Free21 – Das Magazin. Läuft! Eine Begegnung mit Chefredakteur Tommy Hansen

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Free21-Chefredakteur Tommy Hansen (links) mit Verbriebsmitarbeiter Lukas Puchalski am Infostand des Magazins in Dortmund; Foto. C.-D. Stille

So was kommt von so was. Wer den Zustand des Journalismus in diesem Lande in den letzten Jahren kritisch und mit wachen Augen verfolgt, schlägt die Hände über den Kopf zusammen. Nicht einmal bei den so genannten Leitmedien schaut besser aus. Auch über die journalistische Qualität unserer von unseren Beiträgen finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten muss des Sängers Höflichkeit schweigen. Kurzum: Die Vierte Macht im Staate kommt der Erfüllung ihrer Aufgabe nur noch ungenügend war. Und das ist noch geschmeichelt ausgedrückt. Man muss auch gar nicht die doch letztlich fragwürdigen Begriffe „Gleichschaltung“ oder „Lügenpresse“ bemühen. Wie auch immer. Stimmen tut das, was Willam Shakespeare Hamlet in seinem gleichnamigen Stück sagen lässt: Da ist etwas faul im Staate Dänemark. Das sagte sich auch der dänische investigative Journalist Tommy Hansen. Und der Mann weiß: In Deutschland (sh. Einleitung) sieht es kein Stück besser aus.

Die Vierte Gewalt funktioniert einfach nicht mehr

Hansen persönlich verortet den Tag, an dem der seriöse Journalismus seiner Meinung nach „einfach gestorben“ sei, rund um den Anschlag von 9/11. Seitdem würden keine kritische Fragen mehr gestellt: „Man untersucht die Hintergründe (des Anschlags; d. Autor) nicht mehr“, sagte Tommy Hansen auf einer Veranstaltung der „Friedenstournee 2015 kürzlich in Dortmund. Seither mache man „alles was gegen Journalismus spricht“.“ Tommy Hansen: „Die Vierte Gewalt funktioniert einfach nicht mehr.“

Vor  einem Jahr noch hatte Hansen auf einem Feld in Dänemark gesessen und mit Ken Jebsen über sein Idee gesprochen

Am Rande der Veranstaltung hatte ich Gelegenheit mit Tommy Hansen und Lukas Puchalski ein paar Worte zu wechseln. Ich treffe beide am Stand von „Free21“. Die Idee zu diesem Magazin ist ihm noch in Dänemark gekommen. Statt angesichts des in seinen Augen gestorbenen Journalismus zu resignieren, sagte sich Hansen: „Es reicht! Das hat nichts mehr mit Journalismus zu tun.“ Die Bevölkerung wurde mehr und mehr angelogen oder bestimmte Informationen wurden einfach nicht in den Medien transportiert. Die Idee zu einer Art „Fünften Gewalt“ kam ihm. Vor einem Jahr noch hatte Hansen auf einem Feld in Dänemark gesessen habe Ken Jebsen von KenFM von seiner Idee, interessante Geschichten aus dem Internet zu holen, um sie auszudrucken und weiter zu verbreiten (hier das Video). Den Namen „Free21“ leitete der Journalist von einem UN-Begriff, der Agenda 21, ab. Hansens Intension dabei: Es galt einen „freien Journalismus des 21. Jahrhunderts“ zu machen.

Ein Jahr nach der Begegnung mit Jebsen auf einem Feld in Dänemark ist aus der Idee etwas Greifbares geworden, das sich sehen lassen kann. Zunächst war es angedacht kritische Artikel, die woanders unter den Tisch fallen, weil sie von den Chefredaktionen der Leitmedien aus den unterschiedlichsten Gründen nicht gewünscht sind, ins Internet zu stellen. Damit sie von den Lesern als PDF-Dokument ausgedruckt und somit vor eventuellem Löschen im Netz zu bewahrt würden und weiter verteilt werden konnten. Nun ist darüber hinaus ein entsprechend gelayoutetes gedrucktes Magazin herausgekommen. Nicht unwesentlich verdanken wir diese Weiterentwicklung von Hansens Idee Free21-Mitstreiter Lukus Puchalski aus Köln, der vergangenen Samstag auch mit am Info-Tisch in Dortmund saß. Inzwischen gibt es zwei Ausgaben. „Free21“ erscheint Quartalsweise.

Keine schlechte Bilanz

Wie ist nun der Stand der Dinge, will ich in Dortmund wissen. Free21-Chefredakteur Tommy Hansen und der hauptsächlich für den Vertrieb zuständige Lukas Puchalski berichten stolz von 1300 Lesern, die Free21 bereits abonniert hätten. Ich erfahre, jeder dieser Abonnenten erhält für den Preis von 15 Euro jeweils 20 Exemplare. Das heißt, behält man eines dieser Magazin-Ausgaben, können jeweils 19 andere an Freunde und Kollegen abgeben werden. Oder sie werden an Orten ausgelegt, wo viele Leute vorbeikommen. In der Uni, auf dem Arbeitsamt – der Möglichkeiten sind ja viele. Unterdessen erreiche Free21 zwischen 30- und 40 000 Leute, sagte mir Lukas Puchalski. Keine schlechte Bilanz!

Traum vom „weltgrößten Printmedium“

Inzwischen sind die Fühler auch in andere Länder, etwa nach Ungarn, ausgestreckt worden. Die Free21-Beiträge werden von Muttersprachlern in die jeweilige Landessprache übersetzt. So vernetzt sich Free21 immer mehr. Tommy Hansen kann sich vorstellen, dass Free21 weitere Kreise in der Welt zieht. Eigentlich könne Free21 in jedem Land reüssieren. Und Visionen hat dieser inzwischen in Berlin wohnende Däne: Er träumt betreffs Free21 sogar vom vielleicht einmal „weltgrößtem Printmedium“. Ein völlig neues Medium in gewisser Beziehung. Inzwischen ist von Free 21 sogar das erste Youtube-Video transkribiert worden. Wahrscheinlich weltweit einmalig! Es geht dabei um ein spannendes Referat von Professor Rainer Mausfeld („Warum Schweigen die Lämmer?“).

Viele sind an Free21 beteiligt

Am Projekt Free21, hörte ich, sind viele andere Menschen beteiligt: Transkribierer, Rechercheure, Layouter und Crowdfunding-Unterstützer. Gesucht würden noch Leute aus diesen Gebieten und muttersprachliche Übersetzer für Sprachen, in welchen künftig das Magazin auch erscheinen soll. Die Zentralredaktion liegt in Händen von Tommy Hansen. Lukas Puchalski kann sich jeder an Free21 beteiligen. Journalist muss man nicht unbedingt sein. Allerdings müsse seinen „Background transparent machen“. Des Weiteren einverstanden sein mit den Richtlinien von Free21. Die Themen für einen Artikel sollten gut recherchiert sein.

Die Zielgruppe

Für wen ist Free21 nun interessant? Da wären wir wieder beim Anfang des Artikels. Aufgrund der breiten miserablen Qualität des deutschen Journalismus fühlen sich bestimmt Menschen bemüßigt Informationen anderswo zu suchen. Nur gebricht es dazu vielen Menschen gewiss an der nötigen Zeit dafür. Schließlich ist es nicht einfach unseriösen von seriösen Journalismus zu unterscheiden. Das mühsame Recherchieren und Ausklamüsern übernimmt Free21. Denken wir nur an die NachDenkSeiten, leisten in ähnlicher Weise einen nicht zu unterschätzenden Dienst an ihren Leserinnen und Lesern. Von solchen Medien, Davids in der Branche – kann es angesichts der Goliaths auf dem Markt – also gar nicht genug geben. Free21 bringt nun journalistische Beiträge auch in gedruckter Form an die Leser. Auf dem Papier finden diese auch Verweise auf Links im Netz. So hoffen die Macher von Free21 auch Menschen für das Stöbern im Netz zu erwärmen. Free21 will also keine Einbahnstraße sein. Auch die Leser sind gefordert sich zu beteiligen und die Idee weiter zu tragen.

