Über einen Ukrainer, der sagte „Deitschland gutt, Hitler gutt!“, einen „Vogelfreien“ und die Weisheit: „Die Politik ist die größte Hure!“

Wie sooft um Ostern war es noch sehr kalt. Eine Privatunterkunft nahegelegen eines Dorfes fernab von Liberec war rasch gefunden. Am späten nächsten Morgen erkundeten wir zu Fuß die nähere Umgebung. Der ausgewählte Weg sollte uns hinein in die Berge führen. Doch am Fuß des Weges lockte eine Kneipe. Mein Kollege meinte zum kühlen Wetter passe ein Rum und ein leckeres tschechisches Pils. Was stimmte. Nun aber hinauf in die Berge. Doch da war ein Zigeuner* vor. Lange schwarze schulterlange Haare. Er spielte auf einer Gitarre. „Ahoj!“ grüßten wir freundlich. Er grüßte zurück und fragte nach einer Zigarette. Die sollte er haben. Sogar eine halbe Schachtel der Marke „Mars“. Zum Dank spielte er irgendeine Weise. Nun aber hinauf!

Der dunkle Wald nahm uns kühl aber freundlich auf. Aber nach einer guten halben Stunde begann es stark zu regnen. Da passte es, dass wir bald an einer Art Baude aus Holz anlangten. Bier und Kräuterschnaps sollten uns die Zeit überbrücken, solange es regnete. Die Beine wurden von Bestellung zu Bestellung schwerer. Unser Gemüt lockerte sich auf. Was sollte es? Wir hatten doch schließlich Urlaub. Noch ein Bier. Noch ein Schnaps … Die Gaststube füllte sich. Das Gemurmel verstärkte sich. Gläser klangen. Zigaretten wurden geraucht. Bald sahen wir die Hand fast nicht mehr vor Augen. Die Stunden vergingen. Der Regen blieb. Und wir blieben auch.

Mit zunehmenden Konsum von Alkohol schwoll das Stimmengewirr in der gastlichen Stätte an. Plötzlich fiel uns ein Mann auf. Er trug eine Kordhose und ein Holzfällerhemd. Sein Gesicht war rot. Offenbar hatte er schon einige Gläser intus. Ein Halbliterglas Pils in der Hand klapperte er die um liegende Tisch ab. Augenscheinlich suchte er einen Platz an einem der Tische. Er sprach die Leute an. Sie machten ablehnende Gesten.

Dann kam was kommen musste: er erreichte unsere Tisch. Nachdem er eine Weile, die Ohren spitzend, in dessen Nähe gestanden hatte, schritt er dicht an unseren Tisch heran. Sein bislang düstere Blick hellte sich einem Male auf. „Ihr Deitsch?“, fuhr er uns regelrecht an und reichte uns seine Hand zum Gruß. Perplex schlugen wir ein. „Nemec, ja wir sind Deutsche“, brachte ich leicht stotternd hervor. Unaufgefordert nahm er an unserem Tisch Platz. Er mochte um die Sechzig gewesen sein. Seine gläsernen Augen leuchteten glückselig auf. Dann forderte er uns dazu auf mit ihm anzustoßen. Der Alte knallte sein Glas gegen unsere Biergläser und rief sehr laut aus: „Deitschland gutt! Hitler gutt!“ Erschrocken drehte ich mich nach Reaktionen um. Nichts. Dann setzte er hinzu: „Kommunismus scheiße, Hitler gutt“ Ich blickte meinen Gefährten an und machte ihm eine Andeutung, dass wir vielleicht besser verschwinden sollten. Was, wenn der Mann ein Provokateur der Staatssicherheit war? „Hitler“, sagte ich rasch mit Schweiß auf der Stirn, aber ernstgemeint: „nicht gut. Faschismus, Krieg.“ Da sprang der Alte auf. Ich rechnete mit dem Schlimmsten. Immerhin hatte er noch immer sein halbvolles Glas in der Hand, aus welchem etwas Bier schwappte. Stolz warf er seinen Kopf in den Nacken und reckte sein Kinn in die Höhe und brüllte leicht lallend: „Ich Ukraine! Deitschland gutt! Hitler gutt! Wir Kameraden!“ Mein Kollege sagte noch: „Wir sind keine Kameraden! Und außerdem aus der DDR.“

