„Cockpitpiloten“ bald in neuer Gewerkschaft INTERMODAL?

Die Transportbranche wächst stark. Die Bezahlung der "Fahrarbeiter" ist meist mies; Foto: Andreas Hermsdorf via Pixelio.de

Die Transportbranche wächst stark. Die Bezahlung der „Fahrarbeiter“ ist meist mies; Foto: Andreas Hermsdorf via Pixelio.de

Laut Akademie und Institut für Sozialforschung e.V. Verona ist der Bereich Transport und Logistik europaweit ein weiter wachsender Wirtschaftsbereich. Und zwar deshalb, weil dieser „als zentrales Funktionselement der Gewinnsteigerung durch räumliche Arbeitszerlegung“ diene. Die Akademie stellt fest, dass das Segment Transport und Logistik ein „per se transnationaler und zumindest ‚europäischer‘ Wirtschaftsbereich“ sei.

9,5 Millionen Beschäftigte in der EU im Bereich „Verkehr und Lagerei“  – 900 000 Berufskraftfahrer allein in Deutschland

In der EU sind im Segment Transport und Logistik  ca. 9,5 Millionen Beschäftigte im Bereich „Verkehr und Lagerei“ tätig. Allein in Deutschland arbeiten im Wirtschaftsbereich Transport und Logistik ca. 900 000 Berufskraftfahrer! Ab und zu berichten es die Medien: Um die Arbeitsbedingungen und die Gesundheitsversorgung insbesondere der Fernfahrer im EU-Transitverkehr ist es – beschönigt ausgedrückt – nicht gerade zum Besten bestellt. Zuweilen stellt sich deren Arbeitslage als verzweifelt da. Für die deutschen Beschäftigten ist traditionell die Gewerkschaft ver.di mit dem Fachbereich 10 (Postdienste, Speditionen und Logistik) zuständig. Doch offenbar tut ver.di zu wenig für die doch zahlenmäßig sehr umfangreich zu nennende Klientel.

Die zuständige Gewerkschaft ver.di offenbar mit wenig Engagement bei der Sache

Nach „jahrelangen Bemühungen um mehr Engagement dieser Gewerkschaft im Bereich Transport und Logistik“ ist die Akademie über die Lage in diesem Bereich ziemlich gut im Bilde. Seit Jahren werden nicht nur von der Akademie unermüdlich Verbesserungen angeregt. Enttäuscht wird jedoch nun resümiert: Es werde von der zuständigen Gewerkschaft eine „dezidierte Politik des Nicht-Engagements“ verfolgt.

Dieses wahrlich wenig schmeichelhafte Urteil wird durch die Tatsache gestützt, dass ver.di der Entscheidung der Bundesarbeitsministerin, den deutschen Mindestlohn für Fahrer aus den EU-Nachbarländern während des Deutschland-Transit auszusetzen, offenbar ohne ernstzunehmende Gegenwehr einfach hinnahm. Dies nennt etwa Prof. Albrecht Goeschel, Mitglied des Akademie-Präsidiums „typisch“. Dabei fehlt es an Vorschlägen aus der Accademia an die Adresse von ver.di nicht. Nicht einmal an dem von der Regierung der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol finanzierten Konzept einer autobahnintegrierten europaweiten Gesundheitsinfrastruktur („Zentren für Kraftfahrergesundheit“) soll die ver.di-Bundesverwaltung Interesse gehabt haben. Im Sinne einer Verbesserung der Arbeits(um)welt der „Fahrarbeiter“ – wie die Berufskraftfahrer hier akzentuiert bezeichnet werden hat sich die Akademie unter den Überschriften „Logistik und Gesundheit“ bzw. „Kraftfahrergesundheit“ sowie „Autobahn-Stadt Europa“ umfassende Gedanken gemacht. Labournet zitiert aus einem Artikel von Albrecht Goeschel und Marion Fendt in der  Fachzeitschrift „Alternative Kommunal Politik“, Heft Mai/Juni 2014 :