Tommy Hansen: „Es gibt keinen Weg zurück!“

Wohin geht es mit Free21? Tommy Hansen weiß das freilich nicht. Nur soviel: „Es gibt keinen Weg zurück!“ Läuft!, schätze ich mal Free21 betreffend ein. Hansen spricht davon, dass er täglich Vorschläge für Beiträge erhält. Von Wissenschaftler gar und von Buchautoren. Von Journalisten, deren Artikel absichtlich oder unabsichtlich unterdrückt werden. Tommy Hansen ist egal wie es sich im Einzelnen verhält. Er möchte einfach wieder seine Arbeit als Journalist machen und für guten Journalismus werben.

Der Däne aus Berlin zeigte sich jedenfalls optimistisch. Und auch von Dortmund angetan. Oder soll ich schreiben von den Dortmunderinnen? Jedenfalls sollen ihn viele überaus nett gegrüßt haben. Befragt wurde Tommy Hansen jedenfalls an jenem Sonnabend von vielen interessierten Menschen beiderlei Geschlechts. Denn es ging ja um die Sache.

Die deutschen Printmedien verlieren seit Jahren an Lesern. Dass hat zwar nicht nur damit zu tun, dass sie die Aufgaben der Fünften Gewalt nicht mehr ordentlich wahrnehmen. Aber auch. Da ist es nur gut, dass neue Medien wie etwa Free21 auftauchen. So was kommt eben (auch) von so was …

„Stop G7“-Sprecher: Viele Journalisten schreiben, was von ihren Redaktionen erwartet wird

Über Schmierenjournalismus:

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tplogoRudolf Stumberger interviewt für Telepolis Benjamin Ruß, einen Sprecher des Bündnisses „Stop G7“, über die Erfahrungen in der Pressegruppe der G7-Gegner mit den Medien

„Bei vielen JournalistInnen ist mir tatsächlich der Respekt abhanden gekommen“

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Wieder da

Empfehlung!

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Nie wieder

wollte ich auf zwei Rädern dort hin. Nun habe ich es doch getan. Zwei aufregende Wochen auf dem Motorrad durch Schottland liegen hinter mir: Eine stürmische Anreise zur Fähre, eine fiese Erkältung, vier Jahreszeiten an einem Tag, jede Menge neue Eindrücke und die nächsten „Ruhrköpfe“ schon in Vorbereitung.

Viele liebe Grüße, Annette

Schottland, Foto: privat Schottland, Foto: privat

Schottland, Foto: privat

Sligachan/Isle of Skye, Foto: Annette Mertens Sligachan/Isle of Skye, Foto: Annette Mertens

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Friedenstournee 2015 mit engagierten Beiträgen in Dortmund

Friedenstournee 2015 in Dortmund; alle Fotos: Claus-Dieter Stille

Friedenstournee 2015 in Dortmund; alle Fotos: Claus-Dieter Stille

Das Wetter in Dortmund ist angenehm. Noch ein bisschen schwül zwar, aber nicht drückend heiß, wie befürchtet. Der Platz, den die Behörden für die Veranstaltung genehmigt haben, ist gut gewählt: Der Reinoldikirchplatz nämlich, unmittelbar am Fuße der Reinoldikirche. Mitten im Zentrum. Dort wo stündlich tausende Passanten in beiden Richtungen vorbeiströmen. Um einen Einkaufsbummel zu machen, oder die Außengastronomien zu frequentieren. Gegenüber einem noblen Juweliergeschäft und einem Fastfoodrestaurant liegt ein schwarzes aufgeblasenes Gummiungetüm, eine „Zinsbombe“, am Wegesrand. Daneben können Interessierte Fragen zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) beantworten. Etwa derart: Würden Sie noch arbeiten, wenn es das BGE gäbe? Für die jeweiligen Antworten muss ein Holzwürfelchen in das entsprechende Antwortkästchen auf der großen Bodenzeitung gelegt werden. Ein paar Meter weiter sind diverse Infostände aufgebaut. Es geht um die Themen: Kampagne Ramstein für 25. und 26.9., Kalkar 3.10., TTIP TISA CETA (10.10. Berlin), Solidarität mit Griechenland ein Verein wirbt für die Unterstützung von syrischen Flüchtlingen und ein Stand von Free21 – Das Magazin (mehr dazu hier). Darüber hinaus ein Stand, an welchen gegen Spenden Gebäck und Getränke erworben werden können.

Alubehütete Provokateure und Polizeipräsenz

Auch das: Ringsum Mannschaftsbusse der Polizei. Offenbar gibt es Befürchtungen, dass es zu Störungen kommen könne. Was sich schon bald bestätigen soll. Überdies hat es im Vorfeld der Friedenstourneee Bekundungen der Partei Die Rechte, die ihre Hochburg in der Stadt hat, sich mit den Zielen der Veranstaltungen zu solidarisieren. Mitveranstalter Peter Jüriens tritt dem eingangs der Veranstaltung vehement entgegen und warnt, dieser Personenkreis nebst irgendwelchen Symbolen sei unerwünscht. Bei Zuwiderhandlungen werde die anwesende Polizei gebeten sie des Platzes zu verweisen und das Zeigen entsprechender Symbole zu unterbinden. Dieser Hinweis wird nun Stunde um Stunde wiederholt. Allerdings bleiben die Rechtsradikalinskis, solange der Chronist anwesend war, weitgehend unsichtbar. Dafür tauchen schon bald Leute der Aluhutfraktion, so genannte Antifaschisten und Antideutsche auf. Hin und wieder versuchen sie Rednerinnen und Redner zu beschimpfen („Faschisten“. Und natürlich haben sie es auf die Band „Die Bandbreite“ und Sänger „Wojna“ Marcel Wojnarowicz aus Duisburg abgesehen. Die Band steht immer wieder in der Kritik nicht nur so genannte Verschwörungstheorien (z.B. mittels des Songs „Selbstgemacht“ zu 9/11) zu verbreiten, sondern auch rechts verortet zu sein. Die Band weist das kategorisch von sich. Zu direkten Konfrontation kommt es nicht. Die Provokateure mit den putzigen Alufoliehüten, „Alufa“, wie sie René Rebell auf Facebook nennen wird, schreien sich die Seele aus den Hälsen. Aber stets ist die Bereitschaftspolizei zur Stelle, die die Schreihälse abdrängt und wohl auch Platzverweise erteilt. Eine Israel-Fahne muss eingerollt werden. Die Veranstalter hatten generell dafür aufgefordert Nationalflaggen nicht zu zeigen.

Die Friedenstournee, die sich explizit auf die Friedensbewegung von früher bezieht, wird offenbar von den Protestlern noch immer mit den in der Tat diskussionswürdigen „Mahnwachen für den Frieden“, auf denen auch Redner vom rechten Rand auftreten durften, in Verbindung gebracht.

Ingo Meyer fordert UMfairTEILUNG und eine „soziale, solidarische Gesellschaft“

Ingo Meyer

Ingo Meyer

Erster Redner nach einem musikalischen Auftritt von René Rebell an diesem Sonnabend ist der hoch engagierte Dortmunder DUW-Kreisvorsitzende und Huckarder Bezirksvertreter Ingo Meyer. Er spricht für das BündnisUmfairTEILEN“ seiner Stadt. Meyer kritisiert die massive ungleiche Vermögensverteilung hierzulande und fordert eine „soziale, solidarische Gesellschaft“ (dazu hier mehr in meinem älteren Artikel).

Couragiert: Carmen Dörhöfer-Müller

Carmen Dörhöfer-Müller

Carmen Dörhöfer-Müller

Auf der Friedenstournee in Dortmund redet  auch  Carmen Dörhöfer-Müller (Bonn, Thema: UNO). Eine Frau, die sich schon dreißig Jahre in der Friedensbewegung verschrieben hat. Couragiert setzte sich Dörhöfer-Müller, so richtig in Rage gekommen, mit den wütenden Zwischenrufern der Aluthutfraktion auseinander. Als Faschistin wolle und müsse sie sich nun gerade nicht bezeichnen lassen. Im Verlaufe der verbalen Auseinandersetzung wird klar, dass die jungen Leute einiges durcheinanderbringen, weil sie offenbar desinformiert, beziehungsweise auch in der Geschichte nicht besonders bewandert sind. Dörhöfer-Müller geißelte den „Weltfaschismus“, erinnert daran, dass Deutschland 1999 mit dabei als Serbien das dritte Mal angegriffen wurde.  Wir trügen, sagt sie, die Verantwortung für das was heute geschieht. Und mahnt: „Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen“.

