Silbermedaille „Patriot Wladimir Putin“ zur Weitergabe an den Jubilar im Kreml in der russischer Botschaft zu Berlin überreicht

Am 7. Oktober 2025 war COMPACT in der Russischen Botschaft zu Berlin eingeladen. Nach der Begrüßung durch Botschafter Sergej Netschajew hielt Chefredakteur Jürgen Elsässer eine Ansprache zu Wladimir Putins 73. Geburtstag und zu den deutsch-russischen Beziehungen im Allgemeinen. Dem Botschafter überreichten wir unsere Silbermedaille „Patriot Wladimir Putin“ zur Weitergabe an den Jubilar im Kreml.

Botschafter Sergej Netschajew bedankt sich bei Stephanie Elsässer (snapshot You Tube)
COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer bei seiner Rede in der russischen Botschaft (snapshot You Tube)
Video von der Veranstaltung,Rede von Jürgen Elsässer
Überreichung an den russischen Botschafter Sergej Netschajew.

Quelle: COMPACT YouTube – Kanal

Aufstieg und Niedertracht 1: Rebecca. Roman von Diether Dehm – Rezension

Ein veritabler Ziegelstein, dieses 640 Seiten starke Buch. Aber längst nicht nur das! Dieser Roman von Diether Dehm ist auch vom Inhalt her gewichtig und dabei gut und fesselnd zu lesen, weil der Autor einen hervorragenden Schreibstil hat.

Ich mochte den Roman kaum wieder aus der Hand legen.

Es geht um den Mord an der Frankfurter Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt, deren „Künstlernamen“ Rebecca gewesen war. Der Fall hat Dr. Diether Dehm nach seiner eigenen Aussage sein Leben lang verfolgt. Denn er hat eine persönliche Verbindung zu dem Fall: „Meine Mutter und Oma waren Hauptzeuginnen im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder Heinz Pohlmann, der unser Wohnungsnachbar war“.

Der Mord an Rosemarie Nitribitt im Jahr 1957 wurde mehrfach verfilmt. Ihr Schicksal wurde zweimal nach dem Roman Erich Kubys (der selbst in Dehms Geschichte auftritt) fürs große Kino verfilmt – einmal mit Nadja Tiller und ein weiteres Mal mit Nina Hoss als „das Mädchen Rosemarie”.

Des Weiteren war Nitribitts Geschichte Stoff für zahlreiche Bücher.

Dehm hat den Fall – wie er im Gespräch mit Jürgen Elsässer sagte – nun unter einem neuen Aspekt in seinem Roman „Rebecca“ aufgegriffen. Er geht darin einer Spur zum mutmaßlichen Mörder von Rosemarie Nitribitt nach. 

Eine Verurteilung im Fall Nitribitt hat es nicht gegeben. Bis heute ist nicht geklärt, wer die damals 24-Jährige umgebracht hat. Dehm geht in seinem Buch darauf ein, wie in dem Fall gepfuscht wurde und Spuren verwischt wurden. „Als erstes riss die Frankfurter Polizei in der Wohnung  der halbverwesten Leiche in der Stiftstraße 36 am Eschenheimer Turm die Fenster auf. Eine forensische Katastrophe, womit der Tatzeitpunkt nicht mehr ermittelbar war. Dann verschwanden über 500 Seiten aus der Ermittlungsakte, Fotos, Gegenstände aus der Wohnung der Rebecca – so nannte sich Rosemarie Nitribitt.  Als dann Fingerabdrücke von Harald Krupp (von Bohlen und Halbach; Anm. C.S.) in ihrer Wohnung gefunden worden waren, wurde dieser nie wieder verhört. Dazu noch hatte ich einige pikante Infos direkt aus meiner Familie“, so Diether Dehm.

Warum wurde im Mordfall Nitribitt so viel vertuscht? Dehm: „Die Frankfurter Polizei wollte offenbar die Superreichen und die Polit-Eliten schützen und aus der Sache einen gewöhnlichen Raubmord im Rotlichtmilieu machen. Warum dann aber der Krupp-Konzern dem Hauptverdächtigen Pohlmann zig Tausende D-Mark Schweigegeld bezahlt hat, wurde bis zu meinem Roman ignoriert“, so Dehm. Er geht davon aus, dass Pohlmann den Auftrag erhielt, Rosemarie Nitribitt umzubringen.