Was machte ein Ukrainer in der ČSSR? War er ausgewandert? Hatte er eine Tschechin geheiratet?Tausend Dinge gingen mir durch den Kopf. Und wie konnte ein Ukrainer – vielleicht ein Bürger oder ehemaliger Bürger der Sowjetunion, die doch 27 Millionen Tote – davon nicht wenige Ukrainer – im Zweiten Weltkrieg zu beklagen hatte; zu verantworten durch das faschistische Hitlerdeutschland – Hitler und „Deitschland gutt“ finden? Ohne Zweifel ein Nazi reinsten Wassers! Was wir damals unerklärlich fanden. Da hatte ich wohl noch einige Wissenslücken in Geschichte. Von Stepan Bandera, dem Nazikollaborateur, von dem heutzutage der ukrainische Botschafter in Deutschland offenbar soviel hält, hatte ich seinerzeit auch nichts gewusst.

Schließlich beglichen wir nach dieser unschönen Begegnung einigermaßen verwirrt die Rechnung und verließen die Baude. Der Ukrainer schrie uns noch hinterher: „Kommunistenschweine!“ Und spuckte aus. Es hatte aufgehört zu regnen. Als wir uns auf den Weg nach unten in den Ort wendeten, trafen wir auf zwei junge Mädchen. Jünger jedenfalls als wir, die wir Mitte zwanzig waren damals. Mein Kollege, vom Alkohol aufgedreht begann sogleich mit ihnen zu flirten. Dabei sprachen die beiden Mädchen kein Deutsch und der Kollege kein Wort Tschechisch. Lange Rede kurzer Sinn: Das eine Mädchen war meinem Kollegen durchaus zu getan. Keine Ahnung wieso? Eng umschlungen verknoteten sie ihre Zungen und wollten sich gar nicht wieder voneinander lösen.Das andere Mädchen, sie hieß Ivana, war schüchterner. Und ich auch. Da wollte sich nichts richten. Ich wurde eifersüchtig auf meinen Kollegen. Ich rief ihm, der sich mit dem Mädchen etwas entfernt hatte, hinterher: „Die sind doch noch viel zu jung! In Wirklichkeit hätte ich es ihm doch gern gleichgetan. Mein Kollege und auch das Mädchen waren nicht zu bremsen. Was sagt man da? Herz, Schmerz und dies und das …Unten, wo der Weg auf die Hauptstraße stieß, trennten sich die Mädchen von uns. Sogar ich bekam von der schüchternen Ivana ein Küsschen. Dann waren die beiden weg. Als sei nichts gewesen.

Inzwischen war es längst dunkel geworden. Wo jetzt noch Alkohol herkriegen, fragte ich mich. Nach diesen Begebenheiten. Da gab es was zum runterspülen! Doch wir fanden die wenigen Geschäfte und Kneipen geschlossen. Und die Bürgersteige sozusagen hochgeklappt.Plötzlich kam aus einer Seitenstraße ein Mann gelaufen mit zwei dieser riesigen tschechischen einfachen Tischweinflaschen. Eine hatte er am Hals. Die andere in er Hand.Er kam näher und sprach uns auf Deutsch an. Im breitesten Sächsisch. Der Dialekt ließ mich aber auch ans Vogtländische denken. Während der NVA-Zeit hatten wir einen Vogtländer auf der Stube. Den man fast nicht verstand. Sein Dialekt hörte sich an wie eine Mischung aus Sächsisch und Bayerisch.

Der Mann fragte uns nach unserer Herkunft und die Pläne für unseren Urlaub. Zudem bot er von seinem Wein an. Es war Kirschwein. Schließlich fragte ich neugierig: „Woher kommst du denn? Machst du auch Urlaub?Der Mann lachte und antwortete: „Ich wohne hier. Ich bin vogelfrei.“ Ursprünglich stamme er wie wir auch aus der DDR. Er habe aber keinen Ausweis mehr. Auch keinen der ČSSR. Wir stutzten: Vogelfrei?

