Roma Kulturfestival Dortmund: „Niemand ist ein Zigeuner“ schreibt Historiker Wolfgang Wippermann und Europa ab

Professor Wolfgang Wippermann (rechts) neben Moderator Bastian Pütter; Foto: C.-D. Stille

Professor Wolfgang Wippermann (rechts) neben Moderator Bastian Pütter; Foto: C.-D. Stille

Kaum waren am vergangenen Mittwoch die letzten Worte zur Eröffnung des 2. Roma Kulturfestival DJELEM DJELEM auf der Bühne des Theaters im Depot Dortmund verklungen, nahte auch schon einer der diesjährigen Programmhöhepunkte. Moderator Bastian Pütter (Redaktionsleiter von bodo) kündigte unter der Überschrift „Sinti und Roma – das kollektive Feindbild Europas“ eine Lesung und Diskussion mit dem Historiker Wolfgang Wippermann an. Pütter meinte wohl, das Publikum vorwarnen zu müssen. Weshalb er dem außerplanmäßiger Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut an der Freien Universität Berlin (Wikipedia) vorsichtshalber das Etikett „streitbar“ umhängte.

Wer den Namen Wolfgang Wippermann googelt, wird betreffs des Etiketts rasch fündig. Und man erhält Auskunft darüber, warum Wippermanns Arbeiten immer wieder kontrovers diskutiert werden. Manchmal auch wutschnaubend. Doch in Dortmund wurde schnell klar: Vor Wippermann muss niemand gewarnt werden. Es war nachgerade erfrischend ihm zu lauschen. Er ist nämlich erfreulicherweise keiner, der hinter dem Berge hält. Der Mann redet Tacheles und nicht um den heißen Brei herum. Noch beschönigt er, wo es nichts zu beschönigen gibt. Welch ein Genuss in Zeiten flachen Politikergeschwätzes und einer Presse, die mit dem was man unter Vierter Gewalt versteht fast nichts mehr zu tun hat.

Die Lesung („nur um Sie in Sicherheit zu wiegen, als eine solche angekündigt“,so Moderator Pütter) sei keine. Wippermann las also nicht, er sprach. Orientierte sich aber selbstverständlich an seinem neuen Buch „Niemand ist ein Zigeuner“.

Bald lief die „Maschine“ rund und wie am Schnürchen: „Ich möchte schreien vor Wut, anschreien“

Allmählich lief der außerplanmäßige Professor aus Berlin mit norddeutschen Migrationshintergrund warm. Und es war ein Vergnügen dem beizuwohnen! Bald lief die professorale „Maschine“ Wippermann rund und wie am Schnürchen. Heidewitzka! Ja, lesen würde er tatsächlich nicht, so Wolfgang Wippermanns Einlassung. Stattdessen möchte er: „Schreien, schreien vor Wut. Ich möchte anschreien. Nicht nur das ostdeutsche Pack, sondern auch das westdeutsche Pack. Ich möchte anschreien das gesamtdeutsche Pack und die deutschen Politiker.“ Warum? Weil der Antiziganismus durch das Handeln dieser Politiker und des Packs zu einer Radikalisierung führe. „Wir erleben eine unerhörte antiziganistische Welt. Eine Welle der Feindschaft gegenüber der Sinti und Roma.“ Und dies, so Wippermann, würde nicht einmal ausgesprochen, sondern kaschiert. „Wenn gesagt wird, es gibt sicherer Herkunftsländer im „Westbalkan“, so ist das antiziganistisch motiviert. Denn gemeint sind die Roma: „Diese sollen nicht kommen. Wenn die Flüchtlinge selektiert werden in gute Flüchtlinge und böse Flüchtlinge – das sind die Roma-Flüchtlinge. Und die Roma-Flüchtlinge sofort in Abschiebelager kommen, um schnell abgeschoben zu werden, so ist das antiziganistisch motiviert.“ Wippermann mache das Spiel nicht mit, die einzelnen Flüchtlingsgruppen gegeneinander auszuspielen: „Das ist perfide.“

Antiziganismus in seinen Spielarten

„Aber müsse gesagt werden – und es wird nicht genug gesagt – vor allem auch nicht von den Journalisten – dass das, was wir hier erleben, die Aggression ist, die vor allem gegen Roma gerichtet ist.“ Früher habe man, wie etwa seine Großmutter, gesagt: „Die Wäsche weg, die Zigeuner kommen!“ Dagegen heiße es heute: „Asylrecht weg, die Roma kommen!“ Antiziganismus definierte Wippermann als „die Feindschaft gegenüber den Roma und anderen als Zigeuner klassifizierte Menschen – die müssen selber gar nicht Roma sein“. Diese Feindschaft dürfe wohl laut Umfragen von 60 Prozent der deutschen Mehrheitsbevölkerung getragen werden, sagte Wippermann. Also eine „Ideologie, eine Mentalität die tief in der Mehrheitsbevölkerung verankert ist“. In den Nachbarländern sei der Anteil noch höher. So könne es den Herrschenden gelingen die vorhandenen Vorurteile politische zu instrumentalisieren. Mit Antiziganismus verhalte es sich ähnlich wie mit dem Antisemitismus.

Religiös

Zunnächst sprach Wolfgang Wippermann vom religiösen Antiziganismus. Man sage also: „Die Zigeuner seien Kinder Kains. Kain, der sein Bruder ermordet hat. Und von Gott dazu verurteilt wird herumzuziehen.“ Und gar nicht lustig sei, dass die Roma auch in Beziehung zum Teufel gesetzt würden: „Der Teufel soll schwarz sein. Weiter wird behauptet, die Roma seien ebenfalls schwarz. Und die Roma hätten vom Teufel die magischen Fähigkeiten.“ Wie etwa das Wahrsagen. „Die Frauen die Sex mit dem Teufel hatten, zum Blocksberg kamen und zu Hexen geworden sind.“

Alte Kamellen? Historiker Wippermann erinnerte daran, dass vor einigen Jahren Kaufleute im Emsland Besen (ein teuflisches Symbol) in ihre Fenster hängten, um die Roma vom Betreten ihrer Geschäfte abzuhalten. Klartext: Um sie vom vermeintlichen Klauen abzuhalten. „Doch die Roma waren pfiffig und fragten: Was kosten die? Ist das ein Sonderangebot?“ Das mit den Besen habe sich seinerzeit von der gesamten norddeutschen Tiefebene bis nach Berlin ausgebreitet.Wolfgang Wippermann verschmitzt: Dass sei „was Ernst Bloch – „Ich muss ja als Professor auch so etwas zitieren – die ‚Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen‘ genannt hat“.

