„Inside Bundestag. Wie ich in 8 Jahren im Zentrum der Macht das Vertrauen in unsere Demokratie verlor“ – Von Joana Cotar – Rezension


Wenn man mit offenen Augen, gespitzten Ohren sowie insgesamt geschärftem und somit wachem Geist durchs Leben geht, lässt sich analysierend sagen: mit dem Vertrauen einer steigenden Anzahl von Menschen in den Staat und die Medien ist es nicht mehr weit her.

Im Jahr 2013 sagte Egon Bahr, SPD-Urgestein und Architekt der Ostpolitik Willy Brandts vor Heidelberger Schülern, welche sich darob geschockt zeigten: ”Ich, ein alter Mann, sage euch, dass wir in einer Vorkriegszeit leben”. Bahr hatte früh gespürt, dass etwas falsch zu laufen begonnen hatte.

Wer ihm heute nicht nachträglich recht gibt, hat nicht nur damals geschlafen, sondern schlummert noch heute und droht zusammen dank falscher Politik mit in den Dritten Weltkrieg schlafzuwandeln . Eingelullt von unablässiger antirussischer Kriegspropaganda seitens unverantwortlicher, geschichtsvergessener Politiker und den unisono ins gleiche Horn blasenden Schreibtischbewohnern der Redaktionsstuben eines deutschen Journalismus, welcher in großen Teilen nicht mehr als Vierte Gewalt agiert, sondern beängstigend auf den Hund gekommen ist.

Dankenswerterweise bringt unsere Gesellschaft doch hin und wieder Menschen hervor, welche schwerwiegende Defizite unserer Gesellschaft erkennen und sich engagieren, um etwas zum Positiven zu verändern. Einer solcher Menschen war der Dortmunder Marco Bülow, der 19 Jahre im Deutschen Bundestag für die SPD arbeitete, bis er zuletzt enttäuscht aus Partei und Fraktion aus- und dann in die Die PARTEIeintrat, um schließlich als Fraktionsloser aus dem Bundestag auszuscheiden. Bedauerlicherweise verstarb Marco Bülow kürzlich viel früh im Alter von 54 Jahren.

In seinem Vorwort zu Marco Bülows Buch „Lobbyland“ bezeichnete Martin Sonneborn (MdEP; Die PARTEI) ihn dort als „Last Sozialdemokrat standing“.

In meinem Beitrag „Marco Bülow, Journalist, Autor, Politiker aus Dortmund ist mit nur 54 Jahren verstorben“ referierte ich: «Der Demokratie sah er sich in hohem Maße verpflichtet. Schon bald hatte der Dortmunder erkannt, dass da einiges im Argen lag. Und er war ein Sozialdemokrat wie er im Buche steht und wie er heute offenbar gar nicht mehr existiert. Dortmund galt einst als Herzkammer der Sozialdemokratie – tempi passati.

Er kritisierte früh den parlamentarischen Betrieb mittels seines Buches „Wir Abnicker – Über Macht und Ohnmacht der Volksvertreter“

In einem Vortrag in Dortmund vor einigen Jahren äußerte er gegenüber einer SPD-Bundestagsfraktionskollegin Kritik. Aus meinem Bericht: «Als er einst in den Bundestag gekommen war, so Bülow, habe ihm eine Kollegin, welche bereits länger im Bundestag saß, gesagt hattee, weil sie bemerkte, dass er mit manchem nicht einverstanden war: Entweder man akzeptiere die Spielregeln und passt sich an, oder man verlässt das Spielfeld. Er befand, es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Man ändert die Spielregeln. Bülow habe fortan immer versucht die Spielegeln zu ändern. Und das sei auch immer noch sein Anliegen. Ein Ausfluss dessen sei, der Vortrag, welchen er nun präsentiere.«

Bülows Credo war: „Wir brauchen eine echte Demokratie, nicht nur ein Update“.

Der Insiderbericht der Ex-Bundestagsabgeordneten Joana Cotar

Kürzlich erschien bei WESTEND ein Insiderbericht, welchen Joana Cotar, Ex-Bundestagsabgeordnete, vorlegte. Fast acht Jahre war Joana Cotar Mitglied des Deutschen Bundestages – zunächst für die AfD, nach ihrem Parteiaustritt dann fraktionslos. Dank ihres Buches wird uns Lesern ein interessanter Blick in den „Maschinenraum“ des Deutschen Bundestags zuteil. Welchen ich, der ich 2014 an einer von einem regionalen Bundestagsabgeordneten organisierten „Bundestagsfahrt“ teilgenommen hatte, schon einmal oberflächlich von Innen plus des Beiwohnens einer Debatte kennenlernen durfte, besonders.

Gewiss zog auch Joana Cotar – ähnlich wie Marco Bülow – mit hohen Ansprüchen an sich ins Hohe Haus ein, um im Sinne ihrer Wählerinnen und Wähler etwas zu bewirken. Der Buchtitel: „Inside Bundestag“.

Ich bin mir sicher, dass Sie, verehrte Leserinnen und Leser, so einiges von dem, was Joana Cotar aufgeschrieben hat, sie nicht nur Mal um Mal verwundern, sondern durchaus auch schockieren dürfte. Ich selbst bin gewissermaßen bereits durch die Erzählungen, Berichte, Vorträge und Bücher, die mir durch Marco Bülow zuteil wurden vorbereitet und abgehärtet. Wenngleich ich weiterhin nicht weniger empört bin über die Zustände von denen Joana Cotar in ihrem Buch Zeugnis ablegt, wie vermutlich die Leser, die ein vielleicht eher ein naives oder geschöntes Bild den Parlamentarismus und speziell der Arbeit des Deutschen Bundestags in sich tragen und halt bar genauerer Kenntnis haben.

Joana Cotar – klar einer anderen politischen Ausrichtung verpflichtet wie der genannte Marco Bülow – verließ ihre Partei und den Bundestag ebenfalls desillusioniert wie dieser. Das drückt sich im Untertitel ihres Buches aus: «Wie ich in 8 Jahren im Zentrum der Macht das Vertrauen in unsere Demokratie verlor“.

Cotar spricht betreffs ihrer Geschichte von einem (…)„Aufeinandertreffen von Idealismus und Realität, von Visionen und der Wirklichkeit der Politik.“ (S.9)

Sie zitiert aus einem 2011 in Frankfurt am Main am Rande einer Demonstration von Joana Cotar verteiltem, selbstgedruckem Flyer:

«Gegen eine Politik, die uns nicht zuhört:

Regiert nicht am Volk vorbei!

Wir haben die Schnauze voll von Politikern, die gegen das eigene Volk regieren. Wir haben die Schnauze voll von Politikern,

die nur an sich, ihr Amt und ihre Diäten denken.

Die Politiker haben den Bezug zu den Wählern und oft genug

auch den Bezug zur Realität verloren. Egal ob Guttenberg,

EU-Rettungsschirm, Sarrazin, E10-Benzin,

Steuergeldverschwendung, Hartz-IV-Diskussionen,

Krankenhaus«reform«, Glühbirnenverbot – es REICHT!

Nichts ist alternativlos.

Wir fordern eine Politik für das Volk.

Wir sind nicht nur dazu da, einmal in vier Jahren ein Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen.

Wacht auf, wehrt Euch, geht auf die Straße, werdet laut.

Es geht um unser Land und unser Leben.« (S.9/10)

Cotar weiter: „Sechs Jahre später zog ich als Abgeordnete in den Deutschen Bundestag ein. Was für eine Chance, dachte ich! Ein freies, wohlhabendes, sicheres Deutschland, das war mein Wunsch.“

Auf dem Portal des Reichstagsgebäudes, welches den Deutschen Bundestag beherbergt, lesen wir „DEM DEUTSCHEN VOLKE“. Das steht da auf einer Länge von 16 Metern in 60 Zentimeter großen Bronzelettern unter dem Giebelfries des Reichstagsgebäudes.

Dass sich Joana Cotar dort drin als Bundestagsabgeordnete zu sitzen als Chance begriff, weil sie dort ihrem ursprünglichen Wunsch nähergekommen zu sein schien, ist verständlich!

