Ich war geschockt gestern, als mir des Abends ein Post auf Facebook unterkam. Marco Bülow, las ich dort, sei gestorben. Mit 54 Jahren?!
Diese Nachricht durchfuhr mich regelrecht wie ein Blitz.
In meiner journalistischen Arbeit in Dortmund war ich des Öfteren auf den langjährigen SPD-Politiker Marco Bülow (Journalist, Autor, Berater) getroffen. Von 2002 bis 2021 – 19 Jahre also – gehörte er als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestagswahlkreis I dem Deutschen Bundestag an. Eigenen SPD-Genossen schmeckte das nicht. Konnten sie ihn Dortmund doch nicht einfach auf einen aussichtslosen hinteren Listenplatz setzen. Nach 27 Jahren Mitgliedschaft trat Bülow im November 2018 enttäuscht und desillusioniert aus der SPD aus. Informationen zu Marco Bülow hier u.a. und hier.
Ehrlich und geradlinig
Dass er stets seinen Wahlkreis in Dortmund wieder gewann, hatte nicht zuletzt mit Bülows Ehrlichkeit und seiner Geradlinigkeit zu tun. Von Politikern, die Wahlkampf machten, indem sie sich eine Schürze umbanden und bei den Tafeln Suppe an Bedürftige ausgaben hielt er nichts.
Der Demokratie sah er sich in hohem Maße verpflichtet. Schon bald hatte der Dortmunder erkannt, dass da einiges im Argen lag. Und er war ein Sozialdemokrat wie er im Buche steht und wie er heute offenbar gar nicht mehr existiert. Dortmund galt einst als Herzkammer der Sozialdemokratie – tempi passati. Da passte Marco Bülow hinein.
In einem Vortrag in Dortmund vor einigen Jahren äußerte er gegenüber einer SPD-Bundestagsfraktionskollegin Kritik. Aus meinem Bericht: «Als er einst in den Bundestag gekommen war, so Bülow, habe ihm eine Kollegin, welche bereits länger im Bundestag saß, gesagt und gemerkt hatte, dass er mit manchem nicht einverstanden war: Entweder man akzeptiere die Spielregeln und passt sich an, oder man verlässt das Spielfeld. Er befand, es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Man ändert die Spielregeln. Bülow habe fortan immer versucht die Spielegeln zu ändern. Und das sei auch immer noch sein Anliegen. Ein Ausfluss dessen sei, der Vortrag, welchen er nun präsentiere.«
Eingangs des Berichts schrieb ich: «Der partei- und fraktionslose Dortmunder Bundestagsabgeordnete Marco Bülow moniert, dass wir zu einer Fassadendemokratie verkommen, die immer stärker von wenigen Profitlobbyist*innen dominiert wird. Die soziale Marktwirtschaft sei längst zu einem Mythos geworden. „Wir stehen an einem Wendepunkt“, sagt er. Während das Vertrauen in die Parteien weiter abnimmt. Bülow hat sich entschlossen – bei entsprechender Unterstützung – wieder für den nächsten Bundestag zu kandidieren. Seine Bewerbung richtet er nicht wie üblich an eine Partei, sondern an die Bevölkerung, welche sein „Chef“ sein solle.«
Seinen (…) Vortrag begann der seit zwei Jahren partei- und fraktionslose, ehemalige SPD-Politiker Marco Bülow mit folgenden Fragen: „Wer glaubt, dass wir in einer guten, ausreichenden Demokratie leben?“. Relativ wenige Leute meldeten sich. „Wer glaubt, dass wir eine soziale Marktwirtschaft haben in Deutschland?“. Auch da zeigte nur eine Minderheit auf.
Marco Bülow konstatierte damals, wir steckten in einer Art Multikrise.
«Ein Ausfluss dessen sei, der Vortrag, welchen er nun präsentiere. Die wichtigste und umfangreichste Krise, welche uns am meisten treffen werde, sei die Klimakrise. Hinzu käme eine Sozialkrise. Des Weiteren sei eine Demokratiekrise auszumachen. Einher mit den anderen Krisenerscheinungen ginge momentan die Corona-Krise. Der Politiker zeigte sich sicher, dass wir nur aus diesen Krisen herauskämen, „wenn wir vor allem unsere Demokratie verändern, wenn ihr eine echte Demokratie schaffen“. Zu diesem Behufe müssten halt bestimmte Spielregeln verändert werden. Ansonsten seien die ganzen Krisen weder zu bewältigen noch zu überwinden.«
Hier noch zwei Reaktionen auf den Tod von Marco Bülow
Der Liedermacher und Schriftsteller Florian Kirner auf die Todesnachricht auf Facebook:
«Das ist wirklich schockierend! Das ist unerträglich. Es waren nur wenige Monate, die ich Marco Bülow näher gekannt und mit ihm sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet habe. Er war, was in diesem Politikbetrieb vielleicht das größte Lob ist: ein ehrlicher Mensch, der seine Anliegen konsequent und ohne Rücksicht auf Nachteile für seine eigene Karriere vertreten hat. Er war ein Kämpfer gegen die Korruption, die wir in Deutschland „Lobbyismus“ nennen. Er war ein Streiter gegen Militarisierung und Krieg. Er war ursympathisch. Er war ein großartiger Mensch. Wir bräuchten 100.000 Leute wie ihn.
Mach’s gut, Marco.«
Martin Sonneborn, Parteivorsitzender der Partei Die PARTEI, MdEP – der auch Marco Bülow zuletzt angehörte – schrieb heute auf Facebook.
«Scheiße, Marco Bülow ist tot.
Jung gestorben, mit 54. Ein guter Mensch. Einer der zwei, drei letzten echten Sozialdemokraten. Einer, der sich empörte, gegen Ungerechtigkeiten, Lobbyismus, Überheblichkeiten der politischen Klasse, gegen Dummheit & die Forderung nach Kriegstüchtigkeit. Der sein sicheres und gutdotiertes Mandat aufgab, um sich für die die einfachen Bürger einzusetzen. Warum werden die Arschlöcher so alt, und die Guten sterben zu jung?«
„Ich geh‘ ins Kloster“, verkündete ich unlängst übermütig. Vielleicht auch, um mich selbst unter Zugzwang zu setzen. Und erntete daraufhin von Menschen aus meiner persönlichen Umgebung Sätze, die mit Fragezeichen endeten. Oder auch nur müdes Achselzucken. Klar: in anderen Zeiten wären die Reaktionen auf diese Verkündigung gewiss anders ausgefallen. Wer geht heute schon noch ins Kloster? – Ich!, stemmte ich mich gegen diese Feststellung und ein bisschen auch gegen mein Inneres. Aber tat’s dann wirklich…
Ora et Labora ganz im Sinne Benediktinischer Frömmigkeit
Freilich nur auf Zeit. Und auch nicht – keine Bange – um einmal Mönch zu werden. Denn, wie heißt es sinngemäß, ganz sicher aber vollkommen richtig, auf der Internetseite des Klosters Stiepel; man wird nicht mal eben so Mönch. Schließlich koste das das Leben. Dick überschrieben ist das Klosterleben überdies mit dem bekannten lateinischen Spruch „Ora et Labora“- Bete und arbeite… Vielleicht auch bzw. gerade bei den Zisterziensern. Leben diese doch ganz im Sinne Benediktinischer Frömmigkeit, sowie getreu dessen einst von Benedikt selbst gelebten strengen Lebensordnung. Weshalb sich die Zisterzienser-Mönche des Klosters Stiepel auch täglich mit den von Benedikt aufgestellten Regeln nahezu penibel beschäftigen und sie sich auf diese Weise immer und immer wieder vergegenwärtigen, um nicht zu Fehlen.
Franz Kardinal Hengsbach: Niemand kann Gegenwart und Zukunft gestalten, der sich nicht der Vergangenheit erinnert
Bereits 1802 hatten Mönche nach der Regel des heiligen Benedikt in Essen-Werden gelebt. Franz Kardinal Hengsbachs (erster Bischof von Essen, verstorben 1991) Herzenswunsch, sein Traum der Fortführung dieser Tradition, erfüllte sich in Bochum-Stiepel, dem einzigen Marienwallfahrtsort seiner Diözese, wo es Ende der 1980er Jahre gelang, die Voraussetzung dazu schaffen, dass sich dort wieder eine klösterliche Gemeinschaft ansiedeln konnte. Angefangen in Stiepel hatte alles im Jahre 1988 mit vier aus der Abtei Heiligenkreuz (Niederösterreich) entsandten Mönchen, die zur Klostergründung ins Bistum Essen gekommen waren. Der Stifter Klosters Stiepel, Kardinal Hengsbach, knüpfte im hartnäckigen Bemühen um eine Klostergründung in seiner Diözese bewusst an die Wurzeln im Mittelalter an.
