Filmprojekt „Perspektivwechsel“ zum Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“ hatte erfolgreiche Premiere in Dortmund

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Alle Beteiligten am Filmprojekt. Fotos: C. Stille

SchülerInnen des Paul-Ehrlich-Berufskollegs Dortmund haben in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern des Filmprojektes „Perspektivwechsel“ das Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“ aufgegriffen. Die Ergebnisse in Form eines Kurzfilms sowie einer
dokumentarischen Begleitung der Umsetzung (Making-of) wurden am vergangenen Dienstag in den Räumen der Polizeiausstellung 110 im Polizeipräsidium Dortmund in

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Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange.

Anwesenheit der Beteiligten und Kooperationspartner der Öffentlichkeit präsentiert. Polizeipräsident Gregor Lange bezeichnete den entstandenen Film als sehr realitätsnah, mit einem professionell umgesetzten Thema,der Verständnis weckend wirke und zu Entkrampfungen beitragen könne. Die am Film Beteiligten wurden mit Urkunden ausgezeichnet.

Dokumentation beleuchtet die „Gewalt im Umfeld des Fußballs“

Die Dokumentation beleuchtet zunächst die Diskussion um das Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“. Die TeilnehmerInnen ergründeten die Ursachen für die Eskalationen bei Fußballspielen.

Der Film vermittelt Einblicke in unterschiedliche Perspektiven der zwei ProtagonistInnen

Anschließend entstand ein 20-minütiger Kurzfilm, in dem es um die
Verbundenheit zum Fußballverein und die Freundschaft zweier junger Frauen geht. Beide kennen sich seit Jugendzeiten. Eine von ihnen ist Polizistin geworden. Später treffen sie sich wieder. Und sie stehen sich schließlich als Fan und Polizistin vor dem Stadium gegenüber. Dem Zuschauer bietet sich so eine Gelegenheit, Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven zu erlangen.

Thomas Schneider (Deutsche Fußball Liga) war von der Qualität des Films „geflasht“

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Thomas Schneider (DFL).

Thomas Schneider (Deutsche Fußball Liga GmbH Spielbetrieb/Koordinator Fanangelegenheiten) bekannte, schon als er vor wenigen Wochen den Trailer zu „Perspektivwechsel“ gesehen habe, gedacht zu haben: „Boah, das ist ja Spielfilm! Die Qualität hat mich echt geflasht.“

Schneider, der früher in einen Jugendzentrum gearbeitet hat, sagte, das,s was betreffs des Films mit „Perspektivwechechsel“ überschrieben ist, haben wir früher unter Antivorurteilspädagogik verstanden. Dass das klappen kann, hat Schneider früher erlebt, als er mit tödlich verfeindeten Hooligans von Bremen und Hamburg 1990 gemeinsam zur Fußballweltmeisterschaft im Rahmen eines Bildungsprojektes nach Italien gefahren. „Alles ging gut. Diejenigen, die mitgekommen waren, haben sich nie wieder miteinander geschlägert“, so Thomas Schneider. Als PFiFF (Pool
zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur) vor etwa fünf Jahren erfunden worden sei, habe man dank der Innenministerkonferenz eine halbe Million Euro bekommen. Damit hätten Impulse ausgesendet werden und Kreativität belohnt werden können. Man habe sich mit dem kritischen Verhältnis zwischen Fans und Polizei beschäftigt.

„Schalke-Kids auf Streife war das allererste Projekt“, erinnerte sich Schneider. Die ProtagonistInnen des Films, seien ihm wie Berufsschauspieler vorgekommen: „Das hatte nichts mit Schülertheater zu tun.“

Das Filmprojekt „Perspektivwechsel“ wirkt im Sinne einer alten indianischen Weisheit, ist sich sich der Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs, Friedrich Kuß, sicher

Der Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs Friedrich Kuß bemühte hinsichtlich des

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Friedrich Kuß (Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs).

Filmthemas die alte indianische Weisheit, wonach man nicht über jemand anderes urteilen sollte, ehe man nicht eine Meile in dessen Mokassins gegangen ist. Kuß: „Unsere Mokassins sind ja im übertragenen Sinne das Filmprojekt.“

Ein Leitsatz von insgesamt sieben des Paul-Ehrlich-Berufskollegs laute „Wir fördern soziales Lernen“ und ein anderer: „Wir achten einander“. Das Filmprojekt sah Kuß als etwas an, dass diesem Leitsatz nahekomme. Der Schulleiter lobte die Regisseurin von „Perspektivwechsel“, Ayşe Kalmaz, als „versierte Filmemacherin“ und den engagierten Einsatz der SchülerInnen am Projekt zu dessen Behufe zunächst eine Film AG gegründet worden war. Sie lernten darin, wie man einen Film produziert. Intensiv informierten sich die SchülerInnen beim Besuch eines Fußballspiels in Dortmund auch über die Arbeit der Polizei. Kuß erinnerte sich begeistert an die Proben im Schulgebäude, wo SchülerInnen in voller Polizeimontur die Treppen hoch und runter rannten und dabei gefilmt worden waren. Ein anderer Teil der SchülerInnen stellte als Komparsen Fußballfans dar.