Sozial

Für die Bestätigung des sozialen Antiziganismus reiche ein Blick in die jeweilige Tageszeitung: „Trickbetrügereien und rumänische Diebesbanden“ – damit seien die Roma gemeint.

Zigeuner, das wüssten wir ja eben, klauen. Und sind auch Gauner. Wippermann: „Tatsächlich haben die blöden deutschen Professoren den Begriff Zigeuner aus der deutschen Sprache abgeleitet vom Verb ziehen und dem Substantiv Gauner, respektive Zieh-Gauner. In Wirklichkeit stammten Zigeuner, wie das Französisch Zigan ursprünglich aus dem Griechischen Zingani. Im 10 Jahrhundert wanderten sie nach Griechenland ein.

Rassistisch

Der rassistische Antiziganismus müsse als Rassismus bezeichnet werden. Das vermeintlich Asoziale, Negative am Verhalten der Roma, hieße es da, sei quasi genetisch bedingt. Der deutsche Professor Moritz Grellmann habe im ausgehenden 18. Jahrhundert gar behauptet: „Das ist ein orientalisches Volk mit einer orientalischen Denkungsart“.

Dann nannte der Historiker noch den romantisierenden Antiziganismus. Frei nach dem bekannten Motto: „Lustig ist das Zigeunerleben“ Vor allem Dingen in den sicheren Herkunftsländern und auch in Abschiebelagern“, ätzte Professor Wippermann. Und die nächsten offenbar unausrottbaren Klischees: „Die Frauen der Roma sind sexy. Und die Männer machen tolle Musik.“

Antiziganismus als europäisches Vorurteil

Den .Antiziganismus bezeichnete der Referent als ein europäisches Vorurteil. Das sich hartnäckig halten, obwohl es in unseren Breiten europäische Roma seit etwa 1000 Jahren gibt. In Deutschland sind sie seit etwa 600 Jahren sesshaft. Antiziganismus sei so etwas wie der kulturelle Code Europas. Mittels dessen sich Europa definiere.

Die Politik aller europäischer Staaten sei vor dem Völkermord der Nazs antiziganistisch geprägt gewesen.Es gab Zigeuner-Gesetze und Zigeunerjagden. Bis 1856 waren Roma in Rumänien versklavt! Während andernorts erwachsene „Zigeuner“, die gegen Gesetze verstoßen hatten und infolgedessen ausgewiesen wurden, konnten Zigeunerjungen oder Zigeunermädchen käuflich erworben werden.

Deutschland – hauptsächlich unter Hitler – betreffs der Verfolgung der Roma in der Tat schlimm gewesen. Aber Frankreich, England und Polen hätten ebenfalls große Schuld auf sich geladen. Was freilich das deutsche Tun nicht besser mache. Toleriert wurden Roma allenfalls im Osmanischen Reich und in Russland.

Der europäischer Völkermord an den Roma, sei von zwar von Nazideutschland initiiert gewesen – besetzte Länder hätten sich aber fleißig daran beteiligt. Etwa die Slowakei unter der Regierung des katholischen Pfaffen Tiso. Ungarn beschmutzte sich durch das Tun der faschistischen Pfeilkreuzler. Auch die Tschechei blieb nicht ohne Schuld. Und schlimmer noch wütete Kroatien unter den Ustascha und mithilfe der katholischen Kirche.

Nach 1945 seien die Roma weiter diskriminiert und auch verfolgt worden. In den sozialistischen Staaten Osteuropas erging es ihnen besser – immerhin hatten viele Roma bis zur Wende noch Arbeitsstellen. In Westdeutschland haben erst 1972 revidiert, dass die Roma als Asoziale gelten. Schilder mit der Aufschrift „Für Zigeuner verboten“ habe es noch nach dem Krieg gegeben. Immerhin wurden die Roma 1997 als ethnische Minderheit anerkannt. An der Umsetzung hapere bis indes bis heute.

Deutsche Sinti und Roma gelten in Deutschland als gut integriert. „In Frankreich“, so merkte Wolfgang Wippermann an, „ können die Roma von Verhältnissen wie in Dortmund nur träumen.“ Man müsse sich nur mal die Slums dort anschauen. Und sich darin erinnern, wie Ex-Präsident Sarkozy mit ihnen verfuhr: Stichwort: Ausweisung. In Rumänien seien die Roma nach dem Ende des Sozialismus von ihren Arbeitsplätzen verdrängt worden. „Tötet Roma!“ könne man da heute beispielsweise in einem Fußballstadtion lesen. In Ungarn hetze und wüte die Nachfolger der Pfeilkreuzler, die (zweitstärkste Partei in Ungarn), Jobbik („Die Besseren“) gegen Roma. In Jugoslawien wären Roma weitgehend integriert gewesen. Viele kamen als Gastarbeiter nach Westdeutschland Gastarbeiter und seien hier voll integriert. Zerfall. Diese Roma wollten immer jugoslawisch sein. Nachdem die Zerschlagung der Bundesrepublik Jugoslawien mit deutscher Hilfe gelaufen war, schwammen ihnen auch dort die Felle davon. Wippermann wütend: Und heute stelle sich unsere Regierung hin und erklärt etwa den Kosovo als sicheres Herkunftsland! Journalisten verharrten in einer Schweigespirale. Angriffe gegen Roma in diesen „sicheren Herkunftsländern“ des Balkans thematisierten sie nicht.

Wolfgang Wippermann: Betreffs Europa ist „alle Hoffnung verloren, das kann man in die Tonne stopfen“

Der Historiker Wolfgang Wippermann (rechts) beim 2. Roma Kulturfestival in Dortmund mit Moderator Bastian Pütter (links), Foto: C.-D. Stille

Der Historiker Wolfgang Wippermann (rechts) beim 2. Roma Kulturfestival in Dortmund mit Moderator Bastian Pütter (links), Foto: C.-D. Stille

Europa, kritisierte Professor Wippermann, toleriere die Diskriminierung der Roma in Westeuropa und Osteuropa gegenüber den Roma: „Gegenüber den Roma ist die EU längst zu einer „Unwertegemeinschaft“ geworden, die ihnen das Asylrecht verweigere. Die EU sei nur noch eine Wirtschaftsgemeinschaft und mit Bankenrettungen beschäftigt. Wippermann nüchtern: „Der europäische Traum ist vorbei. Wir Europäer sollten aus ihm erwachen und für die Rechte europäischen Roma kämpfen.“ Früher habe es geheißen: „Die Wäsche weg, die Roma kommen.“ Heute sage man: „Asylrecht, die Roma kommen.“

Wolfgang Wippermann lobte Dortmund für seine Bemühungen, den ankommenden Roma zu helfen. „Hier ist offenbar noch eine Zivilgesellschaft vorhanden.“ Da bestehe einige Hoffnung. Aber was Europa angehe, „da hab er alle Hoffnung verloren, das kann man in die Tonne stopfen. Europa hat versagt. Sollen sich nur noch um die Banken kümmern.“

Europa, beklagte Wippermann, habe keine Ideen. Seien früher die Juden als Sündenböcke benutzt worden, seien dies u.a. heute die Roma. Schließlich sei Antisemitismus sanktioniert. Betreffs einer Abgrenzung von Roma, da rege sich keiner auf. Von Wirtschaftsflüchtlingen und Sozialschmarotzern könne ungestraft die Rede sein. Rassistische Diskriminierung finde weiter statt, obwohl man nicht mehr von Zigeunern spricht. Aber Stammtisch versteht ja auch so.

