Am
25. September 2019 wurde in Berlin zum sechsten Mal der Smart Hero
Award verliehen, ein Preis für erfolgreich in und mit Social Media
umgesetztes soziales Engagement – ein Preis für Helden und Heldinnen
im Internet. 2019 hat der Preis das Schwerpunkt-Thema „Eine
demokratische Gesellschaft“.
Den
Smart Hero Award 2019 gibt es in drei Kategorien: Vielfalt und
Chancen-Gleichheit, Umwelt und Gesundheit, Gemeinschaft und
Zusammenhalt.
Zusätzlich
zur Vergabe in den drei Kategorien gab es einen Publikums- und einen
Jury-Preis. TOUCHDOWN 21 und Ohrenkuss erhalten einen
zusätzlichen Preis in der Kategorie Spezial. Der Preis wurde geteilt
und an zwei Projekte und eine Einzelperson vergeben:
Ausgezeichnet
wurde unsere „exzellente
Zusammenarbeit im Netz“, die Menschen mit Down-Syndrom, ihre
Vielfalt und ihre Stimmen im Netz sichtbar und erlebbar macht. Mit
unterschiedlichen Schwerpunkten beziehen sie deutlich Stellung zu
gesellschaftspolitischen Themen, geben Einblicke in ihren Alltag und
nutzen dafür die ganze Bandbreite der sozialen Medien.
Ohrenkuss
gibt es seit 20 Jahren. Für das Magazin schreiben ausschließlich
erwachsene Menschen mit Down-Syndrom. Seit 2011 ist das Projekt auch
erfolgreich in den sozialen Medien unterwegs. Die Arbeit der
Ohrenkuss-Redaktion hat das öffentliche Bild von Menschen mit
Down-Syndrom geprägt und verändert.
TOUCHDOWN
21 ist ein partizipatives Forschungs-Institut mit Sitz in Bonn.
Menschen mit und ohne Down-Syndrom forschen, vermitteln und
informieren zu allen Themen, die mit dem Down-Syndrom zusammenhängen
und räumen auf mit Vorurteilen und Fehlinformation.
Natalie
Dedreux gehört zu einer jungen Generation von Aktivistinnen und
Aktivisten mit Down-Syndrom, die sich erstmals lautstark zu Wort
melden. Sie setzt sich ein gegen pränatale Diagnostik und
Spätabtreibungen von Menschen mit Down-Syndrom. Die Entscheidung des
Gemeinsamen Bundesausschusses, dass der pränatale Bluttest künftig
in vielen Fällen als Kassenleistung angeboten wird, kommentiert sie
mit: „Ich
halte es für falsch, was Ihr da macht. Es ist nicht inklusiv. Ich
bin damit nicht einverstanden.“
not
just down besteht aus dem Geschwister-Paar Tabea und Marian Mewes.
Sie geben in zeitgemäßer Form Einblick in ihr Leben und ihren
Alltag. Sie wollen dem defizitorientierten Bild von Menschen mit
Down-Syndrom in der medialen Öffentlichkeit etwas entgegensetzen,
das zeigt: Das Leben mit einem Familienmitglied mit Down-Syndrom
macht Spaß. Das Projekt wünscht sich: „Durch das Produzieren und
Teilen von Inhalten im Web und in Sozialen Netzwerken, sollen
Menschen mit Down-Syndrom dort an Präsenz gewinnen.“
Der
Preis ist mit 7.500 Euro dotiert, die sich zu gleichen Teilen
zwischen den drei Projekten verteilen.
GewerkschafterInnen vor der Karstadt-Filiale in Dortmund. Fotos: C. Stille
Aufgrund von Tarifflucht und Lohndumping in NRW entgehen den Sozialversicherungen jährlich 2,2 Milliarden Euro und dem Fiskus 1,3 Milliarden Euro an Einkommensteuer. Allein dem Land NRW entgehen dadurch 547 Millionen Euro und seinen Kommunen weitere 193 Millionen Euro. Das sind insgesamt 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Am Montag informierte die Dortmunder DGB-Vorsitzende Jutta Reiter mit MitarbeiterInnen an einem Aktionsstand am Westenhellweg über das Thema unter dem Motto: „Reden wir über …
Aktion aus Anlass des Welttags der menschenwürdigen Arbeit
Nicht ohne Grund war der DGB-Aktionsstand vis-á-vis der Karstadt-Filiale am Westenhellweg platziert: Der Kaufhauskonzern zahlt schon lange nicht mehr nach Tarif.
Die Veranstaltung am vergangenen Montag fand im Rahmen bundesweiter Aktivitäten der Gewerkschaften anlässlich des Welttags der menschenwürdigen Arbeit statt.
Mangelnde Tarifbindung vermindert nicht nur Einnahmen von Land und Kommunen, sondern wirkt sich unmittelbar auf die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung aus
Von links: Jutta Reiter, Klaus Waschulewski und Gudrun Weißmann
Im Gespräch mit Nordstadtblogger skandalisierte die Dortmunder DGB-Vorsitzende Jutta Reiter, dass die mangelnde Tarifbindung sich nicht nur negativ auf die Staats- und Stadtsäckel auswirke, sondern unmittelbar auf die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung: Mit flächendeckender Tarifbindung hätten die Beschäftigten in NRW rund 3,2 Milliarden Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie, so Reiter. Die Zahlen stammen aus einer Berechnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der die letzte Verdienststrukturerhebung (VSE) nach Beschäftigten mit und ohne Tarifbindung des Statistischen Bundesamts zugrunde liegt. Die Gewerkschafterin gab zu bedenken: Was der Gemeinschaft durch die anhaltende Tarifflucht der Unternehmen entgeht, seien keine Peanuts. Gerade bei den Herausforderungen, die in NRW vor uns liegen, werde deutlich: Das Geld wird gebraucht für den sozialen Ausgleich, für Investitionen in Infrastruktur und in Bildung. Eine hohe Tarifbindung stärke außerdem die Binnennachfrage, stabilisiere die Wirtschaft vor Ort und sichere gute Arbeit.
Keine Entwarnung: Im Jahr 2018 waren in NRW nur noch 60 Prozent der Beschäftigten in einem tarifgebundenen Unternehmen beschäftigt
Jutta Reiter indes konnte keine Entwarnung geben: Die Tarifflucht der Unternehmen sei ungebremst, die Zahlen der Tarifbindung Jahren rückläufig. Die Gesellschaft müsste in höchstem Maße alarmiert sein: Im Jahr 2018 waren in NRW nur noch 60 Prozent (!) der Beschäftigten in einem tarifgebundenen Unternehmen beschäftigt.
