Dortmund: Zwei Flusskreuzfahrtschiffe werden 180 Geflüchteten als Wohnstatt dienen

Vor einem Jahr machte das Fluchtschiff im Dortmunder Hafen fest, um auf die Situation von Flüchtlingsfrauen aufmerksam zu machen. Vom kommenden Dienstag an werden fast an gleicher Stelle 180 Flüchtlinge auf zwei Flusskreuzfahrtschiffen wohnen; Fotos: CD.Stille

Vor einem Jahr machte das Fluchtschiff im Dortmunder Hafen fest, um auf die Situation von Flüchtlingsfrauen aufmerksam zu machen. Vom kommenden Dienstag an werden fast an gleicher Stelle 180 Flüchtlinge auf zwei Flusskreuzfahrtschiffen wohnen; Fotos (2): CD.Stille

Vor einem Jahr war „Radikalpoet“ Heinz Ratz mit seiner nun bereits dritten Aktion für Flüchtlingsrechte unterwegs. Auf der Deutschlandtour machte er samt Mitstreitern im Zuge der Aktion „Fluchtschiff“ mit zwei Flössen – darauf Flüchtlingsfrauen – u.a. auch im Dortmunder Hafen fest. Heinz Ratz wollte mit dieser Aktion besonders auf die spezielle Situation von Flüchtlingsfrauen aufmerksam machen. Schon damals waren Millionen Flüchtlinge weltweit unterwegs. Darunter auch Menschen aus Syrien. Die Flüchtlingsfrauen wurden laut und machten so auf ihre Lage sowie Missstände in Asylunterkünften aufmerksam. An einen nicht abreißenden Flüchtlingsstrom mit dem wir mittlerweile konfrontiert sind, war vor einem Jahr nicht zu denken. Obwohl wir alle eigentlich – falls mit normalen Menschenverstand ausgerüstet und gut informiert – eigentlich schon immer damit rechnen mussten, dass die zu einem beträchtlichen Teil vom Westen verursachten Fluchtursachen früher oder später sozusagen im Gegenlauf  zu einer größeren Fluchtbewegung gen Westeuropa würden führen müssen.

Mit #CarsOfHope vor Ort in Slowenien helfen

Logo engagierten Helfer; via #CarsOfHope Wuppertal.

Logo der engagierten Helfer; via #CarsOfHope Wuppertal.

Nun hilft kein Lamentieren und auch keine noch so absurden rechtspopulistischen Vorschläge aus Horst Seehofers Bayern bringen uns weiter: Den zu uns kommenden Flüchtlingen muss geholfen werden. Sie müssen hierzulande menschenwürdig untergebracht und versorgt werden. Erfreulich ist die große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung. Freunde von mir sind vor ein paar Tagen mit einem Hilfskonvoi unter dem Motto „CarsOfHope“ nach Slowenien gefahren, um den Geflüchteten vor Ort zu helfen.

Die Kommunen hier in Deutschland stehen vor einer Mammutaufgabe

Während die Flüchtlingsfrauen weiter laut auf ihre Lage aufmerksam machen, steigt die Anzahl der unterzubringenden Flüchtlinge - auch in Dortmund - weiter.

Während die Flüchtlingsfrauen weiter laut auf ihre Lage aufmerksam machen, steigt die Anzahl der unterzubringenden Flüchtlinge – auch in Dortmund – weiter.

Immer neue Unterkünfte für die ankommenden Flüchtlinge müssen organisiert werden. In Dortmund geschieht das neben schon bestehenden Einrichtungen bereits mit einem Containerdorf unweit der Dortmunder Westfallenhallen. Vom kommenden Dienstag an sollen Geflüchtete nun nun auch auf zwei Flusskreuzfahrtschiffen im Dortmunder Schmieding-Hafen untergebracht werden. Allerdings – so informierte die Stadt – wenn die Flüchtlinge damit einverstanden sind. Wir wissen, viele Geflüchtete kamen übers Meer und sind möglicherweise traumatisiert. Die schwimmenden Hotelschiffe liegen nicht sehr weit von dem Ort entfernt vor Anker, wo vor Jahresfrist Heinz Ratz und die Flüchtlingsfrauen ihre beide Flösse vertäut hatten.

Vorurteilen ausgeräumt: Keine Luxusunterkünfte

Die Nordstadtblogger berichten heute mit einem Artikel und Fotos von Alexander Völkel über einem gestrigen Ortstermin im Dortmunder Schmieding-Hafen, welcher Vorurteile ausgeräumt habe. Demnach steht fest: Keine Luxus-Unterbringung auf Kreuzfahrtschiffen.

Insgesamt 180 Geflüchtete sollen auf den beiden Schiffen wohnen

Und über die Schiffe, welche nicht gerade neu seien: „Die MS Solaris, 80 Meter lang, 9,5 Meter breit, 45 Kabinen für 100 Passagiere, ist Baujahr 1982. Die MS Diana, 79 Meter lang, 7,75 Meter breit, mit 39 Kabinen für 80 Menschen ist sogar seit 1970 im Einsatz.“ Die Schiffe bieten“, berichten die Nordstadtblogger, „deutlich mehr Privatsphäre als die anderen Notquartiere“. Insgesamt sollen auf den beiden Flusskreuzfahrtschiffen 180 Flüchtlinge wohnen.

Mehr lesen auf Nordstadtblogger.

Dortmund: Flüchtlinge überaus herzlich und warm willkommen geheißen

Seit vergangenen Sonntag treffen jeden Tag Flüchtlinge in Dortmund ein. Ich konnte vor Ort sein als der erster Zug – aus München kommend – nach 8 Uhr 30 Uhr auf dem Hauptbahnhof der Stadt eintraf. Dieser war zunächst nach Mitternacht in den  sozialen Medien für 3 Uhr nachts avisiert worden.Gleich nachdem dies bekannt gegeben war, strömten viele Dortmunderinnen und Dortmunder sowie Auswärtige mit Essenspaketen, Wasserflaschen, Decken und vielerlei mehr zum Hauptbahnhof. Die Wände rechts und links des Durchgangs zu den Bahnsteigen waren von spontan besorgten Hilfsangeboten gesäumt.

Unangenehmer Zwischenfall

Sofort nach Dortmund geeilt war auch der Bundestagsabgeordnete der Partei DIE LINKE, Niema Movassat. Er wurde auf dem Dortmunder Hauptbahnhof Zeuge unschöner Szenen. Die Partei Die Rechte hatte eine Demonstration angemeldet. Als dann eine kleinere Gruppe von Flüchtlingen in der Nacht in Dortmund eintraf, drangen rechte Demonstranten in den Hauptbahnhof ein, wo sich Gegendemonstranten aufhielten. Die Schuld für kurzeitigen Raufereien – so Stunden später ein Augenzeuge gegenüber mir – müsse der örtlichen Polizei gegeben werden. Die ebenfalls anwesende Bundespolizei hatte offenbar ausdrücklich eine andere Strategie vorgeschlagen, um eine  Konfrontation zu vermeiden. Vergeblich. Niema Movassat will den Vorfall parlamentarisch klären lassen. Vor allem auch deshalb, weil die Polizei mit Pfefferspray im geschlossenen Raum des Bahnhofs und mit Hunden ohne Beißkorb gegen die Gegendemonstranten vorging.

Dortmunderinnen und Dortmunder bereiteten den Flüchtlingen einen überaus herzlichen und warmen Empfang

Als schließlich der erste Zug, ein ICE aus München, (siehe oben) in Dortmund einlief, hatten sich die Nazis längst verdünnisiert. Viele Menschen fand man auf dem Bahnsteig versammelt, die gekommen waren um die Flüchtlinge in Dortmund zu empfangen. Plakate und Transparente mit Aufschriften wie „Refugees Welcome!“ waren zu sehen. Fotografen und Kamerateams brachten sich in Position. Es wurde ein überaus herzlicher Empfang. Beifalls brandete auf. Die Flüchtlinge traten müde  scheu auf den Bahnsteig. Dann lächelten viele von ihnen – überwältigt von dem so herzlichen und warmen  Empfang. Vielen Menschen aus diesem spontan zusammengekommenen Empfangskommitee und Helfern  traten Tränen der Rührung in die Augen. Die Flüchtlinge – unter ihnen auch Kinder – wurden zum Nordausgang des Bahnhofs hinaus ins Freie hinausgeführt. Dort wurde ihnen erste Essenspakete überreicht. Man ergriff die Hände der Flüchtlinge unter dem Ausruf „Welcome!“ und schüttelte sie. Zu Fuß geleiteten die gut organsierten Hilfskräfte die ersten Flüchtlinge wenige Meter hin zum

Über die Einsatzleitung der Feuerwehr Dortmund am Nordausgang des Hauptbahnhofes erfolgte die nötige Koordinierung; Fotos/Videos: C.-D. Stille

Über die Einsatzleitung der Feuerwehr Dortmund am Nordausgang des Hauptbahnhofes erfolgte die nötige Koordinierung; Fotos/Videos: C.-D. Stille

Dietrich Keuning Haus. Dort versorgten Helferinnen und Helfer  die erschöpften Menschen mit Essen und Trinken. Auch Hilfsgüter sind dort gut sortiert gelagert. Später sollten sie in Nordrhein-Westfalen verteilt werden. Berührende Augenblicke an diesem Sonntag. Die sich seitdem täglich mehrfach wiederholen. Denn weitere Flüchtlinge sind von Salzburg oder München her nach Dortmund unterwegs. Gestern besuchte die nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hannelore Kraft zusammen mit dem  Dortmunder Stadtdirektor Jörg Stüdemann  das Dietrich Keuning Haus.

Roma Kulturfestival Dortmund: „Niemand ist ein Zigeuner“ schreibt Historiker Wolfgang Wippermann und Europa ab

Professor Wolfgang Wippermann (rechts) neben Moderator Bastian Pütter; Foto: C.-D. Stille

Professor Wolfgang Wippermann (rechts) neben Moderator Bastian Pütter; Foto: C.-D. Stille

Kaum waren am vergangenen Mittwoch die letzten Worte zur Eröffnung des 2. Roma Kulturfestival DJELEM DJELEM auf der Bühne des Theaters im Depot Dortmund verklungen, nahte auch schon einer der diesjährigen Programmhöhepunkte. Moderator Bastian Pütter (Redaktionsleiter von bodo) kündigte unter der Überschrift „Sinti und Roma – das kollektive Feindbild Europas“ eine Lesung und Diskussion mit dem Historiker Wolfgang Wippermann an. Pütter meinte wohl, das Publikum vorwarnen zu müssen. Weshalb er dem außerplanmäßiger Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut an der Freien Universität Berlin (Wikipedia) vorsichtshalber das Etikett „streitbar“ umhängte.