Nur mal so: ein eigener Staat der Roma mit Atombombe?

Auch erfolge kein Aufschrei, wenn die Regierung bei Flüchtlingen selektiert. Um Roma abschieben zu können, erkläre man Staaten zu sichereren Herkunftsländern. Und dann läuft die Wippermannsche „Maschine“ noch einmal mit voller Kraft. Der Professor sprach von der Teilnahme an einer Historikerkonferenz. Da habe er mit jemanden gefragt, warum denn die Roma, die größte europäische Minderheit (es wird von 12 Millionen Menschen gesprochen) keinen eignen Staat gründe. Vielleicht würden ja die Rechte dieser Menschen dann endlich respektiert? Immerhin habe das ja bei den Juden mit Israel auch geklappt. Und die hätten ja die Atombombe. Den führe so schnell keiner an den Karren. Und provokativ habe er nachgesetzt: Wenn die Roma auch einen eignen Staat und auch eine Atombombe … Die Blicke, die ihn da trafen, werde er nicht vergessen.

Vor Wolfgang Wippermann muss nicht gewarnt werden. Und kommt er auch noch so polemisch daher. Damit erhellt er die Sachverhalte bis zur absoluten Kenntlichkeit.  Nein, der Mann muss zu Vorträgen eingeladen werden. Und zu Talkshows im Fernehen. Mehr davon! Ein engagierter Auftritt war das im Dortmunder Theater im Depot. Ein Vortrag mit ernstem Hintergrund, aufgelockert mit humorvollen Einsprengseln. Mögen doch mehr Leute in diesem unserem Lande so „streitbar“ sein und in deutschen Vortragssälen, Rundfunk- und Fernsehsendern reichlich zu Wort kommen. In diesen miesen Zeiten, des Niedergangs des politischen Europas samt seiner einst vollmundig postulierter, nun jämmerlich absaufender  europäischer Werte, werden Leute wie Wippermann benötigt, die nicht hinterm Berge halten.

Aus dem Programm des 2. Roma Kulturfestivals DJELEM DJELEM zu diesem anregenden Abend:

„Lange waren Sinti und Roma aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit weitgehend verschwunden: Eine Mischung aus Bettelei und Folklore, das war alles, was von dem einstigen Schreck- und Sehnsuchtsbild der „Zigeuner“ übrig geblieben war. Erst die „Armutszuwanderung“ aus Südosteuropa hat Sinti und Roma wieder ins Blickfeld gerückt – und das alte Feindbild wiederbelebt.

 

Wolfgang Wippermann geht den Vorurteilen auf den Grund und differenziert religiöse, soziale, romantisierende und rassistische Motive. Zusammen bilden sie, so erklärt er, eine eigenständige Ideologie: den Antiziganismus. Der entsteht nicht etwa im Bodensatz der Gesellschaft oder ist historisch erledigt, diese Ideologie ist nach wie vor politisch gewollt: Sie dient der Abgrenzung vom vermeintlich Fremden und der Legitimation von Herrschaft. Doch sie verletzt den europäischen Wertekanon und muss genauso geächtet werden, wie es der Antisemitismus wird. Es wird Zeit, dass Europa begreift: Niemand ist ein Zigeuner!“

Dortmund: Roma-Flagge über der Stadt – DJELEM DJELEM läuft bis 12. September

Dortmunds Stadtdirektor Jörg Stüdemann (links) eröffnet im Beisein der Mitorganisatoren Ersoj und Armida das 2. Roma Kulturfestival DJELEM DJELEM im Theater im Depot; Fotos. C.-D. Stille

Dortmunds Stadtdirektor Jörg Stüdemann (links) eröffnet im Beisein der Mitorganisatoren Ersoj und Armida das 2. Roma Kulturfestival DJELEM DJELEM im Theater im Depot; Fotos. C.-D. Stille

Nach der Performance „Schubladen“, draußen in der Tramreparaturhalle des einstigen Depots auf der Dortmunder Immermannstraße, begrüßte Stadtdirektor Jörg Stüdemann die Gäste zur Eröffnung des 2. Roma Kulturfestivals DJELEM DJELEM auf der Bühne des Theaters im Depot. Stüdemann sagte eingangs, man wolle neben den Kulturbegegnungen, die sich nun aneinander reihten und zu besichtigen seien, auch „auf die Lebenszustände und Lebensumstände der Neubürger in Dortmund aufmerksam machen“. Es gelte vor allem „Arbeit und Wohnen“ dieser Menschen zu organisieren. Derzeit lebten in Dortmund viele tausend Menschen „vor allem aus Bulgarien und Rumänien, aus Spanien und auch aus Mazedonien.“ Die Lebenssituation der Menschen mit vielen Kindern sei „alles andere als rosig“, Jörg Stüdemann in seiner Ansprache.

Stadtdirektor Jörg Stüdemann: Nicht von Vorurteilen und antiziganistischen Verwirrungen verblenden lassen

„Wir alle als Wohlfahrtsorganisationen, aber auch als Stadtverwaltung sind dazu aufgerufen hier eine Veränderung herbeizuführen.“ Man sei „glücklich darüber, dass so viele Kinder in die Stadt gekommen sind: Die Zahl der Kinder ist im Verlaufe eines Jahres um fast 2000 gestiegen.“ Vor noch wenigen Monaten bzw. vor zwei Jahren „gab es hier düstere Prognosen wie sich die Kinderzahlen in Dortmund entwickeln würden. Das Gegenteil ist mittlerweile eingetreten.“ Aber dazu gehöre eben auch, „dass wir eine Verantwortung für einander empfinden und sagen, wir müssen dann dafür Sorge tragen, dass diese Kinder in dieser Stadt aufwachsen können, die Beschulung funktioniert, der Kindergarten besucht werden kann und dass man sich in dem Miteinander nicht von Vorurteilen und antiziganistischen Verwirrungen verblenden lässt.“ Was sozusagen an die deutsche Stadtgesellschaft gerichtet sei.