Wie konnte das sein. Man erklärt jemanden für vogelfrei, wenn man ihm bisher gewährten Schutz entzieht, ihn aus dem Schutz der Gesellschaft ausstößt. Derjenige ist also schutzlos. War so etwas möglich? Schließlich lebten wir nicht mehr im Mittelalter! Diese Redensart ist schon sehr alt, las ich später, jedoch sei sie früher anders verwendet als heute. Noch zu Zeiten Luthers verstand man unter einem Vogelfreien jemanden der „frei wie ein Vogel“ lebt. Das deutete eigentlich auf ein unbeschwertes, vielleicht sogar im Wesentlichen glücklichen Menschen hin. So wirkte aber der etwa 30-jährige ganz und gar nicht …

Er könne jederzeit verhaftet werden, meinte er. Er müsse sehen, nirgends aufzufallen. Hatte er Arbeit? Von was lebte er? So recht wollte er nicht mit Sprache heraus.Dass interessierte mich, als jemanden, der schon damals ehrenamtlich journalistisch arbeitete.Kurzerhand luden wir den jungen Mann ein, mit in unsere Privatunterkunft zu kommen. Wir bangten zunächst erwischt zu werden. Aber die Fenster des Vermieters waren dunkel. Außerdem hatten wir einen separaten Eingang. Oben in unserer Kemenate sprachen wir reichlich dem Wein zu. Und unterhielten uns. Unterhielten? Es war schwierig den nuschligen Dialekt unseres Gastes zu entschlüsseln. Was hieß, immer wieder nachzufragen. Stimmte das überhaupt, was der erzählte? Vielleicht band er uns einen Bären auf. Aber wie das nachprüfen? Wir sprachen durchaus über Politisches. Darüber etwa, dass das so mit dem Sozialismus nicht weitergehen könne. Aber die Nacht war vorangeschritten. Der Alkohol tat seine Wirkung. Nicht besonders guten Gewissens baten wir den „Vogelfreien“ schließlich zu gehen. Was würde der Vermieter sagen, wenn er früh einen „Gast“ bei uns anträfe.

Um noch eine Mütze Schlaf zu nehmen, legten wir uns nach der Verabschiedung hin. Als ich vor acht Uhr früh als erster erwachte, blickte ich aus dem Fenster und erschrak: Es hatte geschneit! In der Ferne sah ich wir ein mit gelben Rundumleuchten bestückter Schneeflug eine Straße vom Schnee räumte. Mein Trabant hatte keine Winterreifen! Auch Schneeketten hatte ich nicht mit. Dann beruhigte ich mich: Solange die wichtigsten Straßen geräumt sein würden, bekämen wir gewiss keine Probleme. Nur den Ausflug zur Schneekoppe den konnten wir wohl abschminken. Am nächsten Tag erfuhren wir vom Vermieter ohnehin, hinauf zur Schneekoppe (tschechisch: Sněžka) könne man momentan nicht. Schließlich lag die andere Seite der Schneekoppe (polnisch: Śnieżka) auf polnischer Seite. Da gelte bekanntlich noch Kriegsrecht. Weshalb man von tschechischer Seite niemanden herauflasse.

Denn oben könne ja die Grenze nach Polen übertreten werden.

Wir beschlossen unseren Kurzurlaub noch mit einer kleinen Tour durch das Riesengebirge. Der Schnee war glücklicherweise bald getaut. Als es nach einer Wanderung wieder einmal regnete, suchten wir abermals ein Kneipe auf. Am letzten Tag sollte es noch einmal einen heißen Grog mit tschechischem Rum geben. Wieder einmal kamen wir mit einem Menschen ins Gespräch. Es handelte sich um einen älteren Herrn, einen Sudetendeutschen. Einer der nach 1945 offenbar nicht hatte auswandern müssen. Vielleicht war er mit einer Tschechin verheiratet? Zum Abschluss des Abends gab er uns seine Lebensweisheit mahnend mit auf dem Weg: „Denkt daran Burschen, die Politik ist die größte Hure!“Das machte uns nachdenklich. Aber hatten wir es wirklich richtig verstanden? Heute besteht in höchstem Male darüber Gewissheit. Klar, der Sinn der Lebensweisheit des sudetendeutschen Mannes ist verstanden. Aber auch hundertprozentig stimmig?Ich wende ein: Betrachte ich die heute Verantwortung tragenden Politiker*innen so und das, was sie über die Jahrzehnte angerichtet haben und gegenwärtig weiter anrichten, dann würde ich gern meine Hand schützend über die Huren halten. Mit diesen Leuten in Verbindung gebracht zu werden – das haben sie nicht verdient. Viele von ihnen haben nämlich eine gute Seele und so manche der Sexarbeiterinnen hat auch ein großes Herz.

