Gastbeitrag von Dr. Urbain N’Dakon: Schwarz-weiße Überlegungen

Urbain N‘ Dakon beim LickLike-Festival in Dortmund 2019 mit seinem Musikerkollegen aus Togo. Foto: Hans Lantzsch

Was hat ein weißer Rassist für ein Problem mit der schwarzen Hautfarbe? Warum hasst der weiße Rassist den schwarzen Mitmenschen? Warum ist für ihn die Farbe der Haut so wichtig, dass er bereit ist, für dieses biologische Merkmal zu kämpfen, womöglich zu töten? Wer Rassismus nicht versteht, liegt in seinen Bemühungen ständig daneben.

Die Geschichtswissenschaft lehrt uns, dass die ersten Bewohner*innen Europas Schwarzafrikaner*innen waren, deren Organismus sich der extremen Kälte, insbesondere der letzten Eiszeit anpassen musste, so dass bei ihnen das nicht mehr benötigte Melanin verlorenging und damit auch die ursprüngliche Farbe der Haut. Veränderungen an den Augen und Haaren sind nach dieser Erkenntnis auch eine Auswirkung dieses langen Anpassungsprozesses. Die derart veränderten Afrikaner*innen hatten dann Kinder mit „noch schwarzen“ Afrikaner*innen, diese hatten wiederum Kinder mit Weißen und die Kinder welche mit „nicht ganz weißen“ usw… So entstanden nach der Lesart, die uns die Geschichtswissenschaft erlaubt, die vielfältigen Variationen in der Hautfarbe, wie wir sie heute kennen. Die logische Konsequenz ist dann festzustellen, dass alle bisher bekannten Hautfarben, die Töchter, Enkelinnen und Urenkelinnen der schwarzen sind. Ein Weißer ist deshalb nichts Anderes als ein weißer Afrikaner, der seit Jahrtausenden nicht mehr in Afrika lebt, also einer, der mit den heutigen Afrikanern wie mit allen anderen Menschen dasselbe genetische Material teilt.

Wie ist dann der Hass zu erklären?

Wie ist dann dieser Hass des weißen Rassisten gegen die schwarze Hautfarbe zu erklären, wenn er selbst der späte Nachfahr von Schwarzafrikanern ist?

Eine Erklärung: Der weiße Rassist ist ein Mensch, der eine Wut in sich trägt, die ursprüngliche Hautfarbe verloren zu haben. Doch statt gegen die Natur richtet sich seine Wut gegen diejenigen, die diese Hautfarbe offensichtlich noch tragen. Der Hass gegen die Träger der schwarzen Hautfarbe ist also ein Selbsthass vor dem Hintergrund eines erlittenen Verlustes, der sich heute wie eine Art Urschmerz darstellt. Die akribisch von Pseudowissenschaftler*innen zusammengebastellte Ideologie einer vermeintlich nachgewiesenen Überlegenheit der weißen „Rasse“ hat die Funktion, die als Verlust empfundene Veränderung zu kompensieren und erträglicher zu machen. Deshalb wird seit Jahrhunderten immer noch nicht aufgehört, wissenschaftliche Nachweise für die „Unterlegenheit schwarzer Menschen“ zu sammeln. Dieser systematische Selbstbetrug ist zur Basis der Kultur geworden und wird tradiert an weitere Generationen weitergegeben. So sehr, dass es für einen weißen Rassisten das Selbstverständlichste der Welt ist, diese Ideologie zu übernehmen und Menschen mit schwarzer Hautfarbe zu hassen.

