Zum 25. Jahrestag der Ermordung des Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa und seiner Mitstreiter

Anlässlich des 25.Jahrestages der Ermordung des nigerianischen Schriftstellers, Umweltaktivisten, Trägers des Alternativen Nobelpreises und bekennenden Shell-Kritikers, Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter, veranstaltete der Verein PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL in Kooperation mit folgenden Organisationen

Moderation: Rhian Schütte und Halima Kamar. Video

•Seebrücke Köln •BIPoC Referat der Uni Köln •Fridays For Future Köln •Die Linke •Die linke SDS – Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband •Gesellschaft bedrohter Völker •Bündnis 14 Afrika •Die Urbane. Eine Hip Hop Partei

u.a. gestern eine Gedenkveranstaltung vor der Kölner Shell-Tankstelle auf der Venloer-Strasse 166.

In Vorbereitung auf die Mahnwache, fand bereits am 08.11.2020 um 19 Uhr ein Online-Vortrag von Peter Donatus statt, in welchem der freie Journalist und Umweltaktivist explizit über die Thematik informierte und anschließend Fragen dem Chat beanwortete.

Protest an Kölner Shell-Tankstelle. Fotos: via Rodrigue Rod/Facebook

Dazu hier die hoch emotionale Rede von Peter Donatus, welche er an der Tankstelle gehalten hat: https://www.instagram.com/p/CHbE4ltKhO8/?igshid=ewwvzwt0shdchier)

Am 10. November 1995 ließ das nigerianische Militär, unter der Führung des inzwischen verstorbenen blutrünstigen Diktators General Sani Abacha, den Schriftsteller, Umweltaktivisten und alternativen Nobelpreisträger Kenule Beeson Saro-Wiwa, sowie acht seiner Ogoni-Mitstreiter erhängen. Bei den acht ermordeten Ogoni-Mitstreitern handelt es sich um:

HINTERGRUND

Barinem Kiobel, Saturday Dobee, Paul Levura, Nordu Eawo, Felix Nuate, Daniel Gbokoo, John Kpuinen und Buribor Bera.

Trotz massiver Appelle, weltweiter Proteste und Sanktionsandrohungen der internationalen Staatengemeinschaft, konnte man das Regime nicht daran hindern, die Aktivisten hinzurichten. Eine Machtdemonstration ohne Nebenwirkung.

Unter der Führung von Saro-Wiwa kämpfte das Ogoni-Volk im Niger-Delta (Nigeria) Anfang der 90er Jahre friedlich und gewaltfrei gegen den Shell-Konzern und die massiven Umweltverschmutzungen dort. Er gründete die Organisation „Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes (MOSOP)“ und schaffte es mit Erfolg, das Anliegen seines Volkes auf die internationale Bühne zu bringen.

Die friedlichen Proteste der Ogonis richteten sich vor allem gegen den Ölmulti Shell, der die seit 1958 andauernde Zerstörung der Umwelt und der Lebensgrundlagen im ganzen Niger-Delta hauptsächlich zu verantworten hat. Bei diesen Protesten ging es auch um den friedlichen Kampf gegen politische und soziale Marginalisierung und um die Teilhabe am Reichtum des eigenen Volkes.

Um die aufflammenden Proteste zu unterdrücken, bat Shell das Militärregime um den Einsatz des gefürchteten Sondereinsatzkommandos, das sog. „Kill and Go – Kommando“. Dieses richtete schreckliche Massaker im Ogoniland an, auch mit Hilfe deutscher Waffen, die Shell an nigerianische Sicherheitskräfte lieferte. Es entstanden Horrorszenarien im Ogoniland. Bei den o. g. Auseinandersetzungen wurden vier hohe Ogoni-Volksvertreter (Chiefs) ermordet, die sich mit Shell verbündet hatten und sich somit gegen ihr eigenes Volk stellten.

Das Militärregime nutzte die Gunst der Stunde und machte Saro-Wiwa und seine Mitstreiter für diese Morde verantwortlich und ließ diese im Mai 1994 inhaftieren. Nach einer monatelangen Incommunicado-Haft ohne Anklageerhebung, verurteilte ein Militärgericht die Aktivisten am 31. Oktober 1995 in einem inszenierten Schauprozess, wegen angeblicher Anstiftung zum Mord, zum Tode. Die Internationale Staatengemeinschaft bescheinigte den Prozess als unfair und als politisch motiviert, da u. a. Beweise manipuliert, Zeugen bestochen und rechtsstaatliche Prinzipien von Grund auf missachtet wurden.

Am frühen Morgen des 10. November 1995 wurden Saro-Wiwa (54) und die acht anderen Verurteilten, trotz internationaler Proteste und Sanktionsandrohungen, gehängt. Die Hinrichtung von Saro-Wiwa konnte erst nach dem fünften Versuch erfolgreich durchgeführt werden. Medienberichten zufolge hatte er die Henker immer wieder unterbrochen gefragt:

„Warum behandeln Sie mich so. Was ist das für ein Staat.“

Die letzten Worte bevor er starb, waren:

„Mein Herr, nimm meine Seele zu Dir, aber der Kampf geht weiter.“

Die Hinrichtungen lösten seinerzeit weltweite Proteste und eine Welle der Empörung aus. Die internationale Staatengemeinschaft verhängte daraufhin zwar einige kosmetische Sanktionen gegen Nigeria, wie die Suspendierung aus dem Commonwealth, das eingeschränkte Waffenembargo und Einreiseverbot für Angehörigen des Regimes, jedoch wurden diese Sanktionen nicht ernsthaft verfolgt. Die Förderung der nigerianischen demokratischen Opposition nach dem Ölembargo konnte nicht durchgesetzt werden, wegen der Blockade der USA und einiger europäischer Staaten, darunter auch Deutschland – offensichtlich aus eigenen Wirtschaftsinteressen. So konnte das nigerianische Militär, samt Gefolgsleuten, seine mörderischen Repressalien noch vier weitere Jahre ungehindert fortsetzen. Bis heute wurde keiner der Akteure des damaligen Henkerregimes für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen.

Der Ölmulti Shell trägt eindeutig eine große Mitschuld an der Hinrichtung der Aktivisten, u. a. weil er sich weigerte, seinen sonst so großen Einfluss in Nigeria zu nutzen, um somit das Leben der zum Tode Verurteilten zu retten.

Hierzulande setzen die nigerianische Opposition und diverse Umwelt- und Menschenrechts-verbände bzw. Initiativen den Ölmulti Shell durch Boykottaufrufe unter massiven Druck. Doch der Konzern weiß sich zu helfen und versuchte stets die deutsche Öffentlichkeit mittels massivem Asbach-Journalismus medial zu manipulieren und zu verunsichern und die Kritiker durch systematischen Rufmord und durch rechtliche Schritte zum Verstummen zu bringen.

Der Konzern musste seine Fehler unfreiwillig einräumen. Zum Beispiel: Um einer Verurteilung durch ein US Gericht wegen Menschenrechtsverletzung und somit eine riesige Blamage zu entgehen, einigte sich der Konzern mit den Angehörigen der Hingerichteten außergerichtlich auf eine Entschädigungszahlung in Höhe von 15 Millionen US Dollar. Für die Angehörigen der Hingerichteten, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten und Shell-Kritiker ein unverkennbares Zeichen der Schuld.

In einer bahnbrechenden Entscheidung verurteilte ein niederländisches Gericht den Ölmulti Shell am 30.01.2013 zu Entschädigungszahlungen in einem Fall, da Shell seine Pipelines nicht ausreichend gegen Sabotageakte schützt, so das Gericht. Dies war das erste Mal, dass Shell für seine Machenschaften in Nigeria gerichtlich zur Verantwortung gezogen wurde.

Wie sieht die Lage im Ogoniland und im gesamten Niger-Delta aus, 25 Jahren nach der Hinrichtung der Umweltaktivisten?