Schließlich wollte sie doch niemanden mehr dienen als „DEM DEUTSCHEN VOLKE“!

Nebenbei: Apropos Volk! Vor einiger Zeit belehrte mich ein deutscher Schriftsteller auf Facebook einmal, man benutze statt dem Begriff „Volk“ doch besser das Wort „Bevölkerung“. Aha!

Sie bekennt: „Gemeinsam mit meine Kollegen wollte ich den Elfenbeinturm in Berlin zerschlagen, die Macht der Parteien begrenzen und den aufgeblasenen Bundestagsapparat verkleinern. Wir sind anders, dachte ich, wir werden etwas bewirken und unser Land verändern.“ (S.10)

Auch hier muss mich unweigerlich an den erwähnten Marco Bülow denken. Ich erwähnte in einem früheren Beitrag dessen Ansinnen bezüglicher der Bundestagswahl 2021: «Seine Bewerbung, sagte Bülow auf dieser Veranstaltung im Union-Gewerbehof in Dortmund, richte sich betreffs der Bundestagswahl 2021 nicht wie üblich an eine Partei, sondern an die Bevölkerung, welche sein „Chef“ sein solle. Der parteilose Marco Bülow zeigte sich gewiss, nicht nur wieder in den Bundestag zu wollen, sondern versprach ihn zu „hacken“ und den Menschen ohne Lobby eine Stimme zu geben. Sein Credo: „Die Bevölkerung ist mein Chef.“«

Joana Cotar resümierte bezüglich ihres anfänglichen Bekenntnisses ehrlich: „Doch ich hatte mich geirrt.“ Wie sehr sollte ich in den folgenden Jahren merken. Das System war stärker als wir. Ein System, das sich über Jahrzehnte hinweg entwickeln konnte und in dem sich dessen Protagonisten bequem eingenistet haben. Ein System, das selbst die, die es anders machen wollen, mit Haut und Haaren schluckt, wenn sie sich nicht dagegen wehren.“ (S.11)

Halten Sie durch, liebe Leserinnen und Leser dieses Buches! Es lohnt sich bis zum Schluss zu lesen. Wenngleich Sie dabei auch die eine oder andere Illusion in Sachen Bundestag dabei werden fahren lassen müssen und Ihnen der Kamm immer öfters schwillt.

Richard von Weizsäcker übte früh Kritik an den Parteien. In einem Buch hatte er ihnen schon 1992 „Machtversessenheit“ vorgeworfen. Heutzutage steht Joana Cotar sozusagen auf den Schultern von Weizsäcker. Denn nichts von dem, was Weizsäcker 1992 kritisierte hatte, hat man sich zu Herzen genommen. Im Gegenteil, es ist alles nur noch schlimmer geworden. Cotar: „Die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht. Sie haben ihn sich einverleibt und halten sich mittlerweile fast ausschließlich mit staatlichen Geldern am Leben. Sie erinnert aber auch daran, dass es in den Anfangsjahren der Bundesrepublik ganz anders gewesen sei. Später habe es jedoch kein Halten mehr gegeben. Die seitens der vom Staat kassierten Summen seien immer mehr gestiegen. Sie gibt uns keine Entwarnung: „Und es wird auch in Zukunft kein Halten geben, wenn die Parteien ihre Finanzierung weiterhin selbst bestimmen dürfen und die Bürger sich das gefallen lassen. Aber es sind nicht nur die Parteien, die in süßem Steuergeld schwelgen. Auch die Mandatsträger kassieren ordentlich ab. Und für so manchen ist das Ansporn genug, auch einmal in einem Parlament sitzen zu wollen.“

Im Kapitel „Bundestagsabgeordnete: Eine seltsame Lebensform“ (S.25) schreibt Joana Cotar: „Viele Bundestagsabgeordnete landen früh im System.“

Es durchaus nicht aus der Luft gegriffen, wenn manche Leute die Stationen auf deren Weg dorthin so charakterisieren: „Kreißsaal – Hörsaal – Plenarsaal“. Ausnahmen bestätigen die Regel. Cotar: „Eine besondere Ausbildung braucht ein Mitglied des Bundestages (MdB) nicht, was sich durchaus bemerkbar macht – leider.“ Wenn man – dessen eingedenk – Politikern, aufgrund einer fehlenden Berufskarriere, zuweilen Weltfremdheit und Unverständnis für die Belange arbeitender Menschen vorwirft, ist das oft nicht falsch.

Die Autorin erklärt: „Ein MdB verdient derzeit 11 833,47 Euro im Monat. Hinzu kommt die steuerfreie Aufwandspauschale von 5349,58 Euro. Macht zusammen stolze 17183,05 Euro monatlich. Viel Geld für einen Menschen ohne Berufsausbildung, wenig für Spitzenleute aus der Wirtschaft. Dieser Umstand erklärt so manche Personalie im Deutschen Bundestag und der Regierung – und allzu oft auch den mangelnden Sachverstand. Die Diät wird selbstverständlich versteuert, ein bisschen Realität muss dann schon sein. Allerdings zahlen Bundestagsabgeordnete nicht in die Rentenkasse ein. Dennoch erwerben sie jedes Jahr einen Anspruch auf eine Altersentschädigung in Höhe von 2,5 Prozent der Abgeordneten-Diät. Das sind derzeit 295,83 Euro pro Jahr- macht zusammen 1183,32 Euro «Rente« nach nur vier Jahren Arbeit im Bundestag, ohne dafür auch nur einen einzigen Cent eingezahlt zu haben. Das ist nicht nur nicht fair. Das ist eine Sauerei.“

Anbei gibt Cotar zur Kenntnis: „Wir sehen, ein Abgeordneter kostet den Steuerzahler im Jahr viel Geld. Rechnen wir das doch mal durch:

– 142 001,64 Euro für seine Diät

– 64 194,96 Euro für die steuerfreie Kostenpauschale

– 319 800,00 Euro für seine Mitarbeiterpauschale

– 12 000,00 Euro für die Büropauschale

Das macht sage und schreibe: 537 996,60 Euro pro Jahr! Und dann sind da noch die Reisen, die Büros und deren Ausstattung in Berlin und so weiter – summieren sich die Kosten auf weit über eine Million Euro im Jahr. Wohlgemerkt. Pro Abgeordneten! Wir haben derzeit 630 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.“

Des Weiteren gibt die Autorin zu Bedenken und macht uns staunen: „Deutschland hat übrigens das drittgrößte Parlament der Welt, nur das in China (2 977 und in Großbritannien (650) ist größer. Das ist absurd.“ (S.31) „Der Bundestag kostet im Jahr über eine Milliarde Euro“ (Kapitel, S.32)

Darauf erst mal einen Magenbitter, liebe Leser?“

Joana Cotar findet: „Wenn wir die Politik wirklich ändern wollen, wenn wir möchten, dass sich Politiker wirklich um das Land, um die Probleme der Menschen kümmern, dann müssen wir diese Selbstbedienungsmentalität aufbrechen. Wir sollten endlich über die Parteienfinanzierung reden, über Diäten und über die Kosten des gesamten politischen Theaters. Wir brauchen Transparenz, Kontrolle und ein Stopp des Raubes von Steuerzahlergeld, das heißt Streichung der Gelder, Anpassung der Diäten, eine massive Verkleinerung des Bundestages, nicht nur in Bezug auf die Abgeordneten, sondern auch des ganzen Apparates. Wir brauchen ehrliche Diskussionen und Menschen, die in die Politik gehen, die es nicht nötig haben, sich zu bereichern, die aber etwas bewirken und verändern wollen. Vor allen aber brauchen wir weniger Politik.“ (S.34)

Wer wollte dem nicht zustimmen? Nur ist eine Realisierung dessen in absehbarer Zeit kaum zu erwarten. Zumal diejenigen, welche vom derzeitigen Istzustand profitieren, daran kein Interesse haben dürften. Wir kennen eine Redensart: Wenn man einen Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche fragen.

Im Kapitel 3 Das Leben in der Blase Berlin: Warum die Volksvertreter kaum noch wissen, wie es im Volke aussieht (S. 59 ff) referiert die Autorin sachlich darüber, was sie verstört hat.