(…) „Seine Fahrarbeiter sind der Inbegriff singularisierter und mobilisierter Arbeitsindividuen. Sie sind die Bürger der „Autobahn-Stadt Europa“ – und im Übrigen zu 96 Prozent Männer. (…) Es ist allerhöchste Zeit, Konzepte für eine angemessene Sozial- und Gesundheitsinfrastruktur für die wachsende Autobahnstadt, für eine „Soziale Autobahn-Stadt Europa“ auszuarbeiten und einzufordern. Bisher gibt es dazu das Konzept „Zentren für Kraftfahrer-Gesundheit“ an wichtigen Autobahn-Knotenpunkten und an wichtigen Logistik- und Transportstandorten in Europa. Entwickelt wird es von der Autonomen Provinz Bozen, der Straßenverkehrs-Genossenschaft Hessen (SVG), der Akademie und Institut für Sozialforschung Verona und vom Bildungszentrum Haus Brannenburg der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. (…)

Beitrittsangebote seitens ver.di halten die Kapitäne der Straße entgegen: „Nichtvertreten können wir uns selber und billiger“

Nur wie wären wirksame Verbesserungen für die Fahrerschaften durchzusetzen? Ganz einfach: Über eine starke Gewerkschaft! Wie hieß es doch – lang ist’s her: Wenn unser starker Arm es will, stehen alle Räder still!“ (Bundeslied)!. Käme da nicht gerade ver.di, die mit 2,1 Millionen Mitgliedern größte Dienstleistungsgewerkschaft der Welt, als mächtige Interessenvertretung zu passe beziehungsweise quasi naturgemäß in Betracht? Doch über Beitrittsangebote seitens ver.di sollen die „Kapitäne der Straßen“ nur gelacht haben. Und zwar nach dem Motto „Nichtvertreten können wir uns selber und billiger“.

Apropos „…stehen alle Räder still“: Die Streiks – besonders der bislang letzte – der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) haben offenbar bei den Berufskraftfahrern gewissen Überlegungen in Gang gesetzt. Die Akademie in Verona will definitiv wissen, dass in den Fahrerschaften große Bewunderung für die GdL und ihren Vorsitzenden Claus Weselsky herrsche. Doch damit nicht genug: Unter ihnen soll gar der Wunsch verbreitet seit , dort organisiert zu sein.

Transportwirtschaft eine der schlimmsten Niedriglohnzonen bei geringer gewerkschaftlicher Organisierung

Mitarbeiter der Akademie und das Institut für Sozialforschung e.V. Verona befeuerten diese Überlegungen anscheinend.Im engeren Kreis Accademia zirkuliert wohl ein Strategiepapier.

Es ist bekannt, dass die Transportwirtschaft ohne Zweifel zu den schlimmsten Niedriglohnzonen in Europa zählt. Zudem ist die gewerkschaftliche Organsierung in diesem Bereich besonders dürftig. Dass unter den Fahrern „organizing“ nicht möglich wäre, dürfte eine faule Ausrede sein. Es liegt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit daran, dass die sich für zuständig erklärende Gewerkschaft ver.di in diesem Fachbereich wenig bis keinerlei Engagement zeigt. Schlimmer noch – wie kritisch zu vernehmen ist – offensive und innovative Konzepte und Initiativen ignoriert und mit bürokratischer Raffinesse sabotiert und blockiert.

Medienhetze und gesellschaftliches Rollback

Zurück zum GdL-Streik: Die nicht selten unappetitliche Hetze der Medien, Politik, des Bahnkonzerns (hinter welchem sich der nach wie vor hundertprozentige Eigentümer, der Bund sich versteckte) und von Betongewerkschaften gegen die GdL und namentlich Claus Weselsky zeigt Wirkung. Die GdL mit ihm als Gesicht hat – obzwar eine kleine Gewerkschaft – bewiesen, was engagierte Gewerkschaften bewirken können – beziehungsweise erinnerten daran, was auch große Gewerkschaften einst einmal – lang ist es her – zu bewirken vermochten.

Vor diesem Hintergrund rückt plötzlich auch der Niedriglohnbereich „Transportsektor“ ins Blickfeld. Und damit die wichtigste Erkenntnis, dass es keine vergleichbar große Branche in Deutschland gibt, die so „in der Wolle“ transnational und europaweit angelegt ist wie der Transportsektor. Warum wird der drittgrößte und weiter wachsender Wirtschaftsbereich jedoch wirtschafts- und gesellschaftspolitisch kaum zur Kenntnis genommen?

