KAI – Roman von Raymond Unger. Rezension

Wir leben in wahrlich beängstigenden Zeiten. Sogar vor einem möglich werdenden Dritten Weltkrieg müssen wir uns fürchten. Die derzeit Herrschenden – nicht zuletzt mit Merz an der Spitze hierzulande – reden ihn förmlich herbei. Und Journalisten der Mainstream-Medien, die längst keine im Sinne der Vierten Macht mehr sind, stehen dem in nichts nach: Viel mehr schreiben und senden sie einen Krieg gegen Russland bald noch vehementer herbei als die Kriegsgurgeln in der Politik. Die einstige Außenministerin Österreichs, Dr. Karin Kneissl, nennt letztere „pubertierende Greise“. Die einen wie die anderen haben offenbar jeglichen Verstand verloren – oder, was ich tatsächlich fürchte, nie einen Funken davon besessen.

Man wähnt sich beinahe schon in dystopischen Zeiten. Immer öfters läuft es mir dabei kalt den Rücken herunter.

Las man früher Orwells „1984“ oder Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, fesselte uns das oder amüsierte manchen gar. Was aber hatte das mit uns zu tun?

Inzwischen beschleicht einen beinahe von Tag zu Tag mehr ein Gefühl, als wir lebten schon ein Stück weit in einer Dystopie, beziehungsweise wir würden in eine hineingeschoben.

Das Aufkommen von sogenannter Künstlicher Intelligenz (KI) macht alles noch beängstigender. Wo sie nicht überall schon zur Anwendung kommt erst recht noch künstig zur Anwendung kommen dürfte. Manches wird dadurch einfacher werden. Mit ziemlicher Sicherheit müssen wir aber auch mit Gefahren rechnen: Wem können oder dürfen wir dann eigentlich noch trauen?

Raymond Unger, bildender Künstler, einst Therapeut in der Naturheilkunde und Dozent, der sich schließlich der Malerei und Schriftstellerei widmete, hat sein Wissen und seine Ängste und Bedenken in Sachen KI in einem – wie ich finde – spannenden Roman mit dem Titel „KAI“ verarbeitet.

Was gewiss auch mit der mehr als fragwürdigen sogenannten Corona-Pandemie und den Maßnahmen, welche angeblich deren Bekämpfung dienten und ein Impfwahn losgetreten worden war mit einem nicht recht geprüften und in Langzeit erprobtem Serum in Zusammenhang steht.

Der EUROPAVERLAG, wo Raymond Ungers Roman erschienen ist, schreibt zur Einstimmung auf das Buch:

«Brillant recherchierter Wissenschaftsthriller über die Gefahren der künstlichen Intelligenz 

In Berlin lässt der Professor für neue Medien Nils Larsen von der KI ein virtuelles Bild einer attraktiven Frau erstellen – kurze Zeit später lernt er die Schöne in der Realität kennen. In San Francisco vermarktet der Kreativdirektor Peter Siemsen KI-gesteuerte Avatare – die Projektionen entwickeln jedoch eine beunruhigende Eigendynamik. In Hamburg vertraut der Klimaforscher Rolf Hoffmann KI-gesteuerten Klimamodellen – die sich als grundfalsch erweisen. In Mainz designt der Epidemiologe Yanis Petridis mithilfe der KI neuartige mRNA-Impfstoffe – die auf lange Sicht verheerende Nebenwirkungen entfalten. Und in Washington nutzt die Politologin Alina Davis KI-erstellte Geostrategien, um Politiker zu beraten – mit katastrophalen Folgen für die Sicherheitspolitik.  Erst als der C.G.-Jung-Analytiker Johannes Baumkamp einen dieser KI-Nutzer behandelt, wird ein Muster hinter den Ungereimtheiten sichtbar. Was wie unscheinbare Fehler der KI anmutet, hat Methode. Die Suche nach den Hintergründen entwickelt sich zur Odyssee und Lebenskrise, in der Baumkamp seine Praxis und Ehe riskiert. Am Ende sucht er Rat bei seinem Mentor und ehemaligen Lehrer in Schweden. Als letztes Universalgenie leitet der  Psychologe und Physiker Justus von Siggelkow dort ein abgelegenes Institut zur Erforschung parapsychologischer Phänomene. Hier finden sich hilfesuchend auch andere Protagonisten aus den verschiedenen Disziplinen ein, die durch ihre intensive KI-Nutzung ebenfalls in eine Krise geraten sind. Und hier, in der schwedischen Enklave, deckt die Gruppe schließlich ein Schreckensszenario auf, das die gesamte Menschheit bedroht …«

