„Hinter der Zukunft“ von Thomas Eisinger. Rezension

Das hier zu besprechende Buch kam sozusagen ohne mein Zutun zu mir. Es wurde mir lediglich empfohlen. Obwohl gerade in Anspruch genommen, beschäftigt, griff ich zu. Und „rief“ es zu mir. Zugeben, ich war zunächst etwas skeptisch. Den Autor kannte ich bis dato nicht. Und von dem Roman „Hinter der Zukunft“ hatte ich weder etwas gehört noch gelesen.

Ich las – verschlang es geradezu. Und habe es nicht bereut.

Als der Paketdienst das Buch lieferte war ich nicht zu Hause. Ich musste es also an einer Ausgabestelle abholen. Etwas entfernt von meiner Wohnung. Zwei U-Bahnstationen entfernt. Ein Problem! Früher war man einfach in Bus oder Bahn gestiegen – und zu seinem Ziel gefahren. Dass waren noch Zeiten! Nicht so jetzt. Die uns seit über zwei Jahren mehr oder weniger drangsalierenden Corona-Maßnahmen hatten uns in meiner Stadt Ende vergangenen Jahres nämlich beschert, dass man öffentliche Verkehrsmittel nur unter der Maßgabe der 3G-Regel benutzen durfte. Ich aber war ja weder geimpft, noch hatte ich vor, mich vor der Fahrt testen zu lassen. Doch dann stellte sich erfreulicherweise heraus, dass man zum Zeitpunkt der geplanten Abholung es Buches wieder „normal“ den ÖPNV benutzen durfte. Das momentane „neue Normal“ aber bestand weiter darauf, dass die Fahrgäste die Gesichtswindel tragen. Okay, immerhin!

Als ich das Buch – noch immer in der U-Bahn ein klammes Gefühl – als täte ich etwas Verbotenes – verspürend – abholte, war mir keineswegs klar, wie sehr das alles mit Thomas Eisingers Roman zu tun hatte!

Nach wenigen gelesenen Seiten im Buch war ich bereits von der Handlung gefesselt

Endlich packte ich den 552 Seiten schweren Roman aus. Und tauchte in ihn ein. Nur wenige Seiten genügten, um bereits von der Handlung gefesselt zu sein! Es viel mir tatsächlich nicht leicht, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Warum? Weil der Roman viel, erschreckend viel mit unser aller Situation zu tun hat, in welche man uns in Zeiten der Corona-Pandemie gebracht hat. Einer Pandemie, die nur als solche benannt werden konnte, weil 2009 die WHO die Definition dafür geändert hatte. Die Maßnahmen, welche uns Bürgerinnen und Bürgern zugemutet wurde, um das Virus Covid-19 zu bekämpfen, glichen sich frappierend nahezu weltweit. Die herrschende Politik, unterstützt durch die Medien, welche Journalismus mit Propaganda verwechselten und meist noch schärfere Maßnahmen forderten als die Regierung, tönte, das Virus wäre an allem Zumutungen schuld. Wir müssten es bekämpfen – ja: ausrotten. Wir wissen inzwischen, ein Virus kann im Grunde nicht ausgerottet werden – schließlich mutiert es und wird zumeist schließlich endemisch.

Lockdowns wurden verhängt, viele Menschen durften ihre Tätigkeiten nicht mehr ausüben. Innenstädte waren leer. Geschäfte, Kneipen und Restaurants gingen pleite und Künstler ward die Möglichkeit genommen, aufzutreten. Schuld sei das Virus. Heute müssen wird (nachdem wir wissen, das etwa Lockdowns eigentlich so gut wie gar nichts zur Bekämpfung des Virus beitragen) sagen: Dass Geschäfte in unseren Innenstädten starben und anderweitige Schäden auftraten und auftreten ist nicht dem Virus zuzuschreiben – sondern in Wirklichkeit den Corona-Maßnahmen.

Schriftsteller Thomas Eisinger war entsetzt darüber, dass einiges, was er in seinem im März 2019 angefangenen Buch für die Zukunft beschrieben hatte, direkt vor meine Augen Realität wurde

Der Buchautor Thomas Eisinger schreibt in seinem „Nachwort und Dank“ (S.547), er habe das Buch im März 2019 zu schreiben begonnen: „Die Idee entstand, nachdem ich ein Interview gehört hatte, in dem der Konflikt ‚jungen gegen alt‘ thematisiert wurde, der auf Grund der ‚Klimakrise‘ entstehen könnte. Nachdem etwa die Hälfte des Manuskriptes geschrieben war, wurde März/April 2020 der erste Lockdown verhängt. Fürs Schreiben an sich ein Glücksfall, aber: Ich war wie gelähmt. Entsetzt darüber, dass einiges, was ich für die Zukunft beschrieben hatte, direkt vor meine Augen Realität wurde: Überwachung nie gekannten Ausmaßes, extreme Spaltung der Gesellschaft, elektronische Ausweise, die Zugang ermöglichen, Armbänder, die Abstände kontrollieren.“

