Referat von Dr. Maria Schindelegger in Dortmund zu Margaret Bourke-White und ihren Fotografien aus dem KZ Buchenwald

Das Konzentrationslager Buchenwald nahe Weimar bestand von 1937–1945. Bei Annäherung der 3. US-Armee übernahmen am 11. April 1945 die Häftlinge die Leitung des Lagers von der abziehenden SS, nahmen 125 der Bewacher fest, öffneten die Tore und hissten die weiße Fahne. Bereits seit dem 8. April hatten viele Häftlinge durch Boykott und Sabotage ihre von den Nationalsozialisten so genannte Evakuierung verhindert und die US-Armee per Funk um Hilfe gerufen. Margaret Bourke-White (1904-1971), erster weiblicher „staff photographer“ des populären Bildmagazins LIFE, erhielt im Frühjahr 1942 als erste Fotografin eine Akkreditierung als Kriegsberichterstatterin. Kurz vor Kriegsende kam sie nach Deutschland, um dort für die US Air Force Bombenschäden zu dokumentieren. Am 15. April erreichte sie das Konzentrationslager Buchenwald, wo sie die katastrophalen Zustände im Lager fotografierte. Die Kunsthistorikerin Dr. Maria Schindelegger hielt am vergangenen Freitag zu Bourke-Whites bekanntesten Bildern und Motiven ein Vortrag in der Gedenkstätte Steinwache.

Von Links: Dr. Maria Schindelegger und Markus Günnewich. Fotos: C. Stille

Das Konzentrationslager Buchenwald

Im Juli 1937 lässt die SS auf dem Ettersberg bei Weimar den Wald roden und
errichtet ein neues KZ. Mit dem Lager sollen politische Gegner bekämpft, Juden, Sinti und Roma verfolgt sowie „Gemeinschaftsfremde“, unter ihnen Homosexuelle, Wohnungslose, Zeugen Jehovas und Vorbestrafte, dauerhaft aus dem deutschen „Volkskörper“ ausgeschlossen werden. Schon bald wird Buchenwald zum Synonym für das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Nach Kriegsbeginn werden Menschen aus ganz Europa nach Buchenwald verschleppt. Im KZ auf dem Ettersberg und seinen 139 Außenlagern sind insgesamt fast 280.000 Menschen inhaftiert. Die SS zwingt sie zur Arbeit für die deutsche Rüstungsindustrie. Am Ende des Zweiten Weltkrieges ist Buchenwald das größte KZ im Deutschen Reich. Über 56.000 Menschen sterben an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung.In einer eigens errichteten Genickschussanlage werden über 8000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen. Widerstandskämpfer bilden im Lager eine Untergrundorganisation, um das Wüten der SS nach besten Kräften einzudämmen. Gleichwohl wird das „Kleine Lager“ zur Hölle von Buchenwald. Noch kurz vor der Befreiung sterben Tausende der entkräfteten Häftlinge.

Nach 1945 nutzte die sowjetische Besatzungsmacht Buchenwald als Gefängnis

Als sogenanntes Speziallager Nr. 2 wurde Buchenwald ab August 1945 ein Gefängnis der sowjetischen Besatzungsmacht. Es diente zur Internierung von Deutschen. Seit August 1945 führte der sowjetische Sicherheitsdienst die vorhandenen Baulichkeiten des Konzentrationslagers Buchenwald weiter. Vorrangig wurden dort lokale Funktionsträger der NSDAP, aber auch Jugendliche und Denunzierte interniert. Jeglicher Kontakt nach außen wurde unterbunden, ein auch nur im Ansatz rechtsförmiges Verfahren fand nicht statt.

Von den 28.000 Insassen starben vor allem im Winter 1946/47 über 7000 von ihnen an den Folgen von Hungerkrankheiten. Im Februar 1950, kurz nach der Gründung der DDR, wurde das Lager von den Sowjets aufgelöst.

Referentin Dr. Maria Schindelegger wurde mit einer Arbeit über die Fotografien der US-Amerikanerin Margaret Bourke-White promoviert

Dr. Maria Schindelegger hat sich im Bereich Fotogeschichte mit der visuellen Repräsentation von Krieg und Gewalt sowie dem Themenkomplex Fotografie und Holocaust
beschäftigt und wurde mit einer Arbeit über Margaret Bourke-Whites Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg promoviert. Sie arbeitet derzeit als Kunsthistorikerin bei der Stiftung DASMAXIMUM.