DGB-Chefin Dortmund Hellweg mit Warnschild vorm Karstadt-Warenhaus in Dortmund.
Angesichts dieser bedenklichen Entwicklung fordert der DGB: „Tarifbindung stärken und damit Beschäftigung sichern. Egal ob es um das Gehalt, die Urlaubstage, um Arbeitszeiten, Kündigungsfristen, betriebliche Altersversorgung oder um Urlaubs- und Weihnachtsgeld geht – Beschäftigte, deren Arbeitsverhältnis durch einen Tarifvertrag geregelt ist, stehen besser da als Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung. Nicht zuletzt würde durch einen Tarifvertrag ein gutes Betriebsklima geschaffen und zufriedene, motivierte Beschäftigte ein nicht zu unterschätzendes Ergebnis.
Auch für Arbeitgeber sind Tarifverträge sinnvoll. Sie verhindern Schmutzkonkurrenz indem sie allen Unternehmen gleiche Wettbewerbsvoraussetzungen garantieren. Insbesondere Flächentarifverträge, die für eine ganze Branche gelten, sorgen für fairen Wettbewerb und sichern damit Arbeitsplätze.“
Forderungen des DGB NRW
Von der Vorsitzenden des DGB NRW stammen folgende, in DGB-Papieren veröffentlichte, Forderungen: die Arbeitgeber müssten sich die unbequeme Frage nach ihrer sozialen Verantwortung gefallen lassen. Und auch die Politik müsse mehr machen. Tarifverträge müssten leichter für allgemeinverbindlich erklärt werden und öffentliche Aufträge dürften nur noch an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden.
Hier einige Negativbeispiele:
Beschäftigte bei Kaufhof haben die letzte Tariferhöhung nicht erhalten. Die Geschäftsführer drohten gar durch die Verschmelzung des Unternehmens
Jutta Reiter wird vom Lokalradio interviewt.
mit Karstadt die Gehälter der Beschäftigten um weitere ca. 11 Prozent abzusenken.
Bei real erhalten dort neu eingestellte Beschäftigte – trotz gleicher Vorkenntnisse und Beschäftigungsdauer – bis zu 30 Prozent weniger Geld als die Beschäftigten, die bereits vor der Umstrukturierung des Unternehmens dort beschäftigt waren. Zusätzlich haben sie höhere Wochenarbeitszeiten und geringere Sonderzahlungen.
Beschäftigte bei Karstadt-Sports sind seit Jahren von Gehaltsentwicklung abgekoppelt. Durch Tarifflucht ihres Arbeitgebers bekommen sie für ihre Arbeit heute bereits 14 Prozent weniger Geld als die Beschäftigten in den tarifgebundenen Unternehmen. Dies entspricht je nach Eingruppierung einem Betrag von bis zu 330 Euro im Monat.
GewerkschafterInnen der IG BAU berichteten über ihre Situation
Am Aktionsstand am Westenhellweg vertreten waren am Montag auch GewerkschafterInnen der IG BAU. Sie berichteten vom Platzen der Tarifverhandlungen am 30. September dieses Jahres. Die Arbeitgeber setzten weiter Änderungsanträge. IndustriereinigerInnen etwa in der Autoindustrie drohe ein Streichkonzert bei den Zuschlägen für Arbeiten an Sonn- und Feiertagen und bei zusätzlicher Nachtarbeit.Weihnachtsgeld und Wertschätzung blieben immer noch ein Tabu. Die Zuschläge für Teilzeitbeschäftigte soll es erst geben, wenn sie über acht Stunden gearbeitet haben. Die Arbeitgeber blieben uneinsichtig, lehnten Verhandlungen zum Weihnachtsgeld ab und wollten nicht über Geld – in keiner Höhe und nicht als Einstieg – verhandeln. Die Zeichen stünden auf Warnstreik.
Flyer wurden verteilt und Warnschilder vor Karstadt aufgestellt
Während der einstündigen Aktion verteilten die GewerkschafterInnen Flyer an PassantInnen und positionierten sich mit rot-weißem Flatterband vorm Eingang zum Karstadt-Warenhaus. Warnschilder mit der Aufschrift Achtung Tariffreie Zone wurden hochgehalten.
Passanten und GewerkschafterInnen kamen miteinander ins Gespräch
Passanten nahmen die Gelegenheit wahr, sich bei der Dortmunder DGB-Vorsitzenden Jutta Reiter sowie anderen GewerkschafterInnen genauer zum Thema zu informieren. Miteinander ins Gespräch zu kommen war auch im Sinne der Aktion „Reden wir über … Tarifflucht“.
Wir waren zu zuversichtlich um 1989 und gingen in die 1990er Jahre hinein mit der Überzeugung nun würde alles gut. Vorbei die Konfrontation der Blöcke. In der DDR war es zur sogenannten Wende gekommen.Und auch die anderen Staaten des Ostblocks, die sich wie die DDR als sozialistisch verstanden hatten (heute wissen wir: einen Sozialismus hat es es bislang nicht gegeben) gingen quasi von der Fahne. Das gemeinsame Haus Europa, von dem Michael Gorbatschow gesprochen hatte, würde anscheinend in Kürze Realität werden. Dachten wir! Dann zerbrach die Sowjetunion. Der Warschauer Vertrag löste sich auf. Die Nato nicht. Der erste große Fehler. Heute wissen wir warum. Der Westen hatte gesiegt, konnte aber nicht aufhören zu siegen.
Vorbemerkungen
Neulich gab Reiner Braun (International Peace Bureau) auf einer Friedenstagung in Essen zu bedenken, wie ich berichtete: „„Von Anfang an habe die Nato dazu gedient, die Sowjetunion wieder zu einem Russland zurückzudrängen. Auch, indem man die Länder des Ostblocks zu „befreien“ vorgab. Die Nato habe aktiv daran gearbeitet das die Linksregierungen in Frankreich und Italien beendet wurden. Auch habe die Nato in den 1950er und 1960er Jahren eine aggressive Atomwaffenstrategie (mit dem Ziel eines Ersteinsatzes (!) von Atomwaffen) verfolgt. Eine Nato-Direktive habe sogar den Titel „Atombombenziel Sowjetunion“ getragen. Eingezeichnet gewesen seien da auf einer Karte die 200 größten Städte und Orte der UdSSR. Der Vorwurf seitens der Nato betreffs einer atomaren Vorrüstung der Sowjetunion sei stets eine Lüge gewesen. Immer habe Moskau auf westliche Vorrüstung reagiert und nachgerüstet.“
Kathrin Vogler (MdB DIE LINKE) ergänzte auf der selben Tagung: Und „erinnerte an einen Vorschlag des einstigen Nato-Generalsekretärs Manfred Wörner, der im Mai 1990 vom Aufbau einer neuen europäischen Sicherheitsstruktur, die die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Paktes umfassen sollte, gesprochen habe.