Das aufwendige Aufrechterhalten der rassistischen Ideologie

Es ist nicht leicht, diese trügerische und inzwischen zum Monstrum emporgereifte Ideologie der weißen Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Es ist für jeden normalen Menschen offenkundig, dass sie auf wackeligen Füßen steht. Der Rassist muss sie also ausdrücklich, absichtlich und aufwendig pflegen, um sie aufrecht zu erhalten, weil er sich für ein Kulturgut hält. Der große Aufwand, den er betreibt, beeindruckt und täuscht darüber hinweg, dass der Rassist eigentlich nicht 100% von seiner Ideologie überzeugt ist. Tief in seiner Psyche ist immer noch die Stimme der Vernunft, die ihm zuflüstert, dass er sich etwas vormacht. Tritt ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe in sein Blickfeld, fällt das ideologische Gebäude wie ein Kartenhaus komplett in sich zusammen. Die Wunde reisst wieder auf. Und der Rassist wird noch wütender, noch aggressiver. Aus gutem Grunde, denn der aus seiner Sicht so lebensnotwendige Selbstbetrug wird unmöglich, wenn er seine ursprüngliche Hautfarbe immer wieder vor den Augen hat. Der Verlust wird noch präsenter und schmerzhafter, der schuldige Schwarze muss entfernt werden. Mit dem Rassismus haben wir es also mit einer hoch pathologischen Erscheinung zu tun.

Und wie steht der Rassist zu Afrika?

Kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Überlegung zurück, fällt uns wieder ein, dass die Geschichtswissenschaft den afrikanischen Kontinent als „die Wiege der Menschheit“ bezeichnet. Um es einfach zu halten spreche ich von dem Elternhaus aller Menschen. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Umstand nicht mehr ändern wird. Wie können wir dann die Tatsache deuten, dass ein Mensch, der das Elternhaus verlassen hat und nun ganz woanders wohnt, seine Zeit und Energie darin investiert, Strategien und Pläne zu schmieden, um die Ressourcen aus seinem Elternhaus auszuplündern und in sein neues Wohnhaus zu tragen? Schlimmer noch: den tödlichen Müll aus seiner industriellen Aktivität in das Elternhaus zurückzutragen und damit seine noch im Elternhaus lebenden Brüder und Schwestern, zu vergiften und systematisch umzubringen? Der weisse Rassist hat sich darin spezialisiert, eine unerschöpfliche Bandbreite tödlicher Produkte für sein ursprüngliches Elternhaus herzustellen und zu vertreiben (giftige Industrieprodukte, giftige Zigaretten, giftige Medikamente, giftige Treibstoffe, Waffen, Kriege und Rebellionen usw…). Wir merken: Auch zu seinem ursprünglichen Elternhaus pflegt der weiße Rassist ein gestörtes, hoch pathologisches Verhältnis. Traditionelle Kulturen würden hier von einem verlorenen, einem unwürdigen oder gar von einem der Verdammnis geweihten Sohn sprechen. Wie schafft es denn der weiße Rassist, kein schlechtes Gewissen zu haben? Durch die kontinuierliche Pflege seines ideologischen Gebäudes, zu dem er vor etwa 60 Jahren eine neue Strategie hinzufügte: Eine offizielle Politik der „Entwicklungshilfe“ an seine im Vaterhaus gebliebenen Brüder und Schwestern.

Ein Ausweg?

Urbain N’Dakon (rechts) im Kirchgarten der Dortmunder Pauluskirche. Foto: C. Stille

Die große Frage: Kann der weiße Rassist von seinem gestörten Verhältnis zur schwarzen Hautfarbe und zum schwarzen Kontinent befreit werden? Genauso wie ein kranker Mensch nur geheilt werden kann, wenn er sich als einen solchen wahrnimmt und sich ehrlich einer Behandlung unterzieht, müsste der weiße Rassist bereit sein, der Wahrheit ins Auge zu sehen und seine krankmachende Ideologie aufzugeben. Dass es aber keine leichte Aufgabe ist, merken wir, wenn wir daran denken: Er ist dermaßen mit seiner Ideologie identifiziert, dass er das Gefühl hat, er müsste sterben, wenn er sie aufgeben würde. Ein Patient, der davon überzeugt ist, durch eine Behandlung sein Leben zu verlieren, akzeptiert natürlich keine Behandlung. Die Befreiung vom Rassismus entpuppt sich hier deshalb als Herkules-Aufgabe, die nur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe lösbar wäre. Ziel müsste sein, den Rassisten zu lehren, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben statt andere zu hassen, sich mit seinem früheren Erscheinungsbild zu versöhnen, die bestehende Mannigfaltigkeit der Hautfarben als Sieg der Überlebensfähigkeit des Menschen zu feiern und nicht als Bedrohung zu sehen.