Wenn die Leser diesen Satz rezipieren: „In Mainz designt der Epidemiologe Yanis Petridis mithilfe der KI neuartige mRNA-Impfstoffe – die auf lange Sicht verheerende Nebenwirkungen entfalten.“, dürften manche an eine gewisse Firma denken, welche ihre Adresse in der Stadt „An der Goldgrube“ hat. Ja, es geht immer auch um viel Geld in der pharmazeutischen Industrie! Und dieser Petridis macht die Kohle auch zuhauf. Dazu kommen staatliche Ehren, etwa das Bundesverdienstkreuz.

Bis er eines Tages endlich aufgerüttelt wird.

Auch einer der ersten Corona-Kritiker findet Erwähnung. Mit verändertem Namen zwar – aber man weiß sofort, wer gemeint ist.

Die Personen des Romans und deren Charaktere sind gut gezeichnet. Analytiker Johannes Baumkamp, der C.G. Jung bevorzugt, während dessen Frau Freudianerin ist, geben dem Autor die Möglichkeit seine Kenntnisse auf dem Gebiete der Psychologie spielen zu lassen.

Im Verlaufe des Romans erfahren wir, wie seitens der Staatsmacht immer härter und totalitärer gegen Kritiker vorgegangen wird.

Geprüft wird, ob die Leute sich haben impfen lassen. Wer sich die Spritze mit neuesten Impfstoff nicht geben lassen wir, kann in eine Art Beugehaft kommen. Je weniger der betreffende Mensch bereit ist desto tiefer fährt eine Decke herab, beugt ihn als auch physisch. Und lässt der Delinquent Bereitschaft erkennen, einer Impfung zuzustimmen, fährt die Decke wieder nach oben.

Da läuft einen der Schauder den Rücken eiskalt herab.

Die Repressionen nehmen immer mehr zu. Mittels Telekommunikationstechnik wird Einfluss auf Menschen genommen. Und diejenigen, welche dagegen und für die Freiheit arbeiten, werden ausspioniert und bedroht. Spannung pur!

Man wagt gar nicht das Buch aus der Hand zu legen.

Ein wichtiger Roman, der unsere Synapsen nur so schnalzen lässt! Wir müssen erkennen, dass zunehmende totalitaristische Tendenzen eine solche oder andere Dystopien führen können. Und das Schlimme: KI-gesteuert und geschaffen fällt uns das zunächst womöglich überhaupt nicht auf oder erst dann, wenn es zu spät ist. Wer will hinfort noch erkennen, was richtig, was falsch, was wahr und was gelogen ist. Aufwachen! Aufpassen! Und wach bleiben!

Unbedingt empfohlen, dieser Roman! Ungers Schreibstil gefällt mir. Bereits seit ich „Die Heldenreise des Bürgers“ von ihm gelesen habe. Die Spannung hält er bis zum Schluss. Bitte lesen und weiterempfehlen. Und diskutieren Sie mit Freunden und Bekannten darüber. Eine Verfilmung des Romans ist mir vorstellbar.

Raymond Unger

KAI

432 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
13,5 × 21,5 cm

Erscheint im März 2025


25,00 € (D) / 25,70 € (A) inkl. MwSt.
ISBN 978-3-95890-591-7

Raymond Unger

Raymond Unger lebt als Autor und bildender Künstler in Berlin. Er ist als Kunstmaler in eigenem Atelier tätig, schreibt Essays und Bücher und hält Vorträge zu den Themen Kunst, Psychologie und Politik. Ein Kernthema in Ungers Arbeit ist die transgenerationale Traumaweitergabe kriegsbelasteter Kindheiten. In seiner Trilogie Die Wiedergutmacher (2018), Vom Verlust der Freiheit (2021) und Die Heldenreise des Bürgers (2023) beschäftigt sich Unger mit der Sonderrolle Deutschlands in der Migrations-, Klima-, Pandemie- und Ukraine-Problematik. Zuletzt erschien sein Buch Habe ich genug getan? – In memoriam Gunnar Kaiser (2024).