Wer den Namen Wolfgang Wippermann googelt, wird betreffs des Etiketts rasch fündig. Und man erhält Auskunft darüber, warum Wippermanns Arbeiten immer wieder kontrovers diskutiert werden. Manchmal auch wutschnaubend. Doch in Dortmund wurde schnell klar: Vor Wippermann muss niemand gewarnt werden. Es war nachgerade erfrischend ihm zu lauschen. Er ist nämlich erfreulicherweise keiner, der hinter dem Berge hält. Der Mann redet Tacheles und nicht um den heißen Brei herum. Noch beschönigt er, wo es nichts zu beschönigen gibt. Welch ein Genuss in Zeiten flachen Politikergeschwätzes und einer Presse, die mit dem was man unter Vierter Gewalt versteht fast nichts mehr zu tun hat.

Die Lesung („nur um Sie in Sicherheit zu wiegen, als eine solche angekündigt“,so Moderator Pütter) sei keine. Wippermann las also nicht, er sprach. Orientierte sich aber selbstverständlich an seinem neuen Buch „Niemand ist ein Zigeuner“.

Bald lief die „Maschine“ rund und wie am Schnürchen: „Ich möchte schreien vor Wut, anschreien“

Allmählich lief der außerplanmäßige Professor aus Berlin mit norddeutschen Migrationshintergrund warm. Und es war ein Vergnügen dem beizuwohnen! Bald lief die professorale „Maschine“ Wippermann rund und wie am Schnürchen. Heidewitzka! Ja, lesen würde er tatsächlich nicht, so Wolfgang Wippermanns Einlassung. Stattdessen möchte er: „Schreien, schreien vor Wut. Ich möchte anschreien. Nicht nur das ostdeutsche Pack, sondern auch das westdeutsche Pack. Ich möchte anschreien das gesamtdeutsche Pack und die deutschen Politiker.“ Warum? Weil der Antiziganismus durch das Handeln dieser Politiker und des Packs zu einer Radikalisierung führe. „Wir erleben eine unerhörte antiziganistische Welt. Eine Welle der Feindschaft gegenüber der Sinti und Roma.“ Und dies, so Wippermann, würde nicht einmal ausgesprochen, sondern kaschiert. „Wenn gesagt wird, es gibt sicherer Herkunftsländer im „Westbalkan“, so ist das antiziganistisch motiviert. Denn gemeint sind die Roma: „Diese sollen nicht kommen. Wenn die Flüchtlinge selektiert werden in gute Flüchtlinge und böse Flüchtlinge – das sind die Roma-Flüchtlinge. Und die Roma-Flüchtlinge sofort in Abschiebelager kommen, um schnell abgeschoben zu werden, so ist das antiziganistisch motiviert.“ Wippermann mache das Spiel nicht mit, die einzelnen Flüchtlingsgruppen gegeneinander auszuspielen: „Das ist perfide.“

Antiziganismus in seinen Spielarten

„Aber müsse gesagt werden – und es wird nicht genug gesagt – vor allem auch nicht von den Journalisten – dass das, was wir hier erleben, die Aggression ist, die vor allem gegen Roma gerichtet ist.“ Früher habe man, wie etwa seine Großmutter, gesagt: „Die Wäsche weg, die Zigeuner kommen!“ Dagegen heiße es heute: „Asylrecht weg, die Roma kommen!“ Antiziganismus definierte Wippermann als „die Feindschaft gegenüber den Roma und anderen als Zigeuner klassifizierte Menschen – die müssen selber gar nicht Roma sein“. Diese Feindschaft dürfe wohl laut Umfragen von 60 Prozent der deutschen Mehrheitsbevölkerung getragen werden, sagte Wippermann. Also eine „Ideologie, eine Mentalität die tief in der Mehrheitsbevölkerung verankert ist“. In den Nachbarländern sei der Anteil noch höher. So könne es den Herrschenden gelingen die vorhandenen Vorurteile politische zu instrumentalisieren. Mit Antiziganismus verhalte es sich ähnlich wie mit dem Antisemitismus.

Religiös

Zunnächst sprach Wolfgang Wippermann vom religiösen Antiziganismus. Man sage also: „Die Zigeuner seien Kinder Kains. Kain, der sein Bruder ermordet hat. Und von Gott dazu verurteilt wird herumzuziehen.“ Und gar nicht lustig sei, dass die Roma auch in Beziehung zum Teufel gesetzt würden: „Der Teufel soll schwarz sein. Weiter wird behauptet, die Roma seien ebenfalls schwarz. Und die Roma hätten vom Teufel die magischen Fähigkeiten.“ Wie etwa das Wahrsagen. „Die Frauen die Sex mit dem Teufel hatten, zum Blocksberg kamen und zu Hexen geworden sind.“

Alte Kamellen? Historiker Wippermann erinnerte daran, dass vor einigen Jahren Kaufleute im Emsland Besen (ein teuflisches Symbol) in ihre Fenster hängten, um die Roma vom Betreten ihrer Geschäfte abzuhalten. Klartext: Um sie vom vermeintlichen Klauen abzuhalten. „Doch die Roma waren pfiffig und fragten: Was kosten die? Ist das ein Sonderangebot?“ Das mit den Besen habe sich seinerzeit von der gesamten norddeutschen Tiefebene bis nach Berlin ausgebreitet.Wolfgang Wippermann verschmitzt: Dass sei „was Ernst Bloch – „Ich muss ja als Professor auch so etwas zitieren – die ‚Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen‘ genannt hat“.

Sozial

Für die Bestätigung des sozialen Antiziganismus reiche ein Blick in die jeweilige Tageszeitung: „Trickbetrügereien und rumänische Diebesbanden“ – damit seien die Roma gemeint.

Zigeuner, das wüssten wir ja eben, klauen. Und sind auch Gauner. Wippermann: „Tatsächlich haben die blöden deutschen Professoren den Begriff Zigeuner aus der deutschen Sprache abgeleitet vom Verb ziehen und dem Substantiv Gauner, respektive Zieh-Gauner. In Wirklichkeit stammten Zigeuner, wie das Französisch Zigan ursprünglich aus dem Griechischen Zingani. Im 10 Jahrhundert wanderten sie nach Griechenland ein.

Rassistisch

Der rassistische Antiziganismus müsse als Rassismus bezeichnet werden. Das vermeintlich Asoziale, Negative am Verhalten der Roma, hieße es da, sei quasi genetisch bedingt. Der deutsche Professor Moritz Grellmann habe im ausgehenden 18. Jahrhundert gar behauptet: „Das ist ein orientalisches Volk mit einer orientalischen Denkungsart“.

Dann nannte der Historiker noch den romantisierenden Antiziganismus. Frei nach dem bekannten Motto: „Lustig ist das Zigeunerleben“ Vor allem Dingen in den sicheren Herkunftsländern und auch in Abschiebelagern“, ätzte Professor Wippermann. Und die nächsten offenbar unausrottbaren Klischees: „Die Frauen der Roma sind sexy. Und die Männer machen tolle Musik.“

Antiziganismus als europäisches Vorurteil

Den .Antiziganismus bezeichnete der Referent als ein europäisches Vorurteil. Das sich hartnäckig halten, obwohl es in unseren Breiten europäische Roma seit etwa 1000 Jahren gibt. In Deutschland sind sie seit etwa 600 Jahren sesshaft. Antiziganismus sei so etwas wie der kulturelle Code Europas. Mittels dessen sich Europa definiere.

Die Politik aller europäischer Staaten sei vor dem Völkermord der Nazs antiziganistisch geprägt gewesen.Es gab Zigeuner-Gesetze und Zigeunerjagden. Bis 1856 waren Roma in Rumänien versklavt! Während andernorts erwachsene „Zigeuner“, die gegen Gesetze verstoßen hatten und infolgedessen ausgewiesen wurden, konnten Zigeunerjungen oder Zigeunermädchen käuflich erworben werden.

Deutschland – hauptsächlich unter Hitler – betreffs der Verfolgung der Roma in der Tat schlimm gewesen. Aber Frankreich, England und Polen hätten ebenfalls große Schuld auf sich geladen. Was freilich das deutsche Tun nicht besser mache. Toleriert wurden Roma allenfalls im Osmanischen Reich und in Russland.

Der europäischer Völkermord an den Roma, sei von zwar von Nazideutschland initiiert gewesen – besetzte Länder hätten sich aber fleißig daran beteiligt. Etwa die Slowakei unter der Regierung des katholischen Pfaffen Tiso. Ungarn beschmutzte sich durch das Tun der faschistischen Pfeilkreuzler. Auch die Tschechei blieb nicht ohne Schuld. Und schlimmer noch wütete Kroatien unter den Ustascha und mithilfe der katholischen Kirche.

Nach 1945 seien die Roma weiter diskriminiert und auch verfolgt worden. In den sozialistischen Staaten Osteuropas erging es ihnen besser – immerhin hatten viele Roma bis zur Wende noch Arbeitsstellen. In Westdeutschland haben erst 1972 revidiert, dass die Roma als Asoziale gelten. Schilder mit der Aufschrift „Für Zigeuner verboten“ habe es noch nach dem Krieg gegeben. Immerhin wurden die Roma 1997 als ethnische Minderheit anerkannt. An der Umsetzung hapere bis indes bis heute.

Deutsche Sinti und Roma gelten in Deutschland als gut integriert. „In Frankreich“, so merkte Wolfgang Wippermann an, „ können die Roma von Verhältnissen wie in Dortmund nur träumen.“ Man müsse sich nur mal die Slums dort anschauen. Und sich darin erinnern, wie Ex-Präsident Sarkozy mit ihnen verfuhr: Stichwort: Ausweisung. In Rumänien seien die Roma nach dem Ende des Sozialismus von ihren Arbeitsplätzen verdrängt worden. „Tötet Roma!“ könne man da heute beispielsweise in einem Fußballstadtion lesen. In Ungarn hetze und wüte die Nachfolger der Pfeilkreuzler, die (zweitstärkste Partei in Ungarn), Jobbik („Die Besseren“) gegen Roma. In Jugoslawien wären Roma weitgehend integriert gewesen. Viele kamen als Gastarbeiter nach Westdeutschland Gastarbeiter und seien hier voll integriert. Zerfall. Diese Roma wollten immer jugoslawisch sein. Nachdem die Zerschlagung der Bundesrepublik Jugoslawien mit deutscher Hilfe gelaufen war, schwammen ihnen auch dort die Felle davon. Wippermann wütend: Und heute stelle sich unsere Regierung hin und erklärt etwa den Kosovo als sicheres Herkunftsland! Journalisten verharrten in einer Schweigespirale. Angriffe gegen Roma in diesen „sicheren Herkunftsländern“ des Balkans thematisierten sie nicht.