Am vergangenen Freitag war Schindelegger zu Gast in der Gedenkstätte Steinwache. Ihr Referat stand unter dem Titel „To map the place with negatives.“ In ihrem Vortrag beschäftigte sich die Kunsthistorikerin mit Margaret Bourke-Whites Fotografien aus dem KZ Buchenwald.

Über die Masse an existierenden Fotografien aus dem KZ Buchenwald war Maria Schindelegger überrascht

Als sich Maria Schindelegger mit den Fotografien des befreiten KZ Buchenwald beschäftigte, sagte sie vor eine interessiertem Publikum in der Steinwache, sei sie im ersten Moment überrascht gewesen von der Masse an Fotografien, die es gibt. Aber im zweiten Moment auch überrascht davon, wie wenig davon eigentlich veröffentlicht ist und wie wenig es an wissenschaftlicher Aufbereitung gibt. Was ihrer Meinung daran liegt, dass die Fotografien zu ihrer Entstehungszeit sehr stark ausgesiebt worden seien und sehr wenig Aufnahmen Eingang in Publikationen fanden. Die wenigen, die veröffentlicht und immer weiter fortgeschrieben worden sind, hätten sich zu einer Art Ikone entwickelt, die sozusagen stellvertretend den Holocaust repräsentierten. Erst viel später, eigentlich erst in den 1990er und den 2000er Jahren seien sie als historische Quelle betrachtet worden. Man habe dann versucht „durch die Fotografien hindurch zu schauen, auf eine Welt, die vergangen ist“, um diese zu rekonstruieren. Schindelegger interessierte an diesen Fotografien, dass sie ein Kommunikationsmedium seien. Sie habe sich gefragt: Wie wird etwas dargestellt? Warum wird etwas so dargestellt? Was passiert mit den Bildern wenn sie in die Öffentlichkeit kommen?

Dwight D. Eisenhower damals über sein Eindruck vom KZ Buchenwald: „Nichts hat mich je so erschüttert wie dieser Anblick.“

Nach der Entdeckung der Konzentrationslager wären die Fotografien aus ihnen zu einem gewaltigen Medienereignis geworden, sagte Schindelegger.

Wie man nachlesen kann, nahmen auch Politiker und Militärs, wie Dwight D. Eisenhower, der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Anteil an den nun sichtbar gewordenen Grauen. Eisenhower damals über sein Eindruck vom KZ Buchenwald: „Nichts hat mich je so erschüttert wie dieser Anblick.“

Von dem Gräuel schockiert, befahl US-General Patton zwangsweise 1.000 Weimarer Bürger ins KZ Buchenwald zur dessen Besichtigung

Am 15. April 1945 kam US-General George S. Patton nach Buchenwald. Von dem Gräuel schockiert, befahl Patton für den darauffolgenden Tag, zwangsweise 1.000 Weimarer Bürger kommen zu lassen und sie mit der Realität vor den Toren der Kulturstadt Weimar zu konfrontieren. Außerdem forderte er Eisenhower auf, Pressevertreter nach Buchenwald zu schicken, um Zeugnis von der „die Brutalität der Deutschen“ zu nehmen. Eine Gruppe amerikanischer Reporter erreichte am 24. April 1945 Buchenwald.

Dr. Schindelegger zitierte Margaret Bourke-Wight aus deren Autobiografie betreffs ihrer Eindrücke bei ihrer Ankunft im KZ Buchenwald: „Ich war der tiefen Überzeugung, dass die Gräueltaten dokumentiert werden mussten. So zwang ich mich diesen Ort mit Fotos kartographisch zu erfassen.“

Konfrontation

Interessant, so merkte Maria Schindelegger an, die Orte und Situationen, welche Bourke-Wight für ihre Kartographie auswählte.