Denn ihm war klar, was von Menschen leider oft genug vergessen wird, dass niemand Gegenwart und Zukunft gestalen kann, der sich nicht der Vergangenheit erinnert.
Klostergäste sind in Stiepel jederzeit gern gesehen und willkommen
Wichtig: Gleich welcher Konfession sie auch angehören mögen. Oder sich überhaupt keiner Glaubensrichtung zugehörig fühlen. Was nicht zuletzt auch mich befeuerte relativ unbefangen ins Kloster zu gehen. Schließlich verlangt es einen nach einem mehr oder weniger stressigen Arbeitsjahr auf jeden Fall endlich einmal danach abzuschalten, das einem mehr oder weniger gehorchende eigne System wenigstens etwas herunterzufahren, bevor möglicherweise schon wieder der Urlaubsstress einsetzt…
Das Kloster
In Stiepel gelang das ganz gut. Das Kloster liegt unweit des Ruhrtales und des Kemnader Stausees Landschaftlich wunderschön und dementsprechend ruhig mit Blick auf landwirtschaftlich genutzte Flächen, Pferdekoppeln und einem Waldgebiet. Die neuen Klostergebäude fügen sich zusammen mit der während des 1. Weltkrieges errichteten Kirche St. Marien – architektonisch interessant konzipiert zeitlos wirkenden, schön anzusehenden Gebäudeensemble. Eine Führung (einer der Mönche interessant konzipiert und in baulicher Hinsicht exzellent ausgeführt – zu einem schlichten, fast zeitlos wirkendem, schön anzusehendem Gebäudeensemble
Eine Führung (einer der Mönche übernimmt das immer gerne) durch Kirche, Kreuzgang mit Blick auf den Innenhof mit gepflegtem Garten und Brunnen, welcher als Refugium der Stille ausschließlich den Blick gen Himmel zulässt, weiter durch die kleine Kapelle der Mönche und in andere Räumlichkeiten, wie etwa dem Refektoriuum (Speisesaal der Mönche) lässt einen kleinen Einblick des Klosterlebens aufscheinen.
Das Interieur der einzelnen klösterlichen Räumlichkeiten besticht in seiner Schlichtheit, wie in der praxisbezogenen, handwerklich elegant gediegenen Ausführung.
FERNsehen und fast selig machende Ruhe
Die Gästezimmer mit Bad befinden sich über dem Klosterladen und der Pilgerhalle. Sie beinhalten Schreib- sowie Nachttisch und Bettstatt. Die Fenster gehen hinaus ins Grüne und auf eine genügend weit entfernte Siedlung. Man schläft ausgezeichnet: Herrlich frische Luft und eine fast selig machende Ruhe sorgen dafür. Einen Fernseher oder andere Unterhaltungselektronik sucht man Gott sei dank nicht. Hier heißt es nämlich Kreuz statt Glotze und FERNsehen bekommt unter diesen Umständen im Kloster eine ganz eigne Dimension. Kontemplation inklusive. Wenn’s denn funktioniert…
Über Gott und die Welt…
Zu den Mahlzeiten geht es hinüber ins nahe Hauptgebäude des Klosters. Und die waren täglich ein Erlebnis! Der Köchin und den Mönchen sei Dank für Speis und Trank! Überhaupt gestaltete ich die Einnahme der Mahlzeiten zu Erlebnissen, die sicherlich das Zeug dazu haben, auch nachhaitig noch Wirkung zu entfalten. Was freilich an den während der (leider viel zu kurzen) Zeit meines Kloster-Schnupper-Aufenthalts anwesenden anderen lieben Gäste und vielmehr. der sich, mit ihnen entsponnen habenden interessanten Gespräche – tatsächlich! – über Gott und die Welt.Nicht einmal das dunkle Kapitel “sexueller Missbrauch“ (In Kirche und Gesellschaft) wurde ausgeklammert und mit eignen Ahnungen bzw. zur Kenntnis gekommenen Ereignissen angefüllt. Manche Gäste blieben, andere reisten ab, wofür aber wieder neue, nicht weniger interessante, hinzu kamen. Altere und jüngere. Frauen und Männer. Egal: Interessanter Gesprächsstoff war immer. Früh, mittags und abends. Das meiste am Tisch zur Sprache Gekommene speiste sich aus
einem vollen Griff ins pralle Menschenleben. Zwei pilgernde Buben aus dem Sauerland verbreiteten die Kunde von einer frommen Frau in ihrer Heimatgemeinde und einer weinenden Madonna. Nun ja …
Nonne zurück im „Pott“
Sogar ein einst im Ruhrpott geborenes, 1953 ins Kloster gegangenes und folgerichtig Nonne gewordenes Mädchen, inzwischen Seniorin – welche das Mutterkloster in Süddeutschland verlassen hatte, welches mangels Nachwuchs geschlossen wurde und deshalb verlustig ging, weshalb sie nun in einem Essener Kloster Aufnahme fand und hoffentlich dauerhaft einen Alterssitz gefunden hat – weilte mit ihrer leiblichen Schwester im Kloster Stiepel mit ihrer leiblichen Schwester zu Gast.
Die ehemals als Musiklehrerin und Kinder- Kloster Aufnahme und hoffentlich dauerhaft einen Alterssitz gefunden hat, weilte im Kloster Chorleiterin tätige Schwester E. hat dort nun schon einiges erlebt: Sie muss in Essen u. a. auf eine an Alzheimer erkrankte Mitschwester aufpassen, die früher Pfortendienst hatte und nun oft – noch gut zu Fuß – die Tür aufreisst. Die beim Laufen gehandicapte Schwester E. dagegen hat Not rasch genug zur Stelle zu sein. Was gefährlich werden kann: Immerhin ereignete sich kürzlich ein kleiner Krimi in der Kirche. Ein Pfarrer wurde überfallen und von den Verbrechern gefesselt zurück gelassen. Wer vermisst beim Angebot an solchen Geschichten noch einen Fernseher?
These und Theorie – Warum gehen Menschen ins Kloster oder eben nicht?
Es ist wohl so: Wer ins Kloster geht, sich der Arbeit im Weinberg des Herrn widmet, dem kostet es das Leben. Dennoch über Nachwuchs an Mönchen scheinen sich die Zisterzienser nicht beklagen zu können. Weshalb Schwester E., deren Heimat-Kloster mangels Novizinnen, geschlossen werden musste, die These vertritt, dass der Versuch ihres Ordens, diesen – auch was den Habit (Ordensgewand) angeht – „freizügiger“ zu gestalten, wohl deshalb nicht von Erfolg gekrönt war,weil das offenbar gar nicht das Entscheidende für junge Menschen ist, sich für ein Leben im Kloster zu entscheiden. Wie man, so Schwester E., es ja bei den Zisterziensern beobachten könne, denen es an Nachwuchs nicht gebreche. Denn nicht nur deren Klosterregeln seien sehr streng Wofür schon deren äußeres Erscheinungsbild, namentlich deren schwarz-weißes Ordenskleid stehe. Es muss also etwas anderes sein, was junge Männer zum Zisterzienserorden ziehe.
Ich habe da meine eigne Theorie: Vielleicht liegt es ja auch einfach an den unsicheren heutigen Zeiten, dem Mangel an wirklichen Vorbildern oder der heimlichen Sehnsucht nach festen Regeln. Schwester E. blickte mich nachdenklich an.
Das Kloster Stiepel ist mitten im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 eine von mehreren „spirituellen Tankstellen“ in insgesamt 53 Orten des Ruhrgebiets. Dort kurz angedockt zu haben, hat gut getan. Geistig-geistlich Auftanken bei den Mönchen von Stiepel war – wenn man es einmal so ausdrücken will: himmlisch! Was nicht religiös gemeint sein muss …
Hinweis: Dieser Artikel von mir erschien am 12.08.2010 auf Readers Edition (inzwischen eingestellt).
Der Aktivist und Autor Andreas Ehrholdt wurde als engagierter Initiator der im Jahre 2004 wiederbelebten Montagsdemonstrationen deutschlandweit und sogar darüber hinaus bekannt. Von asansörpress35
Am 01.08.2012 in der Community von Freitag.de auf diesem (meinem dortigen Blog) erschienen.
Die Montagsdemo-Neuauflage hatte Andreas Ehrholdt angesichts unsozialen Hartz-Gesetze der damaligen rot-grünen Bundesregierung als dringend geboten gesehen. Die Montagsdemonstrationen hatten damals rasch an Zuspruch und Zulauf gewonnen. Doch, was sie erreichen sollten, erreichten sie nicht.
