Albrecht Goeschels volle Breitseite gegen die Sozialverbände: „Hilfstruppen des Neoliberalismus“

Zum „Verarmungsdiktat des deutschen Machtkartells“ haben die Sozialbverbände  „lautstark geschwiegen und keinerlei Solidarität gezeigt“, meint Prof. Albrecht Goeschel; Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt via Pixelio.de

Zum „Verarmungsdiktat des deutschen Machtkartells“ haben die Sozialbverbände „lautstark geschwiegen und keinerlei Solidarität gezeigt“, meint Prof. Albrecht Goeschel; Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt via Pixelio.de

In verrückten Zeiten leben wir. Bessere liegen hinter der Bundesrepublik Deutschland. Wenngleich auch da nie alles Gold war, was glänzte. Der Einschnitt kann um den Zeitpunkt des Beitritts der DDR zur BRD verortet werden. Ab da konnten andere Saiten aufgezogen werden. Kapital und Wirtschaft scharrten kräftig mit den Füssen. Doch so richtig zuschlagen konnten die erst, nachdem ein gewisser Gerhard Schröder – dem Etikett nach „Sozialdemokrat“, jedoch „Genosse der Bosse“ (was hätte rechtzeitig ein Aufmerken auslösen müssen) geheißen – Koch werden konnte und zusammen mit den Grünen als Kellner die Regierungsgeschicke der Bundesrepublik in die Hand genommen hatte. Galten bis dato Reformen noch als Verbesserungen, mussten sich (bestimmte) Bürgerinnen und Bürger bald eines Schlechteren belehren lassen. Stichworte: Hartz IV, Agenda 2010, Riester-Rente etc. Ein sozialer Rollback hin zum Neoliberalismus wurde der Weg bereitet.

Die deutschen Gewerkschaften – der SPD traditionell eng verbunden – murrten kaum über die angedachten und dann ins Werk gesetzten diversen Sozialreformen genannten Grausamkeiten. Unter den Gewerkschaften grassierte im Wesentlichen das große Kuschen. Höchstwahrscheinlich wäre derlei unter Helmut Kohl, mit einer SPD als starke Opposition, nie so zu machen gewesen.

Das Schweigen der Gewerkschaftsbosse

Heidelinde Penndorf (von 2006 bis 2011 für die PDS/Linkspartei im Landtag von Sachsen-Anhalt) richtete 2012 einen Offenen Brief an die Vorstände der Gewerkschaften. Darin ihr Vorwurf: die deutschen Gewerkschaften hätten es ihrer Meinung nach zugelassen, dass Deutschlands Menschen auseinanderdividiert werden konnten. Die Gewerkschaften hätten versäumt ihren originären Pflichten nachzukommen, in dem sie soziale Grausamkeit nicht nur verschliefen, sondern letztlich auch ohne nennenswerte Gegenwehr zuließen. (Dazu mein Artikel damals) Auf  Antworten  wartete Heidelinde Penndorf  übrigens vergebens.

Wo stehen wir heute?

Die SPD ist nicht mehr sozialdemokratisch. Reformen werden skeptisch und längst nicht mehr als Verbesserungen angesehen. Überhaupt steht es mit dem Sozialen im Allgemeinen wie im Besonderen nicht sonderlich gut. Ist denn bald nichts mehr wo „sozial“ draufsteht wirklich sozial?

Was ist mit den „Sozialverbänden“?

Professor Albrecht Goeschel, Präsidiumsmitglied der Accademia ed Istitutoper la Ricerca Sociale Verona, hat zu dem Thema „Sozialverbände“ und infolgedessen zwangsläufig zu deren „Versagen“ gearbeitet. Goeschel hatte dabei auch die Sachbücher von Gunther Daumenlang: Brennpunkt Rente ,Norderstedt 2011 und Walter Wüllenweber: Die Asozialen,München 2012 im Hinterkopf. Die Problematik ist also keine unbekannte.

Albrecht Goeschel geht mit den Sozialverbänden hart ins Gericht

Er nennt sie „Hilfstruppen des Neoliberalismus“. Seiner Meinung nach haben „Euro-Krise und das EU-Spardiktat die bisherigen nationalen Sozialpolitiken außer Kraft gesetzt und europaweit in ihr Gegenteil verwandelt“. Ein weiteres Mal setzt auch diese Kritik Deutschland, das ja nach dem gängigen Narrativ von Bundesregierung und der sie eskortierenden Mainstream-Medien alles richtig gemacht hat und macht, in ein düsteres Licht. Das Problem: es wird zu viel Deutsch gesprochen in Europa. Volker Kauder wird es freuen.

Albrecht Goeschel:

„Die Sozialstaaten werden nunmehr auf Druck und nach dem Vorbild Deutschlands dazu benutzt, die Bevölkerungen ärmer zu machen und eine europaeinheitliche Klassengesellschaft der billigen Arbeit zu schaffen. Gerade ausgebaute Sozialsysteme bieten beste Voraussetzungen, um die Reallöhne der Arbeitnehmer möglichst unbemerkt drastisch zu senken.“

Diese von Berlin EU-weit oktroyierte, via Brüssel durchgesetzte Kürzungspolitik habe, so Goeschel, „einen grundsätzlichen Politikwechsel bei den Sozialverbänden“ zur Folge: „Ihre bisherige Politik eines sogenannten „Pragmatismus“, eines als „Lobbyismus“ schöngeredeten Bittstellertums hat keine Zukunft mehr: Die Strategieformel „Jammern, Kümmern, Fordern“ hat ausgedient.“

Die Sozialverbände „allenfalls als Diskussionskulisse für längst gefallene Entscheidungen instrumentalisiert“

Prof. Goeschel sieht in den „dominierenden deutschen Sozialverbände, Sozialverband Deutschland – SoVD und Sozialverband VdK Deutschland, keine eigenständige Kraft in der Sozialpolitik (…)“. Sie würden „allenfalls als Diskussionskulisse für längst gefallene Entscheidungen instrumentalisiert – auch und gerade, weil sie seit Jahrzehnten auf jede eigenständige und grundlegende Analyse der wirtschaftlichen, staatlichen und gesellschaftlichen Grundlagen, Rahmenbedingungen und Wirkungsweisen von Sozialpolitik im Kapitalismus, kapitalistischem Sozialstaat und Sozialbudget in der kapitalistischen Ökonomie verzichten.“

Andere als „die sattsam bekannten sozialpopulistischen Themen wie ‚Armut als solche‘ seien sie gar nicht in der Lage der Öffentlichkeit nahezubringen. Die durchaus „gehaltvollen Sozialforen des VdK Bayern in Schloss Tutzing und des VdK Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf“ seien über „wertvolle Überlegungen und Untersuchungen“ nicht hinausgekommen. Eine Wirkung auf die Politikgestaltung der Sozialverbände hätten diese nicht gezeitigt.