Und weiter: „Nach einer Schockstarre, die mehrere Wochen anhielt, realisierte ich, dass die Mechanismen hinter ‚Corona‘ und ‚Klima‘ fast identisch waren: Eine unsichtbare Gefahr (Virus bzw. CO 2) bedroht die ganze Welt, nur (wenige ausgewählte) ‚Experten‘ können Lösungen bieten, zentrale Steuerung und extreme Vereinheitlichung aller Informationen (ohne offene Diskussion oder angemessene Widerspruchsmöglichkeit), Verleumdung aller Nicht-Konformen als ‚Leugner‘ und so weiter. Diese Erkenntnis“, so Eisinger weiter, „machte es mir möglich, beide ‚Weltkrisen‘ einheitlich zu behandeln und in das große Ganze einzubetten: in die Regeln der Macht.“

Lesend gleiten wir Leser in eine bedrückende Dystopie ein

Und schon gleiten wir Leserinnen und Leser in eine bedrückende Dystopie hinein, in welcher die Menschen leben von denen dieser erstklassig geschriebene Roman erzählt, hinein. Und ich behaupte die Handlung wäre ohne die Kenntnis dessen, was uns in über zwei Jahren Pandemie widerfahren ist und angetan wurde, zwar auch spannend und lesenswert, aber würde uns nicht annähernd so erschreckend in die Glieder gefahren.

Beim Lesen überkommt uns eine Beunruhigung

Die Bilder unserer Jetzt-Zeit, der zumindest dystopisch anmutenden Corona-Krise, haben wir ja direkt vor Augen während wir in Eisingers Roman lesen. Da dürften Alarmglocken schrillen. Auch wenn vorerst gewisse Erleichterungen bezüglich der Corona-Regeln verfügt wurden.

Den Roman lesend, tauchen diese Bilder unwillkürlich vor unserem innen Auge auf. Und je mehr wir im Roman vorankommen, desto mehr befällt uns regelrecht eine Angst. Wenigstens aber eine Beunruhigung, dass das, was wir da lesen, durchaus auch uns geschehen – wahr werden – kann. Denn bedenken Sie: hatten wir, das uns in der Corona-Krise Zugemutete und Angetane in Zeiten des „alten Normal“ je für möglich gehalten? Aber es ist dennoch geschehen. Wir waren dabei! Wir haben es erlebt und erleben es weiter!

Und hat sich nicht manch einer erschrocken gewundert, wie obrigkeitshörig unkritisch brav viele unsere Mitbürger die Maßnahmen mitgetragen oder gar versucht waren, diese gegenüber anderen zu exekutieren. Längst überwunden geglaubtes Blockwart-Tum kam aus dem Verborgenen wieder hoch. Menschen wurden angeschmiert und angezeigt, wenn sie gegen Maßnahmen verstießen. Die Polizei jagte schlittenfahrende Kinder mit einem Helikopter! Mir selbst wurde von einem anderen Passanten ein Kiefernbruch angedroht, nachdem ich einmal am Ende einer Maskenpflicht-Zone meine Maske abgezogen habe!

Was hat diese Corona-Krise mit und aus Menschen gemacht? Und es ist im Grunde im Sinne der Mächtigen genial zu nennen: Ein unsichtbares Virus und die davor gemachte Angst reicht völlig aus, um Menschen zu disziplinieren und zu konditionieren! Unfassbar!

Das neue Deutschland unter harten Konditionen

Das Deutschland dieses Romans ist ziemlich deindustrialisiert, Verbrennungsmotoren sind verboten – um CO 2 zu vermeiden. Es gibt Elektrofahrzeuge. Auch im öffentlichen Nahverkehr. Allerdings fallen diese hin und wieder wegen leerer Akkumulatoren aus. Auch Straßenbahnen und Züge bleiben zuweilen stehen, weil nicht immer Strom zur Verfügung steht. Abends gibt es ein „Stromende“ Dann gehen die Lichter in den Wohnungen aus.Die Temperaturen in den Häusern dürfen nicht zu hoch sein – das müsste doch einen Joachim Gauck („Frieren für den Frieden“) in Enthusiasmus versetzen – sonst gibt es Abzug von Coints. Fleisch darf nicht zubereitet und gegessen werden. Nur einheimisches, gut haltbares Gemüse darf gegessen werden. Klimakontrolleure sind unterwegs, um zu prüfen, womöglich schon von der Straße aus „Fleischduft“ zu erschnüffeln. Es gibt harte Strafen. Das kann auch zum Abzug von Lebenszeit führen.

Auf den illegalen Erwerb von Fleisch oder Wurst drohten dem Käufer der Abzug von ein bis drei Jahren Lebensbudget. „Wer dabei ertappt wurde, bezahlte also für eine Salami den Gegenwert eines Lebensjahres in Coints.“ (S.40) Andere Verstöße führen auch zur Vorladung zum „Amt für Schuld und Scham“ (ASS).

Die Menschen müssen ständig ein unlösbares Armband tragen. Daran der sogenannte „Gute Helfer“. Angesichts solcher Begriffe ist man als Leser getriggert. Nicht von ungefähr kommt einen da rasch der Roman „1984“ von George Orwell in den Sinn. Der „Gute Helfer“ hilft den Mindestabstand zu halten, hat GPS, registriert Kontakte – unterscheidet dabei über erwünschte und unerwünschte – wer mit wem Kontakt aufgenommen hat.