Ein professioneller, von einer Maskenbildnerin geleiteter Workshop, informierte Friedrich Kuß, habe SchülerInnen, die staatlich anerkannte Kosmetikerinnen werden wollen, darin im Schminken der Filmakteure angeleitet worden.

Blumendank zum Dank für mitarbeitete PolizeibeamtInnen

Einen kleinen Dank in Form von Blumensträußen für ihre Mitarbeit am Filmprojekt erhielten die PolizeibeamtInnen Jennifer Peters und Ercan Erdoğan.

Der Film kann zur schrittweisen Verbesserung des Dialogs zwischen Fans und Polizei beitragen, denkt Thilo Danielsmeyer vom Fanprojekt Dortmund

Thilo Danielsmeyer (Leiter des Fanprojekts Dortmund) betonte, das Thema

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Thilo Danielsmeyer (Fanprojekt Dortmund)

Perspektivwechsel sei für sie seit dreißig Jahren das zentrale Thema. Weshalb man sofort zugesagt habe, beim Filmprojekt „Perspektivwechsel“ mitzutun.

Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass bestimmte Fans „Grenzen des Erlaubten“ überschreiten. Andererseits werfe die Fanszene der Polizei zunehmende Repression im Bereich des Fußballs und Unverständnis vor. Darüber werde diskutiert. Einen Kontakt zwischen beiden Kontrahenten herzustellen, wie auch schon Polizeipräsident Gregor Lange zuvor gesagt hatte, habe bislang nicht gefruchtet, so Danielsmeyer. Der nun vorliegende Film „Perspektivwechsel“ könne möglicherweise als wichtiges Projekt dazu beitragen, den Dialog in kleinen Schritten in Gang zu setzen.

Viel Applaus zur Filmpremiere für alle Beteiligten

Nach der Vorführung des Making-of zum Film, der u.a. auch Heiterkeit und Bewunderung bei den anwesenden ProtagonistInnen und Gästen auslöste, erlebte der Film „Perspektivwechsel seine Premiere. Der Film und alle daran Beteiligten erhielten starken Beifall. Die Premierenzuschauer fanden, dass er äußert gelungen ist. Der Streifen ist in der Tat sehr professionell gemacht. Das betrifft die Kameraführung, den Schnitt und die wirklich verblüffenden schauspielerischen Leistungen aller Mitwirkenden. Nicht zuletzt beklatscht wurde die feinfühlige Regie, die in den Händen von Filmregisseurin Ayşe Kalmaz lag, die u.a. auch schon mit Prof. Adolf Winkelmann gearbeitet hat.

Regisseurin Kalmaz fragte die SchülerInnen nach deren Motivation sich am Filmprojekt zu beteiligen

Ayşe Kalmaz befragte im Anschluss einige der am Film beteiligten SchülerInnen, die

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Regisseurin Ayşe Kalmaz (Bildmitte) befragt die Jugendlichen nach ihrer Motivation am Filmprojekt teilzunehmen.

auch am Drehbuch beteiligte gewesen sind, zu deren Motivation, am Filmprojekt mitzuwirken. Für eine Schülerin war der filmische Teil des Projektes spannend. Allerdings sei sie auch durch ihre Familie mit Fußball konfrontiert und gehe auch selbst ins Stadion. Celina hatte sich auch für das Thema Gewalt im Fußball interessiert. Sie habe ergründen wollen, was die Fans so denken. Aber auch wissen wollen, wie es den Polizisten bei Fußballspielen so gehe.

Antonia fand, dass sich alle am Projekt beteiligten Unterstützer sehr viel Mühe gegeben hätten, „uns durch das Thema zu begleiten“.

Regisseurin Ayşe Kalmaz ergänzte, sie hätten durch das Fanprojekt viel über Fans – von diesen selbst jedoch direkt leider aber wenig – erfahren können.