Die internationale und die europäische räumliche Arbeitszerlegung gilt als ein Profittreiber ersten Ranges. In der Transportbranche ist unglaubliche Lohndrückerei an der Tagesordnung. Die vollkommen fehlende Gesundheitsversorgung ist anscheinend kein Thema.

In Deutschland sind etwa 900 000 Berufskraftfahrer auf den auf den Verkehrswegen unterwegs. „Wohnen“ tun sie die größte Zeit über in ihren Fahrerkabinen. In der EU sind es schätzungsweise 2,5 Millionen. Es dürften noch mehr werden.

Zu den bereits vorhandenen 68 000 Kilometer Fernstraßen in der EU sollen in den kommenden Jahren nämlich weitere 58 000 Kilometer hinzukommen. Eine nennenswerte Lobby haben die Berufskraftfahrer nicht.

Anti-Griechenlandterror soll den Süden disziplinieren, die Anti-GdL-Hetze hatte – wie zu vermuten ist – die Aufgabe die Dienstleister zu disziplinieren. An Negativem dazu kommt noch das ausgerechnet von der Sozialdemokratin (!) Andrea Nahles verantwortete Tarifeinheitsgesetz. Zornige Kritiker desselben sehen darin ein neues Ermächtigungsgesetz.

Wird das in vielen Bereichen losgetretene und immer weiter vorangetriebene gesellschaftliche Rollback mit seinen negativen Wirkungen auf die jeweils davon betroffenen arbeitenden Menschen weiter so klaglos hingenommen werden? In der Transportbranche grummelt es anscheinend.

Betrachtung der Transportwissenschaft

In der Transportwissenschaft werden die modernen gesamtwirtschaftlichen Transportprozesse als komplementär zusammenhängende und teilweise schon integrierte Prozesse aufgefasst und betrachtet. „Modal-Split“ bezeichnet die Verteilung des gesamtwirtschaftlichen Transportaufkommens auf die Verkehrsträger bzw. die Beanspruchung der Verkehrsträger durch die verschiedenen Transportaufgaben. Die Verkehrsträger: Schienenwege, Straßenwege, Luftwege und Wasserwege. „Intermodal“ sind Transportprozesse, bei denen die Verkehrsträger integriert werden.

Kampfstarke neue Gewerkschaft für die „Fahrarbeiter“

Im in der Accademia zirkulierenden Strategiepapier hat man – eigentlich naheliegend – all diese Aspekte zusammen gedacht. Und einen Schluss daraus gezogen: Eine noch zu gründende Gewerkschaft für die Cockpitpiloten im Bahnzug, im Lastkraftwagen und im Frachtflugzeug könnte den Namen INTERMODAL tragen. Mit einem Vorsitzenden namens Claus Weselsky an der Spitze? All das ist Zukunftsmusik. Und wäre Weselsky überhaupt dazu bereit? Spass beiseite: Unmöglich wäre es nicht. Die neue Gewerkschaft verfügte jedenfalls über die nötige Kampfkraft, um die Arbeitsbedingungen in der Transportbranche nachhaltig verbessern zu helfen.

Wie bereits erwähnt: der Bereich Transport und Logistik ist europaweit ein weiter stramm wachsender Wirtschaftsbereich. Und da soll natürlich für die Firmen auch ordentlich Profit herausspringen. Was zu befürchten steht: Auch weiter auf dem Buckel der vielen „Fahrarbeiter“ und wenigen „Fahrabeiterinnen“. Denn diese werden in diesem alles durchökonomierenden neoliberalen Zeiten als lästige – aber eben immer noch  notwendige – Kostenstellen betrachtet.

„Woman in Exile“: Alle Arbeitsverbote für Asylsuchende abschaffen

Im Rahmen der Aktion "Fluchtschiff" konzertierten Flüchtlingsfrauen im Jahre 2014 mit Heinz Ratz & Band in der Pauluskulturkirche in Dortmund; Fotos (2) Claus-D. Stille

Im Rahmen der Aktion „Fluchtschiff“ konzertierten Flüchtlingsfrauen im Jahre 2014 mit Heinz Ratz & Band in der Pauluskulturkirche in Dortmund; Fotos (2) Claus-D. Stille