Die Nitribitt war keine gewöhnliche Prostituierte aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Sie arbeitete selbstständig. Von einem Zuhälter ist jedenfalls nichts bekannt. Nachdem sie mit höheren Kreisen Bekanntschaft gemacht hatte, sprachen sich ihre Dienste dort – sie bot nämlich bestimmte Sexualpraktiken an – sozusagen via Mund-zu-Mund-Propaganda herum.

Bereits als Elfjährige war sie wohl vergewaltigt worden.

Diether Dehms Roman ist ein wahres Sittengemälde der 1940er Jahre bis in angehenden 1950er Jahre. Und er räumt auch damit auf, dass es nach dem Ende des fürchterlichen Zweiten Weltkriegs so etwas wie eine „Stunde Null“ gegeben habe. Nicht wenige schon in oder für Hitlers faschistisches Regime tätige Personen – auch aus Wirtschaft und etwa der Deutschen Bank kamen in der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland sozusagen wieder zu Ehren. Beispielweise Hermann Josef Abs und Reinhard Gehlen – um nur zwei Beispiele zu nennen. Die braune Vergangenheit wollte man abschütteln. Ein paar Schuldige bestrafte man, anderen stellten die Besatzer Persilscheine aus. Man hängte sich demokratische Mäntel um. Und nun sollte es endlich wieder aufwärts gehen. Die Devise könnte so genannt werden: Vorwärts und vergessen! Auch um Ludwig Erhards „Wirtschaftswunder“ geht es im Roman. Seine Thesen skizzierter er im „Frankfurter Hof“. Dem Volk in Westdeutschland half man die Demokratie quasi per Verordnung über. Aber begriffen es die Menschen, verinnerlichten sie das wirklich? Da kommen wir persönlich heute noch Zweifel. Solange es vielen Menschen recht gut ging, fragten nur Wenige danach oder übten gar Kritik. Man nahm es an und hin, sofern es halt passte.

Diether Dehm gelingt es perfekt die Leser mit auf eine Zeitreise in das Nachkriegswestdeutschland zu nehmen. Genauer nach Frankfurt am Main, wo er selbst aufgewachsen ist. Man meint, die Stimmung im «Frankfurter Hof«, wo sich die Reichen, neue Entscheidungsträger, Wirtschaftsleute und aufstrebenden Politiker treffen, um i h r neues Deutschland zu konzipieren und nach Mitstreitern Ausschau halten, um es ins Werk zu setzen, so mitten im gediegenen Ambiente zu erleben, als sei man mitten drin unter ihnen.

Aber schon liegen erste Streiks in der Luft. Polizei und ein sich anbahnender Geheimdienst, kooperierend mit der CIA und Offizieren der Alliierten werden schnüffelnd aktiv.

Das belastet auch die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen Helene, der Tochter des Direktors Werner der Kohlenunion und dem talentierten Automechaniker und FSV-Fußball-Star Otto aus dem Bornheimer Hinterhaus, der im Krieg Panzerfahrer gewesen war. Arm und Reich stoßen aufeinander. Woran sich Helene, die sich auch sonst nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, nicht dran stört. Als Helenes Vater Otto eine Stelle in seinem Betrieb gibt, wird der Streik angekündigt. Ein Konflikt, der Otto Sorgen macht – zumal ausgerechnet an seinem ersten Arbeitstag angesetzt! Helene wagt einen ganz besonders mutigen Schritt, welcher ihr Respekt bei den Gewerkschaftern einbringt und eine Eskalation verhindert.

Der Roman hält spannenden Stoff zuhauf bereit. Ein gerüttelt Maß an Zeit- und Politikgeschichte umweht uns, was nicht nur für junge Leser interessant sein dürfte. Dann eine Liebes- und Familiengeschichte mit Höhen und Tiefen. Und nicht zu vergessen die Kriminalgeschichte um den Mord an Rebecca.

Von Anfang bis Ende zieht der Roman einen als Leser immer mehr in seinen Bann. Eigentlich möchte man ihn in einem Rutsch durchlesen. Ich bin mächtig gespannt auf die Bände 2 und 3. Unbedingte Leseempfehlung!