Wenngleich das Land momentan von einer demokratisch gewählten Regierung regiert wird, hat sich die Lage nicht verbessert. Die Verseuchung des Niger-Deltas ist katastrophaler als je zuvor. Die Ölförderung im hinterlässt weiterhin dort verseuchten Ackerland, Flüsse und Meer. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen braucht man mehrere Jahrzehnte, um die bereits entstandenen Umweltschäden zu beseitigen. Doch jährlich verseuchen rund 13 Millionen Barrel Erdöl das Delta vom Niger weiterhin, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Mit rund 208 Mio. Einwohnern ist Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Nigeria ist auch der größte Erdölförderer Afrikas und der achtgrößte Erdölexporteur der Welt. Mehr als 80 % der Staatseinnahmen stammen aus Erdöl und Erdgas. Trotz seines Reichtums leben fast zwei Drittel der Bevölkerung in absoluter Armut, während wenige korrupte Eliten, also Staatsräuber, die Staatskassen plündern, nach dem

Motto: „Wer am Zoll sitzt, ohne reich zu werden, ist ein Dummkopf.“

Umweltexperten schätzen die Zahl der Ölunfälle seit 1958 auf mehrere Zehntausende, mit mehreren Milliarden Litern ausgelaufenem Rohöl – das einstige Naturparadies Nigerias wurde in eine Hölle auf Erden verwandelt. Das Grundwasser ist so massiv verseucht, dass die konventionelle Wasserversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann. Im Jahr 2011 stellte die WHO eine extrem hohe Konzentration von C0​2 und Benzol im Grundwasser fest, mehr als 900 Mal höher als die international erlaubten Grenzwerte, und 1.000 Mal mehr als die vom Staat selbst festgelegten Grenzwerte. Mehrere ​Millionen Tonnen CO​2 werden jährlich durch das offene Abfackeln von Gas in die Atmosphäre freigesetzt, während die globale Erderwärmung den Menschen weltweit existentielle Sorgen bereitet. Luftverschmutzung ist nicht nur lästig, sie ist auch gesundheitlich höchst gefährlich, wie ein Bericht der WHO darlegt. Demnach ist die Luftverschmutzung eine der Hauptursachen für Krebserkrankungen bzw. Krebstodesfälle weltweit.

Protest an der Kölner Shell-Tankstelle auf der Venloer Str. 166 Fotos: via Rodrigue Rod/Facebook

WIR KLAGEN AN! Wir fordern ein sofortiges Ende der ausbeuterischen Aktivitäten von Shell, den sofortigen Beginn von Wiederherstellungsarbeiten und dass der von Shell begangene Ökozid klar und deutlich als Straftat deklariert und entsprechend verfolgt wird!

Payday Africa International möchte über die Geschehnisse auf dem afrikanischen Kontinent aufklären und das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit für panafrikanische Ausbeutung schärfen.

Anlass war der 25. Jahrestag der Hinrichtung des nigerianischen Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter.

Hinweis: Da Peter Donatus während des Vortrags am 8. November etwas unter Zeitdruck stand, hat er diesen etwas gerafft. Ich empfehle daher ergänzend eine Aufzeichnung (WeltnetzTV) eines früheren Referats von Peter Donatus, welches er vor einiger Zeit in der Auslandsgesellschaft in Dortmund zum gleichen Thema – „Ökozid im Niger-Delta – gehalten hat. Dazu dieser Beitrag hier auf meinem Blog.

Quelle/Informationen: u.a. Pay Day Africa

Köln: Vortrag und Mahnwache anlässlich des 25. Jahrestags der Hinrichtung des nigerianischen Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter

Anlässlich des 25.Jahrestages der Ermordung des nigerianischen Schriftstellers, Umweltaktivisten, Trägers des Alternativen Nobelpreises und bekennenden Shell-Kritikers, Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter, veranstaltet der Verein PAY DAY AFRICA INTERNATIONAL in Kooperation mit folgenden Organisationen:

Video via CGTN Africa/You Tube

•Seebrücke Köln •BIPoC Referat der Uni Köln •Fridays For Future Köln •Die Linke •Die linke SDS – Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband •Gesellschaft bedrohter Völker •Bündnis 14 Afrika •Die Urbane. Eine Hip Hop Partei

nun, eine Gedenkveranstaltung vor der Geschäftsstelle Shell an der Venloer Straße.

Die Vorbereitung der morgigen Mahnwache (16 Uhr) vor der Kölner Shell-Tankstelle auf der Venloer-Strasse (166) ist in vollem Gange
.
Wir sind bereit!

In Vorbereitung auf die Mahnwache, findet bereits am 08.11.2020 um 19 Uhr, ein Online-Vortrag von Peter Donatus in der explizit über die Thematik informiert wird.

Mit diesem Link gelangen Sie zu unserer Online-Veranstaltung.

HINTERGRUND

Am 10. November 1995 ließ das nigerianische Militär, unter der Führung des inzwischen verstorbenen blutrünstigen Diktators General Sani Abacha, den Schriftsteller, Umweltaktivisten und alternativen Nobelpreisträger Kenule Beeson Saro-Wiwa, sowie acht seiner Ogoni-Mitstreiter erhängen. Bei den acht ermordeten Ogoni-Mitstreitern handelt es sich um:

Barinem Kiobel, Saturday Dobee, Paul Levura, Nordu Eawo, Felix Nuate, Daniel Gbokoo, John Kpuinen und Buribor Bera.

Trotz massiver Appelle, weltweiter Proteste und Sanktionsandrohungen der internationalen Staatengemeinschaft, konnte man das Regime nicht daran hindern, die Aktivisten hinzurichten. Eine Machtdemonstration ohne Nebenwirkung.

Unter der Führung von Saro-Wiwa kämpfte das Ogoni-Volk im Niger-Delta (Nigeria) Anfang der 90er Jahre friedlich und gewaltfrei gegen den Shell-Konzern und die massiven Umweltverschmutzungen dort. Er gründete die Organisation „Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes (MOSOP)“ und schaffte es mit Erfolg, das Anliegen seines Volkes auf die internationale Bühne zu bringen. Die friedlichen Proteste der Ogonis richteten sich vor allem gegen den Ölmulti Shell, der die seit 1958 andauernde Zerstörung der Umwelt und der Lebensgrundlagen im ganzen Niger-Delta hauptsächlich zu verantworten hat. Bei diesen Protesten ging es auch um den friedlichen Kampf gegen politische und soziale Marginalisierung und um die Teilhabe am Reichtum des eigenen Volkes.

Um die aufflammenden Proteste zu unterdrücken, bat Shell das Militärregime um den Einsatz des gefürchteten Sondereinsatzkommandos, das sog. „Kill and Go – Kommando“. Dieses richtete schreckliche Massaker im Ogoniland an, auch mit Hilfe deutscher Waffen, die Shell an nigerianische Sicherheitskräfte lieferte. Es entstanden Horrorszenarien im Ogoniland. Bei den o. g. Auseinandersetzungen wurden vier hohe Ogoni-Volksvertreter (Chiefs) ermordet, die sich mit Shell verbündet hatten und sich somit gegen ihr eigenes Volk stellten.

Das Militärregime nutzte die Gunst der Stunde und machte Saro-Wiwa und seine Mitstreiter für diese Morde verantwortlich und ließ diese im Mai 1994 inhaftieren. Nach einer monatelangen Incommunicado-Haft ohne Anklageerhebung, verurteilte ein Militärgericht die Aktivisten am 31. Oktober 1995 in einem inszenierten Schauprozess, wegen angeblicher Anstiftung zum Mord, zum Tode. Die Internationale Staatengemeinschaft bescheinigte den Prozess als unfair und als politisch motiviert, da u. a. Beweise manipuliert, Zeugen bestochen und rechtsstaatliche Prinzipien von Grund auf missachtet wurden.