Wolfgang Wippermann: Betreffs Europa ist „alle Hoffnung verloren, das kann man in die Tonne stopfen“

Der Historiker Wolfgang Wippermann (rechts) beim 2. Roma Kulturfestival in Dortmund mit Moderator Bastian Pütter (links), Foto: C.-D. Stille

Der Historiker Wolfgang Wippermann (rechts) beim 2. Roma Kulturfestival in Dortmund mit Moderator Bastian Pütter (links), Foto: C.-D. Stille

Europa, kritisierte Professor Wippermann, toleriere die Diskriminierung der Roma in Westeuropa und Osteuropa gegenüber den Roma: „Gegenüber den Roma ist die EU längst zu einer „Unwertegemeinschaft“ geworden, die ihnen das Asylrecht verweigere. Die EU sei nur noch eine Wirtschaftsgemeinschaft und mit Bankenrettungen beschäftigt. Wippermann nüchtern: „Der europäische Traum ist vorbei. Wir Europäer sollten aus ihm erwachen und für die Rechte europäischen Roma kämpfen.“ Früher habe es geheißen: „Die Wäsche weg, die Roma kommen.“ Heute sage man: „Asylrecht, die Roma kommen.“

Wolfgang Wippermann lobte Dortmund für seine Bemühungen, den ankommenden Roma zu helfen. „Hier ist offenbar noch eine Zivilgesellschaft vorhanden.“ Da bestehe einige Hoffnung. Aber was Europa angehe, „da hab er alle Hoffnung verloren, das kann man in die Tonne stopfen. Europa hat versagt. Sollen sich nur noch um die Banken kümmern.“

Europa, beklagte Wippermann, habe keine Ideen. Seien früher die Juden als Sündenböcke benutzt worden, seien dies u.a. heute die Roma. Schließlich sei Antisemitismus sanktioniert. Betreffs einer Abgrenzung von Roma, da rege sich keiner auf. Von Wirtschaftsflüchtlingen und Sozialschmarotzern könne ungestraft die Rede sein. Rassistische Diskriminierung finde weiter statt, obwohl man nicht mehr von Zigeunern spricht. Aber Stammtisch versteht ja auch so.

Nur mal so: ein eigener Staat der Roma mit Atombombe?

Auch erfolge kein Aufschrei, wenn die Regierung bei Flüchtlingen selektiert. Um Roma abschieben zu können, erkläre man Staaten zu sichereren Herkunftsländern. Und dann läuft die Wippermannsche „Maschine“ noch einmal mit voller Kraft. Der Professor sprach von der Teilnahme an einer Historikerkonferenz. Da habe er mit jemanden gefragt, warum denn die Roma, die größte europäische Minderheit (es wird von 12 Millionen Menschen gesprochen) keinen eignen Staat gründe. Vielleicht würden ja die Rechte dieser Menschen dann endlich respektiert? Immerhin habe das ja bei den Juden mit Israel auch geklappt. Und die hätten ja die Atombombe. Den führe so schnell keiner an den Karren. Und provokativ habe er nachgesetzt: Wenn die Roma auch einen eignen Staat und auch eine Atombombe … Die Blicke, die ihn da trafen, werde er nicht vergessen.

Vor Wolfgang Wippermann muss nicht gewarnt werden. Und kommt er auch noch so polemisch daher. Damit erhellt er die Sachverhalte bis zur absoluten Kenntlichkeit.  Nein, der Mann muss zu Vorträgen eingeladen werden. Und zu Talkshows im Fernehen. Mehr davon! Ein engagierter Auftritt war das im Dortmunder Theater im Depot. Ein Vortrag mit ernstem Hintergrund, aufgelockert mit humorvollen Einsprengseln. Mögen doch mehr Leute in diesem unserem Lande so „streitbar“ sein und in deutschen Vortragssälen, Rundfunk- und Fernsehsendern reichlich zu Wort kommen. In diesen miesen Zeiten, des Niedergangs des politischen Europas samt seiner einst vollmundig postulierter, nun jämmerlich absaufender  europäischer Werte, werden Leute wie Wippermann benötigt, die nicht hinterm Berge halten.

Aus dem Programm des 2. Roma Kulturfestivals DJELEM DJELEM zu diesem anregenden Abend:

„Lange waren Sinti und Roma aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit weitgehend verschwunden: Eine Mischung aus Bettelei und Folklore, das war alles, was von dem einstigen Schreck- und Sehnsuchtsbild der „Zigeuner“ übrig geblieben war. Erst die „Armutszuwanderung“ aus Südosteuropa hat Sinti und Roma wieder ins Blickfeld gerückt – und das alte Feindbild wiederbelebt.

 

Wolfgang Wippermann geht den Vorurteilen auf den Grund und differenziert religiöse, soziale, romantisierende und rassistische Motive. Zusammen bilden sie, so erklärt er, eine eigenständige Ideologie: den Antiziganismus. Der entsteht nicht etwa im Bodensatz der Gesellschaft oder ist historisch erledigt, diese Ideologie ist nach wie vor politisch gewollt: Sie dient der Abgrenzung vom vermeintlich Fremden und der Legitimation von Herrschaft. Doch sie verletzt den europäischen Wertekanon und muss genauso geächtet werden, wie es der Antisemitismus wird. Es wird Zeit, dass Europa begreift: Niemand ist ein Zigeuner!“

Dortmund: Begegnungs- und Willkommensfest für Geflüchtete bei bester Laune und schönem Wetter

Flyer zum Fest; via Projekt Ankommen e.V.

Flyer zum Fest; via Projekt Ankommen e.V.

Für den heutigen Sonntag hatte der neu gegründete Verein „Projekt Ankommen e.V.“ in Kooperation mit dem Verein „Naturfreunde  Kreuzviertel e.V.“ ein Willkommens- und Begegnungsfest für Geflüchtete organisiert.

Eingeladen waren alle Bewohner der Dortmunder Flüchtlingsunterkünfte, aber auch Geflüchtete, die in eigenen Wohnungen untergebracht sind, sowie Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Darüber hinaus willkommen waren natürlich auch Nachbarn, Freunde und Interessierte.

„Das Programm kann sich sehen lassen“, hatte Nahid Farshi, die Vorsitzende des Vereins „Projekt Ankommen e.V.“ und Organisatorin des Begegnungsfestes angekündigt: „Hier ist für jeden etwas dabei!“

Und so geschah es dann auch. Schon vor Beginn des Festes um 14 Uhr fanden sich zahlreiche Festgäste bei noch einmal herrlichem Sommerwetter ein.

Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß: Alles dafür tun, dass eine humanitäre Einstellung ein Gesetz des Herzens wird

Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß (Mitte) eröffnet das Fest; Foto: C.-D. Stille

Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß (Mitte) eröffnet das Fest; Foto: C.-D. Stille

Die sonntäglichen Festgäste wurden von Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß begrüßt.

Fuß erinnerte daran, dass der Stadtteil vom Regierungspräsidenten den Integrationspreis wegen hervorragender Flüchtlingsarbeit verliehen bekommen hat. Die Bevölkerung des Stadtbezirks, so Fuß, wolle, dass die „wir die Flüchtlinge als unsere Gäste betrachten“. Die Bereitschaft zu Geld- und Sachspenden sei ungebrochen, lobte Friedrich Fuß. „Die Bettlaken mit der Aufschrift ‚Willkommen!‘, die die Gäste als erstes sind Ausdruck einer humanitären Kultur dieses Stadtbezirkes“. Man wisse, hob der Bezirksbürgermeister hervor, dass die Gäste nicht leichtfertig und freiwillig kommen: „Sie fliehen vor Mord und Totschlag. Sie fliehen, weil ihr Leben in Gefahr ist. Sie fliehen vor einer Terrorgruppe, die nicht nur Bilderstürmerei betreibt und wertvolle Kulturgüter zerstört. Nein, sie töten jeden der sich nicht ihrer unmenschlichen Vorstellung von Gesellschaft anpasst und mitmacht. Diese Terroristen wollen zurückkehren in einen vorvernünftige Zeit. In eine Zeit, die nicht von Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit geprägt war.“ Weil Menschen von diesen Terroristen „ins Mittelalter zurückgeschossen werden sollen“, müssten wir bereit sein, sie hier als Gäste aufzunehmen. „Es sind Menschen wie wir, die selbstbestimmt leben wollen“, so Fuß weiter. Niemand wolle gerne seine Heimat verlassen und seine Lieben zurücklassen. Er wisse auch, dass nicht alle Menschen die Meinung teilten, dass die Flüchtlinge hier aufgenommen gehörten. „Einige solcher Menschen leben auch hier im Stadtbezirk.“ Aber es seien nur wenige. Und Rückhalt in der Bevölkerung hätten sie nicht.

Dann redete Fuß Klartext: „Menschen die Häuser in Brand stecken in denen Kindern und Frauen, Alte und Gebrechliche, Schlafende wohnen und leben – solche Menschen sind Terroristen. Wir müssen sie auch so nennen.“ Der Redner betonte, dass jeder Mensch das Recht auf Freizügigkeit und auf ein menschenwürdiges Leben habe. „Wir sollten alles tun, dass diese humanitäre Einstellung ein Gesetz des Herzens wird.“ Als Menschen werden wir weltoffen geboren. Uns steht es frei gut und böse zu handeln. Ich bitte Sie, ich bitte uns alle, sich für ein gutes Handeln zu entscheiden. Für ein Leben mit den anderen, vor allen mit denen, die bei uns Schutz suchen. Bedenken Sie: Wir sind er Garant für ihr Leben! Für ein Leben in Freiheit und in Sicherheit.“ Den Westpark bezeichnete Friedrich Fuß als „Park der Nationen“. Damit war das Fest eröffnet.

Speisen und Getränke waren wie die Gäste multikulturell; Foto: Stille

Speisen und Getränke waren wie die Gäste multikulturell; Foto: Stille

Naturfreunde Kreuzviertel e.V sorgten für Kaffee und Kuchen. Für Kinder stand eine Hüpfburg zur Verfügung. Kinderschminken wurde angeboten. Angeseilt konnte – wer wollte – sich im Kistenklettern versuchen. Eine Fahrradwerkstatt führte kleine Reparaturen an Drahteseln aus. Der Adlerkiosk bot an seinem Stand türkische Grillspezialitäten an. Eine Abordnung des Restaurants „Sweet Chili“ waretete mit leckeren tamilischen und indischen Speisen auf. Alevitische Leckereien waren ebenso gefragt wie von nigeranischen Studenten bereitete Happen.

Es musiziert u.a. die Gruppe "Name"; Foto: Stille

Es musiziert u.a. die Gruppe „Name“; Foto: Stille

Den musikalischen Part bestritt znächst die Gruppe „Name“. “ Name“ ist nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden deutschen Wort, es bezeichnet vielmehr ein langes Lied oder Gedicht in der türkischen Kultur. Die Band greift neben türkischen auch Einflüsse aus der persischen Musik und westlichen Sounds auf.

Zwischen den Auftritten gab es internationale Musik aus der Konserve zu hören, aufgelegt von DJ Frank und DJ Nessano.

Neben Kioomars Musayyebi am persischen Hackbrett „Santour“ sollten weiters spielen einige Veteranen der Dortmunder Worldmusic-Szene: Kioomars Musayyebi – Santour, Hasan Görgün – Darbuka, Percussion, Thomas Hopf – Schlagzeug, Jens Pollheide – Bass und Flöte. Später war eine kurdisch-syrische Musiker-Gruppe angekündigt. Amer und Taher Mohammad sowie Abdulsalam leben seit einem Jahr in Deutschland. Sie spielen und singen kurdische Volkslieder.

