„SOS. Worte – Wege – Werte“. Rezension

Yaşamak zor, sagt man in der Türkei, wo ich gerade herkomme: Es ist schwer zu leben. Das kann ich persönlich nur unterschreiben. Nur muss ich dann betreffs meiner Wenigkeit zugeben, mir das Leben hin und wieder durchaus selbst schwer gemacht zu haben. Daraus kann man lernen. Immerhin. Auch, wenn manche Erkenntnis daraus einen gerne auch früher gekommen wäre. „So ist Läbe“, pflegte ein frühere Kollege oft als Reaktion auf Schicksale sagen, der aus Polen zu uns gekommen und ein Schlesier war. Menschen sind durchaus auch der Meinung: Das Leben ist toll! Das Leben ist eben auch von den jeweiligen Lebensumständen und der im Laufe der Zeit von der in einem gewachsenen Lebenseinstellung abhängig. Welche wiederum u.a. von der Lebens-Einstellung der eigenen Eltern geprägt wird. Nicht selten kommt mir der Satz: „Werde, der du bist“ in den Sinn. Der zu werden, der du bist, ist ja gar nicht so einfach. Mancheine/r wird nie werden, wer sie/er ist. Das hier besprochene Buch könnte uns dabei helfen, zu werden wer wir sind. Zumindest wäre damit ein Samen ausgebracht, der reiche Frucht bringen könnte.

Friedrich Nietzsche (1844 bis 1900) hat sich zwischen den Jahren 1876 und 1888 an mehreren Stellen seines Werkes auf den berühmten Satz des griechischen Dichters Pindar bezogen: „Werde, der du bist“. Dieser stammt aus dessen Pythischen Oden.“ (Quelle: tabularasa – Zeitung für Gesellschaft & Kultur)

Kürzlich kam mir ein schwerer Wälzer zwecks Rezension aus dem Hause „ars vobiscum“ ins Haus. Optisch schon einmal ein wahrer Hingucker! Vorder- und Rückseite, die beiden Buchdeckel, zeigen einen Sternenhimmel. Dazu befindet sich jeweils ein Guckloch in deren Mitte. Die Gucklöcher geben den Blick auf die Erdkugel frei. Nebenbei können sie – so fand ich für mich jedenfalls heraus – auch helfen, mit einem Fingergriff ins jeweilige Guckloch, das schwere Buch beim Lesen besser zu halten. Rund um die Gucklöcher lesen wir: … ICH BIN nur was ICH KANN nur was ICH WILL nur was ICH WEISS nur was ICH BIN ...

Der Buchtitel: „SOS. Worte Wege Werte“. Da ich nicht sofort Zeit hatte mit dem Lesen zu beginnen, schaute ich zunächst ein Video zur Einführung in „SOS“. Diese besorgte der Herausgeber des Buches Harald im Spring. Er ist vor einem Waldbild zu sehen. Sonnenstrahlen brechen durch die Baumwipfel. Harald im Spring mit Rauschebart im weißen Hemd. Hatte ich mir so nicht als Kind Gott vorgestellt? Seine Worte unterstützt er mit markanten Gesten. Die Frage ist gestellt: „Kann ein Buch die Welt verändern?“ Das durch die Baumwipfel dringende Sonnenlicht – verführt irgendwie dazu zu denken, es imaginiere göttliche Strahlen. Zunächst schrecke ich etwas zurück – habe ich es hier etwa mit einem Guru zu tun? Wie man doch von Vor-Urteilen (und Bildern im Kopf!) geprägt ist und beeinflusst wird! Ich musste sogleich etwas beschämt an Sir Peter Ustinovs Buch „Achtung! Vorurteile“ denken und lauschte Harald im Springs Worten interessiert weiter. Er berichtet von einem Anruf im Jahre 2019, der ihn erreichte, mit dem Ansinnen, ob er zur Herausgabe eines Buches bereit wäre, da die Autoren ungenannt bleiben wollten. Im Spring: „Das Manuskript überzeugte mich. Es folgten drei fruchtbare Jahre der Kooperation. Ohne sich persönlich jemals begegnet zu sein. Das erste gemeinsame Werk der Autoren in deutscher Sprache.“ (Hier und unter diesem Beitrag können Sie das Video anschauen.)

Die nicht genannt werden wollenden Autoren tragen im vorliegenden Buch die Namen Frieda und Freimut Freudenreich. Zum Buch „SOS“ lesen wir folgendes Zitat:

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

lucius annaeus seneca
epistulae morales ad lucilium, reclam 2018 (S. 1066)

Ars vobiscum zum Buch: „Frieda und Freimut Freudenreich haben ihre Bücher allen Kindern dieser Welt in tiefer Verbundenheit und Dankbarkeit gewidmet. Ein philosophisch-spirituell-politisch-literarisches Vermächtnis und Meisterwerk in hochwertig verarbeiteter Ausführung mit dreidimensional gestalteten Buchdeckeln.“

Ratgeberliteratur hat es in unseren Buchhandlungen zuhauf. Dieses Buch aber ist anders. Freilich können die Leser*innen darin auch Rat finden. Doch es ist eben keiner jener Ratgeber, die einen mit mehr oder weniger klugen Ratschlägen „beglücken“. Welche Leser*innen dann meinen, sozusagen nur der Reihe nach „abarbeiten“ zu müssen, um hernach „glücklich“ zu sein. Was bei den wenigsten Menschen von Erfolg gekrönt sein dürfte. Die Autoren und Herausgeber dieser Bücher, profitieren – Ausnahmen dürften die Regel bestätigen – von den Sorgen und Lebensängsten der Leser*innen.