Am frühen Morgen des 10. November 1995 wurden Saro-Wiwa (54) und die acht anderen Verurteilten, trotz internationaler Proteste und Sanktionsandrohungen, gehängt. Die Hinrichtung von Saro-Wiwa konnte erst nach dem fünften Versuch erfolgreich durchgeführt werden. Medienberichten zufolge hatte er die Henker immer wieder unterbrochen gefragt:

„Warum behandeln Sie mich so. Was ist das für ein Staat.“

Die letzten Worte bevor er starb, waren:

„Mein Herr, nimm meine Seele zu Dir, aber der Kampf geht weiter.“

Die Hinrichtungen lösten weltweite Proteste und eine Welle der Empörung aus. Die internationale Staatengemeinschaft verhängte daraufhin zwar einige kosmetische Sanktionen gegen Nigeria, wie die Suspendierung aus dem Commonwealth, das eingeschränkte Waffenembargo und Einreiseverbot für Angehörigen des Regimes, jedoch wurden diese Sanktionen nicht ernsthaft verfolgt. Die Förderung der nigerianischen demokratischen Opposition nach dem Ölembargo konnte nicht durchgesetzt werden, wegen der Blockade der USA und einiger europäischer Staaten, darunter auch Deutschland – offensichtlich aus eigenen Wirtschaftsinteressen. So konnte das nigerianische Militär, samt Gefolgsleuten, seine mörderischen Repressalien noch vier weitere Jahre ungehindert fortsetzen. Bis heute wurde keiner der Akteure des damaligen Henkerregimes für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen.

Der Ölmulti Shell trägt eindeutig eine große Mitschuld an der Hinrichtung der Aktivisten, u. a. weil er sich weigerte, seinen sonst so großen Einfluss in Nigeria zu nutzen, um somit das Leben der zum Tode Verurteilten zu retten.

Hierzulande setzen die nigerianische Opposition und diverse Umwelt- und Menschenrechts-verbände bzw. Initiativen den Ölmulti Shell durch Boykottaufrufe unter massiven Druck. Doch der Konzern weiß sich zu helfen und versuchte stets die deutsche Öffentlichkeit mittels massivem Asbach-Journalismus medial zu manipulieren und zu verunsichern und die Kritiker durch systematischen Rufmord und durch rechtliche Schritte zum Verstummen zu bringen.

Der Konzern musste seine Fehler unfreiwillig einräumen. Zum Beispiel: Um einer Verurteilung durch ein US Gericht wegen Menschenrechtsverletzung und somit eine riesige Blamage zu entgehen, einigte sich der Konzern mit den Angehörigen der Hingerichteten außergerichtlich auf eine Entschädigungszahlung in Höhe von 15 Millionen US Dollar. Für die Angehörigen der Hingerichteten, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten und Shell-Kritiker ein unverkennbares Zeichen der Schuld.

In einer bahnbrechenden Entscheidung verurteilte ein niederländisches Gericht den Ölmulti Shell am 30.01.2013 zu Entschädigungszahlungen in einem Fall, da Shell seine Pipelines nicht ausreichend gegen Sabotageakte schützt, so das Gericht. Dies war das erste Mal, dass Shell für seine Machenschaften in Nigeria gerichtlich zur Verantwortung gezogen wurde.

Wie sieht die Lage im Ogoniland und im gesamten Niger-Delta aus, 25 Jahren nach der Hinrichtung der Umweltaktivisten?

Wenngleich das Land momentan von einer demokratisch gewählten Regierung regiert wird, hat sich die Lage nicht verbessert. Die Verseuchung des Niger-Deltas ist katastrophaler als je zuvor. Die Ölförderung im hinterlässt weiterhin dort verseuchten Ackerland, Flüsse und Meer. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen braucht man mehrere Jahrzehnte, um die bereits entstandenen Umweltschäden zu beseitigen. Doch jährlich verseuchen rund 13 Millionen Barrel Erdöl das Delta vom Niger weiterhin, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Mit rund 208 Mio. Einwohnern ist Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Nigeria ist auch der größte Erdölförderer Afrikas und der achtgrößte Erdölexporteur der Welt. Mehr als 80 % der Staatseinnahmen stammen aus Erdöl und Erdgas. Trotz seines Reichtums leben fast zwei Drittel der Bevölkerung in absoluter Armut, während wenige korrupte Eliten, also Staatsräuber, die Staatskassen plündern, nach dem

Motto: „Wer am Zoll sitzt, ohne reich zu werden, ist ein Dummkopf.“

Umweltexperten schätzen die Zahl der Ölunfälle der letzten 1958 auf mehrere Zehntausende, mit mehreren Milliarden Litern ausgelaufenes Rohöl – das einstige Naturparadies Nigerias wurde in eine Hölle auf Erden verwandelt. Das Grundwasser ist so massiv verseucht, dass die konventionelle Wasserversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann. Im Jahr 2011 stellte die WHO eine extrem hohe Konzentration von C0​2 und Benzol im Grundwasser fest, mehr als 900 Mal höher als die international erlaubten Grenzwerte, und 1.000 Mal mehr als die vom Staat selbst festgelegten Grenzwerte. Mehrere ​Millionen Tonnen CO​2 werden jährlich durch das offene Abfackeln von Gas in die Atmosphäre freigesetzt, während die globale Erderwärmung den Menschen weltweit existentielle Sorgen bereitet. Luftverschmutzung ist nicht nur lästig, sie ist auch gesundheitlich höchst gefährlich, wie ein Bericht der WHO darlegt. Demnach ist die Luftverschmutzung eine der Hauptursachen für Krebserkrankungen bzw. Krebstodesfälle weltweit.

WIR KLAGEN AN! Wir fordern ein sofortiges Ende der ausbeuterischen Aktivitäten von Shell, den sofortigen Beginn von Wiederherstellungsarbeiten und dass der von Shell begangene Ökozid klar und deutlich als Straftat deklariert und entsprechend verfolgt wird!

Payday Africa International möchte über die Geschehnisse auf dem afrikanischen Kontinent aufklären und das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit für panafrikanische Ausbeutung schärfen.

Anlässlich des 25. Jahrestags der Hinrichtung des nigerianischen Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter

Online Vortrag​: Datum: 08.10.2020

Uhrzeit: 19 Uhr

Unter folgendem Link:

http://www.rebrand.ly/kensarowiwavortrag

Anbei ein älterer Beitrag von mir zur Thematik mit einem Interview mit Umweltaktivist und Journalist Peter Donatus plus Vortrag „Ökozid im Nigerdeltavia WeltnetzTV

Pay Day Africa fordert Rückgabe von kolonialer Raubkunst. Mahnwache in Köln trägt offenbar Früchte: Museumsdirektorin Nanette Snoep sprach von einem „historischen Tag“ und will einen Dialog ermöglichen

Das zweitägige, von Pay Day Africa 2020 initierte Event anlässlich des Welttags gegen Sklaverei am 22. & 23.August 2020 (hier mein Bericht vom ersten Tag) in Köln war ein Erfolg. Weshalb es die neue internationale Bewegung PAY DAY AFRICA zu weiteren Aktionen inspirierte. Im Rahmen des diesjährigen Akwaaba-Festivals 2020 veranstaltete Pay Day Africa am vergangenen Samstag zunächst eine Mahnwache vor dem Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum, um für die bedingungslose Rückführung kolonialer Raubkunst aus dem Museum zu protestieren.
In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden – wie es Serge Palasie (Eine Welt Netz NRW) letzten Samstag vor dem Rautenstrauch-Joest-

Museum in Köln tat -, dass das Deutsche Reich den ersten großen Völkermord in seiner afrikanischen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) an den Herero und den Nama zu verantworten hat. Die Angehörigen von deutschem Militär ermordeter Menschen waren gezwungen worden, die Schädel der Toten auszukochen. Sie wurden dann nach Deutschland verbracht und pseudowissenschaftlichen Tests unterzogen. Diese sollte beweisen, dass Afrikaner Europäern in jeder Hinsicht unterlegen seien.
Noch heute lagern in bundesdeutschen Museen Gebeine afrikanischer Ahnen der heute dort lebenden Menschen
Derzeit bis zu 97 Raubkunstobjekte aus dem Königreich Benin im Kölner Rautenstrauch-Joest Museum?
Aktuell sollen bis zu 97 Raubkunstobjekte aus dem uralten Königreich Benin im heutigen Nigeria im Besitz des Kölner Museums lagern. Auf der Homepage des 2012 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichneten Rautenstrauch-Joest-Museums ist u. a. zu lesen:

Wichtige Teile der frühen Afrika-Sammlung stellen wertvolle Metall- und Elfenbeinobjekte aus dem Königtum Benin im heutigen Nigeria dar. Sie wurden von der Familie Rautenstrauch in London erworben, nachdem eine englische Strafexpedition 1897 Benin geplündert hatte und man durch den Verkauf der erbeuteten Metall- und Elfenbeinobjekte die Kosten der Militäraktion abdecken wollte.“ (hier mehr)

Tatsächlich hatten die Briten 1897 das historische Königreich Benin überfallen, geplündert und in Brand gesetzt. Bei dieser Invasion der Briten wurde der König, Oba Ovonramwen, festgenommen, entmachtet, entwürdigt und nach Calabar (auch im Niger-Delta Nigerias) abgeschoben. Er starb dort im Exil.
Eli Abeke Batemona Bündnis Africa 14

Hehlerei ist strafbar!
Bis zu 6.500 Kunstschätze der Benins, auch religiöse Objekte, wurden gestohlen und befinden sich immer noch in zahlreichen Museen in Groß-Britannien, Deutschland, den USA und anderen Teilen der Welt, unter anderen auch im Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln. Nach §259 des deutschen Strafgesetzbuchs ist Hehlerei – selbst der Versuch – strafbar:

Wer eine Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat, ankauft oder sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder absetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Köln ist multikulturell, weltoffen und antirassistisch – „kein Veedel für Rassismus!“ Die noch andauernde Beschlagnahmung unrechtmäßig erworbener fremder Eigentürmer im Rautenstrauch-Joest-Museum widerspricht ganz klar diesem Image der modernen weltoffenen Domstadt.
Peter Donatus „Menschen werden abgeschoben, aber die Kunst wollt ihr behalten?“

Peter Donatus vom Bündnis Pay Day Africa machte in seiner emotionalen Rede darauf aufmerksam, dass die Weißen, die afrikanische Reiche unterwarfen zu dieser Zeit selbst noch in der Barbarei lebten. Und sich in Afrika über zivilisatorische Fortschritte – über die sie seinerzeit selbst nicht verfügten – erstaunt zeigten.
Das Bündnis Pay Day Africa fordert:
Die bedingungslose Rückführung der Raubkunstobjekte aus Benin (Nigeria) sowie die Rückführung aller anderer kolonialen Raubbeute aus Afrika.
Die Errichtung moderner Museen mit Einbruchdiebstahlschutz in Benin City und anderen Orten Afrikas – dies ist nicht als sogenannte „Entwicklungshilfe!“, sondern als Ansprüche auf RESTITUTION anzusehen.
Einen Runden Tisch zur Aufarbeitung des kolonialen Erbe Kölns.
Des Weiteren startet Pay Day Africa demnächst diesbezüglich eine Online-Petition sowie eine Petition beim Kölner Stadtrat.
Nanette Snoep, Direktorin des Museums nannte diesen Tag historisch!

Offenbar tut sich etwas Vielversprechendes in Köln. Die Museumsdirektorin Nanette Snoep zeigte Verständnis für die Anliegen der Teilnehmer der Mahnwache. Sie versprach am Samstag in einen Dialog mit Pay Day Africa auf Augenhöhe einzutreten. Anscheinend rückt die Einrichtung eines Runden Tischs nach der erfreulichen Erklärung der Museumsdirektorin nun näher.
Olabisi Olusoga „When black lives matter?“ (Englisch)

Bündnis Pay Day Africa fordert: Die bedingungslose Rückführung der Raubkunstobjekte aus Benin (Nigeria) sowie die Rückführung (#BringBackOurTreasures) aller anderer kolonialen Raubbeute aus Afrika. Aktion vorm Rautenstrauch-Joest-Museum am kommenden Samstag in Köln
Hinweis 1: Pay Day Africa ist in Social Media vertreten: Facebook, Instagram, Twitter, YouTube

Hinweis 2: Da ich am Samstag nicht selbst in Köln sein konnte, entstand dieser Beitrag nach Informationen und Videos von Pay Day Africa. Danke dafür!

Update am 24.9.2020: Video-Botschaft von Dr. Karamba Diaby (MdB, SPD) aus Halle

Die intelligente und mutige Blessing (10) aus Nigeria erzählt von einer schrecklichen Odyssee nach Europa und zurück

Die Geschichte von Nigerias Rückkehrern erzählt von einem intelligenten und mutigen 10-jährigen Mädchen, Blessing, aus dem Niger-Delta von Nigeria.
▶ Die Reise startete in Benin City durch Kano in die afrikanische Hauptstadt des Schmuggels, Agadez;
▶ Die Odyssee führte sie durch Afrikas letzte Bushaltestelle nach Europa, Libyen und durch das Mittelmeer, zurück nach Libyen und dann nach Nigeria;
▶ Eine schreckliche Geschichte darüber, wie ihr Bruder auf dem Weg starb und wie sie mehrmals in die Sklaverei verkauft wurde.
▶ Und mehr
Bitte nehmen Sie sich Zeit, um dieses Video anzuschauen (12 Minuten, 58 Sekunden)

Quelle: Peter Donatus, Facebook

Übersetzung: via Google aus dem Englischen)

Zu Gast bei #Friedensfragen in Dortmund: Journalist und Menschenrechtsaktivist Peter Donatus zum Ökozid im Nigerdelta

Der Journalist und Menschenrechtsaktivist Peter Donatus. Fotos: C.-D. Stille

Der Journalist und Menschenrechtsaktivist Peter Donatus. Fotos: C.-D. Stille

Der Verein Bildung für Frieden e.V. hatte dieses Jahr in der Veranstaltungsreihe „Friedensfragen“ schon einige kompetente Persönlichkeiten zu Gast. Es waren dies Rudi Trautvetter, Frieder Wagner, Reiner Braun, Jürgen Grässlin und Willi Hoffmeister. Sie alle standen Rede und Antwort. Immer ging es um die Bedrohung des Friedens und darum, wie eine friedliche Welt zu erreichen wäre. Naturgemäß musste dabei immer auch über Krieg und Rüstung gesprochen werden, da beides den Frieden zerstört bzw. auf längere Sicht bedroht. Und die Lebensgrundlagen der Menschen zunichte macht. Schließlich wissen wir: Jede Waffe findet ihren Krieg.

Die Menschenrechtsaktivist und Journalist beschäftigt sich seit gut 30 Jahren mit den Umweltsünden des Shell-Konzerns in Nigeria

Am vergangenen Dienstag nun war Peter Donatus unter der Rubrik „Friedensfragen“ bei Bildung für Frieden in den Räumlichkeiten der Auslandsgesellschaft NRW e.V. in Dortmund eingeladen. Peter Donatus ist ein in Nigeria geborener freier Journalist und Menschenrechtsaktivist. Als Umweltaktivist beschäftigt er sich seit gut 30 Jahren radikal kritisch mit den Umweltsünden des Shell-Konzerns, welche dieser bei der Ölförderung im Nigerdelta in Nigeria verursachte bzw. hinterlassen hat.

Donatus konnte vor fast 28 Jahren nach mehrmonatiger Incommunicado-Haft im Staatssicherheitsgefängnis und schwerer Folter aus Nigeria fliehen. Seither lebt er in Deutschland.

Inhaftiert worden war er und vieler seiner Komilitonen nach Studentenprotesten und einem Generalstreik in seiner Heimat unter der damaligen Diktatur. Nach einem Strukturanpassungsprogramm, erklärte Donatus, vergleichbar mit der Situation heute in Griechenland, sei das Leben in Nigeria damals nicht mehr zu finanzieren gewesen. Besonders für Studenten.