Albrecht Goeschel: Konzeptionsloser Lobbyismus und die populistischen Kampagnen der Verbände des Sozialen haben die oberflächlich kritisierten Verhältnisse noch verfestigt

Goeschel prangert an: Der „konzeptionslose Lobbyismus und die populistischen Kampagnen der Verbände des Sozialen (und der Wohlfahrt)“ hätten „die von ihnen oberflächlich kritisierten Verhältnisse noch verfestigt: Insbesondere das vom VdK-Sozialverband ( und vom DPWV – Wohlfahrtsverband) jahrelang betriebene penetrante „Armuts“- Lamento hat niemals auch nur aufzuklären versucht und vermittelt, warum Armut im Finanz- und Exportkapitalismus geradezu gebraucht wird und wo und wie sie mit Hilfe des Sozialstaats hergestellt und verwaltet wird.“

Für Albrecht Goeschel steht als „Resultat dieser Pseudopolitik“ der Sozialverbände fest, das diese „auch“ zu „Große(r) Koalition ohne Opposition und (zu) ein(em) Parlament der Besserverdienenden“ geführt habe.

Alles hängt mit allem zusammen

Die Stärkung nationalistischer Parteien bei den Europa-Wahlen hält Albrecht Goeschel für eine Antwort auf die Austeritätspolitik und das „Verarmungsdiktat des deutschen Machtkartells“. Den Sozialverbänden wirft er vor, dazu „lautstark geschwiegen und keinerlei Solidarität gezeigt“ zu haben. Dabei seien „die Satzungen dieser Verbände mit Sozial- und Europageschwätz vollgepfropft“.

„Gerne haben sich die Sozialverbände von der Großen Koalition der Besserverdienenden, aus deren „Volksparteien“ ja auch ihre „Präsident(inn)en kommen, mit Sozialgeschenken wie der „Mütter-Maut“ und der „Männer-Rente“ weiter korrumpieren lassen“ zieht der Verfasser des Papiers weiter kräftig vom Leder. „Und ohne Zweifel ist die vor einigen Monaten allseits beklagte Wortmeldung der Ausgegrenzten: Altkonservative wie Prekäre, beispielsweise in den „Pegida“-Protesten auch ein Ergebnis der von Anbiederei, Eitelkeit und Vorteilsschnapperei bis hin zum Verkauf von Mitgliederadressen an Versicherungskonzerne geprägten „Politik“ der Sozialverbände. „Kaffee und Kuchen“- Nachmittage sind nicht das Mittel der Wahl, um Nichtmehrwählern bei ihrer Interessenartikulation zu assistieren.“

Mittelmeer-Kreuzfahrten statt Solidarität für die nicht mehr behandelten Kranken in Griechenland und die Überlebenden der Flüchtlingskatastrophe

Abrecht Goeschel skandalisiert:

„Und Mittelmeer-Kreuzfahrten für ‚Rente Gold‘ sind kein Solidaritätsbeitrag für die nicht mehr behandelten Kranken in den griechischen Krankenhäusern oder für die Überlebenden der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer.“

Goeschel lässt den üblichen Aufhübschungen der Verbände sozusagen die Luft heraus, um die tatsächliche Wirkung der Sozialverbände dann dermaßen entkleidet so zu charakterisieren:

„ Wichtigtuerische Gruppenfotos mehrheitlich aus der Form geratener Mitglieder des Politikbetriebes zusammen mit teilweise noch mehr aus der Form geratenen Mitgliedern des Verbandsbetriebes. Sicherlich zu Recht sehen kritische Beobachter die Sozialverbände in einer heißersehnten Rolle als Nutznießer der Politik einerseits und als Hilfswillige der Politik andererseits.“

Dennoch stießen die Verbände auf Gehör bei der Politik. Jedoch nur, urteilt Albrecht Goeschel, „weil sich die Verbände als eine Art ‚Horchposten‘ gegenüber ihren Mitgliedern und der Bevölkerung betätigen und die gewonnenen Erkenntnisse für die Politik verfügbar machen. Oberste Notwendigkeit sei daher eine „Konsensorientierung“ der Verbände im Verhältnis zur Politik.“

Auch für die Sozialverbände könnte es „schneller als gedacht eng werden“

Professor Goeschel bemüht das Beispiel des „einst ewig erfolgreichen ADAC“, für den es nach Aufdeckung von Manipulationen „ganz schnell sehr eng geworden“ sei; um auch den Sozialverbänden ein Menetekel an die Wand zu malen. Und „allen voran“ für „den vor Selbstweihrauch kaum mehr sichtbaren Sozialverband VdK“, meint Goeschel, könnte es „schneller als gedacht eng werden“.

Zusätzlich verweist er auf das ins Bodenlose abgestürzte Ansehen „der deutschen sogenannten Leit-Medien. Gesehen vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise, der damit verbundenen unsauberen Berichterstattung bei gleichzeitig zunehmender Russland-Hetze.

„Neue Milieus“, schreibt Albrecht Goeschel, „und verschärftes Spardiktat werden den Byzantinismus der Sozialverbände erledigen – hoffentlich“.

Sozialverbände könnten sich selbst erledigen

Eingeschlossen in die Hoffnung des Professors ist offensichtlich, dass sich „die Sozialverbände, geführt von ausgemustertem Politikpersonal, pensionierten Krankenkassenchefs etc. und rekrutiert aus den Traditionsmilieus der deutschen Normalfamilie bzw. deutschen Normalhinterbliebenen“ quasi selbst abschaffen. Denn sie seien „Lichtjahre entfernt von den modernen Milieus der sogenannten ‚Wissensgesellschaft‘ oder den prekären Milieus der Zuwanderungs- und Langzeitarbeitslosengesellschaft.“ Und weiter: „Die fragwürdigen Geschäfte der Sozialverbände mit diversen Versicherungskonzernen, die lächerlich-peinlichen Fernreiseangebote der Sozialverbände und die unfreiwillig hochsatirischen Mitglieder-Zeitungen der Sozialverbände sorgen von sich aus dafür, dass sich diese Verbände sehr bald „demografisch“ erledigen werden – so wie das die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) seit einigen Jahren vorbildlich praktiziert. Das hindert letztere allerdings gerade nicht daran, noch schnell als Mehrheitsbeschafferin bei der Privatisierung des bisherigen Sozialstaats zur Hand zu gehen.“