An die Roma gerichtet, sagte Stüdemann: Haben Sie den Mut und habt den Mut, euch selbst zu organisieren, Projekte auszurufen, Aufmerksamkeit zu organisieren. Lebt stolz die Kultur, die ihr mitbringt!“ Man wolle auch darüber sprechen, „ob es Sinn machen kann ein Haus der Romakulturen für das Ruhrgebiet in Dortmund zu etablieren.“ Jörg Stüdemann wünschte dem Festival ein gutes Gelingen.

AWO Geschäftsführer Andreas Gora: Die Arbeit für das Festival hat auch uns „den Blick zurechtgerückt“

AWO-Unterbezirksvorsitzender Andreas Gora während seiner Ansprache.

AWO-Unterbezirksvorsitzender Andreas Gora während seiner Ansprache.

Der Geschäftsführer Arbeiterwohlfahrt des Unterbezirks Dortmund, Andreas Gora, drückte seine Freude darüber aus, dass man dieses Festival organisiere. „Das hat uns auch ’ne Menge gebracht. Und hat uns auch den Blick zurechtgerückt in einer Stadt, die sich häufig zwar als modernistisch und populär und weltoffen präsentiert – aber vielleicht nicht immer ist.“ Gora bedankte sich bei allen, die am Festival mitarbeiten und es ermöglichten. Ausdrücklich erwähnte Andreas Gora die beiden Schirm“herren“ des Roma Kulturfestivals, die da seien, Peter Maffay – „Ich mag den ja nicht“, so Gora, (Lachen im Publikum),  „freue mich aber trotzdem, dass es gelungen ist  ihn zu gewinnen“ sowie Aydan Özuguz, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Theatervertreter: DJELEM DJELEM ein „Glücksfall“

Ein Vertreter des gastgebenden Theaters im Depot erinnerte daran, dass das „im wahren Sinne Naheliegende, nämlich der Stadtteil in welchem wir arbeiten, die Menschen die hier leben, die soziale Wirklichkeit der Stadt in der wir uns bewegen“ aus dem Blickfeld gerate. Man wolle Kulturort, Treffpunkt, Ort des Austausches und Ort der Unterhaltung für all die zu sein, die in unserer Nachbarschaft, der Dortmunder Nordstadt wohnen.“ DJELEM DJELEM bezeichnete der Theatermann als „Glücksfall“. „Wir finden es großartig und beispielhaft, dass die Veranstaltungspartner der AWO, des Kulturdezernats, der Auslandsgesellschaft, der verschiedenen Selbstorganisationen der Roma wie Terno Drom“ und anderer in diesem Sinne tätigen Organisationen „sich mit uns in diesem Projekt zusammengetan haben für diese kulturell und gesellschaftlich wichtige Arbeit in der Wirklichkeit unserer Stadt“. Und weiter: „Kultur in all ihren Ausprägungen ist für alle und per se nicht an nationale oder ethnische Grenzen gebunden. Und Kultur kann grundsätzlich in jeder Gemeinschaft jedem Zusammenleben Identität und Zusammenhalt stiften.“ Dass man die Roma-Kulturen in den Fokus des Festivals stelle, „ist ein Ausdruck des Respekts vor den kulturellen Leistungen dieses so häufig unterdrückten Volkes, ebenso wie es Fanal sein soll für den Zusammenhalt aller Menschen in dieser Stadt – seien sie hineingeboren, geflohen, gewandert oder auf sonstigen Wege dahin geraten.“

„Willkommen ist der erste Schritt zur Heimat.“ Man würde sich glücklich schätzen, wenn man an den „Geburtsvorbereitungen“ eines guten Zusammenlebens in der Stadt einen Anteil geleistet habe.

Programmheft via AWO-Unterbezirk Dortmund.

Programmheft via AWO-Unterbezirk Dortmund.

Seit gestern nun  „weht“ vom U-Turm der Stadt Dortmund herab und als Videoprojektion weithin sichtbar die Flagge der Roma. Zu verdanken ist das dem Dortmunder Kult-Regisseur und Film-Professor  Adolf  Winkelmann und seinen  MitarbeiterInnen.

Das Kulturfestival DJELEM DJELEM findet vom 2. bis zum 12. September 2015 an unterschiedlichen Orten in Dortmund statt. Den Veranstaltungskalender finden Sie hier.

Dortmund: 2. Roma Kulturfestival DJELEM DJELEM mit der Performance „Schubladen“ eröffnet

Ouvertüre zum Festival: Das Projekt "Schubladen" im Dortmunder Theater im Depot; Fotos. C.-D. Stille

Ouvertüre zum Festival: Das Projekt „Schubladen“ im Dortmunder Theater im Depot; Fotos. C.-D. Stille

Jeder Mensch hat Vorurteile. Besser gesagt: eignet sie sich im Laufe des Lebens an. Denn mit Vorurteilen kommen niemand auf die Welt. Wer Vorurteile teilt oder selbst welche fällt, tut sich sich schwer damit, diese zu bekämpfen oder gar abzubauen. Eine empfehlenswerte Medizin, dies zu tun, ist das Buch „Achtung! Vorurteile“ des leider zu früh verstorbenen Sir Peter Ustinov.

Damit alles schön einfach bleibt

Und wo es Vorurteile gibt, existieren auch Schubladen. Schubladen, um Menschen hineinzustecken. Damit alles schön einfach bleibt. Damit das eigne Weltbild bloß nicht ins Wanken gerät.

Am 2. September ist das 2. Roma Kulturfestival „DJELEM DJELEM“ im Dortmunder Theater im Depot auf der Immermannstraße eröffnet worden.

Sozusagen als Ouvertüre zum Festival ging das interessante Projekt „Schubladen“ über die „Bühne“, wo einst Dortmunder Straßenbahnen repariert und gewartet wurden.

Nicht einfach, aus Schubladen wieder herauszukommen

Die zündende Idee dahinter war, dass „Schubladen“ im Sprachgebrauch nicht selten Synonyme für begrenztes, vorurteilsbehaftetes Denken sind. Im Alltag erweist sich ihr Gebrauch als überaus nützlich, um das eigene Weltbild zu pflegen und nur nicht revidieren zu müssen. Gerade in Deutschland sind Schubladen reichlich in Gebrauch. Wer einmal – sei es als Einzelperson oder gar als Volksgruppe in eine solche hineingesteckt wurde, kommt schwerlich wieder heraus. Auch die Medien sind da keine große Hilfe: eher ist das Gegenteil der Fall.

Das Projekt

Blick in eine der Schubladen.