Wie Krieg zerstören auch Umweltverbrechen die Lebensgrundlagen der Menschen

Von Donatus war zu erfahren, dass Umweltverbrechen nicht weniger als Kriege geeignet sind, die Lebensgrundlagen der Menschen anhaltend zu zerstören. Sein Vortrag unter dem Titel „Nigeria – Ökozid, Flucht und Migration als Folge der westlichen Rohstoffpolitik“ sollte dem Publikum im

Gastgeber Mark Brill (Bildung für Frieden e.V.) mit Peter Donatus.

Gastgeber Mark Brill (Bildung für Frieden e.V.) mit Peter Donatus.

Verlaufe des Abends unglaublich tief unter die Haut gehen. Der Begriff Ökozid setzt sich aus den Worten Ökologie und Genozid zusammen. Der Gast gab zu bedenken, dass man bei einem Krieg zumeist jemanden benennen könne, der der Aggressor sei. Anders im Falle von Ökozid. Die Täter seien erst einmal einmal Vertreter von gesichtslosen, unsichtbaren globale kapitalistische Machtstrukturen.

Donatus: „Derzeit leben wir in einem Land, in der Fakten nicht mehr zählen. Sondern nur Gefühle“

„Jeden Tag“, hob Peter Donatus an, „wenn ich mich wasche, begrüßen mich meine Narben“ und erinnerten ihn an die Folter einst in nigerianischer Haft (zu Peter Donatus gibt es weitere, ausführliche Informationen im (Greenpeace Magazin) im Alter von 109 Jahren verstorbener Vater hatte ihn freikaufen können.

Indem Donatus davon sprach, dass dieser Ökozid in der Lage dazu ist Kettenreaktionen bis hin Kriegen zu uns nach Europa auszulösen, schlug er einen Bogen zur hiesigen Debatte über Geflüchtete. „Derzeit leben wir in einem Land, in der Fakten nicht mehr zählen. Sondern nur Gefühle“, stellte Peter Donatus betreffs der momentanen Situation hierzulande fest. „Automatismen ersetzen die Vernunft. Wir erleben eine Gefühlsdemokratie.“ Rechter Terror, Populismus, Rassismus, des Antisemitismus und die Islamophobie zögen sich bedrohlich durch unser Land. Auslöser, hieße es sei die „Flüchtlingskrise“. Und er fragte: „Haben wir wirklich eine Flüchtlingskrise in Deutschland, in Europa?“ Davon habe er nichts mitbekommen: „In Europa haben wir nichts weiter als eine Solidaritätskrise.“

Das arme Afrika hat 2014 Millionen Flüchtlinge versorgt, während Europa nur 700 000 Geflüchtete aufnahm

In arme Afrika habe im Jahr 2014 14 Millionen Flüchtlinge versorgt. Im selben Jahr habe das reiche Europa nur 700 000 Menschen aufgenommen. Wo also sei diese Krise? Noch nie zuvor sei Flucht für Afrikaner so schwierig bis unmöglich und vor allem so teuer gewesen wie derzeit. Über 4500 Menschen hätten dieses Jahr „in Europas größtem Massengrab, dem Mittelmeer“ ihr Leben verloren. In den letzten 20 Jahren weit über 30 000! Eine Reise ohne Rückkehr. Menschen, die es nach Europa geschafft hätten, müssten damit rechnen, wieder abgeschoben zu werden. Donatus wies daraufhin, dass die CDU gerade in Essen einen Schwerpunkt diskutiere: Abschiebung. „Das ist kein Kinderspiel!“ Leben werde ruiniert, Menschen stürben dabei. Fragwürdig sei, dass deutsche Behörden Botschaften afrikanischer Länder Kopfgelder (300 oder 350 Euro) zahle, für erfolgreiche Abschiebungen.

Bundeskanzlerin Merkel gehe es darum, Flüchtlinge zu reduzieren, meint Peter Donatus

Grenzen würden seitens der EU bis in die Mitte Afrikas verschoben. Um Menschen abzuhalten nach Europa zu fliehen. Das, so Donatus, erinnere gewissermaßen an die unrühmlichen Taten einstiger Kolonialmächte, die 1885 willkürlich Grenzen auf dem afrikanischen Kontinent (Berliner Afrika-konferenz) gezogen hätten. Donatus empörte sich über die neuerliche Arroganz der Europäer: „Was erlauben, Strunz? Europa ist nicht Afrika!“

Frau Merkel gehe es nicht darum Fluchtursachen zu bekämpfen, sondern darum Flüchtlinge zu reduzieren.

Der Referent: „Überall in der Welt hat der Westen Chaos angerichtet. Militärisch, politisch, wirtschaftlich und soziokulturell“

Dabei sorgte gerade auch die EU mit für leergefischte afrikanische Meeresgebiete, mit hoch subventionierten Importen (z.B. Tomaten und Hähnchenteile) nach Afrika für den Ruin der Farmer dort und neben China mittels des Land Grabbing dafür, die Lebensgrundlagen von Afrikanern

Peter Donatus prangerte die Machenschaften des Westens in der Welt an.

Peter Donatus prangerte die Machenschaften des Westens in der Welt an.

zu zerstören. Donatus sprach es deutlich aus: „Überall in der Welt hat der Westen Chaos angerichtet. Militärisch, politisch, wirtschaftlich und soziokulturell.“ Hinzu komme die ökologische Katastrophe.

Ken Saro-Wiwa benannte die Folgen ökologischer Zerstörung drastisch als Genozid

Peter Donatus sprach die juristische Definition, die er „akzeptabel aber schwach“ nannte, von Ökozid aus: „die erhebliche Beschädigung, Zerstörung oder der Verlust von Ökosystemen eines bestimmten Gebietes durch menschliches Handeln oder andere Ursachen in einem Ausmaß, das die friedliche Nutzung dieses Gebietes durch seine Bewohner stark einschränkt oder einschränken wird“.

Der nigerianische Bürgerrechtler Ken Saro-Wiwa (hingerichtet 1995) aber habe die Folgen der ökologischen Zerstörung des Nigerdeltas drastischer als Genozid benannt.

Donatus benannte hinsichtlich des Ökozids zwar Faktoren: Natur (Klimawandel, Erderwärmung) und Mensch (rücksichtslose Geschäftspraktiken westlicher Konzerne, Subventionspolitik). Eigentlich Unsinn, fand der Gast. Denn den Faktor Natur müsse eigentlich Faktor Mensch genannte werden. Schließlich sei der Klimawandel von Menschen verursacht.

Wohlstand für den Westen. Die Folgen der Ausbeutung müssen die Afrikaner ausbaden

Der Westen ziehe aus der Ausbeutung seinen Wohlstand. Die Menschen in Afrika oder anderswo hätten dagegen fast ausschließlich allein die Folgen der Ausbeutung von Mensch und Natur auszubaden.

Man rechne für das Jahr 2050 allein mit 200 Millionen Klimaflüchtlingen. Die Lage in Afrika spitze sich zu. Etwa trockne der Tschadsee in atemberaubender Geschwindigkeit aus. Jetzt aber bereits spreche man in Europa und Deutschland von einer „Flüchtlingskrise“. Wo die denn sei, hinterfragte Donatus. Und stets hieße es dann, wenn Flüchtlinge kämen: damit habe man nicht rechnen können. Darauf sind wir nicht vorbereitet. Obwohl das doch seit Jahrzehnten abzusehen gewesen war!