*Die Bezeichnung Zigeuner war damals gebräuchlich. Im Tschechischen: Cikán.

Beitragsbild: via Pixelio.de – Foto: Renate Tröße. Eine Aufnahme aus dem Riesengebirge.

Scholz-HiWis polieren Sankt Selenskyis Scheinheiligen-Schein

Ein Artikel von Friedhelm Klinkhammer & Volker Bräutigam

Der Ukrainer nutzt den Krieg und die Faschisten, um sich an der Macht zu halten. Preisfrage: Wann lief die letzte 20-Uhr-Tagesschau ohne Beitrag über Ukraines Präsidenten Selenskyj – albern kostümiert in NATO-Oliv, Waffen und Geld fordernd? „Selenskyj“ im Suchfeld auf tagesschau.de ergibt für die letzten drei Monate mehr als 1 400 Treffer. Tagesschau.de listet darunter mehr als 500-mal Selenskyj-Videos: Heldenverehrung für einen ferngesteuerten Gewaltherrscher, der den Kriegszustand zur Festigung der eigenen Position verlängert und dafür täglich hunderte Menschenleben opfert. Hingegen verschwieg die Tagesschau den weltweit beachteten Rat des einstigen US-Außenministers Henry Kissinger, Selenskyj solle zur Vermeidung einer gesamteuropäischen Katastrophe freiwillig Territorium an Russland abtreten und Frieden schließen. Kissingers Realismus passte der giftgrün-linientreuen ARD-aktuell-Redaktion ersichtlich nicht in den Propagandakram. Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Selenskyj ist US-Präsident Bidens Büttel in Europa, vor dem sich die hiesigen Regierungschefs untertänigst zu verneigen haben. Warum sie buckeln, anstatt sich an ihren mutigen lateinamerikanischen Kollegen ein Beispiel zu nehmen, könnte vielleicht der US-Geheimdienst NSA näher erklären. Er hört schließlich ungehindert und flächendeckend bei uns ab, Ex-Kanzlerin Merkel kann’s bezeugen. Politiker erpressen gehört zu den leichteren Formen der US-Regierungskriminalität.

Selenskyj erfüllt das Interesse des US-geführten militärisch-industriellen Komplexes an einem langen Krieg. Schließlich verbraucht die Ukraine derzeit in drei Monaten

das Äquivalent von mindestens zwei Jahresproduktionen der gesamten westlichen Rüstungsindustrie.“

Alastair Crooke, vormals britischer Diplomat, Vermittler mehrerer Waffenstillstandsabkommen in Nahost, verweist auf den übergeordneten geopolitischen Hintergrund:

Die Fixierung auf die Ukraine ist im Grunde nur ein Deckmantel, der über die Realitäten einer in Auflösung begriffenen globalen Ordnung gelegt wird.

Erst, seit er den Kriegsfürsten von Washingtons Gnaden spielen darf, genießt der Showman Selenskyj die intensive Zuwendung seiner westeuropäischen Kollegen. Davor hatten sie und ihre Medien ihn als Wichtigtuer abgetan. Noch ein Jahr nach seinem Amtsantritt kommentierte ARD-aktuell-Korrespondent Demian von Osten:

Anders will er sein – und macht große Versprechungen … : ‚Ich bin bereit, das Sterben unserer Soldaten um jeden Preis zu stoppen!‘ … Der in Paris vereinbarte Waffenstillstand hat (aber) nicht geklappt. Wie schon oft zuvor.“

In jenem Mai 2020 nahm Russland es noch hin, dass die ukrainische Armee ihre Mitbürger im Donbass blutig bekriegte und Kiew jedes Waffenstillstandsabkommen brach.