Für den Abend standen die Do-Town Wonder Bros auf dem Ablaufplan: „Vier Dortmunder Jazzprofis widmen sich den Motown Sounds der 60er und 70er Jahre, mit Soul- und Motown-Klassikern von Stevie Wonder über James Brown bis zu den Rolling Stones im jazzig-smoothen Barsound. Wah-Wah-Gitarre trifft auf jazziges Saxophon, der Kontrabass knurrt funky über entspannten Percussiongrooves.“

„Es soll ein friedliches Fest werden“, hatte Nahid Farshi im Vorfeld des Willkommensfestes gesagt: „Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Feiern, das gegenseitige Kennenlernen und der interkulturelle Austausch.“ Und so war es auch. Toll war es! Immer wieder wurde auf dem Rasen vor der Bühne spontan zu orientalischer Musik mitgetanzt.

Der Verein „Ankommen e.V.“ wurde im April 2015 gegründet. „Zusammengefunden haben sich die meisten von uns durch unser ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsunterkunft in der Adlerstraße“, hatte Astrid Cramer, stellvertretende Vorsitzende des Vereins vor der Veranstaltung erklärt. Der Verein unterstützt nun vor allem die geflüchteten Menschen, die bereits in ihren eigenen Wohnungen leben. Die Hilfsangebote für diese Menschen sind begrenzt und oft gar nicht bekannt.

„Konkret helfen wir den Menschen bei Auszügen, vermitteln Patenschaften zwischen Dortmundern und den Geflüchteten, helfen bei Arzt- oder Amtsgängen, planen Aktionen, Veranstaltungen und bieten aktuell für rund 30 Geflüchtete einen Deutschkurs mit Kinderbetreuung an“ informierte Cramer. Unterdessen hat der Verein immer öfters Erfolge zu vermelden.

Multikulti ist tot? Der Eindruck vermittelte sich an diesem Sonntag nicht. Jedenfalls nicht im Dortmunder Westpark – einem der schönsten der Ruhrgebietsstadt.

Flüchtlinge – Anna Loos: „Helft und gebt! Nehmt die Politiker in die Pflicht“

Wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Das Mittelmeer ist längst ein Massengrab. Für Menschen – ja: Menschen! – die vor Krieg, Elend und Aussichtslosigkeit aus ihren Heimatländern fliehen. Um ihr pures Leben und das ihrer Kinder zu retten. Fluchtursachen sind Kriege der USA, Großbritanniens und Frankreichs, im Afghanistan, Irak und Libyen und Dikatoren wie Syriens Assad und die Schlächter des sogenannten Islamischen Staates – welchen die USA sehenden Auges haben entstehen lassen, um ihn gegen Assad als blutiges Werkzeug zu benutzen. Zurück blieben kaputte Staatswesen und zerstörte Lebens- und Arbeitswelten der in diesen davon betroffenen Ländern lebenden Menschen.

Täter und Festung Europa

Aber auch „Friedensnobelpreisträger“ Europäische Union ist kein Unschuldslamm. Hehre Werte hin oder her. Welche haben noch Geltung? Die EU nimmt mit ihren Fangflotten den afrikanischen Fischern die Lebengrundlage und sorgt mit eigenen in afrikanische Staaten exportierte Waren (etwa Tomaten und Hähnchenteile) dafür, dass die heimischen Farmer mit den niedrigeren (!) Preisen der Europäer nicht mehr konkurieren können. Die Folge: auch sie verlieren ihre Existenzgrundlage. In ihrer Not wagen sie die gefährliche Überfahrt übers Mittelmeer nach Europa, um dort Arbeit zu suchen. Konnten sie früher noch per Flugzeug oder auf dem Landweg nach Europa gelangen, so ist das längst nicht mehr möglich. Dieselbe EU, die dazu beiträgt, dass ihre heimische Existenz zerstört wurde, hat sich gegen sie abgeschottet. Stichwort. Festung Europa. So vertrauen sich die Menschen Schleppern und klapprigen Booten an. Wenn sie Pech haben, ertrinken sie im nassen Grab Mittelmeer. Oder sie ersticken elendig in einem Transporter auf einer österreichischen Autobahn. Wie diese Woche geschehen. 71 Menschen – vermutlich Flüchtlinge aus Syrien – fanden so einen grausamen Tod im Laderaum eines Lastkraftwagens.

Statt die Schlepper Fluchtursachen bekämpfen!

Und nun schreien verantwortliche EU-Politiker Zeter und Mordio. Und betoffen sind sie. Klar! Dabei tragen auch sie Verantwortung für den Tod der Menschen. Die Schleuser seien die Bösen und schuldig, tönen sie unisono. Die müssten bekämpft werden. Warum nicht endlich die Fluchtursachen?!

Der Blogger Emran Feroz über die „todbringende europäische Flüchtlingspolitik“

Der Blogger Emran Feroz hat als Schuldige am „Flüchtlingsmassaker in Österreich“ nicht in erster Linie die Schlepper ausgemacht. Auf seinem Facebook-Account hat er aufgeschrieben, „warum nicht Schleuser die Hauptverantwortlichen für das Flüchtlingsmassaker in Österreich sind.“ Feroz zitiert aus seinem Artikel im „neuen deutschland“:

„In Österreich wurden zahlreiche Flüchtlinge tot in einem Lastwagen aufgefunden. Sie sind erstickt. Die Hauptschuld am Massaker tragen nicht Schleuser, sondern der fremdenfeindliche Status Quo in der Alpenrepublik sowie eine todbringende europäische Flüchtlingspolitik.“

Fremdenfeindlichkeit (neben zugegeben in Österreich wie in Deutschland auch vorhandener großer Hilfsbereitschaft den Flüchtlingen gegenüber) rülpst auch aus bundesdeutschen Menschenmündern. Und zwar aus jenen von als „besorgte Bürger“ oder „Asylkritiker“ bezeichnete Einwohner des sächsischen Ortes Heidenau, welche SPD-Chef Gabriel bei seinem kürzlichen Besusch dort als „Pack“ zu bezeichnen pflegte.

Aber auch übliche Verdächtige unter den Politikern, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann können ihr rechtspopulistisch gefärbtes Wasser zuweilen nicht halten. Als Sascha Lobo in der Illner-Talkshow kürzlich den Journalisten Mario Sixtus und dessen Tweet „Im Übrigen sollten wir nicht mehr von Flüchtlingen sprechen, sondern von Vertriebenen. Das bringt die Konservativen völlig durcheinander.“ zitierte, kam der stramme CSUler Joachim Herrmann tatsächlich in Wallung. Sind doch die Vertriebene eine nicht zu unterschätzende CSU-Wählergruppe mit viel Einfluss. Herrmann sprach süffisant von einer „Beleidigung der Vertriebenen“. Lobo warf dem bayrischen Innenminister daraufhin Rassismus vor.

Das Ende der Fahnenstange ist längst erreicht!

Um auf den Anfang zurückzukommen: Das Ende der Fahnenstange ist längst erreicht! Wenn es der Fall der erstickten Flüchtlinge in LKW nicht ist, was dann?

Mit Stephané Hessel muss es jetzt nicht nur „Empört euch!“ heißen, sondern mit Rainer Kahni auch „Wehrt euch!“ Nicht zuletzt müssen wir dem Ruf „Solidarisiert euch!“ von Andreas Ehrholdt folgen. Wenngleich alle drei Schriften nicht explizit die Flüchtlingsproblematik zum Inhalt haben, beschäftigen sie sich immerhin mit gesellschaftlichen Missständen, die auch Flüchtlingselend und Armut bewirken.

Wir müssen uns dringend um ein anderes geistiges Klima in der Gesellschaft bemühen. Was auch hieße, den Flüchtlingen gegenüber anders zu begegnen. Schließlich können wir alle zu Flüchtlingen werden. Auch ich war 1989 einer. Und der damaligen ungarischen Regierung dankbar, dass sie den Stacheldraht zerschnitt und uns DDR-Flüchtlinge die Grenze zu Österreich passieren ließ. Um so finsterer, dass die nunmehrige Regierung unter dem Rechtspopulisten Viktor Orban wieder Stacheldraht an der Grenze auslegt, um die Flüchtlinge abzuwehren!

Gestern stieß auf einen klugen und von Herzen kommenden Willkommensruf der Schauspielerin und Sängerin der Gruppe Silly, Anna Loos an die Adresse der Flüchtlinge. Mit Genehmigung der Autorin veröffentliche ich ihn hier und lege den Text meinen Leserinnen und Lesern wärmstens ans Herz:

Refugees Welcome! (von Anna Loos via Facebook)

Vor vielen Jahren bin ich als junges Mädchen über die Tschechoslowakei nach Ungarn geflohen, von dort aus ging es weiter über Österreich nach Deutschland.

Ich kam aus keinem Kriegsgebiet und musste keinen Hunger leiden. Ich bin aus einer Diktatur geflohen die für mich unerträglich war und in der ich für mein Leben keine Zukunft sah.

Ich habe meine Familie, meine Freunde und meine Heimat verlassen um mein Leben in einem freien und friedlichen Land in die Hand zu nehmen und daraus grenzenlos, ohne Einschränkung und Reglementierung, das zu machen wovon ich als Kind träumte.
In der kleinen, neuen, fremden Welt, in der ich ankam, galt ich als „Deutsche“. Ich beherrschte die Sprache, bekam Hilfe und die Chance mir mein Leben aufzubauen. Wie viel schwieriger muss es für all die Menschen sein welche, traumatisiert von den Erlebnissen in ihrer Heimat, in Länder flüchten in denen sie erst einmal die Sprache lernen müssen. Am Ende müssen sie erleben wie sie Gruppen gegenüberstehen, die Ihnen voller Hass Parolen entgegen brüllen, die sie nicht willkommen heißen.

Meine Eltern stammen beide aus Familien die auf der Flucht waren. Meine Mutter aus Polen und mein Vater aus Ostpreußen. Für meine Großeltern und Ihre Familie war die Zeit der Flucht und des Wiederaufbaus, der Leben Ihrer Familien fern der Heimat, eine unendlich schwere Zeit. Auch sie waren nicht immer willkommen, wurden angefeindet und teilweise an den Rand der Gesellschaft gedrückt. Nie habe ich meine Großeltern jammern gehört. Sie haben Ihr ganzes Leben hart gearbeitet, sich integriert und Werte geschaffen. Sie haben Bildung und Moral gepflegt und die nächste Generation mit all Ihrer Kraft genährt.

Wenn Menschen Hilfe brauchen, dann ist der Stärkere nicht nur in der Lage, sondern auch verpflichtet diesen Menschen zu helfen.

Einige der Ursachen, weshalb Menschen heute auf der Flucht sind, haben auch wir mit zu verantworten. Ich fordere die Politiker Europas auf, dass Sie sich neben der aktuellen Flüchtlingsproblematik auch darum kümmern, dass die Ursachen, welche zu den katastrophalen Zuständen in den Ursprungsländern führen, bekämpft werden.