Inhaltsangabe

In Frankfurt am Main trifft sich 1947 der Geldadel in alter Verbundenheit und mit frischen CIA-Connections im Nobelhotel »Frankfurter Hof«. Man lauscht Ludwig Erhards und Hermann Josef Abs’ philosophischen wie praktischen Ausblicken auf »Deutschlands Zukunft«. In den Wohnbaracken, auf Fußballplätzen und bei Streikversammlungen kommen andere zusammen. Fein säuberlich verläuft die Trennung zwischen Oberen und Unteren. Die schöne Helene, Tochter der Direktorenfamilie Werner, schert da aus. Sie liebt Otto Hermann, den sozialdemokratischen Automechaniker und Fußballer aus dem Bornheimer Hinterhof, und erwartet ein Kind von ihm. Und sie ist mit Rebecca befreundet, die wiederum mit denen zu tun hat, die im Nobelhotel verkehren. »Rebecca« ist der Mannequin-Name der Edelhure Rosemarie Nitribitt. Als der Arbeitszettel eines polnischen Maurers aus eines Ministers Jackett in ihre Hände gelangt, ist das ein brisanter Beleg dafür, dass Deutschlands oberster Banker am Giftgas Zyklon B und am Bau der Gaskammern in Auschwitz mitverdient hat. Bald darauf wird Rebecca erwürgt in ihrem Appartement in der Frankfurter Innenstadt aufgefunden. In die Ermittlungen werden auch Otto und Helene verwickelt. Otto, inzwischen von Bundestrainer Sepp Herberger für die deutsche Nationalmannschaft in der kommenden Fußballweltmeisterschaft nominiert, hat mit Sprüchen wie »Weg mit der Bundeswehr« angeeckt und ist bereits ins Fadenkreuz neuer und alter Seilschaften geraten. – Der Roman, erster Teil einer Trilogie, zeichnet ein weit verästeltes Bild der bundesdeutschen Gesellschaft; eine Familiensaga über drei Generationen vom Kriegsende über die Bonner Republik bis ins Berlin der neunziger Jahre.

Diether Dehm: Aufstieg und Niedertracht 1: Rebecca. Berlin 2025, Eulenspiegel-Verlag, gebundene Ausgabe, 640 Seiten, ISBN 978-3-360-02768-9, 28 Euro.

Diether Dehm (Autor, Hrsg.)

Diether Dehm, geboren 1950 in Frankfurt am Main. Promovierter Psychosomatiker. Liedermacher, Autor, Politiker. Siebzehn Jahre Mitglied des Bundestages. Davor: SDS-Präsidium; Magistrat in Frankfurt am Main, Bundesvorsitzender der SPD-Unternehmer, SPD-MdB, Linkspartei-Vorsitzender in Niedersachsen. Geschäftsführer eines Musikverlages, bis 1998 Manager von Katarina Witt, BAP, Klaus Lage, bots, Zupfgeigenhansel. Er verfasste 600 Lieder (Hits wie »1000mal berührt«, »Was wollen wir trinken«), schrieb Sachbücher und TV-Satiren und veröffentlichte die Roman »Die Seilschaft« (2004) und »Bella ciao« (2007) und im Frühjahr 2025  »Rebecca«, den ersten Band der Trilogie »Aufstieg und Niedertracht«..

Anbei zusätzlich zur Kenntnis: Lebenslauf Diether Dehm

Anbei: Jürgen Elsässer spricht mit Dr. Diether Dehm über dessen Roman „Rebecca“

„Abkehr“ – ein verspäteter Literaturhinweis und andere Zeichen, die uns Sorgen machen sollten

Mir graust es von Tag zu Tag mehr. Wir leben m.E. in schlimmen Zeiten. Egon Bahr mahnte einst gar: Wir leben in Vorkriegszeiten. Seit Jahren warnt Papst Franziskus vor einem „schrittweisen Dritten Weltkrieg“. (Quelle: Domradio.de) Läuft der gar schon? Sind wir bereits mittendrin?