Untätig war Ehrholdt seither nicht. Nun will er mit einer kürzlich erschienen Schrift abermals Menschen zum Nachdenken bewegen. Ihr Titel:
„Solidarisiert Euch!“
Andreas Ehrholdt will gewiss kein deutscher Stéphane Hessel sein. Und dennoch: Die inzwischen von Millionen Menschen in der Welt gelesenen Aufrufe Hessels „Empört Euch!“ und „Engagiert Euch!“ und Ehrholdts „Solidarisiert Euch!“ liegen – nüchtern betrachtet – gar nicht so weit auseinander. War es Hessel darum gegangen, möglichst viele Menschen zum Nachdenken anzuregen und zum Handeln zu bewegen – Ehrholdt hat nichts anderes im Sinn. Ich könnte mir Hessel und Ehrholdt durchaus gut im Dialog vorstellen. Wenngleich sich ihre Lebenswege und dabei gemachte Erfahrungen natürlich stärker nicht unterscheiden könnten. Was sie m.E. eint? Sie denken sehr mit dem Herzen!
Wie es ist, kann es nicht bleiben
Richtet sich Hessel „An die Empörten dieser Erde!“, so ist Andreas Ehrholdt mit seinem „Solidarisiert Euch!“ einer dieser Empörten, der sich an die Erde wendet. Beide entstammen unterschiedlichen Schichten. Beide haben ihre ganz spezielle Sicht und blicken aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Welt. Einen tut sie gewiss die Erkenntnis: Wie es ist, kann es nicht bleiben. Eben mal schnell die Welt retten? Von diesem Schlage sind beide nicht. Sie haben ihre Erfahrungen gemacht. Hessel die schmerzhafteren von Beiden.
Auf Seite 22 seines Buches schreibt Ehrholdt: „Nur eine Welt in solidarischer Gemeinschaft ist eine friedliche Welt.“ Wie und auf welche Weise wir dahin kommen könnten, darüber hat sich Ehrholdt auf eine Art schreibend vorangebracht, die mich an den Titel des Kleist-Aufsatzes „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ denken ließ. Man muss halt nur „Reden“ durch „Schreiben“ ersetzen.
Gleich eingangs des Buches merkt Ehrholdt an, er habe sich darin einer didaktischen Methode seines Lieblingslehrers bedient: […]„der hat auch immer wiederholt, bis ich es kapiert hatte.“ Auch wir kapieren – ohne das als oberlehrerhaft zu empfinden (keine Bange, Andreas Ehrholdt) – was er zum Wohler aller (vor-)denkt.. Darauf passt das Attac-Motto „Eine andere Welt ist möglich“. Doch wie dahin kommen? Das Einfache, das schwer zu machen ist! Wohl wahr. Doch warum nicht darüber nachdenken?
Der Mangel
Ehrholdt ist ein gewesener DDR-Mensch. Da ist es so verständlich wie legitim, dass er seine Skizzen zu einer sozial gerechteren Zukunft weltweit auch Nektar aus den damals gemachten Erfahrungen saugt. Die DDR litt am Mangel und unter vielen Mängeln. Auch heute, meint Ehrholdt, herrsche Mangel. Etwa an Geld. Am rechten Fleck, sei hinzugefügt. Denn Geld gibt es soviel wie Dreck auf der Welt, wie Heiner Geißler einmal sagte. Ehrholdt meint, es müsse insgesamt mehr geteilt werden, damit alle ausreichend hätten, um menschenwürdig leben zu können. Und er meint damit nicht nur das Geld. Auch Verzicht gehöre zum Wandel. Es gälte regionale Märkte zu stärken, statt weiter „der Mär von der Globalisierung“ nachzulaufen.
Ein Elefant vergisst nun mal nicht so einfach
Als Mensch mit Hartz-IV-Erfahrung möchte sich Ehrholdt gern mit Menschen solidarisieren, die Alternativen zu den „Schandtaten der Agendamacher“ (Überschrift Kapitel 2) anzubieten hätten. Parteien die „die Agenda 2010 erfanden“ (S. 14) schließt Ehrholdt von seiner Solidarität indessen (vorläufig) aus: „Sie sind nicht aus meinem Gedächtnis gestrichen, ein Elefant vergisst nun mal nicht so einfach, weder das Gute noch diese Schlechtigkeiten, aber aus meinem Herzen sind sie gestrichen.“ Nur eine Chance hätten die: Eine klare „Absage an Hartz-IV und an andere Verwerfungen neoliberaler unsozialer Politik …“ […]
„Hoffnung und Enttäuschung haben schon vielen Menschen den Stift in der Wahlkabine geschwungen“
Wenngleich Ehrholdt an den Parteien nicht viel Gutes lässt, weil sie „uns doch nur noch als Stimmvieh“ benötigen, „um dann für sich selbst die Tröge der Macht zu sichern: ihr Dasein im Sinne eines funktionierenden Demokratie stellt er nicht infrage. Doch wer von den Parteien spricht, muss auch von deren Wählern oder Nicht-Wählern sprechen. Müssten die nicht auch mehr Verantwortung übernehmen, und: sich bewegen? Andreas Ehrholdt drückt es auf seine Weise aus. Dennoch: Seine Parteienkritik ist nicht weit entfernt von der des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Parteien müssen sich in den Dienst des Souveräns stellen. Nicht den Staat gewissermaßen als Eigentum betrachten und zu Erhaltung der eignen Macht (und ihrer Klientel) missbrauchen. Und die Piraten? Ehrholdt: Ob die politische Bewegung durch sie bereichert wurde: „Das muss die Zeit erweisen.“ Mahnend: „Hoffnung und Enttäuschung haben schon vielen Menschen den Stift in der Wahlkabine geschwungen.“
Bewegungen und zu Bewegende
Der Autor macht sich über das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) Gedanken. Es scheint ihm sympathisch zu sein. Obgleich dessen Einführung vorläufig nicht realistisch erscheint. Vielleicht weil unsere „Denke“ noch nicht soweit ist? Ehrholdt selbst ist der Meinung: „dass dieses Grundeinkommen an Bedingungen geknüpft sein muss.“ Und vor dem Grundeinkommen müsse der Mindestlohn kommen. Occupy attestiert Ehrholdt als Bewegung Menschen zu bewegen. Aber er fürchtet, dass Occupy-Bewegten zu wenig Menschen – vielleicht weil sie kein Ziel formulieren? – bzw. letztlich nichts erreichen.
„Was wir zuerst teilen müssen, das ist unsere Aufmerksamkeit.“
Ehrholdt gibt zu, niemanden zu sehen, der uns aus der Misere herausführt. Der einzig gangbare Weg führe (S. 21) „über wahre soziale Gerechtigkeit.“ Wir sollten arbeiten, um zu leben – nicht umgekehrt: „Wir sollten wieder bereit sein, gerechter zu teilen. Wir sollten unsere Gier nach Unnützem über Bord werfen.“ Und, merkt Andreas Ehrholdt an: „Was wir zuerst teilen müssen, das ist unsere Aufmerksamkeit.“ Nicht verkehrt. Auch dieser Satz: „Unser Reichtum ist die Armut anderer.“ Obgleich verkürzt formuliert, steckt doch mehr als ein Funken Wahrheit darin!
So wie Andreas Ehrholdt die Welt sehen möchte, käme das Dahin der Quadratur eines Kreises gleich. Bestimmte Ökonomen und vor allem natürlich die Profiteure des jetzigen Systems werden sofort zeter und mordio schreien: Nicht durchführbar. Doch denkbar ist Erholdts Ansatz allemal. Und so denkt Ehrholdt für uns und andere so. So kann nur einer denken, der schon öfters im Leben gegen Wände angelaufen ist und in Abgründe geschaut hat. Warum soll es denn hinter diesen von wem auch immer errichteten Wänden nicht anders (besser?) weitergehen? Das derzeitige System ist nicht alternativlos.
Der Welt einen Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe?