Wo soziale Rechte abgeschafft werden oder ihr finanzieller Inhalt ausgehöhlt wird, erübrigt sich auch bald eine Sozialrechtsberatung“, meint Albrecht Goeschel

Das Aufgabenfeld der Sozialrechtsberatung dürfte nach Meinung das kritischen Autors eines der Felle sein, die den Verbänden künftig wegbrechen werden:

„Wenn erst der EU – Fiskalpakt, die Berliner Schuldenbremse, die Reform des Länderfinanzausgleichs und nun auch noch das weitere EU-USA Geheimabkommen TISA ihre volle Wirkung entfalten, wird der Kürzungsterror neue Dimensionen erreichen. Nicht nur werden dann die Sozialphrasen der Verbände offenkundig werden. Auch ihre Sozialrechtsberatung wird dann leerlaufen. Wo soziale Rechte abgeschafft werden oder ihr finanzieller Inhalt ausgehöhlt wird, erübrigt sich auch bald eine Sozialrechtsberatung.“

Nordkoreanische 99 Prozent für „Riester-Rente“-Mitschuldige Ulrike Mascher (SPD)

Es liest sich, als weine Albrecht Goeschel den Sozialverbänden in ihrer derzeitigen Verfasstheit und Wirkung keine Träne nach: „Vielleicht werden wir so ‚Sozialverbände‘ endlich los, die eine Mitschuldige an der „Riester-Rente“ und eine Mitbetreiberin der „Mütter-Maut“ mit nordkoreanischen 99 Prozent erneut als „Präsidentin“ gewählt haben: Frau Parlamentarische Staatssekretärin a.D. Ulrike Mascher (SPD).“

Fazit

So wie jetzt dürfe es jedenfalls nicht weitergehen, darauf pocht Goeschel. Auch nicht unter anderen Namen oder indem man die Sozialverbände mit neuem Anstrich versehe. Es bedürfe „einer gründlichen ökonomischen, soziologischen und organisationswissenschaftlichen Analyse.“ Und: „Diese muss zunächst die vulgärökonomische Schaumschlägerei der Verbände zum Thema „Armut als solche“ sezieren. Der Hauptbeitrag der Sozialverbände zur Neoliberalisierung Deutschlands und Europas liegt exakt in der fortgesetzten Veranstaltung von „Folgenlosigkeit“. Prof. Seibel (1992) bezeichnet es als die eigentliche systemstabilisierende Funktion solcher Verbände, ihren eigentlichen „Erfolg“ und damit ihre Beliebtheit bei der Politik, genau eben nichts zu bewirken. Der „Dilettantismus“ und die „Mittelmäßigkeit“ des Spitzenpersonals dieser Verbände sei, so Seibel, daher kein Mangel, sondern ein Vorzug für das bestehende System und dessen Verbände. Das schlimmste, was diesen Verbänden passieren kann, seien interne oder externe Fachleute, die das Sozialgeschwätz der Verbände beim Wort nehmen und Effizienz anstelle von Personenkult einfordern. In den Verbänden gibt es genug Potential für eine bislang noch fehlende Opposition. Und diese Opposition in den Sozialverbänden fehlt, weil diese „Vereine“ bisher von der Wissenschaft noch nicht auf den Prüfstand gestellt worden sind – auch natürlich wegen der ihnen eigenen „Miefigkeit“. Auch das beschreibt Seibel schon vor über zwei Jahrzehnten: „Miefigkeit“, Kumpanei, Seilschaften usw. als gut funktionierende Abschirmungsstrategie gegen Effizienz, Innovation, Opposition etc.“

Professor Albrecht Goeschel teilt ordentlich gegen die Sozialverbände aus. Sie bekommen eine volle Breitseite ab. Mir scheint, er fordert geradeheraus nichts weniger als ein Tabula rasa. Wird er gehört werden? Werden wir ein Tabula rasa betreffs der Sozialverbände erleben? Fakt ist jedenfalls: Treten die Sozialverbände unsozialen Plänen herrschender Machtkartelle nicht endlich entschieden genug entgegen oder eskortieren diese gar eine solche Politik noch, indem sie dafür sorgen, dass nur schwachen Entschärfungen das Wort geredet wird – schaffen sie sich tatsächlich irgendwann am Ende selber ab. Denn wo es keine Sozialpolitik mehr gibt, deren Gesetze einklagbar wären, sind auch Sozialverbände überflüssig. Dann greift der „Suppenküchenstaat“. Dieser wächst jetzt ohnehin schon munter. Wie die „Vertafelung“ der Gesellschaft, die ebenfalls Konjunktur hat.

Wir leben in verrückten Zeiten. Bessere gab es einst in der Bundesrepublik Deutschland. Uns geht es gut, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wohin geht die Reise?

Hier der Text von Albrecht Goeschel in Gänze via labournet.

ZDF-Korrespondent Bewerunge empört sich über politischen Einfluss im griechischen Staatsfunk

Zur Kenntnis!

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zdf_80Manchmal machen einen die himmelschreiende Doppelmoral und der Mangel an Selbstreflexion deutscher Journalisten nur noch sprachlos. So geschehen wieder einmal im ZDF, in der heute-Sendung vom Donnerstag 19.00 Uhr und in einer ausführ- licheren Wiederholung im heute-journal.

Da berichtete Korrespondent Michael Bewerunge aus Athen über den wieder auf Sendung gegangenen griechischen „Staatssender“ ERT, der vor ziemlich genau zwei Jahren von der liberal-konservativen Nea Demokratia unter Samaras über Nacht abgeschaltet worden war, um Forderungen der Troika nach Verschlankung des Staates nachzukommen. Unter der neuen Regierung wurde der Sender per Gesetz wieder in Betrieb genommen, wird vorwiegend durch eine Rundfunkgebühr finanziert und bekommt einen Verwaltungsrat aus sieben Mitgliedern, von denen fünf nach einem Ausschreibungsverfahren auf Vorschlag des Medienministers vom zuständigen Ausschuss des Parlaments gewählt werden. Die zwei restlichen Mitglieder werden von den ERT-Mitarbeitern in geheimer Wahl bestimmt.

ZDF_hj_11062015_ERT240Michael Bewerunge:„Vorher war der ERT ein aufgeblähter Apparat, fest in der Hand der…

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ARD: Propaganda statt Fakten – Wenn Schmierenjournalisten von Schmierenjournalisten abschmieren um Vermutungen zu streuen

Genauer hinschauen lohnt sich. Gesunder Zweifel ist immer angebracht und sollte angewandt werden.