Zappenduster für die Demokratie

In Erinnerung bleiben die Worte der Piraten-Politikerin Regula Rickert aus Kassel. Sie spricht über das so genannte Freihandesabkommen TTIP. Das führe zu nichts anderem als einer „Oligarchie der Wirtschaft“. Käme es, würde es „zappenduster für die Demokratie“. Sie sieht uns „an der Schwelle der Demokratie“ stehen.

Rainer Braun: „Von deutschem Boden geht permanent Krieg aus!“

Rainer Braun

Rainer Braun

Der altgediente Kämpe der deutschen Friedensbewegung, Rainer Braun, erinnert in seinem Redebeitrag an die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Schildert, wie es sich damals zutrug, den unvorstellbaren Schrecken und das Leid, das sie auslösten. Wohl keiner habe den Gedanken von Hiroshima in deutlichere und mahnendere Worte formuliert als der türkische Schriftsteller Nazim Hikmet. Zwei Gedanken zitiert Braun sinngemäß aus dessen Gedicht „Das Mädchen“. Bei Hikmet heißt es (Auszug):

(…) „Zuerst fing Feuer mein Haar,
dann sind mir die Augen verbrannt,
bis ich zu einer Handvoll Asche wurde,,
die durch die Luft wirbelte.

Für mich verlange ich
nichts von euch, nichts.
Ein Kind, das wie Papier brannte,
kann nicht einmal mehr Bonbons essen. (…)

Rainer Braun: „Hat die Menschheit aus Hiroshima und Nagasaki gelernt? Dazu müssen wir als erstes sagen: Nein!“ Denn noch immer gebe auf diesen Planeten 16 000 Atomwaffen. Von denen 4300 stationiert sind, dass sie in Stunden einsatzfähig sind. Und 1800 können sofort abgeschossen werden. Und diese 16 000 Atomwaffen sollen modernisiert werden!“ Effektiver, kleiner und einsatzfähiger auch bei regionalen Konflikten sollen sie werden. „Diese Modernisierung kostet in den nächsten Jahren ein Billiarde US-Dollar! Wie viel Kinder könnten davon zur Schule gehen, wie viel Gesundheitszentren gebaut werden, wie viel Hungern bekämpft und beseitigt werden!“ Von diesem Atomkrieg seien wir nach wie vor bedroht. Sogar wieder so stark wie einst schon einmal. Die von siebzehn Nobelpreisträger herausgegebene Zeitung „Atomic Scientist“ habe im Februar dieses Jahres ihre Atomuhr von fünf Minuten vor Zwölf auf drei Minuten vor Zwölf vorgestellt.

„So nah an Zwölf stand sie das letzte Mal 1984“, gibt Rainer Braun zu bedenken. „Es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, dass sich der Konflikt in der Ukraine zu einem großen Krieg auch unter Einsatz von Atomwaffen entwickeln kann. Das muss nicht sein. Aber wer es ausschließt, handelt fahrlässig und unverantwortlich!“ Das müsse verhindert werden. „Atomwaffen müssen weltweit abgeschafft werden“, fordert Braun. Erschreckend sei es, „dass diese Atomwaffen auch immer noch in Deutschland stationiert seien“. 20 Atomwaffen lagerten in Büchel in Rheinland-Pfalz. Diese Atomwaffen seien dafür bestimmt, durch deutsche Flugzeuge, von deutschen Soldaten eingesetzt zu werden. Stichwort: „Nukleare Teilhabe“. Was völkerrechtswidrig sei, jedoch von unserer Regierung praktiziert würde. Die Gefahr, so Braun, „ist nicht vom Himmel gefallen. Sondern Ergebnis einer aggressiven Strategie, die das westliche Bündnis Nato immer weiter nach Osten Richtung Russland ausdehnen ließ. Für den Friedensbewegten gibt es nur einen Weg: „Wir müssen an die Nato gehen. Wir müssen dieses Militärbündnis überwinden!“ Weil es Unfrieden schaffe. Dann geht Rainer Braun noch auf US-Militärstützpunkt Ramstein ein. Den größten außerhalb der USA. „Ramstein ist das Zentrum für den Drohnenkrieg. Kein Drohneneinsatz auf dieser Welt ist möglich ohne Ramstein. Durch die Krümmung der Erde“, erklärt Braun, „ist die Relaisstation Ramstein zur Weiterleitung der Befehle aus den USA zum endgültigen Einsatzgebiet unabdingbar notwendig.“ Braun: „Von deutschem Boden geht permanent Krieg aus!“ In Ramstein sei auch einen Raketenabwehrzentrum im Aufbau, dass solle den atomaren Erstschlag ermöglichen. Ramstein sei so etwas wie eine Drehscheibe für Kriegspolitik und Kriegseinsätze. „Ramstein muss geschlossen werden“, ruft Rainer Braun. Und zum Schluss seiner Rede ruft er zur Beteiligung an der Aktion „Stopp Ramstein!“ auf. Des Weiteren rief Braun dazu auf, zur Demonstration und zur ersten Kundgebung vor der Air Base Ramstein am 25. und 26. September 2015 zu fahren. Zwei Prozent wolle die Bundesregierung künftig für Rüstung ausgeben. Statt bislang 33 Milliarden wären das dann 56 Milliarden. Das Geld müsse woanders hin: „In dieser Stadt Dortmund sieht man es doch, wo das Geld an jeder Ecke fehlt.“ Angesicht der exorbitanten Rüstungsausgaben, die für Krieg in aller Welt genutzt werden könnten, sei dies Diskussion um die angeblich schwierige Aufnahme von Flüchtlingen eine Gespensterdebatte, so Braun zum Abschluss seiner Rede.

US-Tourist: Für Dialog mit Russland

Spontan meldet sich ein Mann bei den Veranstaltern. Er möchte sprechen. Der Tourist ist nach eignen Angaben früherer US-Militär bei einer Panzereinheit. Auf Englisch (später übersetzt durch Peter Jüriens) legt er Wert auf die Anmerkung, das Volk der USA hege keine Feindschaft gegen Russland. Er sähe keinen Konflikt mit Russland und trete für den Dialog beider Länder ein. Herzlicher Beifall auf dem Reinoldikirchplatz.

Spenden für die Flüchtlinge

Vertreter des Vereins Keine Grenzen für Hilfe - Courage zeigen e.V.

Vertreter des Vereins Keine Grenzen für Hilfe – Courage zeigen e.V. Links im Bild Jürgen Lutterkordt Mitveranstalter.

Junge Leute Verein „Keine Grenzen für Hilfe – Jugend zeigt Courage e.V. bitten um Spenden für Flüchtlinge aus dem Nordirak und Syrien: „Jeder kann helfen. Wir wollen ein Zeichen für Frieden setzen. Wir als Menschen müssen den Menschen dort helfen, wenn wir nicht helfen sind wir egoistisch. Und egoistisch wollen wir nicht sein.“

Wojna“: „Wir sind für den Frieden hier“

Wojna von "Die Bandbreite".

Wojna von „Die Bandbreite“.

Vor seinem nächsten Auftritt spricht Bandbreite-Sänger Wojna über faschistische Tendenzen in der Ukraine und dem Verbot der Kommunistischen Partei des Landes. Das sei der Anfang einer Diktatur. Hierzulande werde nicht darüber geredet. Die Massakrierung von Menschen des Rechten Sektors der Ukraine werde medial totgeschwiegen. „Und dann demonstrierten Leute gegen sie, die behaupteten wir sind rechts“, schmetterte Wojna den Störern entgegen. „Wie kommen klar mit jedweder Couleur. Wir kommen klar mit jedem Glauben. Egal jemand Jude, Christ, Moslem oder von mir aus auch Atheist ist. Das ist uns egal. Wir sind für den Frieden hier!“ Nazis hätten ein Problem im Kopf und im Herzen, sagt der Sänger unter Beifall. Dann folgt der „Bandbreite“-Song „Kein Sex mit Nazis“.