Hetzen in den Krieg

Wieder einmal hetzen uns bestimmte deutsche Politiker und zusätzlich offenbar von allen guten Geistern verlassene Journalisten wie schon einmal vor dem Ersten Weltkrieg unablässig in einen Krieg gegen Russland. Man fasst sich ob so viel Dummheit und so offenbar zutage tretendender Geschichtsvergessenheit samt Bildungsdefiziten an den Kopf. Aus der Geschichte ist augenscheinlich nichts gelernt worden. Lesen diese Kriegshetzer keine Bücher? Beispielsweise empfehle ich Stefan Zweigs Roman „Die Welt von Gestern“. Aber es gibt ja viele Regalmeter weitere augenöffnender Bücher mehr! Darin schwarz auf weiß jede Menge Wissen und aufgeschriebene bittere Erlebnisse und daraus erwachsene Weisheiten! Aber all das – so zumindest hat es den Anschein – sind Perlen, die quasi vor die Säue geworfen sind. Oder täusche ich mich da?

Immer neue Ängste werden geschürt

Es wird mit Angst gearbeitet. Erst die Angst vor einem Virus, dann die Angst vor der Klimakatastrophe und nun die Angst abermals vor dem Russen, der schon bald in Brandenburg und sicher in Kürze am Brandenburger Tor steht.

Wer hier und da der Propaganda nicht auf den Leim geht, berechtigte Fragen stellt und Kritik übt, dem wird – bedroht er das ins Werk gesetzte, aus allen Rohren verbreitete Narrativ in den Augen der Mächtigen allzu stark und hat auch noch eine entsprechende Reichweite – wird versucht auszuschalten. Wir hören von Kontokündigungen, Kanallöschungen bei You Tube und dergleichen gesellschaftlichen Ausgrenzungen mehr. Bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes. Und der Reputation sowieso. Unter bestimmten Umständen wird eine solche Person sogar zum Staatsfeind erklärt.

Den Film „Plötzlich Staatsfeind“ wollte keine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt ausstrahlen

Der Filmemachers und Regisseur Imad Karim hat darüber einen sehenswerten, bewegenden Film gemacht. Den Film „Plötzlich Staatsfeind“ hat er mittels eigenem und durch Spenden erhaltenes Geld produziert und veröffentlicht. Trotz Anfrage an mehrere öffentlich-rechtliche Sendeanstalten wollte keiner der Sender diesen Film ausstrahlen. Ich empfehle diesen Film ausdrücklich. Hier lesen Sie gerne mehr darüber.

Dem Roman „Abkehr“ erging es ähnlich wir dem Film

Bereits einige Zeit bevor ich auf den Film von Imad Karim stieß, kam mir der Roman „Abkehr“ von Birk Meinhardt in die Hände. Auch Meinhardt hatte Probleme mit seinem Werk. Er fand keinen Verlag. Sein Buch, beschied man ihm zumeist, fänden man gut, es passe jedoch nicht so recht in die Linie des Verlages. Aha! Nachigall, ick hör dir trapsen.

Aber auch für Meinhardts Buch ergab sich eine Lösung, damit es seinen Weg zu den Lesern finden konnte: Es wurde am 1. Juli 2024 eigens der Verlag Vabanque gegründet, um Abkehr herauszubringen.

Zum Buch informiert der Verlag:

«Erik Werchow findet sich plötzlich inhaftiert, obwohl er nichts getan hat. Nichts? Schreibend erkundet er seinen Weg in die Anstalt hinein, und während er jeden Tag intensiver Persönliches und Politisches notiert und während er lernt, sich im rauhen Gefängnisalltag zu behaupten, wird die Lage im Lande immer dramatischer. Zu seiner Überraschung erlangt er, der Isolierte, draußen Bekanntheit. Menschen beginnen, sich auf ihn zu beziehen. Bald wird er für die Oberen zur ernsten Gefahr … «

Eine Geschichte, so wahr, wie eine Geschichte sein kann, die in naher Zukunft spielt.«

Man fühlt sich Kafkas „Der Prozeß“ erinnert.