Versager in jeder Hinsicht

Selenskyj stand zeitweise im Wertewesten sogar auf der „Verschissliste“, zum Beispiel, weil er den korruptionsverdächtigen US-Präsidenten Biden und dessen Sohn Hunter bei ihrer privaten Abzocke im Ukraine-Gasgeschäft nicht ausreichend effektiv abgeschirmt hatte (angeblich strichen Vater und Sohn Biden damals nebenher schlappe 1,5 Millionen US-Dollar ein). Zudem unternahm Selenskyj nichts Entscheidendes gegen die übermächtigen ukrainischen Oligarchen.

Um seine Macht abzusichern, war er nur allzu schnell bereit, entgegen seinem Wahlversprechen „Beendigung des Bürgerkrieges in der Ostukraine“ auf die Rückeroberung des Donbass und der Krim zu setzen. Zum Wohlgefallen Washingtons und der NATO-Kriegsknechte behauptete er einfach, Russland bedrohe ganz Westeuropa. Schon während seines Antrittsbesuchs bei Bundeskanzlerin Merkel in Berlin warb er dafür, die Russlandsanktionen zu verschärfen; Merkel war damals klug genug gewesen, das abzulehnen.

Dass das Präsidentenamt etliche Nummern zu groß für ihn ist, lässt sich mit Zahlen und Fakten aufzeigen: Bis kurz vor dem Krieg kehrten 4 Millionen Ukrainer ihrer von heimischen Oligarchen und westlichen „Investoren“ ausgesaugten Heimat den Rücken. Das waren zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Gegen den entschiedenen Willen seiner Mitbürger hob Selenskyj am 1. Juli 2021 das sakrosankte Verbot auf, staatlichen Wald- und Ackerboden an private Käufer zu veräußern. Er entsprach damit der erpresserischen Forderung des Internationalen Währungsfonds, im Gegenzug für 8 Milliarden Dollar Kriegskredite.

Ukrainische Oligarchen können jetzt zulasten vieler Pächter aus ärmeren Bevölkerungsschichten Land aufkaufen und auch als Strohmänner westlicher Immobilienhaie agieren. Größter Gewinner beim Ausverkauf der Ukraine dürfte der US-amerikanische Spekulant George Soros werden.

Größter politischer Verlierer bei der miesen Nummer war Selenskyj selbst. Hatten ihm zu Beginn jenes Jahres noch 61 Prozent der Ukrainer vertraut, so fand er am Ende nur noch 38 Prozent Zustimmung.

Wundersame Wandlung

Im vorigen Jahr verzeichnete die Ukraine 9,4 Prozent Inflation. Wie hoch der Geldwertverlust seither ist, lässt sich wegen des Krieges nicht abschätzen. Das monatliche Durchschnittseinkommen fiel von 641 Dollar im Dezember 2021 auf nur noch 521 US-Dollar im Januar. Wie niedrig es seit Kriegsbeginn wurde, ist unbekannt. (Zum Vergleich: das durchschnittliche Monatseinkommen in Deutschland beträgt 4800 Dollar).

Bereits vor dem russischen Einmarsch hatte Präsident Selenskyj die Ukraine stark militarisiert und den Bürgerkrieg gegen die Maidan-Gegner im Osten intensivieren lassen, trotz Kiews ökonomisch desolater Verhältnisse und seiner korrupten Strukturen. Er ist mitverantwortlich für den gewaltsamen Tod von 14 000 Zivilisten im Donbass: Sein verheerender Feuerüberfall vom 16. Februar beim Versuch, den Widerstand der Ostukrainer endgültig niederzuschlagen, veranlasste die russische Invasion. Mehr als 1000 ukrainische Artilleriegranaten und Raketen schlugen an jenem Tag in die Wohngebiete der Donbass-Republiken ein; die OSZE registrierte in den fünf folgenden Tagen jeweils noch höhere Zahlen.

Selenskyjs Bürgerkrieg machte ihn jedoch nicht etwa zur Unperson, sondern die transatlantische US-Gefolgschaft inszenierte seine wundersame Wandlung – vom großmäuligen Versager zum verehrungswürdigen Freiheitskämpfer. Zum umschwärmten Oberhaupt eines Staatsgebildes, das es aus westlicher Sicht rechtfertigt, den Dritten Weltkrieg zu riskieren.