Wenn auch der 1. Mai Geschichte ist, so halte ich es doch für wichtig, nachträglich eine Forderung von „Woman in Exile“ publik zu machen. „Women in Exile“  ist eine Initiative von Flüchtlingsfrauen, die sich 2002 in Brandenburg zusammen gefunden haben, um für ihre Rechte zu kämpfen. Women in Exile e.V. ist als gemeinnützig anerkannt.
„Woman in Exile“ schrieb im letzten Newsletter:

Liebe Freunde,

 

am ‚Tag der Arbeit’ möchten wir Sie / euch auf einen Auszug aus unserem letzten Newsletter aufmerksam machen, der einen Überblick über den Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende gibt.
Auch wenn im November 2014 einige Verbesserungen in Kraft getreten sind, immer noch gibt es viel zu viele Arbeitsverbote – aus den unterschiedlichsten Gründen Nähere Erläuterungen auf der Internetseite „Woman in Exil & Friends“.
Deshalb fordern wir alle Arbeitsverbote für Asylsuchende abzuschaffen, denn Arbeitsverbote sind ein Teil einer Asylgesetzgebung, die Asylsuchende systematisch ausgrenzt.

 

Ich wünsche Ihnen/ euch allen einen schönen 1.Mai!

 

Herzliche Grüße,
Elisabeth Ngari

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Und hier noch einmal in englischer Sprache:

Dear friends,
on the ocasion of the Labour Day I would like  to draw your attention to an excerpt from our last newsletter, which gives an overview on the access to the labor market for asylum seekers. Although some improvements cameinto force in November 2014 there are still far too many work bans – for different reasons: see here.

Therefore we demand to abolish all work bans for asylum seekers because work bans are a part of a asylum legislation, which systematically excludes the asylum seekers.

 

I wish you all a nice May 1st!

 

Best Wishes,
Elisabeth Ngari

Women in Exile

Mail: info@women-in-exile.net
Adresse: Rudolf-Breitscheid-Straße 164
14482 Potsdam

 

Im vergangenen Jahr machte das "Fluchtschiff" u.a. auch im Hafen von Dortmund fest. Die Flüchtlingsfrauen wurden laut, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Im vergangenen Jahr machte das „Fluchtschiff“ u.a. auch im Hafen von Dortmund fest. Die Flüchtlingsfrauen wurden laut, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Vertreter von Woman in Exile waren vergangenes Jahr u.a. auch in Dortmund zu Gast. Dank der Aktion „Fluchtschiff“, einer Initiative von Heinz Ratz. Das Schiff hatte im Dortmunder Hafen festgemacht. Die Flüchtlingsfrauen konzertierten am Abend zusammen mit Heinz Ratz und Band in der „Pauluskulturkirche“.

Journalist Rainer Kahni ist enttäuscht über die mangelnde Solidarität der Deutschen und der Europäer

Es ist ernst. Rainer Kahni, Journalist und Schriftsteller, ist – wie er selbst sagt: „am Ende seines Lebensweges angekommen.“ Kahni, auch Monsieur Rainer genannt, kämpft an seinem Wohnort im südfranzösischen Biot mit einer heimtückischen Krankheit. Via Facebook lässt er dieser Tage verlauten: „Liebe Freunde, unter grossen Mühen und mit tatkräftiger Hilfe wahrer Freunde ist es mir doch noch gelungen, mein wahrscheinlich letztes Buch DER REPORTER fertigzustellen und zu veröffentlichen.“ Auch eine Filmproduktion nach Rainer Kahnis sehr persönlichem Buch „Der Winkeladvokat“ ist angedacht. Mithilfe von Crowdfunding soll dieser finanziert werden.

Peter Jüriens von krosta.tv führte ein zweites Gespräch mit Rainer Kahni

Kürzlich schrieb ich an dieser Stelle über ein sehr interessantes Gespräch, dass Peter Jüriens für krosta.tv mit dem in Deutschland geborenen und seit vielen Jahrzehnten als französischer Staatsbürger in Biot, Südfrankreich,lebenden Journalisten und Schriftsteller Rainer Kahni geführt hat. Das  Interview, aufgezeichnet am 7. April 2015, gibt mehr als 115 sehr persönliche Minuten wieder und ist über Vimeo zugänglich. Für 3 Euro kann man es mieten oder für acht Euro kaufen. Das Geld sollte man übrig haben. Ich kann das Gespräch meinen Leserinnen und Leser wärmstens empfehlen. Hier nochmals meinen Beitrag über eben jenes Gespräch.

