Chefredakteur des „Freitag“ veröffentlicht langjährigen Autor Ulrich Heyden vorläufig nicht mehr

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, ich veröffentliche hier einen Beitrag des Kollegen Ulrich Heyden „in eigener Sache“. Der Chefredakteur des „Freitag“ will wegen einer angeblichen falschen Positionierung im Ukraine-Krieg vorläufig keine Beiträge von Heyden mehr veröffentlichen. Diese Entscheidung des „Freitag“ empört mich. Und ich halte sie für falsch. Werden jetzt alle, die nicht die „richtige“ Haltung im Ukraine-Krieg oder gegenüber Russland gecancelt? Erst heute vormittag las ich, der Beck-Verlag druckt Bestseller von Gabriele Krone-Schmalz nicht mehr nach. Da wird ein russischer Chefdirigent, der sozusagen den vor ihm aufgestellten Gesslerhut nicht grüßen will und damit die gewünschte Haltung zu Putin nicht zum Ausdruck bringen will, kurzerhand vom Münchner Oberbürgermeister entlassen. Eine weltbekannte und geschätzte Opersängerin werden die Auftritte verunmöglicht. Längst tote russischen Komponisten und Schriftsteller werden von der neuen Unart von „Cancel Cultur“ ausgegrenzt.  Was passiert bei uns momentan? Was lassen wir zu? Wird bald gefordert wieder Bücher zu verbrennen? Ich bin äußerst besorgt.

„Seit 1992 berichte ich für die Wochenzeitung „der Freitag“ aus Moskau und vielen anderen Orten Russlands und der Nachbarrepubliken“, schreibt der Journalist Ulrich Heyden. „Der Chefredakteur des „Freitag“, Philip Grassmann, will nun keine Artikel mehr von mir im „Freitag“ veröffentlichen, wie er mir heute in einer Mail mitteilte. Diese Mail und meine Antwort an Herrn Grassmann veröffentliche ich hier, da ich denke, die Angelegenheit ist von öffentlichem Interesse.“

Der Chefredakteur von „der Freitag“, Philip Grassmann, heute an Ulrich Heyden:

Mi., 23. März um 18:29

„Sehr geehrter Herr Heyden,

Sie sind seit vielen Jahren ein Autor des Freitags und es gibt viele Stück, die Sie für uns geschrieben haben und die ich schätze.

Allerdings habe ich kein Verständnis für Ihre Positionierung im Ukraine-Krieg. Es gibt eine Vorgeschichte zu diesem Krieg – ja. Aber der Westen trägt keine Mitverantwortung an diesem Krieg. Das war Putins alleinige Entscheidung. Es handelt sich auch nicht um eine Intervention Russlands sondern um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Sie sehen das anders und das ist Ihr gutes Recht.

Aber ein Autor mit dieser Haltung hat keinen Platz im Freitag – zumindest nicht solange, wie der Ukraine-Krieg dauert oder seine politischen Auswirkungen das Geschehen in Europa dominieren.

Ich habe deshalb schon XXX XXXXX mitgeteilt und tue das nun auch Ihnen gegenüber, dass wir bis auf weiteres davon absehen möchten, Texte von Ihnen im Freitag zu veröffentlichen.

Aus dem gleichen Grund kann ich auch Ihren Antrag für eine Akkreditierung in Russland nicht unterschreiben, denn Sie sind bis auf weiteres nicht für den Freitag tätig.

Mit freundlichen Grüßen

Philip Grassman“


Hier die Replik  von Ulrich Heyden (Foto) darauf:

Mi., 23. März um 18:29

„Sehr geehrter Herr Grassmann,

Sie schreiben über meine „Positionierung im Ukraine-Krieg“. Aber bitte wo habe ich mich „positioniert“?

wp-1645962424411Auf welche Veröffentlichungen beziehen Sie sich genau? Ich habe mich nirgendwo so geäußert, wie sie es in Ihrem Brief formulieren. Bezeichnenderweise haben Sie auch kein einziges direktes Zitat von mir gebracht.

Sie schreiben, „ein Autor mit dieser Haltung hat keinen Platz im Freitag“. Ja, es war ein Angriffskrieg und er war völkerrechtswidrig. Aber ich würde mich niemals öffentlich hinstellen und in diesen deutschen Chor einstimmen.  Denn dieser Chor hat etwas extrem heuchlerisches. Denn wo waren die lauthalsen Bekenntnissse zur Verletzung des Völkerrechts bei den Angriffskriegen der USA und der NATO und der Beteiligung der deutschen Luftwaffe beim Krieg gegen Serbien?

Außerdem hat eine Verurteilung von Russlands „völkerrechtswidrigem Angriffskrieg“ keinerlei praktischen Einfluss auf die russische Kriegsführung. Nach meinem Eindruck lachen die Russen eher über diese Verurteilung von deutscher Seite, weil sie diese Verurteilung als Heuchelei empfinden.