Als ehemaliger Therapeut leitete er bis Ende der 1990er-Jahre eine Naturheil- und Psychotherapiepraxis in Hamburg und bekleidete eine Dozentur für Naturmedizin an einer Hamburger Fachschule für Heilpraktiker. Für sein bildnerisches Schaffen erhielt Raymond Unger 2011 den internationalen Lucas-Cranach-Kunstpreis für Malerei. In seiner Eigenschaft als Maler und Autor bekam er 2014 eine Einladung des Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso zur dritten Generalversammlung NEW (Narrative for Europe). Raymond Unger ist mit seinen Werken in Privatsammlungen im In- und Ausland vertreten.

Raymond Unger im Internet

Anbei empfohlenWeil es mir gerade in den Sinn kam und zu Ungers Roman durchaus Paralelen erkenntbar sind, empfehle ich noch einmal „Saruj. Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr“ – Rezension“ von Bilbo Calvez und „Hinter der Zukunft“ von Thomas Eisinger. Rezension.

„Hinter der Zukunft“ von Thomas Eisinger. Rezension

Das hier zu besprechende Buch kam sozusagen ohne mein Zutun zu mir. Es wurde mir lediglich empfohlen. Obwohl gerade in Anspruch genommen, beschäftigt, griff ich zu. Und „rief“ es zu mir. Zugeben, ich war zunächst etwas skeptisch. Den Autor kannte ich bis dato nicht. Und von dem Roman „Hinter der Zukunft“ hatte ich weder etwas gehört noch gelesen.

Ich las – verschlang es geradezu. Und habe es nicht bereut.

Als der Paketdienst das Buch lieferte war ich nicht zu Hause. Ich musste es also an einer Ausgabestelle abholen. Etwas entfernt von meiner Wohnung. Zwei U-Bahnstationen entfernt. Ein Problem! Früher war man einfach in Bus oder Bahn gestiegen – und zu seinem Ziel gefahren. Dass waren noch Zeiten! Nicht so jetzt. Die uns seit über zwei Jahren mehr oder weniger drangsalierenden Corona-Maßnahmen hatten uns in meiner Stadt Ende vergangenen Jahres nämlich beschert, dass man öffentliche Verkehrsmittel nur unter der Maßgabe der 3G-Regel benutzen durfte. Ich aber war ja weder geimpft, noch hatte ich vor, mich vor der Fahrt testen zu lassen. Doch dann stellte sich erfreulicherweise heraus, dass man zum Zeitpunkt der geplanten Abholung es Buches wieder „normal“ den ÖPNV benutzen durfte. Das momentane „neue Normal“ aber bestand weiter darauf, dass die Fahrgäste die Gesichtswindel tragen. Okay, immerhin!

Als ich das Buch – noch immer in der U-Bahn ein klammes Gefühl – als täte ich etwas Verbotenes – verspürend – abholte, war mir keineswegs klar, wie sehr das alles mit Thomas Eisingers Roman zu tun hatte!

Nach wenigen gelesenen Seiten im Buch war ich bereits von der Handlung gefesselt

Endlich packte ich den 552 Seiten schweren Roman aus. Und tauchte in ihn ein. Nur wenige Seiten genügten, um bereits von der Handlung gefesselt zu sein! Es viel mir tatsächlich nicht leicht, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Warum? Weil der Roman viel, erschreckend viel mit unser aller Situation zu tun hat, in welche man uns in Zeiten der Corona-Pandemie gebracht hat. Einer Pandemie, die nur als solche benannt werden konnte, weil 2009 die WHO die Definition dafür geändert hatte. Die Maßnahmen, welche uns Bürgerinnen und Bürgern zugemutet wurde, um das Virus Covid-19 zu bekämpfen, glichen sich frappierend nahezu weltweit. Die herrschende Politik, unterstützt durch die Medien, welche Journalismus mit Propaganda verwechselten und meist noch schärfere Maßnahmen forderten als die Regierung, tönte, das Virus wäre an allem Zumutungen schuld. Wir müssten es bekämpfen – ja: ausrotten. Wir wissen inzwischen, ein Virus kann im Grunde nicht ausgerottet werden – schließlich mutiert es und wird zumeist schließlich endemisch.