Dass die Crew von krosta.tv nach Ostern noch einmal nach Biot fuhr, um ein zweites Gespräch mit Rainer Kahni aufzuzeichnen, kann gar nicht hoch genug mit Lob bedacht werden. Rainer Kahni hatte nämlich noch einiges mehr zu sagen. Und zwar Essentielles, vor allem Deutschland betreffend. Nachdem ich kürzlich Gelegenheit hatte, den zweiten Teil des Gespräches vorab zu sehen (bei Vimeo ist das Video erst ab dem 5. Juli abrufbar, kann aber schon jetzt vorbestellt werden), kann ich eigentlich nur jeder Bürgerin, jedem Bürger empfehlen es zu mieten, zu kaufen – in jedem Falle: es anzuschauen! Und die Worte Rainer Kahnis zu verinnerlichen, um sich hernach eigene Gedanke zu machen.

Statt Geplapper zum Saufudern Essentielles, das an die Wurzel geht

Warum lege ich möglichst vielen von uns dieses und das vorangegangene Video so ans Herz? Ganz einfach: Weil wir da von Rainer Kahni eben nicht das von unseren Fernsehanstalten bis zum Abwinken versendete Geplapper und Gezeter aus den zum Saufudern vorhandenen, fast täglich auf uns einprasselnden Quasselshows – moderiert von angeblichen Journalistinnen und Journalisten wie Anne Will, Sandra Maischberger, Maybritt Illner und ihren männlichen Kollegen Günther Jauch und Frank Plasberg einschließlich der geladenen Gäste zu hören bekommen. Da wird Tacheles geredet und  radikal zur Sache. Heißt von der Wurzel her werden da von Rainer Kahni die Gebrechen unserer Demokratie benannt. Und es wird unverblümt ausgesprochen, woran unser sogenannter Rechtsstaat krankt. Es geht ans Eingemachte. Dass könnte manchem wehtun. Aber: es tut not! Wer nun meint, Kahni sei ein Verbitterter, der nur herummäkelt und meckert, der ist schief gewickelt. Der einst umtriebige Journalist und brillante Schriftsteller ist allerdings ein von der negativen Entwicklung unserer Demokratie, Europas und des Rechtsstaates schwer Enttäuschter. Als großes Manko empfindet Kahni die mangelnde Solidarität der Deutschen und Europäer.

Aber Kahni ist auch ein Hoffender. Und deshalb fester Meinung, dass die Menschen irgendwann die Sache in die Hand nehmen und Änderung herbeiführen werden. Für diesen Fall zeigt sich Kahni zuversichtlich, dass dann auch die voranschreitenden Europa-Verdrossenheit der Menschen zu heilen wäre. Und ein neues Europa, dass eine Wirtschafts, Sozial und Rechtsunion sein müsse, gebaut werden kann.

Allein Monsieur Kahni dürfte es – so sehr wir es ihm von Herzen wünschen – wohl selbst nicht mehr erleben. Verinnerlichen wir also umso mehr dessen Worte und  Mahnungen in unser aller Interesse und nehmen sie  ernst. Rainer Kahni, der das bundesdeutsche Grundgesetz bestens findet und liebt, hat sogar eine darauf fussende Verfassung für Deutschland geschrieben. (Dazu ein Beitrag von Rainer Kahni auf Freitag.de) Denn die haben wir ja bis dato nicht. Für den Fall der Wiedervereinigung war ja eine Volksabstimmung über eine gemeinsame Verfassung geplant. Die jedoch fand ja bekanntlich nicht statt.