Ein Blick zurück zeigt: Die Benachteiligung Afrikas sind nicht neu

Rückblickend machte der Gast aus Köln klar, dass die Benachteiligung des afrikanischen Kontinentes nicht neu ist. Dabei seien doch Afrika und Europa Nachbarn. Aber immer gehe es um Rohstoffe. Wovon der Wohlstand und die Erweiterung des Wohlstandes in Europa unmittelbar mit Afrika verknüpft sei. Dagegen habe er nichts, so Donatus: „Aber bitte nicht auf Kosten anderer Menschen!“ Dabei seien die ersten Europäer in Afrika sehr willkommen geheißen worden. Und er musste schmunzeln: „Heute sprechen wir bezüglich der Flüchtlinge von Willkommenskultur.“ Die Europäer missbrauchten die afrikanische Willkommenskultur seinerzeit. „Die Menschen wurden beraubt“ und versklavt. Ganze Generationen der produktiven Gruppe von Menschen im Alter von 17 bis 35 Jahren sei Afrika so verloren gegangen. Wissenschaftler meinten, Afrika habe sich bis heute nicht davon erholt.

Donatus: Befreiung Deutschlands vom Faschismus war nicht ohne Afrika möglich

Die eingeblendete Folie brachte es mit einer simplen Gleichung auf den Punkt: „Wir sind arm, weil ihr reich seid. Ihr seid reich, weil wir arm sind.“ Und Peter Donatus ging sogar soweit, zu sagen, nicht einmal die Befreiung Deutschlands vom Faschismus wäre ohne die Beteiligung von Millionen von Afrikanern gelungen: Zu Soldaten für europäische Armeen (in der französischen waren 25 Prozent der Soldaten Afrikaner) gemacht dienten sie als „Kanonenfutter“. Sogar der Marshall-Plan habe mit Afrika zu tun: Afrikaner seien gepresst worden, Lebensmittel, Kakao, Kaffee, ja gar Bettwäsche, Geschirr und vieles andere mehr zu spenden, um es in zerstörte Gebiete in Deutschland und anderswo zu liefern. Geld habe ebenso gespendet werden müssen. Den Massai seien 6000 Rinder abgepresst worden. Hungersnöte habe das ausgelöst. So habe sozusagen Afrika den darniederliegenden ehemals faschistischen Staaten Italien, Japan und Deutschland wieder auf die Beine geholfen! Und wieder brach Donatus das praktisch aufs Heute herunter. Hier höre man manchmal, Deutschland sei nicht das Sozialamt der Welt. Afrika aber sei einmal quasi das Sozialamt für Europa gewesen.

Donatus zitierte Konrad Adenauer aus dem Jahr 1928, der vor 1933 nicht nur Oberbürgermeister von Köln, sondern auch stellvertretender Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft war:

„Das Deutsche Reich muss unbedingt den Erwerb von Kolonien anstreben. Im Reiche selbst ist zu wenig Raum für die große Bevölkerung. Gerade die etwas wagemutigen, stark vorwärts strebenden Elemente, die sich im Lande selbst nicht betätigen konnten, aber in den Kolonien ein Feld für ihre Tätigkeit finden, gehen uns dauernd verloren. Wir müssen für unser Volk mehr Raum haben und darum Kolonien.“

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hätten afrikanische Länder, so auch Nigeria, bis in die 1960er Jahre gebraucht, um unabhängig zu werden. Sie mussten riesige Schuldenberge abtragen.

Sittenwidrige „Freihandelsabkommen“ mit afrikanischen Staaten

Peter Donatus erzählte, wie er mit tausenden anderen Menschen gegen TTIP und CETA demonstriert hat. Richtig fand er das. Doch im gleichen Moment sei ein sittenwidriges „Freihandelsabkommen“ der EU mit afrikanischen Staaten geschlossen worden. Dagegen habe er keinen Protest gesehen.Es gehe einfach darum, der EU die Märkte Afrikas zu öffnen. Afrika kann aber nicht mithalten mit diesem starken Europa.

Unwort „Wirtschaftsflüchtling“

Donatus wäre sehr dafür, das Wort „Wirtschaftsflüchtlinge“ zum Unwort des Jahres zu machen. Weil es nämlich scheinheilig sei. Weil es verblende,

Peter Donatus ist dafür, dass Wort "Wirtschaftsflüchtling" zum Unwort des Jahres zu machen.

Peter Donatus ist dafür, dass Wort „Wirtschaftsflüchtling“ zum Unwort des Jahres zu machen.

warum die Menschen aus Afrika flüchteten. Also müsse die Frage „Wer sind die Täter?“ gestellt und Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Freilich sei das nicht zu erwarten. Hinsichtlich dessen müssten wir eigentlich auch über uns selbst reden.

Nigeria und dessen spätere Abhängigkeit vom Erdöl

Nach diesem vorausgehenden etwas langen, aber zum Verständnis des Ganzen m.E. notwendigen Schlenker in die Geschichte, kam Peter Donatus auf sein Geburtsland Nigeria zu sprechen. Nebenbei bemerkt erfuhren die ZuhörerInnen von der Frechheit, dass der Brite Lord Frederik Lugard (dazu hier mehr) einst als der Vater Nigerias galt. Der Ländername geht auf dessen Gattin zurück: Niger Area. Daraus wurde letztlich Nigeria. Einst sei das Land der größte Exporteur von Kakao, Erdnüssen und Palmöl gewesen. Später aber wurde es dann sehr abhängig von seinen Erdölexporten. Heute muss Nigeria Lebensmittel importieren.

Im Nigerdelta findet man ein Desaster vor

Das Nigerdelta gehört zu den größten Mangrovenregionen der Welt. Heute finde man ein Desaster dort vor. Es ist ölverseucht. Und die von Peter Donatus vorgeführten aktuellen Bilder sprachen für sich. Und das Schlimmste: inmitten der apokalyptisch anmutenden, verseuchten Gegend leben weiterhin 20 Millionen Menschen, die 40 verschiedenen Ethnien angehören. Sie essen giftigen Fisch oder schwer belastete Lebensmittel. Pipelines schlängeln sich mitten durch die Dörfer. Immer wieder träten Lecks auf. Entstehen Brände und ereignen sich Explosionen. Der Konzern Shell schicke irgendwann Trupps, die Sand über das ausgelaufene Öl kippten. Der Konzern deklariere das Gebiet hernach als „saniert“. In Ogoniland sei seit den großen Protesten von 1996 Shell nicht mehr tätig. Aber die Ölanlagen habe man zurückgelassen. Diese spuckten manchmal noch Öl aus. An manchen Stellen – das ist bekannt – ist der Boden bis in fünf Meter Tiefe verseucht. Die Frauen trocknen Maniok am abgefackelten Gas. Paradox, meint Donatus. Während die Wälder für Brennholz abgeholzt würden. Wo es manchmal nur drei Stunden am Tag Strom gibt. Und das Gas vergiftet das wichtige Lebensmittel. „Die Zukunft für mein Land“, sagte Peter Donatus, „sieht schwarz aus“. Er zeigte das Foto eines Kindes: „Es hat wahrscheinlich keine Zukunft. Außer vielleicht später als Zwangsprostituierte zu arbeiten.“

In zwanzig bis dreißig Jahren steht Nigeria vermutlich eine Krebsepedemie bevor

Nigeria sei nach Russland Nummer 2 beim Thema Gasabfackeln. „Die Umweltgesetze sind verdammt gut. Gut auf dem Papier“, so Donatus. In zwanzig bis dreißig Jahren, hat der Gast gelesen, stehe Nigeria vermutlich eine Krebsepedemie bevor. Fünfundzwanzig Prozent der Bevölkerung Nigerias, habe es da geheißen, wird Krebs bekommen. Illegal stelle die Not leidende Bevölkerung Benzin her. Explosionen seien keine Seltenheit.

Das Grundwasser im Nigerdelta ist durch Kohlenwasserstoff verseucht. Die Regierung muss Wasser in Tanks anliefern.

Schizophren, stellte Peter Donatus gegen Ende seines Vortrags fest: Das Nigerdelta gilt als reichste Region der Welt, ist jedoch die ärmste Region Nigerias.

Noch einmal erinnerte der Gast an die Verdienste von Ken Saro-Wiwa im Kampf gegen die Umweltzerstörung und dessen Hinrichtung.

Bislang sei es nur einmal gelungen, dass vier nigerianische Bauern und Fischer vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag Recht bekamen und mit Shell erstmals ein europäischer Konzern für außerhalb Europas vergangene Verbrechen verurteilt wurde.

