„Links blinken, rechts abbiegen“ Von Eva C. Schweitzer. Rezension

Eva. C. Schweitzer schreibt mir aus dem Herzen. Und sie nimmt kein Blatt vor der den Mund. Sie schreibt sozusagen Tacheles. Großen Dank dafür! Die Zeit ist längst reif dafür. Und das ist gut so. Politische Korrektheit, Wokeness und letzlich die Gendersprache, die wahrscheinlich nicht nur mir übel aufstößt, weil sie inzwischen Funk und Fernsehen erobert hat, nennt Schweitzer „Gender-Schluckaufsprache“. Passt wie die Faust auf’s Auge!

Nebenbei bemerkt: Elke Heidenreich zum Genderwahnsinn

Erst kürzlich hatte Elke Heidenreich harte, aber klare Worte zum Genderwahnsinn gefunden. Und später in einer Lanz-Talkshow hatte sie noch einmal deutliche Worte zum Ansinnen mancher gesagt, die fänden,

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Screenshot Steimles Aktuelle Kamera: C. Stille

man müsse nun auch vielleicht vor hundert Jahren geschriebene Literatur politisch korrekt verändern: Ein Kunstwerk ist ein Kunstwerk. Und das bleibt so, wie es geschrieben wurde, beschied sie. Befänden sich darin eben Begriffe oder Wörter wie etwa das N-Wort, dann könne man heutigen jüngeren Lesern in einem Anhang erklären, dass diese Begriffe damals üblich waren – sie man jedoch heute nicht mehr verwenden würde.

Der Fall Sarah-Lee Heinrich

Heidenreich äußerte sich auch zu Sarah-Lee Heinrich. Die junge Frau war am Sonnabend zur Bundessprecherin der Grünen Jugend gewählt worden – und erlebt seitdem einen Shitstorm. Dabei geht es um mehrere Tweets, die sie im Alter von 13, 14 Jahren geschrieben hat – und die als rassistisch und sexistisch empfunden werden. So hatte sie 2015 „Heil“ unter einen Tweet mit Hakenkreuz geschrieben und ein andere Mal von der „eklig weißen Mehrheitsgesellschaft“ gesprochen. Heinrich tritt zu recht gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Ist das etwa kein Rassismus – noch dazu in pauschalisierter Form?

Heidenreich sagte bei Lanz über Heinrich, „sie hat überhaupt keine Sprache. Sie kann gar nicht sprechen. Das sind wieder Kinder, die nicht lesen, das ist diese Generation, von der ich immer wieder merke, wie sprachlos sie ist, wie unfähig mit Worten umzugehen.“ Heidenreich fuhr fort, zu erklären, sie habe „das Gefühl, dass das ein Mädchen ist, was nicht genug nachdenkt.“

Die Antideutschen, eine schrille Politsekte

Glasklar kehrt Eva C. Schweitzer hervor, was es mit den Antideutschen auf sich hat. Einstige Linke, die gegen die Wiedervereinigung Deutschlands waren und sich seither unverbrüchlich an die Seite der USA und Israels stellen. Auch wenn von denen noch so große Verbrechen begangen werden. Im Grunde eine äußerst fragwürdige sektenähnliche Veranstaltung. Offenbar haben sie eine große Nähe zu den Neokonservativen in den USA. Vorgeblich – bzw. sie glauben das wohl selbst tatsächlich – haben sie sich den Kampf gegen den Antisemitismus sowie die (offensichtlich unkritische) Unterstützung und dem Schutz Israels auf die Fahnen geschrieben. Wie – mag man sich als halbwegs normal denkender Mensch fragen – konnte sich bei den antideutsch unterwegs befindlichen Menschen ein solch verqueres Gedankenbild einnisten?

