Bettina Brökelschen und Luigi Colani: 15 Jahre Künstlerfreundschaft

Bettina Brökelschen begegnet Luigi Colani (1992 im Dortmunder Westfalenpark) das erste Mal. Foto: Repro B. Brökelschen; Fotograf unbekannt.

Begegnungen mit anderen Menschen können unvergesslich sein. Solchen Momenten kann das Potential innewohnen, das eigene Leben gewissermaßen quasi von der einen auf die andere Sekunde zu verändern. Oder dessen Fortgang einschneidend zu beeinflussen. Selbst wenn einen das im Moment der Begegnung nicht bewusst sein dürfte. Freilich kann eine Begegnung mit einem anderen Menschen auch etwas Negatives zur Folge haben. Im besten Falle aber auch etwas Positives bewirken.

Bettina Brökelschen trifft im Dortmunder Westfalenpark auf den weltbekannten Designer Luigi Colani, der ihr jedoch damals gar nicht bekannt war

An Letzteres, eine positive Begegnung, wird sich jeder Mensch gewiss gern zurückerinnern. Eine solche Begegnung widerfuhr der Künstlerin Bettina Brökelschen. Es geschah am 2. August 1992. Die Malerin war im Westfalenpark unterwegs zu ihrer Ausstellung in der kleinen Galerie Torfhaus. Unterm Arm hatte sie ihr Gästebuch und eines ihrer Bilder.

Da wurde Bettina Brökelschen mit einem Mal einer Menschentraube gewahr. In deren Mittelpunkt ein Mann mit einem Walrossbart stand und Autogramme gab. Es handelte sich um keinen Geringeren als den damals international tätigen, weltbekannten Designer Luigi Colani! An jenem für Bettina Brökelschen denkwürdigen Tag ging Colani in sein 64. Lebensjahr. Geboren wurde er am 2. August 1928 in Berlin als Lutz Colani (zu dessen Biografie lesen Sie bitte mehr auf ars mundi oder Wikipedia).

Bettina Brökelschen aber kannte Luigi Colani zu dieser Zeit überhaupt nicht, erzählt sie mir. Colani fragte die Malerin mit einem Blick auf das Bild rundheraus: „Was haben Sie da?“ Ah, stellte er fest: abstrakte Malerei! Colani schrieb ihr eine kleine Widmung. Und sagte ihr auf Wiedersehen. Es habe ihn sehr gefreut.

Colani, der Designer mit dem Faible zu runden oder stromlinienförmigen Gegenständen war dann zur Ausstellung seiner Exponate ins Sonnenenergieforum (heute hat dort das Ballettzentrum von Ballettchef des Theater Dortmund Xin Peng Wang seinen Sitz) gegangen. Einige von Luigi Colanis

Luigi Colanis Eintrag am 2. August 1992 in Bettina Brökelschens Gästebuch. Repro: C. Stille via Publikation „15 Jahre sind eine lange Zeit“.

Fahrzeug-Designs waren dort präsentiert: ein Solarflugzeug, ein Hovercraft sowie ein mit 1,2 Millionen D-Mark versicherter Ferrari.

Luigi Colani tauchte in Bettina Brökelchens Ausstellung auf, hängte ihre gegenständlichen Bilder ab und ersetzte sie durch deren abstrakten, die er interessanter fand

Stunden später tauchte Colani dann völlig unerwartet im Torfhaus auf und begehrte Brökelschens andere Bilder zu sehen. Der Stardesigner beschäftigte sich sehr lange mit ihren Bildern, erinnert sich Bettina Brökelschen als sei es heute; „Meine gegenständlichen Bilder fand er doof.“ Colani hängte sie kurzerhand ab und an deren Stelle die abstrakten, die er viel interessanter fand, auf.

Man kam angeregt miteinander ins Gespräch. Bis Colani dann wieder ging.