Etwa, zeigt ein von Schindelegger präsentiertes Bild, die Inszenierung der ins Lager kommandierten Weimarer BürgerInnen. Die sind auf dem Schwarzweißfoto als dunkle Masse im Hintergrund zu sehen. Im Vordergrund steht ein Lkw-Anhänger im Innenhof des Lagerkrematoriums voll mit weiß in der Sonne leuchtenden Leichen. Deutsche und US-Soldaten als Befreier stehen sich frontal (Bedeutung des Motivs: Konfrontation) gegenüber.

Die Referentin zeigte zum Vergleich auch Fotos (aufgenommen von einer Mauer aus) von Walter Chichersky vom U.S. Signal Corps (Fernmeldetruppe des US-Heeres). Deutsche und Besatzer stehen sich gegenüber.

Was räumlich und gleichzeitig moralisch von einander trenne, erklärte Dr. Schindelegger.

„Als Scharnier zwischen beiden Gruppen fungiert ein Soldat am linken Bildrand. Möglicherweise als Vermittler zwischen beiden Gruppen gedacht.“

Im Zentrum der Konstellation steht eine Gruppe von Deutschen in der Gegenüberstellung (der deutschen Bevölkerung) zu den Verbrechen der Deutschen, um deren Reaktion darauf festzuhalten. Bourke-Wright sei es um das Zu-Sehen-Geben, des beim Sehen Zusehens und um das Einsehen gegangen.

Schindelegger: „Der außerbildliche Betrachter wird über die Aufnahmen nicht nur selbst mit dem Verbrechen konfrontiert, sondern fungiert als Zeuge der Konfrontation der Deutschen.“

Ein anderes Foto bildet Weimarer BürgerInnen ab, die offenbar auf mit Leichen beladenen Anhänger. Eine Frau im Hintergrund blickt an der grausigen Szenerie vorbei in die Kameralinse. Eine andere, gleich vorn, hält sich ein Taschentuch wegen des gewiss bestialischen Gestanks der Leichen vor Mund und Nase. Eine andere Frau senkt ihren Blick und beschirmt ihre Augen.

Veröffentlicht seien keine der Aufnahmen von Margaret Bourke-Wright. Schindelegger vermutet: „Möglicherweise wurden sie als zu didaktisch angesehen.“

Andere Fotos zeigen Häftlinge, die unter katastrophalen menschlichen und hygienischen Bedingungen untergebracht waren

Des Weiteren zeigte die Referentin Fotos von den Unterkünften der Häftlinge aus dem sogenannten „Kleinen Lager“. Dort waren meist kranke und nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge unter katastrophalen menschlichen und hygienischen Bedingungen untergebracht. In einer einzelnen Baracke hätten bis zu 1.900 Männer eingepfercht auf hohen Holzpritschen dahinvegetieren müssen. Bourke-Wrights Aufnahmen von dort folgten einen frontalen und eine diagonalen Blickwinkel. In einem der Bilder konzentrierte sich die US-Fotografin auf einen ausgemergelten Häftlingen mit weit aufgerissenen Augen. Auf einen weiteren Bild korrespondiert ein vor einem der Häftlinge auf der Pritschenkante positionierter leerer Löffel mit dem darbenden Häftling dahinter.

Ein interessanter, informativer, bedrückender Vortrag

Ein sehr interessanter, informativer, aber ob seines Inhalts freilich bedrückender Vortrag. Kritisch ist anzumerken, dass die Aufnahmen in relativ kleinem Format projiziert auf der Leinwand erschienen und besonders für das weiter hinten sitzende Publikum schwer zu erkennen waren. Ganz zu schweigen von den Untertiteln der Fotos.

Markus Günnewig, wissenschaftliche Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache und seit 2015 deren stellvertretender Leiter ergänzte am Ende des Referats: „Noch im Februar 1945 rollte ein Häftlingstransport von Dortmund nach Buchenwald.“

Beitragsbild: Archiv Claus Stille/Repro des Fotos von 1970 vom Eingangstor des KZ Buchenwald

Am Antikriegstag in Dortmund mit der DGB-Landesvorsitzenden Anja Weber: Mit Krieg ist kein Frieden zu machen

Hauptrednerin bei der Veranstaltung zum Antikriegstag in Dortmund war Anja Weber (DGB-Landesvorsitzende). Fotos: C. Stille