Lockdowns wurden verhängt, viele Menschen durften ihre Tätigkeiten nicht mehr ausüben. Innenstädte waren leer. Geschäfte, Kneipen und Restaurants gingen pleite und Künstler ward die Möglichkeit genommen, aufzutreten. Schuld sei das Virus. Heute müssen wird (nachdem wir wissen, das etwa Lockdowns eigentlich so gut wie gar nichts zur Bekämpfung des Virus beitragen) sagen: Dass Geschäfte in unseren Innenstädten starben und anderweitige Schäden auftraten und auftreten ist nicht dem Virus zuzuschreiben – sondern in Wirklichkeit den Corona-Maßnahmen.

Schriftsteller Thomas Eisinger war entsetzt darüber, dass einiges, was er in seinem im März 2019 angefangenen Buch für die Zukunft beschrieben hatte, direkt vor meine Augen Realität wurde

Der Buchautor Thomas Eisinger schreibt in seinem „Nachwort und Dank“ (S.547), er habe das Buch im März 2019 zu schreiben begonnen: „Die Idee entstand, nachdem ich ein Interview gehört hatte, in dem der Konflikt ‚jungen gegen alt‘ thematisiert wurde, der auf Grund der ‚Klimakrise‘ entstehen könnte. Nachdem etwa die Hälfte des Manuskriptes geschrieben war, wurde März/April 2020 der erste Lockdown verhängt. Fürs Schreiben an sich ein Glücksfall, aber: Ich war wie gelähmt. Entsetzt darüber, dass einiges, was ich für die Zukunft beschrieben hatte, direkt vor meine Augen Realität wurde: Überwachung nie gekannten Ausmaßes, extreme Spaltung der Gesellschaft, elektronische Ausweise, die Zugang ermöglichen, Armbänder, die Abstände kontrollieren.“

Und weiter: „Nach einer Schockstarre, die mehrere Wochen anhielt, realisierte ich, dass die Mechanismen hinter ‚Corona‘ und ‚Klima‘ fast identisch waren: Eine unsichtbare Gefahr (Virus bzw. CO 2) bedroht die ganze Welt, nur (wenige ausgewählte) ‚Experten‘ können Lösungen bieten, zentrale Steuerung und extreme Vereinheitlichung aller Informationen (ohne offene Diskussion oder angemessene Widerspruchsmöglichkeit), Verleumdung aller Nicht-Konformen als ‚Leugner‘ und so weiter. Diese Erkenntnis“, so Eisinger weiter, „machte es mir möglich, beide ‚Weltkrisen‘ einheitlich zu behandeln und in das große Ganze einzubetten: in die Regeln der Macht.“

Lesend gleiten wir Leser in eine bedrückende Dystopie ein

Und schon gleiten wir Leserinnen und Leser in eine bedrückende Dystopie hinein, in welcher die Menschen leben von denen dieser erstklassig geschriebene Roman erzählt, hinein. Und ich behaupte die Handlung wäre ohne die Kenntnis dessen, was uns in über zwei Jahren Pandemie widerfahren ist und angetan wurde, zwar auch spannend und lesenswert, aber würde uns nicht annähernd so erschreckend in die Glieder gefahren.

Beim Lesen überkommt uns eine Beunruhigung

Die Bilder unserer Jetzt-Zeit, der zumindest dystopisch anmutenden Corona-Krise, haben wir ja direkt vor Augen während wir in Eisingers Roman lesen. Da dürften Alarmglocken schrillen. Auch wenn vorerst gewisse Erleichterungen bezüglich der Corona-Regeln verfügt wurden.

Den Roman lesend, tauchen diese Bilder unwillkürlich vor unserem innen Auge auf. Und je mehr wir im Roman vorankommen, desto mehr befällt uns regelrecht eine Angst. Wenigstens aber eine Beunruhigung, dass das, was wir da lesen, durchaus auch uns geschehen – wahr werden – kann. Denn bedenken Sie: hatten wir, das uns in der Corona-Krise Zugemutete und Angetane in Zeiten des „alten Normal“ je für möglich gehalten? Aber es ist dennoch geschehen. Wir waren dabei! Wir haben es erlebt und erleben es weiter!