Ein Rundum-Sorglos-Paket wird denn Abgeordneten zuteil. Nimmt es einen da wunder, dass Olaf Scholz nicht wusste, was ein Liter Benzin kostet – schließlich musste er nicht selbst tanken – , und die Grüne Ricarda Lang glaubte, dass die Durchschnittsrente bei 2.000 Euro liegt.

Geld, Macht und Ansehen im Elfenbeinturm (S.64)

Joana Cotar schreibt: „Gerade, wenn Neulinge in den Bundestag einziehen, fühlen sie sich durch all die Privilegien geschmeichelt. Sie sind plötzlich wer. Dürfen vielleicht das erste Mal in ihrem Leben Business fliegen, werden von Limousinen abgeholt, deren Fahrer ihnen die Türen aufhalten.“ Bei Veranstaltungen werden sie als MdB vorgestellt, sie finden reservierte Plätze vor. So fühlten sie sich gebauchpinselt und wichtig.

Dazu auch:

Gebuchte Reisen, Fahrdienst, Abendveranstaltungen, das eigene Büro, viele Termine mit den immer gleichen Leuten, dazu Restaurants im Bundestag, die Parlamentarische Gesellschaft, eine Cafeteria, ein Hausarzt, die Möglichkeit, Sport zu treiben – wer es nicht möchte, muss seine Bundestagswelt nicht verlassen und viele Abgeordnete finden das gar nicht schlimme. Im Gegenteil, sie genießen es, denn es hat meist wenig mit dem Leben zu tun, das sie vor ihrem Einzug in den Reichstag hatten.“ (S. 64)

Demokratie – Spiel

Bestimmte Politiker führen immer wieder das Wortpaar „unsere Demokratie“ im Munde. Welche Demokratie? Viele Menschen dürften sich gar keine tiefer gehenden Gedanken darüber machen. Der Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz nennt das, was hierzulande stattfindet „Demokratie-Spiel“. Ist nicht das politische Theater, welches man uns zuweilen auf der Bühne des Deutschen Bundestags unter der gläsernen Kuppel (die uns Transparenz vorgaukelt) vorführt, ein Teil des Demokratie-Spiels – dessen Krönung gar? Colin Crouch schrieb bereits im Jahr 2000 über einen „schlechten Gesundheitszustand der Demokratie“. Später bekannte er, es sei „um die Demokratie überall in der entwickelten Welt schlechter bestellt als zu Beginn des Jahrhunderts, als ich ‚Postdemokratie‘ schrieb. »Postdemokratie«: „Dieser Begriff des Politikwissenschaftlers Colin Crouch wurde nach dem Erscheinen der Originalausgabe seines Buches zum Kristallisationspunkt der Debatte um Politikverdrossenheit, Sozialabbau und Privatisierung. Crouch hat dabei ein politisches System im Auge, dessen demokratische Institutionen zwar weiterhin formal existieren, das von Bürgern und Politikern aber nicht länger mit Leben gefüllt wird.“ (Quelle: Suhrkamp) Andere wiederum sprechen vom Wirken einer „Fassadendemokratie“. Wir erinnern uns: An der Fassade des Reichstagsgebäudes steht: DEM DEUTSCHEN VOLKE

Die Berliner Zeitung schrieb einmal: „Der Bundestag soll mit mittelalterlichen Methoden geschützt werden: einem 150 Meter langen und zweieinhalb Meter tiefen Graben. Er wird unsere Demokratie beschädigen.“ Frage: Noch mehr? Befürchtet man eine Revolution? Ich kann beruhigen. Erstens gibt es keine Bahnsteigkarten mehr. Lenin behauptete ja die Deutschen würden vorher erst einmal eine Bahnsteigkarte lösen. Albrecht Müller schrieb das Buch „Die Revolution ist fällig. Aber sie ist verboten“. Wie auch immer: Mögen recht viele Menschen das Buch von Joana Cotar lesen. Wäre schön, wenn es dazu beitrüge, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer echten Demokratie bei den Wählerinnen und Wählern nach der Lektüre wüchse und sich etwas in diesem unserem Lande zum Besseren wendete. Denn – möchte ich sagen: Der Hut brennt! Schauen Sie:

Wir lesen im Buch, fußend auf einer Allensbach-Umfrage vom Dezember 2025, dass nur noch 28 Prozent der Deutschen Vertrauen in die Bundesregierung haben und nur 17 Prozent überhaupt auf Parteien setzen.

«Feind, Todfeind, Parteifreund«

Joana Cotar schreibt auch über Anfeindungen die sich erlebt hat. Sogar aus der eigenen Partei und Fraktion. Sie schreibt: „Das Sprichwort «Feind, Todfeind, Parteifreund« kommt nicht von ungefähr.“ (S.45)

Das achte und letzte Kapitel überschreibt die Autorin so: Warum es nicht reicht, das System zu kritisieren: Denkanstöße für eine bürgerfreundlichere Politik (S.167)

Lobenswert, dass Joana Cotar auch Lösungsvorschläge macht, wie das System verbessert werden könnte. Sie votiert für „Volksentscheide als Korrektiv“ (S.169), „Die Macht der Listen brechen – ein neues Wahlsystem“ (S.171), „Gewaltenteilung ernst nehmen“ (S.174), „Das Geld aus dem System ziehen“ (S.176), Lobbyismus und Einfluss – Transparenz sichern (S.179), „Qualifikation für Abgeordnete und Minister“ (S. 182), „Amtszeitbegrenzung – Macht darf kein Dauerzustand sein“ (S.184), „Politikerhaftung – Verantwortung übernehmen“ (S.186), Wählerbindung und freies Mandat stärken“ S.188,„Weniger Gesetze – bessere Gesetze (S.190), „Schlanker Staat – weniger Macht, mehr Freiheit“ (S192), „Länder und Kommunen stärken“ (S.195), „Stopp der NGO-Finanzierung (S.198), „Unabhängige Medien (S.199), „Einfluss der EU begrenzen“ (S.201), „Mehr Freiheit“ (S.202)

Wird all das machbar sein? Oder bedarf es hier da Schärfungen?

Alles in allem ein nötiges und sehr informatives Buch, welche ich unbedingt empfehle.

Westend dazu:

«Was passiert hinter den Kulissen des Bundestages? Wenn Kameras und Mikrofone ausgeschaltet sind? Wie werden Entscheidungen getroffen und wie leicht macht es der Bundestag seinen Abgeordneten, sich selbst zu bevorteilen? Und warum gelingt es auch neuen Parteien nicht, das System aus Lobbyismus und Korruption zu umgehen?

Fast acht Jahre war Joana Cotar Mitglied des Deutschen Bundestages – zunächst für die AfD, nach ihrem Parteiaustritt dann fraktionslos. In ihrem schonungslos ehrlichen Buch öffnet sie die Türen zu einem System, das von Machtkalkül, Privilegien, Fraktionszwängen und einer beunruhigenden Entfremdung vom Bürger geprägt ist. Sie schildert alltägliche Absurditäten aus dem parlamentarischen Betrieb und zeigt, wie Parteibuch-Karrierismus und Willkür demokratische Prozesse aushöhlen. Und sie zeigt, wie leicht es das Bundestagssystem jedem Abgeordneten macht, sich selbst Vorteile zu verschaffen. Zugleich entwickelt sie konkrete Ideen, wie ein politischer Neuanfang aussehen könnte, der Verantwortung statt Selbsterhalt ins Zentrum rückt.

Joana Cotar legt einen Insiderbericht vor, der sprachlos macht – aber auch Mut für eine Erneuerung.«

Joana Cotar

Inside Bundestag

Erscheinungstermin 16.02.2026
Einbandart kartoniert
Seitenanzahl 224
ISBN9783987913655
Preis inkl. MwSt.24,00 €

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Joana Cotar

Joana Cotar war von 2017 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages, die letzten Jahre davon partei- und fraktionslos. Im Parlament setzte sie als digitalpolitische Sprecherin und Obfrau im Ausschuss Digitale Agenda klare Akzente für Bürgerrechte, digitale Freiheit und gegen staatliche Überwachung. Sie gründete die Initiative „Bitcoin im Bundestag“, um die politische Debatte über digitale Währungen und Dezentralisierung voranzutreiben. Vor ihrem Mandat war sie viele Jahre beruflich in leitenden und koordinierenden Funktionen tätig. Nach ihrem Studium der Politologie und Germanistik arbeitete sie zunächst in der Finanzbranche – im Handel, im Eventmanagement internationaler Finanzhäuser und später im IT-Projektmanagement der Deutschen Börse Group. Parallel zu ihrer beruflichen Entwicklung engagierte sie sich politisch und trat 2013 der Alternative für Deutschland bei, die sie im Jahr 2022 wieder verließ.