Auch in diesem Jahr fand gestern wieder die DGB-Erinnerungsveranstaltung in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache zum Antikriegstag statt. Hauptrednerin war diesmal die DGB-Landesvorsitzende Anja Weber. Tausende Menschen in Nordrhein-Westfalen, sagte Weber, kämen an diesem Tag zusammen: „Wir gedenken des Grauens und des unermesslichen Leides der beiden Weltkriege, die über 80 Millionen Tote gefordert haben.“ Am 1. September 1939 erinnere man daran, dass es Nazideutschland mit seinem Überfall auf Polen gewesen sei, dass den Zweiten Weltkrieg entfacht hat. „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, das ist die unumstößliche Lehre, die wir Gewerkschaften aus dem Schrecken des 20. Jahrhunderts gezogen haben“, erklärte Anja Weber. Gerade in diesem Jahr habe man besonderen Anlass den Antikriegstag als das Mahnen vor den zerstörerischen Folgen von besinnungslosen Nationalismus und Faschismus zu begehen: „Denn 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal und über siebzig Jahre nach der Befreiung vom Faschismus ist der braunen Saat immer noch nicht der Boden entzogen.“

DGB-Landesvorsitzende Anja Weber: „Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir Demokratinnen und Demokraten Haltung zeigen müssen.“

Die aktuelle politische Situation müsse, meinte Weber, eingedenk des Schwurs der Häftlinge des KZ’s Buchenwald „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus“ mit tiefer Sorge betrachtet werden. In Deutschland erlebten wir „einen dramatischen Rechtsruck in der öffentlichen Diskussion.“ Dinge, die bisher unsagbar gewesen seien, „sind es durch Gauland und Weidel, aber auch durch Seehofer und Söder geworden“. Die DGB-Landesvorsitzende gestand, obwohl sie als sehr große Optimistin bekannt sei, dass sie in diesen Tagen zuweilen großer Schrecken und manchmal sogar Ohnmacht ergreife. Zu viele Nachrichten zeugten davon, dass Rechtsstaatlichkeit, demokratische Grundsätze und die Würde des Menschen in Deutschland täglich angegriffen werden. Wieder einmal seien in Sachsen Worte zu Taten geworden. Anja Weber bekannte große Sorge zu haben und sagte entschlossen: „Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir Demokratinnen und Demokraten Haltung zeigen müssen.“ Vor Geflüchteten habe sie keine Angst, so Weber. Nur erfülle es sie mit Angst, wenn sie in der Zeitung lese, dass die NPD jetzt in Bochum irgendwelche Bürgerwehren formieren wolle. Anja Weber lobte die funktionierende Zivilgesellschaft in NRW, unterstützt von Kirchen und Verbänden, die sich Nazis immer wieder entgegenstelle. Gerade in Dortmund werde stets aufs Neue deutlich gezeigt, wer die Mehrheitsgesellschaft ist.

Wir brauchen mehr zivile Strategien zur Friedenssicherung, fairen Welthandel und eine gerechtere Verteilung des weltweiten Reichtums, findet Gewerkschafterin Anja Weber

Eindringlich machte Weber auf die Tatsache aufmerksam, dass weltweit nahezu fast 70 Millionen Menschen auf der Flucht: „Wenn wir den Frieden in

Anja Weber: „Wir brauchen mehr zivile Strategien zur Friedenssicherung.“

Europa erhalten wollen, dann müssen wir etwas dafür tun.“ Mauern und Zäune zu errichten, seien der falsche Schritt. Als moralischen Bankrott geißelte die Gewerkschafterin es, wenn Seenotretter, die Menschen vor dem Ertrinken retten, angeklagt würden. Sie zitierte Norbert Blüm: „Wenn fünfhundert Millionen Europäer nicht in der Lage sind, fünf Millionen oder mehr verzweifelte Flüchtlinge aufnehmen zu können, dann schließen wir am besten den Laden Europa wegen moralischer Insolvenz.“ Was wir bräuchten, wären mehr zivile Strategien zur Friedenssicherung, fairer Welthandel, eine gerechtere Verteilung des weltweiten Reichtums, soziale, ökologische Entwicklungs- und Klimaschutzprojekte, findet Gewerkschafterin Anja Weber