Die öffentliche Rede vom „russischen Angriffskrieg“ dient meiner Meinung nach ausschließlich der Formierung der deutschen Nation auf einen (alten) äußeren Feind und dem Einschwören auf das größte deutsche Rüstungsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg.

Wahrscheinlich wissen Sie, dass viele Leser des „Freitag“ Russland wegen des Krieges ebenfalls nicht lauthals verurteilen, eben aus den Gründen, die ich nannte. Und ich finde es ehrlich gesagt nicht demokratisch, dass Sie mit Ihrer Entscheidung nicht nur mich, sondern auch diese Leser aus dem Meinungsspektrum im Freitag ausschließen. Und sie schließen indirekt auch den Großteil der russischen Bevölkerung aus, der – wenn manchmal auch mit einem Magengrummeln – die „Entnazifizierung“ der Ukraine unterstützt.

Ich werde Ihren Brief auf meiner Website veröffentlichen, denn meine Leser und Freunde sollen wissen, warum man von nun an meine Artikel nicht mehr im Freitag findet.

Hochachtungsvoll!

Ulrich Heyden“

Quelle: Ulrich Heyden

2 Kommentare zu “Chefredakteur des „Freitag“ veröffentlicht langjährigen Autor Ulrich Heyden vorläufig nicht mehr

  1. Lieber Herr Stille,
    bevor ich „verzweifle“, schicke ich Ihnen meinen Kommentar hier zu (wordpress.com erkennt mich nicht, obwohl unter „Gefällt mir“ mein ‚brigbrei‘ erscheint und ich Ihren Blog schon vor langer Zeit abonniert habe):
    „Chefredakteur des „Freitag“ veröffentlicht langjährigen Autor Ulrich Heyden vorläufig nicht mehr„
    Erst die Juden, jetzt die Russen – die deutsche Untertanen-Mentalität war immer schon äußerst gründlich und gnadenlos… Jetzt wird alles Russische „eliminiert“. Und wer das nicht mitträgt, wird erbarmungslos kaltgestellt – es ist in der Tat äußerst besorgniserregend.
    Die Parallelen sind offensichtlich: Kauft nicht bei Juden, kauft nicht bei Ungeimpften, kauft nicht bei Russen…
    Bei den ukrainischen Kämpfern handelt es sich um Nazi-Terroristen, faschistische Bandera-Anhänger – vermittelt wird dem deutschen Dummvolk allerdings, dass es Freiheitskämpfer und Helden sind, so, wie auch der Faschist und bekennende Holocaust-Fan Nawalny als Oppositioneller und Freiheitskämpfer in Dummland gefeiert und verharmlost dargestellt wird, während Russland (Putin) wie eh und je das absolut Böse verkörpert.
    Man muss kein „Putin-Versteher“ sein zu erkennen, dass der Westen, an erster Stelle Deutschland als stiefelleckender Vasall der USA, Europa und das Kriegsbündnis NATO die Hauptschuld am russischen Einmarsch tragen.
    Es ist die Quittung der jahrzehntelangen Kriegstreiberei und Drohungen gegenüber Russland. Lange, sehr lange haben russische Diplomaten und Putin selbst alles versucht. Die zahlreichen Völkerrechtsbrüche der USA wurden und werden verharmlost, nein, ignoriert.
    Der militärische Einsatz Russlands ist zudem die Antwort auf das 8-jährige Schweigen und die Verhöhnung des Westens bezügl. des Genozids an der russischen Ethnie im Donbass, der seit 2014 einen grausamen Krieg erlebt – durch das nazistische Regime in der Ukraine.
    Wie sollte dieses Land auch aus der Nazi-Geschichte lernen, da es doch immer noch Nazis SIND…
    Aufschlussreich dazu der Artikel des amerikanischen politischen Analysten Andrew Korybko, der hier in Übersetzung erschienen ist:
    https://uncutnews.ch/russland-fuehrt-einen-existenziellen-kampf-zur-verteidigung-seiner-unabhaengigkeit-und-souveraenitaet/
    Russland führt einen existenziellen Kampf zur Verteidigung seiner Unabhängigkeit und Souveränität – März 21, 2022
    Quelle: Russia Is Waging An Existential Struggle In Defense Of Its Independence & Sovereignty By Andrew Korybko American political analyst
    Herzlichen Dank für Ihre Bemühung!
    Beste Grüße,
    Brigitte Breidenbach
    ————————————————————————–
    Hinweis: Brigitte Breidenbach hat mir diesen Kommentar per E-Mail zugesendet, weil sie ihn selbst hier – nach eigener Angabe – nicht hat senden können.
    Claus Stille
    ___________________________________________________________________________________________________________________________________
    Gesendet: Donnerstag, 24. März 2022 um 14:56 Uhr

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