„Solidarisiert euch!“ – Eine Erinnerung an Andreas Ehrholdt

Der Aktivist und Autor Andreas Ehrholdt wurde als engagierter Initiator der im Jahre 2004 wiederbelebten Montagsdemonstrationen deutschlandweit und sogar darüber hinaus bekannt. Von 

Am 01.08.2012 in der Community von Freitag.de auf diesem (meinem dortigen Blog) erschienen.

Die Montagsdemo-Neuauflage hatte Andreas Ehrholdt angesichts unsozialen Hartz-Gesetze der damaligen rot-grünen Bundesregierung als dringend geboten gesehen. Die Montagsdemonstrationen hatten damals rasch an Zuspruch und Zulauf gewonnen. Doch, was sie erreichen sollten, erreichten sie nicht.

Untätig war Ehrholdt seither nicht. Nun will er mit einer kürzlich erschienen Schrift abermals Menschen zum Nachdenken bewegen. Ihr Titel:

Solidarisiert Euch!“

Andreas Ehrholdt will gewiss kein deutscher Stéphane Hessel sein. Und dennoch: Die inzwischen von Millionen Menschen in der Welt gelesenen Aufrufe Hessels „Empört Euch!“ und „Engagiert Euch!“ und Ehrholdts „Solidarisiert Euch!“ liegen – nüchtern betrachtet – gar nicht so weit auseinander. War es Hessel darum gegangen, möglichst viele Menschen zum Nachdenken anzuregen und zum Handeln zu bewegen – Ehrholdt hat nichts anderes im Sinn. Ich könnte mir Hessel und Ehrholdt durchaus gut im Dialog vorstellen. Wenngleich sich ihre Lebenswege und dabei gemachte Erfahrungen natürlich stärker nicht unterscheiden könnten. Was sie m.E. eint? Sie denken sehr mit dem Herzen!

Wie es ist, kann es nicht bleiben

Richtet sich Hessel „An die Empörten dieser Erde!“, so ist Andreas Ehrholdt mit seinem „Solidarisiert Euch!“ einer dieser Empörten, der sich an die Erde wendet. Beide entstammen unterschiedlichen Schichten. Beide haben ihre ganz spezielle Sicht und blicken aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Welt. Einen tut sie gewiss die Erkenntnis: Wie es ist, kann es nicht bleiben. Eben mal schnell die Welt retten? Von diesem Schlage sind beide nicht. Sie haben ihre Erfahrungen gemacht. Hessel die schmerzhafteren von Beiden.

Auf Seite 22 seines Buches schreibt Ehrholdt: „Nur eine Welt in solidarischer Gemeinschaft ist eine friedliche Welt.“ Wie und auf welche Weise wir dahin kommen könnten, darüber hat sich Ehrholdt auf eine Art schreibend vorangebracht, die mich an den Titel des Kleist-Aufsatzes „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ denken ließ. Man muss halt nur „Reden“ durch „Schreiben“ ersetzen.

Gleich eingangs des Buches merkt Ehrholdt an, er habe sich darin einer didaktischen Methode seines Lieblingslehrers bedient: […]„der hat auch immer wiederholt, bis ich es kapiert hatte.“ Auch wir kapieren – ohne das als oberlehrerhaft zu empfinden (keine Bange, Andreas Ehrholdt) – was er zum Wohler aller (vor-)denkt.. Darauf passt das Attac-Motto „Eine andere Welt ist möglich“. Doch wie dahin kommen? Das Einfache, das schwer zu machen ist! Wohl wahr. Doch warum nicht darüber nachdenken?

Der Mangel

Ehrholdt ist ein gewesener DDR-Mensch. Da ist es so verständlich wie legitim, dass er seine Skizzen zu einer sozial gerechteren Zukunft weltweit auch Nektar aus den damals gemachten Erfahrungen saugt. Die DDR litt am Mangel und unter vielen Mängeln. Auch heute, meint Ehrholdt, herrsche Mangel. Etwa an Geld. Am rechten Fleck, sei hinzugefügt. Denn Geld gibt es soviel wie Dreck auf der Welt, wie Heiner Geißler einmal sagte. Ehrholdt meint, es müsse insgesamt mehr geteilt werden, damit alle ausreichend hätten, um menschenwürdig leben zu können. Und er meint damit nicht nur das Geld. Auch Verzicht gehöre zum Wandel. Es gälte regionale Märkte zu stärken, statt weiter „der Mär von der Globalisierung“ nachzulaufen.