Leseprobe 1

„Der sogenannte ›Gute Helfer‹ war nach CO2-Lifetime-Budget und De-Industrialisierung die dritte Säule zur Erreichung der Großen Transformation. Das unlösbare Armband beinhaltete eine Reihe wichtiger Funktionen, die Trägerin und Träger ein gutes und sicheres Leben in der neuen Gesellschaft ermöglichten…“

Das bedeutet ständige Überwachung. Die Menschen werden beruhigt: Aufrechte Bürger haben ja nichts zu verbergen. Dieser Spruch ist uns doch schon oft begegnet. Es wird optisch oder akustisch gewarnt. Auch schmerzhafte Stromstöße können dem gegen die Regeln verstoßenden Träger des „Guten Helfer“ verabreicht werden. „Ein warnendes Blinken trat zum Beispiel auf bei der Verwendung Dunkler Wörter, Faktenhetze, unautorisierter Annäherung an fremde Personen oder Erreichen einer Grenze. Dauerhaftes Warnleuchten machte den Träger kenntlich als Leugner, Hetzer oder Schädling.“ (S.24) Dann gibt es noch die Zukunftsvernichter, die ZuVis. Etwa ältere Menschen, die zuviel CO 2 verbrauchen. Es gibt Klimaretter und Planetenhelden. Ein Schuldbeweis bei manchen Menschen wurde als überflüssig erkannt. Von „Beweislastumkehr“ ist die Rede. Da ohnehin alle Menschen wüssten, dass sie prinzipiell bezüglich des Planeten schuldbeladen waren. Alles geschah ja schließlich im Sinne von Gesundheit und Klima.

Es galt: „Am sichersten ist man stets allein“ und „Freiheit ist Egoismus“. Und wer dächte beim Lesen des Folgenden nicht an eine der Seuchen unserer Zeit: die sogenannten Faktenchecker? Im Roman gibt es eine „Fakten Anstalt für konkrete Erkenntnisse“. Da schaudert es einen.

Ist das CO 2-Liftime-Budget abgelaufen, werden die Menschen „abgeholt“, wie es dann immer im Volksmund heißt(kommt uns das nicht von irgendwoher bekannt vor?) und in Lager verbracht.

Leseprobe 2

„Täglich lauschen die Menschen morgens um 8.00 und abends um 18.00 ihrer Klimakanzlerin, wenn sie zum Pray-for-the-Planet spricht. Alle Fahrzeuge bleiben stehen, alle Tätigkeiten ruhen, jede und jeder steht oder sitzt vor einem Bildschirm. Den Anfang macht stets die Hymne an den Planeten, eine Abwandlung von „Freude schöner Götterfunken“, die gemeinsam gesungen wird.

In diesem Ausschnitt beschäftigt sich Milena Grosse-Strümpel, die Kanzlerin, mit einer menschlichen Eigenschaft, die überraschenderweise sehr positiv sein kann…“

Dazu (S.3/4): „In diesem Moment startete die Übertragung. Der große Bildschirm an der Stirnseite des Raumes zeigte das Bild des Planeten, wie er erhaben im schwarzen All kreiste. Wie jeden Morgen erklang Beethovens 9. Sinfonie als Auftakt zur Ansprache der Kanzlerin. Die gesamte Klasse setzte mit der ersten Strophe ein, ein Text >Freude schöner Götterfunken< hatte vor sechs Jahren ein Update erhalten: Ende aller Lebensfunken/zukunftslos und leichenbleich,/Wir verspielten – egotrunken,/Oh Planet, dein Zukunftsreich. (…)

Es gibt ein „Amt für Gesundheitsverteidigung“ (sic!). Das wünschte sich sich klabauternder Lauterbach! All das eingeführt seit einer Pandemie. Dann kam die Klimarettung dazu.

Die Menschen haben sich mit der Begrüßungsfloskel „Keine Schuld“ zu begrüßen und mit „Gutes Gewissen“ zu verabschieden.

Erschreckend – aber auch gleichzeitig aufweckend und aufrüttelnd – ist dieser packend verfasste Thriller aus der Hand von Thomas Eisinger. Der wie die Faust aufs Auge in unsere Gegenwart passt. Warum nur hatte ich bislang nichts von diesem hervorragenden Buch erfahren?

Zum Buch heißt es: „In naher Zukunft: auf Grund der Maßnahmen zu Pandemien und Klimawandel hat sich das Leben vollkommen verändert. Ein Generationenkampf entbrennt in einer Welt, in der die Klimakanzlerin mit CO2-Konten, unlösbaren Armbändern und Kontaktbudgets unerbittlich regiert. Der Großteil der Menschen begrüßt all die Maßnahmen, mit denen sie sich von ihrer tief empfundenen Schuld befreien wollen.“

Ist das in der Realität denkbar? Wir haben es doch erlebt: Das walte Hugo!