Quelle: Dr. Urbain N’Dakon via Facebook mit freundlicher Genehmigung des Autors

Zum Autor, dem Wissenschaftler und Künstler, Dr. Urbain N’Dakon lesen Sie bitte hier etwas.

Im folgenden Streaming-Video lernen Sie, liebe Leser*innen den Gastautor – zusammen mit musikalischen Mitstreitern – als Musiker und Sänger kennen

1. Klima-Dialog Dortmund hatte einen gar nicht mal so üblen Start, der zuversichtlich stimmte

Vergangenen Samstag hatte in der Dortmunder Pauluskirche der 1. Klimadialog Premiere. Er stand unter dem Motto „Zukunft ist für alle“. Damit wurde in Dortmund die Dekade des Klimawandels sozusagen eingeläutet. Die InitiatorInnen finden: Die Menschheit steht vor den zehn entscheidendsten Jahren unserer Geschichte. Vornehmlich den SchülerInnen und Studierenden der „Fridays for Future“- Bewegung in der Dortmunder Innenstadt sei es zu verdanken, ließen die OrganisatorInnen im Vorfeld der Veranstaltung verlauten – die uns Freitag für Freitag darauf hinweisen, dass es längst 5 vor 12 ist -, hätten den entscheidenden Anstoß für den 1. Klimadialog gegeben.

Die Friday-for-Future-Bewegung lieferte den Rückenwind, den 1. Klima-Dialog aufs Gleis zu setzen

Foto: Hans Lantzsch

Diesen Rückenwind nutzte jetzt ein „Klimabündnis Dortmund“, zu welchen sich 23 Organisationen – und es werden ständig mehr – und Initiativen aus den Bereichen Energie, Mobilität und Naturschutz mit der Fridays-for-Future-Bewegung zusammengeschlossen haben. Thomas Quittek auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Veranstaltung, Sprecher des BUND Dortmund dazu: „Ein Bündnis so vieler Verbände und Initiativen mit insgesamt 8000 Mitgliedern – davon seien zwar nicht alle aktiv, jedoch alle stünden hinter den Zielen – ist in dieser Form einmalig für Dortmund. Quittek machte deutlich, dass dem Klimabündnis Dortmund alle beitreten könnten. Niemand müsse verbandsseitig gebunden sein.

Folgerichtig standen die Jugendlichen von „Fridays for Future“ (FFF) auch im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung in der Pauluskirche.

Pfarrer Friedrich Laker erklärte eingangs, dass man sich als Klima-Bündnis nun in den nächsten zehn Jahren Monat für Monat treffen werde, um eine Art „Klima-Parlament“ zu bilden.

Luna: „Ich sage, dass wir uns in einer Notlage befinden“

Luna für FFF kritisierte die kürzliche Entscheidung des Dortmunder Rates, den Klimanotstand nicht auszurufen (nebenbei bemerkt: kürzlich hat neben Münster, Dortmund und Düsseldorf inzwischen auch Köln den Klimanotstand ausgerufen; CS.). Unter anderen der SPD-Fraktionsvorsitzender im

FFF-Aktivistin Luna. Foto: Hans Lantzsch

Dortmunder Rat hätte bestritten, dass wir uns nicht in einer Notlage befänden. Luna dagegen haltend: „Ich sage, dass wir uns in einer Notlage befinden.“

Das Mädchen prangerte an, dass sich Dortmund mit FFF schmücke und sogar einen Sommerkongress (vom 31. Juli bis zum 4. August) organisiere: „Dennoch nimmt uns die Stadt nicht ernst. Und unsere Forderungen erst recht nicht.“

Luna versicherte, sie werde keine Protestpause einlegen. Denn die Klima-Krise mache ja auch keine Pause.

Interessante – zuweilen auch kontroverse – Diskussionen nach der Fishbowl-Methode mit bedenkenswerten Vorschlägen

Jeweils drei Stühle links und drei Stühle rechts luden dann zu Wortmeldungen und zu Diskussionsbeiträgen nach der sogenannten Fishbowl-Methode ein. Fishbowl ist laut Wikipedia eine Methode der Diskussionsführung in großen Gruppen. Die Methode hat ihren Namen nach der Sitzordnung: sie soll in etwa einem Goldfischglas gleichen, um das die Teilnehmer im Kreis herumsitzen.