Aufstockung des Rüstungshaushaltes um zwei Prozent darf nicht hingenommen werden

Die EU, die den Friedensnobelpreis erhalten habe, forderte Weber, sollte jetzt nicht zum Militärpakt verkommen. Die Gewerkschafterin rief zur Unterzeichnung des Appells „Abrüsten statt Aufrüsten“ auf. Das geplante Aufstocken (Nato-Ziel) des deutschen Rüstungshaushaltes um zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes dürfe nicht hingenommen werden. Dreißig Milliarden

Abrüsten für Frieden. Das abgebrochene Kanonenrohr des Panzers mit Aufschrift „Peace“ darunter.

Euro würden dann im zivilen Bereich fehlen.

Anja Weber zu den Europawahlen 2019: Wählen gehen!

Hinsichtlich der Europawahlen 2019 meinte Anja Weber: „Dort werden wichtige Weichen gestellt.“ Und rief dazu auf Wählen zu gehen, um rechtsextremen Positionen entgegenzutreten. Überdies müsse Deutschland endlich den UNO-Vertrag über das Verbot von Atomaffen unterzeichnen, wie es bereits 130 Staaten getan hätten. Auch das „Geschäft mit dem Tod“, Waffenexporte – Deutschland liefere derzeit so viele Waffen in Krisengebiete wie noch nie – „dieser Wahnsinn muss aufhören!“.

Mit Krieg ist kein Frieden zu machen. Vereinte Nationen nicht schlechtreden

Es müsse, mahnte die Rednerin eindringlich, endlich gelernt werden, dass mit Krieg kein Frieden zu machen ist. Anja Weber erinnerte an die im Juni 1945 als Lehre aus den beiden Weltkriegen gegründete Charta der Vereinten Nationen. Und sie warnte ausdrücklich davor, die Vereinten Nationen schlechtzureden. Wenn es um den Weltfrieden geht, sei die UNO die beste Institution die wir haben.

BotschafterInnen der Erinnerung und bunte Nelken in Form des Weltfriedenszeichens auf einem Panzer

Dortmunder BotschafterInnen der Erinnerung Joyce Schröder und Leonora Ahmetaj.

Zwei junge Botschafterinnen der Erinnerung, die hier in Dortmund eine wichtige Arbeit dafür leisten, dass vergangenes Unrecht, sowie Menschen, die es erleiden mussten, nicht in Vergessenheit geraten, leiteten nach einer kurzen Vorstellung ihrer Ziele eine schöne Aktion ein: Ein von der AWO gefertigter Holzpanzer, aufgehängt an der Außenmauer der Steinwache, wurde von einigen Akteuren der Gedenkveranstaltung, unter ihnen Oberbürgermeister Ullrich Sierau, mit bunten Nelken als Symbol für Vielfalt und Solidarität in Form des Weltfriedenszeichens geschmückt. Schließlich knickte die Kanone des Panzers ab und die bunte Aufschrift „Peace“ erschien.

Sophie Niehaus als Vertreterin des Dortmunder Jugendrings und der Jugendverbände verlangte die konsequente Verfolgung von Straftätern und Joyce Schröder und Leonora AhmetajBrandstiftern mit allen Mitteln des Rechtsstaates und das Verbot aller faschistischen

Sophie Niehaus als Vertreterin des Dortmunder Jugendrings.

Parteien und Organisationen.

Jutta Reiter: „Wer am Wertekompass dreht, der muss sich nicht wundern, wenn sich die Richtung ändert“

Die DGB-Kollegin von Anja Weber, Jutta Reiter (Regionsgeschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg), beklagte in ihrer kurzen Ansprache,