Jedes Land dieser Erde soll nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl und des Bruttoinlandsprodukt (BIP) betreffs Finanzierung, Produktion usw. gewissermaßen Teil eines atmenden, ständig überprüf- und änderbaren, weltumspannenden – sozusagen atmenden solidarischen Systems werden. Ohne dabei den weltweiten Handel einzuschränken. Selbstverständlich sollen soziokulturelle Unterschiede be- und geachtet werden. Es wäre ein System, dass darauf ausgelegt ist, die Einen nicht durch die Anderen auszuspielen. Was auf Menschen und Ländern gleichermaßen bezogen ist. Die Welt, in der ohnehin quasi alle in einem Boot sitzen – kaum ein Land die drängendsten Probleme noch ohne die anderen angehen kann – soll u.a. durch Verzicht, Ausgleich und Teilen eine gerechtere werden. Zum besseren Verständnis des derzeitigen Zustandes hat Andreas Ehrholdt Tabellen in sein Buch aufgenommen. Auf Seite 26/27 die mit den Mitgliedsländern der EU samt Einwohnerzahlen. Auf den Seiten 60, 61 u. 62 afrikanischen Länder mit Bevölkerungszahlen und BIP pro Dollar. Auf den Seiten 72,73 u. 74 die Länder Asiens. Sowie auf Seite 83 ein Tabelle betreffs deutscher Entwicklungshilfe. Hinweis: Diese Tabelle sollte jedoch bei einer eventuellen Neuauflage vergrößert dargestellt werden. Selbst mit Lupe ist da kaum etwas zu entziffern.
Andreas Ehrholdt geht auf den Millenniumsplan. Erörtert dessen Mängel und erahnt, warum er scheitern wird. Der Autor plädiert daher „für ein System, wie es der RGW, der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, darstellte: Handel wieder über Warenaustausch, das ist gerechter, als die Mächtigen über den Preis ihrer Güter und den Wert ihrer Währung bestimmen zu lassen.“ Wie man es letztlich nenne, ist Ehrholdt egal: vielleicht auch Millenniumsplan II? Ihm geht es um soziale Gerechtigkeit. „Und nicht nur im sozial ungerechten vereinten Europa, sondern weltweit.“
Ein mutiges Buch, mit viel Herz geschrieben
Ein ehrliches Buch. Eine Schrift, die sich mit nahezu allen Problemen der Gegenwart auseinandersetzt. Das mag ein bisschen viel auf einmal sein. Aber ist es denn nicht auch tatsächlich so: ein bisschen viel für uns alle? Andreas Ehrholdt hat aufgeschrieben, was faul ist auf der Welt, wie im eignen Land. Er ist ein Mensch, der sich nun einmal damit beschäftigen muss. Nicht allein nur weil ihn die Probleme zum Teil bis auf die eignen Knochen angehen.Weil es in seinem Kopf hämmert: So kann’s nicht bleiben, mach was! Macht was!, ruft er uns nun wieder einmal zu: „Solidarisiert Euch!“ Gelebte Solidarität (Zärtlichkeit ist die Solidarität der Völker; soll Che Guevara einst gesagt haben.) ist vielleicht das Einzige, was die Menschheit wird überleben lassen können. Diese Schrift ist nachdenkend und mit viel Herz geschrieben, um andere nachdenklich werden zu lassen. Wenige Passagen könnten manchem zu naiv (im besten Sinne) oder unscharf ausgedrückt sein. Anderes ließe sich als Klischees missverstehen: „Die Geschicke und menschlichen Ressourcen sind unterschiedlich. Der Afrikaner ist eher ein Händler, eher ein Kleintierzüchter.“ Das Kapitel 5 „Afrika, so reich… doch so arm“ kündet jedoch davon, dass Ehrholdt diesen Kontinent durchaus realistisch und wohlwollend betrachtet.
Steht im Weg: Der Kapitalismus
Dieses Buch handelt nicht zuletzt auch von Träumen. Doch erfüllen werden sich die im Kapitalismus kaum. Ehrholdt weiß das. Auf Seite 89 schreibt er nämlich: „dass der Kapitalismus etwas Schreckliches ist, auch wenn auf der Mogelpackung soziale Markwirtschaft steht.“ Seiten vorher (S.79) liest man: „Große Worte eines kleinen Wichtes, natürlich. Aber wenn ihr in diesen Ruf einsteigt, dann würde er zu einem Schrei, der dann nicht mehr von Wichten kommt, einem Schrei, der gehört werden würde“ […] „Und wenn die Politik sich nicht kümmert, dann müssen wir die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen.“ Ehrholdts Schlusswort ist rührend. Aber auch das kommt von Herzen: „Und ich entschuldige mich bei allen Menschen Europas, die unter uns zu leiden haben nur weil wir zu schwach, zu dumm, zu gierig oder zu sozial ungerecht sind. Ich entschuldige mich dafür, dass ich leider zu schwach bin, trotz meiner Erkenntnis diesem System ein Ende zu bereiten.“ Ach, wären doch die meisten Menschen nur zur Hälfte so wie dieser Ehrholdt! Solidarisiert Euch! Ein Buch als Nachdenkstoff im besten Sinne.
Andreas Ehrholdt
Solidarisiert Euch!
BoD – Books on Demand, broschiert; 92 Seiten
ISBN: 978-3-8448-4111-4
Preis: 6,90 Euro
Information: Andreas Ehrholdt ist am 25. Mai 2023 gestorben.
Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesarbeitsgericht anhängig – Fokus auf strukturelle Wirkung von VerfahrenPressemitteilung Nr. 2 im Verfahren Professor Dr. Guérot gegen Uni Bonn der Rechtsanwälte auf der Heiden/Gall vom 15. Januar 2026
Berlin/Karlsruhe, 15.1.2026. Im arbeitsrechtlichen Verfahren um die Kündigung der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Ulrike Guérot ist derzeit eine Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Köln vom 16. Mai 2025 (Az. 10 SLa 289/24) beim Bundesarbeitsgericht anhängig. Eine rechtskräftige Entscheidung liegt damit weiterhin nicht vor. Prof. Dr. Guérot wird in dem Verfahren durch die Rechtsanwälte Christian auf der Heiden und Tobias Gall vertreten.
Unabhängig vom konkreten Ausgang des Verfahrens wirft der Fall grundsätzliche Fragen auf, die über den individuellen arbeitsrechtlichen Streit hinausgehen. Im Zentrum steht das Spannungsverhältnis zwischen arbeitsrechtlichen Loyalitätspflichten, wissenschaftlicher Freiheit und öffentlicher Kritik. Diese Fragen betreffen nicht nur einzelne Personen, sondern die strukturellen Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Arbeit in institutionellen Kontexten.
Der Fall macht sichtbar, welche Wirkung arbeitsrechtliche Verfahren entfalten können, wenn komplexe fachliche Bewertungen ohne externe wissenschaftliche Einordnung vorgenommen werden und formale Maßstäbe gegenüber inhaltlichen Fragen in den Vordergrund treten. Solche Verfahren haben Signalwirkung, insbesondere für Wissenschaftler, die öffentlich forschen, publizieren oder kontroverse Positionen vertreten.
„Mir geht es nicht um die öffentliche Bewertung einzelner Gerichtsentscheidungen“, betont Prof. Dr. Ulrike Guérot. „Mich interessiert die grundsätzliche Frage, wie frei Wissenschaft in institutionellen Strukturen tatsächlich ist und welche Wirkungen arbeitsrechtliche Verfahren auf kritisches Denken und öffentliche Debatten haben.“
Auch aus juristischer Sicht wird der Fall nicht als rein individueller Konflikt verstanden. Rechtsanwalt Christian auf der Heiden erklärt: „Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens wirft der Fall Fragen auf, die über den Einzelfall hinausgehen. Es geht um die strukturelle Wirkung arbeitsrechtlicher Verfahren auf Wissenschaft und öffentliche Kritik. Genau diese Einordnung halten wir für wichtig.“
Der Rechtsweg ist nicht ausgeschöpft. Die Beteiligten setzen weiterhin auf eine sachliche und rechtsstaatliche Klärung. Die begleitende Kommunikation zielt nicht auf Eskalation oder Personalisierung, sondern auf eine nüchterne Einordnung der grundsätzlichen Fragen, die der Fall aufwirft.
