Silbermedaille „Patriot Wladimir Putin“ zur Weitergabe an den Jubilar im Kreml in der russischer Botschaft zu Berlin überreicht

Am 7. Oktober 2025 war COMPACT in der Russischen Botschaft zu Berlin eingeladen. Nach der Begrüßung durch Botschafter Sergej Netschajew hielt Chefredakteur Jürgen Elsässer eine Ansprache zu Wladimir Putins 73. Geburtstag und zu den deutsch-russischen Beziehungen im Allgemeinen. Dem Botschafter überreichten wir unsere Silbermedaille „Patriot Wladimir Putin“ zur Weitergabe an den Jubilar im Kreml.

Botschafter Sergej Netschajew bedankt sich bei Stephanie Elsässer (snapshot You Tube)
COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer bei seiner Rede in der russischen Botschaft (snapshot You Tube)
Video von der Veranstaltung,Rede von Jürgen Elsässer
Überreichung an den russischen Botschafter Sergej Netschajew.

Quelle: COMPACT YouTube – Kanal

KAI – Roman von Raymond Unger. Rezension

Wir leben in wahrlich beängstigenden Zeiten. Sogar vor einem möglich werdenden Dritten Weltkrieg müssen wir uns fürchten. Die derzeit Herrschenden – nicht zuletzt mit Merz an der Spitze hierzulande – reden ihn förmlich herbei. Und Journalisten der Mainstream-Medien, die längst keine im Sinne der Vierten Macht mehr sind, stehen dem in nichts nach: Viel mehr schreiben und senden sie einen Krieg gegen Russland bald noch vehementer herbei als die Kriegsgurgeln in der Politik. Die einstige Außenministerin Österreichs, Dr. Karin Kneissl, nennt letztere „pubertierende Greise“. Die einen wie die anderen haben offenbar jeglichen Verstand verloren – oder, was ich tatsächlich fürchte, nie einen Funken davon besessen.

Man wähnt sich beinahe schon in dystopischen Zeiten. Immer öfters läuft es mir dabei kalt den Rücken herunter.

Las man früher Orwells „1984“ oder Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, fesselte uns das oder amüsierte manchen gar. Was aber hatte das mit uns zu tun?

Inzwischen beschleicht einen beinahe von Tag zu Tag mehr ein Gefühl, als wir lebten schon ein Stück weit in einer Dystopie, beziehungsweise wir würden in eine hineingeschoben.

Das Aufkommen von sogenannter Künstlicher Intelligenz (KI) macht alles noch beängstigender. Wo sie nicht überall schon zur Anwendung kommt erst recht noch künstig zur Anwendung kommen dürfte. Manches wird dadurch einfacher werden. Mit ziemlicher Sicherheit müssen wir aber auch mit Gefahren rechnen: Wem können oder dürfen wir dann eigentlich noch trauen?

Raymond Unger, bildender Künstler, einst Therapeut in der Naturheilkunde und Dozent, der sich schließlich der Malerei und Schriftstellerei widmete, hat sein Wissen und seine Ängste und Bedenken in Sachen KI in einem – wie ich finde – spannenden Roman mit dem Titel „KAI“ verarbeitet.

Was gewiss auch mit der mehr als fragwürdigen sogenannten Corona-Pandemie und den Maßnahmen, welche angeblich deren Bekämpfung dienten und ein Impfwahn losgetreten worden war mit einem nicht recht geprüften und in Langzeit erprobtem Serum in Zusammenhang steht.

Der EUROPAVERLAG, wo Raymond Ungers Roman erschienen ist, schreibt zur Einstimmung auf das Buch:

«Brillant recherchierter Wissenschaftsthriller über die Gefahren der künstlichen Intelligenz 

In Berlin lässt der Professor für neue Medien Nils Larsen von der KI ein virtuelles Bild einer attraktiven Frau erstellen – kurze Zeit später lernt er die Schöne in der Realität kennen. In San Francisco vermarktet der Kreativdirektor Peter Siemsen KI-gesteuerte Avatare – die Projektionen entwickeln jedoch eine beunruhigende Eigendynamik. In Hamburg vertraut der Klimaforscher Rolf Hoffmann KI-gesteuerten Klimamodellen – die sich als grundfalsch erweisen. In Mainz designt der Epidemiologe Yanis Petridis mithilfe der KI neuartige mRNA-Impfstoffe – die auf lange Sicht verheerende Nebenwirkungen entfalten. Und in Washington nutzt die Politologin Alina Davis KI-erstellte Geostrategien, um Politiker zu beraten – mit katastrophalen Folgen für die Sicherheitspolitik.  Erst als der C.G.-Jung-Analytiker Johannes Baumkamp einen dieser KI-Nutzer behandelt, wird ein Muster hinter den Ungereimtheiten sichtbar. Was wie unscheinbare Fehler der KI anmutet, hat Methode. Die Suche nach den Hintergründen entwickelt sich zur Odyssee und Lebenskrise, in der Baumkamp seine Praxis und Ehe riskiert. Am Ende sucht er Rat bei seinem Mentor und ehemaligen Lehrer in Schweden. Als letztes Universalgenie leitet der  Psychologe und Physiker Justus von Siggelkow dort ein abgelegenes Institut zur Erforschung parapsychologischer Phänomene. Hier finden sich hilfesuchend auch andere Protagonisten aus den verschiedenen Disziplinen ein, die durch ihre intensive KI-Nutzung ebenfalls in eine Krise geraten sind. Und hier, in der schwedischen Enklave, deckt die Gruppe schließlich ein Schreckensszenario auf, das die gesamte Menschheit bedroht …«

Wenn die Leser diesen Satz rezipieren: „In Mainz designt der Epidemiologe Yanis Petridis mithilfe der KI neuartige mRNA-Impfstoffe – die auf lange Sicht verheerende Nebenwirkungen entfalten.“, dürften manche an eine gewisse Firma denken, welche ihre Adresse in der Stadt „An der Goldgrube“ hat. Ja, es geht immer auch um viel Geld in der pharmazeutischen Industrie! Und dieser Petridis macht die Kohle auch zuhauf. Dazu kommen staatliche Ehren, etwa das Bundesverdienstkreuz.

Bis er eines Tages endlich aufgerüttelt wird.

Auch einer der ersten Corona-Kritiker findet Erwähnung. Mit verändertem Namen zwar – aber man weiß sofort, wer gemeint ist.

Die Personen des Romans und deren Charaktere sind gut gezeichnet. Analytiker Johannes Baumkamp, der C.G. Jung bevorzugt, während dessen Frau Freudianerin ist, geben dem Autor die Möglichkeit seine Kenntnisse auf dem Gebiete der Psychologie spielen zu lassen.

Im Verlaufe des Romans erfahren wir, wie seitens der Staatsmacht immer härter und totalitärer gegen Kritiker vorgegangen wird.

Geprüft wird, ob die Leute sich haben impfen lassen. Wer sich die Spritze mit neuesten Impfstoff nicht geben lassen wir, kann in eine Art Beugehaft kommen. Je weniger der betreffende Mensch bereit ist desto tiefer fährt eine Decke herab, beugt ihn als auch physisch. Und lässt der Delinquent Bereitschaft erkennen, einer Impfung zuzustimmen, fährt die Decke wieder nach oben.

Da läuft einen der Schauder den Rücken eiskalt herab.