„Die Antideutschen sind eine kleine, aber schrille Politsekte, die links zu sein glaubt, bei Lichte betrachtet aber schon rechts angekommen ist und dem deutschen Belehrbedürfnis frönt. Einige waren mal Funktionäre in kommunistischen Gruppen der Studentenbewegung, andere kommen vom Schwarzen Block oder sind bloß Anti-Ostdeutsche, die Kleinbürger verachten. Sie haben viele Sympathisanten in den Medien. Das verleiht ihnen viel mehr Einfluss auf politische Debatten, als gut ist. Eva C. Schweitzer zeigt die Ursprünge dieser Ideologie in den USA auf, legt den schädlichen Einfluss der Antideutschen offen und erklärt, wer hinter diesem Phänomen steckt.“ Quelle: Westend Verlag

Auf den ersten Blick vermeintlich fortschrittliche Bewegungen kommen meist aus den USA. Wir erinnern und etwa an Political Correctness (Politische Korrektheit). Damit verbundene Handlungen können aber durchaus totalitäre Ausmaße annehmen und statt für Gerechtigkeit zu sorgen Unrecht zur Folge haben.

Autorin Schweitzer berichtet von einem Fall in einer US-Universität. Da traf ein weißer Uni-Bediensteter während unterrichtsfreien Zeit eine farbige Studentin mit einem Lunchpacket im Gebäude an und fragte sie, was sie denn zu dieser Zeit da mache. Die Studentin beschwerte sich. Wegen vermeintlichen Rassismus wurden zwei Personen entlassen. Oder ein anderer Fall: Ein TIMES-Reporter zitierte lediglich das N-Wort. Er wurde gefeuert!

Eva C. Schweitzer erinnert in diesem Zusammenhang an den Roman „Der menschliche Makel“ von Philip Roth: Der Universitätsprofessor Coleman Silk steht vor dem Nichts. Ein einziges unbedachtes, angeblich rassistisches Wort genügte, um sein Leben zu zerstören: Als jüdischer Professor für klassische Sprachen und Literatur bezeichnet er in einem Seminar zwei unbekannte, permanent abwesende Studenten, als „dunkle Gestalten, die das Tageslicht scheuen“.

Als sich herausstellt, dass die beiden schwarzer Hautfarbe sind, wird der Vorwurf des Rassismus laut.

Sein glänzender Ruf ist verloren, seine lange Karriere beendet und seine Frau stirbt, da sie die Anfeindungen und den Druck ihrer Umwelt nicht mehr erträgt.

Eva C. Schweitzer: „Ja, wenn der Wahn Pirouetten dreht, verschwimmen die Farben“

Apropos schwarz! Eva C. Schweitzer zitiert aus der ZDF-Reportage 37 Grad aus Facebook, was schwarz bedeutet: „Keine Hautfarbe nämlich oder Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe, sondern eine politische Selbstbezeichnung von afrodiasporischen Menschen mit Rassismuserfahrung.“ Das hinterlasse einen mit vielen Fragen. „Sind Inder aus Südafrika, Chinesen aus Angola, Juden aus Algerien und Araber aus dem Sudan schwarz, wenn sie in Europa Rassismus erfahren? Und was ist mit Afrikanern, die daheim bleiben – sind die nicht schwarz? Und welche Farben eigentlich Afroamerikaner und hier geborene schwarze Deutsche? Ja, wenn der Wahn Pirouetten dreht, verschwimmen die Farben.“

Falschdenk“

Mittlerweile, so die Autorin, würden an US-Universitäten Professoren oder auch Journalisten schon einmal des „Falschdenk“ bezichtigt. Die Studenten, so meine selbst Josef Joffe, gingen gegen die alten Eliten von gestern an. (Dazu ein Beitrag Joffes in der NZZ.)

Deren Frevel sei nicht das Tun, sondern das Sein, das Weißsein.