Jutta Reiter (Regionalgeschäftsführerin DGB Dortmund – Hellweg): „Uns ist nach wie vor die Würde des Menschen unantastbar.“

dass wir in bedenklichen Zeiten leben. In denen Stabilität und Berechenbarkeit, sachliche Diskurse und ein Festhalten an Haltungen, die Menschenrechte, Grundgesetze und die Ethik gebieten, für viele PolitikerInnen, aber auch für viele MitbürgerInnen offenbar nicht mehr als Kompass der inneren Einstellung zählten. Statt klare Kante und Haltung gegen Meinungsmache und Populismus zu zeigen, werde beides weiter auch von der bürgerlichen Politik angeheizt. Reiter mahnte: „Wer am Wertekompass dreht, der muss sich nicht wundern, wenn sich die Richtung ändert. Uns ist nach wie vor die Würde des Menschen unantastbar.“ Ausdrücklich bedankte sich Jutta Reiter bei der Initiative Seebrücke, die bezüglich der Rettung von Geflüchteten aus dem Mittelmeer, dafür stehe, eine Politik der Unmenschlichkeit nicht mitzutragen. Jutta Reiter lobte, dass gerade von den Dortmunder Sozialdemokraten ein Zeichen der Vernunft ins Land und an die Landes-SPD gegangen sei, das Wirkung zeigte: „Keine Erhöhung der Ausgaben für die Aufrüstung!“

Dr. Frank Ahland zu schwulenfeindlicher Politik und zu einer kommenden Veranstaltung: Gunter Demnig verlegt in zwei Wochen Stolpersteine für von den Faschisten verfolgte Homosexuelle

Dr. Frank Ahland (SLADO – Dachverband der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transidentenvereine und -initativen in Dortmund) beleuchtete als

Dr. Frank Ahland (SLADO e.V.).

studierter Historiker die von den Nazis 1935 per Gesetz (das noch bis 1969 Geltung behielt) ins Werk gesetzte schwulenfeindliche Politik. Ahland informierte darüber, dass der Künstler Gunter Demnig am 15. September 2018 drei Stolpersteine für von den Faschisten mehrfach verfolgte homosexuelle Männer in Dortmund verlegen werde. Darunter auch ein schwuler Obdachloser. Positiv beurteilte Ahland, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Anfang Juni 2018 die verfolgten Homosexuellen im Namen der Bundesrepublik Deutschland Verzeihung gebeten hat. Homosexuelle hatten nämlich nicht nur in der Nazizeit schweres Leid erfahren müssen, sondern auch 1945 sei ihr Schicksal lange verschwiegen worden. Ahland: Immerhin habe damit der Bundespräsident als erster ranghoher Politiker und als das höchste Organ der Bundesrepublik zumindest indirekt eine schlichte Wahrheit ausgesprochen. Nämlich die, „dass die Verfolgung Homosexueller in der Bundesrepublik seit 1949 dem Grundgesetz widersprochen hat“. Im Anschluss an Ahlands Wortbeitrag wurde an der Mauer der Steinwache ein Kranz in Gedenken an die Leiden der Homosexuellen abgelegt und eine Trauerminute eingelegt.

Liedermacher Fred Ape.

Martina Plum: Leute, die bislang still geblieben sind, müssen gegen Hetze aufstehen

Martina Plum, Geschäftsführerin der Auslandsgesellschaft Deutschland e.V., wies daraufhin, dass in ihre Einrichtung jeden Tag Leute als vielen Ländern kommen, um die deutsche Sprache oder andere Sprachen zu lernen. So träfe man jeden Tag Menschen, die auch als Geflüchtete zu uns kamen. Fremdenfeindliche Hetze, verrohte Sprache auch in manchen Medien oder auf der Straße empfindet Plum mittlerweile als unerträglich. Jetzt müsse es endlich darum gehen, dass die Leute, die bislang still geblieben sind, dagegen aufstehen und laut werden.

Musikalische Beiträge: Fred Ape mit neuem Song, Abdulrahman Al Barazi auf der Gitarre und Salman Radwan mit klassischem arabischen Gesang

Abdulrahman Al Barazi.

 

Musikalisch wurde die Veranstaltung in Hof der Gedenkstätte Steinwache eröffnet durch Liedermacher Fred Ape, der mit „Du hast nur Glück gehabt“ eigens einen neuen Song geschriebenen Song präsentierte.

Zwischendurch standen mit Abdulrahman Al Barazi (Gitarre) und Salman Radwan (klassischer arabischer Gesang) zwei Geflüchtete aus Syrien mit beeindruckenden

Salman Radwan.

musikalischen Beiträgen auf der Bühne.