Ein Elefant vergisst nun mal nicht so einfach

Als Mensch mit Hartz-IV-Erfahrung möchte sich Ehrholdt gern mit Menschen solidarisieren, die Alternativen zu den „Schandtaten der Agendamacher“ (Überschrift Kapitel 2) anzubieten hätten. Parteien die „die Agenda 2010 erfanden“ (S. 14) schließt Ehrholdt von seiner Solidarität indessen (vorläufig) aus: „Sie sind nicht aus meinem Gedächtnis gestrichen, ein Elefant vergisst nun mal nicht so einfach, weder das Gute noch diese Schlechtigkeiten, aber aus meinem Herzen sind sie gestrichen.“ Nur eine Chance hätten die: Eine klare „Absage an Hartz-IV und an andere Verwerfungen neoliberaler unsozialer Politik …“ […]

Hoffnung und Enttäuschung haben schon vielen Menschen den Stift in der Wahlkabine geschwungen“

Wenngleich Ehrholdt an den Parteien nicht viel Gutes lässt, weil sie „uns doch nur noch als Stimmvieh“ benötigen, „um dann für sich selbst die Tröge der Macht zu sichern: ihr Dasein im Sinne eines funktionierenden Demokratie stellt er nicht infrage. Doch wer von den Parteien spricht, muss auch von deren Wählern oder Nicht-Wählern sprechen. Müssten die nicht auch mehr Verantwortung übernehmen, und: sich bewegen? Andreas Ehrholdt drückt es auf seine Weise aus. Dennoch: Seine Parteienkritik ist nicht weit entfernt von der des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Parteien müssen sich in den Dienst des Souveräns stellen. Nicht den Staat gewissermaßen als Eigentum betrachten und zu Erhaltung der eignen Macht (und ihrer Klientel) missbrauchen. Und die Piraten? Ehrholdt: Ob die politische Bewegung durch sie bereichert wurde: „Das muss die Zeit erweisen.“ Mahnend: „Hoffnung und Enttäuschung haben schon vielen Menschen den Stift in der Wahlkabine geschwungen.“

Bewegungen und zu Bewegende

Der Autor macht sich über das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) Gedanken. Es scheint ihm sympathisch zu sein. Obgleich dessen Einführung vorläufig nicht realistisch erscheint. Vielleicht weil unsere „Denke“ noch nicht soweit ist? Ehrholdt selbst ist der Meinung: „dass dieses Grundeinkommen an Bedingungen geknüpft sein muss.“ Und vor dem Grundeinkommen müsse der Mindestlohn kommen. Occupy attestiert Ehrholdt als Bewegung Menschen zu bewegen. Aber er fürchtet, dass Occupy-Bewegten zu wenig Menschen – vielleicht weil sie kein Ziel formulieren? – bzw. letztlich nichts erreichen.

Was wir zuerst teilen müssen, das ist unsere Aufmerksamkeit.“

Ehrholdt gibt zu, niemanden zu sehen, der uns aus der Misere herausführt. Der einzig gangbare Weg führe (S. 21) „über wahre soziale Gerechtigkeit.“ Wir sollten arbeiten, um zu leben – nicht umgekehrt: „Wir sollten wieder bereit sein, gerechter zu teilen. Wir sollten unsere Gier nach Unnützem über Bord werfen.“ Und, merkt Andreas Ehrholdt an: „Was wir zuerst teilen müssen, das ist unsere Aufmerksamkeit.“ Nicht verkehrt. Auch dieser Satz: „Unser Reichtum ist die Armut anderer.“ Obgleich verkürzt formuliert, steckt doch mehr als ein Funken Wahrheit darin!

So wie Andreas Ehrholdt die Welt sehen möchte, käme das Dahin der Quadratur eines Kreises gleich. Bestimmte Ökonomen und vor allem natürlich die Profiteure des jetzigen Systems werden sofort zeter und mordio schreien: Nicht durchführbar. Doch denkbar ist Erholdts Ansatz allemal. Und so denkt Ehrholdt für uns und andere so. So kann nur einer denken, der schon öfters im Leben gegen Wände angelaufen ist und in Abgründe geschaut hat. Warum soll es denn hinter diesen von wem auch immer errichteten Wänden nicht anders (besser?) weitergehen? Das derzeitige System ist nicht alternativlos.

Der Welt einen Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe?