Die Repressionen nehmen immer mehr zu. Mittels Telekommunikationstechnik wird Einfluss auf Menschen genommen. Und diejenigen, welche dagegen und für die Freiheit arbeiten, werden ausspioniert und bedroht. Spannung pur!

Man wagt gar nicht das Buch aus der Hand zu legen.

Ein wichtiger Roman, der unsere Synapsen nur so schnalzen lässt! Wir müssen erkennen, dass zunehmende totalitaristische Tendenzen eine solche oder andere Dystopien führen können. Und das Schlimme: KI-gesteuert und geschaffen fällt uns das zunächst womöglich überhaupt nicht auf oder erst dann, wenn es zu spät ist. Wer will hinfort noch erkennen, was richtig, was falsch, was wahr und was gelogen ist. Aufwachen! Aufpassen! Und wach bleiben!

Unbedingt empfohlen, dieser Roman! Ungers Schreibstil gefällt mir. Bereits seit ich „Die Heldenreise des Bürgers“ von ihm gelesen habe. Die Spannung hält er bis zum Schluss. Bitte lesen und weiterempfehlen. Und diskutieren Sie mit Freunden und Bekannten darüber. Eine Verfilmung des Romans ist mir vorstellbar.

Raymond Unger

KAI

432 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
13,5 × 21,5 cm

Erscheint im März 2025


25,00 € (D) / 25,70 € (A) inkl. MwSt.
ISBN 978-3-95890-591-7

Raymond Unger

Raymond Unger lebt als Autor und bildender Künstler in Berlin. Er ist als Kunstmaler in eigenem Atelier tätig, schreibt Essays und Bücher und hält Vorträge zu den Themen Kunst, Psychologie und Politik. Ein Kernthema in Ungers Arbeit ist die transgenerationale Traumaweitergabe kriegsbelasteter Kindheiten. In seiner Trilogie Die Wiedergutmacher (2018), Vom Verlust der Freiheit (2021) und Die Heldenreise des Bürgers (2023) beschäftigt sich Unger mit der Sonderrolle Deutschlands in der Migrations-, Klima-, Pandemie- und Ukraine-Problematik. Zuletzt erschien sein Buch Habe ich genug getan? – In memoriam Gunnar Kaiser (2024).

Als ehemaliger Therapeut leitete er bis Ende der 1990er-Jahre eine Naturheil- und Psychotherapiepraxis in Hamburg und bekleidete eine Dozentur für Naturmedizin an einer Hamburger Fachschule für Heilpraktiker. Für sein bildnerisches Schaffen erhielt Raymond Unger 2011 den internationalen Lucas-Cranach-Kunstpreis für Malerei. In seiner Eigenschaft als Maler und Autor bekam er 2014 eine Einladung des Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso zur dritten Generalversammlung NEW (Narrative for Europe). Raymond Unger ist mit seinen Werken in Privatsammlungen im In- und Ausland vertreten.

Raymond Unger im Internet

Anbei empfohlenWeil es mir gerade in den Sinn kam und zu Ungers Roman durchaus Paralelen erkenntbar sind, empfehle ich noch einmal „Saruj. Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr“ – Rezension“ von Bilbo Calvez und „Hinter der Zukunft“ von Thomas Eisinger. Rezension.

„Hegemonie oder Untergang. Die letzte Krise des Westens?“ Von Rainer Mausfeld – Rezension

Auf den Autoren Rainer Mausfeld, emeritierter Professor an der Universität Kiel, wo er bis 2016 den Lehrstuhl für Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung innehatte, stieß ich einst durch dessen auf You Tube veröffentlichten Vortrag „Warum schweigen die Lämmer?“, der durch die Rezeption Hunderttausender Zuschauer zu einem wahren Renner wurde. Später kam ein Buch Mausfelds mit gleichem Titel heraus. Ich überschrieb meine Rezension seinerzeit so: „Ein Leseereignis, dass zur Erweckung aus der Lethargie führen kann“.

Ich war begeistert. War doch viel von dem, was Rainer Mausfeld darin aufs Tapet brachte, augenöffnend. Nicht so, dass man vieles davon nicht gewusst hätte. Aber im Leben – in der Schule und den Medien wurde so manches davon allenfalls gestreift, als Geschichte, weit in der Vergangenheit liegend, gedanklich schließlich hinter uns gelassen. Manches auch verschwiegen oder umgeschrieben. Was nicht zuletzt wohl durchaus auch von den jeweils Herrschenden so gewollt ist. Und vielleicht in der Wirkung letztlich ein Grund dafür ist, dass die Lämmer (also wir!) schweigen. Zusätzlich schlägt noch zu Buche, was Noam Chomsky postulierte: «Die allgemeine Bevölkerung weiß nicht, was passiert, und sie weiß nicht einmal, dass sie es nicht weiß.«

Seither bin ich auf der Hut, möglichst kein neues Buch von Rainer Mausfeld zu verpassen.

Zuletzt gefesselt war ich von dessen Werk „Hybris und Nemesis“. Um was es ging? Hochinteressant und spannend zugleich: „Wie uns die Entzivilisierung von Macht in den Abgrund führt – Einsichten aus 5000 Jahren“ Meine Rezension zum Buch lesen Sie gerne hier.

Indem ich nun Mausfelds neuestes Buch «Hegemonie oder Untergang« rezipierte, bin ich versucht, den Abgrund schon gefährlich nahe spüren und unseren harten Aufschlag bereits in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu wähnen. Zudem, wenn ich an die derzeitige Politik des Westens und Deutschlands im Besonderen – und unsere führenden, unfähigen Politiker in ihrer sich offenbarenden Geschichtsvergessenheit denke. Welche uns wie Verteidigungsminister Pistorius kriegstüchtig (lässt an Ausführungen von Joseph Goebbels denken) machen wollen, sowie die Kriegshetzer unserer Hauptstrom-Medien mit zunehmendem Ekel kaum mehr ertrage, weil das, was sie als vorgebliche Journalisten tun und auch noch wagen ihren Lesern und Zuschauern anzubieten, nichts mehr mit Journalismus zu tun hat, wie er im Buche steht.

Da nun kommt mir Nietzsche in den Sinn: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich.“

Haben wir nicht bereits lange in einen Abgrund geblickt? Und blickt dieser nicht längst auch in uns? Merken wir noch etwas? Ich fürchte, nein.

Manche Denker allerdings schon. Etwa Emmanuel Todd. Von ihm stammt das Buch «Der Westen im Niedergang«. Manch Schlaumeier und dies und jene Schlaumeierin (*Zwinkersmiley*) lachen über den Titel und verhöhnen Todd. Doch halt! Hatte Todd nicht einst den Zusammenbuch der Sowjetunion – anhand steigender Kindersterblichkeit – vorhergesagt? Eben. Wer zuletzt lacht, lacht am Besten! Auch wenn es noch so düster kommt und einem das Lachen vergeht. Meine Rezension zu Todds Buch finden Sie hier.

Schon in der Konstruktion sozusagen der Demokratie ist der Samen für den späteren Niedergang zu finden. Nicht etwa, weil sich Erschaffer der Demokratie in den USA vertan hatten. Es war hart kalkulierte Absicht! Und zwar, um die Macht der nicht aus heiterem Himmel reich und mächtig gewordenen Mitglieder der Gesellschaft, die sich als Elite verstanden, zu bewahren.