Die Stühle wurden nach und nach besetzt. Anwesende BürgerInnen und Bürger nutzten die Möglichkeit sich zu Wort melden.

FFF-Aktivist mit Titanic-Beispiel: Müssen den Kurs ändern

Darunter u.a. ein Künstler, Aktivisten von Attac und dem Bündnis DEW-kommunal. Auch ein leitender Mitarbeiter von DEW21 (Dortmund Energie und Wasser – kommunale Tochtergesellschaft der Stadt Dortmund) betrat das Podium. Er meldete sich recht oft zu Wort. Weswegen im Verlauf der Veranstaltung im Publikum leichter Unmut Luft machte (Stichwort: Bitte keinen Werbeblock!). Freilich konnte aber niemand wissen, ob dieser Herr von seinem Betrieb zum Klima-Dialog geschickt wurde, um in gutes Licht zu setzen, oder sein Dasein rein eigenem Interesse geschuldet war.

Es wurden seitens der BürgerInnen durchaus einige bedenkenswerte gute Vorschläge gemacht. Und durchaus auch kontrovers diskutiert. Ein Bürger empfand es als Manko und war enttäuscht, dass kein offizieller Vertreter der Stadt Dortmund zu diesem 1. Klima-Dialog gekommen war. Er gestand, von der Politik in Sachen Verkehrs- und Klimapolitik tief enttäuscht zu sein. Er stelle sich die Frage, wie die Verantwortlichen das Vertrauen von BürgerInnen wieder zurück zu gewinnen gedächten.

Pfarrer Friedrich Laker spricht zu den Gästen. Foto: C. Stille

Ein junger Vertreter von FFF urteilte, dass die Politik wüsste, dass wir in der Krise sind, dies jedoch verdrängten.Seit sechs Monaten währten nun die Klimastreiks und so gut wie gar nichts sei passiert. Er griff auf das Beispiel der Titanic zurück: „Die haben den Eisberg gesehen und dann noch dreißig Sekunden gewartet, bis sie abgedreht sind.“ Ein sofortiges Reagieren hätte die Katastrophe vielleicht noch abwenden können. Er glaube, symbolisch befänden wir uns auch in dieser Dreißig-Sekunden-Phase: „Wir müssen jetzt den Kurs ändern, damit was passiert – auch in Dortmund.“

Andere Diskutanten erklärten, dass doch alle Menschen für sich selbst etwas gegen den Klimawandel tun könnten – wenn das auch nicht immer ganz einfach sei und manches Mal auch am inneren Schweinehund scheitere.

FFF-Aktivistin Merle Bösing (1. v.l.)  Foto: Hans Lantzsch

Merle Bösing von FFF macht dies auch, sagte sie. Doch, wenn dies nicht alle täten sei das doch frustrierend. Ihr fehlt es an politischen Rahmenbedingungen, die ein klimafreundliches Verhalten fördern. Wie könne es denn sein, dass es billiger sei mit dem Auto zu fahren als mit der Eisenbahn? „Wieso ist auf einmal ein Flug günstiger als wenn ich mit dem Auto fahre? Wieso sind klimafreundliche Aktionen teurer als klimaschädliche?

Auch, merkte Merle Bösing an, dürfe klimafreundliches Verhalten aber auch nicht an der Sozialen Frage hängenbleiben.

Ein Herr kritisierte die Subvention des Dortmunder Flughafens jedes Flugzeugs mit zehn Euro pro Person: „Aber für die Armen in der Region habt ihr nicht mal ein Sozialticket, das angemessen ist?!“ Er forderte dazu auf, die Verantwortlichen in der Dortmunder Politik und auch in der Wirtschaft in der Klimafrage zu stellen und sich mit ihnen anzulegen. Die Eltern rief er dazu, ihre Kinder in ihrem Protest zu unterstützen und nicht alleine zu lassen.