Tommy Hansen über das Magazin Free21

Tommy Hansen.

Tommy Hansen.

Nun nimmt der eigens aus Berlin angereiste Chefredakteur des Magazins „Free21“, der Däne Tommy Hansen, das Mikrofon in die Hand. Hansen verortet den Tag an dem Journalismus „einfach gestorben“ sei an 9/11. Seitdem würden keine kritische Fragen mehr gestellt, „man untersucht die Hintergründe nicht mehr“ und „macht alles was gegen Journalismus spricht“. Tommy Hansen: „Die

vierte Gewalt funktioniert einfach nicht mehr. Der investigative Journalist habe sich damals gesagt: „Dann machen wir uns eine Fünfte.“ Hansen erzählt wie mit Ken Jebsen (KenFM) auf einem Feld in Dänemark gesessen habe und ihm von seiner Idee, interessante Geschichten aus dem Internet zu holen, um sie auszudrucken und zu verbreiten (hier das Video). Seine Idee habe auch damit zu tun, dass damals viele seiner Kollegen die Leitmedien verließen, um eigenen Webseiten zu produzieren.

Der Journalist spricht von einer „Weltpremiere“. Man habe nämlich interessante und kritische Artikel vorbereitet und formatiert, ins Netz gestellt und im gedruckten Magazin veröffentlicht. Auch Videos, etwa mit Vorträgen und Interviews des bekannten Schweizer Professors Daniele Ganser, der in drei Sätzen fünfzig verschiedene Fakten aufliste, habe man transkribiert. „Man kann das einfach nicht im Kopf haben. Das geht aber wenn man es auf Papier hat.“ Ebenso verfahren sei man mit einem Referat von Professor Rainer Mausfeld („Warum Schweigen die Lämmer?“): „Ich möchte behaupten, der welterste Youtube-Beitrag, der auf Papier gebracht worden ist.“ Nun könne dieser Vortrag im Netz nicht mehr gelöscht oder zensiert werden. „Das Papier kann kopiert, das kann verteilt werden.“ Vor einem Jahr, resümiert Hansen, sei er mit seiner Idee allein gewesen. „Inzwischen haben wir zwischen 30 und 40 gute Leute, hauptsächlich Deutsche, auch Ungarn und der Türkei, die mitmachen.“ Die Artikel beisteuern. „Wir haben 1300 Leute, die dieses Magazin schon abonniert haben. Was heißt, wir haben 1300 Verteiler von diesem Magazin. Jeder bekommt zwanzig Exemplare für 15 Euro. Dadurch erreichen wir zwischen dreißig- und vierzigtausend Leute mit einer neuen Ausgabe. Jede Woche kommen neue Abonnenten dazu.“

Auch die Anzahl der Helfer wachse: Korrekturleser, Researcher, Layouter, Webleute und muttersprachliche Übersetzer. Nun sei man in der Lage dieses Konzept in sieben verschiedenen Sprachen zu übertragen. I“n Deutschland mache man nun vier Ausgaben im Jahr. Hansen zu seinem Selbstverständnis: „Ich behaupte keine Wahrheit zu kennen. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin einfach nur Journalist. Ich möchte gerne Berichterstattung machen. Ich möchte es gerne euch überlassen, die politische Entscheidung zu treffen. Was uns fehlt, ist einfach die andere Hälfte der Geschichte.Die Wahrheit besteht aus vielen kleinen Elementen. Keiner allein kann das überschauen.“

Wenn man die Weltgeschichte seit 1945 objektiv beobachte und bedenke, dass wohl seither über 30 Millionen Menschen in Kriegen ums Leben umgebracht worden sind, „dann muss man sich doch auch angucken von wem“.

„Ist da jemand immer dabei gewesen? Die Antwort ist ja. Gibt es imperiale Kräfte, die gerne die Welt übernehmen wollen? Die Antwort ist ja.“

Hansen verweist auf seinen Artikel – „Die Firma des Präsidenten, die größte Kriegsindustrie der Welt“ – im ersten Magazin. Den solle man mal lesen. Und ihm dann sagen, ob er spinne. Darin geht es um die „Carlyle Group“. „Jeder Bürger im Westen solle“ sie kennen. Angestellt seien da ehemalige Präsidenten, Bundesbankdirektoren, ehemalige Top-Politiker, die nach ihrer Dienstzeit ihre Belohnung bekommen.“ Ein einziger Skandal sei das. „Avancierte, fortschreitenden Korruption ist das“, stellt Tommy Hansen nüchtern fest.

9/11 hält der Journalist nicht für erklärt. Fakten deuteten daraufhin, dass Kräfte außerhalb der Demokratie in den USA gibt, die nicht nur diese Tragödie geplant und durchgeführt haben, sondern das ist ein Modus Operandi. Es deutet darauf hin.“ Das habe den „Krieg gegen den Terror“ und die ganze Überwachung und zwei, drei Kriege ausgelöst. Anderthalb Millionen Menschen habe man umgebracht. „Wenn es da den geringsten Zweifel gibt, dann können wir doch nicht die Augen zumachen und einfach weitergehen.“ Und sagten Leute: „Wir trauen den USA. Ich muss dann fragen: Warum? Aus welchem Grund eigentlich? Aufgrund dieser Massenvernichtungswaffen die es nie gab? Oder aufgrund dieser Torabora-Höhle, wo Osama bin Laden sich nie versteckte? Oder aufgrund dieser Brutkastenlüge, die uns in den ersten Irakkrieg hineinzwang?“

Hansen: „Das geht einfach nicht! Das geht in meiner Welt nicht. Da fehlen mir eben die kritischen Blicke in den Leitmedien. Sie machen generell mit.“ Aber Tommy Hansen nimmt die Kollegen auch in Schutz. Es gebe auch gute Artikel in den Leitmedien. Und gute Beiträge im Fernsehen. Nur die kämen auch nur einmal und meist spät Abends. Oder beim Print „auf Seite 42, weil wir so viele schönen Katastrophen haben“. Und gute Journalisten, die gebe es auch in Leitmedien. „Und sie leiden!“ Doch: „Sie haben Familie, Kinder, eine Karriere gemacht und ein schönes Auto, ein schönes Leben. All das wird in Gefahr gebracht wenn sie nicht da mitmachen.“ Hansen sei sehr froh, dass er da nicht dabei ist. „Ich leide nur, wenn ich diese Gehirnwäsche sehe.“

Er sei froh  an einer neuen Möglichkeit Journalismus zu machen arbeiten zu können. Wer mitmachen möchte – nicht jeder müsse Journalist sein – sei aufgerufen sich zu melden.

Pedram Shahyar.

Pedram Shahyar.

Pedram Shahyar: „Solidarisch, freundschaftlich und kooperativ handeln und leben!“

Nach einem weiteren Musikblock tritt  nun Pedram Shahyar mit einem sehr ausführlichen Vortrag auf. Er kritisierte die zunehmende Militarisierung der Politik und die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Einen Konflikt mit Russland müsse man entschieden ablehnen. Beim Sozialen werde dagegen gekürzt. „Da stimmt doch irgendetwas nicht!“ Die Demokratie sieht Shahyar ausgehöhlt und missbraucht. Es würden Versprechungen bei Wahlen gemacht, die dann nicht eingehalten würden, seien die Parteien dann an der Macht. „Hier stimmt was konkret nicht mit unserem politischen System!“ Beifall erhält folgende Feststellung: „Wir haben ein Problem mit der Demokratie. Weil diese Demokratie überhaupt keine richtige ist.“ Gebraucht werde ein neues Verständnis von Politik. Derzeit sei diese nicht im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, erst recht nicht im Interesse der sozial Schwächeren. Nötig sei eine wirkliche Demokratie, auch eine Wirtschaftsdemokratie.