In meiner Rezension zu Mausfelds „Hybris und Nemesis“ schrieb ich, mich auf dessen Schrift berufend: „Demokratie bedeutet also, dass sich die Interessen der Mehrheit durchsetzen. Ist das bei uns so? War das jemals so?

Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher Professor Rainer Mausfeld hat sich u.a. ausführlich mit der Demokratie wie wir sie kennengelernt haben beschäftigt. Und festgestellt: Schon im Mutterland der Demokratie, den Vereinigten Staaten von Amerika, war sie von vornherein so angelegt, dass sich durch sie nichts an den Machtverhältnissen ändern konnte. Die Mehrheit des Volkes mochte wählen wie es wollte, die Interessen der (Minderheit) der Reichen, der Oligarchen, konnten nicht angetastet werden. Auch heute, bei uns, ist das im Grunde genommen so. Wenngleich noch nicht in den Dimensionen wie in den USA. Allein wer dort für das Präsidentenamt kandidiert, braucht ja ohne entsprechende finanzielle Ausstattung gar nicht erst antreten. Die repräsentative Demokratie – wie wir sie hierzulande haben – hat gravierende Mängel. Das fängt ja schon bei der Auswahl und Aufstellung der Kandidaten der einzelnen Parteien an. Auf die wir Wähler – und nicht einmal alle Mitglieder einer Partei – keinerlei Einfluss haben.“

Mausfeld nimmt seine eigenen Worte aus dem Jahr 2023 noch einmal hervor. Das sollte diejenigen, welche die „Väter des Grundgesetzes“ (plus drei Mütter) von jeglicher Kritik ausnehmen wenigstens irritieren:

    „Der Siegeszug der ›Demokratie‹ im Westen wurde, wie historische Studien im Detail nachweisen, überhaupt erst dadurch möglich, dass die »Väter der amerikanischen Verfassung« das Wort »Demokratie« seiner ursprünglichen Bedeutung beraubten und unter der neuen Bezeichnung »repräsentative Demokratie« ausdrücklich eine Form der Elitenherrschaft einführten.“

Für Mausfeld ist das „Wortbetrug“. Wird jedoch leider kaum als solcher erkannt, aber stets von Politikern und Journalisten im Munde geführt. Die herrschende Klasse wird nicht müde diesen Betrug mit allen möglichen Mitteln aufrechtzuerhalten. Nicht ohne bei noch viel zu vielen Bürgerinnen und Bürger zu verfangen.

    „Vielmehr ist die Demokratiesimulation im »demokratischen Theaterstaat« so perfektioniert worden, dass sie dem überwiegenden Teil der Bevölkerung geradezu als Realität von Demokratie erscheint. In der Gegenwart verzichtet nun der Westen immer offener auf eine demokratische Maske zugunsten autoritärer Herrschaftsformen.“

Mausfeld: „Es wäre jedoch nicht sinnvoll, die gegenwärtige gesellschaftliche Krise eine Krise der Demokratie zu nennen. Jedenfalls nicht im ursprünglichen Sinne der egalitären Leitidee von Demokratie als individueller und somit auch gesellschaftlicher Selbstbestimmung.“

„Der Westen scheint seinem Wesen nach demokratieunfähig zu sein.“

Rainer Mausfeld:  „Für die Organisationsform [Demokratie] des Staates beinhaltet diese zivilisatorische Leitidee eine radikale Vergesellschaftung von Herrschaft durch eine strikte vertikale Gewaltenteilung und eine Unterwerfung aller Staatsapparate unter die gesetzgebende Souveränität der gesellschaftlichen Basis. Da es Demokratie in diesem einzigen Sinn, der diese Bezeichnung verdient, in unserer Epoche nicht gibt, wäre die Behauptung ihrer Krise unsinnig. Die gegenwärtige schwere Krise des Westens kann also, da die Voraussetzungen nicht erfüllt sind, keine Krise der Demokratie sein. Es gibt indessen gute Gründe anzunehmen, dass es sich um eine Krise handelt, deren Wurzeln gerade in der jahrhundertelangen Verhinderung von Demokratie zu finden sind. Mehr noch: Diese Krise und ihre lange Vorgeschichte lassen deutlicher erkennen, dass das westliche Denken auf einem Fundament von Ressentiments errichtet ist, das sich grundsätzlich nicht mit der Leitidee einer egalitären Demokratie vereinbaren lässt. Der Westen scheint seinem Wesen nach demokratieunfähig zu sein.“

„Ihre tieferen Wurzeln hat diese Krise in grundlegenden inneren Widersprüchen des Westens.“

Die da wären?

Ursula von der Leyen macht sich die Welt, wie es ihr gefällt. Fällt das unter Chuzpe?

    „Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, betonte 2025 die Dramatik der Situation, mit der die gesamte westliche Zivilisation konfrontiert sei und erklärte, dass »der Westen, wie wir ihn kannten, nicht mehr existiert«. Wie man diese Behauptung versteht, wird selbstverständlich davon abhängen, wer mit diesem »wir« gemeint ist und auf welcher Seite des Gewehrlaufes man steht.“

In anderen Arbeiten stellte Mausfeld auch fest: Kapitalismus und Demokratie seien eigentlich unvereinbar.

Eingestehen muss man sich allerdings, dass es diesem System immer wieder gelang, sich zu wandeln und so zu überleben. Trotz des schon schlimmen Neoliberalismus. Allerdings geht es noch schlimmer. Die Krisen häufen sich. Die Einschläge kommen näher. Die Herrschaftscliquen stemmen sich mit immer irrer werdenden Mitteln gegen Machtverlust. Es hat den Anschein als bissen sie sich verzweifel an der Klippe über den Abhang fest. Selbst eine schwere Zerstörung – so fürchtet Rainer Mausfeld – dürften sie bereit sein in Kauf zu nehmen. Wie lange noch? Hat man nicht schon zu sehr überzogen? Rutscht nun die Machtelite Westeuropas in einen Dritten Weltkrieg? Fast möchte einen die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in den Sinn kommen. Ich empfehle Stefan Zweig: „Die Welt von Gestern: Erinnerungen eines Europäers“ zur Lektüre.

Allerdings scheint dieses System nun wirklich über einen längeren Zeitraum und verschiedene mit Ach und Krach durchgemachte gravierende Krisen hinweg an bestimmte Grenzen sowie in einer im Wandel begriffenen Welt auf nicht einfach wegzuwischende Widerstände zu stoßen. Und die Mächtigen greifen immer öfters zu Mitteln, die nur Wenige durchschauen. Dies geht so weit, dass Tendenzen zu gewahren sind, die einen Rutsch in einen Totalitarismus befürchten lassen, bzw. bereits in Ansätzen Anwendung finden.

Mausfeld: „Und es geht, im öffentlichen Bewusstsein noch wenig präsent, um den planmäßig und beharrlich vorangetriebenen Übergang zu neuartigen Formen totalitärer Herrschaft.“

Den Mächtigen unliebsame Zeitgenossen wird mit Kontokündigungen und anderen Ausgrenzungen das Leben schwer gemacht. Journalisten wie Thomas Röper und Alina Lipp wurden unter Sanktionen des EU-Rats gesetzt. Beide sind nicht ganz so stark betroffen, weil sie in Russland leben und in Deutschland keine Konten mehr haben. Dazu ein Text auf den NachDenkSeiten. Anders der in Deutschland lebende Autor Hüseyin Doğru, türkischer Herkunft mit deutschem Pass, der zusammen mit seiner schwangeren Frau um seine Existenz fürchten  muss. Zum Fall lesen Sie mehr auf den NachDenkSeiten.