Jedes Land dieser Erde soll nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl und des Bruttoinlandsprodukt (BIP) betreffs Finanzierung, Produktion usw. gewissermaßen Teil eines atmenden, ständig überprüf- und änderbaren, weltumspannenden – sozusagen atmenden solidarischen Systems werden. Ohne dabei den weltweiten Handel einzuschränken. Selbstverständlich sollen soziokulturelle Unterschiede be- und geachtet werden. Es wäre ein System, dass darauf ausgelegt ist, die Einen nicht durch die Anderen auszuspielen. Was auf Menschen und Ländern gleichermaßen bezogen ist. Die Welt, in der ohnehin quasi alle in einem Boot sitzen – kaum ein Land die drängendsten Probleme noch ohne die anderen angehen kann – soll u.a. durch Verzicht, Ausgleich und Teilen eine gerechtere werden. Zum besseren Verständnis des derzeitigen Zustandes hat Andreas Ehrholdt Tabellen in sein Buch aufgenommen. Auf Seite 26/27 die mit den Mitgliedsländern der EU samt Einwohnerzahlen. Auf den Seiten 60, 61 u. 62 afrikanischen Länder mit Bevölkerungszahlen und BIP pro Dollar. Auf den Seiten 72,73 u. 74 die Länder Asiens. Sowie auf Seite 83 ein Tabelle betreffs deutscher Entwicklungshilfe. Hinweis: Diese Tabelle sollte jedoch bei einer eventuellen Neuauflage vergrößert dargestellt werden. Selbst mit Lupe ist da kaum etwas zu entziffern.

Andreas Ehrholdt geht auf den Millenniumsplan. Erörtert dessen Mängel und erahnt, warum er scheitern wird. Der Autor plädiert daher „für ein System, wie es der RGW, der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, darstellte: Handel wieder über Warenaustausch, das ist gerechter, als die Mächtigen über den Preis ihrer Güter und den Wert ihrer Währung bestimmen zu lassen.“ Wie man es letztlich nenne, ist Ehrholdt egal: vielleicht auch Millenniumsplan II? Ihm geht es um soziale Gerechtigkeit. „Und nicht nur im sozial ungerechten vereinten Europa, sondern weltweit.“

Ein mutiges Buch, mit viel Herz geschrieben

Ein ehrliches Buch. Eine Schrift, die sich mit nahezu allen Problemen der Gegenwart auseinandersetzt. Das mag ein bisschen viel auf einmal sein. Aber ist es denn nicht auch tatsächlich so: ein bisschen viel für uns alle? Andreas Ehrholdt hat aufgeschrieben, was faul ist auf der Welt, wie im eignen Land. Er ist ein Mensch, der sich nun einmal damit beschäftigen muss. Nicht allein nur weil ihn die Probleme zum Teil bis auf die eignen Knochen angehen.Weil es in seinem Kopf hämmert: So kann’s nicht bleiben, mach was! Macht was!, ruft er uns nun wieder einmal zu: „Solidarisiert Euch!“ Gelebte Solidarität (Zärtlichkeit ist die Solidarität der Völker; soll Che Guevara einst gesagt haben.) ist vielleicht das Einzige, was die Menschheit wird überleben lassen können. Diese Schrift ist nachdenkend und mit viel Herz geschrieben, um andere nachdenklich werden zu lassen. Wenige Passagen könnten manchem zu naiv (im besten Sinne) oder unscharf ausgedrückt sein. Anderes ließe sich als Klischees missverstehen: „Die Geschicke und menschlichen Ressourcen sind unterschiedlich. Der Afrikaner ist eher ein Händler, eher ein Kleintierzüchter.“ Das Kapitel 5 „Afrika, so reich… doch so arm“ kündet jedoch davon, dass Ehrholdt diesen Kontinent durchaus realistisch und wohlwollend betrachtet.

Steht im Weg: Der Kapitalismus

Dieses Buch handelt nicht zuletzt auch von Träumen. Doch erfüllen werden sich die im Kapitalismus kaum. Ehrholdt weiß das. Auf Seite 89 schreibt er nämlich: „dass der Kapitalismus etwas Schreckliches ist, auch wenn auf der Mogelpackung soziale Markwirtschaft steht.“ Seiten vorher (S.79) liest man: „Große Worte eines kleinen Wichtes, natürlich. Aber wenn ihr in diesen Ruf einsteigt, dann würde er zu einem Schrei, der dann nicht mehr von Wichten kommt, einem Schrei, der gehört werden würde“ […] „Und wenn die Politik sich nicht kümmert, dann müssen wir die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen.“ Ehrholdts Schlusswort ist rührend. Aber auch das kommt von Herzen: „Und ich entschuldige mich bei allen Menschen Europas, die unter uns zu leiden haben nur weil wir zu schwach, zu dumm, zu gierig oder zu sozial ungerecht sind. Ich entschuldige mich dafür, dass ich leider zu schwach bin, trotz meiner Erkenntnis diesem System ein Ende zu bereiten.“ Ach, wären doch die meisten Menschen nur zur Hälfte so wie dieser Ehrholdt! Solidarisiert Euch! Ein Buch als Nachdenkstoff im besten Sinne.