„Kooperation ist viel besser als Wettbewerb. Kooperation sollte zum gesellschaftlichen Prinzip werden. Kooperation und Freundschaft statt Wettbewerb und Feindschaft. Kooperation und Freundschaft in den Kommunen, in Stadt, Land und in Europa. Und auch weltweit.“ Pedram Shahyar, kommt ja von Attac her und so stellt er denn auch das Motto der Organisation „Eine andere Welt ist möglich“ groß in seinem Vortrag heraus. Leicht abgewandelt sagt der Aktivist: Eine andere Welt wird möglich, durch unser tagtägliches Tun.“ Es müsse auch Druck gegen die übermäßig Reichen gemacht werden. Wie Ingo Meyer zu Anfang plädiert auch Shahyar für Umverteilung von oben nach unten. Als Beispiel, dass etwas verändert werden könne, führt der Referent den jahrelangen Kampf der Bolivianer gegen die Wasserprivatisierung, den sie schließlich gewonnen hätten. „Sogar der Regen sollte privatisiert werden. Niemand sollte mehr Regenwasser sammeln können. So weit war es gekommen!“ Nun ist Wasser wieder ein öffentliches Gut in Bolivien. Man müsse halt im Kleinen anfangen. „Solidarisch, freundschaftlich und kooperativ handeln und leben!“ Shahyar ruft noch zur aktiven Solidarität mit Griechenland und zur Teilnahme an der schon von Rainer Braun angekündigten Kampagne gegen die US-Base Ramstein auf.

Klaus Hartmann: Raus aus der Nato und Schluss mit den entsprechenden und kriegführenden Einrichtungen in Kalkar, Büchel und Ramstein!“

Klaus Hartmann.

Klaus Hartmann.

Auch Klaus Hartmann (Freidenker) spricht von zunehmenden Kriegsgefahr, der sich man sich vielleicht gar nicht bewusst sei. Zunächst rückte er den Begriff Antisemitismus zurecht. Gerade auch weil sich in den Reihen des Freidenkerverbandes auch viele Antifaschisten wie etwa Emil Carlebach befanden oder befinden. Deshalb wende man sich heute „gegen das dumme Geschwätz, das uns heute von Hirnlosen entgegengehalten wird über den so genannten Antisemitismus Stellung zu nehmen.“ Der Begriff sei falsch, weil er von denen stamme, die ihre Judenfeindschaft rassistisch begründet haben, Ende des 19. Jahrhunderts und sich mit Stolz als Antisemiten bezeichnet haben. Weil sie die Juden als eine Rache imaginiert haben, haben sie diesen Begriff Antisemiten gewählt.“ Es gehe dabei um eine neue Spielart von Judenhass, der historisch alt sei. Deshalb wäre eigentlich „Judenhass“ das richtige Wort. Hartmann bleibt aber beim eingebürgerten Begriff Antisemitismus. Und fragt: „Ist es antisemitisch von einer jüdischen Lobby zu reden?“ Er bezieht sich auf die Tagesschau vom letzten Mittwoch 20 Uhr 15. Da habe der offizielle Tagesschausprecher von „der mächtigsten jüdischen Lobby in den USA“ zu sprechen. Man habe uns erklären wollen, dass die mächtige jüdische Lobby in den USA namens AIPAC sich an alle Kongressabgeordneten mit dem Anliegen gewandt hatten, das neue Abkommen mit Iran auf jeden Fall abzulehnen. Weil es die Pläne ihrer eigenen Herren, aktuell angeführt von Netanjahu, einen Krieg gegen den Iran zu führen, etwas unwahrscheinlicher mache. Hat die Bezeichnung „jüdische Lobby“, ausgesprochen durch den Sprecher der öffentlich-rechtlichen Tagesschau etwas antisemitisches, fragt Hartmann? Er meint ja. „Es ist von einer jüdischen Lobby die Rede.

Damit werden Juden samt und sonders, egal wie ihre politische und sonstige politische Einstellung ist in einen Sack mit den Verbrechern um Netanjahu und Co. gesteckt. Es ist eigentlich ein prozionistische Lobby. Alle Juden in Sippenhaft zu nehmen für die verbrecherischen Politik die Israel in Palästina betreibt mit ungebremsten Landraub, mit Vertreibung, mit der Drangsalierung der dortigen Bevölkerung – das ist nicht jüdische Politik. Auch wenn sie sagen sie seien der Judenstaat. Wenn also in der Region ein Judenhass aufkommt, der sich gegen die israelische Politik richtet, dann hat das einen zentralen Grund: nämlich, dass sie selbst ihre Politik demagogisch verkaufen als die Politik eines jüdischen Staates. Dies ist eine Anmaßung, eine Schweinerei und eine Diskriminierung aller anständigen Juden!“

Es habe also durch die AIPAC verhindert werden sollen, dass das Abkommen mit dem Iran in Kraft tritt. Nun sei festgeschrieben, dass Iran, der selbst nie Atomwaffen bauen wollte, einer Kontrolle unterliege, die das unmöglich macht. Hartmann weist darauf hin, dass nie die israelischen Atomwaffen problematisiert wurden. Wenn man eine atomwaffenfreie Zone in der Region haben wollte, hätten zuvor auch keine israelischen gebaut werden dürfen, ehe überhaupt andere welche zu bauen gedachten.

Klaus Hartmann spricht die zerstörten und ins Chaos gestürzten. Länder Libyen, Syrien und den Irak an – in all diesen Ländern habe es eine religiöse Toleranz und ein annehmbaren sozialen Standard gegeben. Den Westen hätten diese Länder in ihren Beherrschungsplänen im Wege gestanden. Immerhin sei es Putin gelungen den schon geplanten Bombenkrieg auf Syrien zu vereiteln.

Die gegen die genannten Kriege gegen arabische Staaten sei „hierzulande von den Medien orchestriert worden mit einer permanenten Hetze gegen den Islam und gegen die Muslime.“ Und diese Hetze sei auf „fruchtbaren Boden gefallen“.

„Jetzt wo die antiislamische Begleitmusik in die Köpfe der Menschen gehämmert wurde, jetzt wo die entsprechenden Bomben auf diese Länder gefallen sind, kommen tausende, zehntausende, hunderttausende Flüchtlinge, die vor diesen Zuständen dort fliehen. Sie kommen auch hierher. Was passiert hier?“ Nun demonstrierten hier Leute, denen man den Antiislamismus in die Köpfe geredet habe gegen diese Flüchtlinge. Werde hier nun gegen Hartz-IV-Unrecht oder gegen Mietwucher protestiert, fänden diese Demonstranten keine Adressaten oder Gehör bei der Bundesregierung. „Aber wenn PEGIDA demonstriert, gibt es plötzlich ein Aufwallen in den Medien und auch die Bundeskanzlerin erklärt die Sorgen für doch sehr berechtigt.“ Die Proteste würden auf die noch Schwächeren, die noch Ärmeren abgeleitet. Die einen spiele man gegen die anderen aus. Die Bewegungen würden gespalten. Nur derjenige Feind, der sie alle zusammen verarscht – nur getrennt fertig mache – den sähen sie nicht.

Schließlich empört sich Hartmann, dass die Bundeswehr mit den „im Krieg befindlichen restlichen Soldaten der Ukraine, hauptsächlich den faschistischen Freikorps, wie man die Bevölkerung in der Ostukraine noch entsprechend effektiver massakrieren kann als bisher schon. Das ist die Wertegemeinschaft Nato! Von dieser Wertegemeinschaft haben wir uns definitiv zu verabschieden. Es ist bereits fünf nach zwölf! Raus aus der Nato und Schluß mit den entsprechenden und kriegführenden Einrichtungen in Kalkar, Büchel und Ramstein!“

Manfred  Büddemann zu TiSA

Manfred Büddemann (DIE LINKE, Krefeld) ist trotz anderer Beschlusslage betreffs Teilnahme an Mahnwachen seiner Partei nach Dortmund gekommen. Nun rechnet er mit Ärger. Doch, sagt der Mann aus Krefeld, er halte es mit seiner Rede hier wie Diether Dehm. Der lasse sich von der Partei auch nicht vorschreiben wo er singe. Büddemann spricht über das für die Demokratie nicht weniger gefähriche TiSA-Abkommen (Dienstleistungen).