Weiter: „In dieser explosiven Gemengelage kommt der junge Robin Hochwald“ – ein 18-jähriger Gamer – unerwartet an die Macht, nachdem der er dem Amt für Schuld und Scham entkommen ist. Nach irritierenden und schmerzhaften Erfahrungen erkennt er, dass er (als Bundeskanzler) eine Entscheidung treffen muss. Sein Beitrag zur Rettung der Welt ist vollkommen anders, als alle erwarten.“

Zitate aus dem Roman:

>>Sag mir, wer ist am mächtigsten?<<

>>Diejenigen, die bestimmen können, was Wahrheit ist.<<

«Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. In allen demokratischen Ländern ist das so. Wenn es aber kein Volk mehr gibt, weil der Planet uns Menschen nicht mehr erträgt, dann gibt es auch keine Demokratie mehr. Will man also die Demokratie retten, so muss man zuallererst die Menschheit vor ihrem Untergang retten. Und deshalb stehen alle Regelungen zum Schutz von Klima, Gesundheit und Planet über der Demokratie. Eben genau, um sie zu bewahren.»

Im Verlaufe der Handlung erfahren wir viel über Machtstrukturen und Machtmechanismen. Wie sie jahrhundertelang von unterschiedlichen Systemen immer wieder genutzt und angewendet wurden. Und weiter werden, weil wir Menschen schnell vergessen. Und neue Generationen diesen Machtmechanismen dann immer wieder zum Opfer fallen. Wie auch im richtigen Leben sind auch im Roman von Thomas Eisinger wieder einige gleicher als andere und nehmen sich Rechte heraus, die sie anderen – welche nicht zuletzt via der Medien und neuer „Errungenschaften“ wie beispielsweise den „Guten Helfer“ hinter die Fichte geführt werden – verweigern.

Wann werden wir je lernen? Wie sieht es „Hinter der Zukunft“ aus? Lesen Sie dieses hervorragende und spannende Buch – und empfehlen Sie es gerne weiter! Und lernen Sie etwas daraus. Es lohnt sich.

Thomas Eisinger

Hinter der Zukunft

Roman

als Hard Cover oder Taschenbuch, 552 Seiten, auch als E-Book erhältlich

16,90 € inkl. gesetzl. MwSt.

ISBN: 3969668611
EAN: 9783969668610

Erstauflage.

Herausgegeben von Thomas Eisinger
NOVA MD

Erschienen 2021

(Das Buch kann auch bei jedem Buchhändler vor Ort bezogen werden)

Beschreibung

Nachdem Religionen im Westen zunehmend ausgedient haben, füllt diese Lücke das Wohl von Klima und Planet. Die Macht haben diejenigen, die im von Materialismus und Narzissmus schwer geschädigten Westen das Bedürfnis nach Sinn, Moral und Spiritualität befriedigen können. Das Leben in naher Zukunft wird bestimmt vom Einsparen von CO2-Points, sogenannten Coints. Jeder Mensch erhält ein Lebensbudget an CO2, das er verbrauchen darf, Nachkauf ist nicht möglich. Die Landesgrenze ist geschlossen, um Klimaflucht zu verhindern. Täglich versammelt sich das ganze Land vor den Bildschirmen, um das Pray-for-the-Planet zu hören, das von der Klimakanzlerin verkündet wird. Ein Generationenkonflikt spaltet die gesamte Gesellschaft.Alle Einkäufe, Aktionen und vor allem Gespräche der Menschen werden überwacht und übermittelt von einem unlösbaren Armband, dem ‚Guten Helfer‘. Es bucht automatisch die Coints vom Lebensbudget ab, ist zugleich Einlasskontrolle, Impfnachweis, persönliche ID und achtet auf die Verwendung von Dunklen Wörtern. Der Protagonist, Robin Hochwaldt, kommt unvermittelt an eine zentrale Schaltstelle der Macht. Nach dramatischen Erlebnissen wird ihm klar, dass die Welt, wie sie ihm – ihnen allen – erzählt worden war, in Wirklichkeit gar nicht existiert. Am Ende wird er selbst – mit Unterstützung seiner WeggefährtInnen – zum Rebellen und führt die Menschen zurück in die Freiheit. Ein Lichtschein hinter der Zukunft wird erkennbar!

Portrait

Thomas Eisinger, Gründer einer der größten deutschen Internet Agenturen, Business Angel, Coach und seit einigen Jahren Schriftsteller. Autor mehrerer Kurzgeschichten. Wesentliche Impulse zu diesem Roman kamen vom aktuellen Zeitgeschehen, sowie von seinen Erfahrungen mit menschlichen Prägungen und Mustern aus seiner Tätigkeit als Coach.
Auf seiner Website finden sich weitere Kurzgeschichten und aktuelle Beiträge.

„Der Krieg vor dem Krieg. Wie Propaganda über Leben und Tod entscheidet“ von Ulrich Teusch. Rezension

Kriegsbegeistert sind Menschen grundsätzlich nicht. Um das zu werden, müssen sie in der Regel propagandistisch sturmreif geschossen werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hieß es: Nie wieder Krieg! Man hatte die Gräuel noch vor Augen. Doch bald schon wurde der Kalte Krieg entfacht. Es herrschte die Systemkonfrontation. Doch selbst in dieser Zeit wurde mit dem vermeintlichen Feind, der Sowjetunion, gesprochen. Willy Brandt und Egon Bahr leisteten mittels ihrer Politik „Wandel durch Annäherung“ Großes. Dass lange nach dem Ende der Sowjetunion und der deutschen Wiedervereinigung nicht Gorbatschows Traum vom gemeinsamen Haus Europa wahr wurde, sondern inzwischen schon wieder ein Kalter Krieg in Europa im Gange ist, kann zwar erklärt werden. Indem man fragt: cui bono? Es muss aber die Alarmglocken schrillen lassen. Ja, es gibt unterdessen wieder „kriegsvorbereitende Propaganda“ und um die geht es „im weitesten Sinn“ im neuen Buch von Ulrich Teusch (u.a. „Lückenpresse“), das gerade bei Westend erschienen ist. So lesen wir es in dessen Vorwort.

