Wohnungspolitik für Immobilienhaie: Rendite durch Mangel

Die Wohnungskrise in Deutschland spitzt sich zu. Gebaut wird zu wenig, der Mangel wird größer, die Mieten schnellen weiter hoch, politische Versprechen bleiben Sonntagsreden. Nach kurzer Flaute steigen auch die Immobilienpreise wieder. Das hilft Spekulanten, Banken und Immobilienhaien.

Von Susan Bonath

Der Abwärtstrend bei den deutschen Immobilienpreisen ist nach zwei Jahren Flaute offenbar gestoppt. Das legen neue Erhebungen des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (VDP) und des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) nahe. Zugleich sorgt eine stoisch untätige Politik dafür, dass sich der Wohnraummangel zuspitzt, was die Mieten immer höher treibt. Banken und Spekulanten dürfen auf höhere Renditen hoffen, Deutschlands Mieter werden weiter abgezockt.

„Stabilität“ durch Wohnraummangel

Laut VDP-Daten für das zweite Quartal 2024 ist der kurzzeitige Rückgang bei den Immobilienpreisen seit Anfang dieses Jahres wohl endgültig gestoppt. Es geht wieder nach oben, wenn auch nicht in jeder Großstadt und regional sehr unterschiedlich. VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt will noch keine „Trendumkehr“ ausrufen. Aber, so erklärte er, „die schwierige Lage“ entspanne sich.

Der BVR spricht von einer „schleppenden Erholung der Wohnimmobilienpreise“. Der Verband sieht „den Markt“ zwar weiterhin von hohen Zinsen belastet. Doch BVR-Präsidentin Marija Kolak ergänzte: „Wir sehen, dass sich die Preise langsam stabilisieren und nicht weiter sinken, vor allem weil der Wohnraummangel weiter zunimmt“.

Jetzt, plädierte Kolak, müsse allerdings das Bauen günstiger werden: weniger Vorschriften, geringere Grunderwerbssteuer, mehr staatliche Förderung. Mit anderen Worten: Der Staat möge einmal mehr ganz marktgerecht denen unter die Arme greifen, die sich den Eigenbau noch leisten können.

Die weniger betuchten Opfer der Wuchermieten hingegen sollen zusehen, wo sie bleiben – zum Beispiel in Berlin, wo sich die kalten Quadratmeterpreise in den letzten zwölf Jahren auf durchschnittlich fast 13 Euro pro Monat verdoppelt haben – und immer noch ungebremst steigen, zur Freude von Immobilienhaien.

Leere Wahlversprechen

Seit Jahren klagt der Deutsche Mieterbund (DMB) über einen Höhenflug der Mietpreise, insbesondere in Großstädten. „Wir brauchen dringend Begrenzungen der Mieterhöhungsmöglichkeiten, und zwar sofort“, forderte DMB-Präsident Lukas Siebenkotten Ende Juni bei der Vorstellung neuer Daten für das Jahr 2022. Außerdem warte er noch immer auf die versprochene Wohnungsbau-Offensive. Beides, so mahnte er, habe die Ampel in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart.

Doch an der Umsetzung hapert es nicht nur, sie ist offenbar nun ganz vom Tisch. Ein Gesetzentwurf gegen Mietwucher verstaubt offenbar in der Regierungsschublade. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) empfahl erst Ende Juli allen Mietern, denen ihre Wohnung in der Stadt zu teuer werde, doch einfach raus aufs Land zu ziehen. Dort stünden angeblich zwei Millionen Wohnungen leer, behauptete sie.

Dass es auf dem Land nicht nur an Arbeitsplätzen mangelt, sondern auch an Nahverkehr, Kindertagesstätten, Ärzten, Krankenhäusern, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, dies seit langem und immer mehr, ist bekannt. Auch daran hat sich, trotz Klagen und politischer Versprechen, nicht viel verändert.

Flucht aufs Land

Das dem Kapital nahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berichtete jüngst, dass Mietwohnungen vor allem in größeren Städten immer knapper und teurer werden. Vielen Menschen bleibt da gar nichts anderes übrig, als die Flucht aufs Land – was dann letztlich auch dort die Preise in die Höhe treibt.

Laut SWR zum Beispiel flüchten immer mehr finanziell überlastete Städter in Baden-Württemberg in die Provinz. Es herrsche ein regelrechter Abwanderungstrend aus teuren Metropolen, heißt es. Trotzdem schießen die Preise dort immer weiter hoch und belasten freilich die Ärmeren am stärksten.

Überflüssiges Extraministerium

Nun werfen Politiker bekanntlich gern den Armen vor, sich einfach nicht genügend anzustrengen. Weshalb sie dann die Peitsche zücken, beispielsweise mit den Hartz-IV-, heute Bürgergeld-Sanktionen oder Arbeitslosengeld-Sperren. Die Selbstreflexion ist hingegen sehr viel geringer ausgeprägt. So schuf die Ampel extra ein Bauministerium auf Steuerzahlerkosten, das offensichtlich überflüssig ist.

Dieses erste eigenständige Ministerium dieser Art trat vor zweieinhalb Jahren an, um eine große „Offensive“ zu starten: 400.000 neue Wohnungen pro Jahr sollten gegen den Mangel entstehen. Obwohl selbst das zu wenige gewesen wären, erreichte Geywitz’ Haus in keinem Jahr auch nur annähernd dieses Ziel. Ihre Ausrede kürzlich gegenüber der Osnabrücker Zeitung: „Es ist auch viel umweltfreundlicher, vorhandene Häuser zu nutzen, statt neue zu bauen.“

„Bätschi – das wird ganz schön teuer!“

Das ist mal eine klare Botschaft an Betroffene: Hey, ich hab’ darüber noch mal nachgedacht und wir bauen die versprochenen Wohnungen nun doch nicht, wegen der Umwelt und so. Man spürt den Stinkefinger förmlich und hört ihre Parteikollegin Andrea Nahles, heute Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), noch raunen: „Bätschi, sag’ ich dazu nur, und das wird ganz schön teuer!“

Zusammenfassen lässt sich das wie folgt: Mietpreisbremsen, die nichts bremsen, Konzepte, die in der Schublade versauern, und ad acta gelegte Wohnungsbauvorhaben machen viele ärmer und schaffen ein Mekka für Mietwucher, Immobilienhaie, Spekulanten und Banken. Das ist Reichenpolitik, wie sie im Buche steht. Ob das vielleicht der wahre Plan der Bundesregierung war? Das wird sie uns wohl nicht verraten.

Quelle: RT DE

Foto: ©Claus Stille

Hinweis: Gastbeiträge geben immer die Meinung des jeweiligen Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.

Misswirtschaft: Ampel bittet Opfer ihrer Politik zur Kasse

Energiekrise, Teuerung, Massenentlassungen, mehr Arme und Arbeitslose, zugleich Fachkräftemangel: All das verantwortet die Bundesregierung maßgeblich selbst. Doch statt die Ursachen zu bekämpfen, setzt sie auf bekannte „Strategien“: Die „kleinen Leute“ sollen blechen.

Von Susan Bonath

Wenn die Regierung eine Energiekrise mit Sanktionen herbeiführt und Unternehmen in die Pleite oder Flucht treibt, ist es nur logisch, dass dann viele Jobs verschwinden und die Arbeitslosenzahlen steigen. Diese Folgen werden in Deutschland immer spürbarer. Doch die selbstgeschaffenen Ursachen interessieren die Ampel nicht. Sie lässt, wie gewohnt, die Betroffenen für die Folgen ihrer Politik bezahlen.

Stellenabbau überall

Ob bei Infineon oder Thyssen-Krupp, bei Esprit oder Dunkermotoren: Immer mehr Arbeitsplätze verschwinden in oder aus Deutschland. Der Stellenabbau nimmt Fahrt auf, die Arbeitslosenzahlen steigen wieder.

Das erhöht auch das Erpressungspotenzial für die Konzerne, die sich trotzdem noch in Deutschland ansiedeln wollen. Sie halten die Hände auf für erkleckliche Summen aus den steuerfinanzierten Subventionstöpfen. Immer mehr Geld verschenkt der deutsche Staat mit Vorliebe an milliardenschwere DAX-Riesen, während der Mittelstand zusehen muss, wo er bleibt.

Steuerzahler subventionieren Konzernprofite
Ein Beispiel ist der Intel-Konzern. Rund ein Drittel seiner anvisierten Investionssumme von 30 Milliarden Euro für ein Werk in Magdeburg, Sachsen-Anhalt, will der Halbleiter-Hersteller als Geschenk vom deutschen Steuerzahler mitnehmen, ganze zehn Milliarden Euro. Das ist mehr als ein Drittel der jährlichen Gesamtausgaben für fast sechs Millionen Menschen, inklusive Kinder, in sogenannten Bürgergeld-Bedarfsgemeinschaften.

Wie viele Arbeitsplätze dabei rausspringen werden, steht allerdings noch in den Sternen. Überhaupt: Es könnte sein, dass Intel kurzerhand noch aussteigt aus dem Vorhaben. Es läuft wohl insgesamt nicht ganz so gut mit der Rendite. So ist der Konzern gerade im Begriff, weltweit 15 Prozent seiner Mitarbeiter zu entlassen.

Es ist das übliche Prozedere: Kosten sparen und Rendite steigern durch Stellenabbau und Steuergeschenke. Anders ausgedrückt: Der Steuerzahler subventioniert Konzerngewinne und zahlt die Zeche. Ganz zu schweigen von ausgeprägten Steuerflucht-Tendenzen bei den superreichen Profiteuren.