Stardesigner Colani lotste Leute in Brökelschens Ausstellung. Sie war völlig irritiert, spürte aber: „Das Leben kam zu mir“

Colani beim ersten Besuch von Brökelschens Ausstellung. Foto: B. Brökelschen

Unweit seiner Design-Ausstellung im Westfalenpark traf man sich noch einmal. Abermals war Colani von Menschen umringt. Als er sie bemerkte, ging der Designer schnurstracks auf Bettina Brökelschen zu, umarmte sie und stellte sie den Menschen vor. Ihnen sagte er, dass er gleich in eine Ausstellung gehe und die Leute bitte, ihm dorthin zu folgen. Bettina Brökelschen gesteht, völlig irritiert gewesen zu sein damals. Für sie, die zu dieser Zeit eigentlich eher introvertiert gewesen sei, habe sich das sich plötzlich sehr lebendig angefühlt. Sie strahlt noch heute: „Das Leben kam zu mir.“

Nun kam Colani jeden Tag in Brökelschens Ausstellung. Zuletzt hinterließ er ihr seine Adresse. Ihn anzurufen aber kam der Malerin nicht in den Sinn

Von diesem Tag an erschien Luigi Colani jeden Tag in der Ausstellung der Dortmunder Malerin. Immer brachte er Leute mit. Man redete über Kunst und zeichnete zusammen. Nächste Woche müsse er weg, sagte er schließlich. Mehrmals wies er darauf hin. Erst später, so Brökelschen, dämmerte ihr warum: Colani war sauer, weil sie ihn nicht bat, den Kontakt mit ihm aufrechtzuerhalten. Danach, war sich Brökelschen nun sicher, werde man sich gewiss nicht wiedersehen. Colani schrieb ihr seine Adresse in übergroßer Schrift nebst Telefonnummer ins Gästebuch. Da anzurufen sei ihr aber nicht in den Sinn gekommen: „Das erschien mir alles zu utopisch.“

Colani lässt nicht locker

Sehr zu ihrer Überraschung, schildert mir Bettina Brökelschen, habe sie Colani dann einige Zeit später wieder in Dortmund aufgesucht. Auf-ge-sucht im wahrsten Sinne des Wortes. Hatte er sich vielleicht gedacht: „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt …

Der Stardesigner glaubte sich den Namen der Firma, eine Druckerei, gemerkt zu haben, bei der Bettina Brökelschen damals gearbeitet hat und die sie ihm bei ihrer ersten Begegnung in Dortmund genannt hatte. Allerdings hatte Colani den Namen um eine entscheidende Nuance falsch verstanden. Er fuhr also in die Firma und ließ Bettina Brökelschen ausrufen. Einige Mitarbeiter kannten sie glücklicherweise noch von der Lehre her. Sie nannten dem Designer den richtigen Arbeitsort der Malerin und riefen Brökelschen dort an. Colani fuhr also dorthin und holte sie mit einem beeindruckenden Schlitten von Limousine ab.

Eine Zusammenarbeit zwischen Luigi Colani und Bettina Brökelschen nimmt ihren Lauf

Auftragsbesprechung. Foto: B. Brökelschen privat

Von da an, erzählt mir Bettina Brökelschen, habe man viel zusammen gearbeitet. Zu Anfang in der Druckerei. Brökelschens Ex-Mann hatte eine Druckerei und sie war in der Gestaltung tätig. Sie habe dann Colanis Kataloge mit entwerfen dürfen. Brökelschens Wunsch damals: Nicht bezahlt zu werden von ihm für ihre Arbeit. Sie wollte, dass Colani mit ihr Bilder malt. „Ich fand damals die Idee so schön, in der Malerei zu kommunizieren. Er malt etwas, ich male etwas … und, dass das dann so Schicht für Schicht an Gestalt gewinnt. Das fand ich ganz spannend.“ Luigi Colani habe sich darauf eingelassen.

Luigi Colani forderte Bettina Brökelschen geschickt und führte sie so peu á peu in die Kunst der Malerei ein

Colani bemerkte damals, dass Brökelschen Vieles noch nicht konnte und sie demzufolge noch einiges in der Malerei lernen müsse. Er fing damals an, sie ein bisschen zu unterrichten. Dabei habe er einiges im Sinn gehabt, was gar nicht ihrem Wollen entsprochen habe, sagt die Malerin heute. Auch deshalb, weil sie noch nicht bereit dafür gewesen sei, es zu lernen. Allerdings sei dann im Laufe der Jahre vieles peu à peu zusammengewachsen.