Kriegstreiber haben von den etablierten Medien viel (bis alles) zu erwarten, Kriegsgegner wenig (bis nichts)“

Von Medien, die den Krieg herbeireden- oder schreiben“ handelt dieses Buch, „von Medien die den äußeren und inneren Frieden aufs Spiel setzen“.
Weiter liest man: „Die historische Erfahrung lehrt: Kriegstreiber haben von den etablierten Medien viel (bis alles) zu erwarten, Kriegsgegner wenig (bis nichts).“
Bitter wahr! Erinnern wir uns doch noch an den völkerrechtswidrigen Nato-Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, an dessen 20. Jahrestag wir erst kürzlich erinnert worden sind. Da konnten wir das genau und schmerzlich erfahren. Die dank Gerhard Schröder und Josef Fischer jugoslawischen Städte mit bombardierende BRD verlor damals ihre Unschuld.

Ulrich Teusch: „Im Kampf gegen den Krieg, im Kampf für den Frieden ist auf die Medien der Herrschenden kein Verlass. Und weiß: „Verlassen können wir uns nur auf uns selbst.“

Ulrich Teusch stellt folgende Frage: „Wann je haben Medien einen Krieg verhindert oder dies auch nur erkennbar versucht, indem sie die herrschenden Kriegsvorwände oder -begründungen einer rigorosen Prüfung unterzogen?
Und umgekehrt: Wie oft haben Medien durch tendenzielle, emotionalisierende Berichterstattung ‚für den Krieg gesorgt‘ (William Randolph Hearst)? Wie oft haben Medien jene gesellschaftliche Sportpalast-Atmosphäre erzeugt, die ihn erst möglich machte?“
Teusch konzediert: „Sicher, es gibt ein paar Ausnahmen. Sie sind rühmlich, keine Frage. Aber sie sind bloß Ausnahmen von der Regel.“ Dann aber schränkt er ein: „Im Kampf gegen den Krieg, im Kampf für den Frieden ist auf die Medien der Herrschenden kein Verlass. Und weiß: „Verlassen können wir uns nur auf uns selbst.“

Selbst sinkende Auflagen brachten etablierte Medien nicht von ihrem selbstzerstörerischen (Dis-) Kurs ab

Hier sollte Ulrich Teusch (leider) recht behalten: „Die etablierten Medien, so hatte ich vor drei Jahren prognostiziert, werden weder durch Liebesentzug (sinkende Auflagen und Quoten) noch durch gediegene Medienkritik von ihrem manipulativen Tun und ihrem selbstzerstörerischen (Dis-) Kurs abzubringen sein. Sie werden weiterhin wichtige Nachrichten absichtsvoll unterdrücken, Informationen einseitig gewichten oder mit einem Spin versehen, mit zweierlei Maß messen, interessengeleitete Narrative konstruieren, gelegentlich Kampagnen fahren oder sich für handfeste Propaganda hergeben.“
Teusch räumt ein: „Klammheimlich hatte ich gehofft, Unrecht zu haben und eines Besseren belehrt zu werden.“
Seine Begründung: „Der sich seit 2013/14 aufbauende medienkritische Druck, der ‚Aufstand es Publikums‘, konnte doch nicht einfach verpuffen, sagte ich mir, er musste doch irgendeine positive Wirkung erzielen.“
Dass dem eben (leider) nicht so ist, führen uns nicht nur die unermüdlich eingebrachten Programmbeschwerden des früheren Tagesschau-Redakteurs Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer, Ex-Vorsitzender des ver.di-Betriebsverbandes NDR ständig vor Augen. Sondern auch Ulrich Gellermann mit seinen regelmäßigen Zu-Wort-Meldungen unter „Die Macht um Acht“ (mittlerweile die 22. Ausgabe) auf dem You Tube – Kanal von KenFM.

Wie propagandistische Exzesse den eigentlichen Krieg ersetzen

Wie müssen wir etwa „die gegenwärtigen propagandistischen Exzesse“ betreffs Russland verstehen? Teusch (S.30).: „Die Antwort lautet: Sie sollen den eigentlichen Krieg ersetzen – natürlich im Verein mit weiteren aggressiven Maßnahmen wie Sanktionen. Oder anders: Im Fall Russlands ist ‚der Krieg vor dem Krieg‘ der eigentliche Krieg. Die Kriegsziele lauten: eine aufstrebende Macht schwächen oder in ihre Schranken weisen; sie destabilisieren, delegitimieren, isolieren; ihre politische Grundorientierung revidieren, ihr politisches Führungspersonal dämonisieren. Die antirussische Propaganda ist letztlich Regime-Change-Propaganda.“