Persönliches – Steckbrief

  • Geboren am 06.04.1973 in Pitesti, Rumänien
  • Wohnhaft im Kreis Gießen
  • Verheiratet
  • Studierte Politologin
  • 1999 – 2006 Event Managerin bei großen Finanzinstituten
  • 2004 – 2008 Selbstständige Eventberaterin
  • 2008 – 2015 Projektmanagerin
  • 2016 Social Media Managerin
  • 2016 – 2021 Kreistagsmitglied in Gießen
  • 2017 – 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages
  • 2018 – 2021 Digitalpolitische Sprecherin meiner Fraktion
  • 2023 Gründung Initiative Bitcoin im Bundestag
  • 2024 Gründung von Free Speech Aid
  • 2024 – jetzt Geschäftsführerin der eigenen GmbH, Speaker und Autorin
  • 2025 Gründung des Milei-Instituts für Deregulierung in Europa

„Freiheit ist kein Geschenk, sie ist eine Aufgabe.

Vom Schatten der Diktatur in das Herz der Demokratie.

Als Tochter einer deutschen Mutter und eines rumänischen Vaters erlebte ich als Kind, was es bedeutet, wenn der Staat zum Feind wird: verwanzt, verhört, verfolgt. Mein Vater zahlte für seinen Widerstand gegen das rumänische Regime mit Jahren politischer Haft. Diese Erfahrung hat sich tief in meine DNA eingebrannt. Wenn ich heute über Freiheit spreche, dann nicht als abstrakte Floskel, sondern als das höchste Gut, das wir besitzen und das wir gerade leichtfertig aufs Spiel setzen.

Nach meinem abgeschlossenen Studium der Politologie und Germanistik in Mannheim und Stationen in der Wirtschaft (vom Börsenparkett bis zum Projektmanagement) führte mich mein Weg 2013 in die Politik. Warum? Weil ich nicht länger zusehen wollte, wie eine „Politik der Alternativlosigkeit“ die Bürger übergeht. Mein Kompass war immer derselbe: Freiheit, Eigenverantwortung und Rechtsstaatlichkeit.

Viele der Warnungen von damals sind heute Alltag: Inflation, Energieabhängigkeit, überforderte Sozialsysteme, ein Staat, der immer tiefer reguliert, aber immer schlechter funktioniert. Ein Land, das seine Leistungsfähigkeit verspielt und zugleich den offenen Diskurs verliert. Wenn Menschen sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu sagen, ist etwas Grundlegendes in Schieflage geraten.

2017 zog ich in den Bundestag ein. Dort habe ich erlebt, wie groß der Abstand zwischen Anspruch und Realität tatsächlich ist. Wie sich die Parteien den Staat zur Beute machen und das System selbst junge Parteien und rebellische Abgeordnete mit Haut und Haaren frisst. Diese Erfahrung war ernüchternd.

Meine Partei habe ich 2022 verlassen. Denn meine Maßstäbe sind gleichgeblieben – die Partei nicht. Unabhängigkeit war für mich daher die logische und einzige Konsequenz.

2023 habe ich die Initiative „Bitcoin im Bundestag“ gegründet. Denn Friedrich August von Hayek hatte Recht: Wir werden niemals wieder gutes Geld haben, „solange wir es nicht den Händen des Staates wegnehmen.“

Heute mache ich Politik jenseits des Parlaments – befreit von Parteizwängen, aber fest verwurzelt in meinen Werten. Ich habe einen eigenen YouTube Kanal und einen Podcast mit dem Blocktrainer. Ich bin Mitglied der Hayek Gesellschaft und des Bitcoin Bundesverbandes. 2024 habe ich „Free Speech Aid“ mitgegründet, um der Meinungsfreiheit eine Stimme zu geben. 2025 wurde ich Gründungsmitglied das „Milei Instituts für Deregulierung in Europa. Ich unterstütze das Team Freiheit in ihrem Kampf für ein anderes, besseres Deutschland.

Ich glaube an die Freiheit, nicht an die Macht. An einen Staat, der sich bescheidet und kontrollieren lässt; der dem Bürger dient, nicht umgekehrt.

Ich glaube an Meinungsfreiheit, Eigentum und Rechtsstaatlichkeit. An technologische Selbstbestimmung, radikale Subsidiarität, freie Märkte und persönliche Verantwortung.

Ich glaube an niedrigste Steuern und Abgaben. An Datenschutz und digitale Souveränität – frei von Überwachung und Zensur.

Ich glaube an Bildung und Gesundheit als individuelle Wahl, nicht als staatliches Monopol. Und an die Souveränität über das eigene Geld.

Ich glaube an Menschen, nicht an Institutionen.“

Quelle: Website Joana Cotar

Gespräch bei Westend.

„Greta, Klima und Corona. Der Teufel wird die Seelen nicht retten“ Von Jochen Mitschka. Rezension

Das hier vorliegende Buch nimmt für sich nicht Anspruch, darüber zu diskutieren, ob es einen Klimawechsel gibt und in welchem Maße der Mensch daran ein Anteil hat.

Wir lesen:

„Das Buch will vielmehr darüber aufklären, welche Akteure hinter der Organisation der Klimaschutzinitiative stecken, welche Interessen eine Rolle spielen, mit welchen Methoden die Menschheit gerettet werden soll, und am Ende, was das alles mit Corona und dem Great Reset, dem großen “Neustart” von Klaus Schwab zu tun hat.

Das Buch basiert in erster Linie auf Informationen über Organisationen in den USA. Aber diese strahlen aus auf Deutschland und werden hier ebenso aktiv werden, wie dort, sind es sogar schon. Wer verstehen will, mit welchen Maßnahmen die Hauptspieler in diesem großen Spiel agieren, der findet hier unzählige Namen, ein Stichwortverzeichnis und weit über 1000 Quellen zum Verifizieren der Angaben, die zum großen Teil von Cory Morningstar recherchiert wurden.“

Dass sich der Autor Jochen Mitschka die umfangreiche Mühe gemacht hat all diese erwähnten Quellen zu verifizieren und den Inhalt uns Leserinnen und Lesern zur Kenntnis zu bringen, ist verdienstvoll. Etwas über Cory Morningstar zu finden – erst recht auf Deutsch – ist schwer. Auf Telepolis heißt es: „Wer Cory Morningstar nicht kennt: Ist Autorin, Publizistin, Journalistin und Umweltaktivistin, die den “grünen Banken u. industriellen Komplex” samt deren Machenschaften fein säuberlich aufgedröselt hat.“

Wer das äußerst umfangreiche Buch lesen möchte muss Geduld mitbringen. Der Autor selbst zu seinem Buch:

„Warnung! Der Leser wird bombardiert werden mit Namen, Verbindungen, Vergangenheiten und Netzwerken. Ich hoffe, er gibt nicht auf, in die Details einzusteigen. Denn was wir in erster Linie von der Aufdeckung der Zusammenhänge durch Cory Morningstar über die »gemeinnützigen« Unternehmungen in den USA lernen, werden wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz in allerkürzester Zeit ebenso wahrnehmen.“

Ich verspreche: Anstrengen, aufmerksam lesen und verstehen lernen = ein Gewinn

Das Buch „Greta, Klima und Corona. Der Teufel wird die Seelen nicht retten“ von Jochen Mitschka, erschienen in der Buchreihe Weltpolitik des Vereins „Der Politchronist e.V. i.G.“, ist sehr informativ, mit vielen Blicken hinter die Kulissen der jeweiligen Szenen und hat das Zeug, interessierten Menschen die Augen zu öffnen. Überdies regt es zum Nachdenken an.