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Zu den juristischen Details der Nichtzulassungsbeschwerdebegründung erklären die Rechtsanwälte von Prof. Dr. Ulrike Guérot ferner:
Im Detail sind zusammengefasst u.a. folgende Rügen in dem 107-seitigen Schriftsatz angebracht worden: · Das Landesarbeitsgericht hat geglaubt, ohne eigene Fachkunde selbst ein wissenschaftliches Fehlverhalten der klagenden Hochschullehrerin feststellen zu können. Erforderlich wäre aber gewesen, ein politikwissenschaftliches Sachverständigengutachten zu dieser Tatsachenfrage einzuholen. Auch das hat das Landesarbeitsgericht prozessual pflichtwidrig unterlassen. · Professor Guérot ist ein Vorsatz unterstellt worden, ohne sie zuvor hierzu anzuhören. Dabei hat das Landesarbeitsgericht in freier Rechtsschöpfung einen „Anscheinsbeweis“ zugrunde gelegt, den es nach ständiger Rechtsprechung der Bundesgerichte für Vorsatz aber überhaupt nicht gibt. · Die Kündigung verletzt in bislang ungesehener Weise die vom Grundgesetz garantierte Wissenschaftsfreiheit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG). Das Landesarbeitsgericht hat die verfassungsrechtliche Dimension gar nicht berücksichtigt und auch verkannt, dass die landesgesetzliche Regelung (§ 4 HG NRW), auf die es sich gestützt hat, wegen der Gesetzgebungsbefugnis des Bundes nichtig ist. · Die Argumentation des Landesarbeitsgerichts liefe – zu Ende gedacht – darauf hinaus, dass jeder wissenschaftliche Bewerber einen künftigen akademischen Arbeitgeber im Rahmen der von ihm selbst durchgeführten Einstellungsevaluationen auch auf mögliche Mängel seiner eigenen Qualifikation hinzuweisen hätte; das kann in Anbetracht dessen, dass das Prognoserisiko, einen geeigneten Bewerber einzustellen, nach gefestigter Rechtslage allein beim Arbeitgeber liegt, nicht überzeugen. · Das Urteil ist nicht zuletzt auch schon rein formell unrichtig: So hat das Landesarbeitsgericht grundlegend übersehen, dass die Kündigungserklärung nicht – wie gesetzlich erforderlich – schriftlich und auch ohne Abmahnung erfolgt ist. Außerdem war das Landesarbeitsgericht nicht ordnungsgemäß besetzt, weil eine ehrenamtliche Richterin gegen die Regeln der gerichtlichen Geschäftsverteilung „ausgetauscht“ worden ist.
Tobias Gall, Rechtsanwalt von Prof. Dr. Guérot: „Nach ausgiebiger Überprüfung des Urteils des Landesarbeitsgerichts Köln konnten zahlreiche zulassungsrelevante Rechtsfehler aufgedeckt werden. Die Anzahl und die Schwere der Rechtsverstöße sind erschreckend. Es ist schlechterdings nicht erklärlich, wie einem Arbeitsgericht zweiter Instanz eine solche Fülle von verfassungsrechtlich relevanten Verfahrensfehlern unterlaufen kann. Mit Blick darauf, dass konsequent alle Frau Professor Guérot günstigen Sach- und Rechtsfragen zu ihren Ungunsten beantwortet oder ignoriert worden sind, drängt sich notwendig der Schluss auf, dass das Urteil des Landesarbeitsgerichts auf sachfremden Erwägungen beruht. Wir Juristen sprechen dann von Willkür (Art. 3 Abs. 1 GG). Wenn solch ein Urteil „gehalten“ werden sollte und es sich hierbei nicht um einen Einzelfall handelt, dann wäre nicht nur die Wissenschaftsfreiheit, sondern auch der Rechtsstaat in Gefahr. Ich habe aber Hoffnung, dass trotz der geringen statistischen zwischen 4 % und 11 % changierenden Erfolgsquoten von Nichtzulassungsbeschwerden, das Bundesarbeitsgericht korrigierend eingreift und eine Verfassungsbeschwerde unnötig macht.“
Kontakt (nur für Presse): Keine Anfragen an die Kanzleien der Rechtsanwälte; dort eingehende Anfragen bleiben ausnahmslos unbeantwortet. Presseanfragen sind ausschließlich zu richten an: presse@rechtsanwaltgall.de Die Kontaktdaten sind exklusiv für Anfragen der Presse vorbehalten.Verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr und folgen Sie uns auf folgenden Kanälen:
Es folgt ein Aufruf zugunsten von Jacques Baud, den eine große Zahl von engagierten Menschen unterzeichnet hat. Hier ist auch der Link zum Aufruf: www.appeal-baud.com.
Mit ihrem jüngsten Sanktionspaket hat die EU den Militärhistoriker und ehemaligen Oberst der Schweizer Armee und des Schweizer Strategischen Nachrichtendienstes sowie Mitglied des Schweizer Generalstabs Jacques Baud mit Sanktionen belegt. Jacques Baud ist Schweizer Staatsbürger und lebt in Brüssel. Er darf Belgien nicht mehr verlassen, sein Vermögen wurde beschlagnahmt, seine Konten sind eingefroren, seine Bücher dürfen nicht mehr verkauft werden.
Jacques Baud hat unter anderem für die NATO und die Vereinten Nationen gearbeitet. Er ist ein untadeliger Wissenschaftler und ein Ehrenmann. Seine Bücher erfüllen die höchsten Maßstäbe der fachlichen historischen Analyse. Er arbeitet strikt neutral nach dem Grundsatz: Beide Seiten müssen gehört werden.
Es ist kein Verbrechen, die wahren Gründe des Ukraine-Krieges zu nennen. Es ist kein Verbrechen, die Leser auf Unwahrheiten und die eigene Propaganda der EU und der NATO aufmerksam zu machen. Es ist kein Verbrechen, auf die gedankenlose Kooperation des Westens mit ukrainischen Kräften hinzuweisen, die eine gefährliche Nähe zu Faschisten aufweisen.
Der Ministerrat der EU zerstört mit willkürlichen Strafmaßnahmen gegen Jacques Baud und insgesamt gegen 59 Journalisten und Wissenschaftler die Grundlagen der Meinungsfreiheit.
Diese Sanktionen sind illegal und völkerrechtswidrig, denn sie wurden nicht durch den UN-Sicherheitsrat verhängt. Das Gutachten der ehemaligen Richterin am Europäischen Gerichtshof Prof. Dr. Ninon Colneric und der Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Alina Miron von der Universität Angers zeigt, dass die zugrundeliegenden Rechtsakte auch gegen EU-Recht verstoßen. Die EU nutzt die Sanktionsliste als Instrument, Kritiker mundtot zu machen, und manövriert sich immer tiefer in einen Abgrund der Gesetzlosigkeit.
Wir rufen das Europäische Parlament, die Parlamentarische Versammlung des Europarates, den Deutschen Bundestag, die deutschen Landes- und Kommunalparlamente, das gesamte deutsche Volk und die Menschen in allen Ländern der Europäischen Union auf, den Zerstörern der Demokratie und den Kriegstreibern jetzt mit aller Macht entgegenzutreten.
Die Präambel des Grundgesetzes verpflichtet Deutschland, dem Frieden zu dienen.
Das Grundgesetz legt in Art. 5 fest: „Eine Zensur findet nicht statt.” Die Handlungen von EU-Kommission und EU-Rat stehen im Widerspruch zu unserem Grundgesetz. Wir fordern die Bundesregierung auf, gemäß ihrem Amtseid auf diesen ungesetzlichen Vorgang hinzuweisen.
Wir fordern die sofortige Aufhebung der illegalen Sanktionen gegen Jacques Baud sowie gegen alle Journalisten, Wissenschaftler und EU-Bürger.
Wir fordern Bundesregierung und EU auf, konstruktiv am Frieden in der Ukraine mitzuwirken und alle verfassungswidrigen Versuche einzustellen, den Krieg zu verlängern.