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ard_logoEs verdichten sich Hinweise, wonach führende Manager, Chefredakteure und leitende Angestellte deutscher Medienkonzerne, sowie Führungspersonen aus den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF Teil eines Pädophilenrings sind, der sich Mädchen und Knaben im Vorschulalter zuführen lässt. Der von einem westlichen Geheimdienst betriebene Ring, der aus mehreren Scheinfirmen bestehend, Waisenkinder und Drogen aus Ost- und Südeuropa durch europäische Metropolen schleust, um sie an führende Journalisten und Politiker zu verkaufen, deren sexuelle Vorlieben und Drogenabhängigkeiten durch Überwachungsmaßnahmen abgeschöpft wurden, soll bereits seit den frühen 60er Jahren bestehen und auch der DDR-Staatssicherheit nicht verborgen geblieben sein. Die belastenden STASI-Akten wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 1989 aus Ost-Berlin in die USA geschafft.

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Russischer Journalist Konstantin Goldenzweig dient sich deutschen Staatsmedien an

Empfehlung an meine LeserInnen!

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zdf_80Ein Vorgang, der an den inszenierten Abgang von Liz Wahl erinnert. Deren mit übler Nachrede gespickte Live-Kündigung bei RT war mit Strippenziehern eines konservativen US-Think Tanks geplant und verfehlte in der westlichen Propaganda nicht ihre Wirkung.

Auch im Fall des russischen Journalisten Konstantin Goldenzweig deutet vieles auf eine vorsätzliche Inszenierung der eigenen Kündigung bei NTW hin. Diese Kündigung hatte er offenbar schon im März eingereicht, wurde aber jetzt noch zum G7-Gipfel nach Elmau geschickt und gibt dort – rein zufällig versteht sich – dem ZDF heute-journal und Phoenix Interviews, die es in sich haben. Kurz darauf ist er angeblich entlassen und deutsche Kollegen wissen es als erste zu verkünden.

Wer das Interview mit Goldenzweig im ZDF heute-journal gesehen hat, rieb sich bereits verwundert die Augen. Zum einen über die Tatsache, dass das deutsche Staatsfernsehen überhaupt einen russischen Journalisten interviewt und das der dann ausgerechnet Dinge ins Mikro sagt, die…

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KenFM tritt gegen „Aktuelle Kamera 2.0“ mit Gesprächsrunde „POSITIONEN“ an

Jauch geht in absehbarer Zeit. Macht wohl dann nur noch „Wer wird Millionär?“. Er muss das nicht werden. Jauch ist es längst. Der Politiktalk „Günter Jauch“ wird als zum Jahresende vom ARD-Sendeplatz gleich nach dem vom „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ verschwinden. Na und? Kein Verlust. Für mich. Denn mit kritischem Journalismus hatte Jauch m. E. nie etwas am Hut. Das kann der nicht. Und wollte das wohl auch niemals machen. Ein Kollege entgegnete auf meine Kritik am fehlenden Biss der wichtigsten Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, für ihn sei das einfach Unterhaltung. Unverschämt! Für mich ganz entschieden nicht: ich will zubeißenden Journalismus. Moderatoren, die Politikerinnen und Politikern bis hinauf zur Bundeskanzlerin deren Sprechblasen nicht durchgehen und diese erst wieder auslassen, wenn sie konkrete Antworten auf die ihnen gestellten Fragen gegeben haben. Und ist dies nicht der Fall, muss das vom Moderator entsprechend mit einer Wertung versehen werden. Nur so können sich die Zuschauer – wenn ihnen alle Seiten eines Sachverhalts präsentiert werden – ihre eigne Meinung mithilfe – nicht durch – die Medien bilden. Danach kann die Unterhaltung kommen. Im Familien- oder Kollegenkreis. So wird ein Schuh draus!

Ken Jebsen ist gewiss ambivalent, liefert jedoch interessante Sendung via YouTube ab

Der einstige RBB-Moderator Ken Jebsen ist gewiss eine ambivalente Figur. Kritik an ihm wurde nicht zuletzt hinsichtlich an dessen Beteiligung an diversen Friedens-Mahnwachen – bzw. wegen daran teilnehmenden, in der Tat bedenklichen Personen – laut. Das mag man im Hinterkopf behalten oder verdrängen. Mit Sicherheit: Ken Jebsen polarisiert. Er ist politischer Aktivist sowie politischer Journalist. Kann man das trennen? Muss man das? Nichtsdestotrotz: Ken Jebsen macht mit seinem Label KenFM äußerst interessante Sendungen mit hochkarätigen Interviewgästen. Zu sehen via YouTube. Sehr empfehlenswert.

POSITIONEN – Ausgabe Nummer 1

Kürzlich nun präsentierte KenFM die 1. Ausgabe einer Gesprächsrunde. Der Titel: POSITIONEN – POLITIK VERSTEHEN. Eingeladen dazu waren abermals hochkarätige Gäste. Männer, die etwas zu sagen haben. Sie alle waren von Ken Jebsen bereits einzeln zu speziellen Themen befragt worden. KenFM-Sehern dürften sie alle keine Unbekannten gewesen sein. Nun saßen sie gemeinsam um einen Tisch herum. Moderator Ken Jebsen an dessen Stirnseite. Sogar Publikum war im Studio anwesend. Um was ging es also? Kurz auf einen gemeinsamen Nenner gebracht: um nichts geringeres als um die Fragen der Zeit. Und das sind Fragen von Krieg und Frieden. Über allem die Fragen schwebend: Wie steht es um die Demokratie? Wie kann sie in Zeiten von postdemokratischen Anzeichen wieder zu Erblühen gebracht werden. Nicht zuletzt an dieser Stelle müssen wir da zur Betrachtung unserer Medien kommen und deren Zustand scharf ins Blickfeld rücken. Nicht zuletzt seit der Verschärfung des Ukraine-Konflikts beklagen immer mehr kritische drauf schauender Mediennutzer eine ziemlich einseitige Berichterstattung. Nach dem Motto: Russland mit Putin vornweg ist das Böse. Der Westen – also wir – sind die Guten.