Es ist und bleibt unfassbar: Die US-NATO-EU-Eliten und ihre journalistische Entourage haben es geschafft, die Mehrheit unserer Mitbürger zu kritiklosen Unterstützern einer ukrainischen Präsidentenmarionette zu deformieren. Zu Befürwortern umfangreicher Waffenlieferungen und Geldgeschenke in Milliardenhöhe, obwohl uns das mitschuldig werden lässt am Massensterben und ungezählten Verbrechen in der Ukraine. Wir sind angeblich „zur Hilfe verpflichtet“, obwohl uns das zur Kriegspartei macht; obwohl viele deutsche Waffen auf den Schwarzmarkt und in die Hände von internationalen Terroristen geraten; obwohl die Euro-Milliarden in ein Fass ohne Boden fließen. Dass ein beachtlicher Teil der Hilfsgelder in privaten Taschen verschwindet, lässt sich ja nicht mehr leugnen.

Die weitgehende Gleichgültigkeit gegenüber dem Jahrhundertskandal ist ein Meisterstück der Massen-Manipulation mithilfe unserer Leitmedien.

Nachdenken unerwünscht

Ohne selbst von Russland bedroht zu sein, nehmen wir essenzielle Einschränkungen unseres Alltags in Kauf: explodierende Lebenshaltungskosten, Gefährdung der Grundversorgung, der Arbeitsplätze, des sozialen Friedens, unserer Freiheitsrechte. Dies alles zugunsten eines korrupten und verkommenen Staates, mit dem wir nichts am Hut haben und über den die meisten Deutschen kaum etwas wissen. Über das gleichgeschaltete Tagesschau-Niveau hinaus können sie sich über die Lage in der Ukraine ja nur mit großem Zeitaufwand und vieler Mühe zutreffend informieren. Das verhindern schon die EU und die deutschen Zensurbehörden. „Feind-Medien“ sind verboten. Hatten wir das alles nicht schon mal …?

Unter solchen Rahmenbedingungen machen in Deutschland Kriegsbefürworter und Flachdenker Karriere. Die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann, bedauerlicherweise zur Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages avanciert, reagierte auf die Bemerkung

die Ukraine ist ein hochgradig korrupter Oligarchenstaat ohne Pressefreiheit“

mit folgendem Aberwitz:

Es ist Fakt, dass in den vergangenen Jahren die Ukraine ein deutliches Problem mit Korruption hatte. Präsident Selenskyj setzt sich seit seiner Wahl dafür ein, dieses Problem zu lösen. … Im Gegensatz zu Russland herrscht in der Ukraine Pressefreiheit.“

Nur ein Schelm gibt mehr, als er hat. Die hier wörtlich zitierte Lindner-Vertraute ist eben intellektuell nicht so begütert, um ohne derartigen Unsinn auszukommen.

Nicht nur hat die Ukraine ein „Problem mit Korruption“, Selenskyj persönlich ist korrupt. Seinen Wahlkampf ließ er sich vor drei Jahren vom Oligarchen und Medienmogul Kolomoyskyi finanzieren und besetzte zum Dank dafür wichtige Staatsämter mit Leuten aus Kolomoyskyis Dunstkreis. Der Banker und Milliardär Kolomoyskyi war wegen Betrügereien nach Israel geflüchtet, Interpol fahndete nach dem Mann mit den drei Pässen. Nach Selenskyjs Wahl durfte er trotzdem zurückkehren, Strafverfolgung musste er nicht mehr befürchten. Oligarch Rinat Achmetow, der reichste Mann der Ukraine, ließ seine Beziehungen spielen und erreichte, dass Selenskyj Denys Schmyhal zum Ministerpräsidenten ernannte, einen Manager aus Achmetows Firmenimperium.

„Pressefreiheit in der Ukraine“: Vor einem Jahr hatte Selenskyj drei oppositionelle Nachrichtensender verbieten lassen, ohne jegliche Rechtsgrundlage. Kritische Journalisten lässt er verfolgen, Andersdenkende haben in der Ukraine das Fürchten gelernt. Zum Instrumentarium seines repressiven Vorgehens gehören Gewaltandrohung, Lizenzentzug und Kontensperrungen, darüber hinaus die willkürliche Festnahme.