Till Strucksberg von Attac betrachtete die von Dortmund auch so hochgelobte E-Mobilität kritisch. Und fragte, wer denn eigentlich den Strom für das Laden der E-Autos liefere. Steinkohlekraftwerke, die auch Dortmund belieferten erzeugten inzwischen elektrische Energie auch mittels schmutziger Kohle, die unter äußerst kritisch zu nennenden Bedingungen abgebaut werde (dazu hier mehr). Desgleichen gelte für den Abbau etwa von seltenen Erden, die für die Herstellung der Batterien notwendig seien.

Erster Aufschlag des Dortmunder Klima-Dialogs hatte gar nicht so üblen Start

Als erster Aufschlag, wie es eine Dame auf dem Podium bezeichnete, hatte dieser 1. Klima-Dialog ein zuversichtlich machenden gar nicht mal so üblen und Hoffnung auf Weiteres machenden Start. Das Klimabündnis Dortmund hat einen zehnjährigen Weg vor der Brust.

Erstmals wurde auf dem 1. Klimadialog das Musivideo „The Gardener“ (sh. auch Artikelanfang) von Nic Koray gezeigt.

Foto: Hans Lantzsch

Foto: Hans Lantzsch

Mit dabei auch Lorenz Redicker vom Verkehrs Club Deutschland. Foto: C. Stille

Diskutierte auch mit: Till Strucksberg von Attac (Bildmitte). Foto. C. Stille

LickLike-Festival 2019 Dortmund gelang es Kultur, Bildende Kunst und Leben mit Liedern für Herz und Seele in Einklang zu bringen

Moderator und Organisator des LickLike-Festivals Ulf Schrader begrüßt die Gäste in der Pauluskirche. Foto: Hans Lantzsch

Am 7. Juli fand im Rahmen der Internationalen Woche Dortmund in und um die Pauluskirche ein Musikfestival mit Kultur- und Kunstmarkt stattfinden. Mit dem LickLike-Sommerfestival trat erstmals der kürzlich gegründete Verein KULTUR UND LEBEN e.V. öffentlich in Erscheinung.

Das LickLike-Festival fand bereits im vergangenen Jahr statt. LICKLIKE ist eine eigene Wortkreation die sich zusammensetzt aus dem
Wort Lick = ein sich wiederholendes Thema in der Musik und Like = Mögen.

Beim diesjährigen LickLick-Festival gelang es prächtig Kultur und Leben zusammenbringen

Das Festival präsentierte eine Mischung aus unterschiedlichen Kulturwelten. Es traten mehrere SängerInnen/Songwriter in Verbindung mit Bildender Kunst, Bildung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf. Ganz Sinne des oben genannten Vereins war es prächtig gelungen, Kultur und Leben in interessante Zusammenhänge zu bringen. Das spiegelte auch ein Kulturmarkt wider. Tolle KünstlerInnen mit sehr unterschiedlichen. ausgefallenen Projekten hatten sich im Kirchhof eingefunden. Grafiken und Malerei waren ausgestellt und konnten käuflich erworben werden. Persönliche Begegnungen untereinander waren erwünscht und wurden auch genutzt, um in einen Dialog einzutreten.

Das Programm fand abwechselnd in der Pauluskirche und wenn dort umgebaut wurde übergangslos weiter im Kirchgarten statt.

Künstlerin Anna Hauke begegnete mit ihr Kunst Tabuisierungen

Anna Hauke hat sich interdisziplinärer Kunst – zwischen Performance, Aktionskunst und Zeichnungen – verschrieben. Die Künstlerin stellte sich auf dem Festival mit Plastiken in Form von Seifen vor. Eine pfiffige Idee: Sie sind als Abdrücke weiblicher Geschlechtsteile, Vulven, von verschiedenen Frauen entstanden. Anna Hauke hat sie silikoniert, eine Form gefertigt und daraus handgesiedete Seifen gemacht. Als Seife wären die Objekte benutzbar. Der Künstlerin ging es bei diesem Projekt darum Tabuisierung und Schamgefühlen etwas entgegenzusetzen. Der Hintergrund: Anna

Anna Hauke (links) bereitet die Kärtchen für die Vulva-Seifen vor. Foto: C. Stille

Hauke ist im streng katholischen Polen aufgewachsen, wo alles was mit Geschlecht und Körper in Zusammenhang steht tabuisiert ist. Hauke fand das eine tolle Möglichkeit sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen: „Noch dazu sieht es gut aus.“ Und sie duften wunderbar. Es gibt die Plastiken mit Kräuterduft und der Geruchsrichtungen Rose/Geranie, Lavendel, Jasmin und Patschuli.