Damals sei auch Wörner davon ausgegangen, dass das (leider Gorbatschow nicht schriftlich) gegebene Versprechen, die Nato würde sich nicht über die damalige „kleine“ BRD hin gen Sowjetunion ausbreiten, gelte. Der Status quo sehe heute bekanntlich ganz anders aus.“ Voglers Fazit: „Die anfängliche Euphorie verflog, der Drang nach Osten blieb.“
Die Nato rückte immer näher an Russland heran. Heute stehen 150 Kilometer vor St. Petersburg deutsche Soldaten. Nahezu umzingelt ist die Russland inzwischen.
„Der neue West-Ost-Konflikt. Inszenierung einer Krise“ – Das neue Buch von Wolfgang Bittner
Wolfgang Bittner, Schriftsteller und Publizist, hat ein interessantes neues Buch vorgelegt, in welchem er sich u.a. mit der weiteren Geschichte nach 1989/90 beschäftigt. Es trägt den Titel „Der neue West-Ost-Konflikt. Inszenierung einer Krise“. Die Reihenfolge der Himmelsrichtungen ist mit Bedacht gewählt. Und wenn wir genau rekapitulieren, was gelaufen ist, müssen wir Bittner zustimmen: Der neue, immer von herrschender westlicher Politik und den einflussreichsten Medien weiter eskalierte Konflikt hat eine West-Ost-Richtung.
„Der Nordatlantikpakt hat seine Bestimmung als Verteidigungsbündnis längst eingebüßt“, so der Autor, und tritt heute als Aggressor auf: Nato-Osterweiterung, der Krieg gegen Jugoslawien, Anti-Russland-Propaganda, wirtschaftliche Sanktionen oder auch die drastische Erhöhung des Militärhaushalts.“
NATO schon immer Aggressionsbündnis
In puncto des Begriffs „Verteidigungsbündnis“ meldete Reiner Braun in Essen Zweifel an. Aus meinem Bericht: „Dies werfe die Frage auf: „Ist eigentlich dieses Bündnis immer noch, oder war es jemals ein Verteidigungsbündnis?“ Er würde gerne behaupten, so Braun, dass die Nato schon seit ihrer Existenz ein Aggressionsbündnis war. Es sei immer gegen die Ergebnislage des Zweiten Weltkriegs vorgegangen.“
Fakt ist – das müssen wir uns bei genauer Überlegung nach längerer Rückschau eingestehen, was auf der Rückseite des Covers von Bittners aktuellem Buch zu lesen steht: „Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, hat sich nach Ende des Kalten Krieges eine neuer West-Ost-Konflikt herausgebildet – die NATO gegen Russland -, der zu eskalieren droht.“ Und weiter: „Von westlichen Politikern gibt es kaum Bemühungen, zu dessen Entschärfung beizutragen, im Gegenteil. Der Konflikt ist so gewollt, meinte Wolfgang Bittner und belegt dies anhand vieler Beispiele – auch ganz aktueller.“
Bittner: Wladimir Putin hat bisher versucht westlicher Aggressionspolitik mäßigend entgegenzuwirken
„Dabei“, schreibt Bittner in seiner Vorbemerkung (S.11), „ist nicht zu übersehen, dass Wladimir Putin bisher versucht hat, der westlichen Aggressionspolitik mäßigend entgegenzuwirken und ein zuträgliches Verhältnis zu Westeuropa, insbesondere zu Deutschland, zu bewahren.“ Stets hat Putin uns die Hand ausgestreckt. Erinnern wir uns doch nur einmal an die Rede des russischen Präsidenten im am 25. September 2001 im Deutschen Bundestag? Näheres auf S.14.
Da muss ich Bittner unumwunden Recht geben. Im vorangegangenen Kalten Krieg sprachen beide Seiten wenigstens miteinander. Heutzutage sind die Fronten verhärtet (worden). Institutionen, die den Dialog fördern verkümmern zusehends. Von Ausnahmen, wie beispielsweise dem Petersburger Dialog, wo Einzelpersonen sich noch Mühe geben miteinander im Gespräch zu bleiben, einmal abgesehen. Persönlich empfinde ich den neuen Kalten Krieg als wesentlich gefährlicher als den alten. Selbst die Gefahr eines Atomkriegs nimmt wieder zu. Nicht zuletzt wegen der Kündigung des INF-Vertrags durch Donald Trump. Russland zog ein Jahr später nach.
Offene NATO-Propaganda im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
Zu Recht kritisiert Wolfgang Bittner die seit der Ukraine-Krise ständig zutage tretenden „Offene NATO-Propaganda im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“ (ab S.62). Das wohl gravierendste Beispiel dafür, das viele ZDF-ZuschauerInnen zu tiefst verunsicherte, erschreckte und zugleich aufs Tiefste empörte, führt Bittner gleich eingangs dieses Kapitels an. Am 4. April 2019 hatte „Claus Kleber, Kuratoriumsmitglied der Atlantik-Brücke, aus Anlass des 70. Jahrestages der NATO-Gründung“ im ZDF heute-journal sozusagen den 3. Weltkrieg ausgerufen. In seiner Ansprache schockte er die Zuschauer mit den Worten:
„Guten Abend, zu Wasser und zu Luft sind heute Nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben.“
Zum Ende dieses Kapitels zitiert (S.65) Bittner den ehemaligen Parlamentarier und Weggefährte Willy Brandts, Albrecht Müller“, der „im April 2019 der Ansicht“ war:
„Wir rutschen ab in Richtung Krieg, auch weil ehedem kritische Medien beim Feindbildaufbau mitmachen und die kritische Intelligenz ausfällt“.
Im Kapitel „Fake News und Kriegspropaganda“ (S.67) bekommen die LeserInnen noch einmal schlimme Beispiele von „Kampagnenpolitik“, „Der Fall Babtschenko“ (S.69), betreffs „Krieg in Syrien“ (S71), in Sachen „Der Fall Skripal“ (S.77) sowie „Politisches Kalkül und False-Flag-Operationen“ (S.82) zur Erinnerung serviert. Gut so. Wir wissen: Der Mensch vergisst schnell.