Hegemonie oder Untergang

Wertewesten? Welche westlichen Werte, die der Westen stets wie eine Monstranz vor sich herträgt und anderen in der Welt aufzwingen will, gelten die eigentlich noch und werden selbst mit Leben erfüllt? Was bedeutet eigentlich der Begriff, der von westlichen Politikern oft im Mund geführten regelbasierten Ordnung? Und wo ist diese Ordnung niedergeschrieben und demzufolge nachzulesen?

Die meisten der Masken, welche der Westen nicht müde wird und sich nicht schämt wechselweise überzuziehen, um weiter als der angeblich Gute zu erscheinen – der er übrigens nie wahr – reißt ihm Rainer Mausfeld eine nach der anderen vom Gesicht. Mausfeld entlarvt die Heuchler. Denn der Westen verdankt seine Macht und seinen Reichtum den Völkern, die er Jahrhunderte ausgebeutet und beraubt hat und weiter beraubt.

Eine Kapitelüberschrift lautet:  „Die Lebensform des Westens ist parasitär und beruht auf der Ausbeutung ökonomisch schwächerer Staaten: einige elementare Fakten“

Allerdings wachen nicht wenige Länder des Globalen Südens inzwischen auf und wollen sich dieser ihnen zugewiesenen Rolle nicht länger fügen. Sie handeln zunehmend selbstbewusster.

Der Westend-Verlag schreibt zu Mausfelds neuem Buch:

«Der Westen verdankt seine hegemoniale Position in der Welt der Überlegenheit seiner militärischen und ökonomischen Gewalt. Rainer Mausfeld beschäftigt sich in seinem neuen Buch mit gegenwärtigen Kriegen und Konflikten und belegt anhand von Studien aus der vergleichenden Ökonomie, dass die privilegierte Lebensform des Westens wesentlich auf der Ausbeutung schwächerer Länder beruht. Die schwere Krise des Westens lässt deutlich werden, dass die vom Westen geschaffenen ideologischen Scheinwelten mit den auf eine Multipolarität gerichteten geopolitischen Realitäten nicht mehr in Einklang zu bringen sind. Statt auf diplomatischen Wegen einen Interessenausgleich zwischen Staaten zu suchen, reagiert der Westen auf diese Herausforderung mit einer Steigerung seiner Bereitschaft zu organisierter Gewalt. Aus Angst um einen Machtverlust wechseln seine politischen Eliten in den Endspielmodus blinder Zerstörungsbereitschaft. Sie riskieren lieber eine nukleare Katastrophe, als dass sie eine Begrenzung ihres hegemonialen Anspruchs hinnehmen.«

Das letzte Kapitel ist überschrieben mit „Hat das emanzipatorische Projekt einer Zivilisierung von Gewalt heute noch eine Chance?“.

Darin beschreibt Mausfeld den Zustand der gesellschaftlichen und politischen Gegenwart so:

    „Heute bedeutet »Demokratie« in Wirklichkeit eine Wahloligarchie ökonomischer und politischer Eliten, bei der zentrale Bereiche der Gesellschaft, insbesondere die Wirtschaft, grundsätzlich jeder demokratischen Kontrolle und Rechenschaftspflicht entzogen sind. Die für eine Machtkontrolle zentrale Gewaltenteilung ist weitgehend aufgehoben. Durch die systematisch betriebene Einführung unbestimmter Rechtsbegriffe, wie »öffentliche Sicherheit«, »Gefährder«, »Befürwortung von Gewalt« oder »Desinformation«, werden Gesetze zu leeren Hülsen, deren Füllung den Apparaten der Exekutive überlassen bleibt. Damit ist dem Rechtsstaat die Grundlage entzogen.“

Mausfeld legt Mittel der Manipulation offen: etwa das Framing. Bundeskanzlerin Merkel machte mal eben via Anruf aus Südafrika eine Wahl zum Ministerpräsidenten in Thüringen rückgängig. Einmischung in die Wahlen, wie in Rumänien, fanden statt. Selbst vor frechen Geschichtsumschreibungen macht die sogenannte Elite nicht halt. Etwa sprach von der Leyen von der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Alliierten. Wo blieb der großen Aufschrei? In Wahrheit befreite doch die Rote Armee der Sowjetunion das KZ. Man setzt auf die Vergessenheit der Menschen oder deren puren Unwissenheit aufgrund schlechten Geschichtsunterrichts.

Autor Mausfeld: „Der Westen hat also die in der Zivilisationsgeschichte mühsam gewonnenen Institutionen für eine gewaltfreie Bewältigung von Konflikten korrumpiert und weitgehend in Instrumente zur Durchsetzung seiner hegemonialen Ansprüche verwandelt. Er war nie wirklich   – es sei denn rein strategisch in Situationen einer Schwäche   – an einem gewaltfreien Interessenausgleich interessiert.“
Rainer Mausfeld zeigt auf, dass die Gesellschaft des Westens ziemlich krank ist. Deren sie als Elite verstehenden Protogonisten hängen aber bereits in den Seilen. Sie hetzen gegen den Iran oder Russland, merken aber offenbar noch nicht, dass sie dabei sind letztlich sich selbst abzuschaffen. Wie lange das dauert ist derzeit nicht abzusehen. Man schämt sich fremd, wenn man das derzeit unfähigste Führungspersonal Europas seit Jahrzehnten verbal Gift gegen Moskau verspritzen hört mit stolz geschwellter Brust überheblich die starken Mäxe markieren. Die ehemalige österreichische Außenministerin Dr. Karin Kneissl muss darüber lachen. Sie nennt diese Leader „pubertierende Greise“.

Ganz ohne Hoffnung entlässt uns Rainer Mausfeld nicht aus seinem Buch

Sollten wir nicht in der Lage sein unsere gefährliche Krankheit zu überwinden? Was hat die Menschheit nicht alles schon durch- und überstanden!

Das Potential dazu wohnt uns doch inne!

Rainer Mausfeld schreibt:

„Blicken wir auf die lange Zivilisationsgeschichte zurück, so können wir erkennen, dass unsere Epoche nicht die erste ist, in der die Organisation von Machtverhältnissen extrem ungünstige Bedingungen für emanzipatorische Bestrebungen bietet. Die Zivilisationsgeschichte zeigt uns, dass es immer wieder, wenn auch oft erst über lange Zeiträume, durch ein kollektives Lernen aus gesellschaftlichen Erfahrungen möglich war, Instrumente gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu entwickeln. Daraus müssen wir lernen und die Bedingungsfaktoren genau studieren, die dies in der jeweiligen gesellschaftlichen Situation möglich gemacht oder verhindert haben.“

Einfach wird es nicht. Mausfeld gibt uns zu bedenken:

    „Was uns jedoch von allen vorhergehenden Epochen unterscheidet, sind vor allem zwei Aspekte. Erstens wurden in den vergangenen hundert Jahren die technologischen Mittel der Unterdrückung perfektioniert. Nie zuvor gab es einen so tiefgehenden Zugriff von Unterdrückungsmethoden auf unseren gesamten psychischen Apparat. Zweitens müssen wir heute in einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne aktuelle Bedrohungen bewältigen, die in ihrem Ausmaß und ihrer Reichweite dergestalt sind, dass nach einer Zerstörung der menschlichen Zivilisation, wie wir sie kennen, ein kollektives Lernen aus dem Erlittenen wohl kaum mehr möglich sein wird. Denn diese Bedrohungen sind so groß, dass sie nur vor dem Eintreten der bedrohlichen Ereignisse bewältigt werden können. Darin unterscheidet sich unsere heutige Situation von allen vorhergehenden.“

Und weiter:

 „Aus der Geschichte können wir lernen, dass alle gesellschaftlichen zivilisatorischen Fortschritte nur in beharrlichen und oft verlustreichen sozialen Kämpfen errungen wurden. Diese emanzipatorischen Fortschritte mussten den Mächtigen stets abgetrotzt werden. Sie konnten nicht durch einen Dialog mit den Herrschenden errungen werden. Auch nicht mit einem Appell an das Licht der Vernunft, geschweige denn mit einem Appell an deren Mitgefühl.