Peter Donatus appellierte: Die politisch Verantwortlichen unter Druck setzen!

Seinen Vortrag schloss Peter Donatus mit drei Zitaten von Ken Saro-Wiwa (im Video, sh. unten, zu hören)

Hartes Brot war dieser interessante Vortrag bei „Friedensfragen“. Schwer danach, einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen.Im Anschluss entspann sich noch eine interessante Diskussion mit dem Gast aus Köln.

Peter Donatus appellierte an seine ZuhörerInnen, die ein Parteibuch hätten, in einem Verein organisiert seien bzw. an die Menschen als WählerInnen. Speziell die Partei DIE LINKE sei bekannt dafür, wichtige Kleine Anfragen im Deutschen Bundestag einzubringen. Dadurch könnten die politisch Verantwortlichen unter massiven Druck setzen. Auch im Fall des nun in Dortmund diskutierten Ökozids. Bereits in 1990er Jahren sei es Donatus gelungen zwei Hearings zum Thema im Bundestag zu machen. Er hoffe, dass das nochmals gelinge.

Hinweis: Das Weltnetz.tv-Video mit der Rede Fidel Castros vor der UNO im Jahre 1979 habe ich in den Text eingefügt, weil es m. E. bestens zum Thema passt und die Worte des Comandante nach wie vor aktuell geblieben sind.

Der Vortrag wurde auf Video aufgezeichnet. Er ist auf  Weltnetz.tv veröffentlicht worden

 

Passendes zum Thema auch hier und hier.

Um Fluchtursachen junger Afrikaner ging es bei einer Veranstaltung in Dortmund

Ein Grußwort hielt Dr. Klaus Gelmroth von der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft; Fotos: C.-D. Stille

Ein Grußwort hielt Dr. Klaus Gelmroth von der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft; Fotos: C.-D. Stille

In gedrängt vollem Großen Saal der Auslandsgesellschaft NRW in Dortmund sollte es am vergangenem Mittwoch um „Fluchtursachen von jungen

Afrikanern“ gehen. Dr. Klaus Gelmroth, Vorsitzender der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft, bat einleitend die Dortmunder Mitbürger die „Freunde aus Afrika nett und freundlich aufzunehmen“, damit sie sich hier heimisch fühlen können. Er gab zu bedenken, dass viele von diesem Kontinent Geflüchtete unter Traumata leiden.

Dr. Kajo Schukalla sprach über Fluchtursachen

In einem ersten Input-Beitrag vermittelte der Koordinator des Ghana Forums NRW und menschenrechtlich für die Gesellschaft für Völker engagierte Dr. Kajo Schukalla einen übersichtlichen Einblick zum Thema Entwicklungsprojekte. Von Afrika und über die von dort Flüchtenden würde „von etwas schlicht gestrickten Mitmenschen und auch von den Medien oft ein Schreckgespenst an die Wand gemalt“. Als die gravierendsten Fluchtgründe benannte der Referent Menschenrechtsverletzungen, Landraub (Land Grabbing), Armut, den Klimawandel, Geschlechterproblematiken, Perspektivlosigkeit und fehlende Religionsfreiheit. Schukalla wies daraufhin, dass allein in den letzten fünf Jahren weltweit 15 Konflikte ausgebrochen sind. Entsprechend hoch ist die Zahl der Geflüchteten. Mittlerweile ist deren Zahl auf über 60 Millionen angewachsen. Allein 35 Millionen Binnenflüchtlinge gebe es. Dr. Schukalla zeigte anhand einer Karte innerafrikanische Wander- und Fluchtrouten auf. Und wies auf die in der Kolonialzeit willkürlich gezogenen Ländergrenzen hin. Was heute bekanntlich noch etliche Konflikte zwischen Ethnien begünstigt. Land Grabbing, erklärte Schukalla, werde leicht möglich, weil in Afrika zumeist keine Kataster existierten. Vertreibung von Menschen und Entzug der Existenzgrundlagen sein die Folge. Die Fläche, welche afrikanischen Bauern in den vergangenen Jahren enteignet wurde, entspreche ca. ein Drittel der Agrarflächen in der EU.

Afrika, ausgenutzt als „Menschenreservoir“ und ausgebeutet wegen seiner Rohstoffe

Serge Palasie, vormals bei Eine Welt Netz NRW, nun Promotor für Flucht, Migration und Entwicklung überschrieb seinen Vortrag mit der Frage „Was haben volle Flüchtlingsboote mit der Geschichte von Sklavenhandel und Kolonialismus zu tun?“ Darin sprach er über akzeptierte Geflüchtete und welche, die hier oft scheel angesehen würden: die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge. Denen also, denen hier meist vorgeworfen wird, sie hätten ihre Misere selbst verschuldet und wollten sich nun in Deutschland nur ins „gemachte Netz“ setzen. Doch so einfach sei es nicht. Palasie stellte klar, keine „historische Schuldzuweisungen“ machen zu wollen. Er richtete seinen Blick auf die Zeit, da Afrika ins Interesse der Kolonialmächte rückte. Anfangs habe es durchaus noch eine „gewisse Kooperation auf Augenhöhe“ der Europäer, zunächst der Portugiesen, etwa mit dem Kongo gegeben. Später habe der seinerzeitige Papst den Spaniern erlaubt den arabischen-asiatischen Markt zu erschließen – jedoch über den Westen. So seien sie auf Amerika gestoßen und „das Übel für den afrikanischen Kontinent“ habe seinen Lauf genommen. Hart arbeitende Arbeitskräfte wurde bald benötigt. Die Sklaverei begann. Afrika diente als „Menschenreservoir“. Wohl an die 60 Millionen Menschen seien vom afrikanischen Kontinent geraubt worden, um sie zu versklaven. Davon erreichten nur 12 Millionen Amerika. All das hinterließ Spuren. Verdient hätten Kolonialherren und deren Gewährsleute in Afrika. Die Ware Mensch ist dann freilich später abgelöst worden. Von fossilen Brennstoffen und wichtigen Rohstoffen. Die sich anschließende Kolonialzeit schwächte Afrika ebenfalls stark. Nach dem Erlangen der Unabhängigkeit ist bei den meisten afrikanischer Staaten bis heute kaum eine nachhaltige Industrialisierung gelungen. Der Veredlungsprozess , so Palasie, von Rohstoffen aus afrikanischer Erde fände noch immer zumeist außerhalb Afrikas statt.

Wie ein Zuhörer einwarf, ist das vom Westen so gewollt. Denn damit sei eben großes Geld zu verdienen. Als ebenso verwerflich bezeichnete der Herr den Druck Europas auf die afrikanischen Länder. Ein fairer Handel fände nicht statt. Allein der Export von Hühnern und selbst von Tomaten aus der EU nach Ghana ruiniere die dortigen Bauern. Beides könne dort billiger angeboten werden als gleichwertige ghanaischen Produkte.Der von dem Mann aus dem Publikum damals in Ghana angebaute Mais sei dem US-amerikanischen einzig deshalb unterlegen gewesen, weil dieser hätte billiger angeboten werden können. Ghana habe u.a. wegen dem Hühnerexport unlängst bei der EU protestiert. Europa habe den Protest mit Verweis auf Reglement der Welthandelsorganisation (WTO) abgebügelt.

Bemerkenswert: Als die afrikanische Länder unabhängig wurden, haben Arbeitskräfte in Europa rund 50 mal mehr verdient als in Afrika. 2010 hat sich der Betrag verdoppelt! Sechzig Jahre Unabhängigkeit haben also nichts zum Besseren gewandelt. Serge Palasie wies auch auf die Zäsur hin, die nach dem Zusammenbruch sozialistischer Systeme um 1990 herum in Afrika einsetzte. Die einzelnen afrikanischen Staaten waren bis dahin entweder vom Westen oder von sozialistischen Staaten unterstützt worden. Der Kampf der Systeme hatte negative wie gute Seiten. Jedes wollte besser als das andere sein. Afrikanischen Staaten wurden so jeweils von einem der Systeme protegiert und geschützt.