Weltuntergangsuhr steht auf „zwei Minuten vor Mitternacht“
Der aktuellen Weltlage folgend wird bekanntlich die „Doomsday Clock“ von Wissenschaftlern des „Bulletin of the Atomic Scientists“ nach vorne oder hinten verstellt. Am 24. Januar 2019 war es wieder soweit. Die aktualisierte Uhrzeit der Weltuntergangsuhr wurde auf einer Pressekonferenz in Washington veröffentlicht: Es ist immer noch „zwei Minuten vor Mitternacht“.
Hintergründe und Strategien
Da es Wolfgang Bittner in seinem Buch um Hintergründe und Strategien geht, hat er sich dankenswerterweise zu diesem Behufe der Mühe unterzogen eine für die LeserInnen lehrreiche Chronologie des Geschehens über mehr als ein Jahrhundert zu erstellen. Er analysiert präzise die Hintergründe und zeigt auf, wie zu dieser unheilvollen Entwicklung kommen konnte.
Wichtig, wahrzunehmen m.E. ist das Kapitel „Britisch-amerikanische und französische Imperialpolitik und Erster Weltkrieg“ (S.113), bekanntlich von einigen Historikern als Urkatastrophe angesehen, in welcher der Zweite Weltkrieg wurzelt. Bittner geht es in diesem Kapitel gewiss nicht darum, die Schuld des kaiserlichen Deutschlands am Ersten Weltkrieg zu schmälern. Jedoch lässt er neuere Erkenntnisse in seine Zeilen einfließen. Demnach (S.117) sei inzwischen bekannt, „dass schon lange vor 1914 Kriegsvorbereitungen der Engländer, Franzosen und Amerikaner stattfanden“ – dies habe der einstige Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der KSZE/OSZE, Willy Wimmer anlässlich der Feierlichkeiten in Paris und London 2018 mit welchen 2018 des Endes des Ersten Weltkriegs gedacht wurde, vertreten.
Bittner: „Deutschland sei in diese Katastrophe „geradzu hineinorchestriert“ worden, so Wimmer.“ Der Autor erwähnt auch das Buch des australischen Historikers Christopher Clark und sein Buch „Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“, in welchem er Frage nach der Kriegsschuld umgehe.
Wie auch immer: Den LeserInnen dürfte an dieser Stelle erschreckend klar werden, wie leicht es zu einem Krieg kommen kann. Zumal wir – will ich anmerken – heutzutage es uns gegenwärtig an verantwortungsvollen und klugen Leadern in Europa und der Welt bitter mangelt.
Neue Erkenntnisse betreffs des Zweiten Weltkriegs und seines Vorlaufs
Auch das folgende Kapitel „Versailler Vertrag, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg“ (ab S.125) ist hoch spannend und augenöffnend. Ein Deutsch-Amerikaner wird (S.129) genannt, den wir bislang nicht auf dem Zettel hatten: Einen gewissen Ernst Hanfstaengel. Der habe während des Zweiten Welkriegs US-Präsidend Franklin D. Roosevelt beraten; aber ab 1922 auch freundschaftliche Beziehungen zu Hitler unterhalten. U.a. habe er ihm bei der Abfassung seines Buches „Mein Kampf“ zur Seite gestanden und ihm ein Darlehen von 1000 Dollar gegeben.
All das, Bittner, geht auf den russischen Historiker Nikolay Starikov und dessen Buch „Wer hat Hitler gezwungen Stalin zu überfallen?“ zurück.
Wolfgang Bittner: „Starikov geht aufgrund seiner Recherchen so weit, zu konstatieren, die NSDAP und Hitler seien von Beginn an, also seit Anfang der 1920er Jahre von interessierten Kreisen au den USA gefördert und finanziert worden.“
Nicht weniger interessant, das in Bittners Buch auftauchende Zitat des Publizisten und Buchautoren Werner Rügemer:
„Bis zum Ersten Weltkrieg waren die USA – sowohl der Staat wie auch die Unternehmen – bei europäischen Banken verschuldet. Mit dem Ersten Weltkrieg hat sich diese Relation umgedreht. Am Ende des Ersten Weltkriegs war Europa in den USA verschuldet. Und das ist bis heute so geblieben. Das war das wirtschaftlich-finanzielle Ergebnis des Ersten Weltkriegs. Und dann musste das zerstörte Europa natürlich wieder aufgebaut werden, insbesondere das zerstörte Deutschland.“ (S.131)
Auch Zweite Weltkrieg muss wohl betreffs derjenigen, welche ein Interesse an ihm hatten, genauer unter die Lupe genommen werden. Bittner schreibt (S.134): „Mit Hitler und der NSDAP haben die britischen und US-amerikanischen Geheimdienste in den 1920er Jahren den Geist aus der Flasche gelassen. Ein Hauptanliegen war, Deutschland und Russland niederzuhalten und nicht zusammenkommen zu lassen.“ Das erinnert an einen Ausspruch des ersten NATO-Generalsekretärs Lord Hastings Ismay, wonach danach zu streben sei, die Amerikaner drin, Deutschen niederzuhalten und die Russen draußen zu halten.
Bittner: Keine Relativierung der ungeheuren Verbrechen der Nazis und des Stalinismus
An der Stelle wird es LeserInnen geben, die rufen: Verschwörungstheorie!
Bittner gibt jedoch zu bedenken:
„Die in der jüngsten Forschung vertretenen Standpunkte zu benennen bedeutet weder eine Relativierung der ungeheuren Verbrechen der Nazis noch eine Verleugnung des brutalen Stalinismus.“
Am Fuße der Seite lässt Bittner Winston Churchill zu Worte kommen, der 1945 geäußert habe:
„Dieser Krieg wäre nie ausgebrochen, wenn wir nicht unter dem Druck der Amerikaner und neumodischer Gedankengänge die Habsburger aus Österreich-Ungarn und die Hohenzollern aus Deutschland vertrieben hätten. Indem wir in diesen Ländern ein Vakuum schufen, gaben wir dem Ungeheuer Hitler die Möglichkeit, aus der Tiefe der Gosse zum leeren Thron zu kriechen.“
Das muss man erst mal sacken lassen.
Es folgen weitere interessante Ausführungen. Die aber, liebe LeserInnen, sollen sie sich selber aneignen und gründlich bedenken.