Wem, so Schweitzer, „würden in dieser Beschreibung nicht die Antideutschen einfallen oder ihre geistigen Väter, die Bücher verbrennenden Nazi-Stundeten, denn in Woke-Land haben die Antideutschen eine neue politische Heimat gefunden.“

Vorwort zum Buch von Eva C. Schweitzer

„In dem Film The Invasion of the Body Snatchers (Invasion der Körperfresser) landen riesige Schoten aus dem All in einer Kleinstadt in Kalifornien. Nach und nach nehmen die Schoten das Aussehen von den Menschen an, die dort leben, und ersetzen die insgeheim durch außerirdische Doppelgänger – Doppelgänger, die den Befehlen der Aliens folgen. Und nur langsam und ungläubig begreifen die echten Menschen, was gerade passiert. Der Kultfilm gilt als Parabel auf die McCarthy-Zeit oder auch auf den Sowjetkommunismus. Und ganz ähnlich wie in dem Film fühle auch ich mich gelegentlich, wenn ich manche alten Freunde wiedersehe. Ach, den haben sie jetzt auch durch einen woken Klon ersetzt …?

Bin ich nicht selbst eine von denen? Sicher, ich trete für gleiche Rechte für alle ein. Ich kaufe keine Käfig-Eier, und wenn ich einen Mietwagen nehme, dann einen Toyota Prius. Ich lebe in New York City, der multikulturellen Metropole des Westens. Meine Freunde sind schwul und polyamourös, arabisch und jüdisch, chinesisch und österreichisch, Apachen und Australier und natürlich Amerikaner. Und Deutsche, viele mit ähnlich internationalem Hintergrund wie ich.

Ich gucke Nachrichten auf BBC World, habe die New York Times abonniert, kaufe in der Bronx ein und kann mich mit einem chinesischen Händler über den angemessenen Preis für eine vom Lastwagen gefallene Flasche Chanel N˚5 streiten. Ich war auf der Gay Pride Parade, lange bevor die von Apple, Google und Facebook ferngesteuert wurde, und würde niemals einen Auftragnehmer ablehnen, weil er oder sie schwarz ist. Kurz, ich bin links, aber aus einer Zeit, wo die Linke für die Freiheit angetreten ist, nicht für die DDR 2.0.

Nun lebe ich selbst in der globalen, von den USA geschaffenen Woke-Republik, die letztlich ein Amalgam aus politischer Agenda, den Interessen globaler Konzerne und Popkultur darstellt. Und ich beobachte, wie Amerika die nach Deutschland exportiert – und wie Deutschland begeistert drauf einsteigt und Amerika gelegentlich sogar noch überbietet.

Fußballstadien leuchten in den Regenbogenfarben. In fast allen Werbespots tauchen Schwarze auf, kaum aber türkisch- oder arabischstämmige Menschen oder auch Russlanddeutsche, obwohl von ihnen wesentlich mehr in Deutschland leben und sie eigentlich als Zielgruppe relevanter wären. Unternehmen entscheiden, dass es in ihren Kantinen keine Currywurst mehr gibt.

Zeitungen gendern und nonbinären, was das Zeug hält, statt »Indianer« heißt es »I-Wort«, Kämpfer für Black Lives Matter lassen sich nicht mal von Corona davon abhalten zu demonstrieren, und die Innenstädte sind so multikulti, dass die Gentrifizierung nicht mehr auffällt. Deutschland fühlt sich manchmal wie ein riesiges Portlandia an, die halbfiktive Stadt in der Satiresendung über das Westküsten-Hipster-Paradies. Kuba ist wie die DDR mit Palmen. Die Woke-Republik Deutschland ist wie Amerika mit Vollkasko.

Es gibt ein Spielchen in Amerika, das geht so: Wann hast du gemerkt, dass die woken Zeitgeister Body Snatchers sind? Bei manchen weißen Studenten aus ärmlichen Verhältnissen fing das an, als sie von Professoren als »privilegiert« beschimpft wurden, die ihrerseits sechsstellige Gehälter bekommen.

Andere wurden skeptisch, als Black-Lives-Matter-Aktivisten die Plünderungen von kleinen Geschäften rechtfertigten, die meist Immigranten gehören. Bei manchen geschah es, als Leute, vor allem aus dem Arbeitermilieu, ihren Job verloren, wie etwa ein Lastwagenfahrer, dem (völlig zu Unrecht) vorgeworfen wurde, er habe aus dem Autofenster heraus White Power signalisiert. Es sind allesamt Habenichtse, die Opfer von Woke Capitalism wurden.