Zwei Drittel der Deutschen vertrauen den Medien nicht mehr

Inzwischen sollen zwei Drittel der Menschen in Deutschland den Medien nicht mehr vertrauen. Die Skepsis und auch immer öfters die Empörung der Leserinnen und Leser schlägt sich einer steigenden Anzahl von kritischen, an Zeitungen und Fernsehredaktionen gerichtete Kommentaren. Damit gemeint sind nicht etwa unflätige Beschimpfungen unter der Gürtellinie jenseits des guten Geschmacks – sondern durchaus kritisch-sachliche Äußerungen betreffs Zeitungsbeiträgen und zu Sendungen und fachlich sogar untermauerte Einwendungen. Immer öfters werden die Kommentarfunktionen in Foren zu Artikeln einfach abgeschaltet. Oder bestimmte Nutzer einfach geblockt. Die Medien schimpfen bei Ukraine- und Russlandbezug: Alles Putin bezahlte Trolle. Wirklich? Hunderttausende vom russischen Präsidenten finanzierte Trolle?!

Anstelle kritischer Berichte lieber über Buntbarsche schreiben

Gibt es denn gar keine kritischen Journalisten mehr? Schon, doch sie dringen offenbar mit scharfzüngigen kritischen Themen bei den Chefs der Redaktionen nicht mehr durch. Oder sie widmen sich erst gar nicht kritischen Themen. Schließlich haben sie Familie mit kleinen Kindern oder bauen dazu vielleicht gerade ein Haus. Was ist, wenn sie Aufträge – gar ihre Stelle verlieren, weil sie in Schweinereien herumrühren, von denen Chefs und Redaktionen am liebsten nichts wissen wollen? Im Verlaufe der hier ausdrücklich empfohlenen Gesprächsrunde „Positionen“ von KenFM wird der Dokumentarfilmer Dirk Pohlmann einmal sagen, Journalisten in solch Bredouille würden dann wohl lieber über „Buntbarsche“ schreiben. Das ist unverfänglich und zudem etwas, das Bilder von Postkartenqualität liefert und vielen Menschen Freude macht. Bloß nichts Kritisches über 9/11 oder so etwas. Da brennt der Hut!

Krieg wurde wieder zum Mittel von Politik

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR, der Wende in der DDR und deren darauffolgenden Beitritt zur BRD ist Krieg wieder ein bewusst eingesetztes Mittel der Politik. Etwas, das nicht zuletzt wegen der erfolgreichen Ostpolitik von Willy Brandt, Egon Bahr („Wandel durch Annäherung“) und anderen in den letzten Jahrzehnten zum Tabu gemacht werden konnte. Nun wird dem Krieg wieder das Wort geredet. Und nicht nur das: Es wurde auch Krieg geführt. Dass dies geschah ist kein Zufall. „Schurkenstaat“ (Noam Chomsky) USA brauchte neue Feinde. In Jugoslawien ist durch die USA und einzelne Staaten Europas ein völkerrechtswidriger Krieg geführt worden. Der ehemalige sozialdemokratische (!) Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Völkerrechtswidrigkeit inzwischen öffentlich zugegeben. Nach zehn Jahren! Dennoch bleibt es schlimm: Rot-Grün hat Deutschland das erste Mal nach Ende des Zweiten Weltkrieges in einen Krieg geführt!

Titel der Sendung: „ Positionen – Politik verstehen“ mit: „Krieg oder Frieden in Europa – Wer bestimmt auf dem Kontinent?“

Nun wird mehr oder weniger unverblümt für einen Krieg gegen Russland getrommelt. Mindestens aber ein Kalter Krieg befeuert. Mit Sanktionen und ständigen – einseitigen – Schuldzuweisungen. Die Medien handeln wie – beinahe ist man versucht hier das schlimm belastete Adjektiv „gleichgeschaltet“ zu setzen – auf eine einzige Meinung/Richtung eingeschworen. Dagegen stehen über 80% der Deutschen, die von Krieg nichts wissen wollen. Sie wollten von einem Krieg (der lange nicht mal als solcher bezeichnet werden durfte) in Afghanistan nichts wissen und halten nun erst recht nichts von einem Krieg gegen Russland.

KenFM hatte sich viel vorgenommen für diese erste Gesprächsrunde. Deshalb ging man folgender Frage nach: „Wird Deutschland, wird Europa in einen von den USA nahegelegten Russlandfeldzug geführt, obwohl es für diesen Krieg in Deutschland und Europa nicht den Hauch einer Mehrheit gibt?“ und überschrieb die erste Sendung von „ Positionen – Politik verstehen“ mit: „Krieg oder Frieden in Europa – Wer bestimmt auf dem Kontinent?“

POSITIONEN – Neuer Bestandteil einer wachsenden Gegenöffentlichkeit

Gäste mit Sachverstand und gesundem Menschenverstand waren: Willy Wimmer, CDU-Urgestein, ehemaliger Vize-Präsident der OSZE/KSZE und Autor des Buches „Wiederkehr der Hasardeure“; Mathias Bröckers, TAZ-Mitbegründer und Autor des Buches „Wir sind die Guten“; Dirk Pohlmann, Dokumentarfilmer für ARTE (z.B. „Täuschung – die Methode Reagan“) und ZDF und Dr. Daniele Ganser; Historiker und Friedensforscher aus der Schweiz, sein bekanntestes Buch: „NATO-Geheimarmeen in Europa – Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung“.

Eine hervorragende erste Sendung, Gratulation! Obwohl sie weit über zwei Stunden geht, hat sie in keiner Sekunde Längen – und verströmt schon gar nicht Langeweile. Spannend von der ersten bis zu längsten Minuten. „Positionen“ ist eine neues Bestandteil einer neuen, allmählich wachsenden – dringend benötigten gestärkten – Gegenöffentlichkeit. Chancen die uns das Netz bietet. Greifen wir zu, nutzen wir sie wie wir vielleicht längst schon die NachDenkSeiten mit Gewinn nutzen. Tun wir das, um uns zu ent – täuschen. Kehren wir Medien, die – wie Ken Jebsen in der Sendung einmal Ex-DDR Mediziner zitiert, die jetzt in der Schweiz leben, über die deutschen Medien urteilen – das Bild einer „Aktuellen Kamera 2.0“ (einstigen DDR-Nachrichtensendung) abgeben, den Rücken. Beziehungsweise bringen wir sie wieder auf einen Weg Richtung der Beschreibung „Vierte Gewalt“ zurück. Bedienen wir uns des gesunden Zweifels in Bezug auf die uns angebotenen Nachrichten und Informationen. Recherchieren wir selbst im Netz. Handeln wir nach Nietzsche: Gewöhnen wir uns an, alles perspektivisch zu sehen.