Jasmin sagte, sie habe erstmals ganz viel über die Polizei erfahren und beim Blick sozusagen hinter die Kulissen eines Fußballspiels viele interessante Eindrücke gewonnen.

Ayşe Kalmaz wollte wissen, wie die SchülerInnen darauf gekommen sind, zwei Frauen als ProtagonistInnen ins Auge zu fassen.

Joyce, erklärte, sie hätten einfach Rollen nehmen wollen, in die sie sich hineinversetzen können. Und da sie eben Frauen seien, „haben wir die Rollen auch weiblich gemacht“. Auch stelle man sich immer eher ein Mann als Polizist vor. Joyce: „Wir wollten eben auch ein bisschen Frauenpower.“

Die Mädchen bekannten über das Projekt viel über Gewaltbereitschaft und die Motivation dazu erfahren zu haben.

Am meisten Spaß gemacht habe den jungen Frauen das Drehbuch zu entwickeln. Aber auch „das Schauspielern“. Und nicht zuletzt das Zusammenarbeiten im Team.

Urkunden aus der Hand des Polizeipräsidenten

Alle Beteiligten am Filmprojekt „Perspektiven“ erhielten aus den Händen von Polizeipräsident Gregor Lange Urkunden als Auszeichung. Interessiert beigewohnt hatte der Filmpremiere u.a. auch Bernd Heinen, Inspekteur der Polizei NRW.

Nächste Vorführung von „Perspektiven“ am 11. Oktober im Signal-Iduna-Park

Das Projektteam wies darauf hin, dass am 11. Oktober 2019 im Signal Iduna Park in der Zeit von 15-17 Uhr eine weitere Vorführung des im Rahmen des Filmprojekts „Perspektivwechsel“ – Berufsschüler greifen „Gewalt im Umfeld des Fußballs auf“ im BVB-Lernzentrum stattfindet.

Es ist angedacht, den Film zu gegebener Zeit auch über das Internet zugänglich zu machen.

Rezension: „Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst“ von Albrecht Müller

Der bekannte Journalist, UNO-Experte mit langjähriger Erfahrung in der Friedensbewegung, Andreas Zumach warnte kürzlich auf einer Friedenstagung in Essen vor dem nicht selten gebrauchten Begriff der „neuen Unübersichtlichkeit“. Was ja wohl so viel heißen soll:  Man könne eh nichts machen. Ein Ohnmachtsbegriff nannte Zumach das. Denn letztlich könne alles – betrachte man es genau – durchaus klar benannt, auch durchschaut und Probleme mit sorgfältig entwickelten Lösungen angegangen werden.

Dazu gehört m.E. auch, die  täglich von Politik und Medien – gern auch im Wechselspiel – vorgenommene Manipulationen.

Wie leben in einer Art Demokratie, will ich flapsig mal hier hin schreiben. Aber die wird auch noch – statt sie zu hegen und zu pflegen, wie ein empfindliches Pflänzchen -, oder um es in Erinnerung an Willy Brandt so auszudrücken: noch ein Quäntchen mehr davon zu wagen – täglich ein Stück mehr ausgehöhlt.

Wir BürgerInnen werden das eine oder andere mal genasführt. Ein anderes Mal gleich mehrfach mehrfach hinter die Fichte geführt. Oftmals merken wir das nicht einmal. Schließlich hat nicht jeder Mensch die Zeit jeder fragwürdigen Sache genau nachzugehen und im Internet oder in Bibliotheken zu recherchieren.

Was für wissenschaftliche Erkenntnisse gilt, schrieb Karl Marx seinen Töchtern auf ihren Fragebögen als Motto: „De omnibus dubitandum“ – „An allem ist zu zweifeln“. Wenn es neue Erkenntnisse gibt, ist der alte Kenntnisstand überholt oder relativiert. So ist es in der Wissenschaft.

Prinzipiell ist allerdings auch davon ab richtig, an allem gesunden Zweifel zu hegen.

Bereits vor einer längeren Zeitspanne gingen Wirtschaft, Politik und Medien daran, uns das Deken abzugewöhnen. Das analysierte Albrecht Müller, ein Mitarbeiter und Vordenker Willy Brandt und legte das Buch „Meinungsmache“ vor.

Propaganda ist heute ziemlich en vogue. Die meisten politischen Entscheidungen werden unter dem Einfluss massiver Propaganda – regelrechte Propagandamaschinen werden da konstruiert und angeworfen – getroffen, meinte Albrecht Müller. Nicht wenige Medien spiel(t)en da munter mit, statt ihrer Aufgabe als Vierte Gewalt gerecht zu werden. Das reicht, wie Albrecht Müller nachweist, von der Agenda 2010 bis zu neuen Kriegen.