Bei mir fing es an, als biologische Männer Transfrauen genannt werden wollten – eigentlich weniger deswegen, von mir aus kann sich jeder als Klingone oder Indianerhäuptling identifizieren –, sondern weil fast alle großen Zeitungen und die Öffentlich-Rechtlichen das kritik- und gehirnlos mitmachen. Und nicht nur mitmachen, es ist, als sei dies das drängendste Problem in einer Zeit des Sozialabbaus und der globalen Flüchtlingsbewegungen.

Der New York Times war es ein größeres Anliegen, Transfrauen den Zugang zu Mädchentoiletten freizukämpfen, als über den Syrienkrieg zu berichten. Die Zeit präsentierte einen Transmann (eine biologische Frau), die, Wunder der Natur, schwanger war. Und irgendeiner von diesen über-woken Öffi-Ablegern forderte auf Facebook, obdachlose Frauen sollten kostenlos Tampons bekommen, bestand aber darauf, diese Frauen »Personen« zu nennen.

Das Schrille daran war, dass sich die folgende Debatte nur an diesem Begriff verbiss und nicht an der Forderung selbst, dass aber die Medienmacher keinen Millimeter von ihrer Terminologie abrückten – es war ihnen wichtiger, das identitätskarnevaleske Regelwerk in die Köpfe zu zementieren als obdachlosen Frauen zu helfen. Es war, als beobachte man Klone, die stur Befehle aus dem Weltraum befolgten.

Es ist nicht die Politik, die irritiert. Vor mir aus kann die Stadt Berlin Tampons an Neubürger aus Afghanistan verschenken. Irritierend ist das geforderte orwelleske Bekenntnis, dass zwei plus zwei gleich fünf ist. So wie bei Captain Picard, der fiktive Sternenflottenkapitän aus Star Trek, der einmal von den echsenartigen, bösen Cardassianern gefoltert wird; sie verlangen von ihm, dass er sagt, er sehe fünf Lichter. Es sind aber nur vier. Picard widersteht. Aber tun wir es?

Zeitgleich mit diesen vermeintlichen Grassroots-Bewegungen, die von oben kommen, von der Politik, den Medien, den Woke Capitalists, hat ein schleichender Paradigmenwechsel eingesetzt. Es gab einmal eine skeptische, linke Denktradition, dass die CIA Medienvertreter beschäftigt, dass die U. S. Army Attentate begeht, die dem Feind in die Schuhe geschoben werden, dass die NSA weltweit herumspitzelt und dass an der Kennedy-Ermordung oder 9/11 irgendetwas faul war.

Heute war noch bis vor Kurzem jeder ein verrückter Verschwörungstheoretiker, der sagte, Corona stamme aus einem Genlabor in China und nicht von einer halbgaren Fledermaus auf einem Restaurantteller. Und ja, ich bin geimpft.

Und alle diese Woke-Wellen kommen aus Amerika. Dort sind sie sogar noch verrückter und lauter, weil Amerika das Land des glänzenden Infotainments ist und nicht der grüblerischen Philosophen. Dort ist es das Ziel der woken Meinungsführer, ihre Nase ins Fernsehen zu halten und Geld zu verdienen. Deutschland hingegen lechzt nicht nach Geld, Spaß und Ruhm; es geht beim Gendern, beim Klimaschützen, beim Buntwerden und beim Vergangenheitsbewältigen ums Besserwissen und Vorschriftenmachen, gründlich wie Deutsche nun mal sind, bis alles in Scherben fällt.

Aber Vorschriften nur für andere: Wasser predigen und Wein trinken, Links blinken und rechts abbiegen.

Das bringt uns zu den Antideutschen – nicht bloß das Häuflein von ehemaligen K-Gruppen-Aktivisten, die sich zu Israelverteidigern und Irankriegstreibern weiterentwickelt haben, im Einklang mit ihren amerikanischen Vorbildern, den Neokonservativen. Sondern diese mehltauartige linke Stimmung, in Deutschland erst mal alles schlecht zu finden.