Angst überwinden, die inge selbst in die Hand nehmen

Daniele Ganser zeigt sich in zwar düsteren Zeiten eigentlich ganz optimistisch. Im Grunde genommen sieht er den Menschen als etwas Wunderbares an. Als ein Wesen an sich, dass in seiner Mehrheit doch eigentlich nur leben, lieben, seinen Wohlstand bescheiden mehren und in Frieden mit anderen friedlich zusammenleben wolle. Sprechen wir miteinander. Auch über unsere Zweifel und Bedenken. Und folgen wir Dirk Pohlmanns Rat, die Dinge auch verstärkt selbst in die Hand zu nehmen, wenn Regierende und Medien das nicht tun oder tun können. Das Internet gibt uns heute viele Werkzeuge an die Hand. Kümmern wir uns um unsere Demokratie noch bevor TTIP ihr – und dem Rechtsstaat – auch noch den Rest versetzen. Dazu müssen wir auch und zuallerst, da hat Dr. Daniele Ganser sehr recht, unsere Angst verlieren. Was bleibt noch zu schreiben: Es lohnt sich die Sendung anzuschauen. Man geht trotz bitteren Zustandsbeschreibungen durchaus nicht als Pessimist aus ihr heraus. Man sieht alles andere als eine „Aktuelle Kamera 2.0, wie man sie so inzwischen beim ZDF oder in DAS ERSTE ärgerlicherweise vorfindet. Versprochen!

Jauch geht zum Jahresende. Juckt es wen? Mich nicht. Meinem Blutdruck wird es zugute kommen.

Zur Sendung geht es hier.

Welt| Hitlergruß von V-Männern ist „unverzichtbar“

Lesetipp!

Avatar von (LB)LutzBucklitschProf. Dr. Hajo Funke

Die Regierung will, dass V-Männer des Verfassungsschutzes Straftaten begehen sollen, die typisch für Extremisten sind. Ansonsten könnte es für die Informanten gefährlich werden. Doch es gibt Grenzen.

Die massive Kritik an der geplanten Verfassungsschutzreform ruft die Sicherheitsbehörden auf den Plan. Wie die „Welt“ aus Sicherheitskreisen erfuhr, seien sogenannte V-Männer „unverzichtbar“, um in entsprechenden Milieus an Informationen über mögliche Gewalttaten oder Anschläge zu gelangen.

An diesem Montag beschäftigt sich der Innenausschuss des Bundestags in einer öffentlichen Anhörung von Experten mit dem von der schwarz-roten Regierung eingebrachten Gesetzentwurf. Dieser sieht als Reaktion aus den Ermittlungspannen rund um die rechtsextremistische Terrorzelle NSU unter anderem vor, die sogenannte Zentralstellenfunktion des Bundesamtes im Verfassungsschutzverbund zu stärken, den Informationsaustausch zwischen den Nachrichtendiensten zu verbessern und den Einsatz von V-Leuten strenger zu regeln.

Die Opposition hat das…

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„Der Irrtum“: 1038 Seiten exzellent geschriebene Literatur von Lutz Jahoda – Lesenswert!

Die Roman-Trilogie aus der Hand Lutz Jahodas ist in der edition lithaus erschienen; Foto: C.-D. Stille

Die Roman-Trilogie aus der Hand Lutz Jahodas ist in der edition lithaus erschienen; Foto: C.-D. Stille

Nicht zuletzt durch die Eskalation der Ukraine-Krise ist eine gefährliche Situation in Europa entstanden. Mit Europa, respektive der EU, welche sich aufgrund gleich mehrerer schwerwiegender Probleme selbst im Wanken befindet, steht es ebenfalls nicht eben zum Besten. Deswegen und darüber hinaus büßt die Institution beim Wahlvolk wegen Demokratiedefiziten stetig an Legitimation ein. Gewinner der sich abzeichnenden Misere dagegen sind zunehmend Parteien des rechten politischen Spektrums. Überwunden geglaubter Nationalismus keimt wieder auf. Sogar die Gefahr eines möglich werden könnenden dritten Weltkrieges wird hier und da an die Wand gemalt. Aber ist es auch  ohne eine solche – wohl eher nicht eintretende – Katastrophe nicht schon schlimm genug bestellt um Europa? Einer neuer Kalter Krieg – die Hauptverantwortung dafür liegt zweifelsohne beim Westen – hat bereits begonnen.

Neue Schlafwandler?

Der australische Historiker Christopher Clark hat in seinem Buch „Die Schlafwandler“ nach Erklärungen dafür gesucht  wie es zum Ersten Weltkrieg kommen konnte. Clark meint, die Handlungen (oder das Nichthandeln) der politischen Akteure in den wichtigsten Machtzentren des damaligen Europa, die dabei entstandenen Wechselwirkungen aufeinander sowie deren Versagen in entscheidenden Momenten und gravierende Fehleinschätzungen hätten seinerzeit dazu geführt, dass man sozusagen „schlafwandelnd“ in den Ersten Weltkrieg geraten sei.

Am ehesten nachvollziehbar für die Nachgeborenen werden einschneidende gesellschaftliche Veränderungen an Biografien einzelner Menschen vorheriger Generationen. Wie und unter welchen Bedingungen lebten sie etwa vor einem Krieg – wie in ihm, nachdem er vom Zaun gebrochen wurde?

Lektüre, die in die momentan hochbrisante Zeit passt

Der Zufall – oder soll ich schreiben: günstige Umstände? wollte(n) es, dass ich ausgerechnet in dieser momentan hochbrisanten Zeit (was leider viele meiner Mitmenschen überhaupt nicht zu bemerken scheinen) auf eine spannende und sehr gut erzählte Roman-Trilogie stieß. Für mich passte diese wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zur derzeitigen Krisensituation!

Multitalent Lutz Jahoda

Der dreibändige Roman trägt den Titel „Der Irrtum“. Geschrieben hat ihn ein bekannter DDR-Unterhaltungskünstler: Lutz Jahoda. In den Altbundesländern wird der Name des in Brünn/Brno geborenen grandiosen Künstlers – des Moderators, Schauspielers und Autors Lutz Jahoda leider wohl kaum geläufig sein. Nur eine von vielen bedauerlichen Fehlstellen. In der DDR dagegen war der Mann ein Publikumsliebling. Unterhaltungskünstler – gar noch Schlagersänger? Da werden manche an dieser Stelle vielleicht die Nase rümpfen. Denen empfehle ich wärmstens das Buch „Achtung! Vorurteile“ von Sir Peter Ustinov. Multitalent Lutz Jahoda selbst drückte es in seiner Autobiografie so aus: „Vorurteile kleben wie Schusterpech am Leben.“