Diese globale Welt wird immer kleiner und wir können es nur gemeinsam schaffen.

Denkt nach und benutzt, das was uns vom Tier unterscheidet und hört auf mit der Entmenschlichung in alle Richtungen.

Überwindet Eure Ängste. Schaut nicht auf anonyme Zahlen sondern schaut Euch die Menschen, welche in unser Land kommen, an und begegnet Ihnen. Eure neuen Kindergärtner, Krankenpfleger, Lehrer, Ärzte, Reinigungskräfte, Maurer, Taxifahrer, Gärtner oder Wissenschaftler.
Helft und gebt! Nehmt die Politiker in die Pflicht.

Dann werden alle gewinnen.

Friedenstournee 2015 mit engagierten Beiträgen in Dortmund

Friedenstournee 2015 in Dortmund; alle Fotos: Claus-Dieter Stille

Friedenstournee 2015 in Dortmund; alle Fotos: Claus-Dieter Stille

Das Wetter in Dortmund ist angenehm. Noch ein bisschen schwül zwar, aber nicht drückend heiß, wie befürchtet. Der Platz, den die Behörden für die Veranstaltung genehmigt haben, ist gut gewählt: Der Reinoldikirchplatz nämlich, unmittelbar am Fuße der Reinoldikirche. Mitten im Zentrum. Dort wo stündlich tausende Passanten in beiden Richtungen vorbeiströmen. Um einen Einkaufsbummel zu machen, oder die Außengastronomien zu frequentieren. Gegenüber einem noblen Juweliergeschäft und einem Fastfoodrestaurant liegt ein schwarzes aufgeblasenes Gummiungetüm, eine „Zinsbombe“, am Wegesrand. Daneben können Interessierte Fragen zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) beantworten. Etwa derart: Würden Sie noch arbeiten, wenn es das BGE gäbe? Für die jeweiligen Antworten muss ein Holzwürfelchen in das entsprechende Antwortkästchen auf der großen Bodenzeitung gelegt werden. Ein paar Meter weiter sind diverse Infostände aufgebaut. Es geht um die Themen: Kampagne Ramstein für 25. und 26.9., Kalkar 3.10., TTIP TISA CETA (10.10. Berlin), Solidarität mit Griechenland ein Verein wirbt für die Unterstützung von syrischen Flüchtlingen und ein Stand von Free21 – Das Magazin (mehr dazu hier). Darüber hinaus ein Stand, an welchen gegen Spenden Gebäck und Getränke erworben werden können.

Alubehütete Provokateure und Polizeipräsenz

Auch das: Ringsum Mannschaftsbusse der Polizei. Offenbar gibt es Befürchtungen, dass es zu Störungen kommen könne. Was sich schon bald bestätigen soll. Überdies hat es im Vorfeld der Friedenstourneee Bekundungen der Partei Die Rechte, die ihre Hochburg in der Stadt hat, sich mit den Zielen der Veranstaltungen zu solidarisieren. Mitveranstalter Peter Jüriens tritt dem eingangs der Veranstaltung vehement entgegen und warnt, dieser Personenkreis nebst irgendwelchen Symbolen sei unerwünscht. Bei Zuwiderhandlungen werde die anwesende Polizei gebeten sie des Platzes zu verweisen und das Zeigen entsprechender Symbole zu unterbinden. Dieser Hinweis wird nun Stunde um Stunde wiederholt. Allerdings bleiben die Rechtsradikalinskis, solange der Chronist anwesend war, weitgehend unsichtbar. Dafür tauchen schon bald Leute der Aluhutfraktion, so genannte Antifaschisten und Antideutsche auf. Hin und wieder versuchen sie Rednerinnen und Redner zu beschimpfen („Faschisten“. Und natürlich haben sie es auf die Band „Die Bandbreite“ und Sänger „Wojna“ Marcel Wojnarowicz aus Duisburg abgesehen. Die Band steht immer wieder in der Kritik nicht nur so genannte Verschwörungstheorien (z.B. mittels des Songs „Selbstgemacht“ zu 9/11) zu verbreiten, sondern auch rechts verortet zu sein. Die Band weist das kategorisch von sich. Zu direkten Konfrontation kommt es nicht. Die Provokateure mit den putzigen Alufoliehüten, „Alufa“, wie sie René Rebell auf Facebook nennen wird, schreien sich die Seele aus den Hälsen. Aber stets ist die Bereitschaftspolizei zur Stelle, die die Schreihälse abdrängt und wohl auch Platzverweise erteilt. Eine Israel-Fahne muss eingerollt werden. Die Veranstalter hatten generell dafür aufgefordert Nationalflaggen nicht zu zeigen.

Die Friedenstournee, die sich explizit auf die Friedensbewegung von früher bezieht, wird offenbar von den Protestlern noch immer mit den in der Tat diskussionswürdigen „Mahnwachen für den Frieden“, auf denen auch Redner vom rechten Rand auftreten durften, in Verbindung gebracht.

Ingo Meyer fordert UMfairTEILUNG und eine „soziale, solidarische Gesellschaft“

Ingo Meyer

Ingo Meyer

Erster Redner nach einem musikalischen Auftritt von René Rebell an diesem Sonnabend ist der hoch engagierte Dortmunder DUW-Kreisvorsitzende und Huckarder Bezirksvertreter Ingo Meyer. Er spricht für das BündnisUmfairTEILEN“ seiner Stadt. Meyer kritisiert die massive ungleiche Vermögensverteilung hierzulande und fordert eine „soziale, solidarische Gesellschaft“ (dazu hier mehr in meinem älteren Artikel).

Couragiert: Carmen Dörhöfer-Müller

Carmen Dörhöfer-Müller

Carmen Dörhöfer-Müller

Auf der Friedenstournee in Dortmund redet  auch  Carmen Dörhöfer-Müller (Bonn, Thema: UNO). Eine Frau, die sich schon dreißig Jahre in der Friedensbewegung verschrieben hat. Couragiert setzte sich Dörhöfer-Müller, so richtig in Rage gekommen, mit den wütenden Zwischenrufern der Aluthutfraktion auseinander. Als Faschistin wolle und müsse sie sich nun gerade nicht bezeichnen lassen. Im Verlaufe der verbalen Auseinandersetzung wird klar, dass die jungen Leute einiges durcheinanderbringen, weil sie offenbar desinformiert, beziehungsweise auch in der Geschichte nicht besonders bewandert sind. Dörhöfer-Müller geißelte den „Weltfaschismus“, erinnert daran, dass Deutschland 1999 mit dabei als Serbien das dritte Mal angegriffen wurde.  Wir trügen, sagt sie, die Verantwortung für das was heute geschieht. Und mahnt: „Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen“.

Zappenduster für die Demokratie

In Erinnerung bleiben die Worte der Piraten-Politikerin Regula Rickert aus Kassel. Sie spricht über das so genannte Freihandesabkommen TTIP. Das führe zu nichts anderem als einer „Oligarchie der Wirtschaft“. Käme es, würde es „zappenduster für die Demokratie“. Sie sieht uns „an der Schwelle der Demokratie“ stehen.

Rainer Braun: „Von deutschem Boden geht permanent Krieg aus!“

Rainer Braun

Rainer Braun

Der altgediente Kämpe der deutschen Friedensbewegung, Rainer Braun, erinnert in seinem Redebeitrag an die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Schildert, wie es sich damals zutrug, den unvorstellbaren Schrecken und das Leid, das sie auslösten. Wohl keiner habe den Gedanken von Hiroshima in deutlichere und mahnendere Worte formuliert als der türkische Schriftsteller Nazim Hikmet. Zwei Gedanken zitiert Braun sinngemäß aus dessen Gedicht „Das Mädchen“. Bei Hikmet heißt es (Auszug):

(…) „Zuerst fing Feuer mein Haar,
dann sind mir die Augen verbrannt,
bis ich zu einer Handvoll Asche wurde,,
die durch die Luft wirbelte.

Für mich verlange ich
nichts von euch, nichts.
Ein Kind, das wie Papier brannte,
kann nicht einmal mehr Bonbons essen. (…)

Rainer Braun: „Hat die Menschheit aus Hiroshima und Nagasaki gelernt? Dazu müssen wir als erstes sagen: Nein!“ Denn noch immer gebe auf diesen Planeten 16 000 Atomwaffen. Von denen 4300 stationiert sind, dass sie in Stunden einsatzfähig sind. Und 1800 können sofort abgeschossen werden. Und diese 16 000 Atomwaffen sollen modernisiert werden!“ Effektiver, kleiner und einsatzfähiger auch bei regionalen Konflikten sollen sie werden. „Diese Modernisierung kostet in den nächsten Jahren ein Billiarde US-Dollar! Wie viel Kinder könnten davon zur Schule gehen, wie viel Gesundheitszentren gebaut werden, wie viel Hungern bekämpft und beseitigt werden!“ Von diesem Atomkrieg seien wir nach wie vor bedroht. Sogar wieder so stark wie einst schon einmal. Die von siebzehn Nobelpreisträger herausgegebene Zeitung „Atomic Scientist“ habe im Februar dieses Jahres ihre Atomuhr von fünf Minuten vor Zwölf auf drei Minuten vor Zwölf vorgestellt.

„So nah an Zwölf stand sie das letzte Mal 1984“, gibt Rainer Braun zu bedenken. „Es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, dass sich der Konflikt in der Ukraine zu einem großen Krieg auch unter Einsatz von Atomwaffen entwickeln kann. Das muss nicht sein. Aber wer es ausschließt, handelt fahrlässig und unverantwortlich!“ Das müsse verhindert werden. „Atomwaffen müssen weltweit abgeschafft werden“, fordert Braun. Erschreckend sei es, „dass diese Atomwaffen auch immer noch in Deutschland stationiert seien“. 20 Atomwaffen lagerten in Büchel in Rheinland-Pfalz. Diese Atomwaffen seien dafür bestimmt, durch deutsche Flugzeuge, von deutschen Soldaten eingesetzt zu werden. Stichwort: „Nukleare Teilhabe“. Was völkerrechtswidrig sei, jedoch von unserer Regierung praktiziert würde. Die Gefahr, so Braun, „ist nicht vom Himmel gefallen. Sondern Ergebnis einer aggressiven Strategie, die das westliche Bündnis Nato immer weiter nach Osten Richtung Russland ausdehnen ließ. Für den Friedensbewegten gibt es nur einen Weg: „Wir müssen an die Nato gehen. Wir müssen dieses Militärbündnis überwinden!“ Weil es Unfrieden schaffe. Dann geht Rainer Braun noch auf US-Militärstützpunkt Ramstein ein. Den größten außerhalb der USA. „Ramstein ist das Zentrum für den Drohnenkrieg. Kein Drohneneinsatz auf dieser Welt ist möglich ohne Ramstein. Durch die Krümmung der Erde“, erklärt Braun, „ist die Relaisstation Ramstein zur Weiterleitung der Befehle aus den USA zum endgültigen Einsatzgebiet unabdingbar notwendig.“ Braun: „Von deutschem Boden geht permanent Krieg aus!“ In Ramstein sei auch einen Raketenabwehrzentrum im Aufbau, dass solle den atomaren Erstschlag ermöglichen. Ramstein sei so etwas wie eine Drehscheibe für Kriegspolitik und Kriegseinsätze. „Ramstein muss geschlossen werden“, ruft Rainer Braun. Und zum Schluss seiner Rede ruft er zur Beteiligung an der Aktion „Stopp Ramstein!“ auf. Des Weiteren rief Braun dazu auf, zur Demonstration und zur ersten Kundgebung vor der Air Base Ramstein am 25. und 26. September 2015 zu fahren. Zwei Prozent wolle die Bundesregierung künftig für Rüstung ausgeben. Statt bislang 33 Milliarden wären das dann 56 Milliarden. Das Geld müsse woanders hin: „In dieser Stadt Dortmund sieht man es doch, wo das Geld an jeder Ecke fehlt.“ Angesicht der exorbitanten Rüstungsausgaben, die für Krieg in aller Welt genutzt werden könnten, sei dies Diskussion um die angeblich schwierige Aufnahme von Flüchtlingen eine Gespensterdebatte, so Braun zum Abschluss seiner Rede.