Geschönte Arbeitslosenzahlen

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit folgt auf dem Fuße. Noch läuft es schleichend. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) klagt seit Monaten über eine „schwache Konjunktur“ und einen stärkeren Zuwachs an Erwerbslosen als „saisonal üblich“, zuletzt im Juli. Das Schönrechnen der Zahlen ist dabei Programm: Denn wer zwar eigentlich ohne auskömmlichen Job ist, aber gerade arbeitsunfähig oder nur geringfügig beschäftigt, fällt aus dieser Statistik heraus.

Rechnet man zu den offiziell gut 2,8 Millionen Arbeitslosen die Krankgeschriebenen, Kinder Erziehenden oder Angehörige Pflegenden ohne Job hinzu, kommt man laut BA auf 3,6 Millionen Betroffene. Zudem verfügen mehr als 4,2 Millionen Menschen ausschließlich über einen Minijob, von dem sie nicht leben können.

Die realistische Arbeitslosenzahl dürfte somit in etwa bei acht Millionen liegen, dazu noch eine unbekannte Dunkelziffer – Tendenz steigend. Diesen standen im Juli rund 700.000 bei der BA gemeldete offene Stellen gegenüber, ein beachtlicher Teil davon nur Teilzeit, befristet oder geringfügig, ein anderer Teil für hoch spezialisierte Fachkräfte, die ein Studium oder andere, lange akademische Ausbildungen voraussetzen. Die BA verzeichnet seit einiger Zeit wieder einen Rückgang der Jobangebote.

Deutschland verrottet

Wäre der Bundesregierung daran gelegen, Wirtschaft, Arbeitsplätze, auskömmliche Löhne und hart erkämpfte soziale Rechte zu sichern, den Wohlstand für alle zu erhöhen, statt die Schere zwischen Arm und Reich zu vergrößern, könnte sie einiges dafür tun, zum Beispiel: die preistreiberischen Sanktionen auf russische Energieträger aufheben; in Soziales, Gesundheit, Bildung und Infrastruktur investieren; passende Ausbildungen fördern; die Kaufkraft durch gute Mindestlöhne und binnenwirtschaftliche Investitionen stärken, und so weiter.

Das tut die Ampel und taten ihre Vorgängerregierungen allerdings nicht. Man kann die Folgen gar nicht alle aufzählen, daher nur ein paar Beispiele. Bahn, Straßen und Schulen verrotten, die Lücke zwischen Bedarf an bezahlbaren Wohnungen und ihrem Bau wächst jährlich, Krankenhäuser gehen pleite. Der Mangel an Lehrern und Pflegekräften spitzt sich zu, die Preise steigen schneller als die Löhne, wachsende Armut produziert immer mehr soziale Verwerfungen und Kriminalität.

Die Ampel als Beschleuniger des Niedergangs

Mehr noch: Die Regierung tut alles dafür, um den wirtschaftlichen und sozialen Niedergang in Deutschland zu beschleunigen. Die vor allem von der Mittelschicht kassierten Steuergelder pumpt sie über Subventionen, Rüstungsausgaben und so weiter in wachsendem Umfang in die Taschen der superreichen Profiteure anstatt in die Bedürfnisse der Gesellschaft. Gespart wird fast ausschließlich bei den Ärmeren.

So kürzt sie etwa, trotz des Fachkräftemangels und der wieder wachsenden Arbeitslosigkeit, ausgerechnet Milliarden für die Ausbildung von Bürgergeldbeziehern, zugleich verschärft sie die Repression gegen sie. Damit subventioniert die Ampel nicht zuletzt das in Deutschland sehr beliebte Lohndumping – die Großkonzerne freut’s.

Überhaupt für alles, was die „kleinen Leute“ brauchen, gilt die Schuldenbremse, derweil das Geld für Profiteure locker sitzt – Zuckerbrot für Superreiche, die Peitsche für die Lohnabhängigen. Und nebenher das unerträgliche Gerede von alternativlosen Notwendigkeiten: Den Gürtel enger schnallen für den gelobten Markt soll wieder nur der „kleine Mann“.

Quelle: RT DE

Beitragsbild: ©Claus Stille

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Lesenswerter Erstling von Gabriele Günther „Fassadenbrüche“ – Rezension

Geht ein Jahr zu Ende, bilanzieren Menschen nicht selten. Was war gut, was war eher schlecht an diesem nun ausgehenden Jahr? Es wird durchaus oft ein Fazit gezogen: Da ist noch Luft nach oben!

Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, keimt sie an Silvester auch immer wieder auf. Da wird auf das vor der Tür stehende neue Jahr geblickt und bestimmte Gedanken, welche man vielleicht schon des Längeren mit sich herumgetragen hatte, gerinnen unter dem Druck des bevorstehenden Jahreswechsels enthusiastisch zu Vorsätzen, die man sich fürs neue Jahr vornimmt bestimmt in die Tat umzusetzen.

Heißt es nicht in der ersten Strophe des Gedichts «Stufen« von Hermann Hesse:

[…] „Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe // Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, // Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern // In andre, neue Bindungen zu geben. // Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, // Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ ( via lyrikline.org)

Na, also?

Ich, für mein Teil, muss sagen, dass ich es bereits länger aufgeben habe, Vorsätze fürs neue Jahr zu formulieren. Schon deshalb, weil man sich ja immer selbst mitnimmt ins neue Jahr. Mit allen Ecken und Kanten. Man kennt das ja, wenn man in den Urlaub fährt, um Abstand zu gewinnen. Abstand von sich selbst und eine neuer Mensch werden? Das gelingt selten bis nie. Doch bitte: Jede/r wie sie/er mag …

Dass ich mir in Sachen Vorsätze wieder (rückblickende) Gedanken machte, verdanke ich einem Video von Michael Seidel, welcher für seinen You Tube – Kanal „Hier ist mein Land“, die spät berufene (ein Glück für uns, dass sie den Schritt wagte!) Schriftstellerin Gabriele Günther zu Gast hatte. Es wurde u.a. über deren Debütroman „Fassadenbrüche“ gesprochen. Das machte mich neugierig. Nun habe ich das Buch ausgelesen und bin wirklich hellauf begeistert von dem Roman!

Zum Buch

Eine Silvesterfeier unter Freunden. Die Frage nach den Vorsätzen für das neue Jahr wirft Konflikte auf. Am Neujahrsmorgen steht das Versprechen, sich in einem Jahr am selben Ort wiederzutreffen. In diesen zwölf Monaten brechen alte Wunden auf und es zeigen sich ungeahnte Abgründe in ihrer scheinbar perfekten Welt.

Ein Jahr später lösen sie ihr Versprechen ein, aber nichts ist mehr, wie es einmal war. Ein tiefgründiger Roman über Freundschaft, Liebe und die Unvorhersehbarkeit des Lebens.

Was nicht zu viel versprochen ist!

Der Roman ist gut konzipiert. So, dass uns die sieben darin vorkommenden Personen in nicht allzu lang geratenen Kapiteln vor (auch via Rückblenden) Augen geführt, bekannt gemacht und samt ihrer Charaktere immer deutlicher gezeichnet werden. So können wir bald deren Denken und Fühlen nachvollziehen, wenn wir persönlich hier und da auch womöglich versucht sind zu meinen, wir hätten anders gehandelt. Doch Vorsicht! Wir stecken ja nicht in der Haut der anderen.

Ich muss gestehen, dass die Handlung mich ab und an triggerte und bei mir Lebenserfahrungen und Geschehnisse aus meinem eigenen Leben herbeirief. Durchaus auch schmerzhafte Erinnerungen – aus gutem Grund ins Unterbewusstsein Verdrängtes – stiegen in mir auf.

Von Anfang an wird im Roman die Spannung geschickt aufgebaut, gehalten und sogar noch gesteigert, an Stellen, wo es sozusagen ans Eingemachte, auch Schmerzhafte geht. Man möchte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Wir Rezipienten reflektieren das Handeln der jeweiligen Personen und sind zuweilen versucht uns zu fragen: Wie würden wir jeweils gehandelt haben in diesem oder jenem Fall?

Wer den Roman verinnerlicht wird sich hüten den Stab über die einzelnen Protagonisten zu brechen, noch die Nase über ihr Handeln zu rümpfen, noch sie unkritisch in den Himmel heben. Schließlich kann so manches, was darin zur Sprache gebracht wird, uns selbst auch passieren. Im Türkischen heißt es: „ Yaşamak zor“ (Zu leben ist schwer) Das walte Hugo!

Auch wenn man das Leben anscheinend leicht nimmt. Unerwartete Einschläge verschiedenster Art können einen früher oder später ereilen. Mag man davor auch noch so viele Pläne gemacht haben.

Besonders berührte mich der Roman, weil ich mich selbst in der Altersphase der Romanfiguren – über 50, über 60 – befinde.

Was keinesfalls heißen soll, dass der Roman kein Lesestoff für Jüngere wäre.

Das Romanpersonal agiert während der Silvesterfeier bei Claudia und Johan hinter ihrer jeweilige Fassade. Welche mehr oder weniger sozusagen potemkinsch ist, wie die Gespräche der Gäste vorsichtig erahnen lassen. Hinter den eine stimmige Beziehung reflektierende Fassaden sind bröckelnde Brüche verborgen. Manch einer wird dergleichen vielleicht auch schon auf Feiern erlebt haben.

Nebenbei bemerkt musste ich dabei an eine in meiner Heimatstadt zu DDR-Zeiten anlässlich irgendeines Republik-Geburtstages zu einem Boulevard aufgemotzte Straße denken. Hinter den frisch renovierten Fassaden der alten Häuser blieb die unveränderte in die Jahre gekommene, dahin bröselnde Altbausubstanz versteckt.