Das Bedingungslose Grundeinkommen und seine Möglichkeiten

Felix Coeln informiert anhand seines eigenen Beispielsweise über Möglichkeiten und Praxis des Bedingungslosen Grundeinkommens. Für den weiteren Abend sind noch weitere musikalische Darbietungen geplant. Überdies bleiben die Infostände geöffnet.

René Rebell, ein weiterer Musiker an diesem langen Samstag in Dortmund.

Youngster neben René Rebell, und „Die Bandbreite“, ein weiterer Musiker an diesem langen Samstag in Dortmund.

Fazit

Abgesehen von den Provokateuren, die dank Polizeieinsatz nicht besonders störend ins Gewicht fallen konnten, eine gelungene Veranstaltung im Rahmen der Friedenstournee 2015.

Aufklärung gegen Propaganda – Free21 veröffentlicht „Warum schweigen die Lämmer?“

Hochinteressant! Bitte auch an möglichst viele „Lämmer“ weiterleiten!

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Prof.Dr.RainerMausfeld Prof. Dr. Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“

Vor 4 Wochen haben wir hier auf einen Vortrag von Prof. Dr. Rainer Mausfeld hingewiesen, der die his­to­ri­schen, politischen und psy­cho­lo­gi­schen Grundlagen der medialen Mani­pu­la­tio­nen als Instrument der Herr­schaft so fundiert, schlüssig und stringent dar­stellt, dass es einem vorkommt, als trete man beim Zuschauen und Zuhören aus dem Dunkel unartikulierter böser Ahnungen ins Licht der Erkenntnis.

Wer diesen Vortrag noch nicht kennt, sollte sich die Zeit nehmen. Man wird schwerlich wichtigere oder gar verständlicher aufbereitete Informationen finden, die einem helfen, das eigene Sein in der Welt zu reflektieren und sich von systematischen politischen Manipulationen, geschürten Feindbildern und sedierenden Illusionen zu befreien.

FREE21 ist ein Projekt, dass es sich zum Ziel gesetzt hat, die vielfältigen und teils exzellenten Informationen, die im Internet zu finden sind, auch offline verfügbar zu machen. Dazu werden die entsprechenden Artikel, Videos oder Audios nötigenfalls transkribiert oder übersetzt, mit…

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Spiegel-Hetzer Benjamin Bidder vergleicht Russland mit Islamischem Staat: „unzivilisiert“!

Lesetipp!

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spiegel_online_logoBenjamin Bidder gehört zweifellos zu den krankhaftesten antirussischen Volksverhetzern, die von transatlantischen, deutschen Medien­konzernen an die Front geschickt werden. Intellektuell und psychisch vom Schlage eines Boris Reitschuster, immer auf der Suche nach der Erbse unter der russischen Matratze, die es zu einer Leiche aufzublasen gilt. Menschlicher Abschaum, der seine Existenz mit einem Judaslohn bestreitet und mit seinen fabrizierten Denunzierungen Russland destabilisieren und in der Weltanschauung der Deutschen in ein europäisches „Somalia“ verwandeln will.

Während sich geistig gesunde Journalisten – und normale Menschen ganz allgemein – für Völkerverständigung, Aufklärung, Verständnis und Zusammenarbeit einsetzen, arbeitet menschlicher Abschaum vom Schlage eines Bidder, Reitschuster oder Atai an Feindbildung, Dämonisierung und der Spaltung Europas. Wie tollwütige Ratten wühlen sie unermüdlich auf den Müllkippen des Landes, um am nächsten Tag dem deutschem Publikum ihre „Schätze“ zu präsentieren.

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Friedenstournee macht morgen für sieben Stunden Station in Dortmund

via Facebook Friedenstournee.

via Facebook Friedenstournee.

Einmal mehr ist der Frieden bedroht. Nehmen wir die weiter schwelende Ukraine-Krise. Das Hetzen des Westens gegen Russland. Den neuen Kalten Krieg. Schauen wie uns an, was der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan derzeit für ein gefährliches Spiel spielt. Aber vergessen wir auch nicht was in Europa einschließlich in unserem eignen Land geschieht: Tausenden Flüchtlinge kommen tagtäglich zu uns. Wie gehen wir mit ihnen um? Weltweit sind momentan über fünfzig Millionen Menschen auf der Flucht. Das hat auch mit der Politik des Westens zu tun. Die Friedensbewegung war einst in Zeiten der alten Bundesrepublik groß. An diese Zeiten mit hohen Teilnehmerzahlen konnte bislang nicht wieder angeknüpft werden. Dennoch: Friedensbewegte gibt es immer. Und die engagieren sich unermüdlich. Am morgigen Samstag beispielsweise in Dortmund.

In der Ruhrgebietsmetropole macht die Friedenstournee – Generationen für Frieden Station. Und zwar nicht nur auf einen Sprung, sondern für mindestens sieben Stunden!

Die Friedenstournee hat ihren Ursprung in der Friedensbewegung. In Dortmund war es, als am 09.08.2014 Menschen aus ganz NRW zusammen kamen und und ein zehnstündiges Programm auf die Beine gestellt hatten, um Mitmenschen niveauvoll zu unterhalten und zu informieren. Aber vor allem um ein stärkeres Bewusstsein für das Miteinander zu zelebrieren.

Nach eignen Angaben lehnt sich das Konzept der Friedenstournee lehnt an Veranstaltungen wie „VeganStreetDays“ an und kombiniert Redebeiträge und politische Musik auf der Bühne mit einer bunten Vielfalt an Infoständen verschiedenster friedens- und sozialpolitischer Bewegungen.“

Und weiter: „Bei uns treffen sich Aktivisten aus dem gesamten Bundesgebiet und nutzen dieses zur Netzwerkbildung und Öffentlichkeitsarbeit mit den Besuchern. Ausgerichtet werden diese Kundgebungen vom Verein Bildung für Frieden.

Bei höchstwahrscheinlich sehr gutem Wetter ist für morgen ein Termin der Friedenstournee angekündigt. Der Veranstaltungsort ist zentral in der Dortmunder City gelegen. Neben zahlreichen Redebeiträgen, politischen Musikbeiträgen werden zahlreiche Infostände vor Ort sein.
Die Themen: Kampagne Ramstein für 25. und 26.9., Kalkar 3.10., TTIP TISA CETA (10.10. Berlin), Solidarität mit Griechenland, Unterstützung von syrischen Flüchtlingen, Informationen zum Bedingungslosen Grundeinkommen, Infos zum Wirtschaftssystem, u.v.m. – somit ein bunter Mix aktueller Themen und etablierter sozialer Bewegungen.

DORTMUND 8.8.2015 – Facebook Veranstaltung

Redeliste:

Musiker:

Infostände/Aktionen:

Sa 08.08.2015  Dortmund Reinoldikirchvorplatz Beginn:  12.00 Uhr Dauer: mind. 7h – max. bis 22 Uhr.

Es verspricht eine interessante Veranstaltung – sicher auch mit durchaus umstrittenen Teilnehmern – morgen in Dortmund zu werden. Wer Zeit, Lust und Interesse hat und nun womöglich neugierig auf die Friedenstournee geworden ist, sollte mal vorbeischauen in Dortmund am Reinoldikirchvorplatz.

Ich werde über die Veranstaltung berichten.

Dortmund: 2. Roma Kulturfestival beginnt am 2. September

Programmheft via AWO-Unterbezirk Dortmund.

Programmheft via AWO-Unterbezirk Dortmund.

Das erste Roma-Kulturfestival fand vor einem Jahr in Dortmund statt. Es hat seinerzeit von sich reden gemacht, wurde herzlich begrüßt und auch medial positiv zur Kenntnis genommen. Erfreulicherweise gibt es in diesem Jahr eine Neuauflage. Abermals steht es unter dem Titel „Djelem, Djelem“. „Djelem, Djelem“ ist der Name der internationalen Roma-Hymne. Man kann es mit „Ich gehe“ übersetzen.