Eine Propagandamaschine ist die sogenannte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), im Jahr 2000 gegründet vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Um deren massiver Propaganda aufklärend etwas entgegenzusetzen hatte Albrecht Müller einst die NachDenkSeiten gegründet.

Seither machen die NachDenkSeiten (NDS) mit ihrem Herausgeber an der Spitze unermüdlich auf Methoden der Manipulation aufmerksam und analysieren die dahintersteckenden Strategien. Auch ökonomische Zusammenhänge machen die NDS-LeserInnen da klüger, wo „Qualitätsmedien“ und munter (von wenigen Ausnahmen abgesehen), dabei auch die Öffentlich-Rechtlichen, vernebeln oder verkürzt berichten: bloß noch Lückenpresse“ (Ulrich Teusch) sind.

Bei den NDS ist man als Leser gut aufgehoben. Ich oute mich: sie sind das Erste, was ich nach dem Frühstück lese. Dafür wurde ich schon öffentlich diffamiert. Nun gut. Klar: auch die NDS sind nicht unfehlbar – behaupten das auch nicht- und schießen auch mal einen Bock. Aber sie sind m.E. unverzichtbar.

Albrecht Müller – erst vor Kurzem auf der ersten Seite der Süddeutschen ins Zwielicht gesetzt und gewissermaßen altersdiskriminiert – hat nun ein neues Buch vorgelegt. Damit will er – wie er erklärt auch die Menschen erreichen, welche die NDS nicht lesen. Das Buch, beim Westend Verlag erschienen, trägt den Titel „Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst. Wie man Manipulationen durchschaut.“

Albrecht Müller lässt auch in diesem Buch nicht locker aufzuklären und aufzumuntern nicht alles widerstandslos über sich ergehen zu lassen:

„Wir müssen zweifeln und widersprechen. Das wird leichter, wenn wir uns mit anderen verbinden. Wenn wir ein eigenes Milieu einer lebendigen Gegenöffentlichkeit schaffen, wenn wir uns austauschen, wenn wir kommunizieren. Wenn Sie Freunde, Gesprächspartner in der Familie oder Kolleginnen und Kollegen haben, die auch daran interessiert sind, ihren Kopf vom Zugriff Dritten zu befreien, dann ist es sinnvoll, sich regelmäßig auszutauschen. Man entdeckt mehr, man versteht mehr, man kann zweifelhafte Vorgänge leichter einordnen. Und das Gespräch über die ständigen Manipulationen bereitet häufig auch noch Vergnügen. Jedenfalls ist es interessant.“

In der Einführung zum Buch (S.7) spielt Müller auf das Lied „Die Gedanken sind frei“ an, wo es in der zweiten Zeile heiße: „Wer kann sie erraten“; und „Kein Mensch kann sie wissen“. Dann macht der Autor gleich darauf aufmerksam, dass „andere Menschen und Einrichtungen und die Geheimdienste durchaus erraten und erforschen, was wir denken. Und noch schlimmer: Es wird versucht, darauf Einfluss zu nehmen, was wir denken.“

Müller kommt zu diesem Ergebnis: „Unsere Gedanken sind nicht frei, sie sind manipulierbar.“

Doch Albrecht Müller steckt nicht auf: „Die Gedanken sind frei. Wir müssen allerdings etwas tun, um Herr unserer Gedanken zu bleiben. Deshalb dieses Buch. Es lohnt, darüber nachzudenken, was helfen könnte, sich weiterhin und trotz aller Anfechtungen eigene Gedanken zu machen und nicht abhängig zu werden.“

Müller gibt jedoch auch zu bedenken (S.29/30): „Wir sind umzingelt von Kampagne den und müssen feststellen, dass die totale Manipulation möglich ist. Wir können uns damit beruhigen, dass so etwas gerade in Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus schon einmal nötig war und dass diese bleierne Zeit schon einmal überwunden werden konnte. Vielleicht gelingt das noch einmal.“

Albrecht Müllers Formulierungen sind nicht übertrieben und zu scharf. In vielerlei Hinsicht ist es längst zwölf oder gar schon nach zwölf. Nichtsdestotrotz: die Hoffnung stirbt zuletzt …

Interessant das Kapitel III. Methoden der Manipulation. Darin geht es um (S.21/22 Sprachregelungen, Manipulation mithilfe von ständig gebrauchten und mit einer Bewertung versehenen Begriffen und verkürzt erzählten Geschichten (etwa wenn von der „Annexion“ der Krim die Rede ist und „vergessen“ wird zu erwähnen, das Putin damit auf den vorangegangenen Maidan-Putsch reagiert hat. Auch das Verschweigen ist eine Methode der Manipulation oder das „Wiederholen – Steter Tropfen höhlt den Stein“. Siebzehn Punkte führt Albrecht Müller da auf und analysiert sie, sowie belegt seine Ausführungen dann gründlich mit Beispielen, die wir alle kennen dürften.