Bald begannen auch die Fassaden Brüche zu bekommen. So auch im Roman.

Was in einzelnen Kapiteln durch sich Mal um Mal verlängernde Bruchlinien auf den jeweiligen Anfangsseiten angedeutet wird.

Bei der Alleinstehenden Katarina wird schon auf den ersten Seiten des Buches klar, dass sie, um den Schein zu wahren, Alkohol, viel Alkohol nötig hat. «Bevor sie auf die Silvesterfeier ging, hatte sie vorgeglüht. Mit Wodka. Den riecht man nicht«, lesen wir auf Seite 19.

Auf der Feier dann nutzt sie Toilettengänge (sie schob eine angebliche Blasenentzündung vor) , um ihreb Alkoholspiegel aufzufüllen. «An der Garderobe hing ihr Mantel mit beidseits großen Taschen. Darin versteckt war jeweils ein mit Wodka gefülltes Fläschchen. Gleich am Anfang des Abends hatte sie eins davon im kleinen Mülleimer deponiert, der neben der Toilette stand, und sorgfältig mit Toilettenpapier bedeckt. So musste sie nicht jedes Mal an der Garderobe vorbei.«

Wir ahnen: Katarina ist auf einer gefährlich schiefen Ebene. Ein Absturz ist wahrscheinlich …

Johan auf der Feier: «Was sind eure Vorsätze für das neue Jahr?«

„Es fielen die gängigen Schlagworte. Abnehmen, sich gesünder ernähren, nicht mehr rauchen, weniger Alkohol, mehr Sport, weniger Stress im Beruf. Immer wieder das Gleiche, jedes Jahr aufs Neue, dachte Johan.“

Später meint er: „Diese Dinge, weniger Alkohol, keine Zigaretten, mehr Sport, das alles sei so banal. Das nehme sich jeder in jedem neuen Jahr wieder vor, zumeist ohne Erfolg. Möchte niemand von allen irgendetwas tun, was er bisher nie im Leben getan habe, niemand seinen einen Traum erfüllen, der immer schon geträumt worden sei? Wolle niemand jemals im Leben etwas Verrücktes machen, was er schon immer tun wollte, wozu aber keine Zeit gewesen sei oder der Mut gefehlt?“

Und Johan lässt die Bombe platzen: Er möchte nur mit einem Rucksack eine lange Zeit wandern gehen auf Kreta. Allein. Ohne Claudia. Die ist geschockt. Stimmt aber letztlich zu. Sie nimmt sich vor zu Schreiben. Und das gelingt ihr. Auch der Text von Claudia „Die Hexe von Santorini“ ist Gabriele Günther perfekt geraten. (S.235) Die verehrten Leserinnen und Leser dürfen gespannt darauf sein, wie das wohl für Claudia und Günther ausgeht! Und da ist dann noch was ...

Fassaden hin oder her. «Alles ist möglich. Aber nix is fix«, heißt es in einem Songtext von Rainhard Fendrich.

In den zwölf Monaten nach diesem Silvester brechen bei manchen der Romanfiguren alte Wunden auf. Keimen Hoffnungen kurz und zerstieben wieder. Ein immer verschwiegenes Trauma aus Kindheitstagen hat eine der Personen zu einer heimlich ausgeübten Abhängigkeit verführt, welche ertappt dabei auf Empörung und Verachtung trifft. Diese Person selbst stößt an (s)eine Grenze.

Spannend, tief berührend und glaubhaft erzählt.

Auch von einem neuen Glück, welches einer Romanfigur widerfährt und sogar Nachhaltigkeit verspricht, erzählt der Roman.

Unbedingt erwähnt werden muss die perfekte grafische Gestaltung des Covers und des Buches insgesamt.

Das Buch

Fassadenbrüche

von Gabriele Günther

Mehr zum Buch

15,90 € inkl. Mwst.

PROOF Verlag Erfurt

ISBN-10

Enthält 7% Mehrwertsteuer

zzgl. Versand

Lieferzeit: ca. 2-3 Werktage

Bei Lieferungen in Nicht-EU-Länder können zusätzliche Zölle, Steuern und Gebühren anfallen.

Wer ist Gabriele Günther?

Gabriele Günther, 1956 in Fürstenberg/Havel geboren, kommt mit vier Jahren nach Süddeutschland. Nach dem Besuch des Gymnasiums verbringt sie zehn prägende Jahre in Berlin. Sie lebt in dritter Ehe in Baden-Württemberg. Eine Tochter, ein Sohn, zwei Enkel.

Nach ihrem Berufsleben als Physiotherapeutin und Heilpraktikerin mit zwei eigenen Praxen widmet sie sich dem Schreiben. Ihre Inspiration: der ganz normale Alltag der deutschen Mittelschicht, Beobachten, Reden, Erleben, Zuhören, Mitfühlen, Nachdenken. Oder um Erich Kästners Fabian aufleben zu lassen: Die Fähigkeit, durch Wände in Wohnzimmer zu schauen, wäre nichts im Vergleich zur Fähigkeit, das Gesehene zu ertragen.

Von Herzen gern gebe ich hier eine unbedingte Leseempfehlung für Gabriele Günthers Erstlingsroman. Und ich rufe Gabriele Günther zu: Weiterschreiben!

Was sie übrigens dankenswerterweise bereits getan hat.

Von Dragoslav „Stepi“ Stepanović, einst Trainer von Eintracht Frankfurt, stammt der Spruch für die Ewigkeit: „Lebbe geht weider“.

So auch für die „Fassadenbrüche“:

Fassadenbrüche – Und irgendwie gehts weiter

von Gabriele Günther

In „Fassadenbrüche – Und irgendwie geht’s weiter“ setzt Gabriele Günther die packende Geschichte fort und gewährt tiefere Einblicke in die komplexen Charaktere und ihre Geheimnisse. Atemlos begleiten wir sie durch ein Jahr voller überraschender Wendungen, Glück und Unglück, verheerender Entscheidungen und fataler Konsequenzen. Ein Roman über die nie endende Suche nach Liebe, Glück und Selbstverwirklichung. Er erzählt von den Zeiten des Übergangs, des Wartens, Hoffens und Loslassens und davon, wie sehr sich Liebe und Hass ähneln. Seien Sie gespannt auf neue Wendungen, emotionale Momente und eine fesselnde Handlung, die Sie nicht mehr loslassen wird.

Hinweis: Eine Rezension auch zum neuen Buch demnächst hier auf diesem Blog.

Autorinnenfoto: Birgit Müllerschön

Anbei:

Gabriele Günther bei Michael Seidel (#HieristmeinLand) zu Gast

Interview mit Ulrich Sander – Zeitzeuge zur Geschichte der VVN

Meinen verehrten Leserinnen und Lesern empfehle ich ein Video mit einem Gespräch, welches vom Fritz Bauer Forum mit seinem Kameraden Ulrich Sander im Jahre 2022 geführt wurde.

Es dauert mehr als zwei Stunden, doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn Ulrich Sander ist ein bemerkenswerter Zeitzeuge zur Geschichte der VVN-BdA. Das Fritz Bauer Forum stellt ihn wie folgt vor: Ulrich Sander, Journalist, Autor und von 2005 bis 2020 Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, erzählt im Interview seine Lebensgeschichte.

Dabei spricht, der in Hamburg geborene Sander, über sein Jahrzehntelanges antifaschistisches Engagement und den Skandal um die Gemeinnützigkeit des VVN-BdA. Ulrich Sander war Mitglied der KPD, Mitbegründer der SDAJ und ist heute Mitglied der Partei „Die Linke“, immer im Fokus seines Handelns dabei die Aufarbeitung der Verbrechen der Nationalsozialisten.

Quelle: VVN – BdA Landesvereinigung NRW

IALANA: Chinas Initiative zum völkervertraglichen Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen aufgreifen!

China hat bislang wiederholt betont, dass es Atomwaffen nur zur Verteidigung entwickelt und stationiert.

Nunmehr hat der chinesische Vertreter auf dem 2. Vorbereitungstreffen zur 11. Überprüfungskonferenz zum NPT im Juli 2024 vorgeschlagen, alle fünf offiziellen Atomwaffenstaaten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sollten vertraglich auf den Ersteinsatz von Atomwaffen verzichten. IALANA fordert die Bundesregierung auf, dieser Forderung zuzustimmen und die Verbündeten USA, Frankreich und Großbritannien aufzu-fordern, diesem Vorschlag aufzugreifen und derartige Verhandlungen zu beginnen.

Die USA und die NATO weigern sich bisher diesen Schritt zu gehen. Angesichts der wachsenden strategischen Spannungen ist jedoch eine vertrauensschaffende Maßnahme dringend geboten. Ein völkervertraglicher Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen würde das besonders für Deutschland bestehende Risiko eines Atomkrieges erheblich senken.

Ein derartiger Vertrag wäre ein wichtiger, aber nur kleiner Schritt auf dem Wege der vollständigen Abrüstung aller Atomwaffen unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle. Dazu bleiben alle Staaten der Welt, insbesondere aber die Atomwaffenstaaten völkergewohnheitsrechtlich verpflichtet. Der Internationale Gerichtshof hat in seinem auf Ersuchen der UN-Generalversammlung erstatteten Gutachten 1996 die Verpflichtung aus Art. 6 NPT zum universellen Gewohnheitsrecht erklärt. Die Weigerung der Atomwaffenstaaten, derartige Verhandlungen auch nur zu beginnen, ist ein schwerwiegender Verstoß gegen das Völkerrecht.