Blick in eine der Schubladen.

Das Projekt „Schubladen“ von kulturpflanzen e. V. hat gemeinsam mit Akteuren in der Nordstadt, insbesondere Roma und anderen Migranten ein Projekt auf die Beine gestellt, das gestern nun erstmalig im Rahmen des Roma Kulturfestivals „DJELEM DJELEM“ präsentiert wurde. Bespielt wurde ein Objekt aus gebrauchten Schubladen, die von bodo e. V. gesammelt wurden.

Hier geht es um Fußball ...

Hier geht es um Fußball …

Zusammengefügt und gebaut wurden sie von der Jakob-Muth-Schule in Bochum. Gefüllt sind die Schubladen mit Geschichten und Gegenständen, die erzählen, wie Roma und andere Migrantinnen und Migranten Deutschland sehen.

Was sie u.a. beschäftigte:

„Wie die Deutschen mit Tieren umgehen, gefällt mir. In Rumänien und Spanien werden sie mit Füßen getreten.“

 

„Ich habe geglaubt, dass in Deutschland mehr Licht ist. U-Bahnen kannte ich vorher nicht.“

 

„Meine Tante in Rumänien wohnt in einem Haus mit Schlangen. Hier gibt es sowas nicht.“

 

„Es ist gut, dass es im Kindergarten so viel Platz zum Spielen gibt.“

Die Akteure, Kinder und Jugendliche, geboren in Spanien, Rumänien oder Deutschland, die alle zusammen in Dortmund leben, vermochten den Grundgedanken dieser Performance mit Bravour herüberzubringen. Jeder und jede hat eben (von Außen) bestimmte Vorstellungen (bzw. Vorurteile) über ein Land und seine Menschen. Nicht selten müssen diese Vorstellungen bei Eintritt in die Wirklichkeit dieses Landes und seiner Menschen revidiert werden. Das Gleiche gilt für hier geborene Menschen, betreffs ihres Blickes auf Ausländer.

Schlummernde Potentiale bei den Zugewanderten

Einer der Höhepunkte von "Schubladen".

Einer der Höhepunkte von „Schubladen“.

Im Verlaufe der kleinen Vorstellung wurde gerade bei der  Eigenvorstellung der Kinder deutlich, welche Potentiale in Migranten vorhanden sind: „Ich heiße … und komme aus Rumänien. Ich spreche Rumänisch, Romanes und etwas Deutsch.“ Oder: „Ich komme aus Spanien und spreche Spanisch, Romanes, Englisch und bisschen Deutsch.“ Und die deutschen Mädchen: „Ich spreche Deutsch und Englisch und … Deutsch.“  Bei den Zuschauern schien für Momente eine Idee auf, wie das Zusammenleben von Migranten und Mehrheitsbevölkerung gegenseitig befruchtend sein könnte.

Künstlerische und pädagogische Leitung des Projektes und Umsetzung:
Manuela Wenz und Lena Leniger, kulturpflanzen e. V.. Förderer & Veranstalter: Interkulturelles Zentrum, bodo, Kultur Rucksack NRW sowie kulturpflanzen e. V.

Guter Start ins Festival

Ausgelasse Stimmung bei den Gästen.

Ausgelassene Stimmung bei den Gästen.

Ein zu Herzen gehendes – engagiert vorgetragenes und mit Leben erfülltes Projekt! Eine hervorragende Ouvertüre zum Start des 2. Roma Kulturfestivals in

Bulgarische Straßenmusiker gaben alles. Im Hintergrund ein Büffett mit Balkanspezialitiäten.

Bulgarische Straßenmusiker gaben alles. Im Hintergrund ein Buffet mit Balkanspezialitiäten.

Dortmund. Für Stimmung sorgten bulgarische Straßenmusiker – dazu wurde ausgelassen getanzt. Dazu bestens passend, stand für die Gäste ein Buffet  mit leckeren Balkanspezialitäten bereit. Wenn das kein guter Start in das Festival war!

RT-Deutsch: Jasmin Kosubek rückt mal eben ein paar Dinge gerade

Jasmin Kosubek rückt Dinge gerade …

Avatar von DokDie Propagandaschau

RT-Deutsch-logoDa wir uns hier und heute gleich in zwei Beiträgen mit den Lügen, Heucheleien und dem unsäglich dummen Geschwätz zweier Kriegshetzer, Schmierenjournalisten und politischen Agitatoren der Süddeutschen Zeitung beschäftigen mussten, stellen wir deren Propaganda einen kurzen und prägnanten Wortbeitrag von Jasmin Kosubek aus der heutigen RT-Deutsch-Ausgabe gegenüber. Das ist natürlich „Russen-Propaganda“ pur in der verzerrten Lügenwelt eines Stefan Kornelius oder Julian Hans, aber aufgeklärte Bürger können sich auf diese Weise eine eigene Meinung bilden, wer hierzulande wirklich Propaganda und Desinformation betreibt.

Jasmin_Propaganda Bild anklicken, YouTube!

Ursprünglichen Post anzeigen

Dortmund: Begegnungs- und Willkommensfest für Geflüchtete bei bester Laune und schönem Wetter

Flyer zum Fest; via Projekt Ankommen e.V.

Flyer zum Fest; via Projekt Ankommen e.V.

Für den heutigen Sonntag hatte der neu gegründete Verein „Projekt Ankommen e.V.“ in Kooperation mit dem Verein „Naturfreunde  Kreuzviertel e.V.“ ein Willkommens- und Begegnungsfest für Geflüchtete organisiert.

Eingeladen waren alle Bewohner der Dortmunder Flüchtlingsunterkünfte, aber auch Geflüchtete, die in eigenen Wohnungen untergebracht sind, sowie Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Darüber hinaus willkommen waren natürlich auch Nachbarn, Freunde und Interessierte.

„Das Programm kann sich sehen lassen“, hatte Nahid Farshi, die Vorsitzende des Vereins „Projekt Ankommen e.V.“ und Organisatorin des Begegnungsfestes angekündigt: „Hier ist für jeden etwas dabei!“

Und so geschah es dann auch. Schon vor Beginn des Festes um 14 Uhr fanden sich zahlreiche Festgäste bei noch einmal herrlichem Sommerwetter ein.

Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß: Alles dafür tun, dass eine humanitäre Einstellung ein Gesetz des Herzens wird

Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß (Mitte) eröffnet das Fest; Foto: C.-D. Stille

Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß (Mitte) eröffnet das Fest; Foto: C.-D. Stille

Die sonntäglichen Festgäste wurden von Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß begrüßt.