US-Tourist: Für Dialog mit Russland

Spontan meldet sich ein Mann bei den Veranstaltern. Er möchte sprechen. Der Tourist ist nach eignen Angaben früherer US-Militär bei einer Panzereinheit. Auf Englisch (später übersetzt durch Peter Jüriens) legt er Wert auf die Anmerkung, das Volk der USA hege keine Feindschaft gegen Russland. Er sähe keinen Konflikt mit Russland und trete für den Dialog beider Länder ein. Herzlicher Beifall auf dem Reinoldikirchplatz.

Spenden für die Flüchtlinge

Vertreter des Vereins Keine Grenzen für Hilfe - Courage zeigen e.V.

Vertreter des Vereins Keine Grenzen für Hilfe – Courage zeigen e.V. Links im Bild Jürgen Lutterkordt Mitveranstalter.

Junge Leute Verein „Keine Grenzen für Hilfe – Jugend zeigt Courage e.V. bitten um Spenden für Flüchtlinge aus dem Nordirak und Syrien: „Jeder kann helfen. Wir wollen ein Zeichen für Frieden setzen. Wir als Menschen müssen den Menschen dort helfen, wenn wir nicht helfen sind wir egoistisch. Und egoistisch wollen wir nicht sein.“

Wojna“: „Wir sind für den Frieden hier“

Wojna von "Die Bandbreite".

Wojna von „Die Bandbreite“.

Vor seinem nächsten Auftritt spricht Bandbreite-Sänger Wojna über faschistische Tendenzen in der Ukraine und dem Verbot der Kommunistischen Partei des Landes. Das sei der Anfang einer Diktatur. Hierzulande werde nicht darüber geredet. Die Massakrierung von Menschen des Rechten Sektors der Ukraine werde medial totgeschwiegen. „Und dann demonstrierten Leute gegen sie, die behaupteten wir sind rechts“, schmetterte Wojna den Störern entgegen. „Wie kommen klar mit jedweder Couleur. Wir kommen klar mit jedem Glauben. Egal jemand Jude, Christ, Moslem oder von mir aus auch Atheist ist. Das ist uns egal. Wir sind für den Frieden hier!“ Nazis hätten ein Problem im Kopf und im Herzen, sagt der Sänger unter Beifall. Dann folgt der „Bandbreite“-Song „Kein Sex mit Nazis“.

Tommy Hansen über das Magazin Free21

Tommy Hansen.

Tommy Hansen.

Nun nimmt der eigens aus Berlin angereiste Chefredakteur des Magazins „Free21“, der Däne Tommy Hansen, das Mikrofon in die Hand. Hansen verortet den Tag an dem Journalismus „einfach gestorben“ sei an 9/11. Seitdem würden keine kritische Fragen mehr gestellt, „man untersucht die Hintergründe nicht mehr“ und „macht alles was gegen Journalismus spricht“. Tommy Hansen: „Die

vierte Gewalt funktioniert einfach nicht mehr. Der investigative Journalist habe sich damals gesagt: „Dann machen wir uns eine Fünfte.“ Hansen erzählt wie mit Ken Jebsen (KenFM) auf einem Feld in Dänemark gesessen habe und ihm von seiner Idee, interessante Geschichten aus dem Internet zu holen, um sie auszudrucken und zu verbreiten (hier das Video). Seine Idee habe auch damit zu tun, dass damals viele seiner Kollegen die Leitmedien verließen, um eigenen Webseiten zu produzieren.

Der Journalist spricht von einer „Weltpremiere“. Man habe nämlich interessante und kritische Artikel vorbereitet und formatiert, ins Netz gestellt und im gedruckten Magazin veröffentlicht. Auch Videos, etwa mit Vorträgen und Interviews des bekannten Schweizer Professors Daniele Ganser, der in drei Sätzen fünfzig verschiedene Fakten aufliste, habe man transkribiert. „Man kann das einfach nicht im Kopf haben. Das geht aber wenn man es auf Papier hat.“ Ebenso verfahren sei man mit einem Referat von Professor Rainer Mausfeld („Warum Schweigen die Lämmer?“): „Ich möchte behaupten, der welterste Youtube-Beitrag, der auf Papier gebracht worden ist.“ Nun könne dieser Vortrag im Netz nicht mehr gelöscht oder zensiert werden. „Das Papier kann kopiert, das kann verteilt werden.“ Vor einem Jahr, resümiert Hansen, sei er mit seiner Idee allein gewesen. „Inzwischen haben wir zwischen 30 und 40 gute Leute, hauptsächlich Deutsche, auch Ungarn und der Türkei, die mitmachen.“ Die Artikel beisteuern. „Wir haben 1300 Leute, die dieses Magazin schon abonniert haben. Was heißt, wir haben 1300 Verteiler von diesem Magazin. Jeder bekommt zwanzig Exemplare für 15 Euro. Dadurch erreichen wir zwischen dreißig- und vierzigtausend Leute mit einer neuen Ausgabe. Jede Woche kommen neue Abonnenten dazu.“

Auch die Anzahl der Helfer wachse: Korrekturleser, Researcher, Layouter, Webleute und muttersprachliche Übersetzer. Nun sei man in der Lage dieses Konzept in sieben verschiedenen Sprachen zu übertragen. I“n Deutschland mache man nun vier Ausgaben im Jahr. Hansen zu seinem Selbstverständnis: „Ich behaupte keine Wahrheit zu kennen. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin einfach nur Journalist. Ich möchte gerne Berichterstattung machen. Ich möchte es gerne euch überlassen, die politische Entscheidung zu treffen. Was uns fehlt, ist einfach die andere Hälfte der Geschichte.Die Wahrheit besteht aus vielen kleinen Elementen. Keiner allein kann das überschauen.“

Wenn man die Weltgeschichte seit 1945 objektiv beobachte und bedenke, dass wohl seither über 30 Millionen Menschen in Kriegen ums Leben umgebracht worden sind, „dann muss man sich doch auch angucken von wem“.

„Ist da jemand immer dabei gewesen? Die Antwort ist ja. Gibt es imperiale Kräfte, die gerne die Welt übernehmen wollen? Die Antwort ist ja.“

Hansen verweist auf seinen Artikel – „Die Firma des Präsidenten, die größte Kriegsindustrie der Welt“ – im ersten Magazin. Den solle man mal lesen. Und ihm dann sagen, ob er spinne. Darin geht es um die „Carlyle Group“. „Jeder Bürger im Westen solle“ sie kennen. Angestellt seien da ehemalige Präsidenten, Bundesbankdirektoren, ehemalige Top-Politiker, die nach ihrer Dienstzeit ihre Belohnung bekommen.“ Ein einziger Skandal sei das. „Avancierte, fortschreitenden Korruption ist das“, stellt Tommy Hansen nüchtern fest.

9/11 hält der Journalist nicht für erklärt. Fakten deuteten daraufhin, dass Kräfte außerhalb der Demokratie in den USA gibt, die nicht nur diese Tragödie geplant und durchgeführt haben, sondern das ist ein Modus Operandi. Es deutet darauf hin.“ Das habe den „Krieg gegen den Terror“ und die ganze Überwachung und zwei, drei Kriege ausgelöst. Anderthalb Millionen Menschen habe man umgebracht. „Wenn es da den geringsten Zweifel gibt, dann können wir doch nicht die Augen zumachen und einfach weitergehen.“ Und sagten Leute: „Wir trauen den USA. Ich muss dann fragen: Warum? Aus welchem Grund eigentlich? Aufgrund dieser Massenvernichtungswaffen die es nie gab? Oder aufgrund dieser Torabora-Höhle, wo Osama bin Laden sich nie versteckte? Oder aufgrund dieser Brutkastenlüge, die uns in den ersten Irakkrieg hineinzwang?“

Hansen: „Das geht einfach nicht! Das geht in meiner Welt nicht. Da fehlen mir eben die kritischen Blicke in den Leitmedien. Sie machen generell mit.“ Aber Tommy Hansen nimmt die Kollegen auch in Schutz. Es gebe auch gute Artikel in den Leitmedien. Und gute Beiträge im Fernsehen. Nur die kämen auch nur einmal und meist spät Abends. Oder beim Print „auf Seite 42, weil wir so viele schönen Katastrophen haben“. Und gute Journalisten, die gebe es auch in Leitmedien. „Und sie leiden!“ Doch: „Sie haben Familie, Kinder, eine Karriere gemacht und ein schönes Auto, ein schönes Leben. All das wird in Gefahr gebracht wenn sie nicht da mitmachen.“ Hansen sei sehr froh, dass er da nicht dabei ist. „Ich leide nur, wenn ich diese Gehirnwäsche sehe.“

Er sei froh  an einer neuen Möglichkeit Journalismus zu machen arbeiten zu können. Wer mitmachen möchte – nicht jeder müsse Journalist sein – sei aufgerufen sich zu melden.

Pedram Shahyar.

Pedram Shahyar.

Pedram Shahyar: „Solidarisch, freundschaftlich und kooperativ handeln und leben!“

Nach einem weiteren Musikblock tritt  nun Pedram Shahyar mit einem sehr ausführlichen Vortrag auf. Er kritisierte die zunehmende Militarisierung der Politik und die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Einen Konflikt mit Russland müsse man entschieden ablehnen. Beim Sozialen werde dagegen gekürzt. „Da stimmt doch irgendetwas nicht!“ Die Demokratie sieht Shahyar ausgehöhlt und missbraucht. Es würden Versprechungen bei Wahlen gemacht, die dann nicht eingehalten würden, seien die Parteien dann an der Macht. „Hier stimmt was konkret nicht mit unserem politischen System!“ Beifall erhält folgende Feststellung: „Wir haben ein Problem mit der Demokratie. Weil diese Demokratie überhaupt keine richtige ist.“ Gebraucht werde ein neues Verständnis von Politik. Derzeit sei diese nicht im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, erst recht nicht im Interesse der sozial Schwächeren. Nötig sei eine wirkliche Demokratie, auch eine Wirtschaftsdemokratie.