Wolfgang Bittner: Gefährliche Aggressionspolitik gegen Russland verursacht „unabsehbare Schäden“
Fakt ist, wir leben auch gegenwärtig wieder in gefährlichen Zeiten. In letzten Kapitel „Resümee und und Schlussfolgerungen“ (S.289) hebt Wolfgang Bittner realistisch an: „Die USA beanspruchen Westeuropa als ihr Einflussgebiet, das sich ihren wirtschaftlichen wir militärischen Interessen unterzuordnen hat. Sie beeinflussen die Medien und entkernen die Souveränität europäischer Staaten. Sie führen seit Jahren Interventionskriege, verhängen Sanktionen gegen andere Völker und mischen sich in deren innere Angelegenheiten ein.“
Besonders kritisiert Bittner „die hoch gefährliche Aggressionspolitik gegen Russland, in die europäische Staaten einbezogen sind“, die „unabsehbare Schäden“ verursache.
Feststellung: „Wir leben in einer Zeit tiefster Restauration“
Und ein paar Zeilen schreibt der betreffs unserer Situation Tacheles: „Wir leben in einer Zeit tiefster Restauration, schlimmster Rückschrittlichkeit. Was sich abspielt an Kriegshetze, Militarisierung, Zensur, Denunziation, Überwachung, Sozialabbau, politischer Verlogenheit und so weiter spottet jeder Beschreibung.“
„Die Welt steht am Abgrund“
Auf Seite 293 mahnt der Autor: „Die Welt steht am Abgrund. Dennoch finden sich keine maßgeblichen Kräfte, die menschheitsgefährdende Konfrontationspolitik zu beenden und den Absturz verhindern.“
„Die Abkehr von der Verständigungs- und Friedenspolitik Willy Brandts“, notiert Wolfgang Bittner enttäuscht, „wurde nahezu widerspruchslos hingenommen.“
Wolfgang endet leicht hoffnungsvoll
Leicht hoffnungsvoll endet Wolfgang Bittners Buch. Er meint der Europäischen Gemeinsam könnte es gelingen „sich der Umklammerung der USA“ zu entledigen. Bittner: „Insofern wäre die Achse Berlin-Paris ein wegweisender Ansatz, wenn es Deutschland und Frankreich gelingen würde, sich vom Joch der NATO, auf die sie kaum Einfluss nehmen können, zu befreien.“
Doch, meint er: „Arc-de-Triomphe-Symbolik muss ebenso wie das Versailles-Trauma endgültig der Vergangenheit angehören.“
Vision oder doch mehr ein Jahrhundertwerk? Eine nötige Aufgabe allemal. Zuerst müsse allerdings „gedacht werden, damit es geschehen kann“ weiß uns der Autor zu sagen.
Bittner schöpft seine Hoffnung daraus, „dass auch die ‚Erbfeindschaft‘ zu Frankreich und die deutsche Teilung überwunden wurden.“
Im Anhang Briefe, Texte und eine Erklärung der NaturwissenschaftlerInnen-Initiative
Als Anhang sind dem hochinteressanten, aufschreckend, wach- und aufrüttelnden Buch (eine brillante Analyse,auf akribischer Recherche basierend) Bittners noch ein Brief von Karl-Wilhelm Lange „Ein Brief nach Wolgograd, ehemals Stalingrad“ (S. 297) an die „Liebe Valentina“, ein Brief von Willy Wimmer „an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier“, der auf Fehlentwicklungen hinweist, sowie der Text „70 Jahre Bundesrepublik. Auf und ab. Und wie geht’s weiter?“, in welchem Müller darauf hofft, dass „Bei der Mehrheit der Menschen … die positiven Seiten des menschlichen Wesens angesprochen werden“ können. Müller stellt fest: „Diese sind zurzeit verschüttet.“
Abschließend wurde die „Erklärung der NaturwissenschaftlerInnen-Initiative zum 74. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima“ (S.309) veröffentlicht.
Hinweis: Das obige Video mit dem Interview, das Ken Jebsen mit Wolfgang Bittner führte, erschien auf KenFM.
SchülerInnen des Paul-Ehrlich-Berufskollegs Dortmund haben in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern des Filmprojektes „Perspektivwechsel“ das Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“ aufgegriffen. Die Ergebnisse in Form eines Kurzfilms sowie einer
dokumentarischen Begleitung der Umsetzung (Making-of) wurden am vergangenen Dienstag in den Räumen der Polizeiausstellung 110 im Polizeipräsidium Dortmund in
Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange.
Anwesenheit der Beteiligten und Kooperationspartner der Öffentlichkeit präsentiert. Polizeipräsident Gregor Lange bezeichnete den entstandenen Film als sehr realitätsnah, mit einem professionell umgesetzten Thema,der Verständnis weckend wirke und zu Entkrampfungen beitragen könne. Die am Film Beteiligten wurden mit Urkunden ausgezeichnet.
Dokumentation beleuchtet die „Gewalt im Umfeld des Fußballs“
Die Dokumentation beleuchtet zunächst die Diskussion um das Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“. Die TeilnehmerInnen ergründeten die Ursachen für die Eskalationen bei Fußballspielen.
Der Film vermittelt Einblicke in unterschiedliche Perspektiven der zwei ProtagonistInnen
Anschließend entstand ein 20-minütiger Kurzfilm, in dem es um die
Verbundenheit zum Fußballverein und die Freundschaft zweier junger Frauen geht. Beide kennen sich seit Jugendzeiten. Eine von ihnen ist Polizistin geworden. Später treffen sie sich wieder. Und sie stehen sich schließlich als Fan und Polizistin vor dem Stadium gegenüber. Dem Zuschauer bietet sich so eine Gelegenheit, Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven zu erlangen.
Thomas Schneider (Deutsche Fußball Liga) war von der Qualität des Films „geflasht“
Thomas Schneider (DFL).
Thomas Schneider (Deutsche Fußball Liga GmbH Spielbetrieb/Koordinator Fanangelegenheiten) bekannte, schon als er vor wenigen Wochen den Trailer zu „Perspektivwechsel“ gesehen habe, gedacht zu haben: „Boah, das ist ja Spielfilm! Die Qualität hat mich echt geflasht.“
Schneider, der früher in einen Jugendzentrum gearbeitet hat, sagte, das,s was betreffs des Films mit „Perspektivwechechsel“ überschrieben ist, haben wir früher unter Antivorurteilspädagogik verstanden. Dass das klappen kann, hat Schneider früher erlebt, als er mit tödlich verfeindeten Hooligans von Bremen und Hamburg 1990 gemeinsam zur Fußballweltmeisterschaft im Rahmen eines Bildungsprojektes nach Italien gefahren. „Alles ging gut. Diejenigen, die mitgekommen waren, haben sich nie wieder miteinander geschlägert“, so Thomas Schneider. Als PFiFF (Pool
zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur) vor etwa fünf Jahren erfunden worden sei, habe man dank der Innenministerkonferenz eine halbe Million Euro bekommen. Damit hätten Impulse ausgesendet werden und Kreativität belohnt werden können. Man habe sich mit dem kritischen Verhältnis zwischen Fans und Polizei beschäftigt.