Fuß erinnerte daran, dass der Stadtteil vom Regierungspräsidenten den Integrationspreis wegen hervorragender Flüchtlingsarbeit verliehen bekommen hat. Die Bevölkerung des Stadtbezirks, so Fuß, wolle, dass die „wir die Flüchtlinge als unsere Gäste betrachten“. Die Bereitschaft zu Geld- und Sachspenden sei ungebrochen, lobte Friedrich Fuß. „Die Bettlaken mit der Aufschrift ‚Willkommen!‘, die die Gäste als erstes sind Ausdruck einer humanitären Kultur dieses Stadtbezirkes“. Man wisse, hob der Bezirksbürgermeister hervor, dass die Gäste nicht leichtfertig und freiwillig kommen: „Sie fliehen vor Mord und Totschlag. Sie fliehen, weil ihr Leben in Gefahr ist. Sie fliehen vor einer Terrorgruppe, die nicht nur Bilderstürmerei betreibt und wertvolle Kulturgüter zerstört. Nein, sie töten jeden der sich nicht ihrer unmenschlichen Vorstellung von Gesellschaft anpasst und mitmacht. Diese Terroristen wollen zurückkehren in einen vorvernünftige Zeit. In eine Zeit, die nicht von Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit geprägt war.“ Weil Menschen von diesen Terroristen „ins Mittelalter zurückgeschossen werden sollen“, müssten wir bereit sein, sie hier als Gäste aufzunehmen. „Es sind Menschen wie wir, die selbstbestimmt leben wollen“, so Fuß weiter. Niemand wolle gerne seine Heimat verlassen und seine Lieben zurücklassen. Er wisse auch, dass nicht alle Menschen die Meinung teilten, dass die Flüchtlinge hier aufgenommen gehörten. „Einige solcher Menschen leben auch hier im Stadtbezirk.“ Aber es seien nur wenige. Und Rückhalt in der Bevölkerung hätten sie nicht.

Dann redete Fuß Klartext: „Menschen die Häuser in Brand stecken in denen Kindern und Frauen, Alte und Gebrechliche, Schlafende wohnen und leben – solche Menschen sind Terroristen. Wir müssen sie auch so nennen.“ Der Redner betonte, dass jeder Mensch das Recht auf Freizügigkeit und auf ein menschenwürdiges Leben habe. „Wir sollten alles tun, dass diese humanitäre Einstellung ein Gesetz des Herzens wird.“ Als Menschen werden wir weltoffen geboren. Uns steht es frei gut und böse zu handeln. Ich bitte Sie, ich bitte uns alle, sich für ein gutes Handeln zu entscheiden. Für ein Leben mit den anderen, vor allen mit denen, die bei uns Schutz suchen. Bedenken Sie: Wir sind er Garant für ihr Leben! Für ein Leben in Freiheit und in Sicherheit.“ Den Westpark bezeichnete Friedrich Fuß als „Park der Nationen“. Damit war das Fest eröffnet.

Speisen und Getränke waren wie die Gäste multikulturell; Foto: Stille

Speisen und Getränke waren wie die Gäste multikulturell; Foto: Stille

Naturfreunde Kreuzviertel e.V sorgten für Kaffee und Kuchen. Für Kinder stand eine Hüpfburg zur Verfügung. Kinderschminken wurde angeboten. Angeseilt konnte – wer wollte – sich im Kistenklettern versuchen. Eine Fahrradwerkstatt führte kleine Reparaturen an Drahteseln aus. Der Adlerkiosk bot an seinem Stand türkische Grillspezialitäten an. Eine Abordnung des Restaurants „Sweet Chili“ waretete mit leckeren tamilischen und indischen Speisen auf. Alevitische Leckereien waren ebenso gefragt wie von nigeranischen Studenten bereitete Happen.

Es musiziert u.a. die Gruppe "Name"; Foto: Stille

Es musiziert u.a. die Gruppe „Name“; Foto: Stille

Den musikalischen Part bestritt znächst die Gruppe „Name“. “ Name“ ist nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden deutschen Wort, es bezeichnet vielmehr ein langes Lied oder Gedicht in der türkischen Kultur. Die Band greift neben türkischen auch Einflüsse aus der persischen Musik und westlichen Sounds auf.

Zwischen den Auftritten gab es internationale Musik aus der Konserve zu hören, aufgelegt von DJ Frank und DJ Nessano.

Neben Kioomars Musayyebi am persischen Hackbrett „Santour“ sollten weiters spielen einige Veteranen der Dortmunder Worldmusic-Szene: Kioomars Musayyebi – Santour, Hasan Görgün – Darbuka, Percussion, Thomas Hopf – Schlagzeug, Jens Pollheide – Bass und Flöte. Später war eine kurdisch-syrische Musiker-Gruppe angekündigt. Amer und Taher Mohammad sowie Abdulsalam leben seit einem Jahr in Deutschland. Sie spielen und singen kurdische Volkslieder.

Für den Abend standen die Do-Town Wonder Bros auf dem Ablaufplan: „Vier Dortmunder Jazzprofis widmen sich den Motown Sounds der 60er und 70er Jahre, mit Soul- und Motown-Klassikern von Stevie Wonder über James Brown bis zu den Rolling Stones im jazzig-smoothen Barsound. Wah-Wah-Gitarre trifft auf jazziges Saxophon, der Kontrabass knurrt funky über entspannten Percussiongrooves.“

„Es soll ein friedliches Fest werden“, hatte Nahid Farshi im Vorfeld des Willkommensfestes gesagt: „Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Feiern, das gegenseitige Kennenlernen und der interkulturelle Austausch.“ Und so war es auch. Toll war es! Immer wieder wurde auf dem Rasen vor der Bühne spontan zu orientalischer Musik mitgetanzt.

Der Verein „Ankommen e.V.“ wurde im April 2015 gegründet. „Zusammengefunden haben sich die meisten von uns durch unser ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsunterkunft in der Adlerstraße“, hatte Astrid Cramer, stellvertretende Vorsitzende des Vereins vor der Veranstaltung erklärt. Der Verein unterstützt nun vor allem die geflüchteten Menschen, die bereits in ihren eigenen Wohnungen leben. Die Hilfsangebote für diese Menschen sind begrenzt und oft gar nicht bekannt.

„Konkret helfen wir den Menschen bei Auszügen, vermitteln Patenschaften zwischen Dortmundern und den Geflüchteten, helfen bei Arzt- oder Amtsgängen, planen Aktionen, Veranstaltungen und bieten aktuell für rund 30 Geflüchtete einen Deutschkurs mit Kinderbetreuung an“ informierte Cramer. Unterdessen hat der Verein immer öfters Erfolge zu vermelden.