    Durch einen Blick auf die Geschichte können wir auch die in der natürlichen Beschaffenheit des Menschen liegenden Ressourcen erkennen, die immer wieder   – wenn auch zumeist erst nach langen Perioden des Stillstands oder eines Rückfalls   – emanzipatorische Fortschritte ermöglicht haben. Zu diesen natürlichen Ressourcen unserer Beschaffenheit gehören die im Menschen angelegten moralischen Sensitivitäten, die Befähigung zu einem Andersdenken des Bestehenden sowie die Befähigung zu einer kollektiven Entwicklung gesellschaftlicher Normen. Wir verfügen also über eine reiche natürliche Ausstattung, die uns befähigt, Vorstellungen von einer menschenwürdigen Gesellschaft zu entwickeln und sie konkret werden zu lassen. […]  

 […] Die Entscheidung, am emanzipatorischen Projekt der Aufklärung und damit an dem Ziel einer Schaffung einer menschenwürdigen Gesellschaft festzuhalten, führt auf einen gesellschaftlichen Weg, den zu beschreiten große affektive und intellektuelle Mühen bereitet. Ein solcher Weg kann nur gemeinschaftlich und solidarisch beschritten werden. Auch der unermessliche Schatz an Erfahrungen und Einsichten, die in der langen Tradition emanzipatorischer Bewegungen gewonnen wurden, kann nur in gemeinsamen Anstrengungen ausgewertet und für unser Handeln fruchtbar gemacht werden. Die großen emanzipatorischen Fortschritte, die trotz vielfacher Rückschläge in langen und mühevollen sozialen Kämpfen errungen wurden und tagtäglich in aller Welt errungen werden, sollten uns diese Anstrengungen als lohnend erscheinen lassen.

    Wir profitieren heute von dem Mut, der Entschlossenheit und der Kraft derjenigen, die diese Kämpfe mit besonderem überpersönlichen Einsatz geführt haben. Oftmals gegen den Widerstand und die politische Apathie eines Großteils der Bevölkerung. Die zivilisatorischen Errungenschaften, auf die wir heute stolz sind, verdanken wir jenen, die diese sozialen Kämpfe geführt haben. Daraus ergibt sich eine Verpflichtung auch für unsere Gegenwart. Denn Geschichte wird von Menschen gemacht. Sie hängt wesentlich von menschlichen Entscheidungen ab. Auch der Umgang mit dem Problem der Gewalt in einer Gesellschaft oder zwischen Völkern hängt von menschlichen Entscheidungen ab.

    Dies allein bietet Grund genug, Hoffnung zu haben, dass sich auch unter den gegenwärtig höchst ungünstigen Umständen Weiteres erreichen lässt, sofern diese Hoffnung mit einem klaren und entschlossenen emanzipatorischen Veränderungswillen sowie mit einer Bereitschaft zu kollektiven Anstrengungen Hand in Hand geht.“

Du hast keine Chance – aber nutze sie

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, gab uns Kant mit auf den Weg. Versuchen wir das anscheinend Unmögliche zu tun. Der Filmemacher Herbert Achternbusch prägte unter dem Eindruck des kalten Krieges und der Studentenbewegung den Satz „Du hast keine Chance – aber nutze sie.“

Abermals ein großartiges Buch von Rainer Mausfeld! Ich wünsche ihm viele Leserinnen und Leser.

Es profitiert von der jahrzehntelangen akribischen wissenschaftlichen Arbeit des Autors. Profitieren auch wir davon indem wir es lesen und weiterempfehlen.

Rainer Mausfeld

Hegemonie oder Untergang. Die letzte Krise des Westens?

Erscheinungstermin

12.10.2025

Einbandart

kartoniert

Seitenanzahl

216

ISBN

9783987913341

Preis inkl. MwSt.

24,00 €

inkl. 7% MwSt. zzgl. VersandkostenGratis Versand innerhalb Deutschlands ab 24,– €

Zum Buch:

Der Westen verdankt seine hegemoniale Position in der Welt der Überlegenheit seiner militärischen und ökonomischen Gewalt, sagt Mausfeld. In seinem neuen Buch beschäftigt er sich mit gegenwärtigen Kriegen und Konflikten und belegt anhand von Studien aus der vergleichenden Ökonomie, dass die privilegierte Lebensform des Westens wesentlich auf der Ausbeutung schwächerer Länder beruht. Die schwere Krise des Westens lässt deutlich werden, dass die vom Westen geschaffenen ideologischen Scheinwelten mit den auf eine Multipolarität gerichteten geopolitischen Realitäten nicht mehr in Einklang zu bringen sind. Statt auf diplomatischen Wegen einen Interessenausgleich zwischen Staaten zu suchen, reagiert der Westen auf diese Herausforderung mit einer Steigerung seiner Bereitschaft zu organisierter Gewalt. Aus Angst um einen Machtverlust wechseln seine politischen Eliten in den Endspielmodus blinder Zerstörungsbereitschaft. Sie riskieren lieber eine nukleare Katastrophe, als dass sie eine Begrenzung ihres hegemonialen Anspruchs hinnehmen.

Aus dem Inhalt:

Der Westen befindet sich im Endspielmodus. Die Macht- und Besitzeliten des Westens und die ihnen dienende politische Klasse können vor dem Hintergrund gegenwärtiger Entwicklungen ihre weit- und tiefreichende Verleugnung gesellschaftlicher und geopolitischer Realitäten nicht länger aufrechterhalten. Sie spüren den wachsenden Widerstand gegen ihre hochgradig parasitäre Lebensform, die sie auf Kosten der übrigen Welt und der schwächsten Teile ihrer eigenen Bevölkerungen pflegen. Sie ahnen das Zerbrechen ihrer selbstüberhöhenden Phantasiegebilde; sie werden der Brüchigkeit ihrer Macht- und Gewaltordnung gewahr. Ein solcher Prozess muss in ihnen Verwirrung, Gefühle der Ausweglosigkeit und Angst hervorrufen. Die einzige Macht, die sie noch sehen, ist die Macht der Zerstörung. Während sie die Welt in den Abgrund führen, suchen sie für sich zu retten, was noch zu rauben ist. Sie sind im Endspielmodus eines Handelns, das nicht mehr von einem halbwegs rationalen strategischen Denken geleitet ist, sondern durch Machtgier, Habsucht, Größenwahn und Realitätsverleugnung. Ihr Denken und Reden ist in einer endlosen solipsistischen Schleife bloßer Phrasen gefangen.