Und hat sich nicht manch einer erschrocken gewundert, wie obrigkeitshörig unkritisch brav viele unsere Mitbürger die Maßnahmen mitgetragen oder gar versucht waren, diese gegenüber anderen zu exekutieren. Längst überwunden geglaubtes Blockwart-Tum kam aus dem Verborgenen wieder hoch. Menschen wurden angeschmiert und angezeigt, wenn sie gegen Maßnahmen verstießen. Die Polizei jagte schlittenfahrende Kinder mit einem Helikopter! Mir selbst wurde von einem anderen Passanten ein Kiefernbruch angedroht, nachdem ich einmal am Ende einer Maskenpflicht-Zone meine Maske abgezogen habe!

Was hat diese Corona-Krise mit und aus Menschen gemacht? Und es ist im Grunde im Sinne der Mächtigen genial zu nennen: Ein unsichtbares Virus und die davor gemachte Angst reicht völlig aus, um Menschen zu disziplinieren und zu konditionieren! Unfassbar!

Das neue Deutschland unter harten Konditionen

Das Deutschland dieses Romans ist ziemlich deindustrialisiert, Verbrennungsmotoren sind verboten – um CO 2 zu vermeiden. Es gibt Elektrofahrzeuge. Auch im öffentlichen Nahverkehr. Allerdings fallen diese hin und wieder wegen leerer Akkumulatoren aus. Auch Straßenbahnen und Züge bleiben zuweilen stehen, weil nicht immer Strom zur Verfügung steht. Abends gibt es ein „Stromende“ Dann gehen die Lichter in den Wohnungen aus.Die Temperaturen in den Häusern dürfen nicht zu hoch sein – das müsste doch einen Joachim Gauck („Frieren für den Frieden“) in Enthusiasmus versetzen – sonst gibt es Abzug von Coints. Fleisch darf nicht zubereitet und gegessen werden. Nur einheimisches, gut haltbares Gemüse darf gegessen werden. Klimakontrolleure sind unterwegs, um zu prüfen, womöglich schon von der Straße aus „Fleischduft“ zu erschnüffeln. Es gibt harte Strafen. Das kann auch zum Abzug von Lebenszeit führen.

Auf den illegalen Erwerb von Fleisch oder Wurst drohten dem Käufer der Abzug von ein bis drei Jahren Lebensbudget. „Wer dabei ertappt wurde, bezahlte also für eine Salami den Gegenwert eines Lebensjahres in Coints.“ (S.40) Andere Verstöße führen auch zur Vorladung zum „Amt für Schuld und Scham“ (ASS).

Die Menschen müssen ständig ein unlösbares Armband tragen. Daran der sogenannte „Gute Helfer“. Angesichts solcher Begriffe ist man als Leser getriggert. Nicht von ungefähr kommt einen da rasch der Roman „1984“ von George Orwell in den Sinn. Der „Gute Helfer“ hilft den Mindestabstand zu halten, hat GPS, registriert Kontakte – unterscheidet dabei über erwünschte und unerwünschte – wer mit wem Kontakt aufgenommen hat.

Leseprobe 1

„Der sogenannte ›Gute Helfer‹ war nach CO2-Lifetime-Budget und De-Industrialisierung die dritte Säule zur Erreichung der Großen Transformation. Das unlösbare Armband beinhaltete eine Reihe wichtiger Funktionen, die Trägerin und Träger ein gutes und sicheres Leben in der neuen Gesellschaft ermöglichten…“

Das bedeutet ständige Überwachung. Die Menschen werden beruhigt: Aufrechte Bürger haben ja nichts zu verbergen. Dieser Spruch ist uns doch schon oft begegnet. Es wird optisch oder akustisch gewarnt. Auch schmerzhafte Stromstöße können dem gegen die Regeln verstoßenden Träger des „Guten Helfer“ verabreicht werden. „Ein warnendes Blinken trat zum Beispiel auf bei der Verwendung Dunkler Wörter, Faktenhetze, unautorisierter Annäherung an fremde Personen oder Erreichen einer Grenze. Dauerhaftes Warnleuchten machte den Träger kenntlich als Leugner, Hetzer oder Schädling.“ (S.24) Dann gibt es noch die Zukunftsvernichter, die ZuVis. Etwa ältere Menschen, die zuviel CO 2 verbrauchen. Es gibt Klimaretter und Planetenhelden. Ein Schuldbeweis bei manchen Menschen wurde als überflüssig erkannt. Von „Beweislastumkehr“ ist die Rede. Da ohnehin alle Menschen wüssten, dass sie prinzipiell bezüglich des Planeten schuldbeladen waren. Alles geschah ja schließlich im Sinne von Gesundheit und Klima.