Was wir darin lesen, werden wir so nicht in den gängigen Medien finden. Und wenn doch, dann nicht in dieser Ausführlich- und Kenntlichkeit.

Nach dem Durchackern der enormen Menge an Themen samt der in den Kapiteln aufscheinenden Hinweise mit Verweisen auf unfassbar viele Personen, die damit im Zusammenhang stehen und wiederum Querverweise zu anderen Beteiligten und Organisationen offenbar machen, hat man den Kopf zunächst einmal voll. All das kann sich freilich niemand merken. Aber es werden auf jeden Fall viele Zusammenhänge klar und uns im Bewusstsein bzw. Unterbewusstsein hängenbleiben. Zusammenhänge, die uns ansonsten von Politik und Medien eher vernebelt dargestellt werden. Und uns infolgedessen nicht auffallen. Uns ja wohl vermutlich auch gar nicht auffallen sollen. Schließlich kann das Buch ja auch immer parat liegen, um bei Bedarf mal etwas nachzuschlagen.

Joachim Mitschka:

„Es ist nicht Aufgabe dieses Buches, die einzelnen Richtungen gegeneinander abzuwägen und zu beurteilen. Hier kann nur ein Teilaspekt dargestellt werden, nämlich mit welchen Mitteln die Vertreter der Ansicht arbeiten, dass die Welt durch eine Verpreisung und Finanzialisierung der Natur gerettet werden muss, mit welchen Aussagen sie ihre Meinung verbreiten und welche Rolle dabei eine Jugendliche spielt.

Hier, liebe Leserinnen und Leser ein Überblick des Buchinhalts:

Inhalt

Wie die Umwelt retten? …………………………………………………… 9  Vorwort ……………………………………………………………………. 13 

Die drohenden Katastrophen ………………………………………….. 21 

Die Klimakatastrophe …………………………………………………… 25 

Das Phänomen Greta Thunberg …………………………………… 31 

Die Greta-Effekte …………………………………………………….. 45 

Aus Naturschutz wird »Naturkapital«? ……………………………. 58 

Die wichtigen Stiftungen ……………………………………………. 69 

Die Monetarisierung des Sozialen Kapitals ………………………. 74 

Das Geschichtenerzählen …………………………………………… 79 

Extinction Rebellion und der Panikmodus ………………………… 85 

Das Sozialkredit-System der Oligarchen …………………………. 92 

Nachhaltigkeit und Wachstum ……………………………………… 95 

Die Interessen ………………………………………………………. 102 

Jamie Margolin – Zero Hour………………………………………. 109 

Die Ausbeutung des Guten Willens ……………………………… 116 

Umweltschutz als Retter des Kapitalismus? ……………………. 121 

Eine unbequeme Fallstudie ……………………………………….. 125 

Pragmatismus oder pure Gier? …………………………………… 135 

Aktivismus & Korporatismus vereint ……………………………. 139 

Die 4. Industrielle Revolution …………………………………….. 142 

Den Panikmodus starten ………………………………………….. 154 

Der Auftrag: Die Rettung des Kapitalismus ……………………. 163

  Green New Deal …………………………………………………………. 171 

World Resources Institute ………………………………………… 188 

The New Climate Economy ……………………………………….. 195 

Natur mit Geldwert bemessen……………………………………. 198 

Die schöne, saubere neue Ökonomie …………………………… 215 

Die Kunst der Überzeugung ………………………………………. 232 

New Economy Coalition …………………………………………… 245 

New Economics Foundation (NEF) UK …………………………… 249 

Ethik und »Verkauf« der Natur durch Unternehmen …………. 251 

Greta als Jeanne d’Arc?………………………………………………… 257 

Das persönliche Schicksal Greta Thunbergs …………………… 261 

Folge dem Geld …………………………………………………………. 267 

Der große Neustart durch Corona? ………………………………….. 271 

Klaus Schwab und sein großer Neustart ……………………….. 294 

Die kalkulierte Zerstörung des Sozialen ………………………… 332  Maschinenstürmer …………………………………………………. 385 

Greta und der »Große Neustart« ………………………………… 390  Cory Morningstar ……………………………………………………….. 395  Nachwort …………………………………………………………………. 401  ,

Index ……………..

Warum dreht sich bei diesem Buch so viel um Greta Thunberg? Das hat natürlich damit zu tun, dass Greta Thunberg, das Mädchen aus Schweden, inzwischen18 alt, weltweit bekannt geworden und mit dem Schild Erinnerung mit der Aufschrift „SKOLSTREJK FÖR KLIMATET“, vorm schwedischen Parlament sitzend. Womit sie eine Ikone der Klimaschutzbewegung geworden ist. Keine Angst, es geht im Buch nicht darum, etwa ein Greta-Bashing zu betreiben. Allerdings wird der Versuch unternommen das Phänomen Greta gründlich zu hinterfragen. War es wirklich Zufall, dass Greta so plötzlich auf den Plan trat und relativ rasch zu einer Klimaschutz-Ikone wurde? Inwiefern wurde sie durch wen promotet. Ihr Anliegen, etwas für den Klimaschutz tun zu müssen, basierend auf ihrem Wissen, war gewiss ehrlich und kam von Herzen. Und hatte damit zu tun, was uns der Autor hier mitteilt:

„Als Greta, die Tochter des berühmten Opernstars Ernman, in die fünfte Klasse kam, fing sie an das Essen zu verweigern. Die Situation steigerte sich in eine Lebensbedrohung. Das Essen wurde für Greta und die ganze Familie zu einem Drama. Es wurden bei Greta nicht nur Asperger-Syndrom, sondern hochfunktionaler Autismus und OCD (Zwangsstörungen) festgestellt. In der Schule wurde dann ein Film über die Verschmutzung der Weltmeere vorgeführt, der ihr Leben veränderte. Sie verstand nicht, warum die anderen Schüler so schnell über die Tragödie hinweg kamen und fürsie belanglose Dinge plauderten. Ihr Verhalten wurde sonderbar. Schließlich ertrug sie die Schule nicht mehr.“

Jochen Mitschka schreibt (S.261): „Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, da ich in dem Alter von Greta war und mich mit den ersten Veröffentlichungen des Club of Rome auseinandersetzte. Das war gegen Ende der 1960er Jahre. Auch mich befiel damals Panik ob der Aussichten von Peak-Oil, Massenelend und Hungertod in Afrika. Und ich schrieb damals einen Artikel in der Schülerzeitung, in dem ich davor warnte, dass uns »Die Fleischtöpfe um die Ohren fliegen«, und die Massenmigration aus purer Not der Afrikaner uns überrennen würde. Glücklicherweise hatte ich Lehrer und Eltern, die nicht mein Engagement ausnutzten, sondern mich beruhigten.“

Und weiter: „Ganz anders das Umfeld von Greta Thunberg. Dort wird die Verzweiflung und sicher demnächst auch Depression des Mädchens genutzt, um politische Ziele zu erreichen. Und das ganz offensichtlich auf Kosten der Gesundheit von Greta. Aber nicht nur die Gesundheit von Greta, sondern die einer ganzen Generation gerät in Gefahr. Denn mit ihren Reden soll eine ganze Generation in Verzweiflung getrieben werden, um maximalen Druck daraus resultieren zu lassen. Schon die Rede Gretas in Davos wirkte dramatisch in diese Richtung. Und auch wenn man heute weiß, dass es einstudiert war, so hinterließ es Spuren in der Psyche des Mädchens:

»Erwachsene sagen immer wieder, dass wir es den jungen Menschen schulden, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will nicht, dass ihr voller Hoffnung seid. Ich will, dass euch die Panik ergreift. Ich will, dass ihr fühlt, was ich jeden Tag fühle. Ich will, dass ihr etwas unternehmt. Ich will, dass ihr agiert, als wärt ihr in einer Krise. Ich will, dass ihr handelt, als ob euer Haus in Flammen stehen würde, denn das ist es.«

Dann unter Tränen die Rede vor der UNO, welche eine emotionale Entgleisung des Teenagers durch Mimik und Tränen verriet:

»Wie könnt ihr es wagen?! Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, worüber Sie reden können, sind Geld und Märchen vom ewigen wirtschaftlichen Wachstum. How dare you?!