Quelle: PM IALANA Deutschland, Berlin, den 9.8.2024

Beitragsbild: Zerstörung durch die Atombombe auf Hiroshima (via Pixelio.de)

Pistorius ist ein Angstmacher, und Angst ist ein Gehirntöter

Der Bannerträger vieler kriegslüsterner Ostlandreiter in Regierung und Opposition will es nicht wissen: Russland ist nicht unser Feind

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Die manische Fixierung auf ‚Sicherheit‘ hat zu einer lähmenden Kultur der Angst geführt. Sie verzerrt die Entscheidungsfindung auf allen Ebenen der Gesellschaft. Gleichfalls gesichert ist, dass Angst schnell in Aggressivität umschlägt. Für Deutschland gilt das allemal. In seinem Angstklima funktionieren die Massenmedien als Verstärker. Sie verklappen die staatliche Propaganda-Dünnsäure als Nachrichten im Publikum. 79 Jahre nach der letzten deutschen Katastrophe locken sie damit die Russenhasser, Militaristen und unverbesserlichen Kriegstreiber wieder aus ihren Löchern. Und die machen sich die weitverbreitete zeitgeschichtliche Unkenntnis und Unfähigkeit zu politischer Analyse zunutze. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.

Liebe Leser, wer ist Ihnen sympathischer: Der ehrliche Faschist oder der verlogene Fassadendemokrat? Eine recht dumme Frage, die aber unterstreicht: Oben wird das miese Niveau des deutschen Politgeschwätzes von ministeriellen Lügenbeuteln gedeckelt und nach unten von journalistischen Schwachköpfen offengehalten. Die dümmsten Sprüche sind gerade gut genug, um die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen. Black-Rock-Absahner Friedrich Merz, CDU, über Deutschlands Nachschub für den Ukraine-Krieg:

Jemand, der Waffen liefert, eskaliert nicht, sondern hilft, diesen Konflikt einzudämmen.

Den traditionell leichtgläubigen, manipulierbaren Deutschen erfolgreich weisgemacht zu haben, dass Waffen zum Frieden führen, zeigt die bösartige Dreistigkeit der Herrschenden und die uferlose Tumbheit der Beherrschten. Was denn, was denn: „Krieg bekämpft man mit Krieg, Bomben mit Bomben und Gewalt mit Gewalt. Fehlt nur noch „Terror mit Terror“, fertig ist der Sportpalast.“

Kriegsgeil

Kanonen statt Butter, diese Parole wurde wieder mehrheitsfähig gemacht. Also: Milliarden Euro für die Bundeswehr und Kürzungen im Sozialbereich. Um die dreht sich die neuerliche Haushaltsdebatte. Vorbei die Zeiten, als ein Bundeskanzler Willy Brandt Beifall bekam für sein

„Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Nach Brandt führte die intellektuellen Abwärtsfahrt der SPD über Schröder zu Scholz. Schröder und sein abgrundtief verlogener Verteidigungsminister Scharping machten sich des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen Serbien schuldig. Vor diesem Hintergrund sind die Umtriebe des aktuellen Kriegsverteidigungsministers Pistorius zu sehen. Seine haarsträubende Forderung „Deutschland muss kriegstüchtig werden“ hat eine Konsequenz: „Deutsche töten und werden getötet.“ Dieser Hasardeur will uns tatsächlich per Bundeswehr-Hochrüstung auf einen Krieg mit Russland „in fünf bis acht Jahren“ vorbereiten. Mit der Atommacht Russland. Man hält‘s im Kopf nicht aus.

Um Legendenbildungen vorzubeugen: Der Mann ist beliebt. Weil unsere ARD-Tagesschau und deren Mittäter nun mal sind, was sie sind, nämlich massenverblödende Reklametröten, rangiert Pistorius auf Platz 1 der demoskopischen Beliebtheitsskala des ZDF.

Was zeigt uns das? Mediale Meinungsmache wirkt. Steter Tropfen höhlt das Hirn. Politische Dummheit und Unwille, gründlich nachzudenken, sind inzwischen die Norm. Das haben seriöse Analysen bestätigt. Mehr als 60 Prozent der Befragten im Verlauf einer wissenschaftlichen Untersuchung konnten den ehemaligen Außenminister Maas nicht der SPD und die Ex-Fraktionsvorsitzende Göring-Eckardt nicht den Grünen zuordnen.

Geschichtsfälscher

Auf solcher Unkenntnis gründet unsere Fassadendemokratie. In ihr ist alles möglich und durchsetzbar, wenn’s der Geldelite dient, verheerende Kriege inklusive. Höchst fragwürdige TV-„Experten“ wie der Potsdamer Militärhistoriker Sönnke Neitzel, mit denen unsereins nicht bei Tische sitzen wollte, können sich unwidersprochen die Zeit- und Gegenwartsgeschichte zurechtlügen:

„Die Bevölkerung ist bereit zu kämpfen und persönliche Einschränkungen hinzunehmen, wenn man ihr erklärt, wozu das nötig ist.“ Eine strikte Ablehnung, mit der Waffe für das Land einzustehen, habe es in Deutschland nie gegeben.

Das ist nachweislich falsch, denn im Jahr 2014 waren noch 60 Prozent der befragten Deutschen gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr (und gegen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete sowieso). Einer von vielen Belegen:

„Rhetorisch haben die Regierungen von Helmut Kohl über Gerhard Schröder bis hin zu Angela Merkel die Abneigung ihrer Wähler gegen alles Militärische immer bedient. Während sie Schritt für Schritt den Radius der Bundeswehr ausdehnten, vermieden sie es, das Wort ‚Kampfeinsatz‘ in den Mund zu nehmen. ‚Friedensmission‘ und ‚Stabilisierungstruppe‘ klangen besser, und wenn es brenzlig zu werden drohte, war allenfalls von einem ‚robusten Mandat‘ die Rede.“

Dass sich die mehrheitliche Friedfertigkeit in Deutschland verflüchtigt hat und jetzt die Kriegsbefürworter in Politik und Medien verbal die Messer wetzen, daran ist – wie könnte es auch anders sein – der Russe Schuld. Putin „bedroht (unsere) Freiheit und Menschenwürde“. Die Tagesschau gibt diese staatliche Hetze ungeprüft als Tatsache weiter.

Es kann nicht oft genug daran erinnert werden: Die Sowjetunion zog in der Hoffnung auf weltweiten Frieden ihre Besatzungstruppe aus der DDR ab und ermöglichte deren Anschluss an die BRD. Freiwillig. Sie löste den Warschauer Pakt und sich selbst auf. Friedlich. Der unfähige und trunksüchtige Präsident Boris Jelzin öffnete dem aggressiven Westen Tür und Tor zur Plünderung der russischen Wirtschaft. Der Westen schob die NATO bis unmittelbar an Russlands Grenzen vor, trotz seines gegenteiligen Versprechens und trotz der Bitten und letztlich Warnungen aus Moskau. Weil Präsident Putin das üble Spiel der Westmächte nicht mehr mitspielte und ihre zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Pressionen mit Aggression beantwortete, muss er für uns nun der Böse sein.

Küsschen, Küsschen, liebe Nazi-Freunde

Und wir sind die Guten. Ein Ausdruck dafür ist, dass unsere politischen Repräsentanten dem Filbinger-Satz („Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein“) nacheifern. Zum Händeschütteln und Schulterklopfen, zu Umarmungen und Wangenküsschen für Ukro-Nazis reisen sie in Scharen nach Kiew. Gauck, Steinmeier, Scholz, Pistorius, Faeser, Heil, Baerbock, Habeck, Özdemir, Göring-Eckardt, Lindner, Lauterbach, Paus, Schulze … ellenlang ist die Liste unsrer Polittouristen, die sich unterm Denkmal des Nazi-Kollaborateurs und Massenmörders Bandera ein Stelldichein mit dessen Verehrern und Nachfahren gaben. Alle sind mit Geld und/oder guten Worten als Kriegsunterstützer des Neonazi-affinen Regimes in Kiew auffällig. Keiner als diplomatischer Friedensmahner.

Dass sich Russland vom verbrecherischen Bürgerkrieg der West-Ukrainer gegen ihre russisch-sprachigen Landsleute im Donbass sowie von der Drohung einer ukrainischen NATO-Mitgliedschaft zur Invasion veranlasst sah wollen die Bundesregierung und ihr medialer Tross nicht wahrhaben. Darüber wird hinweg geheuchelt. Der von den USA provozierte und finanzierte Putsch auf dem Maidan sowie der gewaltsame Sturz einer demokratischen Regierung sollen, welch ein Hohn, als „Sieg der Demokratie“ in unser kollektives Gedächtnis getrommelt werden.

Deutschland und die EU schieben seither Jahr für Jahr Milliarden Euro nach Kiew, wohl wissend, dass die nicht nur für Waffenkäufe, sondern auch als Schmiergeld dienen; nicht von ungefähr hat der Europäische Rechnungshof die Ukraine „das korrupteste Land Europas“ genannt. Präsident Selenskyjs autoritäres Regime wird trotzdem gehätschelt, ungeachtet auch des Verbots von elf (!) oppositionellen Parteien sowie aller kritischen Fernsehsender. Die Bundesregierung schweigt zum ukrainischen Terror gegen die russische Minderheit und der Vernichtung von deren gesamtem kulturellen Erbe. Wegschauen und Wahr zu Unwahr machen liegen im deutschen Genom. Schon die Merkel-Regierung tat sich als Anstifter des Betrugs mit dem Minsk-II-Abkommen hervor, unstreitig unter Bruch dieses völkerrechtlich gültigen Vertrages.