Denn das ist die eigentliche treibende Kraft des Woke-Wollens: Der Hang zur Selbstgeißelung, der eigentlich Fremdgeißelung ist, weil die Deutschlandschlechtfinder sich selbst nie mitmeinen. Sie glauben, sie kämpfen im Auftrag des Guten, Wahren und Schönen, des Friedens und des Antifaschismus. Tatsächlich sind sie kontrollfreakige Besserwisser, deren Lebensphilosophie es ist, andere zu bestandpauken, wo es langzugehen hat.

Diese Antideutschen wären ohne Amerika nicht denkbar. Sie sind das Ergebnis einer jahrzehntealten transatlantischen Beziehungskiste, aber nicht unbedingt das gewünschte oder auch nur ein brauchbares Ergebnis, eher eine Art Frankenstein’sche Kreatur. Die neueren deutschen Verrücktheiten sind die Spottgeburt einer Zwangsheirat des stolzen amerikanischen Sendungsbewusstseins, das im Wilden Westen wurzelt, mit dem deutschen Belehrbedürfnis. Das ist nicht gut für Amerika und nicht gut für Deutschland. Dieses Buch ruft dazu auf, selbst zu denken und selbst zu urteilen. Versucht es, es ist nicht gefährlich und man fühlt sich sofort besser. Dann verschwinden die Schoten von ganz allein.“

Die „unheimliche Allianz zwischen Neurechten, woken Antideutschen und amerikanischen Neokonservativen“

Der Untertitel ihres Buchs verspricht, eine „unheimliche Allianz zwischen Neurechten, woken Antideutschen und amerikanischen Neokonservativen“ aufzudecken. Und das tut Schweitzer auf das Gründlichste!

Werden wir bald verstummen?

Ein gewisser Totalitarismus schlägt immer mehr zu. Werden wir bald verstummen ob der ganzen immer irrer werdenden sprachpolizeilichen Vorschriften? Was dürfen wir noch sagen? Was, wie schreiben? Welche Filme dürfen nur noch wie gedreht werden? Schweitzer: „Noch mehr leidet der Journalist Deniz Yücel an Deutschland. Er schlug einmal in der TAZ vor, Deutschland zwischen Polen und Frankreich aufzuteilen. Der baldige Abgang der Deutschen ist Völkersterben von seiner schönsten Seite.“ (…) „Allerdings sein Ausflug in die warme völkersterbfreie Türkei endet damit, dass die deutsche Regierung den mutigen Journalisten in freudloser Kleinarbeit aus Erdogans Knast herauspauken musste“, so Schweitzer weiter.

Hilfe!

Weiße dürfen keine Schwarzen mehr spielen (Black Facing!), dürfen Ukrainer bald nur noch von Ukrainern gespielt werden? Nach den neuen Amazon-Richtlinien dürfe nicht mehr jeder jeden spielen. In alle Filmen müssten wenigstens 30 Prozent Frauen und 30 ethnische Minderheiten gecastet werden. Jeder Film solle mindestens eine Figur haben, die LGBTQIA ist oder behindert. Sowie drei Sprechrollen in dem Land wo der Film spielt, ethnisch unterrepräsentiert sind. Was hieße, in jeden in Deutschland spielenden Amazon-Film müssten mindestens drei Bayern dabei sein, von denen einer schwul ist. Und die Schauspieler müssten die gleiche Behinderung oder sexuelle Orientierung haben wie die Rolle! Schweitzer: „Der Muppet-Show wird künftig eine Warnung vorgeschaltet: Nicht politisch korrekt.“ Hilfe!

Cancel Culture und Wokeness

Cancel Culture und Wokeness werden immer mehr zu einem Übel unserer Zeit. Und zeigen: gut gemeint ist nicht immer gut getan.