Das 2. Dortmunder Roma Kulturfestival findet vom 2.-12. September 2015 statt.
„Zehn Tage lang“, melden die Veranstalter – die AWO, JUROMA, Kultur K, die Stadt Dortmund, das Theater im Depot, TERNODROM – gibt es im Rahmen des Dortmunder Roma Kulturfestivals eine Vielzahl von Veranstaltungen zu Musik, Theater, Film, Fortbildung und Begegnung vom Depot über den Nordmarkt bis in die Dortmunder City. Dieses Festival bietet zum zweiten Mal die Gelegenheit, Theater und Musik, Lebensweisen und Speisen, kurzum die vielen Facetten der reichen Roma Kultur(en) zu erfahren und zu genießen. In der öffentlichen Wahrnehmung in Dortmund sollen somit die positiven Facetten der Herkunftskulturen in den Vordergrund gerückt werden.

Offenbar hat der 1. Roma Kulturfestival über Dortmund hinaus Ausstrahlung bewirkt. Immerhin hat keine keine Geringere, als Staatsministerin Aydan Özuguz, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration die diesjährige Schirmherrschaft des Festivals übernommen. Zusammen mit Musiker Peter Maffay.

„Jenseits aller Klischees“, schreibt Özuguz unter anderem, „bietet das Kulturfestival allen Interessierten die Möglichkeit, die vielen Facetten der reichen Roma-Kulturen zu erfahren und genießen. Denn über Europas größte Minderheit wird auch in Deutschland zwar viel geredet und geschrieben, aber wenig gewußt. Über Jahrhunderte gepflegte Vorurteile und neue Ressentiments gegen ‚Armutszuwanderer‘ und ‚Problemfälle‘ prägen so manche Debatte und werden wohl auch nicht von heute auf morgen verschwinden.“

Peter Maffay: „Ich bin groß geworden in Siebenbürgen, das heut zu Rumänien gehört, und kenne heute noch – oder besser ich habe sie wiederentdeckt – viele großartige Romamusiker. Herzliche, zugewandte, wissende Menschen, denen ich mich verbunden fühle.“

Hier das Lied „Djelem, Djelem“ via  Minotaurus 110/You Tube:

Beide unterstützen das Anliegen der Veranstalter, „mit „Djelem Djelem“ die Willkommenskultur in Dortmund zu fördern und Vorurteile durch Begegnung abzubauen. Die Veranstalter werten „dies als Ermutigung „Djelem Djelem“ als wichtiges Kulturangebot in Dortmund zu etablieren“.

Die Festivalveranstalter weisen besonders auf die Fortbildung für „Pädagogische und kulturelle Arbeit mit Roma-Jugendlichen“ hin:
„Unter anderem wird es um Themen wie geschlechterspezifische Arbeit, den Übergang von der Schule in den Beruf sowie theaterpädagogische Ansätze gehen. Experten, die in der praktischen Arbeit mit Roma-Jugendlichen tätig sind, werden in Arbeitsgruppen Best-Practice Beispiele vorstellen und mit den Teilnehmern relevante Aspekte der Arbeit mit der Zielgruppe diskutieren und erarbeiten.

Im Dortmund Konzerthaus wird es am Samstag, den 12. September, 20.00 Uhr einen Abend mit Esma Redžepova und Mostar Sevdah Reunion geben.
Hinweis: Hier gibt es das vollständige Programmheft zum Download als PDF: Flyer DJELEM DJELEM 2015 web

Weitere Infos auf www.facebook.com/DJELEM_DJELEM.Dortmund

ARD tagesthemen: „US-Medien, die Snowden-Leaks veröffentlichten, blieben unbehelligt“

Empfehlung! Hinweis: Allerdings habe ich beim Begriff „Lügenpresse“ Bauchschmerzen.

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ard_logoDas verzerrte Bild der Welt, das deutsche Medien wie die ARD tagesthemen tagtäglich zeichnen, besteht nicht nur aus subtilen Auslassungen, vorsätzlichem Verschweigen und Verzerrungen, es besteht auch aus kalkulierten Unwahrheiten, bis hin zu frecher Lüge.

Ein Beispiel für diese Lügen, dessen politisches Motiv zudem einmal mehr offensichtlich ist, war gestern Abend in einem Bericht zur „Pressefreiheit“ zu bewundern. Angesichts der Ermittlungen wegen „Landesverrats“ gegen Netzpolitik.org ist die Pressefreiheit in Deutschland ein aktuelles Thema und man hätte in diesem Zusammenhang zweifellos auf die aktuellen Vorgänge rund um die WAZ hinweisen müssen, die gerade erst gezwungen wurde, die Afghanistan-Leaks von ihren Servern zu nehmen.

Dieser Vorgang wird von den Staatssendern ARD und ZDF, die schon die Landesverrats-Ermittlungen gegen Netzpolitik.org klein halten wollten, konsequent totgeschwiegen. Stattdessen wird ein „Experte“ der „Reporter ohne Grenzen“ präsentiert, der Deutschland attestieren durfte, in der jährlichen Bewertung der Pressefreiheit durch diese ROG, immer ganz…

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Rezension: „Der Winkeladvokat“ von Monsieur Rainer

Foto: Claus-Dieter Stille

Foto: Claus-Dieter Stille

Rainer Kahni (Monsieur Rainer) kann als Schriftsteller aber auch als Journalist als Geheimtipp gelten. Eigentlich vereint er beides in sich. Indem nämlich der Schriftsteller Monsieur Rainer ungemein viel von den Erfahrungen des einst viel in der Welt  herum gekommenen Journalisten Rainer Kahni profitiert. Was seinen Büchern guttut. Ich selbst stieg in Rainer Kahnis Werk mit der Lektüre seines Romans „Der Winkeladvokat“ ein. Die Information zum Buch:

„Als traumatisierter Bettnässer ist Tristan Wöhrlin mit einem schlechten Abiturzeugnis zitternd vor Angst vor seinen mitleidlosen Eltern in die französische Fremdenlegion geflüchtet. Er verpflichtet sich für fünf Jahre und studiert nach seiner ehrenvollen Verabschiedung Jura an den Universitäten Nizza und Tübingen. Viele Jahre später kehrt er unter neuem Namen und mit einer Anwaltszulassung in der Tasche heim. Er lässt sich genau in dem Landgerichtsbezirk nieder, in dem sein Vater als gefürchteter Oberstaatsanwalt und seine hartherzige Mutter als Richterin amtieren. Ein gnadenloser Kampf zwischen Eltern und Sohn spielt sich vor und hinter dieser so ehrbaren bürgerlichen Kulisse ab.“

Spannend, denkt man und: Das riecht nach nach einem außergewöhnlichen Abenteuer! Und so ist es dann auch. Rainer Kahni gelingt es seine Leserinnen und Leser von der ersten Zeile seines Romans an zu packen und bis zur letzten Zeile und dem letzten Wort darin: „Scheißleben“ nicht wieder auszulassen.

Wir bekommen neben einer gekonnt erzählten Geschichte immer wieder Informationen an die Hand. Zum Beispiel über die Fremdenlegion, in der der Held des Romans, Tristan Wöhrlin, gedient hat. Die dieser jedoch – obwohl ihm von seinem Vorgesetzten ein verlockendes Angebot unterbreitet worden war – verlässt, um den Rachefeldzug gegen seine Eltern zu führen. Aus dem einstigen Bettnässer ist durch die harte militärische Ausbildung und Praxis in der Fremdenlegion ein mit allen Wassern gewaschener selbstbewusster Mann mit dem neuen Namen Jean-Paul Malin geworden. Er schließt ein Jurastudium in Frankreich erfolgreich ab. Später geht er auch in der BRD aus einer juristischen Staatsexamensprüfung erfolgreich hervor. Die Grundlage, um auch in der BRD als Rechtsanwalt tätig sein zu dürfen und eine Kanzlei zu eröffnen.

Dann nimmt uns Monsieur Kahni durch die uns als Leser nur so durch die Hände raschelnden und rauchenden Seiten seines Romans auf einen wahren Parforceritt mit durch das Privat- und Berufsleben des französisch-deutschen Advokaten Jean-Paul Malin. Malin erregt Aufsehen. Schon als Referendar an einem deutschen Gericht. Da bringt Jean-Paul Malin den muffigen Gerichtsalltag unkonventionell auf Trab. Er arbeitet liegengebliebene Akten durch und schließt die auf seine Art unbürokratisch ab. Nachdem er das Gericht verlässt, verfällt dort wieder alles in den alten Trott. Niemand dort hat ein Interesse diesen abzuschaffen.