Kriegspropaganda wie sie einst schon Arthur Ponsonby beschrieb

Ulrich Teusch erinnert (S. 31) an die Feststellung des britischen Politikers und Friedensaktivisten Arthur Ponsonby (1871-1946) zehn Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges, wonach sich in diesem der Journalismus nie stärker diskreditiert habe. Und im Februar 2017 habe der Nahostkorrespondent Patrick Cockburn bemerkt, „dass im Syrienkrieg (seit 2011) die einseitige, verzerrende Berichterstattung und die Verbreitung fingierter, fabrizierter Nachrichten ein Ausmaß angenommen habe, das nur mit der gewaltigen Desinformation im Ersten Weltkrieg vergleichbar sei.“
Ulrich Teusch zitiert die zehn Prinzipien der Kriegspropaganda, welche Arthur Ponsonby formulierte.Wer sich diese zum Gemüt führt (hier) wird verblüfft sein oder eher erschrocken aufmerken: Sie finden heute noch munter Anwendung!
Entsprechende Beispiele aus unserer Zeit werden von Teusch aufgeführt.

Von „Massentäuschungswaffen und Massenzerstreuungswaffen“

Sehr Augen öffnend ist das Kapitel „Massentäuschungswaffen und Massenzerstreuungswaffen“ (S. 31) sowie deren Unterkapitel (S.43) „Massentäuschung: wie sich die Vorzeichen von heute auf morgen ändern“. Worin der Autor auf in Orwells Roman „1984“ beschriebene Ereignisse Bezug nimmt. Wo der einstige Feind Eurasien auf einmal während einer Rede gegen Ostasien ausgetauscht wird. Und ein weiteres Unterkapitel (S.45) steht unter der Überschrift „Massenzerstreuung: wie Wichtiges unwichtig wird“.
Teusch erwähnt darin deen früheren US-Verteidigungsminister William Perry, „der Jahrzehnte auf beiden Seiten des US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes gearbeitet hat“.
Perry sei überzeugt, dass „die Gefahr eines Nuklearkrieges heute deutliche größer ist als zu Zeiten des ersten Kalten Krieges.“
Die größte Gefahr erwachse heute aus dem zerrütteten Verhältnis zwischen USA und Russland. Teusch auf Seite 45 unten: „In seiner Ursachenanalyse gibt er dem Westen die Hauptschuld an dieser gefährlichen Zuspitzung.“
Perry missbillige den Aufbau eines Raketenabwehrsystems in Osteuropa.

Warum“, fragt Ulrich Teusch völlig zu recht, „fristet ein überragender Sachkenner wie er mit seinen eminent bedeutsamen, lebens- und überlebenswichtigen Anliegen eine mediale Randexistenz?“ Und weiter: „Warum kennen wir alle Dieter Bohlen, Heidi Klum und Dr. Eckart von Hirschhausen? Warum nicht William Perry? Warum fragen wir die Maus – aber nicht ihn?“
Teusch liefert die Antwort auf diese eigentlich brennend sein müssenden Fragen gleich mit: „Weil es sich bei unseren Medien um Massenzerstreuungswaffen handelt, die uns nicht das präsentieren, was wirklich relevant ist und uns angeht. Stattdessen führen sie uns Tag für Tag – und im Wortsinn – auf Nebenkriegsschauplätze aller Art.“
Noch einmal zurück auf Seite 41: Teusch zeigt sich da überzeugt, dass sich die Wahrnehmungen Aldous Huxleys und George Orwell ergänzen.

Erstens werden wir durch propagandistische Techniken getäuscht (Orwell): also desinformiert, belogen, mit Halbwahrheiten abgespeist oder durch Unterdrückung von Nachrichten im Unklaren gelassen.
Zweitens werden wir durch propagandistische Techniken zerstreut (Huxley): also vom Wesentlichen abgelenkt, mit Belanglosigkeiten beschäftigt, mit Unterhaltungsangeboten aller Art bei Laune gehalten.“

Wer die Macht über die Geschichte hat …

Besonders ans Herz gelegt sei den LeserInnen des hier besprochenen Buches von Ulrich Teusch das Kapitel „Wer die Macht hat über die Geschichte hat, Teil 1: Deutschland“ (S. 48).
Es hebt an mit dem Untertitel „Der hässliche Deutsche: Gauck auf der Westerplatte“
Darin geht es um die Rede des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, die gewiss nicht nur mich peinlich berührte und wütend machte. Gauck hatte des von Deutschland vom Zaun gebrochenen Zweiten Weltkriegs gedacht. Teusch erinnert: „Wobei die Tatsache, dass Deutschland diesen Weltkrieg ausgelöst hatte, in Gaucks Ansprache merkwürdig unterbelichtet blieb. Gauck hingegen das Gedenken nutzte (missbrauchte) , um gegen das heutige Russland eine Spitze abzufeuern. Teusch einige Zeilen weiter auf S.49: „Man hätte es unbedarften Zuhörern nicht verübeln können, wenn sie aufgrund seiner Rede zu dem Schluss gekommen wären, nicht Deutschland, sondern Russland der große Aggressor des Zweiten Weltkriegs gewesen sei.“