SOS“ erfüllt in meinen Augen was es verspricht. Nämlich Gedanken zu transportieren, die Samen sind und keine Früchte. Dafür, dass der Samen keimt und daraus Früchte der Erkenntnis erwachsen, braucht es Zeit und Geduld. Damit das geschehen kann, sollten die Leser*innen durchaus ab und an im Buch innehalten und auch Zitate (die es in großer Fülle im Buch gibt) oder eine bestimmte Textstelle noch einmal oder sogar mehrfach wieder zu lesen. Vielen Dingen und Erscheinungen wird im Buch wirklich tief auf den Grund gegangen. Da wäre es doch schade, etwas überlesen zu haben. Und, spürt man sich – vielleicht aufgrund der Fülle der zu bewältigenden 388 Seiten – bisweilen möglicherweise getrieben, ist es auch nicht schlimm, das Buch einmal für ein paar Tage aus der Hand zu legen.

Überhaupt sollten wir das Buch immer in der Nähe griffbereit aufbewahren. Es ist ein wahrer Schatz. Gewissermaßen auch als Nachschlagewerk benutzbar, dank umfangreicher Quellen-Nachweise (Zitatseiten), Quellen-Nachweise (Textseiten), Literaturempfehlungen sowie eines Stichwort- und Namensregisters A-Z. Auch das quer zu beiden Büchern befindliche – sie zu einem Band vereinigende –   ausgezeichnete Etymologische Fremdwort-Verzeichnis von A – Z ist nicht zu verachten. Befasst man sich intensiv mit diesen zwei Büchern merkt man ihnen an, mit welcher Akribie an ihnen gearbeitet worden ist.

Das Kapitel „Corona sei Dank“ (S.34) – darauf wird hingewiesen – sei Ende März 2020 entstanden „und wurde in das Buch eingefügt, als dieser Buchteil bereits geschrieben war, der andere verfassungsmäßige Teil aber erst ganz am Anfang seiner Entwicklung stand.“ Und weiter steht da: „Für das bessere Verständnis der dortigen Kapitel ‚Grundwerte – Wirtschaft – Wissenschaft – Politik – Kultur‘ dürfte dieser Zusammenhang bedeutsam sein, weshalb hier darauf hingewiesen wird.“ Von der Hand zu weisen ist das Folgende jedenfalls nicht: „Seit 1945 gab es einige Ereignisse, Erfahrungen, Entscheidungen … die eine von Menschenhirn und Menschenhand geschaffene (irdische) „Weltordnung“ geprägt haben. Doch keine wird weltpolitisch vermutlich so umwälzende Folgen haben, wie die 2020 global und viral eingeleiteten „Corona-Zeiten“.“ Ohne dieses Kapitel hätte etwas gefehlt in diesen zwei sich mit so vielen wichtigen Themen beschäftigenden Büchern.

23 Verfassungsartikel als Grundlage für ein liebevoll-ethisch-global-achtsames Leben

Großes Augenmerk sollten die Leser auf den präzise und umfangreich ausgeführten verfassungsmäßigen Teil des Buches (S.27 bis S.123) legen. In 23 Verfassungsartikeln wurde vorgezeichnet, welche Worte, Wege und Werte für ein liebevoll-ethisch-global-achtsames-Leben erforderlich wären. Betreffs der Grundwerte geht es um die Themen Leben, Gemeinschaft, Freiheit, Frieden, Gesundheit, Würde, Arbeit und Schutz. In Sachen Wirtschaft wird behandelt: Finanzen, Gemeinwohl, Energie, Boden, Gewerbe und Industrie. Unter Wissenschaft stehen die Themen Geist, Natur und Soziales im Fokus. Unter Politik hat man sich der Ordnung, der Justiz und den Medien gewidmet. Und bei der Kultur geht es um Sprache, Schöpfung und Reisen.

 

… ZEIT ist GELD regiert die WELT hat ZEIT …

Die folgenden Kapitel“, erfahren wir, „behandeln verinnerlichte Glaubenssätze und vergessene Weisheiten, nicht hinterfragte Annahmen und zu prüfende Wahrheiten. Wann ihre Zeit gekommen ist – und ob sie reiche Frucht tragen können – werden kommende Generationen entscheiden. Mögen die Kinder der Zukunft mit Liebe, Vertrauen und Weisheit gesegnet sein. Das Paradies auf Erden liegt in ihren Händen.“ (S.40)

Angesichts der unerfreulichen Gegenwart könnten wir vielleicht auf düstere Gedanken kommen. Zu wünschen und zu hoffen wäre indes, eine solche – oben beschriebene – Zukunft würde wahr …