Ich sollte nicht hier sein, ich sollte in der Schule sein auf der anderen Seite des Ozeans (…) Ihr habt meine Träume und meine Kindheit gestohlen mit euren leeren Worten. «

Ab Seite 261 wird „Das persönliche Schicksal Greta Thunbergs“ beleuchtet

Dort heißt es:

„Welche Spätfolgen das für die Psyche von Greta Thunberg haben könnte, scheint für die Hintermänner dieser Politik von untergeordneter Wichtigkeit zu sein. Früher oder später wird Greta Thunberg herausfinden, dass sie von Menschen ausgebeutet wurde, die sie für ihre Freunde hielt. Ich wünsche ihr, dass sie es dann schafft, das zu verarbeiten und zu verkraften, ohne in eine existentielle Krise zu geraten. Eine Krise, in der sie vielleicht aber schon heute ist. Der Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz, der viele Jahre Kinder mit Asperger Syndrom behandelt, erklärt nach der von den Medien gefeierten Wutrede:

»Dass dieses Mädchen voller Schmerz und auch voller Wut ist, das gehört zu ihrer Entwicklungsproblematik. Dass sie die jetzt auf die Klimaproblematik projiziert, ist verständlich und wenn sie in guten therapeutischen Händen wäre, würde man sie aufmerksam machen, dass es nicht nur um die Projektion von Gefühlen geht, sondern wo stammt denn die Schmerzlichkeit, die Wut her, die sie in sich trägt. Das Schlimme daran ist aber die Vermarktung. Das, was aus ihr gemacht wird, wie sie sozusagen für Interessen gebraucht oder missbraucht wird. Also ich finde das nicht in Ordnung, ich würde die Eltern schon kritisch befragen, was sie da eigentlich vorhaben, dass sie das tolerieren, die Vermarktung, ja doch eines persönlichen Problems, so befördern, dass halte ich schon für ethisch problematisch.«

„Maaz war viele Jahre Chefarzt der psychotherapeutischen und psychosomatischen Klinik im evangelischen Diakoniewerk Halle. Er arbeitet immer noch als Psychotherapeut und Psychiater und ist Autor zahlreicher Bücher“, erklärt Jochen Mitschka.

Greta Thunberg, ein Werkzeug?

Gut möglich also, dass Greta Thunberg als Werkzeug benutzt wird. Je tiefer wir ins Buch eintauchen desto mehr gewinnen wir den Eindruck, dass es hinter der Fassade von Umwelt- und Klimaschutz auch um die Erschließung neuer Märkte und das Generieren neuer Profite geht, die inzwischen entgangene ersetzen sollen. Denn Vieles auf der Welt ist schon zu Geld gemacht. Da sucht das internationale Kapital nach neuen Möglichkeiten.

„Der Schutz des Menschen wurde in der Menschenrechtskonvention festgelegt“, gibt Mitschka zu bedenken. „Aber der Mensch ist nur eine Untereinheit der Natur. Wenn diese Untereinheit nun die Natur als Gesamtheit bedroht, liegt es nahe, daran zu denken, eine Naturschutzkonvention zu vereinbaren. Das geschieht jedoch nicht, weil man im Westen der Welt, in den dominanten Ländern, die Natur als Ding ansieht, für das man einen Geldwert definieren kann und das man kaufen und verkaufen kann. Und so soll es, ganz im Sinne jener Kräfte, die unzählige »gemeinnützige« Umweltschutzorganisationen finanzieren, zu einem handelbaren Objekt werden.“

Der Autor informiert: „Einer der ersten Namen, die genannt werden, wenn man das Thema »Klimakrise« anspricht, ist der von Greta Thunberg. Also lag es nahe, hier mit der Suche zu beginnen. (Neben den erwähnten Quellen war insbesondere das Buch von Cory Morningstar, »The Manufacturing of Greta Thunberg«, Inspiration und Quelle vieler Informationen.“ (hier)

Soll also nun auch verstärkt die Natur zu Geld gemacht werden?

Was uns der Autor ebenfalls zu bedenken gibt:

„Auch wenn durch die Präsidentschaft von Donald Trump die Macht der US-Nicht-Regierungsorganisationen und Stiftungen, also die Macht der »Gemeinnützigen Klimaindustrie«, in diesem Buch auch NPIC (Non Profitable Industrial Complex bzw. nicht gewinnorientierter industrieller Komplex), in den Hintergrund trat, sind die USA, obwohl es in unseren Medien nicht so scheint, nun mal die tonangebende Macht der Welt im Hinblick auf eine Kommerzialisierung und Finanzialisierung der Natur unter dem Banner des Klimaschutzes und Naturschutzes. Daher lohnt es sich, dort genauer hinzuschauen, denn es wird maßgebend für die westliche Welt werden.“

Beispielsweise bringen Fridays For Future und Extinction Rebellion tausende gutmütige Menschen für einen auf den ersten Blick guten Zweck auf die Straße. Werden sie nicht auch instrumentalisiert?

Muss man hier nicht gleich an die Aktivitäten von Fridays For Future und Extinction Rebellion denken: „Tausende gutmütige Menschen, zum Teil Idealisten, ja Millionen Demonstranten in den westlichen Ländern stellen Forderungen, die dann von der Politik elegant umgebogen und (…) abgesegnet als »Neue Politik« verkauft werden. Und bevor der Demonstrant begreift, was passiert, wird er zum Ausgebeuteten eines Systems, das er selbst einzurichten half. Während ich »Die Absurdität der Realität« beschrieb, dann die Gründe untersuchte, warum wir diese Absurdität akzeptieren, wurde der Ruf immer lauter: »Und was kann man tun«? Darauf eine Antwort zu geben, fiel mir so schwer, dass ich zunächst diesen Überlegungen noch eine weitere Facette hinzufügen wollte. Es geht darum, wie die von Edward Bernays für Propaganda gelegten Grundlagen durch die Mächtigen dieser Welt perfektioniert wurden.“ Apropos Friday For Future und Extinction Rebellion: Im vorliegendem Buch wird auch ein wenig hinter die Kulissen dieser Organisationen geleuchtet und geschaut, wer da mit wem zusammenarbeitet. Danach könnten wir uns auch einmal ein paar Gedanken machen, warum die Proteste dieser beiden Organisation sowohl von der Presse äußerst wohlwollend begleitet als auch von der Staatsmacht betreffs deren Demonstrationen und Aktionen weitgehend geduldet werden.

Im Buch lesen wir: „Die Tatsache, dass die Extinction Rebellion nicht den Kapitalismus, den Imperialismus oder den Militarismus einschließt – die Haupttreiber des ökologischen Angriffs auf die Erde, in Verbindung mit dem Wegfall anderer struktureller Ursachen -, hat nicht nur nach Meinung von Morningstar wichtige Fragen aufgeworfen, ob dieses Vehikel überhaupt zum Aufbau und zur Organisation von Gemeinschaft genutzt werden kann.“

Da fällt mir der Dortmund Friedensaktivist und Ostermarschierer Willi Hoffmeister, leider vor Kurzem verstorben, ein, der immer wieder gefordert hatte etwa Fridays For Future in den Kampf für den Frieden miteinzubeziehen, da ja das Militär – vornweg die US-Army – die größten Umweltverschmutzer auf der Welt seien.