Erstunterzeichner:
Prof. Dr. Nima Rostami Alkhorshid, Bauingenieur, Universidade de Brasilia Dr. Michael Andrick, Philosoph und Schriftsteller Eva Maria Adler, Unternehmerin Beatrice Altman-Schevitz, Soziologin und Autorin Ilona Anders, Dipl. Ing., Projektmanagement TGA Hauptmann a.D. Ralf Anders, Projektmanager Prof. Dr. Robert Anderson, Amerikanist, University of New Mexico, Albuquerque, USA Patrik Baab, Publizist und Politikwissenschaftler Volker Braun, Schriftsteller Sebastian Bahlo, Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes Gunter Baldauf, Geschäftsführer i.R. Cécile Barbier, Brüssel Peter Barret, Antarktisforscher, Wellington, Neuseeland Prof. Dr. Franco Battaglia, Chemiker, Università degli Studi di Modena e Reggio Emilia Hans Bauer, Rechtsanwalt Alexander von Bismarck, Unternehmer, Stendal Barbara Bodechtel, Dipl.-Med., IPPNW Prof. Dr. jur. habil Dr. rer. pol. Volker Boehme-Neßler, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Nel Bonilla, Sozialwissenschaftlerin Volker Bräutigam, Journalist und Autor Dr. Paul Brandenburg, Publizist und Arzt, Schweiz Prof. Dr. Lawrence Bridwell, Lubis School of Business, PACE University, New York, USA Mathias Bröckers, Publizist und Autor, Frankfurt a.M. Jon Brown, Drehbuchautor, USA Heinrich Bücker, Anti-War Café Berlin Max Blumenthal, Journalist und Dokumentarfilmer, USA Oberstleutnant i. G. a. D. Lic. Phil. Ralph Bosshard, Militärhistoriker Prof. em. Dr. Joseph O. Boyd-Barrett, Professor emeritus, California State University Channel Islands, USA Prof. Dr. Peter Brandt, Historiker und Publizist Michael Brie, Philosoph, Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung James W. Carden, Journalist und Autor, ehem. Berater im US-Außenministerium, USA Prof. Dr. Michael Jabara Carley, Historisches Institut, Universität Montreal, Kanada Richard Carter, Lehrer, USA Robert Cibis, Journalist, Berlin Hugo M. Connery, B. Sc., Hobart, Australien Alex Cox, Regisseur und Drehbuchautor, USA G. Bruce Currie, Concord, New Hampshire, USA Sevim Dagdelen, Publizistin, Bundesvorstand BSW Daniela Dahn, Schriftstellerin Oberstleutnant a.D. Daniel Davis, Träger des Bronze Star, USA Dr. Diether Dehm, Schriftsteller und Liedermacher Prof. Dr. Glenn Diesen, Politikwissenschaftler, Universität Südostnorwegen Jaroslav Daniska, Chefredakteur Marker.sk, Slowakei Nirmal Dass, Editor-in-chief, The Postil Magazine, Kanada Dr. Renate Dillmann, Bochum Eugene Doyle, Writer, Wellington, New Zealand Dr. Deepa Driver, Academic and Trade Unionist, UK Tino Eisbrenner, Musiker und Schriftsteller Prof. Dr. Heike Egner, Immunbiologin Ralf Eger, Filmemacher, München Major d.R. Wolfgang Effenberger, Autor und Publizist, Österreich Dr. Mihail Evans, Research Fellow, New Europe College, Bukarest Thomas Fazi, Autor, Italien Ruth Firmenich, MdEP, Politikwissenschaftlerin Dr. Heiner Flassbeck, Wirtschaftswissenschaftler, ehem. Staatssekretär im BMF Justus Frantz, Dirigent, Gründer des Schleswig-Holstein Musikfestivals Prof. Dr. Hajo Funke, Freie Universität Berlin Thomas Fasbender, Journalist Dr. Markus Fiedler, Soziologe Marcel Fischer, Radio Marabu David C. Fisher, Houston, Texas, USA Dr. Eva-Maria Föllmer-Müller, Psychotherapeutin, Schweiz Mattias Forsgren, Dissidentklubben, Stockholm Dr. Gunter Frank, Arzt und Autor Peter Frey, Blogger, Peds Ansichten Harald Friese, Historiker, Köln Elena Fritz, geopolitische Analystin George Galloway, Vorsitzender Workers Party of Britain, UK Dr. Daniele Ganser, Historiker und Publizist, Schweiz Prof. Dr. Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin und Publizistin Gabriele Gysi, Schriftstellerin und Regisseurin Bruce K. Gagnon, Global Network Against Weapons & Nuclear Power in Space Magda von Garrel, Politologin und Autorin J. R. Gipple, Des Moines, Iowa, USA Rolf Gössner, Völkerrechtler, ehem. Vorsitzender der Liga für Menschenrechte Prof. Dr. Vladimir Goldstein, Slavic Studies, Brown University, USA Hans-Wolff Graf, Dipl.-Psych., Dipl.-Päd., Vermögensverwalter und Journalist Urs Graf, Psychologe, Sirnach, Schweiz Tilo Gräser, Journalist, Berlin Marie-Christine Giuliani, Nationalrätin, Österreich Christoph Hein, Schriftsteller Norbert Häring, Publizist und Autor Dr. Gordon M. Hahn, Middlebury Institute of International Studies, USA Dr. Peter Hänseler, Publizist und Rechtsanwalt Prof. Dr. Chris Hann, ehem. Gründungsdirektor MPI für ethnologische Forschung Klaus Hartmann, Präsident der Weltunion der Freidenker Evelyn Hecht-Galinski, Sicht vom Hochblauen Heidrun Hegewald, Malerin und Grafikerin Prof. Dr. David Hendrickson, Politikwissenschaftler, USA Dr. Roger Higginson, Research Associate, University of Sussex, UK Elisabeth Hills, Memphis, Tennessee, USA Diana Hohenthal, Kunstmanagerin und Kuratorin Ulrich Hoppe, Freundschaft mit Russland e.V. Wolfgang J. Hummel, Rechtsanwalt, Berlin Dr. Friedrich Hinterberger, Vollmitglied Club of Rome Dr. Hannes Hofbauer, Historiker, Publizist und Verleger Prof. Dr. Stefan Homburg, Öffentliche Finanzen, Leibniz Universität Hannover Andrej Hunko, Ehrenmitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates Larry Johnson, ehem. CIA-Analyst und Publizist, USA Hakan Julander, Schriftsteller, Stockholm Jutta Kausch-Henken, Schauspielerin, Friedenskoordination Markus J. Karsten, Verleger, Westend-Verlag Alexander King, MdA, BSW Dr. Lasha Kazradze, International Relations Analyst, Georgien Leo Keller, Managing Director, Blue Ocean SWS GmbH, Zürich Friedhelm Klinkhammer, Jurist Marcus Klöckner, Journalist und Autor Lucy Komisar, Investigative Journalist, New York, USA Dr. Christoph Krämer, Chirurg, IPPNW Volker Krannich, Projektmanager i.R. 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Kay-Achim Schönbach Gabriel Shipton, The Information Rights Project Lord Robert Skidelsky, House of Lords, UK Prof. Dr. Wolfgang Streeck, Max-Planck-Institut Gertrude Suscho, Club of Rome Österreich Dr. Jeffrey Schevitz, Soziologe, USA Peter Schindler, Rechtsanwalt, Wien Dirk Schmitz, Rechtsanwalt Major a.D. Dr. Lothar Schröter, Militärhistoriker Barbara Schwegler, Chirurgin, IPPNW Prof. Bernd Seegers, Stadtplaner Yves Smith, Financial Analyst Prof. Dr. José Catarino Soares, Linguist und Schriftsteller Anette Sorg, Nachdenkseiten Kayvan Soufi-Siavash, Journalist und Autor Oberfeldarzt d.R. Dr. Berthold Spahlinger Peter Stevkov, stellv. Chefredakteur Marker.sk Prof. Dr. Ola Tunander, PRIO, Norwegen Rosalie Tyler Paul, USA Raymond Unger, Schriftsteller und Künstler Gert Ewen Ungar, Journalist Ron Unger, US Marine Corps i.R. Prof. Dr. mult. Dr. h.c. mult. László Ungvári Aya Velazquez, freie Journalistin Gary Villapiano, Executive Producer Erika Vögeli, Psychologin Alexander Wallasch, Journalist Roger Waters, Musiker Elisabeth Fürstin zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee Margot und Willy Wahl, Seniora.org Prof. Dr. Harald Wallach, Psychologe Dr. Bettina Warwitz, Medizinerin Edelgard und Horst Weber, Landwirte Dr. phil. Tatjana Weber Kay Weir, Herausgeber Dr. John Howard Wilhelm, Osteuropa-Experte Julia Wille, Filmausstatterin Dr. Volker Wirth, Wirtschaftswissenschaftler Winfried Wolk, Künstler Russell Woodward, Lehrer i.R. Dr. phil. Dieter Weber, Diplomat a.D. Wenzel, Musiker und Autor Oberst a.D. Lawrence Wilkerson, USA Laura von Wimmersperg, Berliner Friedenskoordination Achim Winter, Journalist und Satiriker Flavio von Witzleben, Journalist
Helmut Kohl benutzte in einer Rede im Deutschen Bundestag 1995 dieses Zitat: „Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“. Es wird oft in Zitaten wie ähnlich verwendet: „Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ (George Santayana).
Die heutige Zeit macht uns jedoch tagtäglich bitter deutlich, wie wenig herrschende Politik nahezu im gesamten EU-Bereich und ihnen nach dem Munde schreibenden und sendenden Medien – in besonders erschreckendem Maße in Deutschland – offenbar von in ihrer Auswirkung auf die aktuelle Politik gefährlicher Geschichtsunkenntnis befallen ist. Das betrifft bereits weit in der zurückliegende Geschehnisse im Ersten und im Zweiten Weltkrieg und deren Ursachen. Sehr betrüblich ist es, dass sogar die Zeit in Deutschland nach 1945 für viele Menschen hierzulande eher im Dunkeln zu liegen scheint , beziehungsweise verklärt wird.