Warum sich Bettina Brökelschen mit den alten Meistern beschäftigen sollte

Luigi Colani blieb hartnäckig und ging geschickt vor. Plötzlich sei Brökelschen klargeworden, warum sie sich mit den alten Meistern beschäftigen musste und er ihr auftrug, Kopien von alten Meistern zu machen. Zusammen mit Colani fuhr sie nach Dresden, um sich in der Gemäldegalerie Alte Meister umzusehen. Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden zählt mit ungefähr 700 ausgestellten Meisterwerken aus dem 15. bis 18. Jahrhundert zu den renommiertesten

Bettina Brökelschen und Luigi Colani beim Besuch der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Foto: B. Brökelschen privat

Gemäldesammlungen der Welt. Die Gemäldegalerie ist Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Sie befindet sich in der Sempergalerie des Zwingers.

Bettina Brökelschen ist ihrem Meister Luigi Colani sehr dankbar

Auch, warum sie stundenlang mit Colani zeichnen musste – immer wieder und wieder die gleichen Zeichnungen – ging ihr schließlich auf. Dann wiederum habe er vorgearbeitet und sie nur Schattierungen machen dürfen. Irgendwann bzw. erst heute richtig habe sie eigentlich begriffen, wofür das alles gut war. Dafür ist sie ihrem Meister enorm dankbar. Vielleicht kann man es so ausdrücken: Colani war sozusagen Brökelschens Kunstakademie.

Den ganzen Rummel in der Öffentlichkeit verstand Brökelschen nicht. Aber es sei eben auch spannend gewesen

Ziemlich schnell stand sie mit dem bekannten Designer in der Öffentlichkeit. Sie machte sich dann für die jeweilige Auftritte und Empfänge chic. Aber für Brökelschen war das eher eine Außenwelt, die sie gar nicht recht verstanden habe. Ausgesprochen hübsch, sexy, blond mit guter Figur war sie eine herausstechende Erscheinung. Die Menschen hätten sie wohl als Vamp gesehen. Während sie innerlich überhaupt nicht so gewesen sei, verrät sie mir. Sie sei vielmehr lieber gern allein gewesen. Den ganzen Rummel verstand sie nicht. Der sei eher zum Weglaufen gewesen. Da war sie dann froh, wenn sie wieder zuhause war und sich habe abschminken können. Freilich sei es aber auch spannend gewesen. Das wolle sie heute auch nicht mehr missen. Allerdings habe ihr all das auch Angst gemacht und bedrohlich auf sie gewirkt.

Lernen heißt auch viele Irrwege gehen

Wiederum ist Bettina Brökelschen heute froh, dass sie damals hat Fehler machen dürfen. Die oft gar nicht aufgefallen seien. Was, wie die Künstlerin zu bedenken gibt, in der heutige Zeit überhaupt nicht verziehen werden würde. Aber neugierig war sie damals dann doch. Das Lernen machte ihr großen Spaß.

Obwohl, weiß Bettina Brökelschen aus eigener Erfahrung zu berichten, dazu immer natürlich auch gehöre, viele Irrwege zu gehen.

Dieses im Schweigen gemeinsame Arbeiten, das waren eigentlich die schönsten Momente“

Arbeit am Castrol-Kalender. Foto: B. Brökelschen privat.

Das ruhige Arbeiten mit Colani habe ihr am meisten Spaß gemacht. „Dieses im Schweigen gemeinsame Arbeiten“, so Bettina Brökelschen, „das waren eigentlich die schönsten Momente“. Colani und Brökelschen malte mehrere Bilder zusammen, die sie auch beide signierten.