Multikulti ist tot? Der Eindruck vermittelte sich an diesem Sonntag nicht. Jedenfalls nicht im Dortmunder Westpark – einem der schönsten der Ruhrgebietsstadt.

Flüchtlinge – Anna Loos: „Helft und gebt! Nehmt die Politiker in die Pflicht“

Wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Das Mittelmeer ist längst ein Massengrab. Für Menschen – ja: Menschen! – die vor Krieg, Elend und Aussichtslosigkeit aus ihren Heimatländern fliehen. Um ihr pures Leben und das ihrer Kinder zu retten. Fluchtursachen sind Kriege der USA, Großbritanniens und Frankreichs, im Afghanistan, Irak und Libyen und Dikatoren wie Syriens Assad und die Schlächter des sogenannten Islamischen Staates – welchen die USA sehenden Auges haben entstehen lassen, um ihn gegen Assad als blutiges Werkzeug zu benutzen. Zurück blieben kaputte Staatswesen und zerstörte Lebens- und Arbeitswelten der in diesen davon betroffenen Ländern lebenden Menschen.

Täter und Festung Europa

Aber auch „Friedensnobelpreisträger“ Europäische Union ist kein Unschuldslamm. Hehre Werte hin oder her. Welche haben noch Geltung? Die EU nimmt mit ihren Fangflotten den afrikanischen Fischern die Lebengrundlage und sorgt mit eigenen in afrikanische Staaten exportierte Waren (etwa Tomaten und Hähnchenteile) dafür, dass die heimischen Farmer mit den niedrigeren (!) Preisen der Europäer nicht mehr konkurieren können. Die Folge: auch sie verlieren ihre Existenzgrundlage. In ihrer Not wagen sie die gefährliche Überfahrt übers Mittelmeer nach Europa, um dort Arbeit zu suchen. Konnten sie früher noch per Flugzeug oder auf dem Landweg nach Europa gelangen, so ist das längst nicht mehr möglich. Dieselbe EU, die dazu beiträgt, dass ihre heimische Existenz zerstört wurde, hat sich gegen sie abgeschottet. Stichwort. Festung Europa. So vertrauen sich die Menschen Schleppern und klapprigen Booten an. Wenn sie Pech haben, ertrinken sie im nassen Grab Mittelmeer. Oder sie ersticken elendig in einem Transporter auf einer österreichischen Autobahn. Wie diese Woche geschehen. 71 Menschen – vermutlich Flüchtlinge aus Syrien – fanden so einen grausamen Tod im Laderaum eines Lastkraftwagens.

Statt die Schlepper Fluchtursachen bekämpfen!

Und nun schreien verantwortliche EU-Politiker Zeter und Mordio. Und betoffen sind sie. Klar! Dabei tragen auch sie Verantwortung für den Tod der Menschen. Die Schleuser seien die Bösen und schuldig, tönen sie unisono. Die müssten bekämpft werden. Warum nicht endlich die Fluchtursachen?!

Der Blogger Emran Feroz über die „todbringende europäische Flüchtlingspolitik“

Der Blogger Emran Feroz hat als Schuldige am „Flüchtlingsmassaker in Österreich“ nicht in erster Linie die Schlepper ausgemacht. Auf seinem Facebook-Account hat er aufgeschrieben, „warum nicht Schleuser die Hauptverantwortlichen für das Flüchtlingsmassaker in Österreich sind.“ Feroz zitiert aus seinem Artikel im „neuen deutschland“:

„In Österreich wurden zahlreiche Flüchtlinge tot in einem Lastwagen aufgefunden. Sie sind erstickt. Die Hauptschuld am Massaker tragen nicht Schleuser, sondern der fremdenfeindliche Status Quo in der Alpenrepublik sowie eine todbringende europäische Flüchtlingspolitik.“

Fremdenfeindlichkeit (neben zugegeben in Österreich wie in Deutschland auch vorhandener großer Hilfsbereitschaft den Flüchtlingen gegenüber) rülpst auch aus bundesdeutschen Menschenmündern. Und zwar aus jenen von als „besorgte Bürger“ oder „Asylkritiker“ bezeichnete Einwohner des sächsischen Ortes Heidenau, welche SPD-Chef Gabriel bei seinem kürzlichen Besusch dort als „Pack“ zu bezeichnen pflegte.

Aber auch übliche Verdächtige unter den Politikern, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann können ihr rechtspopulistisch gefärbtes Wasser zuweilen nicht halten. Als Sascha Lobo in der Illner-Talkshow kürzlich den Journalisten Mario Sixtus und dessen Tweet „Im Übrigen sollten wir nicht mehr von Flüchtlingen sprechen, sondern von Vertriebenen. Das bringt die Konservativen völlig durcheinander.“ zitierte, kam der stramme CSUler Joachim Herrmann tatsächlich in Wallung. Sind doch die Vertriebene eine nicht zu unterschätzende CSU-Wählergruppe mit viel Einfluss. Herrmann sprach süffisant von einer „Beleidigung der Vertriebenen“. Lobo warf dem bayrischen Innenminister daraufhin Rassismus vor.

Das Ende der Fahnenstange ist längst erreicht!

Um auf den Anfang zurückzukommen: Das Ende der Fahnenstange ist längst erreicht! Wenn es der Fall der erstickten Flüchtlinge in LKW nicht ist, was dann?

Mit Stephané Hessel muss es jetzt nicht nur „Empört euch!“ heißen, sondern mit Rainer Kahni auch „Wehrt euch!“ Nicht zuletzt müssen wir dem Ruf „Solidarisiert euch!“ von Andreas Ehrholdt folgen. Wenngleich alle drei Schriften nicht explizit die Flüchtlingsproblematik zum Inhalt haben, beschäftigen sie sich immerhin mit gesellschaftlichen Missständen, die auch Flüchtlingselend und Armut bewirken.

Wir müssen uns dringend um ein anderes geistiges Klima in der Gesellschaft bemühen. Was auch hieße, den Flüchtlingen gegenüber anders zu begegnen. Schließlich können wir alle zu Flüchtlingen werden. Auch ich war 1989 einer. Und der damaligen ungarischen Regierung dankbar, dass sie den Stacheldraht zerschnitt und uns DDR-Flüchtlinge die Grenze zu Österreich passieren ließ. Um so finsterer, dass die nunmehrige Regierung unter dem Rechtspopulisten Viktor Orban wieder Stacheldraht an der Grenze auslegt, um die Flüchtlinge abzuwehren!