Lutz Jahoda, 1927 geboren, aber – das walte Hugo: wie eh und je geistig-frisch,  nun aufs neunte Lebensjahrzehnt zu schreitend, versteht es fesselnd ausdrucksstark und stilsicher zu schreiben. Er hat historische Hintergründe im Kopf bzw. weiß sie anhand von Archivmaterial exakt einzuordnen. Jahoda  war stets und ist es  nach wie vor:  weltpolitisch hoch interessiert. Weshalb er Zusammenhänge und Vorgänge – und zwar auch nach wie vor die aktueller Natur – einzuordnen vermag. Ob er Lateiner ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber Jahoda dürfte dem in dieser Sprache verfassten Satz Nihil fit sine causa – Nichts geschieht ohne Grund – gewiss zustimmen. Nach einer erfolgreichen Karriere als Unterhaltungskünstler widmete sich Lutz Jahoda verstärkt dem Schreiben. Von vornherein hatte der gebürtige Brünner nämlich Journalist werden wollen. Doch ein sich schneller ergebendes Theaterengagement, das er annahm, setzte Jahoda auf ein anderes Geleis. Aber das Schreibtalent nutzte der vielseitige Künstler auch auf diesem gekonnt immer wieder.

Das Leben von Tschechen und Deutschen vor und in düsterer Zeit

Besagte Roman-Trilogie „Der Irrtum“ handelt von der Brünner Familie Vzor. Die Geschichte von Josef Vzor, dessen Frau, seiner Söhne, Freunde und Feinde –  die tatsächlich, wenn auch unter anderen Namen lebten, ist von Anfang an spannend erzählt. Nur „Handlung und Personen“, merkt der Autor an, „folgen einer fiktiven Dramaturgie.“ Was den dreibändigen Roman u.a. auszeichnet: er gibt aus eigenem Erleben – nämlich des Verfassers höchstselbst – heraus einen interessanten Einblick in das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen in der 1918 gegründeten Tschechoslowakischen Republik (ČSR). Das sicher nie ganz unproblematisch gewesen war, jedoch im Großen und Ganzen funktioniert hat. Doch die Zeiten sollten sich verdüstern: Am 15. März 1939 marschierten Truppen der faschistischen deutschen Wehrmacht in den Restteil der ehemaligen ČSR ein. Fortan – lange vierundsiebzigeinhalb Monate bis Fronleichnam 1945 – musste der Rumpfstaat den Namen Protektorat Böhmen und Mähren tragen. Das Leben der Menschen veränderte sich einschneidend. Selbstredend blieb auch die Familie Vzor nichtvon  teils tragischen Lebensereignissen  verschont. Die Beziehungen zu den tschechischen Mitmenschen  pflegte man zwar in der Regel mehr oder weniger weiter.  Doch wurden diese mehr und mehr von Misstrauen getrübt. In jener düsteren Zeit wurde Erbarmen und Menschlichkeit kleingeschrieben. Dennoch hatten Empathie und Liebe Platz in manchem Herzen. Schmerzhafte Erinnerungen ritzten die Umstände und Geschehnisse in die Seelen von Tschechen und Deutschen.

Jahoda versteht es die Leser mittels eines vorzüglichen Schreibstils an die Geschichte der Familie Vzor zu fesseln

Lutz Jahoda führt die Leser zunächst sanft in das Leben der Familie Vzor ein. Und es dauert gar nicht lange, da hat er uns mittels seines ganz vorzüglichen Schreibstils gepackt. Immer weiter lässt man sich – neugierig geworden –  in das Geschehen hineinziehen. Und man folgt den Zeilen eines so versiert zu Werke gehenden, im wahrsten Sinne des Wortes Schrift – Steller zu nennenden  Autors,  bald mit hüpfendem, dann wieder fast stehenzubleiben drohenden Herzen. Mir ging es so: Eigentlich wollte ich das Buch gar nicht mehr zuschlagen. Ich war  von dem ausgefeilten Schreibstil angesogen und überließ mich  dem Strudel mit Vergnügen. Mit bangend und hoffend, mitleidend mit den Protagonisten – fragend, was einem wohl zum Anhänger oder Mitläufer einer schlimmen Ideologie und derem Regime werden lassen kann – hängt man an dieser Geschichte von A bis Z.

Bis ins kleinste, selbst technische Detail perfekt erzählt

Der Untertitel des ersten Bandes „Das Schöne war nichts als des Schrecklichen Anfang“ lässt schon Düsteres vorahnen. Aber da gibt es immer einiges an Humorvollen, köstlich beschriebenen heiteren Augenblicken, die vorangegangene Vorahnungen für den Moment wieder vergessen lassen. Die Orte des Geschehens, die Stadt Brünn selbst und das Leben der Menschen – all das ist vom Autor so brillant beschrieben, dass man meint selbst mittendrin zu stehen in den Geschichten. Dazu immer wieder tschechische Wort- und Satzeinsprengsel. Lokalkolorit eben. All das, das  gesamte  Drumherum ist  perfekt bis ins kleinste und selbst technische Details hinein beschrieben. Die damalige Lebenssituation von Tschechen und Deutschen wird sehr klar wiedergegeben. So wird nachvollziehbar  wie das Eine mit dem Anderen – Bürger verschiedener Zunge, aber eines gemeinsamen Staates – neben oder miteinander ganz gut zu leben verstanden hatten. Und Jahoda erzählt, was sich an Rudimenten des Menschlichen davon selbst unter deutsch-faschistischer Besetzung noch zu erhalten vermochte.

Menschliches in unmenschlichen Zeiten

Darüber wird der Leser von Lutz Jahoda anrührend – immer auch die Ängste in lebensbedrohlichen Situationen mit transportierend – im Teil 2  mit dem Untertitel „Die Hütte Gottes bei den Menschen“ unterrichtet.

Trauriges Ende

Der dritte Teil „Nur die Toten durften bleiben“ nimmt seine Leser schlussendlich mit hin zum im ersten Band bereits angekündigtem Schrecklichen. Bei allem auch an Humor in Jahodas Text Vorkommenden: Wir haben es in seiner Gesamtheit doch eher mit einer traurigen Geschichte zu tun.

Epilog mit komödiantisch gefärbter Feder niedergeschrieben

Der dem dritten Teil hintan gesetzte Epilog lässt die Leserschaft aber dann immerhin mit einigermaßen Erfreulichem – dank sozusagen mit komödiantisch gefärbter Feder niedergeschriebenem Schlussakkord – wieder aus dem Strudel gleiten, welcher sie  1038 Seiten durchweg begeistert gefangen gehalten hat. Prädikat: Lesenswert! Literatur, welche zu unterhalten versteht, gleichzeitig fesselnd Geschichte nahebringt und höchsten literarischen Ansprüchen genügt. Sprachkultur vom Feinsten. Umgesetzt mit einem beim Lesen begeisterndem Schreibstil. Der Dreibänder schreit m. E. nach einer Verfilmung.