„Schalke-Kids auf Streife war das allererste Projekt“, erinnerte sich Schneider. Die ProtagonistInnen des Films, seien ihm wie Berufsschauspieler vorgekommen: „Das hatte nichts mit Schülertheater zu tun.“
Das Filmprojekt „Perspektivwechsel“ wirkt im Sinne einer alten indianischen Weisheit, ist sich sich der Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs, Friedrich Kuß, sicher
Der Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs Friedrich Kuß bemühte hinsichtlich des
Friedrich Kuß (Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs).
Filmthemas die alte indianische Weisheit, wonach man nicht über jemand anderes urteilen sollte, ehe man nicht eine Meile in dessen Mokassins gegangen ist. Kuß: „Unsere Mokassins sind ja im übertragenen Sinne das Filmprojekt.“
Ein Leitsatz von insgesamt sieben des Paul-Ehrlich-Berufskollegs laute „Wir fördern soziales Lernen“ und ein anderer: „Wir achten einander“. Das Filmprojekt sah Kuß als etwas an, dass diesem Leitsatz nahekomme. Der Schulleiter lobte die Regisseurin von „Perspektivwechsel“, Ayşe Kalmaz, als „versierte Filmemacherin“ und den engagierten Einsatz der SchülerInnen am Projekt zu dessen Behufe zunächst eine Film AG gegründet worden war. Sie lernten darin, wie man einen Film produziert. Intensiv informierten sich die SchülerInnen beim Besuch eines Fußballspiels in Dortmund auch über die Arbeit der Polizei. Kuß erinnerte sich begeistert an die Proben im Schulgebäude, wo SchülerInnen in voller Polizeimontur die Treppen hoch und runter rannten und dabei gefilmt worden waren. Ein anderer Teil der SchülerInnen stellte als Komparsen Fußballfans dar.
Ein professioneller, von einer Maskenbildnerin geleiteter Workshop, informierte Friedrich Kuß, habe SchülerInnen, die staatlich anerkannte Kosmetikerinnen werden wollen, darin im Schminken der Filmakteure angeleitet worden.
Blumendank zum Dank für mitarbeitete PolizeibeamtInnen
Einen kleinen Dank in Form von Blumensträußen für ihre Mitarbeit am Filmprojekt erhielten die PolizeibeamtInnen Jennifer Peters und Ercan Erdoğan.
Der Film kann zur schrittweisen Verbesserung des Dialogs zwischen Fans und Polizei beitragen, denkt Thilo Danielsmeyer vom Fanprojekt Dortmund
Thilo Danielsmeyer (Leiter des Fanprojekts Dortmund) betonte, das Thema
Thilo Danielsmeyer (Fanprojekt Dortmund)
Perspektivwechsel sei für sie seit dreißig Jahren das zentrale Thema. Weshalb man sofort zugesagt habe, beim Filmprojekt „Perspektivwechsel“ mitzutun.
Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass bestimmte Fans „Grenzen des Erlaubten“ überschreiten. Andererseits werfe die Fanszene der Polizei zunehmende Repression im Bereich des Fußballs und Unverständnis vor. Darüber werde diskutiert. Einen Kontakt zwischen beiden Kontrahenten herzustellen, wie auch schon Polizeipräsident Gregor Lange zuvor gesagt hatte, habe bislang nicht gefruchtet, so Danielsmeyer. Der nun vorliegende Film „Perspektivwechsel“ könne möglicherweise als wichtiges Projekt dazu beitragen, den Dialog in kleinen Schritten in Gang zu setzen.
Viel Applaus zur Filmpremiere für alle Beteiligten
Nach der Vorführung des Making-of zum Film, der u.a. auch Heiterkeit und Bewunderung bei den anwesenden ProtagonistInnen und Gästen auslöste, erlebte der Film „Perspektivwechsel seine Premiere. Der Film und alle daran Beteiligten erhielten starken Beifall. Die Premierenzuschauer fanden, dass er äußert gelungen ist. Der Streifen ist in der Tat sehr professionell gemacht. Das betrifft die Kameraführung, den Schnitt und die wirklich verblüffenden schauspielerischen Leistungen aller Mitwirkenden. Nicht zuletzt beklatscht wurde die feinfühlige Regie, die in den Händen von Filmregisseurin Ayşe Kalmaz lag, die u.a. auch schon mit Prof. Adolf Winkelmann gearbeitet hat.
Regisseurin Kalmaz fragte die SchülerInnen nach deren Motivation sich am Filmprojekt zu beteiligen
Ayşe Kalmaz befragte im Anschluss einige der am Film beteiligten SchülerInnen, die
Regisseurin Ayşe Kalmaz (Bildmitte) befragt die Jugendlichen nach ihrer Motivation am Filmprojekt teilzunehmen.
auch am Drehbuch beteiligte gewesen sind, zu deren Motivation, am Filmprojekt mitzuwirken. Für eine Schülerin war der filmische Teil des Projektes spannend. Allerdings sei sie auch durch ihre Familie mit Fußball konfrontiert und gehe auch selbst ins Stadion. Celina hatte sich auch für das Thema Gewalt im Fußball interessiert. Sie habe ergründen wollen, was die Fans so denken. Aber auch wissen wollen, wie es den Polizisten bei Fußballspielen so gehe.
Antonia fand, dass sich alle am Projekt beteiligten Unterstützer sehr viel Mühe gegeben hätten, „uns durch das Thema zu begleiten“.
Regisseurin Ayşe Kalmaz ergänzte, sie hätten durch das Fanprojekt viel über Fans – von diesen selbst jedoch direkt leider aber wenig – erfahren können.
Jasmin sagte, sie habe erstmals ganz viel über die Polizei erfahren und beim Blick sozusagen hinter die Kulissen eines Fußballspiels viele interessante Eindrücke gewonnen.
Ayşe Kalmaz wollte wissen, wie die SchülerInnen darauf gekommen sind, zwei Frauen als ProtagonistInnen ins Auge zu fassen.