Das Buch als logische thematische Fortsetzung des Buches „Die Menschenrechtsindustrie im humanitären Angriffskrieg“ (Jochen Mitschka mit Tim Anderson“)

„Das vorliegende Buch ist die logische thematische Fortsetzung des Buches »Die Menschenrechtsindustrie im humanitären Angriffskrieg« von Tim Anderson und mir“, informiert Mitschka. Auch dort treten Stiftungen, die von Oligarchen und Regierungen gesteuert werden, als »Nicht-Regierungs-Organisationen« auf, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Der Unterschied zur im vorliegenden Buch kritisierten »Umweltschutzindustrie« besteht darin, dass sich die »Menschenrechtsindustrie« zur Durchsetzung von Ressourceninteressen insbesondere aggressiv gegen Länder richtet, die sich nicht der Ausbeutung durch die westlichen Großmächte unterwerfen wollen. Dagegen richtet sich die »Umweltschutzindustrie« zunächst gegen die eigene Bevölkerung, also nach innen, um jene zu zwingen, die zwar auch profitierten, aber gleichzeitig ausgebeutet wurden, eine Neuauflage des kapitalistischen Systems unter dem Banner der Nachhaltigkeit zu finanzieren. In einem zweiten Schritt werden eine neue Kolonialisierung und Ressourcenbeherrschung und -ausbeutung unter dem Banner des Umweltschutzes vorangetrieben.“

Wir wissen, der Kapitalismus erfindet sich stets neu: „War es früher Religion, dann Zivilisation, die »den Wilden« gebracht werden musste, so ist es nun der »Umweltschutz« durch Konzerne, der ihnen beigebracht werden soll. Am Beispiel des Phänomens Greta Thunberg zeige ich auf“, schreibt Mitschka, „wie mit modernsten Mitteln der Propaganda, die weit über die ersten theoretischen Überlegungen von Edward Bernays hinaus gehen, und unter Nutzung neuester Technologien, Menschen dazu gebracht werden, gegen ihre eigenen Interessen zu agieren. Ging es der Menschenrechtsindustrie darum, die Akzeptanz in der Gesellschaft für Kriege, Sanktionen und Rüstung zu erhöhen, so ist die Aufgabe nun wesentlich schwieriger. Die Gesellschaft muss dazu gebracht werden, die Hauptverursacher beziehungsweise die Hauptprofiteure der Umweltzerstörung zu ermächtigen, die von ihnen erzeugten Zerstörungen nicht rückgängig zu machen, sondern zukünftig zu verhindern. Wobei die Kosten dieser Veränderung nicht die Profiteure der Zerstörung tragen sollen, sondern jene, die durch sie ausgebeutet wurden.“ Perfide, nicht wahr?

Soll es das sein: Umweltschutz als Retter des Kapitalismus?

Bei weitem ist es hier aus Platzgründen nicht möglich alle wichtigen Aspekte des Buches zu erörtern. Wichtige scheint mir aber auf noch zwei wichtige Kapitel hinzuweisen: „Der große Neustart durch Corona?“ (S.271) sowie „Klaus Schwab und sein großer Neustart“ (S.294)

Einmal abgesehen von der tatsächlichen Existenz des Corona-Virus drängte sich eigentlich bei manch einem schon recht früh der Verdacht auf, dass diese Pandemie und die zur ihrer Eindämmung erlassenen Maßnahmen auch noch sozusagen als Paravant dienen, hinter welchen die nächst anrückende Finanzkrise versucht wird zu verbergen und mit Maßnahmen – nicht zuletzt autoritärer Natur – in den Griff zu bekommen, die zu „normalen“ Zeiten wohl nie akzeptiert worden wären.

Auch Klaus Schwab/Thierry Malleret mit „COVID-19: The Great Reset“ lassen da Alarmglocken schrillen. Die Einen sehen durch den „Großen Umbruch“ ein schillernde Zukunft möglich werden, die Anderen warnen vor einen neuen Faschismus. Bekanntlich ist ja Klaus Schwab (World Economic Forum) ein Anhänger des Transhumanismus. Also einer Verbindung sozusagen von Mensch und Maschine. In „Klaus Schwab und sein großer Neustart“ zitiert Jochen Mitschka Cora Morningstar „…oder wie Cory Morningstar es ausdrückt: »Klaus Schwab und sein großer faschistischer Reset«. Dazu heißt es im Buch: „Schwab sei natürlich kein Nazi im klassischen Sinne, weder Nationalist noch Antisemit, wie der mit einer Million Dollar dotierte Dan-DavidPreis belegt, der ihm 2004 von Israel verliehen wurde. Aber der Faschismus des 21. Jahrhunderts habe andere politische Formen gefunden, durch die er sein Kernprojekt der Umgestaltung der Menschheit, um sie dem Kapitalismus anzupassen, mit unverhohlen autoritären Mitteln fortsetzen kann. Dieser neue Faschismus werde heute unter dem Deckmantel von Global Governance, Biosicherheit, dem »New Normal«, dem »New Deal for Nature« und der »Vierten Industriellen Revolution« vorangetrieben.“

Ist das alles so neu? Wir wissen: Der Kapitalismus lässt sich so schnell nicht totzukriegen. Er erfindet sich immer wieder neu. Wir kennen unseren Karl Marx: „Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“

Und diese Neu-Erfindungen des Kapitalismus werden über Jahrzehnte vorbereitet. Jetzt könnte es wieder einmal ans Eingemachte gehen.

So relativiert Jochen Mitschka denn auch realistisch: „Vermutlich kommt man der Wahrheit näher, wenn man aus »Great Reset« so etwas wie »Slow Steps« macht. Denn die Neugestaltung des kapitalistischen und neoliberalen Systems ist ja bereits seit Jahrzehnten in Gange.“ Wie schon im Titel verkündet: „Der Teufel wird die Seelen nicht retten“.

Dem interessanten Buch seien viele Leserinnen und Leser gewünscht.

Jochen Mitschka

Greta, Klima und Corona Der Teufel wird die Seelen nicht retten

In der Buchreihe Weltpolitik des Vereins Der Politikchronist e.V.

424 Seiten – Erscheinungsdatum: Okt. 2021

Preis: 15,00 Euro

ISBN. 978-3-98586-003-6

Zu bestellen im Shop: hier

Der Politikchronist – gemeinnütziger Verein für politische Bildung e.V. (i.Gr.) Birkenweg 2

57614 Ratzert, Deutschland

E-Mail: info@politikchronist.org

Über den Autor:

Jochen Mitschka war unter anderem Unternehmensberater mit eigenem Unternehmen in Südostasien und einem kurzen Einsatz im Rahmen einer UNO-Maßnahme in Vietnam. Nebenbei verfasste er unter Pseudonymen Bücher über Politik und Gesellschaft der Region. Er kam 2009 zurück nach Deutschland, um bis zu seinem Ruhestand im August 2017 als angestellter Projektkoordinator und -manager für eine führende Softwarefirma zu arbeiten. Er übersetzte Tim Andersons »Dirty War on Syria«, in der deutschen Version erschienen im Liepsen-Verlag, und nach Eintritt in den Ruhestand Kees van der Pijls »Der Abschuss: Flug MH17, die Ukraine und der neue Kalte Krieg«, veröffentlicht im PapyRossa-Verlag. Er schrieb zusammen mit Tim Anderson ein Buch über »Die Menschenrechtsindustrie im humanitären Angriffskrieg«, das 2018 im Kopp-Verlag erschien, ebenso wie im Jahr 2019 das Buch »Deutschlands Angriffskriege«.

Redakteur der Ruhr Nachrichten passt das Impftempo nicht: „Es wird Zeit Daumenschrauben anzulegen“ (Kommentar eines Empörten)

Seit anderthalb Jahren nun schon beschäftigt uns das Corona-Virus außerordentlich stark. Und, wenn wir den Medien nicht ausweichen – heißt: deren Konsum auf das Allernötigste beschränken – wird man von früh bis abends zugeballert mit der Thematik. Im Wesentlichen wurde und wird Angst geschürt. Angst essen Seele auf. Angst macht krank. Psychiater können ein traurig Lied davon singen. Betroffen von psychischen Erkrankungen in der Corona-Zeit neben Erwachsenen gar viele Kinder und Jugendliche.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Hier soll das Virus und damit verbundene Gefahr an Covid-19 zu erkranken, keineswegs heruntergespielt noch geleugnet werden. Statt die Medien in dieser Zeit sich neben Warnungen vor dem Virus auch darauf zu verlegen, den Menschen Tipps von Fachleuten an die Hand zu geben, wie wir unser Immunsystem stärken und so unsere Abwehr gegen uns angreifende Viren und Bakterien auf- und nachzurüsten, wird hauptsächlich mit Angst gearbeitet.

