannendes und gut recherchiertes Buch von Jens Berger

 

Jens Berger: „Die Büchse der Pandora wurde in den 1980er Jahren geöffnet, als marktgläubige Ideologen begannen, die Welt nach ihrer Vorstellung neu zu ordnen.“ Die verhängnisvolle Umverteilung von unten nach oben nahm ihren Lauf; Foto: Claus Stille

Jens Berger: „Die Büchse der Pandora wurde in den 1980er Jahren geöffnet, als marktgläubige Ideologen begannen, die Welt nach ihrer Vorstellung neu zu ordnen.“ Die verhängnisvolle Umverteilung von unten nach oben nahm ihren Lauf; Foto: Claus Stille

Geld regiert die Welt. Sagt der Volksmund. Und Oskar Lafontaine meinte nach der Finanzkrise: Noch nie habe dieser Satz so gestimmt wie heute. Damals habe ich ihm  von Ferne heftig nickend zugestimmt. An dem Satz war für mich schon früher viel dran. Doch war ich eigentlich nicht  recht davon betroffen. Außer natürlich, dass freilich auch ich Geld zum Leben brauche. Früher eher weniger. Jetzt mehr. Heute sorgt man sich, plötzlich keines mehr oder später im Alter zu wenig zu haben. Also hat der Volksmund recht. Und unsere Zeit betreffend selbstredend der Saarländer ebenfalls.

Money Make The World Go Round?

Geld, Geld, Geld. Im Musical „Cabaret“ singt der Conferencier „Money Make The World Go Round“. Also ganz ohne Geld geht es offenbar nicht. Ginge vielleicht schon. Nur können (oder sollen) sich das zu Wenige auf der Welt vorstellen. Bis auf eine Frau, welche ich Anfang der 1990er Jahre in Dortmund kennenlernte. Die Akademikerin gründete damals den Verein „Gib und Nimm“. Ware gegen Ware oder Leistung gegen Leistung bedeutete das. Bargeldlos. Ein Tauschgeschäft. Tauschringe entstanden in mehreren Gegenden Deutschlands. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, wie das für eine ganze Gesellschaft funktioniere sollte. Und kann es bis heute nicht. Als Nischengeschichte funktioniert es dagegen schon. Die gute Frau, die die Idee mutterseelenallein nächtens unter einem Baum im Sauerland hatte, kam sogar später ins Fernsehen: Als die Frau, die ohne Geld lebt.

„Den“ Deutschen geht es gut?

Die meisten von uns allerdings können nicht ohne Geld leben. Das wäre ja im Grunde auch kein Beinbruch, könnten wir doch nur alle auskömmlich von unserem Gelde leben. Können aber immer weniger. Bekanntlich geht jedoch in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich von Jahr zu Jahr immer weiter auseinander. Unsere Regierung und die weitgehend nachflötenden Mainstream-Medien werden aber nicht müde zu tönen: „Uns geht es gut.“ Und: „Den Deutschen geht es gut.“ Den Deutschen? Mit Pauschalisierungen sollte man vorsichtig sein.

Der großartige und zu Lebzeiten wohl älteste Theatermacher der Welt, George Tabori, erzählte einmal wie er als Kind betreffs dessen von seinem Vater einst schmerzhaft belehrt worden war. Als der zehnjährige George seinerzeit aus der Schule gekommen war, erklärte er seinem Erzeuger, was er dort aufgeschnappt hatte: alle Rumänen seien schwul. Daraufhin verabreichte ihm der Vater eine kräftige Ohrfeige und ließ ihn wissen: „Die“ gebe es nicht. Heute hat man es nicht mehr so mit Ohrfeigen. Mit Blick auf Regierung und Großmedien bedauere ich das manchmal.