Und auf der Buchrückseite lesen wir:

«Niemand kommt ins Gefängnis, nur weil er seine Meinung geäußert hat? Das mag vor ein paar Jahren noch gegolten haben, aber heute? Ich sitze doch. Und ich hab noch nichtmal meine Meinung geäußert. Hab ich nicht, aber man hat es schon als Meinungs­äußerung genommen, was ich mit meinem Gesicht gemacht hab, und hat mich deswegen und aus keinem Grund sonst in die hiesige Anstalt verbracht, so war es doch, oder!«

Als erste Rezension zum Buch traf ich auf die von Oskar Lafontaine auf den NachDenkSeiten:

«Meinhardt hatte das Buch vorher Verlagen angeboten. Die fanden es auch gut, aber kamen zu dem Ergebnis, dass es nicht so recht in die Linie des Verlages passe. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der Held seines Buches, Erik Werchow, sein Alter Ego, vom menschenverachtenden Kapitalismus spricht und von sich behauptet, er rieche jede Propaganda meilenweit gegen den Wind. Weil das so ist, stinkt es ihm in einer Gesellschaft, in der selbsternannte Demokratiewächter alle verfolgen wollen, die den Staat verhöhnen. Ein solch aufmüpfiger Ossi landet im Roman im Gefängnis, und der Held kommentiert das entsprechend:„Niemand kommt ins Gefängnis, nur weil er seine Meinung geäußert hat? Das mag vor ein paar Jahren noch gegolten haben, aber heute? Ich sitze doch.“

Die Ostdeutschen haben gelernt, dass man sich gegen Enteignung wehren muss, und das gilt für Werchow nicht nur, wenn es um Häuser oder Grundstücke geht, sondern auch, wenn einem die eigene Sprache genommen wird: „Viel zu bereitwillig haben wir eure Bezeichnungen sogar für die uns vertrauten Stätten unserer Kindheit und Jugend verwendet, und wer sich wie wir fremde Wörter zur Beschreibung des eigenen Lebens nimmt, der übernimmt, ohne dass er’s recht begreift, fremde Gedanken und ist bald kein bisschen mehr eigen“.

Dieser Ostdeutsche hat wirklich merkwürdige eigene Gedanken und fragt, warum wir die Amis Freunde und Verbündete nennen, „wenn doch ihre Truppen seit Jahrzehnten in andere Länder einfallen, in Länder, die nicht einmal einen kleinen Krieg vom Zaun gebrochen haben? Die Aggressoren sind seit längerem sie, korrekt?“

Wer so unangepasst denkt, kann auch in seinem Beruf nicht zurechtkommen. Der Held des Romans war Angestellter in der Werbeabteilung eines Pharma-Konzerns und hält das nicht lange aus: „Ich konnte nicht länger verdrängen, was geschah. Wir erfanden eine Krankheit, um ein Mittel gegen sie zu verkaufen und auf die Art Kohle zu machen“.

In der Coronakrise gehört er zu den Ungeimpften und liest, dass er ein gefährlicher Sozialschädling ist, der die Gesellschaft in Geiselhaft nimmt. Die gesamte Gesellschaft solle mit dem Finger auf ihn zeigen. Was drückt sich in diesen Schmähungen aus, fragt er. „Niedertracht, Hass, Menschenverachtung, Lust an Unterwerfung, übergehend in den Wunsch nach Vernichtung, mit einem Wort – faschistoides Denken.“

Ein Ostdeutscher, der faschistoides Denken entlarvt, wo doch fast jeder dritte Ostdeutsche AfD wählt, wie kann man das zusammenbringen? Ganz einfach, indem man begreift, in welchem Umfang das faschistoide Denken nicht nur bei einschlägig bekannten Rechtsextremen, sondern längst in der selbsternannten demokratischen Mitte angekommen ist. Dieser lesenswerte Roman zeigt, wohin sich unsere instabile Gesellschaft entwickeln kann und ist eine Fundgrube für alle Unangepassten, die das eigene Denken noch nicht verlernt haben.«

Quelle: Oskar Lafontaine auf den NachDenkSeiten

Spannend und fesselnd ist der Roman, aber auch alarmierend

Kurzerhand bestellte ich mir das Buch vor fast einem Jahr. Und las es mit großem Interesse. Es packte mich. Spannend! Fesselnd! Und alarmierte mich. Trotzdem die mir darin behandelte Thematik nichts Neues war. Wie schrieb ich doch eingangs den Buches: Wir leben m.E. in schlimmen Zeiten. Und zwar in vielfacher Hinsicht. Und es wird meiner Meinung nach immer noch schlimmer.