Die Bundesregierung trägt kein Jota dazu bei, Friedensverhandlungen in Gang zu bringen. Vielmehr zeigen wir uns in altbekannter Militaristen-Manier von unserer hässlichsten Seite. Wir sind der zweitgrößte Einzelfinanzier und Waffenlieferant der Ukraine. Trotz unserer riesigen Staatsschulden von mittlerweile 2,46 Billionen Euro (pro Kopf 28 943 Euro). Die Berliner Marionetten des US-Imperiums beschönigen die Geldversenkung im Ukraine-Sumpf als Ausdruck edelmütiger Hilfsbereitschaft:

„Deutschland unterstützt die Ukraine durch Waffenlieferungen bei der Ausübung ihres individuellen Rechts auf Selbstverteidigung gegen den von Russland geführten völkerrechtswidrigen Angriffskrieg und wird mit dieser ‚bloßen Hilfe‘ nicht zur Kriegspartei.

Das ist einer der schamlosen Ablenkungsversuche, die unsere Lügenbarone dem deutschen Wahlvolk zumuten. Deutschland ist Kriegspartei und verfolgt in der Ukraine eigene Wirtschaftsinteressen. Damit sind nicht nur Interessen der Rüstungsindustrie gemeint. Der CDU-Hardliner Kiesewetter ließ in einem Interview mit der ARD die Sau raus: Deutsche Konzerne haben ein Auge auf die umfangreichen ukrainischen Rohstoff-Ressourcen geworfen, unter anderem die Lithium-Vorkommen im Donbass. Kommisskopp Kiesewetter behauptet zudem, es gehe um den Erhalt der „regelbasierten Ordnung“. Diese sprachliche Missgeburt (eine Ordnung ohne Regelsystem ist keine) dient den Imperialisten zur Tarnung des Versuchs, die UN-Charta, das Völkerrecht, zu entwerten und das eigene Herrschaftsinteresse durchzusetzen.

Russenfressers feuchte Träume

Am deutschen Wesen soll die Welt genesen: Bekanntlich hat die Bündnis-Grüne Baerbock den deutschen Führungsanspruch auch im ökonomisch motivierten Russenhass geltend gemacht:

„Wir sind schließlich im Krieg gegen Russland …“ „Russland soll volkswirtschaftlich jahrelang nicht mehr auf die Beine kommen.“

Als die Bundesregierung im Mai dieses Jahres der Ukraine erlaubt hatte, von Deutschland gelieferte Waffen auch gegen militärische Ziele in Russland einzusetzen, behauptete die Scholz-Truppe immer noch, wir befänden uns nicht im Kriegszustand mit Russland. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages äußerten daran erhebliche Zweifel. Die wurden sogar veröffentlicht, allerdings nicht von der Tagesschau, sondern vom Kommerzfernsehen.

Die Konsequenz des Berliner Erlaubnisscheins: Russland schloss Angriffe außerhalb der ukrainischen Kampfzone nicht mehr aus. Müssen erst ein paar Raketen im Reichstag und in Wiesbaden einschlagen, ehe das Hampelmann-Kabinett kapiert, was eine „Rote Linie“ ist?

Müssen wir wirklich soviel neuerlichen Russenhass verstrahlen, dass wir den Tod hunderttausender Ukrainer billigend in Kauf nehmen können? Berührt es uns nicht, dass kriegstaugliche junge Männer auf den Straßen der Ukraine wie Schafe eingefangen und zur Schlachtbank geführt werden oder als flüchtige Wehrunwillige im Grenzfluss zu Rumänien ersaufen? Deutsche Gefühlskälte und Selbstgerechtigkeit: Hier wird schon darüber diskutiert, ukrainischen Wehrflüchtigen, die bei uns Schutz gefunden haben, die finanzielle Hilfe zu entziehen.

Die wenigen Intelligenten unter den westlichen Politdarstellern – die Regierungschefs Ungarns, der Slowakei, Serbiens und neuerdings auch Italiens – haben verstanden, dass der Krieg gegen Russland nicht gewinnbar ist. Als erster klassischer Hardliner des transatlantischen Westens hat sich jüngst Finnlands Präsident Alexander Stubb für Verhandlungen mit Russland ausgesprochen. Die Suche nach Wegen zu Verhandlungen und zum Frieden scheint endlich anzulaufen.

Deutsche Politiker sind nicht beteiligt. Hier wird weiter der feuchte Traum vom Sieg über Russland und von Rache für 1945 geträumt. Im Wachzustand hopst Annalena Baerbock, die unfähigste Ministerin, die Deutschland je hatte, auf dem Trampolin herum.

Mit vergleichbarer Leichtigkeit überspringt ihr Kabinettskollege Pistorius die Grenzen der Logik. Wenn Deutschland erst „in fünf bis acht Jahren“ kriegstüchtig genug ist, um Russland militärisch die Stirn zu bieten, worauf wartet der Putin denn dann noch? Welcher verqueren Logik folgt unser Kriegsminister, wenn er die Waffenarsenale der Bundeswehr zugunsten der Ukraine leerfegt und zugleich von russischer Gefahr für unser Land schwadroniert? Er mag allenfalls Seinesgleichen mit der Behauptung für dumm verkaufen, Russland wolle nach einer Eroberung der Ukraine westeuropäische Länder angreifen.

Pistorius versucht fortwährend, uns etwas vorzulügen. Auf Hawaii, während des von den USA geführten Flottenmanövers „RIMPAC“ im Pazifik, erklärte er zur geplanten Stationierung neuer US-amerikanischer Langstreckenwaffen in Deutschland, sie seien

nicht als Waffen mit nuklearen Sprengköpfen vorgesehen. Das muss man zur Beruhigung all derer, die sich hier Sorgen machen, sehr deutlich unterstreichen… Es geht jetzt darum, diese Lücke auf unserer Seite zu schließen, … um deutlich zu machen, ein möglicher, ein eventueller Angriff auf Nato-Gebiet, auf Nato-Verbündete hätte für Russland einen so hohen Preis, dass das Risiko nicht mehr kalkulierbar wäre.“

Die nächste Station heißt Größenwahn. Als ob ein paar konventionell bestückte Raketen eine Atommacht abschrecken könnten!

Haarsträubend unverfroren

Die für Deutschland vorgesehenen US-amerikanischen Hyperschallwaffen können Atomsprengköpfe tragen und damit in wenigen Minuten Moskau erreichen. Sie sollen den Weltmachtanspruch der USA gegenüber Russland geltend machen. Das lässt sich belegen: Washington hatte seine Stationierungspläne spätestens 2021 fertig, mehr als ein Jahr, bevor Russland die Militäroperation gegen die Ukraine begann: Es sei eine Tatsache,

„dass die USA schon vor der Beendigung des INF-Vertrags mit der Entwicklung neuer Mittelstreckenraketen begonnen hatten. Bereits 2017 wurde in Wiesbaden eine erste Multi-Domain Task Force (MDTF) eingerichtet, angeblich nur zu Testzwecken. Auch die Reaktivierung des 56. US-Artilleriekommandos im Jahr 2021 kann als vorbereitender Schritt zur Eskalation angesehen werden. Während des Kalten Krieges war dieses Kommando für die US-Pershing-Raketen zuständig; jetzt wird es die neuen US-Langstreckeneinsätze überwachen.“ (maschinelle Übersetzung)

Die Unverfrorenheit des Karrieristen Pistorius erlaubt viele Spekulationen bezüglich seiner Ziele. Sein Motiv hingegen scheint eindeutig: den blassen Olaf Scholz beerben und SPD-Kanzlerkandidat werden. Sein haarsträubendes Stationierungs-Abkommen mit den USA war mit der SPD-Fraktion nicht abgesprochen; möglicherweise überraschte er damit auch den Bundeskanzler. Der Streit innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion spricht jedenfalls Bände.

„Wer Argumente erwartet, Zahlen, Daten und Fakten auch nur zu den militärischen Fähigkeiten Russlands im Vergleich zur denen der NATO, wartet vergeblich. Der Bundeskanzler und der Bundesverteidigungsminister haben den Anspruch auf Information und umfassende Begründung ihrer Entscheidung … fast vollständig missachtet.“

Fast die Hälfte der Befragten sprach sich in einer repräsentativen Umfrage für die Sender RTL und n-tv spontan gegen die Stationierung neuer US-Raketen aus: „47 Prozent der insgesamt 1007 Befragten befürchten, dass ein militärischer Konflikt zwischen Russland und den Nato-Ländern dadurch näher rückt. 34 Prozent erwarten keine Veränderung. Nur 17 Prozent glauben, dass die Sicherheit dadurch zunehmen wird.“

Einen Pistorius bremst Volkes Stimme natürlich nicht. Jüngst vereinbarte er mit dem abgewirtschafteten Großbritannien, Front gegen Moskau zu machen und gemeinsam mit anderen westeuropäischen Ländern eigene Waffen zu entwickeln, vorgeblich zwecks Verringerung der westeuropäischen Abhängigkeit von der „Schutzmacht“ USA. Mal sehen, wie der militärisch-industrielle Komplex der Amis das findet – und wann Washington mit der Unbotmäßigkeit seiner Vasallen Schluss macht.

Zurück in die Gegenwart. „Wer verursachte den Krieg in der Ukraine?“ Die leicht lesbare Zusammenfassung des renommierten US-amerikanischen Politikwissenschaftlers John Maersheimer ist jedem Russland-Kritiker zur Lektüre empfohlen.