Schweitzer: „Ich kann es kaum erwarten den ersten gewaltfreien Roman mit einer übergewichtigen behinderten, indigenen Transmuslimin als Heldin zu lesen, die gegen Antisemitismus kämpft, indem sie Nazis mit Humusbällchen bewirft, während sie Secondhandklamotten trägt. Denn hauptsächlich richte sich Canceln gegen Linksabweichler und Liberale, so wie Stalin die Moskauer Prozesse ja auch gegen Trotzkisten und Abrünnige geführt hat und nicht gegen Nazis.“

Die Cancel-Debatten in den USA hätten alle Elemente der postalinistischen DDR-Debattenunkultur, die sich auch in westdeutschen K-Gruppen wiedergefunden hätten: „Dir fehlt der Klassenstandpunkt. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Das spielt dem Klassenfeind in die Hände. Ihr seid Konterrevolutionäre.“

Das reicht soweit, sich von den „Sündern“ fernhalten zu sollen. „Um nicht per Kontaktschuld vom Bann getroffen zu werden.“

Letztlich ist das Woke-sein eine religiöse Bewegung. Aber die USA sind ja auch sehr religiös. Das passt also“

Woke-sein, heißt ja „erwacht“ zu sein. Schweitzer: „Letztlich ist das Woke-sein eine religiöse Bewegung. Aber die USA sind ja auch sehr religiös. Das passt also.“

Das Gendern und das Woke-sein, befindet die Autorin, sei eine Forderung von Oben und keineswegs eine von Betroffenen.

Und den Betroffenen verhilft das Eine wie das Andere auch kaum zu einem besseren Leben.

Die meisten Menschen dürften sich schlichtweg auch gar nicht dafür interessieren. Schließlich haben sie andere Sorgen.

Das Unwesen der Faktchecker

Dankenswerterweise hat sich Eva C. Schweitzer auch mit dem Unwesen der sogenannten Faktchecker befasst. Etwa scheint Patrick Gensing (ARD, Tagesschau) auf oder David Schraven, der Mitbegründer und Autor der Ruhrbarone, dem Gesellschafter und Geschäftsführer des „Recherchebüros correctiv“, Ausgerechnet dieses Büro maßt sich an auf Facebook vermeintliche Fake-News auszumachen und Hate-Speech zu löschen.

Lesenswert!

Sehr lesenswert, weil interessant sind auch die historischen Hintergründe, hauptsächlich die USA betreffend, welche uns die Autorin in ihrem wirklich empfehlenswerten Buch aufzeigt.

Messerscharfe Analysen und knallharte Auseinandersetzung mit der Thematik sind im Buch in neun Kapiteln zu finden. All das gut lesbar und manchmal wunderbar satirisch zugespitzt bis sarkastisch austeilend niedergeschrieben, wo es tatsächlich am Platze ist. War hier und da auch mein Schmunzeln beim Leser auslöst. Oder ein Lachen, dass, einen zwei Zeilen später auch wieder vergehen kann. Wenngleich man wiederum oft mit dem Kopfe schütteln muss und einem der Kamm schwillt über so viel Wahnsinn, der uns in der heutigen Zeit zugemutet wird. Ein Buch, das mit Gewinn zu lesen ist. Sehr gut, hoch informativ und noch dazu fesselnd geschrieben.

Mögen wir aufwachen und uns nicht mehr alles bieten lassen. Woke heißt erwachen. Ja. Aber, ich habe beim Lesen des Buches den Eindruck gewonnen, dass die Leute, die meinen „woke“ zu sein, wohl eher einer Verblendung erlegen sind und den Boden unter den Füßen verloren haben. Mit Nach-Denken, dem Ergründen und Reflexion der Realität haben die Woken anscheinend nicht viel am Hut. Wokeness scheint mir ein schwerer Fehler, ein Holzweg zu sein, von welchem wir uns schleunigst abwenden sollten. Denn unsere Gesellschaft verbessert der gewiss nicht. Im Gegenteil.