Jens Berger wollte wissen wem Deutschland gehört

Zurück zum leidigen Geld! Wem gehört eigentlich Deutschland? So genau kann (oder will) uns das gar niemand sagen. Deswegen haben es die Regierenden wohl auch nicht so mit der Einführung einer Vermögenssteuer. Warum? Man könne, heißt es dann, Vermögen verdammt schwer erfassen. Oder will man nicht?

Wie auch immer: Jens Berger, freier Journalist und hauptberuflicher Redakteur der NachDenkSeiten, hat sich einfach mal daran gemacht und ist der Frage „Wem gehört Deutschland?“ nachgegangen. Und der kluge Mann ist, akribisch wie er nun einmal stets arbeitet, hinsichtlich der Antwort ein gutes Stück vorangekommen.

Neiddebatte nein – Anstoß ja

Wer nun glaubt, Berger möchte mit seinem Buch „Wem gehört Deutschland?“ eine Neiddebatte anstoßen, ist schief gewickelt. „Entscheidend ist doch “, schreibt Jens Berger eingangs, „wie es uns persönlich geht“. Wenn wir über die Runden kämen, müsste uns doch „eine kleine, wohlhabende Elite“, die ihren Reichtum von Jahr zu Jahr erheblich mehrt, eigentlich nicht stören. So einfach ist es aber nicht. Dem Autor geht es um die Verteilungsfrage. Neid, so Berger sei „ja bekanntlich eine der sieben Todsünden“. Man dürfe „Frei von Neid jedem Menschen seinen Reichtum gönnen. Eine derartige Spreizung der Vermögensschere, wie wir sie in Deutschland im letzten Jahrhundert beobachten mussten“, „schreibt er, „ist jedoch nicht ohne eine Umverteilung von unten nach oben denkbar.“ Und damit will er etwas anstoßen – mindestens eine, wie ich finde, dringend notwendige, öffentliche Diskussion!

Einleitend tut Berger das mit dem Zitat eines Gedichtes von Bertolt Brecht:

 „Reicher Mann und armer Mann

standen da und sahn sich an,

Und der Arme sagte bleich:

Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Natürlich, darauf verweist Berger auch, vereinfache das Gedicht „Alfabet“. Dennoch sei schon etwas daran, dass „der Reichtum die Armut bedinge und umgekehrt“. Neoliberale Kommentatoren reagierten darauf mit einer „Anekdote“, „ein Vermögenszuwachs der Wohlhabenden automatisch die (statistische) Armut erhöht und daher das Gerede von Armut ohnehin fehl am Platze sei. Wir kennen das: „ein deutscher Armer“ sei „immer noch wohlhabender als ein armer Afrikaner (…). Es heißt ja immer, wir Deutschen jammerten auf hohem Niveau. Jens Berger gibt darauf zu bedenken, dass dieser Vergleich mit Afrikaner „ohnehin nicht ganz stimmt, da niemand einem armen Afrikaner einen Kredit gibt, durch den er mehr Schulden als Vermögen aufbauen kann.“ Berger dachte nicht daran Brecht „als Kronzeugen des Neoliberalismus heranzuziehen“, wie er auf Seite 12 oben bekennt, weil das „unfair“ und „auch töricht“ wäre. Aber „unterm Strich hat er (Brecht; d. Verf.) durchaus recht, wenn er einen Zusammenhang zwischen Armut und Reichtum herstellt“.

Reichtum: Wenige besitzen viel

Zum Beweis nimmt Berger bekannte Fakten her: „Die 85 reichsten Menschen der Welt besitzen genau so viel wie die ärmsten 3,5 Milliarden Menschen zusammen.“ Und weiter: „Ein Prozent der Weltbevölkerung verfügt über ein Vermögen von 80 Billionen Euro, das sind 80 000 Milliarden oder auch 80 Millionen – eine unvorstellbare große Zahl. Das ist 65-mal so viel, wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt“ (!)

Noch Fragen?