Gestern stieß auf einen klugen und von Herzen kommenden Willkommensruf der Schauspielerin und Sängerin der Gruppe Silly, Anna Loos an die Adresse der Flüchtlinge. Mit Genehmigung der Autorin veröffentliche ich ihn hier und lege den Text meinen Leserinnen und Lesern wärmstens ans Herz:

Refugees Welcome! (von Anna Loos via Facebook)

Vor vielen Jahren bin ich als junges Mädchen über die Tschechoslowakei nach Ungarn geflohen, von dort aus ging es weiter über Österreich nach Deutschland.

Ich kam aus keinem Kriegsgebiet und musste keinen Hunger leiden. Ich bin aus einer Diktatur geflohen die für mich unerträglich war und in der ich für mein Leben keine Zukunft sah.

Ich habe meine Familie, meine Freunde und meine Heimat verlassen um mein Leben in einem freien und friedlichen Land in die Hand zu nehmen und daraus grenzenlos, ohne Einschränkung und Reglementierung, das zu machen wovon ich als Kind träumte.
In der kleinen, neuen, fremden Welt, in der ich ankam, galt ich als „Deutsche“. Ich beherrschte die Sprache, bekam Hilfe und die Chance mir mein Leben aufzubauen. Wie viel schwieriger muss es für all die Menschen sein welche, traumatisiert von den Erlebnissen in ihrer Heimat, in Länder flüchten in denen sie erst einmal die Sprache lernen müssen. Am Ende müssen sie erleben wie sie Gruppen gegenüberstehen, die Ihnen voller Hass Parolen entgegen brüllen, die sie nicht willkommen heißen.

Meine Eltern stammen beide aus Familien die auf der Flucht waren. Meine Mutter aus Polen und mein Vater aus Ostpreußen. Für meine Großeltern und Ihre Familie war die Zeit der Flucht und des Wiederaufbaus, der Leben Ihrer Familien fern der Heimat, eine unendlich schwere Zeit. Auch sie waren nicht immer willkommen, wurden angefeindet und teilweise an den Rand der Gesellschaft gedrückt. Nie habe ich meine Großeltern jammern gehört. Sie haben Ihr ganzes Leben hart gearbeitet, sich integriert und Werte geschaffen. Sie haben Bildung und Moral gepflegt und die nächste Generation mit all Ihrer Kraft genährt.

Wenn Menschen Hilfe brauchen, dann ist der Stärkere nicht nur in der Lage, sondern auch verpflichtet diesen Menschen zu helfen.

Einige der Ursachen, weshalb Menschen heute auf der Flucht sind, haben auch wir mit zu verantworten. Ich fordere die Politiker Europas auf, dass Sie sich neben der aktuellen Flüchtlingsproblematik auch darum kümmern, dass die Ursachen, welche zu den katastrophalen Zuständen in den Ursprungsländern führen, bekämpft werden.

Diese globale Welt wird immer kleiner und wir können es nur gemeinsam schaffen.

Denkt nach und benutzt, das was uns vom Tier unterscheidet und hört auf mit der Entmenschlichung in alle Richtungen.

Überwindet Eure Ängste. Schaut nicht auf anonyme Zahlen sondern schaut Euch die Menschen, welche in unser Land kommen, an und begegnet Ihnen. Eure neuen Kindergärtner, Krankenpfleger, Lehrer, Ärzte, Reinigungskräfte, Maurer, Taxifahrer, Gärtner oder Wissenschaftler.
Helft und gebt! Nehmt die Politiker in die Pflicht.

Dann werden alle gewinnen.

Verlogene Empörung: „Kronen Zeitung“ druckt Bild der toten Flüchtlinge im LKW

So ist es!

Avatar von DokDie Propagandaschau

meedia_logoVermeintlich seriöse Medien empören sich, dass das österreichische Boulevardblatt „Kronen Zeitung“ ein Foto der in einem Schlepper-LKW auf fürchterliche Weise ums Leben gekommenen Flüchtlinge abdruckt.

Für die braven Bürger wird es beim Aufschlagen der Zeitung sicherlich ein Schock gewesen sein und aus mehreren Gründen liegt der Verdacht nahe, dass es diese Konfrontation eines bornierten Bürgertums mit der bitteren Realität ist, die hinter der Empörung steckt und nicht die vorgeschobene, vermeintliche Verletzung der Würde der Opfer.

Ursprünglichen Post anzeigen 280 weitere Wörter

Kriegshetzerin Golineh Atai: „Kiew wehrt sich gegen weiteren Verlust seiner Unabhängigkeit“

Golineh #Atai einmal mehr fragwürdig.

Avatar von DokDie Propagandaschau

ard_logoDie Ukraine ist das Land im Osten Europas, das mit Hilfe der EU und USA gewaltsam eine demokratische Regierung weggeputscht hat und nun einen Krieg gegen den Teil der Bevölkerung führt, der diesen Putsch nicht akzeptieren will.

Für diesen Krieg mit Tausenden Toten und Millionen Flüchtlingen bekommt die längst bankrotte Ukraine Waffen, Söldner, Material und Milliarden aus dem Westen. In Kiew arbeiten Hunderte US-Bürger, Militärs, Politikberater und PR-Experten. Kritische Medien wurden geschlossen, Journalisten ermordet, verjagt oder mit Einreiseverboten belegt.

Kriegshetzer und Berufslügnerinnen wie Golineh Atai sind in dieser Ukraine höchst willkommen, zeichnen sie doch ein groteskes Bild der Realität, wie es die westliche Propaganda denjenigen Schafen einimpfen möchte, die sich noch für dumm verkaufen lassen.

Ursprünglichen Post anzeigen 377 weitere Wörter

„Mein Heidenau“ – Imagefilm zerschellt an der Realität

Tipp!

Avatar von DokDie Propagandaschau

heidenau1892012 produzierte die Gemeinde Heidenau einen Imagefilm mit fröhlicher Musik, glücklichen Bürgern und humani­s­tischer Botschaft. Drei Jahre später wird die Propaganda in eigener Sache von der hässlichen Realität ad absurdum geführt.

Refrainauszug:
„…Na komm tritt ein, du bist willkomm‘, setz dich zu uns, krieg das zu Haus Gefühl. Dort wo der Mensch im Zentrum steht‘, man ehrlich wissen will, wie‘s Dir geht. Ooooooo
Da zähln auch kleine Ideen, denn wir sind bereit, in ihnen einen Samen zu sehn.
Wir schieben, bleiben dran, wenn du was brauchst, fragen wir bis wann?
Mein Heidenau ist‚ ne Stadt, die mehr zu bieten hat.
Mein Heidenau ist‚ ne Stadt, die mehr zu bieten hat.
Jeder hat hier was zu sagen, jeder wird hier auch gehört, jeder ist bestärkt auch mitzutragen, was gemeinsam zu mehr führt …“ (LINK)

Ursprünglichen Post anzeigen