Es galt: „Am sichersten ist man stets allein“ und „Freiheit ist Egoismus“. Und wer dächte beim Lesen des Folgenden nicht an eine der Seuchen unserer Zeit: die sogenannten Faktenchecker? Im Roman gibt es eine „Fakten Anstalt für konkrete Erkenntnisse“. Da schaudert es einen.

Ist das CO 2-Liftime-Budget abgelaufen, werden die Menschen „abgeholt“, wie es dann immer im Volksmund heißt(kommt uns das nicht von irgendwoher bekannt vor?) und in Lager verbracht.

Leseprobe 2

„Täglich lauschen die Menschen morgens um 8.00 und abends um 18.00 ihrer Klimakanzlerin, wenn sie zum Pray-for-the-Planet spricht. Alle Fahrzeuge bleiben stehen, alle Tätigkeiten ruhen, jede und jeder steht oder sitzt vor einem Bildschirm. Den Anfang macht stets die Hymne an den Planeten, eine Abwandlung von „Freude schöner Götterfunken“, die gemeinsam gesungen wird.

In diesem Ausschnitt beschäftigt sich Milena Grosse-Strümpel, die Kanzlerin, mit einer menschlichen Eigenschaft, die überraschenderweise sehr positiv sein kann…“

Dazu (S.3/4): „In diesem Moment startete die Übertragung. Der große Bildschirm an der Stirnseite des Raumes zeigte das Bild des Planeten, wie er erhaben im schwarzen All kreiste. Wie jeden Morgen erklang Beethovens 9. Sinfonie als Auftakt zur Ansprache der Kanzlerin. Die gesamte Klasse setzte mit der ersten Strophe ein, ein Text >Freude schöner Götterfunken< hatte vor sechs Jahren ein Update erhalten: Ende aller Lebensfunken/zukunftslos und leichenbleich,/Wir verspielten – egotrunken,/Oh Planet, dein Zukunftsreich. (…)

Es gibt ein „Amt für Gesundheitsverteidigung“ (sic!). Das wünschte sich sich klabauternder Lauterbach! All das eingeführt seit einer Pandemie. Dann kam die Klimarettung dazu.

Die Menschen haben sich mit der Begrüßungsfloskel „Keine Schuld“ zu begrüßen und mit „Gutes Gewissen“ zu verabschieden.

Erschreckend – aber auch gleichzeitig aufweckend und aufrüttelnd – ist dieser packend verfasste Thriller aus der Hand von Thomas Eisinger. Der wie die Faust aufs Auge in unsere Gegenwart passt. Warum nur hatte ich bislang nichts von diesem hervorragenden Buch erfahren?

Zum Buch heißt es: „In naher Zukunft: auf Grund der Maßnahmen zu Pandemien und Klimawandel hat sich das Leben vollkommen verändert. Ein Generationenkampf entbrennt in einer Welt, in der die Klimakanzlerin mit CO2-Konten, unlösbaren Armbändern und Kontaktbudgets unerbittlich regiert. Der Großteil der Menschen begrüßt all die Maßnahmen, mit denen sie sich von ihrer tief empfundenen Schuld befreien wollen.“

Ist das in der Realität denkbar? Wir haben es doch erlebt: Das walte Hugo!