Kaum vergeht ein Tag, ohne dass ein gewisser Experte namens Karl Lauterbach aus allen Zeitungsseiten und Medien hervorspringt und immer wieder herumklabauterbachend vor neuen Corona-Varianten und sonst weiß der Teufel was warnt. Es gibt Leute, die ihn bereits „Lautradamus“ nennen. Und da dieser Mensch – anstatt sich selbst einmal Hilfe für sein Problem zu suchen – allgegenwärtig und offenbar unvermeidlich ist, trägt er gewiss nicht zu unrecht den Namen „Karlchen Überall“. Kürzlich sagte der bekannte Psychiater, Psychoanalytiker und Autor Hans-Joachim Maaz, betreffs Lauterbach befragt, sinngemäß nur so viel: Um zu sehen, was mit dem Mann los ist, muss man kein Psychiater sein.

Die Medien haben m.E. in der Corona-Zeit arg versagt. Sie betätigen sich im Wesentlichen als Regierungssprecher, um die amtlich herrschende Meinung – und sei die auch noch so chaotisch und wider- bis irrsinnig – unter das Volk zu bringen. Hängt das damit zusammen, dass Medien auch Gelder vom Staat bekommen haben in der Corona-Krise? Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, heißt es bekanntlich. Nun ja: Regierungsideologie wurde schon vor Corona gesungen …

Wie auch immer: im Sinne einer Vierten Macht im Staate haben die Mainstream- und Qualitätsmedien jedenfalls nicht gehandelt. Überhaupt ist der deutsche Journalismus auch vor Corona schon auf den sprichwörtlichen Hund gekommen …

Angst, Angst und nochmals Angst machten uns die Medien. Kritische Wissenschaftler wurden ausgegrenzt und diffamiert. Und jetzt, wo gegen das Virus geimpft wird, hat man sich darauf verlegt Impfpropaganda zu machen. Um die Leute, die noch zögern sich impfen zu lassen oder die Impfung ablehnen an die Spritze zu kriegen. Eine Impflicht gibt es hierzulande nicht. Na ja. Wir erinnern uns: Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. Aber allmählich kommt die Impf-Pflicht durch die Hintertür. Und Macron in Frankreich diktiert sie sogar bestimmten Gruppen. Die Österreichische Gesundheitskasse etwa entblödet sich nicht, das mit dem Song „Baby lass uns impfen“ (Freuen wir uns zurück) zu tun. Freiheit also durch die Nadel? Wie bitte?! Die Leute sollen sich darüber freuen, dass sie, so sie sich impfen lassen, ihre Grundrechte zurückbekommen? Kruzifix! Grundrechte die uns allen von Geburt an unveräußerlich zustehen. Grundrechte, sind Grundrechte, sind Grundrechte…

Auch in New York setzte man auf Nudging (nebenbei bemerkt: im deutschen Bundeskanzleramt soll es sogar Zuständige dafür geben), da soll es für Impfwillige Donuts gegeben haben. Lecker? Die Amis spinnen! Viele sind doch eh schon so hoch wie breit. Nudging bedeute so viel wie Schubsen. Die Leute zu etwas bringen, das sie freiwillig nicht tun wollen.

Nun, man mag auf noch so abstruse Ideen verfallen, die Impfstoffe an die Männer, die Frauen und an die Diversen zu bringen. Spaß beiseite: Es gibt auch eine Grenze, ein Zuviel, finde ich. Was erlauben, was denken sich manche?

Zum Beispiel Journalisten wie Kevin Kindel von den Dortmunder Ruhr Nachrichten. Da lese ich doch neulich den täglichen Newsletter dieser Zeitung und nach ein paar gelesenen Zeilen, saust mein Blutdruck in die Höhe? Wie bitte, hämmert das Blut wutschäumend in meinen Schläfen?!

Ach, ja, ich weiß es: Als Journalist soll man sich nicht an Namen vergehen oder abarbeiten. Kevin! Was kann der Mann dafür, dass dessen Eltern wahrscheinlich einen bestimmten Film gesehen haben und danach auf die Idee verfielen, ihren im Anmarsch befindenden Spross Kevin zu nennen?

Den Ruhr Nachrichten ist zu entnehmen: „Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.“

Kevin schlägt sogar in der Soziologie zu Buche. In einem Bericht über eine Veranstaltung zum Thema Klassismus schrieb ich einmal: „Hand aufs Herz, liebe LeserInnen: Haben wir uns nicht alle schon einmal über den Namen Kevin lustig gemacht, oder uns bei Auftritten von Cindy aus Marzahn vor Lachen auf die Schenkel geklopft? Nun ja.

„Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“ – dieser Spruch sorgt immer wieder für Lacher und gute Laune. Bestimmt ist er auch nicht (immer) böse gemeint. Und trotzdem befördert er: Klassismus. Warum? Weil er ein Klischee heraufbeschwört und alle Kevins mit abwertender Absicht mindestens in die Schublade „Unterschicht“ steckt. Vielen mag der Begriff „Klassismus“ vielleicht bislang gar nie untergekommen sein.“ (hier der Bericht)

Kevin Kindel soll hier nicht in eine Schublade gesteckt oder wegen seines Namens verspottet werden. Aber auf die Schreibfinger soll ihm hier dennoch gehörig geklopft werden.

Warum puckerte also mein Blut in den Adern? Hier ist sozusagen das Corpus Delicti, gewissermaßen der Stein des Anstoßes im Text des Newsletters (in der Webaufnahme von mir rot umkringelt):

Da meint der Herr Redakteur Kevin Kindel, dass es Zeit sei, Menschen, die noch zögern oder Impf-Unwilligen „Daumenschrauben anzulegen“? Auf Twitter tippte ich ad hoc erzürnt: „Was Geistes Kind ist dieser Redakteur?“ Sind wir etwa im Mittelalter?

Ich halte es allerding durchaus für vertretbar, dass man als Journalist Leserinnen und Lesern über die Möglichkeit der Impfung informiert. Aber bitteschön auch versehen mit inzwischen vorliegenden Erkenntnissen über Nebenwirkungen – leichter und schwererer Art bis hin zur Verursachung von Todesfällen -, die die von der EMA nur bedingt zugelassenen Impfstoffe verursachen können. Aber mit „Daumenschrauben“ – wenn auch, wie ich doch stark hoffe, im übertragenen Sinne gemeint sind – zu drohen, dass halte ich für völlig überzogen. Das verbietet sich m. E. von selbst. Dafür müsste der Hausverstand eigentlich ausreichend sein. Da geböte doch wohl nicht zuletzt die journalistische Sorgfaltspflicht, auf derlei zu verzichten. Jeder Mensch sollte sich frei entscheiden können, sich impfen zu lassen oder eben auch nicht.

Angst wurde doch den Menschen schon genug gemacht. Vor dem Corona-Virus und nun vor den Folgen, wenn sie sich nicht Impfen lassen wollen. Nun auch noch mittels sich verbietender Drohungen? Es reicht! Mit wie auch immer gearteten „Daumenschrauben“ ängstigt und verunsichert man jedenfalls die Menschen. Die sich entweder, um eine wie auch immer geartete (fragliche) Freiheit wiederzuerlangen Hals über Kopf impfen lassen oder trotzig erst recht nicht impfen lassen werden. Was denkt sich der Herr Redakteur dann in diesem Falle für Druckmittel aus? „Öffi-Verbot für Ungeimpfte“, wie ein Kölner Impfarzt bereits sich erfrechte, allen Ernstes in Vorschlag zu bringen. Das ist doch eine Schande für einen Mediziner. Kennt dieser Mensch den „Nürnberger Kodex“ nicht? Was sind das für Menschen? Was ist mit denen schiefgelaufen? Auch „Weiße Folter“ ist schlimm …

Foto: Rosel Eckstein via Pixelio.de

Dieser Fall zeigt: der Journalismus treibt momentan seltsame Blüten. Das ist teilweise abstrus und abstoßend. Solchem Journalismus gehört gehörig auf die Schreibfinger geklopft. Was hiermit durch den „Kommentar eines Empörten“ – nämlich meiner Wenigkeit – geschehen ist.

Anbei gegeben ein Interview mit Peter F. Mayer (tkp.at), das Elsa Mittmannsgruber (AUF) mit dem österreichischen Wissenschaftsjournalisten führte (hier): Corona Krise im Video: Rückblick, die Medienlandschaft, Impfungen und Ausblick.