Unkenntnis oder Verlogenheit

Die von Strack-Zimmermann demonstrierte Unkenntnis – falls es sich nicht nur um simple Verlogenheit handelte, womit die Frau ja nicht alleine wäre – lässt ahnen, wie es den westlichen Eliten und ihrer journalistischen Gefolgschaft möglich war, den Schlimmfinger Selenskyj binnen Kurzem zur Lichtgestalt zu modulieren: dreist lügen, Realität ignorieren.

Wenn Selenskyj in TV-Sendungen sein schamloses Mantra runterleiert – „Waffen, Waffen, Waffen,“ und „Geld, Geld, Geld“ – dann serviert die Tagesschau im O-Ton. Das Publikum ist längst abgestumpft. Dem vollends angewiderten Zuschauer bleibt nur das Abschalten. Wer hält auch einen TV-„Star“ wie Botschafter Andrij Melnyk noch aus? Den ließ die Tagesschau in den vergangenen Wochen 131-mal per Meldung und 18-mal in Videoclips seine so unfasslichen, ungestraften Unverschämtheiten vortragen.

Selenskyj gibt sich siegessicher. Unberührt davon, dass die Russen bereits 20 Prozent seines Staates unter militärischer Kontrolle und zu 100 Prozent die Lufthoheit über die Ukraine haben. Sieben Millionen Menschen, zumeist Frauen und Kinder, sind vor dem Krieg ins Ausland geflüchtet, täglich sterben bis zu 500 Männer den „Heldentod“. Selenskyj aber weiß sich bei seinen Durchhalteparolen einig mit gewissenlosen US-Marionetten wie dem Briten Boris Johnson; er stützt sich darüber hinaus auf Kanzler Scholz, dessen Vize Habeck sowie auf Trampoline Baerbock. Das Credo dieser nicht eben hellsten Glühbirnen im geopolitischen Raum:

Die Ukraine muss gewinnen“.

Die dumpfe Russophobie liegt vermutlich in der deutschen DNA. Rache für Stalingrad geht vor Nachdenken und Differenzieren? Unsere Volksvertreter können oder wollen aus Ignoranz, Borniertheit oder Hass nicht würdigen, dass die Sowjets friedfertig aus der DDR abgezogen sind, dass Russland sich gegenüber Deutschland stets vertragstreu verhalten und uns nie mit Angriff oder harter Kante bedroht hat. Wenn sich Aggressivität zeigte, dann war sie deutschsprachig. Obwohl es für Moskau ein Leichtes wäre, mit einem Stopp aller Energie- und Rohstofflieferungen den Exportweltmeister Deutschland in den Abgrund zu kippen.

Von Faschisten abhängig

Selenskyj ist ein Blender. Es geht ihm nicht um sein Land. Die Leiden seiner ukrainischen Bürger rühren ihn offenkundig nicht wirklich, er sieht nur sein Ego:

Heute ist mein Leben schön. Ich glaube, dass ich gebraucht werde. Ich glaube, das ist der wichtigste Sinn des Lebens – gebraucht zu werden. Zu spüren, dass man nicht nur eine Leere ist, die nur atmet, geht und etwas isst. Du lebst.“

Die ukrainische Wissenschaftlerin Olga Baysha befürchtet, Selenskyj genieße die einmalige Gelegenheit, auf einer globalen Bühne aufzutreten, die ihm der Krieg bot:

Er hat sein Leben schön gemacht; er lebt. Im Gegensatz zu Millionen von Ukrainern, deren Leben überhaupt nicht schön ist, und zu Tausenden von denen, die nicht mehr am Leben sind.“

Selenskyj hat sich nie rechtsextremistisch geäußert. Tatsächlich aber duldet er, dass nationalistische Ultras, Faschisten und Neonazis den politischen Prozess in der Ukraine kontrollieren und gewaltsam gegen alle vorgehen, die es wagen, sich ihnen und ihrer Kriegstreiberei gegen Russland entgegenzustellen. Mithilfe dieser faschistischen Kreise sichert der Schauspieler seine Macht.