Der andere Holocaust

Ulrich Teusch: „Die slawischen Völker, insbesondere die Russen (allein 27 Millionen Sowjetbürger starben; C. Stille) , sind im Zweiten Weltkrieg Opfer dessen geworden, was der Historiker Rolf-Dieter Müller als den ‚anderen Holocaust‘ bezeichnet.“
Zu Bedenken gibt Teusch: „Im Unterschied zum eigentlichen Holocaust, also der Vernichtung der europäischen Juden, hat der andere Holocaust keinen Platz im kollektiven historische Gedächtnis der Deutschen gefunden. Hätte er dies getan, wären manche antirussischen Töne, die gegenwärtig im neuen kalten Krieg angeschlagen werden, kaum vorstellbar.“
Zum Schluss des Kapitels noch einmal Gauck kaum verhohlenes Russen-Bashing zitierend urteilt Ulrich Teusch: „So klingt es, wenn sich Geschichtsvergessenheit und Geschichtsklitterung ein Stelldichein geben. Propaganda pur.“
Anmerkung C. Stille: Wer mag und es ihm nicht übel dabei wird, kann hier die damalige Rede Gaucks auf der Westerplatte nachlesen.

Zweierlei Maß

Das nächste Kapitel ist – denken wir an aktuelle Geschehnisse – ebenso wichtig: „Zweierlei Maß: Israel und Russland“ ab Seite 59.
Teusch findet es selbstredend richtig, den Antisemitismus zu kämpfen. Er hält jedoch „für verfehlt, wenn deutsche Politiker sagen, die Freundschaft und Solidarität mit Israel sei Teil der deutschen Staatsräson“. Und „hielte es – analog gesprochen – für verfehlt, wenn dergleichen über das deutsche Verhältnis zu Russland gesagt würde“.
Teusch: „Ich glaube allerdings sehr wohl, dass in unserem Verhältnis zu Russland die gleiche Sensibilität, Empathie, Vorsicht angebracht wäre, die unser Verhältnis zu Israel bestimmt. Ein tief verwurzeltes Schuldgefühl müsste in eine keineswegs kritikfreie, aber doch reflektierte Form der Solidarität münden.“
Der Autor zeigt sich ausdrücklich davon überzeugt, dass der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion der „andere Holocaust“ (nach Rolf-Dieter Müller) war: „Diese Tatsache ist nie ins kollektive historische Bewusstsein der Deutschen eingedrungen. Das ist fatal – war aber sicherlich so beabsichtigt.“
Teusch weiter: „Ich bin mir bewusst, dass meine Paralellesierung des Holocaust mit dem anderen Holocaust, also dem rassenideologischen Vernichtungskrieg im Osten, Widerspruch provozieren wird. Zieht man denn damit nicht die Singularisierung der Judenvernichtung in Zweifel? Nein, das tut man keineswegs. Man kann Menschheitsverbrechen weder gegeneinander aufrechnen noch gegeneinander ausspielen.“

Der Schlüssel liegt in Washington

Nicht weniger erkenntnisreich nimmt sich das Kapitel „Wer die Macht über die Geschichte hat, Teil 2: USA“, beginnend mit dem Unterkapitel „Empire im Niedergang“ ab Seite 76 aus.
Auf Seite 94 resümiert Ulrich Teusch, dass „fast drei Jahrzehnte nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und im Zeichen eines neu beginnenden kalten Krieges, gilt (…): Der Schlüssel liegt in Washington.“

Wahrscheinlich müssen sich sogar die USA als solche grundlegend ändern (wie es seinerzeit die Sowjetunion getan hat).“
Solange sich die USA querstellen und im im internationalen System eine anmaßende, selbstsüchtige und destruktive Rolle spielen, sind keinerlei Fortschritte zu erwarten, und das Land wird weiterhin ein schwer berechenbarer Störfaktor und Unruheherd bleiben.“
Schon während seines Studiums, schreibt Teusch, sei er auf einige Bücher von William Appleman, e Williams (1921-1990), einen Vertreter der Neuen Linken, einen „Radical“, gestoßen.
Williams habe schon in den 1980er Jahren geschrieben, so Teusch auf S. 94, „einfach nur eine Umorientierung der US-Außenpolitik zu verlangen“ genüge nicht; vonnöten sei vielmehr eine grundlegende, revolutionäre Umkehr des ganzen Landes.“
Zum Verständnis dessen muss im Kapitel vorher über eine Rede Wladimir Putins kurz vom dem Eingreifen Russlands in den Syrienkrieg (2015 gelesen werden. Worin der russische Präsident an die verheerenden Folgen der westlichen Interventions- und Kriegspolitik im Nahen Osten und in Nordafrika erinnerte: „Versteht ihr wenigstens jetzt, was ihr angerichtet habt?“

United States of Amnesia“

Eine auffrischende Geschichtsstunde ist das Kapitel „United States of Amnesia“ ab Seite 94. kriegerischen Aktivitäten der USA über viele Jahrzehnte in vielen Ländern dieser Welt – schlechthin: die US-Kriegsgeschichte – hinweg. Sowie die Militärpräsenz des Landes in vielen Ländern der Erde und den enormen, aktuellen Rüstungshaushalt Washingtons von 700 Milliarden Dollar für 2019.
Und der militärisch-industrielle Komplex (MIK) giert, braucht stets regelrecht, Aufträge für Rüstungsgüter. Vor dieser Gefahr warnte bereits ein früherer US-Präsident.