Dr. Eva C. Schweitzer

Dr. Eva C. Schweitzer, geboren 1958 in Stuttgart, ist eine deutsche Amerikanistin, Journalistin und Buchautorin. Sie war Redakteurin bei der taz und beim Tagesspiegel und arbeitet als USA-Korrespondentin für Die Zeit, die Berliner Zeitung, die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Rundschau und Cicero. Sie schrieb für die Welt am Sonntag, die Financial Times Deutschland und die taz und veröffentlichte das Brettspiel “Kreuzberger Stadtkartell”. Sie bekam den Theodor-Wolff-Preis für einen Artikel über einen Mord in der Berliner Bauszene. Sie hat in München und Berlin Germanistik, Journalistik und Amerikanistik studiert und an der Humboldt Universität promoviert. Sie ist Mitglied bei der Foreign Press Association, der National Writers Union, Living Liberally, der IG Medien und dem ADAC. Für einen Artikel über einen Mord in der Berliner Bauszene zur Zeit der Wende erhielt sie 1992 den Theodor-Wolff-Preis

Eva C. Schweitzer

Links blinken, rechts abbiegen

Die unheimliche Allianz zwischen Neurechten, woken Antideutschen und amerikanischen Neokonservativen

 

Erscheinungstermin:

11.10.2021

Seitenzahl:

224

Ausstattung:

Klappenbroschur

Artikelnummer:

9783864893421

  • Buch

18,00 €

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Westend Verlag – Interview mit Autorin Dr. Eva C. Schweitzer

4 Kommentare zu “„Links blinken, rechts abbiegen“ Von Eva C. Schweitzer. Rezension

  1. So ganz zu einem „Like“ konnte ich mich diesmal nicht durchringen. Da waren doch ein paar Undeutlichkeiten in den Aussagen der werten Dame.

    Besonders viel mir die auf, die ist aber jetzt von Ihnen:

    „Glasklar kehrt Eva C. Schweitzer hervor, was es mit den Antideutschen auf sich hat. Einstige Linke, die gegen die Wiedervereinigung Deutschlands waren und sich seither unverbrüchlich an die Seite der USA und Israels stellen. Auch wenn von denen noch so große Verbrechen begangen werden.“

    Meiner Meinung nach stimmt das nicht, oder ich interpretiere es falsch.

    Während der Amtszeit Donald Trump, wurden keine Verbrechen begannen. Ich wüsste keins. Und welche Verbrechen soll Israel begangen haben bzw. es heißt ‚werden’ im Text? Welche werden denn im Moment begangen?

    Auch der übrige Buchtext ist verwirrend. Man kann so was auch deutlicher schreiben, dazu muss man die Gesellschaft nicht bis auf die Eizelle zerlegen, oder zerhacken in tausende von Einzelteilen. Die linke Bewegung geht global. Links ist Gesetz geworden. Alle handeln danach. Und jetzt gibt es eigentlich nur eine richtige Konsequenz, auch wenn sich das im ersten Moment albern anhört, aber es ist Donald Trump.

    Oder kennen Sie jemanden, der das so in aller Deutlichkeit gesagt hat?

  2. Das Jakobinertum wird zu recht kritisiert, aber die Tatsache, dass wertkonservative oder liberalkonservative Positionen von der „woken“ Maschine auch überrollt werden, wird ausgeblendet. Es überwiegt anscheinend die Darstellung, dass es um einen innerlinken Konflikt geht. Das entspricht aber nicht der Wirklichkeit.

  3. Sorry, aber kommt da auch die linke Vergangenheit der Autorin in ihrem Buch durch? Für mich sind die „woken“ Spinner links, ja, sogar stocklinks. Ich lese nur etwas von Neurechten und Neokonservativen, das wirkt so, als ob wie üblich alles Böse wieder von Rechts kommt. So bleiben die linken Kritiker der „Wokeness“ gewissensberuhigt, denn eigentlich ist „wokes“ Tun ja eine rechte Überzeugung, während der „wahre“ Linke das nie tun würde. Das ist der klassische Fehlschluss, dass linkes Denken immer gutes Denken ist. Und wenn der Inhalt des Buches auch zustimmungswürdig ist, der Untertitel führt auf eine falsche Fährte.

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