Jean-Paul Malins äußeres Erscheinungsbild passt ganz und gar nicht zu dem Bild eines deutschen Rechtsanwalts, wie es sich die einschlägigen bürgerlichen Eliten von einem Juristen für gewöhnlich machen. Aber auch sein Auftreten ist nicht so. Eigentlich passt er nicht in diese elitären Kreise. Kreise, die sich für die Elite des Landes halten. Malin nimmt kein Blatt vor den Mund. Ihm ist schlichtweg wurscht, was andere von ihm denken. Manchem der Juristen mit denen er zu tun hat stößt das bitter auf. Anderen, denen der unkonventionelle Rechtsanwalt begegnet, imponiert das.

Malin nimmt sich als Anwalt anscheinend aussichtslosen Fällen an und verteidigt Mandanten auch aus zwielichtigen Milieus. Sowie Leute, die einfach ziemliches Pech im Leben hatten. Und an die falschen Leute gerieten. Malin schaut nicht aufs Honorar. Was hinten rauskommt ist ihm wichtig. Wenn er einem armen Teufel, den vielleicht ein anderer Kollege nicht mit dem Hintern angeschaut hätte, helfen kann – warum nicht? Von Anfang seiner Arbeit an in der Bundesrepublik Deutschland macht der Deutsch-Franzose keinen Hehl daraus, wie ihm das deutsche Rechtssystem mit seinen gravierenden Fehler zu wider ist. Denn aus Frankreich kennt er derlei nicht. Und die Tatsache, dass einstige stramme Nazis unter den Juristen in der Bundesrepublik wieder zu Ämtern und Würden gelangen konnten, ist ihm ohnehin jede Menge Empörung wert. Überhaupt zieht sich Kritik am deutschen Rechtsstaat wie ein roter Faden durch das Buch. Eines der Hauptthemen von Rainer Kahni.

Um zu verstehen was er am deutschen Rechtsstaat so unbarmherzig und bereits über Jahre kritisiert muss man nur seinen auf freitag.de erschienen Beitrag „Deutschland ist kein Rechtsstaat“ lesen. Hier ein Auszug daraus:

„Der Generalbundesanwalt und seine nachgeordneten Bundesanwälte sind weisungsabhängige politische Beamte, die vom Bundesjustizministerium vorgeschlagen und vom Bundespräsidenten ernannt werden. Spuren sie nicht im Sinne der jeweiligen politischen Machthaber, dann können sie jederzeit wieder abberufen und in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Die Generalstaatsanwälte der Länder sind ebenfalls weisungsgebundene politische Beamte der Länder und können jederzeit wieder abberufen werden, wenn sie den Weisungen ihres Dienstherren, also dem Justizminister, nicht Folge leisten.“

Klingelt da nicht was? Wir müssen uns zu diesem Behufe da momentan nur einmal vor Augen führen, was sich rund um die hanebüchene Landesverratsgeschichte betreffs des Blogs netzpolitik.org für ein Skandal aufbaut! Rainer Kahni wiederholt nicht nur in seinem Roman seit Jahren fast gebetsmühlenartig die fehlende beziehungsweise ungenügende Trennung von Exekutive, Judikative und Legislative in diesem unseren Deutschland.

Was hinsichtlich dessen in „Der Winkeladvokat“ geschrieben wird, erweitert entlang einer mitreißend erzählten Story auch unseren gewiss nicht besonders ausgeprägtes Wissen über die Funktion von Gerichten, den Sinn oder Unsinn von Paragraphen und das Treiben von Staats- und Rechtsanwälten. Und somit unseren Horizont überhaupt. Rainer Kahni in seinem Blog dazu:

„Juristen sind zu allem fähig und zu nichts in der Lage, sagt der deutsche Volksmund. Schon Ludwig Thoma, ein Dichter und Amtsrichter in Dachau machte sich über die Juristen lustig: „Er war Jurist und auch sonst von eher mässigem Verstande!“

Monsieur Kahni versteht es, seine Kritik an der Justiz geschickt in einer fiktiven Geschichte zu verpacken und bisweilen amüsant oder mit Sarkasmus zu verkaufen. Hier kommt der Journalist in ihm zur Geltung. Ebenso Kahnis Lebenserfahrung. Sein Schreiben offenbart, dass er in der Materie der Juristerei sehr gut bewandert ist; aber ebenso in der Weltpolitik bewandert ist. Wir Leser erfahren einiges an Details aus Alltag wie der Juristerei. Aus dem Alltag im Großen und Ganzen. Kahni gerät ist beim Schreiben seines Roman nie in Versuchung gekommen ins Furztrockene zu verfallen, noch ins Belehrende abzudriften. Alles Geschriebene steht ganz im Dienste der zu erzählenden Geschichte. Uns Lesern wird es so an keiner Stelle dieses Romans langweilig. Und ganz en passant erhalten wir noch spannende Einblicke in das deutsche Rechtswesen und Kenntnis seiner innewohnende, nicht jedem Mitmenschen bekannten Missstände. Wenn uns dabei ab und an der Hut hochgeht, ist das ein guter Nebeneffekt. Und gewiss beabsichtigt. Möge etwas davon hängen bleiben und im Alltag Anstoß zu Einforderung Abänderung geben! Dabei kommt dieser Roman keinesfalls als „Juristen-Bashing“ daher, wie man nun denken könnte. Sehr klar werden darin stets feine Unterschiede herausgearbeitet. Es finden Differenzierungen statt. Der Leser erhält so ein ziemlich klares und in weiten Teilen objektives Bild von der Welt der Juristen. Es gibt eben sowohl unter Richtern, als auch und Staats- und Rechtsanwälten sone und solche. Nicht alle sind geldgierig und machtgeil.

Die Familiengeschichte des Romanhelden Wöhrlin/Malin ist die ganze Zeit über mehr oder weniger präsent. So wie Malin alle Kraft in die Verteidigung und Vertretung seiner Mandanten steckt, so wenig lässt er im Verlaufe des Romans von seinen Rachefeldzug gegen den Vater ab. Dabei könnte er mit der Frau die er in Deutschland fand und dem gemeinsamen Kind ein glückliches Leben führen. Doch Wöhrlins/Malins Seele ist tief und schwer verletzt. In den Reihen der französischen Fremdenlegion ist der einst der schwer gedemütigte und schwache Tristan zu einer starken Persönlichkeit namens Jean-Paul Malin, die hart im Nehmen und Härte gegen Feinde auszuüben imstande ist, geworden. Allein die schwer verletzte Seele ist der Mensch gezwungen ein Leben lang mit sich herumzuschleppen. Ab und an meldet sie sich mit schneidenden psychischen Qualen. Qualen, die durch die Betäubung mit Alkohol nur zum seelischen Zusammenbruch führen können. Bevor Jean-Paul Malin aber seelisch zerbricht, kehrt er zusammen mit seiner Familie nach Südfrankreich zurück. Letztlich ist sein Rachefeldzug an der Bösartigkeit der Familie gescheitert und musste vor der unbarmherzigen Maschine des deutschen Rechtssystem im Grunde kapitulieren. In Deutschland ist einmal mehr nicht sein Platz.

Ein hoch spannendes und noch dazu in vielerlei Hinsicht informatives, ja unter Umständen auch aufrüttelndes Buch von diesem Monsieur Rainer alias Rainer Kahni! Es lohnt sich. Manche etwas zu klischeehaft geratene Szene im Buch verzeiht man dem Autor. Dewegen: Empfehlung! Ich hatte es rutzputz durchgelesen. Unterhaltsam und sehr informativ. Sarkasmus inklusive.

Übrigens soll das Buch verfilmt werden. (Video Indiegogo)  Derzeit läuft eine Crowdfundingkampagne.

Monsieur Rainer

Der Winkeladvokat (Roman)

Taschenbuch (EUR 15,80)

Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN: 978-3-8370-3251-2