Joyce, erklärte, sie hätten einfach Rollen nehmen wollen, in die sie sich hineinversetzen können. Und da sie eben Frauen seien, „haben wir die Rollen auch weiblich gemacht“. Auch stelle man sich immer eher ein Mann als Polizist vor. Joyce: „Wir wollten eben auch ein bisschen Frauenpower.“
Die Mädchen bekannten über das Projekt viel über Gewaltbereitschaft und die Motivation dazu erfahren zu haben.
Am meisten Spaß gemacht habe den jungen Frauen das Drehbuch zu entwickeln. Aber auch „das Schauspielern“. Und nicht zuletzt das Zusammenarbeiten im Team.
Urkunden aus der Hand des Polizeipräsidenten
Alle Beteiligten am Filmprojekt „Perspektiven“ erhielten aus den Händen von Polizeipräsident Gregor Lange Urkunden als Auszeichung. Interessiert beigewohnt hatte der Filmpremiere u.a. auch Bernd Heinen, Inspekteur der Polizei NRW.
Nächste Vorführung von „Perspektiven“ am 11. Oktober im Signal-Iduna-Park
Das Projektteam wies darauf hin, dass am 11. Oktober 2019 im Signal Iduna Park in der Zeit von 15-17 Uhr eine weitere Vorführung des im Rahmen des Filmprojekts „Perspektivwechsel“ – Berufsschüler greifen „Gewalt im Umfeld des Fußballs auf“ im BVB-Lernzentrum stattfindet.
Es ist angedacht, den Film zu gegebener Zeit auch über das Internet zugänglich zu machen.
Der bekannte Journalist, UNO-Experte mit langjähriger Erfahrung in der Friedensbewegung, Andreas Zumach warnte kürzlich auf einer Friedenstagung in Essen vor dem nicht selten gebrauchten Begriff der „neuen Unübersichtlichkeit“. Was ja wohl so viel heißen soll: Man könne eh nichts machen. Ein Ohnmachtsbegriff nannte Zumach das. Denn letztlich könne alles – betrachte man es genau – durchaus klar benannt, auch durchschaut und Probleme mit sorgfältig entwickelten Lösungen angegangen werden.
Dazu gehört m.E. auch, die täglich von Politik und Medien – gern auch im Wechselspiel – vorgenommene Manipulationen.
Wie leben in einer Art Demokratie, will ich flapsig mal hier hin schreiben. Aber die wird auch noch – statt sie zu hegen und zu pflegen, wie ein empfindliches Pflänzchen -, oder um es in Erinnerung an Willy Brandt so auszudrücken: noch ein Quäntchen mehr davon zu wagen – täglich ein Stück mehr ausgehöhlt.
Wir BürgerInnen werden das eine oder andere mal genasführt. Ein anderes Mal gleich mehrfach mehrfach hinter die Fichte geführt. Oftmals merken wir das nicht einmal. Schließlich hat nicht jeder Mensch die Zeit jeder fragwürdigen Sache genau nachzugehen und im Internet oder in Bibliotheken zu recherchieren.
Was für wissenschaftliche Erkenntnisse gilt, schrieb Karl Marx seinen Töchtern auf ihren Fragebögen als Motto: „De omnibus dubitandum“ – „An allem ist zu zweifeln“. Wenn es neue Erkenntnisse gibt, ist der alte Kenntnisstand überholt oder relativiert. So ist es in der Wissenschaft.
Prinzipiell ist allerdings auch davon ab richtig, an allem gesunden Zweifel zu hegen.
Bereits vor einer längeren Zeitspanne gingen Wirtschaft, Politik und Medien daran, uns das Deken abzugewöhnen. Das analysierte Albrecht Müller, ein Mitarbeiter und Vordenker Willy Brandt und legte das Buch „Meinungsmache“ vor.
Propaganda ist heute ziemlich en vogue. Die meisten politischen Entscheidungen werden unter dem Einfluss massiver Propaganda – regelrechte Propagandamaschinen werden da konstruiert und angeworfen – getroffen, meinte Albrecht Müller. Nicht wenige Medien spiel(t)en da munter mit, statt ihrer Aufgabe als Vierte Gewalt gerecht zu werden. Das reicht, wie Albrecht Müller nachweist, von der Agenda 2010 bis zu neuen Kriegen.
Eine Propagandamaschine ist die sogenannte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), im Jahr 2000 gegründet vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Um deren massiver Propaganda aufklärend etwas entgegenzusetzen hatte Albrecht Müller einst die NachDenkSeiten gegründet.
Seither machen die NachDenkSeiten (NDS) mit ihrem Herausgeber an der Spitze unermüdlich auf Methoden der Manipulation aufmerksam und analysieren die dahintersteckenden Strategien. Auch ökonomische Zusammenhänge machen die NDS-LeserInnen da klüger, wo „Qualitätsmedien“ und munter (von wenigen Ausnahmen abgesehen), dabei auch die Öffentlich-Rechtlichen, vernebeln oder verkürzt berichten: bloß noch Lückenpresse“ (Ulrich Teusch) sind.
Bei den NDS ist man als Leser gut aufgehoben. Ich oute mich: sie sind das Erste, was ich nach dem Frühstück lese. Dafür wurde ich schon öffentlich diffamiert. Nun gut. Klar: auch die NDS sind nicht unfehlbar – behaupten das auch nicht- und schießen auch mal einen Bock. Aber sie sind m.E. unverzichtbar.