Auch am von Luigi Colani gestalteten Castrol-Kalender wirkte sie mit. Auch ausnahmsweise mal als Modell. Das Bodypainting für andere Modells hatte Colani ebenfalls in Bettina Brökelschens Hände gelegt …

Seelisch leiden, um wirklich kreativ zu sein, gehöre auch dazu, um wirklich kreativ zu sein, wusste ihr Colani zu sagen. Und prompt …

Einmal, sie war wohl gerade 28 Jahre alt, habe ihr Colani gesagt, ihr fehle noch einiges an Lebenserfahrung, um richtig malen zu können. Was sie zunächst etwas getroffen habe, wie sie sich erinnert. Sie müsse erst Schmerzen erleben, seelisch auch mehr leiden, um wirklich kreativ sein zu können, befand ihr Meister. Und wie recht er doch hatte! Und prompt, merkt Bettina Brökelschen an dieser Stelle an, habe sie Leid dann tatsächlich auch durchleben müssen. Zwei Mal, 2002 und 2006 bekam sie die Diagnose Krebs. Sie kämpfte gegen die Krankheit an und besiegte sie. Heute ist sie sich sicher: „Die Malerei hat mich am Leben gehalten.“ Schmerzen und Nebenwirkungen der vielen Operationen und Chemotherapien „hat sie sich in ein- und ausdrucksstarken Bildern, in denen sie verletzte Leinwände mit Narben geflickt hat, von der Seele gemalt“, sagte sie 2016 einer Zeitung.

Und ja: Nicht alle Bekannten und Freunde hielten in der Krankheit zu ihr. Luigi Colani habe sich jedoch, das werde sie ihm nie vergessen, dadurch nie verschrecken lassen und hielt weiterhin in Freundschaft zu Bettina Brökelschen.

Luigi Colani stand auch in Zeiten des Leids zu Bettina Brökelschen. Foto: B. Brökelschen privat.

Eine Freundschaft die immerhin fünfzehn Jahre bis zu Luigi Colanis Tod 2019 in Karlsruhe gehalten hat. Man besuchte einander ab und zu. Bis auf die Zeiten, das sich Colani beruflich in Italien, der Schweiz oder in China aufhielt. Zumindest zu beider Geburtstage telefonierte man stets miteinander. Auch zu Colanis chinesischer Frau hatte Bettina Brökelschen ein

gutes Verhältnis.

Für Bettina Brökelschen steht fest: „Man muss fühlen, wirklich fühlen können

„Ob in der Literatur, in der Musik, beim Tanz, in der Malerei und der Bildhauerei – man muss fühlen, wirklich fühlen können. Man muss Empathie haben, vieles erlitten und erduldet haben. Und erkannt haben, um es auch umzusetzen.“

Bettina Brökelschen und ich schauen uns zusammen unzählige Fotos an. Sie bilden aufregende Szenen ab. Brökelschen dazu:

„Mein Leben war nicht nur immer aufregend. Diese aufregenden Spitzen, die man jetzt als jetzt hier als Foto total toll sehen würde, konnte ich in dem Moment als ich sie erlebt habe, überhaupt nicht nachempfinden. Ich hab‘ das durchlaufen, als ob man einen Film schneller dreht …“

Im jeweiligen Moment damals sei sie zwar physisch aber in Wirklichkeit gar nicht richtig dagewesen. „Ich war immer froh, wenn es vorbei war.

„Die Zwischentöne, die zwischen dem Licht und dem Ganz-tief-Unten, wo es ruhig wurde, die habe ich viel mehr, viel intensiver erlebt“, erinnert sich Bettina Brökelschen.

Im Nachhinein vieler Tiefpunkte wieder betrachtet, könnten diese Fotos einen wieder etwas aufbauen. Sie traf viele Prominente: Jean Pütz, Max Schautzer, Bettina Böttinger, Hape Kerkeling, Pierre Brice, Brigitte Mira, Hugo Egon Balder, Ludger Pistor, Verona Feldbusch und viele andere. Immer aber, so Brökelschen hätten sie dabei die Menschen interessiert, nicht die Tatsache, dass sie prominent waren.

Freunde und „Freunde“

Luigi Colani bei der Arbeit. Foto: B. Brökelschen privat.