Diether Dehm ist zu verdanken, dass er Licht in wichtige Kapitel bundesrepublikanische Geschichte bringt. Der Politiker und Künstler bringt uns als Leser seiner jüngsten Romane im Rahmen einer Trilogie verronnene BRD-Geschichte zurück und führt sie uns spannend erzählt vor Augen. Was nicht nur für jüngere, sozusagen spätgeborene Leser, interessant ist, sondern auch für uns Frühgeborene (ich selbst kam 1956 auf die Welt) mit bestimmten hängengebliebenen Erinnerungen von hohem Wert ist: Der Mensch ist ja bekanntlich oft vergesslich oder auch uninformiert. Trifft beides zusammen wird es zappenduster.
Dehm hat eine Romantrilogie unter dem Titel „AUFSTIEG UND NIEDERTRACHT“ verfasst. Sie beginnt mit einem Kriminalfall, welcher die junge Bundesrepublik erschütterte: „Aufstieg und Niedertracht 1: Rebecca“. In meiner Rezension dazu (hier) informierte ich betreffs des Inhalts: «Es geht um den Mord an der Frankfurter Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt, deren „Künstlernamen“ Rebecca gewesen war. Der Fall hat Dr. Diether Dehm nach seiner eigenen Aussage sein Leben lang verfolgt. Denn er hat eine persönliche Verbindung zu dem Fall: „Meine Mutter und Oma waren Hauptzeuginnen im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder Heinz Pohlmann, der unser Wohnungsnachbar war“« Dieser erste Teil der Trilogie erschien im Verlag Das Neue Berlin.
Nun folgte der nächste Band von Aufstieg und Niedertracht II mit dem Titel „Katharina“. Allerdings erschien dieser Band – meiner Information nach, auf ausdrücklichen Wunsch des Autors – nun im Verlag KRASSER GURU.
KRASSER GURU: «„KATHARINA“ ist Band II der Trilogie „AUFSTIEG UND NIEDERTRACHT“ aus der Saga einer sozialdemokratischen Familie. „KATHARINA“ folgt auf den Roman „REBECCA“ (Berlin 2025) über den Nitribitt-Mord 1957, als Rudi noch ein Kind war – und über seine Eltern, die unfreiwillig Zeugen im Mordprozess wurden.
Zu „REBECCA“ schrieb die konservative „Fuldaer Zeitung“: ein „erzählgewaltiges Werk“; das „rechte“ Magazin „Compact“: „Roman des Jahres, der noch in hundert Jahren gelesen“ werde; die linke „UZ“: „Früher musste man Böll lesen, um den Rheinischen Kapitalismus zu begreifen, jetzt kann Dehm zu Rate gezogen werden … spannend bis zum Schluss.“; der kommerzielle Sender „Hitradio FFH“: ein „großes Sittengemälde“; die Alternativ-Plattform „NachDenkSeiten“: eine „Hommage an die Arbeiterklasse“, ein „Friedensbuch“ mit „starken weiblichen Hauptfiguren“.« All diesen Zitaten kann ich vollumfänglich zustimmen und nur empfehlen: Lesen!
Zum Band Numero II sollte der Text von KRASSER GURU zwecks der Information potentieller Leser ausreichend sein:
«Die Oberkellnerin Katharina in Honeckers Jagdschloss „Hubertusstock“ wird für den hessischen SPD-Staatssekretär Rudi Hermann bei einem Weihnachtsausflug an den Werbellinsee in der DDR zu einer Engelsgestalt intimer und gesellschaftlicher Sehnsüchte. Ihre ungekünstelte Art, zu sehen und zu reden, bildet einen extremen Kontrast zum westdeutschen Parteienmorast, in dem Rudi zu versinken droht. Als linker SPD-Star muss er nämlich gerade hart gegen rätselhafte Skandalisierungen aus dem geheimdienstlich-medialen Komplex ankämpfen. Zudem ist Rudi Hermann einem Grundwasserskandal im profitablen Atommülllager „Asse“ auf der Spur.
Obwohl Katharina Rudis Drängen, ihn in Frankfurt am Main zu heiraten, nicht nachgeben will und bei ihrer Tochter Vivienne in Ostberlin bleibt, gibt sie ihm Halt und Hilfe – gemeinsam mit einigen wenigen Freunden in SPD und SED. Gegen den geheimdienstlich-medialen Komplex des „großen Geldes“ und gegen dessen Skandalisierungsanschläge auf Rudi. Aber auch gegen „eigene“ Parteifreunde, die den prominenten Bankengegner weghaben wollen – mit Fallenstellereien des Parlamentarismus, die in diesem Liebeskrimi so detailgetreu wie spannend ausgemalt sind.«
Beim Lesen der erzählten Geschichte wurde mir immer wieder klar, welchen Intrigen Politiker wohl jeder Partei im Laufe ihrer politischen Karriere ausgesetzt sein können. Ich wurde schon bald auch an die bekannte Steigerungsformel „Feind – Todfeind – Parteifreund“, die Konrad Adenauer zugeschrieben wird, erinnert. Beileibe kein Alleinstellungsmerkmal betreffs der einzelnen Parteien. Schon Voltaire bekannte: „Mein Gott, bewahre mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden werde ich allein fertig“ . Und es nimmt nicht wunder, dass ich auch an die Parteeinkritik Richard von Weizsäckers denken musste: „Machtversessen und machtvergessen“ nannte Bundespräsident Richard von Weizsäcker1992 die bundesdeutschen Parteien. Am Rande angemerkt: Heute ist zu konstatieren, dass die Kritik von Weizsäckers nicht fruchtete, denn inzwischen ist alles nur noch viel übler geworden. Ich selbst betrachte die bei uns herrschende Parteidemokratie eher schadend, als unserem Lande nutzend. Und als ich wieder einmal – derlei bedenkend -, das Buch absetzte, sah ich einen älteren Mann wieder vor meinem geistigen Auge, welchen wir als junge Leute beim Camping in Riesengebirge in der ČSSR vor unserem Zelt getroffen hatten, der verächtlich postulierte: „Die Politik ist die größte Hure.“ Nun ja, das Postulat des Greises mag gewiss nachvollziehbare Gründe gehabt haben: Inzwischen lege ich aber unbedingt Wert darauf, Huren, die man heute Sexarbeiterinnen zu nennen pflegt, bloß nicht mit bestimmten Politikern in Vergleich bringen und gesondert betrachten. Denn ansonsten täte man den Huren schweres Unrecht an.
Diether Dehm wurde von frühster Jugend an politisiert und war auch in der Politik aktiv. Er war von 1966 bis 1998 SPD-Mitglied und saß auch für die SPD im Deutschen Bundestag. Dann ging er in die PDS und darauf in DIE LINKE. Heute ist er parteilos. Dehm kennt sich somit ganz gut aus in den Maschinenräumen von Parteien, bis in deren Kreis- und Bezirksebenen hinein. Was seinem Roman sehr zugutekommt und authentisch macht. Es ist spannend zu erleben, wie es in Parteien und hinter den jeweiligen Kulissen zugeht, aber auch zu sehen, welchen Problemen sich ein SPD-Staatssekretär Rudi Hermann im Roman in der hessischen Landesregierung gegenübersieht. Nur wenige Klarnamen, wirklich existent gewesener Persönlichkeiten, kommen im Roman vor. Andere werden jedoch kenntlich, wenn man bisher mit wachen Augen und Ohren durchs Leben gegangen ist. Auch anhand der Namen, welche er ihnen im Buch gegeben hat. Weitere auftauchende Charaktere wiederum sind erfunden, sie entsprechen aber Typen, wie sie in den Parteien, den Medien und der Gesellschaft im Allgemeinen vorkommen. Dehm hat sie sehr gut gezeichnet.
Der Weihnachtsausflug des hessischen SPD-Staatssekretärs Rudi Hermann in Honeckers Jagdschloss „Hubertusstock“ an den Werbellinsee in der DDR markiert einen bald schwer wiegenden Einschnitt in dessen Leben. Nicht allein, weil er dort auf den DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker trifft, sondern ihm hauptsächlich die dort tätige Oberkellnerin Katharina auffällt, die ihn als Mann aufgrund ihrer körperlicher Reize, sowie ihres Wesens insgesamt, heftig elektrisiert. Sobald der Westdeutsche Hermann mit der in der Regel so erfrischend anders als BRD-Frauen, weil auf so natürliche Weise und selbstbewusst auftretenden DDR-Frau näher in Kontakt kommt, ist es fortan um ihn geschehen.