Russland ist nicht unser Feind. Aber wir sind Russlands Feinde. Wir haben uns von Washington und von unseren Nazi-Traditionalisten dazu machen lassen.

Anmerkung der Autoren:

Unsere Beiträge stehen zur freien Verfügung. Wir schreiben nicht für Honorar, sondern gegen die „mediale Massenverblödung“ (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden vom Verein „Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtlicher Medien e.V.“ dokumentiert:
https://publikumskonferenz.de/blog

Beitragsbild: ©C.Stille

Geimpft – gestorben | Histopathologischer Atlas der Corona-Impfschäden ‚Publikation der Pathologie-Konferenz‘ AB SOFORT erhältlich

Seit Frühling 21 hat die ‚Pathologiekonferenz‘ um die Pathologen Prof. Dr. Arne Burkhardt und Prof. Dr. Walter Lang sowie einige weitere kompetente Kollegen und Kolleginnen aus dem In- und Ausland eine weltweit wohl einzigartige wissenschaftliche Forschungsarbeit hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen von Covid-19-‚Impfstoffen‘ geleistet.


Um dies zu tun, ging sie den Dingen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund: Sie untersuchte die Körper zahlreicher, in zeitlichem Zusammenhang mit der/den Injektion/en Verstorbener mit den klassischen Mitteln der Pathologie – eine Analysetätigkeit, mit der eigentlich die zuständigen offiziellen Einrichtungen oder staatlich beauftragte Institute bereits unmittelbar nach den ersten ‚Impf‘-Gaben am 27.12.20 aufs Gewissenhafteste hätten beginnen müssen, um diese höchst riskanten, zudem wesentliche Grundrechte verletzenden Maßnahmen zu ‚validieren‘ – was aber nie geschehen (oder zumindest nie bekannt geworden) ist.


Erinnert sei hier an Prof. Klaus Püschel, bis September 20 (sic!) Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der bereits im April 20 mit Obduktionsergebnissen zahlreicher Covid-19-Toter aufwartete, die die offizielle Seite, also die herrschende Politik, Qualitätsmedien sowie etablierte Wissenschaftler und entsprechende Institute innerhalb der Dunst- bzw. Vernebelungskreise der Macht nicht wirklich ernsthaft – und schon gar nicht öffentlich – hatte diskutieren geschweige denn gelten lassen wollen; ein sehr ähnlicher Vorgang des Framings, der Ausgrenzung und schließlich der Zensur, wie man ihn später auch im Falle der Ergebnisse und Verlautbarungen der Pathologiekonferenz beobachten konnte – wenn auch Püschel sich damals verschiedentlich sogar noch positiv zu bestimmten Aspekten der Corona-Politik geäußert hatte.
Doch das konzertiert selbstgerechte Beiseiteschieben der Erkenntnisse von Püschels Team war lange vor dem Startschuss zu den ‚Impfungen‘ geschehen: Dessen Aufklärungstätigkeit betraf ja noch die Wirkungen des SARS-CoV-2-Virus selbst auf den menschlichen Organismus, nicht jene der ‚Impf‘-Stoffe von BioNTech, Moderna, Astra Zeneca und Johnson, an deren Feststellung, Verständnis und Aufarbeitung die Pathologie-Konferenz erst ein knappes Jahr später zu arbeiten beginnen konnte.


Die an den untersuchten Leichnamen vorgenommenen histologischen Gewebeschnitte wurden in der Regel auf Veranlassung skeptischer bzw. vom Tode eines Familienmitglieds oft sehr überraschter und mit den Ergebnissen der Erstuntersuchungen nicht zufrieden gestellter Verwandter freigegeben – zur pathohistologischen Zweituntersuchung im Reutlinger Institut Prof. Burkhardts. Dieser ist am 30.05.2023 überraschend und unter tragischen Umständen verstorben. [Nachrufe sind u.a. hier zu finden: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28651%5D


In Reutlingen wurden ferner zahlreiche Biopsien untersucht, die in der Publikation, die seit Kurzem endlich bestellbar ist und in Form einer Gedenkschrift für Prof. Burkhardt erscheint, jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen. Alles Nähere dazu hier: http://www.histo-atlas.com/
Dort findet sich eine kurze Inhaltsbeschreibung, eine Leseprobe, Angaben zu den Autoren, Informationen zur Bestellung u.w. Details.


Der zahlreiche Abbildungen von Gewebeschnitten bzw. Befunden enthaltende Band ist gerade für Pathologen, Obduzenten, Rechts- und sonstige Mediziner, aber auch für medizinisch interessierte Laien sehr gut geeignet, mehr Licht in einen der größten Skandale – nein, eigentlich den größten Skandal – in der Geschichte der Medizin zu bringen.


Es war mir eine große Ehre und ein noch größeres Anliegen, dieses Werk in enger Abstimmung mit Frau Dr. Ute Krüger, einer der Autor/inn/en, ehrenamtlich lektorieren zu dürfen.
Bleibt sehr zu hoffen, dass diese Publikation möglichst weite Verbreitung findet – gerade auch in der ‚Fachwelt‘! Nicht zuletzt, frei nach Brecht, auch deshalb: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch …
Und damit sind mitnichten die Viren gemeint.

Jan Veil | 25.07.24

Hinweis: Gastbeiträge geben immer die Meinung des jeweiligen Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.

„Trümmer und Hoffnung“ – ein Gedichtband zeitloser Lyrik. Von Anja Buschner. Rezension

Mit Gedichten ist es ja so eine Sache. Wer erinnert sich nicht an die Schulzeit, wo Gedichte zuweilen auswendig gelernt und vor versammelter Klasse – unter Lampenfieber – vorgetragen werden mussten?

Klar, es mochte sich die eine oder der andere dann womöglich auch zu Schulzeiten der Liebe wegen an das Verfassen eigener Gedichte – welche gewiss mehr oder weniger gelungen waren – gemacht haben.

Für Viele war jedoch nach Abschluss der Schule dann auch Schluss mit Gedichten.

Wie viele von uns haben später schon einmal Lyrik in Buchform erworben? Selbst habe ich schon ein paar Bücher mit Lyrik im Regal stehen. Auch in Zeitungen und Zeitschriften lese ich ab und zu einmal das eine oder andere Gedicht. Freilich ist auch bei mir in Sachen Rezeption von Lyrik noch Luft nach oben.

Wer Lyrik schreibt, wird in der Regel nicht reich davon und kann schon gar nicht allein davon leben. Dennoch drängt es zu allen Zeiten Menschen, in denen eine Dichterin, ein Dichter wohnt, immer wieder dazu, herauszubringen, was da aus ihnen hinaus will – ja: muss!

Zu dieser Spezies dürfte Anja Buschner gehören. Deren Gedichte fielen mir auf Facebook auf, wo sie sie nahezu jede Woche, manchmal täglich veröffentlicht.

Sie berührten und berühren mich tief.

Nun kam mir Anja Buschners Büchlein (91 Seiten) „Trümmer und Hoffnung“ mit dem Untertitel „ein Gedichtband zeitloser Lyrik“ (Band 1) in die Hände.

Ich war neugierig und gespannt. Enttäuscht wurde ich nicht. Die Gedichte fesseln, ziehen mich in ihren Bann.

Kaum ein Bereich aus Gesellschaft und menschlichem Leben und deren Widrigkeiten, welche uns auf unserem Weg begleiten, lässt der Gedichtband aus

Kaum ein Bereich aus Gesellschaft und menschlichem Leben und deren Widrigkeiten, welche uns auf unserem Weg begleiten, das nicht seinen lyrischen Niederschlag in den vierzig abgedruckten Gedichten fände.

Es geht um die menschlichen Erfahrungen, den Sinn des Lebens, um Wahrheiten und Lügen und den Schwierigkeiten sie erkennen zu können. Durchaus um vieles, was uns im Leben begleitet. Das ging schon Generationen vor uns in vielerlei Hinsicht so. Die Menschen mussten und müssen sich stets zurechtfinden und versuchen die Fährnisse des Lebens zu bestehen. Früher war das so und heute ist es unter manch anderen Umständen ebenfalls so. Vielleicht sogar noch schwerer, weil alles komplexer ist heute.

Und nicht zuletzt geht es im Gedichtband um Krieg und Frieden.

Er ist allein deshalb letztlich auch hochaktuell und dessen Inhalt sozusagen gedichtet ist am Puls unserer Zeit. Ohne die Vergangenheit außer Acht zu lassen.

Haben wir denn wirklich nichts aus den vergangenen großen Kriegen gelernt?

Was erschreckt. Uns förmlich aufschreckt. Haben wir denn wirklich nichts aus den vergangenen großen Kriegen gelernt, die Millionen von Toten, sowie physisch und seelisch Verkrüppelte zurückließen?

Davon müssen wir so – fast zu Tode erschrocken – unumwunden davon ausgehen, wenn wir aktuell erleben müssen, wie uns offenbar von allen guten Geistern verlassene Politiker und Journalisten mit Worten und der Forderung nach immer mehr Rüstung und Waffenlieferungen für die Ukraine auf eine Rutschbahn führen, die die Menschheit holterdiepolter in den Dritten Weltkrieg führen kann. In die Vernichtung!