Zum Autor:

Rainer Mausfeld, 1949 in Iserlohn geboren, ist emeritierter Professor an der Universität Kiel, wo er bis 2016 den Lehrstuhl für Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung innehatte. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte umfassen die Wahrnehmungspsychologie, Kognitionswissenschaft sowie die Ideengeschichte der Naturwissenschaften. Seine gesellschaftspolitischen Arbeiten zeichnen sich durch eine thematische Vielfalt aus   – von „weißer Folter“ über neoliberale Ideologie bis hin zur Transformation der Demokratie in einen autoritären Sicherheitsstaat sowie den psychologischen Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements.

Großartiger Film „Die Nichte  des Polizisten“ über den Mord des NSU an der jungen  Michele Kiesewetter – eine menschliche und politische Tragödie

(In der ARD am 8. Oktober um 20:15 Uhr!) Am 25. April 2007 ist die junge Polizistin aus Oberweißbach in Thüringen in Heilbronn auf der Theresienwiese ermordet worden. Der neben ihr im Auto sitzender junge Polizist Arnold war schwer verwundet worden, hat aber überlebt. Bis heute ist nicht  geklärt, wer die Schüsse abgegeben hat. Politische Aufklärungsblockaden […]

Großartiger Film „Die Nichte  des Polizisten“ über den Mord des NSU an der jungen  Michele Kiesewetter – eine menschliche und politische Tragödie

Musik gegen Feindbilder – Ein deutsch-russisches Friedensprojekt trotzt dem Zeitgeist

Vier Fragen stellen sich dieser Tage angesichts einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur dringlicher denn je: Was ist nachhaltiger – Vertrauen oder Panzer? Was ist umweltfreundlicher – Vertrauen oder Panzer? Was ist kostengünstiger – Vertrauen oder Panzer? Und schließlich: Was ist zivilisierter – Vertrauen oder Panzer?

Von Leo Ensel

Fragen, die angesichts der eskalierenden Rhetorik zwischen dem Westen und Russland, der milliardenschweren Aufrüstungspakete und eines Klimas des Misstrauens beinahe antiquiert wirken. Dabei liegt die Antwort, so zeigen es die Geschichtsbücher, längst auf dem Tisch.

Vom Schlachtfeld zur Freundschaft

Über Jahrhunderte standen sich Frankreich und Deutschland erbittert gegenüber – von den Scharmützeln des Mittelalters, den deutsch-französischen Kriegen bis zum Ersten und Zweiten Weltkrieg. Jahrhundertelang wurden Feindbilder gepflegt. Frankreich und Deutschland – das waren nicht nur Feinde, sondern in gesteigerter Form sogar Erzfeinde. Kein Krieg, der nicht Leid, Verwüstung und Ressentiments in beiden Ländern hinterlassen hätte.

Und heute? Keine Panzer am Rhein, keine Raketenstellungen zur Abschreckung. Der Hass ist Freundschaft gewichen, die einstigen Feinde sind zu Nachbarn und Partnern geworden. Deutsche flanieren in Paris und genießen Croissants – ohne Eroberungsfeldzug. Franzosen erleben Berlin und seine Kultur – ohne Ressentiments. In Freiburg im Breisgau ist gar eine ehemalige französische Kaserne, einst Symbol militärischer Präsenz, in das Ökoviertel Vauban verwandelt worden – ein weltoffener Modellstadtteil, benannt nach dem Festungsbaumeister von Louis XIV. Schwerter zu Pflugscharen: Hier wird es Realität!

Wie war das möglich? Die Antwort beginnt nicht in den Zentralen der Macht, sondern im Mut Einzelner. Noch während des Weltkrieges entwarf die französische Gymnasiallehrerin Marthe-Marie Dortel-Claudot die Vision einer Aussöhnung mit Deutschland. Sie überzeugte Bischöfe, Wallfahrten der Versöhnung mit Zehntausenden Teilnehmern zu organisieren. Daraus erwuchs die katholische Friedensbewegung „Pax Christi“.

Jahrzehnte später griffen die Staatslenker auf, was diese mutige Frau zuvor gesät hatte: 1963 unterzeichneten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag – den Grundstein für das Deutsch-Französische Jugendwerk. Millionen junger Menschen begegneten sich seither, tauschten Ferienlager gegen Klassenzimmer, Vorurteile gegen echte Begegnungen.

Das Ergebnis: Vertrauen statt Waffen, Dialog statt Drohgebärden. Eine Sicherheitsarchitektur, die keiner Milliardenbudgets bedarf.

Russland – das fehlende Kapitel?

Warum also, so drängt sich die Frage auf, wird dieses Erfolgsmodell nicht auf die Beziehungen zu Russland übertragen? Warum beantwortet die Europäische Union Spannungen heute wieder militärisch? Warum klammert sich die Politik an alte Kategorien wie „Erzfeind“? (Außenminister Wadephul nannte es nur wenig anders.) – Worte, die an das dunkelste Kapitel deutsch-französischer Feindschaft erinnern?

Während ganze Staaten nun in den Ton der Aufrüstung einstimmen, gibt es im äußersten Südwesten Deutschlands eine leise, aber beharrliche Gegenstimme, die Mut macht.

Jugendliche gegen den Strom – Musik für den Frieden

Die Initiative nennt sich „Musik für den Frieden – Мyзыка ради Mира“. Es sind deutsche Jugendliche, die zusammen mit Jugendlichen aus Russland sich den Gedanken an Mitmenschlichkeit, an den friedlichen Umgang miteinander nicht austreiben lassen wollen. Ihre Vision ist es, sich dem politischen Zeitgeist entgegenzustellen, um einen Keim zu legen für eine friedliche Zukunft in Europa. Vielleicht, so wünschen sie es sich, kann aus diesem Keim dereinst ein deutsch-russisches Jugendwerk entstehen! Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. 

Dafür setzen sie sich ein. Seit 2018 begegnen sich Jugendliche aus Freiburg und Umgebung und Jugendliche aus Twer in Russland. Sie machen gemeinsam Musik, überwinden Sprachbarrieren und politische Feindbilder. Musik, diese universelle Sprache, spricht ihr Herz und Verstand an, stiftet Freundschaft, wo Politik polarisiert und tiefe Gräben zieht. Die Konzerte und Musikfilmproduktionen der Initiative zeigen der Öffentlichkeit, dass Verständigung möglich ist. Während viele Partnerschaften nach dem 24. Februar 2022 ihre Zusammenarbeit einstellten, machte „Musik für den Frieden“ einfach weiter – unabhängig von staatlichen Stellen, getragen von der Überzeugung, dass Menschlichkeit und Musik verbinden.

So wurde aus einer kleinen Idee ein handfestes Projekt mit internationalem Echo: In diesem Herbst plant die Initiative wieder ihr „Internationales Musik-Friedens-Camp“ in der Türkei. Über 60 junge Menschen aus Russland und Deutschland treffen sich, zusammen mit Jugendlichen aus der Türkei und anderen Ländern, für eine gute Woche in Çeşme in einem weitläufigen Resort. Sie leben dort intensiv zusammen, teilen in Gesprächsrunden ihre Hoffnungen, Wünsche und Pläne für eine friedliche Zukunft. Die Jugendlichen proben engagiert viele Stunden am Tag, um dann ein musikalisches und choreografisches Programm auf die Bühne zu bringen. Dabei werden die Songs auf Russisch, Deutsch, Englisch und Türkisch von allen in wechselnden Besetzungen performt. Die meisten Songs sind selbst komponiert, getextet und arrangiert.