„Kooperation ist viel besser als Wettbewerb. Kooperation sollte zum gesellschaftlichen Prinzip werden. Kooperation und Freundschaft statt Wettbewerb und Feindschaft. Kooperation und Freundschaft in den Kommunen, in Stadt, Land und in Europa. Und auch weltweit.“ Pedram Shahyar, kommt ja von Attac her und so stellt er denn auch das Motto der Organisation „Eine andere Welt ist möglich“ groß in seinem Vortrag heraus. Leicht abgewandelt sagt der Aktivist: Eine andere Welt wird möglich, durch unser tagtägliches Tun.“ Es müsse auch Druck gegen die übermäßig Reichen gemacht werden. Wie Ingo Meyer zu Anfang plädiert auch Shahyar für Umverteilung von oben nach unten. Als Beispiel, dass etwas verändert werden könne, führt der Referent den jahrelangen Kampf der Bolivianer gegen die Wasserprivatisierung, den sie schließlich gewonnen hätten. „Sogar der Regen sollte privatisiert werden. Niemand sollte mehr Regenwasser sammeln können. So weit war es gekommen!“ Nun ist Wasser wieder ein öffentliches Gut in Bolivien. Man müsse halt im Kleinen anfangen. „Solidarisch, freundschaftlich und kooperativ handeln und leben!“ Shahyar ruft noch zur aktiven Solidarität mit Griechenland und zur Teilnahme an der schon von Rainer Braun angekündigten Kampagne gegen die US-Base Ramstein auf.

Klaus Hartmann: Raus aus der Nato und Schluss mit den entsprechenden und kriegführenden Einrichtungen in Kalkar, Büchel und Ramstein!“

Klaus Hartmann.

Klaus Hartmann.

Auch Klaus Hartmann (Freidenker) spricht von zunehmenden Kriegsgefahr, der sich man sich vielleicht gar nicht bewusst sei. Zunächst rückte er den Begriff Antisemitismus zurecht. Gerade auch weil sich in den Reihen des Freidenkerverbandes auch viele Antifaschisten wie etwa Emil Carlebach befanden oder befinden. Deshalb wende man sich heute „gegen das dumme Geschwätz, das uns heute von Hirnlosen entgegengehalten wird über den so genannten Antisemitismus Stellung zu nehmen.“ Der Begriff sei falsch, weil er von denen stamme, die ihre Judenfeindschaft rassistisch begründet haben, Ende des 19. Jahrhunderts und sich mit Stolz als Antisemiten bezeichnet haben. Weil sie die Juden als eine Rache imaginiert haben, haben sie diesen Begriff Antisemiten gewählt.“ Es gehe dabei um eine neue Spielart von Judenhass, der historisch alt sei. Deshalb wäre eigentlich „Judenhass“ das richtige Wort. Hartmann bleibt aber beim eingebürgerten Begriff Antisemitismus. Und fragt: „Ist es antisemitisch von einer jüdischen Lobby zu reden?“ Er bezieht sich auf die Tagesschau vom letzten Mittwoch 20 Uhr 15. Da habe der offizielle Tagesschausprecher von „der mächtigsten jüdischen Lobby in den USA“ zu sprechen. Man habe uns erklären wollen, dass die mächtige jüdische Lobby in den USA namens AIPAC sich an alle Kongressabgeordneten mit dem Anliegen gewandt hatten, das neue Abkommen mit Iran auf jeden Fall abzulehnen. Weil es die Pläne ihrer eigenen Herren, aktuell angeführt von Netanjahu, einen Krieg gegen den Iran zu führen, etwas unwahrscheinlicher mache. Hat die Bezeichnung „jüdische Lobby“, ausgesprochen durch den Sprecher der öffentlich-rechtlichen Tagesschau etwas antisemitisches, fragt Hartmann? Er meint ja. „Es ist von einer jüdischen Lobby die Rede.

Damit werden Juden samt und sonders, egal wie ihre politische und sonstige politische Einstellung ist in einen Sack mit den Verbrechern um Netanjahu und Co. gesteckt. Es ist eigentlich ein prozionistische Lobby. Alle Juden in Sippenhaft zu nehmen für die verbrecherischen Politik die Israel in Palästina betreibt mit ungebremsten Landraub, mit Vertreibung, mit der Drangsalierung der dortigen Bevölkerung – das ist nicht jüdische Politik. Auch wenn sie sagen sie seien der Judenstaat. Wenn also in der Region ein Judenhass aufkommt, der sich gegen die israelische Politik richtet, dann hat das einen zentralen Grund: nämlich, dass sie selbst ihre Politik demagogisch verkaufen als die Politik eines jüdischen Staates. Dies ist eine Anmaßung, eine Schweinerei und eine Diskriminierung aller anständigen Juden!“

Es habe also durch die AIPAC verhindert werden sollen, dass das Abkommen mit dem Iran in Kraft tritt. Nun sei festgeschrieben, dass Iran, der selbst nie Atomwaffen bauen wollte, einer Kontrolle unterliege, die das unmöglich macht. Hartmann weist darauf hin, dass nie die israelischen Atomwaffen problematisiert wurden. Wenn man eine atomwaffenfreie Zone in der Region haben wollte, hätten zuvor auch keine israelischen gebaut werden dürfen, ehe überhaupt andere welche zu bauen gedachten.

Klaus Hartmann spricht die zerstörten und ins Chaos gestürzten. Länder Libyen, Syrien und den Irak an – in all diesen Ländern habe es eine religiöse Toleranz und ein annehmbaren sozialen Standard gegeben. Den Westen hätten diese Länder in ihren Beherrschungsplänen im Wege gestanden. Immerhin sei es Putin gelungen den schon geplanten Bombenkrieg auf Syrien zu vereiteln.

Die gegen die genannten Kriege gegen arabische Staaten sei „hierzulande von den Medien orchestriert worden mit einer permanenten Hetze gegen den Islam und gegen die Muslime.“ Und diese Hetze sei auf „fruchtbaren Boden gefallen“.

„Jetzt wo die antiislamische Begleitmusik in die Köpfe der Menschen gehämmert wurde, jetzt wo die entsprechenden Bomben auf diese Länder gefallen sind, kommen tausende, zehntausende, hunderttausende Flüchtlinge, die vor diesen Zuständen dort fliehen. Sie kommen auch hierher. Was passiert hier?“ Nun demonstrierten hier Leute, denen man den Antiislamismus in die Köpfe geredet habe gegen diese Flüchtlinge. Werde hier nun gegen Hartz-IV-Unrecht oder gegen Mietwucher protestiert, fänden diese Demonstranten keine Adressaten oder Gehör bei der Bundesregierung. „Aber wenn PEGIDA demonstriert, gibt es plötzlich ein Aufwallen in den Medien und auch die Bundeskanzlerin erklärt die Sorgen für doch sehr berechtigt.“ Die Proteste würden auf die noch Schwächeren, die noch Ärmeren abgeleitet. Die einen spiele man gegen die anderen aus. Die Bewegungen würden gespalten. Nur derjenige Feind, der sie alle zusammen verarscht – nur getrennt fertig mache – den sähen sie nicht.

Schließlich empört sich Hartmann, dass die Bundeswehr mit den „im Krieg befindlichen restlichen Soldaten der Ukraine, hauptsächlich den faschistischen Freikorps, wie man die Bevölkerung in der Ostukraine noch entsprechend effektiver massakrieren kann als bisher schon. Das ist die Wertegemeinschaft Nato! Von dieser Wertegemeinschaft haben wir uns definitiv zu verabschieden. Es ist bereits fünf nach zwölf! Raus aus der Nato und Schluß mit den entsprechenden und kriegführenden Einrichtungen in Kalkar, Büchel und Ramstein!“

Manfred  Büddemann zu TiSA

Manfred Büddemann (DIE LINKE, Krefeld) ist trotz anderer Beschlusslage betreffs Teilnahme an Mahnwachen seiner Partei nach Dortmund gekommen. Nun rechnet er mit Ärger. Doch, sagt der Mann aus Krefeld, er halte es mit seiner Rede hier wie Diether Dehm. Der lasse sich von der Partei auch nicht vorschreiben wo er singe. Büddemann spricht über das für die Demokratie nicht weniger gefähriche TiSA-Abkommen (Dienstleistungen).

Das Bedingungslose Grundeinkommen und seine Möglichkeiten

Felix Coeln informiert anhand seines eigenen Beispielsweise über Möglichkeiten und Praxis des Bedingungslosen Grundeinkommens. Für den weiteren Abend sind noch weitere musikalische Darbietungen geplant. Überdies bleiben die Infostände geöffnet.

René Rebell, ein weiterer Musiker an diesem langen Samstag in Dortmund.

Youngster neben René Rebell, und „Die Bandbreite“, ein weiterer Musiker an diesem langen Samstag in Dortmund.

Fazit

Abgesehen von den Provokateuren, die dank Polizeieinsatz nicht besonders störend ins Gewicht fallen konnten, eine gelungene Veranstaltung im Rahmen der Friedenstournee 2015.

Friedenstournee macht morgen für sieben Stunden Station in Dortmund

via Facebook Friedenstournee.

via Facebook Friedenstournee.

Einmal mehr ist der Frieden bedroht. Nehmen wir die weiter schwelende Ukraine-Krise. Das Hetzen des Westens gegen Russland. Den neuen Kalten Krieg. Schauen wie uns an, was der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan derzeit für ein gefährliches Spiel spielt. Aber vergessen wir auch nicht was in Europa einschließlich in unserem eignen Land geschieht: Tausenden Flüchtlinge kommen tagtäglich zu uns. Wie gehen wir mit ihnen um? Weltweit sind momentan über fünfzig Millionen Menschen auf der Flucht. Das hat auch mit der Politik des Westens zu tun. Die Friedensbewegung war einst in Zeiten der alten Bundesrepublik groß. An diese Zeiten mit hohen Teilnehmerzahlen konnte bislang nicht wieder angeknüpft werden. Dennoch: Friedensbewegte gibt es immer. Und die engagieren sich unermüdlich. Am morgigen Samstag beispielsweise in Dortmund.

In der Ruhrgebietsmetropole macht die Friedenstournee – Generationen für Frieden Station. Und zwar nicht nur auf einen Sprung, sondern für mindestens sieben Stunden!

Die Friedenstournee hat ihren Ursprung in der Friedensbewegung. In Dortmund war es, als am 09.08.2014 Menschen aus ganz NRW zusammen kamen und und ein zehnstündiges Programm auf die Beine gestellt hatten, um Mitmenschen niveauvoll zu unterhalten und zu informieren. Aber vor allem um ein stärkeres Bewusstsein für das Miteinander zu zelebrieren.