Albrecht Müller – erst vor Kurzem auf der ersten Seite der Süddeutschen ins Zwielicht gesetzt und gewissermaßen altersdiskriminiert – hat nun ein neues Buch vorgelegt. Damit will er – wie er erklärt auch die Menschen erreichen, welche die NDS nicht lesen. Das Buch, beim Westend Verlag erschienen, trägt den Titel „Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst. Wie man Manipulationen durchschaut.“
Albrecht Müller lässt auch in diesem Buch nicht locker aufzuklären und aufzumuntern nicht alles widerstandslos über sich ergehen zu lassen:
„Wir müssen zweifeln und widersprechen. Das wird leichter, wenn wir uns mit anderen verbinden. Wenn wir ein eigenes Milieu einer lebendigen Gegenöffentlichkeit schaffen, wenn wir uns austauschen, wenn wir kommunizieren. Wenn Sie Freunde, Gesprächspartner in der Familie oder Kolleginnen und Kollegen haben, die auch daran interessiert sind, ihren Kopf vom Zugriff Dritten zu befreien, dann ist es sinnvoll, sich regelmäßig auszutauschen. Man entdeckt mehr, man versteht mehr, man kann zweifelhafte Vorgänge leichter einordnen. Und das Gespräch über die ständigen Manipulationen bereitet häufig auch noch Vergnügen. Jedenfalls ist es interessant.“
In der Einführung zum Buch (S.7) spielt Müller auf das Lied „Die Gedanken sind frei“ an, wo es in der zweiten Zeile heiße: „Wer kann sie erraten“; und „Kein Mensch kann sie wissen“. Dann macht der Autor gleich darauf aufmerksam, dass „andere Menschen und Einrichtungen und die Geheimdienste durchaus erraten und erforschen, was wir denken. Und noch schlimmer: Es wird versucht, darauf Einfluss zu nehmen, was wir denken.“
Müller kommt zu diesem Ergebnis: „Unsere Gedanken sind nicht frei, sie sind manipulierbar.“
Doch Albrecht Müller steckt nicht auf: „Die Gedanken sind frei. Wir müssen allerdings etwas tun, um Herr unserer Gedanken zu bleiben. Deshalb dieses Buch. Es lohnt, darüber nachzudenken, was helfen könnte, sich weiterhin und trotz aller Anfechtungen eigene Gedanken zu machen und nicht abhängig zu werden.“
Müller gibt jedoch auch zu bedenken (S.29/30): „Wir sind umzingelt von Kampagne den und müssen feststellen, dass die totale Manipulation möglich ist. Wir können uns damit beruhigen, dass so etwas gerade in Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus schon einmal nötig war und dass diese bleierne Zeit schon einmal überwunden werden konnte. Vielleicht gelingt das noch einmal.“
Albrecht Müllers Formulierungen sind nicht übertrieben und zu scharf. In vielerlei Hinsicht ist es längst zwölf oder gar schon nach zwölf. Nichtsdestotrotz: die Hoffnung stirbt zuletzt …
Interessant das Kapitel III. Methoden der Manipulation. Darin geht es um (S.21/22 Sprachregelungen, Manipulation mithilfe von ständig gebrauchten und mit einer Bewertung versehenen Begriffen und verkürzt erzählten Geschichten (etwa wenn von der „Annexion“ der Krim die Rede ist und „vergessen“ wird zu erwähnen, das Putin damit auf den vorangegangenen Maidan-Putsch reagiert hat. Auch das Verschweigen ist eine Methode der Manipulation oder das „Wiederholen – Steter Tropfen höhlt den Stein“. Siebzehn Punkte führt Albrecht Müller da auf und analysiert sie, sowie belegt seine Ausführungen dann gründlich mit Beispielen, die wir alle kennen dürften.
Und wir erinnern uns: in der Schröder-Zeit wurden aus Reformen (ein Begriff, den man früher mit Verbesserungen in Verbindung brachte), wurde zu „Reformen“, die heutzutage eher Verschlechterungen bedeuten bzw. nach sich ziehen.
Die gesetzliche Rente ist schlecht geschrieben und geredet worden. Zu diesem Behufe wurde mit dem demografischen Faktor agiert, um nicht zu sagen gedroht. Nur, damit uns die zusätzliche Säule private Vorsorge empfohlen werden konnte, und die Versicherungskonzerne abkassieren konnten. Alles musste mit unseren einem Einkommen finanziert werden, dass nicht größer geworden war. Dabei hätte durchaus der Rentenbeitrag etwas angehoben werden müssen. Wir sollten weiter wachsam sein! Wie heißt es doch: Nichts geschieht ohne Grund.
All das, lieber LeserInnen, können Sie anhand des von Albrecht Müller Geschriebenen – wenn sie es mit der politischen und medialen Realität abgleichen – nachvollziehen und verstehen.
Das neue Buch von Müller ist abermals bestens als Augenöffner geeignet.
„Mit dem Wissen wächst der Zweifel“, beginnt Albrecht Müller das Schlusskapitel seines Buches (ab S. 133), „- dieses Goethe-Wort trifft wohl auch die Stimmung vieler Leserinnen und Leser, wenn sie die Methoden der Manipulation und einschlägige Fälle für Meinungsmache und die dahintersteckenden Strategien gelesen haben.“
Und weiter: „Es befallen uns Zweifel an der Vernunft vieler Entscheidungen. Es befallen uns Zweifel daran, dass auch nur einigermaßen funktioniert, was wir Demokratie nennen. Es befallen uns Zweifel an Menschen, die unser Denken bestimmen und damit ihre Interessen bedienen wollen. Wir zweifeln an der Vernunft des Zweifelns. Viele Menschen tun das inzwischen und passen sich an. Sie wollen lieber dazugehören, als kritisch zu hinterfragen. Das ist angesichts der Gewalt der Manipulation und Irreführung und der fühlbaren Ohnmacht verständlich.“
Da wären wir wieder beim eingangs meiner Zeilen von Andreas Zumach erwähntem „Ohnmachtsbegriff“: Man könne eh nichts machen.
Dies aber falsch und der verkehrte Ansatz. Darauf weist auch Albrecht Müller hin: „Aber auf diesen Rückzug ins Private und ins Milieu der Entmutigten können wir uns nicht einlassen. Das wird eindringlich“, gibt Müller uns zu bedenken, „sichtbar, wenn wir an die lebenswichtige Frage von Krieg und Frieden denken.“
Dick unterstreichen sollten wir einen folgenden Satz aus der Feder von Müller: „Wir können es aus eigenem Überlebensinteresse nicht hinnehmen, den neuen Feindbildaufbau in Europa unwidersprochen zu akzeptieren.“
Müller: „Wir müssen zweifeln und widersprechen.“ (S.134)
Genau dazu ruft das Buch auf. Nicht dazu, den Kopf in irgendeiner gesellschaftlichen Nische in den Sand stecken.
Das neue Buch von Albrecht Müller gehört eigentlich in jede Hand. Deshalb, lieber LeserInnen, gebe Sie es doch bitte weiter, wenn es gelesen wurde.
Ich gebe zu, täglichen NachDenkSeiten-Lesern ist vieles, was in diesem Büchlein steht nichts Neues. Aber man hat den Vorteil, einfach mal darin nachschlagen zu können, da hier über das Wichtigste Bericht geführt wird.
Albrecht Müller hat das Buch ja auch vor allem für Menschen geschrieben, die keine passionierten LeserInnen der NachDenkSeiten sind.
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