Apropos Journalisten! Journalist und Autor Patrik Baab sagt im Interview mit den NachDenkSeiten zu seinem neuen Buch „Propaganda-Presse – Wie uns Medien und Lohnschreiber in Kriege treiben“ :

„Mit Blick auf die journalistische Ethik könnte man sagen: In diesem Krieg zeigt sich der vollständige moralische Bankrott der Medien. Über die Toten, die Verstümmelten, die Traumatisierten wird kaum berichtet. Ich habe 1999 im Kosovo im Krankenhaus von Prizren zwei Jugendliche gesehen, zwölf und 14 Jahre alt. Sie wollten sich am Fuß kratzen. Aber sie hatten keinen Fuß mehr: Sie waren oberschenkelamputiert, weil sie auf eine Mine getreten waren – Phantomschmerz. Die Menschen in der Ukraine wollen Frieden, aber redaktionelle Schreibtischbewohner reden vor allem über Waffenlieferungen und plädieren für eine Verlängerung des Krieges. Wer aus der redaktionellen Behaglichkeitszone in der Kaffeetasse rührend andere in den Tod schickt, zeigt, dass er moralisch vollständig verkommen ist. Die Ukrainer werden behandelt wie Kanonenfutter.“ Und er sagt auch: „Wenn die Kinder dieser Großmäuler an die Front müssten, wäre der Krieg morgen vorbei“

(Quelle: NachDenkSeiten)

Da fällt mir ein Zitat aus Shakespeares Drama König Lear ein: „Das ist die Seuche dieser Zeit – Verrückte (Narren) führen Blinde“!

„Kriegstüchtig“ sollen wir werden, wie der deutsche Verteidigungsminister – ein Sozialdemokrat! – fordert. Man glaubt nicht richtig zu hören. Müssten wir stattdessen nicht friedenstüchtig werden? Kaum ein Wort davon. Und wenn doch, dann wird es niedergebrüllt. Überdies besteht sogar die Möglichkeit eines Atomkriegs. Die Weltuntergangsuhr (Doomsday Clock) wurde auf 90 Sekunden vor Mitternacht gerückt!

Das mutet düster an. Im Vorwort zum Buch schreibt Anja Buschner: «In einer Welt, die oft von Chaos und Zerstörung gezeichnet ist, suchen wir alle nach einem Funken Hoffnung, der uns durch die Dunkelheit führt.«

Und weiter:

«Dieser Gedichtband ist eine Reflexion über die menschliche Erfahrung in all ihren Facetten von den Trümmern vergangener Kriege bis hin zur leuchtenden Hoffnung auf eine bessere Zukunft.«

Diese Hoffnung atmet dieser Gedichtband auch wirklich. Was wäre die Menschheit ohne Hoffnungen auf eine bessere Zukunft zu hegen? Anscheinend ausweglose Situationen haben Menschen jeder Generation schon erlebt und manches Mal sogar überwunden.

Die Autorin setzt ihr Vorwort so fort:

«Trotz der Dunkelheit, die in einigen Gedichten beschrieben wird, ist dieses Werk letztendlich eine Ode an die Hoffnung. Denn selbst in den schwierigsten Zeiten können wir in der Menschlichkeit, im Mitgefühl und im Streben nach Veränderung eine Quelle der Hoffnung finden.

Mir fiel an der Stelle das Lied Brüder, zur Sonne, zur Freiheit ein und davon die erste Strophe, der deutschen Nachdichtung eines russischen Arbeiterlieds durch Hermann Scherchen (1891-1966):

Brüder, zur Sonne, zur Freiheit,
Brüder zum Licht empor!
|: Hell aus dem dunklen Vergangnen
leuchtet die Zukunft hervor. 😐 (Quelle: Liederarchiv.de)

Ebenfalls kam mir Die Hundeblume, eine Erzählung des deutschen Schriftstellers Wolfgang Borchert in den Sinn. Die Erzählung handelt von einem jungen Gefangenen, der beim täglichen Hofgang eine Hundeblume auf dem Gefängnishof entdeckt. In seinem tristen Alltag wird die Blume zum Objekt seiner Sehnsucht und Begierde. (Quelle: Wikipedia)

Den letzten Satz des Vorworts richtet die Autorin explizit an die Leserinnen und Leser:

«Möge „Trümmer und Hoffnung“ nicht nur ein Gedichtband sein, sondern auch ein Begleiter auf Deiner eigenen Reise durch das Leben. Möge er Dich inspirieren, zu reflektieren, zu fühlen und letztlich die Hoffnung zu finden, die uns alle antreibt.«

In meinem Falle hat er dies getan. Begierig auf das jeweils nächste Gedicht schlug ich Seite für Seite auf. Liebe Leserinnen und Leser, ich verspreche, auch ihnen wird es so ergehen.

Das Gedicht welches dem Gedichtband den Namen gibt, „Trümmer und Hoffnung“, finden Sie auf Seite 53. Es ist eines Soldaten Trauerlied. Mitten in einer kriegszerstörten Stadt fragt er sich bang, ob es noch Hoffnung gibt. „Hoffnung auf die große Wende. Hoffnung auf ein schnelles Ende.“

Sehnen tut er sich nach Eltern, nach Frau und nach Kind. Er betet, dass sie alle noch am Leben sind.

Und die Schlussstrophe geht so:

«Was hat denn alles dies gebracht?

Zum Mörder hat man ihn gemacht“

Mit dieser Schuld muss er nun leben,

Absolution? Wird es sie geben?«

Das geht einem sehr zu Herzen, treibt einem fast die Tränen in die Augen. Man sollte (nicht nur) dieses Gedicht aus Anja Buschners Band Leuten wie Herrn Pistorius, Frau Strack-Zimmermann, Toni Hofreiter, Herrn Kiesewetter und anderen Kriegsgurgeln schicken!

Ein weiteres Gedicht von Anja Buschner („Weiße Taube“; S.71) erinnerte mich an das 1949 in Nordhausen zu DDR-Zeiten von der damaligen Kindergärtnerin Erika Schirmer gedichtete DDR-Kinderlied „Kleine weiße Friedenstaube“. Erika Schirmer hatte sich von der Friedenstaube von Pablo Picasso inspirieren lassen. (dazu: ein Arte-Bericht)

Neben diesem Gedicht (wie übrigens zu allen anderen Gedichten des Bandes auch) finden wir ein Bild, welches den Text illustriert: In den Trümmern einer Stadt liegt eine kleine weiße Friedenstaube:

Kleine weiße Friedenstaube.

Liegst im Trümmerfeld der Stadt.

Wagst es nicht mehr aufzustehen,

abgekämpft bist du und matt.

Blut durchtränkt dein weiß’ Gefieder. (1. Strophe)

Die vierte und letzte Strophe schließt so:

Hoffnung ist nicht mehr zu sehen,

Zeit scheint plötzlich stillzustehen,

Kleine Taube kämpfe weiter!

Hilf uns Menschen in der Not!

Bring uns endlich wieder Frieden,

sonst vergehen wir im Tod.“

Die letzten Sätze sollten wir als Appell auch an uns selbst begreifen. Wir erinnern uns: Die Weltuntergangsuhr steht bereits auf 90 Sekunden vor Mitternacht!

Das Gedicht „Fehler im System“ (S.25) sprach mich ebenfalls sehr an.

Dessen 1. Strophe geht so:

Im Gleichschritt immer weiter gehen,

den Blick nach vorn und nie zurück.

Wehe einer bleibt mal stehen.

Nein, das brächte ihm kein Glück.“

Und in der letzten Strophe steht etwas, das wir – wenigstens ab und an – anstreben sollten:

Ich bin das Steinchen im Getriebe,

ein kleiner Fehler im System.

Dass ich nicht im Tritt marschiere,

macht mich äußerst unbequem.“

Weil es die Leserinnen und Leser sicher neugierig gemacht hat, ein Hinweis von der Autorin am Ende ihres Gedichtbandes:

Neben den Texten spielen auch Bilder eine wichtige Rolle. Es ist mir wichtig zu erwähnen, dass ich die Bilder für dieses Projekt nicht selbst gezeichnet, sondern sie mithilfe von KI und Photoshop erstellt habe.


Als Schriftstellerin liegt mein Fokus natürlich auf den Worten und der kreativen Gestaltung von Texten. Doch um meinen Gedichten eine visuelle Dimension zu verleihen, habe ich mich entschieden, auch Bilder einzubinden. Da meine Fähigkeiten im Bereich der Erstellung von Handgezeichneten Bildern begrenzt sind, habe ich auf Technologie zurückgegriffen, um meine Vision zum Leben zu erwecken.


Dank künstlicher Intelligenz und den Möglichkeiten von Bildbearbeitungssoftware konnte ich meine Ideen umsetzen und die passenden Bilder zu meinen Gedichten illustrieren. Dies ermöglichte mir, eine umfassendere und ansprechendere Erfahrung für meine Leser zu schaffen.


Anja Buschner

So viel sei gesagt: Die Bilder sind grandios, faszinierend, äußerst aussagekräftig und berührend im Ausdruck.

Was aber bereits auf die Gedichte selbst zutrifft. Man schaue sich nur das Bild eines ängstlich dreinblickenden Jungen (S.50) zum Gedicht „Sommernacht“ (S.51) an, während die Mutter schrie: „Die Bomben fallen!“

Oder die Illustration zum Gedicht „Der General“ (S.43). Daneben der Mann mit Schmerz im Blick und amputiertem Bein im Krankenbett (S.42). In der dritten Strophe heißt es:

Im Krieg kann’s nur Verlierer geben!

Die einen büßen ein ihr Leben,

die anderen, Arme, Beine, Hand.

Und jeder schließlich den Verstand!“

Als Rezipienten erleben wir noch einmal eine Verstärkung der an sich schon aussagekräftigen Dichtung. So ging es mir.