Stephan Schwabs Fotografie und die Spaßagentur „Bureau Hütchen“ war im Kirchgarten stellte im Kirchgarten aus

Mit dabei am 7. Juli war auch Stephan Schwab (Fotografie – Stilleben) mit einer Serie von Kunstwerken, die er sowie zusammen mit dem Illustrator Boris Bromberg unter der Marke „Bureau Hütchen“ (Spaßagentur) unters Volk bringt.

Nic Koray sorgt trotz einer schweren Verletzung mit ihrer Band für musikalische Höhepunkte. Im Kirchgarten brachte ihr Stand Menschen Achtsamkeit mit der Natur nahe

NIc Koray mit ihrem Handicap Sie kann schon wieder lachen. Foto: Hans Lantzsch

Auch Nic Koray hatte den Veranstaltern des Festivals am Samstag einen gehörigen Schrecken eingejagt. Eine schwere Verletzung an der linken Hand drohte zu einer Absage ihres Auftritts zu führen. Glück im Unglück: Nach dem Ende des Heilprozesses wird die Hand wohl wieder voll funktionstüchtig sein. Schließlich einigte man sich, nachdem klar war, dass sie körperlich auf dem Damm war, darauf, dass sie nicht mit ihrem Duo sondern nur zusammen mit ihrer Band, jedoch ohne ihre Gitarre, die sie ja unfallbedingt nicht spielen konnte, auftritt. Das machte einige kurzfristige Änderungen von Arrangements unter den Musikern nötig. Und auch Nic Koray musste sich gehörig umstellen. Aber es wurde letztlich ein großartiger und erfolgreicher Auftritt. Während des Spielens verständigten sich Musiker professionell und überwanden etwaige Irritationen sozusagen spielend. Und wer die gespielten Stücke nicht kannte, dürfte da nichts aufgefallen sein. Nic Korays einzigartige Stimme tönte wieder sensationell. Der Applaus fiel dementsprechend enthusiastisch aus.

Die Deutsch-Türkin Nic Koray kommt aus Herdecke vom Hof HerzBerg Herdecke, wo sie Tiergestützte Intervention und Umweltpädagogik anbietet.

Musikalische Eröffnung seitens der sympathischen und begabten LILOU (Indie – Pop -Folk)

Die Werke von Viola Welker. Foto: C. Stille

Aus den aufgeführten Gründen konnte Nic Koray verständlicherweise auch nicht die musikalische Eröffnung des LickLike-Festivals bestreiten.

Dies fiel nun LILOU zu, die der Kollegin gute Besserung wünschte und diesen Part glänzend zu erfüllen imstande war. LILOU erzählte berührende Geschichten zur Gitarre mit

Lilou. Foto: Hans Lantzsch

stimmungsvoll tönenden Melodien. Ihr melancholischer Gesang kam angenehm klar, herüber
während ihre Musik insgesamt befreiend wirkte. Schlechte Erinnerungen an Stuttgart – wo sie mal in einer Bande spielte – sang sie sich in einem ihrer begeisternden Songs quasi von der Seele.

Grafiken, Malereien, Illustrationen und Skulpturen von Viola Welker, Yeye Weller, Murat Kayi, Holga Rosen und Musik im Kirchgarten von

Gwendolyn & Ich. Foto: C. Stille

Gwendolyn&Ich

Die Dortmunder bildende Künstlerin Viola Welker zeigte auf dem Festival am vergangenen Sonntag Malereien, Illustrationen und Skulpturen.