Andreas Ehrholdt

Solidarisiert Euch!

BoD – Books on Demand, broschiert; 92 Seiten

ISBN: 978-3-8448-4111-4

Preis: 6,90 Euro

Information: Andreas Ehrholdt ist am 25. Mai 2023 gestorben.

Artikelfoto: ©Claus Stille

Andreas Ehrholdt im Video

Rezension: Monsieur Rainer „Luise Kautt: Blutfreitag“ – Spannend, nahe an der Realität

Buchcover Blutfreitag via Book on Demand

Buchcover Blutfreitag via Book on Demand

Hat man erst einmal ein Buch von Monsieur Rainer (Rainer Kahni) gelesen will man mehr. Es ist nicht nur sein einzigartiger Schreibstil, der es einen antut. Es durchaus – ganz im Gegenteil! – gut und keineswegs ein Manko, dass beim Schriftsteller Monsieur Rainer die ursprüngliche Profession des in Deutschland geborenen Wahlfranzosen, Journalist, durchscheint. Monsieur Rainer hat ein enormes Hintergrundwissen angesammelt, kennt sich in den Höhen und noch mehr: den Niederungen der Politik und erst recht in der Justiz aus. Hätte er das in seinen Büchern Vorkommende in Zeitungsartikel gegossen – gewiss würde er mit Klagen überzogen bzw. überhaupt nicht gedruckt. Die Form des Romans, des Thrillers im vorliegendem Falle – die es dem Autor erlaubt, die Wirklichkeit fiktional zu verarbeiten.

Vom Schwäbeln nicht abschrecken lassen

„Luise Kautt: Blutfreitag“ ist als „Politthriller – nicht nur für Schwaben“ ausgewiesen. Davon sollte sich niemand abschrecken lassen, weil er Angst hat die schwäbelnde Heldin des Thrillers nicht zu verstehen. Weil: Bekanntlich können ja Schwaben. bekanntlich alles außer Hochdeutsch können. Keine Angst: Ran an den Speck! Das derbe, oft unter die Gürtellinie zielende Schwäbisch der Polizistin Luise Kautt ist nämlich geradezu Salz in der Suppe dieses Thrillers! Man kann sich schnell einlesen, versprochen. Ich las das Buch in meinem Türkei-Urlaub in einem Rutsch durch. Erst recht ein interessanter Kontrast: zwischen Türkisch und Schwäbisch quasi hin- und herzuschalten.

Nicht nur mundartlich eine Wucht in Tüten: Heldin Luise Kautt

Die Kriminaloberrätin Luise Kautt, im Dezernat „Organisierte Kriminalität“ im Stuttgarter Landeskriminalität tätig, ist eine Wucht Tüten. Gerne schleudert sie mal – auch in Richtung ihrer Vorgesetzten – „Du daube Sau, du!“ hinaus. Köstlich.

Am Anfang steht  ein Anschlag

Ihr Fall beginnt mit den Ermittlungen nach einem folgenschweren Anschlag im oberschwäbischen Weingarten, wo alljährlich am Freitag nach Christi Himmelfahrt der traditionelle Blutritt stattfindet. Bei ihren Ermittlungen trifft die Kriminalistin bald schon auf gewaltige Widerstände vonseiten der oberen Etagen von Polizei und Justiz. Doch Kautt lässt sich nicht einschüchtern. Von nichts und niemanden. Bald schon hilft ihr eine gewissermaßen unsichtbare Hand.

Das Buch bezieht sich auf wahre Ereignisse

Monsieur Rainer gibt an, sich betreffs seines Stoffes auf eigne Recherchen und wahre Ereignisse bezogen zu haben. Auf diese Weise dürfte er sich sehr nahe an die Realität heran geschrieben haben. Dass macht seinen Thriller äußerst brisant. Und manche Leserinnen und Leser dürften bei der Lektüre den Glauben an den deutschen Rechtsstaat ein Stück weit verlieren. Deutlich wird wie bescheiden es hierzulande um Trennung von Judikative und Exekutive sowie um die Trennung von Staat und Kirche ausschaut.

Also Warnhinweis: Die Lektüre dieses Buches könnte das eigne Weltbild zum Einstürzen bringen! Wagen Sie es dennoch – es lohnt sich.