Auch eine Erfahrung: In der ersten Zeit ihrer Bekanntschaft mit Colani habe sie plötzlich so viele Freunde gehabt, die sehr nett zu ihr gewesen seien, erinnert sich Bettina Brökelschen noch genau. Nicht alle dieser Freundschaften seien allerdings echt gewesen. Hinter einigen Gesichtern von „Freunden“ habe sogar etwas Böses gesteckt. Dann habe Brökelschen meist gedacht, sie habe etwas falsch gemacht.

Auf den Fotos habe sie auf andere immer total weltoffen gewirkt, erzählt sie, dabei sei sie seinerzeit fürchterlich ängstlich gewesen und wäre am liebsten nie vor die Tür gegangen.

Bettina Brökelschen: „Ich hab nur wirklich viele Fehler gemacht. Aber ich hab sie voller Leidenschaft gemacht“

Aber durch die Freundschaft mit Colani sei sie „in vieles reingeschmissen worden“ und musste dann da durch. „Gott sei dank!“, entfährt es ihr dankbar. Was sie sicherer im Auftreten hat werden lassen und ihr Selbstbewusstsein gestärkt habe.

Sie sage sich heute und rät das auch anderen: „Man soll nicht so viel Angst vor dem Leben haben.“ Und sie konstatiert: „Ich hab nun wirklich viele Fehler gemacht. Aber ich hab sie voller Leidenschaft gemacht.“

Viele Kunstwerke hat Bettina Brökelschen verschenkt. Bescheiden sagt sie: „Viel zum Leben brauche ich nicht. Und die Mittel, die ich dafür brauche, habe ich“

Luigi Colani hat Bettina Brökelschen im Laufe dieser spannenden 15 Jahre ihrer über das Kollegiale hinausgehenden Freundschaft viele Zeichnungen geschenkt. Ob die mal etwas wert sein werden? Die Dortmunder Malerin kann das nicht einschätzen. Brökelschen: „Vielleicht könnte ich eine reiche Frau sein?“ Ohnehin hat sie wohl die meisten dieser Zeichnungen von Colanis Hand verschenkt oder sie sie zur Versteigerung für gute Zwecke gegeben. Die Künstlerin hat das nie bereut. So pflegt sie auch mit den eigenen Werken zu verfahren. Sie sind in einigen Institutionen und an Orten in Dortmund oder Lünen gelandet. Geschätzt werden ihre Dortmund-Szenen. Sehr beachtet wurde auch ihre Ausstellung „Menschen in der Linienstraße“, wo Bettina Brökelschen Einblicke ins Bordell verarbeitet hattte. Die letzte Exposition „Jüdisches Leben in New York“ der Malerin stieß ebenfalls auf vielseitiges Interesse.

Bettina Brökelschen lebt in ihrer gemütlichen Wohnung im Kreuzviertel. „Viel zum Leben brauche ich nicht. Und die Mittel, die ich dafür brauche, habe ich“, bekennt sie überzeugend bescheiden.

Bettina Brökelschen: „Ich bin dankbar für alles was er mir mitgegeben hat. Auch für die Anstöße, das Anschubsen“

Bettina Brökelschen in der Colani-Aussstellung in Karlsruhe. Foto: B. Brökelschen privat.

Eine Dortmunder Zeitung aus dem Jahre 2017 stand zu lesen: „Der Mann, der für die meisten Menschen ein Weltstar ist, ein Stern eben, strahlend hell und unvorstellbar weit weg, der und die Dortmundmalerin, die haben wirklich zusammen gemalt.“ Und ein Galerist wird so zitiert: „Vielleicht hatte er sich damals einfach in dich verguckt?“

„Nein“, antwortet Brökelschen damals dem Galeristen, davon sei nie die Rede gewesen: „Er war immer genervt von den vielen Leuten, die was von ihm wollten. Wir konnten einfach lachen.“ Und mir sagt sie: „Wir hatten nie was.“

Bettina Brökelschen hat Luigi Colani eben ganz anders erlebt, als die sicher die meisten von uns, die ihn nur aus Fernsehauftritten kennt. Da wirkte der Design-Star mit dem Walrossbart in seinem obligatorischen weißen Rollkragenpullover oft grummelig oder gern auch provokativ (was nicht zuletzt sicher auch mit dem ihm gestellten Fragen zu tun hatte) – immer aber als interessanter und außergewöhnlicher Mensch, dem man das nachsah.