Und wir erinnern uns: in der Schröder-Zeit wurden aus Reformen (ein Begriff, den man früher mit Verbesserungen in Verbindung brachte), wurde zu  „Reformen“, die heutzutage eher Verschlechterungen bedeuten bzw. nach sich ziehen.

Die gesetzliche Rente ist schlecht geschrieben und geredet worden. Zu diesem Behufe wurde mit dem demografischen Faktor agiert, um nicht zu sagen gedroht. Nur, damit uns die zusätzliche Säule private Vorsorge empfohlen werden konnte, und die Versicherungskonzerne abkassieren konnten. Alles musste mit unseren einem Einkommen finanziert werden, dass nicht größer geworden war. Dabei hätte durchaus der Rentenbeitrag etwas angehoben werden müssen. Wir sollten weiter wachsam sein! Wie heißt es doch: Nichts geschieht ohne Grund.

All das, lieber LeserInnen, können Sie anhand des von Albrecht Müller Geschriebenen – wenn sie es mit der politischen und medialen Realität abgleichen – nachvollziehen und verstehen.

Das neue Buch von Müller ist abermals bestens als Augenöffner geeignet.

„Mit dem Wissen wächst der Zweifel“, beginnt Albrecht Müller das Schlusskapitel seines Buches (ab S. 133), „- dieses Goethe-Wort trifft wohl auch die Stimmung vieler Leserinnen und Leser, wenn sie die Methoden der Manipulation und einschlägige Fälle für Meinungsmache und die dahintersteckenden Strategien gelesen haben.“

Und weiter: „Es befallen uns Zweifel an der Vernunft vieler Entscheidungen. Es befallen uns Zweifel daran, dass auch nur einigermaßen funktioniert, was wir Demokratie nennen. Es befallen uns Zweifel an Menschen, die unser Denken bestimmen und damit ihre Interessen bedienen wollen. Wir zweifeln an der Vernunft des Zweifelns. Viele Menschen tun das inzwischen und passen sich an. Sie wollen lieber dazugehören, als kritisch zu hinterfragen. Das ist angesichts der Gewalt der Manipulation und Irreführung und der fühlbaren Ohnmacht verständlich.“

Da wären wir wieder beim eingangs meiner Zeilen von Andreas Zumach erwähntem „Ohnmachtsbegriff“: Man könne eh nichts machen.

Dies aber falsch und der verkehrte Ansatz. Darauf weist auch Albrecht Müller hin: „Aber auf diesen Rückzug ins Private und ins Milieu der Entmutigten können wir uns nicht einlassen. Das wird eindringlich“, gibt Müller uns zu bedenken, „sichtbar, wenn wir an die lebenswichtige Frage von Krieg und Frieden denken.“

Dick unterstreichen sollten wir einen folgenden Satz aus der Feder von Müller: „Wir können es aus eigenem Überlebensinteresse nicht hinnehmen, den neuen Feindbildaufbau in Europa unwidersprochen zu akzeptieren.“

Müller: „Wir müssen zweifeln und widersprechen.“ (S.134)

Genau dazu ruft das Buch auf. Nicht dazu, den Kopf in irgendeiner gesellschaftlichen Nische in den Sand stecken.

Das neue Buch von Albrecht Müller gehört eigentlich in jede Hand. Deshalb, lieber LeserInnen, gebe Sie es doch bitte weiter, wenn es gelesen wurde.

Ich gebe zu, täglichen NachDenkSeiten-Lesern ist vieles, was in diesem Büchlein steht nichts Neues. Aber man hat den Vorteil, einfach mal darin nachschlagen zu können, da hier über das Wichtigste Bericht geführt wird.

Albrecht Müller hat das Buch ja auch vor allem für Menschen geschrieben, die keine passionierten LeserInnen der NachDenkSeiten sind.

Das Buch

Albrecht Müller

Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst

Wie man Manipulationen durchschaut

(hier mehr)

 

 

Erscheinungstermin: 01.10.2019
Seitenzahl: 144
Ausstattung: Klappenbroschur
Artikelnummer: 9783864892189
  • 14,00 Euro