Immer wieder hat  es Spannungspitzen

Monsieur Rainer hat die Handlung äußerst geschickt konstruiert. Immer wieder hat  es Spannungsspitzen. Die Spannung wird zuweilen durch humorige Einsprengsel aufgelockert, aber sofort wieder aufgeladen, um hart vorangetrieben zu werden. Langeweile kommt nicht auf. Ich vergaß im von der Sommerhitze aufgeladenen Izmir oft die Stirn zu trocknen und der Schweiß tropfte auf die Buchseiten. Ganz einfach: Weil ich lieber zügig umblätterte, um ja in der Spur und auf dem Laufenden zu bleiben.

Irgendwann bekommt es Kriminaloberrätin Kautt mit so etwas wie einem tiefen Staat zu tun. Und zwar einem, der – wie mehr und mehr offenbar wird – europäisch vernetzt ist und dementsprechend agiert. Dessen Akteure versuchen die unbequeme Ermittlerin kleinzukriegen. Sie wird gar inhaftiert und psychischer Folter unterworfen. Angeblich regierende Politiker scheinen plötzlich als Marionetten auf. Da muss man doch glatt an Horst Seehofer denken, der wohl ausnahmsweise die einmal ehrlich sprach: „Diejenigen die entscheiden, sind nicht gewählt.
Diejenigen die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden“

Kautt wird in ein Schlamassel verstrickt, steckt mal im behördlichen Unwesen fest und flucht in ihrer m.E., dazu bestens geeigneten schwäbischen Mundart über den Sumpf, die  Korruption im Staate und das Unvermögen der Justiz. Unterhaltsam. Spannend. Mitreißend. Und aufrüttelnd für die, nicht länger hinzunehmen gedenken, was in diesem unseren Lande und anderswo in Europa an Ungeheuerlichem geschieht. Das Buch passt wie die Faust aufs Auge und diese miese Zeit, eines heruntergekommenen Europas. Leserinnen und Leser, die vor der Lektüre dieses Thrillers meinten, Korruption und Mafia seien etwa nur in Italien zu Hause und in Deutschland sei alles in bester, eben deutscher Ordnung, wird nach dem Zuschlagen von „Blutfreitag“ bitterlich ins Kissen weinen oder empört nach Veränderung schreien! Oder man kann sich damit belügen, das sei ja alles nur Literatur und frei erfunden.

Monsieur Rainer: „Es ist schlimmer als allgemein vermutet!“

Aber man hat doch schon von gewissen Geheimlogen gehört oder von Gladio, oder? Lesen Sie mal nach: unter Gladio.

Dazu: Rainer Kahni am 02.10.12 zu seinem Buch auf Facebook Journalistenseite:GLADIO lebt! Die internationale Loge des Verbrechens ist lebendiger denn je! In diesem exakt recherchierten Politthriller werden die wahren Machtverhältnisse in der Welt bis ins Detail beschrieben. Es ist schlimmer als allgemein vermutet!“

Ich möchte meinen Leserinnen und Lesern diesen Politthriller – der m.E. nach Verfilmung schreit – wärmstens ans Herz legen. Er enthält auch manches  Klischeehaftes, was vielleicht in der Wirklichkeit der Polizeiarbeit so keinen Bestand hätte –  dies aber findet sich auch bei manchem Tatort im Fernsehen. Aber die spannungsgeladene Handlung macht das wett und fesselnt die Leser durchweg.

Also: Lesen!

Mehr sei hier nicht verraten. Appetit dürfte nunmehr gemacht sein. Also: Lesen! Spannung, Amüsement sind garantiert. Und Hintergrundinformationen werden von Monsieur Rainer anbei mitgeliefert. Er stützt sich dabei auf seinen großen Erfahrungschatz, eigene Recherchen während seiner Zeit als aktiver Journalist in vielen Krisengebieten der Welt und auf persönlich gewonnene Kenntnis der Zustände in der deutschen Justiz.

Ich möchte hier nicht enden, bevor ich nicht auch auf andere von Monseur Rainer geschriebene Bücher hingewiesen habe. Neue wird es wohl leider keine weiteren mehr geben: Rainer Kahni liegt derzeit sterbenskrank – im „Todestrakt“, wie heute auf seiner Facebook-Seite zu lesen stand – in einem Hospital seiner  Wahlheimat Frankreich. Er musste  diese Zeilen diktieren.

———————————————————————————————————

Buch (Taschenbuch)

Luise Kautt: Blutfreitag

Politthriller – nicht nur für Schwaben

von Monsieur Rainer

ISBN

978-3-8423-8082-0

EAN

9783842380820

392 Seiten; 25,00 €

Buchcover Blutfreitag via Book on Demand

Buchcover Blutfreitag via Book on Demand