Der Bundesregierung ist das selbstverständlich bekannt. Über den Einfluss der Rechtsextremisten auf die Politik der Ukraine urteilte die staatlich finanzierte „Stiftung Wissenschaft und Politik“, SWP:

Auch wenn rechte und rechtsextreme Parteien bei den Wahlen seit 2014 keine nennenswerten Erfolge erzielen konnten, hat nationalistisches Gedankengut in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um den Konflikt im Osten (wie auch bei anderen Themen) erheblichen Einfluss. Es gelingt nationalistischen Akteuren immer wieder, die politische Führung zur Anpassung ihrer Politik zu zwingen.“

Angesichts all dessen sind die „standing ovations“ im Deutschen Bundestag – für den präsidialen Komplizen ukrainischer Faschisten! – erst recht nicht mehr zu begreifen.

Präsident und Steuerbetrüger

Die Angaben über Selenskyjs Privatvermögen schwanken: Sie reichen von 30 Millionen bis 1,4 Milliarden US-Dollar. Nach Angaben der Bundeszentrale für Politische Bildung steht fest: Er war an Offshore-Briefkastenfirmen beteiligt und bezog dafür steuerfrei 41 Millionen Dollar vom Oligarchen Ihor Kolomojskyj. Vor seiner Wahl zum Präsidenten hatte er diese Firmenanteile zwar formell auf Dritte überschreiben lassen, gleichwohl aber weiter Zahlungen aus diesem Vermögen empfangen. Vermittels Tarnfirmen seien in London Luxuswohnungen für mehrere Millionen Dollar gekauft worden, auch eine teure 413-qm-Villa in Italien, die allerdings inzwischen wieder verkauft wurde. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt Selenskyjs Vermögen auf rund 30 Millionen Dollar, bestehend aus Aktien, Luxuswohnungen, Grundeigentum, Schmuck und Autos.

Stinkreich, fühlt er sich nun dazu berufen, im Auftrag und Interesse der USA den permanenten Krieg in Europa zu schüren. Er hält es für sein gutes Recht, seinen hiesigen Verbündeten auf der Nase herumzutanzen, Unsummen aus ihren Staatskassen abzugreifen und ihre Repräsentanten nach Belieben vor den Kopf zu stoßen. Als er sich jüngst den Besuch des Bundespräsidenten Steinmeier in Kiew verbat und unserer Silberpappel vom Schlosspark Bellevue die Einreise in die Ukraine sogar verbot, schleimte die Tagesschau nur in typisch miesem Deutsch:

Die Absage der Ukraine für eine Reise von Bundespräsident Steinmeier nach Kiew hat bei der Bundesregierung Verwunderung ausgelöst. Die Verstimmung in der Ukraine ist offenbar gewaltig.“

Diese Verharmlosung entspricht dem in Westeuropa regierenden Unterdurchschnitt von Scholz über Habeck, Baerbock und Lindner bis v.d. Leyen, die den Selenskyj wie einen Säulenheiligen behandeln und ihm Opfergaben darbringen (es ist ja nicht ihr eigen Geld, sondern nur das der Steuerzahler). Tagesschau-Meldung:

Haushaltsdebatte im Bundestag: 50 Milliarden neue Schulden wegen Ukraine-Krieg“.

Kaum jemand regt sich darüber auf. Obwohl damit mehr als erklärlich ist, dass in Deutschland die Preise für Energie und Nahrungsmittel durch die Decke gehen und der konjunkturelle Absturz droht. So wirkt die Meinungsmache hierzulande:

„…grassierende Fremdbestimmung durch Manipulationen und groß angelegte Kampagnen … Als Ergebnis wäre festzustellen, dass es immerhin, ziemlich scharf getrennt vom gläubigen Publikum, einen verlässlichen Kreis von kritischen, aufgeklärten Mitmenschen gibt. Leider noch eine Minderheit.“

Daraus kann allerdings eine frustrierte und erzürnte Mehrheit werden – wenn die Tagesschau so weitermacht und mit schäbigster journalistischer Konfektion die Bildungs- und Chancenlosen blendet.

Beitragsbild: Screenshot Tagesschau

Anmerkung der Autoren: Unsere Beiträge stehen zur freien Verfügung, nichtkommerzielle Zwecke der Veröffentlichung vorausgesetzt. Wir schreiben nicht für Honorar, sondern gegen die „mediale Massenverblödung“ (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden vom Verein „Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtlicher Medien e.V.“ dokumentiert: publikumskonferenz.de/blog

Volker Bräutigam (links) und Friedrich Klinkhammer. Foto: C. Stille

Hinweis:

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.