Eine von Diether Dehm spannend und einfühlsam erzählte Geschichte, vom Verlag zutreffend als „Liebeskrimi“ bezeichnet, welche fesselt, nimmt ihren turbulenten Verlauf. Und zwar über die sogenannte Wiedervereinigung hinaus bis in die folgende Zeit hinein. Dehm macht den Mantel der Geschichte weit auf mit seiner Trilogie. Das lässt uns vieles verstehen und nachvollziehen. Und manches lässt uns auch aufmerken und wir können dies oder jenes für uns daraus lernen. Nicht zuletzt Leserinnen und Leser, welche in der BRD sozialisiert wurden und demzufolge bezüglich der DDR vorwiegend mit Klischees gefüttert worden sind. Als Leser bin ich schon jetzt neugierig auf den letzten Teil der Trilogie.
Betreffs der erotischen Träume und beschriebenen Empfindungen der Romanfigur Rudi Hermann gegenüber im Band vorkommenden Frauen – vornweg Katharina – dürfte der Autor gewiss reichlich aus sich selbst geschöpft haben. Was Verbissene, wie weiland im Falle Martin Walser geschehen, auf den Plan rufen und veranlassen könnte über „Altmänner-Erotik“ zu schimpfen. Nun ja. Denen täte ich – als bald Siebzigjähriger entgegnen : Gemach! Bin ich so viel anders? Sonst schreien wiederum andere, über Dehm ihre schützenden Hände ausbreitend: Altersdiskriminierung!
Ich habe auch diesen zweiten Band sehr gerne gelesen. Nicht zuletzt deshalb, weil es im Wesentlichen ein deutsch-deutscher Roman ist. Sehr deutlich arbeitet Dehm in der Person Rudi Hermann, dem sie ins Auge springen, auch die Unterschiede von BRD und DDR heraus, Nicht zuletzt die der Menschen. Die, welche im Kapitalismus leben und zu denen, die in der DDR sozialisiert sind. Die, die zuweilen überheblich und anspruchsvoll sind, oft eloquenter zu reden gelernt haben und meinen, halt die besseren zu sein. Nach Wende und sogenannter Wiedervereinigung beschrieb dies der in Ostdeutschland aufgekommene Begriff „Besserwessi“ sehr gut. Und diejenigen Menschen in der DDR, welche in der Regel bescheiden auftreten und eher über Bodenhaftung verfügen. Welche sich von Hause aus damit schwertun, sich in irgendeiner Weise zu verkaufen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügen. Was nicht zuletzt Katharina bewog nicht bei Rudi Hermann in Frankfurt am Main zu bleiben und nach ihrem Westbesuch wieder in die Hauptstadt der DDR, Berlin, zurückzukehren. Weil sie sich sozusagen ihren Schneid nicht abkaufen lassen wollte. Und zwar von Anfang an der Bekanntschaft mit Rudi Hermann nicht. Was aber Hermann tatsächlich nie im Sinn hatte.
Obgleich es zugegebener Maßen freilich auch andere Frauen in der DDR gegeben hat. Die sich etwa während der Leipziger Messe prostituierten (oft benutzt vom Ministerium für Staatssicherheit, um Messebesucher von Interesse aus dem Westen abzuschöpfen). Wie mir einmal ein Mann aus Dortmund erzählte, war ihm seinerzeit während eines Messebesuchs in Leipzig eine Frau aus der DDR untergekommen, die sich für ein paar Weststrumpfhosen zu ihm ins Bett legte. Wohlgemerkt: Dies war allerdings eine Ausnahmeerscheinung in der DDR.
Fragen könnte man sich anhand der Darstellung Diether Dehms stellen, wenn er die relativ einfache Genehmigung des Westbesuchs von Katharina in der BRD ins Spiel bringt. Hätten „die Organe“ der DDR in der Realität tatsächlich einen solchen Besuch – noch dazu zu einem Staatssekretär in Hessen genehmigt? Wo doch Oberkellnerin Katharina gewiss als eine Geheimnisträgerin gegolten hätte? Es sei denn, Katharina wäre eine Mitarbeiterin des MfS gewesen.
Ansonsten in „Katharina“ ein tatsächlicher „Liebeskrimi“, der nachvollziehbar den Leser in einem im Wesentlichen gut lesbaren Stil präsentiert wird. Und „nebenbei“ umweht uns noch ein Stück weit der Mantel der Geschichte. Hervorzuheben ist darüber hinaus noch, dass uns Autor Diether Dehm immer wieder aufzeigt, welche Rolle der geheimdienstlich-mediale Komplex (eine treffende Begriffsschöpfung von Dehm) von Mal zu Mal in unserer Gesellschaft spielt.
Was bleibt mir zu sagen? Lesen Sie diesen zweiten Band von Diether Dehms Trilogie „Aufstieg und Niedertracht“ – „Katharina“. Genau so wie den ersten spannenden Teil „Rebecca“ und freut euch auf dritten noch kommenden Band dieser hochinteressanten Trilogie. Bereuen werden Sie es bestimmt nicht. Lassen Sie sich den Mantel der Geschichte um die Ohren wehen, haben Sie Freude an dieser Trilogie, welche auch eine Familiensaga ist.
Katharina
Aufstieg und Niedertracht II
24,90 €
inkl. MwSt.
Verlag:
KRASSER GURU
ISBN:
978-3-911834-07-0
Seitenzahl:
528
Zu Diether Dehm
Diether Dehm, geb. 1950 in Frankfurt a. M., Autor, Komponist, promovierter Psychosomatiker; siebzehn Jahre Mitglied des Bundestages für SPD und Linkspartei. 1979–1995 Mitarbeiter der Unterhaltungsabteilungen von ARD, ZDF und RTL; Musikverleger, Sänger von 17 Schallplatten und CDs (zuletzt: „Dass ein gutes Deutschland blühe!“, Alte und neue Arbeiterlieder). Er schrieb rund sechshundert Lieder auf Tonträgern, darunter Hits wie „1000mal berührt“, „Was wollen wir trinken“, „Monopoli“, „Faust auf Faust (Schimanski)“ und „Das weiche Wasser“, u. a. für Klaus Lage, Bots, Joe Cocker, Curtis Stigers, Melanie Thornton, Katarina Witt, Ute Lemper, Gisela May, Udo Lindenberg, Zupfgeigenhansel, Heinz Rudolf Kunze, Christopher Cross, STOMP, Anne Haigis, Uwe Steimle, Reiner Kröhnert. Für Dieter Hallervorden schrieb er diverse Satiren und Texte (z.B. Gaza Gaza). Daneben: diverse Musicals und Theaterstücke. Bisherige Romane: „Die Seilschaft“ (2004), „Bella ciao“ (2007, deutsch, englisch, türkisch), „REBECCA – Aufstieg und Niedertracht Bd. 1“ (2025).
Meinen sehr verehrten Leserinnen und Lesern wünsche ich frohe, gesegnete Weihnachten und ein gesundes neues Jahr.
Ich bedanke mich bei meinen Lesern für die meinem Blog gehaltene Treue. Und danke den in diesem Jahr neu hinzugekommenen Abonnenten für die Wahl meines Blogs.
Verbunden mit meinen Wünschen zu Weihnachten und zum Jahreswechsel möchte ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass es im kommenden Jahr friedlicher auf unserer Welt zugehen möge. Ich gebe zu: Meine Hoffnung darauf ist nicht allzu groß. Es deuten nur wenige Zeichen darauf hin, dass es so käme. Wir wissen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Schon in der 1970er Jahren – im Kalten Krieg – trieben mich Hoffnungen auf Frieden und Völkerverständigung an Weihnachten und Neujahr um. Und wir wurden tatsächlich Zeugen von politischen Handlungen, die uns ein ums andere Mal optimistischer in die Zukunft blicken ließen.
Sie gingen von Willy Brandt, von seinem Mitstreiter Egon Bahr und anderen sowie der Politik der sozial-liberalen Koalition aus. Große Fortschritte konnten gemacht werden.
Und dann kam das Jahr 1990 und die Chancen, die für die Welt damit verbunden waren. Leider wurden diese Chancen vertan.
Und die mühsam durch die Politik Willy Brandts erreichten Fortschritte auch in den Beziehungen zur Sowjetunion (später Russland), der wir wesentlich die Deutsche Einheit verdanken, wurden letztlich mit aller Wucht und Dummheit zerstört.
Eine Schande, dass heute selbst die SPD, die nicht mehr sozialdemokratisch ist, die Ost- und Entspannungspolitik von Brandt und Bahr inzwischen diskreditiert und als falsch diffamiert.
In diesem Blog werden montags selbst verfasste Gedichte veröffentlicht und je nach Anlass Gedanken übers Zeitgeschehen festgehalten. Im Ganzen behandelt der Blog Ansichten und Eindrücke über Politik, Gesellschaft, Alltag, Liebe und (Pop-)Kultur. Respekt, Hoffnung, Nachdenklichkeit, Friedensfähigkeit und Menschlichkeit werden diesen Blog kennzeichnen.