Höhepunkt werden große Konzerte in Izmir und Bursa sein – Friedensbotschaften, die direkt von Herz zu Herz transportiert werden. Begleitet von Social-Media-Kanälen und einem eigenen YouTube-Auftritt, trägt sich die Botschaft weit über die Konzertsäle hinaus.

Naivität oder Gegenmacht?

Ist das alles nicht naiv? Eine Handvoll Studenten gegen Rüstungsbudgets in dreistelliger Milliardenhöhe? Ein David gegen Goliath, dessen Schleuder kaum die Panzerketten erreichen könnte?

Nein, meint der Regensburger Propagandaforscher Dr. Jonas Tögel. In seinen Studien zur „Kognitiven Kriegsführung“ kommt er zu einem klaren Schluss: Kein Krieg ist ohne die Zustimmung der Bevölkerung möglich. Manipulierte Wahrnehmungen, gezielte Feindbilder und dauerhafte Propaganda bereiten den Boden für Eskalation. Historisch betrachtet sei die öffentliche Ablehnung von Krieg, der wichtigste Schutzmechanismus vor bewaffneten Konflikten gewesen.

Die Jugendlichen in Çeşme immunisieren sich – bewusst oder unbewusst – gegen diese Manipulationen, kriegstüchtig zu werden. Indem sie einander begegnen, entziehen sie sich Feindbildern und pauschalem Hass. Wer ein Gesicht, einen Freund, eine gemeinsame Erinnerung aus dem anderen Land kennt – das ist die subversive Kraft von Freundschaft und Liebe! –, schießt nicht.

Vom Keim zur Blaupause

Vielleicht werden ihre Konzerte keine Rüstungspläne stoppen. Vielleicht aber sind diese Begegnungen jenes unscheinbare Samenkorn, aus dem einst auch die deutsch-französische Freundschaft erwuchs. Der Weg von den Schlachtfeldern zu Partnerschaften begann damals ebenso leise – mit einer Pädagogin, die an Versöhnung glaubte. Heute sind es Jugendliche mit Instrumenten in der Hand.

Sie werden so selbst zur lebendigen Antwort auf die eingangs gestellten Fragen: Vertrauen ist nachhaltiger. Vertrauen ist kostengünstiger. Vertrauen ist umweltfreundlicher. Und Vertrauen ist, ohne Zweifel, die zivilisiertere Form von Sicherheit.

Straßenszene in Izmir Karşıyaka. Foto: ©Claus Stille

PS:
Das Friedenscamp in der Türkei kostet viel Geld für Flüge, Unterkunft und Verpflegung. Wer möchte, kann das Projekt finanziell unterstützen. Spenden an den
Verein Musik für den Frieden e.V.
Sparkasse Markgräflerland 
IBAN DE24 6835 1865 0108 7211 43 
BIC SOLADES1MGL

Eine Spendenbescheinigung kann vom Verein MUSIK FÜR DEN FRIEDEN e.V. ausgestellt werden. Bitte Mail- oder Postadresse angeben.

Infos: www.musik-fuer-den-frieden.de

Siehe zum Thema «Musik für den Frieden» auch hier und hier und hier und hier und hier.

Herzlichen Dank an Globalbridge und Leo Ensel für die Gestattung der Übernahme des Artikels.

Beitragsbild: ©Claus Stille (Der Uhren-Turm in Izmir)

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Gaza brennt

Netanjahus ganz konkreter Wahn „Super-Sparta“ riskiert den Untergang Mit beispielloser Gewalt wird Gaza Stadt erobert. Auf Befehl Netanjahus, gegen die Einwände seines Generalstabschefs, der vor hohen Verlusten der eigenen Soldaten und einem endlosen Krieg warnt. Netanjahu tut alles, um einen Waffenstillstand und einen Deal mit der Terrorgruppe Hamas zu verunmöglichen. Die Geiseln sind ihm gleichgültig. […]

Gaza brennt

Strafanzeige gegen Scholz, Habeck, Baerbock, Pistorius, Merz, Wadephul und Reiche wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen durch Waffenlieferungen an Israel

Nach dem Bericht des langjährigen Rechtsexperten Christian Rath in der taz vom 19. September hat eine Gruppe von Berliner An­wäl­t:in­nen  um Benjamin Düsberg  sieben aktuelle und ehemalige Mitglieder der Bundesregierung sowie vier Un­ter­neh­mens­ver­tre­te­r:in­nen im Zusammenhang mit  Waffenlieferungen an Israel  angezeigt.  In einer ausführlichen Begründung wird darauf verwiesen, dass die deutsche Regierung für mehr als 1/3 aller Waffenlieferungen –  […]

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Die Lösung für unsere Probleme: Eine funktionierende Gewaltenteilung 

Wesentliche Grundvoraussetzung für eine funktionierende staatliche Gewaltenteilung ist ein ÖRR, der seinen in den Medienstaatsverträgen festgelegten Verpflichtungen tatsächlich gerecht wird. Eben diese werden Gegenstand im Revisionsverfahren gegen die einseitige Berichterstattung des ÖRR in vielen gesellschaftspolitischen Bereichen sein, das vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 1. Oktober 2025 stattfinden wird. Die Bürgerinitiative Leuchtturm ARD ORF SRG ruft alle wachen Demokraten auf: Kommet zuhauf! 

Von Jimmy C. Gerum und Jan Veil 

Viele haben die Geduld verloren mit dem öffentlichen Rundfunk (ÖRR). Viele sagen, diese verkrustete Institution muss weg, der ÖRR ist unreformierbar.
Vor allem aber muss der Zwangsbeitrag weg, sollen die doch machen, was sie wollen, Hauptsache, wir Bürger müssen nicht auch noch dafür zahlen. Medien sollten freiwillig bezahlt werden; jeder zahlt, was er nutzt.
Im Internet gibt es Unterhaltung, Sport, News und sozialen Austausch, alles umsonst!
Dass im Gegenzug unsere Daten gesammelt werden, interessiert uns nicht, wir haben nichts zu verbergen. 

Diese Meinungen sind sehr verbreitet. Der Springer-Konzern spricht von 80% unwilligen Zahlern der Rundfunkbeiträge. Aber was will der Springer-Konzern? Er hat natürlich ein Interesse, einen unliebsamen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem ÖRR zu eliminieren. Wer braucht schon die Tagesschau, wenn er doch die BILD-Zeitung hat. Und dann gibt es noch die globalen Einzelinteressen, die von allen großen Medienkonzernen vertreten oder abgebildet werden. Sie sitzen gemeinsam mit den politischen Mandatsträgern im selben exklusiven Boot der demokratischen Gesellschaften und prosten sich regelmäßig zu. Wenn die Kriegstüchtigkeit dann zum neuen westlichen oder europäischen Ziel ausgerufen wird, dann stehen die Qualitätsmedien Gewehr bei Fuß und beginnen mit der täglichen Indoktrination der aktuellen Botschaft. Einige tun das bewusst, viele sogar unbewusst, weil sie das Nachplappern inzwischen gewohnt sind – in einer oftmals auch noch prekär finanzierten (Print-) Medienwelt. 