Des Weiteren waren mit ihren Künsten vertreten: Yeye Weller, Illustrator neu gestalteter Produkte, Plakate und Kampagnen; Murat Kayi mit seiner ersten Ausstellung, Malerei, Zeichnung und Holga Rosen mit seinen satirischen Cartoons. Für Musik im Kirchgarten sorgte mit Gwendolyn&Ich (Offene Bühne)

Unvergessliche Höhepunkte mit Urbain N’Dakon

Ein weitere unvergesslicher Höhepunkt des Tages war zweifellos Urbain N’ Dakon. Der aus der Elfenbeinküste, vom afrikanischen Kontinent, der bekanntlich die Wiege der   Menschheit ist, stammt.

Urbain N‘ Dakon mit seinem Musikerkollegen Ablam Benjamin Akoutou aus Togo. Foto: Hans Lantzsch

Urbain N’ Dakon bestach mit seinem einfühlsamen Gesang, dabei perfekt mit unterschiedlichen Tonhöhe arbeitend, mit den Klängen seiner Akustikgitarre und seinen zwischendurch erzählten Geschichten über Afrika und sein Heimatland – die Elfenbeinküste.

Fesselnd und aus dem Leben gegriffen, die Geschichte von Ekèndèba, der Spinne mit dem dicken Bauch und der komischen Stimme, die von allem nicht genug bekommen kann. Ein Wesen, das kein Mitleid kennt und nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Eine bekannte Geschichte in Westafrika, wie Urbain N’Dakon erklärte. Sie wollte etwa die Weisheit der Welt sammeln. Und sie auf einen hohen Baum in einem Tonkrug nur für sich aufbewahren. Ekèndèba band sich den Tonkrug vor den Bauch und versuchte den Baum hinaufzusteigen. Doch der Krug war dick und Ekèndèbas Bauch ebenfalls. Es gelang nicht. Eine vorbeikommende Schildkröte schlägt ihm vor, den Krug doch auf den Rücken zu binden. Ekèndèba setzt den Vorschlag um und klettert den Baum hoch. Doch der Krug zieht ihn so sehr nach hinten, dass er abstürzt. Der Krug zerbricht. Die Weisheiten fallen heraus und fliegen in alle Himmelsrichtungen. Auch nach Deutschland, auch nach Dortmund, scherzte Urbain N’Dakon. Die Weisheit der Menschen in Dortmund, so der Sänger, habe er sofort gespürt. Und er gab den ZuhörerInnen einen Tipp: „Wählen Sie nie einen Ekèndèba zum Bürgermeister …“ Charaktere wie Ekèndèba, erinnerte der Künstler mit der sympathischen Austrahlung, scheiterten irgendwann immer. Doch tauchten sie stets auch wieder auf in unseren Gesellschaften.

Urbain N’Dakon, Jahrgang 64, hat in der Elfenbeinküste Germanistik studiert und war dort einige Jahre als Gymnasiallehrer für Deutsch und als Berufsberater tätig. Der Sohn einer Hobbysängerin und eines Sportlehrers hatte die Musik immer als Hobby gepflegt, ehe er 1993 nach Deutschland kam. Im Hauptberuf arbeitet Dr. Urbain N’Dakon, dieser außergewöhnliche, kluge Zeitgenosse, als Referent für Qualitätsentwicklung in der Jugendhilfe beim Caritasverband Fulda. Ein Glücksgriff, dass Urbain `N Dakon, den aus Togo stammendem Musiker Ablam Benjamin Akoutou, getroffen hat, welcher ihn einfühlsam auf unterschiedlichen Trommeln begleitete. Beide Musiker gaben noch einige Zugaben im Kirchgarten.

Eine Runde Sache, dieses LickLike-Festival 2019. Hut ab vor dem rührigen Organisator Ulf Schrader und allen anderen MitstreiterInnen im Hintergrund. Und Nic Koray sei von dieser Stelle aus zugerufen: Gute Besserung!

Kirchenfenster der Pauluskirche. Foto: C. Stille

Im Kirchgarten. Foto: C. Stille

Stephan Schwabe und seine Kunst. Foto: C. Stille

Der Stand von HerzBerg Herdecke. Foto: C. Stille