Palasie verglich das auch mit dem geteilten Deutschland und der Situation nach dem Beitritt der DDR zur BRD. Als das „Wettrennen der Systeme“ vorbei war, habe der Kapitalismus ungeniert sein wahres Gesicht zeigen und Sozialabbau betreiben können. Das anscheinend bessere Gegenmodell war ja erledigt.

Die Menschen hierzulande, merkte Serge Palasie an, die nun angesichts der Flüchtlingskrise die Nase über die zu uns flüchtenden Menschen rümpften, hätten nie begriffen, worauf sich unser Wohlstand zu großen Teilen überhaupt gründet: nämlich wesentlich auf die Ausbeutung anderer Völker. Wer also hier sage, so Palasie: „Die Afrikaner hätten es nicht auf die Reihe gekriegt, weil sie faul unterm Baum sitzen und die Frauen arbeiten lassen. Und dann kommen die zu uns ins gemachte Nest“, der springe eben einfach entschieden zu kurz.

Gesprächsrunde

Konkret um die Situation von Geflüchteten drehte es sich in einer von Karin Herzog geleiteten Gesprächsrunde. Daran beteiligt war der aus Nigeria stammende Sadik über Ghana nach Libyen und das Mittelmeer nach Griechenland geflüchtet. Sein Bruder starb dabei. 52 Leute waren in seinem Boot. Zirka 40 Menschen überlebten die Überfahrt. Sadik arbeitet seit vier Jahren in Deutschland. Er arbeitet für (1,50 Euro) in einem Dortmunder Flüchtlingsheim. Er ist nur geduldet. Die deutsche Sprache beherrscht er nicht. Was bei einigen Zuhörern Verwunderung auslöste, dürfte konkret mit seinem Aufenthaltsstatus zusammenhängen.

Sadik lebt seit vier Jahren in Dortmund, bekommt aber keine Arbeitserlaubnis

Allerdings wurde Sadik im Rahmen der Veranstaltung darauf aufmerksam gemacht, dass es in Dortmund auch Vereine gebe, welche kostenlos Deutschunterricht erteilen. Da dürfte sich also etwas anbahnen. Im Anschluss an die Veranstaltung wurden bereits entsprechende Absprachen mit Sadik getroffen.

Es wurde deutlich, dass in den Herkunftsländern der Flüchtlinge ein zu goldiges Bild von Deutschland gezeichnet wird. Gemischte Gefühle hat Sadik nun hier: Einerseits fühlt er sich akzeptiert, andererseits macht ihm die Dauer seines Aufenthalts Sorge und das ihm noch immer eine Arbeitserlaubnis verwehrt wird. Denn er sieht andere Leute, die noch nicht so lange hier sind und denen bereits erlaubt wird zu arbeiten. Manchmal frage er sich resigniert, ob seine Benachteiligung nicht womöglich mit seiner Hautfarbe in Zusammenhang steht. Deutschland entspricht nicht seinen ursprünglichen Vorstellungen. Obwohl er seine Zukunft nicht allzu positiv sieht, hofft er dennoch weiter auf ein normales Arbeitsverhältnis. Die Ursachen seiner Flucht: Perspektivlosigkeit in seiner Heimat.

Noah flüchtete vor gefährlicher Ausländerfeindlichkeit in Griechenland und fühlt sich hier gut aufgenommen

Noah (20) dagegen ist ebenfalls vier Jahre in Deutschland. Allerdings spricht der in Griechenland geborene sehr gut Deutsch. Noah lernte die Sprache in der Schule von den Lehrern und Mitschülern beim Fachabitur. Er kam nach Deutschland, weil ihm die Bedrohung durch Rechtsradikale Ausländern gegenüber in Griechenland zu gefährlich geworden war. Von den Deutschen findet er sich gut aufgenommen. Noah erzählte, er sei weitgehend ohne spezielle Vorstellungen nach Deutschland gekommen.

Von der Arbeit mit Flüchtlingen in Dortmund berichteten Kossi Logovie und Kevin Matuke

Neben Moderatorin Karin Herzog nahmen schließlich noch Kossi Logovie (Diakonie Phönix-Haus) und Kevin Matuke (Integrationsrat Dortmund) Platz. Kossie Logovie berichtete über die Situation im Phönix-Haus. Afrikanische neu zugewanderte Menschen sind dort in der Minderheit. Sie dürfen entgegen den Syrern keine staatliche finanzierten Sprachkurse bzw. Wohnung in Anspruch nehmen. Araber und Afrikaner gingen im Haus stets getrennte Wege, so Kossie Logovie. Die Afrikaner sehen sich benachteiligt. Konflikte blieben nicht aus. Kossi Logovie versucht Spannungen durch das Organisieren von Fußballspielen abzubauen. Aufgefallen sei ihm, dass die Afrikaner früh aus dem Hause gingen und erst abends zurückkehrten. Sie seien eben immer auf der Suche „nach der Zukunft“.

Kevin Matuke lobte die Stadt Dortmund, die inzwischen die Anliegen auch afrikanischer Zuwanderer sehr ernst nehme. Er strich heraus, dass auch unsere Lebensweise und Kaufgewohnheiten hier in Deutschland einen nicht geringen Einfluss auf die Lebenswelten von Afrikanern ausübe. Eine Änderung unseres Verhaltens könnte Fluchtursachen vermindern helfen. Ein wichtiger Schritt könne auch ein Stopp deutschen Waffenexporte nach Afrika oder anderswohin sein.

Die Ausführungen der beiden Referenten ergänzte Matuke dahingehend, indem er anmerkte, dass die Fluchtursachen einen langen Anlaufweg hatten. Seit Jahrzehnten schon hätten Fluchtbewegungen vorausgesehen werden können. Die Gründe für eine Flucht seien oft dieselben gewesen in der Geschichte: Der Wunsch nach einem besseren Leben. Kevin Matuke: Millionen Deutsche seien doch auch schon in Krisenzeiten aus Deutschland etwa nach Amerika ausgewandert. In Zeiten der Hungerkrise verließen Iren scharenweise ihr Land.

Gleichermaßen sprach Matuke die Auswirkungen von Korruption als einen weiteren Fluchtgrund der Menschen in afrikanischen Ländern an. Letztlich trügen auch rosige Medienberichte dazu bei, Leute auf dem afrikanischen Kontinent zur Flucht zu ermuntern. Des Weiteren kritisierte Matuke, dass hier lebende Afrikaner bei Heimatbesuchen das Leben im Westen beschönigten. Oder die Leute wollten Kritisches über den Westen einfach nicht glauben.

Die Stadt Dortmund müsse in der Flüchtlingsarbeit stark engagierte Vereine trotz großer Anstrengungen noch mehr zu unterstützen.

Auf Nachfrage von Karin Herzog erwähnte Herr Matuke, dass in Dortmund momentan 5000 Geflüchtete ein Bleiberecht haben. Davon sind 893 Afrikaner, 1288 stammen aus Syrien.

Der Abend klang musikalisch und mit Gesprächen bei leckeren afrikanischen Spezialitäten aus

Den informativen Abend, veranstaltet vom Verein Junger Deutsch-Afrikaner e.V. , dem Planerladen e.V. und der Deutsch-Afrikanische Gesellschaft, beschloss ein musikalischer Part. Douglas Osei begleitete Noah (Gesang) auf dem Flügel. Im Eingangsbereich des Saals wurden leckere afrikanische

Musikalischer Ausklang: Am Flügel: Douglas Osei, Gesang: Noah.

Musikalischer Ausklang: Am Flügel: Douglas Osei, Gesang: Noah.

Spezialitäten zum Verzehr angeboten. Chefredakteurin Veye Tatah verteilte die neueste Ausgaben des Magazins „Africa Positive“ und warb für den gleichnamigen hoch engagieren Verein, der seinen Sitz im Fritz-Henßler-Haus hat.