Sogar der reiche ÖRR ist angeblich prekär finanziert und klagt aktuell für höhere Beiträge beim Bundesverfassungsgericht, weil er zu einem alten Schlachtross verkommen ist, das mittlerweile derart viel Geld in Verwaltung und Pensionsansprüche investieren muss, dass auch hierin ein wichtiger Grund für den stetigen Qualitätsverlust des öffentlich-rechtlichen Journalismus liegen mag (z.B. weniger Auslandskorrespondenten und dadurch Abnahme langfristiger lokaler Expertise). Kein Wunder, dass viele diese Zustände als unreformierbar bezeichnen. 

Diese von tiefer Resignation zeugenden Betrachtungen greifen nicht grundlos um sich, und doch führen sie nicht zu einer Lösung für ein tragfähiges Zukunftsmodell unserer Demokratie. Deshalb lohnt der Diskurs und der Austausch von Argumenten. 

Denn das eigentliche Problem liegt oberhalb des verkrusteten ÖRRs:
Darüber stehen nämlich die Verkrustungen aller politischen, demokratischen und universitären bzw. bildungsrelevanten Institutionen. 

Das parlamentarische System, der Fraktionszwang, die Weisungsgebundenheit der Staatsanwaltschaften, die EU, der Presserat, die Landesmedienanstalten, der deutsche Journalistenverband, der UN-Sicherheitsrat, die gesamte UNO.
Reformbedürftig ist alles, was heute für Demokratie, Pressefreiheit und Friedensdiplomatie sorgen sollte. Die Kritikpunkte betreffen eine fassadenartige Vortäuschung von Demokratie, eine fassadenartige Vortäuschung von Pressefreiheit und eine gewalttätige und eskalierende Außenpolitik, die das Recht des Stärkeren durchzusetzen versucht, statt sich um einen fairen Interessenausgleich zu bemühen. 

Die Lösung für diese Probleme wurde von unseren Zivilisationen bereits vorgedacht.
Sie liegt in einer strikten Gewaltenteilung, in aufrichtiger Transparenz und demokratischer Kontrolle (zumindest!) der staatstragenden Institutionen.
Die Gewaltenteilung ist ein theoretisches Konzept, dessen reale Ausprägung ebenfalls unter einer fassadenartigen Vortäuschung leidet.
Transparenz und Kontrolle müssen politisch gewollt sein, sodass die Defizite in der Gewaltenteilung regelmäßig nachjustiert werden können, so die Theorie. Andernfalls weiten sich mit der Zeit diese sehr praxisbezogenen Defizite nahezu zwangsläufig aus. 

Die Realität seit 1945 ist eine machtpolitische Weltordnung, die erfolgreich Einfluss genommen hat auf die Funktionsfähigkeit dieser Ideen und ihrer Institutionen. Sie hat seit 80 Jahren das Recht des Stärkeren mal mehr, mal weniger verborgen im Hintergrund bedient. Diese Tendenz hat sich, gerade seit der Jahrtausendwende, für die meisten Bürger spürbar verstärkt. Transparenz und Kontrolle sind der Heuchelei und der Unaufrichtigkeit gewichen.
Die Bezeichnung „Werte-Westen“ gerät mehr und mehr zu einer bloßen Oberflächlichkeit, zu einem polit-medialen Kampfbegriff dieses verkrusteten Systems, das seine von Machterhalt geprägten Interessen seit Jahrzehnten – und von Jahr zu Jahr immer schamloser – durchsetzt. 

Die Verhinderung des öffentlichen Diskurses über dieses institutionelle Versagen nannte der Philosoph Dr. Michael Andrick zuletzt in der vorbildhaft ausgewogenen Berliner Zeitung „imperiale Stille“.
Das Schweigen über den wahren Zustand der zentralen Institutionen und der politischen Klasse unserer Demokratie ist ebenso essentiell für den Machterhalt des Establishments wie die Degeneration der politischen Mündigkeit der Bürger, denen nur noch häppchenweise manipulierende Informationsfragmente verabreicht werden. 

Wenn wir also die funktionierende Gewaltenteilung als Lösung erkennen und wünschen, dann brauchen wir einen Plan, der mit einem ersten Dominostein beginnt.
Und hier sind wir wieder beim ÖRR. Er ist der Dominostein, der am leichtesten von aufrechten Bürgern umgestoßen werden kann. Denn alles beginnt mit dem Ende der „imperialen Stille“. 

Der öffentliche Diskurs über die mangelnde Meinungsvielfalt, über verschwiegene Konstruktionsfehler unserer Demokratie, über verschwiegene geopolitische Interessen könnte die Mündigkeit unserer Mitbürger wieder aufbauen. Und die Reichweite seiner Öffentlichkeit ist eine Frage von Macht und Deutungshoheit. Kein freies und unabhängiges kritisches Medium kann diese Stimme mit ausreichender Lautstärke erheben. Das kann nur ein milliardenschwerer Medienkonzern, der sich mutig auf die Seite der Demokratie und der Pressefreiheit stellt. 

Und der einzige Medienkonzern, der diese Aufgabe sogar in seinen Medienstaatsverträgen niedergeschrieben hat und der auch noch von unseren eigenen Milliarden finanziert wird statt von privaten, kriegstreiberischen Investoren, das ist unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk.
Es ist also die Mühe wert, diese Institution als möglichen ersten Dominostein einer Kehrtwende hin zu einer funktionierenden Gewaltenteilung zur Rede zu stellen. 

Und genau das werden wir am 1. Oktober vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig tun.
Im Revisionsverfahren einer unserer Klägerinnen gegen die einseitige Berichterstattung soll am 1. Oktober 2025 ab 10 Uhr die Frage geklärt werden, ob der ÖRR bei seiner Aufgabe, die Meinungsvielfalt zu gewährleisten, strukturell versagt (Az: BVerwG 6 C 5.24). 

Zur Unterstützung der öffentlichen Diskussion über die klaren Defizite bei der Meinungsvielfalt haben wir ein Forum konstruktiver Kritiker gegründet, das uns helfen kann, eine breite Aufmerksamkeit für dieses eminent wichtige Thema zu schaffen. Viele Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, aus der Friedensarbeit und dem Journalismus erheben gemeinsam ihre Stimme für Meinungsvielfalt und für eine gesunde europäische Friedensordnung, die sehr nah mit einer fairen Diskurskultur zusammenhängt.
Unsere Pressemitteilung dazu finden Sie hier: https://leuchtturmard.de/mahnwachen-material/dokumente 

Besuchen Sie gemeinsam mit uns diesen wichtigen öffentlichen Prozess in Leipzig und setzen Sie ein Zeichen für die Grundlage unserer Demokratie.
Am Mittwoch, den 1. Oktober, treffen wir uns alle ab 9 Uhr auf dem Simsonplatz vor dem Gerichtsgebäude.
Denn ohne Meinungsvielfalt gibt es keinen Frieden und keine bürgerliche Mitbestimmung. 

Für weitere Informationen zu unserer Arbeit für die Bündelung unserer demokratischen Kräfte wenden Sie sich gerne jederzeit an uns unter 0151-5055 2062 oder info@leuchtturmARD.de 

Beitragsbild: ©Claus Stille

Hinweis: Gastbeiträge geben immer die Meinung des jeweiligen Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.