Bettina Brökelschens Resümee: „Ich bin dankbar für alles was er mir mitgegeben hat. Auch für die Anstöße, das Anschubsen. Er hat mich wirklich ins Leben geholt“. Sie hätte sich viele Dinge im Leben sonst nicht getraut.

Brökelschen hat Colani als kreativen Mensch, der lustig war und viel Humor bewies, gekannt. Das Leben habe er leicht genommen. „Er freute sich auch, wenn einfach eine Erbsensuppe gut schmeckte.“ Beschäftigt war immer irgendwie: „Er konnte nie nichts machen.“

Was doch e i n e Begegnung mit e i n e m Menschen so in Gang zu setzen vermag! Wie sagte noch Bettina Brökelschen: „Das Leben kam zu mir.“ Mit Luigi Colani, ihrem Meister. Bettina Brökelschen zehrt noch heute von dieser 15 Jahre währenden Freundschaft. In einem ihre Kataloge schreibt sie: „Aus dem Moment der Begegnung vo 15 Jahren wurde ein respektvolles und interessiertes Begleiten.

Bettina Brökelschen kannte Luigi Colani seit 1992 und hat mit ihm bis 2007 oft zusammengearbeitet.

Ab da haben sich die beiden Künstler auch weiterhin getroffen – aber dann nur so ein bis zweimal im Jahr, da er zu weit weg war.

Die Letzten fünf Jahre hatten sie dann nur noch telefonischen Kontakt.

Luigi Colani und Bettina Brökelschen. Pressefoto/Repro B. Brökelschen

 

 

Luigi Colani verstarb im Jahr 2019 in Karlsruhe im Alter von 91 Jahren. Bettina Brökelschen war zur Beerdigung eingeladen und sprach danach mit der Familie. In Dortmund ist er nicht vergessen …

Luigi Colani

1928-2019, Designer

Luigi Colani, geb. 1928 in Berlin, gründete 1955 seine legendäre Designwerkstatt, mit der er in kürzester Zeit spektakuläre Erfolge feierte: Goldene Rose in Genf für den FIAT 1100 TV, der legendäre Sportwagen Colani GT, Arbeiten für Alfa Romeo, Lancia, VW und BMW.

Mit seinen Möbel-Kreationen stieg Colani in den 60er Jahren zum weltbekannten Designerstar auf. Es folgten unzählige preisgekrönte Entwürfe, Zukunftsstudien und Produkte weltbekannter Hersteller, mit denen Luigi Colani das Bild des modernen Designs maßgeblich prägte, z.B. seine ergonomische Spiegelreflexkamera Canon T90, Sony-Kopfhörer, die in das New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen wurden, Computer, u.v.a.

Ein schier unerschöpflicher Formenreichtum durchzieht wie ein Leitmotiv sein gesamtes Schaffen. Colanis Entwürfe sind in vielen Museen der Welt, u.a. der Designkollektion der Pinakothek der Moderne in München, permanent ausgestellt.
Quelle: ars mundi 

Beitragsbild: Bettina Brökelschen privat.

Update vom 4. März 2020: Luigi Colani auf Video (Quelle 1: Sky Schweiz/You Tube und Quelle 2: Art n Talk/You Tube)

Weitere Fotos, darunter auch solche von Gemeinschaftswerken Colani/Bröckelschen (alle Fotos: Brökelschen privat)

Sonnenuntergang 1 Brökelschen/Colani

Tango. Colani/Brökelschen

 

Entfaltung. Colani/Brökelschen

 

Spaltung. Colani/Brökelschen

Schatten. Colani/Brökelschen

Colani und Brökelschen beim Kopieren. Foto: Brökelschen privat.

Bei Colani zuhause. Foto: Brökelschen privat