Der 5-Sterne-General, Stabschef der US-Armee, Alliierte Oberbefehlshaber im Zweiten Weltkrieg und Präsident der USA Dwight D. Eisenhower warnte die amerikanische Bevölkerung bei seiner Abschiedsrede als Präsident am 17.01.1961 vor dem Einfluss des Militärisch-industriellen-Komplexes, obwohl er selbst in seiner Amtszeit massiv zu dessen Wachstum im Kalten Krieg beigetragen hatte. Dwight D. Eisenhower: „Wir in den Regierungsräten müssen uns vor unbefugtem Einfluss – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den Militär-Industrie-Komplex schützen.“ (Quelle: Free21)
Der MIK braucht dazu immer wieder Kriege. Ergo auch „Die Kriegsverkäufer“. Dazu lesen wir Erhellendes ab Seite 104 des Buches von Ulrich Teusch. Und um Kriege anzuheizen sind „Die Propagandamacher“ vonnöten. Seit US-Präsident George W. Bush gibt es gar einen „Permanent War Complex“ (S. 128).

Gerade in heutiger Zeit“, schreibt Teusch, „da der militärisch-industrielle Komplex beziehungsweise der Permanent War Complex eine so unverkennbare Eigendynamik gewonnen hat, da er ganz unabhängig von der realen Bedrohungslage seine stets expansiven Bahnene zieht, muss man noch weit stärker in der Vergangenheit davon ausgehen, dass viele der Bedrohungen, mit denen uns tagtäglich das Fürchten gelehrt wird, nichts anderes sind als interessengeleitete Übertreibungen, Verzerrungen, Täuschungen oder Lügen – Kriegspropaganda ohne Grundierung in der realen Welt.“

Teusch: „Wer den Respekt vor Tatsachenwahrheiten verliert und untergräbt, der spielt mit dem inneren und äußeren Frieden, der setzt ihn aufs Spiel – und wird ihn am Ende verspielen.“

Teusch macht uns klar, dass es „Krieg, Zensur, Repression – damals und heute“ gab und gibt.“ (S. 139)
Dankenswerterweise hat der Autor auch „Erkundungen am medialen Abgrund“ (S. 157) vorgenommen. Gegen Ende des Kapitels weist Teusch in Anlehnung an eine Zitat von Hanna Arendt, auf den Kern des Problems hin: „Der Verlust des menschlichen Orientierungssinns, der Sturz ins Bodenlose – das wäre gleichbedeutend mit dem Ende der Demokratie.“ Arendt über Meinungsfreiheit: „ist eine Farce, wenn die Information über die Tatsachen nicht garantiert ist.“ Teusch dazu: „Wer den Respekt vor Tatsachenwahrheiten verliert und untergräbt, der spielt mit dem inneren und äußeren Frieden, der setzt ihn aufs Spiel – und wird ihn am Ende verspielen.“

Die dräuende Gefahr eines umgekehrten Totalitarismus

Gegen Ende des in möglichst viele Hände gehörenden Buches erinnert Ulrich Teusch an den Politikwissenschaftler Sheldon Wolin. Der hatte am Ende seines 93-jährigen Lebens eine Mahnung ausgesprochen, die Teusch als Vermächtnis begreifen möchte. „Sollte“, schreibt Teusch, „ der umgekehrte Totalitarismus irgendwann an Grenzen stoßen, sollte die Bevölkerung ungehalten, widerspenstig und ungehorsam werden, sollte die Systemfrage auf die Tagesordnung kommen, dann werden die Masken der Eliten fallen. Sie werden in ihrem Abwehrkampf zu genau jenen Mittel greifen, die wir aus dem klassischen Totalitarismus kennen: Gewalt und Repression. Die Aggressivität, die das Außenverhalten des Staates schon seit langem kennzeichnet, wird sich nach Innen kehren.“
Hand aufs Herz: Gibt es nicht schon Anzeichen dafür? Etwa betreffs des brutalen Vorgehens französischer Sicherheitskräfte gegen die Gelbwesten?
Priorität müsse haben, diese „katastrophische Entwicklung“ zu verhindern, mahnt Ulrich Teusch an.
Und, hofft er: „Es wäre schön, wenn sich an diesem Kampf auch ein paar vernunftbegabte Politiker oder redliche Journalisten beteiligten.“

Es ist so einfach

Zum Schluss zitiert Teusch aus Tolstois „Krieg und Frieden“: „Alle Gedanken, die Großes im Gefolge haben, sind immer einfach.“ Und: „Mein ganzes Denken geht dahin: Wenn sich die verderbten und schlechten Menschen zusammentun und zu einer Macht werden, so müssen die ehrlichen Menschen das Gleiche tun. So einfach ist.“
Möge es geschehen, rufe ich den ehrlichen Menschen voller Hoffnung zu. Lest dieses Buch und empfehlt es weiter!

Ulrich Teusch

Der Krieg vor dem Krieg. Wie Propaganda über Leben und Tod entscheidet
  • Group 10 Buch
  • Preis: 18 Euro