Weiter: „In dieser explosiven Gemengelage kommt der junge Robin Hochwald“ – ein 18-jähriger Gamer – unerwartet an die Macht, nachdem der er dem Amt für Schuld und Scham entkommen ist. Nach irritierenden und schmerzhaften Erfahrungen erkennt er, dass er (als Bundeskanzler) eine Entscheidung treffen muss. Sein Beitrag zur Rettung der Welt ist vollkommen anders, als alle erwarten.“

Zitate aus dem Roman:

>>Sag mir, wer ist am mächtigsten?<<

>>Diejenigen, die bestimmen können, was Wahrheit ist.<<

«Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. In allen demokratischen Ländern ist das so. Wenn es aber kein Volk mehr gibt, weil der Planet uns Menschen nicht mehr erträgt, dann gibt es auch keine Demokratie mehr. Will man also die Demokratie retten, so muss man zuallererst die Menschheit vor ihrem Untergang retten. Und deshalb stehen alle Regelungen zum Schutz von Klima, Gesundheit und Planet über der Demokratie. Eben genau, um sie zu bewahren.»

Im Verlaufe der Handlung erfahren wir viel über Machtstrukturen und Machtmechanismen. Wie sie jahrhundertelang von unterschiedlichen Systemen immer wieder genutzt und angewendet wurden. Und weiter werden, weil wir Menschen schnell vergessen. Und neue Generationen diesen Machtmechanismen dann immer wieder zum Opfer fallen. Wie auch im richtigen Leben sind auch im Roman von Thomas Eisinger wieder einige gleicher als andere und nehmen sich Rechte heraus, die sie anderen – welche nicht zuletzt via der Medien und neuer „Errungenschaften“ wie beispielsweise den „Guten Helfer“ hinter die Fichte geführt werden – verweigern.

Wann werden wir je lernen? Wie sieht es „Hinter der Zukunft“ aus? Lesen Sie dieses hervorragende und spannende Buch – und empfehlen Sie es gerne weiter! Und lernen Sie etwas daraus. Es lohnt sich.

Thomas Eisinger

Hinter der Zukunft

Roman

als Hard Cover oder Taschenbuch, 552 Seiten, auch als E-Book erhältlich

16,90 € inkl. gesetzl. MwSt.

ISBN: 3969668611
EAN: 9783969668610

Erstauflage.

Herausgegeben von Thomas Eisinger
NOVA MD

Erschienen 2021

(Das Buch kann auch bei jedem Buchhändler vor Ort bezogen werden)

Beschreibung

Nachdem Religionen im Westen zunehmend ausgedient haben, füllt diese Lücke das Wohl von Klima und Planet. Die Macht haben diejenigen, die im von Materialismus und Narzissmus schwer geschädigten Westen das Bedürfnis nach Sinn, Moral und Spiritualität befriedigen können. Das Leben in naher Zukunft wird bestimmt vom Einsparen von CO2-Points, sogenannten Coints. Jeder Mensch erhält ein Lebensbudget an CO2, das er verbrauchen darf, Nachkauf ist nicht möglich. Die Landesgrenze ist geschlossen, um Klimaflucht zu verhindern. Täglich versammelt sich das ganze Land vor den Bildschirmen, um das Pray-for-the-Planet zu hören, das von der Klimakanzlerin verkündet wird. Ein Generationenkonflikt spaltet die gesamte Gesellschaft.Alle Einkäufe, Aktionen und vor allem Gespräche der Menschen werden überwacht und übermittelt von einem unlösbaren Armband, dem ‚Guten Helfer‘. Es bucht automatisch die Coints vom Lebensbudget ab, ist zugleich Einlasskontrolle, Impfnachweis, persönliche ID und achtet auf die Verwendung von Dunklen Wörtern. Der Protagonist, Robin Hochwaldt, kommt unvermittelt an eine zentrale Schaltstelle der Macht. Nach dramatischen Erlebnissen wird ihm klar, dass die Welt, wie sie ihm – ihnen allen – erzählt worden war, in Wirklichkeit gar nicht existiert. Am Ende wird er selbst – mit Unterstützung seiner WeggefährtInnen – zum Rebellen und führt die Menschen zurück in die Freiheit. Ein Lichtschein hinter der Zukunft wird erkennbar!

Portrait

Thomas Eisinger, Gründer einer der größten deutschen Internet Agenturen, Business Angel, Coach und seit einigen Jahren Schriftsteller. Autor mehrerer Kurzgeschichten. Wesentliche Impulse zu diesem Roman kamen vom aktuellen Zeitgeschehen, sowie von seinen Erfahrungen mit menschlichen Prägungen und Mustern aus seiner Tätigkeit als Coach.
Auf seiner Website finden sich weitere Kurzgeschichten und aktuelle Beiträge.