Erstklassiger Text zur Völkerverständigung

Dieser Text, obschon einige Jahre auf dem Markt, passt perfekt in unsere von Krisen erschütterte Zeit. Die Roman-Trilogie kann als ein erstklassiger Beitrag zur Völkerverständigung gelten. Tschechen und Deutschen mögen auch heute noch nicht völlig vom Druck und gegenseitigen Schuldzuweisungen, die aus jener von Lutz Jahoda beschriebenen Zeit herrühren, befreit sein. Psychologen haben dafür Erkenntnisse. Von Völkern erlittene Traumata lagern noch mehr oder weniger im Unterbewusstsein von deren Nachfahren. Nicht selten Jahrzehnte lang. Lutz Jahoda hat selbst Heimat, wie auch seine Heimatstadt Brünn verloren. Aber ein verbissener Vertriebener vergleichbar mit der Berufsvertriebenen Erika Steinbach, die anscheinend wenig dazu gelernt hat, ist er nie gewesen. Denn er  wußte und weiß um Ursache und Wirkung. Hat es selbst erlebt. Krieg rangierte vor Vertreibung. Freilich weiß Jahoda, dass auch den Deutschen  Unrecht widerfuhr. Als man sie aus der Nachkriegstschechoslowakei austrieb und viele von ihnen unweit von Brno im Straßengraben ihr Leben aushauchten. Jahoda klagt nicht an. Nein. Er schrieb dieses in so gut wie in jeder Hinsicht empfehlenswertem Dreibänder „Künftigen Generationen zur Mahnung“. Nicht nur an die Adresse an die nachfolgenden Generationen Deutschlands und Tschechiens gerichtet, sondern auch an die aller „Bürger in mehrsprachigen Ländern. In der Hoffnung auf ein gesund zusammenwachsendes friedliches Europa in einem Klima weltumspannender Duldsamkeit“, wie zu lesen steht.

Jahoda zu  lesen ist eine Bereicherung

Doch lernt der Mensch aus seinen Fehlern? Eingangs war von den derzeitigen Krisen Europas, der der  EU und sogar von Kriegsgefahr die Rede. Lutz Jahoda muss nun gegenwärtig  beinahe Tag für Tag mitansehen, dass  das von ihm so sehr gewünschte „friedliche Europa in einem Klima weltumspannender Duldsamkeit“ in immer weitere Ferne rückt. Dass von früheren Herrschern schon einmal gemachte Fehler in ähnlicher Weise von den derzeit Regierenden wiederholt werden. Wer Jahoda auf Facebook folgt, kann dazu seine pointierten von hohem Geschichtswissen und politisch wie humanen Einfühlungsvermögen hintersetzten Kommentare lesen. Wie dessen Zeilen in seinen Büchern sind auch diese intelligenten kurze Texte von hoher Sprachkultur geprägt. Weshalb sie auf den Punkt sitzen. Vielleicht sollten die Herrschaften, von denen wir uns derzeit regieren lassen müssen, sich diese einmal zu Gemüte führen. Beim G7-Gipfel zum Beispiel. Ich wiederhole mich: Jahoda lesen ist eine Bereicherung. Als Urlaubslektüre durchaus zu empfehlen. Womöglich werden die drei Bände nicht reichen.Weil man sie regelrecht verschlingt. Tipp: Auch Jahodas andere Texte sind nicht minder lesenwert.

Das Buch:

Lutz Jahoda

DER IRRTUM Band 1 – 3; erschienen bei edition lithaus

Mehr zu Lutz Jahoda auf seiner Website.

Von Ignoranz getroffen

Empfehlung!

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Flut

Kommentar

Wenn das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine „Unterrichtung“ formuliert, ist Vorsicht geboten. Oder ist das Ministerium zu doof? Verschweigen sie nicht nur die Realität, die eine Masse an Menschen tagtäglich beschreiben – scheitern sie nun auch noch daran, der Gesellschaft einen Plan vorzulegen, mit dem eine menschenwürdigere Gesellschaft erschaffen werden kann. Haben sie die Zeichen der Zeit nicht verstanden, nämlich, dass sie nur Glaubwürdigkeit herstellen können, wenn Sie den Tatsachen ins Auge sehen? Das Gegenteil ist der Fall.

Die Gesellschaft erlebt gerade, wie ein Bundesministerium, die Politik, mit einer ausgeklügelten Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit versucht, die Menschen zu verschaukeln. Da kritisieren sie, dass die Tätigkeit in den Jobcentern von der Öffentlichkeit nicht immer angemessen gewürdigt wird. Die Wallraff-Sendung überzeichne und stelle gezielt Negativbeispiele heraus. Da lancieren sie, dass viele Langzeitarbeitslose Unterstützung brauchen – gerade durch psychosoziale Betreuung und niedrigschwellige Einstiege. Ohne mit den Wimpern zu zucken…

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Lügen, Diffamierungen, unverhohlene NATO-PR: Ein Abend bei den ZDF heute-Nachrichten

Zur Kenntnis!

Avatar von DokDie Propagandaschau

Wer noch immer meint, Unwahrheiten, Einseitigkeiten, Verschweigen, Lügen oder das freche Fabrizieren von Nachrichten – kurz gesagt: Propaganda -, sei die Ausnahme in den öffentlich-rechtlichen Sendern, muss sich zum ersten Mal auf diesen Blog verirrt haben und in einer medialen Scheinwelt leben, die man analog aus Platons Höhlengleichnis kennt.

Am Beispiel der ZDF „heute“-Sendung vom Mittwoch, werden wir hier dokumentieren, mit welchen Unwahrheiten, Verzerrungen und anderen Methoden der Staatssender in Mainz arbeitet, um Bürger im Sinne der Herrschenden zu manipulieren.

Hinweis auf Korruption bei Vergabe der WM an Russland werden herbei gelogen

Die Sendung beginnt mit der Meldung von der Rücktrittsankündigung des FIFA-Präsidenten Josef Blatter. Für die faktenlose Kampagne der Staatsmedien ist das – vergleichbar zur Hetzjagd auf den ehemaligen Präsidenten Wulff – ein voller Erfolg. Neben der Vergrößerung des Einflusses der UEFA und Deutschlands innerhalb der FIFA, geht es bei dieser Kampagne auch um die politische Skandalisierung und Verhinderung…

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