Jens Berger: „Was für die Welt gilt, gilt im besonderem Maße auch für Deutschland“

Dann macht Jens Berger den Fokus wieder enger, zoomt quasi heran, um Deutschland sehr genau ins Visier zu nehmen. Und stellt bereits auf Seite 12 seines Buches fest: „Was für die Welt gilt, gilt im besonderem Maße auch für Deutschland.“ Führende Wirtschaftsforschungsinstitute hätten in Studien bewiesen, „dass die Vermögensschere in keinem anderen Euro-Land so weit auseinanderklafft wie in Deutschland“.

Das war freilich einmal ganz anders. Und zwar in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das sei große Armut wie auch großer Reichtum „vergleichsweise selten anzutreffen“ gewesen, wie Berger ausführt. Heute dagegen gehören beide „zur gesellschaftlichen Normalität“.

Vor Jahren war hierzulande gerne und allzu oft zu hören, Leistung müsse sich (wieder) lohnen. Was (auch) heißen sollte, wer etwas leistet, soll auch dafür belohnt werden. Jens Berger räumt rasch mit solchen Mythen auf: Nur sehr selten in Deutschland habe „das Vermögen einer Person etwas mit ihrer wie auch immer definierten Leistungsfähigkeit zu tun.“ Vermögen würden hierzulande zumeist „nicht erarbeitet oder gar zusammengespart“, sondern ererbt.“

In deutschen Landen kristallisiere sich „meist beim Spermalotto“ der Unterschied zwischen Arm und Reich heraus.

Wenn in der deutschen Gesellschaft viel Wert auf „Chancengleichheit“ gelegt würde, dann sei davon in der Regel in „Sonntagsreden“ der Fall.

Nicht vom Himmel gefallene Entwicklung

Wie kam unsere Gesellschaft dahin, wo sie nun steht? Na, vom Himmel gefallen ist diese folgenschwere Entwicklung gewiss nicht! Jens Berger geht auf Seite 13 sogar noch weiter: „Diese Entwicklung war vorauszusehen – ja, sie war geplant.“

Berger ist kein Verschwörungstheoretiker. In den sich anschließenden Buchkapiteln beschreibt er den schleichenden Prozess dahin. Berger bleibt Erklärungen nicht schuldig. Er fragt, wie es soweit kommen konnte, welche Akteure ein Interesse „an einer Spreizung der Vermögensschere“ haben  und „Warum die Politik sich nicht ausreichend zur Wehr“ setzte. „Wem gehört Deutschland? Wem gehören die Immobilien, wem die Unternehmen, und wem gehört eigentlich die Deutsche Bank?“; Was ist Armut, wie definiert man Vermögen? Und vieles andere Interessante mehr.

Die 500 reichsten Deutschen verfügen über ein Vermögen von fast 530 Milliarden Euro

Im ersten Kapitel „Man sieht nur die im Dunkeln, die im Lichte sieht man nicht: Probleme der Vermögensstatistiken“ müssen die Leser tapfer sein: „Das Gesamtvermögen der reichsten 10 Prozent der deutschen Haushalte beträgt durchschnittlich fast 1,2 Millionen Euro pro Person, während die ärmsten 20 Prozent mit 4000 Euro in den Miesen sind. Die 500 reichsten Deutschen verfügen über ein Vermögen von fast 530 Milliarden Euro.“

Wollen Sie, liebe Leserinnen und Leser das wissen? Oder ist ihre Angst darüber depressiv zu werden größer als ihr Wissensdurst? Ich sage: Lesen Sie das Buch unbedingt. Machen Sie sich Gedanken darüber. Und handeln Sie, ehe es zu spät sein wird, nach ihren Möglichkeiten!