Um was also geht es beim zweiten Gespräch mit Rainer Kahni? Die Schwerpunkte:

Demokratie

– Es gilt Hoffnung zu erzeugen und Zukunftsperspektiven zu bieten
– Eine Bankrotterklärung der Demokratie
– Solidarität der Bürger als Protest
– 15 Millionen Arme und 10 Millionen Kritischen Bürgern fehlt der Mut sich gegen das System zu stellen
– Eine vom Bürger selbstbestimmte Verfassung
– Ein laizistischer Rechtsstaat
– Industrielobbyisten und Finanzoligarchen

Religionen

– Das Reichskonkordat zwischen Vatikan und 3.Reich
– Glauben und Religionen sind Privatsache
– Keine Klerikalen in der Politik

Die Justiz – Der Ungeist des Faschismus

Vom staatlichen Repressionsapparat, über die NSU bis Sebastian Edathy
– Eine unabhängige Justiz
– Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)

Demokratie, Verfassung und Plebiszite, Europa und die Demokratisierung der Institutionen

– Der Bundespräsident und die Bundekanzlerin sind nicht westlich sozialisiert

– Die Basis Europas muss eine Wirtschaft, Sozial und Rechtsunion sein
– Die Löhne in Deutschland müssen dramatisch erhöht werden

Ein Europa ohne Lobbyisten mit unabhängigen Politikern, Steuern, Steuerschlupflöcher und Bürgerversicherung

Die aktuellen Steuergesetze der Politiker lassen VW 34 Milliarden € weniger Steuern zahlen
– Es ist ungerecht einem Unternehmer 80% Steuern abzunehmen
– Steuergerechtigkeit und jeder muss etwas beitragen in den Sozial und Rentenkassen
– Deutschland ist heute die größte Geldwäscheanlage der Welt
– Deutschland, die Niederlande und England sind die größten Steueroasen der Welt
– Steuerverschwendung, deutsche Beamte verschwenden jedes Jahr 60 Mrd.

Wir sind nicht solidarisch und haben nicht den Mut uns gegen die Diktatur der Parteien zu stellen.

Die Enttäuschung über die mangelnde Solidarität der Deutschen und Europäer

Ich bin nicht neutral.

krosta.tv Gespäch mit Rainer Kahni (Monsieur Rainer) Teil2
Idee: Peter Jüriens, Rainer Kahni und Michael Krosta
Realisation, Kameras und Ton: Michael Krosta
Redaktion: Merle Lindemann
Gesprächspartner von Rainer Kahni: Peter Jüriens

monsieurrainer.com krosta.tv filmproduktionHERL.de

© 2015 Filmproduktion HERL

Redaktionelle Anfragen zur Kommerziellen Nutzung des Material an: redaktion@krosta.tv

Rainer Kahnis Worte als Vermächtnis betrachten

Nehmen wir uns also Rainer Kahnis Worte Herzen. Sind wir mehrheitlich zufrieden, dann brauchen wir nichts machen. Deutschland geht es gut, tönt es ja ständig aus allen Rohren und Röhren. Aus dem Munde von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowieso. In diesem Sinne  schreiben die sogenannte Qualitätsmedien die Situation schön. So verlautet es in den öffentlich-rechtlichen Medien. Doch können wir angesichts einer steigenden Armut auch hierzulande – 15 Millionen Mitmenschen gelten als arm – wirklich so weitermachen wie bisher? Jeder muss das für sich entscheiden. Rain Kahni gibt zu bedenken: 15 Millionen Arme und 10 Millionen Kritischen Bürgern fehlt der Mut sich gegen das System zu stellen. Im Falle des Falles – des Zuges dieser Millionen durch Berlin –  käme keine Polizei der Welt gegen den Protest an. Nur eines steht fest: Mit Couch-Potatoes kommen wir nicht aus dem Quark und der Misere. Auch nicht, indem wir die von mir sehr empfohlenen beide Gespräche von Peter Jüriens mit Rainer Kahni anschauen und dabei mehrfach den Kopf schütteln über Skandalöses und Absurdes, worüber Monsieur Rainer Auskunft gibt, oder indem wir hinterher mehrfach bedeutungsvoll zustimmend nicken. Empört euch! (Stéphan Hessel), Wehrt euch (Rainer Kahni) !, Engagiert euch! (Stéphan Hessel), das will uns Rainer Kahni von seinem auslaufenden  Lebensweg aus zurufen. Machen müssen wir es selbst. Rainer Kahnis Leben neigt sich bedauerlicherweise dem Ende zu. Nehmen  wir dessen gut gemeinten, unverblümt ausgesprochen Worte als zu erfüllendes Vermächtnis!

Hier geht es zum Teaser des zweiten Gespräches mit Rainer Kahni. 

Das gesamte Gespräch gibt es ab 5. Juli für kleines Geld via Vimeo.