Die beiden Bücher in einem Band sind so leicht nicht unter einem Begriff zu fassen und schon gar nicht einem einzigen Genre zuzuordnen. Wir haben es vielmehr mit einem breiten Spektrum zu tun, das im Buch zu aller Nutzen aufzublättern ist. Wir bekommen nicht selten beim Lesen ein Gefühl dafür, dass Alles mit Allem zusammenhängt und alles Sehen, wie Nietzsche wusste, perspektivisches Sehen ist. Wir erfahren: „Nicht was ein Mensch tut, ist entscheidend, sondern wie ein Mensch etwas tut – vor allem warum, aus welchem Grund oder Motiv, zu welchem Zweck oder Ziel. Dieses Buch ist weder wissenschaftliche Abhandlung noch philosophischer Diskurs, weder literarische Sammlung noch gesellschaftliches Traktat, weder spirituelle Streitschrift noch politisches Manifest … und doch könnte es all dies werden.“

Das Buch könnte als geistiges Handwerkszeug dienen, damit der in den Boden gebrachte Samen zu reicher Frucht geführt wird. Das Buch selbst wäre sogar als ein solcher Samen zu betrachten – wenn das nicht zu vermessen ist, zu sagen! Ob der Samen aufgeht und reiche Frucht trägt – sprich: eine lebenswerte Gesellschaft zum Blühen bringt – liegt nicht zuletzt auch bei dessen künftigen Leser*innen, denen ich den im zweifachen Sinne gewichtigen Doppelband wärmstens ans Herz legen möchte. Unter günstigen Voraussetzungen kommen wir mit der Lektüre von „SOS“ sogar dem „Werde, der du bist“ ein Stückchen näher …

Die im Buch enthaltenen Gedanken sind Samen, keine Früchte. Möge dieses Buch Menschen berühren, mit Worten heilen und befreiende Ideen in die Welt unserer Kinder tragen

… ICH BIN nur was ICH KANN nur was ICH WILL nur was ICH WEISS nur was ICH BIN …

Zum Buch: „Wie oft reagieren wir, anstatt innezuhalten und zu danken … für die Offenheit eines Menschen, sich verletzlich zu zeigen, für die Bedürfnisse eines Menschen, auch wenn wir sie nicht verstehen, für die Wünsche eines Menschen, auch wenn es nicht unsere eigenen sind?
Wie oft urteilen wir, anstatt innezuhalten und nachzufragen … ob wir richtig empfangen haben, was gesendet wurde, ob wir beim Anderen sehen, was in uns selbst zu finden wäre, ob wir mit unseren Reaktionen aus Furcht oder aus Liebe handeln? Möge dieses Buch Herz und Verstand berühren und Ihnen helfen, zu werden, wer Sie sein wollen.“

Sozusagen als Leitgedanke ist der gesamte Band von der Goldenen Regel durchzogen: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu“.  Interessant zu wissen: Die Goldene Regel gilt bei fast allen Völkern als Maßstab den Zusammenlebens der Menschen. Man findet sie in den Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius, der griechischen Sieben Weisen, in der jüdischen Thora sowie im Neuen Testament.

SOS. Worte – Wege – Werte

Zwei Bücher in einem Band enthalten:

über 500 Zitate aus zwei Jahrtausenden (mit Stichwort- und Namensregistern) • 85 Seiten Grundrechte und Gemeinwohlpflichten mit 23 Verfassungsartikeln
• 50 Seiten etymologisches Fremdwort-Verzeichnis
• 27 Seiten Quellen-Nachweise

Zwei Bücher in einem Band • Frieda und Freimut Freudenreich (Pseudonyme)

388 Seiten, gebunden, 24×17 cm ISBN: 978-3-9505234-0-9

mit ganzseitigen farbigen Bildern von Priestermaler Sieger Köder (†) und Kunstmalerin Christine Zanella sowie sechs farbigen Cartoons von Künstler und Bildhauer Frank Speth

Nur 999 Exemplare • limitierte & nummerierte Erstausgabe in einmaliger Sonderausstattung • 38 € / 45 CHF Infos & Leseproben • SOS-WWW.DE • Videos & Audios

BUCHHANDEL: ars-vobiscum.com • thomas.stimmel@ars-vobiscum.com • +43 (0) 6641 – 224 334 

LESERINNEN & LESER: das-freie-buch.de • lektorat@das-freie-buch.de • +49 (0) 7836 – 955 744 (Versand mit Vorauskasse)

Hardcover, gebunden, 999 Exemplare, nummerierte und  limitierte Erstausgabe, 170 x 240 mm, 388 Seiten, 38 € / 45 CHF Fachbuchhandel: ars-vobiscum.com 1 Expl. 30% / 5 Expl. 35 % / 10 Expl. 40% zzgl. Versandkosten gemäß Auftragsbestätigung.

Einführung ins Buch durch Herausgeber Harald im Spring


Ein Kommentar zu “„SOS. Worte – Wege – Werte“. Rezension

  1. Lieber Claus Stille,
    Sätze, die über die Breite eines Normalbildschirms hinausragen,
    machen das Lesen unerquicklich. Schade um den interessanten Beitrag

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