Lösung: „UmFAIRteilen“

Wenn diese Entwicklung nicht vom Himmel gefallen – sondern eine von Menschen gemachte ist – kann sie ergo auch von Menschen wieder  gestoppt und sogar in die umgekehrte Richtung zurück gelenkt werden. Jens Berger macht ab Seite 183 keinen Hehl daraus: Die Lösung liegt im „UmFAIRteilen“! Sechzehn Punkte führt er dazu auf. Das beginnt für ihn mit „ernsthaften statistischen Erhebungen der Vermögen der Wohlhabenden“ an und endet bei der „Stärkung der gesetzlichen Rente“, was ein „sofortiges Ende der Zuschüsse für Riester- und Rürup-Rente“ und eine „Rückabwicklung der privaten Krankenversicherung“ bedingt.

Und natürlich käme man, wie Berger auf Seite 184 oben richtig feststellt – um die Schere zwischen Arm und Reich wieder Stück für Stück zu schließen – nicht umhin, „Vermögen und auch hohe Einkommen stärker zu besteuern.“ Ebenso empfiehlt Berger neben der „Rücknahme aller Steuersenkungen und Steuererleichterungen seit 1998“ (S. 188 unten) auch die „Rücknahme der Hartz-Reformen (S. 201 unten).

Brillant, aufrüttelnd und verständlich formuliertes Buch

„UmFairteilen ist“ für ihn „alternativlos“. Lesen wir sein Buch, brillant und an keiner Stelle langweilig sondern im Gegenteil aufregend, aufrüttelnd und noch dazu spritzig sowie – auch was ökonomische Zusammenhänge angeht – sehr verständlich formuliert, können wir ihm in nahezu allen Punkten nur zustimmen.

Berger setzt uns am Ende des Tunnels ein glimmendes Licht

Es mag auf der letzten Seite von Bergers Buch Traurigkeit und bei manchem vielleicht auch etwas Bitterkeit aufkommen, wenn dort steht: „Die Büchse der Pandora wurde in den 1980er Jahren geöffnet, als marktgläubige Ideologen begannen, die Welt nach ihre Vorstellung neu zu ordnen.“

Wer die Entwicklung aufmerksam verfolgte, bzw. sich darüber informieren konnte, weiß auch: wie viele Übel (nebenbei bemerkt: die meisten von denen waren in der Menschheitsgeschichte gar nicht so unbekannt, wie darüber in der griechischen Mythologie überliefert ist) seither aus dieser Büchse gekrochen (worden) sind.

Doch nicht verzagen! Mit dem letzten Satz im selben Kapitel setzt uns Jens Berger ein Licht, das am Ende eines langen Tunnels hoffnungsvoll aufleuchtet: „Noch ist es nicht zu spät: Solange die Chance besteht, diese Fehlentwicklung friedlich zurückzudrehen, sollten wir diese Chance nutzen. Zivilisiert den Kapitalismus!“

Fazit: Ein Buch, das fehlte

Berger schrieb dies wohl auch im Wissen darüber, dass eine andere gerechtere Gesellschaftsordnung momentan nicht in greifbarer Nähe ist.

Oskar Lafontaine hat Recht. Noch nie stimmte der Satz so schmerzhaft stark mit der (neoliberalen) Wirklichkeit überein: Geld regiert die Welt! Aber muss das so bleiben?

„Wem gehört Deutschland?“ – Ein Buch, das fehlte. Besorgen. Lesen! Weitersagen!

 

Conver des Buches von Jens Berger; Quelle: Westend Verlag

Conver des Buches von Jens Berger; Quelle: Westend Verlag

Jens Berger

Wem gehört Deutschland?

Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen

ISBN: 987-3-86489-053-6

Seitenzahl: 256, Klappenbroschur

EUR 17,99

EUR 18,50 (AT), SFR 25,90 (CH)

 

Zusatz:

Empfehlung zum Thema: Videoaufzeichnung eines Auftritts des Kabarettisten Georg Schramm auf einer Veranstaltung der GLS-Bank. Schramm spricht gewohnt scharfzüngig „Über den Krieg Reich gegen Arm„.

Quelle; You Tube/Channel: Kabarett und Satire