Muss man inzwischen einen Bademantel parat haben?

So mancher getraut sich inzwischen seine Meinung nicht mehr offen zu sagen. Und wer es dennoch tut, dem wird nicht selten scherzhaft entgegnet: „Ich hoffe, du hast einen Bademantel parat!“ Aber zum Lachen ist einem nicht so recht zumute. Den die Sache mit dem Bademantel hat einem ernsten Grund. Denn das Bundesinnenminsterium (BMI), Innenministerin Nancy höchstselbst, hatte am 16. Juli 2024 den angeblich rechtsextremistischen Verein „COMPACT-Magazin GmbH“ nebst seiner Teilorganisation „CONSPECT FILM GmbH“ verboten. Nebenbei bemerkt handelt es sich gar nicht um einen Verein.

Ein Skandal: Ein journalistisches Medium wurde verboten! Das BMI erklärt auf seiner Seite später: „Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) ist am 14. August 2024 dem Antrag der „COMPACT-Magazin GmbH“ gefolgt und hat die aufschiebende Wirkung der Klage des Vereins gegen sein Vereinsverbot bis zur Entscheidung in der Hauptsache wiederhergestellt.“

Im Morgengrauen war damals COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer von vermummten Polizisten herausgeklingelt worden. Er öffnete im Bademantel. Inzwischen lässt das COMPACT-Magazin diesen Bademantel nachschneidern. Er kann dann von Interessenten erworben werden, die bei einer möglichen Razzia entsprechend angezogen sein wollen.

Meinhardts Roman geht gesellschaftlichen Fehlentwicklungen nach

Meinhardts Roman spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen und Fehlentwicklungen seit dem Ende der DDR von 1989 und der sogenannten Wiedervereinigung Deutschlands. Nebenbei: Der Journalist Ralph T. Niemeyer spricht (vielleicht treffender und ehrlicher?) von einer der „Niedervereinigung“. Dazu u.a. hier erwähnt.

Die Handlung des Buches ist in der Zukunft angelegt. Ein dystopischer Roman. Doch Leser, die wach durchs Leben gehen, bemerken mit vielleicht mit steigendem Unbehagen: Eine Dystopie, welche durchaus inzwischen nahe am Heute ist. Meinhardt erzählt die Geschichte eines einstigen Werbemaklers und Trauerredners, der aufgrund seiner Betätigung in einem literarischen Zirkel und von öffentlichen Auftritten mit einer Gesichtsmaske ins Visier der Polizei und bald darauf in Untersuchungshaft gerät.

Ich empfehle heute – etwas verspätet – den Roman „Abkehr“. Es lohnt sich ihn zu lesen, versprochen.

Abkehr

Herausgeber ‏ : ‎ Vabanque Verlag (5. August 2024)

22,00€

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Birk Meinhardt, geboren 1959 in Berlin-Pankow. Nach dem Mauerfall Reporter bei der „Süddeutschen Zeitung“. Erhielt zweimal den Egon-Erwin-Kisch-Preis. Seit 2012 Schriftsteller. Sein Roman „Brüder und Schwestern“ (Hanser, 2013) war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, sein Erfahrungsbericht „Wie ich meine Zeitung verlor“ (Das Neue Berlin, 2020) wurde zum Bestseller. Letzte Veröffentlichung: „Mein Bornholm“ (mare, 2022).

Hintangesetzt und zur Lektüre empfohlen

Abschließend ist es mir ein Bedürfnis noch ein paar andere Buchempfehlungen hintanzusetzen und zur Lektüre empfehlen, die sowohl zum erwähnten Film „Staatsfeind“ von Imad Karim sowie dem Roman „Abkehr“ betreffs einer beängstigenden Entwicklung nahe kommen

«Kritisches Wörterbuch des Bunten Totalitarismus« von Rudolph Bauer (1 – 4)

„Die Opfer zählen nicht“ – Fesselnder Zukunftsroman von KJ Weiss