Nun mag es Menschen geben, die sagen: ihnen reichten eigentlich die Gedichte selbst. Sie wollten sich auf die Bilder verlassen, welche ihnen beim Lesen der Gedicht selbst im Kopf erscheinen.

Jeder wie er mag.

Fazit

Bemerkenswerte Gedichte voller Mitgefühl und Menschlichkeit. Tief lotend. Und mit wichtiger Gesellschaftskritik, welche den Gedichten innewohnt. Wo Traurigkeit aufkommt, keimt auch Hoffnung. Leseempfehlung! Weiter empfehlen!

Zur Autorin

Anja Buschner wurde am 4. April 1977 in Berlin-Staaken, geboren. Während ihrer Schulzeit an der Polytechnischen Oberschule entdeckte sie ihre Liebe zur Poesie. Nach ihrem Abschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Anja Buschner ist verheiratet und hat zwei (fast) erwachsene Kinder. Im Jahr 2023 begann sie damit, ihre ersten Gedichte auf Facebook zu veröffentlichen, um ihre kreativen Werke einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Quelle: Verlag / vlb“

„Mein Name ist Anja Buschner ich bin die Autorin der Gedichtbandes „Trümmer und Hoffnung “ Meine Gedichte widmen sich den tiefgreifenden Themen des Krieges und der Gesellschaftskritik. Sie sind ein Spiegel unserer Welt, geprägt von Herausforderungen, aber auch von Hoffnung und Menschlichkeit. Neben den Texten spielen auch Bilder eine wichtige Rolle. Die Illustrationen erstelle ich selbst mithilfe von KI und Photoshop.“


Zum Buch

Trümmer und Hoffnung

ein Gedichtband zeitloser Lyrik

Anja Buschner

Klassiker & Lyrik

  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎94 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎3759720331
  • ISBN-13 ‏ : ‎978-3759720337
  • Abmessungen ‏ : ‎17.5 x 1 x 17.6 cm

Verlag: BoD – Books on Demand, Norderstedt

Erscheinungsdatum: 20.05.2024

Sprache: Deutsch

24,99 Euro

„Zum Teufel mit dem Rest der Welt“

Langzeitstrategie und unipolarer Anspruch der USA

Von Wolfgang Bittner

Nach Auffassung ihrer Machteliten sind die Vereinigten Staaten von Amerika „the land of the free and the home of the brave“, wie es auch die Nationalhymne verkündet. Und „God’s Own Country“ ist dazu berufen, die Welt zu beherrschen. Zur Durchsetzung dieses unipolaren Anspruchs haben sie seit dem 19. Jahrhundert eine Langzeitstrategie entwickelt, zu der die Aufrechterhaltung einer übermäßig hochgerüsteten Armee und die Einrichtung von etwa 1.000 Militärstützpunkten in aller Welt gehören.

Dabei ist nicht zu übersehen, dass die US-amerikanische Gesellschaft in weiten Teilen und bis in den Kongress hinein religiös-fundamentalistisch fanatisiert ist. Bis in die Gegenwart ist hier die Wahlverwandtschaft zwischen Puritanismus und Kapitalismus, eine „ökonomische Prädestinationslehre“ – wen Gott liebt, den lässt er reich werden – tief verwurzelt. Darüber hinaus sind viele der Hardliner offensichtlich der Ansicht, dass alles, was den USA nützt, letztlich der ganzen Welt zugutekommt, woraus sich ihr Anspruch auf globale Vorherrschaft ergibt…..

Weiterlesen auf den NachDenkSeiten.

PRESSEERKLÄRUNG: Nein zu Deutschland als Kriegspartei –Nein zu neuen Mittelstreckenraketen!

Was unser Land braucht, ist eine starke Friedensbewegung, die sich der zunehmenden Militarisierung in der Politik und den öffentlichen Debatten entschieden widersetzt. Das haben wir
in den 1980er Jahren gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen getan und das tun wir auch heute.

In der Ukraine ist die Eskalationsdynamik des Krieges ungebrochen und verschärft
sich weiter. An dieser historischen Weichenstellung dürfen wir nicht schweigen.
Vor einem Jahr haben wir mit dem Aufruf „Frieden schaffen jetzt!“, dem sich auch viele Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen angeschlossen haben, den Bundeskanzler aufgefordert, schnell auf einen Waffenstillstand zu drängen und Friedensverhandlungen zu vermitteln.


Doch das Töten, die schweren Verletzungen, die Zerstörungen, das Leid und Elend der Menschen gehen weiter. Die Gefahr eines großen Krieges in Europa droht wieder zu einer denkbaren Zukunft zu werden. Dass die unmittelbare Kriegsschuld Russlands außer Frage steht, ändert nichts daran, dass es zuerst um den Frieden gehen muss.
Krieg ist unmenschlich. Wir wissen aus den Katastrophen der beiden Weltkriege: Krieg kennt
keine Grenzen in sich. Der Krieg in der Ukraine darf nicht weiter eskalieren und zu einem großen Krieg werden.

Doch bei uns wird bei Waffenlieferungen in die Ukraine immer vor „roten Linien“ gewarnt, die nicht überschritten werden dürfen, um sie dann auf inneren oder äußeren
Druck doch zu überschreiten.

Wir verurteilen die unsägliche Kriegsrhetorik von Politikern der
Regierungs- wie der Oppositionsparteien sowie großer Teile der Medien.
Das EU-Europa, das sich in eine wachsende Abhängigkeit gegenüber den USA begeben hat, muss wieder zu einer eigenständigen Friedensmacht werden, in der die Diplomatie im Zentrum steht.


Aus der extrem gefährlichen Cuba-Krise von 1962 hatten beide Supermächte gelernt, dass sie
die elementaren Interessen und Bedrohungen des Kontrahenten wahrnehmen müssen. Das
ist die Grundlage der Entspannungspolitik. Doch im Ukraine-Krieg geschieht das Gegenteil.

Vieles erinnert schmerzhaft an den Juli des Versagens 1914 vor dem Ausbruch des Ersten
Weltkriegs. Aber in Deutschland sollen wieder Waffensysteme stationiert werden, die mit sehr
kurzen Vorwarnzeiten konventionelle Sprengköpfe und sogar Atomwaffen nach Russland tragen können.


Wir sagen Nein zu landgestützten Raketensystemen, die im INF-Vertrag verboten wurden.
Wir sagen Nein zu einem neuen Kalten Krieg, aus dem ein Heißer Krieg werden kann. Grenzenlose Aufrüstung ist nicht die „ultima ratio“, sie ist die „ultima irratio“. Die Konflikte und
Spannungen der Welt werden größer, wenn der Krieg nicht beendet wird und Russland auf dem Rücken der Ukraine niedergerüstet werden soll. Und im Hintergrund spitzt sich die Rivalität der USA mit der neuen Supermacht China weiter zu.


Die NATO-Staaten werden in der Ukraine faktisch zu Kriegsparteien, wenn sie nicht Aufrüstung und Waffenlieferungen stoppen und zu einer friedlichen Alternative kommen. Die Strategie, den Gegner niederzurüsten, ist von den Militärs der NATO-Führung vorgegeben und verfolgt in erster Linie die Interessen der USA.

In Wiesbaden entsteht mit 700 Militärs die Nato Security Assistance and Training for Ukraine (NSATU), 40 davon stellt die Bundeswehr.


Deutschland droht in den Krieg abzurutschen. Dagegen stehen wir. Auch wenn behauptet wird, dass die NSATU aus der NATO keine Konfliktpartei macht, hat sie nur eine Aufgabe: immer mehr Waffen in die Ukraine zu liefern. Diese Aufrüstung wird in Deutschland koordiniert. Unser
Land wird zur Kriegspartei.
Frieden braucht eine „Europäisierung Europas“ und eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur. Mehr Gemeinsamkeit in unserer Welt mit Staaten unterschiedlicher Ordnung kann nur heißen: Nord-Süd-Solidarität, Gemeinsame Sicherheit und Nachhaltigkeit.

Wir sagen
Nein zu Aufrüstung und Krieg! Wir brauchen eine Politik des Friedens und der Vernunft.
Wir rufen auf, sich an den Friedensaktionen am 6. August und am 1. September an vielen
Orten und am 3. Oktober 2024 an der bundesweiten Demonstration in Berlin zu beteiligen
und dafür zu werben.


Berlin, den 17. Juli 2024

Anfang der 1980er Jahre fanden in der Bundesrepublik Großdemonstrationen gegen die Stationierung von Pershing-Raketen statt. Sie waren ein Ausdruck für die Stärke der Friedensbewegung in der deutschen Zivilgesellschaft. In der damaligen DDR forderten ebenfalls viele
Demonstranten, „Schwerter zu Pflugscharen“ zu machen. An diesen breiten Friedenswillen
knüpfen wir an. Wir fordern ein Ende des Krieges. Wer uns und den Aufruf unterstützen will,
kann das tun unter

Friendenschaffen.net


Ein Aufruf von: Reiner Braun (Intern. Friedensbüro), Anke Brunn (Landesministerin a.D.), Prof. Dr. Hertha Däubler-Gmelin (Bundesjustizministerin a.D.), Bärbel Dieckmann (Eh. Präsidentin Welthungerhilfe), Ulrike Eifler (Gewerkschaftssekretärin), Michael Müller (Parl. Staatssekretär a.D.), Helga Schwitzer (ehem. gfVorstand IG Metall), Jörg Sommer (Vors. Deutsche Umwelthilfe) und Willi van Ooyen (Bundesausschuss Friedensratschlag), verbunden mit der Anregung zur Unterstützung.

Quelle: PM Friedenschaffen.net

Beitragsbild: ©Claus Stille