Nach eignen Angaben lehnt sich das Konzept der Friedenstournee lehnt an Veranstaltungen wie „VeganStreetDays“ an und kombiniert Redebeiträge und politische Musik auf der Bühne mit einer bunten Vielfalt an Infoständen verschiedenster friedens- und sozialpolitischer Bewegungen.“

Und weiter: „Bei uns treffen sich Aktivisten aus dem gesamten Bundesgebiet und nutzen dieses zur Netzwerkbildung und Öffentlichkeitsarbeit mit den Besuchern. Ausgerichtet werden diese Kundgebungen vom Verein Bildung für Frieden.

Bei höchstwahrscheinlich sehr gutem Wetter ist für morgen ein Termin der Friedenstournee angekündigt. Der Veranstaltungsort ist zentral in der Dortmunder City gelegen. Neben zahlreichen Redebeiträgen, politischen Musikbeiträgen werden zahlreiche Infostände vor Ort sein.
Die Themen: Kampagne Ramstein für 25. und 26.9., Kalkar 3.10., TTIP TISA CETA (10.10. Berlin), Solidarität mit Griechenland, Unterstützung von syrischen Flüchtlingen, Informationen zum Bedingungslosen Grundeinkommen, Infos zum Wirtschaftssystem, u.v.m. – somit ein bunter Mix aktueller Themen und etablierter sozialer Bewegungen.

DORTMUND 8.8.2015 – Facebook Veranstaltung

Redeliste:

Musiker:

Infostände/Aktionen:

Sa 08.08.2015  Dortmund Reinoldikirchvorplatz Beginn:  12.00 Uhr Dauer: mind. 7h – max. bis 22 Uhr.

Es verspricht eine interessante Veranstaltung – sicher auch mit durchaus umstrittenen Teilnehmern – morgen in Dortmund zu werden. Wer Zeit, Lust und Interesse hat und nun womöglich neugierig auf die Friedenstournee geworden ist, sollte mal vorbeischauen in Dortmund am Reinoldikirchvorplatz.

Ich werde über die Veranstaltung berichten.

KünstlerInneninitiative Unruhestiften.de: „Es gibt keine „guten“ und „schlechten“ Flüchtlinge. Nicht Flüchtlinge, sondern Fluchtursachen müssen bekämpft werden“

Über 50 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Über die Fluchtursachen wird so gut wie nicht gesprochen. Auch gestern beim Talk von Anne Will in der ARD  war aus dem Munde der  CSU-Politikerin Monika Hohlmeier darüber nichts zu hören. Allenthalben ist von Überforderung der Kommunen hinsichtlich der Unterbringung von Flüchtlingen die Rede. Dabei wäre die Aufnahmen von noch viel mehr Flüchtlingen in Deutschland gar kein Problem für unser so reiches Land. Der Fehler liegt im System. Man gewinnt bei dem Gerede einiger Politiker nicht nur hierzulande den Eindruck die Flüchtlinge – und eben nicht die Fluchtursachen – gehörten bekämpft. Jetzt werden beträchtliche Summen ausgeben um den Eurotunnel gegen den nicht versiegenden Strom von Flüchtlingen, die von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen hoffen, dicht zu machen. Nähmen die Befürworter dieser Maßnahme die Realität zur Kenntnis, sie wüssten, dass das „Flüchtlingsproblem“ nur verdrängt würde. Vielleicht die Flüchtllinge  sogar nur für einige Zeit aufgehalten sein würden.  Auch hier ist anscheinend mit keinem Wort an die Fluchtursachen gedacht. Als existierten sie nicht und Europa hätte keinen Anteil daran!  Andere Länder – wie ausgerechnet Ungarn, das einst die Grenzen für DDR-Flüchtlinge unter dem Beifall der Weltöffentlichkeit  öffnete! – errichten nun ironischerweise Grenzzäune gegen den Flüchtlingsstrom. Solange aber die Fluchtursachen nicht beseitigt werden, wird man dagegen letztlich nur als Verlierer dastehen. Und eine nicht geringe Verantwortung dafür tragen, dass Flüchtlinge bei von purer Verzweifelung getrieben auf der Flucht  im Mittelmeer oder woanders den Tod finden.

Dringend nötig ist ein Paradigmenwechsel betreffs des Umgangs mit Flüchtlingen. Schon die Wortwahl ist da schon oft genug von Übel und führt in Irre. Nehmen wir doch nur den Begriff „Flüchtlingsproblematik“! Impliziert dieser doch: Flüchtlinge sind das Problem.

Heute erreichte meine Redaktionsstube eine Pressemitteilung der KünstlerInneninitiative www.unruhestiften.de, die ich gerne hier auf meinem Blog veröffentliche. Darin heißt es sehr richtig:

„Es gibt keine „guten“ und „schlechten“ Flüchtlinge. Nicht Flüchtlinge,
sondern Fluchtursachen müssen bekämpft werden. Das sind Kriege und eine
Weltwirtschaftsordnung, die maßlosen Reichtum auf der einen Seite, und
auf der anderen massenhaft Hunger und Elend produziert. Wir brauchen
eine andere Welt!“

Pressemitteilung 20150729

Flüchtlinge brauchen offene Grenzen –
wir alle brauchen eine andere Welt!

Im Mittelmeer und an den Landesgrenzen Europas spielen sich
unbeschreibliche Flüchtlingstragödien ab, von denen die Öffentlichkeit
in den Medien nur wenig erfährt. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht auch
hierzulande Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte oder tätliche Angriffe
auf Flüchtlinge erfolgen.
Es ist unerträglich, daß Flüchtlinge wie unerwünschte Personen behandelt
oder gar mit dem Tod bedroht werden!

Mit Abschottung, weiterer Verschärfung der Asylgesetzgebung und
Entrechtung von Flüchtlingen werden Menschenrechte verletzt – und
Rechtsextremisten der Boden bereitet.

Es gibt keine „guten“ und „schlechten“ Flüchtlinge. Nicht Flüchtlinge,
sondern Fluchtursachen müssen bekämpft werden. Das sind Kriege und eine
Weltwirtschaftsordnung, die maßlosen Reichtum auf der einen Seite, und
auf der anderen massenhaft Hunger und Elend produziert. Wir brauchen
eine andere Welt!

Eine gastfreundliche Aufnahme und menschenwürdige Versorgung, die
Schaffung von sozialen Kontakten und die Eröffnung von
Zukunftsperspektiven sind zentrale Aufgaben einer humanitären
Flüchtlingspolitik.

In vielen Gemeinden und Städten unseres Landes engagieren sich
Bürgerinnen und Bürger in der Flüchtlingsbetreuung. Ihre Arbeit ist von
unschätzbarem Wert für Menschen, die nach traumatisierenden
Kriegserlebnissen und Heimatverlust einen Neubeginn in der Fremde wagen
müssen.

Unterstützung leisten auch Kulturschaffende, Theater, Musikgruppen,
SchriftstellerInnen und bildende KünstlerInnen, die gemeinsam mit
Flüchtlingen Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen vor
Ort durchführen.
Wir brauchen eine Kultur der Begegnung, Freundschaft und Solidarität mit
Flüchtlingen – statt einer Unkultur der Feindschaft, des Hasses und der
Gewalt gegenüber Fremden.

2000 KünstlerInnen und Kulturschaffende, andere Persönlichkeiten und
Organisationen haben seit Sommer 2009 den bundesweiten Aufruf
http://www.unruhestiften.de unterzeichnet. Es ist ein Aufruf gegen rechts,
gegen die Abwälzung der Krisenfolgen und für die Umverteilung von oben
nach unten, gegen die Kriegspolitik der Bundesregierung – und für die
Förderung der kulturellen Vielfalt.

Für die KünstlerInneninitiative www.unruhestiften.de
c/o Werner Lutz
Kontaktmail: einheiztext@t-online.de

„Woman in Exile“: Alle Arbeitsverbote für Asylsuchende abschaffen

Im Rahmen der Aktion "Fluchtschiff" konzertierten Flüchtlingsfrauen im Jahre 2014 mit Heinz Ratz & Band in der Pauluskulturkirche in Dortmund; Fotos (2) Claus-D. Stille

Im Rahmen der Aktion „Fluchtschiff“ konzertierten Flüchtlingsfrauen im Jahre 2014 mit Heinz Ratz & Band in der Pauluskulturkirche in Dortmund; Fotos (2) Claus-D. Stille

Wenn auch der 1. Mai Geschichte ist, so halte ich es doch für wichtig, nachträglich eine Forderung von „Woman in Exile“ publik zu machen. „Women in Exile“  ist eine Initiative von Flüchtlingsfrauen, die sich 2002 in Brandenburg zusammen gefunden haben, um für ihre Rechte zu kämpfen. Women in Exile e.V. ist als gemeinnützig anerkannt.
„Woman in Exile“ schrieb im letzten Newsletter:

Liebe Freunde,

 

am ‚Tag der Arbeit’ möchten wir Sie / euch auf einen Auszug aus unserem letzten Newsletter aufmerksam machen, der einen Überblick über den Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende gibt.
Auch wenn im November 2014 einige Verbesserungen in Kraft getreten sind, immer noch gibt es viel zu viele Arbeitsverbote – aus den unterschiedlichsten Gründen Nähere Erläuterungen auf der Internetseite „Woman in Exil & Friends“.
Deshalb fordern wir alle Arbeitsverbote für Asylsuchende abzuschaffen, denn Arbeitsverbote sind ein Teil einer Asylgesetzgebung, die Asylsuchende systematisch ausgrenzt.

 

Ich wünsche Ihnen/ euch allen einen schönen 1.Mai!

 

Herzliche Grüße,
Elisabeth Ngari

——————–
Und hier noch einmal in englischer Sprache:

Dear friends,
on the ocasion of the Labour Day I would like  to draw your attention to an excerpt from our last newsletter, which gives an overview on the access to the labor market for asylum seekers. Although some improvements cameinto force in November 2014 there are still far too many work bans – for different reasons: see here.

Therefore we demand to abolish all work bans for asylum seekers because work bans are a part of a asylum legislation, which systematically excludes the asylum seekers.

 

I wish you all a nice May 1st!

 

Best Wishes,
Elisabeth Ngari

Women in Exile

Mail: info@women-in-exile.net
Adresse: Rudolf-Breitscheid-Straße 164
14482 Potsdam

 

Im vergangenen Jahr machte das "Fluchtschiff" u.a. auch im Hafen von Dortmund fest. Die Flüchtlingsfrauen wurden laut, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Im vergangenen Jahr machte das „Fluchtschiff“ u.a. auch im Hafen von Dortmund fest. Die Flüchtlingsfrauen wurden laut, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Vertreter von Woman in Exile waren vergangenes Jahr u.a. auch in Dortmund zu Gast. Dank der Aktion „Fluchtschiff“, einer Initiative von Heinz Ratz. Das Schiff hatte im Dortmunder Hafen festgemacht. Die Flüchtlingsfrauen konzertierten am Abend zusammen mit Heinz Ratz und Band in der „Pauluskulturkirche“.